Jay Greenberg/geb.1991

ab (23.12.2006, 12:28):
Gestern höre ich im Radio ausschnitte von Musik dieses jungen Komponisten Jay Greenberg:

Ein Quintett für Streicher gespielt vom Juilliard Quartet & Darrett Adkins/Violoncello sowie dessen Symphonie Nr.5, gespielt vom London Symphony Orchestraunter der Leitung von Jose Serebrier.

Sehr gut gemachte Musik, sehr eingängig. Immerhin zum Aufhorchen. wohl eine Art Wunderknabe. Habt ihr schon davon gehört?
satie (23.12.2006, 18:20):
Lieber ab,
hier kann ich Deine Begeisterung (egal wie groß sie tatsächlich sein mag) überhaupt nicht teilen. Das ist Musik, wie wir sie von vielen nordamerikanischen Komponisten schon viel zu oft gehört haben. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, nachzulesen, ob Greenberg überhaupt Amerikaner ist, aber es klingt doch sehr danach.
Für mich ist das die typische Musik, die eben ein Teenie schreibt, wenn er komponieren will. Das ist an sich nicht schlecht, aber ich bevorzuge einen wirtklich persönlichen Stil, erst der macht den Komponisten. Großes Brimborium für noch größeres Orchester... so etwas schmeckt mir vielleicht ab und an noch von Wolfgang Rihm (der kann das!). Ansonsten schalte ich da schon nach 10 Sekunden ab. Sprich: die Hörproben bei JPC sind mir schon zu lang.
Ich bitte um Nachsicht für diesen Reich-Ranicki-Tonfall, aber ich bin bei jungen "Shooting-Stars" immer erst einmal kritisch. Wenn wir uns das Cover der CD, die vor kurzem herausgekommen ist ansehen, sind die Pubertätspickel zwar einigermaßen wegretuschiert, aus der Musik wurden sie aber, trotz neuester Technik, nicht ausgemerzt. Eine teilweise über Beethoven nicht hinausgelangende Orchestration, ausladende, spätromantische Themen von triefenden Streichertutti vorgetragen, dann immer wieder Blechlawinen, die man genau so gut weglassen könnte. Wenn da einer unbekümmert eine Symphonie nach der anderen schreibt (immerhin die Nummer 5, die da auf CD erschienen ist, vielleicht die finanzielle Schicksalssymphonie?), werde ich argwöhnisch, sofern er nicht Mozart heisst und schon entsprechend lange tot ist. Die 13 Dollar für die SACD spare ich mir jedenfalls für was vernünftiges auf.
Vorhang auf für Debatten!

Herzlichst

S A T I E
Ganong (26.12.2006, 17:55):
Lieber Nils ,

Marcel reich - Ranicki hat bezogen auf Klasische Musik erschreckend wenig Ahnung . Sein Geschreibsel über Musik ist ebenso peinlich wie sein Schwadronieren über Interpreten und Werke .

Grüsse ,

Frank
satie (26.12.2006, 18:19):
Original von Ganong
Lieber Nils ,

Marcel reich - Ranicki hat bezogen auf Klasische Musik erschreckend wenig Ahnung . Sein Geschreibsel über Musik ist ebenso peinlich wie sein Schwadronieren über Interpreten und Werke .

Grüsse ,

Frank

Lieber Frank,
es mag dir entgangen sein, aber ich sprach nur von einem Reich-Ranitzki-TONFALL, keineswegs wollte ich hier die Meinung vertreten, dass er Ahnung von Musik habe. Er ist Literaturkritiker und kein Musiker. Ich hoffe damit geklärt zu haben, dass ich MEINE Meinung kundgetan habe und nicht etwa die eines anderen.

Gruß
S A T I E
Ganong (27.12.2006, 16:22):
Lieber Nils ,

ich habe auch n i e geschrieben , dass Marcel Reich - Ranicki "Musiker" sei . Bitte nachlesen . Es geht um
bei meiner Anmekrung um seine durchaus sehr oft geäuuserten
meinungen , Kritiken von Musikwerken und Interprten .

Der Tonfall hat auch hier etwas schrecklich obelehrerhaftes .

Wie Joachim Kaiser vor einigen jahren zu recht schrieb , ist bei MRR entweder alles überragend oder es ist alles sehr schlecht . Es fehlt jede Abstufung - auch im Tonfall .

