Rachmaninov (17.03.2006, 12:42): J.S.Bach erhielt von Graf Keyserling 1742 den Auftrag eine Musik zu komponieren, die ihm bei seinen üblichen schlaflosen Nächten zum Zweck der Regeneration, durch den Hofpianisten Goldberg vorgespielt werden konnte.
Trotz hohem Anspruch an den Pianisten und hohem musikalischem Niveau ist es Bach gelungen dennoch ein sehr "zugängliches" Werk zu schaffen.
Eingeschlossen der einführenden "Aria" und der abschließenden "Aria da Capo e Fine" sind insgesamt 30 Variationen.
Somit stellen die GBV einen der wichtigsten Variationszyklen der Musikgeschichte dar.
Meine Lieblingsvariation ist die Variation #12.
G. Gould gilt für mich als einer der idealen Interpreten dieser Variationen. Seine Bachspiel hat etwas, etwas "spirituelles" das mich auf eigentümliche Art und Weise sehr anspricht!
AcomA (21.03.2006, 14:02): hallo,
erstmalig hörte ich die GBV im radio, etwa 1981. es war eine live-übertragung aus den wiener festwochen mit andras schiff am flügel. ich war sofort begeistert und voll im banne dieses olympischen werkes. andras schiff formulierte so wie wir ihn kennen. luftig, tänzerisch und dabei so transparent und mit absolut unabhängigen händen ! es war die offenbarung des werkes und des interpreten gleichsam. ich schnitt mir gezielt die übertragung auf mc. ich habe sie heute noch ! später lernte ich mit dieser aufnahme im hintergrund für meinen anatomiekursus immer bis spät in die nacht. diese musik aktiviert die auffassungsgabe des hirns und hält gleichzeitig in unprätentiöser weise wach ! andras schiff spielt die wiederholungen durchgehend im gegensatz zu glenn gould, dessen drei versionen auf tonträger ich auch habe und bewundere. als 'testament' würde ich tatsächlich auch die späte einspielung aus 1982 nennen. zusammen mit der späten einspielung andras schiff bei ECM für mich immer noch referenz ! zunächst mal die abbildung der frühen schiff-aufnahme bei decca, die ich auch kenne und die zeitlich und interpretatorisch dem 'radio-beitrag' des ungarischen pianisten entspricht:
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9976405.jpg
überdies erlebte ich andras schiff in der essener philharmonie (19.12.2004) mit eben diesen GBV: fazit: sternstunde, bestätigung seiner aktuellen platte. überhaupt kein pedaleinsatz ! trotzdem die fähigkeit des singens. eine immense steigerung, welche im quodlibet gipfelte. man hätte problemlos einen mitschnitt anfertigen können und auf platte publizieren können.
ich werde im weiteren noch einige erfahrungen mit den GBV mitteilen.
gruß, siamak :engel
Rolf Scheiwiller (21.03.2006, 17:38): Ich liebe dieses Werk ebenso. Allerdings NUR auf dem Cembalo. Obwohl ich die Gould-Aufnahmen habe. Es gibt so verschieden klingende Cembali. Da ist es immer eine Freude jeweils wieder eine andere Einspielung zu hoeren. Auch das ital. Konzert am liebsten mit dem Ungarn Miklos Pereny. Auf Hungaroton.
Freundliche Gruesse. Rolf.
Rachmaninov (21.03.2006, 17:49): @Rolf, kennst Du auch die aufnahme von Pierre Hantai?
@AcomA,
die Schiff-Aufnahme ist in der tat superb, allerdings stellt sich bei mir - nicht immer, aber manchmal - so etwas wie Übersättigung seines Klaviertons ein. Das würde ich in einer schlaflosen Nacht eher zu Gould greifen, was ich auch schon praktiziert habe!
Aber wo Du gerade von Sternstunde schreibst: Da möchte ich dann aber auch noch die Aufnahme von Vladimir Feltsman nennen. Er aht die Aufnahme live am Moskauer Konservatorium aufgenommen. IMO eine Spitzenklasseaufnahme, die sich bei mir ganz weit nach vorne positioniert hat:
Feltsman erlaubt sich allerdings Sprünge bei den Oktaven (ähnlich wie Stadtfeld, allerdings auf anderem Niveau, wenn ich anmerken darf :wink)
welche dritte Aufnahme existiert denn noch von Gould? Ich kenne nur die aus 1955 und 1981. Alternativ hatte ich mir die seinerzeit von den Medien enorm gepuschte Stadtfeld-Aufnahme (damals hieß es etwa: ein zweiter Gould ist am Pianistenhimmel aufgetaucht) zugelegt, sie nach einigen Hörsitzungen jedoch wieder verkauft. Ich weiß allerdings gar nicht mal mehr, was mich daran störte.
Gruß, Cosima
Rachmaninov (21.03.2006, 18:03): Original von Cosima Hallo Siamak, hallo allerseits,
welche dritte Aufnahme existiert denn noch von Gould? Ich kenne nur die aus 1955 und 1981. Alternativ hatte ich mir die seinerzeit von den Medien enorm gepuschte Stadtfeld-Aufnahme (damals hieß es etwa: ein zweiter Gould ist am Pianistenhimmel aufgetaucht) zugelegt, sie nach einigen Hörsitzungen jedoch wieder verkauft. Ich weiß allerdings gar nicht mal mehr, was mich daran störte.
Gruß, Cosima
G. Gould: Salzburg Recital
josquin (21.03.2006, 18:04): Original von Cosima Hallo Siamak, hallo allerseits,
welche dritte Aufnahme existiert denn noch von Gould? Ich kenne nur die aus 1955 und 1981. Alternativ hatte ich mir die seinerzeit von den Medien enorm gepuschte Stadtfeld-Aufnahme (damals hieß es etwa: ein zweiter Gould ist am Pianistenhimmel aufgetaucht) zugelegt, sie nach einigen Hörsitzungen jedoch wieder verkauft. Ich weiß allerdings gar nicht mal mehr, was mich daran störte.
Gruß, Cosima
Hallo cosima, es gibt noch einen Live-Mitschnitt aus Salzburg, aus den 50ern.
Gruß norbert
Rolf Scheiwiller (21.03.2006, 18:09): Hallo Richard. Von Pierre Hantaii besitze ich, wenn ich mich nicht taeusche, lediglich eine Scarlatti-CD.
Gruss Rolf.
Cosima (21.03.2006, 18:36): Ah, prima (wegen des Salzburg-Mitschnitts): Und wie würdet Ihr den einschätzen im Verhältnis zu den anderen beiden Aufnahmen? Der scheint ja weniger bekannt zu sein oder ist mir da einfach etwas Wichtiges entgangen?
Gruß, Cosima
Ganong (21.03.2006, 19:20): Lieber Norbert , es gibt die bei CBS erschienee Aufnahme ( Live-Mitschnitt ) aus Salzburg von 1970 oder 1972 . Als Cd bei Sony erhältlich . Persönlich überzeugt mich dies Aufnahme am meisten . Grüsse , Ganong
josquin (21.03.2006, 19:39): Original von Ganong Lieber Norbert , es gibt die bei CBS erschienee Aufnahme ( Live-Mitschnitt ) aus Salzburg von 1970 oder 1972 . Als Cd bei Sony erhältlich . Persönlich überzeugt mich dies Aufnahme am meisten . Grüsse , Ganong
Hallo Ganong, gehört habe ich sie auch noch nicht!
Ich dachte es gäbe zwei aus den 50ern. Ein von 55, die andere 58 (Salzburg). Von einer 70er wußte ich gar nichts. Vielleicht gibt es ja noch mehr Aufnahmen!?
Ich besitze die 55er, welche die von mir meistgehörte Klassikaufnahme (neben Beethoven-Werken) überhaupt sein dürfte, und die 80er digital und analog.
Gruß Norbert
AcomA (21.03.2006, 22:56): hallo Cosima, Norbert und Ganong,
der von sony veröffentlichte live-mitschnitt der GBV mit glenn gould ist teil seines letzten öffentlichen auftrittes in europa, nämlich tatsächlich bei den salzburger festspielen am 25.08.1959. der ÖRF nahm es auf. auf dem programm standen noch die 'fantasia' von j.p. sweelinck, schönbergs suite op.25 und mozarts sonate c-dur KV 330.
goulds letzte öffentliche sprich live-aufführung der GBV geschah laut angaben von michael stegemann (sony) am 25.04.1961 in los angeles ! daher kann es eigentlich keinen live-mitschnitt aus den 70er jahren geben, erst recht nicht aus europa.
nun zu dem live-mitschnitt von 1959: gould spielt keine wiederholungen, daher ist der zyklus rasch vorüber ! ein tolles dokument, da es die ungestüme art des jungen pianisten festhält. er entwickelt mit motorischem drive und kantabler kunst in den ruhigeren variationen das werk quasi aus einem guss. ein paar 'danebengreifer' sind in diesem zusammenhang natürlich unbedeutend. noch meditativer und intensiver empfinde ich die auf der cd enthaltenen dreistimmigen inventionen (sinfonien) bachs in einem live-mitschnitt goulds aus moskau vom 07.05.1957.
gruß, siamak :)
josquin (22.03.2006, 00:28): Hallo Siamak, danke für die Hinweise. Ich dachte mir schon, daß es die 70er nicht gibt, bzw. es beruhigt mich nichts verpaßt zu haben.
Gruß Norbert
AcomA (23.03.2006, 10:09): hallo,
nachdem ich die IMO referenzaufnahmen zu diesem werk aufführte und Rachmaninovs aussage bekräftigte, möchte ich hier eine liste aufführen mit interpretationen/aufnahmen, welche sehr stark sind und den referenzen nur unwesentlich nachstehen. sie werden wohl nie die interpretationsgeschichtliche bedeutung erlangen:
vladimir feltsman (musicmasters, DDD) - live mitschnitt vom 26.10.1991. Rachmaninov hat diese aufnahme völlig zu recht herausgestellt. phantastisches feeling für die tempi, die nie übertrieben sind. schöne unabhängigkeit der hände. die wiederholungen warten mit kleinen überraschungen auf. häufige oktavverschiebungen in beiden händen drängen sich nicht auf, sondern unterstützen die möglichkeiten des flügels hinsichtlich farbgebung. so erreicht man einen meditativen höhepunkt in der var. 15 (canone alla quinta), wo die linke hand eine oktave tiefer gelegt wird. auch politisch interessant ! feltsman sollte damals im rahmen des anstehenden horowitz-besuches in moskau in der US-botschaft ein recital geben. justamente waren saiten des dortigen flügels durchgeschnitten ! es bestand der verdacht auf sabotage durch den KGB ! feltsman wartete auf seine emigration als jüdischer zeitgenosse, was ja dann auch gelang. so kann man vielleicht diesen mitschnitt als 'befreiungsschlag' nach der wende werten.
evgeny koroliov (hänssler, DDD) - ausgeprägte anschlagsrafinesse, transparenz und vor allem sehr sonorer klang. der einzige nachteil ist die konservierung auf zwei cds.
murray perahia (sony, DDD) - für ihn typische geläufigkeit. die stärke liegt in den unterschiedlichen gewichtungen der hände bei den wiederholungen.
andrei gawrilov (DG, DDD) - sehr temperamentvoll, transparent. jedoch IMO an einigen stellen zu sportiv !
wilhelm kempff (DG, ADD) - vielleicht wird hier jemand einspruch erheben, da der späte kempff dem manualtechnischen standard nicht standhält ! ich halte diese aufnahme für ein bedeutendes zeugnis. sie legt die musikalische substanz auf einfachste und ungeschmückteste weise frei. seine sangeskunst macht betroffen im positiven sinn. außerdem spielt er die aria unverziert und zügig. ein ganz anderer charakter entsteht. kempff war einer der erfahrendsten bach-spieler. er hatte bach-programme schon vor dem 2. weltkrieg.
Rachmaninov (23.03.2006, 10:24): Original von AcomA vladimir feltsman (musicmasters, DDD) - live mitschnitt vom 26.10.1991.
Ja, und mein Neid ist den Menschen sicher, die damals anwesend sein durften!
evgeny koroliov (hänssler, DDD) - ausgeprägte anschlagsrafinesse, transparenz und vor allem sehr sonorer klang. der einzige nachteil ist die konservierung auf zwei cds.
Aber die CD's sind wenigsten "logisch" geteilt und das Booklet ist wirklich sehr informativ. Eine verzügliche Aufnahme des wohl derzeit von Koriolov!
andrei gawrilov (DG, DDD) - sehr temperamentvoll, transparent. jedoch IMO an einigen stellen zu sportiv !
Sportiv ist aber eine sehr schmeichelnde Beschreibung. Mich hat die Aufnahme bei ersten Hören geschockt und bis heute mag ich sie nicht. Gavrilov zeigt zwar welche technischen Fähigkeiten er besitzt, die er auch hier mit seinen riesen Händen präsentiert, geht aber IMO völlig an der Intention des Werkes vorbei.
josquin (23.03.2006, 11:51): Hallo allerseits, hallo Siamak, ließe sich über die Einordnung von Perahias Interpretation noch verhandeln. Ich finde sie gehört in Siamaks Spitzengruppe. Die Darbietung der Aria ist mit der von Gould einsame Spitze. Die Gestaltungspalette der einzelnen Variationen ist faszinierend. Der einzige Kritikpunkt, welcher zugegebenermaßen schwer wiegt, ist die verschenkte Chance, die 25. Variation in ihrem meditativen Charakter richtig dargestellt zu haben. Sie ist der Höhepunkt der GBV, unerreicht interpretiert von Gould. Ich behaupte das wird auch ewig so bleiben. ABER, hier fällt auch Gould durch eine Grobheit auf, die ich nie verstanden habe. Nachdem man sich in diese wunderbaren 6 Minuten versenkt hat, wird man von Gould mit einem Eimer kaltem Wasser übergossen. Er drischt dann in der 26. Variation dermaßen brutal in die Tasten, daß ich jedesmal geschockt bin. Hier findet bei Perahia und Schiff große Kunst statt, wenn sie die 26. Variation langsam “anschwellen lassen”. Gänsehaut! Mein Verhandlungsangebot: Nimm den frühen Schiff heraus und ersetze ihn durch Perahia. Der frühe Schiff kommt dann in die zweite Gruppe :D Zu Schiff muß ich sagen, daß ich ihn erst richtig schätze, seit ich seine Aufnahmen bei ECM höre. Was mich bei ihm FRÜHER immer gestört hatte, Gleiches gilt abgeschwächt auch für Perahia, war sein Anschlag. Ich möchte ihn mit einem Bild beschreiben. Schiff (und Perahia) klang immer, als wäre die Klaviatur mit Moosgummi belegt! Das empfinde ich heute nicht mehr so.
Gruß Norbert
AcomA (23.03.2006, 12:06): hallo Norbert,
du kannst gerne den perahia in die spitzengruppe setzen. ich meinte ja auch, dass die zweite gruppe nur unwesentlich dahinter anzusetzen wäre, also nicht signifikant. bezgl. a. schiffs anschlag hatte ich lange zeit das gefühl, er wäre auch ein mitprodukt der tontechnik. spätestens seit ich ihn zweimal live erlebte (steinway), weiß ich, dass schiff ihn selbst erzeugt !
gruß, siamak :)
Rolf Scheiwiller (23.03.2006, 12:14): Gottseidank! Diese Perahia Aufnahme gibt es bei mir nämlich auch noch. Nur hören sollte man sie mal! Aber seine Mozart Einspielungen der Konzerte liegen schon regelmässig im Player. Gruss. Rolf.
