Falstaff (21.02.2017, 00:13):
(* 10. Januar 1910 in Lyon; † 1. März 1976 in Paris)
Überall kann man lesen, dass Jean Martinon der international bedeutendste französische Dirigent der Zeit zwischen Pierre Monteux und Pierre Boulez war. Er studierte u.a. bei Albert Roussel und Charles Munch, spielte zunächst als Geiger in einem Radio-Orchester und fing nach dem II. WK als Dirigent an. Über England, Frankreich, Israel und Deutschland kam er in die Vereinigten Staaten, wo er 1963 als Nachfolger von Fritz Reiner das Chicago Symphony Orchestra übernahm.
Das war wohl, was die Qualität des Orchester anging, der Höhepunkt seiner Karriere. Allerdings erlebt er keine konfliktfreie und übermäßig erfolgreiche Zeit dort. Zu sehr war das Orchester wohl noch auf Fritz Reiner eingestellt. Zudem mag auch das Repertoire, das Martinon mit ihm aufnahm, zu diesen Konflikten beigetragen haben. Jedenfalls trennten sich Dirigent und Orchester 1968 wieder.
Martinon ist vielleicht am ehesten durch seine Interpretationen französischer Musik in Erinnerung. Debussy, Ravel, Bizet, Roussel, Saint-Saens. Er schaffte es bei diesem Repertoire auf eine fast unnachahmliche Weise Esprit, Charme, Leichtigkeit mit Emotion und Engagement zu verbinden. Aber auch z.B. seine Interpretation von Nielsens 4. Sinfonie gilt als maßstabsetzend.
Kennengelernt habe ich Martinon mit dieser Box:
Hier sind seine sämtlichen Aufnahmen mit dem Chicago Symphony Orchestra versammelt, darunter Ravel, Roussel, Varése, Martin, Nielsen, Bizet, Lalo, Weber, Bartok, Hindemith, Mennin und auch eine eigene Komposition.