Im falschen Film?

Sfantu (12.01.2025, 17:28):
Hier soll es um Musikbeispiele gehen, die uns aus einem bestimmten Grund aufhorchen lassen:

sie fallen aus der Reihe, indem sie ungewohnte Töne im Gesamtwerk des jeweiligen Komponisten anschlagen. Sie klingen wie fremd, beinahe wie von jemand Anderem geschrieben, fügen sich nicht in den Stil ein, den wir mit ihrem Verfasser verbinden, passen kaum in das Gesamtbild.
Nicht gemeint sind Stilkopien mit Ansage, Fremdanleihen und Zitate sarkastischer, augenzwinkernder oder programmatischer Art.
Einfach etwas, bei dem wir ungläubig aufhorchen und denken: das ist Ix??? Das könnte glatt von Ypsilon sein!!!

Mir geht es so mit

Beethoven - aus den sieben Bagatellen für Klavier op. 33:
Nr. 4, Andante

Im Blindtest würde das sicher so mancher Franz Schubert zuschreiben. Diese unschuldig-zarte Sanglichkeit, weich und mit einem leicht melancholischen Schleier - zeigt eine wenig bekannte Seite Beethovens.

Welchen Beispielen seid ihr begegnet?
Bin gespannt.
Joe Dvorak (14.01.2025, 10:55):
Ich bin mal in mich gegangen, aber so etwas ganz im Sinne des Threads ist mir nicht eingefallen. Franz von Suppé, den fast jeder nur mit der Operette in Verbindung bringt, hat auch ein Requiem komponiert. Niemand würde blind darauf kommen, dass das von ihm ist. Es gibt Anleihen bei Mozart oder Cherubini, und Kenner meinen, dass Verdi das gekannt haben muss, als er sich an sein eigenes setzte.
Sfantu (23.01.2025, 20:59):
@Joe Dvorak,

danke für das schöne Beispiel mit Suppés Totenmesse.

Die folgenden beiden "schwarzen Schafe" fallen kaum aus dem gewohnten Rahmen, was den Personalstil angeht. Sehr wohl aber in Fragen der Besetzung und der Ausnahme, nicht an Tanzformen orientiert zu sein:

Johann Strauss Sohn - Romanzen für Violoncello und Klavier (resp. Orchester) Nr. 1 op. 243 und Nr. 2 op. 255

Es liegen - wie gesagt - keine Tänze zugrunde und es tritt (eben ungewohnter Weise) das solistische, konzertierende Element in den Fokus. In der Nummer eins hat zudem die Harfe einen prominenten Auftritt. Entstanden sind beide Werke im Zusammenhang mit Aufenthalten in Sankt Petersburg.