Im TV: Cosi fan tutte von den Salzburger Festspielen 2020

Guenther (17.06.2021, 15:07):
Hallo zusammen,

am Samstag abend übertrug 3SAT die Einspielung von Cosi fan tutte von den Salzburger Festspielen 2020.

https://programm.ard.de/TV/Programm/Jetzt-im-TV/?sendung=280074000060628

Diese Oper wird in 2021 wieder aufgenommen:

https://www.salzburgerfestspiele.at/p/cosi-fan-tutte


Hat das zufällig jemand gesehen?



Kurzes Fazit von mir:


Für mich musikalisch 1a. Die Dirigentin Joana Mallwitz dirigierte dabei die Wiener Philharmoniker, wobei sie auch die erste Frau war, die eine derartige Opernproduktion geleitet hat. Sehr "unaufgeregte" Darbietung des Orchesters bei gleichzeitig hervorstechender Präsenz der Sänger.

Das Bühnenbild unterstützte möglicherweise die Gesangsdarbietungen durch eine riesige Wand, in die lediglich zwei Türen eingelassen waren. Möglicherweise konnte hier eine gewisse Reflexion des Klangs erreicht werden, denn die Sänger wirkten auf mich zunächst auf der riesigen Bühne mit der großen weißen Wandfläche ein wenig verloren.

Auch diese Unart der Regisseure, die Sänger beim Gesang sich auf den Rücken legen zu lassen, war wieder zu bedauern, allerdings konnte ich im Fernsehen keinerlei Qualitätsverlust während der Rückenlage hören, was aber möglicherweise der Tontechnik zu verdanken ist.

Die Inszenierung von Christof Loy hat mir dann auch nur wenig zugesagt. Der Auftritt in moderner Kleidung ist ok, aber warum diese große weiße Wand mit den Flügeltüren? Kostensenkung? ;)

Insgesamt wirkten für mich viele Auftritte zu ernst, zu wenig komödienhaft. Hier wäre z.B. vor allem auch das Duett "Il cuore vi dono" zu nennen. Von der Musik und vom Text her sollen m.E.eigentlich Umschmeicheln, Verführen, Genießen des Schmeichelns, Liebesgeplänkel etc. im Vordergrund stehen. Denn es geht ja darum, daß Dorabella verführt werden soll.

In der Handlung ist das die logische Weiterentwicklung, denn Dorabella hat ihrer Schwester kurz vorher verraten, daß sie Guglielmo ganz süß findet und ihn nicht weiter abweisen wird. Denn immerhin könnte es ja sein, daß die Verlobten im Krieg fallen, und dann stünden die Schwestern ja allein da, sagt sie... ;)

Die Darsteller spielten jedoch etwas anders: Anstelle der Verführung Dorabellas läuft es eher umgekehrt: Sie drängt sich Guglielmo mehr oder weniger auf, und der will sie eigentlich gar nicht. Das mag zwar im Kopf des Regisseurs logisch erscheinen, paßt aber nicht recht zu Text und Musik. Hier wäre m.E. ein "raffiniertes Verführ-Spiel" ganz im Sinne der Wette angebracht. Denn eins dürfen wir bei dem ganzen Spaß nicht vergessen: Im Libretto sind es ja schon noch die drei Männer, die das teuflische Spiel spielen. Hier ist es nicht so, daß die Damen ganz zufällig zwei fremde Männer treffen und sich diese sofort "schnappen" wollen. Im Gegenteil müssen die beiden Protagonisten ganz schön "baggern", bis sie die Damen erweichen. Die Selbstmord-Geschichte ist da ja auch noch als "Hammer" zu nennen...

Wie auch immer: Ganz hervorragend Elsa Dreisig als Fiordiligi. Diese Partie hat die extrem schwierigen Arien, die von ihr mit großer Souveränität gemeistert werden.

Gut gefallen hat mir auch der Klang von Andrè Schuen (Ferrando). Seine Arie "Un' aura amorosa" hat große Tiefe und Ausdruck.

Das Ensemble hat mir ausgesprochen gut gefallen. Man muß bei "Cosi" bedenken, daß alle sechs Rollen fast pausenlos auf der Bühne stehen und singen, was extrem anspruchsvoll ist.

Das Orchester war wie immer perfekt, die Tempi haben mir fast alle gut gefallen. Manches hätte ich vielleicht ein wenig langsamer genommen, ein höheres Tempo dürfte jedoch fast immer der damaligen Praxis entsprochen haben (was nicht heißt, daß man es heute unbedingt auch so machen muß).

Ein wenig seltsam kamen für mich einige Duette herüber, die nicht im kontinuierlichen Tempo abliefen, sondern mit Fermaten versehen waren, die m.E. so nicht im Notentext stehen. Fand ich aber nicht schlimm, da hierdurch die Aussagen der "Diskutierenden" unterstrichen wurden bzw. ihre Verwunderung über das, was ihr Gegenüber gesagt hatte. So kam es mir jedenfalls vor.

Die Inszenierung jedoch war mir zu ernst. Hier hätte ich mir mehr komödienhaften hintergründigen Witz gewünscht, vor allem auch bei Alfonso, der dann doch immer wieder sehr ernst dreinblickt, wo er doch eher "siegesgewiß" hätte lächeln sollen...
palestrina (18.06.2021, 16:45):
Gut gefallen hat mir auch der Klang von Andrè Schuen (Ferrando). Seine Arie "Un' aura amorosa" hat große Tiefe und Ausdruck
Lieber Guenther, ich habe es nicht gesehen, eildiweil ich mir keine Opern im TV anschaue und auch keine DVDs bzw. Blu-ray, erst dann wenn ich ein eigenes Kino zuhause habe! Aber mir ist aufgefallen dass du als Ferrando Andrè Schuenals angegeben hast, der ist aber ein Bariton und somit nehme ich an dass er den Guglielmo gesungen hat!

LG palestrina
Guenther (19.06.2021, 10:20):
Lieber Palestrina,

ich bin untröstlich: Ja, da habe ich die Sänger verwechselt!
(Kann mir Namen sowieso immer nur schlecht merken.)

Zitat von der og. Webseite:
Elsa Dreisig als Fiordiligi und Marianne Crebassa als Dorabella verstricken sich in das komplexe Spiel um Liebe, Treue und Verrat.Ihnen zur Seite stehen Andrè Schuen als Guglielmo und Bogdan Volkov als Ferrando.

Danke fürs Aufpassen!
:)