Gruss ,

Frank
satie (27.12.2006, 18:49):
Lieber Frank,
es ist schon erstaunlich, wie stark man bereits beim dritten Beitrag zu einem Thread so weit vom eigentlichen Thema abweichen kann, noch dazu derart unmotiviert. Hier geht es nicht im geringsten um Herrn Reich-Ranicki, sondern um Jay Greenberg. Wenn Du zu diesem sowieso keine Meinung hast, würde ich empfehlen hier ganz einfach zu schweigen. Ansonsten bleibt dir gerne noch die Möglichkeit, einen Thread mit dem Titel "Reich-Ranicki als Musikkritiker" zu eröffnen.

ab, kannst Du vielleicht deinen Faden noch einmal aufgreifen und uns erzählen, was dir an der Musik gefallen hat? Offenbar hören wir hier doch sehr unterschiedlich.

Vielen Dank und viele Grüße

S A T I E
Ganong (27.12.2006, 19:24):
Lieber Nils ,

Du verkennst , dass ich nur auf Deinen Beitrag eingegangen bin .

Dennoch : machs gut .

Grüsse ,

Frank

PS.: Wann hören wir von Deinen Werken ? F.
cellodil (28.12.2006, 13:07):
Original von Satie
ab, kannst Du vielleicht deinen Faden noch einmal aufgreifen und uns erzählen, was dir an der Musik gefallen hat? Offenbar hören wir hier doch sehr unterschiedlich.


Lieber ab,

darum würde ich Dich auch bitten. Mir ging es beim Reinhören so ähnlich wie Satie. Deshalb würde mich auch interessieren, was Dir an der Musik von Greenberg so gut gefallen hat. Vielleicht ist mir doch was entgangen, oder ich saß gerade auf meinen Ohren,... Wäre schön, wenn Du Dich dazu noch einmal äußern würdest (zumal ich Dein Urteil über Interpreten und Interpretationen doch häufig teile).

Herzliche Grüße

Sabine
ab (07.01.2007, 21:15):
Liebe Sabine,

ich habe nicht geschrieben, dass mir die Musik von Greenberg gut gefallen hätte, sondern nur, dass ich sie für gut gemachte Musik halte. Ich teile in weitem Maße sogar die Einschätzung Satis, auch wenn ich weder nach schon 10 Sekunden abschalte (da halte ich es eher mit dem Diktum (obwohl von Goethe): "Was geschieht, geht mich an"), noch seine Wertschätzung für Rihm teile (leider) - (übrigens grandios das Minguet Quartett, die Rihms Streichquartette eingespielt hat: eines der besten Quartettabende, die ich jemals hörte, trotz Rihms Musik und jener seiner Schüler!).

Ist es nicht irgendwie erstaunlich, dass Musik, die durch das Kapital in den USA gefördert wird, gewissen Ähnlichkeiten aufweist wie solche, die im Realkommunismus gefördert wurde?

Zu Greenberg im Besonderen, den ich beim Mittagessenkochen nebenbei hörte: Seine - wie Satie formuliert - "typische Musik, die eben ein Teenie schreibt, wenn er komponieren will" fand ich in ihrer ganzen Naivität durchaus bezwingend und mehr empfunden als gemacht. Soviel als Erläuterung, denn " Das Gegenteil von "gut" ist "gut gemacht" ", sagt die gnadenlos oft exakt treffene, viel beschworene Alltagssprache.

