Toni Bernet (25.10.2022, 21:29):
Janis Ivanovs Violinkonzert ist ein Stück überzeitlicher Musik, dessen einprägsames Hauptthema man, einmal gehört, immer wieder hören will. Janis Ivanovs hat nur ein Violinkonzert geschrieben, zudem noch in der frühen lyrischen Phase seines Komponierens. Bekannter geworden ist Ivanos, 1906 geboren in Lategale, einer multikulturellen Gegend Lettlands, als Sinfoniker, gibt es doch 21 Sinfonien, die seine ganze kompositorische Entwicklung von einem spätromantischen, über einen sozial realistischen bis zu einem ganz eignen Personalstil widerspiegeln. Mit der 20. Sinfonie hat er sein ganz individuelles Requiem komponiert, die 21. Sinfonie blieb unvollendet. Seine Sinfonien werden leider nur in Lettland sehr geschätzt und aufgeführt, das musikalische Europa hat diesen grossen Sinfoniker leider noch kaum entdeckt.
Das Violinkonzert, 1951 noch unter Stalins Herrschaftszeit entstanden, sucht dem Vorwurf des Formalismus, den Ivanovs vom sowjetischen Komponistenverband für seine 5. Sinfonie erhalten hat, zu entgehen. Dazu konzentriert er sich auf eingängige Thematik und benutzt die traditionelle Konzertform, verwendet aber lettisches Volksliedgut. Das gibt dem ganzen Konzert eine optimistische Grundeinstellung und ist gleichzeitig ein Loblied auf seine Heimat Lategale. Damit setzt er sich von einer einheitlichen Ideologie des proletarischen sozialen Realismus ab und feiert subversiv die lettische Volkskultur mit Liedmelodien und mit einheimischen Volkstänzen.
Auch in anderen Kontexten kann dieses Violinkonzert Lebensfreude und Faszination ausstrahlen. Leider wird es bei uns nicht gespielt, wie vergessen gegangen in den dunklen Zeiten des Eisernen Vorhangs.
Einen Hörbegleiter finden Sie unter JanIs Ivanovs (1906-1983): Violinkonzert in e-moll (1951) - unbekannte-violinkonzerte Webseite! (jimdofree.com)