Hilary Hahn

teleton (22.08.2010, 17:38):
Wegen meines aktuellem Neukauf der Hilary Hahn-5CD-Collektion möchte ich diesen Thread öffenen und gleich meine Eindrücke zu einigen der enthaltenen Aufnahmen abgeben.

:thanks Soviel vorab:
Hilary Hahn´s Interpretationen gefallen mir außerordentlich gut. Eine fabelhafte Ergänzung zu meinen besteheden CD´s.

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SONY, 1997-2001, DDD

Beim Meyer - VC (1999) handelt es sich um das VC von Edgar Meyer (geb.1960) das er 1999 für Hilary Hahn komponiert hat. (Ich dachte vorher ungesehen, dass es sich um das VC von Ernst Hermann Meyer handelt.)

Das Werk besteht aus 2 Mouvements, die voll auf tonalem Boden bleiben. Interessant für so ein aktuelles Werk - es muß nicht immer atonal sein: Mouvement I ist ein recht ruhiger und schöner Satz nachdem man sich etwas aufgewühlteres wünschen würde. Hilary hahn spielt betörend schön.

Mouvement II bleibt allerdings zunächst auch relativ gehalten um dann im zweiten Teil dieses 16minütigen Satzes doch noch "aus den Pötten" zu kommen.
Fazit: Ganz nett; vielleicht nicht ganz zeitgemäß wirkend; aber das erste Werk das für Hilary Hahn geschrieben wurde und von ihr regelmäßig aufgeführt und hier erstmals eingespielt wurde.

:I Nicht glücklich bin ich mit der Begleitung: Saint Pauls Chamber Orchestra / Hugh Wolf. Ich finde bei aller klanglichen Raffinesse und Präzision die geboten wird, kommt die Musik nicht richtig aus sich heraus und bleibt zu sehr dem reinen musizieren verpflichtet, statt aufzuwühlen. Das ist mit übrigens bei dem Ensemble mit Wolff schon mehrfach aufgefallen. Mit einem anderen Orchester/Dirigenten wäre noch wesentlich mehr aus dem Werk herauszuholen !



Auch das Barber - VC (1939/40) auf der CD mit dem St.Pauls Chamber Orchestra / Hugh Wolff hinterläßt den gleichen Eindruck.
Von Hilary Hahn großartig interpretiert; der letzte Satz in fetzigen 3:25. Ihr langsames Vibrato (nach der amerikanischen Violinschule) scheint ganz mein Fall zu sein. Aber die Orchesterbegleitung wirkt auf mich flach und langweilig.

*** Man höre dagegen die New Yorker PH mit Bernstein und Stern, wie spannend man bereits den 1.Satz gestalten kann.

Bei Hugh Wolf, von dem die fonoforum - Kritik06/200 positiv schreibt, dass Wolff nicht begleitet sondern konzertiert, bleibt für mich an der Oberfläche.

Zum Glück sind in der Hilary Hahn-Collection ansonsten andere begleitende Orchester/Dirigenten anzutreffen !


:engel Ganz große Klasse in der Collection Schostakowitsch VC Nr.1 mit Oslo PO/Marek Janowsky.


:engel Sehr ausgefeilt und einfach TOP das Strawinsky - VC mit der AOTMIDF/Marriner (OT: hier auf dieser CD-Kopplung ist das Brahms VC aber zu lasch im Orchester), für Strawinsky lohnt diese CD.


:engel Spitzenklasse liefert Hilary Hahn auch bei Leonard Bernsteins fabelhaftem VC der Serenade für , Streicher, Harfe und Percussion (1954) mit dem Baltimore SO/Zinman ab. Hier können sich alle Beteiligten ohne weiteres mit meinen referenzwürdigen Aufnahmen in erster Line Stern/New Yoker PH/ Bernstein (SONY) und Kremer/Israel PO/Bernstein (DG) messen.

Das Balimore SO mit Zinman sind ohnehin die Mentoren von Hilary Hahn gewesen - da konnte nichts schief gehen.


