Jonas Kaufmann

Severina (16.01.2011, 19:11):
Da in den diversen Threads über Opernaufführungen, DVDs etc. immer wieder auch Diskussionen über Jonas Kaufmann entstehen, finde ich es an der Zeit, diesem charismatischen Sänger einen eigenen Thread zu widmen!
Ich stütze mich bei den biographischen Angaben auf das Buch von Thomas Voigt "Jonas Kaufmann - Meinen die wirklich mich?" bzw. das heute (16.1.2011) stattgefundene Künstlergespräch mit dem Tenor an der WSO.

Jonas Kaufmann wurde 1969 im Münchner Vorort Bogenhausen als zweites Kind einer typischen Mittelstandsfamilie geboren. Die Eltern, beide aus der ehemaligen DDR in den Westen geflüchtet, sorgten für eine gute Ausbildung ihrer Kinder, zu der von Anfang an auch Musik gehörte. Die 500 Scheiben umfassende LP-Sammlung des Vaters war der Schlüssel zur magischen Welt der klassischen Musik.
Schon mit fünf Jahren sang der kleine Jonas mit großer Begeisterung in einem Kinderchor. Der wenig später auf eigenen Wunsch begonnene Klavierunterricht mutierte aber bald zu einem wöchentlich drohenden "Damoklesschwert" (Eigendefinition JK!) und wurde nach wenigen Jahren abgebrochen.
Nachhaltig wirkte sich hingegen der erste Opernbesuch im Alter von 7 Jahren aus: "Madama Butterfly" infizierte den Knaben unheilbar mit dem Opernvirus.

Ab 1979 besuchte Jonas Kaufmann ein humanistisches Gymnasium und übernahm im dortigen Schulchor bald die Tenorsoli. Im zarten Alter von 17 wurde er in den Extrachor des Münchner Gärtnerplatztheaters aufgenommen, wo der "fröhliche Frechdachs" (lt. ehemaliger Kollegen) erste Bühnenerfahrungen sammeln durfte.

1988 begann Jonas Kaufmann ein Mathematikstudium, das ihm aber bald zu "theoretisch" wurde, und er wechselte ein Jahr später auf die Münchner Hochschule für Musik und Theater, wo er die Studiengänge Konzertgesang und Operngesang belegte.
Sein erster Auftritt fand bei einer konzertanten Hochschulaufführung der "Zauberflöte" statt, wo er unter Sir Colin Davis' Stabführung den Tamino sang. Noch während des Studiums engagierte ihn die Oper Regensburg für eine Serie "Eine Nacht in Venedig" als Caramello.

Am 22. Juni 1994 legte Jonas Kaufmann die Diplomprüfungen für Konzertgesang und Operngesang ab - beides mit Sehr gut. Nun hieß es,
sich auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu bewähren!
Sein erstes Engagement in Saarbrücken bezeichnet Jonas Kaufmann in Anlehnung an Giuseppe Verdi als seine "Galeerenjahre", denn es zeigte sich sehr bald, dass die Ausbildung zum Sänger im geschützten Bereich einer Hochschule ihn nur sehr unzureichend für ein Überleben auf freier Wildbahn vorbereitet hatte. Als "Tenor für alles" wurde auf das vorhandene Potenzial des Sängers keine Rücksicht genommen, war ein kontinuierlicher, sorgsamer Aufbau der Stimme nicht möglich, sodass sich die Probleme häuften. Die Panik, ob er die Vorstellung halbwegs anständig über die Runde bringen könne, ob die Stimme gehorcht oder völlig versagt, wie es ihm tatsächlich einmal passierte, wurde so groß, dass Kaufmann knapp davor stand, das Handtuch zu werfen und sich einem anderen Broterwerb zuzuwenden.
Die Rettung kam in Gestalt eines neuen Gesangslehrers, Michael Rhodes.
Als er Jonas Kaufmann 1995 unter seine Fittiche nahm, lautete seine Diagnose folgendermaßen: "Du benutzt gar nicht Deine Stimme, sondern singst so, wie Du Dir vorstellst, dass ein lyrischer Tenor klingen muss. Hör auf, Deine Stimme zu manipulieren, lass sie einfach mal raus!"
Aber die Umstellung von "hell-kopfig" auf "weit-dunkel" gestaltete sich mühsam, viele Kollegen, darunter auch seine spätere Frau Margarete Joswig - zeigten sich von "Jonas neu" alles andere als begeistert, Rückfälle in alte Unarten machten bereits erreichte Fortschritte oft wieder zunichte. Aber Jonas Kaufmann glaubte an Rhodes Lehrmethode und hielt durch.

1996 verlängerte Kaufmann seinen Vertrag mit Saarbrücken nicht mehr und verdingte sich fortan als freischaffender Sänger. Auftritte bei Konzerten und einige Bühnenproduktionen (Rombergs "Student Prince", Bibalos "Glasmenagerie" etc.) hielten ihn in dieser schwierigen Phase über Wasser. Angebote für Festanstellungen (Würzburg, Stuttgart) lehnte das gebrannte Kind ab.
Mit Stuttgart, das gerade zum "Opernhaus des Jahres" gekürt worden war, gab es aber Stückverträge, die wesentliche Marksteine auf dem Karriereweg bildeten. So ernannte die Zeitschrift Opernwelt Jonas Kaufmann für seine Leistung als Edrisi in Szymanowskis "König Roger" zum "Nachwuchssänger des Jahres", die Arbeit mit Martin Kusej in "Fidelio", wo er den Jaquino sang, bezeichnet er selbst als "eine meiner stärksten Musiktheater-Erlebnisse".

1998 kam die erste wichtige Produktion außerhalb Deutschlands , "Cosi fan tutte" am Piccolo Teatro di Milano unter der Regie von Giorgio Strehler. Von ihm lernte Kaufmann eine völlig andere Herangehensweise an seine Rollen, denn Strehler forderte seine Sänger auf, jede Szene an jedem Abend völlig neu zu kreieren und alles Eingelernte zu vergessen. Der Tod des Regisseurs mitten in den Probenarbeiten bedeutete einen Schock nicht nur für Jonas Kaufmann.

Ab 1999 gehörte Jonas Kaufmann 10 Jahre lang dem Ensemble der Oper Zürich an. Die Zusicherung, dass er für andere Projekte freigestellt werden würde, gab den Ausschlag für ihn, sich wieder fest an ein Haus zu binden. In Zürich konnte Kaufmann kontinuierlich sein Repertoire erweitern, neue Partien ausprobieren und mit interessanten Regisseuren zusammenarbeiten. Auf seinen ersten Auftritt als Tamino folgten praktisch alle "Knüller" aus dem deutschen und italienischen Fach, dazu gesellten sich noch Raritäten wie Fierrabras aus Schuberts gleichnamiger Oper, der Königssohn aus Humperdincks "Königskinder"
oder Lindoro aus Paisiellos "Nina".

1999 fand auch Kaufmanns Debut bei den Salzburger Festspielen statt, wenn auch nur in einer kleinen Rolle an der Seite von Thomas Hampson in Busonis "Doktor Faust".
2003 brachte ihm zwar der Belmonte in der "Entführung" die erste Hauptrolle in Salzburg, gleichzeitig aber auch den Ruf eines "Pöbeltenors" ein, als er das über die Inszenierung von Stefan Herheim empörte und randalierende Publikum mit den Worten zur Räson bringen wollte: "Es steht jedem frei, nach Hause zu gehen!" (Im heutigen Künstlergespräch meinte Kaufmann, auf diese Episode angesprochen, dass er die Ablehnung des Publikums zwar verstanden hatte, es aber extrem unfair gefunden hätte, dass die Künstler alles ausbaden mussten und es ihm gar nicht möglich war, eine gute Leistung zu erbringen, wenn er seine Arie dreimal unterbrechen muss, weil das Orchester in einem Buhorkan untergeht.)

2001 erfolgte der Sprung über den großen Teich, wo sich Jonas Kaufmann an der Lyric Opera Chicago als Cassio dem amerikanischen Publikum vorstellte. Zwar war ihm der Alfredo angeboten worden, doch schien ihm das für ein Debut zu riskant. Die gleich Vorsicht ließ er in Paris walten, auch dort sang er zunächst "nur" den Cassio, bevor er sich in Hauptpartien präsentierte.

2006 trat er als No-Name an der Seite von Angela Gheorghiu in "La Traviata" an der MET auf und versetzte das New Yorker Publikum in Raserei. Der Untertitel der Biographie "Meinen die wirklich mich?" bezieht sich auf diesen magischen Moment, als Kaufmann bei seinem ersten Solovorhang
von standing ovationes und der enthusiastischen Begeisterung so überwältigt war, dass er in die Knie sank.

2010 eroberte Jonas Kaufmann als Lohengrin auch den Grünen Hügel in Bayreuth, nachdem er den Schwanenritter schon ein Jahr zuvor in München erstmals gesungen hatte.
München ist momentan auch der künstlerische und familiäre Heimathafen, von dem aus der Sänger zu seinen weltweiten Engagements aufbricht.

Eine andere Facette Jonas Kaufmanns ist der Liedgesang, von ihm selbst als "Königsklasse des Singens" bezeichnet. Mit Helmut Deutsch am Klavier, der schon an der Musikhochschule einer seiner Lehrer gewesen ist, steht er seit 2001 regelmäßig auf dem Konzertpodium und begeistert sein Publikum mit seinen subtilen Interpreationen.

Ich erlebte Jonas Kaufmann zum ersten Mal in Zürich und konnte es damals irgendwie nicht fassen, von diesem tollen Tenor nicht schon vorher gehört zu haben. "Um den müssten sich doch allen Intendanten zwischen Nord- und Südpol reißen," dachte ich mir damals, doch dauerte es eine ganze Weile, bis "das große Reißen" begann, genau genommen bis zum ersten Soloalbum "Romantic arias", das 2007 bei DECCA erschien. Ich fand diesen plötzlich ausbrechenden "A-star-is-born"-Taumel damals ziemlich witzig, handelte es sich in meinen Augen doch um ein reichlich "überwutzeltes" Baby, wie wir hier in Wien zu sagen pflegen. Aber manchmal haben Musikagenten halt eine lange Leitung......

Was mich an Jonas Kaufmann persönlich fasziniert?

Zunächst einmal sein Timbre. Ich mag baritonal angehauchte Tenöre generell, bei Kaufmann kommt noch dazu, dass seine Stimme für mich ein echter "Seelenschmeichler" ist. Sie berührt mich einfach ganz tief drinnen, das Warum kann man bekanntlich kaum erklären, daher versuche ich's erst garnicht, bevor es zu kitschig wird :wink.
Kaufmann versteht es, seine Stimme emotional derart aufzuladen, dass man auch mit geschlossenen Augen und ohne Textkenntnis weiß, wovon er singt. Er kann mit unendlich vielen Nuancen, Schattierungen ein lebendiges Rollenporträt zeichnen.
Vor allem aber liebe ich Jonas Kaufmann für seine subtile Gestaltung: Es geht ihm immer in erster Linie um den Sinngehalt, nie um vordergründige Effekthascherei. Daher ist er oft dort leise, wo andere Tenöre groß aufdrehen, selbst auf die Gefahr hin, dass ihm so mancher "Kenner" mangelnde Höhen oder fehlende Durchschlagskraft attestiert. Jonas Kaufmann besitzt beides, aber er packt es nur dort aus, wo es seiner Meinung nach hingehört, reine "Stimmritzenprotzerei" ist seine Sache nicht. Dass ihm Fortissimo ebenso wie Pianissimo zur Verfügung stehen, beweist er am eindrucksvollsten als Cavaradossi, wenn er die "Dolci baci" wie eine zarte Liebkosung auf vokale Wanderschaft schickt, um dann später ein "Vittoria!" zu schmettern, bei dem einem die Ohren flattern. Er versteht es wie kaum ein anderer Sänger, praktisch aus dem Nichts heraus ein schwebends Piano zu einem mächtigen Ton an- und wieder abschwellen zu lassen - man höre sich bitte einmal sein "Goooooooooott - welche Dunkel hier!" in Beethovens "Fidelio" an.
Außerdem verfügt Kaufmann über eine phantastische Atemtechnik, die es ihm gestattet, endlose Legatobögen auf einer bruchlosen Gesangslinie zu entwickeln und dann noch ein Diminuendo draufzusetzen, das völlig unverkrampft klingt, ganz entspannt ausschwingt und schließlich von der Stille absorbiert wird.

Ein wesentlicher Aspekt, warum Jonas Kaufmann zu meinen Lieblingssängern zählt, ist seine enorme Bühnenpräsenz, sein Talent als Schauspieler, das ihn auch auf jeder Sprechbühne bestehen lassen würde. Nie ertappt man ihn bei einer der typischen Operngesten, er bewegt sich völlig natürlich auf der Bühne, wie ich es eigentlich nur von Rolando Villazón kenne. Beide benötigen keinen ständigen Blickkontakt zum Dirigenten und bauen echte Beziehungen zu ihren Bühnenpartnern auf.
So, genug geschwärmt :D! Morgen beginnt eine Wertherserie mit ihm an der WSO, ihr werdet den Namen Jonas Kaufmann in nächster Zeit also noch öfter von mir hören!!! Dies nur als kleine Vorwarnung - oder auch gefährliche Drohung, je nachdem :wink :D

lg Severina :hello
Rideamus (16.01.2011, 19:52):
Liebe Sevi,

vielen Dank für dieses liebevolle Portrait. Ich bin ja sonst nicht so der klassische Fan, schon gar nicht von Sängern, aber um das Glück, Kaufmanns Karriere schon so früh verfolgen zu können (bei mir geht es "nur" bis etwa zum FIERRABRAS zurück, und das natürlich nur am Fernsehschirm), beneide ich Dich fast noch mehr als um die nächsten WERTHERS. Ich gehöre ja zu der Knderheit, die seinen Pariser WERTHER durchaus schätzte trotz und zum Tel auch wegen der Regie.

Ist die Wiener Aufführung noch immer die mit dem Riesenbaum? Und wer ist seine Charlotte?

Jedenfalls hoffe ich, dass Du Deine "Drohung" wahr machst und eifrig berichtest. Auch wenn Deine Berichte immer so detailliert sind, dass mir kaum etwas dazu einfällt als begeisterte Zustimmung, so werden sie hier doch immer sehr gerne und aufmerksam gelesen.

Ich freue mich also auf die nächste Runde.Vielen Dank dafür schon im Voraus

:hello Rideamus
Ingrid (16.01.2011, 23:47):
Liebe Severina,

das wußte ich doch, dass niemand Jonas Kaufmann besser portraitieren kann als Du, weil Du ihn eben schon so oft auf der Bühne erlebt hast und das zu Zeiten, in denen die meisten von uns noch nichts von seiner Existenz wußten und Du ihn auch von Herzen magst. Ich glaube fast, dass er in der Züricher Zeit sogar noch besser als jetzt war, da noch völlig unbelastet von dem heutigen Rummel um seine Person. Inzwischen fragt er sich nicht mehr "Meinen die wirklich mich?", denn es wird für ihn selbstverständlich, dass die Häuser erbeben.

Zum Glück reagierten die Verantwortlichen in Wien auf den Ansturm zum Künstlergespräch und ließen das Publikum in den Zuschauerraum der Oper. Beim letzten Konzert platzte der gemietete Saal ja wohl aus allen Nähten, da viel zu klein. Bin natürlich sehr sehr gespannt auf Deinen Bericht vom Werther. Ist seine Charlotte nicht Koch, wie in Paris? Mir gefiel diese Inszenierung im Laufe der Zeit auch ausgesprochen gut. Man mußte sich nur dran gewöhnen, aber bei dieser Traumbesetzung fiel es mir wirklich nicht schwer.

Vielen herzlichen Dank für Deine Mühe, so ein schönes Portrait für uns zu schreiben.

Ganz liebe Grüße
Ingrid

PS. Meintest Du evtl. das Gärtnerplatztheater in München?
Severina (17.01.2011, 00:29):
Meine Lieben,

danke für die Blumen, aber ich hoffe auf Eure rege Beteiligung an diesem Thread, denn monologisieren finde ich sehr langweilig!!! Du, Rideamus, kannst sicher die eine oder andere CD-bzw.DVD-Besprechung beisteuern, wenn es Dir schon leider an Live-Erlebnissen mangelt, und Du, Ingrid, sitzt ja in München quasi an der Jonas-Quelle, worum ich Dich glühend beneide.
Danke übrigens für die Korrektur, natürlich heißt es Gärtnerplatztheater.

lg Sevi :hello
Fairy Queen (17.01.2011, 08:50):
Liebe Sevi, da ich mich grundsätzlich nie auf Internetseiten von Sängern umsehe ud weder TV noch deutschsprachige Zeitschriften besitze, ist dein Bericht für mich neben seiner anregenden Begeisterung auch eine echte Informationsquelle. ich fidne es serh spannend zu lesen, dass auch Superstars ihre Probleme hatten, ein solcher zu werden und erstmal ganz kleine Brötchen backen mussten. Ich habe Kaufmann vor einigen Jahren live unter Dudamel in Berlin als Puccini-Rodolfo erlebt und da hat er mich noch nicht 100%ig vom Hocker gerissen. Das lag aber auch daran, dass er vom Orchester rücksichtslos zugedröhnt wurde und seine Nuancierungsfähigkeit leider unterging und man fast den Eindruck bekommen konnte, dass er der Rolle stimmlich noch nciht gewachsen war. Baritonalen Tenortimbres bin ich ich zudem nicht so ergeben wie du, es kommt da ganz auf die Rolle an. Mein Ideal-Rodolfo , der junge und mittlere Pavarotti, war mir zu sehr im Ohr, um Kaufmann wirklich überzeugend zu finden.
Sei's drum- mit seinem Don José und seinem Werther hat sich das dann spâtestens ins Gegenteil verkehrt! Da gibt es nicht genug Superlative, um diese Rollenporträts adequat zu loben. :down :down :down
Das mir grösstmögliche Kompliment: für Kaufmann würde ich sogar den Lohengrin ertragen! :D

Neben all den Atrributen, die Du angeführt, und die ich nur unterstreichen kann, hast Du eines vergessen oder Dich vielleicht nciht getraut, es explizit zu sagen :wink: "Bühnenpräsenz" reciht mir da jedenfalls nicht ganz aus.
Jonas Kaufmann hört sich nicht nur an sondern sieht auch aus wie der fleischgewordene Traum aller opernbesuchenden (mit einer romantischen Seele ausgestatteten) weiblichen Wesen zwischen 9 und 99!
Das Identifikationspotential ist extrem gross und wer würde nicht liebend gerne nur einige Sekunden lang mit der Sopranistin, die von ihm angeschmachtet wird, den Platz tauschen? Gesetzt den Fall, man muss nciht singen sondern sich nur umarmen und küssen lassen...... :engel

F.Q.
Ingrid (17.01.2011, 09:48):
Original von Fairy Queen
Das Identifikationspotential ist extrem gross und wer würde nicht liebend gerne nur einige Sekunden lang mit der Sopranistin, die von ihm angeschmachtet wird, den Platz tauschen? Gesetzt den Fall, man muss nciht singen sondern sich nur umarmen und küssen lassen...... :engel

F.Q.

Letztes Wochenende durfte sich auf dem Dresdner Opernball eine Moderatorin sein ganzes Herz vor die Füße legen lassen. Da hatte man aber schon das Gefühl, dass ihm diese Schauspielerei nicht ganz so gut gefiel :D Gesungen hat er allerdings wirklich wieder zum :down. Davor kam noch die Blumenarie aus Carmen.

Irgendwo las ich, dass er da beinahe den Auftritt verpasst hätte und verzweifelt ausgerufen werden mußte. Vielleicht hat er sich ja mit der neuen Chefin der Semperoper Frau Dr. Hessler, verquatscht, mit der er die Ehre hatte, auf dem roten Teppich rein zu marschieren. Sie hatte es die Jahre vorher leider nicht fertig gebracht, Jonas früher an die BSO zu bringen, aber jetzt durfte er dann bei ihr ja wenigstens doch für Grigolo einspringen.

Beim Fidelio habe ich ihn ja leider nur einmal erleben dürfen und da konnte ich wirklich spüren, wie enorm ein echt guter Sänger und Schauspieler eine Inszenierung beeinflussen kann, die ich vorher weder verstehen wollte, noch mochte. Ich dachte echt, die Leute müssen durchgeknallt sein, die diese Inszenierung grandios fanden. Sie sahen eben vorher die GP und Premiere mit JK und ich dann den völlig überforderten MacAllister. Im ersten Akt schob ich dann nur Frust und Bieitos Gedankenwelt war mir sowas von egal, dass alles an mir vorbei lief. Die Karten für den 1.1. wanderten dann auch in den Papierkorb.
Jonas spielte und sang den gequälten Florestan am 8. dann aber so wahnsinnig gut, im wahrsten Sinne des Wortes, dass einem nur noch Schauer dem Rücken runterliefen und die Inszenierung dadurch wirklich total veredelt wurde und auch verständlicher. Habe mir nun sogar für die Festspiele noch eine Karte bestellt, was für mich vorher undenkbar gewesen wäre.

Jetzt freue ich mich dann erst einmal auf die Carmen-Vorstellungen, auch wenn Garanca fehlen wird.

Herzliche Grüße
Ingrid
miranda (17.01.2011, 23:56):
Mein Wake-up call in Sachen Jonas Kaufmann war die Direktübertragung des Werther von Massenet aus der Pariser Bastille-Oper vor rund einem Jahr. Ich zögere nicht, diesen Abend mein stärkstes Opernerlebnis seit Langem zu nennen. Nicht nur, dass JK wunderbar sang, sondern auch, dass er ein selten eindringlicher, tief anrührender Schauspieler ist, hat meine Tränen nur so fließen lassen.
Seitdem zähle ich mich zu seinen aufrichtigen Bewunderern und verfolge seine Karriere so weit als von einem provinziellen Standort aus möglich. Ich mag die eher bescheidene Haltung, die er in Interviews zeigt; das nährt die Hoffnung, dass ihm der Medienrummel und seine Vermarktung als Sexsymbol nicht vom Wesentlichen ablenken werden, nämlich noch besser und bewegender zu singen.
Gerade weil ich JK wirklich mag, muss ich aber auch zugeben, dass sein Auftritt beim Dresdner Opernball letzte Woche sehr zu wünschen übrig ließ. Vielleicht hatte sein Einspringen für Grigolo nicht genug Zeit zum Proben gelassen, aber für meine Ohren befand er sich einige Male mehr neben als bei der Dresdner Staatskapelle. Vor allem "Dein ist mein ganzes Herz" war eher eine Zumutung als ein Genuss. Mag sein, dass die Atmosphäre solcher Galaabende mit ihrem Auftrieb an Promis und Adabeis nichts für einen Künstler ist, der mit überwiegend subtilen Mitteln arbeitet. Ich hatte jedenfalls das Gefühl, dass er dort fehl am Platz war.
Jetzt freue ich mich darauf, ihn wieder auf der Opernbühne oder bei einem Liederabend zu erleben. Salut, Jonas, lang sollst du singen!
Severina (18.01.2011, 00:10):
Da ich für den ersten "Werther" heute leider nur eine Karte Balkon links Seite hatte, was bei dieser extrem linkslastigen Inszenierung quasi einem Hörplatz gleichkommt - nur die Sterbeszene konnte ich uneingeschränkt verfolgen - bleibe ich erst einmal hier im Kaufmann-Thread. Die zweite Vorstellung am Freitag darf ich aus der Proszeniumsloge genießen, da gibt es dann einen großen Bericht im WSO-Thread.

Hier also meine leider nur akustischen Eindrücke:

Beim gestrigen Künstlergespräch meinte Jonas Kaufmann sehr forsch, er halte nichts davon, sich am Vortag einer Aufführung besonders zu schonen, sondern verhalte sich ganz normal. Schön, aber ob es so "normal" ist, vor einem "Werther" zwei Stunden wie ein Wasserfall zu quasseln, dann noch sein Buch zu signieren und einen Sponsorenempfang mit seiner Anwesenheit zu beehren, was sicher auch nicht schweigend abgelaufen ist, bezweifle ich denn doch ein bisschen.
Ich weiß natürlich nicht, ob es wirklich daran lag, dass Kaufmanns Leistung heute eher durchwachsen war, wobei ich auf ziemlich hohem Niveau meckere, das ist schon klar.
Von der normalerweise perfekten Symbiose eines lyrischen und dramatischen Tenors vermochte mich heute der lyrische Part nicht ganz zu überzeugen. Kaufmanns Piani klangen teilweise nicht gut gestützt und etwas angeraut, die vielen Farben, von denen ich oben so geschwärmt habe, ein wenig ausgebleicht.
Am Schluss hatte er diese Probleme aber wieder im Griff und sang eine zum Niederknien schöne Sterbeszene - auch ihm glaubte man die Kugel im Bauch hundertprozentig. (Trotzdem gehe ich heute nicht weiter auf sein Spiel ein - s.o.!)

100%ig überzeugte mich Kaufmann in den dramatischen Szenen, wo er groß aufdrehte und mit einer Leichtigkeit über das Orchester hinauskam, wie wir es schon lange von keinem Werther mehr erlebt haben. Da knallte er einige wirklich phänomenale Höhen hin, da leuchtete seine Stimme wie flüssiges Gold. Aber die Übergänge zwischen Forte und Piano funktionierten heute nicht so geschmeidig wie sonst, da hakte es manchmal ein bisschen.

