Jewgeni Igorewitsch Kissin - viel mehr als ein Wunderkind

Rachmaninov (16.09.2008, 15:37):
Hallo Forianer,

man kann wohl Jewgeni Igorewitsch Kissin zu Recht als Wunderkind bezeichnen, dass diesen Ruf gerecht wurde, dem es aber gelungen ist aus diesem Wunderkindstatus heraus eine Karriere zu entwickeln.

Kissin wurde am 10. Oktober 1971 in Moskau geboren. Sein Vater Ingenieur, seine Mutter selber war Klavierlehrerin.
Im Alter von 2 Jahren spielte er Klavier nach Gehör, mit sechs Jahren besuchte er bereits eine Schule für begabte Kinder in Moskau (Gnessin-Musikschule). Debüt mit Orchester im Alter zehn Jahren mit dem Konzert KV466. In der großen Halle des Moskauer Konservatoriums (da kommt wahrlich nicht jeder rein, geschweige denn darf dort spielen) spielte er unter der Leitung von Dmitiri Kitayenko die beiden Chopin Konzerte.
Bereits 1985 trat er sehr erfolgreich im Westen auf. Im Programm das 1. Tchaikovsky Klavierkonzert.
Eine folgende Tournee mit V. Spivakov, mit dem er auch zahlreiche Aufnahmen eingespielt hat, war bereits ausverkauft. Scheinbar wollte damals jeder das russische Wunderkind sehen und hören.

1990 folgte sein USA Debüt mit den Chopin Konzerten und im gleichen Jahr wurde ihm die Ehre zuteil die einhundertste Saison der Carnegie Hall mit seinem Eröffnungsrezital zu eröffnen.

Interessanterweise hat er im Gegensatz zu vielen seiner russischen Kollegen an keinen Wettbewerben teilgenommen. Obwohl eigentlich die meisten russischen Pianisten zumindest zum bekannten Tchaikovsky Wettbewerb geschickt werden!
Kissing erhielt zahlreiche Ehrungen

- 1995 Musical America Instrumentalist of the Year (als jüngster überhaupt)
- 1997 Triumph Award for Excellence (russicher Awward)
- Mai 2001 die Ehrendoktorwürde der Manhattan School of Music
- 2005 den Herbert-von-Karajan-Musikpreis
- 2006 erhielt er bereits zum zweiten Mal den Echo-Preis
- 2006 gewann er den Grammy in der Kategorie „Bestes Klassik-Soloalbum“

Kissin spielt zahlreiche Konzerte im Jahr und man muss ihn wohl zugestehen zu den Pianisten mit Weltklasseformat unserer Tage zu gehören.

In den letzten Tagen habe ich einige Aufnahmen von E. Kissin intensiver gehörte.

Kissin verfügt über eine ganz besondere Gabe. Auch bei einer wahnsinnigen Schnelligkeit klingt sein Anschlag klar, sicher und mit einer ungemeinen Differenzierung, dass man hier scheinbar keinen Grenzbereich erkennen mag.

Was haltet ihr von Kissin?
Welche seiner Aufnahmen sind aus eurer Sicht empfehlenswert?
Welche Aufnahmen haltet ihr für misslungen?
Cetay (inaktiv) (04.10.2008, 17:11):
Bislang war mir Kissin nur als Interpret einer im Orchesterpart für mein Empfinden extrem kitschigen Aufnahme des 1. Tchaikovsky-Konzerts und einer Aufnahme des 12. Klavierkonzerts von Mozart, die ich wiederum wegen des (diesmal zu ruppigen und scharf klingenden) Orchesterparts kaum gehört habe, bekannt.

Auf der neuen GA der Beethoven-Konzerte, die ich hier kurz besprochen habe, hat er endlich einen adäquaten Partner gefunden - und ich mit Kissin einen Pianisten, wie er ganz und gar meinem Geschmack entspricht.
teleton (18.10.2008, 10:18):
Hallo Rachmaninov,

Dein Eröffnung zu Kissin sollte eigendlich mehr Resonanz vermuten lassen.
Doch hat sich auf die Frage:
"Wie findet ihr Kissin" seit September nur Dox dazu geäußert.
Ist Kissin so unbekannt ?

Ich habe seit Ewigkeiten die beiden Chopin-KK mit
Kissin / Moskauer Ph / Kitaenko (Eurodisc, 1984, ADD /und heute auch auf Brillant).
Da ich kein großer Chopin-Fan bin haben mich die Konzerte auch nie so groß begeistert und Vergleichsaufnahmen habn mich einfach nicht interessiert.
Kissin meistert den Klavierpart der Konzerte aber 1984 als damals 12Jähriger wirklich souverän und zufriedenstellend.