Die klassischen VC in der Collektion lasse ich jetzt mal unerwähnt, weil nur angespielt. Über das Brahms VC hatte ich mich im Brahms - VC -Thread bereits geäußert: Diese Aufnahme ist mit orchestral zu artig geraten, wegen Marriner.

:times10 Eine fabelhafte 5CD-Collektion, die man schon wegen dem Wahnsinns-Preis nicht verpassen sollte.
Nicolas_Aine (22.08.2010, 19:36):
Vielen Dank für den Hinweis, habs mir die Box grad bestellt :) :thanks :thanks

ich werde mich in den nächsten Tagen noch zu Hahn äußern, von den aktuellen Geigern mein absoluter Favorit :)
Cetay (inaktiv) (24.08.2010, 12:20):
It doesn't matter how a melody is constructed, it's still a melody. It doesn't matter whether a structural element is there because a composer woke up with it from a dream, or they sat down and mapped it out. It doesn't really matter. That's all in the music, and it's all there to be interpreted. (Hahn über Schönbergs VK in violinist.com)

Zu Hilary Hahn habe ich einen ganz besonderen Bezug, denn durch sie habe ich nach jahrelanger Abstinenz wieder auf den Klassikpfad zurückgefunden. (Wie üblich recycle ich nach dem Prinzip der maximalen Faulheit ältere Beitrage von mir):

Auslöser war eine Raodshow-artige Dokumentation über Hilary Hahn, in die ich beim unsäglichen Durchzappen der Fernsehprogramme geraten bin. Ich war hin und weg von diesem bezaubernden und klugen Wesen und bin am nächsten Tag schnurstracks zum planetarischen Großhändler (also ganz so, wie sich das die Vermarktungsstrategen der großen Labels vorstellen).
Besonders beeindruckend fand ich die folgende Szene:

Sie trat in einem Club auf, der immer wieder Klassik-Stars einlädt, um Berührung mit einer Hörerschaft, die Konzertsäle meidet, zu ermöglichen. Die meisten Interpreten trauen sich erst gar nicht hin und die, die hingehen, scheitern oft kläglich, weil sie mit der Geräuschkulisse und fehlenden Aufmerksamkeit des Publikums nicht klarkommen. Kurz nachdem Hilary Hahn -unbegleitet- zu spielen begonnen hatte war Totenstille, die Leute standen mit offenem Mund herum, zum Teil als ob sie mitten in der Bewegung erstarrt wären, das Bierglas noch in der Hand.
Ich denke, damit ist ein Geheimnis ihres Erfolgs gelüftet. Die Fähigkeit, das Publikum alleine durch die Tonbildung in den Bann zu ziehen, ist selten. In der Tat ist Hahn immer dann besonders gut, wenn das im Mittelpunkt steht.

Hilary Hahn hat (...) ihre großen Momente, wenn sie sich über dem Orchester schwebend aussingen kann - das berührt dann aber auch bis tief ins Innerste.
Was den großen Bogen, die Architektur und die "geistige Durchdringung" angeht, fällt mir Hahn kaum besonders auf. Ich habe jedenfalls noch nirgends besondere Einsichten gewonnen. Es ist m.E. kein Zufall, dass sie besonders bei Schönberg und Paganini brilliert und die Konkurrenz vergessen läßt. Ersteren hat noch niemand durchdrungen und bei letzterem gibt es nichts zu durchdringen . Hier kann man sich ganz auf Hilary Hahn konzentrieren und wird nicht vom Werk abgelenkt.