Das Publikum dämmerte geraume Zeit vor sich hin, es wollte keine rechte Stimmung aufkommen und ich fürchtete schon, dass Kaufmanns leichte Wien-Aversion heute neue Nahrung erhalten wird. Aber das wirklich fulminant vorgetragene "Pourquoi me réveiller" zündete wie eine Rakete und weckte das verschlafene Auditorium schlagartig auf. Es gab minutenlangen Applaus und Bravogebrüll, und von da an konnte man die Spannung förmlich greifen, die über der restlichen Aufführung hing.
Heute wird sich Kaufmann wohl nicht über mangelnde Zuschauerresonanz beklagen können, denn als der Vorhang fiel, brach ein riesiger Jubel los, der in erster Linie dem unglücklichen Liebespaar galt. Immer wieder mussten die beiden vor den Vorhang.
Leider konnte ich nicht alle Vorhänge mitzählen, weil ich schon vor dem letzten ging. Ich bin heute leicht angeschlagen, erwachte in der Früh völlig stimmlos, was im Laufe des Tages einem gruseligen Krächzen wich, und sehnte mich schon nach einem Salbeitee. Deshalb konnte ich Jonas auch kein einziges Bravo zurufen, obwohl er es sich wirklich verdient hätte.
Am Freitag sind wir hoffentlich beide fit!!!!!! (Da gibt es dann auch einen Werther-total-Bericht, jetzt will ich nur mehr ins Bett!)

lg Sevi :hello
Heike (21.01.2011, 22:15):
Liebe Sevi,
erst mal gute Besserung!!!!
Ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Bericht ............
Heike
Severina (29.01.2011, 01:18):
Jonas Kaufmann hat heute beim 4. "Werther" mit "Pourquoi me reveiller" so frenetischen Jubel hervorgerufen, dass er die Arie wiederholen musste - zumindest in meiner Zeit als Opernbesucherin kann ich mich nicht erinnern, dass das schon einmal der Fall gewesen wäre! (Näheres dazu in "Berichte aus der WSO")

Ich bin immer noch total durch den Wind von diesem großartigen Opernabend!!!!

lg Sevi :hello
Ingrid (03.02.2011, 11:27):
Die Zuschauer haben sich zwar gestern bei der Blumenarie redlich bemüht, ein Da capo zu erklatschen, aber es ist leider misslungen :I Da es in Wien auch erst beim letzten Versuch gelang, gibt es ja noch Hoffnung. Bei seinem letzten Don José bin ich leider nicht dabei.

Alles in allem war es aber trotzdem ein großer Abend (bes. von seiner Seite in jeder Beziehung natürlich), aber irgendwie sprang der Funke bei mir leider doch nicht so komplett über wie im letzten Jahr, obwohl ich erstmals supergut sah (2.Rang Seite, 1. Reihe). Mir fehlte zum kompletten Glück wohl doch Garanca. Bei Anita Rachvelishvili (die Carmen von der Scala) war für diese Rolle zwar alles vorhanden, eine wirklich wunderschöne volle Stimme, "echte" schwarze Lockenpracht, dunkle Glutaugen usw., aber mich sprach sie trotzdem nicht so wirklich an, wie auch Kyle Ketelsen als Escamillo erneut nicht. Man kann halt nicht alles haben.

Jonas hat in der Werther-Serie wohl noch einiges an Pfunden verloren (sah dadurch aber noch umwerfender aus :wink ) und ich hoffe sehr, dass Grippeviren einen großen Bogen um ihn machen. Die nächsten Wochen und Monate sind ja weiterhin für ihn total anstrengend. Er sollte wirklich auf sich aufpassen, sonst gehört er auch zu denen, die an beiden Seiten brennen.
Liebe Grüße
Ingrid
Ingrid (04.02.2011, 00:44):
Noch eine kleine Geschichte am Rande, die kurz vor der Carmen-Vorstellung passierte.

Ich brauchte noch dringend Briefmarken, verweigerte aber die selbstklebenden Engelchen und so zeigte mir der Herr in der Post (äh im Spielwarenladen) sein weiteres Sortiment und plötzlich entdeckte ich Jonas und ließ einen lauteren "Kaufmann" Schrei los.

Es war natürlich der Wanderer von Caspar David Friedrich, aber nachdem ich immer Kaufmanns Sehnsucht-CD in greifbarer Nähe meines PCs habe, dachte ich wirklich, er wäre es (bin natürlich auch mit Brille noch ein wenig blind :wink) Der arme Mann bekam dann gleich noch die halbe Biografie von Jonas um die Ohren geschleudert, incl. der Vorstellungen in Wien (dank Severina) und der in München, auch sollte er unbedingt seine Web-Site anschauen, wo dieses Foto eine Rolle spielen wurde.

Auf jeden Fall wurde der Herr langsam nervös, meinte, wie schön, dass jemand diese Briefmarke gut findet, denn ihm hätten sie nicht so zugesagt und wollte mich offenbar loswerden. Kein Wunder, denn die Schlange hinter mir ging inzwischen schon bis zur Tür. Peinlich peinlich. Vielleicht sind die Briefmarken aber jetzt gut verkauft worden (ich nahm natürlich gleich 20 Stück) und die Leute wissen dann wenigstens, wie Jonas Kaufmann von hinten aussieht :D

:hello Ingrid
Ingrid (12.02.2011, 00:17):
Original von Ingrid
Jonas hat in der Werther-Serie wohl noch einiges an Pfunden verloren (sah dadurch aber noch umwerfender aus :wink ) und ich hoffe sehr, dass Grippeviren einen großen Bogen um ihn machen. Die nächsten Wochen und Monate sind ja weiterhin für ihn total anstrengend. Er sollte wirklich auf sich aufpassen, sonst gehört er auch zu denen, die an beiden Seiten brennen.
Liebe Grüße
Ingrid

Leider mögen ihn diese Viren offensichtlich ähnlich gerne, wie der allergrößte Teil der Opernbesucher. Gerade bekam ich die Meldung, dass Jonas die letzte Carmen absagen muss.

Als ich heute Nacht, nach der Carmen, hier noch schrieb (stürzte ab), unkte ich schon ein wenig, da ich mir bereits vor seinem ersten Ton dachte, er könnte krank sein oder werden und er danach nicht mehr ans Bühnentürl kam. Er meisterte die Partie aber, aus meiner Sicht, wieder makellos und sehr berührend. Grandios ist bei ihm besonders, dass es bei ihm keine Figur von der Stange gibt und jede einzelne Vorstellung immer überraschend anders ist. Für die Partnerinnen bestimmt nicht ganz so einfach.

Bei der ersten Serie mit Garanca legte er die Rolle brutaler und fieser an und die jetzt von Beginn an mehr als Verlierer, den man liebend gern getröstet hätte :wink Vielleicht beeinflusste ihn sogar der Wiener Werther davor, den Don José noch sensibler darzustellen. Allein das Spiel seiner Hände, die unbedingt liebkosen wollen, aber sich offensichtlich nicht trauen dürfen, ist genial. Gestern kam es wohl auch deshalb kaum zu einem Körperkontakt in der Kerkerszene, da für mehr einfach die Zeit fehlte.

Obwohl ich die Carmen nun doch ziemlich oft sah (mit ihm allein 6x live), könnte es erneut in der Endlosschleife so weitergehen, denn mit der richtigen Besetzung des Don José bleibt einfach jede Minute spannend. Inzwischen gefiel mir auch die jetzige Carmen besser, aber trotzdem würde ich Garanca immer immer immer den Vorrang geben.

Ein musikalischer Hochgenuss war auf jeden Fall Aga Mikolaj als Micaela und sie ließ sich zusätzlich auch gut auf sein Spiel ein. Jonas' Kussmund mit geschlossenen Augen und ihre Bemühung, "brav" zu bleiben waren wirklich urkomisch. Auch gegen Kyle Ketelsen als Escamillo hatte ich inzwischen nichts mehr. Er war auf jeden Fall elegant und glaubwürdig.

Jetzt hoffe ich sehr, dass Jonas diese erneute Erkältung schnell in den Griff bekommt, denn nächste Woche steht ja die Tosca in Milano auf dem Plan.

Gute Nacht und liebe Grüße
Ingrid
Severina (12.02.2011, 00:43):
Liebe Ingrid,
das tönt natürlich nicht gut, weil Kaufmann bei seinem gedrängten Terminkalender offensichtlich keine Zeit hat, sich gründlich auszukurieren. Er kam ja schon etwas angeschlagen nach Wien (hatte ja vorher einiges abgesagt), steigerte sich aber von Vorstellung zu Vorstellung bis zur absoluten Sternstunde am Schluss, in München ging es wohl in die umgekehrte Richtung.
Mich hat er in Zürich als Don José ungemein fasziniert, obwohl er dort in der Hartmann-Regie eine völlig ungewohnte Variante zum Besten gab, leider war es eine One-Man-Show, denn die Kassarova ist weder stimmlich noch als Persönlichkeit eine Carmen.

Da hast Du ja richtig "Glück", dass Du bei der letzten "Carmen" ohnehin nicht dabei sein kannst und also nichts verpasst. Und wir Wiener hatten Glück, dass Kaufmann einmal nicht bei uns absagte.....

lg Sevi :hello
Ingrid (12.02.2011, 10:17):
Original von Severina
Mich hat er in Zürich als Don José ungemein fasziniert, obwohl er dort in der Hartmann-Regie eine völlig ungewohnte Variante zum Besten gab, leider war es eine One-Man-Show, denn die Kassarova ist weder stimmlich noch als Persönlichkeit eine Carmen.lg Sevi :hello

Liebe Severina,

da fand mein Mann wirklich die passende Beschreibung: Bauer sucht Frau, aber die hat er echt nicht verdient.

Hoffentlich lassen sie sich bei uns nicht auch einmal so eine Kombination einfallen. Mache inzwischen einen großen Bogen um Frau K., obwohl ich sie früher sehr mochte. Als Charlotte war sie ähnlich "gut".

Gerade singt Jonas im Hintergrund Gott.... und da bekomme ich immer wieder eine Gänsehaut. Zum Glück gibt es einiges von ihm auf Konserve, denn wenn jetzt nicht bald mal eine gesunde Phase kommt, reibt er sich ebenfalls auf. Zwei Tenorlieblinge zu verlieren wäre einfach zu schlimm, aber vielleicht wird ja alles wieder gut.

Wünsche Dir und allen anderen ein schönes Wochenende
Ingrid
Fairy Queen (12.02.2011, 16:02):
Gutaussehende Tenöre scheinen der Boygroup-Ersatz für Klassikliebhaberinnen geworden zu sein.... vielleicht gibt es bald Jonas-TShirts,Kugelschreiber oder Kaffeetassen mit seinem Konterfei..... :D :times10
Warum schwärmt eigentlich niemand mal so herzzereissend wie Ingrid für Baritone- ist irgendwie ziemlcih ungerecht! :ignore

F.Q.
Ingrid (12.02.2011, 22:16):
Liebe Fairy,

für Bryn Terfel habe ich ähnlich geschwärmt, aber im Moment hat ihm halt Jonas Kaufmann ein wenig den Rang abgelaufen, da mehr vor Ort und ähnlich spielfreudig und gut singend :D
Fairy Queen (13.02.2011, 09:24):
In der derzeitigen Ausgabe der frz. Musikzeitschrift "Classica" werden die 10 Gewinner der Cd des Jahres (Auswahl der Leser!) bekanntgegeben.

Platz 1: Werther ( Pariser Produktion mit Jonas Kaufmann/Sophie Koch)
Platz 7: "Verismo" (Jonas Kaufmann)
Platz 8: Die schöne Müllerin (Jonas Kaufmann)

Offensichtlich sind die die frz Hörer(innen) genauso begeistert.....


In derselben Ausgabe gibt es einen grossen Bericht über und ein Interview mit der Sopranistin Angela Gheoghiu. Sie kündigt etliche gemeinsame Projekte mit Kaufmann an: Aida, Faust, Adriana Lecouvreur in Wien (nach dem Triumph in London).
A.G. erzählt eine Menge über sich und ihren Werdegang und auf die Frage nach Roberto Alagna sagt sie, dass sie sich im besten Einvernehmen befinden und täglich telefonieren, sie aber nie mehr mit ihm singen wolle. Sie wird offenbar demnâchst viel in Wien singen... Sevi kann uns ja dann berichten........ :D

P.S. Liebe Ingrid, ich schwärme auch für Terfel, aber so, wie ich für einen Teddybär mit einer wunderschönen Stimme schwärmen würde. :wink
Ingrid (13.02.2011, 14:17):
Original von Fairy Queen
P.S. Liebe Ingrid, ich schwärme auch für Terfel, aber so, wie ich für einen Teddybär mit einer wunderschönen Stimme schwärmen würde. :wink

Liebe Fairy,

da das Leben ja wirklich nicht immer so ganz einfach ist, sehe ich es als wunderbares Geschenk an, von Künstlern, egal aus welchem Bereich (z.B. auch Ballett) oder welcher Stimmlage, ab und zu verzaubert zu werden. Wenn zum Talent, auch noch Ausstrahlung und Überzeugungskraft kommen, dann um so besser. Warum sollte man da ein schlechtes Gewissen haben, wenn man auch mal richtig ins Schwärmen gerät? Wie schon geschrieben, ist im Moment halt gerade Jonas Kaufmann aktuell, weil ich ihn mehrmals erleben durfte und er wirklich in erster Linie als ein ganz besonderer Sänger und Darsteller besticht und nicht deshalb, weil er auch noch so gut aussieht, wie das oft sehr abwertend dargestellt wird. Grigolo ist z.B. auch ein sehr schöner Mann, aber der spricht mich z.B. wieder überhaupt nicht an und da gibt es viele mehr.

Noch einen schönen Sonntag und herzliche Grüße
Ingrid
Fairy Queen (13.02.2011, 18:05):
Liebe Ingrid ich habe kein schelchtes Gewissen, wenn ich ins Schwärmen gerate und du hoffentlich auch nciht.
Ich amüsiere mich aber trotzdem darüber, wie ähnlich die Wortwahl der Jonas Kaufmann bzw Tenor- Schwärmereien mit der der Teenies ist, wenn sie mit "oh my god!!!!!" für irgendeine boygroup quasi in Ohnmacht fallen. Man kann es entweder positiv so sehen: "wir sind im Herzen immer jung geblieben" oder etwas weniger schmeichelhaft "wir sind aus dem Teenie-Alter nie rausgekommen". Das muss dann jeder für sich entscheiden :wink
Ebenfalls schônen Restsonntag.
F.Q.
Ingrid (13.02.2011, 23:12):
Liebe Fairy,

las jetzt noch einmal meine Postings durch und fand sie eigentlich nicht vergleichbar mit in Ohnmacht fallenden Groupies. Im wirklichen Leben sehe ich auch alles noch schaumgebremster, als es hier rüber kommt, aber ein wenig Euphorie verdient Kaufmann auf jeden Fall und seine Sehnsucht-CD höre ich im Moment halt sehr gerne und bei Gott.... fehlte noch ....welch Dunkel hier und hatte nichts mit "oh my god" zu tun. Jetzt aber genug mit Rechtfertigungen :wink

:hello Ingrid
Ingrid (20.03.2011, 15:22):
Gerade höre ich die Aufzeichnung des Künstlergesprächs mit Jonas Kaufmann in der Wiener Staatsoper vom 16.1.11 :leb

Kann man auch über Internet hören.

:hello Ingrid
Severina (09.04.2011, 12:14):
Jonas Kaufmann singt in der nächsten Saison eine Faust-Serie an der WSO. Ich fürchte nur, wenn er unsere Inszenierung sieht - eigentlich nicht vorhanden, da der Regisseur während der Proben erkrankte und ausfiel - überlegt er sich's noch......

lg Severina :hello
Tosca (30.04.2011, 15:14):
Übrigens überträgt ARTE am 7. Mai 2011 um 20.15 Uhr eine Aufzeichnung der Londoner Produktion mit Angela Gheorghiu als Adriana Lecouvreur und Jonas Kaufmann als Maurizio.

Viele Grüße
Tosca
Severina (30.04.2011, 21:15):
Oh, danke für diesen Hinweis, das ist natürlich ein Pflichttermin!!
Ich schau übrigens gerade die neue Tosca-DVD aus Zürich an, bin allerdings diesmal ein bisschen enttäuscht von der Bildregie, denn von Felix Breisach bin ich Besseres gewöhnt.

lg Severina :hello
Tosca (09.05.2011, 14:59):
Inzwischen ist die Londoner Adriana-Produktion über den Bildschirm geflimmert mit einem in jeder Beziehung hinreißenden Jonas Kaufmann. Das macht ihm so schnell keiner nach. :down :down :down

Man kann sich im Internet auf Arte diese Oper noch einige Tage ansehen.

Gruß Tosca
Ingrid (09.05.2011, 17:37):
Darf mich bei solchen Ereignissen einfach nicht entspannt auf die Couch legen :( Mir fehlt wohl ein kleines/größeres (?) Stück aus der Mitte, aber ich hoffe sehr, dass Jonas da nicht zu oft in Aktion war. Ansonsten hat er wirklich wieder in allen Bereichen gezeigt, was er drauf hat :)

Konnte einige Freunde und Verwandte dazu bewegen, wenigstens Werther und AL anzusehen. Die haben es tatsächlich alle geschafft, nicht einzuschlafen. Schande über mich.

Liebe Grüße
Ingrid
Severina (13.05.2011, 22:43):
Ich war jetzt einige Tage nicht in Wien und muss erst schauen, ob meine Recorder die AL brav aufgenommen hat, dann werde ich mich gerne dazu äußern, aber erst in den nächsten Tagen. Bin schon sehr gespannt!
lg Sevi :hello
Elsa1977 (19.05.2011, 09:31):
Hallo zusammen,

ich bin neu hier. Ich habe vergangenen Samstag hier in der Schweiz die Live-Übertragung der Walküre aus der MET gesehen mit Jonas Kaufmann als Siegmund und wollte meine Begeisterung mit Euch teilen.

Vor zwei Jahren sah ich ihn in München als Lohengrin, letztes Jahr ebenfalls als Lohengrin in Bayreuth (wobei er da stimmlich nicht ganz auf der Höhe war) und nun als Siegmund. Grandios!
Besonders, und zum ersten Mal aufgefallen, sind mir seine schönen Lippen. Von denen würde ich auch mal gerne geküsst werden ;-)...

Hat von Euch jemand die Übertragung auch gesehen? Wurde ja in vielen Kinos übertragen. Finde ich eine tolle Sache. So kommt man für kleines Geld auch in einen tollen Operngenuss.
Auch die Inszenierung und die übrigen Sänger (bis auf ausgerechnet leider Brünnhilde) waren spitze. Vor allem Bryn Terfel als Wotan. Wow! Auch Sieglinde perfekt und eine schöne "Zwillingsschwester" für Kaufmann.

Würde mich freuen, weitere Stimmen zu dieser Aufführung zu hören.

Herzliche Grüsse

Elsa
Heike (20.05.2011, 08:37):
Hallo Elsa,
herzlich willkommen!
Schau mal, es gibt einen extra-Thread für die MET-Übertragungen, hier:
http://www.das-klassikforum.de/thread.php?threadid=978&page=10
Da wurde auch schon einies über die Walküre geschrieben, vielleicht magst du deine Eindrücke auch dort noch weiter diskutieren! Es war in der Tat eine tolle Übertragung.
Heike
Elsa1977 (20.05.2011, 10:34):
Super, vielen Dank, Heike!
Ich gehe stöbern :-)....
Tosca (06.07.2011, 18:47):
Die Bayerische Staatsoper hat am kommenden Freitag (8.7.) einen Livestream im Internet, der um 19.45 Uhr beginnt. Man kann also den Fidelio mit Jonas Kaufmann als Florestan mitverfolgen.

Gruß Tosca
Severina (06.07.2011, 19:34):
Wenn mir PC-Doofie jemand erklärt, wie das funktioniert..... :S :I Braucht man dafür irgendein Extra, oder wie, oder was? ?( ?(
In Wien wird der "Fidelio" zwar zeitversetzt auf die Riesenvidiwall am Rathausplatz übertragen (Gratis!), aber leider sind für Samstag Abend Gewitter angesagt.

lg Severina :hello
Tosca (06.07.2011, 19:48):
Liebe Severina,
eigentlich müsste das problemlos funktionieren. Du musst nur auf die homepage der Bayerischen Staatsoper gehen, dort findest Du einen Hinweis. Der Stream läuft ab 19.45 und um 20.00 Uhr beginnt die Übertragung.

Liebe Grüße
Tosca
Ingrid (07.07.2011, 17:22):
Original von Severina
In Wien wird der "Fidelio" zwar zeitversetzt auf die Riesenvidiwall am Rathausplatz übertragen (Gratis!), aber leider sind für Samstag Abend Gewitter angesagt.
lg Severina :hello

Da ich schon befürchtete, dass es gewittern könnte (meist war es so), habe ich mir doch noch eine Stehplatzkarte besorgt. Da bin ich jetzt ganz froh drum, obwohl ich wahrscheinlich nicht viel sehen werde (sehr seitlich). Ein musikalischer Genuss wird es hoffentlich doch, falls sich Dirigent und Sänger bis dahin über das Tempo einigen konnten.

Ob man diesen Livestream wohl auch aufnehmen kann? Hoffe, mein Mann schafft das.

Allen viel Freude bei der Übertragung oder dem Liveerlebnis und besonders liebe Grüße an Dich liebe Severina nach Wien
:hello Ingrid
Severina (07.07.2011, 17:29):
Danke Euch beiden für Tipps und Grüße, ich werde es wohl zuhause mit dem Stream versuchen, wenn ich's nicht hinkriege, schaffe ich es immer noch rechtzeitig auf den Rathausplatz, denn dort beginnt man erst um 21 Uhr 30. Leider ist es dann halt auch mitten in der Nacht aus, wo ich nicht so gerne allein durch die Gegend turne....
Aber es wäre natürlich schön, wenn wenn wir es alle sehen und uns dann darüber austauschen könnten.
lg Sevi :hello
Fairy Queen (08.07.2011, 06:01):
Ich hoffe, für Sevi und andere Kaufmann Fans hat es mit dem Fidelio geklappt! Ich habe gerade zwei Kaufmann-Mitschnitte bekommen: ein Konzert zusammen mit Natalie dessay in montpellier 2008 und ein Konzert in Reykjavik (wie schreibt man das????) aus jüngerer Zeit, wo er das vollmundige und publikumswirksame Tenorschmetterrepertoire zum Besten gibt Was ich bisher hôren konnte klingt vielversprechend. Es ist allein schon spannend, die Entwicklung zu verfolgen. Wenn ich wiederi m Lande bin, nehme ich mir die Aufnahmen mal genauer vor und kann bei Bedarf etwas dazu sagen.

Herzliche Grûsse an alle Kaufmann-Fans! :hello

F.Q.
Ingrid (08.07.2011, 16:20):
Original von Fairy Queen
Ich hoffe, für Sevi und andere Kaufmann Fans hat es mit dem Fidelio geklappt! Herzliche Grûsse an alle Kaufmann-Fans! :hello

F.Q.

Liebe Fairy,

fange erst so ganz langsam an, mich ein wenig in Schale zu schmeißen. Erst heute Abend um 20 Uhr beginnt die Vorstellung und vom Wetter her schaut es sogar richtig gut aus. Werde also doch etwas früher fahren, um noch vom Trubel auf dem Josefsplatz etwas mitzubekommen.

Ob Du wohl in Lille auch über Internet die Vorstellung ansehen könntest... falls Du überhaupt Zeit dafür hast.

Auch von mir herzliche Grüße
Ingrid
Severina (09.07.2011, 13:58):
Donner und schwarze Wolken haben mich vom Rathausplatz fern gehalten, obwohl dann doch kein Gewitter kam und ich mich geärgert habe, nicht hingegangen zu sein.
Denn die Übertragung per Livestream war auf meinem kleinen Bilschirm und mit meinen schwachen integrierten Lautsprechern leider kein Vergnügen. Ich kann daher zu den sängerischen Leistungen überhaupt nichts sagen, weil ich sie streckenweise gar nicht hörte. Kaufmanns "Gott, welch Dunkel hier!" mit diesem immer so phänomenalen Schwellton auf Gott hörte ich erst ab der Hälfte.... Außerdem gab es just während dieser Arie drei kurze Tonaussetzer.

Auch die Bildqualität war nicht so toll, trotzdem fand ich dieses Labyrinth als Bühnenbild sehr beeindruckend, das muss live ganz toll wirken. Auch die Personenzeichnung war teilweise zwar ungewohnt, aber nicht ganz abwegig und vor allem sehr suggestiv, zumindest Florestan als völlig traumatisierter Häftling. Unter die Haut ging mir das scheinbar gegen den Text inszenierte "O namenlose Freude", das aber in meinen Augen psychologisch stimmig ist, denn eine schwere Kerkerhaft unter diesen Bedingungen hinterlässt Spuren in der Psyche, nichts ist danach wie zuvor, man kann nicht so nahtlos an sein vorheriges Leben anknüpfen, sondern muss die Beziehung neu definieren, behutsam wieder aufbauen. Das zeigt Bieito mE sehr eindrucksvoll. Ich finde die übliche Lesart, dass sich Florestan und Leonore gerührt in die Arme sinken und alles Ungemach auf einen Schlag vergessen ist, immer ziemlich fragwürdig. Da überzeugt mich Bieitos desillusionierende Interpretation wesentlich mehr.
Dafür zeigt er dann ja am Schluss die Macht der Liebe, die alle Wunden heilt, beinahe kitschig übersteigert, das hat mich fast ein wenig gestört.