Durch Übernahme einer CD-Sammlung habe ich einige Kissin-Cd´s als Neuzugang und darüberhinaus diese Chopin-Kissin-Aufnahme gegen die Zimmerman/LA PO/Giulini (DG, 1979, ADD) ausgetauscht.
((Wer sie haben möchte kann sich über PN melden - ich habe sie 2mal als Eurodisc und Brillant-CD))
Ich glaube es erübrigt sich hier als selbstverständlich, warum man diese CD´s austauscht.
Die Chopin KK brauche ich wirklich nur einmal in meiner Sammlung (daher der Austausch).


Als wirklich fabelhaften Neuzugang habe ich die Schostakowitsch/Tschaikowsky - KK Nr.1 mit Kissin /St.Petersburg PO / Valerie Gergiev (Tschaik.) und Vlad.Spivakov (Schost.) auf Brillant, 1987/88, ADD).
Welch reife Leistung und souverän vollen Anschlag mit höchster Detailliebe Kissin an den Tag legt ist hier begeisterungswürdig zu spüren. Das Schostakowitsch KK habe ich so modern klingend mit expressionistischem Einschlag noch nie gehört - sehr interessante und gute Aufnahme.
Ich denke Dox meint bei Tschaikowsky sicher nicht diese Einspielung 1987 in St.Petersburg, sondern die Karajan-Aufnahme als "Wunderkind" (DG). Bei der russischen Aufnahme 1987 spüre ich auch im Orchesterpart - russischen Biss !

Nun habe ich noch weitere Kissin-CD´s mit Liszt + Schumann - Klavierwerken, in die ich mal reingeschnuppert habe.
Kissin zeigt sich stets als fabelhafter Pianist, bei dem die Werke nie in Langeweile verfallen.
Beispiel: Liszt´s Ung.Rhapsodie Nr.2 bringt er mannhaft stark und nie trocken - mir gefällts.

Misslungene Aufnahmen mit Kissin kenne ich nicht - kann ich mir auch nicht vorstellen. Nach dem was ich bereits von ihm gehört habe hat alles "Hand und Fuß", womit er sich auseinandersetzt.
Rachmaninov (26.11.2008, 22:02):
gestern hörte ich aus Kissin's "russischem Album"

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0828766539028.jpg

Medtner's Sonata Reminiscenza und wurde aus einer Hörsitzung der Werke Scriabin's eine Anhörung der gesamten Aufnahme.

Scriabin - 5 Preludes op.15, Sonate #3
Medtner - Sonata Reminiscenza
und
Stravinksy - Three Moments from Petruchka

Einfach eine geniale Aufnahme dieses Pianisten :times10

Sein ungemeines Können, sein großes Potential offenbart er in der Darbietung eines rein russischen, aber doch in der Charakteristik der Werke so unterschiedlichen Klavierliteratur.

Da sind die feinen Scriabin Preludes, die er unglaublich feinsinnig spielt, dann die Scriabin Sonate, die ihm sehr gut gelingt, die absolute Spitzenklasse Deutung Medtner's Reminiscenza und dann diese im völlig im Kontrast stehenden Stücke Stravinsky's, die so mühelos klingen, in ihmen doch innerlich so unterschiedlichen Charakter mit völlig unterschiedlichen Stimmungen und unsteter Wirkung.

:times10
kreisler (14.01.2009, 18:39):
Die obere CD ist ja höchst interessant! Leider habe ich erst vor kurzem Pollinis aufnahme der Movments from Petruchka und eine Horowitz-Skriabin CD- gekauft.

Aber kann mir jemand noch weitere Aufnahmen mit Kissin empfehlen? Ich meine es gibt doch bsp. ein paar weitere Mozart-Aufnahmen mit ihm? Wenn ja, wer kennt sie? Sie Mozart hat mir "live" außerordentlich gefallen.

Ich frage deshalb, weil mir auffällt dass ich von ihm (bis auf eine gute aufnahme der "Bilder einer Ausstellung" kaum Aufnahmen habe, obwohl er zu meinen absoluten Lieblingspianisten gehört.

viel mehr als ein Wunderkind

gerade auch deshalb bewundere ich ihn so! Auch mich wundert es außerordentlich, dass erst 3 Beiträge zu ihm geschrieben wurden.

kreisler
Rachmaninov (14.01.2009, 19:17):
Original von Amadeus Kreisler
Aber kann mir jemand noch weitere Aufnahmen mit Kissin empfehlen? Ich meine es gibt doch bsp. ein paar weitere Mozart-Aufnahmen mit ihm? Wenn ja, wer kennt sie? Sie Mozart hat mir "live" außerordentlich gefallen.