Schließlich kommt es darauf an, Menschen zur Klassischen Musik zu bringen. Wenn dies ein Greenberg vermag, dann ist das jedenfalls gut so!
satie (07.01.2007, 21:57):
Mein lieber ab,
ich muss gleich und sofort klarstellen, dass ich Rihm ÜBERHAUPT NICHT mag. Der Zusammenhang war der, dass ich meinte, wenn einer mit dem ganz dicken Pinsel malen kann, dann ist das Rihm, nicht aber der, dass ich den dicken Pinsel selber überhaupt leiden kann (tue ich nämlich nicht). Es gibt von Rihm wenige , sehr wenige Stücke, die ich gelungen finde, etwa sein Klaviertrio, dessen Titel mir gerade entfallen ist. Das Stück hat Konsistenz. Aber es soll ja nicht um Rihm gehen...
Jetzt will ich aber schon genauer wissen, was Du mit der sehr ungenauen Aussage "gut gemachte Musik" meinst (Du erklärst es zwar etwas, aber ich bin hier immer noch nicht sicher, pardon, da bin ich immer etwas begriffsstutzig). Wäre sie gut gemacht, wäre sie dann nicht auch gut? Oder wo genau liegt hier der Unterschied? Dass man den Tonumfang des Susaphons kennt und daher tief dröhnend dieses Instrument einsetzt ist doch noch keine Qualität. Und man kann einen völligen Sch...dreck (pardon, muss sein)produzieren, obwohl man sich an alle Ratschläge aus Instrumentationsbüchern und Formenlehreunterricht hält.
Schließlich kommt es darauf an, Menschen zur Klassischen Musik zu bringen. Wenn dies ein Greenberg vermag, dann ist das jedenfalls gut so!
Das finde ich jetzt überraschend blauäugig. Da kann man auch sagen, durch James Last können ebenfalls Leute zur Klassischen Musik kommen, was vielleicht sogar stimmt. Aber wer kommt dann wie zu welcher Art von klassischer Musik? Jeder japanische Tourist geht in den Louvre und knipst die Mona Lisa, aber deswegen kommt Japan nicht zur Kunst der italienischen Renaissance sondern zum Tummelplatz der Kunst-Allgemeingültigkeiten a la Baedeker-Sterne. Ich würde diese Aussage so nicht machen. Es ist meiner Meinung nach überhaupt nicht notwendig, irgend wen zu irgendwas zu führen. Jeder Fussballfan würde versuchen, mich zum Fussball zu führen. Dann stände ich dennoch da und wäre nicht in der Lage den Ball länger als drei Sekunden am Fuss zu halten. Und ist es nicht auch wert zu fragen: was, wenn Greenbergs Musik es vermag, den Leuten die klassische Musik zu vermiesen? Hätten sie bessere gehört, wäre das vielleicht nicht passiert...
Natürlich kann man sagen, Rattle habe die Kids zu Strawinsky geführt, aber doch nur, indem er Strawinsky zum Popstar erklärt und damit ziemlich eigenwillig interpretiert. Und dafür haben die Philharmoniker sicher soviel verdient wie der Greenberg für seinen jüngst erschienenen Silberling.
Der springende Punkt ist aber der, dass hier ja nicht klassische, sondern moderne Musik verkauft werden will, und wieder ein Bild vom Komponisten transportiert wird, das in mir nichts als Brechreiz auslöst. Niemals hat irgendwer so geschrieben, rare Ausnahmen sind Hugo Wolf und Mussorgsky, und die hatten wenigstens genügend Persönlichkeit, um derart unbefangen an ihre Werke herangehen zu können. Bei nahezu allen anderen muss man sagen, dass Handwerk und Reife den Komponisten ausmachen und nicht Naivität. Mein Gott, da laufen derart viele Komponisten herum, die sich ernsthaft bemühen, etwas beizutragen zu diesem Koloss an Musik, etwas sinnvolles. Und dann soll es jener Knabe sein, der uns sagt, wo es lang geht? Wenn dem so ist, sage ich gute Nacht.

Es grüßt
S A T I E
ab (07.01.2007, 22:31):
Ja, lieber Satie, dem kann ich leider nichts entgegnene. Ich muss Dir durchaus zustimmen, einzig kann ich bloß nochmals (wohl naiv) sagen: Wenn ein Greenberg es vermag, jemanden zur Klassischen Musik zu bringen, dann ist das jedenfalls gut so! Und fügen hinzu: Schlimm ist es allerdings tatsächlich, wenn dadurch Vorurteile zementiert werden.

Aber: Wem diese Musik es vergraust, Zeitgenösisches zu hören, dem ist wohl nicht mehr zu helfen...

( Diemal stimme ich bzgl. Rihm Dir übrigens zu!)

