Humperdinck, E.: Hänsel und Gretel (Kommentierte Diskographie)

Jürgen (28.08.2015, 11:59):
Die Karajan-Aufnahme liegt auch mir vor.
Sie ist zwar nicht mein Favorit, rangiert aber eindeutig unter den Top-Ten. (Ich habe nur 4 :))

Die Argumente gegen die Favoritenrolle hast Du eigentlich schon genannt, und sind von meiner Seite den klanglichen Defiziten geschuldet.

Mein Favorit ist......

Aber der kommt erst wesentlich später als 1953, und ich will nicht vorgreifen.

Grüße
Jürgen
Jürgen (28.08.2015, 18:20):
Original von Hosenrolle1
Ich rate mal ganz frech und schwanke zw. 1971 unter Eichhorn und 1989 unter Tate, tendiere aber zu letzterem.


Falsch. Aber Du brauchst nicht raten, benutze einfach die Suchfunktion.
Ich habe meine Marken schon gesetzt.

Grüße
Jürgen
Jürgen (06.11.2015, 08:50):
Original von Rotkäppchen
Original von Hosenrolle1
Noch ein kurzes Wort zur Besetzung als solche. Im Laufe der Zeit habe ich festgestellt, dass diese Einspielung quasi nur eine von mehreren ist, die diese Besetzung aufgenommen hat.
Etwa beim "Freischütz unter Carlos Kleiber" findet man ebenfalls Schreier, Adam, Springer, Schröter und Krahmer (ebenfalls Staatskapelle Dresden), oder beim "Fidelio", wiederum Schreier, Adam, wieder Staatskapelle Dresden. Vermutlich gibt es noch mehrere Aufnahmen mit dieser Besetzung.
Dadurch entsteht für mich subjektiv der Eindruck, als ob da eine "Gruppe" nur schnell mehrere Opern abhandelt, und gar nicht der Versuch unternommen wird, rollenadäquate SängerInnen zu finden.

Hallo Hosenrolle1, dazu vielleicht ein kurzer Kommentar, auch wenn es nicht direkt zu HuG gehört. Für mich ist dieses Phänomen ganz und gar nicht verwunderlich, handelt es sich doch um einige der – bzgl. Operngesang – Superstars der DDR (zumindest Adam und Schreier, bei den Damen weiß ich es nicht so genau), die auch außerhalb der "Mauer" einen gewissen Bekanntheitsgrad hatten. Letzteres gilt wohl auch für die Staatskapelle Dresden. Ich meine, heute ist es auch nicht viel anderes, die Stars der Branche machen halt viele Aufnahmen, weil sich genau diese gut verkaufen.
:hello Rk

Ich kann Rotkäppchen nur beipflichten. Die Kombination Schreier / Adam wurde zu DDR-Zeiten extrem ausgereizt. Heute freue ich mich darüber, dass es so viele hervorragende Tondokumente gibt. Z.B. diese ziemlich un-HIPe aber schöne Aufnahme von BWV 248

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51tKKGMjiRL._SL500_AA400_.jpg

Übrigens ist hier die Aufmachung in edlem Samtschubert abgebildet. :D

Grüße
Jürgen
Jürgen (10.11.2015, 07:39):
Ja Hosenrolle1,

was lernen wir daraus?

Authentizität ist kein Qualitätskriterium. Wenn die Uraufführung schon mangelhaft war, muss dem doch nicht nachgeeifert werden.

Aber egal, ich würde das nicht überbewerten. Es ist halt ein Werbetext.

Und es handelt sich um eine SACD, und die Hörproben vermitteln einen, wie ich finde, sehr guten Klang des Orchesters

Auch ich habe mir die Hörproben angehört. Ich bin recht angetan, aber das, was eine SACD ausmacht, hört man dabei nicht heraus.
Die Hexe von einem Tenor gesungen, kommt bei mir nicht so gut an.

Momentan ist sie mir mit über 30 Euro noch zu teuer, deswegen warte ich noch ein wenig.

Das Warten hat ein Ende. Auf dem Marketplace hat sich der Preis schon halbiert.




Grüße
Jürgen
Cetay (inaktiv) (27.08.2015, 22:02):


Diese Riesenbilder sind ein Alptraum, wenn ich meine 3GB Highspeed-Volumen-Flat fürs Smartphone mal wieder vor Monatsende verbraten habe.

Es geht:

Ändere: "http://ecx.images-amazon.com/images/I/81QbvLQv-zL._SL1417_.jpg"

z.B. in "http://ecx.images-amazon.com/images/I/81QbvLQv-zL._SL300_.jpg"

und heraus kommt:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/81QbvLQv-zL._SL300_.jpg
Peter Brixius (11.04.2015, 17:07):
Zunächst einmal vielen Dank für dieses Unternehmen, das es mal nicht bei den Gesamteinspielungen belässt, sondern weiteres an Musik mit einbezieht.

Worüber ich zunächst gestolpert bin, war die Form der Opernfantasie. Das kann ich mir zwar ein wenig aus der Zusammensetzung erschließen: Eine Fantasie ist eine Form der Improvisation, man fantasiert etwa auf dem Klavier, es ist eine freie Form des musikalischen Nachdenkens über ein gegebenes Material, hier die Themen einer Oper.

Die Opernfantasie war zu einer Zeit, als es noch keine Schallplatten gab, sicher eine Möglichkeit, Opernmusik in den Salon zu holen. Von de Sarasate gibt es eine Reihe von Opernfantasien, aber da denkt man auch die Lisztschen Paraphrasen und Transkripionen.

Hier handelt es sich um eine Orchesterfantasie. Die Form ist frei, es sind großartige Werke wie Schuberts Wandererfantasie etwa möglich, die Form der Fantasie kann sich der Sonate annähern, sie kann auch einen Zyklus umfassen, wie in Beethovens Chorfantasie.

Hier sollte ich nun schleunigst aufhören, denn ich wecke sonst Erwartungen, die das Stück nicht erfüllen möchte. Es gab eben schon immer auch die E-Musik-Variante - und dann schrumpft die hochgemute Opernfantasie auf ein einfaches Potpourree.

Während die von mir angeführten Beispiele durchformt sind, das heißt von der Abfolge her auch musikalisch-strukturell motiviert, ist diese Opernfantasie eine ziemlich unmotivierte Folge von Motiven und Melodien der Oper. Es gibt ja die Potpourree-Ouvertüre, die einige Hits der Oper bzw. der Operette (allerdings musikalisch verknüpft) aufeinander folgen lässt, dabei auch den Lauf des Musikdramas nachvollziehen lässt. Eine solche Ouvertüre ist dieses Potpourree hier nicht, mehr eine auf den Effekt abgestellte Folge, die hosenrolle1 hier sehr schön beschrieben hat.

Natürlich möchte man gerne wissen, wer diese Zweitverwertung der Oper verantwortet hat, Humperdinck selbst sicher nicht. Weiß jemand Genaueres über die Opernfantasie dieser Zeit?

Immerhin: Sie stellt den Übergang zum neuen Zeitalter der Reproduzierfähigkeit von Musik dar, ein Potpourree für Klavier war für den Gebrauch zu Hause, es gab ja auch ein Potpourree in kammermusikalischer Besetzung, also etwa Violine und Klavier. Aber das neue Medium erlaubt nun - vor einer Gesamtaufnahme der Oper mit Gesang - schon den Orchesterklang. Dem Medium entsprechend wird sich da der Querschnitt entwickeln, nun orientiert an den "Nummern" einer Oper (oder wie man die herausgeschnittenen Teile auch immer nennt).

Ein interessantes Dokument, für das ich sehr dankbar bin, weil es mich ins Sinnieren gebracht hat - über eine Form, die bislang meiner Aufmerksamkeit entging, der Opernfantasie.

Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (11.04.2015, 18:29):
Original von Hosenrolle1


Ich glaube, das erste Mal, als ich über eine Opernfantasie gestoßen bin, war die „Carmen-Fantasie“, interpretiert von Leonid Kogan auf der Violine, auf einer LP, die ich habe, und die mir ausgezeichnet gefallen hat.

Lieber hosenrolle1,

die ist von Sarasate, die finde ich auch gut, gibt es übrigens in vielen Einspielungen. Das ist die Art von Fantasie, die für mich ein klares Profil hat: Themen der Oper, die vom Solisten variiert werden, der Violinpart ist höchst virtuos. Variationen nach Opernthemen waren ja sehr beliebt, das ist so eine Mixtur von Opernthemen und eigenen Variationen - also (im Unterschied z.B. zu den Harmoniemusiken) keine Originalmusik des Komponisten.

Je näher das Konstrukt Einzelstücken der Originalmusik kommt, umso näher sind wir beim Potpourree. In die andere Richtung geht die "Symphonic Synthesis" bei Stokowski, in denen aus dem musikalischen Material eine Tondichtung entsteht.

Die HUG-Fantasie hier ist zwar nicht improvisiert, aber ich finde, dass diese Aufnahmen generell einen ganz eigenen Reiz haben, denn hier gibt es keine nachträgliche Bearbeitung mit dem Computer, es wurden nicht mehrere Takes zusammengeschnitten, oder ähnliches.

Die Carmen-Fantasie von Sarasate ist ja auch nicht improvisiert. Ich nehme an, dass Improvisationen zugrunde lagen und er diese später in schriftlicher Form zusammenfasste. Spätere Interpreten durften dann brav das spielen, was er (vor)geschrieben hat.

Das Stück wurde vorher geplant, geprobt und dann in einem Rutsch mit allen Instrumentalisten zusammen aufgenommen. Hätte jemand einen Fehler gemacht, wäre die Aufnahme geschmissen gewesen.

Das waren noch die romantischen Zeiten der Tonaufzeichnung ... Aber immerhin hat sich die Tradition gehalten, dass Musiker erst einmal die Aufnahme abhören, bevor sie ihr zustimmen oder sie verwerfen.

Welchen "Zweck" diese Fantasie nun hat, kann ich mir aber nicht wirklich vorstellen. Für ein Potpourri kommen m.E. zu wenige Themen vor, und besonders das „Hokuspokus-Motiv“ wird zu oft wiederholt. Soll es eine Art zusammengeraffte Oper sein, also sozusagen eine Kurzform der Kurzoper?

Vielleicht tatsächlich so eine "symphonic synthesis", aber ohne die Gestaltungskraft von Stokowski.

Liebe Grüße Peter
peter337 (05.11.2015, 14:18):
Ja das ist ein Glück, dass es nur drei Opern gibt wozu H&G gehört.

Mit Gruß Peter.
Zefira (29.04.2016, 21:43):
Hallo Hosenrolle,
ich habe zwar von HuG keine Ahnung (ich habe das in meiner Jugend mal im TV gesehen, später nie wieder), aber hier muss ich doch den Zeigefinger erheben:


zugleich aber knüpft er allzu hausbacken an technisch und pädagogisch überholte Märchenfilm-Produktionen der 30er Jahre an.

Dieser Halbsatz besagt nicht, dass der besprochene Film technisch und pädagogisch überholt sei, sondern nur, dass er hausbacken ist und an technisch und pädagogisch überholte Filme anknüpft.

Wenn ich zum Beispiel in einem getupften Kleid mit Schleife im Rücken ausgehe und jemand sagt: "Dein Outfit erinnert an alte Filme, in denen mäßig begabte Teenager zu Rock'n'Roll umherhüpften", heißt das nicht, dass ich mäßig begabt sei und umherhüpfte. Es heißt nur, dass meine Kleidung den Sprecher daran erinnert.

Dass eine solche Aussage nicht gerade ein Kompliment ist, steht auf einem anderen Blatt, aber man darf auch nichts hineinlesen, was nicht expliizit gesagt wurde.

Mit Grüßen,
Zefira, Genauleserin
palestrina (03.11.2015, 12:49):
:wink Achtung HUMOR !
Hosenrolle 1
Es handelt sich um einen harten, mit grünem Filz überzogenen Schubert :D

LG palestrina
Hosenrolle1 (03.11.2015, 13:33):
Mist, ich wusste, dass mir meine Beschäftigung mit Schubert irgendwann mal zum Verhängnis wird :D

Danke für den Hinweis, ist korrigiert.



LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (03.11.2015, 12:32):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51CeuJ8ufNL._SL300_.jpg

http://b8.is.pp.ru/p/partituren/4/48167344afl.jpg http://b8.is.pp.ru/p/partituren/5/48167345eLv.jpg

Hänsel: Ingeborg Springer
Gretel: Renate Hoff
Vater: Theo Adam
Mutter: Gisela Schröter
Hexe: Peter Schreier
Sandmännchen/Taumännchen: Renate Krahmer

Knaben des Dresdner Kreuzchors
Staatskapelle Dresden

Dirigent: Otmar Suitner


Diese Aufnahme ist in gewisser Weise etwas Besonderes, weil sie meine erste gekaufte war, mit der ich die Oper kennengelernt habe.
Bevor ich sie bespreche, muss ich kurz die „Vorgeschichte“ schildern.

Ich sah im Dezember 2005 im Fernsehen bei Andre Rieu den „Abendsegen“ aus der Oper, jedoch fand ich das furchtbar: zwei erwachsene Frauen als Hänsel und Gretel, dann noch mit diesen „Opernstimmen“, und mit so einer „Arie“, oder was das sein soll.

Ein paar Monate später bekam ich die Oper gebrannt, weil ich mal reinhören wollte. Es war, wie ich später, als ich schon mehr Aufnahmen kannte, die 1989er Version mit Bonney und von Otter.
Otters Hänsel fand ich nervig, zu tief, ständig schluchzend, aber Bonney Gretel sagte mir sehr zu!

Und so habe ich mir auf Amazon die erstbeste Aufnahme gekauft – und das war diese hier. Ich war natürlich froh, als ich sah, dass es ein Booklet mit dem Text zum Mitlesen gab.
Damit ging es dann los.

Aber nun zur Einspielung selbst. Das hier ist die erste Aufnahme, der ich eine richtig gute Tonqualität bescheinigen würde. Zwar war die 1964er Version auch schon nicht schlecht, der Klang war aber staubtrocken. Hier aber wirkt der Sound breiter, räumlicher, OHNE zu hallig zu werden, ohne zu matschigem, verwaschenem Klangbrei zu verkommen. Verzerrungen habe ich keine ausgemacht, auch hohe Lautstärken werden klar wiedergegeben, wenn auch nicht mit der Gewalt und dem Druck, den spätere Aufnahmen erzeugen werden. Der Orchesterklang ist durchhörbar, jedoch fällt auf, dass das Blech, sofern es nicht gerade sehr laut spielt, ein klein wenig zurücktritt; diese Aufnahme gehört besonders den Streichern und den Holzbläsern, die hier extrem gut zu hören sind.

Den Streicherklang hätte ich mir etwas satter, breiter gewünscht. Vielleicht war die Besetzung derselben vergleichsweise klein? Ich weiß es nicht. Problematisch war bisher besonders die Oboe, doch hier klingt bzw. klingen sie voll und schön, kein schneidender, trötiger Klang. Im Zusammenspiel etwa mit den Hörnern oder den Clarinetten oder Flöten ergeben sie immer einen schönen Mischklang – so soll es ja auch sein.

Die Ouvertüre beginnt mit vier sehr weich und schön gespielten Hörnern, besonders der Akkord auf der 4 im ersten Takt strahlt besonders. Was ich schade finde ist, dass die Ouvertüre sowie auch ein Großteil der restlichen Oper in einem viel zu schnellen Tempo gespielt werden. Das Vorspiel bietet also eine gute Tonqualität, ein schön klingendes Orchester – aber leider wirkt das auf mich alles zu hastig.

Dabei hätte es durchaus Potential gegeben. Man höre sich etwa die zwei Takte vor Buchstabe M an. Die Bässe spielen eine Achtel-Abwärtsbewegung, und es klingt herrlich, wie sich auf den letzten beiden Achteln die druckvolle, aber nicht wummernde Pauke dazugesellt und dem ganzen noch mehr Druck gibt.

Loben muss ich auch die letzten 7 Takte der Ouvertüre. Die hört man nämlich leider oft verschlampt, weil das Blech, das das Abendsegen-Motiv spielt, nicht auf die Holzbläser abgestimmt sind, beide unterschiedliche Tempi spielen und es so ein Durcheinander gibt. Hier allerdings nicht, diese Stelle wird sehr präzise wiedergegeben, und der Klang der Holzbläser hier ist ebenfalls nur als herrlich zu bezeichnen!

Ja, und dann beginnt der 1. Akt. Humperdinck notiert hier als Anfangstempo „Leicht bewegt. (punktierte Viertel = 63 M.M.).
Ich weiß nicht, wieso Otmar Suitner ein SEHR viel schnelleres Tempo spielt. Es klingt hastig und lieblos, die Clarinetten und die Flöten kommen gar nicht dazu, ihrer schönen Melodie, die sie zu spielen haben, Ausdruck zu verleihen.

Man hört das Orchester so gut, aber wirklich schönes Spiel fehlt mir da. Suitner kostet schöne Klangverschmelzungen (etwa bei „Ein Geheimnis“, Flöten und Streicher!) überhaupt nicht aus, sondern übergeht sie einfach.

Renate Krahmer singt die Gretel. Ich war, wie ich eingangs erwähnte, Barbara Bonneys Gretel gewohnt, und so war diese Gretel für mich eine Enttäuschung. Sie klingt für mich definitiv zu alt, und auch irgendwie verschnupft, die hohen Töne klingen m.E. zu angestrengt. Wenigstens hat sie kein unangenehmes Vibrato a la Rothenberger. Unter dem schnellen Tempo leidet auch der Gesang, auch der wirkt dadurch gehetzt.

Ingeborg Springers Hänsel gefällt mir ebenfalls nicht. Auch hier eine viel zu „erwachsene“ Stimme, nichts burschikoses, nichts Leichtes. Würde ich nicht einmal für Cherubino oder Oktavian einsetzen. Für mich sind das nicht Hänsel und Gretel, sondern zwei Frauen, die ihren Part heruntersingen, und sich auch vom Ausdruck her nicht wirklich Mühe geben, ihrer Rolle halbwegs gerecht zu werden.

Kaum dass die Mutter die Kinder weggeschickt hat, kommt auch schon der Vater nach Hause, gesungen von Theo Adam. Ich finde seinen Vortrag durchaus ansprechend, besonders seine Stimme, wobei er mir nicht wirklich den Eindruck macht, dass er angeheitert sei; er klingt aber auch nicht wie ein kultivierter Liedsänger wie zwei Jahre später Dietrich Fischer-Dieskau.

Seine Hexenballade gefällt mir ebenfalls, und trotz des zügigeren Tempos gelingt es ihm, da auch noch „gruselig“ zu singen. Apropos Hexenballade: hier vermisse ich schmerzlich das Horn 7 Takte nach Ziffer 56, das ich schon mehrfach in den vorangegangenen Rezensionen erwähnt habe. Umso eindringlicher klingt dafür die ebenfalls erwähnte Stelle 3 Takte nach 57 mit Horn und Oboe … durch die voll klingende Oboe klingt diese Stelle sehr gruselig, „jammernd“, und die Tontechnik verhilft diesem Effekt zu seinem Recht. Ich kann wirklich nur jedem raten, einmal auf diese Stelle besonders zu achten, natürlich nur in einer Aufnahme, in der man sie auch gut hört.

Diese hier wäre so ein Beispiel. Auf Wunsch kann ich auf ein Video auf YouTube mit Zeitangabe verlinken, wo diese Einspielung komplett hochgeladen wurde, um sich selbst ein Bild davon zu machen.
Lobenswert auch wie gut man die Vorschläge der Bratsche 11 Takte nach RZ 34 hört. Das hätte ich mir auch etwa bei der Griesgram-Stelle gewünscht, wo die Bratschen ebenfalls durch ihre Offbeat-Einsätze die Musik pulsieren lassen.

Der Hexenritt gefällt mir zu Beginn sehr gut. Er wird endlich wieder in einem normalen Tempo gespielt, durchaus wuchtig interpretiert, und die Hörner und Oboen strahlen da im Zusammenspiel, dass es eine Freude ist. Auch hier macht sich leider das etwas zu leise Blech bemerkbar, das im drauffolgenden „Chaos“ so wichtig gewesen wäre mit seinen unheimlichen, grollenden Tiefen. Auch bei Ziffer 67 bleibt das fortissimo der 4 Hörner viel zu leise und zu harmlos, wobei das auch am Dirigat liegen wird.

Den 2. Akt geht Suitner zum Glück ein bisschen gemäßigter an, dennoch vermisse ich hier jede Spannung, jede Atmosphäre.

In in diesem Akt, wo Humperdinck das Waldweben besonders mit den Holzbläsern so schön schildert, ist die gute Durchhörbarkeit derselben von großem Vorteil. Ich könnte hier viele Beispiele bringen, die mir (rein klanglich) gefallen haben, aber besonders hat mir RZ 71 gefallen, die Musik kurz bevor der Kuckuck zum ersten Mal ruft. Wie klar und deutlich man Flöte, Oboe, Clarinette und Fagott hört, die nach und nach das „Waldkönigin-Thema“ spielen, wie das Horn dabei dolce dazu spielt, wie die Streicher ebenfalls leise im Hintergrund weben – das hat schon was!

Problematisch sind besonders solche Stellen, wenn eine Aufnahme eine miese Tonqualität hat, weil man dann nur einen Teil des Orchesters, vielleicht sogar nur bestimmte Instrumente gut hört, während der Rest untergeht, nur mehr erahnt werden kann. Da kann dann der Eindruck entstehen, dass Passagen wie RZ 71 ein bisschen langweilig sind, wenig zu bieten haben – bis man eine gute Aufnahme hört und neue Klänge entdeckt, die einem bisher verborgen blieben.

Einen kleinen Fehler habe ich gefunden, und zwar 4 Takte nach RZ 69, wo die Soloklarinette das B bis zur 4 aushält, statt bis zur 3. Im Notenbeispiel habe ich das genauer markiert.

http://b8.is.pp.ru/p/partituren/0/48167340uQN.jpg

Was den Text angeht, so hat man sich fast überall an die Partitur gehalten. Dass das Taumännchen in allen mir bekannten Versionen „und mit der Sonne“ statt „mit Mutter Sonne“ singt ist schon Standard, einzig Gretel droht ihrem Bruder nicht „das gibt ein Strafgericht“, sondern „dich trifft ein Strafgericht“. Ansonsten kein Grund zur Beanstandung.

Die Echoszene fand ich auch nicht so besonders. Die Echos selber klingen für mich so, als ob man Kinder statt Soprane genommen hat, auch sind sie für meinen Geschmack zu laut. Referenz ist hier für mich die Karajan-Aufnahme, bei der er sich, wie ich schon mehrfach erwähnte, Zeit gelassen hat, auch nach den Echos, wo die Bassclarinette unterstützt von am Steg tremolierenden Streichern ordentlich Unbehagen auslöst. Hier geht das alles rasch vorbei.

Das Sandmännchen und das Taumännchen, die beide von der selben Sängerin interpretiert werden, haben eine angenehme helle Stimme und wirken sehr freundlich. Beim Sandmännchen stört mich aber die sehr undeutliche Aussprache, besonders das „E“ wird eher wie ein „A“ oder „Ä“ gesungen. „Aus hoher Himmaaaalsfaaaarne“.

Der Abendsegen ist gar nix, tut mir leid. Die beiden Stimmen gefallen mir einfach nicht, noch nicht mal, wenn ich versuche, sie als Frauen zu hören, nicht als Hänsel und Gretel. Keine Klangverschmelzung, keine Klänge, wo ich sagen würde, dass das doch schön klang.

In der Traumpantomime vermisse ich schmerzlich die tiefen Bässe der Basstuba sowie der Bassposaune, die hört man leider nur undeutlich und verschwommen. Ob das an der Tontechnik liegt kann ich allerdings nicht sagen.

Der dritte Akt, der von einem fröhlichen, munteren Taumännchen und lustig springenden Flöten und Clarinetten eingeleitet wird, hat für mich insgesamt die besten Tempi dieser Einspielung. Hörenswert auch der erwachende Wald kurz vor, während und nach dem Morgenlied der Gretel. Als das Knusperhaus auftaucht fehlt mir das Überwältigende crescendo, das ich bei Karajan so geschätzt habe, und die Hörner, die die dolce spielenden Streicher begleiten, werden von diesen eher verschluckt, warum auch immer.

Und dann kommt auch schon die Hexe. Vorab: ich bin kein Freund von männlichen Hexen. Ich habe mittlerweile vielleicht 4 oder 5 gehört, auf DVDs oder auf YouTube, aber es ist einfach nicht meines. Aber Peter Schreiers Hexe ist eine Ausnahme, sie gefällt mir wirklich gut, was aber nichts damit zu tun hat, dass er quasi meine erste Hexe war, die ich gehört habe. Ginge es danach, würden mir die anderen Sängerinnen auch alle gefallen.

Nein, Schreier macht es m.E. richtig: er ist hier KEIN Liedsänger, macht aber auch nicht den Fehler, seine Stimme extrem zu verstellen oder es mit seiner Darstellung zu übertreiben. Seine Hexe hat, als sie die Kinder ins Haus locken möchte, ganz deutlich schlechte Absichten, sie kann trotz ihrer Versuche, freundlich zu klingen, ihre Bosheit kaum verstecken.

Nachdem die Hexe ihr wahres Gesicht zeigt, ändern Schreier den Ausdruck ein bisschen, singt sie „böser“, herrischer, drohender und hämischer.
Besonders sein „Hurr hopp hopp hopp“ gefällt mir; wie er „hurr hopp, nit faul“ so richtig fies interpretiert, bevor das Orchester tosend den Besenritt hörbar macht.

Nachdem die Hexe tot ist, dürfen die Hörner und Trompeten im Knusperwalzer endlich einmal richtig loslegen und schmettern fröhlich drauflos. Herrlich!

Der Kinderchor ist eine einzige Enttäuschung. Man hört irgendwie nur Knabenstimmen, und die zwei Gruppen sind auch schlecht aufeinander abgestimmt. An manchen Stellen hinkt eine Gruppe der anderen leicht hinterher. Der Ausbruch "Die Hexerei ist nun vorbei" klingt ziemlich angestrengt und schlecht intoniert. Das habe ich schon viel besser und (klang)schöner gehört.


Noch ein kurzes Wort zur Besetzung als solche. Im Laufe der Zeit habe ich festgestellt, dass diese Einspielung quasi nur eine von mehreren ist, die diese Besetzung aufgenommen hat.
Etwa beim "Freischütz unter Carlos Kleiber" findet man ebenfalls Schreier, Adam, Springer, Schröter und Krahmer (ebenfalls Staatskapelle Dresden), oder beim "Fidelio", wiederum Schreier, Adam, wieder Staatskapelle Dresden. Vermutlich gibt es noch mehrere Aufnahmen mit dieser Besetzung.
Dadurch entsteht für mich subjektiv der Eindruck, als ob da eine "Gruppe" nur schnell mehrere Opern abhandelt, und gar nicht der Versuch unternommen wird, rollenadäquate SängerInnen zu finden.


Ich besitze die Aufnahme einmal als Gesamtaufnahme in der oben gezeigten Version, die mittlerweile offenbar Out of Print ist, da ich sie nur mehr gebraucht finde. Sie bietet ein informatives Booklet sowie ein Libretto.

Dazu einzelne Vinylplatten jeweils mit Auszügen aus der Oper.
Ein großer Minuspunkt übrigens für die Version rechts von ETERNA, die doch tatsächlich "Heitere Oper" auf das Cover schreibt! Die Oper ist alles andere als heiter. Und die Gretel sieht aus wie ein Kerl mit Perücke.


Es gibt vergleichsweise neue Version, die ich selbst nicht besitze, sie jedoch einmal gekauft und verschenkt habe. Es handelt sich um einen harten, mit grünem Filz überzogenen Schuber, in dem ein Digipack enthalten ist. Die Gestaltung ist wirklich gelungen, auch im Booklet finden sich sehr schöne Zeichnungen. Sogar die CDs selbst sind, im Gegensatz zu den silbernen Scheiben meiner Version, bedruckt. (Ich werde ein Foto nachreichen, sobald ich kann!) Sogar die Buchstaben auf dem Cover glänzen, was auf dem Bild leider nicht so rüberkommt, allerdings erschwert das auch ein bisschen die Lesbarkeit.
Leider weiß ich nicht mehr, ob das Booklet ein Libretto beinhaltet, und ob die Texte die selben sind.
Der Nachteil dieser Box ist, dass sie natürlich anfällig ist für Verschmutzungen, und sich im Gegensatz zu Hartplastik nicht wirklich reinigen lässt. Wieso man gerade dieser Aufnahme, die trotz der guten Tonqualität ein so, ja, ich möchte sagen, liebloses, hastiges Dirigat hat, so eine aufwändig gestaltete Box mit Schuber spendiert verstehe ich nicht wirklich.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51DSZFRrW8L._SL300_.jpg
Hosenrolle1 (11.04.2015, 14:33):
Hänsel und Gretel Fantasie (1914)

http://b8.is.pp.ru/p/partituren/5/48167125XEP.jpg

https://www.youtube.com/watch?v=MMhCE_RbrE4


Ich möchte die Diskographie (und natürlich ist jeder eingeladen mitzumachen, bzw. eigene Diskographien zu eröffnen!) gerne in chronologischer Reihenfolge führen, beginnend mit den frühesten Aufnahmen.

Beide Seiten dieser Aufnahme wurden am 23.1.1914 aufgenommen, die Aufnahme ist also über 100 Jahre alt; die Platte selbst allerdings stammt aus den frühen bis mittleren 20er Jahren. Üblich für viele akustische Aufnahmen klassischer Werke war, dass man Konzessionen bezüglich der Instrumentierung machen musste; so hört man auf dieser Platte kein volles Orchester, sondern ausschließlich laute Blech- und Holzblasinstrumente, um halbwegs hörbare Töne zu erzeugen. Eine Basstuba ersetzt einen Kontrabass oder eine Klarinette die Violinen (obwohl es 1914 bereits Strohgeigen gab, die man hätte verwenden können).

Seite 1 beginnt mit Fragmenten aus der Ouvertüre. Zuerst hört man das „Hokuspokus“-Motiv der Hexe (Takt 36-39, nur Melodie), danach nochmal von Takt 36 an bis Takt 43, diesmal wird die Melodie von den dazugehörigen Akkorden begleitet.

Plötzlich geht es von Takt 68-89 weiter, wobei die erste Note von Takt 89 als Anfang für die erneute zweimalige Wiederholung des Hokuspokus-Motivs dient.

Es folgt das Tanzduett der Titelfiguren; zuerst Gretels Aufforderung „Brüderchen, komm tanz mit mir“, Hänsels „Tanzen soll ich armer Wicht“, und dann das jeweilige „Mit den Füßchen tapp tapp tapp“ der beiden. Das Tanzduett wird in dieser Form (wieder mit Hänsels Einwurf) noch einmal wiederholt, und damit endet Seite 1.

Seite 2 beginnt mit dem Hexenritt (den unheimlichen Effekt der Halbtontriller in Takt 13 hört man hier besonders deutlich heraus), der etwa in Takt 18 übergeht in die letzten Takte, das ruhige Ende, das normalerweise von den Streichern gespielt wird.

Darauf folgt „Ein Männlein steht im Walde“, in der ein Kuckuck hineinruft, das kurze Solo der Clarinette, und damit ist Seite 2 auch schon wieder vorbei. Hier musste ich an die berühmte Kurzopern-Serie denken, wo Opern stark zusammengerafft vorgestellt wurden.

Natürlich läßt sich so eine alte Aufnahme nicht wirklich gut rezensieren, das hier ist eine völlig bearbeitete und umarrangierte Version, die mit dem Original nicht zu vergleichen ist. Dennoch ist die Klangqualität für eine akustische Aufnahme von 1914 ziemlich gut geworden; wenn Melodie und Begleitung zusammen gespielt werden, kann man die einzelnen Instrumente gut heraushören. Auch damals gab es gute und schlechte Aufnahmetechniker, die wussten, wie man ein Ensemble ideal positioniert, um den bestmöglichen Klang herauszuholen!
Positiv auch, dass das Tempo hier nicht, wie auf vielen anderen klassischen Schellackaufnahmen, extrem gehetzt ist, sondern durchweg „gemütlich“. Und es ist doch interessant, eine HuG-Aufnahme zu hören, die entstand, als der Komponist noch gelebt hat.



(Nebenbei, die Platte hat, wie es damals üblich war, keine sog. "Einlaufrille", sondern, in diesem Fall, eine den Rand der Platte umlaufenden Ring, der die Aufnahmerille schützen sollte. Man musste also die Nadel genau zwischen diese Rille und die Aufnahmerille legen. Diese Form der Rille verschwand mit dem Aufkommen der ersten elektrischen Aufnahmen ab 1925.)

http://b8.is.pp.ru/p/partituren/1/48163381JJa.jpg




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (11.04.2015, 17:32):
Worüber ich zunächst gestolpert bin, war die Form der Opernfantasie. Das kann ich mir zwar ein wenig aus der Zusammensetzung erschließen: Eine Fantasie ist eine Form der Improvisation, man fantasiert etwa auf dem Klavier, es ist eine freie Form des musikalischen Nachdenkens über ein gegebenes Material, hier die Themen einer Oper.

Ich glaube, das erste Mal, als ich über eine Opernfantasie gestoßen bin, war die „Carmen-Fantasie“, interpretiert von Leonid Kogan auf der Violine, auf einer LP, die ich habe, und die mir ausgezeichnet gefallen hat.

Die HUG-Fantasie hier ist zwar nicht improvisiert, aber ich finde, dass diese Aufnahmen generell einen ganz eigenen Reiz haben, denn hier gibt es keine nachträgliche Bearbeitung mit dem Computer, es wurden nicht mehrere Takes zusammengeschnitten, oder ähnliches.

Das Stück wurde vorher geplant, geprobt und dann in einem Rutsch mit allen Instrumentalisten zusammen aufgenommen. Hätte jemand einen Fehler gemacht, wäre die Aufnahme geschmissen gewesen.

Welchen "Zweck" diese Fantasie nun hat, kann ich mir aber nicht wirklich vorstellen. Für ein Potpourri kommen m.E. zu wenige Themen vor, und besonders das „Hokuspokus-Motiv“ wird zu oft wiederholt. Soll es eine Art zusammengeraffte Oper sein, also sozusagen eine Kurzform der Kurzoper?

Es gibt ja auch die zwei Bearbeitungen: während dem Tanzduett hört man bei „tapp, tapp, tapp“ und „klapp, klapp, klapp“ ein Geräusch, womöglich zwei Holzstäbe, die zusammengeschlagen werden, und während dem „Männlein“ eben der besagte Kuckuck, der da eigentlich nicht hingehört.


Ein interessantes Dokument, für das ich sehr dankbar bin, weil es mich ins Sinnieren gebracht hat - über eine Form, die bislang meiner Aufmerksamkeit entging, der Opernfantasie.

Danke :)

Ich habe noch eine zweite Platte, aus den 40er Jahren, die ebenfalls eine HUG-Fantasie enthält, dann aber elektrisch aufgenommen. Werde die so bald wie möglich besprechen.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (11.04.2015, 21:02):
http://b8.is.pp.ru/p/partituren/1/48167041Jrh.jpg

https://www.youtube.com/watch?v=zK1875WY5lg

Frederick Hippmann mit seinem Künstler-Orchester


Bei dieser Platte handelt es sich nun um eine weitere "Hänsel und Gretel - Fantasie", diesmal von der Firma ODEON, aufgenommen im Jahr 1938.

Allerdings ist diese Platte eine Nachkriegspressung, erkennbar an zwei Dingen: zum einen steht rund ums Label der Satz „Hergestellt unter der Zulassung Nr. B-502 der Nachrichtenkontrolle der Militärregierung“, zum anderen ist das Label auf einfachem Papier gedruckt, da man nach dem Krieg sparsam umgehen musste.


Die Fantasie beginnt mit dem Anfang des Hexenritts, der plötzlich durch den Lockruf der Hexe unterbrochen wird. Danach wird recht lange "Ein Männlein steht im Walde" gespielt, bevor es mit "Brüderchen, komm tanz mit mir" weitergeht. Interessant ist, dass hier auf einmal eine E-Orgel mitmacht, aber auch, dass, wie in der Fantasie von 1914, bei den Worten "tapp tapp tapp" etc. ein Klopfen zu hören ist.

Nach dem Tanzduett geht es weiter mit dem Lied des heimkehrenden Vaters, Rallalala. Dieses wird durch den Jubelgesang der Kuchenkinder abgelöst: "Die Hexerei ist nun vorbei!".

Es folgt der Abendsegen, der übergeht in den Knusperwalzer - "Juchei, nun ist die Hexe tot". Danach folgen kurze Passagen aus der Traumpantomime, bevor die Fantasie endet mit den letzten, fröhlichen Takten der Oper.

Angenehm ist hier doch die wesentlich bessere Qualität der Aufnahme, die hier elektrisch ist, und bei der man nun auch Streichinstrumente hört.

Interpretatorisch finde ich die Platte auch in Ordnung, wenngleich sie mich nicht vom Hocker reißt. Manchmal wirkt mir die Musik etwas zu gehetzt, zu ungeduldig. Eine sehr schöne Wendung kommt bei 2:34, als das "Rallalala" des Vaters plötzlich in das "Die Hexerei ist nun vorbei" übergeht, eingeleitet durch fröhlich in die Höhe aufsteigende Streicher.

Was mich wiederum etwas stört ist, dass da die Solovioline für meinen Geschmack die ganze Aufnahme dominiert, selbst beim Abendsegen, wo man sich vielleicht einen satteren Streichersound wünscht. Gerade auch beim Abendsegen hätte ich mich gefreut, wenn man die beiden Stimmen von H. und G. instrumental gehört hätte, stattdessen hört man quasi "nur" den Orchesterpart. (Oder ich höre es nur nicht heraus, aber ich glaube, hätte man die beiden Stimmen hier hörbar machen wollen, hätte man sie nicht von weniger hörbaren "Hintergrundinstrumenten" spielen lassen.

Die kurzen Auszüge aus der Traumpantomime finde ich persönlich nicht sehr "fantasievoll" zusammengestellt, eher unmotiviert.

Weiß vielleicht jemand, ob in "Ein Männlein steht im Walde" auch eine E-Orgel spielt? Oder ist das ein anderes Instrument, vielleicht oktaviert durch eine Piccoloflöte?




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (13.04.2015, 13:51):
http://b8.is.pp.ru/p/partituren/7/48197997xMf.jpg

Hexenritt:
https://www.youtube.com/watch?v=saOaMnBLFN4

http://b8.is.pp.ru/p/partituren/8/48197998Pfe.jpg

Knusperwalzer:
https://www.youtube.com/watch?v=JKGLIjEIe6g

Mitglieder des Orchesters der Staatsoper, Berlin
Dirigent: Kapellmeister Clemens Schmalstich

Aufgenommen im Beethoven-Saal zu Berlin
"Knusperwalzer" bearbeitet von Hans Steiner


Da möchte man chronologisch schreiben, und schon verzettelt man sich. Die letzte Aufnahme stammt aus den 1940er Jahren, jedoch habe ich noch zwei Platten früheren Datums.

Diese hier stammt aus dem Jahr 1929 und wurde im Oktober/November aufgenommen. Es handelt sich dabei wieder um eine 25 cm Platte, auf der einen Seite hört man den „Hexenritt“, also das Vorspiel zum zweiten Akt, sowie den Knusperwalzer, letzterer rein instrumental.

Der Dirigent war Clemens Schmalstich, ein Schüler Humperdincks. Das Orchester ist das der Staatsoper Berlin.

Für Schellackfreunde interessant ist hier sicher, dass die Aufnahme im Beethoven-Saal gemacht wurde. Dieser Saal wurde 1898 in der Köthener Straße 32 in Berlin als Erweiterung und Ausweichquartier für das Berliner Philharmonische Orchester gebaut. In diesem Saal wurde auch viel aufgenommen, bis er im 2. Weltkrieg zerstört wurde.

Aber zur Aufnahme selber: auf der ersten Seite befindet sich der Hexenritt, der allerdings 7 Takte nach Ziffer 67 beendet wird; die Hörner werden immer leiser, statt der nun eigentlich einsetzenden Streicher, die das Stück zu Ende bringen, hört es auf, was ich sehr schade finde.

Klangtechnisch darf man natürlich nicht zu viel erwarten, besonders penetrant wurden die Oboe (die ziemlich trötig klingt) und die Clarinetten aufgenommen, die Streicher und vor allem das Blech sind hingegen viel zu leise.

Das merkt man schon beim ersten Horneinsatz, Ziffer 61, Takt 3-5, die von Humperdinck zwar im fortissimo notiert werden, aber im Streicherklang völlig untergehen. Das Stück beginnt in einem normalen Tempo, doch dann wirkt es plötzlich sehr gehetzt, dann wieder etwas ruhiger, was ich ebenfalls nicht wirklich berauschend finde. „Wuchtig“, wie der Komponist notiert, ist das nicht. Ab Ziffer 62 gibt es auch einige kleine Unsauberheiten beim Blech, das mit dem raschen Tempo gar nicht mitkommt und etwas verzögert einsetzt.

Das Stück wird immer weiter gehetzt, als wolle man die Aufnahme in der zur Verfügung stehenden Zeit noch fertig bringen, und so gehen schöne Effekte – natürlich auch wegen der Tontechnik – verloren; ich denke da etwa an den wabernden Klang der 1. und 2. Violinen 9 Takte nach Ziffer 64, wo beide Instrumentengruppen in Gegenbewegung geführt werden.
Und auch der plötzliche Horneinsatz im fortissimo, Ziffer 67, der noch einmal das Hexenmotiv schmettert, und der etwa von einem Georg Solti besonders effektvoll und gruselig umgesetzt wurde, verliert sich hier im Klangbrei.



___

Die zweite Seite bringt den Knusperwalzer, der mir klanglich schon besser gefällt, hier trötet keine Oboe so herum, und auch den Streicherklang empfinde ich hier als ein wenig präziser.

Wie schon erwähnt hört man den „Knusperwalzer“ instrumental, was ich schon mal sehr gut finde, weil man dadurch einmal hören kann, wie instrumentiert wurde. Andererseits, die Tontechnik … egal.
Gespielt wird von Ziffer 191 bis exakt 8 Takte nach Ziffer 197 (bei 198 explodiert der Ofen). Statt des explodierenden Ofens wird der Knusperwalzer von vorne noch einmal wiederholt.

Wie auch beim „Hexenritt“ vermisse ich hier das Blech, besonders die „kräftig gestossenen“ fortissimo-Hörner bei Ziffer 193, oder die wuchtige Basstuba, die gleich zu Beginn des Stückes im tiefsten Register Lärm machen darf. Dieses Problem höre ich allerdings leider bei vielen Aufnahmen, der Knusperwalzer könnte so voll und satt klingen, stattdessen hört man meistens nur die höheren Töne, besonders die Streicher.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (13.04.2015, 16:05):
http://b8.is.pp.ru/p/partituren/5/48173515qfj.jpg http://b8.is.pp.ru/p/partituren/7/48173517NFK.jpg



Hier haben wir drei Schellackplatten, die in einer "Box" stecken; man kann die Verpackung aufklappen, jede Platte ist in einer eigenen Tasche untergebracht. Dazu ein Textheft in dt. Sprache sowie englischer Übersetzung.

Die Datierung fällt mir hier schwer, weil ich mich mit der Firmengeschichte sowie den Labels der amerikanischen Victor so gut wie gar nicht auskenne.

Auf der zweiten Platte wird ein Künstler sowie das Orchester angegeben: Clemens Schmalstich und das Berlin State Orchestra. Auf der ersten und dritten Platte jedoch nicht, weswegen ich nicht weiß, ob Schmalstich alle drei Platten eingespielt hat.

Sollte es sich aber tatsächlich um die selbe Aufnahme wie die zuvor besprochene handeln, dann wurde sie Ende 1929 aufgenommen, und diese Box hier kam vermutlich um 1930 auf den Markt.

Dafür spricht, dass auf dem Victor-Label von "RCA" die Rede ist; RCA kaufte 1928 Anteile der Victor, so dass man den Zeitraum zumindest enger eingrenzen kann.

Berühmte Sänger und Musiker machten für Victor Aufnahmen, darunter Caruso, Rachmaninoff und Toscanini. (wikipedia)

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Zum Inhalt:


Auf der ersten Platte (alle drei sind 25 cm Ausgaben) befindet sich "Suse, liebe Suse" sowie "Brüderchen, komm tanz´mit mir".

Auf der zweiten Platte der "Hexenritt", sowie "Ein Männlein steht im Walde", gefolgt von "Bleib steh´n, bleib steh´n!".

Auf der dritten Platte hört man "Der kleine Sandmann bin ich", gefolgt vom Abendsegen sowie der Traumpantomime.

Es handelt sich also hierbei nicht um eine Kurzoper!

Leider hat die dritte Platte einen durchgehenden Riss, den man erst fixieren müsste. Dieser Riss war schon vorher, ich habe die Platten als Sammler dennoch gekauft. Deswegen konnte ich sie mir noch nicht anhören.

Die ersten beiden Platten habe ich einmal gehört, was allerdings schon ein paar Jahre her ist. Ich muss mir eine neue Nadel kaufen, dann werde ich nachsehen, ob (wie ich vermute) der "Hexenritt" mit der vorher besprochenen Version identisch ist. Und ich werde dann auch eine ausführlichere Rezension schreiben.





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (14.04.2015, 22:53):
http://b8.is.pp.ru/p/partituren/6/48163916dcz.jpg


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Hänsel: Marie-Luise Schilp
Gretel: Erna Berger
Vater: Hanns-Heinz Nissen
Mutter: Elisabeth Waldenau
Hexe: Margarethe Arndt-Ober
Sandmännchen/Taumännchen: Hildegard Erdmann

Der Mozart Kinderchor Berlin
Orchester des Reichsenders Berlin
Dirigent: Artur Rother



Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 1944, wenn man der Rückseite der CD glauben schenken kann, wurde sie im April fürs Radio aufgenommen. Ich habe diese Aufnahme momentan auf einer CD der Serie „Cantus Classics“, sowie auf zwei amerikanischen Schallplattenboxen, die ich hier fotografiert habe.

Um es gleich zu sagen: diese Einspielung würde ich nur empfehlen, wenn man an historischen Aufnahmen interessiert ist. Die Tonqualität ist, was eigentlich zu erwarten war, ziemlich miserabel. Ein sehr starkes permanentes Grundrauschen, einen matschigen Klang, Verzerrungen, Tonhöhenschwankungen, sowie einen oft trötigen Holz- und Blechbläserklang (besonders die Oboen!) muss man hier in Kauf nehmen.

Wenn zumindest nur die Tonqualität schlecht wäre … auch die Einspielung selber ist absolut fürchterlich. Ich fange mal bei der Ouvertüre an: alles wird lieblos, schlampig, unkoordiniert heruntergespielt, häufige abrupte Tempowechsel stören zusätzlich. Eine Ouvertüre sollte doch eigentlich auf die bevorstehende Oper einstimmen, aber hier kommt keine Märchenstimmung auf. Dieses Stück Musik zieht wirkungslos an einem vorüber. Als einzigen Pluspunkt möchte ich Takt 120-121 nennen, in denen man die unheimlich wühlenden Quintolen der Streicher schön heraushört. Ob das nun vom Dirigenten beabsichtigt war, oder der Aufnahmequalität geschuldet ist, weiß ich nicht. Auf jeden Fall geht diese Stelle leider in moderneren Einspielungen sehr oft unter, dabei finde ich sie ebenso wichtig wie etwa die kurzen, gruseligen Einwürfe der Viola am Ende des Jungfernchores im „Freischütz“.

Dann geht es los: Erna Berger singt „Suse, liebe Suse“, und mir gefällt ihre Stimme recht gut. Sie klingt nicht schwer, nicht zu erwachsen, sondern relativ vibratoarm. Wenn sie singt „Ja hör nur, Brüderchen“, dann entsteht manchmal wirklich die Illusion, dass da ein Mädchen singt. Leider verzerrt der Ton bei lauteren Stellen oft, der Gesang klingt viel zu laut. Dann hört man Marie-Luise Schilp als Hänsel, und der gefällt mir wiederum gar nicht. Ihre Stimme ist eindeutig zu schwer, zu tief, zu erwachsen, würde vielleicht besser zu einem Oktavian passen.

Der Vater von Hans-Heinz Nissen klingt, besonders wenn man die Besenbinder aus jüngeren Aufnahmen im Ohr hat, recht ungewöhnlich: laut, aufdringlich, und übertrieben.

Ein toller Moment in der Oper ist der, wo die Mutter „Den Besen, den lass´ nur an seiner Stell“ singt. An dieser Stelle spielt die Pauke (Takt 170-172) alleine das erste Mal das Hexenmotiv (diese Quarte singt der Vater schon einmal, bei „Kauft Besen!“, nur zu diesem Zeitpunkt noch in einem anderen Zusammenhang und noch nicht mit der Hexe in Verbindung gebracht. Leider klingt sie hier nicht „sehr bestimmt“, wie Humperdinck es wollte, sondern viel zu leise und dumpf. Was folgt ist eine übertrieben gesungene Hexenballade.

Der Hexenritt ist nicht gruselig, sondern ein matschiger Brei, viel zu schnell und unkoordiniert heruntergespielt, und in den letzten beiden Tönen, die von der Solo-Bratsche gespielt werden, hört man deutlich die zittrigen Tonhöhenschwankungen der Aufnahme.

Mit „Ein Männlein steht im Walde“ geht es weiter … aber jetzt kommts: sie singt nicht etwa „ganz still und stumm“, sondern fängt direkt bei „auf einem Bein“ weiter! Da fehlt die ganze erste Strophe, bzw. exakt nachgezählte 10 Takte Musik! Warum das so ist, weiß ich nicht, auf der CD steht auch kein Vermerk, dass die Aufnahme gekürzt ist. Ein Vergleich mit meinen Schallplatten brachte das gleiche Ergebnis: die erste Strophe fehlt, nicht nur auf der CD. Geschnitten wurde hier aber garantiert nichts, sondern einfach ausgelassen – Berger singt direkt „auf einem Bein“.

