ab (12.05.2008, 11:38): Angenommen ihr werdet als Musikliebhaber gebeten, eine Programm einer Konzertsaison für eine in euerem Ort neu einzurichtenden Klavierreihe zusammenzustellen. Vorgabe ist, womöglich auf teure Stars zu verzichten, sondern statt dessen die besten und interessantesten Künstlerinnen und Künstler abseits des namhaften Vermarktungsglanzes aufzuspüren. Die Reihe darf zwischen sechs und acht Recitals lang werden.
I) Wen würdet ihr vorschlagen?
II) Was für ein Programm würdet ihr gerne hören? (Gemeint ist hier überhaupt und nicht in Bezug auf die einzelenen gewählten Musiker!)
:hello
HenningKolf (13.05.2008, 13:43): Da ist die Frage, ob jemand schon ein teurer Star ist oder nicht...ich habe da was das Preisliche betrifft keinerlei Vorstellungen...Sind Schirmer, Chiu, Haefliger, Péres, Malikowa und Sigfridsson nun schon teuer oder noch nicht, z.B. (?)
Gruß Henning
ab (13.05.2008, 21:56): Original von HenningKolf Da ist die Frage, ob jemand schon ein teurer Star ist oder nicht...ich habe da was das Preisliche betrifft keinerlei Vorstellungen...Sind Schirmer, Chiu, Haefliger, Péres, Malikowa und Sigfridsson nun schon teuer oder noch nicht, z.B. (?)
Gruß Henning
Stars sind wohl Leute wie Yunid Li, Lang Lang, Brendl und Pollini oder Kissin - womöglich Stadtfeld (ich habe auch keinerlei Preisvorstellungen); nicht aber die von Dir genannten.
Aber wäre das jene sechs, die Du gerne in einem Zyklus hören wolltest?
HenningKolf (15.05.2008, 08:36): Durchaus:
Schirmer Haydn und Mozart, Chiu Prokofjew und - das Programm ist ja für die Allgemeinheit und nicht nur für mich - Chopin, Haefliger Beethoven und Schubert und - wieder für die anderen - Schumann, Péres Albéniz, Granados - ich kenne zwar nur die Albéniz-Aufnahme, könnte mir aber gut vorstellen, dass er Ravel und Debussy mehr als nur zufriedenstellend spielen würde - Malikowa Schostakowitsch, Mussorgski und - wieder nicht für mich - Liszt, Sigfridsson Sibelius und Grieg. Natürlich fehlt hier noch J.S. Bach, den würde ich gerne von Schirmer, Sigfridsson und Malikowa hören.
Ich habe keine Ahnung, wie so etwas in der Praxis abläuft, aber ich glaube nicht, dass ein Kulturreferent oder privater Veranstalter ein genaueres Programm vorschlägt, gerade was eher unbekanntere Stücke von mehr oder weniger bekannten Komponisten betrifft, aber sicherlich würde man noch ein wenig Hummel (vielleicht auch vierhändig), Ives, Tippett oder ein paar Tänze von Turina z.B. unterbringen können. Einen Klavierabend würde ich ganz gerne mit moderneren Sachen gestalten wollen, etwa Feldman, Rihm, Berio oder - damit es mir auch gefällt - Messaien. Wahrscheinlich bedürfte es dafür noch eines weiteren Pianisten (der zudem bereit wäre vor halbleerem Haus zu spielen)...
aber was solls, ich bin Richter und nicht Kulturveranstalter, obwohl ich von meiner derzeitigen Stimmung her wesentlich lieber eine Konzertreihe veranstalten würde als in den Akten zu wühlen
Gruß Henning
Gamaheh (15.05.2008, 21:51): Lieber ab und alle anderen,
ich wünschte, mich (oder jedes andere Mitglied der konsumierenden Masse) würde tatsächlich mal jemand von den „Entscheidungsträgern“ fragen, wen und was ich gerne hören würde – ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt, denn hier scheint die dauernd beschworene „Demokratie“ und „Mitbestimmung“ doch sehr kurz zu kommen (anderswo, wo sie angeblich stattfindet, natürlich auch).
Ich gehe davon aus, daß ich „vor Ort“ so etwas machen dürfte. Egal wo (aber ich bin in Hamburg, wo man am liebsten auch die Künstler posthum hat), würde ich Pianisten engagieren wollen, die dort so gut wie unbekannt sind und womöglich noch nie aufgetreten sind. Es gibt viele hervorragende Pianisten, die nicht in die Sparte „Stars“ fallen (die ja recht überschaubar ist, wenn auch keineswegs auf die bereits Genannten beschränkt; hier läßt sich der Status am besten an den Pro Arte-Konzerten ablesen, die aber auch nie überfüllt sind, weil die Hamburger so knauserig sind).
