In aller Kürze...

cellodil (27.01.2007, 15:52):
Hier soll es mal nicht um dicke Bücher, sondern um Gedankensplitter, Zitate, Aphorismen zum Thema Musik gehen. Mir schwebt eine Art Sammlung "geflügelter" oder noch unbeflügelter Kurztexte vor (über die wir ja von Fall zu Fall vielleicht auch diskutieren oder "streiten" können).

Wenn ich mir manche der Signaturen anschaue, würde ich doch vermuten, dass Ihr da einiges beizutragen habt...

Grüße

Sabine
cellodil (27.01.2007, 15:55):
Musik kann die beste Schule des Lebens sein - und zugleich das beste Mittel, ihm zu entfliehen.

Daniel Barenboim, Die Musik - mein Leben, List Taschenbuch, 2. Auflage (Berlin, 2005), S. 333
cellodil (27.01.2007, 21:37):
Eine Kunst ohne jede persönliche Erfahrung bezüglich ihrer Probleme zu kennen, ist eine sehr zweifelhafte Form von Kultur (...) und es ist bezeichnend, daß die beharrlichsten Perfektionisten ausnahmslos Leute sind, welche die Kunst nicht selbst ausüben, sondern Kenner und Amateure ohne jede praktische Erfahrung im Musizieren.

Martin Cooper, zit. nach: Gerald Morre, Bin ich zu laut? - Erinnerungen eines Begleiters, Bärenreiter, 1. Auflage: 1976, 11. Auflagen (Kassel, Basel, 2003), S. 208
cellodil (27.01.2007, 21:38):
Für mich ist Bach wie Shakespeare. Er hat alles gewusst und alles gefühlt. Er ist alles.

Pablo Casals "Schritte auf der Straße der Musik", in: Die Zeit, 29. Mai 1962, Nr. 22
cellodil (27.01.2007, 21:43):
Im Vergleich zur Welt der klassischen Musik geht es unter Berufsboxern wie auf einem Kindergeburtstag zu. Ein Kampf bis aufs Messer. Nur die Skrupelloseseten überleben.

Richard Powers, Der Klang der Zeit (OT: The Time of Our Singing), Fischer TB, 6. Auflage (Frankfurt/M. 2006), S. 43



Ein wenig Theorie kann einen Mangel an Seele gut verkleiden - in den einfacheren Tonarten zumindest.

Richard Powers, Der Klang der Zeit (OT: The Time of Our Singing), Fischer TB, 6. Auflage (Frankfurt/M. 2006), S. 660
cellodil (27.01.2007, 21:46):
Jedes Publikum liebt, was es schon kennt und worüber es glaubt, mitreden zu können

Werner Fuld, Paganinis Fluch: Die Geschichte einer Legende, Rowohlt TB (Reinbek, 2003), S. 46
cellodil (27.01.2007, 22:07):
Musik ist nicht die Aneinanderreihung von Tönen, genauso wenig wie der Inhalt eines Buches in aneinander gereihten Wörtern besteht. Wir müssen akzeptieren, dass die Dinge, mit denen wir es zu tun haben, vieldeutig sind.

György Sebön, zit. nach: T.E. Carhart, Ein Klavier in Paris, Kindler (Berlin, 2002), S. 112
cellodil (27.01.2007, 22:09):
In einer Zeit, deren Denke zunehmend von Sprachphilosophie und Linguistik geprägt wird, vergisst man leicht, dass man auch ohne Hilfe der Sprache organisiert denken kann.

Alfred Brendel, "Das Einzelne im Ganzen: Gedanken zum 25. Todestag von Wilhelm Furtwängler", in: Die Zeit, 30. November 1979, Nr. 49
cellodil (27.01.2007, 22:15):
...ein typischer Fall: die musikanalytische Rede als fader Ersatz für das Hören... das Hören will nicht gelingen, also ersetze ich es durch ein Aufgebot interpretierender Erläuterung...

Hanns-Josef Ortheil, Das Glück der Musik: Vom Vergnügen, Mozart zu hören, Sammlung Luchterhand (München, 2006), S. 47
cellodil (27.01.2007, 22:24):
Ich wußte, daß sich in den meisten Orchestern mindestens ein Mitglied befand, das gegen Musik allergisch war.

Gregor Piatigorsky, Mein Cello und ich und unsere Begegnungen (OT: Cellist), dtv, 21. Auflage (München 2003), S. 160
cellodil (29.01.2007, 18:18):
Eines meiner Lieblingszitate:

Wer nur von Musik was versteht, versteht auch von der nichts

Hanns Eisler

zu dem ich leider keine Quellenangabe habe...
Pollux (09.11.2007, 01:44):
"Jedesmal wenn ich Wagner höre, habe ich das Bedürfnis in Polen einzumarschieren."

Woody Allen
cellodil (09.11.2007, 05:25):
Original von Pollux
"Jedesmal wenn ich Wagner höre, habe ich das Bedürfnis in Polen einzumarschieren."

Woody Allen

:rofl

P.S. Deine Signatur ist aber auch ausgesprochen hübsch!!!
cellodil (29.01.2007, 18:18):
Eines meiner Lieblingszitate:

Wer nur von Musik was versteht, versteht auch von der nichts

Hanns Eisler

zu dem ich leider keine Quellenangabe habe...
Pollux (09.11.2007, 01:44):
"Jedesmal wenn ich Wagner höre, habe ich das Bedürfnis in Polen einzumarschieren."

Woody Allen
cellodil (09.11.2007, 05:25):
Original von Pollux
"Jedesmal wenn ich Wagner höre, habe ich das Bedürfnis in Polen einzumarschieren."

Woody Allen

:rofl

P.S. Deine Signatur ist aber auch ausgesprochen hübsch!!!
Solitaire (08.03.2008, 18:45):
"Ja, er hat schöne Augenblicke - aber böse Viertelstunden."
Angeblich Rossini über "Lohengrin". Vielleicht wurde es ihm aber auch nur angehängt, wer weiß das schon.
Cetay (inaktiv) (12.03.2008, 22:40):
Musiker zu sein ist an sich surreal. Was könnte surrealer sein als das Verkaufen von Luftschwingungen?

Django Bates; britischer Musikanarchist, gelegentlich als "Monty Python des Jazz" bezeichnet.
Solitaire (29.04.2008, 11:13):
Ein Satz aus einem Kinderaufsatz, der mir so gut gefallen hat, daß ich ihn erst als Signatur nehmen wollte:
„Der Unterschied zwischen dem Klavier und Orgel ist, daß an der orgel die größeren Pfeifen sitzen“.

Die lieben Kleinen... :D
cellodil (01.05.2008, 10:54):
Original von Solitaire
"Ja, er hat schöne Augenblicke - aber böse Viertelstunden."
Angeblich Rossini über "Lohengrin". Vielleicht wurde es ihm aber auch nur angehängt, wer weiß das schon.

Auch, wenn ich als frühkindlich Wagner-Traumatisierte mit Lohengrin noch am wenigsten Schwierigkeiten habe : Öl auf meiner Seele.... und :rofl

und liebe Grüße

Sabine
Jürgen (02.05.2008, 09:02):
Original von Solitaire
"Ja, er hat schöne Augenblicke - aber böse Viertelstunden."
Angeblich Rossini über "Lohengrin". Vielleicht wurde es ihm aber auch nur angehängt, wer weiß das schon.

Ich selbst würde mich als Wagnerfan bezeichnen. Dennoch muss ich gestehen, dass an diesem Satz ein wenig Wahrheit steckt, auch wenn es nicht auf all seine Werke zutrifft.

Auch ich höre von CD einige Akte seiner Opern ungern am Stück durch. Z.B:

1.Akt Tannhäuser
2.Akt Lohengrin
1.Akt Meistersinger


Zu Wagners Entlastung muss ich aber sagen, das es mir bei den Opern seiner Kollegen noch wesentlich häufiger so ergeht.
Einzig Hänsel & Gretel oder Turandot bilden da eine Ausnahme.