Jetzt will ich aber schon genauer wissen, was Du mit der sehr ungenauen Aussage "gut gemachte Musik" meinst

Darauf hebe ich leioder keine Antwort, weil ich mich nur auf einen rein intuitiven Höreindruck stütze und nicht die geringste Absicht habe, solche Musik öfter zu hören.
satie (07.01.2007, 23:36):
Lieber ab,
blocke doch nicht ab, du hast ja immerhin schon ein wenig mehr gesagt:
Sehr gut gemachte Musik, sehr eingängig. Immerhin zum Aufhorchen.
Wenn das keine grundsätzlich positive Aussage ist, weiss ich auch nicht. Dann haben wir hier schon mit rein sprachlichen Mitteln ein Kommunikationsproblem. Wenn Du diese Musik eingängig findest, ja zum Aufhorchen, warum sagst Du dann jetzt, du willst das eigentlich nicht mehr hören? Und warum dann überhaupt ein Thread dazu? Wenn ich hier zu angriffig bin, tut es mir leid, aber ich würde nur gerne auch wirklich wissen, was Du meinst. Selbst liebst Du es, uns mit sprachlichen Finessen zu überraschen und alles zu hinterfragen, doch scheinst Du es mitunter zu scheuen, zu einer einmal gemachten Aussage Stellung zu nehmen. Warum habe ich diesen Eindruck?
Wenn Du sagst, die Musik sei gut gemacht, will ich sicher nicht hören "weil die Krebsumkehrung des Seitenthemas in der Reprise auf der Dominantparallele im Augmenterten Rhythmus kommt", sondern ich wüsste gerne etwas mehr über diesen subjektiven Eindruck, von dem Du sprichst. Warum heisst es dann gleich:
Darauf hebe ich leioder keine Antwort, weil ich mich nur auf einen rein intuitiven Höreindruck stütze und nicht die geringste Absicht habe, solche Musik öfter zu hören.
Nochmals: ich entschuldige mich, wenn ich hier etwas zu forsch sein sollte. Manchmal bin ich so.

S A T I E
ab (08.01.2007, 15:47):
Lieber Satie,

da gibts doch nichts zu entschuldigen und angriffig oder forsch ist da auch nichts. (Eher das Gegenteil: Es ist genauso wertvoll wie selten, überhaupt Rückmeldung zu bekommen, wie man so wirkt.)

Ich schrieb, dass ich diese Musik zum Aufhorchen fand. Dann aber ging es in der Diskussion gar nicht mehr um diese Kompostion im Speziellen, sondern um "typische Musik, die eben ein Teenie schreibt, wenn er komponieren will" im Allgemeinen.

Sieht man einmal davon ab, was man von diesem Musiktypus im Allgemeinen hält, sondern betrachtet Greenberg innerhalb dieser seiner Gattung, so fand ich die Musik bemerkenswert: Ja, ein positiver Eindruck (bezüglich dieses Stils am Rande zur Filmmusik).

Sicher: Auch ein z.B. Oliver Knussen schreibt eingängige Musik, Musik, die "schön" ist, und ja, eher würde ich mir solche Musik zu Gemüte führen als die Greenbergs (schon allein schon wegen des packenden Dirigats dieses Vollblutusikers.)

Alexei Lubimov, ein Pianist, dessen athmosphärisches Spiel ich sehr mag, hat beispielsweise ein Klavierkonzert von Georgs Pelécis aufgenommen. Eine unsäglich matte Musik, die ich kaum anzuhören aushalten würde, wenn sie nicht durch Lubimovs Ausdruck geedelt werden würde.

Bei Greenberg ist es nicht so: Dessen Musik fand ich bei diesem ersten Höreindruck beim Mittagessenkochen interessanter. Hier glaube ich nicht, dass es an der Interpretation lag, sondern daran, dass sie mir - trotz des Eklektizismus - so bezwingend vorkam, wie etwa Musik von Katchaturian oder Weinberg (zwei der überzeugenden Komponisten der UdSSR-Ära) und somit mich mehr aufhorchen ließ als etwa Musik von Balakivev, Knipper, Khrenikov oder Boris Tchaikovsky (ohne hier Wertungen in der Kompositionsqualität vornehmen zu wollen.)

Der von Dir zitierte Satz folge deshalb, weil ich erstens ja das Werk weder aufmerksam, noch ein zweites Mal gehört habe, so dass ich meinen ersten Eindruck nicht bestätigen oder widerlegen konnte. Zweitens, wollte ich mit diesem Thema nicht mehr Zeit erübrigen: zu anderen Threads finde ich interessanter, etwas beizutragen. Dies war mein Grund, "abzublocken", wie Du es nanntest.