Die Echoszene ist auch wieder verpfuscht. So setzt es bereits nach Hänsels Ruf viel zu früh ein, während er noch „Wer“ singt, statt erst, wie es gehört, auf „da?“. Wenigsten werden die Echos immer leiser, aber der Kuckuck muss auch hier wieder Lärm machen.
Bei Gretels Ruf „ist jemand da?“ singt Erna Berger leider den ganzen Takt durch, statt auf der Zählzeit 3 des Taktes aufzuhören. Dadurch geht die Spannung, das Unheimliche der Szene verloren, denn es ist umso gruseliger, wenn nach ihrem Ruf einen Augenblick Ruhe herrscht, und dann plötzlich eine Antwort aus dem tiefen, dunklen Wald zurückkommt. Wenigstens an dieser Stelle zeigt sich der Dirigent gnädig und läßt die Oper einmal zur Ruhe kommen.

Normalerweise passen auf eine CD die ersten beiden Akte der Oper. Wieso hier, trotz des hohen Tempos und der Kürzung, VOR dem Lied des Sandmännchens nach 42:50 Minuten Schluss ist, entzieht sich meinem Verständnis. Aus Platzgründen sicher nicht, denn Sandmännchen, Abendsegen und Traumpantomime auf Seite 2 dauern zusammengerechnet 10:32 Minuten. Zu den 42:50 dazugezählt wären das ca. 52:80 Minuten, und die passen ohne Probleme auf eine CD.

Das Sandmännchen hat alles andere als die vom Komponisten geforderte „feine, zarte Stimme“ – fast möchte man meinen, Marie-Luise Schilp würde hier eine Doppelrolle singen.

Die Hexe von Margarethe Arndt-Ober ist ein schlechter Witz. Ein schier unerträgliches Gekreische, das sie wohl mit Schauspiel verwechselt, eine schrille Stimme, und wenn sie mal singt, dann oft nicht die Melodien, die in der Partitur stehen. Man höre sich nur das mit einem irrwitzigen Tempo durchgepeitschte „Hurr hopp hopp hopp“ an!

Nachdem dieses Trauerspiel endlich vorbei ist, explodiert bald der Ofen und Hänsel fragt mit erschreckend tiefer Sprechstimme, woher die Kinder kommen, die plötzlich statt den Lebkuchenmännchen da stehen. Wenigstens hört man in dieser Aufnahme den in einem Großteil aller Aufnahmen weggelassenen Ruf „Hei!“, nachdem sie Hänsel mit dem Wacholderbusch entzaubert hat. (In all meinen Aufnahmen findet sich der Ruf nur in Karajans berühmter 53er Aufnahme noch einmal)

Zum Dirigat von Arthur Rother kann ich eigentlich nichts sagen, weil das hier ein heilloses Durcheinander ist. Viel zu schnelles Tempo, ein Orchester, das den Sängern oft nachläuft etc… Stimmung kommt hier keine auf, mit Musik hat das meiner Meinung nach nicht mehr viel zu tun.

Zur CD noch schnell ein paar kurze Worte: ich habe viele CDs der Cantus Classics Reihe, es sind billige Scheiben, eine dünne Hülle. Um diesen Preis verlange ich ja keinen Pappschuber, keine Doppeldecker-Box, kein dickes Booklet mit Libretto, Hintergrundinformationen zur Entstehung, Fotos von Humperdinck etc. .. aber ist es zuviel verlangt, dass man wenigstens bei der Tracklist drauf achtet, dass alles richtig geschrieben ist? „Sie da, der faule Siebenschläfer“. Auch auf anderen CDs der Reihe finden sich solche Patzer, wie z.B. „Huzrr hopp hopp“ etc. Das Titelbild ist ja auch mehr als unpassend. Was hat das mit Hänsel und Gretel zu tun??

Es gibt diese Aufnahme aber auch auf zwei anderen CDs, die ich aber noch nicht besitze:

Hier zusammen mit Webers "Abu Hassan" (links) sowie in dieser Walhall Reihe (rechts):

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51XHQSGZYEL.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/51JyA9yqjiL._SL300_.jpg




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (15.04.2015, 05:06):
http://b8.is.pp.ru/p/partituren/0/48198050MFU.jpg

http://www.musicweb-international.com/classrev/2001/May01/boult.gif


https://www.youtube.com/watch?v=Wdt0Gu7igTg


Das britische Rundfunk-Sinfonieorchester
Dirigent: Adrian Boult



Mit der Chronologie war es das jetzt sowieso schon, deswegen stelle ich hier eine weitere Aufnahme vor.

Bei dieser hier handelt es sich um eine Aufnahme der Ouvertüre, aufgenommen am 25. Juli 1932 in der Abbey Rd., wie der CD-Verlag es angibt. Dirigent war Adrian Boult.

Meine Schellackplatte ist jedoch nicht abspielbar, da sie nur ein beschädigtes Belegexemplar ist; dafür gibt es diese Einspielung jedoch auf YouTube zu hören.


Klangtechnisch gesehen finde ich die Aufnahme sehr gelungen, denn die Tontechniker haben es geschafft, dass man so gut wie alle Instrumentengruppen die meiste Zeit über hört. Insgesamt gesehen fällt mir auf, dass das Blech eher im Vordergrund steht, und manchmal die Streicher ein wenig zurückdrängen, dennoch geht niemand gnadenlos unter – die Pizzicati der Geigen bei Buchstabe G oder die durchgehenden Pizzicati der Celli ab Buchstabe K sind deutlich zu hören. Klar: bei besonders lauten Stellen ist schnell eine Grenze erreicht, der Sound wird matschiger.


Interpretatorisch bin ich auch hier nicht wirklich begeistert, wenngleich ich schon einmal positiv anmerken muss, dass das Stück zu keiner Zeit gehetzt, oder gar im aberwitzigen Tempo durchgepeitscht wird.

Aber es stören mich dann doch zu viele Dinge.

Es beginnt schon in Takt 7, wo das Crescendo plötzlich sehr laut anschwillt, und für meinen Geschmack nicht mehr legato (wie vorgeschrieben) gespielt werden, sondern ziemlich plump und forciert.

Bei den Streichern fällt mir ab und zu auf, dass sie an manchen Stellen ein Glissando spielen, konkret etwa die 1. Geigen 10 Takte nach Buchstabe D, wo die 4. Viertel zur 1. Viertel des Folgetaktes „glissandiert“, was für mich ziemlich süßlich und deplatziert wirkt. Besonders in den 7 Takten nach Buchstabe F höre ich das öfter, auch hier mit dem gleichen Effekt. Handelt es sich hier tatsächlich um ein Glissando?

Noch eine andere Stelle fand ich etwas plump: ab Buchstabe E lässt der Dirigent das Orchester plötzlich immer schneller spielen, obwohl nur von einem Crescendo die Rede ist, und nach diesem kurzen Ausbruch geht es im normalen Tempo weiter. Dieses plötzliche Schnellerwerden kommt mir doch irgendwie unmotiviert vor, nach dem Motto: „Jetzt kommt eine Stelle, wo Spannung aufgebaut wird, jetzt spielen wir plötzlich alle immer schneller“.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (15.04.2015, 05:25):
http://b8.is.pp.ru/p/partituren/4/48167004GwM.jpg

Mitglieder der Kapelle der Staatsoper Berlin

Dirigent: Wolfgang Beutler


Und eine weitere Ouvertüre auf Schellack gesellt sich hinzu. Diesmal aus dem Jahre 1939, es spielt das Orchester der Staatsoper Berlin unter Wolfgang Beutler.

Auch diese Schellackplatte ist leider nur ein beschädigtes Belegexemplar und nicht abspielbar.

Auf YouTube habe ich sie gefunden, leider aber wird dort eine wellige Platte mit einem normalen Grammophon abgespielt - der Besitzer hat null Ahnung von Schellackplatten!

Es fällt mir deswegen auch schwer, da irgendetwas zu rezensieren, deswegen nur soviel: die Klangqualität der Aufnahme scheint sehr gut zu sein, der Anfang beginnt im normalen Tempo, auch das Crescendo der Hörner werden hier - im Gegensatz zur vorher besprochenen Aufnahme - viel weicher gespielt, dann jedoch wird die ganze Ouvertüre unschön bis zum Ende gehetzt.

Einzig gefallen haben mir die wühlenden Quintolen der Streicher, 7 Takte nach Buchstabe I, die hier gruselig umgesetzt wurden.


In diesem Fall werde ich NICHT auf das Video verlinken, weil ich nicht möchte, dass dieser Schellackplattenvernichter auch noch Views durch mich bekommt.
Ich bitte da um Verständnis.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (23.04.2015, 20:19):
Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 1953, und ich muss zugeben, sie fristet ein Schattendasein bei mir, da ich sie nie ganz anhöre, sondern nur auszugsweise, zu Vergleichszwecken.
Ich habe sie in vier verschiedenen Versionen, zu denen ich im Anschluss an die Rezension noch etwas sagen werde.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61QML87E39L._SL300_.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/41FJT3H58PL.jpg


http://b8.is.pp.ru/p/partituren/7/48198097gMy.jpg http://b8.is.pp.ru/p/partituren/6/48198096KVO.jpg


Hänsel: Gisela Litz
Gretel: Rita Streich
Vater: Horst Günter
Mutter: Marianne Schech
Hexe: Res Fischer
Sandmännchen: Elisabeth Lindermeier
Taumännchen: Bruno Brückmann

Knabenchor des Wittelsbacher Gymnasiums München
Damen aus dem Chor des Bayerischen Rundfunks

Münchner Philharmoniker
Dirigent: Fritz Lehmann


Was sofort nach den ersten Takten der Ouvertüre auffällt ist die hallige, matschige, breiige Tonqualität. Vier Hörner und 2 Fagotte spielen hier, doch statt der schönen Polyphonie hört man eben nur einen Klangbrei. Die Stimmführung der Fagotte oder etwa des 3. Horns lässt sich nur erahnen.
Und auch in der restlichen Aufnahme wird die Tonqualität nicht besser. Was mich doch wundert, da es durchaus Aufnahmen dieser Zeit gibt, die eine bessere Qualität bieten, und gerade von der Deutschen Grammophon hätte ich mehr erwartet.

Diese Qualität macht es mir dann auch teilweise schwer, das Dirigat zu beurteilen, denn an vielen Stellen weiß ich nicht, ob der Dirigent bestimmte Instrumente zu leise spielen lässt, oder ob sie einfach nur verschluckt werden durch die Aufnahmetechnik.
Generell lässt sich wohl sagen, dass in der gesamten Aufnahme die Streicher dominieren; man hört sie eigentlich immer heraus, sogar die Pizzicati hört man sehr deutlich. Das Blech hört man da leider viel weniger, und sogar bei fortissimo-Stellen gehen sie unter, woran sicher auch die viel zu dumpfe, zu laute und zu lange nachhallende Pauke schuld sein wird.

Die Holzbläser haben es ebenfalls schwer, wenngleich sie sich doch eher durchsetzen können. Aber dennoch: die vielen Stellen, an denen sich verschiedene Holzblasinstrumente zu einem schönen Klang vermischen, wird man hier vergebens suchen. Dafür sind sie zu weit und zu hallig im Hintergrund.

Das Ende der Ouvertüre (17 Takte nach Q) wirkt ein wenig unkoordiniert, als ob das Blech hinterherhinkt und das Holz dadurch ausgebremst wird.
Nach der Ouvertüre geht es nun mit „Suse, liebe Suse“ los, und ausgerechnet hier gehen die eigentlich so wichtigen Streicher-Pizzicati gnadenlos unter, die Oboe klingt trötig und dünn.. Rita Streich singt die Gretel; sie hat eine doch angenehme helle Stimme in der Höhe, verzichtet auf zu starken Einsatz des Vibratos, und klingt keineswegs wie eine Primadonna. Stimmlich gefällt mir aber eine Erika Köth, oder eine Barbara Bonney dann aber doch wesentlich besser.

Was mich aber am meisten stört (und das gilt auch für den Hänsel von Gisela Litz) ist, dass die beiden für meinen Geschmack völlig teilnahmslos und fast schon gelangweilt ihren Part heruntersingen. Wenn Hänsel etwa beim Tanzduett singt „und fröhlich will ich sein“, dann klingt das alles andere als fröhlich und überschwänglich.
Stimmlich gefällt mir dieser Hänsel dagegen gar nicht mehr; das Timbre von Gisela Litz ist für meinen Geschmack schon zu dunkel, eignet sich vielleicht besser als Octavian. Auch finde ich, dass sich die beiden Stimmen in den Duetten (speziell beim Abendsegen) überhaupt nicht gut mischen, da der Kontrast hell-dunkel hier zu groß ist.

Eine Stelle, die mir gut gefallen hat war im Tanzduett, konkret der Unterschied zwischen Richtziffer 15 (Einsatz Gretel) sowie 9 Takte nach Ziffer 15 (Einsatz Hänsel); singt Gretel „Mit den Füßchen tapp, tapp, tapp“, so wird sie nur von den 1. Violinen begleitet, der Kontrabass wird nur am Anfang jeden zweiten Taktes gezupft.
Bei Hänsels etwas „plumperen“ Versuch spielen beide Violinen, der Bass kommt durchgehend zum Einsatz.
Dirigent Fritz Lehmann nimmt hier nun Hänsels Einsatz etwas kräftiger und einen Tick lauter, so dass Hänsels Charakter hier nicht nur durch die Instrumentation alleine deutlich wird.

Irgendwann kommt die Mutter, gesungen von Marianne Schech, nach Hause, sie scheint mir schon mehr bei der Sache zu sein und klingt durchaus verärgert. Ich muss ja gestehen, dass ich die Mutter in der Oper als ziemliche Hintergrundfigur wahrnehme, so dass ich mir mit der Beurteilung der sängerischen Darstellung dieser Figur schwer tue.
Der Vater von Horst Günter zog auch an mir vorüber, für mich klang er nicht wie ein angeheiterter Besenbinder, der gute Geschäfte gemacht hat, und auch die Hexenballade klang mir doch zu „kultiviert“ und ruhig.

(Nebenbei, liegt es an der Sängerin oder wurde ihr ein anderer Text vorgelegt? Statt „vierzehn Eier“ singt sie „soviel Eier“, statt „die sind jetzunder teuer“ singt sie „die sind ja jetzt so teuer“. Ich verstehe diese Textänderungen nicht wirklich)

Musikalisch kann ich auch wenig zur Hexenballade sagen; stimmungsvolle Details wie etwa das leise einsetzende 1. Horn (7 Takte nach Ziffer 56), wenn der Vater singt „Um Mitternacht, wenn niemand wacht“ gehen irgendwo weit im Hintergrund verloren.

http://b8.is.pp.ru/p/partituren/4/48167214ewr.jpg

Auch die schöne Stelle 3 Takte nach Ziffer 57, wenn die Oboe eine Achtel früher einsetzt, bevor sich auf der nächsten Achtel die Flöte dazu gesellt und die Melodie noch klagender klingt, verschwindet in der halligen Akustik.

http://b8.is.pp.ru/p/partituren/3/48167213WRq.jpg

Die Waldszenen im 2. Akt haben für mich überhaupt keine Atmosphäre, was wiederum an der Akustik liegt, aber auch daran, dass man vom vollen Orchester, das in den vielen kleinen Nebenstimmen den lebendigen Wald schildert, nichts mehr hört. Von den schwirrenden Tremoli der Streicher etwa bleibt nichts mehr übrig.
Die Echoszene vergeht relativ schnell, wenigstens sind die Echos selbst nicht zu laut, was man aber vom Kuckuck leider nicht behaupten kann. Macht sich eigentlich irgendjemand die Mühe, die Anweisungen Humperdincks auch einmal zu lesen?
Das Sandmännchen von Elisabeth Lindermeier ist austauschbar und langweilig; von einer hellen Stimme keine Spur.

Und auch vom Abendsegen bin ich enttäuscht: wie ich eingangs schon erwähnte, mischen sich die Stimmen der beiden Hauptakteuer nicht wirklich, dazu stört mich das ständige leichte Vibrato von R. Streich, das hier in Verbindung mit Litz´ Stimme unangenehm wabert.
Auch die Traumpantomime zieht spurlos an einem vorüber, die mächtigen Bassschübe der Posaunen sowie der Basstuba ab Ziffer 99 sind praktisch nicht vorhanden, dem lauten forte-Einsatz des ganzen Orchesters, bei dem das Abendsegen-Motiv gespielt wird, fehlt jede Strahlkraft, und auch der etwas später folgende dramatische Ausbruch (6 Takte nach Ziffer 103) kommt völlig kraftlos daher.
Im Vorspiel zum dritten Akt klingt die Oboe, die bei Ziffer 110 eine Kantilene zu spielen hat, am Schlimmsten – nämlich wie ein Zahnarztbohrer. Dünn, schneidend, trötig.

Nachdem das Taumännchen, das von einem Jungen atem- und kraftlos gesungen wird, vorüber ist und die beiden Geschwister endlich beim Knusperhaus ankommen, darf man Res Fischer als Knusperhexe hören.

Was mir bei ihr gefällt ist, dass sie durchaus älter klingt, womit aber NICHT gemeint ist, dass ihre Stimme sehr tief oder dunkel klingt! Für mich war die Hexe aus HUG immer alt; mit Hexen, die wie 30 oder 40 jährige klingen, konnte ich nie viel anfangen.
Fischer verzichtet hier dankenswerterweise auf Gekreische oder ständiges Kichern zwischen ihren Einsätzen, und sie verfügt über eine grollende, bedrohliche Bruststimme (noch besser fand ich die übrigens in der 1956er Aufnahme unter Matzerath, wo sie abermals die Hexe sang. Wenn sie ihr tiefes „Malus Locus, Hocus Pokus“ ausspricht, bekommt man wirklich Angst vor dieser Alten).

Und doch bin ich eher enttäuscht von ihrer Hexe, weil sie für meinen Geschmack – trotz der für mich passenden Stimme – ihre Rolle auch nicht wirklich gestaltet, sondern heruntersingt. Besonders deutlich wird das für mich bei „Hurr hopp, hopp, hopp“, das sie irgendwie ebenfalls schon etwas zu kultiviert, zu damenhaft singt. Da hätte man sicher mehr draus machen können!

Der Kinderchor klingt auch ziemlich unspektakulär. Leider weiß ich nicht, ob es sich um Mädchen und Jungen handelt, oder nur Jungen, denn laut CD heißt es: „Knabenchor des Wittelsbacher Gymnasiums München“ sowie „Damen aus dem Chor des Bayerischen Rundfunks“.
Da nicht von einem „Damenchor“ die Rede ist, nehme ich stark an, dass die Damen hier nur für die Echoszene zum Einsatz kamen, so dass der Kinderchor eigentlich nur aus Jungen besteht. Und das hat Nachteile für den Klang des Chores, denn so wie Hänsel und Gretel sich stimmlich unterscheiden sollten, sollten es auch die zwei Partien des Chores tun. Nicht umsonst teilt Humperdinck den Chor in „Sopran (Mädchen)“ sowie „Alt (Knaben)“.

So klingt nun der ganze Chor immer gleich, von den schönen Harmonien, die sich durch die unterschiedlichen Stimmführungen ergeben, ist nichts mehr zu hören.

___

Nun, wie angekündigt, noch etwas zu den unterschiedlichen Versionen.
Es gibt diese Aufnahme mittlerweile auf mehreren CDs; ich selbst besitze die zwei oben abgebildeten, kann also nur diese bewerten.
Außerdem habe ich sie zweimal auf Schallplatte. Einmal die Erstausgabe aus dem Jahr 1953, und ein anderes Mal eine Plattenbox von ETERNA, ich nehme an, von 1962.


Zu den CDs: die Ausgabe links ist keine Doppeldecker-Box, hat dafür aber ein Booklet, in dem sich auch der Aufsatz „Mein Vater Engelbert Humperdinck“ von Wolfram Humperdinck befindet, mit dem Hinweis: „Der Text von Wolfram Humperdinck war als Werkeinführung Teil der Erstveröffentlichung dieser Aufnahme im Jahre 1953“.
Dazu gibt es Bilder der SängerInnen.

Die CD Ausgabe rechts hat kein Booklet, und auch keinen Aufsatz, noch nicht einmal Bilder der SängerInnen, dafür ist es eine Doppeldecker-Box.
Beide CD-Versionen haben KEIN Libretto!

Die Erstauflage (die Plattenbox links von der DG), in der sich natürlich auch dieser Aufsatz befindet (die Aufnahme entstand zum 60 jährigen Jubiläum der UA) hat ebenfalls Bilder der Mitwirkenden, sowie zwei abgedruckte Briefe (von Humperdinck an seine Mutter, sowie der bekannte Brief von Strauss an Humperdinck) zu bieten; neben dem vollständigen Libretto der Oper gibt es mehrere Bilder von Aufführungen zu sehen, nebst einer ganzen Seite, die das Faksimile vom Anfang des Hexenritts zeigt. (Erstaunlich, wie sauber Humperdincks Notenhandschrift hier ist, wie kerzengerade die Balken gezogen sind).

Jedoch, drei Dinge irritieren mich.
Zum einen steht in dem Faksimile als Vortragsanweisung nur „Wuchtig“, in meiner DOVER Partitur steht jedoch „Wuchtig, jedoch nicht schleppend“.
Und im Faksimile wird als Tempo 96 angegeben, in der Partitur steht 92. Für die Streicher notiert er zu Beginn „forte“, 6 Takte nach 61 fortissimo – was Sinn macht.
In der Partitur beginnen die Streicher direkt im fortissimo, und 6 Takte nach 61 steht ABERMALS fortissimo dort. Ob das ein Druckfehler ist? Ich werde mir bei nächster Gelegenheit mal die anderen verfügbaren Partituren auf imslp.com ansehen und vergleichen.


Die andere Plattenbox (rechts) beinhaltet ebenfalls das vollständige Libretto sowie einen Aufsatz über das Werk, ist jedoch wesentlich verspielter und eher auf Kinder zugeschnitten. So gibt es viele Zeichnungen, und in manchen Seiten sind Löcher ausgeschnitten, in denen man die Zeichnung auf der nächsten Seite sehen kann.
So sieht man etwa die Mutter, die Hänsel bei der Tür hinausscheucht. Die Tür ist ausgeschnitten, und blättert man um, sieht man Hänsel im Wald. So etwas kennt man aus Kinderbüchern. Leider ist das Papier dieses Booklets extrem dünn und lapprig, und durch die Löcher in den Seiten muss man zusätzlich sehr aufpassen, dass man sie nicht einreißt.
Auf beiden Plattenboxen lässt sich auf dem Cover und der Rückseite nicht entnehmen, WER singt oder dirigiert.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (06.09.2015, 14:49):
https://images-eu.ssl-images-amazon.com/images/I/51yoTAiv9ZL._SL300.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/7122qOxoeoL._SL300_.jpg

Hänsel: Elisabeth Grümmer
Gretel: Erika Köth
Vater: Marcel Cordes
Mutter: Marianne Schech
Hexe: Res Fischer
Sandmännchen: Ursula Kerp
Taumännchen: Christa Degler

Chor & Orchester des Hessischen Rundfunks

Dirigent: Otto Matzerath



„Was? Mein Lieblingshänsel, die Elisabeth Grümmer, hat diese Partie nochmal aufgenommen?“ dachte ich mir um 2006 herum, und kaufte mir sofort eine Aufnahme davon.
Ja, 3 Jahre nach der berühmten Karajan-Version sang sie den Hänsel nochmal, diesmal mit Erika Köth als Gretel. Aber der Reihe nach.

Was leider sofort auffällt ist die für 1956 inakzeptable Tonqualität. Das Rauschen wäre noch erträglich, aber hinzu kommen noch ständige, unterschiedlich starke Verzerrungen bei höheren Lautstärken und beim Gesang, ein unangenehmes Dröhnen bei lauten Stellen, besonders beim Blech, sowie große Qualitätsunterschiede einzelner Passagen. Da hört man zunächst einen Sänger deutlich im Vordergrund, sowie die Streicher – plötzlich klingt er leise und die Streicher ebenfalls. Und plötzlich wieder lauter. Ich habe keine Ahnung, warum das so ist, aber auch das trübt das Hörvergnügen.

Bevor ich nun auf die Interpretation eingehe, sei noch angemerkt, dass es in solchen Fällen, in dem Verzerrungen, dumpfer Sound und Dröhnen die Qualität stark einschränken, schwer ist, ein Dirigat angemessen zu beurteilen. Es klingt auch alles irgendwie in der gleichen Lautstärke, ob das nun leise oder laute Stellen sind, sowas wie Dynamik kann ich hier nicht ausmachen. Es kann durchaus sein, dass manche Stellen, die mir nicht gefallen haben, live viel besser klangen, aber ich kann nur eine Aufnahme beurteilen. Meine Kritik hat also niemals den Anspruch, der Weisheit letzter Schluss zu sein!

Zur Ouvertüre: ich fand sie recht bescheiden. Nach einem für mich viel zu langsamen Beginn geht es ohne nennenswerte Höhepunkte immer weiter; seltsam die Posaunen 4 Takte nach Buchstabe I, die plötzlich komplett verstummen, obwohl sie noch über einen Takt lang klingen sollten. Von den schaurigen Streicherquintolen kurz darauf hört man nichts. Wie gesagt, vielleicht klang sie live viel besser, aber so wie das Stück hier vorliegt kann ich keinen Gefallen daran finden.

Dann beginnt endlich der 1. Akt, und Erika Köth beginnt mit „Suse, liebe Suse“. Was mir sofort positiv auffällt ist ihre helle, vibratoarme Stimme, und ihr im Vergleich zur Schwarzkopf viel ungekünstelteres Spiel. Sie klingt nicht wie eine feine, etwas ältere Dame, die versucht, ein Mädchen zu spielen.

Ihr Vortrag ist sicherlich Geschmackssache, manche würden vielleicht sagen, dass er nicht „modern“ genug klingt, sondern zu sehr an 50er Jahre Heimatfilme oder so erinnert. Vielleicht würden ihn manche auch bieder nennen. Natürlich klingt sie nicht wie etwa eine Barbara Bonney, man merkt, dass sie noch aus einer älteren Gesangsschule kommt. Mich persönlich stört das aber nicht; „Hänsel und Gretel“ ist auch keine Oper von 1993, sondern 1893. Es ist ja schon gut, dass man hier zwei deutschsprachige Sängerinnen genommen hat, während man bei moderneren Aufnahmen oft auf andere Sängerinnen zurückgreift, die dann mit der Aussprache kämpfen, etwa Anna Moffo oder Jennifer Larmore.

Ich würde Köth nicht als „perfekte Gretel“ bezeichnen, aber sie ist momentan auf jeden Fall unter meinen Top 3.

Und wie schon erwähnt singt Elisabeth Grümmer abermals den Hänsel – und diesmal denke ich, dass sie – obwohl 3 Jahre älter als in der Karajan-Version – viel jünger klingt. Meine Theorie ist, dass sie sich stimmlich an die hellere, mädchenhaftere Stimme der Köth anpasst, während sie bei der Schwarzkopf etwas erwachsener klingen konnte, ohne dass der Kontrast zu stark gewesen wäre.

Ich finde, dass sie hier den Hänsel noch schöner singt: ihr „Ein Geheimnis“ klingt nach wie vor betörend schön, aber auch solche Stellen wie „´rum, es ist nicht schwer“ klingen hier so wahnsinnig jung und schön …

Und hier noch zum letzten Mal ein Wort zur Tontechnik: es ist eine echte Schande, dass besonders Grümmer und Köth, ein solches Gespann, keine bessere Tontechnik zur Verfügung hatten. Wird ein höherer Ton gesungen, der aufgrund der angenehmen Vortragsweise sehr schön geklungen hätte, verzerrt der Ton und beginnt leicht zu dröhnen, und es klingt scheußlich. Manchmal ist der Sound auch so schlecht, dass S-Laute wie ein F klingen.

In dieser Aufnahme singen zwei Sängerinnen aus der anderen 1953er Version mit, nämlich Marianne Schech, die erneut die Mutter singt, sowie Res Fischer, die die Hexe gibt.

Schech gefällt mir als Mutter hier etwas besser, sie kreischt nicht unnötig herum sondern singt. Kurz darauf kommt auch schon der Vater, gesungen von Marcel Cordes, nach Hause, und ich finde, dass er seine Sache sehr ordentlich macht. Kein polternder Prolet, aber auch nicht zu kultiviert. Besonders gut gefällt mir sein Vortrag ab Richtziffer 49, wenn er mit der Mutter gemeinsam fröhlich „Vivat hoch!“ singt – diese Passage habe ich selten in so ausgelassener Stimmung gehört.

Die Pauken, die „sehr bestimmt“ im forte das Hexenmotiv intonieren werden diesmal nicht abgewürgt, sondern dürfen tatsächlich laut das drohende Unheil ankündigen. Am Ende der Hexenballade fällt mir bei Matzerath auf, dass er offenbar gerne plötzlich das Tempo stark beschleunigt. In diesem Fall jedoch finde ich das eher störend, weil es so unmotiviert und abrupt daherkommt. Die Violinen spielen sowieso schon lauter 16tel Figuren, und Humperdinck möchte das Tempo auch nur „Allmählich ein wenig bewegter“ haben.

Der Hexenritt ist dafür das krasse Gegenteil, nämlich viel zu langsam, besonders der Anfang ist schleppend.

In den Waldszenen hört man vom Wald relativ wenig, so dass für mich leider zu wenig rüberkommt von der bedrohlichen Atmosphäre. Die Echoszene ist nicht misslungen, aber trotzdem weit entfernt von der Karajan-Version. Die Echos klingen zu verschwommen, der Kuckuck ruft VIEL zu laut, auch die Pauke, die hier solistisch unterwegs ist, dröhnt zu laut. Ein piano ist das jedenfalls nicht.

Das nette Sandmännchen von Ursula Kerp, das dann auftaucht gefällt mir durch seinen ebenfalls hellen, vibratoarmen Klang und seinen Vortrag, aber sicher keine herausragende Leistung.

Und nun der Abendsegen: wie herrlich der da klingt! Die Kombination Grümmer-Köth passt hier einfach herrlich. Die helle Stimme der Köth, die ein wenig tiefere der Grümmer, und besonders schön ist, dass die beiden wirklich eingespielt sind: zu keiner Zeit wird jemand übertönt, oder gar überschrien.

12 Takte nach Ziffer 92 notiert Humperdinck ein drei Takte andauerndes Crescendo, das in ein subito pianissimo mündet – dieses Crescendo wird leider von so vielen Gretel-Interpretinnen genutzt, um richtig laut die dramatische Operndiva raushängen zu lassen – aber nicht so die Köth: bei ihr ist das Crescendo zurückhaltender, und immer noch „mädchenhaft“, wenn man so möchte, es passt zum restlichen Vortrag des Stückes.

Die Traumpantomime hat auch so ihre Stärken und Schwächen. Hier fällt mir wieder eher negativ dieses plötzliche Schnellerwerden auf, das Matzerath offenbar gerne macht, wenn es auf irgendeinen Höhepunkt zugeht.
Wirklich herrlich ist dann Ziffer 101, der forte-Ausbruch, bei dem der Abendsegen gespielt wird – hier bekommt man eine Ahnung davon, wie wuchtig und laut und strahlend das geklungen haben muss. Das Blech spielt hier sehr klar und sauber, es gibt keine Probleme mit dem Timing oder ähnliches.
6 Takte nach Ziffer 103 gibt es dann einen noch lauteren, wesentlich dramatischeren fortissimo-Ausbruch, der jedoch von Matzerath sehr zurückhaltend genommen wird. Viele Dirigenten nehmen das crescendo den Takt davor sehr stark anschwellend und intensiv, Matzerath jedoch nicht.

CD2 eingelegt, und wieder hetzt der Dirigent das Orchester und die Sängerin des Taumännchens (Christa Degler), die kaum zum Luftholen kommt.

Das ganze Morgenlied der Gretel wie auch die Erzählung, nachdem Hänsel aufgewacht ist, schleppt er dafür viel zu langsam dahin. Humperdinck selbst war mit diesem Morgenlied nie wirklich zufrieden.
Wenn das Haus auftaucht, vermittelt die Musik auch nicht die große Verwunderung der beiden Kinder, wie das bei Karajan der Fall war, doch das Duett von Grümmer-Köth entschädigt dafür wieder etwas.

Und dann kommt Res Fischer erneut als Hexe aus ihrer Behausung, wieder mit einer tiefen, grollenden, kräftigen Bruststimme, und wenn sie „Malus Locus“ singt, dann klingt das wirklich grausig, im positiven Sinne.

Das „Hurr hopp hopp hopp“ könnte etwas mehr Energie vertragen. Bald kommt der Kinderchor, von dem ich aber glaube, dass es ein Damenchor ist. Auf dem Cover bzw. der Rückseite der Hülle steht auch nur „Chor und Orchester des Hessischen Rundfunks Frankfurt“. Schon bei seinem ersten Einsatz klingt er viel zu erwachsen und (was vielleicht an der Tontechnik liegen könnte) unangenehm wabernd. Auch bei den späteren Einsätzen klingt das keineswegs nicht Kindern, aber egal, auch hier höre ich von den beiden unterschiedlichen Stimm(führung)en nichts heraus. Das Finale, das Herausziehen der toten Hexe aus dem Ofen sowie die letzten Takte, hetzt Matzerath wieder kaputt.

Ich besitze diese Aufnahme nur in der oben gezeigten Version des Billiglabels „Cantus Classics“, die natürlich keinerlei Informationen, ein Remastering oder gar ein Booklet bietet, dafür aber sehr eigenartig gesetzte Kapitelmarken. Der Hexenritt etwa beginnt hier nicht korrekt ab Ziffer 61, sondern 8 Takte später, also quasi „mittendrin“. Es gibt auch eine andere Version davon (oben rechts), die klanglich aber um nichts besser sein soll.

Wie gesagt: es ist schade, dass so ein gutes Gespann keine bessere Tontechnik zur Verfügung hatte.

Mein Fazit: wegen Köth und Grümmer in den Titelpartien lohnt sich diese Aufnahme auf jeden Fall, ungeachtet der miesen Tonqualität und des, wie ich finde, bescheidenen Dirigats von Otto Matzerath. Wenn man die 1953er Karajan-Aufnahme schätzt, sollte man diese Version unbedingt auch hören zum Vergleich!





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (28.08.2015, 00:27):
Danke für den Hinweis, ist korrigiert.

Hat jemand von euch diese Aufnahme ebenfalls? Gehört sie zu euren Favoriten, oder eher nicht?



LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (28.08.2015, 12:34):
Original von Jürgen
Die Karajan-Aufnahme liegt auch mir vor.
Sie ist zwar nicht mein Favorit, rangiert aber eindeutig unter den Top-Ten. (Ich habe nur 4 :))

Naja, das ist ja schon was!


Mein Favorit ist......
Aber der kommt erst wesentlich später als 1953, und ich will nicht vorgreifen.

Ich rate mal ganz frech und schwanke zw. 1971 unter Eichhorn und 1989 unter Tate, tendiere aber zu letzterem.

Bis ich aber bei 1989 angekommen bin muss ich mich noch durch ziemlich viele Aufnahmen wühlen :D




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (28.08.2015, 18:43):
Ha! Der Solti wäre mein nächster Tipp gewesen :)

EDIT: bei der Aufnahme muss ich sofort an Ziffer 67 denken ... Gänsehaut! Sind noch ungefähr 10 Aufnahmen bis dahin, aber ich schaue, dass ich schneller vorankomme.
Aber du kannst natürlich auch gerne einen Bericht schreiben :)



LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (27.08.2015, 14:56):
https://images-eu.ssl-images-amazon.com/images/I/51MLPPd6HHL._SS280.jpg

Hänsel: Elisabeth Grümmer
Gretel: Elisabeth Schwarzkopf
Vater: Josef Metternich
Mutter: Maria von Ilosvay
Hexe: Else Schürhoff
Sandmännchen/Taumännchen: Anny Felbermayer

Choirs of Louthton High School for Girls & Bancroft´s School
Philharmonia Orchestra
Dirigent: Herbert von Karajan


Diese Aufnahme war die zweite, die ich erworben habe, und hätte ich diese Rezension vor einem Jahr geschrieben, hätte ich mit 100%iger Wahrscheinlichkeit gesagt, dass sie den besten Hänsel bietet, der auf Tonträger gepresst wurde. Mittlerweile sehe ich das allerdings nicht mehr so, denn er wurde von jemandem um ein ordentliches Stück überholt – aber dazu dann in einer sehr viel späteren Rezension.

Diese Aufnahme, die 1953 in der Kingsway Hall in London entstand, wurde von vielen Firmen herausgebracht.
Besprechen werde ich aber die Version der EMI, aus der goldenen Box im Schuber, die wohl den besten Sound, das beste Remastering bietet. Alle Dinge, die ich über die Aufnahme sagen werde, beziehen sich also auf diese Version.

Trotz des permanenten, aber absolut erträglichen Grundrauschens, an das man sich schnell gewöhnt hat, hört man in der Ouvertüre überraschend viele Details. So matschen die vier Hörner zu Beginn nicht herum, sondern bleiben noch recht gut durchhörbar, generell fällt die gute Balance der Tontechnik auf: man hört die Flöten, die Oboen, die Hörner genauso wie die Streicher, keine Instrumentengruppe wird durch die Tontechnik zurückgedrängt.
Das einzige wirkliche Manko an dieser Aufnahme sind für mich die Oboen, die einfach zu dünn und trötig klingen, egal ob sie solo unterwegs sind oder sich mit anderen Instrumenten mischen sollen.
Was die Dynamik betrifft, so bin ich hier auch zufrieden. Bei den lautesten Ausbrüchen des Orchesters (Buchstabe M, oder 11 Takte nach Buchstabe P, der fortissimo-Ausbruch) gibt es keine Verzerrungen, und es matscht ebenfalls nicht. Aber natürlich muss man mit Einschränkungen leben, und so klingen wuchtige Stellen, besonders die Bässe und die Pauken alles andere als wuchtig.

Sobald die Ouvertüre vorbei ist, offenbart die Tontechnik ein neues Problem: immer dann, wenn gesungen wird, tritt das ganze Orchester in den Hintergrund, und die meisten schönen Dinge wie sich mischende Klangfarben (z.B. die Violinen und Flöten 8 Takte nach Ziffer 8 oder etwa das gruselige, im piano spielende Horn 7 Takte nach Ziffer 56) gehen verloren. Auch leise Streichertremoli, von denen Humperdinck gerne bei unheimlichen Stellen Gebrauch macht, bleiben wirkungslos.

Elisabeth Schwarzkopf singt die Gretel, und in den knapp 10 Jahren, die ich diese Aufnahme nun besitze, hat sich meine Meinung zu ihrer Interpretation nicht geändert: für mich klingt sie wie eine Dame, die einen auf Mädchen macht, wie eine Marschallin, die ihre Enkelkinder unterhalten möchte. Zwar übertreibt sie es damit nicht zu sehr, aber besonders ihr Abendsegen macht mir überhaupt keine Freude. Zwar verzichtet sie dankenswerterweise auf den Einsatz von Vibrato, jedoch habe ich das Gefühl, als würde sie den Text mit halb offenen Mund singen, und alles in einem Dauerlegato. „viiiierzeeeehhhneeeeengeeeeluuuummiiiiichsteeehnn“. Davon abgesehen finde ich, dass sie ihre Partnerin Elisabeth Grümmer hier ein wenig zu sehr übertönt, man hört vor allem die Schwarzkopf. Das klang 1956 unter Matzerath, wo Grümmer mit Köth zusammen sang, wesentlich ausgeglichener und besser!

Ja, und Elisabeth Grümmer singt den Hänsel. Laut Booklet war dies die einzige ungekürzte Operneinspielung, in der Grümmer und Karajan zusammenarbeiteten.
Es ist erstaunlich, wie Geschmäcker und Meinungen sich ändern können. Ich war immer begeistert von ihrem Hänsel: herrliche, vibratoarme Stimme, sie klingt jung, sie WEIß was sie singt, und die Textverständlichkeit ist beispielhaft.
Aber seitdem ich nun einen noch besseren Hänsel gehört habe, höre ich heute die Mankos, obwohl das natürlich Meckern auf höchstem Niveau ist. Die Grümmer war zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits 42, und trotz ihrer jung klingenden Stimme hört man das Alter doch heraus; manche Stellen klingen geradezu betörend, etwa „Ein Geheimnis“, bei anderen wird die helle Stimme plötzlich „älter“ und „dicker“.

Aber wie gesagt, es geht hier nur um die Stimme; alles andere passt für mich nach wie vor.
Der Vater von Horst Günter ist für mich in Ordnung, er poltert nicht übertrieben herum, wirkt aber auch nicht zu kultiviert (Stichwort Fischer-Dieskau). Lediglich bei den gruseligeren Stellen, sobald er von der Hexe erzählt, hätte ich mir ein bisschen mehr Stimmung gewünscht. Ein kleiner Fehler fiel mir auf: in der Hexenballade singt er „dann reiten sie aus“ statt „dann reitet sie aus“.

Im Hexenritt geht es dann zur Sache, man hört, dass es bei der Aufnahme wuchtig und laut zugegangen sein muss. Das Stück beginnt schon, wie Humperdinck es wollte, „wuchtig, jedoch nicht schleppend“. Auch hier allerdings ein Fehler: die Castagnetten, die das Tambourin 9 Takte nach Ziffer 62 ablösen, verpassen ihren Einsatz und beginnen erst im folgenden Takt, wodurch ein kleines Loch entsteht. Das hätte eigentlich auffallen müssen …

Die Waldszenen finde ich sehr schön musiziert, und alles ab Ziffer 84 bis 87 gehört für mich zur besten Interpretation dieser Szenen, die ich bis jetzt gehört habe. Gemeint ist die Echoszene plus der anschließenden unheimlichen Atmosphäre.
Karajan lässt sich hier Zeit, die Echos (die auch tatsächlich immer leiser werden, um im vierfachen piano in der Ferne zu ertönen) verklingen zu lassen, er schafft hier eine bedrückende, äußerst intime Atmosphäre, ohne es dabei jedoch zu übertreiben und langweilig zu werden. Und auch kurz nach den Echos, wenn die düster grummelnde Bassclarinette, die Clarinetten im tiefsten Register und die Fagotte spielen, weiß Karajan das so umzusetzen, dass man die Stimmung dieser Szene sehr gut nachvollziehen kann – der Wald ist nun dunkel und bedrohlich geworden.

Das Lied des Taumännchens ist für mich problematisch, und sogar im Booklet wird gesagt, dass das extrem langsame Tempo, das Karajan hier vorgibt, fragwürdig sei. Bis das Stück vorbei ist, wäre in Echtzeit wohl die Sonne wieder aufgegangen …
Den Abendsegen habe ich schon beschrieben, die Traumpantomime gefällt mir ebenfalls, besonders bei Ziffer 101, beim großen Ausbruch des Orchesters, das den Abendsegen intoniert, gefällt mir, wie 2 Takte nach 101 die Streicher in den satten Bläserakkord hineinkommen. In vielen Aufnahmen hört man diese Streicher erst ungefähr einen Takt später, als würden sie crescendieren, doch sie sind von Anfang an im fortissimo notiert.

Ein bisschen betrüblich finde ich allerdings, was mit der Trompete passiert: 4 Takte nach 101 hört man sie noch laut spielen, und mitten in der Melodie hört man sie plötzlich gar nicht mehr – was war da los?

Weiter geht´s mit dem dritten Akt, der von einem sehr verhalten gesungenen, ganz und gar nicht „aufgeweckten“ Taumännchen eingeleitet wird, bevor Gretel aufwacht und ihr Morgenlied so singt, als ob sie die Lippen dabei nicht bewegen würde.

Als das Knusperhaus ab Ziffer 125 auftaucht, baut Karajan wieder ordentlich Spannung auf, es ist beeindruckend, wie das Orchester die Überwältigung der Titelfiguren schildert, um dann bei „gesehn!“ herrlich zu strahlen. Diese Stelle habe ich auch oft plumper gehört, aber das hier ist echt gelungen.

Beim nun folgenden Duett sollten Hänsel und Gretel zusammen „und traun! rings zu schaun gar ein Lebkuchenzaun“ singen. Die Grümmer tut das auch, die Schwarzkopf nicht; sie singt „und traun! rings zu schaun, rings ein Lebkuchenzaun“. Auch schade!

Wenn die Hexe aus ihrem Haus hervorkommt und sich anschleicht, schafft es Karajan wiederum, eine bedrohliche Spannung aufzubauen, man sieht die Alte richtig, wie sie sich anschleicht.
Und Else Schürhoff singt eine Hexe, wie ich sie mir vorstelle. Sie verzichtet auf unnötiges Gekreische, auf jede Hysterie, auf aufgesetztes, ständiges Kichern, statt dessen ist sie eine vergleichsweise ruhige Hexe, die aber gefährlich ist, und DAS finde ich wesentlich gruseliger als herumplärrende Selbstdarstellerinnen.
Als die Hexe den Ofen bei Ziffer 165 öffnet zeigt Karajan erneut wie man Spannung aufbaut, lediglich die krachenden Scheite hätte ich mir wesentlich lauter gewünscht, aber das ist natürlich Geschmackssache.

Ihr „Hurr hopp hopp hopp“ gefällt mir sehr gut, sie singt es nicht für ein Publikum, sondern ganz für sich, weil sie sich über den guten Fang freut; zum Glück hört man hier auch die Klarinetten und Fagotte schön heraus, das Xylophon aber leider nicht.
Den Kinderchor finde ich enttäuschend: zum einen hört man ihn schlecht, zum anderen versteht man kein Wort, woran sicher auch die Tontechnik nicht ganz unschuldig sein wird. Jedoch, sobald der Chor aufgewacht ist, lässt Karajan dem Orchester wieder die Zügel locker, ohne dass Verzerrungen oder unangenehmes Dröhnen den Hörgenuss trüben.

Mein Fazit: eine historische Aufnahme, die ihre klaren Stärken hat (Echoszene!), aber auch Nachteile, mit denen man wohl leben muss – allen voran die Tontechnik, die so vieles von der schönen Musik verschluckt, trotz des hervorragenden Remasterings, Ich würde diese Aufnahme auf keinen Fall als Kennenlern-Einspielung empfehlen, sondern zu einer moderneren greifen, um auch etwas von der Musik zu hören. Mit der Schwarzkopf habe ich so meine Probleme, und ich finde auch, dass Erika Köth eine wesentlich frischere, jünger klingende, mädchenhaftere Gretel ist als die damenhafte Schwarzkopf, und stimmlich auch besser zur Grümmer passt, besonders beim Abendsegen.



Versionen:

Es gibt diese Aufnahme in so vielen verschiedenen Versionen, die zu zeigen zuviel wäre, deswegen nur eine kleine Auswahl. Ich selbst habe das Werk einmal in der oben gezeigten goldenen Box, sowie in zwei Schallplattenboxen, wobei die blaue wohl aus den 50er oder 60er Jahren sein muss, die gelbe aus den späten 70er Jahren stammt.

http://b8.is.pp.ru/p/partituren/0/48192160PYH.jpg http://b8.is.pp.ru/p/partituren/9/48192179WYH.jpg


Die alte, blaue Box (oder vielmehr, der Schuber) bietet die Aufnahme in einem sehr dumpfen, schlechten Klang an; alles klingt zugedeckt und muffig.

Das liebevoll gestaltete, an ein altes Märchenbuch erinnernde Booklet bietet zwar kein Libretto, dafür ein paar Hintergrundinfos über die Entstehung, ein paar Infos über den Komponisten, eine ganze Seite des Autographs des Abendsegens sowie das komplette Märchen der Gebrüder Grimm in ungekürzter Fassung.

Die Box aus den 70ern in Gelb bietet im Booklet das Libretto in deutscher und englischer Sprache, ansonsten nur eine Synopsis komplett in Englisch. Keinerlei Hintergrundinfos, stattdessen drei Fotos: auf der Vorderseite ein großes Karajan-Foto beim Dirigieren (das aber in den 70ern gemacht worden sein muss, da er hier schon weiße Haare hat), ein Foto von Humperdinck, und ganz am Ende ein Foto von der Schwarzkopf. Juhu.

Das Booklet verrät in einem Hinweis: These LPs have been electronically reprocessed from mono tapes to give a stereo effect when played on stereo equipment.
Man ahnt Schlimmes, und so klingt es dann auch: die Musik stark im Hintergrund, die Stimmen klingen wie aus der Blechbüchse, unnatürlich laut und blechern. Wirklich gräßlich!


http://ecx.images-amazon.com/images/I/51QWQYM726L._SL300_.jpg

Diese Aufnahme besitze ich nicht, jedoch wird in Rezensionen davor gewarnt, denn das Remastering soll fürchterlich sein. Dafür bietet diese Version aber ein paar Ausschnitte aus alten Schellackplatten.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/81QbvLQv-zL._SL300_.jpg


Diese Version ist recht neu, ich besitze sie nicht, aber ich gehe mal davon aus, dass sie genauso klingen wird wie die EMI Box, die ich habe. Leider ist die hier ohne Schuber und ohne Booklet; letzteres findet man auf einer 3. CD, um sich das Libretto ansehen zu können. Völlig bescheuert! (Ebenso fragwürdig finde ich, wie man hier die Gesichter auf dem Originalcover, das hier gezeigt wird, einfach abgeschnitten hat. Da ist mir die goldene Box, die das originale Cover zeigt, dann doch lieber).





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (31.08.2015, 15:09):
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Hänsel: Sena Jurinac
Gretel: Elisabeth Schwarzkopf
Vater: Rolando Panerai
Mutter: Bruna Ronchini
Hexe: Vittoria Palombini
Sandmännchen/Taumännchen: Rita Streich

RAI Symphony Orchestra & Chorus, Milan

Dirigent: Herbert von Karajan


Diese Aufnahme vom 10. Dezember 1954 ist komplett in italienischer Sprache; Karajan hat sie für das italienische Radio aufgenommen, mit dem er, laut einer Rezension auf der amerikanischen Amazon-Seite, ein paar Aufnahmen gemacht hat, darunter eine „Zauberflöte“ mit Schwarzkopf, die ihre einzige Pamina auf Platte singt.

Direkt ein Wort zur Tontechnik, zum Klang der Aufnahme: sie hat gegenüber der 1953er Aufnahme unter Karajan Vor-, aber auch Nachteile. Der größte Nachteil ist wohl das besonders in der Ouvertüre und an leisen Stellen bemerkbare Rauschen, das dazu oft noch in der Lautstärke schwankt, sodass man es nicht nach einiger Zeit überhört. Dazu kommt selten aber doch eine Art Rumpeln dazu, besonders in der Ouvertüre merkt man das. Das Rumpeln klingt für mich ein wenig nach einem Tonarm eines Grammophons, wirklich beschreiben kann ich es aber nicht. Und manchen mag diese Aufnahme, im Gegensatz zu ihrem „Vorgänger“, auch ein bisschen plärrender vorkommen, wo die letzte ein bisschen „intimer“, zurückhaltender war. Bei länger ausgehaltenen Akkorden meine ich, dass es ganz leichte Tonhöhenschwankungen gibt. Das Umblättern der Noten durch die Musiker ist hier auch sehr deutlich zu hören.

