Heike (17.10.2008, 22:08): Vor einigen Tagen hörte ich von Widmann dass II. Streichquartett: ''Choral-Quartett'' mit dem Artemis- Quartett im Berliner Kammermusiksaal (eigentlich war ich wegen Schuberts Quartett "Der Tod und das Mädchen" hingegangen, welches ich sehr liebe).
Von diesem Herrn Widmann hatte ich bisher nie gehört, aber da ich für moderne Kompositionen eine gewisse Neugier habe, hörte ich gespannt zu, als der Cellist einige einführende Worte sagte und war dann gespannt. Widmann hatte sozusagen auf seine Art Haydns "Sieben letzte Worte" interpretiert, nein, das stimmt auch nicht, es war etwas ganz anderes. Diese Kreuzigungsthematik spiegelte sich in einem einzigen merkwürdigen Satz wider. Es war, das muss ich schon sagen, sehr eindrucksvoll dargebracht. Ich empfand es als sehr zurückgezogene, einsame "Musik" bzw. sehr bedrückend, aber auch faszinierend. Eigentlich waren das für mich nur seltsame, schmerzvolle Klänge, mitunter auch ziemlich an (nicht auf!) die Nerven gehende. Es war beeindruckend und ich werde mir den Namen Widmann merken:
Jörg Widmann (* 19. Juni 1973 in München) ist - laut Wiki - ein deutscher Komponist und Klarinettist :-) also noch ziemlich jung. Viel mehr weiß ich nicht über den und Wiki auch nicht. Hat irgendwer von euch sich schon mal näher mit dessen Musik beschäftigt?
Hebre
nikolaus (18.10.2008, 02:14): Nicht wirklich, aber ich kann noch folgendes beitragen: Seine Schwester Carolin Widmann ist Geigerin (ich habe mir unlängst ihre Aufnahme der Schumann-Sonaten gekauft). Ihr Bruder hat für sie wohl schon einige Werke geschrieben. Gehört habe ich bisher noch nichts davon.
Nikolaus.
cellodil (21.10.2008, 18:03): Liebe Hebre,
das war sicherlich ein besonderer Genuss mit dem Artemis Quartett...
Ich habe Widmanns 4. Streichquartett hier einmal mit dem Vogler Quartett gehört, für das Widmann wohl schon öfter komponiert hat. Wenn ich mich recht erinnere, dann ist dieses 4. Streichquartett quasi einer von sieben Sätzen, von denen jeder für sich wieder ein Quartett ist (und da kommen dann die sieben letzten Worte ins Spiel).
Mir hat das Quartett übrigens auch sehr gut gefallen.
Deutlich besser als Dunkle Saiten für Violoncello, Orchester und zwei Frauenstimmen (1999/2000), eine andere Komposition von Widmann (der übrigens ein ganz hervorragender Klarinettist sein soll), die auf dieser CD
erschienen ist. Mit der werde ich nicht so recht warm, ohne sagen zu können, ob das tatsächlich an der Komposition liegt oder doch daran, dass ich solche Musik lieber im Konzert als von der Konserve höre.
Liebe Grüße
Sabine
cellodil (21.10.2008, 18:11): P.S. Mir ist gerade aufgefallen, dass ich auch ein Widmann-Quartett (2. Streichquartett "Choralquartett") mit dem Artemis Quartett am 12. Dezember hören werde. Scheint aber insgesamt ein anderes Programm zu sein, kein Schubert, sondern Beethoven (F-Dur, op. 18/1) und Tschaikowsky (Nr. 2 F-Dur op. 22).
Heike (21.10.2008, 18:18): Hallo Sabine,
das war sicherlich ein besonderer Genuss mit dem Artemis Quartett... Ja, war es. Auch der Schubert war exrem intensiv (den spielten sie vorher und nachher). Ich mag die, auch wenn manchmal der Cellist den Bogen so leidenschaftlich auf die Seiten fliegen lässt, dass es dann nicht mehr ganz sauber klingt. Aber das Zusammenspiel finde ich grandios und auch die Stimmung ist immer sehr gut getroffen.
Als Zugabe gabs übrigens einen Beethoven-Satz, der war auch klasse.
Was den Genuss störte (gerade bei Widmann und den vielen Pausen drin) waren die Huster. Da wurde gnadenlos in den leisesten Klang oder sogar in Stille reingehustet. Ich krieg da manchmal so eine Wut, wie schlimm muss das erst für die Musiker sein. Ich finde, das hat übel zugenommen mit der Husterei in den letzten jahren (oder bilde ich mir das ein?)
Widmann wird übrigens Anfang nächsten Jahres selbst als Klarinettist zusammen mit dem Artemis-Quartett spielen: Mozarts Klarinettenquintett. Außerdem gibts noch Widmann (Qu. #1) und Schubert (Qu. #15). Da freu ich mich schon drauf!