Aber wie bei allen Bieito-Inszenierungen muss man auch diese öfter sehen, damit sie sich einem wirklich erschließt. Vielleicht komme ich ja irgendwie in den Besitz eines Mitschnittes :engel, denn nur aus der Erinnerung heraus wird es schwierig für mich, diese Aufführung seriös zu diskutieren.
lg Sevi :hello
Tosca (09.07.2011, 14:13):
Hallo Severina,

meine Bildqualität war Gott sei Dank in Ordnung und da ich eine vernünftige Lautsprecheranlage an meinem PC habe, der Klang auch.
Mit der Inszenierung hatte ich so meine Probleme. Mit dem traumatisierten Florestan konnte ich mich allerdings auch gut anfreunden.
Seine große Arie sang Jonas Kaufmann phänomenal und auch sonst war er darstellerisch und sängerisch sehr überzeugend. Die Überraschung des Abends war für mich Anja Kampe, die Jonas Kaufmann in jeder Beziehung ebenbürtig war. Beiden gelang es ihre Gefühle auf mich zu übertragen, so dass ich am Ende des zweiten Akts emotional völlig erschöpft war.
:down :down :down

Liebe Grüße
Tosca
Ingrid (09.07.2011, 16:14):
Liebe Severina,

wie schade, dass Du so schlecht sehen und hören konntest, aber auch die Übertragung direkt auf den Josefsplatz war wohl ebenfalls nicht optimal, denn total rotstichig. Ich bekam das ein wenig in der Pause mit, als Gottschalk JK interviewte. Dachte aber, das lag evtl. an der sehr schrägen Sicht auf die Leinwand, aber es sollte immer so gewesen sein. So schlecht wie noch nie. Leider setzte auch noch der Starkregen ausgerechnet bei Gott, welch Dunkel hier ein und vielleicht kamen deshalb die Übertragungsaussetzer. Mein Mann hat aufgenommen, aber ich habe noch nichts davon angeschaut.

Ich hatte großes Glück, dass nach der Pause zwei Stehplätze neben mir frei blieben und so konnte ich das Drama auf der Bühne gut mitbekommen. Der erste Akt rauscht sowieso immer ziemlich an mir vorbei, obwohl an den sängerischen Leistungen bestimmt nichts auszusetzen ist und ich ja bes. Anja Kampe sehr mag, aber da ist mir zu viel Rumgerenne und doch etwas unverständliche, wohl dem Effekt geschuldete Gewalttätigkeiten und Selbstverstümmelungen (Don Pizarro).

Das Labyrinth auf der Bühne und seine Lichteffekte sind allerdings wirklich manchmal sehr beeindruckend und mir gefällt auch der Umbau nach der Pause, obwohl es da in der vorletzten Vorstellung wohl wieder großen Aufstand gab und sogar "Goooott" in dem Tumult fast untergegangen sein soll. Schön blöd, denn gerade von dieser Arie darf man doch wirklich keine Sekunde versäumen. Jonas spielt auch so unglaublich überzeugend diese gequälte Kreatur, dass man Bieitos Lesart tatsächlich ziemlich gut akzeptieren kann, selbst wenn ich persönlich manches doch nicht verstehe. Lt. Frau Kampe (eine Freundin sprach mit ihr am Bühnenausgang) soll Florestan tatsächlich von Don Fernando erschossen worden sein, aber in ihrer Liebe lebt er dann halt wieder. Das Labyrinth soll ja auch kein wirkliches Gefängnis sein, sondern das, was sich in manchen Köpfen abspielt o.s.ä.

Meist kann Jonas Kaufmann beim Schlussapplaus wieder ziemlich schnell umschalten und ihn genießen, aber gestern blieb er total ernst. Ob der besondere Trubel an diesem Abend evtl. sogar ihn belastete?

Liebe Grüße
Ingrid
Severina (09.07.2011, 17:10):
Liebe Ingrid,

danke, Du hast meinen Ärger, nicht doch auf den Rathausplatz gefahren zu sein, etwas gedämpft, denn eine rotstichige Übertragung hätte ich nun auch nicht gebraucht. Leider war ich als technischer Trottel natürlich nicht in der Lage, den Livestream irgendwie auf CD zu bannen, ich war schon froh, dass ich überhaupt die Einstellung hinkriegte.
Dabei müsste man gerade diese Inszenierung ganz in Ruhe in paarmal anschauen können, denn alles war mir gestern beim Erstkontakt auch nicht schlüssig. Dass Florestan erschossen und dann quasi durch Leonores Liebe wieder lebendig wird, habe ich schon verstanden, aber überzeugt hat mich dieser Schluss nicht.
Von Anja Kampe habe ich übrigens am meisten gehört, sie hat mich aber vor allem schauspielerisch sehr beindruckt, weil sich alles, was in ihrem Inneren vor sich ging, deutlich in ihrer Mimik spiegelte.

lg Severina :hello
Ingrid (11.07.2011, 21:46):
Liebe Severina,

habe jetzt einige Teile der Übertragung angeschaut und wurde, zum größten Teil, angenehm überrascht, denn von Rotstich keine Spur. Von einer DVD-Qualität kann man allerdings nur träumen. Ist alles ziemlich verwaschen. Habe es aber trotzdem sehr genossen, die Protagonisten so nah zu sehen und eben auch ihre Gefühlsregungen, die man von da ganz oben, noch dazu mit einem ziemlich miesen Glas, nicht erkennen konnte. Stellte dann auch fest, dass Jonas beim Schlussapplaus anfänglich doch lachte.

Die Szenen, in denen er seinen Zwängen und Ängsten freien Lauf ließ oder über die Bühne gezerrt wurde, trotzdem noch singen mußte, erschütterten mich jetzt noch mehr. Mit dem Einspringer der zweiten Vorstellung in der Premierenserie lehnte ich diese ganze Inszenierung ja total ab, aber mit diesem Paar macht doch alles irgendwo Sinn und berührt sehr. Bisher habe ich allerdings keine Vorstellungen mehr angesehen, die später mit anderen Sängern besetzt wurden (Lohengrin, Tosca, ....), denn meist funktionieren sie nur mit ihm, bes. wenn die Regie etwas "schwierig" war.

Liebe Grüße
Ingrid
Dulcamara (24.08.2011, 09:38):
Nicht so gute Nachrichten von Jonas Kaufmann. Man hat bei ihm wohl einen Knoten im Brustbereich gefunden und er muss operiert werden. Seine Ankündigung gibt es zum Beispiel hier zu lesen.
Severina (24.08.2011, 11:20):
Danke für diese Info, das ist in der Tat keine gute Nachricht. Aber es erklärt vielleicht Kaufmanns für mich etwas enttäuschenden Auftritt beim Waldbühnenkonzert - ich fand ihn ein wenig ausgelaugt, teilweise ungewohnt angestrengt klingend, schob es aber auf allgemeine Überlastung wegen seines dichten Terminkalenders.
Aber bei einem Knoten in der Brust muss man forcierte Spitzentöne wohl anders beurteilen.
Auf jeden Fall alles Gute für Jonas Kaufmann, hoffentlich stellt sich alles als harmlos heraus und er kann bald wieder in alter Klasse auf die Bühne zurückkehren.

lg Severina :hello
Flosshilde (24.08.2011, 16:36):
Hallo Severina,

normalerweise lese ich lieber stumm mit, aber in diesem Fall ist meine Wahrnehmung so völlig anders, dass ich mich doch einmal melde.

Ich habe Jonas Kaufmann diesen Sommer mehrfach live gehört und kann versichern, bis auf Unterschiede in der Tagesform, ist er stimmlich in Höchstform und klingt für meine Ohren zurzeit so gut wie noch nie.
Ich habe auch beim Waldbühnenkonzert nicht im geringsten forcierte Spitzentöne hören können, war allerdings nicht live vor Ort. Vielleicht hat er hier dem Anlass entsprechend ein wenig geprotzt und gepowert (er musste ja auch gegen Anna anbrüllen ;-) aber ich bin ganz sicher, an stimmliche Grenzen musste er nicht gehen.

Liebe Grüße
Flosshilde
Severina (24.08.2011, 16:48):
Liebe Flosshilde,

schade, dass Du Dich nicht öfter meldest, noch dazu, wo Du so oft live bei JK-Vorstellungen dabei bist und lebendige und authentische "Tatortberichte" liefern könntest. Ich habe ihn leider seit unserer Wertherserie nicht mehr live gehört, dafür aber öfter auf Konserven und war auch immer begeistert. (Besonders von der Londoner "Adriana")
Nur das Waldbühnenkonzert habe ich tatsächlich anders als Du wahrgenommen, und nicht nur ich. Ich kenne auch andere JK-Fans, die ebenfalls leicht enttäuscht waren. Aber wenn er tatsächlich einen Knoten in der Brust hat, der ihn z.B. beim Atemholen behindert (Weißt Du da Näheres??), wäre das für mich natürlich die perfekte Erklärung für die Passagen, die in meinen Ohren angestrengt geklungen haben.

lg Severina :hello
Dulcamara (24.08.2011, 17:27):
Liebe Severina, hier bin ich auch eher bei Floßhilde, ich habe kein Forcieren bei J.K. gemerkt, weder bei der Aufzeichnung aus Berlin noch live vor Ort auf dem Königsplatz in München. Ich weiß, dass Du Youtube-Schnipsel hasst. Aber das ganze Konzert ist dort ja verfügbar. Kannst Du mal ein paar Beispielstellen nennen? Da würde ich gerne noch einmal genauer hinhören.
Tosca (24.08.2011, 17:31):
Original von Flosshilde

Ich habe Jonas Kaufmann diesen Sommer mehrfach live gehört und kann versichern, bis auf Unterschiede in der Tagesform, ist er stimmlich in Höchstform und klingt für meine Ohren zurzeit so gut wie noch nie.


Deiner Meinung kann ich mich nur anschließen. Ich konnte auch absolut kein Forcieren feststellen und seine Stimme wird immer besser.

Liebe Grüße
Tosca
Severina (24.08.2011, 17:48):
OK, OK - ich geb mich der dreifachen Übermacht geschlagen :engel und brauch wohl einen neuen Fernseher! Und bin außerdem auch gar nicht unglücklich, wenn mich meine Ohren getrogen haben, denn ich bin ja bekennender Kaufmannfan, sonst hätte ich wohl diesen Thread nicht gestartet. (Allerdings bin ich nicht von der Sorte Fan, die ihre Lieblinge IMMER und ÜBERALL toll finden - was wiegt's, das hat's!)

Dulcamara, Deiner Bitte komme ich gerne nach, aber bitte nicht jetzt, denn in meiner Wohnung hat's aktuell um die 30°, ich liege mit einem nassen Handtuch auf dem Kopf auf der Couch und nähere mich meinem PC nur zu kurzen Statements.

lg Severina :hello
Flosshilde (25.08.2011, 00:13):
Hallo Severina, hallo Forianer,

zunächst einmal: Ich weiß nicht mehr über Jonas Krankengeschichte, als er selber auf der Japanischen Seite schreibt:
„http://blog.fujitv.co.jp/bologna/E20110823001.html“

Trotzdem bin ich sicher, dass es ihn bisher nicht am Singen gehindert hat.
Alles weitere wäre aber zz reine Spekulation.

Was das Waldbühnenkonzert betrifft, halte ich den Rahmen - auch wegen der Mikrofonverstärkung - nicht so Recht geeignet, um über die stimmliche Verfassung eines Sängers wirklich urteilen zu können.
Andererseits, wer kann das schon, leider oft nicht einmal die Sänger selber.

Ich weiß aus persönlicher Erfahrung, dass es massiv an der eigenen Verfassung und den äußeren Umständen liegt, wie man jemanden und etwas wahrnimmt.
Da spielt die Optik eine Rolle, der Sitzplatz, die Stimmung im Saal selber, die eigenen Erwartungen, die Akustik, alles kann einen beeinflussen.
Mir ist es persönlich schon passiert, dass ich aus einer Veranstaltung kam und sicher war, dass der Sänger einen miesen Tag erwischt hat. Wenn ich dann Gelegenheit hatte, mir die Aufnahme noch einmal anzuhören, musste ich manchmal meine Meinung revidieren, auch in die andere Richtung.
Meistens hält meine Begeisterung oder mein Missfallen allerdings auch beim Nachhören noch an, aber eben nicht immer.

Ich wollte hier eigentlich zu dem Wiener Werther etwas schreiben, allerdings konnte ich da in den allgemeinen Jubel nicht einfallen und das hat mich dann abgehalten, wollte ich doch niemandem die Stimmung verderben.

Nach deiner berechtigten „Schelte“ Severina, gehe ich aber noch einmal in mich.
Ich hatte tatsächlich das Glück, viele interessante Aufführungen mit Jonas live erleben zu dürfen (auch die Adriana) :down
Falls es noch interessiert, kann ich mich auch zum Wiener Werther äußern, selbst wenn es schon eine Weile her ist.

Liebe Grüße
Flosshilde
Severina (25.08.2011, 00:36):
Liebe Flosshilde,
natürlich interessiert mich Deine Meinung zum Wiener "Werther"! Im Übrigen hat es mir noch nie die Stimmung verdorben, wenn jemand einen Sänger/eine Vorstellung anders beurteilt als ich, weil das doch alles höchst subjektiv ist. Ich gehöre auch nicht zu den Fanatikern, die das Postulat aufstellen, alle Welt muss meine Favorits lieben. Im Gegenteil, ich kann problemlos damit leben, wenn mir jemand sagt: "Ich versteh nicht, was Du an der/dem findest." Mich interessiert dann nur, warum mein "Liebling" bei anderen überhaupt nicht punkten kann, ohne aber irgendwie missionarisch tätig zu werden.

Also, liebe Flosshilde, nur keine Skrupel, was den Wiener "Werther" betrifft, ich halt's schon aus, wenn Du mir sagst, dass ich auf den Ohren gesessen bin. Wobei meine Begeisterung natürlich in erster Linie auf dem für mich eklatanten Unterschied zwischen der drögen Pariser Stehpartie und der in meinen Augen wesentlich spannenderen Wiener Version beruht hat. (Hast Du meine Gegenüberstellung der beiden Inszenierungen gelesen?) das sollten wir dann aber wirklich im WSO- oder Wertherthread diskutieren.

lg Severina :hello

PS: Um die "Adriana" beneide ich Dich glühend!
Heike (25.08.2011, 09:41):
Hier noch ein Nachtrag zum Waldbühnenkonzert (hatte ich im Berlin-Theread schon mal verlinkt, passt aber hier):
http://www.kulturradio.de/rezensionen/buehne/2011/waldbuehne_berlin0.html
Der von mir sehr geschätzte Kulturradio-Kritiker Andreas Göbel schreibt u.a. über JK:

"Der Tenor überzeugte
.... Jonas Kaufmann war ebenso in herausragender Form: unglaublich kontrolliert, mit Strahlkraft in den Spitzentönen. Daneben zeigte er aber auch Wärme und Tiefe und schaffte mühelos den Spagat bei den Liedern mit Schnulzengefahr wie Du bist die Welt für mich von Richard Tauber oder Freunde, das Leben ist lebenswert von Franz Lehár. Das hatte alles Schmelz, wurde aber nie kitschig, und das können heute nur noch wenige Tenöre so überzeugend."

Heike
Ingrid (25.08.2011, 11:42):
Da ich solche Großveranstaltungen überhaupt nicht mag, nicht mal im Traum dran dachte, mir für München eine Karte zu besorgen, trotz dieser Besetzung, sprang der Funke bei mir tatsächlich auch bei der Übertragung nicht über.

Schätze mal, das lag wirklich an meiner negativen Einstellung. Ich las dann einige Kritiken und hörte mir Tage später alles noch einmal an und plötzlich berührte mich dieser Fleckerlteppich stellenweise sogar sehr (bes. im 2. Teil) und ich hörte nichts mehr von Forcieren usw..

Hoffe sehr, dass der Knoten in der Brust noch nicht so groß ist, dass er Jonas beim Singen irgendwie gestört hat, denn das wäre sicher kein gutes Zeichen, aber denken wir einfach positiv und wünschen ihm viel Glück, dass alles gut verläuft.

LG Ingrid

PS. Ach ja, manche lassen auch kein gutes Haar an seinem Liederabend in München und seinem Begleiter. Meinen dann, ich wäre einfach voreingenommen und nicht mehr neutral in meiner Bewertung. Liebe Flosshilde, vielleicht warst auch Du dort und kannst uns Deine Meinung verraten?
Severina (25.08.2011, 12:38):
Liebe Ingrid,

damit sprichst Du mir aus der Seele, ich kann diesen "Events" auch so gar nichts abgewinnen, und obwohl unsere Stadthalle, wo das Trio vor Berlin gastiert hat, nur 10 Gehminuten von mir entfernt ist, stand für mich von Anfang an fest: "Ohne mich!"
Kann schon sein, dass meine von vornherein negative Einstellung zu diesem Konzert meine Wahrnehmung beeinflusst hat - unter diesem Aspekt habe ich es noch gar nicht betrachtet. Obwohl ich die Netrebko sehr gut fand - ich liebe einfach ihre nach der Schwangerschaft so "süffige" Stimme. Von Schrott werde ich wohl nie ein Fan werden.
Aber ich bekomme jetzt von einer Freundin einen Mitschnitt und werde meinen Eindruck überprüfen. (Die von Dulcamara empfohlenen Youtube-Clips sind wegen meiner unzulänglichen Lautsprecher leider nicht sehr aussagekräftig.)

Liebe Heike,
wenn ich Zeitungskritiken lese, frage ich mich oft, ob die Herrschaften wirklich in der gleichen Vorstellung wie ich gewesen sind. Lobbyisten gibt's leider nicht nur in der Wirtschaft, konkreter will ich hier in aller Öffentlichkeit nicht werden.
Als ich z.B. den Salzburger "Macbeth" im Radio hörte, gruselte es mich beim Macduff - ich kann mich nicht erinnern, in den letzten 15 Jahren einen schlechteren gehört zu haben. Da sein Soloapplaus sehr verhalten ausfiel (Und es nach "O Patria opressa" nur ein paar zögerliche KLatscher gab, die rasch verstummten), dürfte es live nicht besser geklungen haben. Bei den Kritiken konnte ich dann nur verwundert den Kopf schütteln, denn die reichten von euphorisch bis wohlwollend. Aber klar, bei den Salzburger Festspielen darf es keine schlechten Leistungen geben, wie will man sonst die Kartenpreise rechtfertigen????

lg Sevi :hello
Heike (25.08.2011, 12:57):
Liebe Sevi,
ich vertraue Zeitungskritiken auch nicht, aber dieser (Radio)-Kritiker macht seine Sache schon seit Jahren so gut, dass ich ihm a) gern zuhöre (bzw. später online nachlese) und b) war ich schon sehr sehr oft seiner Meinung - was Konzerte anging, die ich ebenso wie er besucht hatte.

Im übrigen ist diese Kritik (wie man nachlesen kann) voll von Kritik an diesem Event als solchem.
Heike
Severina (25.08.2011, 13:19):
Liebe Heike,

danke, jetzt habe ich den ganzen Artikel gelesen. Charakter und Zweck eines solchen Events werden sehr gut dargestellt. Was die Programmzusammenstellung betrifft, so bedient sie tatsächlich nicht nur den Mainstream, insofern also ein Pluspunkt. Überrascht bin ich, dass hier Erwin Schrott nicht so gut weg kommt wie in den mir bekannten Rezensionen, das spricht ebenfalls für den Kritiker.
Und was Jonas Kaufmann betrifft, so werde ich noch einmal genau hinhören!

lg Sevi :hello
Flosshilde (25.08.2011, 13:23):
Hallo allerseits,

Ja ich war auch in München bei Jonas Liederabend, hatte aber einen akustisch sehr ungünstigen Platz. Finde generell die BSO für Liederabende nicht so geeignet.
Bin deshalb vorsichtig mit meiner Bewertung des Abends, zumal ich zuvor unter allerbesten Bedingungen dasselbe Programm in Bamberg hören durfte.
Bamberg war für mich der reinste Genuss von der ersten bis zur letzten Minute, in München hatte ich - und für mein Gefühl auch der Tenor - Anlaufschwierigkeiten.

Was also die Angespanntheit betrifft, die einige Zeitungskritiker bemängeln, dem stimme ich zu, aber ansonsten halte ich mich lieber nicht an die Meinung von Kritikern. Ingrid, wenn es dir gefallen hat, war es ein toller Abend.
Wahrnehmungen sind relativ und „richtig“ und „falsch“ gibt es sowieso nicht. :wink
Jonas Kaufmann hat in München, genau wie ich es von ihm bei Liederabenden kenne und liebe, mit stimmlichen Mitteln ein Übermaß an Ausdruck und Gefühl transportiert, seine Gestik und Mimik sind zwar ein Genuss, bleiben aber verhalten und sind nicht Mittel zum Zweck.
Die Mehrheit des Publikums hat er damit erreicht, der Rest mag einfach seine Art zu singen nicht, einige stehen sich vielleicht auch mit Vorurteilen (Shootingstar, Wagnersänger, technische Probleme, singt mit falscher Stimme....) selbst im Wege. Was den Klavierpart betrifft, kann ich das nicht beurteilen, aber mir ist da nichts negatives aufgefallen.
Schön, wenn die Unzufriedenen nächstes Mal nicht wiederkommen, dann bekomme ich vielleicht eine bessere Karte. :D

Was das Gala-Konzert betrifft, kräuselten sich mir schon beim Gedanken die Fußnägel, aber ich muss zugeben, dass mich das Programm in seiner Ernsthaftigkeit dann teilweise überrascht hat. Die Manon-Szene und auch der Trovatore haben mir riesig Lust auf mehr gemacht, aber dann doch lieber ohne Mikrofon und Verstärker im Opernhaus.

Liebe Grüße
Flosshilde
Severina (25.08.2011, 13:52):
Original von Flosshilde
Hallo allerseits,


Wahrnehmungen sind relativ und „richtig“ und „falsch“ gibt es hier nicht.
Jonas Kaufmann hat in München, genau wie ich es von ihm bei Liederabenden kenne und liebe, mit stimmlichen Mitteln ein Übermaß an Ausdruck und Gefühl transportiert, seine Gestik und Mimik sind zwar ein Genuss, bleiben aber verhalten und sind nicht Mittel zum Zweck.
Die Mehrheit des Publikums hat er damit erreicht, der Rest mag einfach seine Art zu singen nicht, einige stehen sich vielleicht auch mit Vorurteilen (Shootingstar, Wagnersänger, technische Probleme, singt mit falscher Stimme....) selbst im Wege. Was den Klavierpart betrifft, kann ich das nicht beurteilen, aber mir ist da nichts negatives aufgefallen.

Was das Gala-Konzert betrifft, kräuselten sich mir schon beim Gedanken die Fußnägel, aber ich muss zugeben, dass mich das Programm in seiner Ernsthaftigkeit dann teilweise überrascht hat. Die Manon-Szene und auch der Trovatore haben mir riesig Lust auf mehr gemacht, aber dann doch lieber ohne Mikrofon und Verstärker im Opernhaus.

Liebe Grüße
Flosshilde

Liebe Flosshilde,

den ersten Satz sollte sich jeder Opernfan ins Stammbuch schreiben - genau so ist es!!
Meine zweite Hervorhebung betrifft genau das, was auch ich als Kaufmanns Stärke empfinde - die ungeheure Emotionalität in seinem Singen.
Bei Shootingstar muss ich immer lachen - der Mann hat jahrelang in Zürich auf höchstem Niveau gesungen, ohne dass die Opernwelt groß von ihm Notiz genommen hätte. Ich kann mich gut erinnern, dass ich mich nach einem phänomenalen Idomeneo gefragt habe, warum sich nicht sämtlichen Intendanten um diesen großartigen und charismatischen Tenor reißen? Und dann taten plötzlich alle so, als sei über Nacht, so völlig aus dem Nichts, ein neuer Superstar geboren worden.

Ja, eine "Manon" mit Jonas wünsche ich mir auch sehnlichst! In Wien hätte er ja eine Serie singen sollen - mit Anna Netrebko! - leider machten ihm da ein paar gebrochene Rippen einen Strich durch die Rechnung, und die arme Anjuschka musste sich mit der Schlaftablette Giordano herumschlagen.

lg Sevi :hello
Fides (25.08.2011, 14:27):
Hallo Severina...und alle anderen,
wer meine, zugegebenermaßen wenigen, Postings kennt, weiß, das ich kein JK-Fan bin...absolut nicht!
Aber ich respektiere diejenigen, die ihn und sein Singen und Gestalten mögen..und ihn als Künstler und Persönlichkeit sowieso...er ist halt nicht "my cup of tea"!

Zum "Shootingstar" ist zu sagen, dass er sich in den Medien nie so richtig durchsetzten konnte bis, ja bis RV die zweite große Stimmkrise hatte und die nämlichen Medien einen neuen schwarzgelockten "Startenor" zur Vermarktung brauchten...und schwupps war JK plötzlich in allen Magazinen, Talkshows etc.! Daran ließen sich jetzt allerlei Betrachtungen zum Thema "das wahre Talent setzt sich durch" anschließen, aber das lasse ich jetzt.

PS....alles Gute JK und eine baldige und komplette Gesundung!!!!

LG
Fides :hello
Tosca (25.08.2011, 14:40):
Original von Fides
Zum "Shootingstar" ist zu sagen, dass er sich in den Medien nie so richtig durchsetzten konnte bis, ja bis RV die zweite große Stimmkrise hatte und die nämlichen Medien einen neuen schwarzgelockten "Startenor" zur Vermarktung brauchten...und schwupps war JK plötzlich in allen Magazinen, Talkshows etc.! Daran ließen sich jetzt allerlei Betrachtungen zum Thema "das wahre Talent setzt sich durch" anschließen, aber das lasse ich jetzt.


Erstens war er nicht in allen Talkshows, denn im Gegensatz zu Villazon hat er da nur das gemacht, was er auf Drängen seine Plattenfirma machen musste. Er hat sich auch standhaft geweigert, jemals die Couch bei Gottschalk platt zu drücken, währen Villazon ja keine Gelegenheit ausließ, um auf sich aufmerksam zu machen.
Und ehrlich gesagt, ich kann zum Beispiel mit Villazon gar nichts anfangen, da stören mich schon seine Grimassen auf der Bühne. Das hat für mich mit Darstellungskunst nichts mehr zu tun (sorry Severina).

