John Cage: The Seasons

satie (18.04.2006, 21:23):
Hallo,
dies ist mein erster Beitrag überhaupt. Da ich gerade eine Analyse über das Werk The Seasons von Cage verfasse, dachte ich, es wäre interessant, einige neue Meinungen darüber zu hören, bzw. überhaupt mal herumzuhorchen, wer es denn kennt.
Es ist eines der relativ frühen Werke Cages, zwar schon für ein Cunningham-Projekt, aber noch ohne Zufallsverfahren. Es nutzt die Techniken der von Cage so genannten "Rhythmischen Struktur" (eine Art feststehendes Taktmodell ähnlich den rhythmischen Zyklen in indischer Musik) und die von ihm so genannten Aggregate (das sind im Grunde motivische Zellen, die aber nicht verändert werden, sprich in immer derselben Gestalt erscheinen). Letzteres Prinzip hatte Cage von Satie übernommen (ja, mein Nickname kommt nicht von ungefähr...).
Das Stück selbst hat 9 Sätze, die die Jahreszeiten darstellen, sowie jeweils ein kurzes Prelude.
1. Prelude
Winter
2. Prelude
Spring
3. Prelude
Summer
4. Prelude
Fall
Finale (erster Prelude ohne Wiederholungen)

Es gibt eine schöne, relativ neue Aufnahme des Werkes mit Herbert Henck (Early Piano Music, ECM), die auch einige andere interessante Stücke von Cage enthält.
Es gibt von The Seasons auch eine Orchesterfassung, die nach der Klavierversion entstand.
Mich persönlich würde interessieren, wer das Stück kennt und mag oder nicht mag (und warum).
Der Thread könnte dann auch ausgeweitet werden zu einem allgemeinen Cage-Thread, sofern sich hier auch Interessenten für Neue Musik befinden.
Ich bin gespannt auf die Reaktionen,

hochachtungsvollste Verbeugungen
Satie
nikolaus (18.04.2006, 21:55):
Bonsoir Monsieur Satie!

Ein interessantes Thema.
Cage ist mir vor allem im Zusammenhang mit Cunningham ein Begriff.
Den Zugang zu seiner Musik finde ich nur schwer, dementsprechend wenig kenne ich von ihm. Aber er ist es sicherlich wert, sich näher mit ihm zu beschäftigen. Deshalb läuft bei mir im CD-Player jetzt eine Aufnahme mit Music for non-prepared piano mit Jay Gottlieb.
Das Stück "In a landscape" liebe ich sehr, vor allem in einer Interpretation von Alexei Lubimov (der es ausgesprochen "romantisch" spielt; wahrscheinlich mag ich es deshalb so sehr).
The Seasons kenne ich nicht, es klingt aber sehr interessant. Ich werde auf jeden Fall mal probehören, sobald ich die Gelegenheit habe. Dann würde ich mich nochmal zu dem Thema äussern.

Gruss, Nikolaus.
satie (18.04.2006, 22:00):
Hallo Nikolaus,

das von Dir angesprochene Stück In A Landscape stammt genau aus der selben Zeit (ein Jahr früher oder später, wenn ich nicht irre). Es könnte also sein, dass Dir The Seasons auch gefällt (vor allem der Sommer!).
Mich interessieren diese frühen Stücke vor allem deshalb, weil die kaum beachtet wurden, bzw. immer als eher unbedeutend, oder eben eher abschätzig als Frühwerk bezeichnet werden. Diese Stücke stehen aber am Übergang zu einer eigenständigen Komponierweise (oder aber stellen den Anfang ebendieser dar). Deshalb interessieren mich diese Stücke ganz besonders.

Merci,
Satie