Ganong (23.03.2006, 13:53): Lieber siamak , Du hast natürlich Recht . Die Aufnahme , von der Du das CD-Cover beigefügt hast , stammt von Goulds Live-Abend in Salzburg am 29. August 1959 . Die Interpretation dauert nur 38:17 Minuten ( rekordverdächtig ) . Ob es zulässig ist , Wiederholungen ( zum Beispiel fast durchgehend Brendel bei Schubert ) wegzulasen , sei dahingestellt . Für mich ist diese Aufnahmne die logischste der mir bekannten Aufnahmen des Werkes durch Gould . Michael Stegemann , der nicht nur ein an Informatiionen reiches Buch über Gould geschrieben hat , verfasste auch fast alle Booklets seiner CDs .Er gibt das von Dir zitierte Datum als letztes der insgesamt 12 Konzertwiedergaben durch Gould an . Die "Dreistimmigen Inventionen" ( BWV 788 - 801 ) aus Moskau vom 7. Mai 1957 sind eine Referenzaufnahme . Das beide Aufnahmen in mono erhalten sind , stört - mich - überhaupt nicht . Grüsse , Frank
AcomA (23.03.2006, 14:21): hallo Frank,
also dafür, dass die besagten live-mitschnitte mono sind, ist der klang sehr präsent und wunderschön obertonreich !
gruß, siamak :beer
josquin (23.03.2006, 15:59): Hallo Siamak, hätte Ragna Schirmer eine Chance in Deine zweite Gruppe aufgenommen zu werden? =)
Gruß Norbert
AcomA (23.03.2006, 16:27): hallo Norbert,
eigentlich wollte ich später noch eine dritte gruppe anführen, weitere interpretationen, die ich kenne. da würde ich ragna schirmer einordnen. damit du mich nicht falsch verstehst. es ist eine kategorisierung, letztlich subjektiv und auf allerhöchstem niveau ! ragna schirmer spielt auf überdurchschnittlich hohem niveau. ich kenne ihre cds und habe sie live in der düsseldorfer tonhalle in düsseldorf erlebt, mit den GBV ! eine eindrucksvolle performance. perfekt ! pianistisch und im strukturanalytischen ansatz. es klingt aber zu 'trocken', zu akademisch, würde man sagen. die phrasierung ist sehr statisch. auf die dauer erzeugt sie ermüdung beim zuhörer. dieses haben mir auch die anderen, die anwesend waren mitgeteilt.
gruß, siamak :)
Ganong (23.03.2006, 17:27): Lieber Siamak , absolut d i e Referenzaufnahmen der Goldberg - Variationen für mich : Alexis Weissenberg ( 1967 und 1982 ) . Weissenberg nutzt die Möglichkeiten des moderenen Steinway in seiner späteren Aufnahme noch konsequenter . Dies ist Klavierspiel auf höchstem Niveau . Man mag Alexis Weissenbergs aus Intellekt und Emotion gepaartes Spiel vielleicht nicht subjetiv mögen , aber die visionäre Klnagwelt Bachs erfüllt er wie kein anderer Pianist . Viele Grüsse , Frank
josquin (23.03.2006, 22:18): Original von AcomA hallo Norbert,
eigentlich wollte ich später noch eine dritte gruppe anführen, weitere interpretationen, die ich kenne. da würde ich ragna schirmer einordnen. damit du mich nicht falsch verstehst. es ist eine kategorisierung, letztlich subjektiv und auf allerhöchstem niveau ! ragna schirmer spielt auf überdurchschnittlich hohem niveau. ich kenne ihre cds und habe sie live in der düsseldorfer tonhalle in düsseldorf erlebt, mit den GBV ! eine eindrucksvolle performance. perfekt ! pianistisch und im strukturanalytischen ansatz. es klingt aber zu 'trocken', zu akademisch, würde man sagen. die phrasierung ist sehr statisch. auf die dauer erzeugt sie ermüdung beim zuhörer. dieses haben mir auch die anderen, die anwesend waren mitgeteilt.
gruß, siamak :)
Hallo Siamak, ich habe heute noch mal in ihre Aufnahme reingehört. Jetzt aber mit dem Vorurteil belastet, vorher Deine Einschätzung gelesen zu haben. Du hast recht :beer Wäre sie wirklich besser, griffe ich auch häufiger zu ihr. Meistens läuft bei mir einer aus der Spitzengruppe. Ich hatte halt irgendwie in Erinnerung, daß die Kritik bei ihr von Referenzqualitäten sprach. Außerdem wollte ich auch eine Frau in die Spitzengruppe einschleusen :engel
Gruß Norbert
AcomA (23.03.2006, 22:25): hallo Ganong,
ich habe die frühe weissenberg-aufnahme aus den 60er jahren im rahmen der wiederveröffentlichung aller seiner damaligen bach-aufnahmen (EMI).
über weissenberg als pianist und mensch habe ich eine sehr hohe meinung ! und aus obiger sammlung liebe ich die partiten, die franz. ouvertüre und die chrom. fantasie und fuge. diese aufnahmen kenne ich schon aus der schulzeit. ich erlebte alexis weissenberg live in neuss mit der 4. partita. großes bach-spiel. bei den GBV mag ich ihn nicht ! IMO spielt er teilweise zu sportiv (siehe gawrilov) und es klingt häufig hektisch und 'brutal'. ich wollte ihn daher in die dritte gruppe einordnen. gerade bei den GBV hilft IMO eine lockerheit, eine relaxation der oberen extremitäten. das ist bei weissenberg nicht so vorhanden. er hatte die angewohnheit, die kraft überwiegend aus den oberarmen zu entwickeln, nicht aus den handgelenken.
gruß, siamak :)
AcomA (23.03.2006, 22:28): hallo Norbert,
um eine frau zu berücksichtigen, kann man noch die 'grande dame de bach' rosalyn tureck sowie die kanadierin angela hewitt besprechen. vielleicht hat hier jemand erfahrung !
gruß, siamak :)
josquin (23.03.2006, 22:30): Off Topic!
Wenn wir hier schon mal einen Arzt haben :)
Siamak, von welcher Krankheit war eigentlich Perahia befallen, die ihn für Jahre am Klavierspiel hinderte?
Gruß Norbert
AcomA (23.03.2006, 22:38): hallo Norbert,
er litt an einer sog. dystonie der rechten hand. es ist eine sog. extrapyramidal-motorische störung, eine art muskelverkrampfung. sie tritt infolge überbeanspruchung auf. eine insgesamt nicht seltene problematik bei pianisten und interessanterweise meist die rechte hand betreffend. andere leidgenossen: leon fleisher, gary graffman und michel beroff !
gruß, siamak :)
josquin (23.03.2006, 22:48): Original von AcomA hallo Norbert,
er litt an einer sog. dystonie der rechten hand. es ist eine sog. extrapyramidal-motorische störung, eine art muskelverkrampfung. sie tritt infolge überbeanspruchung auf. eine insgesamt nicht seltene problematik bei pianisten und interessanterweise meist die rechte hand betreffend. andere leidgenossen: leon fleisher, gary graffman und michel beroff !
gruß, siamak :)
Danke Siamak klingt bei medizinischem Vokabular wie immer schlimm. Ich hätte nicht gedacht daß eine Verkrampfung so lange anhalten kann. Seine Karriere schien am Ende zu sein. Sein Come Back war um so fulminanter!
Gruß Norbert
p.s. Jetzt läuft Scheibenwischer!
Rachmaninov (24.03.2006, 00:36): Original von josquin
Danke Siamak klingt bei medizinischem Vokabular wie immer schlimm. Ich hätte nicht gedacht daß eine Verkrampfung so lange anhalten kann. Seine Karriere schien am Ende zu sein. Sein Come Back war um so fulminanter!
Gruß Norbert
In der piano news 2/2001 wqar ein Artikel darüber drin! Hast Du den nicht gelesen? :tongue:
josquin (24.03.2006, 16:38): Original von Rachmaninov Original von josquin
Danke Siamak klingt bei medizinischem Vokabular wie immer schlimm. Ich hätte nicht gedacht daß eine Verkrampfung so lange anhalten kann. Seine Karriere schien am Ende zu sein. Sein Come Back war um so fulminanter!
Gruß Norbert
In der piano news 2/2001 wqar ein Artikel darüber drin! Hast Du den nicht gelesen? :tongue:
Hallo R.., ich lese diese Zeitschrift gar nicht :(
Meine bevorzugten Printmedien sind Rondo, Crescendo und Klassikakzente, da kostenlos. Ich überfliege regelmäßig und stehend im Zeitschriftenhandel die Fonoforum, um mir dann gelegentlich vom dadurch gesparten Geld eine darin empfohlene CD zu kaufen :D. Nein, ich bin nicht knauserig :engel
Ich lese regelmäßig das Feuilleton der FAZl
Gruß Norbert
Walter (25.03.2006, 11:19): Original von AcomA um eine frau zu berücksichtigen, kann man noch die 'grande dame de bach' rosalyn tureck sowie die kanadierin angela hewitt besprechen. vielleicht hat hier jemand erfahrung !
gruß, siamak :)
GBV von Rosalyn Tureck
Gestern Abend habe ich mich noch mal quer durch meine GBV gehört. Nachdem ich Probleme habe, neben der Interpretation von Gould noch andere als Fortschritt zu erkennen - das liegt daran, dass diese Gould Aufnahme eine besondere Rolle in meinem Musikleben spielt - bin ich doch überrascht worden.
Rosalyn spielt mit einer innerer Ruhe und Überzeugung eine ganz andere Interpretation. Sie lässt sich erst gar nicht auf einen Machtkampf mit Gould ein. Ihr Vortrag ist melodischer, getragener, entspricht für mich eher dem Auftrag den Bach erhalten hat - ein Stück, um zur Ruhe zu kommen. Dennoch finde ich in ihrem Spiel Tiefe und Ausdruck, Perfektion im Vortrag - man kann natürlich die Schwierigkeiten in ihrem Tempo viel leichter bewältigen.
Ich werde die CD sicher öfter wieder spielen.
Gruß, Walter
Ganong (25.03.2006, 13:03): Lieber Siamak , Rosalyn Tureck war d a s interpretatprische Vorbild von Glenn Gould bei dessen letzter Einspielung der GBV . Persönlich mag ich , offen gesagt , keine der Aufnahmen von Mrs. Tureck . Sie spielt eine sehr veraltete , überholte Bach - Sicht . Sowohl auf Klavier un allen ihren Aufnahmen als auch auf Cembalo . Leider wird sie ganz auf ihr Bachspiel reduziert . Frühere Interpretationen anderer Komponisten fallen dabei völlig weg . Mrs. Turecks Ruf dürfte ganz auf ihre in England betrieben Bachforschungen beschränkt sein . Solltest Du den Artikel über sie 199 in der "Zeit" gelesen und in Erinnerung haben , so muss man sich wundern , dass eine Künstlerin , die sich ihr Leben lang intensiv mit J S Bach befasst hat(te) als "Neuentdeckung" in Sachen Bach bezeichnet wurde . Angela Hewitt habe ich in Viersen (!) in einem Saal mit einer grauenvollen Akustik vor einigen Jahren erlebt .Ihr Bachspiel war trotz der äusseren Umstände beeindruckend . Ihr Spiel ist organisch gewachsen . Es gibt keine Manierismen und keine Versuche , grosse Vorgänger zu kopieren . Es handelt sich auch bei den CD-Einspielungen um lohnende Anschaffungen . Leider habe ich sie danach niemehr live erleben können . Grüsse , Ganong
Jeremias (26.03.2006, 12:41): Ich war im Dez. 04 ebenfalls "Zeuge" der einmaligen Darbietung von Andras Schiff in Essen, Siamek und ich sassen nach der Matinee noch den ganzen Tag zusammen und haben den Adventssonntag mit einer ausgedehnten Tee-Session begangen und immer wieder kamen wir auf diese einzigartige Aufführung zu sprechen.
Genannt habt Ihr die denkwürdigen Einspielungen ja mittlerweile. Ich besitze neben den beiden von Schiff diejenigen mit Perahia, Hewitt, Koroliov, Kempff, Yudina und Schirmer. Die Darbietungen auf dem Cembalo werden irgendwann "nervig", auch Glenn Gould mag ich nicht. Er versucht den Cembaloklang auf das Klavier zu übertragen, das ist nicht meine Art. Ich finde, Bach hätte es auch gewollt, dass wir den modernen Flügel ausnutzen.
Rachmaninov (26.03.2006, 12:44): Hat eigentlich jemand mal die Aufnahme von Sergey Scheokin gehört?
Habe bzgl. dieser Aufnahme meist sehr positive Bemrkungen zu dieser Aufnahme gelesen!
ab (04.06.2006, 11:58): Ich teile voll und ganz die Einschätzung, dass Goulds Konzertmitschnitt seine überzeugendste Einspielung ist, dort nämlich verschaffte er den einzelnen Variationen einen bezwingenden Zusammenahang, während im Debut Stück für Stück getrennt und aneinandergereiht klingen und in seiner letzten Aufnahme einiges doch schon so gedehnt ist, dass es fast wie herausfällt. Der Salzburger Mitschnitt ist wie aus einem Guss in einer konzentrieren Versenkung musiziert und einige interessante Linien hervorgehoben, die mich mehr überzeugen als (zumindest) auf dem Debut. .
Diese Aufnahmen, übrigens, ist auch bei BIS erschienen, wo alles Werke aus Salzburg zu hören sind.
ab (04.06.2006, 12:00): Heute las ich von einer neuen Referenzeinspielung, und zwar vom Pianist und Cembalist Richard Egarr (harmoniamundi) nämlich hier.
AcomA (04.06.2006, 13:42): hallo ab,
ob es denn auch wirklich eine neue referenzeinspielung ist, das ist natürlich die frage ?( klavier oder cembalo ?
gruß, siamak :)
Ganong (05.06.2006, 18:40): Lieber Siamak ,
soweit ich weiss , haben alle grossen Bachinterpreten sich ausgiebig mit den interpretationen der grossen Cembalisten / Cembalistinnen befasst .
Weissenberg war Schüler von Wanda Landowska , der für mich überzeugensten Interpretin der Goldbergvariationen auf Cembalo ( beide Aufnahmen ) . Und Gould hat sich an der sehr romantisierenden Darstellung durch Mrs. Tureck orientiert ( vor allem in seiner letzten Aufnahme ) .
Viele Grüsse , Frank
Rachmaninov (19.12.2006, 12:48): So, nun besitze ich sie doch schon eine geraume Zeit und es ist einfach Zeit hier die folgende Aufnahme zu besprechen....
Sergey Schepkin - Ongaku Records
Völlig anders als die Aufnahmen G. Goulds könnten sie einem als zu manierlich erscheinen aber das ist nur ein erster Eindruck
Keine mir bekannt Aufnahme der Goldbergvariationen ist der Art pianistisch genial eingespielt wie diese Aufnahme. Jeder Anschlag bietet feinte Differenzierung im Anschlag. Ein Genuß von ersten bist zum letzten Ton.
Wer der Meinung ist die Aufnahme von A. Schiff sein pianistisch nicht mehr zu toppen, dem sei eine Hörsitzung mit Schepkin gegönnt. Das ist aller feinsten Bachspiel auf höchstem Niveau.
Interpretation > :times10 (Höchstgenuß) Klang: 8
ab (19.12.2006, 13:39): Gestern hörte ich im Laden in die Aufnahme von Weissenberg erstmals hinein. Ich vermute, es war die spätere Aufnahme. http://ec2.images-amazon.com/images/P/B00005QTO2.03._AA240_SCLZZZZZZZ_.jpg Ich hätte sie mir exzentrischer vorgestellt, von dem, was ich bislang darüber gelesen habe. Aber das ist sie überhaupt nicht. Mir gefiel sein Ausdruck, sein musikalischer Fluss und weitenteils auch seine Tempi. Auch bekam ich den Eindruck, dass eine zusammenhängende Einheit erreicht worden sein könnte. Mir gefiel sie jedenfalls wesentlich besser als die Gould55er.
Klanglich kam sie mir dafür unglaublich höhenbetont und spitz, dürr und somit klanglich sehr enttäuschend vor. Liegt das an der Aufnahme oder aber habe ich nur eine unglücklich jittrige Scheibe erwischt?
nubar (19.12.2006, 13:49): @ab: Ich kann deine Eindrücke nur bestätigen. Leider ist das Klangbild schlecht, was nicht nur meine Ohren monierten, sondern auch auf die Interpretation abfärbt. Einige Akkorde erscheinen mir etwas schroff gesetzt, wobei es scher ist, zu erkennen, ob es nun am Pianisten oder am Tontechniker liegt. Ich vermute wie gesagt letzteres.
Grüße, nubar
Ganong (21.12.2006, 20:29): Liebe ab ,
lieber nubar ,
da ich Alexis Weissenberg v o r der Einspielung seiner zweiten Aufnahme bei EMi mehrfach inverschiedenen Städten und somit verschiedenen Sälen und auf verschiedenen Instrumenten ( alle waren ein grosser Steinway ) gehört habe und die ursprüngliche Original LPs kenne , ist es leider die alte Crux von EMi , dass die Übertragungen auf CDs auch in diesem Fall bei EMI France einfach schwach si nd .
dass es ganz anders geht , das beweisen die WEISSENBERG - CDs aus den letzten Jahren , die bei TOSHIBA - EMI , Japan
erschienen sind .
Dazwischen liegen Welten !