Liebe Grüße
Tosca
Severina (25.08.2011, 14:49):
Liebe Fides,

wie gesagt liegt es mir völlig fern, Dich jetzt zu Kaufmann bekehren zu wollen - wenn einen eine Stimme nicht erreicht, dann erreicht sie einen nicht, das weiß ich aus eigener Erfahrung nur zu gut - aber dass Kaufmann nur als "Villazónerbe" groß geworden ist, stimmt nun nicht, und das sage ich als großer Fan beider Tenöre.
Kaufmanns internationaler Durchbruch erfolgte 2006 mit der "Traviata" an der MET, ab da wurde er plötzlich für andere Opernhäuser und auch für die Medien interessant, bekam den Plattenvertrag mit Decca, und da befand sich Villazón gottlob noch bestens bei Stimme. Kaufmann hat sich später sogar geweigert, Villazóntermine zu übernehmen (Ich weiß z.B. genau, dass ihm die Wiener "Carmen" angeboten wurde, die prestigeträchtigste Produktion der letzten Ära Holender), aber er wollte eben nicht als Villazón-Cover Karriere machen. Kaufmanns Talent hat sich also schon lange vor Villazóns zweiter Stimmkrise durchgesetzt, und wer im übrigen viel mehr davon profitiert hat, und zwar auch völlig zurecht, ist Piotr Beczala. Da er nicht über eine so charismatische Bühnenpersönlichkeit verfügt wie Kaufmann und Villazón, hätte er es vermutlich schwerer gehabt, sich "nur" mit seiner tollen Stimme durchzusetzen, aber gelungen wäre es ihm letztendlich auch, davon bin ich überzeugt.

lg Severina :hello
Severina (25.08.2011, 15:08):
Liebe Tosca,

auch wenn wir dafür im falschen Thread sind: Ist völlig OK, wenn Du Villazón nicht magst, nur bringt es mM nach nicht viel, die unterschiedlichen Persönlichkeiten der beiden Sänger (Noch einmal: Ich "liebe" beide heiß und innig!) gegeneinander aufzurechnen. Villazón ist ein durch und durch extravertierter Typ, der kann sein Temperament einfach nicht zügeln, und Show ist das bei ihm ganz und gar nicht.
Was die berühmte Couch betrifft, so nehmen bei Gott nicht alle Sänger freiwillig darauf Platz, das sind meist von den Plattenfirmen verordnete PR-Termine und es ist ganz, ganz schwer, sich davor zu drücken. Ich habe Freunde im Kulturmanagement, mit denen ich mir da schon wilde Diskussionen geliefert habe zu diesem Thema. Es gibt gewisse Sachzwänge, von denen man als einfacher Fan keine Ahnung hat, und ich hüte mich daher immer (oder fast immer :wink), allzu schnell den Stab über jemanden zu brechen, der scheinbar sein "hehres Künstlertum" verrät. Wobei ich mir durchaus vorstellen kann, dass Villazón die rote Couch Spaß gemacht hat!

lg Sevi :hello
Fides (26.08.2011, 08:00):
Liebe Severina,
ich glaube, da liegt ein Missverständnis vor! Ich wollte JK keinesfalls all' seine Meriten, auch die vor der RV-Stimmkrise erworbenen, absprechen...es geht mir um die Medien und deren Einfluss!!!
Aber er wurde eben erst zu diesem Zeitpunkt "gepusht" oder ließ sich pushen...ich habe ihn alleine in 2 Talkshows gesehen! A Propos Gottschalk...JK wäre für den erst interessant gewesen, wenn er in einem Schmalzfilm o.Ä. aufgetreten wäre...und dass auch er das Medienspiel mitspielt, nun gut...es ist heute leider so!

LG
Fides :hello
Flosshilde (26.08.2011, 08:39):
Liebe Fides

ich gebe dir völlig Recht, dass die Medien, insbesondere die Deutschen, auf Jonas Kaufmann erst relativ spät aufmerksam geworden sind.
Allerdings sollte man da unterscheiden welche Medien, Bildzeitung und Bunte sind für Opernliebhaber sicher nicht relevant :wink
In den Fachzeitschriften wurde JK vorher schon wahrgenommen. Wie Severina schon geschildert hat, singt Jonas Kaufmann seit mindestens 10 Jahren international sehr erfolgreich und ist von allen großen Häusern engagiert worden, ohne Medienrummel.

Aber die plötzlich steigende Aufmerksamkeit hat meiner Meinung nach nichts mit Rolandos Stimmkrise zu tun, sondern schlicht und einfach damit, dass Jonas Kaufmann sich nach längerem Zögern entschlossen hatte, doch einen Plattenvertrag bei einer großen Firma zu unterschreiben.
Dass er dann für die Plattenindustrie nach Rolandos vorübergehendem Ausfall als zunächst einziger hoffnungsvoller Kandidat zum Geldverdienen übrigblieb, dafür kann Jonas nichts. Und inzwischen gibt es ja auch bereits neue Tenöre für Vermarktungszwecke.

Fraglich und auch nach meiner Meinung zu kritisieren bleibt der Medienrummel deshalb natürlich trotzdem.

Liebe Grüße
Flosshilde
Tosca (26.08.2011, 09:04):
Original von Flosshilde

In den Fachzeitschriften wurde JK vorher schon wahrgenommen. Wie Severina schon geschildert hat, singt Jonas Kaufmann seit mindestens 10 Jahren international sehr erfolgreich und ist von allen großen Häusern engagiert worden, ohne Medienrummel.



Genau so ist es. Ich kann mich gut erinnern, dass in der Zeitschrift Opernglas bereits 2002 ein großes Interview mit ihm erschienen ist und ich mir auch schon bewusst die MET-Übertragung der Traviata im Rundfunkt angehört habe (2006), d.h., da kannte ich ihn bereits sehr gut bevor der große Medienrummel überhaupt begonnen hat.

Liebe Grüße
Tosca
Fides (26.08.2011, 09:47):
Da hab' ich ja was losgetreten! ?(
Ich möchte doch nur darauf aufmerksam machen, dass die Medien einen unendlichen Einfluss auf die Wahrnehmung der "Masse" haben. Ich rede nicht von der verschwindenden Minderheit der echten, an der Sache an sich interessierten Opernliebhaber...die kannte JK durchaus.
Mir persönlich wird schon bei dem Wort "Startenor" übel...egal wer so bezeichnet wird!!!
Es gibt unglaublich gute Sänger und Sängerinnen, die NIE wahrgenommen werden...weil sie nicht medienkompatibel sind!!! Zu alt, zu dick, zu wenig charismatisch und ich meine , dass wir zu häufig mitmachen und die künstlerische Qualität zu wenig hinterfragt wird.

LG
Fides :hello
Flosshilde (26.08.2011, 10:27):
Liebe Fides,

Original von Fides
Ich möchte doch nur darauf aufmerksam machen, dass die Medien einen unendlichen Einfluss auf die Wahrnehmung der "Masse" haben.

In diesem Punkt stimme ich Dir mehr als 100% zu, und ich würde sogar soweit gehen und Zeitungskritiker und selbst interessierte Opernliebhaber von dieser „Masse“ nicht ausschließen. :ignore
Inzwischen bestehen die Medien allerdings nicht nur aus Zeitung, Radio und Fernsehen, sondern das Internet bietet eine unendliche Spielwiese. Hier haben wir „interessierten Opernliebhaber“ dann auch unsere Chance, an der öffentlichen Meinung mitzuwirken.

Dass Dir allerdings ein paar Gegenargumente entgegengeflattert sind, lag daran, dass ich Deinen ersten Post etwas falsch verstanden hatte, es hörte sich ein wenig so an, als ob Du dem von uns verehrten Jonas (wir sind hier im Kaufmann-Thread :wink) jegliches Talent absprechen wolltest.

Original von Fides
Daran ließen sich jetzt allerlei Betrachtungen zum Thema "das wahre Talent setzt sich durch" anschließen, aber das lasse ich jetzt.


Liebe Grüße
Flosshilde
Fides (26.08.2011, 10:47):
Liebe Flosshilde,
mit dem Internet als Medium, das sich ebenfalls einmischt hast Du recht...aber auch hier begegnet man oft Menschen, die nicht durch tiefere Kenntnis sondern durch oberflächliche Anbetung ihres Stars auffallen...und es gibt sie unter immer anderen Namen in allen einschlägigen Foren.
Auch da wird heftige Beeinflussung betrieben, oft sogar recht aggressiv, was mich immer wieder ratlos macht.
Ich bin verbalen Scharmützeln wahrhaftig nicht abgeneigt, aber mich stört dier so häufig anzutreffende Fixierung auf die/den Eine/n...und ich kenne Künstler, die das ebenfalls sprachlos macht.

Das soll es jetzt von mir gewesen sein...im Kaufmann-Thread sollte über ihn geredet werden und dazu ist meinerseits alles gesagt!

LG
Fides :hello
Severina (26.08.2011, 13:09):
Original von Flosshilde
Liebe Fides,


Dass Dir allerdings ein paar Gegenargumente entgegengeflattert sind, lag daran, dass ich Deinen ersten Post etwas falsch verstanden hatte, es hörte sich ein wenig so an, als ob Du dem von uns verehrten Jonas (wir sind hier im Kaufmann-Thread :wink) jegliches Talent absprechen wolltest.

Original von Fides
Daran ließen sich jetzt allerlei Betrachtungen zum Thema "das wahre Talent setzt sich durch" anschließen, aber das lasse ich jetzt.

Liebe Grüße
Flosshilde

Genau dieser Satz ist mir auch etwas sauer aufgestoßen und hat meine Gegenreaktion ausgelöst! Was Ihr über die verhängnisvolle Rolle der Medien sagt, kann ich voll und ganz unterschreiben, aber dieses Thema, das mich schon oft genug auf 100 gebracht hat, wäre einen eigenen Thread wert. Ebenso Youtube, das ich nicht so positiv sehe wie viele, ganz im Gegenteil.
Aber auch schon die beinahe menschenverachtende Politik der Labels, denen es nur darum geht, möglichst rasch möglichst viel abzucashen und die es einen Deut schert, was mit denen von ihnen ausgequetschten und daher wertlos gewordenen Zitronen danach passiert, macht mich unendlich wütend. Aber das ist wohl ein gesellschaftliches Phänomen, diese Gier nach immer neuen Sensationen, im Fall der Labels nach immer neuen Superstars.

Und natürlich hat auch Fides recht, wenn Sie sagt, dass es viele Fans gibt, die genau diese Mechanismen bedienen. Die durch ihre völlig unkritische Begeisterung, die schon alleine durch die physische Präsenz ihres Idols ausgelöst wird, in diesem eine "Ich-bin-der-Größte"-Illusion erzeugen, die ihn dann blind und taub für die ersten Anzeichen einer Überforderung machen. Denn wenn Hunderte nach jedem Auftritt kreischen, warum soll er dann selbstkritisch sein? Ich stelle es mir verdammt schwer vor, da nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Ich bemühe mich immer, meine Lieblinge objektiv zu beurteilen und ich habe auch noch nie Bravo geschrien, wenn es nicht meiner ehrlichen Überzeugung entsprochen hätte. (Mit einer einzigen Ausnahme, aber das gehört in einen anderen Thread :wink)

lg Sevi :hello
Flosshilde (26.08.2011, 14:45):
Hallo allerseits,

Original von Fides
....Menschen, die nicht durch tiefere Kenntnis sondern durch oberflächliche Anbetung ihres Stars auffallen...
Auch da wird heftige Beeinflussung betrieben, oft sogar recht aggressiv, was mich immer wieder ratlos macht.

Das ist nicht zuletzt einer der Gründe, warum ich mich generell in Foren bisher nur selten geäußert habe.
Begeisterte Anbeter eines Stars empfinde ich allerdings weniger als aggressiv, sondern eher „peinlich“; für mein Empfinden werden da öfter Privatsphären verletzt und Benimmregeln vergessen, als ich es im öffentlichen Raum für angebracht halte.

Aggressionen kommen auf, wenn verschiedene Seiten sich nicht so stehenlassen können und die Meinung des anderen nicht anerkennen wollen.
Unter diesem Aspekt sind die Aussagen „tiefere Kenntnisse“ und „oberflächliche Anbetung“ etwas schwierig, denn gerade in dem Bereich Musik geht es um mehr, als um wissenschaftlich messbare und genau genormte Werte. Jemanden abzusprechen, dass er ein wunderbares musikalisches Erlebnis hatte, nur weil er „keine Ahnung“ hat, vorher nicht seitenweise Literatur zu der gehörten Oper gelesen hat oder selber gar nicht singen kann, halte ich für problematisch.

Ich stelle hier einmal meine Aussage von einer anderen Stelle gegenüber: Wahrnehmungen sind relativ und es gibt kein „richtig“ und „falsch“.

Original von Severina
Die durch ihre völlig unkritische Begeisterung, die schon alleine durch die physische Präsenz ihres Idols ausgelöst wird, in diesem eine "Ich-bin-der-Größte"-Illusion erzeugen...

Original von Severina
und ich habe auch noch nie Bravo geschrien, wenn es nicht meiner ehrlichen Überzeugung entsprochen hätte.

Natürlich weiß ich, was Du meinst, aber wenn die Fans von ihrem Idol begeistert sind, dann hat er ihnen einen schönen Abend bereitet und all den Jubel verdient? Jedenfalls entspricht ihr Jubel in dem Moment sicher auch ihrer ehrlichen Überzeugung - oder doch nicht?

Genau dieses Problem beschäftigt mich massiv, seitdem ich mit Jonas Kaufmann einem Sänger begegnet bin, der in mir mehr als nur normale Begeisterung auslösen kann. Sicher bemühe ich mich um Objektivität, bin wahrlich nicht unkritisch mit seinen Leistungen, höre mir auch weiterhin andere Sänger an, und trotzdem begeistert mich Jonas Kaufmann immer wieder aufs Neue.
Wo finde ich eine Messlatte für eine neutrale Bewertung und gibt es die überhaupt? Ich kann natürlich auf mein Gehör vertrauen, aber erfahrungsgemäß funktioniert das nicht emotionsfrei.
Ich kann viele verschiedene Kritiken, Blogs und Foren durchlesen, aber erfahrungsgemäß verschieben sich die Aussagen dort mit steigender Popularität ins Positive.

Was Jonas Kaufmann betrifft scheint es zz nur zwei Lager zu geben, die eine Hälfte ist von ihm begeistert, die andere steht ihm sehr kritisch gegenüber.

Da ich zur ersten Gruppe gehöre, vertraue ich zz noch darauf, dass mein Idol selbstkritisch genug bleibt und sich nicht in falsche Sphären jubeln lässt.
Bisher scheint der Sänger mein Vertrauen in ihn zu rechtfertigen. :)

Liebe Grüße
Flosshilde
Severina (26.08.2011, 16:44):
Ich habe meinen Beitrag wieder gelöscht, weil ich fürchte, dass man vielleicht einige Sätze missverstehen könnte. Aber meine Formulierungskunst leidet momentan wohl ebenso unter der Gluthitze in Wien wie mein Denkvermögen. Wenn ich wieder einen kühleren Kopf habe, werde ich den Faden wieder aufnehmen!

lg Sevi :hello
Fides (29.08.2011, 10:11):
Hallo zusammen,
da muss ich mich doch glatt nochmal melden!
@ Flosshilde:
Es gibt keine allgemeingültigen Wahrheiten...in der Kunst schon gar nicht und ich stimme Dir völlig zu, wenn Du sagst, dass "ein wunderbares Erlebnis" eine höchst individuelle Angelegenheit ist, das von Theorie völlig unberührt bleiben darf. Es liegt mir fern, eine Art "Geschmackspolizei" etablieren zu wollen.Aber ich erwarte von den Individuen, dass sie nach und nach ein klein wenig "Kenntnis" erwerben und sich nicht nur dem Rausch hingeben.

Mit "Aggressivität" meinte ich die in einigen Foren verbreitete Unart, nur dem persönlichen Liebling zu huldigen und alle anderen abzuqualifizieren oder sogar, was teilweise geschieht, gewissen Künstkern kriminelle Machenschaften zu unterstellen, welche einzig und allein verantwortlich seien für deren "völlig unverdienten" Erfolg. Das geht bis zu Schmähungen, die den Tatbestand der Verleumdung erfüllen.

Ich gönne jedem den Genuss und die Freude bei einer Vorstellung des eigenen "Stars".
Deiner Bemerkung von wegen "Erziehung" kann ich nur zustimmen...da werden Menschen zu Hyänen...schlimm!!!

LG
Fides :hello
Ulrica (31.08.2011, 16:17):
Original von Flosshilde


Was Jonas Kaufmann betrifft scheint es zz nur zwei Lager zu geben, die eine Hälfte ist von ihm begeistert, die andere steht ihm sehr kritisch gegenüber.



Ich denke, man kann ihn auch differenziert betrachten. Der überdrehte Starrummel ist mir mehr als zuwider, jedoch will ich daraus keinefalls ableiten, dass derjenige nicht gut ist. In diesem Geschäft, die wirklich hochkäratige Opernbesetzung, kann niemand bestehen, der nichts kann. Alle anderen Gehypten, wie etwa die Kragenweite Andrea Bocelli etc. bleibt trotz allem Trallala auf der seichten Schiene hängen.

Sympathie oder Antipathie kann man nur bedingt steuern, jedoch habe ich in einem Forum den Anspruch, diese begrüden zu können. Dass meine anfänglich große Sympathie dem Sänger JK sich eher in die andere Richtung wandelt, hat damit zu tun, dass er unbedingt meint, ins Wagnerfach einsteigen zu müssen, wo er m. E (noch?) nicht hingehört und sein klasse Material aufs Spiel setzt. Da gibt es wirklich sängerisch bessere und das ist mir wichtiger als das angebliche "Schönsein", das früher oder später abblättert.

Ich würde es begrüßen, wenn die künftigen Besetzungsanforderungen an ihn wieder in Richtung Fidelio (mit dem er mir so positiv aufgefallen ist) und diverse italienische Spintorollen ginge und so ein Regulativ entsteht.

Hype und Lobhudelei im falschen Fach verabscheue ich noch mehr, weil es hier offensichtlich wird, dass nicht mehr Begeisterung für echte Qualität, sondern sachfremde Kriterien einsetzen.

LG

Ulrica
Ingrid (31.08.2011, 23:14):
Liebe Ulrica,

wie aus einigen Interviews mit JK zu hören war, liebt er ja gerade die Abwechslung, auch seiner Stimme zuliebe, und möchte sich auf keinen Fall auf Wagner festnageln lassen.

Ich mag ihn auch sehr im französischen Fach, aber es hat mich trotzdem noch nie ein Lohengrin so mitgenommen und berührt wie seiner (der Siegmund nicht ganz so stark) und das liegt bestimmt nicht nur an seiner "Schönheit", obwohl es natürlich angenehm ist, ihn live zu erleben. Vogt ist ja ebenfalls eine sehr ansehnliche Erscheinung auf der Bühne und trotzdem würde ich mir inzwischen für ihn keine Lohengrin-Karte mehr besorgen. Bei Kaufmann habe ich immer das Gefühl, ein ganzes Symphonieorchester liegt in seiner Stimme und bei Vogt und einigen anderen halt nur ein Einzelinstrument.

Wünsche mir natürlich auch sehr, dass er so sorgsam mit seiner Stimme und in der Wahl seiner Rollen umgeht, dass Du ihn irgendwann auch wieder schätzt.

Liebe Grüße
Ingrid
golioni (01.09.2011, 12:21):
Original von Ulrica
Dass meine anfänglich große Sympathie dem Sänger JK sich eher in die andere Richtung wandelt, hat damit zu tun, dass er unbedingt meint, ins Wagnerfach einsteigen zu müssen, wo er m. E (noch?) nicht hingehört und sein klasse Material aufs Spiel setzt.
Ulrica


Liebe Ulrica,

ich habe meine Zweifel ob du da wirklich richtig liegst. Nach dem zu urteilen was JK im Interview 2002 so erzählt,

Opernglas, Juni 2002:


Lohengrin, denke ich, wird bei mir irgendwann kommen. Aber den schiebe ich noch möglichst weit vor mir her. Mir ist sogar bereits Siegfried angeboten worden, zwar erst für 2007 oder so, aber dazu kann ich nur sagen: Was soll das? Das habe ich auch jetzt zu Angeboten für Lohengrin gesagt. Was nützt es mir, wenn ich als jüngster Lohengrin in die Geschichte eingehe, der danach seine Stimme verloren hat? Ich denke schon, dass die Wagnersche Art mir entgegenkommt, dieses rezitativische Singen mag ich sehr gerne.


klingt das nicht danach "dass er unbedingt meint, ins Wagnerfach einsteigen zu müssen", sondern eher, dass er sich zurecht mit Händen und Füßen dagegen gewehrt hat allzu früh zu schwere Partien anzunehmen.

Das ganze Interview kann man hier nachlesen.
Jürgen (01.09.2011, 16:31):
Original von Ulrica
Dass meine anfänglich große Sympathie dem Sänger JK sich eher in die andere Richtung wandelt, hat damit zu tun, dass er unbedingt meint, ins Wagnerfach einsteigen zu müssen, wo er m. E (noch?) nicht hingehört und sein klasse Material aufs Spiel setzt.


Das noch, auch wenn es in Klammern gesetzt ist, würde ich gänzlich streichen. Der Junge ist jetzt 42 Jahre alt, vor 2 Jahren gab er sein Wagnerdebüt. Sollte er besser mit 50 oder 60 anfangen?
Windgassen fing mit 36 an und es hat seiner Stimme nicht geschadet.

Das von golioni angeführte Interview würde ich nicht überbewerten, da es schon fast zehn Jahre her ist. Was damals richtig war, muss heute nicht unbedingt gelten.

Ich habe im Zusammenhang mit dem Waldbühnenkonzert geäussert, dass ich JK bislang noch nicht kannte. Da ich Wagneropern sehr mag, habe ich deswegen heute mal bei Amazon "Jonas Kaufmann Wagner" in der Kategorie CD eingegeben:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/518CMGwSZmL._AA115_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/510i%2B-iHzFL._AA115_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/61vKPl7esGL._AA115_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/51SsbJA7ZlL._AA115_.jpg
Leider ist noch keine Gesamtaufnahme einer Oper dabei.
Ob das Gründe hat?
Ich starte mal ein Schnipselvergleichshören:

Winterstürme Seiffert

Winterstürme Kollo

Winterstürme King


Winterstürme Kaufmann

Es mag sich jeder sein eigenes Urteil bilden.
Ich schweige lieber und zitiere:


Original von Ulrica
Da gibt es wirklich sängerisch bessere

Grüße
Jürgen
Ingrid (01.09.2011, 18:19):
Original von Jürgen
Leider ist noch keine Gesamtaufnahme einer Oper dabei.
Ob das Gründe hat? Grüße
Jürgen

Lieber Jürgen,

bei DVDs hättest Du mehr Treffer (Lohengrin, Carmen, Werther)

Außerdem habe ich Deine Schnipselauswahl angehört und "leider" :wink ist JK immer noch eindeutig meine Nr. 1. Er kommt für mich auch in dieser Arie wieder sehr viel glaubwürdiger rüber als die anderen drei, denn die wollen (meiner Ansicht nach) in erster Linie schön singen.

:hello Ingrid
Tosca (01.09.2011, 18:46):
Original von Jürgen

Der Junge ist jetzt 42 Jahre alt, vor 2 Jahren gab er sein Wagnerdebüt. Sollte er besser mit 50 oder 60 anfangen?
Windgassen fing mit 36 an und es hat seiner Stimme nicht geschadet.



Übrigens gab Jonas Kaufmann sein Wagnerdebüt schon vor mehreren Jahren. Er hat bereits beim Edinburgh-Festival 2006 den Stolzing in einer konzertanten Aufführung gesungen und in Zürich vor einigen Jahren einige Male den Parsifal.

@ Ingrid
Ich stimme Dir zu, vor allem das farbenreiche Timbre von JK ist einzigartig.

Ich besitze seinen Lohengrin und konnte mir kürzlich den Bayreuth-Lohengrin im TV anschauen mit Klaus Florian Vogt, der zwar hochgelobt wurde aber mich miit seiner eindimensionalen grenzenlos langweilte, obwohl er mir als Darsteller durchaus gefiel.
Ich möchte da keinem auf die Füße treten, Stimmen sind nun mal Geschmackssache.

LG Tosca
Ulrica (01.09.2011, 19:06):
Liebe Ingrid,

was man in den Klang einer Stimme hineininterpretieren kann, ist sehr subjektiv. Das tun letztendlich alle Zuhörenden und dies ist völlig legitim.

Ich versuche allerdings, meinen Eindruck von der fachlichen Seite her zu formulieren. das bedeutet keinesfalls, dass ich das Timbre außer Acht lassen würde, aber dies ist in seinem Kern vorgegeben und wer kein schönes, berührendes besitzt, kommt auch nicht weit in einer Karriere.

Allerdings höre ich sehr genau, was die Substanz für ein bestimmtes Opernfach hergibt und liege auch oft mit einer Einschätzung nicht völlig daneben, die schon getroffen wird, wenn ich den Sänger/ die Sängerin auch nur sehe.

Was den Lohengrin betrifft, gehöre ich genau zu den anderen; zu denen, die wegen Vogt eine Karte kaufen würden und nicht wegen Kaufmann. Vogt streicht seine stimmlichen Nuancen in dieser Rolle optimal heraus. Beide, Vogt und Kaufmann haben mit Sicherheit die technische "Instrumentalbildung" der Stimme, landläufig als die "Technik" bezeichnet, in hoher Perfektion drauf wie eben professionelle Instrumentalisten auch, aber während die ganze Erscheinung von Vogt einem regelrecht aufdrängt, dass dies ein Wagnersänger ist, meine ich, dass die Physis von Kaufmann dem derzeit entgegensteht und möcglicherweise dies sich nicht ändern wird.

Der Mann hat schlichtweg in gewissen Bereichen seines Stimmapparats die Kraft nicht und man merkt dies sogar bei der Einstiegsrolle Lohengrin schon. Und, wie Jürgen sagt, es ist in der Tat zweifelhaft, ob dies der Stimme zuzumuten ist, nachdem er das Alter für eine solche Rolle schon erreicht hat.

Vogt hingegen ist ein Bär von einem Kerl, der nichts stemmen oder sonstwas muss und der dadurch fähig ist, die vielen lyrischen Lohengrinstellen mit seiner Kraft so zu stützen, dass man weder eine Anstrengung sieht noch hört.