Ich war nur neugierig, was ihr zu solcher Musik zu sagen habt.
ab (23.12.2006, 12:28):
Gestern höre ich im Radio ausschnitte von Musik dieses jungen Komponisten Jay Greenberg:

Ein Quintett für Streicher gespielt vom Juilliard Quartet & Darrett Adkins/Violoncello sowie dessen Symphonie Nr.5, gespielt vom London Symphony Orchestraunter der Leitung von Jose Serebrier.

Sehr gut gemachte Musik, sehr eingängig. Immerhin zum Aufhorchen. wohl eine Art Wunderknabe. Habt ihr schon davon gehört?
satie (23.12.2006, 18:20):
Lieber ab,
hier kann ich Deine Begeisterung (egal wie groß sie tatsächlich sein mag) überhaupt nicht teilen. Das ist Musik, wie wir sie von vielen nordamerikanischen Komponisten schon viel zu oft gehört haben. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, nachzulesen, ob Greenberg überhaupt Amerikaner ist, aber es klingt doch sehr danach.
Für mich ist das die typische Musik, die eben ein Teenie schreibt, wenn er komponieren will. Das ist an sich nicht schlecht, aber ich bevorzuge einen wirtklich persönlichen Stil, erst der macht den Komponisten. Großes Brimborium für noch größeres Orchester... so etwas schmeckt mir vielleicht ab und an noch von Wolfgang Rihm (der kann das!). Ansonsten schalte ich da schon nach 10 Sekunden ab. Sprich: die Hörproben bei JPC sind mir schon zu lang.
Ich bitte um Nachsicht für diesen Reich-Ranicki-Tonfall, aber ich bin bei jungen "Shooting-Stars" immer erst einmal kritisch. Wenn wir uns das Cover der CD, die vor kurzem herausgekommen ist ansehen, sind die Pubertätspickel zwar einigermaßen wegretuschiert, aus der Musik wurden sie aber, trotz neuester Technik, nicht ausgemerzt. Eine teilweise über Beethoven nicht hinausgelangende Orchestration, ausladende, spätromantische Themen von triefenden Streichertutti vorgetragen, dann immer wieder Blechlawinen, die man genau so gut weglassen könnte. Wenn da einer unbekümmert eine Symphonie nach der anderen schreibt (immerhin die Nummer 5, die da auf CD erschienen ist, vielleicht die finanzielle Schicksalssymphonie?), werde ich argwöhnisch, sofern er nicht Mozart heisst und schon entsprechend lange tot ist. Die 13 Dollar für die SACD spare ich mir jedenfalls für was vernünftiges auf.
Vorhang auf für Debatten!

Herzlichst

S A T I E
Ganong (26.12.2006, 17:55):
Lieber Nils ,

Marcel reich - Ranicki hat bezogen auf Klasische Musik erschreckend wenig Ahnung . Sein Geschreibsel über Musik ist ebenso peinlich wie sein Schwadronieren über Interpreten und Werke .

Grüsse ,

Frank
satie (26.12.2006, 18:19):
Original von Ganong
Lieber Nils ,

Marcel reich - Ranicki hat bezogen auf Klasische Musik erschreckend wenig Ahnung . Sein Geschreibsel über Musik ist ebenso peinlich wie sein Schwadronieren über Interpreten und Werke .

Grüsse ,

Frank

Lieber Frank,
es mag dir entgangen sein, aber ich sprach nur von einem Reich-Ranitzki-TONFALL, keineswegs wollte ich hier die Meinung vertreten, dass er Ahnung von Musik habe. Er ist Literaturkritiker und kein Musiker. Ich hoffe damit geklärt zu haben, dass ich MEINE Meinung kundgetan habe und nicht etwa die eines anderen.

Gruß
S A T I E
Ganong (27.12.2006, 16:22):
Lieber Nils ,

ich habe auch n i e geschrieben , dass Marcel Reich - Ranicki "Musiker" sei . Bitte nachlesen . Es geht um
bei meiner Anmekrung um seine durchaus sehr oft geäuuserten
meinungen , Kritiken von Musikwerken und Interprten .

Der Tonfall hat auch hier etwas schrecklich obelehrerhaftes .

Wie Joachim Kaiser vor einigen jahren zu recht schrieb , ist bei MRR entweder alles überragend oder es ist alles sehr schlecht . Es fehlt jede Abstufung - auch im Tonfall .