Doch auch die Vorteile merkt man schnell. Die Oboen klingen hier nicht so trötig wie 1953, auch hier ist der Klang des Orchesters ausgewogen, ohne dass Instrumentengruppen drastisch zugedeckt werden, und wenn gesungen wird, hört man das Orchester immer noch gut – das habe ich in der letzten Aufnahme bemängelt.

Nach der Ouvertüre singt Schwarzkopf erneut die Gretel, und immer noch habe ich meine Probleme mit ihr und ihrem Vortrag. Dazu kommt, dass sie für meine Ohren ihre Stimme noch weniger verstellt und tiefer singt.

Sena Jurinac, die 27 Jahre später in August Everdings HUG-Film die Hexe spielen wird, singt hier einen burschikosen, für meinen Geschmack etwas zu reifen, zu dunkel timbrierten Hänsel, mit dem ich aber ganz gut leben kann, zumal er in der tiefen Lage nicht knödelt, und in höheren Lagen kein starkes Vibrato hat. Aber natürlich höre ich hier in erster Linie die Marschallin und Oktavian. Im Vergleich mit Jurinac fällt mir bei der Schwarzkopf auch negativ auf, dass sie ihren Text meist sehr abgehakt singt, was vielleicht ihrer Auffassung von „kindlich“ entspricht, aber mir gefällt es überhaupt nicht. Auf mich wirkt es gekünstelt.

Dazu verpasst sie zwei Einsätze: einmal in Ziffer 6, wo sie statt in Takt 3 bereits einen Takt früher zu singen beginnt. Sie bemerkt ihren Fehler offenbar und singt ihre Zeile dann im 3. Takt nocheinmal.

Das zweite Mal 4 Takte nach Ziffer 27; Hänsel und Gretel singen abwechselnd, mittendrunter lässt die Gretel ihren Einsatz (rot markiert) aus, und Hänsel muss sich nun sozusagen alleine rechtfertigen:

http://www.pbrixius.de/Andreas/Fehler.jpg

Nach der ganzen Meckerei nun auch mal endlich positive Dinge. Ich habe vorhin schon erwähnt, dass während des Gesanges die Musik nicht im Hintergrund ein Schattendasein fristen muss, und besonders bei zwei schönen Stellen ist mir das aufgefallen.
9 Takte nach Ziffer 6, wenn Gretel „Griesgram, Griesgram, gräulicher Wicht“ singt, wird sie von schwungvollen Violinen begleitet, dazu pulsieren Bratschen und Celli. Hier hört man es, 1953 nicht.

Und eine besonders schöne Stelle, die Karajan auch auskostet, findet sich 6 Takte nach Ziffer 8. Zwei Hörner schwingen sich zart in die Höhe mit dem Anfang des „Suse“-Motivs, und gehen nahtlos über in die Clarinetten, die es auf der selben Tonhöhe wiederholen, und ihrerseits von zwei Flöten abgelöst werden, die es eine Oktave höher spielen – jedoch begleitet von den gesamten Violinen, die in der selben Oktave bleiben wie zuvor die Clarinetten. Ein herrlicher Klang, herrlich instrumentiert … wie da plötzlich die Violinen dazukommen, wie der Hörnerklang in den Clarinettenklang übergeht … auch das hört man hier, und 1953 nicht.

http://www.pbrixius.de/Andreas/geheimnis%20dover.jpg

Der Vater von Rolando Panerai ist stimmgewaltig und singt sehr „italienisch“, hat mich aber nicht wirklich gestört; besonders wenn er von der Hexe singt unterstreicht das die Dramatik der Handlung, mal abgesehen vom Orchester, das hier ordentlich Druck macht und sich im Laufe der Hexenballade bis zum furiosen Schluss immer mehr steigert.

Enttäuschend der Einsatz der Pauken 8 Takte nach Ziffer 53: eigentlich sollte es hier im forte das Hexenmotiv spielen, doch es klingt VIEL zu leise, und verstummt plötzlich mitten im Takt, so als würde es entweder aufhören zu spielen, oder das Mikro wurde abgedreht. Wo das Problem liegt weiß ich nicht, schön klingt es aber nicht.

Die Waldszenen unterscheiden sich musikalisch nicht wirklich von der 1953er Version; abgesehen von der Tonqualität, so dass man das Orchester, wie schon erwähnt, viel besser hören kann. Jedoch, die Echoszene reicht, obwohl Karajan auch hier die Szene langsamer nimmt, lange nicht an seine frühere Einspielung heran. Die Echos klingen diesmal ziemlich diffus, und werden auch nicht immer leiser, sondern wabern nur in gleicher Lautstärke in der Luft herum. Und nach Gretels Ruf „Ist jemand da?“ sollten die zwei folgenden Echos ineinander übergehen, doch das tun sie nicht; nachdem das erste Echo vorbei ist, folgt eine kurze Pause, dann setzt erst das zweite ein. Und der Kuckuck ruft viel zu laut, was der von Humperdinck intendierten Stimmung sehr abträglich ist.

Ich bin – und das ist nur meine Meinung – kein großer Freund von Opern in anderen Sprachen, und deswegen war ich auch nicht begeistert, dass aufgrund des Textes „Se mi serba a Dio fedel“ nicht mehr durchgehende Viertelnoten gesungen wurden, sondern etwas, das nach Triolen und dazu noch ziemlich holprig klingt.
Auf YouTube gibt es einen HUG Film von 1957, ebenfalls in Italienisch, und dort wird derselbe Text gesungen, dort allerdings von echten Italienerinnen, und die singen das „Dio“ nicht so, wie man es schreibt, sondern als „Djo“, wodurch der Rhythmus der Viertelnoten nicht auseinander gerissen wird, aber trotzdem: für mich klingt es einfach nicht gut, so wie ich „Va pensiero“ auch schöner finde als „Flieg Gedanke“


In der Traumpantomime offenbaren sich besonders bei den lauten Stellen die Schwächen der Tonqualität, denn obwohl 2 Takte nach Ziffer 99 die Bassposaune und die Basstuba im fortissimo ein absteigendes Motiv in den tiefen Registern schmettern, hört man das so gut wie gar nicht heraus. Besonders hier merkt man, dass die Darstellung der Bässe problematisch ist.
Im dritten Akt erscheint die ebenfalls stimmgewaltige Hexe von Vittoria Palombini, die besonders in der Tiefe nicht knödelt, sondern voll und dunkel klingt. Eine herrische Hexe, die auch nicht zu jung klingt, aber für meinen Geschmack mit dem Vibrato und den lauten Stellen ein bisschen übertreibt.

Unterstützt wird sie von einem „dämonischen“ Orchester, das etwa den bedrohlichen, anschwellenden Blechakkord 4 Takte nach Ziffer 161 ernst nimmt und nicht schnell und harmlos vorüberklingen lässt.

Auch als die Hexe bei Ziffer 159 wieder aus ihrem Haus kommt, setzt Karajan das so um, dass man die Alte direkt herausschleichen sieht. Bei der vorigen Einspielung ging dieser schön instrumentierte Effekt leider verloren.
Nun ist mir ein Fehler aufgefallen, dessen Ursache ich mir nicht erklären kann: kurz vorher, bei Ziffer 160, spielen die Violinen den 1. Takt korrekt, spielen aber plötzlich im 3. Takt weiter. Ich glaube nicht, dass da etwas zusammengeschustert wurde, für mich hört sich das so an, als würde man diesen Takt gar nicht spielen. Wenn man die Melodie dieser Stelle im Kopf hat fällt es einem besonders auf.

Die Kuchenkinder klingen anfangs für mich wie Frauen, allerdings muss ich auch hier bemängeln, dass der Klang zu verschwommen ist, von der Zweistimmigkeit des Chores merke ich nichts. Sobald die Kinder aufwachen, lässt Karajan sein Orchester wuchtig und hart spielen, um der Freude über die Befreiung Ausdruck zu verleihen. Das ist natürlich Geschmackssache, andere mögen es vielleicht etwas weicher.

Dann ist mir noch ein Fehler aufgefallen, bei dem ich allerdings eine Tonbandstörung oder ähnliches nicht ausschließen kann. Nachdem die tote Hexe aus dem Ofen gezogen wurde, sollte der Vater pünktlich bei Ziffer 209 anfangen zu singen. Doch stattdessen beginnt ungefähr einen halben Takt früher. Hier kann es vielleicht sein, dass man aus irgendeinem Grund schneiden musste, ein „Versinger“ muss das nicht sein.
Als ich die Aufnahme das erste Mal hörte war ich im großen Finale, bei dem das gesamte Orchester bei Ziffer 212 den Abendsegen intoniert, überrascht, eine neue Melodie zu hören, und tatsächlich habe ich keine Aufnahme, bei der man die ersten Violinen sowie die Piccoloflöte so deutlich hört wie hier.



Mein Fazit zu der Aufnahme: wenn man mit der italienischen Fassung kein Problem hat, dann bekommt man eine hörenswerte Karajan-Einspielung, bei der das Orchester wesentlich präsenter ist und zu seinem Recht kommt. Jurinac ist kein schlechter Hänsel, sein Timbre finde ich persönlich aber zu dunkel, und besonders in Verbindung mit Schwarzkopfs Gretel höre ich da die Marschallin und Oktavian. Die klanglichen Einbußen halten sich in Grenzen, besonders über Lautsprecher fällt das Rauschen nicht so ins Gewicht.

Ich habe diese Aufnahme lediglich in der Version, die man zu Beginn des Beitrages links sieht (mir gefällt das Cover nicht).

Dazu gibt es leider nur ein dünnes Booklet mit einer Tracklist sowie einer englischen Inhaltsangabe. Das war´s.
Hosenrolle1 (16.09.2015, 12:35):
Ich möchte ausnahmsweise mit meinem Vorhaben, die HUG-Aufnahmen chronologisch zu präsentieren, brechen, da ich nicht weiß, wie lange es dieses Video noch auf YouTube geben wird.

https://i.ytimg.com/vi/_T9DymQ6TME/mqdefault.jpg

https://www.youtube.com/watch?v=_T9DymQ6TME


Hänsel: Tánit Bono
Gretel: Neus Roig
Vater: Sebastiá Peris
Mutter: Quiti Muñoz
Sandmännchen: Inma Palmí
Taumännchen: María Bazal

Coro & Orquesta del Taller de Ópera del Conservatorio Superior de Música de Valencia

Dirigent: Ramón Ramirez



Die Aufnahme, die mit zwei Kameras wahrscheinlich 2013 oder 2014 gemacht wurde, zeigt, dass man Perlen nicht unbedingt in den großen, teuren Aufnahmen im Laden findet, sondern oft auch gratis und gut versteckt im Internet, in diesem Fall auf Youtube.

Gleich zur Klangqualität etwas: erwartungsgemäß ist sie relativ bescheiden. Es gibt zwar kaum Verzerrungen o.ä., aber sie ist für meinen Geschmack zu hallig, und vor allem hört man das Orchester, das die SängerInnen manchmal übertönt. Es ist schwer zu sagen ob das an der Lautstärke des Orchester liegt, an der schlechten Akustik, oder ob es einfach nur wegen dem Mikrofon so klingt. Das ist schwer einzuschätzen, deswegen tue ich das auch nicht.

Nach der musikalisch eher langweiligen Ouvertüre, die an vielen Stellen unausgewogen klingt, bei der Instrumente eher übertönt statt unterstützt werden, und bei der mir vor allem auch die leisen Stellen viel zu laut vorkommen, geht es nun mit dem 1. Akt los.

Da es sich um spanische Interpreten handelt, die in Deutsch singen, muss man damit rechnen, dass öfter einmal mit der Sprache gekämpft wird, dass Wörter oder Sätze falsch ausgesprochen werden oder zu Kauderwelsch verkommen. Es ist nicht extrem, aber man merkt es.

Neus Roig singt die Gretel, und ich finde sie stimmlich durchaus passend für diese Rolle, speziell auch als Kontrast zum Hänsel. Sie klingt jung, dabei aber nie aufgesetzt kindisch, und hat ein leichtes Vibrato, mit dem ich sehr gut leben kann. Mit dem deutschen Text klappt es eigentlich großteils auch sehr gut.

Ja, und jetzt der Hänsel von Tánit Bono! Bevor ich diese Aufnahme gesehen oder vielmehr gehört habe, war Elisabeth Grümmer mein absoluter Lieblings-Hänsel. Wie viele Hänsel-Interpretinnen es nicht gab, die für diese Rolle viel zu alt, viel zu tief klangen, deren Gesang schwer klang und die tieferen Töne eher knödelig, fast schon quakig (gibt es das Wort überhaupt?).

Und dann höre ich das hier, und habe meine Meinung geändert. Dieser Hänsel ist im Grunde so, wie er meinem Ideal entspricht, das ich schon hatte BEVOR ich diese Aufnahme kannte, und das ich jetzt einmal versuche zu beschreiben, um meine Bewertung nachvollziehbarer zu machen: er klingt nur ein wenig tiefer als die Gretel, um die beiden Stimmen speziell bei Duetten sauber voneinander unterscheiden zu können. Er hat, wenn überhaupt, ein sehr feines, möglichst selten eingesetztes Vibrato. Er klingt jung und leicht. In der hohen Lage wird nicht gekreischt, sondern immer noch gesungen, in der mittleren Lage klingt er herrlich, und die tieferen Töne klingen ebenfalls schön und „rein“ und jugendlich. Mein Ideal ist, trotz der Attribute „jung“ und „frisch“ und „jugendlich“, jedoch nicht, dass ein Hänsel (oder auch eine Gretel) wie ECHTE Kinder klingen sollen. Nein, was mir vorschwebt ist, dass der Hänsel klingen soll wie eine eher burschikose junge Frau; man soll durchaus hören, dass es kein echter Junge ist, sondern eine Sängerin, denn es geht nicht um Realismus, sondern um die Charakterisierung einer Rolle.

Und alles das trifft auf diesen Hänsel hier zu. Anfangs war ich skeptisch, ob der gute Eindruck zu Beginn bleiben würde, aber auch in der restlichen Oper, bei den problematischen Stellen, gab es keinen Punkt, wo ich gesagt hätte „Naja, das war jetzt nicht so besonders“.
Wenn ich mir nur anhöre, wie sie etwa gleich zu Beginn im „Suse-Lied“ die Wörter „Brot“ oder „Floh“ singt, wie das Vibrato nur ganz dezent eingesetzt wird, wie die Stimme nach Frau und nach Jungen gleichzeitig klingt …
Eine problematische Stelle ist im 2. Akt bei „Kindlein, Kindlein, fragt er, fürchtet ihr euch nicht?“. Aber sogar hier in der Tiefe kein Knödeln oder ähnliches, sondern immer noch die jung klingende Stimme wie sonst auch, nur eben tiefer. Ich könnte noch viele weitere Stellen aufzeigen, aber ich belasse es mal hierbei.

Das einzige Manko ist natürlich das Deutsch: die Sängerin hat sich zwar gut vorbereitet auf ihre Rolle, aber man hört den Akzent einfach heraus, oft werden Wörter falsch betont o.ä., und auch bei ihr kommen selten, aber doch, irgendwelche Nonsens-Sätze oder Wörter heraus. Aber damit kann ich leben, zumal das hier auch keine Einspielung ist, die für (viel) Geld auf den Markt geworfen wurde, und diese Stimme, dieser Gesang einfach so herrlich ist. In diesem Punkt hat die Grümmer dann doch die Nase vorne.
Ein zweites "Manko" wäre, dass die Sängerin figürlich nicht so recht zum Hänsel passt. Sie sieht nicht so aus als ob sie viel Hunger hätte, und gewisse weibliche Rundungen sieht man sehr deutlich. Da gibt es wesentlich passendere Hänsel – die dann aber oft umso älter und schwerer klingen.

So, und falls die Leserin oder der Leser es nach dieser eingehenden Beschreibung bis hierher geschafft hat, möchte ich schnell weitermachen mit meinem Bericht.

Die Mutter kann von der Besetzung am schlechtesten Deutsch, aber auch gesanglich ist sie überhaupt nicht mein Fall; die Stimme bzw. der Gefühlsausdruck klingt ständig gleich, egal ob energisch oder erschöpft gesungen werden soll. Witzigerweise finde ich, dass sie rein optisch ein passenderer Hänsel gewesen wäre.

Dann kommt der Vater, und der gefällt mir wiederum besser, kein Gebrülle oder ähnliches, aber auch keine Leistung, bei der ich sagen würde, dass sie im Gedächtnis bleibt.

Kurz vor der Hexenballade verspielt sich zunächst das 2. Fagott, dann das
1., jedoch werden diese Fehler geistesgegenwärtig kaschiert, so dass sie vermutlich nur jemandem auffallen, der die Oper gut kennt und/oder die Noten mitliest.

Und die letzten beiden Takte des 1. Aktes habe ich so noch nicht gehört: die Dramatik, und speziell dieser kurze extrem hohe „himmelschreiende“ Aufschwung der Geigen und Flöten klingt so heftig und im positiven Sinne fürchterlich, dass es einen umhaut – zumindest mir geht es so. Ich glaube, dass bei meinen anderen gekauften Aufnahmen das nirgendwo so zu hören ist, aber ich werde darauf achten. Es ist doch faszinierend: man hört eine Kleinigkeit, die man vorher nicht kannte, und schon bekommt ein Werk eine neue Bedeutung, man sieht es vielleicht aus einer anderen Sicht, man entdeckt neue Seiten.
In diesem Notenbeispiel sieht man es, im vorletzten Takt.

http://www.pbrixius.de/Andreas/hug%20schrei.jpg

Nach einem musikalisch unspektakulären Hexenritt und ebenfalls unspektakulären Waldszenen (woran, wie schon erwähnt, sicher auch teilweise die Aufnahme Schuld hat), kommt die Echoszene, bei denen die Echos VIEL zu laut widerhallen und auch der Kuckuck seiner von Humperdinck vorgeschriebenen Aufgabe, kaum vernehmbar zu sein, nicht nachkommt.
Ein durchschnittliches Sandmännchen mit zu viel Vibrato singt sein Lied, und nun kommt der Abendsegen.

Auf die schöne Stimmen, speziell vom Hänsel, bin ich schon eingegangen, was mir hier beim Duett gefällt ist, dass man jederzeit beide Stimmen hört, und sie sich auch die meiste Zeit sehr schön mischen. Der Hänsel singt eigentlich immer ohne Vibrato, während die Gretel manche Töne mit einem ganz leichten Vibrato anreichert, wodurch ein herrlicher Klang entsteht.
Schade, dass man das nicht in einer ordentlichen Aufnahme hören kann.

Auch hier ist natürlich das Problem mit der Sprache, so dass die Sängerinnen sich nicht voll und ganz auf den Ausdruck konzentrieren können, sondern auch noch versuchen, ihren Text richtig und möglichst fehlerfrei „aufzusagen“, und dadurch, dass live gesungen wird, ist es schlecht möglich, wirklich piano zu singen, was im Studio vor einem Mikrofon ja kein Problem darstellt. (Gretel singt etwa an einer „wichtigen“ Stelle das Wort „zweie“ nicht als „zwei-je“, sondern „zwei-ii“, was diese Stelle ein wenig auseinanderreißt – wer es genau wissen will, gemeint ist der Takt bei RZ. 93)Aus diesen Gründen ist dieser Abendsegen für mich keiner, bei dem ich „dahinschmelzen“ würde, aber trotzdem, so stelle ich mir das im Grunde vor.

Die Traumpantomime leidet ebenfalls unter der Akustik, und gerade bei RZ. 101, wo das volle Orchester den Abendsegen prachtvoll intoniert, spielt das Becken um einen Takt zu früh, während die ansonsten intonationssicheren Geigen plötzlich sehr unsicher und wacklig ihren 16tel-Aufschwung unternehmen.

Der dritte Akt gestaltet sich musikalisch ebenfalls ohne nennenswerte Besonderheiten, das Taumännchen ist ebenfalls eine durchschnittliche Leistung mit, für meinen Geschmack, zu viel Vibrato.
Die Hexe finde ich stimmlich ganz ok, auch hier kein Knödeln oder ähnliches, zum Glück auch kein ständiges Gekreische. Mein Hauptproblem ist, dass sie für mich zu jung klingt und vor allem viel zu jung aussieht. Mit ihrem Kostüm, mit diesen hochgesteckten Haaren und den schönen Beinen wirkt sie eher wie eine Herodias, die es nochmal wissen will, statt wie eine alte, böse Hexe. Wegen der fürchterlichen Regie, auf die ich in dieser Rezension gar nicht eingehen werde, muss sie immer wieder ins Publikum singen, pseudo-witzige Dinge machen, Grimassen schneiden und sich auch sonst eigenartig aufführen.

Der Kinderchor besteht seltsamerweise ausschließlich aus (zehn) Mädchen, obwohl der Komponist eigentlich einen Mädchen- und Knabenchor wollte und das hier sicher nicht den Klangvorstellungen entspricht. Ich glaube auch, dass der kleine Chor hinter der Kulisse noch durch erwachsene Chorsängerinnen verstärkt wurde, für mich klingt es sehr danach.

Die Schlusstakte werden vom Orchester tüchtig versemmelt; warum genau kann ich nicht eruieren, aber ein Teil des Orchesters fängt zu früh an zu spielen, der andere Teil hinkt stark hinterher, so dass ein Teil früher fertig ist als der andere. Fällt im Applaus des Publikums wahrscheinlich aber keinem Menschen auf.

Zum Orchester oder dem Dirigenten kann ich leider nicht viel sagen; am Anfang des Videos steht etwas von einem „Conservatorio Superior de Música de Valencia“, aber auf deren Homepage, die leider nur auf Spanisch ist, kann ich nichts Näheres herausfinden.

Lobenswert finde ich aber, dass im Abspann die Musiker im Orchestergraben ebenfalls genannt werden – wie oft werden alle möglichen Mitarbeiter und der Regisseur genannt, die Musiker jedoch bleiben im Abspann eine anonyme Masse, die halt die Musik dazu beisteuert.


Auch hier mein Fazit: wegen dem Geschwisterpaar, speziell dem Hänsel, lohnt es sich, diese Aufnahme anzusehen bzw. anzuhören - wobei ich natürlich wie immer offen bin für noch bessere Interpretationen, solange ist dieser hier mein Lieblingshänsel. Ansonsten gibt es durchschnittliche SängerInnen und Einbußen bei der Sprache. Die Klangqualität ist schwankend, mal kann man die Sänger gut hören, dann wieder klingen sie weit entfernt, die Bildqualität ist sehr gut und kann auch als Vollbild genossen werden.
Ohne näheres über diese Produktion oder die SängerInnen zu wissen vermute ich mal ob des relativ jungen Alters der Mitwirkenden, dass es sich hier nicht um eine reguläre Opernaufführung, sondern um eine Art "Schulaufführung" einer Universität oder so handeln wird, bei der Nachwuchssänger Erfahrungen auf der Bühne und vor Publikum sammeln können.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (17.09.2015, 15:43):
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Hänsel: Ursula Schirrmacher
Gretel: Rose Fink
Vater: Thomas Krause
Mutter: Margarethe Sjöstedt
Hexe: Emmy Funk
Sandmännchen: Ein Sängerknabe

Die Wiener Sängerknaben und das Orchester der Wiener Staatsoper in der Volksoper
Dirigent: Militiades Caridis



Nachdem ich einen kurzen Sprung ins 21. Jahrhundert gemacht habe, komme ich nun in die 60er Jahre zurück.
Hierbei handelt es sich um einen Querschnitt, der höchstwahrscheinlich irgendwann aus den frühen 60er Jahren stammt, sich aber leider nicht genau datieren lässt. Er liegt mir in zwei verschiedenen Fassungen vor, einmal als große LP (links), und einmal in einer kürzeren Version auf einer kleineren LP (rechts).
Hier werde ich nur die längere Fassung besprechen.

Seite 1 beginnt mit der Ouvertüre, die bis Buchstabe D gespielt wird – doch statt dass der, wie ich glaube, halbverminderte d-moll Akkord (1-b3-b5-b7) partiturgemäß in E-Dur aufgelöst wird, löst er sich in einen sanften C-Dur Akkord auf, womit die Ouvertüre auch beendet wird.

Danach wird die gesamte 1. Szene, von „Suse, liebe Suse“ bis zum Tanzduett komplett durchgespielt.

Ursula Schirrmacher singt den Hänsel, Rose Fink die Gretel.
Was sofort auffällt ist das starke rollende R, das permanent eingesetzt wird. Mir persönlich gefällt das nicht, weil es schon sehr übertrieben klingt.

Ihr Hänsel hat eine angenehme, helle, vibratoarme Stimme, die in der mittleren Lage bei höheren Lautstärken aber deutlich „erwachsener“ wird.

Was mir aber abgeht ist das Burschikose, das ich mir von dieser Rolle gewünscht hätte, was nicht das Timbre, sondern den Ausdruck – eigentlich klingt sie eher weiblich-kokett, wenn man so möchte.

Rose Finks Gretel ist noch wesentlich heller vom Timbre her, ebenfalls vibratoarm, aber ich halte ihren Gesang nicht lange aus, weil er ständig gleich klingt, egal welche Situation es gerade gibt. Keine piano-Höhen, gar nichts. Immer die gleiche Lautstärke, immer der gleiche Ausdruck.

Es folgt das Ende des Hexenritts mit anschließendem Hagebuttenlied bis zum Kuckuck, der dann in „Gretel, ich weiß den Weg nicht mehr“ übergeht, wobei mir vor der Echoszene der laute Blechakkord bei RZ. 85 besonders aufgefallen ist. Die Echoszene dagegen zu laut, so wie auch der Kuckuck.

Der Sandmann wird laut Info von „ein Sängerknabe“ gesungen, klingt aber auch nicht gut. Zu leise, zu wenig Luft, sehr steifer Vortrag. Der Abendsegen ist dann auch nicht mit „halber Stimme“ interpretiert, und das crescendo mitten im Stück wird zu laut und heftig genommen.
Seite 1 endet bei RZ. 95, wo die Traumpantomime normal anfängt.


Seite 2 wiederum beginnt mit RZ 126, als das Haus entdeckt wird. Es folgt das Duett und der Auftritt der Hexe, bis nach einem kurzen Schnitt das viel zu schnelle „Hurr hopp hopp hopp“ gespielt wird.

Die Hexe von Emmy Funk ist ein Witz, klingt wie eine Sängerin, der man nebenbei angeboten hat, mal schnell die Hexe zu spielen, ohne Vorbereitung, alles ad libitum. Schnell wieder vergessen.

Im Knusperwalzer gefällt mir das laut schmetternde Blech, bei dem das Orchester das erste Mal richtig Gas geben darf.

Der Kinderchor ist zu leise und schlecht zu hören, der Vater von Thomas Krause (auf der kleinen LP „Tom Krause“ genannt) ist ok, wenn man bedenkt, dass er nur den Schluss der Oper singen darf.

Als Dirigent und Orchester wird folgendes angegeben:

Die Wiener Sängerknaben und das Orchester der Wiener Staatsoper in der Volksoper
Leitung: Miltiades Caridis

Wenn diese Aufnahme tatsächlich in der Volksoper gemacht wurde, dann erstaunt mich das, weil sie ziemlich hallig klingt, wo die Volksoper doch eigentlich eine sehr trockene Akustik hat, die den Hall sofort schluckt. Wird gesungen, geht das Orchester leider unter, aber oft genug wird das Tempo viel zu sehr gehetzt, so dass es eigentlich eh schon egal ist. Schlussendlich ist es „nur“ ein eigens produzierter Querschnitt, von dem es keine Gesamtaufnahme gibt.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (18.09.2015, 16:53):
http://b8.is.pp.ru/p/partituren/3/48192223pjM.jpg


Hänsel: Gwyneth Jones
Gretel: Elfriede Pfleger

Tonhalle-Orchester Zürich
Dirigent: Boris Mersson


Bei dieser Platte mit einem, wie ich finde, nicht wirklich passenden Cover, handelt es sich um eine Single der „MMS“, der „Musical Masterpiece Society“, was immer das sein soll. Diese Aufnahme kann ich überhaupt nicht datieren, ich packe sie mal auch in die 60er Jahre.
Es spielt das Tonhalle-Orchester Zürich unter der Leitung von Boris Mersson.
Gwyneth Jones singt den Hänsel, Elfriede Pfleger die Gretel.

Seite 1 beginnt mit „Suse, liebe Suse“, die Gretel von Pfleger klingt in der Mittellage viel zu alt, in der Höhe jedoch wieder jünger. Vom Hocker reißt mich ihre Gretel aber nicht.
Der Hänsel von Jones ist fürchterlich! Nicht nur, dass sie ständig mit der Sprache kämpft, klingt sie zu tief, zu alt und zu leise für diese Rolle. Leider ist das Orchester schlecht zu hören, ebenfalls recht hallig im Hintergrund.

Es folgt das Tanzduett, und dann ist Seite 1 auch schon zu Ende.


Seite 2 beginnt mit „Ein Männlein steht im Walde“, mit einem sehr unbeteiligt interpretiertem Clarinetten-Solo.

Es folgt der Knusperwalzer, bei dem die beiden Sängerinnen ihren ersten Einsatz knapp verpassen, und das Orchester so klingt, als wäre es nicht vollzählig. Ich höre keine Basstuba, keine Trompeten etc., hauptsächlich die Streicher. Dazu ist das Tempo zu schnell gewählt.

Die Platte endet mit dem Abendsegen, den die Gretel gut absolviert, aber der Hänsel versaut es. Wie Jones die Töne in die Länge zieht, und versucht, die Wörter korrekt zu singen, das ist nichts.


Auf der Rückseite der Hülle findet man eine kurze Biografie von Humperdinck, sowie ein paar Worte über seine Musik, besonders natürlich die in HUG. Der Schluss der Beschreibung hat mich auf etwas neues gebracht, das mir ebenfalls noch nicht so aufgefallen ist:

Zitat:

Die zauberhafte Komposition Abends will ich schlafen gehn ist wiederum Humperdincks eigene Schöpfung; ihr Anfangsthema ist eines der Leitmotive der Oper, das das Unschuldsvolle, Fromme, Kindliche im Gegensatz zum bösen Prinzip der Hexe verkörpert. Anklänge an die Themen beider Welten finden sich schliesslich im Knusperwalzer, der den Sieg des Guten, die Verbrennung der bösen Hexe begleitet.

Ich höre im Knusperwalzer keinen Abendsegen heraus, aber jetzt fällt mir auf, dass das Cello und die restlichen Streicher das „Kommt, kleine Mäuschen, kommt in mein Häuschen“ der Hexe wiederholen.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (20.09.2015, 16:21):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/61frGA44CCL._SL300_.jpg

Hänsel: Barbara Scherler
Gretel: Gisela Pohl
Vater: Marcel Cordes
Mutter: Gertrud Burgsthaler-Schuster
Hexe: Lilian Benningsen
Sandmännchen: Gisela Knabba
Taumännchen: Oda Balsborg

NDR Chor, Kinderchor und Knabenchor des NDR
NDR Sinonieorchester

Dirigent: Carl Schuricht



Auf diese Aufnahme, die im Dezember 1962 gemacht wurde, war ich anfangs sehr gespannt, denn der Dirigent Carl Schuricht war ein ehemaliger Schüler von Humperdinck.

Problematisch ist auch hier wieder die Tontechnik: ein etwas stärkeres Grundrauschen, leicht wummernde Bässe, leider hört man hauptsächlich Streicher und Holzbläser, besonders die Hörner gehen stark unter, nicht nur während den Gesangsstellen.

Das Dirigat würde ich nur als routiniert bezeichnen, es gab keine Stellen, die mich besonders beeindruckt hätte. Schuricht verzichtet zum Glück (bis auf das schleppend langsame Morgenlied im 3. Akt) auf extreme Tempi, aber gerade bei so einer Tonqualität ist es wieder schwer, ein wirklich faires Urteil zu fällen. (Positiv muss ich erwähnen, dass die Oboe keineswegs trötig klingt, wie das etwa bei der Karajan-Aufnahme von 1953 der Fall war).


Ria Pohls Gretel ist für mich guter Durchschnitt; obwohl sie leider bei länger ausgehaltenen Tönen zu einem für mich störenden Vibrato und leichten crescendo neigt und ein bisschen zu reif für diese Rolle klingt, hat sie doch eine etwas hellere Stimme.

Der Hänsel von Barbara Scherler hingegen ist mir schon zu dunkel timbriert, wenngleich es auch hier wesentlich ärgere Beispiele gibt, so dass auch sie für mich guter Durchschnitt ist.

Wirklich überzeugend finde ich ihren Vortrag nicht, manchmal finde ich ihn ein bisschen sehr aufgesetzt – etwa, wenn sie beim Tanzduett im 1. Akt herumkichern – und generell auch zu damenhaft.

Leider merkt man schon früh in dieser Aufnahme, dass es nicht nur bei der Tonqualität Probleme gab; es gibt ein paar Schnitte, von denen ich annehme, dass es irgendwelche Probleme mit dem Masterband gab und man deswegen schnipseln musste.

Jedoch, einmal glaube ich, dass es eine Kürzung gab, die es in sich hat: im Tanzduett, bei Richtziffer 20, werden plötzlich 48 Takte Musik übersprungen, und es geht nahtlos bei RZ 24 weiter!
Schade, dass davon (und von den Schnitten) nichts im Booklet steht, auch keine Entschuldigung, dass es zu Beeinträchtigungen kommen kann, oder ähnliches)

Als die Mutter von Gertrud Burgsthaler-Schuster, die leider ziemlich alt klingt, nach Hause kommt, hört man gleich zwei Schnitte mitten im Gesang:
Statt „Nennt ihr das Arbeit, johlen und singen, wie auf der Kirmes tanzen und springen?“ hört man „Nennt ihr das Arbeit, jomes tanzen und springen?“, und direkt im Anschluss statt „Indes die Eltern von frühen Morgen“ nur „tern von frühen Morgen“. Das „Indes die El“ fehlt.

Der Vater von Marcel Cordes, der auch in der 1965er Aufnahme den Vater sang, gefällt mir wiederum besser, jedoch bei der Hexenballade übertreibt er es meiner Meinung nach ein bisschen mit dem „gruseligen“ Gesang.

Ja, die Waldszenen im 2. Akt verlieren durch die Tontechnik natürlich ihre ganze Atmosphäre, aber ich denke, auch vom Dirigat her war es ziemlich unspektakulär. Der lauter, plötzliche Horneinsatz im „Hexenritt“ etwa kommt harmlos und zu leise daher. Die Echos klingen sehr diffus, und der Kuckuck schreit (und diesen Satz wird man leider noch öfter lesen in meinen künftigen Besprechungen) zu laut – was ja eigentlich schon fast komisch ist, denn die Instrumente, die auch mal laut oder sehr laut klingen sollen, klingen dafür viel zu leise.

Das Sandmännchen ist ebenfalls nur durchschnittlich, die Stimmen mischen sich im Abendsegen auch nicht so recht, und die Traumpantomime ist langweilig. An keiner Stelle wird Spannung oder Dramatik aufgebaut, die Musik tümpelt gleichmäßig vor sich hin.

Auf CD 1 geht es gleich weiter mit dem dritten Akt: das Vorspiel für dasselbe ist wiederum enttäuschend, besonders die Stelle 3 Takte nach RZ 109, dieses bedrohliche Motiv, von den tiefen Streichern intoniert, klingt weder „ausdrucksvoll“, wie Humperdinck es wollte, noch bedrohlich.

Das ganze Morgenlied, überhaupt die ganze Szene bis die Hexe kommt, nimmt Schuricht leider zu langsam, was umso bedauerlicher ist, weil man von der Musik, von der ganzen Instrumentation drumherum, von dem erwachenden Wald aufgrund der Tonqualität nichts mitbekommt.

Auch das Taumännchen, das im Gegensatz zum Sandmännchen heller klingt, wird für meinen Geschmack zu langsam interpretiert.

Die Stelle, wo die Kinder das Knusperhaus entdecken ist langweilig (wo ich bei Karajans Version fast Gänsehaut hatte), die Hörner, die ihr verführerisches, lockendes Motiv spielen so gut wie gar nicht zu hören.

Dann endet CD 1 und auf der zweiten Disc geht es mit der Hexenszene weiter. Selbige ruft ihr „Knusper Knusper Knäuschen“ aus dem Haus und kichert hinterher. Oje … auch beim zweiten Mal kichert sie, aber zum Glück übertreibt sie es, sobald sie draußen ist, nicht. Trotzdem: die Stimme finde ich zu schwer, die Höhe klingt angestrengt, und die Textverständlichkeit besonders bei höheren Tönen ist auch nicht so berauschend.

Wieso Hänsel statt „trau nicht dem gleißenden Wort“ „trau nicht dem schmeichelnden Wort“ singt weiß ich nicht, und auch nicht, warum die Hexe im auch etwas zu steifen „Hurr Hopp hopp hopp“ statt „am lichten Tag“ „am jüngsten Tag“ macht.

Nach der ganzen Motzerei nun auch etwas Positives, nämlich der Kinderchor. Den hört man akustisch deutlich, er klingt nicht verschwommen, zu leise oder zu hallig, wie das bei manch anderen Aufnahmen der Fall ist.

Außerdem singt er schön und ausgewogen, keine der beiden Stimmen (Mädchen und Buben) wird übertönt. Die Art zu singen erinnert mich an diese alten Aufnahmen von Kinderliedern aus den 50ern und 60ern – es klingt zwar nicht „modern“, aber mir persönlich gefällt es sehr gut. Besonders schön die Stelle, wenn er singt: „O rühr auch mich, auch mich rühr an“ – das Legato, die Mischung der beiden Stimmen, beeindruckend :)
Positiv auch die Aussprache des Textes. Bei manchen Versionen hat man das Gefühl, als ob der Chor den Mund gar nicht bewegen würde beim singen, aber hier ist die Textverständlichkeit sehr hoch, die Worte werden sauber artikuliert.

Zum Glück vermeiden es die beiden Sängerinnen der Titelpartien, den Chor mit lautem Geplärre zu übertönen, auch am Ende, als „Schaut, o schaut das Wunder an“ gesungen wird.

Und ausgerechnet ganz am Ende kommt noch ein Schnitt: wenn alle zusammen „Gott der Herr die Hand uns reicht“ singen, fehlt das Wort „die“, so dass nun „Gott der Herr Hand und reicht“ herauskommt. Schade!
Ich habe ja schon erwähnt, dass es weder auf der Hülle noch im dürftigen Booklet (das übrigens nur zwei Bilder von B. Scherler und G. Pohl sowie eine Tracklist beinhaltet) ein Wort über diese Schnitte gibt.

Davon abgesehen steht auf der Außenseite auch nirgends, dass auf CD 2 auch noch die ganze Kurzoper unter Hermann Weigert von 1929 drauf ist; das steht am Ende des Booklets. Die Aufnahmequalität war nicht schlecht, das Rauschen ist natürlich da, stört mich aber nicht wirklich. Störender finde ich die starken Verzerrungen bei hohen Tönen, und solche Dinge wie unangenehmes Pfeifen, von dem ich nicht weiß, wo das herkommt. Ob da remastered wurde weiß ich nicht, darüber steht auch nichts weiter, nur eine Besetzungsliste der Aufnahme.

Das erklärt natürlich, warum man so viel Musik auf die 1. CD gepackt hat, obwohl ich da kein so großer Freund davon bin, weil die Tonqualität sicher mehr darunter leidet, wenn man die Disc bis zum Rand vollpackt (Laufzeit Disc 1: 70:37, Disc 2: 68:21).

Ich besitze die Aufnahme nur in der oben gezeigten Version , von anderen Versionen, etwa auf Schallplatte, ist mir nichts bekannt, abgesehen von einer Download-Version auf Amazon.

Mein Fazit: klangtechnisch eher enttäuschende Aufnahme, die trotz des Humperdinck-Schülers Schuricht nichts Besonderes ist. Die SängerInnen sind für mich allenfalls guter Durchschnitt, aber in jeder Rolle habe ich schon wesentlich besseres gehört. Nur der Kinderchor überzeugt mich hier wirklich.

Es spielen das Sinfonieorchester sowie der Chor und Kinderchor des Norddeutschen Rundfunks.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (21.09.2015, 23:40):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51Lg3FafErL._SL300_.jpg

Hänsel: Irmgard Seefried
Gretel: Anneliese Rothenberger
Vater: Walter Berry
Mutter: Grace Hoffman
Hexe: Elisabeth Höngen
Sandmännchen/Taumännchen: Liselotte Maikl

Wiener Sängerknaben
Wiener Philharmoniker
Dirigent: André Cluytens


Diese Aufnahme ist mittlerweile Out of Print, auf Amazon, Ebay etc. wird sie deswegen von Privatanbietern entsprechend teuer verkauft. Um es gleich zu sagen, sie gehört absolut nicht zu meinen Favoriten. Und das liegt in erster Linie an der Besetzung von Hänsel und Gretel. Irmgard Seefried hatte zur Zeit der Aufnahme stimmliche Probleme, und das hört man leider sehr deutlich, besonders die höheren Töne werden oft mühsam angestemmt. Zudem wirkt ihre Darstellung teilweise eher übertrieben kindisch als kindlich, speziell während ihrem „Tralalala“ am Ende des Tanzduetts.

Was aber GAR NICHT geht ist die Gretel von Anneliese Rothenberger!
Es mag unprofessionell klingen, aber sie singt ständig so, als ob sie auf einer Waschmaschine sitzen würde, die sie durchrüttelt. JEDE, wirklich jede Silbe wird von ihr mit einem heftigen Vibrato genommen, und dazu auch noch unangenehm laut. Bei hohen Tönen will sie offenbar zeigen, was für eine begnadete Sängerin sie doch ist, und das Trommelfell schreit schon um Hilfe. Piano-Höhen oder ähnliches scheint sie nicht zu kennen; nicht mal im Abendsegen, in der Humperdinck noch „mit halber Stimme“ notiert hat, ist mal eine Ruhe.
Vielleicht ist das passend für manche Operetten, aber eine Gretel ist das mit Sicherheit keine! Wie sehr ich da eine Barbara Bonney oder Erika Köth vermisse! Kurz: die Besetzung der Titelfiguren, speziell der Gretel, verdirbt mir die ganze Aufnahme.

Die Tonqualität ist für 1964 gar nicht schlecht, wenngleich die Aufnahme sehr stark nach Studioproduktion klingt; das Orchester klingt sehr gedämpft, auch strahlende Bläserakkorde werden schnell verschluckt. Dafür ist diese Aufnahme einmal die erste, die richtig gut klingt: kein störendes Rauschen, kein halliger, matschiger Klang, keine wummernden Bässe. Crescendi klingen auch so, und werden nicht statt lauter nur matschiger.

Der Vater von Walter Berry, der diese Rolle ca. 14 Jahre später in der Solti-Aufnahme erneut singen wird, gefällt mir auch nicht so recht, ich fand ihn irgendwie zu zurückhaltend, die Hexenballade eher lieblos gesungen.

Das Dirigat von André Cluytens finde ich relativ unspektakulär, wirkliche Spannung, Dramatik, Grusel etc. kam bei mir an keiner Stelle auf (was aber natürlich auch an meinem Ärger über diesen Gesang liegt, der mir die Musik zusätzlich kaputt macht).
Die Hexenballade und die düstere Stimmung davor empfand ich als harmlos, der Hexenritt war besonders bei RZ 67 enttäuschend, so auch die Traumpantomime.

Die Echo-Szene (Kuckuck zu laut, eh klar) ist ebenfalls enttäuschend für mich, da die Echos zu laut schallen. Keine Spur von der Intimität einer Karajan-Aufnahme.

Nachdem die „Kinder“ sich durch den Abendsegen und das unerträgliche Morgenlied etc. geträllert bzw. gebrüllt haben, landen sie bei der Hexe von Elisabeth Höngen – guter Durchschnitt, aber auch das habe ich schon besser gehört.

Gelungen finde ich allerdings die Stelle ab Richtziffer 159, in der die Hexe wieder aus ihrem Haus herauskommt – das wird vom Orchester so plastisch dargestellt, man sieht richtig diese gefräßige Alte aus dem Haus humpeln!

Bald wird die Hexe in den Ofen geschmissen, obwohl es angenehm war, dass die Gretel mal ruhig sein musste, und die Seefried verhaut das erste Wort „Juchei!“ im Knusperwalzer echt böse. Die Kuchenkinder, die von den Wiener Sängerknaben gesungen werden, mag ich ebenfalls nicht. Schlechte Textverständlichkeit, und offenbar fehlen hier die Mädchenstimmen in der Höhe. Nein, da finde ich einen deutschen Kinderchor wesentlich besser, so wie in der 1962er Version unter Schuricht, wo auch viel schöner gesungen wurde.

Eigentlich kann man es sich eh schon denken, aber auch wenn Hänsel und Gretel mit dem Kinderchor gemeinsam singen, und deren erwachsene Stimmen sich mit dem Chor mischen und ihn verstärken sollten, kann Frau Rothenberger es nicht unterlassen, möglichst unangenehm durch überlautes Singen hervorzustechen.


Der CD liegt ein Booklet mit vollständigem Libretto in Deutsch und Englisch bei, dazu noch ein kurzer Einführungstext. Ich empfehle diese Aufnahme niemandem, und schon gar nicht, soviel Geld dafür zu bezahlen, denn das ist sie nicht wert. Da gibt es viel schönere Aufnahmen mit besserer Besetzung die wesentlich preiswerter sind.

Möchte man diese Oper unbedingt von den Wiener Philharmonikern besitzen (was ich gut verstehen kann, der Klang der Wiener Hörner hat schon was für sich!), würde ich zur Solti-Aufnahme greifen, die eine nochmal viel bessere Tontechnik und ein wesentlich besseres Dirigat zu bieten hat, und bei der die Titelpartien kein solcher Verhau sind wie hier.

Ich besitze die Oper wie oben schon erwähnt einmal als Gesamtaufnahme auf CD, davon abgesehen auf drei Querschnitten. Auf zwei davon sieht man eine stark geschminkte Gretel mit Lippenstift und fein pedikürten Fingernägeln – ja, das passt absolut zur Gretel! (Oder wollte die Sängerin einfach nicht ungeschminkt gezeigt werden, wie die Seefried?)

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LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (22.09.2015, 14:09):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51R2bvdIJqL._SL300_.jpg


Diese Aufnahme bietet gleich zwei verschiedene Versionen: zum einen ein paar Szenen aus der Oper, aufgenommen am 13.III.1958 in der Grundewaldkirche in Berlin, mit Lore Hoffmann als Hänsel, Erika Köth als Gretel und Helge Hildebrand als Sandmännchen.
Dirigent war Arthur Grüber, es spielen die Berliner Symphoniker.

Die CD beginnt mit „Suse, liebe Suse“, das bis zum Griesgram-Duett gespielt wird, dann folgt das gesamte Tanzduett, dann das Ende vom Hexenritt und das Männlein, das im Walde steht, bevor der Sandmann kommt und der Abendsegen gesungen wird.

Erneut singt Erika Köth die Gretel, diesmal in einer wesentlich besseren Qualität, denn die Aufnahme, die zwar leider das Orchester sehr hallig klingen lässt, ist dennoch frei von unangenehmen Verzerrungen, wie das bei der Matzerath-Aufnahme 2 Jahre früher der Fall war.
Jedoch finde ich sie hier einen Tick weniger gut, ich habe das Gefühl, ihr Vibrato ist etwas stärker. Aber dennoch, immer noch eine angenehme helle Stimme, und auch das Crescendo im Abendsegen wird nicht laut plärrend intoniert.

Der Hänsel von Lore Hoffman ist stimmlich für mich schon etwas zu dick, aber ganz ok. Auch guter Durchschnitt.
Das Sandmännchen klingt erfreulicherweise nicht wie eine trällernde Frau, sondern hat durchaus etwas leicht burschikoses an sich.

Den viel zu halligen Klang habe ich bereits erwähnt, ärgerlich ist aber, dass besonders die Hörner so gut wie unhörbar sind, was sogar bei eigentlich lauten „Solo-Stellen“ wie etwa 9 Takte nach RZ 20 bemerkbar ist.

__

Dann folgt die zweite Aufnahme, die laut Booklet mit I.1961 datiert ist, und in den Abbey Road Studios in London gemacht wurde.
Rudolf Kempe, der diese Suite selbst zusammengestellt hat, dirigiert das Royal Philharmonic Orchestra.

Die Suite beginnt mit der Ouvertüre. Danach folgt der Hexenritt, auf den noch einige Takte des Hagebuttenliedes folgen.

Das nun erklingende Vorspiel zum 3. Akt geht nahtlos in die Szene über, als die Hexe aus ihrem Haus kommt (RZ 140), was wiederum übergeht in das Duett VOR der Hexenszene, bevor es erneut einen Sprung zum spöttischen „Schau, schau wie schlau“ der Hexe macht.

Dann folgt der Knusperwalzer, der ebenfalls nahtlos in die Traumpantomime führt, bevor die CD nach 41 Minuten zu Ende ist.

Es ist doch herrlich, manche Stellen, die man sonst nur mit Gesang hört, einmal rein instrumental in voller Orchesterbesetzung in ordentlicher Tonqualität zu hören!

Der Klang ist druckvoll, dynamisch, hier gehen die Hörner nicht unter, vielleicht sind die Streicher ein wenig zu dominant im Gesamtklang, aber mehr habe ich da auch nicht zu beanstanden.

Besonders beeindruckt hat mich RZ 140 ohne Gesang, als das Orchester schildert, wie die Hexe sich heimlich anschleicht. Zusammen mit der Partitur war das ein einziges Erlebnis! Man hört diese vielen kleinen Stimmen, man hört die unruhigen, unheilverkündenden Läufe der Streicher, man hört, wie die Alte sich anschleicht und näherkommt. Das meiste davon geht nämlich im Gesang unter – wenn ich so eine instrumentale Version höre, dann zeigt mir das, dass diese Musik auch so funktionieren würde, und Worte (Worte! NICHT Gesang oder SängerInnen!) im Grunde überflüssig sind, um der Handlung zu folgen.