Auch auf die Gefahr hin, dass man Rossini das Zitat nur angehängt hat, hier eine Retourkutsche:
Gibt es eigentlich einen Grund dafür, dass Rossinis Opern als Gesamtaufnahmen im Vergleich zu seinen Ouvertüren relativ selten auf CD erscheinen?

Grüße
Jürgen
cellodil (06.06.2008, 10:01):
Er lachte mich herzlich an und (...) sagte gleichmütig: "Sehen Sie, es hat nach meiner Meinung gar keinen Wert, über Musik zu sprechen. Ich spreche niemals über Musik. (...) ich bin Musikant, nicht Gelehrter und ich glaube nicht, daß in der Musik das Rechthaben den geringsten Wert hat (...), daß man Geschmack und Bildung hat und all das."
"Nun ja. Aber auf was kommt es an?"
"Darauf, daß man musiziert, (...) daß man so gut und so viel und so intensiv wie möglich musiziert."

Hermann Hesse, Der Steppenwolf (Frankfurt/M., 2007), S. 142
Heike (06.06.2008, 22:16):
Die Musik hat von allen Künsten den tiefsten Einfluß auf das Gemüt. Ein Gesetzgeber sollte sie deshalb am meisten unterstützen.
Napoléon Bonaparte
Solitaire (07.06.2008, 18:43):
Mozart? Mozart ist tot, für den sind die Probleme gelöst.Aus dem Film "Geschenkt ist noch zu teuer".
ab (10.06.2008, 15:36):
Und ich betone, auf das Risiko hin, zahlreiche rechtschaffen bemühte Amateure zu schockieren, dass, um Musik ganz zu genießen, es nicht ausreicht, sie nur zu hören. Man muss auch über sie sprechen und gerne über sie sprechen. Bei dem Sender France Musique ist gegenwärtig der Anteil der Wortbeiträge beschränkt, ich glaube auf ein Drittel der Sendung. Mir erscheint das weder zuwenig noch zuviel. Und ich halte gar nichts von jenen Sendern, die den ganzen Tag ohne Unterbrechung und ohne jede logische Verbindung »klassische« Musik senden. Für mich gehört dieses Patchwork in die Kategorie jener süßlichen oder aggressiven »Klangkulissen«, mit denen die großen Kaufhäuser beschallt werden.

Eric Rohmer (aus: Von Mozart zu Beethoven)
Kantate (10.06.2008, 23:53):
Maurice Ravel sagt:" Im Grunde ist meine einzige Geliebte die Musik."

Kantate
Kantate (11.06.2008, 14:00):
"Das spezifisch Deutsche Tempo ist das Andante." Warum dies??

Was meint Richard Wagner mit diesem Satz?

Ich freue mich auf fundiierte Antworten.

Sonnige Grüße,

Kantate
Zelenka (11.06.2008, 16:17):
Original von Kantate
"Das spezifisch Deutsche Tempo ist das Andante." Warum dies??

Was meint Richard Wagner mit diesem Satz?

Ich freue mich auf fundiierte Antworten.

Sonnige Grüße,

Kantate

Liebe Kantate:

Herzlich willkommen im Forum!

Ob ich eine fundierte Antwort auf Deine Frage geben kann, bezweifle ich, Wagner ist ein weites Feld. In "Deutsche Kunst und Deutsche Politik" bezieht sich das Zitat jedenfalls nicht allein auf die Musik, sondern auf die Kunst allgemein. In unserem mittleren, gemäßigten Tempo gelangen wir unaufhaltsam überall hin und können uns so die Früchte anderer Kulturen aneignen.

Gruß, Zelenka
Kantate (11.06.2008, 18:17):
Guten Abend, Zelenka,

schönen Dank für den Willkommensgruß!

Schönen Dank auch für die erste Erklärung zum Zitat! Vielleicht weiß ja noch jemand etwas darüber zu sagen.

Musikalische Grüße,

Kantate :wink
Zelenka (11.06.2008, 18:44):
Original von Kantate
Guten Abend, Zelenka,

schönen Dank für den Willkommensgruß!

Schönen Dank auch für die erste Erklärung zum Zitat! Vielleicht weiß ja noch jemand etwas darüber zu sagen.

Musikalische Grüße,

Kantate :wink

Liebe Kantate:

Ich hoffe mit Dir, daß noch mehr Feedback kommt ...

Gruß, Zelenka
ab (12.06.2008, 16:49):
Heute im Radio (nach Ausschnitten des Klaviertrios mit Schmid-Hagen-Tanski) erfahren:

"Das ist der einzige Einfall, den ich die letzten Jahre hatte!"

Hans Pfitzner - angesichts seines von Bomben zerstörten Hauses
Zelenka (13.06.2008, 14:22):
Kein Leben ohne Kunst,
Keine Kunst ohne Leben.
Man gewinnt nicht der Menschen Herzen
Nur mit Skalenläufen und schnellen Terzen,
Wohl aber mit edler Gesangsweise,
Hell und kräftig, und sanft und leise.
Nicht mit Skalen und Terzen
Gewinnt man der Menschen Herzen,
Wohl aber mit schönem Sang,
Tiefem Sinn und edlem Klang.

—Theodor Leschetizky

zitiert nach: Kenneth Hamilton. After the Golden Age - Romantic Pianism and Modern Performance. New York: Oxford University Press, 2007, p. 139.
cellodil (14.06.2008, 19:54):
Music speaks for itself.
Provided we give it a chance
Yehudi Menuhin

... leider ohne genaue Angabe, woher und wann er das gesagt hat.

Grüße

Sabine
Carola (16.06.2008, 12:49):
Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“ Martin Luther

Auch wenn hier ausgeblendet wird, dass Musik von allem auch das Gegenteil bewirken und hochgradig destruktiv sein kann - ich mag dieses Zitat sehr gerne.

Mit Gruß von Carola
uhlmann (16.06.2008, 16:25):
das bedürfnis des komponisten, verstanden zu werden, ist nicht geringer als das des hörers, zu verstehen.

-- helmut lachenmann

(lachenmanns schriften sind übrigens geradezu eine fundgrube solcher aphorismen, hauptsächlich aber sind sie hochinteressante reflexionen zum thema musik. sein buch "musik als existentielle erfahrung" möchte ich hier nochmal nachdrücklich empfehlen.)
ab (16.06.2008, 16:48):
In der Tat!

Kunst gibt sich dort zu erkennen, wo wir über das ästhetisch-sinnliche Erlebnis an unsere Möglichkeiten als geistbegabte Geschöpfe erinnert werden. Kunst hat etwas mit dem Bedürfnis zu tun, an unsere Grenzen zu gehen. Es mutet dem Menschen eine gewisse Anstrengung zu, nämlich die, über seinen Horizont hinauszublicken.

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich meine mich zu entsinnen, folgende - die mir noch viel besser gefallen - stammen auch von ihm:

Wenn wir Musik hören, kommt es nicht darauf an, eine vermeintliche Absicht oder ein Komponiersystem zu verstehen, es kommt zunächst darauf an, sich auf die sinnliche Wahrnehmung einzulassen. Wolfgang Rihm nennt es "das Ohr öffnen". Das heißt aber auch, daß das Ohr Dinge zuläßt, die es nicht kennt.

Ebenso:

Wenn man das Ohr verstopft von innen, daß nur noch Bestimmtes durchkommt, was man kennt, dann führt das zu einer Verengung, zu einem Engpaß, dessen Folge Angst ist. Es ist wichtig, das mit den Sinnen Wahrgenommene mit etwas Eigenem zu beantworten. Dieses Eigene kann auch durchaus Ablehnung sein, aber eine Ablehnung, die aus einer vergleichenden Erfahrung kommt und nicht aus einer Vorentscheidung. Man muß die Erfahrung zulassen können.
Cetay (inaktiv) (08.08.2008, 15:10):
Original von cellodil
Hier soll es mal nicht um dicke Bücher, sondern um Gedankensplitter, Zitate, Aphorismen zum Thema Musik gehen. Mir schwebt eine Art Sammlung "geflügelter" oder noch unbeflügelter Kurztexte vor (über die wir ja von Fall zu Fall vielleicht auch diskutieren oder "streiten" können).