Gruss ,

Frank
satie (27.12.2006, 18:49):
Lieber Frank,
es ist schon erstaunlich, wie stark man bereits beim dritten Beitrag zu einem Thread so weit vom eigentlichen Thema abweichen kann, noch dazu derart unmotiviert. Hier geht es nicht im geringsten um Herrn Reich-Ranicki, sondern um Jay Greenberg. Wenn Du zu diesem sowieso keine Meinung hast, würde ich empfehlen hier ganz einfach zu schweigen. Ansonsten bleibt dir gerne noch die Möglichkeit, einen Thread mit dem Titel "Reich-Ranicki als Musikkritiker" zu eröffnen.

ab, kannst Du vielleicht deinen Faden noch einmal aufgreifen und uns erzählen, was dir an der Musik gefallen hat? Offenbar hören wir hier doch sehr unterschiedlich.

Vielen Dank und viele Grüße

S A T I E
Ganong (27.12.2006, 19:24):
Lieber Nils ,

Du verkennst , dass ich nur auf Deinen Beitrag eingegangen bin .

Dennoch : machs gut .

Grüsse ,

Frank

PS.: Wann hören wir von Deinen Werken ? F.
cellodil (28.12.2006, 13:07):
Original von Satie
ab, kannst Du vielleicht deinen Faden noch einmal aufgreifen und uns erzählen, was dir an der Musik gefallen hat? Offenbar hören wir hier doch sehr unterschiedlich.


Lieber ab,

darum würde ich Dich auch bitten. Mir ging es beim Reinhören so ähnlich wie Satie. Deshalb würde mich auch interessieren, was Dir an der Musik von Greenberg so gut gefallen hat. Vielleicht ist mir doch was entgangen, oder ich saß gerade auf meinen Ohren,... Wäre schön, wenn Du Dich dazu noch einmal äußern würdest (zumal ich Dein Urteil über Interpreten und Interpretationen doch häufig teile).

Herzliche Grüße

Sabine
ab (07.01.2007, 21:15):
Liebe Sabine,

ich habe nicht geschrieben, dass mir die Musik von Greenberg gut gefallen hätte, sondern nur, dass ich sie für gut gemachte Musik halte. Ich teile in weitem Maße sogar die Einschätzung Satis, auch wenn ich weder nach schon 10 Sekunden abschalte (da halte ich es eher mit dem Diktum (obwohl von Goethe): "Was geschieht, geht mich an"), noch seine Wertschätzung für Rihm teile (leider) - (übrigens grandios das Minguet Quartett, die Rihms Streichquartette eingespielt hat: eines der besten Quartettabende, die ich jemals hörte, trotz Rihms Musik und jener seiner Schüler!).

Ist es nicht irgendwie erstaunlich, dass Musik, die durch das Kapital in den USA gefördert wird, gewissen Ähnlichkeiten aufweist wie solche, die im Realkommunismus gefördert wurde?

Zu Greenberg im Besonderen, den ich beim Mittagessenkochen nebenbei hörte: Seine - wie Satie formuliert - "typische Musik, die eben ein Teenie schreibt, wenn er komponieren will" fand ich in ihrer ganzen Naivität durchaus bezwingend und mehr empfunden als gemacht. Soviel als Erläuterung, denn " Das Gegenteil von "gut" ist "gut gemacht" ", sagt die gnadenlos oft exakt treffene, viel beschworene Alltagssprache.