In der Traumpantomime hat mir besonders gefallen, wie die Basstuba und die Bassposaune gemeinsam ihre kurzen Einsätze schmettern.

Ansonsten gefiel mir das Dirigat sehr gut, jedoch fand ich die wirklich spannenden oder dramatischen Momente zu harmlos, etwa den (von mir gern erwähnten) plötzlichen Horneinsatz im Hexenritt am Ende. Irgendwie scheinen Dirigenten den gerne verschleiern zu wollen, keine Ahnung warum.

Auf jeden Fall empfehle ich diese CD schon wegen der instrumentalen Suite jedem! Falls man eine Partitur zur Hand hat, empfehle ich zusätzlich, sich manche Stellen wie die schon erwähnte RZ 140 zu loopen und jede einzelne Stimme bei jedem neuen Durchgang durchzuhören, um einmal mitzubekommen, wie reich dieser Orchestersatz hier klingt, um die vielen Details, die sonst im Gesang untergehen, zu hören.


Noch etwas zum Booklet. Anfangs dachte ich „Oje, ein ganz dünnes Booklet, da wird nix drin stehen“, aber falsch gedacht. Das Booklet bietet Liner Notes von Thomas Voigt, der mir zunächst gar nichts gesagt hat. Nach einer Google-Suche fand ich heraus, dass er seit 1985 als freier Musikjournalist für Zeitschriften und Rundfunk-Redaktionen tätig ist, vor allem für das BR und WDR, und er von 1992-96 Redakteur bei der Zeitschrift „Opernwelt“ war.

Er schreibt vor allem etwas zu der vorliegenden Aufnahme, und wie sie zustande kam, schreibt aber auch etwas über die Oper selbst. Ich denke, gerade Eltern werden ziemlich direkte Aussagen wie die folgende nicht so gerne lesen, wenn sie sich die Aufnahme gekauft haben ;)

Sollte Chlodwig Poth mit seiner Bildergeschichte Ein Ehestreit bei Humperdincks den Nagel auf den Kopf getroffen haben? Dass Humperdinck statt Hänsel und Gretel viel lieber Tristan und Isolde komponiert hätte? Hört man das üppige Orchester, diverse Leitmotive und besonders die Behandlung der Blechbläser, lässt sich kaum leugnen, dass Humperdinck seinem Bayreuther Herrn und Meister nacheiferte. Womit sich die Frage, ob Hänsel und Gretel eine Kinder-Oper sei, eigentlich schon erübrigt.

Denn im Theater haben Kinderstimmen gegen das Wagner-Orchester keine Chance. Und ob ausgewachsene Soprane mit plattgedrücktem Busen auf Kinder glaubhaft wirken, wage ich zu bezweifeln. Nein, für meine Begriffe ist Hänsel und Gretel ein Spezial-Vergnügen für Erwachsene – nicht nur im Theater, sondern auch auf Platte.


Obwohl die Infos lesenswert sind, haben sich trotzdem kleine Fehler eingeschlichen. So datiert Voigt die Cluytens-Aufnahme mit 1963, korrekt ist aber 1964.

Auch schreibt er, dass das Hagebuttenlied direkt in das Hexenhaus führt, was aber so nicht stimmt, denn zunächst kommt das gesamte Vorspiel zum 3. Akt, und da ist vom Hexenhaus noch lange nichts zu sehen.

Weiter meint er, dass die Aufnahme mit dem Abendsegen und der Traumpantomime endet. Das ist falsch, denn nach dem Knusperwalzer geht die Musik direkt in die Traumpantomime über – einen Abendsegen gibt es (leider!) nicht.

Und er meint, dass die Cluytens-Aufnahme (neben der Karajan 1953er) in den Titelpartien „reizvolle Kontraste“ bietet. Absolut falsch! (Ok, subjektive Meinung von mir :ignore…)





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (19.10.2015, 12:19):
https://i.ytimg.com/vi/eKLw_oDIePA/mqdefault.jpg

https://www.youtube.com/watch?v=eKLw_oDIePA


Dirigent: Nino Sanzogno

Orchester: RAI Milano
Chor: RAI Milano

Peter - Enrico Campi
Gertrud - Maria Amadini
Hänsel - Fiorenza Cossotto
Gretel - Jan Poleri
Die Knusperhexe - Vittoria Palombini
Sandmännchen - Jolanda Mancini
Taumännchen - Margherita Benetti



Gehen wir noch einmal in die 50er Jahre zurück, denn da gab es 1957 eine italienische Version von HUG, offenbar für das Fernsehen produziert.
Ich sage es gleich: dieser Film ist für mich nur schwer zu ertragen, und ich finde ihn grottig.

Ich beschreibe zunächst einmal grob die Inszenierung, bevor ich auf den Rest eingehe. Die Ouvertüre wird bereits inszeniert; lauter Zwerge, Bären und andere Gestalten in billigen Kostümen hüpfen, springen, laufen und zappeln da hyperaktiv durch einen beengten Studiowald herum. Erinnert mich ein bisschen an diese deutschen Märchenfilme aus den 50ern und 60ern, wo man ebenfalls Leute in solche Kostüme gesteckt hat, um die Handlung noch ein bisschen in die Länge zu ziehen.
Leider kommen diese Zwerge, diese ganzen unnötigen herumhampelnden Figuren ständig vor: ob Hänsel und Gretel miteinander tanzen, ob sich die Kinder im Wald verlaufen, ob das Vorspiel zum dritten Akt beginnt: immer wird herumgehampelt. Dabei passt das Ganze ja nicht einmal zur Handlung. Offenbar wollte man die Szenerie für die kleineren Zuschauer interessanter gestalten, denn nur zwei Personen, die ständig singen, sind ja sicher zu langweilig …

An dieser Stelle sollte auch die schlechte Kameraführung Erwähnung finden. Wie schon gesagt, wird in dieser Verfilmung ständig herumgehüpft, ob das die Zwerge, oder andere Figuren sind. Leider hat man sich dafür entschieden, diese Figuren möglichst in Nahaufnahme zu zeigen, so dass die Kamera ständig herumwackeln muss, um die Figur im Bild zu behalten. Als wäre das Gehupfe nicht schon nervig genug, macht mich dieses Gewackel zusätzlich noch nervös. Unerträglich!

Die Hütte von Hänsel und Gretel sieht soweit nicht so schlecht aus, sie wirkt rustikal etc., aber die Kostüme sind wiederum mehr als übertrieben, und viel zu „edel“ für arme Figuren. Die Kostümierung der Titelpartien, ebenso wie die des Vaters, sind klischeehaft deutsch: Trachten mit Filzhut, in dem eine Feder steckt. Ich mag es ja, wenn die Kostümierung nicht modern, sondern „altmodisch“ ist, jedoch sollte es auch halbwegs zur Rolle passen und nicht nach Oktoberfest-Romantik aussehen.

Ein weiterer Minuspunkt ist, dass es öfter Probleme mit dem lippensynchronen Singen gibt. Wie das üblich ist, wurde der Ton vorher aufgezeichnet, und die DarstellerInnen bewegen im Film dann die Lippen dazu. Besonders negativ fällt hier die Mutter auf, auch die Hexe hat damit ihre Probleme. Ab und zu sehe ich auch beim Hänsel, dass er gerade den Mund geschlossen hat, obwohl noch weiter gesungen wird (etwa bei länger ausgehaltenen Tönen).

In der Waldszene wird es keineswegs dunkel, und auch während des Abendsegens werden Hänsel und Gretel immer noch ordentlich angestrahlt. Der Film ist in s/w, dennoch kommt hier keineswegs eine düstere Stimmung auf. Die Beleuchtung bleibt stets gleich.

Apropos Abendsegen: man hat hier tatsächlich 14 Engel genommen, die eine unsichtbare Treppe heruntersteigen. Am Anfang dachte ich, dass zumindest an dieser Stelle wohl die Oper ein wenig ernster genommen wird – aber falsch gedacht. Die Engel, die leider aus Kindern bestehen, tun, sobald sie auf der Erde sind, das Gleiche wie alle anderen Figuren: sie springen hyperaktiv herum, und manchen Blödsinn, wie etwa einen Luftballon aufblasen und zerplatzen lassen. Wie überaus lustig.

In der Hexenszene gibt es auch eine Stelle, wo ich mir an den Kopf gegriffen habe. Bekanntermaßen verhext die Hexe die Kinder, so dass sie sich nicht mehr rühren können. Hänsel bleibt unbeweglich in seinem Stall, Gretel steht unbeweglich heraußen. Erst als die Hexe Gretel entzaubert, kann diese sich wieder rühren, und später entzaubert Gretel Hänsel, worauf der sich ebenfalls rühren kann.
Doch diese wichtige Sache hat man völlig vergeigt.

Nachdem die Hexe ins Haus geht, geht Gretel einfach zu Hänsels Stall, öffnet ihn(!) und sagt ihm, dass ihr vor der Hexe graust. Nach der kurzen Unterredung schließt(!!) Hänsel den Stall wieder, und Gretel geht zurück an ihren Platz und mimt die Unbewegliche.
Ja, wenn beide sich rühren können, und der Stall sogar offen ist – wieso rennt ihr nicht weg?? Was haben sich die Macher dabei gedacht?

Nun aber zu den SängerInnen.

Fiorenza Cossotto singt und spielt den Hänsel (ich sage „singt und spielt“, denn dass die Sänger hier auch spielen, ist leider nicht selbstverständlich, wie wir später sehen werden). Rein stimmlich ist sie für mich definitiv kein Hänsel, zu tief timbriert, zu dick klingt mir ihre Stimme. Darstellerisch jedoch finde ich sie sehr reizvoll, sie ist burschikos und jungenhaft. Es ist bedauerlich, dass ihr die Regie offenbar gesagt hat, möglichst oft unnötig herumzutanzen, aber dennoch, mir gefällt ihr Spiel.

Über Jan Poleri, die die Gretel singt, konnte ich leider gar nichts herausfinden. Ist Jan im italienischen ein weiblicher Vorname? Egal, ihre Gretel sieht sehr jung aus, und ihren Gesang finde ich wiederum absolut in Ordnung. Die Stimme klingt hell und vibratoarm, und auch divenhaftes Geplärre a la Rothenberger sucht man hier vergebens. Besonders beim Crescendo des Abendsegens fällt das auf.

Dann kommt die Mutter nach Hause. Die Stimme ist eigenartig, denn sie klingt sehr leise und schwach, so, als hätte die Sängerin gar keine Luft mehr. Dazu spielt sie auch noch ziemlich mies; wie sie sich auf den Tisch legt und, wie man klar sehen kann, absichtlich den Milchtopf umstößt, das hätte ich als Regisseur so nicht durchgehen lassen.

Ja, und dann kommt der Vater nach Hause … was soll man dazu sagen? Es fängt schon mal damit an, dass man ihn akustisch so aufgenommen hat, dass er aus der Entfernung immer näher kommt, was ja durchaus Sinn macht, denn auch in der Partitur heißt es, dass man seine Stimme von weitem hört, und er näherkommt.

Problem: die Kamera zeigt den heimkehrenden Vater, wie er sich dem Haus nähert, während seine Stimme immer noch leise ist, und immer lauter wird. Bild und Ton passen nicht zusammen. Hier wäre es vernünftiger gewesen, wenn die Kamera im Haus geblieben wäre, dann hätte der Ton auch gepasst.
Der Vater, der da einen Trachenjanker oder sowas trägt, ist darstellerisch unterirdisch. Und selbst das ist noch milde ausgedrückt. Wie er lauter peinliche Grimassen schneidet, wie er herumhüpft und schwankt, und dabei eine starke Ähnlichkeit mit Achim Menzel hat, das ist entsetzlich!
Wenigstens stimmlich finde ich ihn gut, ein kraftvolles Organ. Aber diese Darstellung lenkt viel zu stark ab.

Irgendwann ist der Spuk vorüber, und Hänsel und Gretel sind im Wald. Was mir hier bei der gesamten Waldszene und teilweise auch im 1. Akt aufgefallen ist, ist, dass sich die beiden Figuren in dieser Inszenierung viel besser zu verstehen scheinen als der Text (leider) vorgibt. Immer wieder wird umarmt oder gekuschelt, und nachdem die Mutter die beiden aus dem Haus jagt, bekommt Gretel sogar ein Bussi auf die Wange.

Generell finde ich das durchaus schön, jedoch an einer Stelle passt es absolut nicht, nämlich wenn Hänsel singt „Was bist du für ein furchtsam Wicht, ich bin ein Bub, und fürcht mich nicht“. Ich habe mir den Text übersetzen lassen, er singt hier so ziemlich das Gleiche, nämlich „Ich bin ein Mann und habe keine Angst“. Hier protzt Hänsel also damit dass ER keine Angst hat, gleichzeitig aber umarmt er Gretel? Das passt nicht zusammen, hier wirkt die Umarmung unmotiviert und unpassend.

Aber egal, der Kuckuck ruft dann auch schon, wurde aber seltsamerweise nicht von einem Kuckucksinstrument gespielt, sondern von einem Xylophon, das den Ruf übernimmt. Die Echos klingen zwar sehr leise, aber nicht so wie Humperdinck es notiert hat. Und dann kommt das Sandmännchen – ein herumlaufender Darsteller, der gar nicht zur ruhig singenden Frauenstimme des Sandmännchens passt. Der Darsteller macht sich aber auch gar keine Mühe, so zu tun, als würde er das singen, er lässt den Mund einfach zu, während das Playback abläuft. Absoluter Käse.
Inszenatorisch fand ich den Abendsegen, bei dem Hänsel sich an Gretel anlehnt, und das Einschlafen direkt danach, wo beide, wie vom Komponisten notiert, „eng umschlungen“ einschlafen, schön. Die einzige Stelle, wo ich gar nichts zum meckern habe ;)

Aber dann kommt der dritte Akt, und nachdem wieder so ein unnötiger Darsteller einen auf Bauchredner macht, während das Playback des Sandmännchens abläuft, kommt auch schon die Hexe. Die ist ein Kapitel für sich. Vittoria Palombini, die bereits in der Karajan-Version von 1956 die Hexe sang, darf auch hier wieder ran, und auch hier finde ich sie gesanglich ordentlich. Keine kreischende Irre, ein tieferes Timbre ohne zu knödeln, und eine herrlich böse Lache. Aber darstellerisch! Die Hexe sieht zwar hässlich aus, mit ihrer langen Nase, den schwarz angemalten Zähnen und den aufgemalten tiefen Falten, aber darstellerisch ist das ein Witz. Sie ist auf alt geschminkt, geht aber aufrecht und zügig herum, und während ihrem „Hurr hopp hopp hopp“ führt sie eine Art Ballettnummer auf, bei dem sie hyper-hyperaktiv irgendwelche Verrenkungen macht, sich herumdreht und wirbelt, während die Kamera wie gewohnt nahe ran geht. Ganz mieses Theater, das!

Die Lebkuchenkinder sehen ebenfalls so klischeehaft aus, mit ihren Hüten und Dirndln, der Chor klingt für mich aber verdächtig nach einem Frauenchor. Dazu kommt, dass auch die Kinder ihre Münder nicht passend zum Gesang bewegen. Ein netter Effekt ist für mich, als der Deckel des Ofens, in dem die Hexe brennt, plötzlich abfällt und Dampf herausschießt.

Und so endet der Film wieder mit unnötigem übertriebenem Getanze aller Beteiligten.

Musikalisch kann ich hier nicht viel sagen. Die Klangqualität ist sehr bescheiden, dynamisch sehr eingeschränkt, wenn es mal, was selten genug vorkommt, lauter wird, verzerrt der Ton leicht. Das Dirigat finde ich lieblos. Schon die Ouvertüre wird runtergehetzt, und auch die restliche Oper. Es gab keine einzige Stelle, wo ich gesagt hätte „Das klang jetzt aber schön“. Sich mit einer Partitur bei dieser Aufnahme hinzusetzen bringt wenig, weil man von der ganzen Polyphonie, von den Klangfarben, die in den Noten steht, klanglich nichts mitbekommt.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (21.10.2015, 15:06):
Ich habe nun zu meinen bisherigen Besprechungen jeweils die Besetzung in fett ergänzt, sofern es eine gab.

Außerdem habe ich in manchen Fällen über die YouTube Links Vorschaubilder des Videos gesetzt, damit es ein wenig schöner und übersichtlicher aussieht.

Ich werde also auch in Zukunft die Besetzung gleich am Anfang auflisten.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (05.11.2015, 20:26):
Ich würde es doch sehr begrüßen, wenn man hier sachlich über das Thema "HuG-Aufnahmen" diskutieren, und sich nicht über meine musikalischen Vorlieben auslassen würde.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (06.11.2015, 09:51):
@Rotkäppchen: natürlich kann man auch über die Besetzungen hier sprechen! Nur solche Meldungen wie zuvor sind überflüssig, zumal es da nur um meine Person geht, nicht um das Thema.

@Rotkäppchen und Jürgen: ich gebe euch in allen Punkten Recht, und natürlich wird man es oft finden, dass 2 oder 3 SängerInnen auch in anderen Produktionen mal zusammen auftreten.

Was mich hier ein bisschen gestört hat, ist das Gefühl, dass es da eine Art "Gruppe" gibt, die verschiedene Opern durchgeht, und die Rollen einfach irgendwie aufteilt, dass da gar nicht drauf geschaut wird, ob jemand für eine Rolle auch passt. Ich weiß zwar, dass es nicht so ist, aber das Gefühl ist einfach da.
Bei anderen Aufnahmen ist es meines Wissens doch eher so, dass die Sänger dafür ausgesucht werden: "wer passt am besten zu dieser Rolle, wer kann das stimmlich gut darstellen?".
Oder anders gesagt, ich habe da das Gefühl dass man eigens für eine Aufnahme eine Gruppe zusammengestellt hat, und die Gruppe nicht schon vorher besteht und sich jetzt diese Oper/Oratorium/etc. vornimmt.

Die anderen Sängerinnen kenne ich gar nicht, Krahmer, Schröter, Springer, Hoff ... im Booklet steht zwar etwas über sie, aber Berühmtheiten sind das, im Gegensatz zu Schreier und Adam, zu Moffo und Donath, zu Gruberova oder Fassbaender, wirklich keine. (Was natürlich nichts zu bedeuten hat, mein neuer Lieblingshänsel ist auch keine Berühmtheit!)

@Jürgen: dieses Weihnachtsoratorium habe ich auf Schallplatte :) Bekommst ein Foto davon per PN.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (09.11.2015, 20:21):
Ich möchte an dieser Stelle keine neue Aufnahme vorstellen, denn ich besitze sie (noch) nicht.

Vielmehr möchte ich fragen, ob sich jemand diese 2014 erschienene Ausgabe gekauft oder angehört hat:

http://ec2.images-amazon.com/images/P/B00HGTNKP0.03._SS300_SCLZZZZZZZ_.jpg


Momentan ist sie mir mit über 30 Euro noch zu teuer, deswegen warte ich noch ein wenig.

An sich finde ich das Cover schon eher misslungen. Das Bild an sich würde mir gut gefallen, zeigt es doch offenbar das Staatstheater in Weimar bei der HUG-Uraufführung, oder zumindest, wie es damals ausgesehen haben könnte. Leider hat man über dieses Bild dann lieblos die Schrift gepappt.

Die Aufnahme entstand anlässlich des 120. Jubiläums der Oper, und wurde offenbar im Staatstheater Weimar (wo eben auch die Uraufführung stattfand) aufgenommen. Das an sich ist schon eine sehr interessante Sache, speziell wegen der Akustik.

Und es handelt sich um eine SACD, und die Hörproben vermitteln einen, wie ich finde, sehr guten Klang des Orchesters, druckvoll, auch mal sehr laut, da bin ich doch sehr gespannt drauf. Wird auf jeden Fall ein Fest zum Partitur-mitlesen!

Eigenartig sind dann die Werbeaussagen auf der Website von Dabringhaus & Grimm, die diese Aufnahme herausbringen.



"Pünktlich zum Jubiläum erscheint das populäre Werk jetzt erstmals auf einer brandneuen Doppel- SACD, in einer besonders authentischen Produktion:

Authentisch warum? Weil sie im selben Theater gespielt wurde?


So konnten dank einer ungebrochenen Aufführungstradition der Dirigent Martin Hoff und sein hoch motiviertes Team sogar auf das historische Aufführungsmaterial zurückgreifen.

Was ist unter "historisches Aufführungsmaterial" zu verstehen?


Und dann ist da noch die bemerkenswerte Besetzung: Alle Partien werden von Frauenstimmen ausgeführt, mit Ausnahme des Vaters

Ein Wahnsinn! Das hat man ja höchst selten, dass FRAUEN diese Oper singen!

und – ja, ausgerechnet die Knusperhexe ist ein Tenor!

Hier möchte ich den User "Cherubino" aus dem C-Forum zitieren, der dazu folgendes schrieb:

Eben das ist weder bemerkenswert, noch authentisch. Dass der Vater die einzige männliche Figur ist, steht so im Text, das ist ja nun keine Entscheidung des Besetzungsbüros. Dass die Knusperhexe mit einem Tenor besetzt wird, ist ebenfalls nicht bemerkenswert, das war in jeder Live-Aufführung der Oper und in der einzigen DVD, die ich von ihr kenne, so, ist also auf der Bühne sehr üblich, nicht bemerkenswert. Authentisch ist es übrigens nicht: Humperdinck sieht für die Hexe eine weibliche Darstellerin vor und hat sich immer vehement gegen die Praxis gewehrt, die Hexe mit einem Mann zu besetzen. Statt authentisch zu sein und zum Urtext zurück zu kehren wird hier in der Weimarer Aufführung also eine schlampige Theatertradition weiter gepflegt.


In Weimar ist die Aufführungstradition seit der gefeierten Premiere 1893 unter der Leitung von Richard Strauss ungebrochen. Auch die originalen Orchesterstimmen der Uraufführung sind noch erhalten und werden sorgsam gehütet.

Die "originalen Orchesterstimmen" der Uraufführung, was immer das sein soll, hatten übrigens keine Ouvertüre, denn die kam aus organisatorischen Gründen, nicht rechtzeitig in Weimar an, so dass die Oper erst ab der zweiten Vorstellung MIT Ouvertüre gespielt wurde. Wieso also wird auf dieser "authentischen" und "originalgetreuen" Aufnahme die Ouvertüre gespielt?

Aber Moment: da steht, sie werden gehütet - kamen sie also gar nicht zum Einsatz?


Mit Recht beanspruchen deshalb das Deutsche Nationaltheater und die Weimarer Staatskapelle eine besondere Authentizität."

Nein, ganz sicher nicht mit Recht!


Ich habe mir die Besetzungen von HUG zur Zeit der Veröffentlichung angesehen, und war wenig erstaunt, dass man für die Aufnahme hier keine Sänger eigens gecastet hat, sondern einfach Ensemblemitglieder genommen hat.
Und das hört man leider auch: die Gretel klingt zu alt und zu schwer, und der Hänsel wird von einer Japanerin gesungen. Ja, bei der Uraufführung war der Hänsel auch eine Japanerin ... Und leider hört man das auch, weil es, abgesehen von der für mich zu tiefen, unschönen Stimme, Probleme mit der Aussprache gibt.

Bitte aber nicht mit Ausländerfeindlichkeit oder so verwechseln! Im Gegenteil, mein Lieblingshänsel ist eine Spanierin, die deutsch singt und dabei leider auch Probleme hat.
Allerdings war hier die Stimme und der Gesang einfach herrlich, zum anderen war das keine Aufnahme, die auf den Markt geworfen wurde.

Für eine Hänsel und Gretel-Aufnahme möchte ich doch, dass SängerInnen genommen werden, die die in diesem Fall deutsche Sprache und Aussprache perfekt beherrschen und "Füßchen" und nicht "Fischchen" singen. Idealerweise sollten es auch deutsche SängerInnen sein, auch keine Österreicher oder Schweizer.

Das gilt natürlich nur für Aufnahmen, die in Deutschland gemacht werden. Für Einspielungen etwa in Amerika oder England wird man natürlich, wenn überhaupt der deutsche Text gesungen wird, wohl nicht so viel Wert darauf legen.


Nein, hier wurde nichts gecastet, sondern einfach eine Aufführung mitgeschnitten, mit irgendwelchen Ensemblemitgliedern - ob die nun gut Deutsch können oder nicht. Und das alles wird einem dann als "authentisch" und "original" verkauft.

Nebenbei, die Kapiteleinteilung ist ja auch ein schlechter Witz. So geht es etwa von "Rallalala" direkt weiter zum Hexenritt. Wer also die Hexenballade hören möchte, darf sich durch gut 10 Minuten Musik durchspulen.



LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (09.11.2015, 20:27):
Ich muss noch ergänzen: steht in diesen "originalen Noten" auch, dass "Suse, liebe Suse" so rasch wie möglich gespielt werden soll, statt "Leicht bewegt", Tempo 63 M.M.?

Naaaaja.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (10.11.2015, 09:51):
Original von Jürgen
Authentizität ist kein Qualitätskriterium. Wenn die Uraufführung schon mangelhaft war, muss dem doch nicht nachgeeifert werden.

Absolut ... zumal es ja auch so war, dass sich die Sängerin des Hänsel, Pauline de Ahna, verletzt hat, und bei der Uraufführung NICHT singen konnte (wie fälschlicherweise in manchen Booklets angegeben), so dass die Gretel kurzfristig den Hänsel übernehmen musste. Und mehrere Orchestermitglieder waren auch krank aufgrund einer Grippewelle, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.



Auch ich habe mir die Hörproben angehört. Ich bin recht angetan, aber das, was eine SACD ausmacht, hört man dabei nicht heraus.

Das stimmt natürlich, diese Hörproben sind meist in viel schlechterer Qualität. Ich hätte das noch dazu schreiben sollen.
Was mir z.B. gefiel war der Anfang des Hexenritts, wo die Hörner beim zweiten Einsatz viel lauter spielen, richtig dramatisch :)

Die Hexe von einem Tenor gesungen, kommt bei mir nicht so gut an.

Na das ist halt authentisch :D


Das Warten hat ein Ende. Auf dem Marketplace hat sich der Preis schon halbiert.

Ha! Danke für den Hinweis, wird in Kürze bestellt!




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (18.11.2015, 14:01):
Hänsel: Dietmar Strauss
Gretel: Franz Josef Kiefer
Vater: Walter Berry
Mutter: Ruth Hesse
Hexe: Eva Maria Goergen
Sandmännchen: Helmut Schmid
Taumännchen: Hans Jürgen Quick

Regensburger Domspatzen
Das Orchester der Bayerischen Staatsoper
Dirigent: Heinz Wallberg


Nun sind wir in den 70er Jahren.

1970 gab es einen Fernsehfilm, der offenbar zur Weihnachtszeit ausgestrahlt wurde. Leider habe ich bis jetzt noch keine Kaufversion gefunden, aber ich besitze das Stück als Mitschnitt des ZDF-Theaterkanals, den es vor wenigen Jahren noch gab.
Ich gehe einmal kurz auf die SängerInnen ein, bevor ich etwas zu der Inszenierung sage. Man hat für die Titelpartien sowie für Sand- und Taumännchen echte Kinder genommen, was an sich nicht so ungewöhnlich ist.

Ich persönlich bin da absolut kein Freund davon, und dieser Film zeigt mir auch einmal mehr warum. Die Stimmen klingen dünn, kraftlos, kurzatmig und manchmal etwas zittrig. Im T-Forum war davon die Rede, dass in einer Autobiografie von Walter Berry, der hier den Vater singt, stand, dass die Tontechniker die Stimmen der Kinder wegen dem großen Orchester hochschrauben mussten, damit sie überhaupt hörbar waren. Vielleicht hat jemand diese Biographie und kann das bestätigen?

Viel sagen kann ich also über den Gesang nicht, denn der ist bei den Kindern einfach schwach. Bei der Gretel dachte ich anfangs, dass sie wie ein Junge aussieht und auch so singt – und war dann überrascht, dass sie tatsächlich von einem Jungen gesungen wird! DAS habe ich tatsächlich noch nicht erlebt, und ich verstehe auch nicht, wieso man auf die Idee kommt, einem Jungen eine Perücke und ein Kleid anzuziehen und ihn als Gretel auftreten zu lassen! Man merkt, abgesehen von der Stimme und dem Aussehen auch an den Bewegungen, dass das kein Mädchen ist. (Witzig wäre es gewesen, hätte man den Hänsel wiederum mit einem Mädchen besetzt, aber so finde ich das eigenartig).

Und hier bin ich beim Schauspiel: auch das ist bei den Kindern leider weit unter dem Durchschnitt. Es wirkt sehr statisch, und man merkt, dass sie eine vorher eingeübte Choreografie vorspielen. Keine Bewegung wirkt da spontan, es wirkt einstudiert.

Positiv vermerken muss ich allerdings, dass witzigerweise diese beiden die Einzigen sind, die lippensynchron singen und ihre Einsätze nicht verpassen.

Denn besonders Walter Berry hat damit leider ein Problem, vor allem in der Hexenballade hat man das Gefühl, dass er den Text nicht genau kennt und die Lippen irgendwie bewegt. Auch bei der Mutter kommt das ab und zu vor. Berrys Vortrag reißt mich auch nicht vom Hocker, stimmlich ok, aber nichts was mir in Erinnerung bleibt.

Das Sand- und Taumännchen, die, wie schon erwähnt, ebenfalls von Kindern gesungen werden, haben das gleiche Problem wie Hänsel und Gretel, schwache Stimmen.
Dann kommt auch schon die Hexe, die aber leider oft eher kreischt als singt.

Beim Kinderchor am Ende fehlen mir die Mädchenstimmen, denn obwohl man im Film auch Mädchen sieht (auch Buben mit Perücke?), hört man, dass da nur Buben mit dunklerer Stimme gesungen haben; es sind auch nur die Domspatzen angeführt. Doch gerade das ist ein Fehler! So wie auch die Besetzung der Titelrollen ein Fehler ist, denn die beiden erwachsenen Sängerinnen sollten den Chor am Ende durch ihre kräftigeren Stimmen stützen und noch mehr Volumen geben.
Gesanglich ist da also nichts dabei was mir gefallen hätte.


Nun aber zur Inszenierung. Was die Personenführung angeht, so finde ich den Film extrem enttäuschend. Leider hat man die meisten Darsteller darum gebeten, dass sie hin und wieder direkt in die Kamera schauen und singen sollen, was einfach nur komisch wirkt, im negativen Sinne. Nicht nur Hänsel und Gretel, auch der Vater und die Hexe tun das manchmal. Meine Vermutung ist, dass man den jüngeren Zuschauern das Gefühl geben wollte, dass sie selbst mitten im Geschehen sind. Besonders extrem ist es gegen Ende beim Knusperwalzer, wo die beiden Kinder direkt auf die Kamera zulaufen und hineinsingen. Mein Geschmack ist das nicht. Wobei ich auch kein Freund davon bin, wenn Opernfiguren ins Publikum singen, wenn es nicht unmittelbar Sinn macht.

Bei der Hexe stört mich, dass sie es oft auch übertreibt. Derlei sieht man leider häufig; die Hexe als schrullige Alte, die, wenn sie dann böse ist, manchmal scheinbar ziellos herumwuselt, damit nur ja alle mitbekommen, wie böse sie ist.

Leider hat man aber beim Besenritt der Hexe versucht, mit Effekten zu spielen. Die Hexe reitet da durch die Luft, aber hat so riesige, blaue Bluescreen-Ränder, und man merkt, dass sie auf dem Boden steht und NICHT fliegt – ein fürchterlicher Effekt, der so gar nicht zur ansonsten märchenbuchhaften Ausstattung passt.

Stichwort Kamera: die Kameraführung finde ich hingegen wieder gut. War der alte Fernsehfilm aus den 50ern noch sehr extrem mit seinen vielen Großaufnahmen und dem ständigen Verwackeln, bleibt die Kamera hier ruhig, bewegt sich langsam, zeigt auch mal das Geschehen aus einiger Entfernung, so dass man auch das ganze Set zu sehen bekommt.


Und hier bin ich beim Set. Zwar gefällt mir die Inszenierung und die Personenführung nicht, aber beim Set, bei der Ausstattung hat man sich m.E. viel Mühe gegeben! Es erinnert stilmäßig an ein altes Märchenbuch, und das Hexenhaus sieht schon, für einen Fernsehfilm, prächtig aus! Auch die Kostüme gefallen mir sehr gut, besonders das Kostüm der Hexe finde ich äußerst gelungen, trotz des übertriebenen Schauspiels. Die Hexe wurde nicht klischeehaft mit spitzem Hut, Katze auf der Schulter oder ähnlichem gezeigt, auch wurde sie nicht pseudo-lustig bunt oder schrill eingekleidet, sondern durchaus der damaligen Zeit entsprechend. Auch die Maske finde ich gelungen. Für mich sollte eine Hexe durchaus hässlich aussehen, mit langer Nase und Falten, ohne dabei aber zum Monster zu mutieren, denn sonst würden Hänsel und Gretel wohl sofort weglaufen.

Hier möchte ich ein paar Bilder zeigen, die ich von meinem Flachbildschirm aufgenommen habe, deswegen die nicht optimale Qualität.

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Während der Ouvertüre werden verschiedene Bilder von Albrecht Dürer eingeblendet, während dem Hexenritt dann sieht man eine Abfolge von stimmungsvollen Bildern, darunter auch die Hexe. Zugegeben, ich finde es nicht gut, wenn man die Hexe in einer Inszenierung schon vor dem 3. Akt sieht, aber wenigstens sind es nur Bilder, und auch schön gezeichnete, wie ich finde.

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Hier ebenfalls die Hexe ohne ihre Kopfbedeckung. So wird die Hexe dann beim „Hurr hopp hopp hopp“ auch aussehen.

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Man hat bei der Traumpantomime darauf verzichtet, Darsteller für die Engel zu nehmen, und stattdessen verschiedene Engelsbilder eingeblendet, die mir ebenfalls vom Stil her gefallen.

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DIESE Stelle finde ich großartig! Sie zeigt, dass die Macher auch auf die Musik gehört haben, denn dieses Bild wird exakt bei RZ 99 eingeblendet, als die Posaunen beginnen dieses absteigende Motiv zu schmettern. Zuerst sieht man nur das Horn, dann fährt die Kamera zurück und man sieht dieses Bild hier oben. Gefällt mir!


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Hier alle 14 Engel.


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Hier die Hexe.


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Hier das Hexenhaus mitsamt Kulisse.


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Hier reitet die Hexe auf dem Besen, im Hintergrund der Backofen.

Zum Dirigat kann ich leider nicht viel sagen. Die Tonqualität der Aufnahme an sich ist schon bescheiden, dazu kommt, dass die Musik recht leise abgemischt ist. Aber auch sonst war da nichts Denkwürdiges dabei. Bei der Wallberg-Aufnahme von 1974 ist es auch nicht viel anders. Die lauten Stellen wirken auf mich zu kraftlos, dynamisch sehr eingeschränkt.

Mein Fazit: eine liebevoll ausgestattete Produktion, leider mit schlechter Personenführung und Kindern als Darsteller, was zusätzlich problematisch ist.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (20.01.2016, 09:29):
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Hänsel: Anna Moffo
Gretel: Helen Donath
Vater: Dietrich Fischer-Dieskau
Mutter: Charlotte Berthold
Hexe: Christa Ludwig
Sandmännchen: Arleen Auger
Taumännchen: Lucia Popp

Tölzer Knabenchor
Münchner Rundfunkorchester
Dirigent: Kurt Eichhorn




Auch diese Aufnahme ist in gewisser Weise etwas „Besonderes“ für mich, da es die allererste Gesamtaufnahme war, die ich auf Vinyl gekauft habe, in dieser edlen, grünen Box, die man oben sieht. Damals kannte ich lediglich die Version von 1969 sowie die von Karajan, und hatte noch ziemlich wenig Erfahrung damit, fand die Aufnahme eigentlich ok.

Dem ist heute nicht mehr so. Es gibt Aufnahmen, die haben tolle Musik, aber nicht wirklich gute Sänger, oder tolle Sänger, dafür schlechte Tontechnik und schlecht hörbare Musik, usw.

Müsste ich diese Aufnahme mit zwei Worten beschreiben, so wären das „laut“ und „plump“. Anders kann ich das nicht nennen.

Die gesamte Aufnahme ist derart laut aufgenommen worden, dass der Ton teilweise sogar übersteuert, dazu kommt ein extremer Hall, der an alte Connie Francis-Aufnahmen aus den 60ern denken lässt, aber nicht an eine Operneinspielung. Das Orchester klingt sehr unausgewogen, manchmal dominieren die Holzbläser, manchmal das Blech, manchmal die Streicher; spielt das ganze Orchester, wird es besonders schwer, Details herauszuhören, weil es dann schnell matschig wird.
Davon abgesehen gibt es in dieser Einspielung nur eine einzige Dynamikvorschrift: laut! Selbst piano- oder pianissimo-Stellen tönen noch ordentlich laut, crescendi gibt es quasi nicht wirklich, bzw. verlieren stark an Wirkung, weil der Sound einfach nur matschiger wird.
Keine Ahnung, was man sich dabei gedacht hat, so eine laute, plärrende Aufnahme zu machen.

Soviel zum Thema „laut“. Ich habe auch „plump“ geschrieben, und das möchte ich begründen. Es gibt Aufnahmen, die haben eine schlechte Tontechnik, dennoch aber hört man, dass schön musiziert wurde. Aber auch das geht mir hier völlig ab. Das Dirigat ist für mich völlig emotionslos, steif und kommt mit dem Holzhammer daher.

Schon zu Beginn der Ouvertüre sind die vier Hörner zu laut, und wenn in Takt 13 die Clarinetten hineinkommen, tun sie das ebenfalls zu laut, um dann schnell leiser zu werden. Sehr unangenehm.

11 Takte nach Buchstabe E, beim Forteausbruch, verspielt sich die Piccoloflöte und startet einen Takt zu spät. Direkt im Anschluss klingt es so, als hätte man die Tonbänder neu zusammengeschnitten, denn der Nachhall der Holzbläser hört abrupt auf, was unnatürlich klingt.
Spannung kommt bei Buchstabe I, wo es leise und bedrohlich klingen soll, überhaupt nicht auf, auch die Dynamikbezeichnungen werden nicht beachtet.

Und so geht das ständig weiter. Es gab keine einzige Stelle, wo ich gesagt hätte, das war jetzt schön musiziert. Es gibt keine Spannung, keine ruhigen, gar intimen Momente, es wird einfach nur runtergespielt.

Aber auch mit den Sängern bin ich absolut unzufrieden. Hier hat man einen Haufen großer Namen verpflichtet, jedoch nicht darauf geachtet, ob sie für ihre Rollen überhaupt geeignet sind. Helen Donath als Gretel verfügt zwar über eine vibratoarme, helle Stimme, hat aber rein gar nichts von einer Gretel, und singt eigentlich, egal in welcher Situation sie sich befindet, alles gleich. Besonders schlimm aber ist Anna Moffo als Hänsel. Wer kam auf DIE Idee?? Nicht nur, dass sie mit der deutschen Sprache kämpft (besonders die Stelle „was bist du für ein furchtsam Wicht“) und teilweise Fehler macht („Fischchen“ statt „Füßchen“, etc.), hat sie stimmlich rein gar nichts jugendliches an sich, im Gegenteil: sie klingt sie eine Primadonna, mit viel Vibrato. Die hohe Lage finde ich unangenehm und gepresst, die Mittellage gefällt mir ebenfalls nicht, und die tiefe Lage, die selten aber doch vorkommt, klingt für mich unschön. Kann sein, dass sie für italienische Sachen in erwachsenen Rollen gut geeignet ist, aber als Hänsel eine krasse Fehlbesetzung. Oft habe ich auch das Gefühl, dass sie gar nicht weiß was sie singt.

Der Vater von Dietrich Fischer-Dieskau ist auch nicht meines. Er ist ohne Zweifel ein toller Sänger, aber manche bemängeln hier, dass er zu kultiviert klingt, und das stimmt auch. Ich nehme ihm den angetrunkenen Vater einfach nicht ab, sondern höre da mit seiner übermäßig sauberen Aussprache ständig den Liedsänger heraus, der im Anzug neben dem Klavier steht.

Nach dem Hexenritt kommen die Waldszenen, wo man ebenfalls nichts Bedeutendes hört, im Gegenteil: der Kuckuck schreit zu laut, das Orchester matscht weiterhin herum, Holzbläser- oder Streicher-Tremoli hört man gleich gar nicht, und die Echos sind ein schlechter Witz! Die brüllen nämlich regelrecht zurück, statt im vierfachen piano zu verklingen. Über die Echoszene wird aber sowieso schnell und gefühllos drüberdirigiert, und dann kommt das Taumännchen von Arlene Auger, wiederum ein berühmter Name mehr auf dem Cover, aber auch hier habe ich schon bessere gehört.

Den dritten Akt eröffnet Lucia Popp als Taumännchen, klingt aber wie eine fröhliche Operettensängerin und klingt für mich persönlich zu schwer. In RZ 121, Takt 10, spielt das Horn einen Haltebogen nicht und setzt stattdessen im nächsten Takt neu an.

Ab RZ 126 gibt es leichte Probleme mit den Hörnern und den Streichern. Die Hörner kommen mit den schnellen Streichern nicht mehr ganz mit und versuchen ihr kurzes Motiv möglichst schnell in den Takt zu pressen, was dann nicht mehr „dolce“ klingt, sondern unsauber.

Nach weiterer musikalischer und gesanglicher Langeweile kommt Christa Ludwig als Hexe zum Einsatz. Viele meinen, dass sie die Hexe grandios gesungen und dargestellt hat. Dem kann ich mich aber nicht anschließen. Für mich ist sie zu schrill, zu „aufgeweckt“, sie klingt mir viel zu jung, und auch zu gekünstelt. Dann doch lieber eine Else Schürhoff oder Res Fischer, die die Hexe als böse alte Frauen gesungen haben, nicht als hysterische Tanten.

Der Tölzer Knabenchor singt die Lebkuchenkinder, leider fehlen hier die Mädchenstimmen, so dass die Buben die hohen Töne übernehmen müssen, was dann nicht ganz so gut klingt. Ansonsten klingt der Chor ausgewogen, beide Stimmen sind hörbar. Ab „Die Hexerei ist nun vorbei“ klingt er aber teilweise gehetzt, die letzten Silben einer Zeile werden abgerissen. Auch da gibt es wesentlich bessere Versionen, die auch korrekt besetzt sind.
Nein, diese Aufnahme würde ich niemandem empfehlen. Fürchterlicher Klang, fade Interpretation und SängerInnen, die berühmt sind, aber nicht zu ihren Rollen passen. Sehr enttäuschend!





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (12.04.2016, 21:12):
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Hänsel: Eugen Hug
Gretel: Brigitte Lindner
Vater: Hermann Prey
Mutter: Ilse Gramatzki
Hexe: Edda Moser
Sandmännchen: Ursula Roleff
Taumännchen: Thomas Frohn

Kölner Kinderchor
Gürzenich-Orchester Köln
Dirigent: Heinz Wallberg


Im Jahr 1974 nahm Heinz Wallberg, dessen 1970er Einspielung ich bereits besprochen habe, diese Oper erneut auf, und auch diesmal sind die Titelpartien (und nicht nur diese, dazu später mehr) mit Kindern besetzt. Hier darf die Gretel zumindest von einem echten Mädchen gesungen werden, was der 1970er Version versagt geblieben ist.

Warum man in dieser zweiten Wallberg-Aufnahme Kinder genommen hat weiß ich nicht, auch nicht, ob das Wallbergs Wunsch war, oder nur Zufall.
Meiner Meinung nach ist diese Aufnahme nur dazu geeignet, um sie mit einer Partitur zu hören, und einzelne Instrumente genauer zu hören, denn ich finde sie vollständig misslungen. Es gibt rein gar nichts, was da zu loben wäre.

Es fängt schon bei der Besetzung an.

Viele mögen es passend oder schöner finden, wenn man die Titelpartien mit echten Kindern besetzt. Ich persönlich bin dagegen, weil ich denke, dass Humperdinck diese Partien für ausgebildete Opernsängerinnen geschrieben hat, die auch über ein Wagnerorchester hörbar bleiben. Es bleibt natürlich Geschmackssache, ob man echte Kinder in diesen Rollen akzeptiert, und es mag sicherlich junge SängerInnen geben, die diese Partien besser gesungen hätten, aber auf dieser Aufnahme höre ich das, was ich von einer Kinderbesetzung in dieser Oper leider erwarten muss: zu dünne Stimmen, zu kurzer Atem, teilweise gehen die Stimmen trotz Studioaufnahmen in bestimmten Lagen in den Orchesterwogen unter.

Die Gretel klingt ein wenig älter als der Hänsel, Brigitte Lindner hat eine vibratoarme, helle Stimme, aber das ist auch schon alles. Besonders in den Lauten Passagen, oder Stellen, die mehr Atem benötigen, stößt sie schnell an ihre Grenzen. Die Stimme ist zu dünn für dieses Orchester.

Ihr kann ich aber noch zuhören, was auf DIESEN Hänsel von Eugen Hug absolut nicht zutrifft! Auch bei ihm die gleichen Probleme wie bei Lindner, dazu kommt aber eine Aussprache, die fürchterlich ist. Ich habe keine Ahnung, wer diesem Jungen beigebracht hat, Wörter so übertrieben manieriert auszusprechen. Das muss man selbst gehört haben, das kann man nicht schriftlich transkribieren. „Verkauf ich mein Bääättlain“ oder „Arbaitän? Wo dänkst du hin?“.

Das macht auch den Abendsegen kaputt: Lindner spricht die Wörter normal aus, Hug jedoch nicht. Leider hat man den Text geändert; statt „vierzehn Englein“, was besser klingt, wird „vierzehn Engel“ gesungen – statt dem „lein“ auf der vierten Viertel hört man „geeel“, was einfach nicht passt.
Generell merke ich, dass beide mit ihren Rollen absolut überfordert sind, und sich sehr auf ihre Melodien und speziell beim Hänsel auf die Aussprache konzentrieren, so dass es überhaupt keine Rollengestaltung gibt. Egal welche Situation gerade herrscht, der Vortrag klingt immer gleich. Man hört zwei Kinder, die sich mit Erwachsenenpartien abmühen, aber ganz sicher nicht Hänsel und Gretel.

Hermann Prey singt den Vater (ein paar Jahre später wird er ihn erneut unter Solti singen), und meiner Meinung nach übertreibt er es zu sehr mit seiner Darstellung eines Angeheiterten. Bei der Hexenballade versucht er besonders schaurig zu singen, was aber, wie gesagt, für mich viel zu übertrieben klingt, zu gewollt.

Im Wald werden die Echos ebenfalls von Kindern gesungen (leider nicht so, wie Humperdinck es notiert hat, mit den Lautstärkeabstufungen, und mit zu lautem Kuckucksruf), und der Sandmann ebenfalls. Auch hier wieder das Problem mit dem zu kurzen Atem und der zu dünnen Stimme, wenngleich mir Ursula Roleff, die diese Partie singt, von den Kindern auf dieser Aufnahme noch am besten gefällt.

Das Taumännchen von Thomas Frohn (wieder ein Kind) hat die gleichen Probleme.

Die Hexe wird von Edda Moser gesungen, oder besser gesagt, gekreischt. Es mag sein, dass sie berühmt ist und große Partien wie die Königin der Nacht etc. meisterhaft bewältigt hat – aber die Hexe von ihr ist für mich unerträglich! Sie nimmt diese Rolle nicht ernst, stattdessen kreischt sie herum, wie so viele andere leider auch, die meinen, dass es mit ein bisschen herumkreischen getan ist. Und wenn sie nicht kreischt, dann wirkt sie eher wie eine angeheiterte High Society-Lady aber nicht wie eine böse alte Hexe, von der eine Gefahr ausgeht.

Der Kölner Kinderchor am Ende singt aber, und das gehört auch gesagt, sehr ordentlich. Beide Stimmen sind klar durchhörbar, kein Matsch, kein Verwaschen, und eine deutliche Aussprache. Auch werden Wörter nicht abgehackt gesungen.

Auch das ist ein Punkt, den ich bereits angesprochen habe: wenn Hänsel und Gretel von erwachsenen Sängerinnen gesungen werden, dann mischen sich die kräftigeren Stimmen der beiden im Idealfall so, dass sie den Chor noch verstärken, ihm sozusagen mehr Fundament geben, OHNE ihn zu übertönen. Da die Titelpartien hier von Kindern gesungen werden, fällt das weg.


Nun zum Dirigat, bzw. zur Tontechnik, denn auch hier hat diese Aufnahme ihre Probleme. Sie hat ein für mich eigenartiges Stereopanorama. Manche Instrumente sind in der Mitte, andere wiederum sind nur auf einem Kanal zu hören, was besonders über Kopfhörer sehr unnatürlich wirkt. Anders gesagt: es wirkt, als ob es nur Mitte, links und rechts gibt, aber nichts dazwischen.

Das fällt schon in den ersten Takten der Ouvertüre auf, wo man das 4. Horn ziemlich nahe und laut auf dem linken Kanal hört, was so klingt, als hätte man es separat aufgenommen und den Balanceregler dann bis zum Anschlag nach links gedreht. Dieses Stereopanorama wirkt auf mich deswegen irritierend, und ich denke, 1974 hätte man das wesentlich besser hinbekommen können, wie etwa die 1969er Aufnahme unter Suitner beweist. Das macht es auch schwieriger, das Dirigat angemessen zu bewerten, denn ich weiß nicht, ob der Dirigent oder die Tontechnik dafür verantwortlich sind, dass man bestimmte Instrumente besonders deutlich hört, die eigentlich nicht SO zu hören sein sollten.

Davon einmal abgesehen ist der Klang etwas hallig, nicht so extrem wie etwa bei Lehmann 1953, aber besonders in lauteren Passagen, in denen das ganze Orchester beteiligt ist, hört man hauptsächlich die Blechbläser und die Streicher, das Holz geht mit seinen Klangfarben öfter mal unter.

Auch hier kann ich schlecht beurteilen, ob die Tontechnik daran schuld ist, oder ob Wallberg nicht darauf geachtet hat.

Das Dirigat hat mich aber zu keiner Zeit vom Hocker gerissen, wie man so schön sagt. Die Partitur bietet viele Gelegenheiten, Gänsehaut, Spannung etc. zu verbreiten, aber Wallberg nutzt sie meist nicht. Der Hexenritt klingt nicht wirklich bedrohlich, der forte-Ausbruch zu harmlos (und die nachklingenden Hörner sind zu laut, auch hier vielleicht wieder wegen der Tontechnik?), das Potential der Echoszene wird nicht genutzt, sie wird schnell übergangen, wenngleich man auch hier schön die tiefe Bassclarinette hören kann.