Wenn ich mir manche der Signaturen anschaue, würde ich doch vermuten, dass Ihr da einiges beizutragen habt...

Grüße

Sabine

Der Thread eignet sich auch gut, um "verbrauchte" Signaturen abzulegen.

"Die Essenz des Menschen ist Klang, Klang erzeugt Licht, und der Geist zeigt sich darin."
Diesen Aphorismus aus der Kosmogonie der Hopi-Indianer hat André Jolivet seinem Violinkonzert vorangestellt.
Cetay (inaktiv) (19.08.2008, 09:10):
Original von ab

Wenn man das Ohr verstopft von innen, daß nur noch Bestimmtes durchkommt, was man kennt, dann führt das zu einer Verengung, zu einem Engpaß, dessen Folge Angst ist. Es ist wichtig, das mit den Sinnen Wahrgenommene mit etwas Eigenem zu beantworten. Dieses Eigene kann auch durchaus Ablehnung sein, aber eine Ablehnung, die aus einer vergleichenden Erfahrung kommt und nicht aus einer Vorentscheidung. Man muß die Erfahrung zulassen können.
Irgendwie hängen für mich die Lachenmann'schen Sprüche in der Luft.
Einem offenen Ohr sagen sie nichts Neues und durch ein verstopftes Ohr kommen sie erst gar nicht durch und können so keine Wirkung entfalten.

Was die Töne uns zu sagen haben geht weit über das hinaus, was wir uns vorstellen (Unbekannt)
ab (19.08.2008, 13:41):
Original von Dox Orkh
Original von ab

Wenn man das Ohr verstopft von innen, daß nur noch Bestimmtes durchkommt, was man kennt, dann führt das zu einer Verengung, zu einem Engpaß, dessen Folge Angst ist. Es ist wichtig, das mit den Sinnen Wahrgenommene mit etwas Eigenem zu beantworten. Dieses Eigene kann auch durchaus Ablehnung sein, aber eine Ablehnung, die aus einer vergleichenden Erfahrung kommt und nicht aus einer Vorentscheidung. Man muß die Erfahrung zulassen können.
Irgendwie hängen für mich die Lachenmann'schen Sprüche in der Luft.
Einem offenen Ohr sagen sie nichts Neues und durch ein verstopftes Ohr kommen sie erst gar nicht durch und können so keine Wirkung entfalten.


Das muss man schon ein bisschen konziliant lesen: "Ohr" ist hier doppeldeutig zu verstehen, einmal als Warhnehmungsorgan, das durch Schwingungen angeregt wird und damit immer Wirkungen zeitigt, gleichgültig wie viel man von dem, was an "Information" geliefert wird, seine Aufmerksamkeit schenkt. Und zum anderen als jene Instanz, die das auch im Bewusstsein als etwas bestimmtes erfasst, das phänomenal gegeben ist.

Im ersten Sinne kann ein "verstopftes Ohr" demzufolge immer seine Wirkung entfalten, gleichgültig, wieviel man davon phänomenal erfasst. Im zweiten Sinne kann immer etwas Neues dem Bewusstsein gegeben werden, nämlich dann, wenn man die Aufmerksamkeit beim Phänomenalen auf etwas lenkt, das man bislang überhört hat.

Das beruht darauf, dass wir bestimmte Aspekte wahrnehmen und wenn wir dabei unsere Aufmerksamkeit auf einen Aspekt lenken, uns andere Aspekte entweder völlig entgehen oder aber in den Hintergrund gedrängt werden. Denke etwa an das Hase/Ente-Vexierbild aus der psychologischen Warhnehmungstheorie (um es erneut hier im Forum zu erwähnen). Oder in der MusiK: Wenn ich nur darauf lauere, dass dem Pianisten eine Ungeläufigkeit passiert, kann ich mich nicht gleichzeitig voll und ganz auf die erklingenden Ausdrucksmomente konzentrieren oder darauf, welche harmonischen Übergänge gerade vostatten gehen, usw.usf.

Wenn man dies bedenkt, den Zusammenhang beim Hören von sinnlichem Wahrnehmen und geistigem Erfassen, dann hängen die Lachenmann'schen Sprüche nicht mehr in der Luft.

:hello
Cetay (inaktiv) (20.08.2008, 10:58):
Wow! In einer solchen Tiefe habe ich das nicht betrachtet. Natürlich habe ich das Ohr durchaus metaphorisch verstanden. Ich lese als Essenz, dass der Hörer bereit sein soll, sich auf Neues und Unbekanntes einzulassen uns sich damit auseinanderzusetzen -ein offenes Ohr zu haben- und erst dann zu urteilen. In der Praxis wird aber allzuoft schon vor der Auseinandersetzung abgelehnt und das ist mein Verständnis eines von innen "verstopften" Ohrs. Und solche verstopfte Ohren zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf ihren Vorentscheidungen beharren und ein Lachenmann-Zitat wird daran nichts ändern, zumal der Verfasser in den meisten Fällen zu den Vorausgeschiedenen gehört.
ab (23.09.2008, 23:22):
"Musik, so meint man, ist in gewisser Weise mit dem Tanzen verwandt, und auf gewissen Instrumenten gut fertig zu werden, wird von manchen Leuten sehr geschätzt. Darin aber auch nur eine bescheidene Fertigkeit zu erlangen, bedeutet für einen jungen Mann soviel Zeitverschwendung und führt ihn häufig in so seltsame Gesellschaft, daß manche meinen, man sollte lieber darauf verzichten; und ich habe unter den befähigten Männern des praktischen und öffentlichen Lebens so selten gehört, daß jemand wegen seines musikalischen Könnens gelobt oder geschätzt worden ist, daß ich glaube, unter allen Dingen, die je in der Liste der Fertigkeiten aufgeführt worden sind, kann ich der Musik den letzten Platz anweisen."

in: John Locke: Gedanken über die Erziehung
cellodil (24.09.2008, 07:36):
Lieber ab,

wie wunderbar, dieses Zitat!

Gilt freilich nicht für uns, wo wir schon langsam an die Alzheimer-Prophylaxe denken müssen...

Liebe Grüße

Sabine
Leif Erikson (24.09.2008, 10:12):
Vielleicht erklärt Locke's Zitat, warum England eine vergleichsweise kleine Rolle in der Musik aber eine sehr große in der Politik und in der Eroberung der Welt gespielt hat. Er steht mit seiner Meinung wahrscheinlich nicht allein.

Gruß, Leif.
ab (24.09.2008, 10:34):
"Außerdem hängt der Musik ein gewisser Mangel der Urbanität an, dass sie, vornehmlich nach Beschaffenheit ihrer Instrumente, ihren Einfluss weiter, als man ihn verlangt (auf die Nachbarschaft), ausbreitet, und so sich gleichsam aufdringt, mithin der Freiheit andrer, außer der musikalischen Gesellschaft, Abbruch tut; welches die Künste, die zu den Augen reden, nicht tun, indem man seine Augen nur wegwenden darf, wenn man ihren Eindruck nicht einlassen will. Es ist hiermit fast so, wie mit der Ergötzung durch einen sich weit ausbreitenden Geruch bewandt. Der, welcher sein parfümiertes Schnupftuch aus der Tasche zieht, traktiert alle um und neben sich wider ihren Willen und nötigt sie, wenn sie atmen wollen, zugleich zu genießen; daher es auch aus der Mode gekommen ist."
Immanuel Kant (in: Kritik der Urteilskraft)
ab (24.09.2008, 10:38):
Original von Leif Erikson
Vielleicht erklärt Locke's Zitat, warum England eine vergleichsweise kleine Rolle in der Musik gespielt hat.

Was soll denn das erklären?! Was müsste da erst über die Deutschen gesagt werden, wenn man Kants herablassenden Einstellung zur Musik liest...
:J
Leif Erikson (24.09.2008, 10:59):
Hallo ab,

"Wenn man das Ohr verstopft von innen, daß nur noch Bestimmtes durchkommt, was man kennt, dann führt das zu einer Verengung, zu einem Engpaß, dessen Folge Angst ist. " (Lachenmann)

Ich dachte immer, daß auf diese Weise eine Neigung zu Schlager- und Popmusik entsteht. Und vor was haben diese Menschen dann Angst? Wahrscheinlich doch nur vor anderer Musik?