Was die Personen betrifft, so würde ich als erstes – womöglich unüberraschenderweise – Philippe Bianconi engagieren. Da ich häufig nach Paris fahre, um Klaviermusik zu hören, würde ich einige der Pianisten verpflichten, die ich dort (wie auch im französischen Radio) mit Gewinn gehört habe, wie etwa Jean-Frédéric Neuburger, François-Frédéric Guy, Philippe Giusiano, Ilya Rachkovsky ... Lokale Größen – die allerdings hier nicht unterrepräsentiert sind – wie Volker Banfield, Evgenyi Koroliov usw. – dürften auch nicht zu kurz kommen, wie auch andere lokale Pianisten, die nicht einen derartigen Ruf haben; ich denke z.B. an einen Pianisten, der mich mal vor siebzehn Jahren als Student begeistert hat: Matthias Veit. Im weiteren Einzugsgebiet gibt es Gerrit Zitterbart (Göttingen) und Vladimir Krainev (Hannover), David Meier (Lübeck)). Dann auch weiter entfernte, die in Hamburg – jedenfalls in den letzten siebzehn Jahren, meine ich – nicht aufgetreten sind, wie Bernd Glemser, Louis Lortie, Alfredo Perl (der allerdings irgendwann in diesem Jahr bei Bechstein spielen wird). Schließlich – und keineswegs zuletzt - einen ehemaligen Freund aus meiner römischen Zeit, einen ungemein begabten Pianisten, den kein Mensch kennt: Pieter Kenealy (ich erwähne den Namen hier, um ihn zu erwähnen); selbst in den Jahren unserer Freundschaft hat er nur ein einziges Recital gegeben, das mir unvergessen bleiben wird. Ich müßte ihn – nach dem letzten Stand der Nachrichten – in Indien aufspüren.
Was das Repertoire betrifft, so würde ich es am liebsten den Pianisten überlassen, denn die besten Musiker wissen auch ein interessantes Programm zu konstruieren, und am besten spielen sie das, was sie lieben zu spielen. Wenn es allerdings ein „Themen“-Zyklus sein sollte, so würde ich in diesem Jahr des 175. Geburtstags von Johannes Brahms in Hamburg, seiner (und meiner) Heimatstadt, am liebsten das Klavierwerk desselben programmieren (jetzt wäre es zu spät dafür), insbesondere die weniger gehörten und aufgeführten Werke seiner Jugend: die Klaviersonaten, die Variationenwerke ... Vielleicht oder höchstwahrscheinlich passiert das noch in diesem Jahr – wartet darauf ...
Ein Werk, das ich ungemein gerne einmal im Konzert hören würde – und das wurde kürzlich durch die Absage von Tzimon Barto sabotiert – sind die sog. „Geister“-Variationen von Schumann (und überhaupt das Spätwerk von Schumann).
Grüße, Gamahe
HenningKolf (26.05.2008, 14:50): Na, wenn Koroljow zu den Pianisten gehören sollte, die in den Budgetrahmen passen, würde ich ihn natürlich mit Freuden verpflichten wollen.....
Gruß Henning
Gamaheh (26.05.2008, 20:37): Original von HenningKolf Na, wenn Koroljow zu den Pianisten gehören sollte, die in den Budgetrahmen passen, würde ich ihn natürlich mit Freuden verpflichten wollen.....
Gruß Henning
Korolliov gehört allerdings zur Pro Arte-Klasse, ist aber immerhin lokal ...
Gruß, Gamaheh
nikolaus (27.05.2008, 22:17): Ein schönes Thema!
Ich kann aus eigener Erfahrung junge Pianisten aus dem Kreis um Martha Argerich empfehlen, wobei Gabriela Montero wohl fast schon ausscheidet. Zu nennen wären Polina Leshenko, die ein ausgezeichnetes Liszt-Recital eingespielt hat. Sergio Tiempo und seine Schwester Karin Lechner haben mich auch jedesmal begeistert und sind als Team sowie als Solisten sehr empehlenswert. Sie haben mich mit Werken südamerikanischer Komponisten begeistert sowie mit Werken von Ravel, de Falla etc.