Guenther (03.03.2019, 10:41):
Hallo zusammen,
bekam kürzlich eine sehr interessante CD geschenkt:
https://www.amazon.de/Haydn-Mozart-Beethoven-historischen-Instrumenten/dp/B0012Z5JFS/
Im Gegensatz zu vielen anderen Hip-Anufnahmen wird hier von Martin Souter
http://www.bach-cantatas.com/Bio/Souter-Martin.htm
auf echten historischen Hammerflügeln gespielt. Und zwar sind dies Instrumente von:
- Ferninand Hofmann von 1790 (Wien) für die Mozart-Stücke
- John Broadwood von 1801 (London) für die Haydn-Stücke
- Joseph Böhm von 1820 (Wien) für die Beethoven-Stücke
Diese Aufnahme ist hörenswert, weil die Instrumente extrem unterschiedlich klingen. Der Broadwood ist m.E. am ausgewogensten, was die Lagen, vor allem Baß und DIskant angeht.
Der Böhm ermöglicht dem Pianisten das durchgängige Aufheben der Dämpfung im Kopfsatz der "Mondscheinsonate", was natürlich auf einem heutigen Instrument nicht möglich wäre, ohne ein unverständliches "Kauderwelsch" zu hinterlassen, die relativ kurze Nachklingzeit des Böhm erlaubt dies aber (auch wenn Czerni der Meinung war, man solle nicht durchgängig aufheben).
Im dritten Satz verwendet Souters ein mörderische Tempo, das dann wiederum die Schwächen der mittleren Lagen offenbart: Hier verschwimmen die Töne für meinen Geschmack dann doch zu sehr, und ich hätte vielleicht etwas weniger Pedal genommen.
Kommen wir zum Hofmann. Auf ihm erklingen die Fantasien in d-Moll und c-Moll sowie die Variationen über "Ah! Vous dirai-je, Maman". Bei diesem Flügel gefällt mir der Diskant am besten, Mittellage und Baß sind mir persönlich zu dumpf (reine Geschmacksfrage, völlig unmaßgeblich). Auch hier wird man der extrem kurzen Nachklingzeit gewahr, was bei den schnellen Läufen der d-Moll-Fantasie Vorteile hat. Souter gibt hier tw. auch Dämpfungsaufhebung hinzu, was man natürlich machen kann, aber mir nicht ganz verständlich ist.
Die tragende Melodie dieser Fanatasie hört sich für unsere Ohren, die Steinways gewohnt sind, natürlich ein wenig seltsam und dünn an. Zu sehr sind wir heute verwöhnt von der Linie dieser Melodie, die auf einem modernen Flügel gespielt natürlich wie eine Singstimme wirken kann. Man muß diesen Flügel öfter hören, bevor man "versteht", wie er sich mitteilt. Interessant ist übrigens, daß Souter bei dieser Fantasie am Ende eine Variante der ersten 11 Takte wiederholt und die unvollendet gebliebene Stelle in D-Dur wegläßt (angeblich hat ein gewisser August Eberhard Müller die letzten 10 Takte verfaßt).
Bei den Variationen gefällt der transparente Klang zwischen den Stimmen in Mittellage und Diskant (z.B. bei der Variation 2): Die Begelitfigur in der linken Hand ist jederzeit sauber und klar zu hören, während der Diskant die Variation der Melodie spielt. Für solche Stücke scheint mir der Hofmann gut geeignet zu sein.
Kommen wir zu Broadwood, damals führender Klavierbaumeister in London. Bei den Haydn-Sonaten fällt sofort der feine und durchsichtige Diskant auf, während sich der Baß mit vollem Klang dennoch nie in den Vordergrund drängt. Das mag natürlich auch zu einem guten Teil dem Tonmeister zu verdanken sein. ;)
Auch scheint mir hier der Diskant am längsten nachzuklingen (will ich aber nicht meine Hand für ins Feuer legen). Für mich das am schönsten klingende Instrument der drei.
Eine extrem interessante Aufnahme, die ich jedem Liebhaber historische Instrumente nur ans Herz legen kann.