Auch die schöne Stelle ab RZ 125 – 126, als das Knusperhaus aus dem Nebel auftaucht klingt unspektakulär, die weichen Hörner ab 126 haben für mich keine Wirkung, weil es einfach zu schnell gespielt wird. Von der Verwunderung und dem Staunen über diese Erscheinung merke ich nicht viel.

Ich selber höre diese Aufnahme nie ganz, weil ich sie für eine der schwächsten halte, und sie weder gesanglich noch musikalisch noch tontechnisch überzeugen kann.

Momentan besitze ich zwei Versionen, zum einen die CD, die offenbar 1988 herauskam, sowie die Schallplattenbox. Zu den Schallplatten muss ich sagen, dass auf diesen fast durchgehend ein sehr hoher Pfeifton zu hören ist. Anfangs dachte ich, dass es an meinem Plattenspieler oder den Lautsprechern liegt, aber nachdem ich sie über verschiedene Spieler und Anlagen angehört habe, und das Pfeifen auch dort zu hören war, wird es wohl an der Platte liegen. Auf der CD fehlt dieses Pfeifen zum Glück.


Die Schallplattenbox bietet ein zweiseitiges Booklet.

Darin enthalten sind zwei kurze Aufsätze, mit den Titeln „Musikalisches Märchen zwischen Mythos und Idylle", sowie „Handlung und Musik“. Im ersten Aufsatz wird kurz auf die Entstehungsgeschichte und den Komponisten eingegangen, im zweiten gibt es eine Inhaltsangabe mit winzigen Infos zu Ton- und Taktarten sowieso Humperdincks Musik im Allgemeinen.

Weiters gibt es jeweils ein Bild von Eugen Hug sowie Brigitte Lindner, dazu ein Bild von Heinz Wallberg beim Dirigieren.

Die CD-Box bietet ebenfalls ein Booklet, in dem der erste Aufsatz aus der Plattenbox übernommen wurde, jedoch der zweite Aufsatz wurde durch eine neue Synopsis ergänzt, die sich weniger interessant liest.

Ein Beispiel: über den „Hexenritt“, dem Vorspiel zum zweiten Akt, wird im Vinyl-Booklet geschrieben:

„Als Zwischenaktmusik und Vorspiel zum zweiten Bild begibt sich eines der orchestralen Glanzstücke Humperdincks: der furiose Hexenritt, ein an Wagner und Liszt geschultes Tongemälde, das mit rhythmischem Elan und Bizarrerie den nächtlichen Ritt der Knusperhexe auf dem Besenstil schildert.“

Im CD-Booklet steht nur:

Track 10 Vorspiel – Der Hexenritt

Ein bisschen ärgerlich ist es für mich auch immer, wenn die Verfasser solcher Zusammenfassungen irgendwelche Dinge hinzuerfinden. So steht im Vinyl-Booklet korrekterweise: „In wilder Hast eilen die Eltern in den Wald, um Hänsel und Gretel vor der Hexe zu retten.“

Im CD-Booklet aber heißt es: „Der Vater stärkt sich noch mit einem Schluck Kümmel, dann stürzt er der Mutter nach.“ Laut Partitur nimmt er nur die Kümmelflasche vom Tisch und eilt ihr nach. Dass er noch einen Schluck trinkt ist höchstens eine Interpretation des Verfassers.

Auch in solchen Sätzen wie „Sich selbst hat er ein Fläschchen seines Lieblingslikörs gegönnt, das bei seiner Heimkehr schon nicht mehr ganz voll ist“. Was soll das?

Dann schon lieber musikalische Informationen, wie etwa diese hier aus dem Vinyl-Booklet: „Es wird düster und unheimlich (chromatische Färbungen und Tremoli im Orchester). Die Waldnatur belebt sich unheimlich (…)“

Schade dass man diese Zusammenfassung aus der Plattenbox nicht übernommen hat. Dafür bietet das CD-Booklet ein vollständiges deutsches Libretto (keine Übersetzungen). Leider hat man hier bei Duetten oder mehreren Stimmen und unterschiedlichen Texten beide Stimmen nicht getrennt notiert, sondern zusammengefasst.

Auch hier ein kurzes Beispiel: die Sopranstimmen im Kinderchor singen „Drum singt und springt, drum tanzt und singt, dass laut der Jubelruf durchdringt den Wald“, während die Altstimmen singen „Drum singt und springt, drum tanzt und singt, denn Kuchenheil uns Allen winkt“. Das mit dem Kuchenheil hört man auch sehr deutlich in der Aufnahme, aber im Booklet steht davon nichts. Zum Mitlesen also nur bedingt geeignet.

Ein Fehler hat sich im ersten Aufsatz dennoch eingeschlichen: bei der Uraufführung am 23. Dezember 1893 sang NICHT Pauline de Ahna den Hänsel, da sie wegen einer Fußverletzung nicht spielen konnte. Die Gretel dieser Produktion musste den Hänsel übernehmen, und eine neue Gretel wurde engagiert. Erst ab der zweiten Aufführung war de Ahna dabei.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (13.04.2016, 16:25):
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Hänsel: Brigitte Fassbaender
Gretel: Lucia Popp
Vater: Walter Berry
Mutter: Julia Hamari
Knusperhexe: Anny Schlemm
Sandmännchen: Norma Burrowes
Taumännchen: Edita Gruberova

Wiener Sängerknaben
Wiener Philharmoniker
Dirigent: Georg Solti


Nun endlich komme ich zu dieser Aufnahme aus dem Jahr 1978, aufgenommen im Sofiensaal in Wien.

Ich möchte gleich ohne große Umschweife zum Dirigat und der Tontechnik etwas sagen, denn das sind für mich die absoluten Stärken dieser Aufnahme.

Die Tontechnik finde ich sehr ordentlich – ein schönes Stereopanorama, keine (für mich hörbaren) Verzerrungen in hohen Lautstärken, ein großer Dynamikumfang. Lediglich die Streicher hätte ich mir einen Tick lauter gewünscht, und auch das Holz gerät gerne mal ein bisschen zu sehr in den Hintergrund, wenn es lauter wird. Aber dennoch: eine absolut beachtliche Leistung!

Nun aber zur Interpretation, zum Dirigat … das zu beschreiben ist bei dieser Einspielung ein harter Brocken, denn es gibt so viele verschiedene Stellen, die einfach großartig sind, und die man am liebsten alle einzeln in Hörproben mitsamt Noten zur Verfügung stellen würde. Überhaupt lohnt es sich besonders hier, die Partitur mitzulesen, um Soltis Dirigat noch besser nachvollziehen zu können und um einzelne Stellen überhaupt ganz neu zu entdecken.

Ich habe mir während des Hörens massenweise Notizen gemacht über verschiedene Stellen, die ich für besonders gelungen halte, aber es wäre zu viel, auf jede einzeln einzugehen, und die Auswahl fiel mir nicht gerade leicht.

Solti nimmt diese Oper absolut ernst, er macht daraus keine verspielte, heitere Oper, er hebt besonders die Dramatik in der Musik, das Symphonische, das Wagnereske hervor, was der Oper sehr gut steht.


Die Ouvertüre: schon in Takt 8 deutet das crescendo der Streicher an, dass es dieser Aufnahme an Dramatik nicht fehlen wird. Bei vielen Aufnahmen klingt schon dieses kurze, unscheinbare crescendo belanglos, aber hier nicht.

Auch solche Stellen wie das crescendo 7 Takte nach B, und das herrliche Cello mit dieser absteigenden kurzen Melodie ein Takt später, wie man es deutlich hört und es sich trotzdem mit den anderen Instrumenten mischt und sich nicht unangenehm in den Vordergrund drängt, wecken die Vorfreude auf das, was da kommen mag. Schon hier merkt man, wie präzise die Instrumentengruppen, besonders das Blech, aufeinander abgestimmt sind.

13 Takte nach Buchstabe L wird es laut: ein mächtiges fortissimo nach einem weiteren crescendo sorgt für Gänsehaut (nicht das einzige Mal in dieser Aufnahme) und zeigt, was die Tontechnik drauf hat. Auch hier wieder kein Klangbrei, kein Matsch, sondern bei aller Lautstärke immer noch aufeinander abgestimmte Instrumentenstimmen.

Eine weitere Stelle, bei der ich Gänsehaut bekam war 6 Takte nach RZ 55, wenn die Bässe, die Celli, die Fagotte und das tiefe Horn dieses böse Hexenmotiv spielen. Wie die Akzente so wuchtig genommen werden, wie böse das klingt … man meint die Hexe selbst schon herumgeistern zu sehen.

Auch schön zu hören, wie Solti den hier schon so oft erwähnten Horneinsatz bei RZ 67 nimmt; endlich einmal eine Version, wo man sich an die Lautstärkeangabe des Komponisten hält. Wie die Hörner plötzlich in die ruhige Musik hinein noch einmal kurz das Hexenmotiv schmettern, sorgt ebenfalls für Gänsehaut.

Wie gesagt, es gäbe noch unzählige andere Beispiele für diese herrliche Interpretation, für neue Details, die man entdecken kann, für dramatische Ausbrüche, die einen in ihrer Gewalt und Präzision gleichermaßen mitreißen, aber ich möchte es bei den o. g. Beispielen belassen.

Meckern auf hohem Niveau, aber dennoch, ein paar Kleinigkeiten, die ich persönlich schon besser gehört habe: ich fand den Hexenritt ein klein wenig zu schnell gespielt, die Traumpantomime hingegen etwas zu verschleppt, und bei RZ 103, Takt 1-6, hätte ich mir die Steigerung bis zum Forteausbruch des Orchesters etwas dramatischer gewünscht.

Für absolut fragwürdig halte ich jedoch das, was Solti mit den letzten Takten der Oper gemacht hat, die eigentlich schnell gespielt gehören. Solti spielt diese Takte extrem langsam, und sogar die Wiener Philharmoniker, die in dieser Einspielung perfekt harmonieren und eine wunderbare Leistung erbringen, haben hier Timingschwierigkeiten. Ich weiß nicht, was das sollte. Eigentlich ist das Tolle bei diesem Schluss ja, dass der Chor relativ langsam singt, das Orchester quasi längere Liegetöne spielt, und dann plötzlich spielt das Orchester das Abendsegen-Motiv, das eigentlich bis dahin immer weihevoll intoniert wurde, schnell und laut und wuchtig.

Soviel sei vorweg genommen: in der Aufnahme von 1981 für den Film von August Everding spielt Solti diese Schlusstakte wiederum in einem schnelleren Tempo.
Aber dennoch: diese Kleinigkeiten und diese paar Takte am Schluss ändern nichts daran, dass man hier eine absolut hochkarätige Aufnahme zu hören bekommt.


Nun komme ich zum negativen Teil: die SängerInnen.

Diese von mir besprochene neuere Aufnahme auf YouTube schaue ich mir nur an, weil ich den Hänsel und die Gretel so toll finde, weil es ein Genuss ist, diese Stimmen zu hören, einzeln und im Duett.
Diese Solti-Aufnahme höre ich mir nur wegen der orchestralen Leistung an, aber NICHT wegen der Stimmen.

Es wurde in einer Amazon-Rezension bemängelt, dass Lucia Popp und Brigitte Fassbaender, die die Titelpartien singen, ein zu ähnliches Timbre haben, und es Zuhörern, die die Oper nicht kennen und kein Libretto mitlesen, es schwer haben könnten, die beiden voneinander zu unterscheiden. Und das stimmt auch, die beiden klingen sehr ähnlich.

Davon abgesehen finde ich beide stimmlich eindeutig zu alt, zu tief, zu viel Vibrato. Popps hohe Töne sind unangenehm, Fassbaenders Stimme mag ich sowieso überhaupt nicht, weil sie besonders in der Mittellage und der tieferen Lage sehr knödelig klingt … ich kann es schlecht beschreiben, aber es klingt einfach nicht schön. Wenn ich da an die betörende Mittellage, die helle, junge Stimme des anderen Hänsels oder die Gretel von Barbara Bonney denke ….

Die Mutter, gesungen von Julia Hamari, ist enttäuschend. Wegen der Wortundeutlichkeit versteht man nichts, statt „Bis in die Nacht“ wird „Biiiidienaaacht“ gesungen. Als der Milchkrug zerbricht, zeigt die Aufnahme leider etwas, was ich absolut unnötig finde: Geräuscheffekte. Man hat hier ein mickriges, unrealistisches Scheppern eingespielt, und das auch noch zu spät. Später im dritten Akt, als der Ofen des Hexe explodiert, hat man diesen Unsinn erneut verwendet, und es klingt so, als hätte man ein Mikro an ein paar zusammenfallende Holzbausteine rangehalten. Diese beiden Geräusche wären nicht mal eines Hörspiels würdig gewesen; wieso man sie in einer Decca-Aufnahme unter Solti mit den Wr. Philharmonikern verwendet verstehe ich nicht.

Der Vater von Walter Berry ist auch nicht so mein Ding, ich finde er übertreibt es mit seinem ständigen Wechsel zwischen laut und leise, und statt „fehlt AUCH im Topf die Zubehör“ singt er „fehlt EUCH im Topf die Zubehör“. Ok, aber mehr auch nicht.

Im zweiten Akt gibt es gleich drei Stellen, an denen Popp und Fassbaender Timingprobleme haben.

Einmal bei „Ein Männlein steht im Walde“, wenn Gretel singt „sagt, wer mag das Männlein sein“, und dabei wohl eine Spur zu langsam ist, später bei „was für ein wunderlich Gesicht“ singt sie zu schnell und eilt dem Orchester voraus.

Bei Fassbaender ist es im Abendsegen, wo sie mit dem Wort „linken“ etwas zu früh einsetzt. Das mag pedantisch klingen, aber wenn man sich die Noten ansieht, wenn man sich ansieht, was die anderen Instrumente spielen, dann wird man sofort sehen, wie wichtig es ist, dass Hänsel exakt in diesem Takt anfängt zu singen, und nicht kurz davor, wo das Orchester sich gerade noch aufschwingt.

Eine andere Stelle ist die, als Hänsel singt „Ich weiß den Weg nicht mehr“. Fassbaender singt die letzte Achtel 10 Takte nach RZ 77 zu früh, noch VOR den Pizzicato der Streicher, die deswegen noch schnell diesen gezupften Ton hinterherschieben müssen, was auch nicht so berauschend klingt.

Das Sandmännchen von Norma Burrowes finde ich stimmlich in Ordnung. Ein bisschen weniger Vibrato wäre für mich schöner gewesen, aber sie interpretiert ihre Rolle, und singt nicht nur die Melodie nach. Störend finde ich hier aber, dass das „sst“, das ja mit dem Streuen des Sandes einhergeht, nicht einfach nur ein „zischendes“ Geräusch ist, sondern quasi gesungen wird. Schwer zu beschreiben, aber es klingt eher so, als würde sie im Spaß mit einer Spielzeug-Laserpistole imaginäre Schüsse abgeben, als Sand streuen.

Und auch hier vermeine ich einen Fehler gefunden zu haben: bei den Worten „lieb ich“ sollte das Sandmännchen vom C auf das Fis hinaufgehen, das C auf „lieb“ und das Fis auf „ich“. Sie singt aber das „lieb“ auf C und geht noch während des selben Wortes auf das Fis hinauf. Humperdinck verbindet die beiden Noten mit einem Legatobogen, aber meiner Meinung nach sollte das Fis erst beim Wort „ich“ gesungen werden.

Die Echoszene, die mir bei Karajan immer noch am besten gefällt, ist auch in Ordnung, aber leider hat die Tontechnik hier eindeutig NICHT in die Partitur geschaut; die Echos klingen zwar angenehm leise, werden aber nicht nach und nach leiser, und leider hat man Hänsels Echo auf den linken Kanal gelegt, Gretels Echo auf den rechten. Hänsel ruft aber in den Hintergrund, dort, wo auch der Ilsenstein steht, und da werden die Echos nach und nach leiser, erzeugen eine räumliche Tiefe. Auch das ist nicht gerade berauschend, weil hier ein schöner Effekt verlorengeht.

Edita Gruberova gibt das Taumännchen, später singt sie die Gretel im Everding-Film.

Die Knusperhexe wird von Anny Schlemm gesungen, mein Fall ist das nicht. Die tiefe Lage finde ich ebenfalls ein bisschen zu knödelig, die Darstellung wirkt auf mich zu gewollt-böse, mit Stimme verstellen und ähnlichen Dingen, die man leider so oft hört. Zumindest klingt sie stimmlich nicht wie eine junge Frau, sondern durchaus wie eine Hexe.
In diesem dritten Akt gehen mir die Holzbläser, die sehr viel wichtige Dinge spielen, doch ein bisschen ab, was aber sicher an der Tontechnik liegt. Die Stelle mit den krachenden Scheiten hätte ich mir von Solti ein bisschen lauter gewünscht.

Die Wiener Sängerknaben übernehmen den Kinderchor, und mir gefallen sie nicht. Zum einen deswegen, weil sie nicht wirklich „deutsch“ klingen, dann weil ich kaum ein Wort verstehe, und auch deswegen, weil mir hier die Mädchensoprane abgehen. Der Klang von reinen Bubenstimmen passt da für mich einfach nicht, es sollte ein Mischklang sein. Da gibt es viel schönere Beispiele für gute Kinderchöre und schöne Klänge – hier habe ich nur einen berühmten Namen auf dem Cover stehen, aber das war´s dann auch schon.

Ich besitze diese Aufnahme in vier verschiedenen Versionen. Einmal in einer CD-Box, und dreimal auf verschiedenen Schallplattenboxen, sowie einmal eine englische Einzel-LP mit verschiedenen Szenen.

Das Booklet der CD-Box enthält leider einen Druckfehler im Libretto, denn auf Seite 42 geht es nach „so schön wie heute ward´s noch nie!" Plötzlich weiter mit „Komm, wir wollen rasch neue suchen!“. Erst auf Seite 46 geht es korrekt weiter mit „Buben tragen doch sowas nicht“. Für Leute, die diese Aufnahme hören und das Libretto mitlesen, weil sie den Text nicht kennen, sehr verwirrend!
Ansonsten bietet das Booklet nur eine Inhaltsangabe sowie das Libretto, keine Infos zu Entstehung etc.

Die Booklets der beiden deutschen Vinyl-Boxen sind ident: beide bieten einen Aufsatz über die Musik und den Komponisten, sowie auf mehreren Seiten einen abgedruckten handschriftlichen Lebenslauf Humperdincks, daneben eine Abschrift, damit man es auch entziffern kann. Libretto gibt es allerdings keines.

Das Booklet der englischen Vinyl-Box enthält das vollständige Libretto sowie mehrere historische Bilder von SängerInnen, die den Vater oder die Titelpartien zu Humperdincks Zeit gesungen haben, sowie einen ausschließlich in englischer Sprache verfassten Aufsatz, ebenfalls zur Entstehung etc.


Hier noch eine Info zu den Schallplatten, die sicherlich interessant sein dürfte. Die originale Version der DECCA ist die englische Box, das merkt man an dem Logo auf dem Cover in schwarz/weiss, und daran, dass die Label auf den Platten selbst dunkellila sind.

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Von diesen Matritzen wurden Kopien für die deutsche Ausgabe gemacht, das DECCA Logo sieht bis auf die Hintergrundfarbe ident aus, und wenn man die Breite der Rillen auf den Platten vergleicht sieht man, dass sie ebenfalls ident sind.

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Und dann gibt es die DECCA Version mit dem blauen Label und dem Hinweis auf das DMM-Verfahren und dem silbernen Label – hier handelt es sich leider um schlechte Kopien, denn wenn man die Rillen des Originals mit diesen Platten vergleicht, stellt man fest, dass die Rillen der schlechten Pressung weniger Platz verbrauchen, die Musik somit also wesentlich leiser und dynamisch eingeschränkt ist.

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Möchte man sich diese Aufnahme, warum auch immer, auf Vinyl kaufen, und kommt nicht an die englische Box heran, so empfehle ich unbedingt, sich die Version OHNE dem blauen Label auf dem Cover zu besorgen!

Mein Dank an Jürgen, der so lieb war mir eine weitere Edition zu fotografieren; es handelt sich um eine Gesamtaufnahme aus der Solti-Edition:

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LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (15.04.2016, 21:05):
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Hänsel: Frederica von Stade
Gretel: Ileana Cotrubas
Vater: Siegmund Nimsgern
Mutter: Christa Ludwig
Knusperhexe: Elisabeth Söderström
Sandmännchen: Kiri Te Kanawa
Taumännchen: Ruth Welting

Children´s Chorus of Cologne Opera
Gürzenich Orchester
Dirigent: John Pritchard


Im selben Jahr der Solti-Einspielung entstand auch diese Aufnahme unter Pritchard, und sie fristet bei mir mehr oder weniger ein Schattendasein, was seine Gründe hat. Der Reihe nach:

Die Tontechnik dieser Aufnahme ist besonders im Hinblick auf die erwähnte Solti-Aufnahme, aber auch auf Aufnahmen wie etwa unter Suitner 1969, ein schlechter Witz. Recht hallig, mit von mir zumindest subjektiv empfundenen geringem Dynamikumfang, der Klang ist irgendwie zugedeckt. Blechakkorde strahlen nicht, und wirklich durchhörbar ist da nichts. Viele Instrumente gehen unter, und die, die hörbar sind, klingen, wie schon gesagt, zugedeckt und verwaschen.

Dazu kommen auch wieder diese Spielereien mit dem linken und rechten Stereokanal bei den Gesangsstimmen, die gerne öfter mal nur links oder nur rechts zu hören sind, teilweise auch bei Duetten.

Ein besonders störendes Beispiel ist für mich die Echoszene; als Hänsel ruft „Wer da?“ hört man das „Wer“ in der Mitte, und das „da?“ auf dem linken Kanal. Das wirkt nicht nur völlig unnatürlich, es passt auch überhaupt nicht zu der Anweisung, dass Hänsel in den Hintergrund hineinruft, und vom Hintergrund (bzw. hinter der Szene) die Echos antworten.

Nun ist diese Aufnahme der Solti-Version nicht nur tontechnisch, sondern auch interpretatorisch absolut unterlegen.
Soltis Version war natürlich nicht „perfekt“, auch sie hatte ihre (für jeden natürlich anders empfundenen) Schwächen, aber es war eine Version, die gezeigt hat, was man alles aus dieser Partitur herausholen kann.
Und das geht mir bei Pritchard völlig ab.

Die Ouvertüre klingt schon langweilig und irgendwie unmotiviert vorüber, Spannung gibt es an keiner Stelle. Keine Dramatik, keine Freude, kein Grusel, nichts. Und so geht das leider die gesamte Oper hindurch. Alles klingt unmotiviert und belanglos, lustlos.

Die Clarinetten gleich zu Beginn des ersten Bildes in der Einleitung spielen ihre Figur nicht wirklich legato, sondern spielen die punktierte Achtel und die Sechzehntel eher getrennt, was für mich irgendwie zu ruppig klingt, vor allem weil die Flöten und die Oboe es legato nehmen.
Der Hexenritt ist ebenfalls völlig unspektakulär, dazu finde ich es klanglich ungewöhnlich, dass die Akzente des Hexenmotivs auf der 1 und der 3 quasi staccato genommen werden, was, wie ich finde, auch nicht so recht passt.

Besonders eigenartig ist aber, dass in diesem Vorspiel 5 Takte nach RZ 65 ein Becken spielt, wo gar keines notiert ist!

Die vielen Effekte der Oper bleiben ungenutzt, so etwa auch das von Humperdinck vorgeschriebene crescendo der Pauken beim Krachen der Scheite. Hier ist es kein Crescendo, die Pauke bleibt relativ leise und wird nicht lauter. Völlig monoton.
Im vorletzten Takt der Oper, 10 Takte nach RZ 202, spielt die Piccoloflöte ihren Aufwärtslauf nicht legato, was nicht so wirklich zum restlichen Orchester passt.
Wie gesagt, wo Solti viel aus der Partitur herausholt, wo es Dramatik und Gänsehaut gibt, fehlt das bei Pritchard völlig.


Nun aber zum Gesang.

Ileana Cotrubas als Gretel gefällt mir alles in allem sehr gut, sie hat eine klare, helle Stimme, setzt ihr Vibrato dezent ein, versucht aber nicht durch übertriebenes Schauspiel oder Stimme verstellen wie ein kleines Mädchen zu klingen. Was mich ein bisschen stört ist, dass sie in der Mittellage öfter einmal zu viel Kraft in die Stimme legt, forciert, wohl um hörbar zu bleiben, was aber m.E. nicht notwendig gewesen wäre.

Manche Stellen gelingen ihr besonders schön, etwa der Anfang von „Griesgram hinaus, fort aus dem Haus“, manche aber ein wenig unsauber, etwa der Triller 1 Takt vor RZ6 auf „gram“, oder die kleine Koloratur 4 Takte nach RZ 8 auf dem Wort „Geheimnis“.
Auch hört man ein bisschen, dass die Cotrubas nicht Deutsch als Muttersprache hat. Es fällt nicht wirklich stark auf, aber dennoch denke ich, dass es schwieriger ist, seine Rolle zu gestalten, wenn man gleichzeitig darauf achten muss, die Wörter korrekt auszusprechen.

Frederica von Stade singt den Hänsel, leider hat sie mit der Sprache wesentlich stärker zu kämpfen als ihre Kollegin. Stimmlich finde ich sie schon etwas besser – zwar kommt auch sie nicht an meinen Referenz-Hänsel heran, doch hat auch sie eine vibratoarme, relativ helle Stimme in der Höhe und der Mittellage. Nur in der Tiefe erinnert sie mich stellenweise an die Fassbaender, aber diese Töne kommen eher selten vor. Ihr „Ein Geheimnis“ klingt sehr schön!
Stimmlich für mich einer der besseren Hänsel, nur darstellerisch und vor allem sprachlich nicht das Wahre.

Christa Ludwig, die 1971 noch die Hexe sang, darf hier als Mutter mit viel Vibrato und Gekreische auftreten. Für mich unerträglich. An zwei Stellen singt sie nicht den vorgegebenen Text, statt „kommt nur der vater nach haus“ singt sie „kommt erst der vater nach haus“, statt „ja wüsste man´s“ „tja wüsste man´s“.
Am ärgsten ist aber, dass sie bei „Was soll denn der Besen?“ die Notenwerte verändert. Statt einer Achtel und zwei Sechzehntel singt sie quasi eine Achteltriole, die überhaupt nicht zur Musik passt. Ob das Absicht oder ein Versehen war kann ich nicht beurteilen, aber es klingt nicht gut.

Den Vater von Siegmund Nimsgern wiederum finde ich gelungen, kein übertrieben polternder Suffkopf (Prey), aber auch kein kultivierter Herr (Dieskau), oder ein Wotan in klein (Adam).

Die Echos klingen sehr schön, sind aber wohl zu laut abgemischt, Kuckuck sowieso, und das Sandmännchen von Kiri te Kanawa hat ebenfalls ein bisschen mit der Sprache zu kämpfen, etwa wenn sie singt „Himmelsfernaa“. Ihr Sandmännchen klingt mir auch zu damenhaft.

Dann folgt aber auch schon der Abendsegen, und in wenigen Aufnahmen hört man diese zwar kurze, aber superschöne Stelle bei RZ 93, konkret bei den ersten beiden Vierteln.

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Von Stade singt ihr „Linken“ punktgenau und quasi ohne Vibrato, die Cotrubas nur mit einem ganz feinen Vibrato, schönem Legato und sehr beseelt klingendem Ausdruck – dieser plötzliche Mischklang auf der 2. Zählzeit ist so herrlich … und er entsteht auch nur dann, wenn die beiden Stimmen und das Timbre miteinander harmonieren, wenn beide ohne Vibrato, oder nur die Gretel ein ganz feines Vibrato singt. Wenn ich lese „Popp & Fassbaender“, wenn ich lese „Rothenberger & Seefried“ oder auch „Donath und Moffo“, dann weiß ich im Grunde schon im Vorhinein, dass diese Stelle nicht so klingen wird, wie sie es könnte.

Ich glaube, die nächste Aufnahme, auf der ich die Stelle so schön gehört habe, kommt erst 1994 unter Runnicles. Mal schauen.

Ruth Welting weckt die schlafenden Kinder als Taumännchen, und gefällt mir mit ihrer wesentlich helleren Stimme, jedoch hat der Dirigent leider ein ziemlich schnarchiges Tempo gewählt, das zu sehr an das Sandmännchen-Lied erinnert. Von Lebhaftigkeit keine Spur.

Und dann kommt Elisabeth Söderström als Hexe, die ich großteils in Ordnung finde. Sie stellt die Hexe als alte Frau da, und klingt auch so; zusätzlich verändert sie ihre Aussprache, damit es wohl so klingt, als ob die Alte keine Zähne mehr hätte. Das „S“ klingt wie ein „Sch“. Das ist sicherlich gewöhnungsbedürftig, leider ist dieser Kunstgriff unregelmäßig, denn manchmal spricht sie das „S“ sehr wohl deutlich aus.

Es ist angenehm, mal keine kreischende, ständig kichernde Hexe zu hören, die wie Ende 30 – Anfang 40 klingt, nur manchmal finde ich sie zu leise, sie geht öfter mal ein bisschen unter in den lauteren Orchesterstellen. Bei „´s ist alles eu´r Eigen“ nimmt sie nicht den hohen, sondern den tiefen Ton, und die grellen „Hi hi hi hi hi!“-Lacher nach Hänsels „Ich mag dich nicht!“ geraten zu harmlos und zu leise. Wirklich bedrohlich finde ich diese Hexe nicht. Wie auch bei den Titelpartien finde ich die Stimmen besser als die Interpretation.

Der Kinderchor singt ganz ordentlich, und leider ist auch hier das Dirigat langweilig. Nachdem die Lebkuchenkinder befreit sind schleppt sich die Musik immer weiter, ohne Höhepunkte, ohne Lebhaftigkeit oder Freude.

Eine ebenfalls wichtige Stelle ist am Ende, wo sich – wie auch schon öfter erwähnt – die Stimmen von Hänsel und Gretel mit dem Kinderchor mischen sollten, ohne ihn zu übertönen. Hier finde ich das gut umgesetzt, weder Cotrubas noch von Stade trällern hier überlaut herum, und so darf der Chor auch angenehm volltönend klingen, dank der Stärkung durch die beiden Sängerinnen.

Mein Fazit: ich würde diese Aufnahme nur empfehlen, wenn man ein Fan von Cotrubas, von Stade oder einer der anderen Mitwirkenden ist, keinesfalls aber wegen des Dirigats oder der Tontechnik, die ich für die Zeit und angesichts manch anderer früherer Aufnahmen enttäuschend finde.



Ich besitze diese Aufnahme in zwei Versionen: einmal auf CD, und einmal in einer Vinyl-Box als Gesamtaufnahme.

Das Cover der CD-Box ist sicher Geschmackssache, mir persönlich gefällt es überhaupt nicht. Wesentlich störender ist für mich aber, dass es sich um eine aufklappbare, nicht verschließbare Papp-Box handelt, deren Buchrücken auch, bedingt durch die Bauart, schief ist, und somit nicht wirklich schön aussieht im CD-Regal. Die CDs selber sind wenigstens schön bedruckt, in hell- und dunkelbraun. Im Deckel der Hülle ist ein Booklet versteckt, das man mit ein bisschen Frickelei herausholen muss. Was sich aber nicht lohnt, denn bietet lediglich eine komplett in Englisch gehaltene Inhaltsangabe sowie die Tracknummern der einzelnen Titel, die aber sowieso schon auf der Papp-Box stehen. Die zweite CD dient auch als CD-Rom, auf dem das Libretto enthalten ist. Naja.


Die Vinylbox ist da um Längen voraus. Bis auf den, wie ich finde, hässlichen (und mich sehr stark an Powerpoint erinnernden) Schriftzug des Titels finde ich das Cover vorbildlich gestaltet. Das Bild in der Mitte ist farbenfroh und atmosphärisch, erinnert an alte Märchenbücher, die Namen der Mitwirkenden sind deutlich zu lesen.
Öffnet man die Box, lacht einem ein dickes Booklet entgegen, das nicht nur das komplette Libretto enthält, sondern auch noch mehrere Bilder von den Aufnahmen im Erholungshaus in Leverkusen, den SängerInnen, sowie mehrere Illustrationen zum Thema „Hänsel und Gretel“, und ein paar längereAufsätze etwa über die Entstehung, manche davon auf Deutsch(!). Auch ein zur Oper geschriebener englischer Text von Bruno Bettelheim ist enthalten, und ein Foto von Humperdinck, das ich noch nirgendwo im Internet gefunden habe.

Wieso eine in Deutschland erscheinende CD-Box nur eine englische Inhaltsangabe bietet, eine amerikanische Vinyl-Box aber ein Libretto in vier Sprachen sowie mehrere längere Aufsätze auf Deutsch und Englisch sowie viele Bilder, verstehe ich nicht. Diese CD Box ist ein schlechter Witz.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (16.04.2016, 12:32):
wie Du weißt, bin ich jetzt nicht gerade der große Verehrer von E. Humperdinck und insb. Hänsel und Gretel. Ich habe auch lediglich zwei Aufnahmen in den Regalen stehen: Karajan 1953, Eichhorn 1971,

Mit der Karajan-Aufnahme bist du auf jeden Fall gut dran - besonders seine Echoszene ist für mich bis jetzt die absolute Referenz.

Wieso hast du diese beiden Aufnahmen? Wegen der Dirigenten oder wegen einem bestimmten Sänger? Oder nur Zufall?

aber Deine Besprechungen sind ganz vorzüglich und animieren mich, die Oper doch ein wenig genauer zu beschauen und zu hören.

Das freut mich, danke :)




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (16.04.2016, 13:49):
Original von Keith M. C.
Anna Moffo als Hänsel (fehlbesetzt; schlimmes Wort, aber hier zutreffend)

"Fehlbesetzt" klingt wirklich nicht schön, da gebe ich dir Recht. Wobei ich, das möchte ich auch noch einmal generell betonen, das Wort immer nur für eine bestimmte Rolle verwende. Ich halte die Moffo als HÄNSEL für fehlbesetzt, für andere Rollen ist sie sicher super geeignet.


Dagegen ist Christa Ludwig (Hexe) außerordentlich gut: eine verführerische Hexe und nicht einfach nur böse. ‚Da geht man gerne knuspern‘ und verfängt sich; gesanglich ist C. Ludwig sehr gut; sie ist der Höhepunkt der Aufnahme.

Da sind wir zwar unterschiedlicher Meinung, aber das ist ja völlig in Ordnung :)


Die Karajan-Aufnahme war mit voller Absicht gekauft. Sie galt und gilt als sehr gut und dem kann ich mich nur anschließen. Das Orchester (Philharmonia Orchestra während der besten Jahre), die Interpretation und die Besetzung sind auf höchsten Niveau und ausgeglichen (dennoch möchte ich Grümmer, Schwarzkopf, Metternich herausheben).

Da kann ich dir auch die Matzerath-Aufnahme empfehlen. Die ist zwar tontechnisch leider unterirdisch, und das Dirigat ist auch nicht das Wahre, aber Grümmer singt hier einen noch einen Tick jüngeren, burschikoseren Hänsel, und hat mit Erika Köth eine m.E. passendere Gretel zur Seite.



Die Rollen ‚Hänsel‘ und ‚Gretel‘ sind nicht einfach zu besetzen:Geschlecht; Kinder oder Erwachsene; reife bzw. technisch ausgereifte Stimmen, aber ohne (zu) viel Vibrato oder doch junge, kindliche, dennoch nicht gekünstelt naive – linear geführte - Stimmen; die Stimmen von Hänsel und Gretel sollten wie in der Karajan-Aufnahme sehr miteinander harmonieren, trotzdem sollten die Rollen hörbar differenzierbar sein.

Diese Oper ist tatsächlich schwer zu besetzen. Natürlich sind die Geschmäcker da auch wieder unterschiedlich.
Viele möchten im Grunde eher damen- oder gar divenhafte Stimmen hören, und/oder stören sich nicht daran wenn die Stimmen älter klingen, ich persönlich mag eben diese hellen, klaren Stimmen, wenig Vibrato und diese kleine Unterscheidung im Timbre, wo Hänsel etwas dunkler klingt, aber nicht zu viel.
Du kannst das wesentlich besser beschreiben als ich.

Mir war und ist auch immer wichtig zu erwähnen, dass ich keineswegs "echte" Kinderstimmen von den Sängerinnen erwarte. Die in meiner letzten Rezension (1978, Pritchard) erwähnte Stelle im Abendsegen klingt überhaupt nicht nach Kindern, sondern nach zwei Frauen - aber weil beide keine "tiefen", schweren, älter klingenden Stimmen haben, die mit viel Vibrato angereichert werden, "wabbelt" diese Stelle nicht unschön herum, sondern klingt herrlich beseelt und sauber, da entsteht ein richtig schöner Klang, den echte Kinder SO nicht erzeugen könnten.


EDIT: Neben den Stimmen ist mir besonders beim Abendsegen auch wichtig, dass speziell die Streicher nicht nur tontechnisch gesehen gut zu hören sind, sondern auch vom Dirigat her besonders schön klingen. Oft hört man da nur einen diffusen Klangteppich, wenig spektakulär und unbeteiligt. Wenn man sich aber diese Streicher einmal genauer anhört, ohne Gesang, z.B. in einem Notensatzprogramm, merkt man, wie toll das klingt. Ich muss mir dieses Stück einmal genauer ansehen, vielleicht schreibe ich noch was dazu.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (17.04.2016, 07:25):
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Hänsel: Brigitte Fassbaender
Gretel: Edita Gruberova
Vater: Hermann Prey
Mutter: Helga Dernesch
Knusperhexe: Sena Jurinac
Sandmännchen: Norma Burrowes
Taumännchen: Elfriede Höbarth

Wiener Sängerknaben
Wiener Philharmoniker
Dirigent: Georg Solti



Nun bespreche ich wieder einmal eine quasi-Verfilmung dieses Stoffes. Vor gut 10 Jahren (ist das schon wieder so lange her?) schrieb ich eine ziemlich begeisterte Rezension zu diesem Film, aber mittlerweile sehe ich die Dinge zum Glück etwas anders.

Zuerst einmal Grundsätzliches: der Film wurde Anfang 1981 in Wien in einem Studio gedreht, es wird Playback gesungen; die Tonaufnahmen dafür entstanden Ende 1980 im Sofiensaal.
Wo soll ich zuerst anfangen?

Das Playback-Singen halte ich für besonders ungünstig, und hier merkt man auch warum. Hohe, laute Töne kommen scheinbar mühelos über die Lippen, man muss nicht einmal den Mund wirklich aufmachen dazu. Und oft genug passt der Ausdruck in der Stimme nicht zur Mimik und Gestik. Dass die Stimmen auch immer gleich laut klingen, obwohl die Charaktere einmal weiter entfernt sind, dann wieder näher, verstärkt den Eindruck noch, dass da nicht live gesungen wird.

Schon das alleine finde ich störend und irritierend, aber dazu kommt auch noch diese Inszenierung.

Ja, es gibt eine Holzhütte, es gibt einen Wald, und es gibt ein Lebkuchenhaus, und das wäre auch an sich in Ordnung. Das ist aber auch das Einzige, was an diese Oper erinnert, denn der Film steckt voller unnötiger Ideen und Effekte, schlechter Kameraführung und auch schlechtem Schauspiel, dass es auch schon egal ist, ob da Bäume stehen oder nicht.


Ich erzähle im Schnelldurchlauf, was passiert:

Der Film beginnt mit einer gemalten Berglandschaft, in die nach und nach Bäume, Engel und, richtig geraten, ein Opernhaus eingeblendet werden. Macht ja auch Sinn, ein Opernhaus, das mitten in der Landschaft herumsteht (Fitzcarraldo hätte seine Freude). Dann plötzlich kommen ein paar Nonnen, die einen Haufen Kinder in Zweierreihen in die Oper führt, die Kinder rennen im Opernhaus herum und auf ihre Plätze. Wir sehen kurz Georg Solti, der noch die Ouvertüre zu Ende bringt und Richtung Kinderpublikum lächeln darf (Mei wie lieb!), bevor es mit dem ersten Akt losgeht.

Hänsel und Gretel quälen sich durch eine stinklangweilige Inszenierung, bevor sie für das Tanzduett vor ihr Haus gehen dürfen, wo sie sich Töpfe auf den Kopf setzen und auf einer Wippe schaukeln.

Im Hexenritt sehen wir wieder Solti und die Philharmoniker, aber nur kurz, denn es gibt eine Zeichentricksequenz, in der ein paar Hexen in der Luft herumfliegen, parallel montiert zu den Eltern, die im Wald herumgehen und ein Stück Stoff finden, das offenbar zu Hänsel oder Gretel gehört.

Die Waldszenen verbreiten kaum Stimmung, und es gibt auch kein Abendrot, im Gegenteil: zuerst ist das Set noch künstlich hell, dann wird auf das Kinderpublikum geschnitten, und als man wieder Hänsel und Gretel sieht ist es plötzlich dunkel. Ob man das für raffiniert gehalten hat weiß ich nicht, aber selbst in einer Live-Aufführung ist es technisch ohne weiteres möglich, Abendrot Schritt für Schritt in Dunkelheit übergehen zu lassen.

Die Traumpantomime beginnt damit, dass plötzlich irgendwelche viel zu hellen und nicht mal besonders schöne Landschaftsbilder einblendet, bevor ein paar Darstellerinnen als Engel verkleidet hinter den Titelfiguren eingeblendet werden. Sehr engelhaft sieht die Szene nicht aus, die starke Hintergrundbeleuchtung, mit der die Engel beschienen werden, hat mich eher an das Ende aus „Close Encounters of the Third Kind“ erinnert.

Nachdem ein Tautropfen in Großaufnahme, in dem das Gesicht der Sängerin zu sehen ist, die beiden Kinder weckt, taucht plötzlich aus dem Nichts das Knusperhaus auf, denn es wird ebenfalls einfach so eingeblendet.

Die Hexe bringt die Kinder in ihr Haus, das von innen nicht nur viel zu riesig aussieht, sondern außerdem eher wie ein Luftschutzbunker wirkt, mit seinen Ziegelwänden. Deswegen wird ihr Text auch von „spring´ kreuz und quer ums Häuschen her“ in „spring´ kreuz und quer ich hin und her“, sowie die Zeile „decke drinnen hübsch den Tisch“ in „decke drüben hübsch den Tisch“ geändert.

Nachdem die Hexe tot ist treffen Fassbaender und Gruberova die Lebkuchenkinder, die aber kleidungs- und frisurentechnisch übelst nach 1980 aussehen, und teilweise auch keine Kinder, sondern eher Jugendliche sind. Hier hat man sich, im Gegensatz zu allen anderen Rollen, sich nicht die Mühe gemacht, die Kinder ebenfalls passend auszustatten.

Am Ende darf Prey als Vater das Schlusswort singen, bevor das ganze gestriegelte Kinderpublikum wie aufs Stichwort brav aufsteht und einstimmt in den Schlusschor „Wenn die Not aufs Höchste steigt, Gott der Herr die Hand euch reicht“. Fürchterlich.


Brigitte Fassbaender singt hier erneut den Hänsel, wie auch schon 1978, und auch hier gefällt sie mir gesanglich überhaupt nicht. Optisch wirkt sie mit ihrer Perücke und den aufgemalten Sommersprossen zwar schon eher wie ein Lausbub, aber man sieht deutlich, dass sie nicht mehr die Jüngste war, und auch figürlich ist sie besonders mit der engen Hose nicht gerade „männlich“.

Edita Gruberova singt hier die Gretel, und gesanglich gefällt sie mir zwar besser, sie hat eine hellere Stimme, aber man merkt den leichten Akzent teilweise, und es gibt einfach bessere Interpretationen. Schauspielerisch aber finde ich sie hier völlig fehlbesetzt. Schon figürlich passt es nicht so wirklich, und auch die Perücke macht ihr Gesicht nicht jünger. Teilweise ist das Schauspiel schon lächerlich, man sollte sich zum Beispiel anschauen, wie sie „Hänsel, sicher ist jemand nah“ singt, und dabei Hänsel so eine panische Grimasse schneidet, die höchstens als Parodie eines verängstigen Kindes durchgeht. Nein, ein Mädchen kann sie nicht spielen, auch da gibt es wesentlich besseres.

Ein Totalreinfall ist aber Helga Dernesch als Mutter (die, nebenbei, so alt ist wie die Fassbaender, was man aber optisch nicht glauben mag!). Gesanglich durchschnittlich, läuft sie ständig mit einem Grinsen, einem unterdrücktem Lachen herum und kann einfach nicht Playback singen. Die meiste Zeit bewegt sie nicht einmal die Lippen. Leider hat sie (wie auch die anderen Figuren) manchmal auch wirklich hölzern wirkende Gesten zu spielen, etwa bei „Was nun zum Abend kochen?“, als sie in Großaufnahme die Hände an ihr Gesicht halten und in die Ferne schauen muss, was so extrem theatralisch wirkt.

Hermann Prey als Vater … in erster Linie sehe ich hier Hermann Prey, der sich hier vergnügt austobt, aber für mich eher wie ein lustiger Figaro wirkt, ein Scherzbold, der herumtorkelt.

Sena Jurinac spielt die Hexe, die ich gar nicht so schlecht finde, wenn man von der auch hier schlechten Regie und Kameraarbeit hinweg sieht. Zuerst sieht sie relativ normal aus, um dann in einer Verwandlungsszene immer hässlicher zu werden. Mit verfilzten Haaren, einem irgendwie zugewachsenen Auge, Warzen, schlechten Zähnen und hässlicher Haut erkennt man sie nicht wieder, speziell wenn man an sie als junge Sängerin denkt. Eine tolle Maske!


Was mich besonders stört sind diese vielen kleinen unnötigen Einfälle. Etwa, wenn die Hexe Hänsel mit einem Fischnetz fängt und es ihm über den Kopf stülpt. Das ist Kindergartenhumor. Oder wenn der Vater aus dem Haus läuft, und lauter animierte Besen hinterher fliegen, einfach so. Oder wenn Hänsel und Gretel auf den gigantischen Backofen klettern, oben sitzen und den Knusperwalzer singen, während die Kamera(!) mitschunkelt, bevor auf das Publikum geschnitten wird, das ebenfalls übertrieben heftig mitschunkelt.

Ein besonders schlimmes Beispiel ist „Hurr hopp hopp hopp“: gegen Ende der Nummer werden irgendwelche blubbernden Reagenzgläser wie aus einem Chemielabor gezeigt, und der Kopf der Hexe wird eingeblendet, während man hinein- und hinauszoomt. Das soll womöglich einen dramatischen Effekt bewirken, es ist aber nichts weiter als lächerlich und völlig deplatziert. Dann reitet die Hexe auf einer Plattform durch die Luft, auf die Kamera zu, und nachdem sie „Besen hü!“ gesungen hat, lässt man das Video ein paar Sekunden schnell rückwärtslaufen, so dass sie wieder rückwärts fliegt, um dann in einem Standbild eingefroren zu sein. Solche „Effekte“ mit sachlichen Adjektiven zu beschreiben ist schwer, deswegen lasse ich es lieber.

Am Ende wird nicht die Hexe zu einem Lebkuchen, sondern statt dem Lebkuchenhaus steht auf einmal ein gigantischer Kuchen dort – einfach einen Kuchen fotografiert und das Bild dann reinkopiert in den Film. Klingt billig, sieht auch so aus.

Das waren jetzt nur wenige Beispiele, aber es gibt noch viel mehr davon.
August Everding weiß mit den Figuren irgendwie nicht viel anzufangen, und lässt sie entweder irgendwelche Albernheiten machen, oder sie langweilig herumgehen, oder aber theatralische Gesten machen, die unfreiwillig komisch wirken. Ich vermute fast, dass er diese ganzen Effekte einsetzt, um keine Langeweile aufkommen zu lassen.

Ein Beispiel für schlampige Regiearbeit ist für mich, als die Mutter entsetzt aus dem Haus läuft, und man draußen deutlich sieht, wie sie plötzlich langsam weitergeht, wohl weil die Sängerin denkt, dass sie nicht mehr im Bild ist.

Rührend soll vermutlich die Szene sein, in der Hänsel und Gretel einschlafen. Beide rangeln sich ein bisschen um die „Decke“, bis Gretel nachgibt und ohne Decke da liegt. Hänsel gibt ihr dann von selbst die Hälfte ab. Vielleicht finden manche diesen Anblick in Verbindung mit den Streicherklängen berührend, aber in der Partitur heißt es, dass sie Arm in Arm verschlungen einschlafen – Everding aber lässt die beiden Geschwister sogar an dieser Stelle der Oper noch weiter streiten. Hier fand ich die schon besprochene Version von 1957 wesentlich besser.

Lediglich zwei kurze Stellen haben mir gefallen. Einmal als die Hexe den Ofen öffnet, und man durch die Flammen ihr hässliches Gesicht sieht, das wurde gut umgesetzt. Und zum anderen, als die Hexe gerade „mein Besengaul, hurr hopp nit faul!“ singt, dann ein Schnitt kommt und wir aus Hänsels Perspektive im Käfig sehen, wie die Hexe plötzlich auf ihn (also uns) zuspringt.

Ich möchte die Musik jetzt nicht so ausführlich rezensieren wie sonst.
Obwohl die Musik wie auch die 1978er Aufnahme im Sofiensaal aufgenommen wurde, ist die Tonqualität erheblich schlechter. Der Ton ist ziemlich leise und verrauschter, auch dynamisch mehr eingeschränkt, wie ich meine. Ich denke auch, dass Solti hier an manchen Stellen deutlich für den Film dirigiert, besonders bei der Echoszene ist mir das aufgefallen, für die er sich hier im Vergleich zur früheren Aufnahme mehr Zeit lässt (eine der wenigen halbwegs guten Szenen im Film, auch wenn die Kamera, warum auch immer, während der Echos auf eine Felswand zoomt).

Der größte Unterschied ist aber sicher das Ende, diese letzten Takte, die Solti nun schneller nimmt, was auch viel besser klingt, als dieser holprig-verschleppte Schluss der 78er Einspielung.


Ich besitze diesen Film in zwei Versionen, zum einen auf DVD, und einmal auf VHS.