Jeremias würde wohl JEDE sagen, aber ich schlage 2 vor, die ich kenne.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0090266120222.jpg http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0090266891023.jpg
kreisler (14.01.2009, 19:23):
Von sienem Carnegie-Auftritt habe ich schon gehört. Stimmt es, das er der erste Pianist war, der dort einen Soloabend gegeben hat?

Vielen Dank, die erste CD werde ich mir wohl kaufen, hoffentlich nicht zu teuer.
Und Mondschein und Paganini kann ich im Moment gar nicht hören...aber natürlich trotzdem interessant,

kreisler
Rachmaninov (14.01.2009, 19:30):
Original von Amadeus Kreisler
Von sienem Carnegie-Auftritt habe ich schon gehört. Stimmt es, das er der erste Pianist war, der dort einen Soloabend gegeben hat?

Vielen Dank, die erste CD werde ich mir wohl kaufen, hoffentlich nicht zu teuer.
Und Mondschein und Paganini kann ich im Moment gar nicht hören...aber natürlich trotzdem interessant,

kreisler

Also,
die CD bekommst du recht günstig via Caiman oder so.

Kann mir nicht vorstellen, dass er in diesem Haus der erste Soloauftritt war. Aber ein geniealer Abend!

Die Paganini Var. sind grandios... unter seinen Händen!
kreisler (14.01.2009, 21:50):
Die Paganini Var. sind grandios... unter seinen Händen!

Das bezweifle ich auch gar nicht!:) Wahrscheinlich spielt er sie ja sogar noch besser als "mein" Michelangeli!
Ich habe da eher Probleme mit der Komposition selber. Gefällt mir einfach nicht so gut, da meiner Meinung nach zu viel gedonnere... :(

Das ist ja toll! Ich habe gerade erst gesehen, dass er Schumann´s op. 13 spielt. (Damit werde ich am Dienstag wohl auch mein "Debut" geben - allerdings nur Teile und vor nicht ganz so vielen Zuhörern :) )

Mal schauen, ob er an Ivo Progorelich heranreichen kann. Wird schwer, aber er hat das Zeug dazu :wink
Ich kann mir aber nicht Vorstellen, dass man das noch besser spielen kann...
Heike (14.01.2009, 21:53):
Ich habe von Kissin diese Cd



Schumann: Carnaval, Op. 9, Sonata No. 1 in F-Sharp Minor, Op. 11
Die höre ich recht oft und auch sehr gerne.

Ich merke grad, dass ich über Kissin eigentlich so gut wie gar nichts weiß. insoweit danke für die Einführung in diesem Thread. Ich hatte keine Ahnung, dass er so ein Wunderkind ist.
Heike
Rachmaninov (15.01.2009, 19:01):
Original von Hebre
Ich habe von Kissin diese Cd



Schumann: Carnaval, Op. 9, Sonata No. 1 in F-Sharp Minor, Op. 11
Die höre ich recht oft und auch sehr gerne.

Ich merke grad, dass ich über Kissin eigentlich so gut wie gar nichts weiß. insoweit danke für die Einführung in diesem Thread. Ich hatte keine Ahnung, dass er so ein Wunderkind ist.
Heike

Er gehört zu den großen Pianisten, denen es geglückt ist als Wunderkind zu starten und bis heute als gereifter Pianist eindrucksvolle Auftritte und Aufnahmen zu "produzieren"!
Heike (17.01.2009, 15:53):
Gut dass ich mal ein wenig mehr über den erfahre, ich seh nämlich grade, dass Kissin in einem meiner Abos dieses Jahr dabei ist :-)

JEWGENIJ KISSIN Klavier
22.06.2009, 20:00 Uhr Philharmonie Berlin

Sergeij Prokofieff: 4 Stücke aus "Romeo und Julia" op. 75
Pater Lorenzo, Das Mädchen Julia, Mercutio,
Die Montagues und Capulets
Sergeij Prokofieff: Sonate Nr. 8 B-Dur op. 84
Frédéric Chopin: Polonaise-Phantasie und 4 Mazurken
Frédéric Chopin: Etüden op. 10 Nr. 3, 4, 11 und 12
sowie op. 25 Nr. 5, 6 und 11

Na da freue ich mich doch gleich um so mehr drauf !
Heike
Heike (25.08.2010, 19:47):


Aus der CD habe ich im Radio einen Ausschnitt gehört - den fand ich ziemlich gut. Mal wieder ein Mozart, der mir ausgesprochen gefallen hat. Weiß jemand näheres zu der CD bzw. hat sie und kann berichten?
Heike
Amadé (25.08.2010, 20:08):
Original von Heike
Weiß jemand näheres zu der CD bzw. hat sie und kann berichten?