Dazu noch:

Es hört doch jeder nur, was er versteht. (Johann Wolfgang Goethe)

Aber der fand ja auch die großartigen Vertonungen seiner Gedichte durch Schubert nicht gut.
Ich bin übrigens nicht sicher, ob er damit (nur) die Musik gemeint hat.

Gruß, Leif
Leif Erikson (24.09.2008, 11:41):
Lieber ab,

zwischen Kant und Locke besteht ein erheblicher Unterschied in Ihrer öffentlichen und politischen Wirkung.
Vor allem war Kant ein extremer Exzentriker ohne Erotik und Gefühl, also sicher nicht repräsentativ für die deutsche Neigung zur Musik. Für die deutsche Politik der letzten 200 Jahre möchte ich ihn eigentlich auch nicht verantwortlich machen, obwohl sich mit Leuten wie Kant wohl kein Krieg gewinnen läßt.
Immerhin hat er die romantisch verquaste deutsche philosophische Diktion mitverursacht, von der viele schlechte Wirkungen ausgegangen sind.

Locke hingegen hat mit seiner Arbeit die Amerikanische Verfassung vorbereitet und stand als Empiriker und Arzt dem praktischen Leben viel näher.
Er repräsentiert den Englischen approach zum Leben ziemlich getreu.

Davon abgesehen solltest Du meine Beobachtung dieser Kongruenz nicht überstrapazieren. Beweisen wollte ich damit eh nichts.

Ich habe den Verdacht, daß Dir eigentlich eher nicht gefällt, daß ich glauben könnte, die Deutschen oder gar die Österreicher hätten es in der Musik weiter gebracht als die Engländer. Das ist zwar sozusagen common sense, aber ich habe auch keine Lust das zu beweisen.

Gruß, Leif.
ab (24.09.2008, 12:08):
Hallo Leif,

in wollte keineswegs irgendwie Dich angreifen oder eine Rechtfertigung erheischen oder gar Deine Ansicht "richtig" stellen. Mein Ziel war nicht mehr, als in aller Kürze diese Zitate in den Faden hier zu stellen, um zu zeigen, wie die Musik von s.g. Geistesgrößen klein gemacht wird.

Meine Anmerkung zu Deinem Beitrag war eher scherzhaft gedacht. Daher auch der Smilie, Du hast einfach etwas in meine Zeilen hineingelesen, das ich selbst, vielleicht unanchtsamer Weise, mir hätte gar nicht vorstellen können, dass dies derart aufgefasst werden könnte. Sorry.

(Inhaltlich meine ich, dass solche Zusammenhänge eher zu der Rubrik "etwas sehen als" gehört als unter die Rubrik "Erklärung von" oder Erklärung für".)
Solitaire (24.09.2008, 14:01):
Original von Leif Erikson
Hallo ab,

"Wenn man das Ohr verstopft von innen, daß nur noch Bestimmtes durchkommt, was man kennt, dann führt das zu einer Verengung, zu einem Engpaß, dessen Folge Angst ist. " (Lachenmann)

Ich dachte immer, daß auf diese Weise eine Neigung zu Schlager- und Popmusik entsteht...


Auf diese Weise entsteht keine Neigung zu Schlager und Popmusik, sondern die Neigung, nur eine ganz bestimmte Musikrichtung gelten zu lassen (das kann Schlager und Pop sein, das kann auch Klassik, Oper, Jazz etc. sein) und alle anderen zu verteufeln.
Leif Erikson (24.09.2008, 20:43):
Liebe Solitaire,

ich bin jetzt wieder mal an dem neuralgischen Punkt, wo ich eigentlich sagen müßte, daß mein Geschmack ganz einfach ist und ich mit dem Besten immer gleich zufriedengestellt werde.
Und da es mir öfters gelungen ist, das beste auszuwählen, bilde ich mir ein, daß ich Übung habe im Unterscheiden. Es ist sozusagen eine liebe automatische Gewohnheit geworden.
Und jetzt kommts, ich habe auch eine ziemlich feste Überzeugung, wie ich die unterschiedlichen Musikrichtungen nach Qualitätsunterschieden in eine Reihenfolge bringen könnte, wenn ich wollte. Leute mit einem abweichenden Geschmack liegen nach meiner Überzeugung falsch. (Ich würde mich aber wenn nötig sehr gern korrigieren, wenn ich mich in einem konkreten Fall geirrt hätte und mich jemand überzeugen würde.) Ich könnte auch theoretische Gründe für meine Vorlieben ins Feld führen usw. usw.
All das ist (psycho-) logisch trivialste Wahrheit. Aber um wahr und falsch geht es heute nur noch wenigen, weil sie ja so tolerant, politisch korrekt und menschenfreundlich sind. Oder aber die Auseinandersetzung scheuen. Oder aber noch nicht verglichen haben ?Ich weiß natürlich auch worüber ich mir kein Urteil erlauben darf, weil ich dort nicht kompetent bin. Da ich mich bemühe, jeden Musikstil zu verstehen (i.e. mit Gewinn hören zu können), dürfte das aber generell eher die Ausnahme sein.

Ich profitiere am meisten durch einen Austausch mit Leuten, die noch kompetenter sind als ich, aber leider bekennt auch diese species sehr selten Farbe. Dann nützt sie mir und anderen leider nichts.
Und ich glaube, daß Lachenmann eher die neue klassische Musik gemeint hat, der man seine Ohren nicht verschließen soll, sie dürfte mehr Nähe zu Originalklängen vermitteln als 5 mal durch Effektgeräte gedrehter Pop-Einheitsbrei. Die Trivialmusik ist nun eben mal nicht so kompliziert und auch von den eingesetzten Mitteln eher eine sehr kleine Untermenge des gesamten Musikalischen Spektrums, mithin schlechter. Außerdem ist es eine Funktionsmusik zur Unterhaltung bei Tanz, Flirt und Zerstreuung nach der Arbeit. Über Belcanto denke ich streckenweise ähnlich während Opern von Mozart, Verdi, Strauss und einigen weiteren, die nur mit wenigen Werken Erfolg hatten, mit zum Besten gehören, was ich kenne.

Natürlich erlaube ich mir auch Qualitätsurteile wie Bach ist besser als Händel, der besser als Telemann etc.
Die Englische Musik ist nicht schlecht aber die Deutsche ist besser und reichhaltiger etc. Beim 20. Jahrhundert wird es dann schwieriger, da finde ich die Franzosen besser und Stravinsky noch besser und Bartok noch besser.



Gruß, Leif.
Leif Erikson (24.09.2008, 21:15):
Lieber ab,

wäre es leicht, den Kontext des Kant-Zitates in Erfahrung zu bringen? Ich kann mir nicht vorstellen, daß Kant diesen schäbigen und widerwärtigen Vergleich auf seriöse Musik gemünzt hat. Vielleicht hat er mal neben einer Kneipe mit Tanzboden gewohnt? Das dortige Treiben war ihm sicher suspekt.

Gruß, Leif.
satie (24.09.2008, 21:16):
Aber um wahr und falsch geht es heute nur noch wenigen, weil sie ja so tolerant, politisch korrekt und menschenfreundlich sind. Oder aber die Auseinandersetzung scheuen. Oder aber noch nicht verglichen haben ?

Was wieder einmal wunderbar in den Thread "Über Musik reden?" http://www.das-klassikforum.de/thread.php?threadid=551
passen würde. Oder besser noch in "Was ist gute Musik?" http://www.das-klassikforum.de/thread.php?threadid=1062

Ich reite auf solchen Zuordnungen zu bestehenden Threads aus gutem Grund herum: gute Gedanken sollten wiedergefunden werden können, und ich denke, dass Leif hier einen couragierten Versuch unternimmt, für Qualitätskriterien einzutreten. Ich persönlich würde ebenfalls sagen, dass Pop und auch Jazz nicht auf der selben Stufe stehen wie klassische Musik, obwohl ich der Meinung bin, dass es guten Pop und guten Jazz gibt (problematisch wird es in den beliebten Grauzonen der Cross-Over-Mode). Vielleicht wäre das mal wieder eine Diskussion an einer der obigen Stellen wert?