Die DVD (NTSC! Region Free) bietet ein Booklet und einen Werbe-Einleger für weitere Produkte der DG.

Der Ton liegt in PCM Stereo sowie DTS 5.1 vor. Ich würde aber raten, sich das Ganze in Stereo anzuhören, denn diese Upmixes sind nichts. Direktionale Effekte gibt es keine. Untertitel in Deutsch, Englisch und anderen Sprachen sind auch dabei. Ansonsten nur mehrere längere Trailer für andere Opern aus der Reihe.

Das Bild ist leider nicht gut, es gibt leichte Nachzieheffekte, generell wirkt das Bild unnatürlich soft und unscharf, auch in Nahaufnahmen von Gesichtern. Ich bezweifle auch, dass das Ganze auf Blu-ray erscheinen wird.

Die VHS ist miserabel, der Ton extrem leise, über das Bild brauche ich gar nicht reden. (Gut, die VHS ist fast 30 Jahre alt, da darf man sich nicht viel erwarten :D). Bei der Kassette ist ebenfalls ein Booklet, in dem es allerdings nur eine Inhaltsangabe in mehreren Sprachen gibt, sonst nichts.


Ein paar Worte noch zum Booklet, in dem es lediglich einen kurzen Aufsatz über den Film sowie eine Inhaltsangabe mit Tracklist gibt – die dafür gleich in mehreren Sprachen, deswegen ist das Booklet auch dicker.

In diesem ziemlich unkritischen Aufsatz wird auf die Produktion eingegangen. Oder besser gesagt, jede Schwäche wird irgendwie pseudointellektuell zu erklären versucht. Ein paar Stellen möchte ich gerne kommentieren.

Everding wollte das Interesse der Zuschauer wecken, indem er zu Anfang noch nicht alles zeigt.

Genau, und deswegen zeigen wir die Hexen und fliegende Besen schon im Hexenritt und kurz davor, und die Engel sehen wir überhaupt schon in der ersten Minute!

Nein, HUMPERDINCK und seine Schwester sind es, die das Interesse wecken, indem sie nichts zeigen. Während der Ouvertüre ist der Vorhang geschlossen, im 1. Akt gibt es nur eine Erzählung von der Hexe, im zweiten Akt Waldspukereien, und erst im dritten Akt taucht die Hexe persönlich auf. WAS soll Everding in seinem Film „zu Anfang noch nicht zeigen“?

Diesen Gedanken greift die vorliegende Fassung der vertrauten Geschichte auf, indem scheinbar eine vierte Wand errichtet wird und die Studioaufnahmen suggerieren, dass das Geschehen in der Fantasie der jungen Zuschauer stattfindet.

Nö, das tun sie nicht. Oder suggerieren die Aufnahmen auch, dass die Kinder sich einen Georg Solti als Dirigenten vorstellen?

Everding betont die für die Epoche der Romantik typische Verbindung von christlichem Glauben und Natur.

So kann man es auch nennen. Ich würde es eher als „Everding blendet ermüdend lange irgendwelche Landschaftsbilder ein, weil ihm nicht einfällt, wie man die Engelszene mehrere Minuten lang umsetzen kann“.

Everding und sein Team hatten damals noch keine computergestützte Bildbearbeitung zur Verfügung und waren für die Spezialeffekte, die das Märchen verlangt, auf konventionellere Techniken und sogar auf den diskreten Einsatz von Animation angewiesen.

What???
„die Spezialeffekte, die das Märchen verlangt“? Welche Effekte verlangt das Märchen denn? Ja, im zweiten Akt verlangt es Nebel, eventuell noch ein Irrlicht, das hier aber gar nicht vorkommt. Im dritten Akt soll der Ofen explodieren, was jedes Opernhaus ohne Probleme gut umsetzen kann.
Und „diskret“ ist der Einsatz von Animation hier sicher nicht. Und notwendig schon überhaupt nicht.

Hier wird so getan, als würden diese Everdingschen Ideen alle in der Oper vorkommen – und als ob „konventionellere“ Techniken etwas Schlechteres seien als computergestützte Bildbearbeitung. Zumindest ist das mein Eindruck.

Mein Fazit: ein mit massenweise schlechten und dümmlichen Ideen angereicherter Opernfilm, der das Werk nicht ernst nimmt.

In diesem Zusammenhang freue ich mich auf jeden Fall schon auf die Besprechung, wenn ich im Jahr 1988 angekommen bin. :D





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (17.04.2016, 23:36):
Hier sieht man zwei Bilder, die Sena Jurinac als Hexe zeigen, und einmal als jüngere, nur zum direkten Vergleich:

http://www.cs.princeton.edu/~san/jurinac7.jpg


http://images.e-media.de/flbilder/max07/auto07/auto48/07480658/m1346.jpg


http://tubestatic.orf.at/static/images/site/tube/20121146/h%C3%A3nsel-und-gretel-2.5104579.jpg





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (20.04.2016, 09:04):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51cR5yTqFuL.SL350.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/51M8TBDZYEL.SL350.jpg


Hänsel: Frederica von Stade
Gretel: Judith Blegen
Vater: Michael Devlin
Mutter: Jean Kraft
Knusperhexe: Rosalind Elias
Sandmännchen: Diane Kesling
Taumännchen: Betsy Norden

Chor der Metropolitan Opera
Orchester der Metropolitan Opera
Dirigent: Thomas Fulton



Nun kommen wir ins Jahr 1982, zu einem Mitschnitt einer HUG-Aufführung der Metropolitan Opera in New York, in englischer Sprache.
Leider hat sie aus meiner Sicht ziemliche Schwächen, es ist eine veramerikanisierte Version der Oper.
Aber auch hier der Reihe nach:

Thomas Fulton betritt das Dirigentenpult und die Ouvertüre beginnt. Die Kamera zeigt schöne Großaufnahmen der Musiker, doch nach kurzer Zeit werden ständig die gezeichneten Entwürfe der Kostüme und Kulissen gezeigt, das Ganze auch noch in typischer 80er Jahre Manier, mit von neonfarbenen Rahmen umgebenen Thumbnails. Gut, der Film stammt von 1982; wäre das eine aktuelle Aufführung hätte ich gesagt, dass solche Bilder in die Extras, aber nicht in die eigentliche Aufführung hineingeschnitten gehören.

Dann beginnt der erste Akt.

Das Bühnenbild ist auf jeden Fall gut gemeint, es ist in keinster Weise modern, es gibt eine kärgliche Holzhütte, Stroh, Holzstühle, sogar einen brennenden Steinofen. Aber die schönste Kulisse hat keine Wirkung, wenn der Rest nicht passt, und der passt meiner Meinung nach absolut nicht. Es fängt schon mit „Suse, liebe Suse“ an, in der Gretel – aus welchem Grund auch immer – eine echte Katze auf ihrem Arm trägt, um sie dann nach dem Lied in einer Hinterkammer loszuwerden.

Gretel wird von Judith Blegen gesungen, und für mich ist sie eine zweite Version der Rothenberger: das Gesicht stark geschminkt, mit rotem Lippenstift, passt es überhaupt nicht zur kaputten, geflickten Kleidung. Der Gesang ist – auch wenn man natürlich live eine andere Situation hat als im Studio und dementsprechend bewerten muss – für mich unschön. Mir kommt er sehr gepresst vor, ständiges Vibrato stört zusätzlich. Dazu immer wieder einmal kleine Unsauberheiten in der Intonation, was aber sicher zum Teil auch dem vielen Herumgerenne auf der Bühne geschuldet ist.

Frederica von Stade singt hier erneut den Hänsel, diesmal auf Englisch und live. Sie ist zum Glück nicht so geschminkt wie ihre Kollegin, doch kann sie ihre gute Leistung aus der 1978er Studio-Aufnahme nicht halten; weg ist die schöne Mittellage, weg ist die schöne Höhe, stattdessen sehr viele dieser „quakigen“ Töne, die auch oft out of tune klingen. Gut, auch das hat sicher damit zu tun, dass sie hier live für ein Opernhaus singt, und nicht in ein Mikrofon, aber dennoch.

Die Personenführung ist die ganze Oper hindurch für sämtliche Figuren ein Graus! Hänsel und Gretel müssen ständig infantil herumhopsen, laufen, sich fallen lassen, haben permanente Stimmungswechsel, usw. Wieder ein Regisseur, der meint, dass DAS kindlich sein soll.

Vater und Mutter sind etwas erträglicher, obwohl auch hier ständig Action auf der Bühne ist, und man immer von einer Seite zur anderen geht.
Während der Vorhang sich schließt und die Musik auf das Ende des 1. Aktes zusteuert, fängt das Publikum schon einmal lautstark zu applaudieren an – wen kümmert es schon, dass die im Graben Musik machen, ist eh nicht so wichtig. Das Publikum wird noch ein paar Mal negativ auffallen.

Das zweite Bild hat ein paar schön ausgeleuchtete hohe Bäume zu bieten, aber das war es leider auch schon. Von Anfang an ist der Hintergrund dunkel, und die Beleuchtung ändert sich auch nicht. Ab der Echoszene fallen dem Regisseur dann lauter tolle Sachen ein: die Echos kommen von irgendwelchen Statisten in Tier- und Troll-Kostümen, die in der Szene herumwuseln. Überflüssig, peinlich, dumm, sonst nichts.

Das Sandmännchen hat lange weiße Haare und einen weißen Bart, was bei dem Frauengesicht nicht wirklich gut aussieht.

Die Traumpantomime ist nun etwas Besonderes, zumindest theoretisch. Man hat hier tatsächlich lauter erwachsene Frauen als Engel verkleidet, die aus einem romantischen Gemälde stammen könnten. Es gibt keine Kindereien, und das Schlussbild, während der Vorhang sich schließt, sieht tatsächlich „malerisch“ aus, wie es in Humperdincks Partitur steht.

Aber leider ist auch hier die Optik alleine nicht alles. Die Engel schreiten und bewegen sich extrem theatralisch, dass es unfreiwillig komisch wirkt, ein unnötiger Effekt ist zudem, dass manche Engel in der Luft herumsausen.
Vor allem aber fällt auf, dass die ganze Szene überhaupt keinen Bezug zur Musik hat. Wo das Orchester Spannung aufbaut, sich beruhigt, wild tobt etc. sieht man auf der Bühne eine Pantomime, die quasi für sich alleine abläuft. Wenn man sich schon die Mühe macht, die Bühne und die Engel so auszustatten, sollte man doch auch der Dramatik der Musik folgen, denke ich.

Und auch hier klatscht das Publikum munter in die letzten Takte der Musik hinein, weil sich gerade der Vorhang schließt. Furchtbar, das.
Im dritten Akt gibt es erneut Applaus, weil das Hexenhaus im Hintergrund auftaucht. Hier ändert sich das Bühnenbild nun schlagartig; von der noch halbwegs „altmodischen“ Kulisse kommt nun ein Hexenhaus, das eher an Wizard of Oz erinnert, eine amerikanische Version.

Rosalind Elias spielt die Hexe, und die Maskenbildner haben ganze Arbeit geleistet: viele Falten, hässliche Zähne, hässliche Nase und eine grüne Zunge. Doch auch sie erinnert optisch eher an die Oz-Hexe, und die grüne Zunge, die demonstrativ öfter mal herausgestreckt wird, damit das Publikum es auch gut sieht, ist ein unnötiger Effekt, so wie auch die vielen Statisten in Kostümen, die hier herumstehen. Elias Hexe ist leider ebenfalls zu komisch angelegt, sie wuselt ständig herum, singt ins Publikum, schneidet Grimassen, etc. – auch hier wäre weniger mehr gewesen.

Beim „Hurr hopp hopp hopp“ reitet die Hexe durch die Luft, und hier hat man sich zumindest Mühe gegeben, denn man sieht aus der Entfernung nicht so deutlich, dass es Puppen sind, und es sind auch mehrere in unterschiedlichen Positionen, und sie fliegen auch halbwegs „natürlich“.
Dann landet die Hexe im Backofen (wieder Applaus vom Publikum, was sonst?), und die ganz offenbar politisch korrekt ausgesuchten Kuchenkinder (ebenfalls teilweise mit 80er Jahre Frisuren) erscheinen. Enttäuschend ist die Lebkuchenhexe – bei dieser verschwenderischen Ausstattung hätte ich mir mehr erwartet als nur eine dünne, ziemlich billig aussehende Papphexe..

Nein, ich finde diese Inszenierung trotz der an sich nicht so schlechten Bühnenbilder in Akt 1 und 2 schwer erträglich.

Fultons Dirigat ist routiniert, aber unspektakulär. Wirkliche Spannung kam für mich aber nie auf, dafür nimmt er auch viele Szenen zu schnell.

Problematisch ist aber auch die Tonqualität: da klingen die Geigen erst laut, dann plötzlich extrem leise (etwa im Hexenritt), und wenn gesungen wird, hört man die Musik überhaupt nur mehr leise. Massenweise Klangfarben aus dem Graben gehen verloren. Das Blech klingt besonders in den lauteren Szenen (Forteausbruch Traumpantomime z.B.) durchaus druckvoll und kräftig, aber besonders die Streicher und hier besonders die Violinen klingen recht dünn. Insgesamt absolut keine „Jahrhundertaufnahme“.



Ich besitze diese Aufführung lediglich auf DVD, die links oben abgebildet ist. Rechts daneben eine alte VHS.

Auf dem großen Flatscreen mit Blu-ray Player betrachtet offenbaren sich die Schwächen der DVD sowie der Bildqualität des Ausgangsmaterials noch stärker: Treppchenbildung an den Kanten sowie Kantenflimmern, leichte Nachzieheffekte die in dunklen Szenen auffallen, eine generelle Unschärfe auch in größeren Einstellungen.

Der Ton liegt in PCM Stereo sowie DTS 5.1 vor, wobei ich Stereo bevorzuge. Das NTSC Bild in 4:3 habe ich schon beschrieben, die DVD ist codefree.
Es gibt Untertitel auf Englisch und auf Deutsch.

Am Interessantesten für mich waren die Extras, bzw. das Extra, nämlich eine Fotogalerie „Hansel and Gretel at the Met“.
Gezeigt werden historische Fotos aus vergangenen Vorstellungen, von 1905 – 2001. SängerInnen von 1905, 1927, den 40er Jahren, den 60er Jahren etc. werden da gezeigt, darunter auch Teresa Stratas als Gretel, Karl Dönch als Hexe, Rosalind Elias als Hänsel, Jennifer Larmore als Hänsel sowie Catherine Malfitano als Gretel. Dazu gibt es jeweils kurze Texte, die erläutern, wann welche SängerInnen an der Met in welcher Sprache gesungen haben.

Sieht man sich diese alten Fotos an, so sieht man, dass das Argument, früher seien die Inszenierungen alle besser gewesen, falsch ist. Auch in den 20ern, den 30ern oder auch den 50ern hielt man sich nicht wirklich an die Regieanweisungen der Partitur, sondern hat sich alle möglichen Freiheiten genommen, verkitscht und verfremdet. Da stehen dann neben dem Lebkuchenhaus irgendwelche riesigen Zuckerstangen und ähnliches herum.

Mein Fazit: eine stark amerikanisierte Fassung in englischer Sprache, was einfach nicht zu dieser Oper passt. Die sängerischen Leistungen sind eher enttäuschend (Ausnahme vielleicht der Vater), musikalisch hört man nichts Neues. Wer von Stade als Hänsel hören will, sollte zur Aufnahme unter Pritchard greifen, wo sie besser singt.





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (22.04.2016, 07:55):
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Am 7.4.1991 lief auf RTL diese Verfilmung, entweder aus dem Jahr 1986, 1987 oder 1988, ganz genau konnte ich das nie eruieren. Mir wurde er damals aufgenommen, und die VHS ist heute total abgenudelt und hat ein miserables Bild.

Ich möchte für diesen Thread eine Ausnahme machen und einmal keine direkte Gesamtaufnahme besprechen, sondern eine Verfilmung der Oper, die hier besser passt als in einem eigenen Thread.
Ich sage bewusst „Verfilmung der Oper“ und nicht „des Märchens“, denn tatsächlich hält sich die Handlung des Films so ziemlich an die Handlung der Oper, und schon im Vorspann steht „Music based on the opera ´Hansel and Gretel´ by Engelbert Humperdinck“. Man hat hierfür ausschließlich Humperdincks Musik verwendet, wenn auch oft in umarrangierten Versionen, aber dazu später mehr.

In den 80er Jahren erschienen eine Reihe von Märchenfilmen, die „Cannon Movie Tales“, die ursprünglich für das Kino gedacht waren. Darin wirkten auch SchauspielerInnen wie Christopher Walken, Rebecca deMornay, Cloris Leachman, Isabella Rosselini u.a. mit.

Eine Inhaltsangabe zu schreiben würde sich bei jeder gewöhnlichen Verfilmung erübrigen, aber in diesem Fall werde ich es trotzdem tun, damit man sieht, was man aus welcher Version (Grimms Märchen und Oper) verwendet hat.

Handlung:

Hänsel und Gretel leben als arme Kinder zusammen mit Vater und Mutter. Der Vater ist Holzfäller. Bei einem Besuch im Dorf bekommt Gretel von einem schmierigen Bäcker, für den ihr Vater Holz liefert, ein Säckchen Brotkrumen, und beide lernen bei einer Kasperlvorstellung ein Tanzlied. Wieder zu Hause bekommt die Mutter von einem Nachbarn einen großen Topf voller Milch, und während die Kinder ihre Arbeiten verrichten, sucht die Mutter draußen nach Beeren. Leider vergisst Hänsel den Stall des Esels zu schließen, und so tanzen die Kinder herum, während der Esel den Milchkrug umstößt. Die zornige Mutter schickt die beiden in den Wald zum Beerensuchen.
Als der Vater nach Hause kommt und davon erfährt, ahnen beide, dass die Kinder in die verwunschenen nördlichen Wälder gegangen sind, um Beeren zu finden, und beide stürmen sie hinaus, um sie zu suchen.
Hänsel und Gretel sind tatsächlich, trotz der Warnungen des Vaters, in die nördlichen Wälder gegangen, haben jedoch vorsorglich die Brotkrumen liegen lassen. Die Vögel fressen diese jedoch, und als es dämmert, belebt sich der Wald unheimlich, überall rufen Stimmen nach ihnen. Am nächsten Morgen wachen sie auf und erzählen sich von Engeln, von denen sie geträumt haben … sie gehen weiter, und kommen an das Lebkuchenhaus. Bald erscheint die Hexe in Gestalt von „Großmutter Griselda“, die beide in ihr Haus lockt und ihnen ordentlich auftischt. In der Nacht jedoch wacht Gretel auf und schleicht durch das dunkle Haus, um festzustellen, dass Griselda eine böse Hexe ist. Hänsel wird daraufhin in einen Käfig gesperrt, Gretel muss hart arbeiten. Doch am Ende gelingt es den beiden, Griselda in den Ofen zu verfrachten. Das ganze Haus explodiert, aus dem Lebkuchenzaun brechen die vielen Kinder aus, vormalige Opfer der Hexe. Auf dem Heimweg treffen die beiden auf ihre Eltern, und nachdem der Zauberstab der Hexe massenweise Geld ausspuckt, geht man guter Dinge nach Hause.
_____


Hier kann man schon gut sehen, wie man beide Teile zusammengefügt hat. Der Vater ist hier Holzfäller, die Brotkrumen kommen ebenfalls vor, und auch der Schatz der Hexe, den es nur bei Grimms Märchen gibt, ist Teil der Geschichte. Auch lockt die Hexe die Kinder in ihr Haus, sie laufen nicht noch vor dem Haus vor ihr weg.

Zuallererst möchte ich sagen, dass dieser Film für mich die beste aller (bisher von mir gesehenen) Hänsel und Gretel-Verfilmungen ist, denn er nimmt das Märchen und in diesem Fall die Oper absolut ernst.
Das Leben der Familie, das hier geschildert wird, ist alles andere als lustig, sondern ziemlich trostlos. Viele kleine Szenen verdeutlichen das, etwa wenn sich der Vater ärgert, dass er seiner Tochter nicht einmal ein billiges Haarband kaufen kann, oder die Mutter in ihrem Zorn den Kindern sagt, dass sie beten sollen, dass sie am Morgen nicht mehr aufwachen müssen.

Das ist ziemlich hart für einen Märchenfilm, und das macht es auch verständlich, dass für die Kinder jeder kleine Spaß, wie etwa das Tanzduett, schon eine kurzweilige Abwechslung, eine kurze Flucht vor diesem Alltag ist.

Sobald die Kinder im Wald sind wird es noch heftiger. Die Stimmen und Geräusche der Dämonen und Geister, die die Kinder erschrecken, sind ziemlich gruselig, und besonders schaurig ist die Szene, als beide zusammengerückt in der Dunkelheit des Waldes sitzen und man plötzlich eine tiefe Stimme, die ganz in der Nähe ist, nach ihnen rufen hört.

Ein Unterschied zur Oper ist, dass man hier den Vater ab und zu kurz sieht, wie er im Wald nach den Kindern sucht, und dabei abwechselnd seine Kinder um Hilfe und dann die bösartigen Geisterstimmen diese Hilferufe nachmachen hört.

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Das Highlight des Films ist aber die Hexe, die übrigens erst nach über einer Dreiviertelstunde auftaucht. Hier haben wir es nicht mit einer lustigen Hexe zu tun, mit einer Slapstick-Hexe, oder einer alten Frau, die halt ein bisschen böse ist. Die Hexe von Cloris Leachman ist furchteinflößend und übel, und kennt keinen Spaß; als Hänsel sich an einer Stelle weigert, noch mehr zu essen, schleicht sie sich mit einem großen Messer zur schlafenden Gretel und droht damit, sie zu erstechen. „Ich werde sie mir kurzbraten, und sie hier vertilgen, hier direkt vor deinen Augen“. (Leachman werden sicher viele aus Filmen wie „Frankenstein Jr.“ kennen, wo sie die Frau Blücher gespielt hat).

Die DVD Vision schreibt etwa in 4/2006: „Spannende Realverfilmung des Grimm Märchens. Für empfindliche Gemüter eingeschränkt empfehlenswert“. Und das Lexikon des internationalen Films lobt Leachmans Darstellung: „Ergötzlich (wenngleich für kleinere Kinder recht schreckhaft): Cloris Leachman als böse Hexe.“

Man hat bei dieser Hexe zu keiner Zeit das Gefühl, dass sie eine alte, schrullige Frau ist, die man leicht austricksen kann. Wenn Gretel zu lange vor dem Haus Wasser holt, ruft die Hexe nach ihr, und als sie der schlafenden Hexe ihr Augenglas vorsichtig stehlen möchte, packt sie Gretel plötzlich am Arm und fragt, was sie da tut. (Netter kleiner Jumpscare für die Jüngeren).

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Und so wirkt es auch umso stärker, als die Hexe endlich tot ist und ihre Strafe bekommt, denn von dieser Hexe geht tatsächlich eine Bedrohung aus.

Aber die Hauptpersonen sind Hänsel und Gretel, und ich wünschte mir, dass sich Regisseure, die die Oper inszenieren, diesen Film ansehen würden, denn die beiden Kinder spielen die Titelrollen völlig natürlich, ohne pseudo-kindliches Herumgehüpfe und auf dem Boden herumkugeln, ohne Slapstick, ohne übertriebene Gesten etc.
Liebe Regisseure, liebe Sängerinnen: seht euch an, wie man diese Rollen darstellt!

Als Vater tritt hier David Warner auf, der einen guten Job macht, und auch die Mutter wird super dargestellt. Gestresst, verzweifelt, wütend, aber nicht bösartig. Wie in der Oper macht sie sich Sorgen, als sie die Kinder in Gefahr wähnt, und stürmt hinaus, um sie zu suchen.

Loben muss ich auch die gesamte Ausstattung des Films. Das Haus des Holzfällers sieht kärglich aus, und auch das Dorf schaut so herrlich „mittelalterlich“ aus. Altmodische Häuser, eine Bäckerei wie man sie sich um 1800 wohl vorstellt, verschiedene Kaufleute, usw.

Und natürlich das Hexenhaus, das direkt aus einer Ludwig Richter-Illustration stammen könnte! Griselda sieht vor ihrer Verwandlung ebenfalls sehr altmodisch aus, mit ihrer Schürze und ihrer Haube, und auch das Haus sieht innen sehr rustikal aus, so wie das Schlafzimmer, in dem sogar ein Gemälde von Frans Hals aus dem 17. Jahrhundert hängt. (Nebenbei, wenn man sich manche Stücke aus der Oper ohne Gesang anhört, eventuell sogar in einer für wenige Instrumente arrangierten Version, hört man etwa beim Tanzduett und bei „Suse, liebe Suse“, dass die Musik etwas „mittelalterliches“ hat, die Melodien, die Harmonik etc.)

Auch die Kostüme wirken allesamt realistisch und schön altmodisch, ohne dabei kitschig zu sein: einen Hänsel in Lederhosen und Hut mit Feder drin gibt es hier nicht, ebenso wenig wie in Tierkostümen steckende Darsteller, die man so oft in Märchenfilmen der 50er Jahre sieht.

Und natürlich die Musik! Die passt zu diesen Kulissen, zu den Wäldern, zu dem Knusperhaus, zu dem Dorf einfach am besten!

Ich habe ja eingangs erwähnt, dass die Musik großteils umarrangiert wurde, jedoch in den allermeisten Fällen nicht so dass es störend wäre. So hört man etwa, als man das altmodische Dorf sieht, „Suse, liebe Suse“, und es passt einfach so herrlich dazu. Besonders effektiv der Hexenritt, der die Szene begleitet, in der Hänsel und Gretel im dunkler werdenden Wald von den Geistern erschreckt werden.

Eine Aufwertung ist für mich auch, dass die Geschwister hier auch mehr füreinander da sind, es wird nicht so gestritten wie in der Oper, sondern zusammengehalten.

Gelungen finde ich den Anfang des Films, als der Vorspann losgeht; man sieht ein paar Scherenschnitte von Hänsel und Gretel im Wald und mit der Hexe, während zuerst „Brüderchen, komm tanz mit mir“ und dann „Ein Männlein steht im Walde“ angespielt wird. Für mich ist das ein schöner Kunstgriff, dass die Figuren in diesen Bildern, speziell die Hexe mit ihrem spitzen Hut, nicht so aussehen wie die im Film, und man trotzdem dadurch in diese Märchenstimmung gebracht wird.

http://b8.is.pp.ru/p/partituren/3/47941133gqt.jpg

Normalerweise bin ich immer für den Originalton in Filmen, in diesem Fall aber ausnahmsweise einmal nicht. Das liegt zum einen daran, dass das Märchen und die Oper auf Deutsch sind, und die deutsche Sprache für mich daher auch besser passt, zum anderen aber vor allem daran, dass die deutsche Synchronisation den Film nochmal ernster nimmt als die englischen Dialoge, besonders was den Tonfall betrifft. Im Original haben Hänsel und Gretel einen ziemlich starken britischen Akzent, nur die Hexe ist mit Cloris Leachman mit einer Amerikanerin besetzt.
Auch ist die Wortwahl in manchen Szenen auf Deutsch einfach „märchenhafter“ und „altertümlicher“.


Minuspunkte gibt es für zwei Dinge, die mich etwas stören. Zum einen ist es die Idee mit dem Esel, der die Milch umstößt. Wieso man da einen Esel in die Geschichte einfügen muss, statt dass man etwa Hänsel und Gretel den Krug aus Versehen umstoßen lässt, weiß ich nicht. Und ich mag die allerletzte Szene des Films nicht, wo die Eltern, Hänsel und Gretel sowie die befreiten Kinder alle aus dem Bild gehen, und man noch kurz den nun leeren Weg sieht … es ist wohl so ähnlich wie bei Ben Hur von 1959, wo die Kamera plötzlich von den Hauptfiguren weg geht. In der Oper ist das nicht so, da sind die Figuren alle auf der Bühne, während der Vorhang zugeht.

Das Lexikon des intern. Films hat ansonsten ein recht vernichtendes Urteil:

Aufwendige Verfilmung des bekannten Volksmärchens der Gebrüder Grimm, die sich auf Handlungselemente der gleichnamigen Märchenoper von Humperdinck bezieht. Zwar werden Grausamkeiten vermieden, und der Film bietet durchaus einige optische Höhepunkte, zugleich aber knüpft er allzu hausbacken an technisch und pädagogisch überholte Märchenfilm-Produktionen der 30er Jahre an.

Es ist schon lobenswert, dass das mit Humperdincks Oper erwähnt wird, aber eigentlich ist dieser Film eine Verfilmung der OPER, in die einige Elemente aus dem Grimmschen Märchenbuch eingebaut wurden.

Den Schluss verstehe ich aber nicht: technisch und pädagogisch überholt.
Technisch überholt ist m.E. unzutreffend. Es gibt hier keine Computereffekte, kein Effektgewitter, falls das gemeint ist. Das ist für mich aber kein Nachteil. Und pädagogisch?? Was soll das in diesem Zusammenhang bedeuten? Was hat sich der Autor dieser Zeilen erwartet?



Ich besitze den Film in zwei Versionen (mein abgenudelter VHS-Mitschnitt nicht mitgerechnet).

Zum einen auf VHS-Kaufkassette von 1990, die aber nicht empfehlenswert ist, denn leider wurde hier im Vorspann heftig geschnitten, warum auch immer, von der Bild- und Tonqualität eines so alten Bandes einmal abgesehen.
Und auf DVD, die aber eigentlich ebenfalls nicht empfehlenswert ist. Die Bildqualität ist zwar vergleichsweise gut, aber leider hat man die Helligkeit viel zu hoch geschraubt, so dass Nachtszenen zu hell sind. Außerdem ist das Bildformat ein Witz, denn man hat oben und unten diese 16:9 Balken, die aber keine Funktion haben – sie verdecken das Bild bloß und rauben ihm Informationen. Andererseits bietet die DVD den Film ungeschnitten, der Vorspann ist vollständig (und auf Englisch) enthalten, und auch das Lied des heimkehrenden Vaters, das für den deutschen Verleih auf VHS und in Fernsehausstrahlungen immer herausgeschnitten wird, ist nun mit dabei.

Ich würde mir daher nichts davon kaufen. Das eine ist geschnitten und hat ein schlechtes Bild, das andere ist ungeschnitten, und hat ein viel zu helles Bild, was auf Kosten der Stimmung und Atmosphäre geht. Selten spielt es ihn einmal im Pro7 Vormittagsprogramm (manchmal sogar komplett ohne Werbung, während RTL 1991 gleich 2 Werbungen drin hatte!), beim nächsten Mal werde ich darauf achten, ob der Vorspann ganz ist und die Helligkeit passt.

Mein Fazit: eine Verfilmung, die die Oper und das Grimmsche Original absolut ernst nimmt. Keine lustig-bunte Märchenwelt, und glaubhafte Darsteller. An den beiden Kindern und an dieser Hexe sollten sich Regisseure und Sängerinnen ein Beispiel nehmen. Cloris Leachmans Darstellung muss man gesehen haben!




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (05.05.2016, 19:15):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51rnSBeBzgL._SL350_.jpg http://b8.is.pp.ru/p/partituren/8/48135698iBM.jpg


Hänsel: Anne Sofie von Otter
Gretel: Barbara Bonney
Vater: Andreas Schmidt
Mutter: Hanna Schwarz
Knusperhexe: Marjana Lipovšek
Sandmännchen: Barbara Hendricks
Taumännchen: Eva Lind

Tölzer Knabenchor
Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Dirigent: Jeffrey Tate


Nun sind wir im Jahr 1989, seit der 1. Aufnahme dieses Threads sind über 70 Jahre vergangen. Nachdem ich mir diese Aufnahme für diese Besprechung ein paar Mal angehört habe, komme ich leider zu dem Schluss, dass die Erinnerung oft trügen kann. Man hat Einspielungen oder einzelne Stimmen in guter Erinnerung, und wenn man sie dann wieder hört, stellt man fest, dass es den eigenen Ansprüchen nicht mehr genügt.
Tontechnisch ist diese Aufnahmenatürlich noch einmal viel besser als die vorangegangenen, wobei es Einschränkungen gibt. Zum einen ist das der Hall, den ich zu stark finde, und auch lautere Stellen, in denen das ganze Orchester beteiligt ist: hier werden ganze Instrumentengruppen gerne verschluckt und nicht mehr deutlich herausgestellt. Aufgenommen wurde übrigens im Herkulessaal in München.
In leiseren Passagen, und/oder bei Stellen, an denen wenige Instrumente spielen, offenbart der Ton seine Stärken. So gibt es manche Stellen (etwa die Cello-Triole 21 Takte nach Buchstabe B in der Ouvertüre), wo man nicht nur die Töne des Instrumentes hört, sondern auch die Klangcharakteristik desselben. Das ist sehr blöd in Worte zu fassen … man hört hier quasi auch das Holz, den Resonanzkörper des Instruments, nicht nur die schwingende Saite, wenn man so will. Das ist etwas, was mir eigentlich generell in Klassikaufnahmen, speziell in älteren, fehlt.

Tates Dirigat ist leider nicht mein Fall. Insgesamt finde ich seine Interpretation zu weich, wenn es lauter wird, dann meist für kurze Akkorde, kurze Augenblicke, die schnell wieder gezügelt werden. Das zieht sich durch die ganze Aufnahme hindurch, und dadurch gewöhnt man sich schnell daran, es gibt keine wirkliche Abwechslung.
Die Ouvertüre klingt schön, aber da war keine Stelle dabei, die mich besonders gefesselt hätte. Die druckvolle Pauke beim lauten Forteausbruch kam hier einmal schön zur Geltung.

Der erste Akt geht los, und gleich in Takt 4-5 der Einleitung spielen die beiden Clarinetten ihr kurzes Motiv so schön wie ich es in noch keiner anderen Aufnahme gehört habe, sehr ausdrucksvoll betonen sie die Melancholie, die in dieser Melodie steckt.
Leider hört man von den gezupften Streichern gleich überhaupt nichts, die gehen in den langen Liegetönen der Hörner unter.

Und dann fängt Barbara Bonney als Gretel zu singen an … und das hier ist der Punkt, den ich eingangs angesprochen habe: ich hatte sie als Gretel viel besser in Erinnerung, was aber auch daran liegen könnte, dass sie vor 10 Jahren quasi meine allererste Gretel war, die ich in einer Aufnahme gehört habe. Mir gefällt ihre Susanna im „Figaro“ immer noch sehr, sehr gut, aber als Gretel höre ich nun doch einige „Schwächen“. Mich stört etwa die Aussprache. Sie singt die Wörter zwar sauber und ohne Schnitzer, aber man merkt, wie sie sich besonders bemüht, möglichst wortdeutlich zu klingen, was bei der Susanna nicht der Fall war – dort sang sie einfach so heraus, ohne jedes Wort überdeutlich auszusprechen.

Was mich auch stört ist das ständige leichte Vibrato in ihrer Stimme. Sie hat zwar eine helle Stimme, und eiert nicht so herum wie etwa die Rothenberger seinerzeit, aber dieses Vibrato ist ständig da, und wenn die Töne höher werden, forciert sie etwas, was ich unangenehm finde. Das wäre m.E. nicht nötig gewesen, weil sie ohne Vibrato, ohne forcieren wirklich herrlich klingen kann. Ich hätte mir gedacht, dass die Stelle „Ein Geheimnis“ von ihr klangschön und präzise interpretiert wird, aber leider nicht; die Notenwerte werden nicht genau eingehalten, ein Ton wird überhaupt weggelassen. Auch später im Tanzduett, wenn sie Hänsel „Komm“ zuruft, singt sie nicht den vorgeschriebenen Haltebogen, sondern unterbricht, holt Luft und setzt neu an, was den Fluss dieser Stelle auch etwas bremst. (Apropos Tanzduett: leider haben es die Tontechniker auch hier übertrieben und gemeint, man müsse die Stimmen mit dem Balanceregler von einer Seite zur anderen bewegen. Leider klingt das – vor allem ohne dass man es sieht oder Schritte dazu hört - unnatürlich und irritierend, und keineswegs so, als würden sich die Figuren im Raum bewegen.

Dieser Stereoeffekt funktioniert weder auf Kopfhörern noch auf Lautsprechern, weil man live eine Stimme immer auf beiden Ohren hört, auch wenn die Sängerin ganz links oder rechts steht, während bei solchen Effekten wie hier die Stimme nur aus einer Box ertönt).


Anne Sofie von Otter ist für mich wiederum eine absolute Fehlbesetzung. Stimmlich wie darstellerisch. Sie klingt wie die Fassbaender, einschließlich dieser grausigen, quakigen Töne in der Mittel- und der tieferen Lage, viel zu tief und zu dunkel. Besonders zu Beginn stört ihr dauerndes Schluchzen und Glucksen, was dann aber zum Glück aufhört. Das ist kein Hänsel, das ist übertrieben und unnötig.
Ich weiß nicht, wessen Idee es war, die Worte „klapp klapp klapp“ im Tanzduett synkopiert singen zu lassen, statt im vorgeschriebenen Rhythmus, aber es klingt ebenfalls unschön.

Die Stimmen mischen sich auch leider nicht wirklich in all den Duetten, die es in dieser Oper gibt. Bonney vermeidet es zwar, überlaut herum zu trällern, wie das manche Gretel-Sängerinnen gerne tun, dennoch ist der Unterschied zwischen ihrer Stimme und der von von Otter zu groß; dazu kommt, dass Hänsels Stimme in diesen Duetten leider oft untergeht, was, wie ich glaube, daran liegt, dass von Otter sie sehr leise singt. Ein schönes Beispiel ist die Silbe "vier" im Abendsegen (5 Takte nach RZ 92), wo Hänsel und Gretel d1-d2 singen, wobei man Hänsels tiefes d1 überhaupt nicht hört. Klingt nach wenig, macht aber sehr viel aus.
Wenn ich da wiederum an diese eine YouTube-Version denke, oder an die Duette Grümmer-Köth …


Die Mutter kommt nach Hause und plärrt stimmstark herum, dann kommt auch der Vater. (Hier möchte ich 5 Takte nach RZ 38 erwähnen, wo die Pauke sehr schön herauskommt und beiträgt, diesen Moment sehr wuchtig werden zu lassen. Die Stelle habe ich für mich neu entdeckt, werde sie in den anderen Aufnahmen auch mal anhören.)

Unschön ist dann die Panne bei RZ 44, als die Mutter sich versingt, und statt auf der 4 schon auf der 3 einsetzt. Hier wurde garantiert nachträglich geschnitten, denn von der musikalischen Begleitung der Klarinetten und Fagotte wurde ein Ton weggelassen.

Hier sieht man (in der Klavierauszugsfassung) wie die Stelle korrekt geht:

http://b8.is.pp.ru/p/partituren/0/48135700Yru.jpg

Und hier, wie es auf der Aufnahme klingt:

http://b8.is.pp.ru/p/partituren/2/48135702yDR.jpg

So etwas darf in einer kommerziellen Aufnahme nicht passieren.


Der Vater singt ganz ordentlich, was mir gefallen hat war die Stelle „Es reiten drauf … es reiten drauf die Hexen!“, wo er das erste „Es reiten drauf“ leise nimmt, um es beim zweiten Mal lauter und mit voller Stimme zu singen. Ein schöner Effekt.
Nach der Hexenballade gibt Tate leider viel zu viel Gas, und hetzt das Orchester bis zu den Schlusstakten des 1. Aktes. Die Flatterzunge der Trompeten hört man zwar schön deutlich, aber die schreienden Triller der Streicher und des Holzes kommen überhaupt nicht zur Geltung – diese ganzen 10 Takte nach RZ 60 habe ich schon mit viel mehr Sinn für Spannung, Dramatik und Grusel gehört.

Der Hexenritt war für mich enttäuschend. Gleich zu Beginn höre ich hier nichts von den gezupften Streichern, und auch die große Trommel kommt nicht mit der erwarteten wuchtigen Tiefe.
Von RZ 62-63 höre ich vom Blech überhaupt nur die 1. Posaune, der Rest ist irgendwie ein lärmender Mischmasch. Hier hat Solti die Nase vorn, der noch im lautesten Getöse für eine Balance zwischen den Instrumenten sorgt. Auch der Hexenritt hat nichts Groteskes oder Gruseliges, er kommt weich und zahm daher.
Das Bratschensolo in den letzten Takten des Hexenritts (2 Takte vor RZ 68 – 68) gefällt mir gar nicht. Man hört an einer Stelle deutlich das kurze Kratzen des Bogens an den Saiten, und auch die restlichen Töne kommen irgendwie unsicher und ungleichmäßig daher.

Die Waldszenen liegen Tate sicherlich mehr, hier geht es eher ruhiger zu. Zumindest hier hätte ich erwartet, dass die Echoszene auch stimmungsvoll umgesetzt wird, aber leider nicht. Die Echos (und der Kuckuck) sind zu laut und erzeugen praktisch keine räumliche Tiefe, Gretels Echos sind überhaupt gleichlaut. Kurz darauf, bei RZ 86, sollte die Bassclarinette piano spielen, ein Takt später zwei Fagotte im pianissimo (also leiser) einsetzen. Der Ton spricht aber nicht direkt an, und als er kommt, ist er eindeutig zu laut, was unschön klingt.

Dann kommt schon das Sandmännchen von Barbara Hendricks, mit teilweise eigenartiger Aussprache („in sanftööör Ruh“) und zu kräftiger Stimme.
In der Traumpantomime höre ich das einzige Mal, dass der Dirigent die Zügel locker lässt, und zwar ab Takt 5 nach RZ 103, wo ein großer dramatischer, lauter Ausbruch kommt, und der Pauker seine Triolen immer lauter ins Fell schmettert, dass der Ton am Ende eher ein hohes kurzes „Peng“ als ein wummerndes „Bummmm“ ist. (Ähnliches habe ich einmal bei einem Freischütz in der Volksoper erlebt, als ich in der Loge über den Pauken saß. Direkt nach der Generalpause in der Ouvertüre drosch der Pauker ebenfalls so fest auf das Fell, dass es dieses besagte hohe „Peng“ war). Diese lauten Töne klingen in der Aufnahme dann doch gemäßigt, hier kommt die Technik an ihre Grenzen.

Am Ende der Pantomime dann (9 Takte nach RZ 104) werden die Streicher in ihrer wiegenden Aufwärtsbewegung leider kurz zu schnell und offenbar vom Dirigenten rasch gezügelt.


Der dritte Akt beginnt wieder mit dem Taumännchen. Durchschnitt, zu laut, zu kräftig, zu viel Vibrato.

Die Hexe ist auch nichts für mich. Wieder höre ich hier dieses Verstellen der Stimme, dieses hin und her zwischen Brust- und Kopfstimme.
Auch hier sorgt Tate nicht wirklich dafür, die Hexe musikalisch gruselig in Szene zu setzen. Das Scheitekrachen klingt harmlos, „Hurr hopp hopp hopp“ zieht schnell und unspektakulär vorüber.

Nachdem die Hexe ihr Ende gefunden hat, explodiert der Ofen und bekommt von der Tontechnik eine ordentlich klingende Explosion spendiert, nicht dieses lächerliche Geklappere der Solti-Aufnahme. Alsdann befreit sich der Tölzer Knabenchor aus seinem Lebkuchengefängnis, doch leider fehlen die Mädchenstimmen. Ich kann diesen hohen Bubenstimmen, die Mädchenpartien übernehmen, nichts abgewinnen, andere mögen es vielleicht.




Ich habe diese Aufnahme nur in dieser CD-Box von 1990, es gibt sie aber auch in dieser MC-Box, ebenfalls von 1990, die ich nicht besitze.. Es handelt sich bei der CD um einen Pappschuber, in dem die Doppeldecker-Hülle für die CDs sowie ein dickes Booklet enthalten sind.
Das Booklet enthält das Libretto, sowie die übliche Synopsis und interessante Infos zur Entstehung und zum Komponisten.

Dabei geht es schon in der Einleitung um die vorliegende Aufnahme, woraus ich zitieren möchte:

Für die Schule der modernen Opernregisseure, die imstande zu sein scheinen, auch die harmloseste Opernhandlung zum Vorwand zu nehmen, um Konzentrationslager, Sturmtruppen und Kinderschänder auf die Bühne zu bringen, mag Hänsel und Gretel der geeignete Stoff sein. Es ist daher recht erstaunlich, dass eine Oper, die uns in der Tat – gehen wir zurück auf die wahren Intentionen der Gebrüder Grimm – mit sehr realen Schrecknissen konfrontiert, im allgemeinen als beliebte Familienunterhaltung und ideale Gelegenheit für einen Weihnachtsausflug angesehen wird, besonders in deutschen Familien. Selbst wenn die Geschichte ein glückliches Ende nimmt, so ist doch alles Vorangehende von Humperdinck auf äußerst geschickte Weise zu einem Test in Psychoterror gestaltet und darauf angelegt, selbst den abgebrühtesten Erwachsenen blass werden zu lassen.

Bis hierhin bin ich einverstanden und stimme auch zu.


Es ist eine Oper, die als echtes Musik-Drama zu gestalten ist. Es reicht nicht aus, sie nur mit schönen Stimmen zu besetzen, denn jede Rolle ist eine perfekt abgerundete Charakterstudie.

Hier bin ich schon etwas anderer Ansicht. „Charakterstudie“ finde ich schon zu hoch gegriffen. Ich finde es ja schon bedauerlich, dass man aus den liebevollen Titelfiguren des Originals zwei ziemlich egoistische Kinder gemacht hat. Eine Charakterstudie wäre für mich sicher eher, wären Hänsel und Gretel in der Oper wie Gleichen geblieben wie im Märchen.


Die Darsteller der beiden Kinder sollten die Falle falscher Kindlichkeit zu vermeiden suchen, in die Erwachsene oft geraten, wenn sie Kinder imitieren.

Das stimmt wiederum.


Trotz dieser kritischen Worte bleibt leider die übliche Lobhudelei über die eigene Besetzung nicht aus, wovon ich diesen Part hier nicht unkommentiert lassen kann:

Für die glanzvollen Nebenrollen des Sandmännchens und des Taumännchens schienen uns Barbara Hendricks und Eva Lind das „Ätherische“ zu haben, das für diese beiden Rollen erforderlich ist.

Der Konjunktiv passt hier sogar, denn „Ätherisch“ ist da nichts. Ich würde sagen, dass man die Besetzung nach ihrer Bekanntheit ausgesucht hat, um große Namen aufs Cover schreiben zu können.


Mein Fazit: eine Aufnahme, die man nicht wirklich haben muss. Bonney ist ok, der Vater ebenfalls, der Kinderchor ist nicht korrekt besetzt und das Dirigat zu eintönig.





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (25.04.2016, 18:51):
Ich möchte an dieser Stelle drei Bilder der samtgrünen Ausgabe der Suitner-Aufnahme nachreichen, die zeigen sollen, dass man sich mit der Gestaltung Mühe gegeben hat.

http://b8.is.pp.ru/p/partituren/3/47990933eDh.jpg

http://b8.is.pp.ru/p/partituren/9/47990979jve.jpg

http://b8.is.pp.ru/p/partituren/7/47990987LeU.jpg


Booklet mit Libretto, den Aufsätzen, Fotos von Humperdinck, etc., dazu schön bedruckte CDs.
Nur der Samtschuber ist ein ziemlicher Staubfänger, der gerne fusselt.





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (29.04.2016, 21:30):
Jürgen, du hast ja auch die Solti-Einspielung; was hältst du davon? Wie bewertest du sie?




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (29.04.2016, 21:51):
Vielleicht hast du Recht, aber ich finde auch nicht, dass er an diese Filme anknüpft.

Im Gegenteil, wenn man sich diese alten Märchenschinken ansieht, findet man meist stark verniedlichte Versionen der Originale, eben mit besagten Darstellern in Tierkostümen etc.

In den 50ern gab es z.B. einen Hänsel und Gretel-Film, wo die Hauptfiguren in den Wald gehen, um den Schat am Ende eines Regenbogens(!) zu finden, damit wieder Geld da ist.
Und die Hexe war nicht gruselig, sondern einfach nur eine ungefährliche ältere Frau.

Aber diese Filmversion hier ist völlig anders, sie ist düster, ernst, und die Hexe ist grausig.




LG,
Hosenrolle1
Rotkäppchen (05.11.2015, 22:17):
Original von Hosenrolle1
Noch ein kurzes Wort zur Besetzung als solche. Im Laufe der Zeit habe ich festgestellt, dass diese Einspielung quasi nur eine von mehreren ist, die diese Besetzung aufgenommen hat.
Etwa beim "Freischütz unter Carlos Kleiber" findet man ebenfalls Schreier, Adam, Springer, Schröter und Krahmer (ebenfalls Staatskapelle Dresden), oder beim "Fidelio", wiederum Schreier, Adam, wieder Staatskapelle Dresden. Vermutlich gibt es noch mehrere Aufnahmen mit dieser Besetzung.
Dadurch entsteht für mich subjektiv der Eindruck, als ob da eine "Gruppe" nur schnell mehrere Opern abhandelt, und gar nicht der Versuch unternommen wird, rollenadäquate SängerInnen zu finden.

Hallo Hosenrolle1, dazu vielleicht ein kurzer Kommentar, auch wenn es nicht direkt zu HuG gehört. Für mich ist dieses Phänomen ganz und gar nicht verwunderlich, handelt es sich doch um einige der – bzgl. Operngesang – Superstars der DDR (zumindest Adam und Schreier, bei den Damen weiß ich es nicht so genau), die auch außerhalb der "Mauer" einen gewissen Bekanntheitsgrad hatten. Letzteres gilt wohl auch für die Staatskapelle Dresden. Ich meine, heute ist es auch nicht viel anderes, die Stars der Branche machen halt viele Aufnahmen, weil sich genau diese gut verkaufen.
:hello Rk
Keith M. C. (16.04.2016, 09:22):
Lieber Hosenrolle1,

wie Du weißt, bin ich jetzt nicht gerade der große Verehrer von E. Humperdinck und insb. Hänsel und Gretel. Ich habe auch lediglich zwei Aufnahmen in den Regalen stehen: Karajan 1953, Eichhorn 1971, aber Deine Besprechungen sind ganz vorzüglich und animieren mich, die Oper doch ein wenig genauer zu beschauen und zu hören.