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Neben dem Schönbergkonzert überzeugt mich vor allem ihr Paganini:

(...) Das aggressive Gesäge, das die Konkurrenz bietet, suggeriert Feuer und Leidenschaft (...). Der schlechte Ruf des Konzerts als reines Virtuosen-Schaustück kommt nicht zuletzt durch diese Spielweise. Hilary Hahn dagegen gelingt es, die lyrische Schönheit des Violinparts in den Vordergrund zu stellen. Und weil das famose Orchester deswegen nicht in den Hintergrund gespielt wird, kann es seinen Part so differenziert wie es die Partitur hergibt - und wie es Eiji Oue umsetzt - ausspielen. Angesichts des auf dieser CD Gehörten bezweifle ich, dass der Orchesterteil wirklich so schlecht ist, wie es von Generation zu Generation weitererzählt wird. Das glaube ich eher von den bisherigen Dirigenten.

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Hilary Hahn ist für mich keine Geigerin, deren Karriere ich atemlos verfolge und von der ich alles, was es auf Tonträger gibt, unbedingt brauche. Der 5er-Pack ist mir immer noch zu teuer, da ich manche der gebotenen Konzerte nicht mag und andere in mehreren für mich deutlich hochkarätigeren Einspielungen vorliegen.
Rachmaninov (05.09.2010, 09:30):
Hilary Hahn ist ohne zweifel ein sehr gute Geigerin. jeodch zieht sich durch ihre Aufnahmen etwas wie ein roter Faden:
Es wird eigentlich immer sehr sauber gespielt, aber mir fehlt einfach meist der Ausdruck. Sauber, glatt wirken meist ihre Einspielungen.
Da stehen bei mir andere Geiger unserer Tage einfach in meinem Ranking vor Fr. Hahn. Das unterscheidet IMHO z.B. die Osteuropäischen Geiger fundamental von Fr. Hahn.

Ähnlich wie Cetay geht es mir in der Aussage, dass mir eigentlich von allen Konzerten, die sie eingespielt hat, Einspielungen vorliegen, die ich bevorzuge.

Zu den guten Aufnahmen von ihr würde ich vor allem die Aufnahme des Brahms und der Schostakowitsch VK zählen. Wobei es auch hier IMHO andere Empfehlungen meinerseits gibt.
Nicolas_Aine (05.09.2010, 22:48):
Also von allen aktuellen Geiger/-innen, die ich kenne, gefällt mir Hahn mit Abstand am besten. Technisch wahnsinnig gut, aber ich finde ihre Interpretationen sehr klug gestaltet und vor allem ihren Ton - so einen intensiven Ton kenn ich sonst nicht... dazu noch flexibel, ihr Bach gefällt mir genauso gut wie ihr Brahms oder Sibelius.

Meine absolute Lieblingsaufnahme mit ihr ist die hier:
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Allerdings nicht wie oben angesprochen das Schönberg Konzert, sondern Sibelius. Ich finds einfach fantastisch, so stell ich mir das vor, vor allem tonlich, ich find, sie triffts einfach immer, mal dünn, mal voll, aber immer intensiv, einfach herrlich. Umso mehr freu ich mich drauf, dass ich sie damit bald live hören werde :)

Aus der Box gefällt mir noch Mendelssohn sehr gut, auch eine tolle Aufnahme, gerade auch im 3. Satz, wunderbar spritzig.

Von diesen zwei Konzerten sind das auf jeden Fall meine liebsten Aufnahmen.

Bach gefällt mir auch sehr gut, sehr schön gestaltet, manchmal etwas fett im Ton finde ich. Die Chaconne aus der d - moll Partita allerdings finde ich auch fantastisch.

Sowohl ein sehr schönes Konzert als auch eine klasse Aufnahme ist das Barber VK.

Was ich jetzt neu entdeckt hab, ist das VK von Meyer. Kannte ich vorher nicht, gefällt mir aber ausgezeichnet.

Brahms gefällt mir auch sehr gut, aber nicht so gut wie Oistrakh, ähnlich bei Beethoven, durchaus sehr gut, aber es gibt noch bessere, Repin z.B.

Auch eine gute Aufnahme ist diese CD hier:
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Mit Mozart Violinsonaten hab ich mich nur wenig beschäftigt, obwohl ich schon welche gespielt hab (allerdings ist das auch schon eine Weile her Oo)