Das wüsste ich auch gern.
Amadé
AcomA (26.08.2010, 17:05):
hallo,

ich habe diese CD und sie dreimal gehört. man kann die interpretation als 'perfekt' bezeichnen. der klavierpart ist mit sonorem ton perfekt, absolut aufeinandergestimmtes spiel mit dem berühmten kammerorchester, das frisch agiert. sehr gute bläser. da alles sehr kontrolliert abläuft, fehlt etwas spontaneität. aufnahmetechnik sehr gut.

LG, siamak
Heike (27.08.2010, 07:55):
Das klingt gut, danke für deine Eindrücke!
Heike
P.s. ich habe mir die CD jetzt bestellt, weil mir das schon im Radio richtig gut gefallen hatte und mich das nochmal bestätigt hat
Heike (04.09.2010, 22:05):
Nachdem ich die neue Mozart-CD nun mehrmals gehört habe, bin ich begeistert. Das ist wirklich eine Aufnahme ganz nach meinem Geschmack und hätte ich Mozart so kennengelernt, wäre ich wahrscheinlich ein früher Mozart-Fan geworden: Leichtes, fast spielerisches Klavierspiel mit warmem Ton und zirkelgenauen Linien; großartige Interpretation von hoher Spannung und grandioser und bestens durchdachter Ausdrucksvielfalt: heiter bis böse, innig bis gewitzt und trotzdem einfach wild und natürlich schön. Ich habe Kissin auf CD noch nie so intensiv gehört. Dazu ein frisches, klares und perfekt mit Kissin zusammenspielendes Orchester. Mir fehlt die Spontanität nicht, ich empfinde das Ergebnis als nahezu vollkommen, so dass ich nichts vermisse.
:times10
Heike
Rachmaninov (01.10.2010, 09:45):
Original von Heike
Nachdem ich die neue Mozart-CD nun mehrmals gehört habe, bin ich begeistert. Das ist wirklich eine Aufnahme ganz nach meinem Geschmack und hätte ich Mozart so kennengelernt, wäre ich wahrscheinlich ein früher Mozart-Fan geworden: Leichtes, fast spielerisches Klavierspiel mit warmem Ton und zirkelgenauen Linien; großartige Interpretation von hoher Spannung und grandioser und bestens durchdachter Ausdrucksvielfalt: heiter bis böse, innig bis gewitzt und trotzdem einfach wild und natürlich schön. Ich habe Kissin auf CD noch nie so intensiv gehört. Dazu ein frisches, klares und perfekt mit Kissin zusammenspielendes Orchester. Mir fehlt die Spontanität nicht, ich empfinde das Ergebnis als nahezu vollkommen, so dass ich nichts vermisse.
:times10
Heike

Vor ein paar Tagen konnte ich kurz in diese Aufnahme rein hören. Wirklich vorzüglich. Bin wirkllich überrascht was Kissin bei Beethoven und Mozart für wundervolle aufnahmen vorlegt. Wahrlich ein großer Pianist!!!
Jeremias (03.01.2011, 12:54):
Hui, habe am Wochenende erfahren, dass Kissin im Rahmen seines Konzerts in Düsseldorf einen Abend im Hause meiner ehemaligen Klavierlehrerin verbringen wird.... die ist so aufgeregt, dass sie sogar eine Köchin engagiert hat... am meisten Angst hat sie vor Kissin's Mama, die muss sehr anstrengend sein... und die alte Lehrerin mit 87 Jahren kommt auch mit....
Heike (03.01.2011, 18:31):
Hu, da wäre ich aber auch aufgeregt! Aber das ist doch toll, so ein Erlebnis hat nicht jeder, beneidenswert! Ich hoffe, du kannst uns später auch ein weng berichten, wie der Abend war!
Heike
Gamaheh (03.01.2011, 19:22):
Original von Jeremias
Hui, habe am Wochenende erfahren, dass Kissin im Rahmen seines Konzerts in Düsseldorf einen Abend im Hause meiner ehemaligen Klavierlehrerin verbringen wird.... die ist so aufgeregt, dass sie sogar eine Köchin engagiert hat... am meisten Angst hat sie vor Kissin's Mama, die muss sehr anstrengend sein... und die alte Lehrerin mit 87 Jahren kommt auch mit....
Und Du bist eingeladen? Toll !