Bis dann.
Keith M. C. (16.04.2016, 13:19):
Lieber Hosenrolle1,

die Aufnahme unter Eichhorn kaufte ich zuerst und wenn ich mich richtig entsinne, lediglich zum Repertoire-Abgleich, sprich: als Hauptwerk E. Humperdincks. Anna Moffo als Hänsel: fehlbesetzt; schlimmes Wort, aber hier zutreffend und die pastorale Ansprache Dietrich Fischer-Dieskaus (Polemik: Dass der Professor-Vater mit seiner Familie darben muss…unverständlich) sind nicht meine Sache. Dagegen ist Christa Ludwig (Hexe) außerordentlich gut: eine verführerische Hexe und nicht einfach nur böse. ‚Da geht man gerne knuspern‘ und verfängt sich; gesanglich ist C. Ludwig sehr gut; sie ist der Höhepunkt der Aufnahme.

Die Karajan-Aufnahme war mit voller Absicht gekauft. Sie galt und gilt als sehr gut und dem kann ich mich nur anschließen. Das Orchester (Philharmonia Orchestra während der besten Jahre), die Interpretation und die Besetzung sind auf höchstem Niveau und ausgeglichen (dennoch möchte ich Grümmer, Schwarzkopf, Metternich herausheben). Eine sehr starke "Leistung" von H. v. Karajan.

Für Details müsste ich aber beide Aufnahmen wieder einmal intensiver hören.

Bis dann.

Nachtrag: 16.04.2016 Uhr 13:30:
Die Rollen ‚Hänsel‘ und ‚Gretel‘ sind nicht einfach zu besetzen:
Geschlecht; Kinder oder Erwachsene; reife bzw. technisch ausgereifte Stimmen, aber ohne (zu) viel Vibrato oder doch junge, kindliche, dennoch nicht gekünstelt naive – dafür linear geführte - Stimmen; die Stimmen von Hänsel und Gretel sollten wie in der Karajan-Aufnahme sehr miteinander harmonieren, trotzdem sollten die Rollen hörbar differenzierbar sein.

Dazu kommt selbstverständlich die adäquate Erscheinung der Rollen bei einer Aufführung (Erwachsene stellen Kinder dar).

Nicht einfach.
Hosenrolle1 (18.05.2016, 12:51):
Auch diesen Thread habe ich (dank wieder an Satie!) generalüberholt, da ich festgestellt habe, dass mehrere Bilder verschwunden waren, vermutlich weil die Seite, auf der sie gespeichert wurden, gelöscht wurde.

Mehrere Bilder habe ich neu aufgenommen, ich denke, sie sind nun ein bisschen besser gelungen.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (18.05.2016, 13:17):
https://i.ytimg.com/vi/xKXEVW4udvc/mqdefault.jpg

https://www.youtube.com/watch?v=xKXEVW4udvc


Hänsel: Annelott Damm
Gretel: Steffi Ullmann
Vater Peter: Ekkehard Wlaschiha
Mutter Gertrud: Ursula Brömme
Knusperhexe: Hans-Peter Schwarzbach
Sandmännchen: Anett Oschatz
Taumännchen: Venceslava Hruba-Freiberger

Gewandhauskinderchor
Gewandhausorchester
Dirigent: Horst Gurgel


Ich springe wieder zurück in die frühen 80er Jahre, ins Jahr 1981. Vor kurzem hat jemand einen kompletten Mitschnitt einer Fernsehausstrahlung auf YouTube gestellt, den ich noch nicht kannte. Die Bild- und Tonqualität ist zwar weit entfernt von HD, aber dennoch absolut in Ordnung.

Es handelt sich hier, laut Abspanntext, um eine Produktion des Opernhauses Leipzig, und wurde – so sieht es jedenfalls für mich aus – auch auf einer Opernbühne aufgenommen. Jedoch wurde die Audiospur schon vorher aufgenommen, die SängerInnen singen also Playback, und nicht live. Auch gibt es kein Publikum, es handelt sich also nicht um eine reguläre Aufführung, sondern um ein eigens für das Fernsehen abgedrehtes Special.
Es fängt leider schon nicht sehr gut an, denn die Ouvertüre wird nicht ganz ausgespielt, konkret nur bis Buchstabe D.

Dann geht es los: das Bühnenbild ist durchaus rustikal und naturalistisch, aber das alleine genügt nicht, wie man schnell feststellt.

http://b8.is.pp.ru/p/partituren/8/48334158WIl.jpg

Die Gretel von Steffi Ullmann ist stimmlich guter Durchschnitt, klingt recht hell, aber schon optisch finde ich sie unpassend – lang und dünn, und vom Gesicht her wenig mädchenhaft.

Der Hänsel von Annelott Damm sieht da schon etwas jünger aus, aber auch sie wirkt wenig jungenhaft – was auch für ihre viel zu tiefe, vibratoreiche Stimme gilt. Das Playback-Singen ist für die beiden, aber auch später für die Eltern sowie die Hexe, ein Problem, denn öfter einmal sieht man in unvorteilhaften Nahaufnahmen, dass die Lippenbewegungen überhaupt nicht zum Text passen.

Am Schlimmsten aber finde ich die Regie von Uwe Wand, der die Kinder permanent Richtung Publikum singen lässt (ich hasse das!!), und Ihnen gesagt hat, sie sollen ständig wild herumrennen und –fuchteln, immer springen und hüpfen, und sich möglichst kindisch verhalten. Absolut daneben, es wirkt aufgesetzt und unnatürlich.

Was also nützt einem eine halbwegs passende, schöne Kulisse, wenn die Personenführung dann so verhunzt wird? Wenn man von der Regie und dem ständigen Overacting von Hänsel und Gretel absieht, so fällt auch auf, dass die beiden Sängerinnen auch keine guten Darsteller sind. Man sehe sich nur an, wie der im Stall der Hexe eingesperrte Hänsel seiner Schwester warnend zuruft, sie solle aufpassen, was die Hexe macht und zum Schein alles tun, was diese möchte – Hänsel schaut hier fröhlich und unbekümmert und fast schon unbeteiligt drein. Von Angst keine Spur. Offenbar ein großer Spaß für die Sängerin, jetzt mal einen Jungen zu spielen, und – hihi, wie lustig – in einem Stall eingesperrt zu sein. So wirkt das auf mich.

Was dieser erste Akt dabei auch schon zeigt ist, dass man auch vor 35 Jahren lauter neue Ideen hatte. So bindet Hänsel etwa gleich zu Beginn keine Besen, sondern repariert ein Loch im Dach.

Die Darstellerin der Mutter hat ebenfalls Probleme mit dem lippensynchronen Singen, vor allem aber haut sie sowas von absichtlich den Milchtopf um …
Der Vater erinnert mich stimmlich ein bisschen an Hermann Prey, darstellerisch muss er ebenfalls herumkaspern, aber wenigstens klingt er einmal gut. Die Regie hat offenbar den Text nicht gelesen, denn als die Mutter singt „Den Besen, den lass nur an seiner Stell“ hat der Vater gar keinen Besen in der Hand!

Der Hexenritt wurde völlig gestrichen, und die Waldszenen sind von der Kulisse her schön, aber auch hier stört die Regie. Bei Gretels „Da kommen weisse Nebelfrauen“ wird von irgendwoher eine kleine Rauchwolke ausgestoßen – sehr lieblos gemacht. Als Hänsel „Wer da?“ ruft, ruft er (natürlich) wieder in Richtung Publikum, die Echos sind irgendwie viel zu leise, was aber auch an der Aufnahme liegen kann.

Das Sandmännchen ist gesanglich eine positive Überraschung, eine sehr junge, helle Stimme, vielleicht schon fast zu jung. Negativ fällt aber ein deutliches Lispeln auf. Auch hat man die hübsche Sängerin leider in ein Sandmännchen-Kostüm gesteckt, das sehr an das Sandmännchen aus dem Fernsehen erinnert, inkl. aufgeklebtem Bart. Meiner Meinung nach passt eine Frauenstimme und ein Bart nicht zusammen, ich hätte das Sandmännchen lieber als eher androgyne Figur gesehen.

Der Abendsegen gefällt mir überhaupt nicht, die Stimmen passen nicht zueinander, und da jeder (besonders der Hänsel) mit Vibrato singt, ist das eher ein Gewobbel.

Die Traumpantomime ist enttäuschend: statt der 14 Engel sieht man Hänsel und Gretel in Großaufnahme im viel zu hellen Licht schlafen, während gleichzeitig ihr Traum eingeblendet wird, in dem die Familie Weihnachten feiert.
Positiv ist dann aber das Taumännchen: statt einer trällernden, zu tiefen, zu damenhaften Stimme hört man hier eine frische, vibratoarme Interpretation, stimmlich sehr passend.

http://b8.is.pp.ru/p/partituren/9/48334159uon.jpg

Dann taucht auch schon das Lebkuchenhaus aus dem Boden auf (statt, wie vorgeschrieben, aus dem Hintergrund, indem der Nebelschleier zerreißt, und die Hexe von Hans-Peter Schwarzbach ist alles das, was ich so scheußlich finde: ständig herumlaufen, ständig hektisch agieren, ständig krampfhaft lustig sein wollen, und wieder dieses ständige ins Publikum singen! Gesanglich ist er einem Peter Schreier weit unterlegen, denn sein Vortrag ist sehr oberflächlich. Ein bisschen Schreien, ein bisschen Kreischen, ein bisschen sich mit der Stimme überschlagen.
Unerträglich, das.

Wenigstens beim „Hurr hopp hopp hopp“ hat sich die Regie weitgehend an die Partitur gehalten, und hier sieht man die wohl librettogetreueste Version dieser Nummer. Laut Regieanweisung soll es dunkel werden, Blitze und Donner durchzucken die Nacht, und die Hexe tanzt auf ihrem Besen herum.
Tatsächlich ist es hier dunkel, es blitzt und, wenn ich mich nicht irre, donnert es auch. Leider hat man zusätzlich noch eine Windmaschine, oder eine Audiospur mit pfeifendem Wind über die Musik gelegt, was aber zu viel des Guten ist. Unfreiwillig komisch ist auch, dass die Hexe einen übergroßen Schatten auf das Plakat im Hintergrund wirft, das eigentlich den verdunkelten Himmel darstellen sollte. Dieser Fehler scheint aber nicht zu stören, im Gegenteil: die Kamera zeigt diesen Schatten sogar noch extra deutlich, wohl um die Szene gruseliger zu gestalten.

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Trotz dieser kleinen Mängel: hier bekommt man eine Ahnung davon, wie wirkungsvoll dieses Musikstück mit der passenden Bühnenhandlung sein kann – ohne dass die Hexe in einen Staubsaugerschlauch hineinsingt.

Nach dem Tod der Hexe geht es weiter mit Kürzungen: direkt nach dem Knusperwalzer geht die Musik über in die Explosion des Ofens, das ganze instrumentale Zwischenspiel wurde gestrichen. Der Kinderchor singt ordentlich und deutlich, aber nicht weltbewegend schön, die Darstellung ist sehr hölzern und einstudiert.
Auch beim Chor hat man wieder tüchtig geschnitten, der ganze Teil mit „Die Engel haben´s im Traum gesagt“ fehlt.
Musikalisch gibt es nichts Nennenswertes zu berichten. Die Tonqualität ist nicht gut genug, um mehr darüber zu sagen, aber auch das was man hört ist nicht spektakulär. Manchmal ist mir das Dirigat von Horst Gurgel Manche Tempi sind mir eindeutig zu schnell.

Mein Fazit: aus „historischer“ Sicht (darf man das über 1981 schon schreiben?) sicher interessant, leidet diese Produktion unter einer fürchterlichen Personenführung und überdrehtem Schauspiel. Wirklich hörenswert ist für mich nur das Taumännchen, das im Grunde meiner Vorstellung dieser Rolle entspricht. „Hurr hopp hopp hopp“ lohnt ebenfalls einen Blick, um eine ungefähre Ahnung von dem zu bekommen, was Humperdinck notiert hat.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (05.06.2016, 16:21):
https://images-eu.ssl-images-amazon.com/images/I/61bUr0OW3KL._SS280.jpg

Erzähler: Herbert Hanko

Solisten der Augsburger Domsingknaben
Augsburger Ärzteorchester
Dirigent: Christian Echl


Eine "Kurz-Rezension" zwischendurch. Ich habe mir die o.g. CD gekauft, und wusste natürlich, dass es sich hier um eine Orchestersuite handelt - steht ja auch auf dem Cover.

Leider ist die CD aber ein Schmarrn, denn die Grundidee, HUG einmal mit einem kleinen Streichorchester und ein paar wenigen Holzbläsern, eventuell einem Horn dazu, aufzuführen, finde ich gar nicht schlecht.

Aber hier wurde eine riesige Chance vertan, denn anstatt dass man Profis rangelassen hätte, spielt eben ein Ärzteorchester, und das hört man leider auch.
Viele der Stücke erinnern an die Opernfantasien der Schellackzeit, es wurde für andere Instrumente umarrangiert, manchmal neue Nebenstimmen eingefügt, etc.
Das wäre für mich kein Problem aber ... ich werde einmal alle nennenswerten Nummern durchgehen und kommentieren:


Track 1: Vorspiel

Das Vorspiel dauert hier nur 3:23, und bereits in Takt 4, Zählzeit 4 hat man das Solo-Fagott nicht mit übernommen, die Streicher pausieren stattdessen einfach auf der 4, wodurch eine hässliche Lücke entsteht. Besonders wenn man das Stück gut kennt fällt das negativ auf.

Bereits hier zu Beginn fällt schon auf, wie steif und unbeholfen die Streicher klingen. Die Geigen singen nicht, jeglicher Ausdruck fehlt, es erinnert eher an ein etwas besseres Schülerkonzert.
Bei Buchstabe M, dem großen fortissimo-Ausbruch, werden die wichtigen Triller nicht gespielt, überhaupt fehlt die Mehrstimmigkeit, alles wird unisono gespielt.


Track 3: Suse, liebe Suse

Die Nummer wird total lieblos runtergeleiert, ohne jedes Vibrato, kein singender Ton. Das Motiv, das man das erste Mal in Takt 2 am Anfang des ersten Bildes hört, sollte eigentlich ausklingen, stattdessen wird es nur scharf angeschnitten. Statt

http://b8.is.pp.ru/p/partituren/5/48610225mey.jpg

wird es so gespielt:

http://b8.is.pp.ru/p/partituren/6/48610226TAR.jpg


Track 4: Erzähler

Achso, es gibt ja auch noch einen Erzähler, der übermotiviert zwischen den Musizierversuchen die Handlung wiedergibt, wobei das meist wenig mit dem zu tun hat, was in der Partitur steht.

So legt man etwa Gretel den Satz "Heute früh, als du noch geschnarcht hast, hat uns die Nachbarin Milch gebracht“ in den Mund.


Track 5: Brüderlein, komm tanz mit mir

Der auf der CD genannte Titel ist nicht korrekt, richtig müsste es "Brüderchen" heißen.

Auch hier wieder ein besonderes Ärgernis, was das Arrangement betrifft: bei RZ 14, Takt 4, müsste man eigentlich diesen Verbindungston auf der 2u. spielen, stattdessen spielt das Orchester wieder gar nichts.
Davon abgesehen fehlen die Vorschläge bei "tapp tapp tapp" und "klapp klapp klapp", wenn Hänsel an der Reihe ist.

Das einzig Positive, was ich dieser Nummer abgewinnen konnte, war, dass man hier durch die kleinere Besetzung noch deutlicher hört, dass die Musik eigentlich recht "mittelalterlich" klinge, altertümlich, nach Jahrmärkten oder so. Umso mehr hätte ich mir hier ein ordentliches Orchester gewünscht, das diesen Aspekt noch besser herausgehoben hätte!


Track 7: Ach, wir armen Leute

Auch hier fehlen wieder die Triller, die im Original vorhanden sind.


Track 8: Erzähler

Und wieder fröhlich vorgetragene Eigenkreationen irgendeines Autors:

So gibt es plötzlich folgenden Dialog der Eltern:

„Jetzt kann ich endlich ein tolles Abendessen kochen“ rief sie.
„Und Hänsel und Gretel werden wieder einmal so richtig satt“ meinte er.

Später wird die Bearbeitung schon sinnentstellend, denn die Mutter sagt: "Die Knusperhexe? O Gott, an die hab ich überhaupt nicht
gedacht!“.
Im Original weiß sie gar nichts von der Existenz der Hexe, der Vater klärt sie erst darüber auf.


Track 9: Eine Hex´, steinalt

Auch hier fehlen wichtige Nebenstimmen, wie das Horn ab Takt 7, RZ 56. Wäre einfach zu realisieren gewesen, denn das Horn spielt nur einen Ton, und bei der Aufnahme hört man auch ab und zu eines spielen. Wieso setzt man es also hier nicht ein?

Statt der gruseligen Tremoli der Streicher hört man auch nur langweilige Liegetöne der Holzbläser.


Track 10: Erzähler

Und erneut tobt sich der Autor aus. Wir erfahren:

„Der Wald war ihr Freund. Fast täglich spielten sie zwischen den hohen Tannen und Buchen (…) sie wussten wo die Rehe ästen und die Füchse hausten, und sie kannten den Baum, in dem das Kreuzchen tagsüber schlief“.

Ob Bob Ross da mitgeschrieben hat?


Track 11: Ein Männlein steht im Walde

Hier hören wir eine lieblose und unangenehm tönende Blockflöten-Version, gespielt wie von Schülern.


Track 13: Der kleine Sandmann/Abendsegen

In dieser Nummer gibt es einen weiteren Beweis dafür, dass der Arrangeur sich nicht wirklich mit der Partitur beschäftigt hat. Beim Lied des Sandmännchens spielen die Holzbläser im original eine Sechzehntel-Triole, die nahtlos in die Flageoletts der Streicher übergehen, während das Sandmännchen den Sand streut.

Hier allerdings fehlt die Triole komplett, und wir hören nur einsam und ohne jeden Bezug gespielte Flageoletts. Bravo!

Beim Abendsegen, den ich gerne instrumental gehört hätte, musste man natürlich zwei Domsingknaben singen lassen. Fürchterliche Aussprache, ein Junge als Gretel. Mehr muss ich nicht sagen.


Track 15: O herrlich Schlößchen

Und wieder fehlen die Triller ...


Track 16: Erzähler

In diesem Track tobt sich der Erzähler fast 5 Minuten lang aus. Äußerst nervig seine klischeehaften Versuche, eine alte Hexe zu spielen, aber auch die Textänderungen sind unglaublich:


„Hokus pokus Katzenkuss, jetzt trifft dich der Hexenschuss“

WTF?

„Die Hexe humpelte zu Hänsel, setzte die Spitze des Zauberstabes an seinen Bauch und schubste ihn rückwärts in einen kleinen Stall“

„also riss die Hexe einen Zweig von einem Holunderbusch ab, fuchtelte damit vor Gretel herum“

„die Hexe befahl ihr Holz zu holen und auf die Glut im Backofen zu werfen“

Die Hexe schickt sie in das Haus, um den Tisch zu decken, und sonst GAR NICHTS.


Track 17: Hexenritt

Hier kommt nun NICHT, wie erwartet, "Hurr hopp hopp hopp", sondern das Vorspiel zum zweiten Bild, das gerade mal 2 Minuten dauert, und in dem die Flöten die vorgeschriebenen Triller spielen, die Streicher jedoch natürlich nicht.


Track 19: Knusperwalzer

Dieses Stück wundert mich allerdings, denn 22 Takte nach RZ 191 wird im Original ganz kurz eine Clarinette gespielt, die hier für das Arrangement auch übernommen wurde (wenngleich sie von den Streichern gespielt wird, obwohl eh eine Clarinette zur Verfügung stand; verstehe das wer will). Wieso ist es dann so schwer, ein paar lächerliche Vorhaltnoten einzubauen, wo sie hingehören?


Track 20: Erzähler

Dieser Track ist eigentlich die größte Frechheit, denn der letzte Satz lautet:

"In einer lustigen Prozession zogen sie hinaus aus dem Wald, und daheim feierten sie drei Tage lang ein großes Hänsel und Gretel-Hexenknusperknäuschen Lebkuchen Kinderfest!"


Track 21: Finale

Und wieder sind die Holzbläser die Einzigen, die Triller spielen.



Hier hat man eine große Chance vertan. Statt eine quasi kammermusikalische und ordentlich arrangierte Version der Oper mit Profimusikern zu spielen, und den Erzähler nur die notwendigsten Dinge sagen zu lassen, hört man ein schlechtes Arrangement mit Laienmusikern, unterbrochen von sinnentstellenden Texten, die mit dem Original nichts mehr zu tun haben.
5 Minuten lang Gequassel, dafür nur 2 Minuten Hexenritt? Nein, danke.

Bevor das Argument "Es ist ja für Kinder gedacht" kommt: ich denke, auch dann kann die Musik ordentlich eingespielt sein, in einer musikalisch-ansprechenden Interpretation.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (15.06.2016, 14:16):
https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/615rpoo4F6L._SL350_BO1,204,203,200_.jpg

Und wieder ist die Chronologie futsch! :D

Als Sammler aller möglichen Versionen und Aufnahmen bin ich auf dieses Kinderbuch gestoßen, das eine beiliegende CD hat.
Die Grundidee des Buches finde ich gar nicht so schlecht: es werden verschiedene Teile der Oper illustriert und beschrieben, dazu gibt es eine CD, auf der man die Stücke nachhören kann. Bei der Beschreibung steht auch immer, welche Tracknummer dazu gehört.

Aber leider hat man auch hier wieder viel Potential verschenkt. Ich werde zuerst das Buch besprechen.

Schon auf dem Cover steht "Kinderoper", und das lässt Böses erahnen. Im Einleitungstext wird „kindgerecht“ die Entstehungsgeschichte kurz zusammengefasst, da finde ich auch keine Fehler.

Doch beim ersten Track geht es los, als die Ouvertüre beschrieben wird. „Darin klingt schon alles an, was uns erwartet: Der große, dunkle Wald; die ärmliche Hütte am Rande (..)“ usw. ist noch ok, aber dann heißt es: „Unheimliche Paukenschläge. Fernes Hexenlachen: „Hi, hi, hi, hi, hi …!“

Und das ist schon mal falsch. Keine Ahnung wo die unheimlichen Paukenschläge sein sollen, darüber kann man noch streiten, aber das „Hi, hi, hi“ Motiv mit seinen kurzen Vorschlägen taucht in der Ouvertüre überhaupt nicht auf, das kommt erst in der Hexenballade zum ersten Mal vor.

Die Illustrationen wären an sich ok, es sind, so denke ich, Aquarelle, und auch nicht übertrieben modern. Alles sieht doch halbwegs rustikal aus.

Leider aber hat man aber die Szenerie viel zu hell gestaltet, die Gesichter, speziell die der Titelfiguren, sehen unschön aus (im Sinne von unschön gezeichnet), und ständig sieht man irgendwelche Tiere. In der Hütte des Besenbinders findet man etwa eine Katze, einen Hund und einen Vogel in einem Vogelkäfig!

Aber auch textlich hat man sich sehr viele Freiheiten genommen und meist irgendeinen Unsinn zusammengereimt, wie schon in der vorher besprochenen CD in der Rezension darüber.

Ein Beispiel: „Bis in den Wald hinein hörte man Hänsel und Gretel singen. Die Vögel hörten es. Die Rehe und die Hasen“.

Als die Mutter die Kinder wegschickt, heißt es, dass sie auf den Vater wartet, und „Noch während sie überlegte, hörte sie draußen Gesang“.
Falsch: sie schläft ein und hört draußen gar nichts.

Oder: „Aufgeregt riss er ein Kopftuch aus der lade, zog es sich über und begann der Mutter das alte Lied von der Knusperhexe vorzusingen“.

Weiter: „Doch während die Kinder noch suchten, hatte die Hexe Hänsel und Gretel schon längst bemerkt“. Das ist ganz offenbar eine Anspielung auf das Originalmärchen der Gebrüder Grimm, wo die Hexe den beiden tatsächlich im Wald auflauert. In der Oper ist das aber nicht der Fall – aber dennoch: auf der nächsten Seite sieht man Hänsel und Gretel im Wald, und die Hexe sitzt über beiden hockend auf einem Ast!

Und dann wird es absurd, denn als die Kinder sich verlaufen, wird folgendes gesagt:
„Ja, sag ich doch!“, rief Hänsel trotzig. Fast gleichzeitig geschah etwas Schauriges: „Frag mich doch!“, rief eine hohle Stimme. Hänsel zuckte zusammen. Trotzdem nahm er all seinen Mut zusammen und schrie: „Wer da?“. „Er da!“ schrie es zurück.“
Was soll das??

Zuerst dieser Unsinn mit „Frag mich doch“, und dann „schreien“ die Echos? Die schreien nicht, sondern werden bis ins vierfache pianissimo leiser, was man auch auf der CD hört!

Die Engel werden allesamt als nackte raffaeleske Figuren gezeigt, die in der Gegend herumfliegen. Keine Treppe.

Am nächsten Morgen „merkten sie nicht, dass Ameisen auf ihnen krabbelten“. Aha.

Als die Hexe auftritt, wird ihr folgender Text in den Mund gelegt: „Was, mein Bengelchen, du kennst mich nicht? Und auch nicht du, mein Engelchen? Ich bin Rosina Leckermaul, wohlbekannt und niemals faul!“.
Laut dem Buch sind die Geschwister mehrere Tage bei der Hexe, was weder der Oper noch der Grimm-Version entspricht.

Und am Ende heißt es noch: „Und dann feierten alle zusammen ein großes Knusperfest, von dem man noch in hundert Jahren erzählen wird …“. Dass die tote Hexe als Lebkuchen aus dem Ofen gezogen wird findet keine Erwähnung, aber Hauptsache sie feiern ein Knusperfest.

Insgesamt also ein enttäuschendes, die Geschichte und die Oper verfälschendes Buch: die Landschaften sind noch recht schön gezeichnet, die Figuren und das Knusperhaus nicht mehr, und der Text ist ein schlechter Witz.

Nun aber zur CD: man hat sich hier für die 1953er Karajan – Version entschieden. Obwohl sie künstlerisch toll ist, hätte ich für Kinder dennoch eine modernere Version genommen, in der man von der Musik auch etwas mehr hört, aber ich nehme an, dass diese Version vielleicht billiger war als andere, oder man hierfür die Rechte bekam.

Jedoch, für die CD hat man NICHT die gut restaurierte EMI-Version genommen, sondern, wie auch am Endes des Buches im Impressum steht, die NAXOS-Version, und die ist ja klanglich eher mies. Die Stimmen klingen zu laut und unnatürlich, ein bisschen blechern, bearbeitet.
Positiv muss ich aber anmerken, dass Stücke wie die Ouvertüre oder der Hexenritt in voller Länge präsentiert werden, wo andere Kinderversionen diese Stücke entweder auslassen oder nur kurz anspielen.
Die CD selbst steckt am Ende des Buches in einer Plastikhülle, man muss die Scheibe recht umständlich mit spitzen Fingern herausfischen, damit man nicht auf die bespielte Fläche greift.


Achso, auf der Rückseite des Buches steht ja auch noch was …. „Als die Kinder eines Tages aus Versehen den wertvollen Milchtopf zu Boden werfen“ – nö, das tun sie nicht.
„Die beiden sind ahnungslos – sie wissen nicht, dass sie schon erwartet werden …“ – nö, werden sie nicht.

Fazit: :ignore


P.S.: ich habe mir ein paar der Rezensionen auf Amazon durchgelesen, und mich amüsiert: die meisten regen sich auf, dass die CD nicht "kindgerecht" sei, weil man da "nur" Musik drauf hört und keinen Erzähler. Ein Kunde meinte sogar, es käme wegen dem fehlenden Erzähler kein "Opernfeeling" auf ...
Ein anderer schreibt allen Ernstes: "Der Gesang ist glaub` ich auf Englisch. Warum? Wie kommt man denn auf so eine Idee zu einem deutschen Buch für Kinder eine englische CD beizulegen?"
Und ein anderer mag den "altmodischen Tonfall" von Karajan nicht.

Am liebsten sind mir ja die Eltern, die ihre Kinder an die Oper "heranführen" möchten, selbst aber genau null Ahnung davon haben ...





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (18.07.2016, 17:54):
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Hänsel: Suzanne Johnston
Gretel: Christine Douglas
Vater: Malcolm Donnely
Mutter: Elizabeth Campbell
Hexe: Margaret Haggart
Sandmännchen: Gail Robertson
Taumännchen: Kathryn McCusker

Dirigent: Johannes Fritzch (oder Fritzsch?)


Wir sind nun in den 90er Jahren, in diesem Fall 1992, in dem es gleich zwei Aufnahmen gab. Eine Live-Aufnahme aus dem Opernhaus in Sydney, sowie die unter Colin Davis. Um die Live-Aufnahme wird es hier gehen.

Ich besitze sie einmal in der oben gezeigten CD-Version von „Opera d´oro“ (erschienen 1999), sowie in einem privaten Fernsehmitschnitt, jedoch gibt es sie auch auf DVD (erschienen 2001), momentan aber nur in den Staaten und nicht bei uns.

Vorneweg: die Tontechnik ist, wenn man bedenkt dass es sich um eine Aufnahme von 1992 handelt, absolut unterirdisch. Sie klingt so, als ob jemand auf dem schlechtesten und am weitesten entfernten Sitzplatz im Opernhaus einen Kassettenrecorder mitlaufen hat lassen – stark verrauscht, hallig, und eben weit entfernt.

Es ist mir sowieso ein Rätsel, wieso man Live-Mitschnitte auf Video auch auf CD herausbringt, denn selbst wenn die Inszenierung mir nicht gefällt, so kann ich das Getrampel und andere Bühnengeräusche zumindest zuordnen.
Diese Tonqualität macht es mir auch relativ schwer, das Dirigat halbwegs gut zu beurteilen.

Insgesamt finde ich es wenig beeindruckend, zwar gibt es keine extremen Tempi, die besonders störend wirken, aber es plätschert die meiste Zeit vor sich hin. Dass es live auch anders geht hat z.B. Christian Thielemann vor wenigen Monaten bewiesen.

Störend finde ich z.B. schon in der Ouvertüre, dass 11 Takte vor Schluss die gespielten Akkorde nicht leise beginnen und immer lauter werden, sondern schon unverhältnismäßig laut anfangen, ohne Crescendo. Diese Stelle klingt so, wie Humperdinck sie notiert, schon sehr eindrucksvoll, als ob sich eine Tür öffnet. (Diesen Vergleich bringe ich öfter einmal, denn er beschreibt m.E. sehr gut den Eindruck, den diese Stelle auf mich macht).


Zu den Sängerinnen muss ich leider sagen, dass mir da keine einzige auch nur annähernd gefallen hat. Die Gretel klingt zu alt und hat ein unangenehmes Vibrato, der Hänsel ist für mich zu tief timbriert und hat ebenfalls ein Vibrato, das besonders bei den forcierten höheren Tönen unangenehm wird. Stimmen, die mich nach kurzer Zeit nerven und ermüden.Das gleiche gilt für die Mutter, das Sandmännchen und das Taumännchen sowie die Hexe.

Musikalisch gibt es vereinzelt Stellen, die mir gefallen haben, jedoch sind es meist keine ganzen Passagen, sondern, sondern tatsächlich nur Kleinigkeiten. So etwa 1 Takt vor RZ. 4, die kurze Einleitung der Streicher vor Gretels „Wenn die Not aufs höchste steigt“. Oft wird diese Stelle relativ schnell genommen, hier aber erklingen die Streicher sehr ausdrucksvoll und präsent.

Dass in englischer Sprache gesungen wird habe ich schon eingangs erwähnt, die Übersetzung ist leider an manchen Stellen gar nicht gelungen, besonders dann, wenn sie nicht mehr zur Musik passt. Ein schönes Beispiel ist die Stelle 2 Takte nach RZ. 38, wenn der Vater singt „sofern er kommandieren tut“, während die Trompete quasi marschartike, militärisch klingende Vorschläge spielt. In der engl. Übersetzung geht diese Anspielung verloren, da hier nicht vom kommandieren die Rede ist.

Auch die Übersetzung ab RZ. 53 ist sinnentstellend, denn im Original singt der Vater „Ei juckt dich das Fell?“, holt einen Besen von der Wand, worauf die Mutter sagt „Den Besen, den lass nur an seiner Stell!“. Hier heißt es aber „The Ilsenstein! You must be insane!“, und die Mutter meint „It´s time now for them to be home again”.

Dafür knallt die Pauke mit ihrem Hexenmotiv auch wenigstens ordentlich bei dieser Stelle, wohingegen manche Interpretationen sehr verhalten gespielt werden.

Und auch das Zusammenspiel von Fagotten und Kontrabässen 2 Takte nach RZ. 55 klingt hier schön gruselig, sehr knorrig, wenn auch die Viertel auf der 1 des nächsten Taktes für meinen Geschmack zu kurz ausgehalten wird.
http://b8.icdn.ru/p/partituren/0/49201150DOF.jpg

(Bitte hierzu unbedingt meinen Beitrag beachten!)

Beim nun folgenden Hexenritt gefällt mir nur die jeweils leicht tenuto genommenen Viertelnoten auf der 1 und der 3 (RZ. 61, Takt 11), der Rest ist unspektakulär. Keine Dramatik, keine Spannung.
Auch die Waldszenen lassen jede Atmosphäre vermissen, doch klingen die Echos wiederum gut, und sind tatsächlich sehr leise. Hier weiß ich nicht, ob das an der Tontechnik liegt. Ärgerlich sind hier wieder der zu laute Kuckuck, und Gretel, die ihr „Ist jemand da?“ zu lange singt, wodurch die kleine Pause zwischen ihr und dem Echo wegfällt.
Die Traumpantomime ist ein einziger Klangbrei, den man nicht beurteilen kann.

Der 3. Akt gefällt mir musikalisch schon ein wenig besser. Bedauerlich finde ich zwar, dass es vor RZ. 136 keine (eigentlich vorgeschriebene) kurze Pause gibt, dafür lässt der Dirigent hier öfter mal die Zügel locker; als etwa die Hexe bei RZ. 165 die Backofentüre öffnet, finde ich die sich immer wilder und lauter aufschwingenden Streicher sehr eindrucksvoll.

Auch bei „Hurr hopp hopp hopp“ wird es noch einmal richtig laut, wenn auch der englische Text wieder völlig unsinnig ist.

Als die Hexe in den Ofen fliegt, lässt sie einen schönen Schrei los, und zwar keinen hohen, kein Gekreische, sondern einen schaurigen tiefen, fast schon ein Krächzen.

Den Kinderchor kann ich leider ebenfalls nicht beurteilen, denn ich höre ihn nicht. Bei seinem Auftritt hört man nur das Orchester, und auch später wird es nicht viel besser. Tut mir leid.

Zur Inszenierung werde ich nichts sagen, denn ich möchte Humperdincks „Hänsel und Gretel“ besprechen.

Die CD Ausgabe ist leider minderwertig. Obwohl mir die Hülle nie(!) heruntergeflogen ist, obwohl keine Teile abgebrochen sind und auch nie etwas verbogen wurde, lässt sie sich nicht schließen, und die Halterungen des Deckels halten gar nichts. Noch schlimmer: die beiden CDs stecken auf einer schwarzen Plastik-Halterung, wie man es gewohnt ist, allerdings ist diese Halterung völlig lose und fällt heraus, wenn man nicht aufpasst.

Das Booklet enthält einen Hinweis darauf, dass der Schlagersänger Engelbert Humperdinck nicht wirklich so heißt, dazu eine Synopsis und eine Tracklist. Das war´s.
Zur Schreibweise des Dirigenten: auf der Rückseite der Hülle steht "Fritzch", laut Wikipedia heißt er aber "Fritzsch". Ob das ein Druckfehler ist oder aber die englische Version des Namens weiß ich nicht.

Man erwirbt hier also eine tontechnisch miserable Live-Aufnahme voller Geräusche und Getrampel, mit einem durchschnittlichen Dirigat, schlecht besetzten Sängern sowie einer minderwertigen CD Hülle mit einem „Booklet“, in dem nichts steht. Wenn einem diese Einspielung – warum auch immer – wichtig sein sollte, dann würde ich empfehlen, sich zumindest die DVD zu importieren, oder zu warten, bis sie vielleicht einmal bei uns erscheint. Die DVD gibt es seit 2001, bis jetzt kam bei uns noch nichts heraus.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (23.07.2016, 14:41):
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Hänsel: Ann Murray
Gretel: Edita Gruberova
Vater: Franz Grundheber
Mutter: Gwyneth Jones
Hexe: Christa Ludwig
Sandmännchen: Barbara Bonney
Taumännchen: Christiane Oelze

Kinderchor der Staatsoper Dresden
Staatskapelle Dresden
Dirigent: Colin Davis

Ebenfalls im Jahr 1992 wurde diese Version unter Colin Davis in der Lukaskirche (so wie die Aufnahme unter Suitner 1969) aufgenommen.
Tontechnisch ist es von den bisher besprochenen für mich die beste Studioaufnahme. Die lauten Stellen klingen wirklich laut ohne zu verzerren, Oboen klingen schön und nicht trötig, Clarinetten haben einen warmen, holzigen Klang, die Fagotte tönen knorrig, und auch das Blech wird klar herausgestellt.

Nun nützt die beste Tontechnik nichts, wenn die Interpretation und/oder die Sänger nicht gut sind, doch ich bin größtenteils zufrieden mit dem Dirigat. Die nächste Aufnahme von 1994 wird da wesentlich schlechter abschneiden.

CD 1 beginnt, wenig überraschend, mit der Ouvertüre, und schon die Stelle, in der sich die tiefen Clarinetten mit dem Streicher-, Hörner- und Fagottklang mischen (8 Takte nach C) zeigt nicht nur, wie gut die Aufnahme klingt, sondern auch, welch schöne Klangfarben die Partitur bietet, und wieviel davon durch alte Aufnahmetechniken verloren geht. Solche Stellen gibt es viele, deswegen werde ich im weiteren Verlauf der Rezension nur auf einige wenige eingehen.

(Nebenbei, ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, dass das Cello in Takt 11-12 nach C um 3 Viertelnoten zu lange spielt, statt auf der ersten Viertel aufzuhören.)

Was mir weniger gefällt sind die letzten 7 Takte der Ouvertüre, die für meinen Geschmack zu „gerade“, zu starr gespielt werden; das habe ich schon gefühlvoller gehört.


Dann beginnt der erste Akt, und nun wird auch gesungen. Hier fällt leider auf, dass die Stimmen alle etwas zu viel Hall aufweisen.

Edita Gruberova singt hier erneut die Gretel, und nach wie vor kann ich keinen Gefallen daran finden. Man merkt an ihrer Aussprache, dass ihre Muttersprache nicht Deutsch ist, und obwohl sie an manchen Stellen schöne piano-Höhen hat und auch nicht zu vibratolastig singt, ist sie für mich keine Gretel.
Ann Murray singt den Hänsel, und auch hier frage ich mich, ob man bei der Auswahl der Sänger eher auf den großen Namen für´s Cover geachtet hat. Murray kann zwar wesentlich besser Deutsch als etwa Anna Moffo oder Jennifer Larmore, grobe Schnitzer gibt es da keine, aber auch hier merkt man oft an der Aussprache, dass sie keine Deutsche ist. Dazu kommt ihr irgendwie zu kultiviert wirkender Vortrag (als würde sie ein Oratorium singen), der alles andere als knabenhaft ist. Dieser Hänsel ist nicht burschikos, kein Lausbub oder etwas Ähnliches. Ihre Stimme weist ein größeres Vibrato auf, und bei höheren Tönen forciert sie gerne, was für meine Ohren ziemlich unangenehm ist, besonders bei dem Hall.

An eine Köth oder eine Grümmer (oder meinen Referenzhänsel) reichen beide nicht heran.

Nachdem Gretel Hänsel von einem Geheimnis erzählt hat, spielen die beiden Hörner (6 Takte nach RZ. 8) in den ersten drei Noten zwar kein wirklich weiches Legato, auf der vierten Note jedoch wird der Ton mit einem so herrlichen Vibrato versetzt, wie ich es in noch keiner anderen Aufnahme gehört habe. Das klingt so „ländlich“, schwelgerisch, und kündigt etwas Herrliches an, das sich dann als ein Topf Milch und die Aussicht auf Reisbrei entpuppt. Allein diese Stelle sollte man unbedingt einmal gehört haben! Wäre das Legato davor auch noch weicher, wäre diese Stelle einfach perfekt.

Auch die Stelle in den folgenden beiden Takten, wo Hänsel „Ein Geheimnis“ singt, klingen sehr schön; Murray singt hier sehr leise, und übertönt die Klangfarben der zusammenspielenden Violinen und Flöten, die das o.g. Hornmotiv wiederholen, nicht.

Dann kommt bald Gwyneth Jones, die viel kreischt, in der Mittellage aber irgendwie leicht brüchig klingt.

Der Vater von Franz Grundheber gefällt mir besser, kein besoffener Prolet, aber auch nicht zu kultiviert. Bei seinem Auftrittslied singt er die alternative zweite Strophe („Ach, wir sind ja gern zufrieden“).

Ein bisschen schade ist die Trompete 1 Takt nach RZ. 55, die ihr Hexenmotiv deutlich unsauber intoniert.

An dieser Stelle möchte ich auf diesen Beitrag (s. hier) verweisen. Ich glaube nämlich, dass hier nach der Eulenburg-Partitur gespielt wird. Die im verlinkten Beitrag erwähnte Stelle klingt hier nicht nach Fagott und Kontrabass, sondern so, als würde das Fagott mit dem Horn zusammenspielen, wie man es auch bei Eulenburg findet. Auch später in der Hexenballade taucht das Horn auf, das bei Eulenburg vorkommt (s. hier).

Gruselig, wie das Solo-Horn bei „Um Mitternacht, wenn niemand wacht“ hereinkommt.
Die letzten Takte des 1. Aktes nimmt Davis leider viel zu schnell, doch die Musik ist an sich schon dramatisch genug, die muss man nun wirklich nicht auch noch runterhetzen.

Der Hexenritt beginnt schon sehr wuchtig, die Hörner gleich zu Beginn (ab Takt 2, RZ. 61) schmettern bedrohlich, und auch das 4. Horn hört man hier in der Tiefe knurren.

Und dann kommt wieder eine dieser Stellen, die ich besonders schön finde: zuerst wird das Hexenmotiv von den Clarinetten gespielt, dann gesellen sich die Violinen dazu, und nicht nur die dadurch entstehenden Klangfarben, sondern auch die unheimlichen Halbtontriller sind sehr deutlich hörbar. Oft hört man nur die Clarinetten, oder nur die Violinen, aber hier nicht.

Und gleich danach, wenn die Oboen und die Hörner übernehmen (Takt 11)!
Nicht nur, dass auch diese Stelle eindrucksvoll interpretiert wird, bietet diese Aufnahme endlich die Klangqualität, die so wichtig ist; die Oboen klingen nicht trötig, die Hörner nicht zu laut oder zu leise.

Etwas später, 8 Takte nach RZ. 63, spielt das Horn die Triole leider nicht sauber, das wäre aber wichtig, weil das Motiv von anderen Instrumenten ebenfalls gespielt wird.
Was mir auch gefallen hat waren die letzten Noten des Hexenritts, die Solo-Bratsche, die wirklich äußerst leise spielt.

9 Takte nach RZ 70 singt die Gruberova die kleine Koloratur, die Triole auf dem Wort „Blumen“, nicht korrekt.

Was mir selten, aber doch negativ auffällt ist, dass manche Übergänge der Holzbläser oft ein bisschen ruppig sind. Ein Beispiel: RZ. 72. Die Flöte spielt hier einen Triller, der (s. Legatobogen!) fließend in den nächsten Takt übergehen sollte; in diesem nächsten Takt sollten auch die anderen Bläser weich hereinkommen, jedoch setzen sie recht ruppig ein, nicht fließend, sondern mit einer minimalen Pause dazwischen, fast so, als hätte man zwei Takes etwas unsauber zusammengeschnitten.

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Eine Enttäuschung ist für mich auch Davis´ Umgang mit Humperdincks Dynamikvorschriften, und generell mit atmosphärischen Stellen.

Ein sehr gutes Beispiel ist RZ. 76, Takt 5: Hänsel singt „Horch, wie es rauscht in den Bäumen“, worauf zwei instrumentale Takte folgen, die speziell in den Blechbläsern, pianissimo beginnen, im ersten Takt lauter werden bis zum piano, um im zweiten Takt zum pianissimo zurück zu diminuieren.

Davis fängt hier aber viel zu laut an, spielt auch kein Crescendo, und das unheimliche leise instrumentale Rauschen des Waldes, das Schaurige geht mir völlig ab, und auch das Violinen-Solo im Anschluss wird recht lieblos heruntergespielt. Am Ende des Hexenritts war die Bratsche so leise, wieso konnte man das nicht auch hier umsetzen? Die Aufnahmequalität hätte das ohne Probleme und Verluste erlaubt.

Und auch bei RZ. 78, wo alle Instrumente piano und pianissimo spielen sollten, geht es viel zu laut zu. Hat die Tontechnik hier den Pegel so hochgeschraubt, oder wieso fehlen hier diese leisen Töne? Man hört zwar die Klangfarben der am Steg tremolierenden Streicher schön heraus, aber sie sind viel zu laut.

Positiv wieder bei RZ. 88, wenn Gretel singt „Da kommen weisse Nebelfrauen“, denn hier hört man die Altoboe wie auf keiner anderen Aufnahme unheimlich klagen.

Das Sandmännchen von Barbara Bonney (die Gretel der 1989er Aufnahme) ist ok, vibratoarm, aber vielleicht doch zu damenhaft.
Der Abendsegen ist eigenartig: Gruberova hält sich hier zwar schon sehr zurück, aber Murray singt so extrem leise, dass man teilweise die Tonhöhe gar nicht mehr definieren kann. Eine unschöne Interpretation.
In der darauf folgenden Traumpantomime lässt Davis bei RZ. 101 die Blechakkorde feierlich-getragen erschallen, hetzt dann aber unverständlicherweise die 16tel Läufe der Streicher herunter, ohne jeden Ausdruck, und auch hier sind die letzten Takte (wie auch die die Ouvertüre) irgendwie zu gefühllos gespielt, ohne jeden Bezug zu den Takten davor. Gerade wurde es immer langsamer, und plötzlich geht es schnell zu Ende.

Nun beginnt der dritte Akt mit dem Lied des Taumännchens, das Davis sehr langsam nimmt. Ein ebenfalls zu damenhaft klingendes Taumännchen weckt Hänsel und Gretel, die alsbald auf die Hexe von Christa Ludwig stoßen.

Ich weiß leider die Quelle nicht mehr (ich glaube, es war ein Interview?), aber Ludwig selbst meinte später, dass es ein Fehler war, die Hexe in dieser Aufnahme zu singen. Sie war zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits 64 Jahre alt. Nun mag ich schon ihre frühere Interpretation von 1971 schon überhaupt nicht, ich könnte von mir also nicht behaupten, dass diese Interpretation hier leider nicht mehr so gut ist. Ludwig klingt überraschenderweise gar nicht SO viel anders als damals, die Stimme ist nur ein bisschen „dicker“, die hohen Töne und manch andere Passagen klingen schon angestrengt, es fehlt das Tempo der früheren Aufnahme. Aber immer noch ist es viel Gekreische, und meistens wird auch wortundeutlich gesungen. Für mich nach wie vor keine Hexe.

Bei „Hokus pokus“ mischen die Tontechniker plötzlich sehr viel Hall in die Stimme, um ihn dann plötzlich wieder abzudrehen. Keine Ahnung, was das sollte.

Dass die Gruberova keine Gretel ist beweist sie spätestens an den Stellen, wo sie sich fürchten soll. Bestes Beispiel ist ihr Satz „Hu, wie mir vor der Hexe graut!“, den sie so übertrieben und schlecht darbietet, als würde sie die Gretel schlecht parodieren.

Kurz bevor sie in den Backofen gestoßen wird, redet die Hexe noch irgendetwas vor sich her … „diese Gretel ist ja so dumm, alles muss man selbst machen“, oder so ähnlich. Unnötig.

Es folgt ein richtig lauter Knusperwalzer, der am Anfang – für mich ebenfalls unverständlich – immer wieder in seinem Fluss ausgebremst wird, aber als das letzte „Juchei!“ gesungen ist, gibt das Orchester Vollgas und schmettert ordentlich drauf los.
Der Kinderchor ist auch in Ordnung, persönlich hätte ich ihn mir ein wenig lauter gewünscht.

Ganz am Ende, auf dem Wort „reicht“, als das Orchester noch einmal in den letzten Takten das Abendsegen-Motiv spielt, hört man auch die wuchtige große Trommel mit viel Schalldruck. Nicht schlecht!

Insgesamt ist das Dirigat für mich ok, aber mich stört, dass Davis nicht wirklich auf die schaurigen Stellen achtet, leise Stellen zu laut nimmt, und auch die wilden Passagen (etwa im Hexenritt) irgendwie noch zu kontrolliert klingen.

Die Sänger wurden garantiert nur nach ihrem Namen gecastet. Ich frage mich, wieso trauen sich die Plattenlabels nicht, jüngere, vielleicht unbekanntere, aber geeignetere Sängerinnen zu nehmen? Hat man hier Angst, dass die Verkaufszahlen dann nicht stimmen? Falls ja, dann zählt hier nur der Kommerz, und nicht die Absicht, schöne Kunst zu machen.

_____

Ich besitze die Aufnahme in zwei verschiedenen Versionen. Einmal in der regulären Erstausgabe im Schuber mit Booklet, sowie in einer Sonderausgabe mit Puzzle, noch in Originalverpackung.

Das Booklet bietet das Libretto und mehrere Übersetzungen, eine Synopsis sowie einen Aufsatz über das Werk, dazu ein Bild von Humperdinck und mehrere Bilder der SängerInnen.

In der Synopsis finden sich leider ein paar eher kleinere, aber dennoch vermeidbare inhaltliche Fehler.

So heißt es etwa: „Als das Körbchen gefüllt ist, macht sich Hänsel übermütig über die Beeren her und ißt sie zum Entsetzen seiner Schwester alle auf.“
Das stimmt so nicht, denn Gretel isst ebenfalls von den Beeren, wenn Hänsel auch am Ende den Korb an den Mund setzt und den Rest verspeist.

Auch heißt es: „Gretel, die sich die magische Formel gemerkt hat, öffnet durch das Zauberwort das Ställchen und löst den Bruder aus seinem Bann“.
Sie löst den Bruder aus seinem Bann, öffnet aber nicht den Stall, und schon gar nicht öffnet das Zauberwort, oder besser, der Zauberspruch den Stall.