Euch an dieser Stelle ein gesegnetes Weihnachtsfest und die besten Wünsche für das Neue Jahr 2007 !
Beste Grüsse ,
Frank
Walter (23.12.2006, 17:37): Original von Rachmaninov
Sergey Schepkin - Ongaku Records
Völlig anders als die Aufnahmen G. Goulds könnten sie einem als zu manierlich erscheinen aber das ist nur ein erster Eindruck
Daran liegt es dann auch, dass sie von mir keine 10 bekäme - obwohl sie wirklich den spielerischen Höhepunkt darstellt. Die Interpretation Goulds halte ich für noch spannender und ausdrucksstärker - wen aber das Grunzen Goulds stört der bekommt hier sicher mehr geboten.
Gruss
Ganong (26.12.2006, 17:32): Lieber Walter ,
da die drei mir bekannten Aufnahmen durch Glenn Gould s e h r unterschiedlich sind , wäre ich nun doch dankbar , wenn Du mir mitteilen könnteste , ob Du alle drei tatsächlich als schöpfungs- u n d wirkungästhetisch gleich bezeichnest ?
Ich höre hier keinerlei Ähnlichkeit .
Grüsse ,
Frank
Rachmaninov (27.12.2006, 11:15): Original von Ganong Lieber Walter ,
da die drei mir bekannten Aufnahmen durch Glenn Gould s e h r unterschiedlich sind , wäre ich nun doch dankbar , wenn Du mir mitteilen könnteste , ob Du alle drei tatsächlich als schöpfungs- u n d wirkungästhetisch gleich bezeichnest ?
Ich höre hier keinerlei Ähnlichkeit .
Grüsse ,
Frank
@frank
IMO
1. Salzburg live 2. 80er Jahre 3. 50er Jahre
Ganong (27.12.2006, 16:12): Lieber R. ,
es gab eine umfangreiche Diskussion in einbem früheren Heft von "Gramophone" . Darin wurden die sehr unterschiedlichen Sicht- und Onterpretationsweisen durch Gould analysiert . Und , wie nicht anders zu erwarten , waren die Präferenzen bezüglich der Lieblingsaufnahme sehr unterschiedlich .
Ich persönlich finde noch immer die Livaufnahme aus Salzburg die spannenste der drei Einspielungen .
Die erste ist mehr eine tgelungen Provokation eines sehr guten Pianisten , der das Werk aber nicht verstanden hat .
Die dritte Aufnahmeist leider sehr an den vielen romantisierenden Aufnahmen durch das Gould - Vorbild Rosalyn Tureck orietiert . Gouldf hat sich dazu erfreulicherweise auch selbst geäussert .
Ein in meiner Meinung sehr viel überzeugenderes Herangehen u d Interpretieren aus einer ebenfalls leicht romantisierenden Sicht ist die Aufnahme durch Wilhelm kempff , die heute noch bei der DGG erhätlich ist .
nach wie vor sehr empfehlenswert ist eine vergleichende rezension in FONOFORUM aus den 1970er Jahren .
Lider sind viele der ganz frühen Aufnahmen nicht mehr oder zumindest nicht vollständig erhältlich .
Man sollte das Werk auch grundsätzlich in seiner Gesamtheit und seinen Einzelteuilen analysieren . Eine sehr mühsame Aufgabe . Aber es lohnt sich , sich dieser Arbeit zu unterziehen . Man erhält so einen ungemein tiefen Einblick in das Komponieren von J S Bach .
Von diesem dann gewonnenen Punkt aus liegt es nahe , sich den 6 Partiten zu nähern . Es bleibt danach festzuhalten , dass die Interprten , die beide werke aufgenommen haben , zu beiden Werken einen sehr ähnlichen Interpretationsansatz haben . Die sist bei Alexis Weissenberg ( mit der ersten Aufnahme der Goldberg-Variationen aus 1967 ) , Tureck , Gould ( letzte Aufnahme ) und Tatiana Nikolayeva besonders deutlich zu hören .
Grüsse ,
Frank
Walter (28.12.2006, 14:11): Original von Ganong Lieber Walter ,
da die drei mir bekannten Aufnahmen durch Glenn Gould s e h r unterschiedlich sind , wäre ich nun doch dankbar , wenn Du mir mitteilen könnteste , ob Du alle drei tatsächlich als schöpfungs- u n d wirkungästhetisch gleich bezeichnest ?
Ich höre hier keinerlei Ähnlichkeit .
Grüsse ,
Frank
Hallo Frank, ich gehe wie immer sehr unbedarft an die Aufnahmen heran und höre auf die Klänge und die Wirkungen die sie bei mir bewirken. Daher bleibt die Aufnahme aus den Achtzigern mein Favourit - wie ich schon mal geschrieben habe liegt das daran, dass ich mit dieser Aufnahme überhaupt in die klassische Musik eingestiegen bin. Dann kommt für mich die wesentlich rundere und ausgeglichenere Aufnahme aus Salzburg. Bei der Beurteilung der Aufnahme aus den Fünfzigern kann ich Deiner Einschätzung weitestgehend folgen.
Im übrigen kann ich auch mit der Aufnahme der Tureck die ich besitze sehr viel anfangen.
Gruss,
Rachmaninov (30.12.2006, 12:58): Original von Walter Daher bleibt die Aufnahme aus den Achtzigern mein Favourit
@Walter,
diese Aufnahme ziehe ich, was die Studio Aufnahmen angeht, ebenfalls vor!
Ganong (25.03.2006, 13:03): Lieber Siamak , Rosalyn Tureck war d a s interpretatprische Vorbild von Glenn Gould bei dessen letzter Einspielung der GBV . Persönlich mag ich , offen gesagt , keine der Aufnahmen von Mrs. Tureck . Sie spielt eine sehr veraltete , überholte Bach - Sicht . Sowohl auf Klavier un allen ihren Aufnahmen als auch auf Cembalo . Leider wird sie ganz auf ihr Bachspiel reduziert . Frühere Interpretationen anderer Komponisten fallen dabei völlig weg . Mrs. Turecks Ruf dürfte ganz auf ihre in England betrieben Bachforschungen beschränkt sein . Solltest Du den Artikel über sie 199 in der "Zeit" gelesen und in Erinnerung haben , so muss man sich wundern , dass eine Künstlerin , die sich ihr Leben lang intensiv mit J S Bach befasst hat(te) als "Neuentdeckung" in Sachen Bach bezeichnet wurde . Angela Hewitt habe ich in Viersen (!) in einem Saal mit einer grauenvollen Akustik vor einigen Jahren erlebt .Ihr Bachspiel war trotz der äusseren Umstände beeindruckend . Ihr Spiel ist organisch gewachsen . Es gibt keine Manierismen und keine Versuche , grosse Vorgänger zu kopieren . Es handelt sich auch bei den CD-Einspielungen um lohnende Anschaffungen . Leider habe ich sie danach niemehr live erleben können . Grüsse , Ganong
Jeremias (26.03.2006, 12:41): Ich war im Dez. 04 ebenfalls "Zeuge" der einmaligen Darbietung von Andras Schiff in Essen, Siamek und ich sassen nach der Matinee noch den ganzen Tag zusammen und haben den Adventssonntag mit einer ausgedehnten Tee-Session begangen und immer wieder kamen wir auf diese einzigartige Aufführung zu sprechen.
Genannt habt Ihr die denkwürdigen Einspielungen ja mittlerweile. Ich besitze neben den beiden von Schiff diejenigen mit Perahia, Hewitt, Koroliov, Kempff, Yudina und Schirmer. Die Darbietungen auf dem Cembalo werden irgendwann "nervig", auch Glenn Gould mag ich nicht. Er versucht den Cembaloklang auf das Klavier zu übertragen, das ist nicht meine Art. Ich finde, Bach hätte es auch gewollt, dass wir den modernen Flügel ausnutzen.
Rachmaninov (26.03.2006, 12:44): Hat eigentlich jemand mal die Aufnahme von Sergey Scheokin gehört?
Habe bzgl. dieser Aufnahme meist sehr positive Bemrkungen zu dieser Aufnahme gelesen!
Rachmaninov (14.04.2006, 00:02): Eben habe ich mir, nach sehr sehr langer Zeit, nocheimal die Aufnahme von Martin Stadtfeld angehört.
Gleich vorne weg, glaube es wird auch wieder sehr lange dauern bis ich diese Aufnahme wieder einmal höre. Dieses Mischung aus G. Gould nacheifern, Oktavensprünge (gegen die ich durchaus nichts einzuwenden habe wenn sie wie bei Feltsman "stimmig" sind) und der Scuhe nach der eigenen Sicht muß ich nicht oft hören.
Auch was die rein technische Betrachtung angeht bin ich eher etwas enttäuscht von Stadtfeld. In schnellen Passagen fehlt es ganz klar nach einer Differenzierung im Anschlag. Da wo andere noch jeden Ton unterschiedlich klingen lassen wird es bei Stadtgeld einfach "monoton".
Interpretation: 6-7 Klang: 8
Ganong (14.04.2006, 13:33): Lieber Rachmaninov , die Formulierung , "Gould nacheifern" habe ich sinngemaäss auch in meiner Einleitung zu meiner Reihe "Die Top 100 Aufnahmen und Interpreten" verwendet . Ich denke Stadtfeld ist deutlich überschätzt . Deine Neuentdeckung kenn eich nicht . Bitte berichte darüber , wenn Du sie gehört hast ! Grüsse , Frank
ab (04.06.2006, 11:58): Ich teile voll und ganz die Einschätzung, dass Goulds Konzertmitschnitt seine überzeugendste Einspielung ist, dort nämlich verschaffte er den einzelnen Variationen einen bezwingenden Zusammenahang, während im Debut Stück für Stück getrennt und aneinandergereiht klingen und in seiner letzten Aufnahme einiges doch schon so gedehnt ist, dass es fast wie herausfällt. Der Salzburger Mitschnitt ist wie aus einem Guss in einer konzentrieren Versenkung musiziert und einige interessante Linien hervorgehoben, die mich mehr überzeugen als (zumindest) auf dem Debut. .
Diese Aufnahmen, übrigens, ist auch bei BIS erschienen, wo alles Werke aus Salzburg zu hören sind.
ab (04.06.2006, 12:00): Heute las ich von einer neuen Referenzeinspielung, und zwar vom Pianist und Cembalist Richard Egarr (harmoniamundi) nämlich hier.
AcomA (04.06.2006, 13:42): hallo ab,
ob es denn auch wirklich eine neue referenzeinspielung ist, das ist natürlich die frage ?( klavier oder cembalo ?
gruß, siamak :)
Ganong (05.06.2006, 18:40): Lieber Siamak ,
soweit ich weiss , haben alle grossen Bachinterpreten sich ausgiebig mit den interpretationen der grossen Cembalisten / Cembalistinnen befasst .
Weissenberg war Schüler von Wanda Landowska , der für mich überzeugensten Interpretin der Goldbergvariationen auf Cembalo ( beide Aufnahmen ) . Und Gould hat sich an der sehr romantisierenden Darstellung durch Mrs. Tureck orientiert ( vor allem in seiner letzten Aufnahme ) .
Viele Grüsse , Frank
Rachmaninov (19.12.2006, 12:48): So, nun besitze ich sie doch schon eine geraume Zeit und es ist einfach Zeit hier die folgende Aufnahme zu besprechen....
Sergey Schepkin - Ongaku Records
Völlig anders als die Aufnahmen G. Goulds könnten sie einem als zu manierlich erscheinen aber das ist nur ein erster Eindruck
Keine mir bekannt Aufnahme der Goldbergvariationen ist der Art pianistisch genial eingespielt wie diese Aufnahme. Jeder Anschlag bietet feinte Differenzierung im Anschlag. Ein Genuß von ersten bist zum letzten Ton.
Wer der Meinung ist die Aufnahme von A. Schiff sein pianistisch nicht mehr zu toppen, dem sei eine Hörsitzung mit Schepkin gegönnt. Das ist aller feinsten Bachspiel auf höchstem Niveau.
Interpretation > :times10 (Höchstgenuß) Klang: 8
ab (19.12.2006, 13:39): Gestern hörte ich im Laden in die Aufnahme von Weissenberg erstmals hinein. Ich vermute, es war die spätere Aufnahme. http://ec2.images-amazon.com/images/P/B00005QTO2.03._AA240_SCLZZZZZZZ_.jpg Ich hätte sie mir exzentrischer vorgestellt, von dem, was ich bislang darüber gelesen habe. Aber das ist sie überhaupt nicht. Mir gefiel sein Ausdruck, sein musikalischer Fluss und weitenteils auch seine Tempi. Auch bekam ich den Eindruck, dass eine zusammenhängende Einheit erreicht worden sein könnte. Mir gefiel sie jedenfalls wesentlich besser als die Gould55er.
Klanglich kam sie mir dafür unglaublich höhenbetont und spitz, dürr und somit klanglich sehr enttäuschend vor. Liegt das an der Aufnahme oder aber habe ich nur eine unglücklich jittrige Scheibe erwischt?
nubar (19.12.2006, 13:49): @ab: Ich kann deine Eindrücke nur bestätigen. Leider ist das Klangbild schlecht, was nicht nur meine Ohren monierten, sondern auch auf die Interpretation abfärbt. Einige Akkorde erscheinen mir etwas schroff gesetzt, wobei es scher ist, zu erkennen, ob es nun am Pianisten oder am Tontechniker liegt. Ich vermute wie gesagt letzteres.
Grüße, nubar
Ganong (21.12.2006, 20:29): Liebe ab ,
lieber nubar ,
da ich Alexis Weissenberg v o r der Einspielung seiner zweiten Aufnahme bei EMi mehrfach inverschiedenen Städten und somit verschiedenen Sälen und auf verschiedenen Instrumenten ( alle waren ein grosser Steinway ) gehört habe und die ursprüngliche Original LPs kenne , ist es leider die alte Crux von EMi , dass die Übertragungen auf CDs auch in diesem Fall bei EMI France einfach schwach si nd .
dass es ganz anders geht , das beweisen die WEISSENBERG - CDs aus den letzten Jahren , die bei TOSHIBA - EMI , Japan
erschienen sind .
Dazwischen liegen Welten !
Euch an dieser Stelle ein gesegnetes Weihnachtsfest und die besten Wünsche für das Neue Jahr 2007 !
Beste Grüsse ,
Frank
Walter (23.12.2006, 17:37): Original von Rachmaninov
Sergey Schepkin - Ongaku Records
Völlig anders als die Aufnahmen G. Goulds könnten sie einem als zu manierlich erscheinen aber das ist nur ein erster Eindruck
Daran liegt es dann auch, dass sie von mir keine 10 bekäme - obwohl sie wirklich den spielerischen Höhepunkt darstellt. Die Interpretation Goulds halte ich für noch spannender und ausdrucksstärker - wen aber das Grunzen Goulds stört der bekommt hier sicher mehr geboten.
Gruss
Ganong (26.12.2006, 17:32): Lieber Walter ,
da die drei mir bekannten Aufnahmen durch Glenn Gould s e h r unterschiedlich sind , wäre ich nun doch dankbar , wenn Du mir mitteilen könnteste , ob Du alle drei tatsächlich als schöpfungs- u n d wirkungästhetisch gleich bezeichnest ?
Ich höre hier keinerlei Ähnlichkeit .
Grüsse ,
Frank
Rachmaninov (27.12.2006, 11:15): Original von Ganong Lieber Walter ,
da die drei mir bekannten Aufnahmen durch Glenn Gould s e h r unterschiedlich sind , wäre ich nun doch dankbar , wenn Du mir mitteilen könnteste , ob Du alle drei tatsächlich als schöpfungs- u n d wirkungästhetisch gleich bezeichnest ?
Ich höre hier keinerlei Ähnlichkeit .
Grüsse ,
Frank
@frank
IMO
1. Salzburg live 2. 80er Jahre 3. 50er Jahre
Ganong (27.12.2006, 16:12): Lieber R. ,
es gab eine umfangreiche Diskussion in einbem früheren Heft von "Gramophone" . Darin wurden die sehr unterschiedlichen Sicht- und Onterpretationsweisen durch Gould analysiert . Und , wie nicht anders zu erwarten , waren die Präferenzen bezüglich der Lieblingsaufnahme sehr unterschiedlich .
Ich persönlich finde noch immer die Livaufnahme aus Salzburg die spannenste der drei Einspielungen .
Die erste ist mehr eine tgelungen Provokation eines sehr guten Pianisten , der das Werk aber nicht verstanden hat .