Es reizt natürlich, mal über sein Fach zu gehen, aber es ist ziemlich vorprogrammiert, dass diejenigen, die in dieses Fach gehören, doch sängerisch überlegen sind oder auch nur länger durchhalten.

Lieber golioni,

wenn ich lesen muss, dass ihm 2002 ein Siegfried angeboten wurde, bekomme ich echt zuviel und es wäre der wirkliche Wahnsinn und Ruin gewesen, das anzunehmen. Das dies aber läuft, weiß ich. Das falsche, vor allem zu dramatische Fach ist einer der relativ wenigen Umstände, die auch eine voll austrainierte Stimme hochgradig gefährden. Das Hintertückische ist, dass dies nicht gleich bemerkt wird. Es ist der Grund für Kurz- und Strohfeuerkarrieren. Die zunächst kleinen Faserrisse, die dem überstrapazierten Stimmband beigebracht wurden, werden im Lauf der Zeit größer und das Instrument spielt nicht mehrmit irgendwann. Junge Sänger merken das oft nicht, stehen alles Mögliche erstmal scheinbar unbeschadet durch und irgendwann ist dann vorzeitig Schluss.

Lieber Jürgen,

ich habe mit dem "noch" auch Zweifel, gerade, weil nun das optimale Alter für die volle Entfaltung einer originär schweren Stimme erreicht wäre. Seine ist sicher groß, denn auch ein Fidelio darf nicht peipsen, aber nicht schwer genug.


Abschließend noch: Ich weiß inzwischen, wie es sich anfühlt, z. B. die Klythämnestra - Partie voll auszusingen. Das das noch was wird auf einer Bühne mit 50, ist jetzt nicht das Thema, denn unter diesen Umständen ist Scheitern inbegriffen. Aber, was körperlich passiert, ist entscheidend, um nachvollziehen zu können, was da passiert. Diese Partie dauert nur 24 min. am Stück, aber als ich die ersten Male durch bin, war ich völlig platt. Allerdings trainiert sich das durchaus hin. Ich mache dafür Kraftsport und soviel ich weiß, ist das bei den Wagnersängen fast unumgänglich, Mann wie Frau.

LG,

Ulrica
Ingrid (01.09.2011, 22:38):
Liebe Ulrica,

danke, dass Du uns an Deinen langjährigen Erfahrungen und Erkenntnissen als Sängerin teilhaben läßt. Sicher stimmt, was Du hier geschrieben hast und ich wünsche mir sehr, dass Jonas wirklich gut auf sich und seine Stimme aufpasst und rechtzeitig die Bremse zieht. Im Moment könnte er ja sicher seinen Terminkalender mehrmals fülllen.

Jetzt hoffe ich erst einmal, dass er den Eingriff in den nächsten Tagen problemlos übersteht und nichts mehr nachkommt.

LG Ingrid
Ingrid (13.09.2011, 14:42):
Original von Ingrid

Jetzt hoffe ich erst einmal, dass er den Eingriff in den nächsten Tagen problemlos übersteht und nichts mehr nachkommt.

LG Ingrid

Ist schon irgendwo eine Information durchgesickert? Ich habe noch nichts gehört oder gelesen. Bleibt mir also zumindest die Hoffnung, dass alles gut gegangen ist.

:hello Ingrid
Ingrid (20.09.2011, 08:59):
Gerade las ich erleichtert auf der inoff. HP von Frau Tung, dass seine Operation gut verlaufen ist und er im nächsten Monat wieder voll durchstarten wird.
So man den Einzug der Festwirte letzten Samstag in München miterlebt hat, hätte man Jonas mit Familie in Tracht sogar auf einem der Wagen entdecken können. Na ja .... Hauptsache, es geht ihm wieder gut :wink

Liebe Grüße
Ingrid
Heike (22.09.2011, 23:24):
Ja, am 7.10. singt er schon in Berlin:

Barenboim-Zyklus: Jonas Kaufmann übernimmt für Thomas Quasthoff
"Einer der weltweit gefragtesten Opern- und Konzertsänger springt dankenswerterweise für Thomas Quasthoff ein, der nach einer hartnäckigen Kehlkopfentzündung alle Auftritte bis zum Jahresende absagen musste. Auf dem Programm stehen unverändert ausgewählte Lieder von Franz Liszt. Bereits gekaufte Tickets behalten ihre Gültigkeit."

meldet heute die Staatsoper http://www.schillertheater-berlin.de/
Heike
Severina (22.09.2011, 23:29):
Original von Heike
Ja, am 7.10. singt er schon in Berlin:

Barenboim-Zyklus: Jonas Kaufmann übernimmt für Thomas Quasthoff
"Einer der weltweit gefragtesten Opern- und Konzertsänger springt dankenswerterweise für Thomas Quasthoff ein, der nach einer hartnäckigen Kehlkopfentzündung alle Auftritte bis zum Jahresende absagen musste. Auf dem Programm stehen unverändert ausgewählte Lieder von Franz Liszt. Bereits gekaufte Tickets behalten ihre Gültigkeit."

meldet heute die Staatsoper http://www.schillertheater-berlin.de/
Heike

Menno, ohne diese OP hätte er das vielleicht auch in Wien getan! Es ist ja zum Heulen: Die einzige Karte, die ich im Vorverkauf für diese WSO-Saison bekommen habe, war das Solistenkonzert mit Quasthoff jetzt am Dienstag, und genau das wurde abgesagt.....

lg Sevi :hello
Tosca (22.09.2011, 23:34):
Liebe Severina,

ohne diese OP wäre er ja noch in Japan.
Auf jeden Fall bin ich froh, dass er alles gut überstanden hat und ich freue mich schon sehr auf das Konzert in Essen am 10.10.

Viele Grüße
Tosca
Tosca (16.10.2011, 01:37):
Am vergangenen Montag durfte ich Jonas Kaufmann in Essen erleben. Es war ein grandioses Konzert, Jonas Kaufmann war in absoluter Bestform. Am besten gefiel mir seine Arie aus Adriana Chenier, eine Rolle, die er ja eventuell in einigen Jahre singen möchte.
Auf dem Programm standen einige Arien aus seiner letzten CD und zwei Wagner Arien (Walküre, Lohengrin). Es gab drei Zugaben, unter anderem auch "Du bist die Welt für mich".
Leider war der Dirigent so erschöpft, dass Jonas Kaufmann seine vierte Zugabe nicht mehr singen durfte.

Viele Grüße
Tosca
Heike (16.10.2011, 01:39):
Leider war der Dirigent so erschöpft, dass Jonas Kaufmann seine vierte Zugabe nicht mehr singen durfte.
Was? sowas hab ich ja noch nie gehört - um wen handelte es sich denn da?
Heike
Severina (16.10.2011, 01:47):
Liebe Tosca,

das sind je erfreuliche Nachrichten, dann hat er seine OP also gut überstanden!
(Dir sind in der Freude zwei Opern durcheinander geraten, denn Du meinst wohl "Andrea Chenier"! :wink )

Ja, das mit der verweigerten Zugabe wüsste ich auch gerne genauer!

lg Sevi :hello
Ingrid (16.10.2011, 08:23):
Hallo,
der Dirigent war Jochen Rieder (sieht doch noch sehr jung aus) und es gibt ein paar Lieder und Arien von Berlin und Essen auf der inoff. Site von Frau Tung zu hören. Lohnt sich! :)

Liebe Grüße
Ingrid
Tosca (16.10.2011, 10:00):
Liebe Severina,

natürlich meinte ich Andrea Chenier :W.

Jonas Kaufmann hatte im Hauptprogramm sieben Arien gesungen immer im Wechsel mit Orchesterstücken, die oft auch etwas länger dauerten. Nach der dritten Zugabe gab es noch einige Diskussionen auf der Bühne und es kam leider nicht mehr zu der vierten Zugabe. Der Dirigent hat sich wohl sehr verausgabt und wirkte erschöpft. Vielleicht war er auch leicht verärgert, dass der Jubel für JK nach jeder Arie viel größer war, als der Beifall für ihn und sein Orchester.

Liebe Grüße
Tosca
Severina (16.10.2011, 12:57):
So etwas habe ich wirklich noch nie erlebt! Dass Orchester und Dirigent bei einem Arienabend die zweite Geige spielen, ist wohl klar, wenn das Kerlchen damit nicht zurecht kommt, muss er sich in Zukunft auf Orchesterkonzerte verlegen.
Vielleicht war's einfach eine Gagenfrage, auf diesem Gebiet gibt's die kuriosesten Sachen. (3 Zugaben ausgemacht, eine vierte kostet extra, so in der Art....)

lg Sevi :hello
Flosshilde (16.10.2011, 20:53):
Liebe Forianer,

ich weiß, dass ich diesem Forum eigentlich noch eine längere Betrachtung über Kaufmanns Werther in Paris und Wien schuldig bin und habe diesbezüglich auch ein bisschen ein schlechtes Gewissen.
Aber meine Zeit lässt zz keine längeren Posts zu.

Nur so viel, Jonas Kaufmann und Jochen Rieder verstehen sich nach meiner Meinung prächtig, meines Wissens haben die beiden sich freiwillig gesucht und gefunden. Ich konnte in Essen keinerlei Verstimmung bei Herrn Rieder feststellen - im Gegenteil, er hat sich ehrlich über den Erfolg gefreut, den JK eingefahren hat.
Ich stimme zu, dass der Dirigent am Ende dieses Abends erschöpfter wirkte, als der Tenor, allerdings warum die beiden nach kurzer Absprache der Meinung waren, das Konzert mit der dritten Zugabe beenden zu wollen - hier kann man nur spekulieren: Vielleicht fanden sie das vierte Stück, sofern es überhaupt vorgesehen war, unpassend zur herrschenden Stimmung, vielleicht gab es anschließend noch einen Termin...?
Liebe Grüße
Flosshilde
Ingrid (18.02.2012, 18:23):
Gestern in Berlin sollen es ja bei seinem Liederabend 8 Zugaben und in Graz nicht viel weniger gewesen sein. Ist wirklich fantastisch, wie Jonas Kaufmann auch in diesem Bereich die Menschenmassen beinahe in Rauschzustände bringen kann. Bei mir war es die schöne Müllerin und deshalb kann ich dies gut nachvollziehen.
War jemand aus dem Forum dabei und kann berichten?

:hello Ingrid
Heike (19.02.2012, 11:17):
Nein, ich war leider in Berlin nicht dabei, ich war sehr skeptisch, ob ein Liederabend in der riesigen Philharmonie funktioniert, das Programm hat mich nicht vom Hocker gerissen (Liszt und Strauss sind nicht meine Lieblingskomponisten, Duparc kenne ich gar nicht) und die Preise waren auch nicht gerade freundlich.

ABER: Mein Lieblingskritiker vom Kuturradio hat eine total begeisterte Rezension geschrieben, so dass ich mich fast schon ärgere, nicht hingegangen zu sein:
http://www.kulturradio.de/rezensionen/buehne/2012/Philharmonie_Berlin__Liederabend_Jonas_Kaufmann.html
Heike
Flosshilde (20.02.2012, 23:26):
Original von Ingrid
War jemand aus dem Forum dabei und kann berichten?

:hello Ingrid

Hallo Forianer,

da ich es wohl nicht schaffe, noch irgendetwas zum Werther in Wien zu schreiben und das Ganze sowieso schon längst überholt ist, versuche ich wenigstens, von Berlin zu berichten.

Die Preise waren unverschämt und ich mag Liederabende in so große Hallen auch überhaupt nicht leiden, wäre ich nicht bereits von Jonas Kaufmanns Gesang „infiziert“, hätte mich nichts gereizt, dafür nach Berlin zu kommen.
Aber diesen Sänger gibt es seit ein paar Jahren nicht mehr in irgendwelchen kleinen Häusern, er füllt mit seinen Liederabenden sogar die MET und hat es auch geschafft, trotz Berlinale, Karneval und horrenden Preisen die Philharmonie relativ zu füllen.

Wenn man einigen Kritikern glauben will, dann liegt es alleine an seinem „Latin Lover Look“ und genau diese Kritiker beschreiben ihn als manieriert, die Stimme als zu markig, sie hören keine Klangfarben und kein Piano und beschreiben seinen Gesang im schlimmsten Fall als seelenlosen Einheitsbrei.

Komischerweise genau das Gegenteil von dem, was ich - und auch viele andere – wahrnehmen, nämlich eine unheimliche Vielfalt der Klangfarben, sehr differenzierte Gestaltung, eine extreme dynamische Bandbreite vom sanftesten Piano bis zum strahlenden Forte; aber für mich besteht Jonas größtes Talent gerade darin, den Stücken ein sehr intensives eigenes Leben einzuhauchen, den Zuhörern auf der emotionalen Ebene mittels seiner Stimme direkt Gefühle übermitteln zu können.
Genau deshalb steht der Saal Kopf - und nicht weil der Mann so gut aussieht, wer sitzt denn stundenlang in der Philharmonie herum und hört Liszt und Mahler, wenn er nicht wirklich begeistert ist, von der Art des Liedvortrages - wenn man den Mann nur anschauen wollte, gäbe es doch andere Möglichkeiten?

Ich finde es schwer, so einen Liederabend in Worte zu fassen, um auch nur annähernd darzustellen, was ich empfunden und wahrgenommen habe, müsste ich seitenlang in Gefühlsäußerungen schwelgen, wofür mir zum einen die Zeit und zum anderen die passenden Worte fehlen. Ich versuche es trotzdem einmal, weil der Abend zu schön war und verdient, mit anderen geteilt zu werden.

Hier erst einmal das vollständige Programm des Abends:

Berlin, Philharmonie, 17 Februar 2012
Jonas Kaufmann (Tenor), Helmut Deutsch (Klavier)

Franz Liszt:

Vergiftet sind meine Lieder
Im Rhein, im schönen Strome
Freudvoll und leidvoll
Es war ein König in Thule
Die Glocken von Marling
Die drei Zigeuner

Gustav Mahler:
Fünf Lieder nach Texten von Friedrich Rückert

Ich atmet einen linden Duft
Liebst du um Schönheit
Blicke mir nicht in die Lieder
Ich bin der Welt abhanden gekommen
Um Mitternacht

Henri Duparc:

L'Invitation au Voyage
Phidylé
Le manoir de Rosamonde
Chanson triste
La vie antérieure

Richard Strauss:

Schlechtes Wetter
Schön sind, doch kalt die Himmelssterne
Befreit
Heimliche Aufforderung
Morgen
Cäcilie

Zugaben:
Strauss: Breit über mein Haupt
Strauss: Ach weh mir unglückhaftem Mann
Strauss: Freundliche Vision
Strauss: Zueignung
Strauss: Wie sollten wir geheim sie halten
Lehar: Das Land des Lächelns, Dein ist mein ganzes Herz
Strauss: Ich trage meine Minne
Lehar: Paganini, Gern hab ich die Frau'n geküsst


Ich habe an dem Abend einen stimmlich sehr gut disponierten Sänger gehört, nach einigen größeren Opernpartien hat er sein großartiges, dunkel timbriertes Material mit den strahlenden Höhen und dem einmalig klingenden Piano jetzt wieder ganz auf den Liedgesang eingestellt, feiner getunt, er klang sehr wenig gaumig, war absolut wortverständlich, zeigte kaum Vokalverfärbungen und klang völlig unangestrengt in allen Lagen.

Soweit das Technische, aber was ist nun das Besondere an seinem Liedgesang, was macht so einen Abend zu einer Sternstunde?

Wie andere Sänger auch, variiert Jonas Kaufmann je nach Tagesform und Publikum seine Darstellung. An dem Abend in Berlin war er eher extrovertiert, hatte zusammen mit seinem Begleiter Helmut Deutsch einen energiegeladenen Unterton, teilweise blitzte regelrecht der Schalk aus ihnen heraus, und dementsprechend arbeitete der Sänger an passenden Stellen viel mit Gestik und Mimik.
So machte er die Liszt-Lieder, die für mich musikalisch interessant, aber vom Schwerpunkt her doch wohl eher im Klavierpart liegen, zu interessanten Anekdoten (König von Thule, Drei Zigeuner) oder direkt zu einem flehenden innigen Gebet (Glocken von Marling).
Jonas ist ein wunderbarer Geschichtenerzähler, mit differenzierter Gestaltung und extremer Wortdeutlichkeit, aber was ihn für mich von anderen Sängern unterscheidet, ist seine Fähigkeit, den Liedern eine neue Bedeutung zu geben, so als hätte ich es vorher noch nie gehört bzw. würde es jetzt erst verstehen. Mehrheitlich schaffen die beiden jedoch Stimmungen, erreichen den Zugang nicht alleine über die Textinterpretation, sondern über einen ganz direkten emotionalen Zugang.
Das geht soweit, dass zum Beispiel das „Befreit“ von Richard Strauss beim Anhören regelrecht in der Seele wehtut und schwer zu ertragen ist.

Mir persönlich gefallen die leisen innigen Passagen immer am Besten, aber darüber hinaus ist es auch das absolute Strömen der Stimme, die wunderbare fließende Ausführung, endlos lange Passagen, unendliches Legato, nicht ein einziges Mal ist ein störendes Luftholen oder der Bruch in einer Passage zu hören und das absolute Auskosten der Dynamik, man muss bei diesen Spitzentönen einfach begeistert sein, beim „Um Mitternacht“ föhnt Jonas einen regelrecht aus dem Sessel.

Normalerweise ist Jonas Kaufmann ein Sänger, der in Konzerten eher still steht und sich auf den Gesang konzentriert, er arbeitet mit Stimme und weniger mit dem Körper.
Auch in Berlin hat er bei den Duparc Liedern relativ ruhig gestanden, bei dieser musikalischen Lautmalerei ließ er Musik und Text für sich sprechen und trotzdem waren sie für mich einer der Höhepunkte des Abends.
Wenn er mit seinem seduktiven Piano absolut zart klingend seine Geliebte Phydilé im Schlaf besingt und sich dann am Ende mit geradezu endlosem Atem in absolute Ekstase steigert, und mit unendlich viel Ausdruck das Lächeln seiner Geliebten beschreibt, man hört direkt, wie verliebt er ihn sie ist!
Ganz anders dann wieder im nächsten Stück „Rosamonde“, wo er Wut und Frust durchklingen lässt und auch von der Stimmfarbe her völlig anders klingt.

So variiert er von Lied zu Lied, darüber hinaus auch von Komponist zu Komponist.
Die Begeisterung im Publikum war bereits im ersten Teil hörbar vorhanden, aber das intelligent aufgebaute Liedprogramm bietet nicht nur Abwechslung, sondern auch so etwas wie eine konstante Steigerung und hat am Ende die Paradestücke des Sängers, die Strauss-Lieder.
Schon im ersten Teil blitze an passenden Stellen Schalk nur so aus ihm heraus, aber hier war er dann so entfesselt, dass das Publikum nach dem ersten Stück spontanen Zwischenapplaus spendete.
„Schlechtes Wetter“, hach was für ein Spaß....er gestikuliert und demonstriert, was er da singt,.....und seine Stimme lächelt und gluckst und leuchtet, einfach unglaublich (wie kann man dem Wort "Eier" nur so viel Ironie geben?)… um dann am Ende einen Spitzenton draufzusetzten, der schon alleine einmalig ist.

So geht es weiter, und im „Morgen“ ging er dann Welt endgültig verloren, so innig und entrückt…, nur um mit der „Cäcilie“ zurückzukommen und dem gesamten Publikum - unterstützt von seinem Klavierpartner - endgültig den Rest zu geben, es hat alle völlig umgehauen.

Natürlich waren danach ein paar Zugaben fällig, darauf sind die beiden auch immer vorbereitet, aber obwohl auch diese wohldosiert sind und versuchen, sogar zwischendurch die Stimmung wieder etwas herunterzudämmen (Freundliche Vision), war der Gesang an dem Abend einfach zu entfesselt und der Klavierpartner in hörbar wunderbarer Form, sodass sich die Stimmung von Zugabe zu Zugabe einfach immer weiter steigerte.

„Zueignung“ und „Dein ist mein ganzes Herz“ sollten sicher weitere möglicher Schlusspunkte sein, aber war der Saal davor schon aus dem Häuschen, standen sie danach total Kopf, es war nicht daran zu denken, das Programm damit zu beenden, wie wahrscheinlich eigentlich beabsichtigt.
„Ich trage meine Minne", das Stück sollte wieder etwas herunterregeln, aber es klappte einfach nicht, wie auch, wenn aus dem Sänger die Begeisterung einfach nur so herausströmte und der Klavierpartner wie entfesselt spielt?

Ich hätte trotzdem damit gerechnet, dass dann Schluss sei, aber der Saal war einfach zu sehr aufgeheizt, am Ende standen ca. 1000 Leute alle um die Bühne versammelt, es war eine einmalige Stimmung.

Wenn Jonas nicht den "Deal" mit uns geschlossen hätte, würden wir heute noch klatschen, denn das, was dann kam, war noch denkwürdiger als der gesamte Abend.

Jonas hielt eine Rede.
"Also meine Damen und Herren, jetzt haben Sie mich wirklich erwischt. Ich hab' nicht damit gerechnet, … so sehr ich natürlich auf Ihren Enthusiasmus gebaut habe, …. das ist jetzt doch ein bisschen mehr, als das, was in meiner Vorstellungskraft…“... :wink
Er habe wirklich nichts mehr vorbereitet und schlug uns deshalb einen Deal vor:
Sein Partner Helmut Deutsch hätte da noch ein paar Noten und er würde jetzt diese Nummer bringen, die er selber noch nicht wirklich könne, weshalb er sich ein bisschen zum Klavier stellen müsse (er hat sich dafür tatsächlich auch noch entschuldigt!) und im Gegenzug bat er uns aufgrund der späten Stunde … er würde sich sehr freuen, wenn danach, ähem .... vielleicht ..."
:rofl ... der Rest ging in Jubel unter, aber wir hatten ihn verstanden.

Und wie er dann da neben Helmut Deutsch stand und mit einer riesen Portion Ironie dieses Stück schnulzte:
„Gern hab ich die Frau'n geküsst“
bis zu dem letzten Triller bei "ja-ha hier"
das war einfach uuuuuuuuuuuuuuunglaublich. :down :down :down :down :down :down

Liebe Grüße
Flosshilde
Tosca (20.02.2012, 23:37):
Liebe Flosshilde,

herzlichen Dank für Deinen ausführlichen Bericht, ich wollte ich hätte dabei sein können.
Bekannte von mir, die dabei waren, haben sich ähnlich enthusiastisch geäußert.

Liebe Grüße
Tosca
Severina (21.02.2012, 00:15):
Liebe Flosshilde,

danke, danke, danke - besser und anschaulicher kann man nicht beschreiben, was die Faszination eines Jonas Kaufmann ausmacht :down :down :down :down! Und ich könnte mich jetzt noch mehr ohrfeigen, dass ich nicht doch in den sauren Apfel gebissen und eine der sündhaft teuren Karten gekauft habe, die es für sein Wienkonzert vorige Woche noch gegeben hätte. (Leider laufen die LAs bei uns immer im Rahmen von ABOs, an Einzelkarten zu kommen ist sehr schwer, weil die Mitglieder der Konzerthausgesellschaft oder des Musikvereins ein Vorverkaufsrecht haben und das normale Fußvolk dann nur mehr die Möglichkeit übers Kartenbüro hat, das natürlich unverschämte Aufschläge verrechnet.)

lg Severina :hello
Heike (21.02.2012, 07:57):
Liebe Flosshilde,
tausend Dank für diesen anschaulichen und in der Begeisterung direkt ansteckenden Bericht - ich ärgere mich wirklich, dass ich nicht hingegangen bin! Ich glaube dir absolut, dass das eine Sternstunde war....
Heike
Ingrid (21.02.2012, 08:29):
Liebe Flosshilde,

habe jetzt sogar Tränen in den Augen, als ich Deinen wunderbaren Bericht las. Als er in München mit diesem Programm startete, schwappte die Begeisterung noch nicht so über (lag vielleicht auch an diesem schrecklichen Hustkonzert in jeder freien Minute), aber wie Du auch schriebst, hat er jetzt alles noch mehr ausgefeilt und "Bewegung" hinein gebracht, was zu Beginn noch nicht so war. Da drückte er "nur" mit der Stimme seine Gefühle aus, was ja im Prinzip schon voll und ganz reicht, um in einer oder vielen anderen Welten zu sein.

Vor dem Konzert in Berlin war er ja bei Gottschalk und da hat mich seine "Zueignung" schon fast umgehauen, obwohl das Drumherum ziemlich schrecklich war. Auch Schrott und Netrebko wurden bei G. verheizt, obwohl Jonas auch in seinen Wortbeiträgen hörenswertes brachte, trotz Klamauk. Z.B. die Geschichte mit dem Eis in italienischen Opern.

Mag so Großveranstaltungen auch überhaupt nicht und habe deshalb keine Karte für die Münchner Philharmonie, aber das war wohl ein Fehler.

PS. Habe gerade geschaut, ob es noch bezahlbare Karten gibt. In der letzten Reihe, ja, aber da muss man dann schon einen Feldstecher dabei haben und ob man dann überhaupt von seinem Gesang etwas mitbekommt? Da bin ich sehr skeptisch. Bei meinem letzten Besuch vor einigen Jahren (es dirigierte Domingo) war ich so entsetzt über die Akustik, dass ich seither einen großen Bogen um die Philharmonie mache. Nach Deinen Zeilen wurde ich jetzt halt doch unsicher, ob man sich so ein Ereignis entgehen lassen darf.

Nochmals herzlichsten Dank, dass Du uns an Deinen Gefühlen und den Ereignissen in Berlin hast teilhaben lassen.
Liebe Grüße
Ingrid
Flosshilde (21.02.2012, 11:07):
Hallo Forianer,

ich hatte schon befürchtet, dass meine Schilderung mir nur weiterere Konkurrenten um Karten einbringen würden :wink
Aber der Abend war so schön, dass ich froh bin, ihn mit euch ein bisschen teilen zu können, lese ich doch ebenfalls mit großer Begeisterung die Berichte hier.