Herzlich,
S A T I E
ab (25.09.2008, 10:00):
Original von Leif Erikson
Lieber ab,

wäre es leicht, den Kontext des Kant-Zitates in Erfahrung zu bringen? Ich kann mir nicht vorstellen, daß Kant diesen schäbigen und widerwärtigen Vergleich auf seriöse Musik gemünzt hat. Vielleicht hat er mal neben einer Kneipe mit Tanzboden gewohnt? Das dortige Treiben war ihm sicher suspekt.

Gruß, Leif.

Bei der Kritik der Urteilskraft handelt es sich um das, was man Kants Beitrag zur Ästehtik nennt. Der Kontext ist dann auch ein solcher auf die Sache bezogener, und nicht auf zufällige soziologische Umstände seinen Lebens. Kant gehört halt zu jener Traditon der abendländischen Philosophie, die der Musik den letzten Platz unter den Künsten eingeräumt hat.

(Ich selbst halte es für müßig, solche Rangordungen vornehmen zu wollen: Die Künste sprechen schlicht unterschiedliche Bereiche an und es scheint mir unangemessen, sie gegeneinander auspielen zu wollen. Ich teile einfach diese intellektzentrierte Zugangsweise nicht, dass es in der Kunst aussschließlich darum ging, zu Erkenntnis zu kommen.)
cellodil (08.01.2009, 22:05):
Zuerst hatte ich mir überlegt, ob ich mit diesem Zitat von Stephen Fry eine neue Diskussion darüber, warum es keine "Generation Klassik" geben kann oder ob "klassische Musik" gar generationenverbindend oder -übergreifend ist, habe es dann aber doch verworfen.

Deshalb hier nur das Zitat:

Wenn sich heute zwei oder drei Leute treffen und "Blockbuster", "Blowin' in the wind" (...) oder "Relax" hören, geht es um (...) den Tanz einer Generation, bei dem die Zuhörer durch eine bestimmte Dekade miteinander verbunden sind (...)
klassische Musik ist ein privates Hörerlebnis, an das sich keine Erinnerungen dieser Art knüpfen.
Dies erklärt zum Teil auch, warum klassische Musik vielen als schräg gilt. Ihre an keinen sozialen Kontext gebundene Abstraktheit trennt den Liebhaber klassischer Musik oder den klassischen Musiker vom Strom der Allgemeinheit und verweist ihn auf sich selbst.
Stephen Fry, Columbus war ein Engländer: Geschichte einer Jugend (OT: Moab Is My Washpot), Ü: Georg Deggerich, Aufbau Taschenbuch, 1. Auflage (Berlin, 2008), S. 95f

Liebe Grüße

Sabine
nikolaus (08.01.2009, 22:08):
Original von cellodil
Ihre an keinen sozialen Kontext gebundene Abstraktheit trennt den Liebhaber klassischer Musik oder den klassischen Musiker vom Strom der Allgemeinheit und verweist ihn auf sich selbst.


Ach, das finde ich gut ausgedrückt.
So fühle ich mich manchmal...

Nikolaus.
cellodil (08.01.2009, 22:11):
Original von nikolaus
Original von cellodil
Ihre an keinen sozialen Kontext gebundene Abstraktheit trennt den Liebhaber klassischer Musik oder den klassischen Musiker vom Strom der Allgemeinheit und verweist ihn auf sich selbst.


Ach, das finde ich gut ausgedrückt.
So fühle ich mich manchmal...

Nikolaus.

:hello
cellodil (08.01.2009, 22:26):
... weil's so schön war, gleich noch ein bisschen mehr von Stephen Fry...

Die Musik ist die zugleich vollkommenste wie die niedrigste aller Künste. So steht es jedenfalls irgendwo bei E.M. Forster. Hatte Schwimmen in meiner Vorstellung etwas mit Fliegen zu tun, so war die Musik noch etwas viel Größeres. Musik war eine Art Penetration. (...) Urplötzlich enthüllt sich einem das Wassersein des Wassers, das Teppichsein des Teppichs, (...) das Allessein von allem, das Nichtsein von Nichts, das Allessein von Nichts. Für mich eröffnet die Musik einem den Zugang zu jeder dieser Essenzen des Daseins. (...)
Die anderen Künste haben den gleichen Effekt, nur sind sie viel stärker an die materielle Welt gebunden und in ihr verwurzelt.
Stephen Fry, Columbus war ein Engländer: Geschichte einer Jugend (OT: Moab Is My Washpot), Ü: Georg Deggerich, Aufbau Taschenbuch, 1. Auflage (Berlin, 2008), S. 88f


Musik ist alles und nichts. Sie ist nutzlos und doch sind ihrem Nutzen keine Grenzen gesetzt. Die Musik entführt mich an Orte grenzenloser sinnlicher und ekstatischer Freude, geleitet mich auf Gipfel der Lust, die kein noch so himmlischer Liebhaber für mich entdecken könnte, oder stürzt mich in zuckende, wimmernde Höllenqualen, die kein Folterknecht ersinnen könnte. (...) Musik ist unbestritten der größte Kick auf Erden. Nichts kann ihr auch nur annähernd das Wasser reichen.
Stephen Fry, Columbus war ein Engländer: Geschichte einer Jugend (OT: Moab Is My Washpot), Ü: Georg Deggerich, Aufbau Taschenbuch, 1. Auflage (Berlin, 2008), S. 90


Wenn es um Musik geht, kennt der besserwisserische Snobismus, zu dem ansonsten ehrbare Menschen sich herablassen, keine Grenzen
Stephen Fry, Columbus war ein Engländer: Geschichte einer Jugend (OT: Moab Is My Washpot), Ü: Georg Deggerich, Aufbau Taschenbuch, 1. Auflage (Berlin, 2008), S.96f


Es fällt mir schwer zu beschreiben, was Musik in mir auslöst, ohne dabei affektiert, aufgeblasen, gefühlsselig, sentimental, maßlos und absurd zu klingen
Stephen Fry, Columbus war ein Engländer: Geschichte einer Jugend (OT: Moab Is My Washpot), Ü: Georg Deggerich, Aufbau Taschenbuch, 1. Auflage (Berlin, 2008), S. 97

Liebe Grüße

Sabine
nikolaus (08.01.2009, 22:45):
Original von cellodil

Es fällt mir schwer zu beschreiben, was Musik in mir auslöst, ohne dabei affektiert, aufgeblasen, gefühlsselig, sentimental, maßlos und absurd zu klingen


Jau :beer
Gamaheh (09.01.2009, 00:10):
Original von cellodil
Die Musik ist die zugleich vollkommenste wie die niedrigste aller Künste. So steht es jedenfalls irgendwo bei E.M. Forster.

Ich möchte wetten (nach meiner Erinnerung), daß das nicht von Forster, sondern von Oscar Wilde ist (ich tippe auf The Critic as Artist). (Und wahrscheinlich vieles anderes, was Fry geschrieben hat, so oder ähnlich auch.) Hat er nicht sogar Oscar Wilde in dem gleichnamigen Film gespielt?

Kennst Du die Blackadder Chroniken?