Die dritte Aufnahmeist leider sehr an den vielen romantisierenden Aufnahmen durch das Gould - Vorbild Rosalyn Tureck orietiert . Gouldf hat sich dazu erfreulicherweise auch selbst geäussert .
Ein in meiner Meinung sehr viel überzeugenderes Herangehen u d Interpretieren aus einer ebenfalls leicht romantisierenden Sicht ist die Aufnahme durch Wilhelm kempff , die heute noch bei der DGG erhätlich ist .
nach wie vor sehr empfehlenswert ist eine vergleichende rezension in FONOFORUM aus den 1970er Jahren .
Lider sind viele der ganz frühen Aufnahmen nicht mehr oder zumindest nicht vollständig erhältlich .
Man sollte das Werk auch grundsätzlich in seiner Gesamtheit und seinen Einzelteuilen analysieren . Eine sehr mühsame Aufgabe . Aber es lohnt sich , sich dieser Arbeit zu unterziehen . Man erhält so einen ungemein tiefen Einblick in das Komponieren von J S Bach .
Von diesem dann gewonnenen Punkt aus liegt es nahe , sich den 6 Partiten zu nähern . Es bleibt danach festzuhalten , dass die Interprten , die beide werke aufgenommen haben , zu beiden Werken einen sehr ähnlichen Interpretationsansatz haben . Die sist bei Alexis Weissenberg ( mit der ersten Aufnahme der Goldberg-Variationen aus 1967 ) , Tureck , Gould ( letzte Aufnahme ) und Tatiana Nikolayeva besonders deutlich zu hören .
Grüsse ,
Frank
Walter (28.12.2006, 14:11): Original von Ganong Lieber Walter ,
da die drei mir bekannten Aufnahmen durch Glenn Gould s e h r unterschiedlich sind , wäre ich nun doch dankbar , wenn Du mir mitteilen könnteste , ob Du alle drei tatsächlich als schöpfungs- u n d wirkungästhetisch gleich bezeichnest ?
Ich höre hier keinerlei Ähnlichkeit .
Grüsse ,
Frank
Hallo Frank, ich gehe wie immer sehr unbedarft an die Aufnahmen heran und höre auf die Klänge und die Wirkungen die sie bei mir bewirken. Daher bleibt die Aufnahme aus den Achtzigern mein Favourit - wie ich schon mal geschrieben habe liegt das daran, dass ich mit dieser Aufnahme überhaupt in die klassische Musik eingestiegen bin. Dann kommt für mich die wesentlich rundere und ausgeglichenere Aufnahme aus Salzburg. Bei der Beurteilung der Aufnahme aus den Fünfzigern kann ich Deiner Einschätzung weitestgehend folgen.
Im übrigen kann ich auch mit der Aufnahme der Tureck die ich besitze sehr viel anfangen.
Gruss,
Rachmaninov (30.12.2006, 12:58): Original von Walter Daher bleibt die Aufnahme aus den Achtzigern mein Favourit
@Walter,
diese Aufnahme ziehe ich, was die Studio Aufnahmen angeht, ebenfalls vor!
Tranquillo (20.03.2008, 16:30): Hallo zusammen,
beim Durchlesen dieses Threads ist mir aufgefallen, dass relativ wenig zu Bachs Komposition selbst gesagt wurde. Was ist eigentlich das Besondere bei diesem Variationszyklus und welcher Bauplan steht dahinter?
Zunächst einmal sind die Goldberg-Variationen keine Variationen über eine Melodie, wie man es beispielsweise von Mozarts Klaviervariationen kennt, sondern Variationen über einem gleichbleibenden Bass, ähnlich einer Passacaglia. Die Basslinie der Aria aus dem "Clavierbüchlein für Anna Magdalena Bach" ist 2 x 16 Takte lang und sieht folgendermassen aus:
Wenn Ihr Euch die Aria zu Beginn des Zyklus anhört und dabei nur auf den Bass (linke Hand des Pianisten) achtet, könnt Ihr diese Linie gut verfolgen - sie (und nicht die Melodie in der rechten Hand!) ist die Basis für die folgenden Variationen.
Wir haben eben schon festgestellt, dass die Aria 2 x 16 = 32 Takte lang ist. Fällt Euch da etwas auf? Der ganze Variationszyklus besteht aus 32 Stücken, nämlich der Aria, 30 Variationen und der Wiederholung der Aria (Aria da capo). Zwischen Variation 15 und 16 ist ein deutlicher Einschnitt, auf den ich später noch zurückkomme, also teilt sich der Zyklus in 2 x 16 Stücke (Aria und Variationen 1-15, Variationen 16-30 und Aria da capo).
Jede dritte Variation ist ein zweistimmiger Kanon. Die erste Stimme fängt an, die zweite Stimme setzt später ein und macht genau das nach, was die erste vorgemacht hat. Pachelbels sehr bekanntes Stück "Kanon und Gigue" ist genauso aufgebaut, nur ist der Kanon hier dreistimmig (drei Violinen) - übrigens verwendet auch Pachelbel einen sich wiederholenden Bass als Grundlage.
Aber Bach wäre nicht Bach, wenn er sich bei den Kanons nicht etwas besonderes hätte einfallen lassen. In Variation 3 setzt die zweite Stimme auf gleicher Tonhöhe ein - wie bei Pachelbel. In Variation 6 setzt die zweite Stimme aber um einen Ton versetzt ein, in Variation 9 um zwei Töne und so weiter, bis in Variation 27 der Abstand schliesslich acht Töne beträgt. Für den Hörer unmittelbar als Kanon erkennbar sind eigentlich nur Variation 3 und Variation 24 (die zweite Stimme setzt hier im Abstand einer Oktave ein), weil sie dem entsprechen, was man allgemein als Kanon kennt.
Eine kurze Übersicht:
Variation 3: Canone all'Unisuono (die zweite Stimme setzt auf gleicher Tonhöhe ein) Variation 6: Canone alla Seconda (die zweite Stimme setzt einen Ton höher ein) Variation 9: Canone alla Terza (die zweite Stimme setzt zwei Töne tiefer ein, um einen Takt versetzt) Variation 12: Canone alla Quarta (die zweite Stimme setzt drei Töne tiefer ein und kehrt die Bewegung der ersten Stimme um: Wo die erste Stimme z. B. einen Ton nach oben geht, geht die zweite einen Ton nach unten usw.) Variation 15: Canone alla Quinta (die zweite Stimme setzt vier Töne höher ein und kehrt die erste um - hier am Anfang sehr gut zu verfolgen: die erste Stimme bewegt sich nach unten, die zweite nach oben) Variation 18: Canone alla Sesta (die zweite Stimme setzt fünf Töne höher unmittelbar nach der ersten ein) Variation 21: Canone alla Settima (die zweiter Stimme setzt sechs Töne höher ein - der einzige Kanon in Moll) Variation 24: Canone all'Ottava (die zweite Stimme setzt sieben Töne tiefer ein) Variation 27: Canone alla Nona (die zweite Stimme setzt acht Töne höher ein)
Bis auf Variation 27 werden die Kanons immer von einer dritten Stimme im Bass begleitet. Hört Euch einfach mal die Kanons in der Aufnahme, die Ihr zur Verfügung habt, genau an und versucht, das "Nachmachen" in der zweiten Stimme nachzuvollziehen.
Zu den übrigen Variationen gibt es auch noch einiges anzumerken, aber ich möchte erst einmal abwarten, ob überhaupt Interesse daran besteht.
Viele Grüsse Andreas
Rachmaninov (20.03.2008, 17:40): @Tranquillo,
danke für diese Bereicherung des Threads und meines Horizonts. Werde bei Gelegenheit diese Ausführungen nochmals heran ziehen wenn ich eine Aufnahme der GBV höre um hier Deine Hinweise "nachzuhören". Derartiges Wissen beeinflußt immer wieder meine Sichtweise im positiven Sinne.
:thanks
Tranquillo (21.03.2008, 14:17): Hallo zusammen,
im Rahmen meiner Recherchen über Helmut Walcha habe ich einen sehr interessanten Aufsatz von ihm über die Goldberg-Variationen gefunden - unbedingt lesenswert!
Viele Grüsse Andreas
Sarastro (24.03.2008, 11:32): Lieber Tranquillo, vielen Dank für die sehr hilfreiche Einführung in die Goldbergvariationen und den Link auf den informativen Artikel von Walcha! Ich habe ihn mit Interesse gelesen. Auch ich mag dieses grandiose, tiefgründige Werk sehr. Ganz besonders fesselnd finde ich darin - neben vielem anderen, versteht sich - die beiden langsamen Moll-Variationen Nr. 15 sowie Nr. 25 mit ihren harmonischen Kühnheiten und den scharfen Tonreibungen (in letzterer speziell http://www.lespartitions.info/gratuites/partitions/pdf/bach-variations-goldberg.pdf in Takt 10).
Grüße, Sarastro
Tranquillo (24.03.2008, 12:12): Original von Sarastro vielen Dank für die sehr hilfreiche Einführung in die Goldbergvariationen und den Link auf den informativen Artikel von Walcha! Ich habe ihn mit Interesse gelesen. Lieber Sarastro,
besonders interessant an Walchas Ausführungen war für mich seine Sicht auf die Dreiergruppen in den Variationen: Die jeweils erste Variation widmet sich einer bestimmten Kompositionsform (z. B. Gigue, Fughette, Ouvertüre), die zweite ist spieltechnisch orientiert und die dritte kontrapunktisch - das ist mir in dieser Klarheit vorher noch nicht bewusst gewesen. Walchas Schlussfolgerung:
Es ist besonders interessant, wie hier die drei Grundideen des musikalischen Schaffens in eine höhere Ordnung gestellt sind. Die herrschende musi- kalische Formenwelt ist gleichsam die erste Gege- benheit für den Komponisten, dann die spezifisch aus dem Instrument erwachsene Kompositions- technik, und schließlich als höchstes Schaffensmotiv die Polyphonie. Dieser Dreiklang des schöpferischen Impulses ist in jeder der zehn Gruppen leicht zu erkennen und sein regelmäßig geordneter Wechsel ein bezauberndes Mittel, eine solch große Variation- enkette lebendig und spannungsreich durchzufor- men.
Auch ich mag dieses grandiose, tiefgründige Werk sehr. Ganz besonders fesselnd finde ich darin - neben vielem anderen, versteht sich - die beiden langsamen Moll-Variationen Nr. 15 sowie Nr. 25 mit ihren harmonischen Kühnheiten und den scharfen Tonreibungen Es gibt ja insgesamt drei Mollvariationen (Nr. 21 als Septimkanon wurde noch nicht erwähnt). Nr. 15 und besonders Nr. 25 sind wirklich faszinierende Stücke - aus unterschiedlichen Gründen: Bei Nr. 15 fasziniert mich die komplexe Polyphonie (Quintkanon in der Umkehrung!), verbunden mit einer Tiefe des Ausdrucks, die von dieser Komplexität nichts ahnen lässt. Nr. 25 zeigt, wie "modern" Bach komponieren konnte, wenn er denn wollte - in der Kühnheit und Intensität des Ausdrucks übertrifft er hier sogar seine "modern" komponierenden Söhne.
Viele Grüsse Andreas
Dieter (27.03.2008, 22:06): Hallo zusammen ! Sehr interessante Ansichten kann ich hier lesen. Vielem stimme ich zu. Ich halte auch die Aufnahme mit Glenn Gould für die beste. Sie hat etwas prikelndes, da kann es einem schon kalt über den Rücken laufen und sie fesselt mich ungemein. Wobei ich nicht alle Aufnahmen mit Gould schätze. Seine Interpretationen des Wohltemperierten Klaviers finde ich nur teilweise gut. Nicht immer bin ich mit den Tempis einverstanden. Da finde ich, und nicht nur weil ich in der russischen Klavierschule unterrichtet wurde, die Aufnahmen mit Svjatoslav Richter besser, natürlicher. ehrlicher. Was M. Stadtfeld angeht wurde schon alles gesagt. Ich habe schon an anderer Stelle erwähnt, was ich von seiner GBV - Interpretation halte. Ich werde es auch kein zweites mal hören. Gruss Dieter
Dr. Schön (10.09.2008, 21:51): Hallo,
immer wenn ich die Klaviersachen von Bach mal wieder höre, beschleicht mich die Vermutung, dass ich mich für Einspielungen mit einem Cembalo vielleicht sogar etwas mehr begeistern könnte. Zumindest habe ich des längeren vor mir zumindest mal die Goldberg Variationen auf dem historischen Instrument zu Gemüte zu führen.
Nur habe ich mich noch nicht entschließen können dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Dies hat folgenden Grund: So interessant ich mir das Ganze immer vorstelle, fürchte ich mich immer etwas vor einer gewissen Befremdung, wenn dann tatsächlich ein Cembalo erklingt. Das ist sicher ein Vorurteil. Auf der einen Seite könnte ein nüchterner, kultivierter und vitaler Vortrag auf diesem Instrument mir sehr gefallen, auf der anderen Seite scheue ich mich ein wenig.
Nun gibt's da sicher auch Unterschiede. Für Leonhardt oder Walcha, vielleicht eher Ersteren, würde ich mich schon interessieren.
Jetzt wurde hier kaum etwas zum Cembalo gesagt. Wie sind Eure Hörerfahrungen?
Gruß Dr. Schön
satie (10.09.2008, 22:42): Ich kann die Aufnahme mit Leonhardt auf jeden Fall empfehlen. Es ist eine feinsinnige Interpretation, die von Anfang bis Ende wunderbar ist. In Puncto Vitalität kann ich die Einspielung von Pierre Hantai (Label: Mirare, 2003) sehr empfehlen (mir gefällt dieser Cembalist generell sehr sehr gut!). Ich finde ohnehin, dass die Goldbergvariationen nur unzulämglich auf einem modernen Klavier gespielt werden können, weil zu vieles offensichtlich wirklich für zwei Manuale komponiert ist. Manches muss man auf dem Flügel sehr umständlich und unbefriedigend lösen. Schlimmer noch ist eigentlich nur weniges, die d-moll-Toccata zum Beispiel, die völlig unspielbar ist auf einem Flügel (es sei denn, man will mit Sostenuto-Pedal mogeln). Der Klang von Cembali variiert natürlich nach Modell, auch registriert wieder jeder Cembalist anders. Klanglich müsstest Du dich da wohl einfach mal durch ein paar Aufnahmen durchhören, da hier geschmacklich jeder anders gelagert ist.
Herzlich, S A T I E
Sarastro (10.09.2008, 23:04): Original von Satie Ich finde ohnehin, dass die Goldbergvariationen nur unzulämglich auf einem modernen Klavier gespielt werden können, weil zu vieles offensichtlich wirklich für zwei Manuale komponiert ist. Manches muss man auf dem Flügel sehr umständlich und unbefriedigend lösen.
Lieber Satie, ich finde es sehr beruhigend, daß Du als professioneller Musiker das sagst - ich dachte es schon, es liegt womöglich nur an meinem technischen Unvermögen, daß ich bei manchen Variationen schon mit dem bloßen Notenbild nicht zurechtkomme und zu einem Trick greifen muß. Bei Variation Nr. 5 hatte ich mir die vier Takte vor dem ersten Doppelstrich und die allerletzen zwei Takte in einem Akt der Verzweiflung einfach überklebt und die Stimmen komplett so auf die beiden Hände verteilt, daß die Finger einander nicht ständig im Weg sind. Dasselbe bei Variation 11, Takt 4-8 und dann bei den letzten 6 Takten. So läßt es sich einigermaßen spielen, aber irgendwie ist das unbefriedigend (ich spiele es aber ja zum Glück auch nur zu meinem eigenen Vergnügen), auch wenn sich dieser "Eingriff" wohl kaum vermeiden läßt.
Herzliche Grüße, Sarastro
Dr. Schön (10.09.2008, 23:23): Original von Satie Ich finde ohnehin, dass die Goldbergvariationen nur unzulämglich auf einem modernen Klavier gespielt werden können, weil zu vieles offensichtlich wirklich für zwei Manuale komponiert ist. Manches muss man auf dem Flügel sehr umständlich und unbefriedigend lösen.
Das kann ich leider nicht so umschreiben. Aber irgendein Verdacht in diese Richtung drängt sich mir auch immer auf. Zumindest habe ich bei Bach's Klavierwerk immer eine Vorstellung von einem "mehr" (wenn nicht sogar von einem "richtig"), dass es geben müsste, und das hier nicht generell etwas damit zu hat, dass es sich um eine schwache Interpretation handelt bzw. mir der Ansatz des des Interpreten missfällt.