Ich muss gestehen, dass ich in Berlin einen einmaligen guten Platz hatte, denn nur deshalb habe ich mir das teure Ticket gegönnt, bot es doch freie Sitzplatzwahl und ich wusste genau, wo man in der Philharmonie am Besten sitzt, um auch einen Liederabend genießen zu können.
Ich habe dieses Liedprogramm in Berlin bereits das dritte mal gehört und auch mir hat es in München am wenigsten gefallen. Unabhängig von der Form des Sängers, glaube ich inzwischen, dass die Akustik in der BSO einfach zu unausgewogen ist, und nur an wenigen Plätzen wirklich den vollen Genuss eines Liederabends erlaubt. Ich habe dort je nach Sitzplatz auch in Opernaufführungen immer sehr unterschiedliche Eindrücke.
Was den Gasteig in München betrifft, habe ich bisher nur schaurige Geschichten über die Akustik gehört und versuche erst gar nicht, es mir anzutun. Dasselbe Programm gibt es schließlich auch woanders und da ich sowieso anreisen muss ...

Bei allem Enthusiasmus liegt es natürlich immer auch an der eigenen Stimmung, wie man einem Abend empfindet, allerdings kann allgemeine Massenhysterie sehr wohl ansteckend sein. :D
Ein bisschen Fremdschämen ist inzwischen bei Kaufmanns Konzerten aber angesagt, es gibt immer mehr von dieser Sorte Fans, die sich persönlich in den Mittelpunkt stellen und um die Aufmerksamkeit des Sängers buhlen. Sei es, indem sie früh aufstehen, sich sichtbar in Szene stellen und allen hinter ihnen sitzenden die Sicht versperren, indem sie Blümchen, Stofftierchen oder ganze Geschenktüten überreichen - natürlich auf offener Bühne und natürlich nur dem Sänger, so als ob das Klavier ein völlig überflüssiger Teil des Liederabends wäre. X( X( X(
Oder diese elendige Unsitte konstant mit einem digitalen Fotoapparat herumzuwedeln, möglichst noch mit einem, bei dem der Tastenton nicht ausgeschaltet ist, vom leuchtenden Display einmal ganz abgesehen. X(
Dazu dann die großen Säle, die es schwer machen, eine wirklich intime Atmosphäre zwischen Musiker und Publikum aufzubauen.

In diesem Punkt kann ich sogar die Kritiker in Deutschland in bisschen verstehen, die das Phänomen Jonas Kaufmann zum Teil noch mit einem sehr missbilligenden Auge sehen.
Extreme Liederabendpuristen wird er wohl nicht unbedingt überzeugen können, aber wer einmal erlebt hat, wie Jonas Kaufmann es trotz all der widrigen Umstände schafft, ein liedunerfahrenes Publikum von einer hustenden, röchelnden, zwischenklatschenden Masse im Laufe einer Stunde in ein stilles, hingerissen lauschendes Publikum zu verwandeln, der ist bereit, all dies auszublenden.
:down :down :down :down :down :down

Liebe Grüße
Flosshilde
Severina (21.02.2012, 11:10):
Ein kleiner Trost: Radio Ö1 bringt am Sonntag eine Aufzeichnung des Konzerts aus dem Wiener Musikverein. Zwar ist live natürlich live - die Begeisterung vor Ort kann keine Konserve vermitteln - aber immer noch besser als gar nichts!
Die Stimmung muss übrigens in Graz besser gewesen sein als in Wien Dort erklatschten sich die Zuseher 8 Zugaben, in Wien "nur" 6! Ich finde ja schon alleine diese vielen Zugaben phänomenal - damit bestreiten andere ein ganzes Konzert......

lg :helloSeverina
Flosshilde (21.02.2012, 11:34):
Hallo Severina,

Protest :wink
8 Zugaben waren es in Berlin, in Graz waren es 6, in Wien 5,
in Paris gestern waren es wieder 6.

Aber natürlich kommt es darauf nicht an, ich habe auch schon wunderbare Abende mit ganz wenigen Zugaben erlebt. Manchmal ist die Stimmung insgesamt etwas melancholischer und da passt dann einfach kein anschließender "Rummel" dazu.
Was Jonas Kaufmann betrifft, habe ich zum Beispiel eine ganz traumhafte Erinnerung an die "Mondnacht" in München, am liebsten wäre ich danach still und stumm aus dem Saal gegangen, jeglicher Applaus war irgendwie "störend".

Beides ist wunderbar, ein emotional aufgeladener Abend, an dem die Energie nur so übersprüht, aber auch die ganz intime Atmosphäre, wo man nicht einmal wagt zu atmen, weil der Sänger so sanft und entrückt scheint.
Jonas Kaufmann bietet beides, auch einer der Gründe, warum ich seine Liederabende so sehr mag.

Liebe Grüße
Flosshilde
Ingrid (30.05.2012, 00:31):
Original von Flosshilde
Jonas Kaufmann bietet beides, auch einer der Gründe, warum ich seine Liederabende so sehr mag.

Liebe Grüße
Flosshilde

Auf seine Winterreise freue ich mich ja auch schon sehr, aber wird er sie tatsächlich singen können? Die Absagen schlagen bereits immer dichter bei diesem Termin Mitte Juli ein. Wichtig ist aber tatsächlich doch nur, dass er sich von dieser, offensichtlich schlimmeren Virusgeschichte wieder voll und ganz erholt. Vernünftig wäre es dann sicher zusätzlich, die ausgefallenen Vorstellungen nicht alle wieder in die nächsten Monate zu stopfen, die ja sowieso schon reichlich bestückt sind, selbst wenn es viele Fans glücklich machen würde..... aber wie lange.

Gute Besserung wünscht
Ingrid
Severina (30.05.2012, 01:35):
Weißt Du denn Konkreteres, was hinter den Absagen steckt? Für eine gewöhnliche Kehlkopfentzündung dauert mir die Sache schon ein bisschen zu lange....
Dass er die beiden Galavorstellungen in Zürich abgesagt hat, gibt mir nämlich zu denken, denn das wäre quasi sein Abschiedsgeschenk für Perera gewesen, dem er viel zu verdanken hat. Es muss ihm also wirklich nicht gut gehen.... :I

lg Severina :hello
Ingrid (30.05.2012, 08:51):
Liebe Severina,

meine, auf seiner Homepage von einer verschleppten Virusinfektion gelesen zu haben, als er über seinen Auftritt bei dem Finale der Champions League schrieb. Diese genauere Angabe wurde inzwischen wohl wieder gelöscht. Mehr weiß ich leider auch nicht.

Einige regten sich offensichtlich sehr auf, dass er dort auftrat. Im Stadion hat er aber nur synchron gesungen (ohne Gage), da er nicht wollte, dass ein anderer mit seiner Stimme agiert, was man ja auch verstehen kann. Diese Hymne wurde wohl schon vor seiner Erkrankung aufgenommen. Außerdem ist er halt nun mal ein leidenschaftlicher Fußball- und vor allem Bayern-Fan und deshalb konnte er sich dieses Spektakel eben nicht entgehen lassen. (Ähnlich wie den Einzug auf die Wies'n im letzten Jahr) Seiner Psyche tat es sicher erstmal auch gut, die jubelnden Menschenmassen zu erleben (er hat unglaublich gestrahlt), nur war das Ende dann um so bitterer und die Nachwehen durch liebe Mitmenschen sicher ebenfalls.

Hoffe auch so sehr, dass er bald wieder live in den Opernhäusern zu hören und zu sehen sein wird. Weitere Stadienauftritte mit AN und ES gibt es wohl erstmal nicht. Ob sie überhaupt wieder gesund ist? Das wir ganz schön heftig für die Veranstalter. Ist aber zum Glück nicht unsere Sorge.

Liebe Grüße nach Wien
Ingrid
pavel (31.05.2012, 13:10):
Für alle Kaufmann-Fans:

Auf todoperaweb.com tauchen in den letzten Tagen Unmengen von Mitschnitten mit ihm aus den letzten 15 Jahren auf. (Die meisten davon Audio-Aufnahmen)
Ich denke, da könnte das eine oder andere von Interesse dabei sein.

Liebe Grüße aus Wien
pavel
Tosca (31.05.2012, 14:29):
Der Auftritt von Netrebko und Schrott in Münster findet statt. Anna ist wohl wieder gesund. Jonas Kaufmann wird duch Ramon Vargas ersetzt.

Liebe Grüße
Tosca
Severina (12.06.2012, 11:41):
Laut Manuel Brug (welt-online) leidet Jonas Kaufmann an einem "Pilz auf den Stimmbändern"!! Allmählich mache ich mir Sorgen, denn er sagt rundherum alles ab, auch die "Troyens" in London. Ein Rollendebut wirft man ja nicht aus Jux und Tollerei hin....

Bitte nicht noch ein Tenor, der in die Krise schlittert...... :I
lg Severina :hello
Billy Budd (12.06.2012, 14:19):
Original von Severina
Bitte nicht noch ein Tenor, der in die Krise schlittert...... :I


Naja, wundern würds mich nicht; bei den Rollen, die er singt ...
Aber hoffen wir das beste!
Billy :hello
Severina (12.06.2012, 15:05):
Und welche Rollen wären das, mit denen sich Kaufmann Deiner Meinung nach übernimmt? Er ist nun einmal kein lyrischer Tenor, also was sollte er Deiner Meinung nach singen?
In welchen Partien hast Du ihn eigentlich schon gehört? (Nein, nicht auf irgendwelchen youtube-Schnipseln, sondern live!)

Er hat sicher in den letzten Jahren zu viel gesungen, ein Fehler, den fast jeder Sänger macht, wenn sich plötzlich die ganze Welt um einen reißt, und das scheint sich jetzt leider zu rächen. Aber im falschen Fach sehe ich Kaufmann wirklich nicht.

lg Severina :hello
Billy Budd (12.06.2012, 15:11):
Also live gehört habe ich ihn als Faust (in dieser Vorstellung warst Du auch). Auf Youtube-Schnipseln in allen möglichen Rollen (vom Rodolfo bis zum Siegmund).

Auf seinen Parsifal bin ich aber schon sehr gespannt und diese Rolle - die ja sehr tief liegt - dürfte seiner Stimme sehr gut entgegenkommen.

Aber ich gebe Dir recht, dass er zu viel gesungen hat.

Ein Freund, der ihn 2010 in Bayreuth als Lohengrin gehört hat, schrieb mir damals, wenn er so weitermache, sei er der zweite Villazón.

Billy :hello
golioni (13.06.2012, 14:08):
Original von Billy Budd
Aber ich gebe Dir recht, dass er zu viel gesungen hat.


Hallo Billy,

ich habe mal nachgeforscht:
Jonas Kaufmann hatte, wenn ich mich nicht verzählt habe, vom 23.4.11 bis 23.4.12 67 Auftritte davon 34 mal Oper und 33 mal Konzert+Liederabend. Damit liegt er genau in dem Bereich den er sich selbst laut einer Interviewaussage zumuten kann ohne zu ermüden(60-70). Ich habe jetzt keine Zahlen zum Vergleich, glaube aber mich erinnern zu können auch schon mal was von 70-80 Auftritten im Jahr bei anderen Sängern gelesen zu haben.
Vielleicht weiß ja jemand was konkretes.



Original von Billy Budd
Original von Severina
Bitte nicht noch ein Tenor, der in die Krise schlittert...... :I


Naja, wundern würds mich nicht; bei den Rollen, die er singt ...
Aber hoffen wir das beste!
Billy :hello


da du auf Sevi's Frage :


Original von Severina
Und welche Rollen wären das, mit denen sich Kaufmann Deiner Meinung nach übernimmt?


nicht wirklich geantwortet hast, hier noch mal ganz konkret:

Jonas Kaufmann hat in den 2 Jahren(04/2010 - 04/2012) vor seiner krankheitsbedingten Pause die folgenden Rollen gesungen:

Cavaradossi (Tosca)
Don Jose (Carmen)
Lohengrin
Florestan (Fidelio)
Werther
Siegmund (Walküre)
Rudolfo (La Boheme)
Maurizio (Adriana Lecouvreur)
Faust

Bei welcher Rolle gibt es da ein Probleme, und vor allem warum?
Billy Budd (13.06.2012, 14:20):
Lieber golioni,
was hab ich denn da losgetreten? Ich bin wohl im Unrecht, dass er zu viel gesungen hat, deshalb ziehe ich meine Aussage gerne zurück.
Deine genaue Auflistung der Rollen bzw. Auftritte finde ich übrigens sehr interessant. :down
Billy :hello
Severina (13.06.2012, 15:54):
Lieber Golioni,

ich habe leider in der Vergangenheit öfter erleben müssen, dass Sänger mit ihrer Einschätzung, was sie sich zumuten dürfen und was ihrer Stimme gut tut, bitter falsch gelegen sind..... (Siehe aktuell Villazón und in der Vergangenheit Araiza!) Ein Domingo hingegen hat ich seinen Glanzzeiten 90 Abende und mehr gesungen, aber der hat offensichtlich Stimmbänder aus Stahl :D!

An sich halte ich JK nicht nur für seinen sehr intelligenten, sondern auch geerdeten Menschen, der wissen sollte, was er tut, aber wenn die große Verlockung kommt... Damit meine ich jetzt gar nicht das Geld, sondern einfach die großartigen künstlerischen Möglichkeiten, die sich einem Sänger eröfnen, der endlich karrieremäßig durchstartet (Und JK hat ja lange genug warten müssen, bis er endlich in den internationalen Fokus gerückt ist!)
Die berühmtesten Opernhäuser reißen sich um einen, die interessantesten Regisseure wollen mit einem arbeiten, neue Partien werden einem angeboten, tolle KollegInnen warten - ich stelle es mir wirklich verdammt schwer vor, da vernünftig zu bleiben und nein zu sagen. Wahrscheinlich denkt man nur allzu oft: "Ach, die eine Serie in XY, das geht schon noch!" Ich schätze, ich würde mich nicht viel anders verhalten.

Was Kaufmanns Repertoire betrifft, sind wir uns völlig einig - ich wüsste auch keine Partie, die er besser nicht singen sollte. Gut, wenn er mit Siegmund und Lohengrin auf "großen Wagnertenor" früherer Zeiten machen würde, sähe ich vielleicht eine Gefahr, aber er arbeitet mit seinen stimmlichen Möglichkeiten, und das Ergebnis kann man jetzt mögen oder nicht, aber deshalb Kaufmanns baldiges Ende zu prophezeien, finde ich etwas voreilig.

Trotzdem bin ich Moment etwas in Sorge, denn diese Absageserie dauert mir jetzt schon zu lange - eine normale Kehlkopfentzündung, wie auf seiner homepage einmal angemerkt - müsste doch längst ausgeheilt sein.

lg Sevi :hello
Tosca (13.06.2012, 17:13):
Liebe Severina,

solche Kehlkopfentzündungen können sehr langwierig sein, ich spreche da aus Erfahrung.
Sein letztes Konzert hatte Jonas Kaufmann im April in Baden-Baden gegeben und von einigen Freunden weiß ich, dass seine Stimme makellos war.
Ich denke, dass man sich um den Zustand seiner Stimme keine Sorgen machen muss.

LG Tosca
Severina (13.06.2012, 17:30):
Liebe Tosca,

danke, das höre ich natürlich gerne :D!

lg Severina :hello
Ulrica (16.06.2012, 07:42):
Ich habe auch schon mal gehört, dass vor dem Karrieredurchbruch eine ziemlich lange Durststrecke gelegen sein soll. Wenn es danach klappt, kann ich mir gut vorstellen, dass bei manchen Angeboten die Verlockung sich vor die Vernunft schiebt.

Diese Kehrkopfentzündung dauert in der Tat ziemlich lange. Man bekommt sowas ja durch einen Infekt, der verschleppt wird und sich dann logischerweise auf ein beanspruchtes Organ setzt. Infekt bedeutet Immunschwäche und Verschleppen, dass man die Leistungsfähigkeit überschätzt hat. Ich gehe davon aus, dass auch eine ganz schön ausgeprägte Erschöpfung vorliegt.

Über die Ursachen bei einem Menschen zu spekulieren, dessen Lebensumstanäde man eher nicht umfassend kennt, sondern nur die berufliche Entwicklung aus den Medien, kann nicht wirklich korrekt sein, aber, wie schon x-mal geschrieben: es kann nicht förderlich sein für eine nachhaltig tragfähige Sängerkarriere, wenn man sich mit fachfremden Partien übernimmt und das hat er m. E.

Dire Wagner - Partien gehen einer Meinung nach nicht "ungetraft", und, mit Verlaub, man hat es auch gehört.Stellt euch doch mal stimmlich einen Johan Botha daneben vor.

Da hilft die ganze Schönheit nix.

LG
Ulrica
Karolus Minus (16.06.2012, 08:55):
Original von Ulrica

Dire Wagner - Partien gehen einer Meinung nach nicht "ungetraft", und, mit Verlaub, man hat es auch gehört.Stellt euch doch mal stimmlich einen Johan Botha daneben vor.

Da hilft die ganze Schönheit nix.

LG
Ulrica

Natürlich ist Botha ein anderes Kaliber vom Material her - nur halte ich solche Vergleiche nicht für zielführend. Ein Klaus Florian Vogt etwa singt seit Jahren hauptsächlich Lohengrin, Stolzing, Parsifal und jetzt auch Siegmund. Den kann man vom Grundsatz her als zu lyrisch für solche Partien ansehen, aber er tut sich stimmlich nichts dabei, weil er sie mit seinen Mitteln singt. Und darauf kommt es vor allem an. Zudem ist Kaufmanns Technik eigentlich gut genug, um sich den ein oder anderen Ausflug über Fachgrenzen hinaus zu erlauben, er will ja jetzt nicht permanent Wagner singen (wobei die "Fächer" ohnehin eine Erfindung des 20. Jh. sind, Lilli Lehmann oder Jean de Reszke haben an der Met innerhalb kürzester Frist "querbeet" gesungen - und an kleineren Häusern ist man heute noch viel flexibler).
Andererseits scheint Kaufmannr an sich relativ empfindliche Stimmbänder zu haben, daß er Serien nicht komplett gesungen hat, ist ja häufiger mal vorgekommen. Das kann aber auch eine Frage der Konstitution an sich sein, manche Sänger reagieren z.B. sehr empfindlich auf Wetterwechsel, andere sind da sehr robust.
Daß er den Infekt möglicherweise erstmal verschleppt hat, halte ich durchaus für möglich. Jeder kennt das von einer als zunächst harmlos angesehenen Erkältung; man hat gerade keine Zeit zum auskurieren, wird schon nicht so schlimm sein etc - und dann hat man eine ausgewachsene Grippe und die richtig!! Jedenfalls macht er jetzt anständig Pause, ist also vorsichtig geworden.
Schaun wir hinterher weiter - alles andere ist ohnehin Spekulation...
LG
Karolus Minus
Severina (16.06.2012, 10:31):
Ich verfolge Jonas Kaufmans Karriere seit seinen Anfängen in Zürich, also seit 12 Jahren, und könnte wirklich nicht sagen, dass seine Stimme inzwischen schlechter geworden wäre, ganz im Gegenteil. Natürlich liegt ihm - wie jedem Sänger - die eine Partie mehr, die andere weniger, natürlich hat er auch schwächere Abende. Aber insgesamt ist es meist eine runde Leistung.
Am wenigsten überzeugt er mich mit Verdi, er macht es zwar im Prinzip schon gut, aber irgendetwas fehlt mir immer. Oder sagen wir so: Bei Verdi ist Kaufmann nicht zwingend meine erste Wahl wie im französischen Fach oder bei Puccini.

lg Severina :hello
Ulrica (17.06.2012, 22:20):
Ich stelle keine generellen Vergleiche an, aber für die gleiche Partie, denke ich, kann man das sehr wohl. Zumal auch, wenn beide in den großen Häusern singen.

Es gibt Unterschiede im Stimmtimbre und welches einem besser gefällt, ist dann sicher Geschmackssache. Ob allerdings ein Wagnertenor tatsächlich richtig ist in diesem Fach oder nicht, ist eine ganz andere Sache.

Es stimmt m. E. auch, dass die Fächer oft schon zu sehr zersplittert sind, speziell bei lyricshcen Sopranen (das ist eine Folge ihrer schieren Häufigkeit), aber die Einteilung in leicht (-stimmig) und schwer (nicht zu verwechseln mit den Kategorien schwierig oder anspruchsvoll) ist schlichtweg für einen passenden Einsatz der Stimmfähigkeiten essentiell und eigentlich kaum überhörbar.

Das Gleiche gilt für die Stimmgattung (Lage). Wer in diesen Grobrichtungen zumindest falsch liegt, singt in der Regel nicht allzu lange.

LG :hello
Severina (17.06.2012, 22:54):
Liebe Ulrica,

und wie/wo würdest Du Kaufmann dann einordnen? Ich verstehe leider nicht viel von diesen Dingen, aber ein lyrischer Tenor ist er für mich nicht. Auch wenn er natürlich den Lohengrin wesentlich lyrischer anlegt wie man es gewohnt ist - ganz ähnlich wie Vogt übrigens - aber das ist ja auch ganz im Sinne von Wagner, der sich speziell diese Partie im italienischen Belcantostil gewünscht hat.
Was macht Kaufmann also falsch, bzw. welche Rollen sollte er Deiner Meinung nach singen, die seiner Stimme nicht schaden?

lg Severina :hello
Tosca (18.06.2012, 16:53):
Stellungnahme von der offiziellen Jonas Kaufmann Seite:

Liebe Freunde,
bevor noch wildere Spekulationen und Gerüchte in Umlauf kommen, möchte ich euch heute mitteilen, dass meine Zwangspause so gut wie vorbei ist: Laut ärztlichem Befund bin ich auf dem besten Wege der Besserung, und so werde ich ab Anfang Juli wieder meinen Verpflichtungen nachkommen können.
Ich freue mich bereits auf die Konzerte in Linz und München sowie auf die Proben und Aufführungen bei den Salzburger Festspielen. Dass es heutzutage für viele Menschen alarmierend klingt, wenn ein Sänger nach Erkrankung länger pausiert, hat sicher auch mit unserer schnelllebigen Zeit zu tun. In früheren Opern-Zeiten waren solche Zwangspausen nichts Ungewöhnliches: man hat sich eben für alles mehr Zeit genommen, so auch für die vollständige Genesung. Der Infekt, den ich mir Ende April zugezogen hatte, war derart hartnäckig, dass ich diese Zeit einfach brauchte, um wieder völlig gesund zu werden. Und so sehr es mir leid tut, dass ich mit meinen Absagen viele von Euch enttäuschen musste, so sehr hoffe ich doch darauf, dass Ihr diese längere Auszeit als das anseht, was sie ist, nämlich als Zeichen der Verantwortung gegenüber mir selbst und gegenüber meinem Publikum. Ausdrücklich möchte ich mich bei Euch für all die guten Wünsche und Eure Unterstützung bedanken; Ihr habt mir damit sehr geholfen!
Jonas Kaufmann, 18. Juni 2012


Liebe Grüße
Tosca
Karolus Minus (18.06.2012, 20:38):
Liebe Ulrica,

das ist ja im Grundsatz alles ganz richtig, aber es gibt eben auch Grenzbereiche - und außerdem sollte man nicht vergessen, daß die "Fächer" sich in der heutigen Form erst ab Ende des 19. Jh. herausgebildet haben. Natürlich hat gescheiterweise auch zuvor schon kein wirklich leichter Tenor den ganz schweren Wagner gesungen, aber die Grenzen waren doch sehr viel fließender. So ist z.B. der erste Wiener Lohengrin und Stolzing, Gustav Walther, dort auch der erste Manrico und Maskenball-Riccardo gewesen. Außerdem hat er den Assad in der UA von Goldmarks "Die Königin von Saba" gesungen und seinen Bühnenabschied als Wilhelm Meister in "Mignon" genommen, Kombinationen, die heute so nicht mehr vorkommen, natürlich auch, weil sich ein paar Dinge geändert haben. U.a. sind die Orchester deutlich lauter geworden, die Blechbläser haben erheblich mehr Volumen, und Streicher mit Stahlsaiten haben deutlich mehr Obertöne als solche mit Darmsaiten, man kommt als Sänger also nicht mehr so leicht "drüber".

Speziell der "Wagnertenor" hat ja eine Menge Veränderungen durchgemacht, seitdem da die Spezialisten aufkamen, die hauptsächlich nurmehr Wagner sangen, was natürlich auch damit zusammenhängt, daß die Reisetätigkeit, bei der man mit einer handvoll Partien quer durch die Welt gastierte, immer mehr zunahm. Beim reinen Ensembletheater alter Zeiten wurden die Leute schon aus Praktikabilitätsgründen auch anderweitig eingesetzt, und ich meine, das hat den Stimmen durchaus gut getan. Selbst ein Windgassen hat ja in Stuttgart solange es irgend ging noch Tamino gesungen, weil er das für seine Stimme für gut hielt.
Und gerade Windgassen, der als einer der ganz Wenigen wirklich alle Wagner-Partien etwa zeitgleich gesungen hat, ist eigentlich ein gutes Beispiel dafür, daß man mit einer gut fokussierten Stimme und natürlich Kondition mehr erreichen kann als über reine Stimmgröße und -schwere. Leute wie Hopf oder vorher Melchior und Lorenz waren ihm in dem Punkt haushoch überlegen. Die hatten ihre besten Partien aber auch beim "schweren" Wagner, also Tannhäuser, Siegfried, Tristan, nicht in den lyrischeren. Wobei Hopf lange jahre auch ein guter Stolzing war, weil er sich das singen auf Linie erhalten hatte.
Lohengrin, Stolzing oder Parsifal lassen sich nämlich durchaus mit lyrisch grundierten Stimmen singen, selbst der Siegmund, wie Franz Völker eindrucksvoll bewiesen hat.
Der "Wagnertenor" als solcher zerfällt auch im heutigen Betrieb in zwei Gruppen, zum einen die Herren, die vor allem Siegfried, Tristan und Tannhäuser singen (Stephen Gould etwa) und auf der anderen Seite Leute wie Vogt, Ventris, Kaufmann - und interessanterweise auch Botha, die vor allem die lyrischen Partien singen. Bei Botha ist inzwischen auch der Tannhäuser dabei, ebenso bei Ventris. Aber Botha, der das sicherlich könnte, singt vorerst weder Tristan noch Siegfried, weil er sich offenbar die lyrischen Qualitäten seiner Stimme erhalten und weiterhin die Strauss-Partien oder den Cavaradossi singen will.
Daß Botha gegenüber Kaufmann oder Vogt als Lohengrin ungleich heldischer klingt, bestreite ich ja gar nicht. Aber gerade beim Lohengrin (und auch beim Stolzing) sind die großen Rollenvertreter häufig aus dem italienischen Fach gekommen, siehe etwa Konya, weil die Tessitura entsprechend hoch liegt. Aber auch die deutlich tiefer liegenden Siegmund und Parsifal sind - schon aufgrund der geringen Länge - machbar, so man die Mittellage nicht künstlich verbreitert (und sich damit die Höhe wegsingt) und eben solche Rollen nicht permanent macht und stimmlich flexibel bleibt.
:hello
Karolus Minus
Billy Budd (18.06.2012, 23:18):
Wenn mich nicht alles täuscht, hat Botha den Tannhäuser wieder zurückgelegt.
Billy :hello
Mime (07.08.2012, 19:26):
JK konnte früher mal richtig gut singen, was auf YT nachgewiesen ist.