Grüße,
Gamaheh
Gerion (09.01.2009, 08:23):
Ich kann dem erstgenannten Fry-Zitat nur eingeschränkt zustimmen. Es übersieht, dass Klassik sehr wohl an einen sozialen Kontext gebunden ist, der jedoch bei verschiedenen Gruppen negativ konnotiert ist. Das gemeinsame Anhören eines Konzerts ist per definitionem wohl (auch) ein soziales Ereignis, wird aber von vielen Menschen als altmodisch oder snobistisch aufgefasst: Insofern kann man wohl nicht von fehlendem Sozialbezug der Klassik sprechen, sondern sollte das Kind beim Namen nennen: Es geht um einen vorhandenen, aber eben polarisierenden Sozialbezug.
cellodil (09.01.2009, 12:48):
Original von Gerion
Ich kann dem erstgenannten Fry-Zitat nur eingeschränkt zustimmen. Es übersieht, dass Klassik sehr wohl an einen sozialen Kontext gebunden ist, der jedoch bei verschiedenen Gruppen negativ konnotiert ist. Das gemeinsame Anhören eines Konzerts ist per definitionem wohl (auch) ein soziales Ereignis, wird aber von vielen Menschen als altmodisch oder snobistisch aufgefasst: Insofern kann man wohl nicht von fehlendem Sozialbezug der Klassik sprechen, sondern sollte das Kind beim Namen nennen: Es geht um einen vorhandenen, aber eben polarisierenden Sozialbezug.

Lieber Gerion,

ich glaube, das ist - vielleicht auch durch meine Verkürzung - ein wenig missverständlich.

Es geht in dem Zitat darum, dass Klassik (nicht in der Zeit, in der diese Musik entstanden ist, sondern, wenn wir sie heute im Abstand von vielen Jahren zu ihrer Entstehung hören) nicht in dem Maße eine Generation oder deren Erinnerung an bestimmte Lebensabschnitte (mit-)bestimmt wie es populäre Musik tut, weil nicht alle zur selben (Lebens-)Zeit mit dieser Musik - nolens oder volens - beschallt werden oder sich beschallen.

Das Hören von Klassik (und das gemeinsame Musizieren ohnehin) findet selbstverständlich in der Mehrzahl der Fälle nicht außerhalb eines sozialen Kontexts statt, aber das Erleben eines bestimmten Musikstücks hat in diesem Falle eben nichts, was eine bestimmte Generation konstituieren würde.

Vielleicht wäre das ja doch ein Ausgangspunkt für eine Diskussion gewesen...

Liebe Grüße

Sabine
cellodil (09.01.2009, 12:51):
Original von Gamaheh
Original von cellodil
Die Musik ist die zugleich vollkommenste wie die niedrigste aller Künste. So steht es jedenfalls irgendwo bei E.M. Forster.

Ich möchte wetten (nach meiner Erinnerung), daß das nicht von Forster, sondern von Oscar Wilde ist (ich tippe auf The Critic as Artist). (Und wahrscheinlich vieles anderes, was Fry geschrieben hat, so oder ähnlich auch.) Hat er nicht sogar Oscar Wilde in dem gleichnamigen Film gespielt?

Kennst Du die Blackadder Chroniken?

Grüße,
Gamaheh

Liebe Gamaheh,

ja, er hat Oscar Wilde gespielt (ich habe den Film allerdings nicht gesehen). Ich fand die Zuschreibung zu Forster auch ein wenig merkwürdig und für mein Gefühl würde das zu Wilde auch besser passen... Tja...

Die Blackadder Chroniken sagen mir gar nichts. Dementsprechend weiß ich auch nicht, worauf Du hier anspielst. Kannst Du dazu noch etwas sagen?

Herzliche Grüße

Sabine
Gamaheh (09.01.2009, 17:53):
Original von cellodil
ja, er hat Oscar Wilde gespielt (ich habe den Film allerdings nicht gesehen). Ich fand die Zuschreibung zu Forster auch ein wenig merkwürdig und für mein Gefühl würde das zu Wilde auch besser passen... Tja...

Die Blackadder Chroniken sagen mir gar nichts. Dementsprechend weiß ich auch nicht, worauf Du hier anspielst. Kannst Du dazu noch etwas sagen?


Liebe Sabine,

ich habe den Film seinerzeit gesehen, und wenn ich mich richtig erinnere, hat er mich ziemlich enttäuscht, weil (wieder nach meiner Erinnerung) Oscar Wilde mehr oder weniger zum "gay icon" reduziert wurde. (Wie die Knutschflecken auf seinem Grabmal auf dem Pariser Père Lachaise vielleicht auch nicht Ausdruck der Bewunderung für sein literarisches Genie sind: )

http://proettlin.de/forum/Wilde_PL.jpg

The Blackadder Chronicles (ich weiß nicht einmal, ob sie hier je gezeigt wurden) ist eine englische Kult-Comedy-Serie aus den 90er Jahren, geschrieben von Richard Curtis (der auch u.a. für solche haarsträubend komischen Serien wie The Vicar of Dibley und Mr. Bean und Filme wie Vier Hochzeiten und ein Todesfall verantwortlich ist) und Ben Elton.

Es gibt vier Serien aus jeweils prominenten Perioden der englischen Geschichte (Mittelalter, elisabethanische Zeit, Regency, Erster Weltkrieg), in denen Rowan Atkinson jeweils einen Blackadder spielt (dessen gesellschaftlicher Status von Serie zu Serie abnimmt, während er an Durchblick zunimmt), der mit Bauernschläue überall durchkommt (ein bißchen wie Flashman).

Dazu gibt es mehrere andere Typen, die in jeder Serie in etwas anderer Form auftauchen, z.B. einen äußerst unhygienischen Menschen aus dem "einfachen Volk", einen geistesschwachen Aristokraten (Hugh Laurie, wenn ich nicht irre) und irgendeinen wichtigen pompösen Typ, der von Stephen Fry gespielt wird - daran denke ich als erstes, wenn ich den Namen höre. Die Geschichten und die Dialoge werden von Mal zu Mal absurder und sind ein Paradebeispiel für den englischen Schuljungen-Humor, der sich über sich selbst lustig macht.

Viele von diesen Komikern sind aus den Cambridge Footlights der Universität hervorgegangen (Fry, Laurie - und andere auch hier bekannte Leute wie die Monty Pythons). Falls Du diesen sehr speziellen Humor ertragen kannst, kann ich Blackadder wärmstens empfehlen.

Grüße,
Gamaheh
cellodil (09.01.2009, 19:15):
Liebe Gamaheh,

das klingt wunderbar und ziemlich nach meiner Kragenweite... mal sehen, ob ich das hier irgendwo auftreiben kann - vielleicht in meiner wohlsortierten Vidothek...

Und das Foto mit den Knutschfecken: Großartig!!! :J

Merci, merci, merci!!! :thanks

und ganz herzliche Grüße

Sabine
Gerion (09.01.2009, 20:30):
Original von cellodil
Original von Gerion
Ich kann dem erstgenannten Fry-Zitat nur eingeschränkt zustimmen. Es übersieht, dass Klassik sehr wohl an einen sozialen Kontext gebunden ist, der jedoch bei verschiedenen Gruppen negativ konnotiert ist. Das gemeinsame Anhören eines Konzerts ist per definitionem wohl (auch) ein soziales Ereignis, wird aber von vielen Menschen als altmodisch oder snobistisch aufgefasst: Insofern kann man wohl nicht von fehlendem Sozialbezug der Klassik sprechen, sondern sollte das Kind beim Namen nennen: Es geht um einen vorhandenen, aber eben polarisierenden Sozialbezug.

Lieber Gerion,

ich glaube, das ist - vielleicht auch durch meine Verkürzung - ein wenig missverständlich.

Es geht in dem Zitat darum, dass Klassik (nicht in der Zeit, in der diese Musik entstanden ist, sondern, wenn wir sie heute im Abstand von vielen Jahren zu ihrer Entstehung hören) nicht in dem Maße eine Generation oder deren Erinnerung an bestimmte Lebensabschnitte (mit-)bestimmt wie es populäre Musik tut, weil nicht alle zur selben (Lebens-)Zeit mit dieser Musik - nolens oder volens - beschallt werden oder sich beschallen.

Das Hören von Klassik (und das gemeinsame Musizieren ohnehin) findet selbstverständlich in der Mehrzahl der Fälle nicht außerhalb eines sozialen Kontexts statt, aber das Erleben eines bestimmten Musikstücks hat in diesem Falle eben nichts, was eine bestimmte Generation konstituieren würde.