Sonst besorge ich mir immer andere Einspielungen, bis ich das "mehr" (oder "richtig") empfinde. Nur könnte es hier, zumindest zunächst, wirklich erstmal am Instrument liegen.
Vielleicht schlummert in mir, was Bach betrifft, auch ein Hardcore-hip-Verfechter. Ich vermute das schon seit längerem.
Werde mir Leonhardt bald besorgen, sofern es ihn in Aachen gibt.
Dr. Schön
satie (11.09.2008, 07:18): Original von Sarastro Original von Satie Ich finde ohnehin, dass die Goldbergvariationen nur unzulämglich auf einem modernen Klavier gespielt werden können, weil zu vieles offensichtlich wirklich für zwei Manuale komponiert ist. Manches muss man auf dem Flügel sehr umständlich und unbefriedigend lösen.
Lieber Satie, ich finde es sehr beruhigend, daß Du als professioneller Musiker das sagst - ich dachte es schon, es liegt womöglich nur an meinem technischen Unvermögen, daß ich bei manchen Variationen schon mit dem bloßen Notenbild nicht zurechtkomme und zu einem Trick greifen muß. Bei Variation Nr. 5 hatte ich mir die vier Takte vor dem ersten Doppelstrich und die allerletzen zwei Takte in einem Akt der Verzweiflung einfach überklebt und die Stimmen komplett so auf die beiden Hände verteilt, daß die Finger einander nicht ständig im Weg sind. Dasselbe bei Variation 11, Takt 4-8 und dann bei den letzten 6 Takten. So läßt es sich einigermaßen spielen, aber irgendwie ist das unbefriedigend (ich spiele es aber ja zum Glück auch nur zu meinem eigenen Vergnügen), auch wenn sich dieser "Eingriff" wohl kaum vermeiden läßt.
Herzliche Grüße, Sarastro
Mein lieber Sarastro, ja, die von Dir genannten Stellen sind schöne Beispiele. In Variation 11 ist bereits der erste Takt ein Beispiel für die absolute Unspielbarkeit auf einem normalen Flügel: während die rechte Hand das cis' für die Dauer von 5 Sechzehnteln halten muss, spielt die linke Hand die Sechzehntelfolge e'-d'-cis'-h-a. Wie um alles in der Welt soll man das spielen, ohne das cis loszulassen und wieder anzuschlagen? Korrekterweise müsste man es nach dem neuen Anschlag auch noch halten, weil es klingt bis zur vorletzten Note. Wenn man es aber so macht,entsteht zwangsläufig eine völlig unsinnige Synkope, etwas ganz anderes also, als wenn man einfach auf dem Cembalo auf dem zweiten Manual spielt, eben als ganz normale absteigende Linie. Bach hat schon nicht ohne Grund immer extra hingeschrieben "a 2 Clav."... Etwas (meiner Meinung nach) anderes sind da die Sonaten von Scarlatti, die solcherlei Springübungen auch aus einem gewissen circensischen Bedürfnis heraus fordern; da kann man auch das meiste auf dem Flügel spielen ohne grundlegende Einbußen.
Tranquillo (11.09.2008, 09:05): Original von Dr. Schön Nun gibt's da sicher auch Unterschiede. Für Leonhardt oder Walcha, vielleicht eher Ersteren, würde ich mich schon interessieren.
Jetzt wurde hier kaum etwas zum Cembalo gesagt. Wie sind Eure Hörerfahrungen? Die Aufnahmen von Walcha und Leonhardt unterscheiden sich in vielen Dingen grundlegend.
Walcha hatte für seine Aufnahme noch kein Cembalo zur Verfügung, das konsequent nach historischen Gesichtspunkten nachgebaut war. Man war zu dieser Zeit noch bemüht, die Cembali mit Erkenntnissen aus dem modernen Klavierbau zu "verbessern". Das klangliche Ergebnis ist für heutige Ohren nicht mehr unbedingt überzeugend: Das Instrument klingt härter und metallischer als historische Cembali, der Nachklang eines angeschlagenen Tons (Sustain) ist länger. Zudem wurde in diesen Cembali noch ein 16'-Register verwendet, das eine Oktave tiefer klingt, aber in historischen Instrumenten wohl nicht zu finden war. Walcha benutzt dieses Register häufiger, vielleicht auch aus der Registrierungspraxis bei der Orgel heraus. Wenn man vom Klanglichen einmal absieht, ist Walchas Interpretation ausgesprochen nüchtern und klar, das gewählte Tempo wird strikt eingehalten. Es geht ihm um eine möglichst deutliche Darstellung des Stimmgewebes, und davon soll nichts ablenken. Diese Interpretation hat in ihrer Strenge und Nüchternheit durchaus ihren Reiz.
Leonhardt verwendete in seiner ersten Aufnahme (1964) ein Cembalo, das der Cembalobauer Martin Skowronek nach einem Instrument von Dulcken angefertigt hatte. Dieses Instrument klingt natürlich ganz anders als das Cembalo in der Walcha-Aufnahme, eben wie ein "historisches" Cembalo. Was aber heute völlig selbstverständlich ist, war damals durchaus eine kleine Revolution. Leonhardt artikuliert viel differenzierter als Walcha, und vor allem lässt er die Musik "atmen", indem er zwar das Grundtempo einhält, aber immer wieder kleine Tempoverschiebungen anbringt, um die Musik im Sinne der barocken Klangrede zum "Sprechen" zu bringen - heute selbstverständlich, damals noch nicht.
Um die Goldberg-Variationen auf dem Cembalo kennenzulernen, empfehle ich (wie Satie) eine Aufnahme mit Leonhardt. Er hat die Goldberg-Variationen 1977 nochmals bei DHM aufgenommen - welche Aufnahme man wählt, ist letztlich Geschackssache (ich bevorzuge die ältere von 1964).
Ansprechend finde ich auch die Interpretation des Leonhardt-Schülers Pieter-Jan Belder, die Aufnahme ist preiswert bei Brilliant erhältlich:
nikolaus (10.01.2009, 20:32): Ich gebe zu, dass ich mich bisher mit den Goldbergvariationen immer schwer getan habe.
Schiff bei ECM konnte mich nicht erreichen, und die Aufnahme mit Simone Dinnerstein offenbar auch nicht, denn ich habe sie bisher erst zweimal gehört.
Umso überraschter war ich von mir selbst, als ich die Gould-Aufnahme von 1981 gehört habe. Das war für mich eine Offenbarung. :down Ich glaube, ich habe "meine" Goldbergvariationen gefunden!! :engel
Nikolaus
Gamaheh (10.01.2009, 21:54): Original von nikolaus Ich gebe zu, dass ich mich bisher mit den Goldbergvariationen immer schwer getan habe.
Schiff bei ECM konnte mich nicht erreichen, und die Aufnahme mit Simone Dinnerstein offenbar auch nicht, denn ich habe sie bisher erst zweimal gehört.
Umso überraschter war ich von mir selbst, als ich die Gould-Aufnahme von 1981 gehört habe. Das war für mich eine Offenbarung. :down Ich glaube, ich habe "meine" Goldbergvariationen gefunden!! :engel
LieberNikolaus,
eigentlich erstaunlich, daß Du sie erst jetzt gehört hast! Das nenne ich resistent, nachdem hier so viele Leute davon rhapsodieren, und ist sie nicht auch die am häufigsten genannte Insel-Platte?
(Das war übrigens die erste Platte, die ich mir 1981 gekauft habe, nachdem ich meine erste eigene "Stereo-Anlage" erworben hatte und so einem Buch- und Schallplattenclub beigetreten war; ich habe sie immer noch.)
Warum warst Du überrascht?
Hör Dir doch zum Vergleich mal die von 1955 oder die Live-Aufnahme von den Salzburger Festspielen 1957 (glaube ich) an.
Grüße, Gamaheh
Heike (10.01.2009, 22:27): @ Nikolaus ich habe inzwischen etliche Goldberg-Variationen-Versionen, aber der Gould-Klassiker von 1981 bleibt mir die liebste und mein musikalisches Mantra, siehe http://www.das-klassikforum.de/thread.php?threadid=1134 :-). Heike
nikolaus (10.01.2009, 23:17): Original von Gamaheh
LieberNikolaus,
eigentlich erstaunlich, daß Du sie erst jetzt gehört hast! Das nenne ich resistent, nachdem hier so viele Leute davon rhapsodieren, und ist sie nicht auch die am häufigsten genannte Insel-Platte?
(Das war übrigens die erste Platte, die ich mir 1981 gekauft habe, nachdem ich meine erste eigene "Stereo-Anlage" erworben hatte und so einem Buch- und Schallplattenclub beigetreten war; ich habe sie immer noch.)
Warum warst Du überrascht?
Hör Dir doch zum Vergleich mal die von 1955 oder die Live-Aufnahme von den Salzburger Festspielen 1957 (glaube ich) an.
Grüße, Gamaheh
Liebe Gamaheh!
Mein erstes Problem war, dass ich dem Werk einfach nicht viel abgewinnen konnte. Egal wer es spielte, es ermüdete mich entweder so, dass ich nicht konsequent zuhören konnte, oder es hat mich einfach nervös gemacht.
Überrascht war ich von mir, weil ich dachte, ich würde von dieser Musik nie erreicht/überzeugt werden. Der Grund, dass ich mir diese (zugegebenermassen vielleicht durch Marketing aufgebauschte Luxus-Version mit der 55er und 81er Aufnahme + Bonus-CD) gegönnt habe, liegt grösstenteils darin, dass mir diese CD im Laden heute einfach in die Augen gefallen ist (und ich glaube einfach an so gewisse Zeichen...) und vielleicht auch darin, dass ich mich mit diesem Buch von Anna Enquist beschäftigen möchte (s. "Bibliothek - Was lese ich gerade...").
Vollkommen geistig durchdringen werde ich dieses Werk wohl nicht, aber die 81er Aufnahme hat mir doch die Ohren geöffnet. Natürlich habe ich die 55er Aufnahme zuerst gehört (ich kannte sie schon von früher - sie konnte mich damals nicht überzeugen, das in puncto Resistenz), und auch jetzt dachte ich: "Nee, das ist es einfach nicht..." Als dann die 81er anfing, war ich sofort gefesselt - ich wiederhole mich: eine Offenbarung. Vielleicht kann das jetzt niemand verstehen, aber ich spüre in dieser Aufnahme eine Freiheit im Umgang mit der Musik, die ich bei "Variationen" brauche, ferner - erstaunlicherweise trotz der Brüche - ein Atmen und Fliessen. Ich habe den Eindruck, dass Gould ganz bei sich ist und "über den Dingen" steht, nichts und niemandem etwas beweisen will (anders als in der 55er).
Gruß, Nikolaus.
nikolaus (10.01.2009, 23:20): Original von Hebre @ Nikolaus ich habe inzwischen etliche Goldberg-Variationen-Versionen, aber der Gould-Klassiker von 1981 bleibt mir die liebste und mein musikalisches Mantra, siehe http://www.das-klassikforum.de/thread.php?threadid=1134 :-). Heike
:beer
Rachmaninov (11.01.2009, 09:45): Original von Gamaheh
Hör Dir doch zum Vergleich mal die von 1955 oder die Live-Aufnahme von den Salzburger Festspielen 1957 (glaube ich) an.
Grüße, Gamaheh
Wäre auch meine Empfehlung gewesen.
Gerion (11.01.2009, 10:55): Lieber Nikolaus,
Du sprichst mir aus der Seele, was diese Aufnahme angeht. Goulds Interpretation ist von einer alles verdrängenden Präsenz und Eindringlichkeit.
Was meint Ihr - könnte man sagen: In der Aufnahme spricht Bach am unmittelbarsten zu uns? Oder vielleicht eher: Man wird Zeuge eines innigen Gesprächs zwischen Gould und Bach?
Grüße Gerion
satie (11.01.2009, 11:42): Original von Gerion
Was meint Ihr - könnte man sagen: In der Aufnahme spricht Bach am unmittelbarsten zu uns? Oder vielleicht eher: Man wird Zeuge eines innigen Gesprächs zwischen Gould und Bach?
Grüße Gerion
Zum Letzteren würde ich klar ja sagen: es ist das Maximum, was Gould in der Beschäftigung mit Bach möglich war. Zum ersten allerdings würde ich mit nein antworten, einfach deshalb, weil zuviel Gould drin steckt, immer noch. Zwar hatte Goudl selbst eingesehen, dass in seinen früheren Interpretationen die Tempi viel zu schnell waren. Aber die letztlich eben doch sehr distanzierte Art der Interpretation ist etwas, was mir Bach gegenüber nicht richtig erscheint. Faszinierend sind seine Aufnahmen immer noch, wegen der rhythmischen Strenge und natürlich vor allem wegen Goulds Fähigkeit der Darstellung komplexer polyphoner Strukturen. Die Mittel allerdings, die er dafür benötigt sind genau das Problem: historisch nirgends auffindbare (oder nicht einmal anders zu rechtfertigende) Artikulationen, exzentrische Phrasierungen und eine manchmal geradezu unheimliche Gleichgültigkeit gegenüber implizierten formal-dynamischen Prozessen (die durchaus die Polyphonie auf eine niedrigere Stufe stellen würden).
Rachmaninov (11.01.2009, 12:12): Im Film "Der Tag an dem die Erde still stand". Hört der Außerirdische einen Auszug von Bach's GBV und begreift natürlich sofort, dass die Menschheit "wert" sein doch nicht vernichtet zu werden. Man, hätte er mal geschaut wie "alt" dieses Werk ist! :haha
cellodil (11.01.2009, 12:12): Original von Gerion Lieber Nikolaus,
Du sprichst mir aus der Seele, was diese Aufnahme angeht. Goulds Interpretation ist von einer alles verdrängenden Präsenz und Eindringlichkeit.
Mir auch.
Und die anderen Einspielungen der Goldbergvariationen von Gould sind zwar in Hinblick auf dessen Entwicklung interessant, vermögen mich aber nicht in dem Maße zu berühren, wie es die späte tut.
Original von Gerion Was meint Ihr - könnte man sagen: In der Aufnahme spricht Bach am unmittelbarsten zu uns? Oder vielleicht eher: Man wird Zeuge eines innigen Gesprächs zwischen Gould und Bach?
Lieber Gerion,
ich glaube zwar, dass ich verstehen kann, was Du damit meinst, dass "Bach am unmittelbarsten" zu uns spricht aus der späten Einspielung der Goldbergvariationen, aber ich denke, es ist Gould, der zu uns - oder eigentlich zu sich selbst - über oder durch Bach spricht.
Liebe Grüße
Sabine
nikolaus (11.01.2009, 19:59): Original von cellodil .. aber ich denke, es ist Gould, der zu uns - oder eigentlich zu sich selbst - über oder durch Bach spricht.
Liebe Grüße
Sabine
Ja, das denke ich auch. Für mich ist das eine ganz persönliche/private Aufnahme. Ich würde vielleicht das Bild bemühen, das ich seinerzeit zu Kniazevs Aufnahme der Cello-Suiten von Bach bemühen: Es klingt, als ob jemand alleine in einem Zimmer oder Haus sitzt und für sich diese wunderbare Musik spielt...
Nikolaus.
Gerion (12.01.2009, 07:52): Original von cellodil
Original von Gerion Was meint Ihr - könnte man sagen: In der Aufnahme spricht Bach am unmittelbarsten zu uns? Oder vielleicht eher: Man wird Zeuge eines innigen Gesprächs zwischen Gould und Bach?
Lieber Gerion,
ich glaube zwar, dass ich verstehen kann, was Du damit meinst, dass "Bach am unmittelbarsten" zu uns spricht aus der späten Einspielung der Goldbergvariationen, aber ich denke, es ist Gould, der zu uns - oder eigentlich zu sich selbst - über oder durch Bach spricht.
Liebe Grüße
Sabine
Liebe Sabine,
meine Frage war durchaus offen forumliert, ich selbst tendiere auch zur zweiten Alternative, dem sprechenden Gould. Wobei für mich die Frage bleibt, ob Bach, hätte er die CD gehört, die Interpretation als ideal adeln würde - was uns dann in die Nähe der ersten Alternative rücken würde, in gewisser Weise.