Hebre
Heike (21.10.2008, 18:22): P.s. habe deinen Zusatz grad gelesen: Die Zugabe war der langsame Satz aus Beethoven 18/1 - aber das war ganz sicher nicht Dur sondern moll! ? Hebre
Jan (28.10.2008, 20:16): Ich kenne von Widmann "Elegie" für Klarinette und Orchester, sowie die 5 Bruchstücke für Klarinette und Klavier. Ich finde beide Werke sehr gut. Die Bruchstücke sind, wie der Name schon sagt wirklich Bruchstücke. Kurze, knappe Aussagen, durchaus virtuos, die Widmanns Vorliebe für die extremen Lagen reflektieren. Die Elegie ist für kleines Orchester und Klarinette. Ich fand es sehr emotional, kann mich insgesamt aber nur etwas dunkel daran erinnern. Noch recht gut im Gedächtnis sind mir mehrmals auftretende Sul Pont./Non Vibr. Violen Cluster. Vielleicht kommt es ja mal auf CD raus.
cellodil (28.01.2009, 18:45): Habe gerade gesehen, dass am 7. Februar 2009 alle fünf Streichquartette von Jörg Widmann im Rahmen von ECLAT - Festival für Neue Musik Stuttgart aufgeführt werden:
Samstag 7. Februar 21 Uhr Theaterhaus Stuttgart
Jörg Widmann 1. Streichquartett (1997) 2. Streichquartett (2003, Choralquartett) 3. Streichquartett (2003, Jagdquartett) 4. Streichquartett (2005) 5. Streichquartett (2005, Versuch über die Fuge) mit Sopran
Leipziger Streichquartett Juliane Banse, Sopran
Mehr zu ECLAT und zum Programm und Kartenvorbestellung, etc. gibt es hier.
Liebe Grüße
Sabine
kreisler (28.01.2009, 22:57): Tolles Konzert irgendwie (auf abwechslung im Programm legen die allerdings nicht so viel wert :D) Naja, irgendwie mag ich es doch gerne, wirklich "zeitgenössische" Musik zu hören. Ist halt die Frage in wie weit man hier noch von "Geniessen" sprechen kann. Wobei Widman ja in dieser Hinsicht nicht so "schlimm" ist.:) Zum Glück gibt es da Musica Viva und man muss nicht nach Stuttgard fahren (leider keine Zeit :()
Ich habe einmal an einem Geburtstagskonzert für W. Killmayer ein Klavierstück von ihm, extra für diesen Anlass komponiert, gehört. Das war zwar nur kurz, fand ich jedoch sehr interessant und es machte mich auf diesen Komponisten aufmerksam. Jedoch war ich leider von der Uraufführung einer Overtüre von ihm (Ich weiß nicht ob sie einen namen hat. Würde jedenfalls von Mariss jansons und seinem Orchester in Auftrag gegeben) eher enttäuscht. Schade, da hatte ich wirklich viel mehr erwartet. Trotzdem werde ich weiterhören... Die "Bruchstücke" find ich auch nicht schlecht.
kreisler
cellodil (28.01.2009, 23:18): Original von Amadeus Kreisler Tolles Konzert irgendwie (auf abwechslung im Programm legen die allerdings nicht so viel wert :D)
... wo Du recht hast... :D
Allerdings sind diese Streichquartette von Widmann eigentlich als Sätze eines "großen Streichquartetts" konzipiert, das hier wohl einmal als Ganzes zu hören sein wird. Ich habe keine Ahnung, ob das so schon einmal aufgeführt wurde. Mir ist es bislang jedenfalls noch nicht untergekommen.
Liebe Grüße
Sabine
kreisler (28.01.2009, 23:31): Gewissermaßen so als groß angelegter Zyklus? Ist ja interessant. Besonders auch was die Werke gemeinsam haben und das ganze Zusammenhält...
kreisler
cellodil (29.01.2009, 07:39): Original von Amadeus Kreisler Gewissermaßen so als groß angelegter Zyklus? Ist ja interessant. Besonders auch was die Werke gemeinsam haben und das ganze Zusammenhält...
Lieber Kreisler,
ich glaube so fürchterlich "groß" ist der Zyklus gar nicht. Zumindest sind die Quartette, die ich schon einmal gehört habe, gar nicht so lang (vielleicht aber auch nur nicht lang-weilig) und entsprechen in etwa einem längeren Streichquartettsatz.
Ich fürchte, dass ich auch nicht über das Konzert werde berichten können, weil es im Moment nicht so aussieht, als wenn ich hingehen könnte.
Liebe Grüße
Sabine
ab (31.05.2009, 23:20): Original von cellodil
Allerdings sind diese Streichquartette von Widmann eigentlich als Sätze eines "großen Streichquartetts" konzipiert, das hier wohl einmal als Ganzes zu hören sein wird. Ich habe keine Ahnung, ob das so schon einmal aufgeführt wurde. Mir ist es bislang jedenfalls noch nicht untergekommen.
Liebe Grüße
Sabine
Bei uns waren sie gesamt zu hören, wie ich hier berichtet habe.