Und: Mit einem lauten Knall explodiert der Ofen, und im selben Augenblick verwandeln sich die Lebkuchen in Kinder. Durch die Berührung von Hänsel und Gretel werden sie aus ihrer Erstarrung befreit“. Die Lebkuchen verwandeln sich nicht in Kinder, vielmehr bricht die Lebkuchenhülle von den Kindern herunter, und sie werden erst durch den Zauberspruch von Hänsel wieder aus ihrer Erstarrung befreit, nicht durch die Berührung. Witzigerweise steht das sogar in den im Libretto abgedruckten Regieanweisungen.

Eine Frechheit hingegen manche Aussagen in dem Aufsatz, etwa: (Hervorhebungen von mir)

"Das Datum der Uraufführung, die am 23. Dezember 1893 stattfand, hat dem Werk als Weihnachtsmärchen seinen Stempel aufgedrückt, denn noch heute wird Hänsel und Gretel selbst an großen Bühnen in der Vorweihnachtszeit gespielt, meist jedoch in antiquierten szenischen Aufführungen.“

Gleichzeitig aber scheint Bruno Bettelheim für die Autorin Julia Liebscher nicht unwichtig zu sein:

„Dennoch hat der Komponist bis zuletzt bedauert, daß beliebte Motive wie das Ausstreuen der Kieselsteine und die Heimkehr der Kinder mit Unterstützung des rettenden Schwans nicht erhalten geblieben sind. Das für den vor allem durch sein Buch Kinder brauchen Märchen bekannt gewordenen Tiefen- und Kinderpsychologen Bruno Bettelheim zentrale Motiv der Rückkehr der Kinder, die nun, nachdem sie das Wasser überquert haben, an Erfahrung reicher und für das Leben reifer geworden sind, ging somit endgültig verloren, wie überhaupt der Bereich des Unbewußten, Symbolischen in der Oper zugunsten szenisch effektvoller Wirkungen und plakativer Darstellungsweisen weitgehend zurückgedrängt wurde.“

Was soll das? Ich möchte über die Entstehungsgeschichte des Werkes etwas lesen, und kein mehr oder weniger unterschwelliges Plädoyer für moderne Inszenierungen.

„Der Regisseur Arno Wüstenhöfer hat in Anlehung an Bruno Bettelheims Deutung der beiden Frauengestalten als guter und böser Elternteil eine Doppelbesetzung von Hexe und Mutter (…) vorgenommen“.

Ja toll, und? Was hat das mit dieser Aufnahme zu tun?

„Die immer wieder versuchte Besetzung der Hexe als Spieltenor wurde vom Komponisten strikt abgelehnt“.

Dafür wird leider keine Quelle genannt (obwohl sie mich sehr interessiert hätte), aber Hauptsache ist, dass wir wissen, was irgendein Regisseur für Bettelheimsche Deutungen umgesetzt hat!

Auch für das Bedauern Humperdincks über die fehlenden Kieselsteine wird keine Quelle genannt, jedoch weiß ich ein Buch, in dem ein Brief oder ein Tagebucheintrag oder etwas ähnliches zitiert wird, in dem er sagt, dass der Morgengesang der Gretel irgendwie unnötig ist, und er das Kieselstein-Streuen gerne drin gehabt hätte. Ich werde mir das Buch besorgen und dann im anderen HUG-Thread mehr dazu berichten.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (05.08.2016, 21:24):
https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51eH8EbW7oL._SL350_.jpg

Hänsel: Jennifer Larmore
Gretel: Ruth Ziesak
Vater: Bernd Weikl
Mutter: Hildegard Behrens
Hexe: Hanna Schwarz
Sandmännchen: Rosemary Joshua
Taumännchen: Christine Schäfer

Tölzer Knabenchor
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Dirigent: Donald Runnicles


Das Dirigat ist nicht mein Geschmack, es wirkt mir insgesamt zu steif. Die Sänger sind auch nicht so mein Fall.

Am Ende gibt es als Bonustrack erstmals den "Dessauer Schluss", ein alternatives Ende, das Humperdinck eigens für eine Inszenierung von Cosima Wagner schrieb.





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (14.08.2016, 00:03):
https://images-eu.ssl-images-amazon.com/images/I/61Oy35LYmfL._SS500_SL350.jpg

Hänsel: Tina Hörhold
Gretel: Almut Wilker
Vater: Joakim Klüft
Mutter: Esther Lee
Hexe: Johanna Rutishauser
Sandmännchen: Martina Ramin
Taumännchen: Birgit Nath

Fuldaer Mädchenkantorei und Domsingknaben
Masurische Philharmonie
Dirigent: Paul Kantschneider


Die Tonqualität ist für das Alter der Aufnahme ein schlechter Witz. Der Hänsel ist stimmlich nicht so schlecht, klingt aber sehr gelangweilt.

Mieses Dirigat.

Booklet enthält Libretto, zwei Figurinen von 1900 sowie Künstlerportraits und einen Aufsatz über die Entstehung der Oper.





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (21.08.2016, 14:49):
https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51UIAxqUMnL._SL350_.jpg

Hänsel: Liliana Nikiteanu
Gretel: Malin Hartelius
Vater: Alfred Muff
Mutter: Gabriele Lechner
Hexe: Volker Vogel
Sandmännchen: Martina Jankova
Taumännchen: Milena Jotowa

Kinderchor des Opernhauses Zürich
Orchester des Opernhauses Zürich
Dirigent: Franz Welser-Möst

Gesang durchschnittlich, Hänsel hat sprachliche Probleme, Alfred Muff besonders mies.

Dirigat enttäuschend. Inszenierung fürchterlich.

Booklet enthält werbelastige Beschreibung der Inszenierung.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (22.08.2016, 23:05):
https://images-eu.ssl-images-amazon.com/images/I/61mL%2Bn5AtZL._SL350.jpg

Hänsel: Suzanne Mentzer
Gretel: Heidi Grant
Vater: Robert Orth
Mutter: Janice Taylor
Hexe: Judith Forst
Sandmännchen: Anna Christy
Taumännchen: Anna Christy

Milwaukee Children´s Choir
The Milwaukee Symphony Orchestra
Dirigent: Andreas Delfs

Ein scheußlicher Hänsel, enttäuschende Tontechnik und alles auf Englisch.

Booklet bietet Libretto und Inhaltsangabe.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (25.08.2016, 16:35):
https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51nbib-KNWL.jpg

Hänsel: Antigone Papoulkas
Gretel: Anna Gabler
Vater: Hans-Joachim Ketelsen
Hexe: Iris Vermillion
Sandmännchen: Lydia Teuscher
Taumännchen: Lydia Teuscher

Frauen- und Kinderchor der Staatsoper Dresden
Sächsische Staatskapelle Dresden
Dirigent: Michael Hofstetter


Übler Etikettenschwindel: Inszenierung ein Schmarrn, Musik gekürzt, Text teilweise geändert.

Ketelsen als Vater singt gut.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (29.08.2016, 20:29):
https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51thqBQg%2B0L._SY445_.jpg

Hänsel: Jennifer Holloway
Gretel: Adriana Kucerová
Vater: Klaus Kuttler
Mutter: Irmgard Vilsmaier
Hexe: Wolfgang Ablinger-Sperrhacke
Sanmann: Amy Freston
Taumännchen: Malin Christensson

London Philharmonic Orchestra
Dirigent: Kazushi Ono


Wieder Etikettenschwindel. Inszenierung Mist, Musik ist ok, Gesang leider nicht.

Werbelastiges Booklet, 5.0 DTS Sound ein Witz.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (24.09.2016, 22:21):
Original von Hosenrolle1
http://b8.icdn.ru/p/partituren/3/49260523dls.jpg

Zu dieser Rezension meinte ich ja schon, dass mir Ann Murray als Hänsel unpassend vorkommt.

Gerade habe ich gesehen, dass sie nur zwei Jahre später in Harnoncourts Figaro-Einspielung die Marcellina sang! Also hört man hier einen Hänsel, der zwei Jahre später für eine eine ältere Frau besetzt wurde. Das zeigt mir umso mehr, dass die Stimme nicht passt für diese Rolle.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (26.09.2016, 11:37):
https://media3.jpc.de/image/w600/front/0/5099920630898.jpg

Hänsel: Alice Coote
Gretel: Christine Schäfer
Vater: Alan Held
Mutter: Rosalind Plowright
Hexe: Philip Langridge
Sandmännchen: Sasha Cooke
Taumännchen: Lisette Oropesa

Metropolitan Opera Orchestra
Dirigent: Vladimir Jurowski

Etikettenschwindel. Inszenierung Mist, Gesang enttäuschend, engl. Übersetzung miserabel.

Startet man die Aufführung, wird man erst mal ein Kapitel lang von Renée Fleming vollgequatscht. Nein Danke.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (27.09.2016, 09:25):
Ergänzung zu meiner Besprechung: auch diese Aufführung wurde gekürzt, wieder fehlen mehrere Takte Musik gegen Ende!

Bravo Metropolitan Oper. Hauptsache der ganze Mist wurde in High Definition gefilmt, und Renée Fleming quatscht uns am Anfang und vor Beginn des 3. Aktes voll, aber dass die Musik korrekt wiedergegeben wird, darauf schaut man schon nicht mehr.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (28.09.2016, 09:24):
https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51Yqw1BryIL._SY445_.jpg

Hänsel: Susanne Kreusch
Gretel: Bernarda Bobro
Vater: Klaus Kuttler
Mutter: Romelia Lichtenstein
Hexe: Irmgard Vilsmaier
Sandmännchen: Aleksandra Zamojska
Taumännchen: Aleksandra Zamojska

Kinderchor der Musikhauptschule Blindenmarkt
Cappella Istropolitana
Dirigent: Martin Haselböck

Erneut Etikettenschwindel.

Die Menüführung ist unterirdisch, wenn man mit den Pfeiltasten von einem Punkt zum nächsten geht, reagiert die DVD nur mit starker Verzögerung.

Ton liegt nur in 2.0 Stereo vor. Kein Wendecover. Lästige, nicht überspringbare Infotafeln von der FSK nach dem Einlegen der Disc. Musik wenigstens nicht gekürzt. Traurig, dass man so etwas überhaupt erwähnen muss.

Das Booklet enthält einen lesenswerten Aufsatz zur Entstehung, Künstlerportraits sowie ein Portrait des Orchesters. Wieso in der Burgarena Reinsberg ein Orchester aus Bratislava sitzt verstehe ich nicht, aber lobenswert ist, dass die Mitglieder des Orchesters alle namentlich erwähnt werden, während es in anderen Veröffentlichungen nur eine anonyme Masse ist.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (13.10.2016, 16:44):
https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/412k5UvPuML.jpg

Hänsel: Jennifer Larmore
Gretel: Rebecca Evans
Vater: Robert Hayward
Mutter: Rosalind Plowright
Hexe: Jane Henschel
Sandmännchen: Sarah Tynan
Taumännchen: Diana Montague

New London Children´s Choir
Philharmonia Orchestra
Dirigent: Sir Charles Mackerras

Das Cover sieht aus wie zu Halloween und transportiert nichts von der deutschen spätromantischen Märchenstimmung.

Gesungen wird auf englisch in einer fürchterlichen Übersetzung, die Sänger sind ausnahmslos alle fehlbesetzt und schlecht (nur der Chor am Ende ist ok), das Dirigat von Mackerras stinklangweilig, die Tontechnik für eine Aufnahme von 2006 extrem hallig und verwaschen.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (13.10.2016, 18:47):
https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/71m27w%2BEopL._SL350_.jpg https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/71t%2BsQEUzqL._SL350_.jpg

Hänsel: Sabine Noack
Gretel: Cornelia Marschall
Vater: Ludmil Kuntschew
Mutter: Alexandra Petersamer
Hexe: Ludmil Kuntschew
Sandmännchen: Viktorija Kaminskaite
Taumännchen: Viktorija Kaminskaite

Kinderchor des Anhaltischen Theaters Dessau
Anhaltische Philharmonie Dessau
Dirigent: Markus L. Frank

Die Inszenierung ist noch nicht mal Etikettenschwindel, sondern gräulicher Schund in Reinform.

Die Sänger fehlbesetzt, der Vater, der auch die Hexe singt(!) kann kein Deutsch, das Dirigat die durchschnittliche Opernhaus-Kost. Das Publikum macht einen Lärm und klatscht und ruft mitten in die Vorstellung hinein. Wieso man so einen Dreck ernsthaft auf DVD und Blu-ray veröffentlichen muss, andere, bessere Produktionen aber nie diese Chance haben, bleibt mir ein Rätsel.



Damit endet meine Reihe an Aufnahmen auch schon wieder. Ich bin doch überrascht über die rege Teilnahme an diesem Thread :down
War auf jeden Fall einmal interessant, die Aufnahmen Stück für Stück durchzugehen!




LG,
Hosenrolle1
Cetay (inaktiv) (13.10.2016, 18:59):
Original von Hosenrolle1
Damit endet meine Reihe an Aufnahmen auch schon wieder. Ich bin doch überrascht über die rege Teilnahme an diesem Thread :down


:D Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass da ein gewisser unterschwelliger Hauch von Ironie (oder Sarkasmus oder gar Zynismus) mitschwingt.
Das ist das Problem der Größe unserer Community, beziehungsweise des Fehlens derselben. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand in die gleiche Richtung spezialisiert ist, geht fast gegen Null. Ich hab mich mal an eine Aufnahme, die du besonders gelobt hast, herangewagt, aber bin nicht weit gekommen. Dieses Werk ist halt so absolut überhaupt gar nicht meins - und wenn ich mich überwinden muss, um das Zuhören überhaupt auszuhalten, dann kann ich die vielen subtilen Feinheiten, die du beschreibst natürlich nicht nachvollziehen. Aber ich habe es versucht.
:engel
Hosenrolle1 (13.10.2016, 19:56):
Original von Cetay
Das ist das Problem der Größe unserer Community, beziehungsweise des Fehlens derselben. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand in die gleiche Richtung spezialisiert ist, geht fast gegen Null.

Wobei ich leider sagen muss, dass ich mich dieser Oper, was den Inhalt angeht, immer mehr entfremdet habe. In meinem anderen Thread zu dem Thema habe ich das eh schon ausführlich geschildert; musikalisch und gesanglich mag ich es noch immer, aber ich sehe es kritischer.

Beim Freischütz ist mir überhaupt aufgefallen, dass, obwohl ich die Musik und die Melodien immer noch mag, es mir gar nicht mehr so spektakulär vorkommt, mit Ausnahme der Wolfsschlucht. Daran ist vor allem die Salome schuld.


Ich hab mich mal an eine Aufnahme, die du besonders gelobt hast, herangewagt, aber bin nicht weit gekommen.

Welche? Die unter Karajan? Solti?

Diese Oper ist leider, was Aufnahmen angeht, ziemlich problematisch, weil es im Grunde keine gibt, die eine durchgehend gute Besetzung UND Tontechnik hat. Grümmer und Köth klingen zusammen herrlich, aber der Ton verzerrt und kratzt in einer Tour, dass das Anhören keinen großen Spaß macht.

Und viele Dirigenten haben irgendwie überhaupt kein Gespür für die schönen und/oder atmosphärischen oder gruseligen Stellen. Da wird geschwind musiziert, teilweise unkoordiniert musiziert, besonders die letzten Takte der Ouvertüre habe ich selten wirklich auf den Punkt gespielt gehört.

Dabei bietet diese Oper so herrlich instrumentierte Stellen. Flöten, die zusammen mit den Streichern schwelgen, Oboen, die mit den Hörnern zusammenspielen, während die Streicher zupfend begleiten, Holzbläser, die fröhliche 16tel-Girlanden spielen, usw.
Aber davon geht natürlich viel verloren, wenn man keine gute Tontechnik hat. Da hört man dann hauptsächlich die Streicher, oder das Blech, und der Rest geht unter.
Ich glaube, eine unzureichende Tontechnik, schlechte Sänger und ein mieses Dirigat können schon einen ziemlich schlechten und falschen Eindruck einer Oper hinterlassen.

Hast du von Opern, die dir gefallen, Aufnahmen, die du ohne jede Einschränkung empfehlen könntest, OHNE dass du dazu sagst "Leider ist dieses oder jenes nicht ganz optimal"?


Dieses Werk ist halt so absolut überhaupt gar nicht meins

Was absolut ok ist! Ich werde auch nicht versuchen dich zu "bekehren", mich interessiert nur, was genau dich gestört hat, weil mich andere Sichtweisen interessieren - es wäre ja langweilig, wenn alle das Gleiche gut finden.


Aber ich habe es versucht. :engel

:)




LG,
Hosenrolle1
Rotkäppchen (13.10.2016, 21:17):
Die Thread-Statistik sagt, dass sich acht weitere Mitglieder in diesen Thread verirrt haben. Jetzt nicht unbedingt mit substanziellen Beiträgen, aber es gab doch hin und wieder so etwas wie Plauderei hier. Ansonsten, siehe Cetays letzte Antwort.

Vielleicht solltest Du wirklich deine Besprechungen in einen Blog mit Kommentarfunktion hinüberretten. Wer weiß, evtl. findet sich in den unergründlichen Tiefen des www ja eher ein Diskussionspartner. :engel

:hello Rk
Hosenrolle1 (13.10.2016, 21:25):
Naja, so wichtig sind die Besprechungen auch nicht. Die meisten Aufnahmen sind im Grunde Käse.

Einen Salome-Aufnahme Thread lehne ich generell ab, weil ich nur zwei Aufnahmen habe, und es für mich sonst keine gibt, die interessant wären (abgesehen von der Solti-Aufnahme). Abgesehen davon hab ich mir schon schwer getan mit den HUG-Rezensionen, weil ich weiß, dass ich so viele beachtenswerte Details nicht kenne, und ich in 10 Jahren sicher sagen werde "Wieso wusste ich das damals noch nicht? Wieso bin ich darauf nicht eingegangen?", und dann sind meine Rezensionen veraltet und unbrauchbar. Bei der Salome gibt´s nun noch einen viel größeren Orchesterapparat, noch viel, viel mehr Details, die zu finden ewig dauern würde, und die ich mit oberflächlichen Beschreibungen a la "Der Dirigent kostet die vielen Feinheiten der Strauss´schen Partitur voll aus" auch nicht abtun kann und will.

Außerdem kenne ich mich mit Blogs überhaupt nicht aus. Das überlasse ich denen, die es können.
Und meine Herangehensweise an die Musik teilt unter Garantie niemand mit mir :D




LG,
Hosenrolle1
Keith M. C. (14.10.2016, 13:06):
Lieber Hosenrolle1,

wie ich bereits am 16.04.2016 geschrieben habe, finde ich Deine Besprechungen sehr gut. Ähnlicher Enthusiasmus entwickelte sich bei mir für L. v. Beethovens „Leonore/Fidelio“. Obwohl ich diese Oper sehr oft höre, fehlte mir der Fleiß, meine weit über 50 verschiedenen Aufnahmen (CD, DVD, Sonstige) so konzentriert und engagiert durchzuhören und zu besprechen, wie Du es mit „Hänsel und Gretel“ gemacht hast.

Ich halte es für normal, dass die Diskussion darüber eher gering war. Das hat Dich zum Glück nicht entmutigt, denn auch „monologisierende“ Vorträge sind im Forenbereich nichts Ungewöhnliches und trotzdem eine wesentliche Bereicherung, die im Sinne eines „Nachschlagewerks“ mit Sicherheit genutzt werden; somit eher langfristig Wirkung erzielen. Ein Grund mehr, dass auch diese Besprechungen erhalten bleiben. Wenn jemand etwas zu "Hänsel und Gretel" sucht, kommt man/frau nicht am KLASSIKFORUM vorbei.

Ich weiß, dass es Dir nicht um fishing for compliments geht und Dir Lob eher unangenehm ist, aber man sollte auch einmal ehrliches Lob erteilen und vertragen.

Bis dann.
Hosenrolle1 (14.10.2016, 13:57):
Original von Keith M. C.
Ich halte es für normal, dass die Diskussion darüber eher gering war. Das hat Dich zum Glück nicht entmutigt, denn auch „monologisierende“ Vorträge sind im Forenbereich nichts Ungewöhnliches und trotzdem eine wesentliche Bereicherung, die im Sinne eines „Nachschlagewerks“ mit Sicherheit genutzt werden; somit eher langfristig Wirkung erzielen.


Ich weiß, der Spruch vorhin war auch nicht ganz ernst gemeint :wink
Ich bin keineswegs gekränkt oder verägert oder so, und bin auch davon ausgegangen, dass kaum jemand etwas dazu sagen wird. Mir ging es auch in erster Linie darum eine Übersicht zu erstellen über vorhandene Aufnahmen und Fassungen, Ratschläge zu geben, welche davon empfehlenswert sind und welche weniger oder gar nicht.

Eine Fideo-Diskografie würde mich durchaus interessieren, mit Kommentaren zur Musik, zum Gesang und natürlich zur Tontechnik. :)




LG,
Hosenrolle1
Cetay (inaktiv) (14.10.2016, 16:33):
Original von Hosenrolle1

Ich hab mich mal an eine Aufnahme, die du besonders gelobt hast, herangewagt, aber bin nicht weit gekommen.

Welche? Die unter Karajan? Solti?

(...)

Dieses Werk ist halt so absolut überhaupt gar nicht meins

Was absolut ok ist! Ich werde auch nicht versuchen dich zu "bekehren", mich interessiert nur, was genau dich gestört hat, weil mich andere Sichtweisen interessieren - es wäre ja langweilig, wenn alle das Gleiche gut finden.

LG,
Hosenrolle1

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr genau. Karajan und Solti sicher nicht - dann muss es wohl Davis gewesen sein. Was mich "stört" sind zum einen die Kinderliedmelodien (ich weiß, dass manches original komponiert und erst später zum Kinderlied-Volksgut wurde - aber offenbar taugte es dazu), zum anderen die überfrachtete "wagnerianische" Harmonik, die in mir immer den Drang auslöst, meinen Kragen zu lockern, auch wenn ich gar kein Hemd anhabe* und zuletzt die mehr oder weniger allen romantischen Opern gemeinsame "hysterische" (ich finde kein anderes geeignetes Wort) Singweise, die mir Ohrenschmerzen verursacht und fragen nach der Qualität erst gar nicht aufwirft.

* Ich finde, die Tonalität immer weiter ausreizende Spätromantik ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Entweder mag ich es ganz klassisch oder ganz freitonal. Das dazwischenliegende erscheint mit schwerfällig, schwülstig, angestrengt und letztlich unökonomisch im Vergleich von Aufwand und Ergebnis. Wie ein geschätztes Mitglied jüngst sinngemäß sagte: Viele Noten, aber wenig Musik.
Hosenrolle1 (14.10.2016, 17:32):
Original von Cetay
Ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr genau. Karajan und Solti sicher nicht - dann muss es wohl Davis gewesen sein.

Auweh, die ist gesanglich auch wirklich nicht gut, wenngleich die Tontechnik und das Dirigat überdurchschnittlich sind.



Was mich "stört" sind zum einen die Kinderliedmelodien (ich weiß, dass manches original komponiert und erst später zum Kinderlied-Volksgut wurde - aber offenbar taugte es dazu),

Hmm ... meinst du damit die richtigen Kinderlieder wie "Suse, liebe Suse" und "Ein Männlein steht im Walde" und "Brüderchen, komm tanz mit mir", oder die ganzen Gesangsmelodien?

Ich finde witzigerweise gar nicht, dass das richtige Kinderlieder sind, eher alte Volkslieder, die von Humperdinck aber neu orchestriert wurden, fast schon kammermusikalisch. Wenn man die Stücke einmal instrumental hört, hört man sogar ein bisschen mittelalterliche Klänge heraus.


zum anderen die überfrachtete "wagnerianische" Harmonik, die in mir immer den Drang auslöst, meinen Kragen zu lockern, auch wenn ich gar kein Hemd anhabe*

Das kann ich auch verstehen. Mir gefällt das vor allem, weil ich finde, dass es gut zur Stimmung passt. Im ersten Akt, der noch in der Stube spielt, ist das Orchester noch "gemäßigter", sobald die Handlung aber im Wald spielt, schildert das Orchester die vielen Bedrohungen, das gefährliche Netz, das sich langsam zuzieht, das unheilverkündende Abendrot, usw.


und zuletzt die mehr oder weniger allen romantischen Opern gemeinsame "hysterische" (ich finde kein anderes geeignetes Wort) Singweise, die mir Ohrenschmerzen verursacht und fragen nach der Qualität erst gar nicht aufwirft.

In dieser Aufnahme kann ich das auch gut verstehen, und in den meisten anderen leider auch.
Selten, dass man einmal jugendliche, frische, vibratoarme Stimmen hört, die mit Gefühl singen - stattdessen nur Operndiven um die 40, die einen großen Namen haben und drauflos trällern. Wenn ich mir diese Aufnahmen anhöre, dann NICHT wegen der Stimmen, denn die sind für mich kein Genuss, sondern nur wegen der Musik, mit Partitur und Fernbedieung bewaffnet.

Diese Singweise würde ich eher in der "Salome" finden, die ich da als wesentlich ärger sehe, wohingegen ich sämtliche Melodien aller Figuren aus HUG nachpfeifen kann und als melodiös empfinde, sicher auch, weil es da eigentlich nichts hochdramatisches gibt.

Aber wenn zwei jung klingende Sängerinnen etwa den Abendsegen singen, mit "halber Stimme", das hat schon was, da entdeckt man die Stücke irgendwie ganz neu.
Bei mir war´s bei der Salome so. Mein allererstes Mal, als ich die Oper ganz sah, war die Malfitano die Salome - fürchtliches Kreischen, Vibrato ohne Ende, Wortdeutlichkeit null. Mir gefiel die Musik irgendwie, aber der Gesang ... und dann habe ich die Oper in einer Aufnahme mit Inga Nielsen gehört, und plötzlich ganz neu entdeckt und gemerkt: Es geht auch anders.


Ich finde, die Tonalität immer weiter ausreizende Spätromantik ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Entweder mag ich es ganz klassisch oder ganz freitonal.

Hm, diese Eigenschaften würde ich auch wieder der Salome zuschreiben; ich finde, dass HUG da noch eher klassisch klingt, auch in den wildesten Passagen. Also "klassisch" in dem Sinne, dass es da keine schrillen, dissonanten Passagen gibt, sondern alles noch irgendwie eine gewisse "Wärme" hat.

Das dazwischenliegende erscheint mit schwerfällig, schwülstig, angestrengt und letztlich unökonomisch im Vergleich von Aufwand und Ergebnis.

Den Satz verstehe ich nicht ganz. Meinst du mit "Ergebnis", dass es sich nicht wirklich lohnt, solche Harmonien etc. zu schreiben, weil man das beim Zuhören nicht wirklich mitbekommt?




LG,
Hosenrolle1
Jürgen (14.10.2016, 17:49):
Original von Cetay
zum anderen die überfrachtete "wagnerianische" Harmonik,

Da haben wir es wieder einmal: Des Einen Freud, des Andereren Leid.

Genau deswegen gefällt mir HuG.

Grüße
Jürgen
Cetay (inaktiv) (15.10.2016, 11:05):
Original von Jürgen
Original von Cetay
zum anderen die überfrachtete "wagnerianische" Harmonik,

Da haben wir es wieder einmal: Des Einen Freud, des Andereren Leid.

Genau deswegen gefällt mir HuG.

Grüße
Jürgen

Wobei hier im Sinne der parallel stattfindenden Qualitätsdiskussion zu bemerken ist, dass meine Empfindung der Überfrachtung eine rein subjektive ist. Objektiv kann man Wagner Qualität kaum absprechen. Vielleicht kann ich der Suche nach Qualitätskriterien deswegen nicht viel abgewinnen, weil am Ende der Nutzen fehlt. Selbst wenn es unumstößliche Kriterien gäbe, besagt eine hohe Qualität noch nicht, dass das nachdem es meine Wahrnehmungsfilter passiert hat, auch als "Qualität" ankommt. Wohl aber wird der -gewisse Kreise der Klassikszene plagende- Trend der elitären Abgrenzung von Qualitätshörern zum geistlosen Mob dadurch möglicherweise noch verstärkt. Zum Glück fehlt das bei uns fast völlig (die ab und an auftauchenden, völlig unqualifizierten Bemerkungen zum Techno und Artverwandtem habe ich jetzt mal verdrängt). Es freut mich, dass im Hinterzimmer AC/DC oder die Stones auftauchen, auch wenn die -Qualität hin oder her- von mir eher ungeliebt sind.
Cetay (inaktiv) (15.10.2016, 11:31):
Original von Hosenrolle1
Original von Cetay
]Das dazwischenliegende erscheint mit schwerfällig, schwülstig, angestrengt und letztlich unökonomisch im Vergleich von Aufwand und Ergebnis.

Den Satz verstehe ich nicht ganz. Meinst du mit "Ergebnis", dass es sich nicht wirklich lohnt, solche Harmonien etc. zu schreiben, weil man das beim Zuhören nicht wirklich mitbekommt?


Nein. Harmonien haben eine "Funktion" im Gesamtgefüge eines Stücks. Ein Musikstück -insbesondere in Sonatenhauptsatzform- ist ein Prozess bei dem ein sinfonisches Ich (repräsentiert durch das thematische Material) etwas "erlebt". Es geht von Zuhause weg (im Englischen heißt die Grundtonart "Home Key"), entwickelt sich durch vielfache Spannungen und Entspannungen, Konfrontationen, Perspektivenwechsel, Transformationen (wieder trifft hier das Englische ungleich besser: die Durchführung heißt "Development") und kommt als ein Anderes wieder zurück. Die Harmonik ist der Wegweiser durch diesen Prozess und Indikator, wo wir uns gerade befinden. Wenn sie darüber hinaus zum Selbstzweck wird oder ins deskriptive verkehrt wird, dann ist das unökonomisch - etwa wie bei Romanautoren, die sich seitenweise in Details ergehen, die weder einen Bezug zur Handlung noch zu den Metaebenen der Erzählung haben.
Keith M. C. (15.10.2016, 11:35):
Exkurs:

Lieber Cetay,

Für meinen Teil: Durch die Diskussion über Qualitäten/Eigenschaften/Kriterien widerspreche ich ganz klar einer Differenzierung: "Klassische Musik = Qualität gut/hoch" "Jazz - Rock = Qualität schlecht/niedrig" oder einer daraus abgeleiteten Unterscheidung in "Elite und Mob".

Bis dann.
Hosenrolle1 (15.10.2016, 11:43):
Original von Cetay
Nein. Harmonien haben eine "Funktion" im Gesamtgefüge eines Stücks. Ein Musikstück -insbesondere in Sonatenhauptsatzform- ist ein Prozess bei dem ein sinfonisches Ich (repräsentiert durch das thematische Material) etwas "erlebt". Es geht von Zuhause weg (im Englischen heißt die Grundtonart "Home Key"), entwickelt sich durch vielfache Spannungen und Entspannungen, Konfrontationen, Perspektivenwechsel, Transformationen (wieder trifft hier das Englische ungleich besser: die Durchführung heißt "Development") und kommt als ein Anderes wieder zurück. Die Harmonik ist der Wegweiser durch diesen Prozess und Indikator, wo wir uns gerade befinden. Wenn sie darüber hinaus zum Selbstzweck wird oder ins deskriptive verkehrt wird, dann ist das unökonomisch - etwa wie bei Romanautoren, die sich seitenweise in Details ergehen, die weder einen Bezug zur Handlung noch zu den Metaebenen der Erzählung haben.

Naja, aber eine Oper - schon gar nicht eine Märchenoper, und eine aus dem späten 19. Jhdt. - ist keine Sonate mit strengen Formen.

Gerade bei HUG finde ich, dass Humperdinck seine reichhaltigen Harmonien gut einsetzt, um Stimmungen zu erzeugen, wohingegen ich bei Wagner oft das Gefühl habe, dass manches irgendwie aufgeblasen wirkt, noch dazu, weil seine Opern so lange dauern, und er ewig braucht, um Welten zu erschaffen.

Es wäre für mich einfacher, wenn du konkrete Beispiele aus HUG nennen könntest, wo du denkst, dass die Musik nicht passt. Keine Taktangaben, sondern nur bestimmte Szenen.




LG,
Hosenrolle1
Cetay (inaktiv) (15.10.2016, 11:52):
Original von Keith M. C.
Exkurs:

Lieber Cetay,

Für meinen Teil: Durch die Diskussion über Qualitäten/Eigenschaften/Kriterien widerspreche ich ganz klar ein Differenzierung: "Klassische Musik = Qualität gut/hoch" "Jazz - Rock = Qualität schlecht/niedrig" oder einer daraus abgeleiteten Unterscheidung in "Elite und Mob".

Bis dann.

Ich weiß, du bist ja Stones-Hörer und damit in dieser Hinsicht unverdächtig. :D
Ich wollte nur sagen, dass gewisse Kreise es begrüßen würden, wenn es Kriterien gäbe, die beweisen, dass "ihre" (nicht zwingend klassische) Musik, die bessere ist. Es gibt ja auch genügend pseudowissenschaftliche und philosophische Ansätze dazu - merkwürdigerweise weht durch die meist ein seltsam brauner Muff...
Cetay (inaktiv) (15.10.2016, 11:53):
Original von Hosenrolle1
Original von Cetay
Nein. Harmonien haben eine "Funktion" im Gesamtgefüge eines Stücks. Ein Musikstück -insbesondere in Sonatenhauptsatzform- ist ein Prozess bei dem ein sinfonisches Ich (repräsentiert durch das thematische Material) etwas "erlebt". Es geht von Zuhause weg (im Englischen heißt die Grundtonart "Home Key"), entwickelt sich durch vielfache Spannungen und Entspannungen, Konfrontationen, Perspektivenwechsel, Transformationen (wieder trifft hier das Englische ungleich besser: die Durchführung heißt "Development") und kommt als ein Anderes wieder zurück. Die Harmonik ist der Wegweiser durch diesen Prozess und Indikator, wo wir uns gerade befinden. Wenn sie darüber hinaus zum Selbstzweck wird oder ins deskriptive verkehrt wird, dann ist das unökonomisch - etwa wie bei Romanautoren, die sich seitenweise in Details ergehen, die weder einen Bezug zur Handlung noch zu den Metaebenen der Erzählung haben.

Naja, aber eine Oper - schon gar nicht eine Märchenoper, und eine aus dem späten 19. Jhdt. - ist keine Sonate mit strengen Formen.



Genau hier fangen meine Probleme an... :cool
Keith M. C. (15.10.2016, 11:54):
Original von Cetay
...Was mich "stört" sind zum einen die Kinderliedmelodien (ich weiß, dass manches original komponiert und erst später zum Kinderlied-Volksgut wurde - aber offenbar taugte es dazu), ...

Lieber Cetay,

das ist genau der Hauptpunkt, warum ich diese Oper nicht so gerne höre.

Bis dann.
Hosenrolle1 (15.10.2016, 12:05):
Original von Cetay
Original von Hosenrolle1
Original von Cetay
Nein. Harmonien haben eine "Funktion" im Gesamtgefüge eines Stücks. Ein Musikstück -insbesondere in Sonatenhauptsatzform- ist ein Prozess bei dem ein sinfonisches Ich (repräsentiert durch das thematische Material) etwas "erlebt". Es geht von Zuhause weg (im Englischen heißt die Grundtonart "Home Key"), entwickelt sich durch vielfache Spannungen und Entspannungen, Konfrontationen, Perspektivenwechsel, Transformationen (wieder trifft hier das Englische ungleich besser: die Durchführung heißt "Development") und kommt als ein Anderes wieder zurück. Die Harmonik ist der Wegweiser durch diesen Prozess und Indikator, wo wir uns gerade befinden. Wenn sie darüber hinaus zum Selbstzweck wird oder ins deskriptive verkehrt wird, dann ist das unökonomisch - etwa wie bei Romanautoren, die sich seitenweise in Details ergehen, die weder einen Bezug zur Handlung noch zu den Metaebenen der Erzählung haben.

Naja, aber eine Oper - schon gar nicht eine Märchenoper, und eine aus dem späten 19. Jhdt. - ist keine Sonate mit strengen Formen.



Genau hier fangen meine Probleme an... :cool

Wie gesagt, ich möchte dich nicht umstimmen oder ähnliches, sondern nur diskutieren :)

Ich denke schon, dass bei einer Oper, deren Handlung ja auch nicht einer strengen Form folgt, es gut ist, wenn die Musik ebenfalls "freier" ist.

Leider weiß ich noch immer kein konkretes Beispiel, wo dir die Musik nicht passend zur Handlung scheint, vereinfacht gesagt. Dass du mir sagst "Hier, in dieser Szene wird dieses und jenes gesungen, die Musik aber finde ich unpassend, weil ....".

Das würde mich echt interessieren :)




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (15.10.2016, 12:06):
Original von Keith M. C.
Original von Cetay
...Was mich "stört" sind zum einen die Kinderliedmelodien (ich weiß, dass manches original komponiert und erst später zum Kinderlied-Volksgut wurde - aber offenbar taugte es dazu), ...

Lieber Cetay,

das ist genau der Hauptpunkt, warum ich diese Oper nicht so gerne höre.

Bis dann.

Meinst du die tatsächlichen Kinderlieder, die einen relativ geringen Teil der Oper ausmachen, oder dass sämtliche Gesangsmelodien vielleicht zu "melodiös" oder zu "einfach" klingen?



LG,
Hosenrolle1
Keith M. C. (15.10.2016, 12:19):
Lieber Hosenrolle1,

ja, die Kinderliedchen. Ich habe aber nichts gegen einfache Lieder oder Melodie. Es mag Gegenmeinungen geben, aber für mich ist d e r geniale Melodieeinfall ein sehr wesentliches Kriterium.

Bis dann.
Cetay (inaktiv) (15.10.2016, 16:03):
Original von Hosenrolle1
Original von Cetay
Original von Hosenrolle1

Naja, aber eine Oper - schon gar nicht eine Märchenoper, und eine aus dem späten 19. Jhdt. - ist keine Sonate mit strengen Formen.



Genau hier fangen meine Probleme an... :cool

Wie gesagt, ich möchte dich nicht umstimmen oder ähnliches, sondern nur diskutieren :)

Ich denke schon, dass bei einer Oper, deren Handlung ja auch nicht einer strengen Form folgt, es gut ist, wenn die Musik ebenfalls "freier" ist.

Leider weiß ich noch immer kein konkretes Beispiel, wo dir die Musik nicht passend zur Handlung scheint, vereinfacht gesagt. Dass du mir sagst "Hier, in dieser Szene wird dieses und jenes gesungen, die Musik aber finde ich unpassend, weil ....".

Das würde mich echt interessieren :)

LG,
Hosenrolle1

Vermutlich habe ich mich weiter oben unklar ausgedrückt. Nicht wie die 'überfrachtete "wagnerianische" Harmonik', sondern dass sie verwendet wird, "stört" mich - das war ja die Ausgangsfrage. Also nochmal ganz geradeheraus. Ich mag die Gattung Oper (mit Ausnahmen) wenig, ich mag die Hoch-/Spätromantik (mit Ausnahmen) wenig und ich mag allzu-banale Themen (mit Ausnahmen) wenig und bei HUG kommt alles zusammen.
Hosenrolle1 (15.10.2016, 16:07):
Original von Cetay
Vermutlich habe ich mich weiter oben unklar ausgedrückt. Nicht wie die 'überfrachtete "wagnerianische" Harmonik', sondern dass sie verwendet wird, "stört" mich - das war ja die Ausgangsfrage. Also nochmal ganz geradeheraus. Ich mag die Gattung Oper (mit Ausnahmen) wenig, ich mag die Hoch-/Spätromantik (mit Ausnahmen) wenig und ich mag allzu-banale Themen (mit Ausnahmen) wenig und bei HUG kommt alles zusammen.

Achso, du meinst also, du magst diese Harmonien nicht bei DIESEM Stoff nicht, sondern du magst diese Harmonien generell nicht, wenn ich das richtig verstanden habe.



LG,
Hosenrolle1
Cetay (inaktiv) (15.10.2016, 16:34):
Hosenrolle1 (15.10.2016, 17:04):
Aber trotzdem finde ich, dass dieser Satz


Original von Cetay
Viele Noten, aber wenig Musik.

nicht so ganz stimmt.

Die vielen Noten ... ich meine, man kann sich ja z.B. anhören, wie das Waldweben im 2. Akt orchestriert ist.

Da findet man z.B. nette "Surround"-Effekte, wenn ein kurzes Motiv im Orchestergraben herumspringt. Eine Sache, auf die kaum ein Hörer achten wird.

Humperdinck passt die Orchestrierung aber auch immer der jeweiligen Situation an. Möchte er, dass es überall rauscht, setzt er viele Streichertremoli ein, lässt das Blech Liegetöne spielen und andere Instrumente wie die Holzbläser etwa spielen kurze Motive in unterschiedlicher Form, um zu verdeutlichen, wie der Wald immer belebt wird, von allen Seiten.

Wenn ich etwa bei Webers Freischütz ähnliche Stellen ansehe, wirkt alles doch viel geradliniger. Selbst in der Wolfsschlucht, wo es wild zur Sache geht, hat alles eine "voraussehbare" Form mit Kadenzen usw.

Das klingt natürlich auch schön, aber was mir bei HUG gefällt ist, dass diese Musik, diese Harmoniefolgen nicht so voraussehbar sind. Man weiß nie, welche Wendung die Musik nehmen wird. Kommen plötzlich dissonante Akkorde? Wird es plötzlich ganz leise, spielen in den nächsten Takten plötzlich nur mehr zwei einzelne Instrumente?

Bei Mozarts Opernmusik und zu großen Teilen auch beim Freischütz noch höre ich sehr formale Musik, strenge Musik, mehr Formen. Bei HUG und ähnlichen Werken höre ich eher sehr freie Musik, die Stimmungen erzeugt. Da höre ich 3 Motive gleichzeitig und kann mich damit beschäftigen, welche Motive warum von welchen Instrumenten zusammengespielt werden.

Aber wenn es um andere Dinge geht, dann hält sich Humperdinck auch sehr zurück. Etwa in den genannten Kinderliedern und ähnlichen Stücken wirkt die Musik ebenfalls "einfacher", fast kammermusikartig, mit mittelalterlichen Anklängen. Beim Auftrittslied des Besenbinders etwa höre ich überhaupt keinen Wagner heraus, denn die Situation ist völlig klar: der Vater kommt fröhlich und angeheitert nach Hause, weil er alle seine Besen verkauft hat und endlich wieder etwas zu essen heimbringen kann. Hier passt der Komponist die Musik der Situation an, wagnerische Dichte und verschachtelte Harmonien wären eher fehl am Platz.

Wenn aber eben der dunkle Wald sich belebt und ein Eigenleben entwickelt, wenn plötzlich gruselige Gesichter im Dunkeln zu sehen sind, wenn Echos zurückrufen etc., dann schwebt und geistert die Musik ebenfalls mit und hat keine klare Form mehr; ähnlich wie eine Wolke verändert sie sich immer wieder und nimmt unterschiedliche Formen und Größen an.

Ich würde den Satz "Viele Noten, wenig Musik" eher so umformulieren: Viele Noten, viel Atmosphäre.




LG,
Hosenrolle1
EinTon (15.10.2016, 17:15):
Original von Hosenrolle1

Wenn ich etwa bei Webers Freischütz ähnliche Stellen ansehe, wirkt alles doch viel geradliniger. Selbst in der Wolfsschlucht, wo es wild zur Sache geht, hat alles eine "voraussehbare" Form mit Kadenzen usw.



Das ist ja auch frühes 19. Jh. vs. spätes 19 Jh. - 72 Jahre liegen zwischen den beiden Urauführungen!

Zur Zeit Webers wurde generell noch geradliniger und "mit Kadenzen" komponiert als in der Post-Wagner-Epoche. Diese Entwicklung zu freien, ungeregelten Formen und harmonischer Komplexität hat sich dann mit Schönberg und anderen atonalen Komponisten noch weiter fortgesetzt.
Hosenrolle1 (15.10.2016, 17:28):
Original von EinTon
Das ist ja auch frühes 19. Jh. vs. spätes 19 Jh. - 72 Jahre liegen zwischen den beiden Urauführungen!

72 Jahre, 6 Monate und 5 Tage, um genau zu sein :D

Ich habe nur versucht zu schildern, was mir bei HUG so gefällt. Das war keine Abwertung vom Freischütz oder Mozart. Wenn du das so empfunden hast, tut mir das leid.



LG,
Hosenrolle1
EinTon (15.10.2016, 17:58):
Original von Hosenrolle1
Ich habe nur versucht zu schildern, was mir bei HUG so gefällt. Das war keine Abwertung vom Freischütz oder Mozart.


Ich hatte es nicht als Abwertung verstanden, sondern lediglich darauf hinweisen wollen, dass die von Dir genannten Stil-Unterschiede epochenspezifische Phänomene sind. Man sie daher nicht (oder jedenfalls nicht primär) mit den unterschiedlichen Komponisten-Persönlichkeiten oder gar den individuellen kompositorischen "Kompetenzen" von Weber und Humperdinck begründen.
Hosenrolle1 (15.10.2016, 18:06):
Habe ich das?

Eigentlich wollte ich nur verdeutlichen, was mir an der HUG-Musik gefällt, und wo ich die Unterschiede zu Freischütz etc. sehe.

Cetay meinte ja, HUG biete viele Noten, aber wenig Musik, darauf bin ich eingegangen und habe ein Beispiel aus der Oper gebracht mit einer Erklärung, wieso ich denke, dass diese "vielen Noten" notwendig sind, nebst meiner Interpretation, dass sie mehr eine Stimmung, eine Atmosphäre transportieren.

Würde der Umkehrschluss heißen "Wenig Noten = viel Musik"?




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (13.01.2017, 19:22):
Ich las gerade ein Interview mit Roger Norrington, wo er über das Vibrato bei Instrumenten, speziell den Streichern spricht. Ich finde, dass man das, was er sagt, auch sehr gut auf den Gesang umlegen kann. (Hervorhebungen von mir):
Nun zum vibratolosen Spiel. Gibt es nicht auch Quellen, die lehren, wie das Vibrato als Gestaltungsmittel eingesetzt werden kann?

Natürlich. Das Vibrato ist in allen genannten Quellen erwähnt. Mozarts Vater empfiehlt es etwa als Verzierung am Schluss einer langen Note. Aber er schreibt auch, wenn man das Vibrato zu oft verwende, klinge es, als ob man Fieber habe. Und Joachim, der das Brahms-Violinkonzert uraufführte, sagt noch 1904, wenn ein Solist ständig mit Vibrato spiele, zeige er, dass er sein Instrument nicht beherrsche: «Vibrato ist ein Ersatz für echtes Gefühl.»

Das ist etwas, was ich bei Elisabeth Grümmers Gesang (als Hänsel und als Agathe auf jeden Fall) mag, und auch bei meinem neuen Lieblingshänsel: Vibrato nur sparsam eingesetzt, dann aber umso wirkungsvoller, und meist auch dann, wenn ein Ton etwas länger ausgehalten wird. Beispielsweise schon zu Beginn im Duett auf dem Wort "Brot" ist mir das aufgefallen. Genau das, was Norrington hier im fett markierten ersten Satz sagt, höre ich bei diesen beiden Sängerinnen wieder.

Dieses Dauervibrato im Gesang finde ich ebenso fürchterlich, egal wie schön die Stimme klingt.



LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (08.04.2017, 16:33):
Ich muss mich an dieser Stelle von allem distanzieren, was ich hier aus Unwissenheit zu den Gesamtaufnahmen zur Musik gesagt habe.

Was ich zu den Stimmen sowie der Aufmachung der CDs und Schallplatten (Booklets etc.) gesagt habe gilt aber weiterhin!



LG,
Hosenrolle1
Knusperhexe (12.05.2017, 18:07):
Liebe Hosenrolle,

ganz herzlichen Dank für dieses Dossier. Ich bin ganz begeistert, werde mir alles noch mal ausdrucken und noch mal in Ruhe lesen. Nur so viel, zu 95 Prozent stimme ich mit Dir überein. Und das finde ich richtig schön! Ist doch prima, wenn man dieselbe Begeisterung teilt.

Auch mir gefällt die Aufnahme mit Erika Köth und Elisabeth Grümmer sehr gut. Erfreulicherweise kann ich hinsichtlich der Klangqualität ein Auge zudrücken, ich stelle die Aufnahme oft so laut, dass sie durch die ganze Wohnung schallt und dann stört der dumpfe Hall mich nicht so wirklich. Dennoch bedauere ich auch sehr, dass es keine überarbeitete Version dieser schönen Aufnahme gibt.

Zu deinem Archiv beglückwünsche ich Dich. Die Cover der alten Platten sehen wunderschön aus. Auch hier bedanke ich mich herzlich, dass Du das mit Fotos dokumentiert hast.

Ich bin ganz zufällig auf dieses Forum aufmerksam geworden, weil ich etwas zu Hänsel und Gretel recherchierte und da blieb ich bei deinen Rezensionen gebannt hängen.

Herzliche Grüße,

Knuspi
Knusperhexe (13.05.2017, 14:09):
Kurzer Nachtrag: Du hattest gefragt wie die Unterschiede im Textbuch zustande kommen. Eine belegbare Antwort habe ich auch nicht, wohl aber eine Vermutung, die etwas Licht in die Sache bringt. Hermann Wette hatte aus Geldknappheit die Rechte für das Textbuch noch vor der Premiere an einen Verleger verkauft. Nach der Premiere erfolgte ein übler Rechtsstreit zwischen dem Textbuchverlag Lucas und Humperdinck, der nur durch Eingreifen von Schott beigelegt werden konnte. Ich habe nun ein altes Textbuch von Lukas und da sind mehrere der von dir genannten Unterschiede nachzulesen. Unter anderem singt auch das Taumännchen, dass es mit Mutter Sonne reißt. Offensichtlich sind noch mehrere dieser alten Textbücher im Umlauf. Denn auch bei der Wiener Inszenierung vor 2 Jahren wurde das Lucas Textheft verwendet.
Knusperhexe (17.06.2017, 18:45):
So, ich habe jetzt die gesamte discography sehr aufmerksam gelesen. Und jetzt wollte ich mich mit Hosenrolle austauschen und erfahre, dass er gar nicht mehr hier im Forum ist. Wie schade, in mir und einem sehr guten Freund von mir hätte er einen Seelenverwandten gefunden. Hat irgendwer seine Mailadresse und könnte den Kontakt herstellen?