AcomA (19.02.2009, 13:26): hallo,
ich habe in den letzten zwei tagen mehrfach den live-mitschnitt aus moskau mit vladimir feltsman (1991) (Nimbus) gehört. Zurzeit wohl meine lieblingsinterpretation. die registerwechsel bzw. oktavverschiebungen bringen eine gewisse abwechslung bei den klangfarben. wunderbar die gesangskunst bei den langsamen variationen. der quodlibet kurz vor schluss kommt mit energie und freudigem zugriff. der liebe Rachmaninow hatte schon mehrfach auf diese aufnahme hingewiesen !
gruß, siamak :engel
Rachmaninov (19.02.2009, 17:04): Original von AcomA hallo,
ich habe in den letzten zwei tagen mehrfach den live-mitschnitt aus moskau mit vladimir feltsman (1991) (Nimbus) gehört. Zurzeit wohl meine lieblingsinterpretation. die registerwechsel bzw. oktavverschiebungen bringen eine gewisse abwechslung bei den klangfarben. wunderbar die gesangskunst bei den langsamen variationen. der quodlibet kurz vor schluss kommt mit energie und freudigem zugriff. der liebe Rachmaninow hatte schon mehrfach auf diese aufnahme hingewiesen !
gruß, siamak :engel
Hoffe Du hörst mal Schepkin :D
AcomA (20.02.2009, 16:42): lieber Rachmaninov,
an die Schepkin-aufnahme kommt man wohl schwer heran. gerne würde ich sie hören.
siamak
thwinter12 (21.04.2009, 16:11): Hallo allen,
fast zeitgleich wurden zwei Einspielungen der "Goldberg-Variationen" an der Harfe veröffentlicht; nämlich von den beiden Harfenisten Sylvain Blassel beim Label Lontano und Catrin Finch bei der Deutschen Grammophon:
Blassel hat quasi noch als Zugabe "14 Kanons BWV 1087 über die ersten acht Fundamentalnoten der Aria aus den Goldberg-Variationen" aufgenommen; Eine sehr positive Kritik zu seiner Aufnahme fand ich hier: http://www.musicalcriticism.com/recordings/cd-goldbergs-blassel-0109.shtml
Finch wiederum wird überwiegend mit Lobeshymnen auf Amazon UK überhäuft: http://www.amazon.co.uk/Bach-J-S-Goldberg-Variations-BWV/dp/B001LRRNTM/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=music&qid=1240322708&sr=1-1
Kennt die Einspielungen jemand von Euch und welcher ist der Vorzug zu geben?
Servas, :thanks Thomas
satie (21.04.2009, 18:01): Wer hätte das gedacht...ich wäre fest davon überzeugt gewesen, dass die gar nicht wirklich spielbar sind auf der Harfe. Gerade habe ich in die Aufnahme von Blassel hineingehört und bin eigentlich eher positiv überrascht. Trotzdem sind das aber ausgesprochene Clavier-Stücke, die eben doch nicht so einfach zu übertragen sind. So ist der Klang oft einfach zu diffus, auch wenn sich Herr Blassel alle nur erdenkliche Mühe gibt, auch mit abgedämpften Saiten Portato-Bässe zu spielen oder bemerkenswert gut trillert, aber eben halt nur so schnell, wie das eben auf der Harfe mit einer Hand möglich ist (Variation 28, dort ist mir dann das Grundtempo tatsächlich zu langsam geraten). In die andere Aufahme konnte ich noch nicht hineinhören, sie erscheint ja auch erst Ende April, wenn ich recht gesehen habe.
Auf jeden Fall ist der Versuch, dieses Werk auf der Harfe zu spielen, respektabel. Sinnvoll scheint es mir in musikalischer Hinsicht letztlich aber nicht.
Herzlich, S A T I E
Heike (27.03.2011, 09:32): DRadio Kultur, Interpretationen · 27.03.2011 heute 15.05- 17 Uhr Gast: András Schiff; Moderation: Jürgen Liebing
"Denen Liebhabern zur Gemüths-Ergetzung" Johann Sebastian Bachs "Goldberg Variationen" Wanda Landowska, Keith Jarrett, Andreas Staier, Murray Perahia, Teodoro Anzellotti, natürlich Glenn Gould und andere werden in diesen "Interpretationen" zu hören sein, selbstredend auch András Schiff.
Rachmaninov (12.10.2011, 15:41): Jetzt habe ich mittlerweile mehrrere male in die Aufnahme der Goldbergvariationen in der Aufnahme von Francesco Tristano Schlime reingehört.
Sicherlich hat die Aufnahme einen gewissen reiz, Schlime arbeitet sehr gründlich die verschiedenen Stimmen heraus und verfügt offensichtlich auch über die notwendige technik und zwei sehr unabhängige Hände.
Allerdings geht mir persönlich der Ausdruck der Musik etwas verloren.
Dies wird insb. bei den Variationen deutlich in denen Schlime teilweise doch seeeehr langsam spielt und fast jede Note auf "molekularer" Ebene darstellt. Sicherlich gibt es einige sehr schön gespielte Variationen, jedoch ist die doch sehr langsame Aria und z.B. die Variation #13 auf Dauer nicht "my cup of tea".
Dem anderen mag es gefallen. Für mich muss Musik fließen.
R
nikolaus (12.10.2011, 19:37): Danke für den Eindruck!
Nikolaus. :thanks
Rachmaninov (12.10.2011, 19:39): Original von nikolaus Danke für den Eindruck!
Nikolaus. :thanks
Wie geschrieben, rein subjektiv!
nikolaus (12.10.2011, 19:41): Original von Rachmaninov Original von nikolaus Danke für den Eindruck!
gekauft. Würde gerne aber beide Aufnahmen also die 198x auch. Kann mir jemand sagen, wie ich diese Unterscheiden kann?
Danke michael
hat GG auch das Wohltemperierte Clavier auch mehrfach eingespielt?
Heike (06.05.2012, 17:37): Hallo, du kannst die Aufnahmen anhand der Tracklängen unterscheiden, falls das Aufnahmejahr nicht dabei steht. Bei amazon dazu z.B. die mp3 Version anklicken, da stehen die Zeiten dabei. Die erste Aria z.B spiekt er in der frühen Aufnahme unter 2 min; in der 1981er Aufnahme braucht er dafür über 3 min.
Vom WTC kenne ich nur eine Aufnahme. Heike
Heike (06.05.2012, 17:39): P.s. von Glenn Gould gibt es bereits einen Thread! http://www.das-klassikforum.de/thread.php?threadid=246
Rachmaninov (06.05.2012, 19:46): Bitte mnal die Suche verwenden das erspart mir stumpfsinnige Aktionen!
Kalli (11.05.2012, 15:21): hallo,
ich besitzte beide gould aufnahmen, perahia, schiff und hewitt......von tureck finde ich verschiedene versionen : mono sehr günstig - http://www.amazon.de/Goldberg-Variationen-Rosalyn-Tureck/dp/B0011X9S3A/ref=sr_1_1?s=music&ie=UTF8&qid=1336742083&sr=1-1
ihre letzte aufnahme sehr, sehr (zu?) teuer: http://www.amazon.de/Goldberg-Variations-Rosalyn-Tureck/dp/B00000I93R/ref=sr_1_2?s=music&ie=UTF8&qid=1336742083&sr=1-2
ist die alte version wirklich klanglich so schwach wie in der amazon rezension beschrieben ?
gruss
kalli
jünter (20.01.2013, 12:53): Ich lese gerade den Roman "Kontrapunkt" von Anna Enquist, so dass die Goldbergs wieder in meinen Fokus gerückt sind.
Angesichts der beachtlichen Sokolov-Fangemeinde hier im Forum wundere ich mich, dass seine Aufnahme
Sollte ihm ausgerechnet dieses Werk misslungen sein? Was sagen die Experten unter Euch?
AcomA (20.01.2013, 16:07): Hallo,
ja das wuerde mich auch sehr interessieren. Die CD habe ich im Handel noch nicht gesehen.
LG, Siamak
Amadé (20.01.2013, 20:32): Original von Acoma ja das wuerde mich auch sehr interessieren. Die CD habe ich im Handel noch nicht gesehen.
Da schließe ich mich an, totale Fehlanzeige, wusste gar nicht, dass es das von ihm gibt. Vom Cover her eine sowjetische (Studio?)Aufnahme, also liegt sie schon Jahrzehnte zurück, was jedoch nichts bedeuten soll.
Gruß Amadé
jünter (21.01.2013, 07:24): Original von Amadé Vom Cover her eine sowjetische (Studio?)Aufnahme, also liegt sie schon Jahrzehnte zurück, was jedoch nichts bedeuten soll. Gruß Amadé
Habe bei jpc mal reingehört: Es handelt sich definitiv um eine Live-Einspielung, die Aufnahmequalität scheint - soweit man das mit PC-Lautsprechern beurteilen kann - problematisch zu sein. :(
Gruß, jünter
Amadé (18.02.2013, 09:45):
Hier mein Eindruck über Solkolovs Aufnahme vom 27. Febr. 1982 aus dem Leningrader Konservatorium:
Aria: überwältigend, wie Sokolov das Thema mit viel Geschmack und Stilempfinden reich bebildert, ohne es dabei aufzuplustern. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass dies einigen Hörern zu viel des Guten ist. Zu Beginn möchten sie erst einmal das Thema in seiner quasi nackten Form, losgelöst von allen Zutaten, hören. Für mich bewundernswert die kaum wahrnehmbaren agogischen Verschiebungen und die immer belebten Triller. Allein schon diese wenigen Minuten weisen den damals 32jährigen Pianisten als einer der bedeutensten Bach-Spieler seiner/unserer Zeit aus. Ein größerer Kontrast von der Aria zur folgenden ersten Variation lässt sich kaum denken, dort das weltvergessende Versenken in Bachs Thema, hier die explosive Freisetzung von Energie. Solche Stellen begegnen dem Hörer noch mehrmals. Sokolov gelingt es immer wieder, die Eigenheiten der einzelnen Variationen herauszustellen und sie insgesamt sehr abwechslungsreich erscheinen zu lassen, dabei bedient er sich voll der Möglichkeiten des modernen Konzertflügels, ohne Bachs Gedankenwelt zu verbiegen. Schon sein Geschmack bewahrt ihn davor, in schnellen Variationen in unkontrollierte Raserei zu verfallen, wie ich es bei einer Aufführung der Goldberg-Variationen durch Martin Stadtfeld im vergangenen Jahr „erleben“ durfte. Am Schluss ist man überrascht, dass Sokolov die Wiederholung der Aria nun ohne alle Verzierungen und Schnörkel spielt. Fazit: Eine packende Darstellung, die ihre Gültigkeit behalten dürfte. Störend die vielen Huster, gerade in der Aria, die jedoch im Verlauf der Aufführung immer weniger werden, der Pianist schien geradezu magische Kräfte frei zusetzen, die jeden Zuhörer mit seinen augenblicklichen Befindlichkeiten in den Bann schlug und alles andere vergessen zu lassen.
Original von jünter Es handelt sich definitiv um eine Live-Einspielung, die Aufnahmequalität scheint - soweit man das mit PC-Lautsprechern beurteilen kann - problematisch zu sein.
Das sehe ich nicht so. Das Mikro war nahe am Flügel und der eingefangene Klang ist ziemlich unverfälscht.
Gruß Amadé
donpaolo (30.12.2013, 14:50): Original von Rachmaninov Jetzt habe ich mittlerweile mehrrere male in die Aufnahme der Goldbergvariationen in der Aufnahme von Francesco Tristano Schlime reingehört.
Ich habe mir die Aufnahme soeben zur Hälfte angehört.
Bei einer ganzen Reihe junger Pianisten hört man beim Bach-Spiel deutlich den Einfluss von Glenn Gould. So auch hier. Allerdings gibt es Interpreten, die sich von GG inspirieren lassen und eine eigenständige Interpretation liefern (m. E. beispielsweise David Fray) und solche, bei denen es "in die Hose geht".
Diese Aufnahme gefällt mir nicht. Teilweise verschleppte und zerdehnte Tempi. Dann lieber gleich das Original.
Gruß
Paul
Rachmaninov (30.12.2013, 18:44): Original von donpaolo Original von Rachmaninov Jetzt habe ich mittlerweile mehrrere male in die Aufnahme der Goldbergvariationen in der Aufnahme von Francesco Tristano Schlime reingehört.
Ich habe mir die Aufnahme soeben zur Hälfte angehört.
Bei einer ganzen Reihe junger Pianisten hört man beim Bach-Spiel deutlich den Einfluss von Glenn Gould. So auch hier. Allerdings gibt es Interpreten, die sich von GG inspirieren lassen und eine eigenständige Interpretation liefern (m. E. beispielsweise David Fray) und solche, bei denen es "in die Hose geht".
Diese Aufnahme gefällt mir nicht. Teilweise verschleppte und zerdehnte Tempi. Dann lieber gleich das Original.
Gruß
Paul
@don,
du meinst mit Original die Glen Gould Aufnahme? Wenn ja, welche?
R
donpaolo (02.01.2014, 14:40): Original von Rachmaninov
du meinst mit Original die Glen Gould Aufnahme? Wenn ja, welche?
R
Mit "Original" meine ich GG.
Gruß
Paul
Rachmaninov (02.01.2014, 19:04): Original von donpaolo Original von Rachmaninov
du meinst mit Original die Glen Gould Aufnahme? Wenn ja, welche?
R
Mit "Original" meine ich GG.
Gruß
Paul
Und welche Aufnahme im speziellen?
Amadé (02.01.2014, 20:11): Lieber donpaolo,
Glenn Gould hat die Goldbergvariationen zweimal für Tonträger eingespielt, die erste von 1955 war ein Paukenschlag, der bis heute noch nicht ganz verklungen ist, die zweite stammt von 1981. Daneben existieren aber noch Konzertmitschnitte, die teilweise auch auf den Markt gekommen sind. Rachmaninow fragt nach Deiner CD, er kennt sicher sehr viele.
Gruß Amadé
Rachmaninov (03.01.2014, 06:51): Original von Amadé Lieber donpaolo,
Glenn Gould hat die Goldbergvariationen zweimal für Tonträger eingespielt, die erste von 1955 war ein Paukenschlag, der bis heute noch nicht ganz verklungen ist, die zweite stammt von 1981. Daneben existieren aber noch Konzertmitschnitte, die teilweise auch auf den Markt gekommen sind. Rachmaninow fragt nach Deiner CD, er kennt sicher sehr viele.
Gruß Amadé
Dazu gibt es noch einen Mitschnitt aus Salzburg. Somit sind es dann drei auf Tonträger dokumentierte Aufnahmen.
R
donpaolo (03.01.2014, 16:07): Original von Amadé Lieber donpaolo,
Glenn Gould hat die Goldbergvariationen zweimal für Tonträger eingespielt, die erste von 1955 war ein Paukenschlag, der bis heute noch nicht ganz verklungen ist, die zweite stammt von 1981. Daneben existieren aber noch Konzertmitschnitte, die teilweise auch auf den Markt gekommen sind. Rachmaninow fragt nach Deiner CD, er kennt sicher sehr viele.
Gruß Amadé
Ok, das habe ich auch so verstanden. Ich meinte mit "das Original" aber keine bestimmte Aufnahme, sondern die Person Glenn Gould bzw. seinen Interpretations-Stil, der sich ja auch zwischen den frühen und der späten Aufnahme nicht grundlegend unterscheidet.
Die verschiedenen Aufnahmen sind mir bekannt. Ich besitze als militanter Glenn Gould-Fan die erste (kanadischer Rundfunk) als CD, die erste Columbia-Aufnahme als Original-LP (mehrere Expl.), diverse CD-Ausgaben der ersten Columbia-Aunahme und der letzten Studio-Aufnahme (sowohl digital als auch als Band-Mitschnitt), und natürlich auch den Salzburg-Mitschnitt. :D
Meine Favoriten sind die beiden Studio-Aufnahmen (Columbia und CBS). Sehr interessant sind übrigens auch die Outtakes von der ersten Columbia-Aufnahme.
Gruß
Paul
donpaolo (05.01.2014, 12:50): Hier ein paar Fotos der LP, der 1954er Aufnahme sowie des Salzburger Konzertmitschnitts.
Die Original-LP befindet sich in einem 8wie zu der Zeit üblich) sehr stabilem Cover, welches ein weiteres Cover enthält, auf dem die Fortsetzung der Anmerkungen Glenn Goulds zu den Goldbergvariationen abgedruckt sind, da sie für die Rückseite des Covers zu umfangreich sind.
donpaolo (05.01.2014, 13:23): Übrigens ist 24 Jahre nach GG's Tod eine "Neueinspielung" seiner 1955er Studio-Version der Goldbergvariationen auf einem Yamaha Disklavier Pro Konzertflügel entstanden.