Liebe Grüße

Sabine

Hallo Sabine,

vielen Dank für die Antwort. Dem fehlenden Konnex einer Generation mag ich zustimmen, soweit es um eine Verbindung zum musikalischen Entstehungszeitpunkt geht. Den allgemein-sozialen Konnex sehe ich dennoch. Es gibt sicherlich Menschen, die bestimmte Musikstücke mit Lebensabschnitten verbinden. Ich habe beispielsweise vor einigen Jahren intensivst mit dem Klassikhören begonnen und befand mich dabei in einer bestimmten Phase meines Studiums, die im nachhinein prägend war. Höre ich die ersten Stücke, mit denen ich mich intensiv beschäftigte (ich denke da an jeweils ein, zwei Titel von bestimmten CDs), identifiziere ich sie sehr stark mit dieser Zeit - und nur mit dieser Zeit. Anderen mag es ähnlich gehen.

Insofern fehlt mir für die Gesamtaussage des Fry-Zitats das Verständnis. Er mag selbst so ein Erlebnis nicht gehabt haben, aber man sollte diese Selbstdiagnose nicht verallgemeinern. Umgekehrt kann man sicherlich auch nicht sagen, dass zB 80er-Jahre-Musik eine Generation vollständig konstituieren würde. Beide Aussagen sind mir viel zu pauschal.

Herzliche Grüße,
Gerion
cellodil (09.01.2009, 22:58):
Lieber Gerion,

Original von Gerion
Dem fehlenden Konnex einer Generation mag ich zustimmen, soweit es um eine Verbindung zum musikalischen Entstehungszeitpunkt geht. Den allgemein-sozialen Konnex sehe ich dennoch.

Da muss ich noch einmal nachfragen: Was verstehst Du unter einem "allgemein-sozialen Konnex"?

Original von Gerion
Es gibt sicherlich Menschen, die bestimmte Musikstücke mit Lebensabschnitten verbinden.

Ich glaube nicht, dass das Fry-Zitat das in Abrede stellt.

Original von Gerion
Ich habe beispielsweise vor einigen Jahren intensivst mit dem Klassikhören begonnen und befand mich dabei in einer bestimmten Phase meines Studiums, die im nachhinein prägend war. Höre ich die ersten Stücke, mit denen ich mich intensiv beschäftigte (ich denke da an jeweils ein, zwei Titel von bestimmten CDs), identifiziere ich sie sehr stark mit dieser Zeit - und nur mit dieser Zeit. Anderen mag es ähnlich gehen.

Mir scheint, das ist doch genau der Punkt, den Fry beschreibt.

Das, was Du beschreibst, das ist etwas Persönliches oder Subjektives, was nichts mit dem Kollektiv (einer Generation) zu tun hat: Du verbindest mit bestimmten Werken aus der Klassik eine bestimmte Phase während Deines Studiums. Wenn Du diese Werke hörst, dann weckt das Erinnerungen an diese Zeit. Wenn diese Werke hingegen anderen Klassikhörern vorgespielt werden, werden diese alle möglichen Assoziationen dazu haben, die nicht unbedingt etwas mit der Zeit, zu der Du diese Werke gehört hast, zu tun haben müssen. Und, wenn Du Kommilitonen triffst, dann werdet ihr, wenn ihr über diese Zeit redet, nicht irgendwann (zum Beispiel) sagen: "Ach, das war doch, als wir alle immer die Brandenburgischen Konzerte hörten".

Original von Gerion
Umgekehrt kann man sicherlich auch nicht sagen, dass zB 80er-Jahre-Musik eine Generation vollständig konstituieren würde. Beide Aussagen sind mir viel zu pauschal.

... Es geht nicht um Vollständigkeit, glaube ich. Aber zumindest als Jugendlicher musst Du Dich zwingend zur populären Musik Deiner Zeit in irgendeiner Form positionieren - so oder so und ob Du die nun gut findest oder nicht und ob Du das willst oder nicht. Insofern spielt sie schon eine gewisse Rolle.

Liebe Grüße

Sabine
Gerion (10.01.2009, 15:53):
Liebe Sabine,

mit allgemein-sozialem Konnex meine ich u.a. eben den Umstand, dass man sich auch zur Klassik - vielleicht nicht mit einer durchdringenden Intensität - positionieren muss (zB im Musikunterricht). Die Abgrenzung Individuum <-> Kollektiv will mir in diesem Zusammenhang nicht einleuchten, weil es doch um eine jeweils individuelle Positionierung geht, die doch zwangsläufig subjektivistisch sein muss? Und: Wie viele Menschen müssen denn eine persönliche Erfahrung/Beziehung zu Klassik und einer bestimmten Periode ihres Lebens haben, damit man - so wie Du das Zitat auffasst - von einer "Generation" bzw. generationsbetroffenheit sprechen kann? Nein, das will mir alles nicht so ganz einleuchten. Aber egal! :hello
cellodil (10.01.2009, 19:13):
Original von Gerion
... Aber egal! :hello

:hello Gerion!

Danke für Deine Antwort. Ich glaube auch, dass wir uns vielleicht ein bisschen verheddert haben.... (war vielleicht doch besser, dass ich mit dem Zitat keine Diskussion in einem Extrafaden eröffnet habe).

Liebe Grüße

Sabine
Gamaheh (28.02.2009, 16:53):
Original von cellodil
Die Musik ist die zugleich vollkommenste wie die niedrigste aller Künste. So steht es jedenfalls irgendwo bei E.M. Forster.

Liebe Sabine,

hier kannst Du (und andere Interessierte) ein kleines Video zum Thema Stephen Fry und die Musik sehen: "Piano Master Class" mit Stephen Fry und Hugh Laurie, das sehr gut die Art von Humor illustriert, die ich meinte.

Für die unter Euch, die Schwierigkeiten mit der englischen Sprache haben, gibt es tschechische Untertitel!

Viel Spaß wünscht
Gamaheh
nikolaus (28.02.2009, 17:14):
Original von Gamaheh

Für die unter Euch, die Schwierigkeiten mit der englischen Sprache haben, gibt es tschechische Untertitel!

Viel Spaß wünscht
Gamaheh

Gott sei Dank, wird aber auch Zeit...
cellodil (28.02.2009, 22:49):
Original von Gamaheh
Original von cellodil
Die Musik ist die zugleich vollkommenste wie die niedrigste aller Künste. So steht es jedenfalls irgendwo bei E.M. Forster.

Liebe Sabine,

hier kannst Du (und andere Interessierte) ein kleines Video zum Thema Stephen Fry und die Musik sehen: "Piano Master Class" mit Stephen Fry und Hugh Laurie, das sehr gut die Art von Humor illustriert, die ich meinte.

Für die unter Euch, die Schwierigkeiten mit der englischen Sprache haben, gibt es tschechische Untertitel!

Viel Spaß wünscht
Gamaheh

Liebe Gamaheh,

you made my day!!!

http://www.smiliegifs.de/SMILIES/Lachen/390.gif

Ich fürchte allerdings, dass ich das ganze Haus mit meinem Gelächter aufgeweckt habe. Köstlich, wunderbar, großartig!

:thanks :thanks :thanks :thanks :thanks

und allerliebste Grüße

Sabine
ab (04.06.2009, 15:13):
„Der Orchestermusiker ist notwendigerweise ein verzweifelter Mensch. Es gibt keinen Orchestermusiker, der nicht mit größter Begeisterung Musiker geworden ist. Dann kommt er ins Orchester. Er hat in seinem Leben herrliche Orchestermusik gehört and sagt sich: Wunderbar, jetzt bin ich ein Teil davon. Aber schon der erste Dienst wird furchtbar. Da steht einer vor ihm, der hat ein - für ihn - nicht nachvollziehbares Konzept. Trotzdem muss er so spielen, wie der das will. Im Laufe des Jahres hat der Musiker dann sechzig, siebzig verschiedene Leiter, ein jeder will was anderes, drei, vier davon können das, was sie wollen, sogar verständlich machen. Und dann verlangt man von einem Orchestermusiker auch noch Enthusiasmus. Es wäre doch verrückt, immerfort begeistert zu sein, wenn eigentlich kein Grund dafür da ist. "

Aus einem Interview von Nikolaus Harnoncourt (2002).