Schließlich kommt es darauf an, Menschen zur Klassischen Musik zu bringen. Wenn dies ein Greenberg vermag, dann ist das jedenfalls gut so!
satie (07.01.2007, 21:57):
Mein lieber ab,
ich muss gleich und sofort klarstellen, dass ich Rihm ÜBERHAUPT NICHT mag. Der Zusammenhang war der, dass ich meinte, wenn einer mit dem ganz dicken Pinsel malen kann, dann ist das Rihm, nicht aber der, dass ich den dicken Pinsel selber überhaupt leiden kann (tue ich nämlich nicht). Es gibt von Rihm wenige , sehr wenige Stücke, die ich gelungen finde, etwa sein Klaviertrio, dessen Titel mir gerade entfallen ist. Das Stück hat Konsistenz. Aber es soll ja nicht um Rihm gehen...
Jetzt will ich aber schon genauer wissen, was Du mit der sehr ungenauen Aussage "gut gemachte Musik" meinst (Du erklärst es zwar etwas, aber ich bin hier immer noch nicht sicher, pardon, da bin ich immer etwas begriffsstutzig). Wäre sie gut gemacht, wäre sie dann nicht auch gut? Oder wo genau liegt hier der Unterschied? Dass man den Tonumfang des Susaphons kennt und daher tief dröhnend dieses Instrument einsetzt ist doch noch keine Qualität. Und man kann einen völligen Sch...dreck (pardon, muss sein)produzieren, obwohl man sich an alle Ratschläge aus Instrumentationsbüchern und Formenlehreunterricht hält.
Schließlich kommt es darauf an, Menschen zur Klassischen Musik zu bringen. Wenn dies ein Greenberg vermag, dann ist das jedenfalls gut so!
Das finde ich jetzt überraschend blauäugig. Da kann man auch sagen, durch James Last können ebenfalls Leute zur Klassischen Musik kommen, was vielleicht sogar stimmt. Aber wer kommt dann wie zu welcher Art von klassischer Musik? Jeder japanische Tourist geht in den Louvre und knipst die Mona Lisa, aber deswegen kommt Japan nicht zur Kunst der italienischen Renaissance sondern zum Tummelplatz der Kunst-Allgemeingültigkeiten a la Baedeker-Sterne. Ich würde diese Aussage so nicht machen. Es ist meiner Meinung nach überhaupt nicht notwendig, irgend wen zu irgendwas zu führen. Jeder Fussballfan würde versuchen, mich zum Fussball zu führen. Dann stände ich dennoch da und wäre nicht in der Lage den Ball länger als drei Sekunden am Fuss zu halten. Und ist es nicht auch wert zu fragen: was, wenn Greenbergs Musik es vermag, den Leuten die klassische Musik zu vermiesen? Hätten sie bessere gehört, wäre das vielleicht nicht passiert...
Natürlich kann man sagen, Rattle habe die Kids zu Strawinsky geführt, aber doch nur, indem er Strawinsky zum Popstar erklärt und damit ziemlich eigenwillig interpretiert. Und dafür haben die Philharmoniker sicher soviel verdient wie der Greenberg für seinen jüngst erschienenen Silberling.
Der springende Punkt ist aber der, dass hier ja nicht klassische, sondern moderne Musik verkauft werden will, und wieder ein Bild vom Komponisten transportiert wird, das in mir nichts als Brechreiz auslöst. Niemals hat irgendwer so geschrieben, rare Ausnahmen sind Hugo Wolf und Mussorgsky, und die hatten wenigstens genügend Persönlichkeit, um derart unbefangen an ihre Werke herangehen zu können. Bei nahezu allen anderen muss man sagen, dass Handwerk und Reife den Komponisten ausmachen und nicht Naivität. Mein Gott, da laufen derart viele Komponisten herum, die sich ernsthaft bemühen, etwas beizutragen zu diesem Koloss an Musik, etwas sinnvolles. Und dann soll es jener Knabe sein, der uns sagt, wo es lang geht? Wenn dem so ist, sage ich gute Nacht.

Es grüßt
S A T I E
ab (07.01.2007, 22:31):
Ja, lieber Satie, dem kann ich leider nichts entgegnene. Ich muss Dir durchaus zustimmen, einzig kann ich bloß nochmals (wohl naiv) sagen: Wenn ein Greenberg es vermag, jemanden zur Klassischen Musik zu bringen, dann ist das jedenfalls gut so! Und fügen hinzu: Schlimm ist es allerdings tatsächlich, wenn dadurch Vorurteile zementiert werden.

Aber: Wem diese Musik es vergraust, Zeitgenösisches zu hören, dem ist wohl nicht mehr zu helfen...

( Diemal stimme ich bzgl. Rihm Dir übrigens zu!)