Das funktioniert mit einer Software der Zenph Studios. Diese analysiert eine Aufnahme (in diesem Fall die 1955 erschienene Columbia-Aufnahme der Goldberg-Variationen) und isoliert die musikalischen Parameter (Tonhöhe- und dauer, Anschlagsgeschwindigkeit, Auslösung der Tasten etc.) von den Umgebungsgeräuschen. Dann werden die Daten digital verarbeitet und können anschließend auf einem computergesteuerten Klavier abgespielt werden.
Das Ergebnis ist die 1955 erschienene Aufnahme in super Klangqualität. Sehr hörenswert.
AcomA (07.11.2015, 16:21): Hallo,
in diesem Jahr sind einige neue Einspielungen der Goldberg-Variationen auf dem modernen Flügel herausgegeben worden:
Lars Vogt Tzimon Barto Igor Levit Alexandre Tharaud
Hat jemand diese Aufnahmen schon gehört oder zumindest reingehört ? Gibt es Höreindrücke ?
LG, Siamak
nikolaus (29.11.2015, 10:31): Gestern im Radio hörte ich in einen Konzertmitschnitt.
Da ich den Anfang nicht mitbekommen hatte, wusste ich nicht, wer spielt.
Die Goldbergvariationen habe ich erkannt, aber sie kamen mir sehr (ver)fremd(et) vor. Einige Variationen waren sehr eindringlich, andere wiederum fast schon grobschlächtig.
Es spielte Tzimon Barto, und zwar eine Bearbeitung von Feruccio Busoni.
Kennt jemand diese Bearbeitung genauer und kann mehr dazu sagen?
Nikolaus
Jussi (29.11.2015, 10:43): Original von nikolaus Gestern im Radio hörte ich in einen Konzertmitschnitt.
Da ich den Anfang nicht mitbekommen hatte, wusste ich nicht, wer spielt.
Die Goldbergvariationen habe ich erkannt, aber sie kamen mir sehr (ver)fremd(et) vor. Einige Variationen waren sehr eindringlich, andere wiederum fast schon grobschlächtig.
Es spielte Tzimon Barto, und zwar eine Bearbeitung von Feruccio Busoni.
Kennt jemand diese Bearbeitung genauer und kann mehr dazu sagen?
Nikolaus
Das wird diese CD sein!? Ich kenne sie aber nicht.
Rachmaninov (07.12.2015, 19:55): Als ich sah, dass T. Barto eine Aufnahme der GBV veröffentlicht hat war ich sehr überrascht. Zwar spielt er ja durchaus "Standardwerke" ein, jeodch hätte ich damit nicht gerechnet.
Wie sich heraustellte handelt es sich aber zum glück nicht um die 1000. Aufnahme wie Sand am Meer sondern um etwas besonderes.
1. Es handelt sich um die Busoni Überarbeitung und 2. Barto legt nicht nicht o.g. 1000 Aufnahme hin, die kaum ein Mensch unterscheiden kann.
Nein. Tzimon Barto wäre nicht er selbst wäre die Aufnahme nicht speziell.
Oben wurden bereits die teilweise extrem gespielten Variationen angesprochen. Die sind auch nicht mein persönlicher Geschmack. Aber teilweise präsentiert T. Barto die Variationen als wäre man in einem Restaurant, das sich der Molekularküche verschrieben hat, und diese Kunst beherrst. Ohen den Fluss zu verlieren serviert Bartto Bach auf höchsten Nievau.
Die Aufnahme wird man vermutlich gut oder sehr gut finden oder völlig ablehnen.
Ich gebe ihr 9/10 Punkten, da sie für mich eine echte Bereicherung der Diskographie darstellt.
AcomA (20.02.2016, 17:55): Hallo,
ich habe neulich in die neue Einspielung der Goldberg-Variationen mit Alexandre Tharaud auf dem modernen Flügel reingehört (Virgin Classics). Es ist eine gute Einspielung mit leichten spieltechnischen Unebenheiten. Sie gefällt mir besser als die Einspielung Levits, da Tharaud die linke Hand bzw. Basslinien unabhängiger einsetzt. Ich kann mich aber nicht entschließen sie zu erwerben. Sie bringt IMO nichts herausragendes gegenüber den Aufnahmen, welche ich habe (Arrau, 2 x Gould, 2 x Schiff, Perahia, Sokolov, Feltsman, Kempff, Weissenberg).
LG Siamak
Hosenrolle1 (20.02.2016, 18:54): Sammelst du generell alle Aufnahmen, oder nur solche, die dir wirklich gut gefallen?
Falls zweiteres der Fall ist, würde ich sie nur um einen möglichst billigen Preis nehmen.
Ich habe mir die Preisentwicklung auf Amazon angesehen.
Der aktuelle Preis beträgt 18,99€.
Der tiefste Preis bisher war 14,81€, das war vom 5. - 9. Jänner 2016.
Der höchste Preis bisher war 22,99€, im November 2015.
(Im Marketplace war der höchste Preis für neue Produkte bisher 13,66€, der tiefste 10,92€.)
LG, Hosenrolle1
satie (21.02.2016, 00:03): Jetzt erst auf die letzten Beiträge aufmerksam geworden (und mit der Muße versehen, mal endlich reinzuhören), muss ich doch ein erstaunliches (für mich) Fazit ziehen... Barto: auf jeden Fall ein gelungener Versuch, mit der Busoni-Version mal was anderes zu bieten. Allerdings: wenn man mal den Notentext mitliest, staunt man nicht schlecht, wie willkürlich er mit einigen Angaben umspringt. Und nach jeder Variation so ein elendiglich extremes rallentando, dass man nach jedem Stück denkt, es sei Feierabend... warum? Dann die bedächtigen Tempi... das hätte Busoni nie so gespielt. Und letztendlich fragt man sich, was Busoni uns und dem Werk damit eigentlich hat sagen wollen... Nein, nicht wirklich das Wahre, aber eine eigentlich verdammt gute Idee, hätte sie nur eine bessere Umsetzung erfahren. Dann Tharaud: eigentlich gute Tempi, recht gerade gespielt, schön vom Anschlag her. Aber oft so belanglos! Variation 6: ist die linke echt nur so wie ein Staubsauger im Hintergrund gedacht? Die 7.: warum diese total uneinheitliche Artikulation? Der Gigue-Rhythmus ist rechts immer staccato abgesetzt, links mal so mal so. Dann macht er manchmal einen auf Gould mit diesen neckischen staccato-Sechzehntelläufen, die so gar wider alle historische Informiertheit aufbegehren (fast alle heutigen Pianisten haben das stellenweise übernommen, das hat Barto immerhin gut vermieden!). Bei der 15. hat er den Affekt meiner Ansicht nach gar nicht verstanden. Das sind Lamento-Seufzer ohne Ende, und er spielt das so als müsse man unbedingt vermeiden, dass bei den Tonwiederholungen eine Lücke entsteht. Die ist aber einkomponiert, vom Instrument vorgegeben, wenn man nicht dauernd ein Pedallegato macht. Und so gibt es noch einiges, was mich an dieser Aufnahme stört und sie eher zu eine unter vielen macht. Sie ist aber eher zurückhaltend, was ich eigentlich schätze. Nun ja.
Und jetzt kommts, das, was ich eigentlich nie dachte mal sagen zu müssen: es bleibt am Ende doch Gould wie ein Monolith in der Interpretationslandschaft stehen. Er ist der einzige, der die Stimmen gleichzeitig hören und hörbar machen konnte, weiß der Teufel warum. Was er da herauszaubert aus dem Notentext bleibt ein Wunder. Da nützt mir nix, dass ich eigentlich das Cembalo und ein historisch informierte Spielweise mehr schätze. Es ist bei Gould so, als hätte er das selber komponiert. Auf der einen Seite kann man sagen, das sei nicht mehr Bach, auf der anderen würde ich hier tatsächlich wagen zu behaupten, da hat einer etwas entdeckt in einem Stück, was vielleicht nicht einmal der Komponist erkannt hat. Und dazu gehört eine Menge. Jetzt habe ich das tatsächlich gesagt... Na ja, vielleicht ist das wie so ein notwendiges Geständnis, bevor das Schiff versinkt. Wer weiß...
Herzliche Grüße Satie
Hosenrolle1 (21.02.2016, 00:07): Sehr schön beschrieben! Ohne das Stück oder die Interpretation bzw. die Noten zu kennen kann ich mir etwas darunter vorstellen :)
LG, Hosenrolle1
Cetay (inaktiv) (21.02.2016, 06:48): Original von Satie (...) Und jetzt kommts, das, was ich eigentlich nie dachte mal sagen zu müssen: es bleibt am Ende doch Gould wie ein Monolith in der Interpretationslandschaft stehen. Herzliche Grüße Satie
Was mich brennend interessiert: Wo würde Grete Sultan in dieser Landschaft ihren Platz finden? :hello
AcomA (21.02.2016, 10:11): Original von Hosenrolle1 Sammelst du generell alle Aufnahmen, oder nur solche, die dir wirklich gut gefallen?
Falls zweiteres der Fall ist, würde ich sie nur um einen möglichst billigen Preis nehmen.
Ich habe mir die Preisentwicklung auf Amazon angesehen.
Der aktuelle Preis beträgt 18,99€.
Der tiefste Preis bisher war 14,81€, das war vom 5. - 9. Jänner 2016.
Der höchste Preis bisher war 22,99€, im November 2015.
(Im Marketplace war der höchste Preis für neue Produkte bisher 13,66€, der tiefste 10,92€.)
LG, Hosenrolle1
Lieber Hosenrolle,
für mich gehören Bachs GV zu den ganz großen Werken. Ich höre sie seit meinem 16. LJ und bin immer noch begeistert :engel. Ich bin bereit, auch mal 20 € für eine neue Einspielung hinzulegen, wenn Sie mir neue Facetten aufzeigt oder einfach mich überzeugt. Für mich bleiben hier als Firmament und ebenbürtig Arrau (erste Einspielung auf dem Flügel 1943 !), Gould, Schiff, Sokolov, Perahia und Feltsman. Aimard wäre für mich interessant, wenn er sie denn aufnähme (Die Kunst der Fuge bringt er famos).
LG Siamak
satie (21.02.2016, 13:13): Original von Cetay
Was mich brennend interessiert: Wo würde Grete Sultan in dieser Landschaft ihren Platz finden? :hello
Ich habe mir soeben die Sultan-Version angehört, die ich tatsächlich gar nicht kannte. Danke für den Tipp! Ich finde, bei ihr ist es eher wie ein Chorgesang, in dem die Stimmen sehr ausgewogen sind, allerdings gefällt mir nicht, dass die linke Hand so ein pauschales Continuogeplänkel spielt an vielen Stellen. Ich glaube, gerade in den Basslinien liegt die Stärke bei Gould: was viele als bloß notwendige harmonische Fundamentstütze sehen, ist für ihn voller melodischer Gedanken. Sultan ist offensichtlich von der recht alten Schule, was Barockmusik betrifft, denn sie spielt fast alles legato (sogar die Gigue). Das ist es wohl auch, was dieses Choralgefühl vermittelt. Eigentlich arbeitet sie aber in sehr feinen Bereichen und holt dynamisch auch entsprechend nur auf einer geringen Bandbreite aus (man vergleiche da mal Barto, der teilweise so leise ist, dass ich zu bezweifeln wage, dass das im Konzert wirklich funktioniert; im Studio hingegen oder in einer nahe gemachten Aufnahme ist das ziemlich berückend, wie ich finde). Sultans Interpretation mag mich - um zum Schluss zu kommen - nicht überzeugen, wenn es auch schöne Momente gibt, in denen ich die Choral-Stimmung passend finde.
AcomA (21.02.2016, 14:39): Lieber Satie, hast Du mal den Live-Mitschnitt Sokolovs (Melodiya) aus den 80er gehört ?
LG Siamak
Cetay (inaktiv) (21.02.2016, 19:05): Original von Satie Original von Cetay
Was mich brennend interessiert: Wo würde Grete Sultan in dieser Landschaft ihren Platz finden? :hello Sultans Interpretation mag mich - um zum Schluss zu kommen - nicht überzeugen, wenn es auch schöne Momente gibt, in denen ich die Choral-Stimmung passend finde. :thanks
Wahrscheinlich ist es das von dir als Choral-Stimmung bezeichnte, das mich so anzieht. Alte Schule ja, aber sehr klar und bisweilen distanziert.
Mir gefällt übrigens die 1955er Aufnahme von Gould besser als die späte, weil sie durch die irren Tempi schön kompakt ist. Die zyklische Anlage mit der beim Hörer veränderten Sicht-(eigentlich Hör-)weise auf die ursprüngliche Aria am Schluss kommt viel unmittelbarer zur Geltung; mit jeder Variation enfernt er sich weiter vom Ausgangspunkt und nähert sich gleichzeitig von der "anderen Seite" wieder an. Wo bekommt man das sonst so plastisch vorgeführt?
satie (22.02.2016, 00:03): Original von AcomA Lieber Satie, hast Du mal den Live-Mitschnitt Sokolovs (Melodiya) aus den 80er gehört ?
LG Siamak
Lieber Siamak, ja, ich hatte die Aufnahme schon einmal gehört und erinnerte mich noch, mit der Klangqualität große Mühe gehabt zu haben. Ich habe sie mir jetzt noch einmal angehört. Was mir gefällt, ist Sokolovs sehr beherzter Zugang zu einigen der Variationen. Die Aria ist nicht sonderlich inszeniert, sondern kommt vergleichsweise flott und unbekümmert daher, das kennt man sonst eher von einigen Cembalisten. Bei Sokolov ist nichts verzärtelt, was diesen Variationen sehr gut tut, allerdings ist das natürlich eine mittlerweile schon ältere Aufnahme, die Tendenz zum Weichspülen ist meiner Ansicht nach vor allem in den neueren Einspielungen zu spüren. Ich bin ja bekanntlich einer, der gerne die Aufnahmen mit dem Notentext anhand einiger Referenzstellen beurteilt. Es gibt solche in den Goldbergvariationen beispielsweise hier:
Variation 4: das ist ein sehr dichter vierstimmiger Satz, der unter anderem viele über den Takt gebundene Synkopen bietet. Die will ich dann auch entsprechend hören können. Bei Sokolov gelingt das tatsächlich wunderbar! Dagegen Barto: nö, mehr Pedalbrühe denn durchhörbar. Gould: alles dufte, nur den Tenor hat er komischerweise an manchen Stellen nicht sehr ernst genommen. Hier also Sokolov meiner Ansicht nach sehr gut, man hat das Gefühl, da sind wirklich vier Stimmen.
Variation 7: hier steht im Urtext "al tempo di Giga", und der Gigue-Rhythmus ist unverkennbar. Gould: alles legato und relativ langsam (ich meine jetzt immer die spätere Gould-Aufnahme; mit der früheren habe ich dasselbe Problem wie Gould selbst, streckenweise einfach zu schnell). Eine Gigue ist nunmal aber ein lebhafter Tanz! gemäß den verfügbaren Quellen ist die Gigue der Tanz im Barock, bei dem am meisten gehüpft/ gesprungen wurde, daher ist allgemein eine Artikulation mit abschließendem staccato nach jeder Dreiergruppe. Koch schreibt in seinem musikalischen Lexikon (1802): "Für den Bogeninstrumentisten ist fleißige Uebung in den verschiedenen Arten der Giquen ein treffliches Hülfsmittel, alle Wendungen des Bogens bey abgestoßenen Noten, völlig in seine Gewalt zu bekommen." Es ist also sicher so, dass man hier einmal Gelegenheit zum Staccatospiel hat. Gould macht es gerade hier gar nicht, wodurch das Stück (auch durch das zu langsame Tempo) gar keinen Gigue-Charakter mehr hat. Sokolov spielt grundsätzlich die zweite Note von dreien staccato, was allerdings im weiteren Verlauf verflacht. Das Tempo ist ebenfalls zu langsam. Es ist dies der wildeste Tanz, den das Barock zu bieten hat! Bei Barto seltsame Dynamik, Tempo noch lahmer... Ich fühle mich fast erinnert an den Cancan von Offenbach, wie er im Karneval der Tiere in Zeitlupe von den Schildkröten getanzt wird... Die 7. muss man sich mal mit Pierre Hantai anhören, dann hat man eine Vorstellung von einem angemessenen Gestus. Oder auf dem modernen Flügel: Perahia!