(gefunden in: Paternoga, Sabrina: Arbeits- und Berufszufriedenheit im Orchestermusikerberuf, Berlin 2005: Rhombos Verlag, S. 13.)
ab (21.08.2009, 10:09):
sorry
Heike (04.07.2010, 23:10):
„Essen und Lieben, Singen und Verdauen, das sind die vier Akte der Opera Bouffe, die man gemeinhin das Leben nennt und das verschwindet – wie Champagnerschaum auf der Zunge. Wer es dahinschwinden läßt, ohne es genossen zu haben, ist ein Erznarr!“ (Rossini)

:times10
Heike
ab (23.08.2010, 13:57):
„Wie wenige du gelesen hast, wie wenig du kennst – aber vom Zufall des Gelesenen hängt es ab, was du bist.“
Elias Canetti
ab (24.08.2010, 12:01):
"Das Typische lässt kühl, nur das als individuell verstandene macht, dass wir außer uns geraten."
(Th. Mann)
Cetay (inaktiv) (05.10.2010, 07:34):
"Las ich Kritiken von teuflischer Bosheit, so nahm ich diese als einen Beweis dafür, daß es in meiner Entwicklung ad astra ging." (Sibelius)
ab (02.12.2010, 09:38):
"Man muss mit Bescheidenheit danach trachten, allen Freude zu bereiten; in diesen Grenzen ist vielleicht große Schönheit möglich. Die auf die Spitze getriebene Kompliziertheit ist das Gegenteil von Kunst. Die Schönheit muss sinnlich wahrnehmbar sein, damit sie uns zu einem unmittelbaren Genuss verhilft, damit sie in uns eingehe oder eindringe, ohne dass wir Mühe haben, sie zu begreifen."

Claude Debussy (La Revue bleue, 2.4.1904)

... ein Avantgardist seiner Zeit ...
Sfantu (02.12.2010, 14:35):
Warum ich Musiker geworden bin? Wegen dem Bier.

Paul Hindemith (verdingte sich in seiner Jugend in Kurorchestern und als Militärmusiker). Wenn daraus ein solches schöpferisches Kaliber ersteht - Hopfen und Malz, Gott erhalt's!!!

:hello Sfantu
ab (02.12.2010, 15:27):
Vielleicht ist Stille nur ein anderer Name für Raum.

Philippe Jaccottet (Der Unwissende)
ab (10.12.2010, 21:40):
In der Musik geht es nicht um Perfektion, sondern um die Freiheit, zu zeigen, wer man wirklich ist.
Aura Dione

(live in einer Fernsehcastingshow am 10.12.2010)

:times10
ab (10.12.2010, 23:43):
Kunst ist nicht eine bessere, sondern eine andere Existenz; sie ist nicht der Versuch, der Realität zu entfliehen, sondern das Gegenteil: ein Versuch, sie zu beseelen. Sie ist der Geist, der einen Leib sucht und Worte findet.
Joseph Brodsky
ab (14.01.2011, 14:15):
Gerade im Radio gehört: Artur Schnabel habe auf die Frage nach seiner Ablehnung, Zugaben zu spielen, wie folgt geantwortet:

Applaus ist eine Quittung; keine Rechung!
Amadé (14.01.2011, 17:39):
Original von ab
Artur Schnabel habe auf die Frage nach seiner Ablehnung, Zugaben zu spielen, wie folgt geantwortet.........

Wahrscheinlich konnte er auch nicht gut dosieren, in seiner Jugend gab er in Berlin als Zugabe die Goldbergvariationen. :D

Gruß Amadé
ab (14.01.2011, 17:53):
Original von Amadé
Original von ab
Artur Schnabel habe auf die Frage nach seiner Ablehnung, Zugaben zu spielen, wie folgt geantwortet.........

Wahrscheinlich konnte er auch nicht gut dosieren, in seiner Jugend gab er in Berlin als Zugabe die Goldbergvariationen. :D

Gruß Amadé

:rofl

Wo kann man solches nachlesen? Gibts eine lesenswerte Autobiographie oder Biopraphie?
:thanks
Fairy Queen (14.01.2011, 22:48):
Lieber ab, ich bin von dem Brodsky Zitat über die Kunst total begeistert und habe es mir schon ûbersetzt! Wo hast Du das gefunden? Kennst du Brodskys Venedig-Buch "Fondamenta degli incurabili? Wenn nicht, unbedingt lesen!!! Dort steht z.B. "Venedig ist ein guter Ort für Flitterwochen, aber ich habe oft gedacht, man sollte ihn auch einmal fûr Scheidungen ausprobieren."


Ich biete heute abend vor dem Schlafengehen einen Samuel Taylor Coleridge an:

Wenn ein Mensch im Traum das Paradies durchwanderte und man gâbe hm eine Blume als Beweis, dass er dort war und er fände beim Aufwachen diese Blume in seiner Hand- was dann?

Bonne nuit
ab (14.01.2011, 23:10):
Original von Fairy Queen
Lieber ab, ich bin von dem Brodsky Zitat über die Kunst total begeistert und habe es mir schon ûbersetzt! Wo hast Du das gefunden?


Bei irgend jemand anderen zitiert, womöglich in einem Essay von Handke. Aber einfach kopiert und bei google eingegeben, schon hat man es:

Joseph Brodsky in seinem Essay über Ossip Mandelstam, so zufolge der Webseite von Ivan Eröd (einem Komponisten erfreuender Musik, by the way).
Das macht mir gerade Lust auf Musik von Schwertsik...
Severina (14.01.2011, 23:48):
Original von ab
Original von Fairy Queen
Lieber ab, ich bin von dem Brodsky Zitat über die Kunst total begeistert und habe es mir schon ûbersetzt! Wo hast Du das gefunden?


Joseph Brodsky in seinem Essay über Ossip Mandelstam, so zufolge der Webseite von Ivan Eröd (einem Komponisten erfreuender Musik, by the way).
Das macht mir gerade Lust auf Musik von Schwertsik...

Vater eines erfreuenden Bariton, by the way :D

lg Severina :hello
Amadé (15.01.2011, 14:43):
@ab

Eine einigermaßen moderne Biographie scheint es nicht zu geben, jedenfalls kenne ich kenen Hinweis hierzu.
Sehr interessant, jedoch nur für Fachleute hilfreich ist dieses Buch von Konrad Wolff: Interpretation auf dem Klavier. Was wir von Artur Schnabel lernen .

Eine Quelle bezgl. Goldbergvariationen kann ich Dir nicht nennen, erinnere mich jedoch, dieses mehrmals an verschiedenen Stellen gelesen zu haben, u.a. auch in CD-Booklets.

Gruß Amadé
:hello
Gamaheh (15.01.2011, 23:06):
Original von ab
Original von Amadé
Original von ab
Artur Schnabel habe auf die Frage nach seiner Ablehnung, Zugaben zu spielen, wie folgt geantwortet.........

Wahrscheinlich konnte er auch nicht gut dosieren, in seiner Jugend gab er in Berlin als Zugabe die Goldbergvariationen. :D

Gruß Amadé

:rofl

Wo kann man solches nachlesen? Gibts eine lesenswerte Autobiographie oder Biopraphie?
:thanks

Das kannst Du in der New York Times vom 10. Mai 1991 in einem Nachruf nachlesen; wir wollen nicht kleinlich sein, also nehmen wir's wie Radio Eriwan:

(Zitat aus der NY Times) him as a soloist in Bach's Brandenburg Concerto No. 5 at Mr. Serkin's Berlin debut in 1921. Mr. Serkin, recalling this in the magazine Clavier, said: "I was 17 years old. At tne end of the concert, because it had been a great success, Busch pushed me out, saying I should play an encore. 'What shall I play?' I asked. 'The Goldberg Variations,' he replied, as a joke. (Without repeats, the Bach work takes half an hour to perform.) And I took him seriously. When I finished there were only four people left: Adolf Busch, Arthur Schnabel, Alfred Einstein and me."

Grüße,
Gamaheh
ab (13.04.2011, 23:19):
The tragedy of life is not that it ends so soon,
but that we wait so long to begin it.
--W. M. Lewis