Jetzt will ich aber schon genauer wissen, was Du mit der sehr ungenauen Aussage "gut gemachte Musik" meinst

Darauf hebe ich leioder keine Antwort, weil ich mich nur auf einen rein intuitiven Höreindruck stütze und nicht die geringste Absicht habe, solche Musik öfter zu hören.
satie (07.01.2007, 23:36):
Lieber ab,
blocke doch nicht ab, du hast ja immerhin schon ein wenig mehr gesagt:
Sehr gut gemachte Musik, sehr eingängig. Immerhin zum Aufhorchen.
Wenn das keine grundsätzlich positive Aussage ist, weiss ich auch nicht. Dann haben wir hier schon mit rein sprachlichen Mitteln ein Kommunikationsproblem. Wenn Du diese Musik eingängig findest, ja zum Aufhorchen, warum sagst Du dann jetzt, du willst das eigentlich nicht mehr hören? Und warum dann überhaupt ein Thread dazu? Wenn ich hier zu angriffig bin, tut es mir leid, aber ich würde nur gerne auch wirklich wissen, was Du meinst. Selbst liebst Du es, uns mit sprachlichen Finessen zu überraschen und alles zu hinterfragen, doch scheinst Du es mitunter zu scheuen, zu einer einmal gemachten Aussage Stellung zu nehmen. Warum habe ich diesen Eindruck?
Wenn Du sagst, die Musik sei gut gemacht, will ich sicher nicht hören "weil die Krebsumkehrung des Seitenthemas in der Reprise auf der Dominantparallele im Augmenterten Rhythmus kommt", sondern ich wüsste gerne etwas mehr über diesen subjektiven Eindruck, von dem Du sprichst. Warum heisst es dann gleich:
Darauf hebe ich leioder keine Antwort, weil ich mich nur auf einen rein intuitiven Höreindruck stütze und nicht die geringste Absicht habe, solche Musik öfter zu hören.
Nochmals: ich entschuldige mich, wenn ich hier etwas zu forsch sein sollte. Manchmal bin ich so.

S A T I E
ab (08.01.2007, 15:47):
Lieber Satie,

da gibts doch nichts zu entschuldigen und angriffig oder forsch ist da auch nichts. (Eher das Gegenteil: Es ist genauso wertvoll wie selten, überhaupt Rückmeldung zu bekommen, wie man so wirkt.)

Ich schrieb, dass ich diese Musik zum Aufhorchen fand. Dann aber ging es in der Diskussion gar nicht mehr um diese Kompostion im Speziellen, sondern um "typische Musik, die eben ein Teenie schreibt, wenn er komponieren will" im Allgemeinen.

Sieht man einmal davon ab, was man von diesem Musiktypus im Allgemeinen hält, sondern betrachtet Greenberg innerhalb dieser seiner Gattung, so fand ich die Musik bemerkenswert: Ja, ein positiver Eindruck (bezüglich dieses Stils am Rande zur Filmmusik).

Sicher: Auch ein z.B. Oliver Knussen schreibt eingängige Musik, Musik, die "schön" ist, und ja, eher würde ich mir solche Musik zu Gemüte führen als die Greenbergs (schon allein schon wegen des packenden Dirigats dieses Vollblutusikers.)

Alexei Lubimov, ein Pianist, dessen athmosphärisches Spiel ich sehr mag, hat beispielsweise ein Klavierkonzert von Georgs Pelécis aufgenommen. Eine unsäglich matte Musik, die ich kaum anzuhören aushalten würde, wenn sie nicht durch Lubimovs Ausdruck geedelt werden würde.

Bei Greenberg ist es nicht so: Dessen Musik fand ich bei diesem ersten Höreindruck beim Mittagessenkochen interessanter. Hier glaube ich nicht, dass es an der Interpretation lag, sondern daran, dass sie mir - trotz des Eklektizismus - so bezwingend vorkam, wie etwa Musik von Katchaturian oder Weinberg (zwei der überzeugenden Komponisten der UdSSR-Ära) und somit mich mehr aufhorchen ließ als etwa Musik von Balakivev, Knipper, Khrenikov oder Boris Tchaikovsky (ohne hier Wertungen in der Kompositionsqualität vornehmen zu wollen.)

Der von Dir zitierte Satz folge deshalb, weil ich erstens ja das Werk weder aufmerksam, noch ein zweites Mal gehört habe, so dass ich meinen ersten Eindruck nicht bestätigen oder widerlegen konnte. Zweitens, wollte ich mit diesem Thema nicht mehr Zeit erübrigen: zu anderen Threads finde ich interessanter, etwas beizutragen. Dies war mein Grund, "abzublocken", wie Du es nanntest.

Ich war nur neugierig, was ihr zu solcher Musik zu sagen habt.