Sein Barbiere-Conte und sein Alfredo waren Sternstunden des belcanto.
Die Stimme versaut hat er sich erstmals als Florestan in Zürich, die Wagner-Rollen taten dann ihr übriges. Wer lyrische Stimm-Anlagen besitzt, darf diese nicht vergewaltigen.
Fritz Wunderlich war klug genug, den Bayreuth-Verlockungen zu widerstehen.
Doch wer einmal vom Geldteufel heimgesucht worden ist, der kann wohl nicht anders.
Wie sonst wäre noch Kaufmanns Einspielung der schöne Müllerin erklärbar? Mit der Stimme eines Alt-Müllers...
Und die zunehmend häufigen Absagen kommen auch nicht von ungefähr.

Stellungnahmen hierzu gerne erwünscht.
:hello
Karolus Minus (07.08.2012, 19:44):
Original von Mime
JK konnte früher mal richtig gut singen, was auf YT nachgewiesen ist.

Sein Barbiere-Conte und sein Alfredo waren Sternstunden des belcanto.
Die Stimme versaut hat er sich erstmals als Florestan in Zürich, die Wagner-Rollen taten dann ihr übriges. Wer lyrische Stimm-Anlagen besitzt, darf diese nicht vergewaltigen.
Fritz Wunderlich war klug genug, den Bayreuth-Verlockungen zu widerstehen.
Doch wer einmal vom Geldteufel heimgesucht worden ist, der kann wohl nicht anders.
Wie sonst wäre noch Kaufmanns Einspielung der schöne Müllerin erklärbar? Mit der Stimme eines Alt-Müllers...
Und die zunehmend häufigen Absagen kommen auch nicht von ungefähr.

Stellungnahmen hierzu gerne erwünscht.
:hello

Nichts dagegen, wäre aber vielleicht sinnvoll, das dann in den Kaufmann-Thread (so vorhanden, sonst kann man ja einen anlegen) zu verlegen, hat ja mit den Salzburger Aufführungen nur indirekt zu tun.
Lg
Karolus Minus


(Schon erledigt. Billy.)
Billy Budd (07.08.2012, 19:58):
Original von Mime
JK konnte früher mal richtig gut singen, was auf YT nachgewiesen ist.

Stellungnahmen hierzu gerne erwünscht.
Also ich kenne bis jetzt nur eine Aufnahme, wo er mir wirklich gut gefällt und die ist von 1998.
Un aura amorosa
Billy :hello
Hyacinth (07.08.2012, 20:34):
Ich hatte gerade mein Jonas Kaufmann-Erlebnis! Da Flosshilde meinte, man könne sich einhören, wollte ich das einmal ausprobieren. Ich nehme also die erstbeste Youtube-Playlist und bin überrascht. Das soll Jonas Kaufmann sein? Die meisten Aufnahmen, die ich mir angehört habe sind von 2006 bis 2008. Einige Traviatas, ein Rigoletto.. Und mir gefällts! Seine Stimme hat da auch die nötige Italianitá, einen runden, warmen Klang und obwohl er fast wie ein Bariton klingt sind alle hohen Töne tadellos. Gerade höre ich mir eine Aufnahme der Blumenarie (Carmen) von 2008 an, die mir nicht so gefällt. Aber es kann auch sein, dass das an der französischen Sprache liegt. Nicht jedem liegt jede Sprache. Und genaugenommen wird dieser gaumige gegen Ende immer besser. Ich denke jetzt, dass ich mit Jonas Kaufmann leben kann. Er wird nicht mein Lieblingssänger, aber ich freue mich, ihn am Sonntag zu sehen um hoffentlich die neue Meinung, die ich von ihm habe bestätigt zu sehen!

Hyacinth :hello
Karolus Minus (07.08.2012, 20:43):
Original von Karolus Minus
Original von Mime
JK konnte früher mal richtig gut singen, was auf YT nachgewiesen ist.

Sein Barbiere-Conte und sein Alfredo waren Sternstunden des belcanto.
Die Stimme versaut hat er sich erstmals als Florestan in Zürich, die Wagner-Rollen taten dann ihr übriges. Wer lyrische Stimm-Anlagen besitzt, darf diese nicht vergewaltigen.
....
Fritz Wunderlich war klug genug, den Bayreuth-Verlockungen zu widerstehen.

Wie sonst wäre noch Kaufmanns Einspielung der schöne Müllerin erklärbar? Mit der Stimme eines Alt-Müllers...
Und die zunehmend häufigen Absagen kommen auch nicht von ungefähr.

Stellungnahmen hierzu gerne erwünscht.
:hello

Hallo Mime,
natürlich ist Kaufmann erstmal ein lyrischer Tenor gewesen - aber das war selbst ein Jean Cox zu Beginn. Der hat in Braunschweig Don Ottavio gesungen!
Und den Vergleich mit Wunderlich halte ich nicht für zielführend, denn Kaufmann ist jetzt 43, Wunderlich starb mit 36, was der sieben Jahre später gesungen hätte, wissen wir nicht.
Die erste Bayreuther Anfrage von Wieland 1959 für den Lohengrin!! nach einer Orff-Produktion in Stuttgart war ohnehin eine Schnaps-Idee, die späteren für den Stolzing hat Wunderlich als Mitdreissiger sicher zurecht abgelehnt, ob er das 5 Jahre später auch noch getan hätte???
Kaufmann hat den Stolzing übrigens 2006 einmal konzertant in Edinburgh gesungen, die BBC-Übertragung läßt einen Sänger hören, der die Partie mühelos durchsteht, weil er sie mit seinen Mitteln singt und einen Dirigenten hat, der Wagners viele Piano-Vorschriften ernst nimmt.

Ich halte die Vergleiche mit anderen Sängern in Sachen Stimmentwicklung aber auch grundsätzlich für verkehrt, weil jedes Organ sich anders entwickelt. Natürlich kann man Dinge selber forcieren (oder auch durch konsequentes Bleiben bei bestimmten Partien bremsen), aber technisch gutes Singen vergrößert eine Stimme über die Jahre häufig deutlich und läßt sie damit auch schwerer - und somit etwas weniger beweglich - werden. Man wird dann also. mit Bedacht, das Fach wechseln müssen (siehe bei den Baritonen etwa Wolfgang Brendel, der vom Papageno zum Sachs geworden ist).

Daß auch bei Kaufmann nicht alles erste Sahne ist (wie bei jedem Sänger) ist klar, aber wer in einer Serie Adriana Lecouvreur zwischendrin noch eine derartig gute Schöne Müllerin singt, wie Kaufmann das in London getan hat, der weiß eigentlich sehr genau, was er tut (und ist obendrein hochmusikalisch).

Inwieweit er mitunter absagt, weil er zuviel singt, ist eine andere Frage, die 69 Abende innerhalb eines Jahres, über die wegen seiner Erkrankung in einem Zeitungsartikel gemeckert wurden, können es nicht sein, die sind absolut im üblichen Rahmen. Vielleicht will er auch nur singen, wenn er sich wirklich topfit fühlt. Schließlich haben sich auch da die Zeiten geändert. Wenn früher einem Sänger am Teatro Colon das hohe C weggekracht ist, dann hat es das Publikum registriert und die lokale Presse - heute ist es zwei Tage später bei Youtube und es wird über den Niedergang des Künstlers spekuliert...

Lg
Karolus Minus
ar (07.08.2012, 21:03):
Danke, Karolus! Du sprichst mir aus dem Herzen.
ar (07.08.2012, 21:15):
Ich hatte Kaufmann in meiner allerersten Live-Oper: Zauberflöte in Zürich. Er sang Tamino, die Hartelius sang Pamina. Und vom ersten Ton an, gefiel mir dieser baritonale Tenor. Wenn ich mir Aufnahmen von früher zu Gemüte führe, dann höre ich auch schon früher einen dunklen, eher baritonalen Tenor. Aber klar noch nicht so dunkel, wie heute.
Eine Zeitlang konnte ich mir Kaufmann nicht im italienischen Fach vorstellen, mittlerweile denke ich, dass es ihm am besten liegen könnte. Bei Wagner gefällt er mir als Lohengrin sehr, ich freue mich auf den Stolzing in Salzburg. Ob Siegmund wirklich geht, wage ich noch zu bezweifeln. Ich möchte mal einen Loge von ihm hören.

Kaufmann dunkelt tatsächlich in der Mittellage künstlich ab, obwohl die Stimme wirklich dunkel ist. Normalerweise werden die Höhen dann sehr schwer, wenn man die Mittellage nicht aufhellt und schon die Kopfresonanzen mit nutzt. Da Kaufmann aber sehr oft strahlende, tenorale Höhen hat (auch manchmal mit einigen Schluchzern, was mich stört), muss die Stimme in der Anlage schon dunkel sein.
Severina (08.08.2012, 18:41):
Original von Hyacinth
Ich hatte gerade mein Jonas Kaufmann-Erlebnis! Da Flosshilde meinte, man könne sich einhören, wollte ich das einmal ausprobieren. Ich nehme also die erstbeste Youtube-Playlist und bin überrascht. Das soll Jonas Kaufmann sein? Die meisten Aufnahmen, die ich mir angehört habe sind von 2006 bis 2008. Einige Traviatas, ein Rigoletto.. Und mir gefällts! Seine Stimme hat da auch die nötige Italianitá, einen runden, warmen Klang und obwohl er fast wie ein Bariton klingt sind alle hohen Töne tadellos. Gerade höre ich mir eine Aufnahme der Blumenarie (Carmen) von 2008 an, die mir nicht so gefällt. Aber es kann auch sein, dass das an der französischen Sprache liegt. Nicht jedem liegt jede Sprache. Und genaugenommen wird dieser gaumige gegen Ende immer besser. Ich denke jetzt, dass ich mit Jonas Kaufmann leben kann. Er wird nicht mein Lieblingssänger, aber ich freue mich, ihn am Sonntag zu sehen um hoffentlich die neue Meinung, die ich von ihm habe bestätigt zu sehen!

Hyacinth :hello

Liebe Hyacinth,

das finde ich ehrlich toll von Dir, dass Du trotz Deiner früheren Aversion gegen JK Dein Urteil noch einmal überprüft hast und auch die Größe besitzt, Deine frühere Meinung hier öffentlich zu revidieren. (Das ist nämlich nicht selbstverständlich!) Und selbst wenn Du nach Deiner intensiven Beschäftigung mit ihm zu der Schlussfolgerung gelangt wärst, dass Du mit dieser Stimme immer noch nichts anfangen kannst, wäre das völlig OK für mich, denn jedes Missionieren liegt mir absolut fern. Es gibt eine ganze Reihe beliebter Sänger, die mich völlig kalt lassen, ja sogar Aversionen in mir wecken, aber das sind eben meine persönlichen Befindlichkeiten, aus denen ich nicht ableite, dass XY sein Handwerk nicht beherrscht.

Mir ging es nie darum, dass jeder Kaufmann toll findet, sondern dass die Ablehnung sachlich untermauert wird. Denn die hier immer ventilierte Behauptung (nicht von Dir!), Kaufmann verfüge über eine schlechte Technik und sei permanent überfordert, stimmt einfach nicht. Und auch wenn man das Timbre für einen Tenor zu dunkel findet, ist er trotzdem immer noch einer und kein verirrter Bariton :wink.

Aber es freut mich, dass Du nun zu einer doch etwas anderen Einschätzung gelangt bist und in Zukunft nicht mehr leidest, wenn Jonas Kaufmann auf dem Besetzungszettel steht (Es muss ja nicht gleich die große Euphorie sein :D!).

lg Severina :hello
Solitaire (08.08.2012, 21:07):
Da ich mal wieder wenig Zeit habe, nur ganz kurz und auf die Schnelle: ich habe Kaufmann vor ein paar Tagen im Opernkino als Siegmund erlebt (Ring von 2011 in der MET) und war begeistert, und das, obwohl auch ich nicht zu den ganz großen Kaufman-Fans gehöre. Ich kann nicht beurteilen, ob es ein guter Siegmund war oder nicht, da ich mich mit Wagner wirklich nicht gut auskenne, aber gefallen hat er mir sehr,.
Für einen lyrischen Tenor ist mir seine Stimme zu baritonal, aber Siegmund war klasse.
Und daß er aussieht wie er aussieht hat mich jetzt auch nicht wirklich gestört :D
Hyacinth (13.08.2012, 23:15):
Original von Severina
Liebe Hyacinth,

das finde ich ehrlich toll von Dir, dass Du trotz Deiner früheren Aversion gegen JK Dein Urteil noch einmal überprüft hast und auch die Größe besitzt, Deine frühere Meinung hier öffentlich zu revidieren. (Das ist nämlich nicht selbstverständlich!) Und selbst wenn Du nach Deiner intensiven Beschäftigung mit ihm zu der Schlussfolgerung gelangt wärst, dass Du mit dieser Stimme immer noch nichts anfangen kannst, wäre das völlig OK für mich, denn jedes Missionieren liegt mir absolut fern. Es gibt eine ganze Reihe beliebter Sänger, die mich völlig kalt lassen, ja sogar Aversionen in mir wecken, aber das sind eben meine persönlichen Befindlichkeiten, aus denen ich nicht ableite, dass XY sein Handwerk nicht beherrscht.

Mir ging es nie darum, dass jeder Kaufmann toll findet, sondern dass die Ablehnung sachlich untermauert wird. Denn die hier immer ventilierte Behauptung (nicht von Dir!), Kaufmann verfüge über eine schlechte Technik und sei permanent überfordert, stimmt einfach nicht. Und auch wenn man das Timbre für einen Tenor zu dunkel findet, ist er trotzdem immer noch einer und kein verirrter Bariton :wink.

Aber es freut mich, dass Du nun zu einer doch etwas anderen Einschätzung gelangt bist und in Zukunft nicht mehr leidest, wenn Jonas Kaufmann auf dem Besetzungszettel steht (Es muss ja nicht gleich die große Euphorie sein :D!).

lg Severina :hello

Liebe Severina,

wie auch schon andernorts zu lesen war, wurde mein gewonnener Eindruck bestätigt und ich bin von Kaufmanns schauspielerischem und interpretatorischem Talent besonders fasziniert gewesen. Man merkt, dass er sich wahnsinnig viel zu seinen Charakteren überlegt, alle Vorlagen liest, die es gibt und nicht nur aus dem Bauch heraus spielt, was auch toll sein kann, aber für so komplexe Charaktere wie Jose manchmal zu wenig.

Ich bin ein Mensch, der gerne seine Meinung sagt und genau, was er denkt, was ich nachher auch manchmal bereue. Ich hoffe aber, so viel Rückrat zu besitzen, dass ich dann auch dazu stehen kann, wenn etwas falsch oder unberechtigt war. Verbohrt kann ich mit achtzig immer noch sein :wink

Hyacinth :hello
ar (14.08.2012, 11:28):
Ich hoffe aber, so viel Rückrat zu besitzen, dass ich dann auch dazu stehen kann, wenn etwas falsch oder unberechtigt war. Verbohrt kann ich mit achtzig immer noch sein icon_wink

Das entspricht in etwa dem Bild, dass ich von dir bis jetzt gewonnen habe. Darum finde ich deine Beiträge auch immer spannend (zum Beispiel deine Sicht der Zauberflöte aus Salzburg, wo wir ja nicht immer einer Meinung sind).
Severina (17.08.2012, 00:05):
Hurra, im September soll ENDLICH die "Königskinder"-DVD aus Zürich erscheinen! :leb :leb :leb

lg Severina
Ingrid (28.08.2012, 17:30):
Original von Ulrica

Dire Wagner - Partien gehen einer Meinung nach nicht "ungetraft", und, mit Verlaub, man hat es auch gehört.Stellt euch doch mal stimmlich einen Johan Botha daneben vor.

Da hilft die ganze Schönheit nix.

LG
Ulrica

Liebe Ulrica,

bin gestern, mehr durch Zufall, bei YT auf Kaufmanns Lohengrin in München gestoßen (Originale), habe mir einiges davon angeschaut und dann auch Johan Botha in dieser Inszenierung entdeckt. Tut mir leid, aber ich wäre wahrscheinlich weinend aus dem Theater gelaufen, hätte ich JB auf der Bühne erleben müssen. Bei JK und AH heulte ich auch, aber vor Ergriffenheit und selbst bei diesen Schnippseln geriet ich gleich wieder mitten in diese Liebesdramatik.

Botha kann man sich evtl. bei einem Konzert anhören (besser noch CD) und da passen dann auch die theatralischen Bewegungen vielleicht, aber nicht in dieser Rolle und Inszenierung. Der Stimme kann ich inzwischen auch nichts mehr abgewinnen, aber das ist eben Geschmackssache. Er singt es halt, für meine Begriffe, schön runter.... wie wahrscheinlich immer, aber steht nicht hinter dieser Figur.

Herzliche Grüße
Ingrid
Severina (11.09.2012, 00:41):
Bei a.......n gibt's schon das Cover zu den "Königskindern", also wird es ernst! Ich hoffe, dass Felix Breisach diese geniale Herzog- Inszenierung entsprechend ins Bild gesetzt hat und ich vom Ergebnis nicht enttäuscht bin, denn live fand ich diese Produktion spitze!

lg Severina :hello
Severina (13.09.2012, 13:19):
Da sich im Troyens-Thread eine Kaufmann-Diskussion entwickelte, die dort aber nur stört, beame ich einmal meinen letzten Beitrag hier herüber, damit bei Bedarf weiter diskutiert werden kann:

Liebe Fides,

Im Ernst, Du empfindest das tatsächlich so? (Nicht, dass ich es anzweifeln würde!) Erstaunlich, denn für mich interagiert Kaufmann perfekt mit seinen PartnerInnen, er schafft es sogar, in dem meist seelenlosen Singautomaten Gheorghiu leidenschaftliche Regungen zu wecken. Und sein großartiges Zusammenspiel mit Antonacci in der "Carmen" ist für mich überhaupt nicht zu toppen.

Wirklich interessant, wie unterschiedlich man so etwas empfinden kann. (Bei einer einzigen Rolle gebe ich Dir allerdings Recht: Sein Pariser Werther hatte in der Tat auch für mich etwas Autistisches an sich. Nicht allerdings live in Wien, da war er voll bei der Sache!)

lg Severina :hello
Fairy Queen (13.09.2012, 15:01):
Ich trete mal gleich zu Sevis Unterstützung an, auch wenn sie das gar nicht braucht:
Ich habe Kaufmann sowohl live als auch auf Konserve gesehen und kann den Vorwurf er sei ein schlechter Bühnendarsteller beim besten Willen nciht nachvollziehen. Dass die Stimme nciht gefällen kann, dazu kann man nichts sagen, das ist rein subjektiv Wer Strahletenöre mit hellem Timbre hôren will, ist bei Kaufmann sicher an der falschen Adresse und sein Timbre ist eben nciht jedermanns Sache. Aber als Darsteller finde ich ihn wie Severina sehr überzeugend und das sogar bei dem autistischen Werther, der ja sui generis wirklich autistisch sein darf. Das macht die Rolle für mich noch glaubwûrdiger.
Als Don José mit Antonacci war er einfach umwerfend, gerade auch im Zusammenspiel- eine der besten Carmen-Paarungen, die ich mir vorstellen kann (wobei Alagna in seiner Hochzeit auch nciht von schlechten Eltern war!!!!!) Auch von seinem Lohengrin und Siegmund wird einhellig geschwârmt, wobei ich Wagner-Oper nciht ansehe und deshalb ncihts eigenes dazu sagen kann. Und sein Alfredo mit Gheorghiu zeigte echte Leidenschaft ( honi soit qui mal y pense :cool) ich wüsste wirklcih nciht, was es an seinem Spiel auszusetzen gâbe. Natürlich ist er nciht so halsbrecherisch persönlich involviert wie Villazon, aber der war auch einmalig in seiner Art und kaum zur Nachahmung geeignet oder zu empfehlen.... :D

Und dass er dazu so schôn ist wie die Helden, die er singen und spielen soll, schadet der Sache wahrlich auch nicht.
Endlich mal ein deutscher Tenor der auch auf den Bühnen jenseits von Bayreuth und nciht nur im Studio Weltklasse ist, ich freue mich dass es sowas gibt!

F.Q.
Ingrid (13.09.2012, 20:03):
Original von Fairy Queen
Auch von seinem Lohengrin und Siegmund wird einhellig geschwârmt, wobei ich Wagner-Oper nciht ansehe und deshalb ncihts eigenes dazu sagen kann.
F.Q.

Liebe Fairy,

vielleicht solltest Du Dir doch wenigstens die kleinen Sequenzen des Lohengrin (BSO) mit Kaufmann und Harteros bei Youtube "antun". Auch da kommen seine schauspielerischen Fähigkeiten schon voll zum Tragen.

Ansonsten habe ich zu dem Thema eh viel zu oft meinen Schnabel aufgetan. Vielleicht sollte Fides beim nächsten Liveerlebnis mit JK mal ein gutes Opernglas benutzen. Das hilft enorm, denn es sind ja eben bei ihm meist nicht die großen, sondern die kleinen Gesten entscheidend, um seine Gefühle auszudrücken.

Herzliche Grüße
Ingrid
Karolus Minus (14.09.2012, 00:01):
Original von Severina
(Bei einer einzigen Rolle gebe ich Dir allerdings Recht: Sein Pariser Werther hatte in der Tat auch für mich etwas Autistisches an sich. Nicht allerdings live in Wien, da war er voll bei der Sache!)

lg Severina :hello

Der Pariser Werther war Kaufmanns Rollendebut. Und ich halte es grundsätzlich für einen Blödsinn, ausgerechnet die erste Aufführung per TV zu präsentieren. JEDER Sänger wird beim Rollendebut erstmal schauen, sauber durchzukommen und sich nicht einfach hineinschmeissen (Ausnahme Villazon mit den bekannten Folgen). Die dritte oder vierte Vorstellung hat möglicherweise schon anders ausgesehen - soweit die für mich fade Pariser Inszenierung das zuließ...
Lg
Karolus Minus
Severina (14.09.2012, 00:11):
Original von Karolus Minus
Original von Severina
(Bei einer einzigen Rolle gebe ich Dir allerdings Recht: Sein Pariser Werther hatte in der Tat auch für mich etwas Autistisches an sich. Nicht allerdings live in Wien, da war er voll bei der Sache!)

lg Severina :hello

Der Pariser Werther war Kaufmanns Rollendebut. Und ich halte es grundsätzlich für einen Blödsinn, ausgerechnet die erste Aufführung per TV zu präsentieren. JEDER Sänger wird beim Rollendebut erstmal schauen, sauber durchzukommen und sich nicht einfach hineinschmeissen (Ausnahme Villazon mit den bekannten Folgen). Die dritte oder vierte Vorstellung hat möglicherweise schon anders ausgesehen - soweit die für mich fade Pariser Inszenierung das zuließ...
Lg
Karolus Minus

Das sehe ich genauso, denn auch wenn es kein Rollendebut ist: Bei der PR spielt die Nervosität eine gewichtige Rolle! Daher besuche ich auch nie PR, sondern nach Möglichkeit die GP (Oft die beste Vorstellung, weil da alle total locker sind - es geht ja um nichts!) und dann noch eine Vorstellung am Ende der Serie.
Aber PR kann man halt als "Event" vermarkten, und nur darum geht's den Programmgestaltern.
Aber ich fürchte - und auch da bin ich bei Dir - dass die Pariser Inszenierung auch beim 30. Aufguss nicht spannender wird, da kann selbst ein Jonas Kaufmann keine Wunder wirken.

lg Severina :hello

PS: Schön, dass Du wieder an Bord bist! :)
Ingrid (14.09.2012, 21:59):
Wenn ich mich recht erinnere, hatte Kaufmann eine schwere Grippe und konnte kaum proben. Dafür war es insgesamt doch wirklich nicht schlecht, obwohl mir beim ersten Schauen das Backstage-Gewurle total die Stimmung nahm. Später konnte ich das fast ganz verdrängen und so schaffte es dieser Werther doch noch, besonders am Schluss, mich voll und ganz in seinen Bann zu ziehen.