10. Variation: durch ihre Kürze und Dichte ist diese Fughetta gut geeignet, zu prüfen, ob der Interpret einheitlich artikuliert und alle Stimmen gut herausarbeiten kann. Das ist extrem schwierig, weil hier alles total komprimiert ist. Barto: fängt gut an und verliert sich dann in allerseltsamsten Temposchwankungen, die mir völlig unmotiviert erscheinen. Das liegt nicht an Busoni by the way, der hat sich da ziemlich zurückgehalten. Und nur den jeweiligen Themeneinsatz herauszuheben um dann alles andere pauschal zu intonieren, ist mir zu wenig. Sokolov stellt die Fuge recht deutlich und nachvollziehbar dar, wählt allerdings ein grundsätzliches Non-Legato-Spiel, welches die Sache ein wenig erleichtert. Im zweiten Teil wird das differenzierter. Hier finde ich ihn wieder ziemlich gut! Gould allerdings zaubert hier richtig, variiert sogar die Artikulation bei der Wiederholung. Man hört alles, sagenhaft, da ist er in seinem Element. Und es klingt, als wäre das nichts....
Nr. 13: Das ist eine der Variationen, wo wir von Bach diverse Angaben zur Artikulation haben. Die schreibt Bach nur dort vor, wo er etwas Besonderes will, in diesem Fall beispielsweise ab dem 13. Takt immer wieder die eigenwillige Artikulation einer Zweiunddreissigstelkette mit einem ersten Ton staccato, danach alles legato. Gould ignoriert das geflissentlich, dafür singen die Unterstimmen ein so herrliches Duett bei ihm wie bei keinem anderen. Sokolov hält sich tatsächlich recht genau an Bachs Vorgaben, spielt diese Variation mehr von der Oberstimme her, mir würde der Notentext denn auch eher so etwas suggerieren. Würde er noch teilweise mehr singen in den Unterstimmen, wäre das schon eine schwer zu übertreffende Interpretation! Barto: total komisch. Er fängt jeden Takt in einem Tempo an, das er dann sofort verlangsamt. Soll das absichtlich gegen den Strich jeder nur denkbaren Musikalität gehen, oder wie ist das zu verstehen. Von der Artikulation fange ich gar nicht erst an, man wird seekrank bei diesem Spiel...
15: hier sind die Seufzerbindungen in den Notentext ebenfalls eingetragen. Man spielt diese schwer-leicht, den zweiten Ton deutlich abgesetzt, das ist ein zumindest melancholischer Affekt. Der Kanon ist zudem im Spiegel, sprich die zweite Stimme bewegt sich in entgegengesetzter Richtung, was zu argen Distanzen in den beiden oberen Stimmen führt, man muss also sehr oft Töne der Mittelstimme in die linke Hand nehmen, dann wieder in die rechte und so weiter, das macht es schwer, drei Linien gleichmäßig zu zeichnen. Das Tempo (sonst gibt es sehr wenige solche Angaben) ist mit "andante" angegeben. Also weder sterbenslangsam noch zu bewegt. Das Stück ist im 2/4-Takt geschrieben. Bei Gould komme ich auf Viertel = 21-22 als Tempo, oder wenn man die Achtel als Grundlage nimmt auf 42-44, im ersten Fall ein abartig langsames Tempo, im zweiten Fall immer noch arg langsam für ein Andante. Schwer-leicht macht er jedenfalls und hat begriffen, dass das kein Freudentanz ist. Barto - mit Wellengang wie bisher - kommt auf ein Tempo von 24 Vierteln pro Minute oder 48 Achteln, fast wie Gould aber eben noch so schwankend dazu, dass das Stück gar keine Kontur mehr hat. So eine Einspielung der Variationen traue ich mir auch zu, einfach da, wo ich es brauche, schraube ich das Tempo nach belieben herunter. Artikulation ist wieder nicht einmal erwähnenswert. Ich habe langsam das Gefühl, Barto hat das nur eingespielt, um zu zeigen: guckt mal, wie weit weg vom Barock dieser Busoni ist. Aber ich fürchte, da irrt Barto leider... Sokolov fast doppelt so schnell, ca Viertel = 43, Achtel = 86. Das wäre nach Metronom tatsächlich Andante, klingt mir aber zu schnell, wenn auch nicht viel zu schnell. Er bekommt also schon wieder Bonuspunkte. Zwar setzt er die Bindungen nicht ab, aber er setzt das "Schwer-Leicht" um. Langsam finde ich es echt bedauerlich, dass das nicht besser aufgenommen wurde. Eine wirklich gute Interpretation, die ich so gar nicht in Erinnerung hatte.
16: gleich die darauffolgende Variation: das ist eine Französische Ouvertüre, und die muss verschnörkelt, prächtig und eventuell sogar mit doppelten Punktierungen daherkommen. Sokolov: Charakter voll verstanden. Er nimmt die explizit staccato notierten Läufe ernst. Die zweite Hälfte des Stücks allerdings muss ein schneller Teil sein, den nimmt er leider zu langsam, das wirkt seltsam in der Proportion. Schade... Gould: Charakter ebenfalls verstanden, leider schludrig in der Artikulation: links spielt er die Staccati, wie sie dastehen, rechts ignoriert er sie. Das ist überhaupt bei Gould ein Punkt, den man völlig vergessen muss. Er macht, was er will. Der schnelle Teil hingegen passt vom Tempo perfekt. Seine Temporelationen sind ohnehin bestechend, auch wenn einzelne Stücke übertriebene Tempi haben mögen. Barto: Am Anfang genau richtig, punktiert sogar doppelt, ein erster Lichtblick! Und dann lässt er die Spannung wieder so abfallen, dass alles auseinanderfließt wie geschmolzene Butter. Ich kapiere diese interpretatorische Haltung einfach nicht. Barto beachte ich jetzt nicht weiter, es ärgert mich.
Großer Sprung zum poetischen Kern des Zyklus, dem großen Adagio in G-Moll, Variation 25: Sokolov: Viertel = 19, das ist ein finsteres Grave, wodurch die Sechzehntel schon zuweilen behäbig daherkommen. Nun gut, er braucht das, um sich auszusingen. Leider tut er das nicht immer auch in den Unterstimmen, die teilweise selber noch imitatorisch verschränkte Strukturen haben (T. 13-16 beispielsweise) . Warum nicht mal in einer Wiedergolung den Focus dorthin verschieben? Lieber zweimal dasselbe. Diese Variation erhält in diesem langsamen Tempo meiner Ansicht zu viel Gewicht. Gould: exakt dasselbe Tempo! Viertel = 19. Gould zeigt hier diese singende Qualität besonders deutlich. Alle Stimmen sind da und hörbar, Gould lenkt auf verschiedene Melodiezüge gleichzeitig, das macht ihm so keiner nach. Vergleich mit dem Cembalo: Gustav Leonhardt spielt zwar ein schnelleres Grundtempo von Viertel = ca. 23, schwankt aber viel mehr (typisch für das Cembalo, das so die fehlende Dynamik ausgleichen muss). Vgl. hier auch Perahia, noch etwas schnelleres Grundtempo, ähnlich gut durchhörbar wie Gould, aber weniger akzentuiert. Der etwas schnellere Fluss kommt der Variation aber zugute!
So, das wären meine Vergleiche, zu denen ich jetzt doch mal wieder richtig Lust hatte! Perahia muss ich mir nochmal genauer unter die Lupe nehmen, finde ihn wie immer sehr interessant. Trotzdem bleibt mein Statement zu Gould: diese Hörbarkeit der Stimmen und wie er sie so scheinbar einfach singen lässt, das ist einmalig und unerreicht. Sokolov hat mich jetzt beim wiederholten Hören sehr überrascht. Eine wirklich hörenswerte Interpretation. Alternativen auf dem Cembalo, die ich interessant finde sind Gustav Leonhardt (vielleicht hie und da etwas fade) und Pierre Hantai (streckenweise übrigens beliebiger in der Artikulation als Gould, und das auf dem Cembalo!, aber dann wieder tolle Variationen). Schiff übrigens sagt mir gar nicht zu: da hat die Weichspülerei glaub ich mal ihren Anfang genommen. Aber das Adagio mit ihm sollte man sich mal anhören, er nimmt es viel schneller, fast Viertel 32! Dadurch erhält es viel mehr Zusammenhang. Leider halt mit Weichzeichner...
Gute Nacht, Satie
AcomA (22.02.2016, 19:32): Lieber Satie,
allerherzlichsten Dank für Deinen profunden und exemplarischen Vergleich. Sokolov scheint Dir doch zu gefallen. Darf ich Dir noch Vladimir Feltsman am Flügel (Live-Mitschnitt von Nimbus) und Andreas Staier am Cembalo ans Herz legen🤓?
LG Siamak
satie (23.02.2016, 01:21): Original von AcomA Lieber Satie,
allerherzlichsten Dank für Deinen profunden und exemplarischen Vergleich. Sokolov scheint Dir doch zu gefallen. Darf ich Dir noch Vladimir Feltsman am Flügel (Live-Mitschnitt von Nimbus) und Andreas Staier am Cembalo ans Herz legen🤓?
LG Siamak
Lieber Siamak, wie konnte ich Staier übersehen? Ich wusste nicht einmal, dass er die Variationen eingespielt hat. Und dann diese klangliche Überrraschung! Eigentlich müsste man diese Aufnahme jedem empfehlen, der noch nie ein Cembalo gehört hat. Er wird dann auf keinen Fall sagen können, es klinge alles gleich. Leider geht der Schuss manchmal nach hinten los, wenn die gewählte Registrierung beispielsweise den Diskant fast vollkommen zudeckt (stört mich streckenweise bei Nr. 15, die Staier mit diesem mir bis dato unbekanten "Sul Ponticello"-Register spielt (ganz toll dagegen ist damit die Nr. 25, wie ich finde!). Staier trifft den Charakter und die Tempi meiner Ansicht nach sehr gut. Die Idee, zusammengehörende Variationen gleich zu registrieren ist ein gelungenes Konzept. Feltsman habe ich noch gar nicht gehört, sein WTK allerdings gefällt mir größtenteils nicht. Wie kommt man auf die Idee, praktisch alles in der C-Moll-Fuge (Band I) staccato zu spielen? Es erschließt sich mir jedenfalls gar nicht. Und seine Triller sind derart langsam, dass ich sie schwerlich als solche bezeichnen möchte. Da nützt auch sein wirklich ungemein gepflegter, delikater Anschlag nicht viel, einen schönen Ton hat er wahrlich! Seinem Chopin beispielsweise kommt das sehr entgegen.
Wenn mal jemand etwas wirklich schräges hören will, muss er sich mal die Aria in der Aufnahme mit Wilhelm Kempff anhören. Was für einen Notentext hat er da vor sich gehabt? Ich habe noch weitere Aufnahmen entdeckt, die mein Interesse geweckt haben, die ich aber noch nicht ganz gehört habe: Auf dem Flügel: Lori Sims, Miquel Villalba und Antoni Besses (keiner von denen mir bislang namentlich bekannt gewesen...). Auf dem Cembalo: Takae Ohnishi
AcomA (23.02.2016, 06:15): Lieber Satie,
Mir gefällt Staiers Aufnahme auch sehr gut. Ich danke Dir für Deine Ausführungen sehr.
LG Siamak
michael74 (10.07.2020, 00:28): Hallo Zusammen
ich freue mich sehr auf die Aufnahme bzw. Interpretation
Nikolaus (30.01.2022, 20:14): Vor vielen Jahren habe ich Goulds 81er Aufnahme als "meine" Goldbergvariationen bezeichnet und danach mich für keine weiteren Einspielungen interessiert.
Jetzt bin ich schwach geworden: da ich David Fray sehr schätze, habe ich mir seine vor kurzem erschienene Einspielung zugelegt. Nach anfänglichem Befremden bin ich jetzt absolut begeistert! Es gibt immer mal wieder "Unebenheiten" in seinem Spiel, die mich zunächst irritiert haben, die das ganze für mich aber enorm spannend machen. Ich höre sie jetzt seit mehreren Tagen intensiv und jedesmal anders. So etwas habe ich selten erlebt... Ich kann diese "Unebenheiten" schlecht beschreiben, da ich kein Musiker bin. Mir scheint es, als würde er bisweilen etwas spontan ausprobieren, so dass ihm der Fluss fast wegbricht, aber eben nur fast. Faszinierend. Manche Variationen gehen sehr nach innen, ähnlich wie Gould, aber doch anders. Das sollte mich eigentlich nicht überraschen, denn ich habe so einen Eindruck bereits live von ihm gehabt: bei Beethovens Waldstein-Sonate, ich habe hier irgendwo darüber berichtet.
Nikolaus.
Cosima (02.02.2022, 21:34): Jetzt bin ich schwach geworden: da ich David Fray sehr schätze, habe ich mir seine vor kurzem erschienene Einspielung zugelegt. Hallo Nikolaus,
wie schön, Dich hier mal wieder zu lesen. Das ist ja wie ein warmes Leuchtfeuer aus alten Tagen in der derzeitigen christlich-düsteren, verbrämten Endzeitstimmung im Forum. :)
Ich hatte kürzlich eine Rezension zu der Fray-Aufnahme gelesen und auch einen Moment überlegt, sie anzuschaffen. Mich dann aber gegen einen Kauf entschieden, weil ich Gould hier auch sehr liebe. Ich besitze noch einige andere Aufnahmen, seltsamerweise auch Perahia, an den ich keine Erinnerung habe und den ich eigentlich überhaupt nicht gern höre; und Koroliov, der bei Bach für mich immer eine sichere Bank ist.
Wie dem auch sei. Ich wollte nur signalisieren, dass Dein Beitrag mit Freude zur Kenntnis genommen wurde, auch wenn ich gerade inhaltlich nichts Gescheites beisteuern kann. ;)
LG, Cosima
Nikolaus (05.02.2022, 12:52): Hallo Cosima,
vielen Dank für Deine Worte!
Ich habe unterdessen noch Schiffs zweite Einspielung bei mir wiedergefunden (ich dachte, ich hätte sie schon längst weggegeben), die mich aber nach wie vor nicht packt. Fray kann ich momentan täglich hören, jedesmal entdecke ich neue Seiten darin.
Klar, Gould bleibt!!
LG, Nikolaus.
xarddam (06.02.2022, 10:39): Hallo Nikolaus, ich kann hier Cosima nur zustimmen. Dein Beitrag wurde zur Kenntnis genommen (wie fast alle Beiträge hier, weil ich lese fast täglich mit) Ich bin kein "Experte" und kann daher leider selten etwas "profundes" dazu schreiben, aber ich lese znd höre ... so auch jetzert (bei youtube) die Goldberg Variationen , gespielt von David Fray. Wie gesagt, kein Experte, kann auch kein Klavier spielen, aber diese Musik gefällt mir ausgesprochen gut und passt dazu, da ich mir momentan eh viele Piano solo Musik (hauptsächlich von Haydn und Mozart) anhöre.
Nikolaus (06.02.2022, 20:27): Danke auch Dir! Ich spiele selber bin auch kein Musikexperte, spiele auch nicht Klavier, genauer gesagt überhaupt kein Instrument, liebe aber einfach die Musik. Wichtig ist für mich, dass die Musik/der Musiker mich berührt, dass mich seine "Sprache" erreicht, und das tut Fray für mich ohne Zweifel!
Gruß, Nikolaus.
Sfantu (14.05.2023, 19:44): Obschon ich das Werk hoch schätze, höre ich es relativ selten. Heute aber war mir sehr danach. So sehr, daß ich es gleich 3x verkostete. Mir stand dabei der Sinn nach möglichst markanten Kontrasten. Und die stellten sich dann auch ein. Durch eben diese Abfolge:
Glenn Gould, Klavier (CD, (ursprünglich Columbia) Membran Music, AD 1955)
38'36
Alan Curtis, Cembalo (Christian Zell, Hamburg 1728) (CD, EMI, 1989, AD 1977)
76'10
Zola Shaulis, Klavier (LP, DG, 1972)
36'02
Dies sind 3 von ganzen 4 Versionen in meiner Sammlung (bescheiden im Vergleich zum Großteil der hier Mitdiskutierenden). Nummer 4 ist Glenn Gould 1981. Im Sinne meiner beschriebenen Kontrast-Bestrebungen ließ ich Letztere heute außen vor.
Der stürmische, gewollt andersartige 55er Gould, Curtis' nobles Understatement in prachtvollem Cembalo-Klang und Shaulis' unaufgeregt natürliche Lesart erfreuen gleichermaßen und jede auf ihre eigene Weise.
Shaulis und Gould sparen sich Wiederholungen - daher die enorm kürzeren Spielzeiten gegenüber Curtis.