Heißt das, daß er immer noch nicht ohne Mama reisen darf? (Oder will?) Und die Lehrerin auch ? Ist das immer so ?

Grüße,
Gamaheh
Jeremias (04.01.2011, 11:52):
Nee, ich geh da nicht hin, die reden eh alle auf Russisch ;)
Heike (19.03.2013, 08:07):
Montag, 18. März 2013 20 Uhr, Philharmonie
Jewgenij Kissin Klavier

Joseph Haydn Klaviersonate Es-Dur Hob. XVI: 49
Ludwig van Beethoven Klaviersonate c-Moll op. 111

Franz Schubert Impromptu D 935 Nr. 1 und 3
Franz Schubert Impromptu D 899 Nr. 3 und 4
Franz Liszt Ungarische Rhapsodie Nr. 12 cis-Moll

Was für ein Unterschied zu dem Jüngling Kit Armstrong vor einer Woche! Nach einem Jahr Pause ist Kissin zurück, aber wie! Ein ausgereifter Haydn ohne ein µ Langeweile, man hätte mittanzen mögen. Da klang schon Schubert an, das hatte das, was Haydn braucht, Witz und Wehmut, Leichtigkeit und Grazie gleichermaßen. Und dann, was für eine Beethoven-Sonate! Nach einem bitterbösen ersten Satz folgte eine schlichte Arietta mit berückend charaktervollen Variationen, mit angesteuertem Triller- Jenseitshimmel. Ich habe soooo bedauert, dass er nicht weiter Beethoven spielte. Nach der Pause vier leicht nachdenklich genommene, schlicht melodiereiche Schubert- Stücke und eine virtuos feurige Liszt- Rhapsodie, singende und perlende Brillianz. Keinerlei vordergründiger Glamour wie bei Lang Lang & Co.
Der ziemlich volle Saal hat mehr als eine halbe Stunde lang getobt (4 Zugaben, Liszt, Schubert). Ich habe eben Herrn Goldberg im Kulturradio gehört mit der Frühkritik, also der Mann soll sich mal fragen, ob er im selben Konzert war wie ich (der hat ja immer was zu mäkeln, unverständlich!). Meiner Meinung nach eines der seltenen Konzerte mit interpretatorischem Tiefsinn, Können und Klang!
Jeremias (19.03.2013, 16:12):
Ich kann Euch hier mal eine nette Anekdote erzählen! Die Freundin einer Bekannten hatte ein "Date" mit Kissin... er kam selbstverständlich im Anzug, piekfein und meinte, sie können gerne essen gehen wobei er nichts essen würde.... ja warum nicht? Ja, seine Mama habe gesagt, ohne gegessen zu haben, lasse sie ihn nicht aus dem Haus gehen....
Maurice inaktiv (19.03.2013, 16:29):
Ich habe bei Kissin den Eindruck,dass er auf dem Boden geblieben ist,nicht abgehoben ist,wie andere sogenannte "Jungstars".

Nun dürfte er nach einem Jahr öffentlicher Pause wieder mit neuen Ideen und Werken das Publikum erfreuen.

Klasse,dass es auch noch solche wahren Künstler gibt,die sich Pausen gönnen,aber diese Pausen auch nutzen zur Weiterentwicklung.

Hut ab vor ihm!!!

Ich wünsche ihm viel Erfolg!!!!

Gruß,Maurice
Jeremias (19.03.2013, 16:51):
er hat sich die Pause gegönnt, da sein Vater gestorben ist und er die Zeit für sich brauchte. Er hat wohl sehr an dem Vater gehangen....
Maurice inaktiv (19.03.2013, 17:17):
Ah,ok.....Das ist mir durch die Lappen gegangen.Danke für die Info.Davon habe ich in der Fono-Forum nichts gelesen.

Das kann ich aber auch gut verstehen.Mein Vater ist auch in einem Alter,bei dem man hofft,dass er noch viele Jahre vor sich hat.Wir spielen auch hin und wieder noch zusammen Trompete.Man sollte diese Zeiten nutzen...

Gruß,Oliver