:hello Ingrid
Severina (14.09.2012, 22:19):
Nein, mit dem Pariser Werther konnte mich JK ganz und gar nicht überzeugen, ich habe mich noch nie bei dieser Oper so gelangweilt, und daran ändert auch x-maliges Anschauen der DVD nichts. Der Unterschied zwischen Paris und Wien war wirklich wie Tag und Nacht, obwohl hier wie dort seine Partnerin Sophie Koch hieß. (Aber über die Unterschiede der beiden Inszenierungen habe ich mich ja in einem eigenen Thread ausgelassen!)

lg Severina :hello
Ingrid (15.09.2012, 15:14):
Wie schön für Wien, dass es nicht umgekehrt ist und Ihr den langweiligen Werther von Paris ertragen müßt :wink

Ich habe während der Übertragung auch oft an die Münchner Rose-Inszenierung gedacht und mir Jonas Kaufmann da hinein gewünscht. Das Live-Erlebnis in Paris muss aber schon sehr unter die Haut gegangen sein. Hat nicht Floßhilde davon berichtet? Muss ich noch einmal nachlesen.

Liebe Grüße
aus dem herbstlichen München
Ingrid
Heike (30.09.2012, 21:49):
Ich habe Kaufmann heute vormittag in einer Matinee mit Daniel Barenboim gehört, mit dem Liederzyklus "Die schöne Müllerin".

Das war ein sehr gespaltenes Erlebnis. Der große Saal der Berliner Philharmonie ist meiner Meinung nach nur bedingt geeignet für Schubert. Zudem gab es mehrmals Zwischenapplaus, was der intimen Stimmung auch nicht zuträglich war. Das alles kann man Kaufmann und Barenboim natürlich nicht anlasten

Aber auch stimmlich fand ich das sehr durchwachsen, es hat mich nicht wirklich begeistert. Vor allem, weil es in den hohen Lagen doch oft sehr bemüht und eng klang und auch oft nicht sehr textsauber gesungen war. Wiederum gab es in tieferen, vor allem leisen, lyrischen Passagen ganz berührende Momente. Von Barenboim fand ich es sehr schön begleitet, das kann er gut.

Es war nicht schlecht, aber ich finde Kaufmann auf der Opernbühne doch überzeugender.
Heike
Ingrid (30.09.2012, 22:38):
Liebe Heike,

las gerade in einem anderen Forum, dass während des Konzerts wieder die Husteritis ausgebrochen war (wie offensichtlich immer bei Kaufmann) und dann eben auch noch zwischen den Liedern applaudiert wurde. Das stört sicher die Konzentration des Sängers und derjenigen, die gerne ungestört zuhören wollen. Mich hat er ja gerade mit der Müllerin "geknackt", da ich vorher einiges auszusetzen hatte. Hoffentlich war die Zeit für Dich trotzdem nicht vergeudet.
Ich freue mich auf jeden Fall auf die Tosca nächsten Sonntag, denn da ist der Hustenpegel meist geringer.

Herzliche Grüße
Ingrid
Billy Budd (30.09.2012, 22:40):
Die Schöne Müllerin macht er demnächst auch in Wien und ich weiß schon, wo ich ganz bestimmt nicht hingeh. :haha
Billy :hello
Heike (30.09.2012, 22:48):
Liebe Ingrid, ich kenne die Hustenanfälle der Berliner ja schon und leide darüber regelmäßig ;-)
Beide haben es übrigens mit Humor genommen, Kaufmann musste lachen und Barenboim hat sich demonstrativ lächelnd ein Taschentuch aus der Tasche gezogen und sich das kurz vor den Mund gehalten. So wie "hustet doch wenigstens da hinein". Hat aber leider nicht wirklich geholfen.

Ansonsten, es war ja nicht schlecht und ich freue mich eigentlich immer, wenn einer der Schubert-Liederzyklen vollständig gegeben wird. Insiweit, nein, auf keinen Fall verschwendete Zeit!
Heike
Flosshilde (01.10.2012, 15:36):
Hallo Forianer,

die Philharmonie ist nach meiner Meinung nicht nur "bedingt geeignet" sondern überhaupt nicht geeignet für Liederabende. :I
Allerdings scheint der Andrang des (hustenden, störenden, fotografierenden X() Publikums bei allem was Jonas Kaufmann macht, inzwischen so groß, dass das Ausweichen auf riesen Säle für den Veranstalter zu einer Notwendigkeit geworden ist, wollen sie sich nicht allzu viele, bei der Kartenausgabe leer gebliebene, enttäuschte Fans aufhalsen. Und je größer der Saal, umso mehr Huster, Fotografierer und in Berlin sogar Taschenlampenleuchter(!) passen hinein.
Nicht nur, dass Barenboim sich gemüßigt fühlte, einige erzieherische Gesten gegenüber dem Publikum zu machen, es bedurfte auch einer sichtbaren körperlichen Anstrengung des Sängers, sich nach jedem Stück erneut in den Zyklus zu versenken.
Der Versuch von Herrn Barenboim aus Verzweiflung über die massiven Pausenhuster diese Pausen einfach wegzulassen und wie ein Irrer mit rasender Geschwindigkeit durch einige Stücke wie z.B. den „Jäger“ zu sausen, war nach meiner Meinung keine sehr gelungene Lösung.

Aber auch die Philharmonie bzw. das Personal scheint sich mit Liedervorträgen nicht so recht auszukennen, oder war schlichtweg überfordert. Eine ältere gehbehinderte Dame, die wohl in allerletzter Minute vergeblich versucht hat, sich die Treppen in der Philharmonie hochzuquälen, aber es nicht rechtzeitig schaffte, wurde schließlich vom Personal fast mit Gewalt auf ihren Sitzplatz gezerrt, nachdem das Programm bereits begonnen hatte. Dabei erlitt sie wohl so etwas wie einen Schwächeanfall. Das Personal war aus irgendwelchen Gründen nicht in der Lage oder traute sich nicht, den Beginn der Matinee kurzfristig noch ein paar Minuten zu verzögern, also versuchten sie bei laufendem Programm eine halbwegs stille Lösung zu finden. Gelang natürlich nicht, und es lenkte sicht- und hörbar anfänglich auch den Sänger ab.

Auf der Strecke bleiben Liedpuristen, schade, dass Jonas Kaufmann dich nicht vollständig überzeugen konnte, Heike. :(
Ich gebe zu, ich bin nicht neutral, weil er mit seiner Müllerin für mich schon seit Jahren eine emotionale „Geschichte“ ist und er mich mit diesem Liederzyklus bisher jedes Mal vollständig begeistert hat, so auch am Sonntag. :down :down

Allerdings war es auch für mich eine zweischneidige Sache, denn das Publikum hat wirklich massiv gestört, ich habe so etwas noch nie erlebt. Das Saallicht war relativ dunkel, was einige Leute dazu animiert hat, etwas mit einer Taschenlampe nachzuhelfen, um den Text mitlesen zu können. Nach meiner Meinung völlig überflüssig, weil ich Herrn Kaufmann als absolut textverständlich empfinde, allerdings ist die Akustik in der Philharmonie gerade für Singstimmen nicht ideal und es ist abhängig vom Sitzplatz, was man hört. Ich habe den Sänger z.B. sehr viel deutlicher als das Klavier wahrgenommen, dessen Schall entlang des geöffneten Deckels wohl noch über meinen Kopf hinweggetragen wurde, während der Sänger mich eher direkt angesungen hat.

Trotz all dieser „negativen“ Sachen - vielleicht sogar gerade deswegen - war es für mich eine ziemlich denkwürdige Müllerin.
Über Kaufmanns Art der Stimmproduktion wurde auch hier im Forum schon ausreichend gestritten, aber die Wahrnehmung, dass „es in den hohen Lagen doch oft sehr bemüht und eng klang und auch oft nicht sehr textsauber gesungen war“ kann ich nicht bestätigen, im Gegenteil, so wenig „eng“ wie zur Zeit, hat er für meine Ohren schon lange nicht mehr geklungen und Textfehler habe ich nur einen einzigen bemerkt, aber vielleicht waren die Huster zu laut :wink

Sänger und Pianist haben versucht, das Publikum durch musikalische und gestalterische Mittel in den Bann der Musik zu ziehen und damit still zu bekommen, was ihnen im Endeffekt gelungen ist. Der Sänger hat aufgrund der Größe des Saals und vielleicht auch der Unruhe bzw. der merkbaren Unerfahrenheit des Publikums stärker mit gestischem und mimischen Ausdruck gearbeitet und er opfert üblicherweise auch den einen oder anderen Schönklang diesem Ausdruck. Dazu besitzt er aber nach meiner Meinung das Talent, diesen Ausdruck ganz direkt mittels seiner Stimme zum Publikum zu transportieren, sodass er auch in Block D, wo optisch nicht mehr sehr viel angekommen sein dürfte, die Zuhörer erreichen konnte. Nach dem stillen Ausklang am Ende oder der Zugabe „Jüngling am Bach“ holten die Leute sogar ein paar Sekunden Atem, bevor sie in Applaus ausbrachen.
Und den teilweise spontan ausbrechenden Applaus fand ich sogar nachvollziehbar, wenn der Charmeur Jonas Kaufmann alle Register zieht, ist es eben schwierig, nicht begeistert zu reagieren. :wink

Dazu war allerdings doch ein hartes Stück Arbeit nötig, und die Anspannung entlud sich bei den beiden dann in einer spontanen (und irgendwie nett unbeholfen aussehenden) Umarmung.
Herr Barenboim ist ein fantastischer Pianist und sein Spiel ließ viele wunderbare Varianten in der Musik hörbar werden, allerdings hat er für meine Ohren nicht genau dasselbe Talent lautmalerisch „mit Herz“ zu musizieren und er wirkte im Vergleich zum Sänger minimal unbeteiligter, dazu kommt, dass beide kein eingespieltes Team sind, das sich ganz blind versteht. Trotzdem haben die beiden es geschafft, dass ich mein Umfeld vollständig ausblenden konnte und das Gefühl hatte, mit dem Müllerburschen ganz alleine im Saal zu sein.

Allgemein ist mir nicht bekannt, dass andere Liedsänger diesen Zyklus in solch großen Sälen wie der Philharmonie vortragen und ich frage mich auch jedes Mal, warum Jonas Kaufmann sich das antut?
Andererseits funktioniert es, der Saal war begeistert und hat getobt, und auch wenn es die Liedpuristen schüttelt und die Kritiker ihn dafür zerpflücken, ist es doch wahrscheinlich, dass bei dem einen oder anderen Neuling Interesse an der Gattung „Lied“ geweckt wurde - quasi Jonas Kaufmann unterwegs im Bildungsauftrag "Liedgesang"? :wink

So sehr ich mich zu der Zeit zurücksehne, wo noch keine „Neulinge“ bei Jonas Kaufmanns Liederabenden saßen, oder die Zeit herbeisehne, wo irgendwann keine Liedanfänger mehr die Abende stören werden, so sehr habe ich trotzdem an diesem Sonntag einen mitreißenden und emotional berührenden Vortrag genossen.

Liebe Grüße
Flosshilde
Severina (01.10.2012, 16:04):
Meine Lieben,

danke für eure Eindrücke, dann bin ich gespannt! Da ich aber nur mehr einen hinteren Logenplatz ergattern konnte, wird's akustisch sicher mühsam werden. Denn die WSO ist für Liederabende natürlich genauso ungeeignet wie Eure Philharmonie, dafür wurde sie definitiv NICHT gebaut. Das ist eine der Schnapsideen unseres Direktors, dort plötzlich LAs abzuhalten. Der von Kaufmann ist wenigstens einmal ausverkauft......

lg Severina :hello
Heike (01.10.2012, 16:18):
Ihr lieben,
ich habe eigentlich recht gut gesessen und gehört, aber - steinigt mich - auf mich wirkten die Höhen etliche Male deutlich gepresst und die Vokale mehr als einmal verhuscht. Und ich bin nicht voreingenommen, ich mag eigentlich Kaufmann gern. Aber unter diesen Bedingungen überhaupt zu singen war sicher nicht leicht. Barenboim hat übriegns nicht nur mit dem Taschentuch erzieherisch eingewirkt, er hat auch einmal energisch mit der gerade freien Linken einem nervigen Blitzlicht-Fotografierer gedroht.
Die Aktion mit der Frau fand ich auch krass. Normalerweise sind die Philharmonie- Ordner recht patent und souverän, ich habe sowas auch noch nie gesehen. Mir war aber auch total unverständlich, wieso man so spät kommt, wenn an schon so wacklich auf den Beinen ist. Man hätte sie unten gar nicht mehr reinlassen dürfen.

Ich glaube übrigens eher nicht, dass da so viele begeisterte Liedanhänger zurückbleiben, aber, vielleicht bist du ja optimistischer als ich, liebe Flosshilde! Jedenfalls wäre es schön, wenn du recht hättest.
Heike
Severina (01.10.2012, 16:43):
Liebe Heike,

keine Bange, ich bin fern davon, Dich zu steinigen, obwohl ich mich zum konkreten LA natürlich nicht äußern kann. Aber ich besitze Kaufmans Müllerin-CD und muss gestehen, dass sie mir zwar gefällt, ich aber Einspielungen kenne, die mich mehr überzeugen. Mir klingt Kaufmanns Stimme zu reif für den Müllersbursch, ich höre da eher ein "g'standenes Mannsbild", wie wir im Süden zu sagen pflegen, dem ich die existenzielle Verzweiflung nicht ganz abnehme.
Daher bin ich sehr neugierig, ob mich Kaufmann live, wenn Mimik und Gestik dazukommen, dann doch mitreißt.

lg Sevi :hello
Heike (01.10.2012, 16:52):
Liebe Sevi,
dass sie mir zwar gefällt, ich aber Einspielungen kenne, die mich mehr überzeugen.
Das trifft es gut. Mir hat der Abend im Großen und Ganzen ja auch gefallen. Wenn man auf hohem Niveau kritisiert, kann leicht der Eindruck entstehen, dass es schlecht war. Das war es nicht, etliche Lieder waren sogar richtig überzeugend. Also, ich bin sicher, du wirst Freude haben.
Ich wünsche Dir auf jeden Fall ein etwas disziplinierteres Publikum :)
Heike
Flosshilde (02.10.2012, 00:00):
Original von Severina
Mir klingt Kaufmanns Stimme zu reif für den Müllersbursch, ich höre da eher ein "g'standenes Mannsbild
Mag sein, dass ich an seine dunkle volle Stimme inzwischen sehr gewöhnt bin, allerdings werden die Schubert-Zyklen oft von Baritonen gesungen, ohne dass denen jemand die „Jugendlichkeit“ absprechen würde.
Ich weiß aber, was du meinst, Severina, allerdings macht Jonas Kaufmann diesen Eindruck für mein Gefühl durch volkommene existentielle Verzweiflung in der Stimme absolut wett. :wink

Original von Heike
Ich glaube übrigens eher nicht, dass da so viele begeisterte Liedanhänger zurückbleiben…
Vielleicht ist dies auch nur ein Strohhalm, an den ich mich klammere, um die zunehmend negativen Erfahrungen mit „Jonas-Kaufmann-Fans“ zu verarbeiten.
Irgendetwas Positives muss es doch haben, dass ich mich mühsam um völlig überteuerte Karten prügeln muss, nur um einen Liederabend in absolut unpassenden übergroßen Sälen erleben zu dürfen :wink
Ich erwarte auch nicht plötzlich eine riesen Welle von Liedanhängern, aber in meinem direkten Umfeld gibt es bereits einige, die sich vorher zwar für Opern, aber weniger für Liedgesang interessiert haben, und angeregt durch JK die Schönheit des letzteren inzwischen auch begeistert für sich entdeckt haben - und das nicht nur mit Liederabenden von JK.

Insgesamt scheint es aber leider so zu sein, dass gerade Jonas Kaufmann viele Zuschauer anzieht, die mit einer gewissen Portion „Unbedarftheit“ gesegnet sind, um es einmal höflich auszudrücken.
Ich traue mich langsam kaum noch, den Namen Jonas Kaufmann öffentlich in den Mund zu nehmen, weil ich befürchte, dass man schlecht über mich denken könnte. :(

Original von Severina
… (Bei einer einzigen Rolle gebe ich Dir allerdings Recht: Sein Pariser Werther hatte in der Tat auch für mich etwas Autistisches an sich. Nicht allerdings live in Wien, da war er voll bei der Sache!)

Original von Karolus Minus
Der Pariser Werther war Kaufmanns Rollendebut. Und ich halte es grundsätzlich für einen Blödsinn, ausgerechnet die erste Aufführung per TV zu präsentieren. JEDER Sänger wird beim Rollendebut erstmal schauen, sauber durchzukommen und sich nicht einfach hineinschmeissen …. Die dritte oder vierte Vorstellung hat möglicherweise schon anders ausgesehen - soweit die für mich fade Pariser Inszenierung das zuließ...

Original von Ingrid
Wie schön für Wien, dass es nicht umgekehrt ist und Ihr den langweiligen Werther von Paris ertragen müßt :wink
Ich habe während der Übertragung auch oft an die Münchner Rose-Inszenierung gedacht und mir Jonas Kaufmann da hinein gewünscht. Das Live-Erlebnis in Paris muss aber schon sehr unter die Haut gegangen sein. Hat nicht Floßhilde davon berichtet?


Oh, immer wenn ihr hier über meinen geliebten Pariser Werther lästert, blutet mir das Herz. :I :I
Mir völlig unverständlich, wie es möglich ist, das fade oder JK gar als autistisch wahrzunehmen.
Deshalb nehme ich mir jetzt doch einmal etwas Zeit, ein paar Zeilen zu den beiden von mir gesehen Werther-Aufführungen mit Jonas Kaufmann zu schreiben (Paris 26.01.2010 + DVD-Aufnahme, Wien 24.01.2011, dazu diverse Audios der anderen Aufführungstage).

Ich gebe zu, dass in Paris die Inszenierung alleine vielleicht nicht besonders originell ist, aber sie bietet wunderschöne stimmige Bilder und lässt ganz viel Raum für das Wesentliche, nämlich Gesang und Spiel der Sänger, und das ist bei den beiden Hauptrollen für mein Empfinden so intensiv, dass es die Leinwand sprengt. Dazu noch das wunderbare Dirigat mit einem wirklich französisch spielenden Orchester (im Vergleich zu den „schrammelnden“ Wienern), die rein musikalische Seite alleine ist den Kauf der DVD absolut wert; hört euch alleine einmal die Harfe in Paris an!

Sicher bin ich was JK betrifft nicht unvereingenommen, aber hier stimmt doch wirklich alles, jede noch so kleine Geste, jede Mimik, alleine der verzweifelte Blick in den Augen.
Mich hält die Figur direkt beim ersten Auftritt gefangen, wie er da steht, etwas neugierig, verträumt so als wäre er nicht ganz wach, ein extrem sensibler Charakter. Sicher sind es nur winzigen Gesten, hier ein kleines Zögern, manchmal nur ein Schatten, der über sein Gesicht huscht.

Das Aufeinandertreffen von Charlotte und Werther - wie sie sich beim Begrüßen kurz mit den Händen berühren, sofort zurückzucken, wie nach einem elektrischen Schlag und von da an vermeiden sie erst einmal jegliche Berührung – entzückend. Er geleitet sie zum Ball, traut sich aber nicht, sie erneut anzufassen.
Bei dem Duett nach dem Ball fasst Werther dann doch einmal Charlotte an, worauf sie sich sofort wieder frei macht, sie weiß um die Gefährlichkeit dieser Berührung. Stattdessen lässt sich quasi von seiner Stimme sanft streicheln, zuerst vorsichtig und im Laufe der Oper immer intensiver.

(So könnte ich jetzt noch stundenlang weiterschwärmen - aber ich fasse mich einmal kurz :wink )

Werther stolpert auf die Bühne, „j’aurais sur ma poitrine“ eine meiner Lieblingsstellen, wie er sich in Agonie aufbäumt, verzweifelt zwischen Weglaufen und Dableiben hin- und hergerissen.
Albert, der ihn versucht zu trösten und Sophie dazwischen, Werther steht in dieser Mischung aus Verzweiflung und Trotz da, die Hände um sich geschlungen.

Auch das Schlussbild, es gibt zwar wirklich nicht sehr viel Bewegung, denn dieser Werther ist bereits halbtot, aber jede Winzigkeit bohrt sich quasi ins Herz, wie Charlotte ihn am Anfang schüttelt und sein Kopf zur Seite fällt, wie er sich doch ein oder zweimal in Agonie nach hinten bäumt, wie er die Hand nach ihr ausstreckt, der Kuss, …
... aber eigentlich besteht dieser Akt nur aus Musik - und vor allem aus seiner Stimme.

Dazu die wunderschönen Bilder im Kerzenschein, das langsam erlöschende Licht, was braucht man hier mehr an Inszenierung?

Ich glaube, dass es nicht nur die Tatsache ist, dass ich diesen Werther in Paris live erleben durfte, dass er mir so gut gefällt, sondern ich stehe mit meiner Begeisterung für die DVD ja auch nicht alleine da.

Den Werther aus Wien kenne ich nur aus einem Live-Erlebnis (und ein paar weiteren Audios), weil ich es immer noch nicht geschafft habe, mir die DVD einmal vollständig anzuschauen. Bisher kann ich in die hier im Forum ausgesprochenen Lobeshymnen jedoch nicht genauso einstimmen.
Die Inszenierung mag interessanter bzw. inhaltsvoller sein, mich störte jedoch der überdimensionierte Baum konstant, weil er ständig die Aufmerksamkeit auf sich fokussiert, ich hatte das Gefühl die Sänger ständig auf der Bühne suchen zu müssen (mein Sitzplatz war dem in Paris von der Entfernung zur Bühne absolut vergleichbar).
Außerdem empfand ich vieles als etwas hölzern: Hach wie lustig, während er vom sprudelnden Brunnen singt, greift Werther nach einer Bierflasche! :A

Im Vergleich zu Paris ist der Wiener Werther des Jonas Kaufmann für mich vor allem in den ersten Akten kein poetischer sensibler Träumer, sondern er spielt in Wien einen spätpubertierenden Jüngling, der seine eigenen Gefühle nicht unter Kontrolle hat. Das macht er zwar klasse, aber hier setzt bei mir auch das Phänomen ein, dass du bei der Müllerin hast, Severina.
Zum einen sieht er nicht mehr wie ein Jüngling aus, viel zu erwachsen (und auch nicht mehr ganz so jung), dann ist auch die Stimme viel zu männlich. Dazu das Kostüm, im ersten Akt schwarzes Jackett zu blauer Hose, im zweiten andersrum (soll wohl zeigen wie poetisch durchgeistig Werther einfach gedankenverloren in seinen Kleiderschrank fasst?), aber besser wäre wohl ein wirklich alternativer Künstlerlook gewesen, die Kombi wirkt viel zu steif.

Ich gebe zu der zweite Akt hat mir in Wien dann doch ganz gut gefallen. Im Gegensatz zu dem verzweifelten Werther in Paris ist es hier ein eher wütend fordernder („J'aurais sur ma poitrine“), und die Szenen im Biergarten war dann auch irgendwie ganz amüsant. Die Szenen zwischen Werther und Charlotte gestalten die beiden sehr ähnlich wie in Paris, er umschmeichelt sie mit seiner Stimme und sie badet darin, soweit das Orchester das zulässt. Insgesamt ist der Werther in Wien allerdings aufbrausender, er schmeißt mit Schmackes die Gartenstühle um („Albert vous m’aime“), dass einem richtig Angst wird.

Im dritten Akt kämpfe ich anfangs dann wieder etwas mit der Inszenierung, das infantile Puppenspiel der beiden Mädchen mag Sinn machen, wirkt aber auf mich nicht.
Werthers Auftritt ist gut gedacht, er kommt zerzaust und völlig (von Regen) durchnässt hinein, aber auch hier wird sein Auftritt wieder von der riesigen Linde geschluckt, kein Vergleich mit Paris, wo er mit einer Art Donnerschlag kommt und sichtbar ein Stück Unheil mit ihm herein weht (um eine Freundin zu zitieren: „Ein bisschen wie der fliegende Holländer).

Vor allem aber die musikalische Seite in Wien ist für mich nie ganz mit Paris vergleichbar, ich hatte oft das Gefühl, dass die Sänger gegen das Orchester anbrüllen müssen, konnte mich nie ganz emotional in die Handlung hineinversenken, weil ich die technischen Seiten des Gesanges nie ganz ausblenden konnte.
Hierzu passt auch die Tatsache, dass die Wiener nach dem (zugebenermaßen wirklich beeindruckenden) „Pourquoi me reveiller“– ein „Bis“ fordern… (und es später sogar bekommen).

In Paris habe ich mich direkt mit den Sängen identifiziert, habe mitgelitten und wäre nie auf die Idee gekommen, dass hier doch nur ein „Kunststückchen“ vorgeführt wurde, das man gut auch noch einmal wiederholen kann. Nein, in Paris war es wirklich echt und essentiell, jedenfalls schien es mir so.
Die Musik in Wien lässt es dann auch nicht schneien, trotzdem zog mich der Schluss in seinen Bann, dazu stirbt JK viel zu echt – obwohl etwas weniger blutbesudelt wäre vielleicht angemessener gewesen.
Aber der Wiener Werther ist eben nicht angemessen, auch wenn er seine schönen Stellen hat, spätestens als bei Werthers letzten Worten wieder mal eine Solo-Violine ihren Auftritt zelebriert, war sie wieder da, die Wiener Version des Werther, die mir nicht gefällt.

Puhh, das war jetzt alles etwas spontan niedergeschrieben und auch sehr Jonas Kaufmann lastig, aber zum Schluss nur noch ein paar Fakten zu seinem Rollendebut im Pariser Werther:

Es war nicht die Premiere in Paris, die auf DVD gebannt wurde. Jonas Kaufmann hatte aufgrund einer Grippe wenig Probenzeiten und war auch am Tag der Premiere noch ein wenig angeschlagen. Trotzdem hat er einhellig alle Pariser begeistert und zumindest im letzten Akt passt ein hustender Werther ja sogar sehr gut. :wink

Esti hat die Situation, in der Jonas sich vor der Premiere befunden hat, per Video eingefangen.
Falls euch das Video nicht bekannt sein sollte und da ich nicht weiß, ob man hier Youtube links posten darf, sucht bei youtube nach „Jonas kaufmann Werther la première“.

Danach hat er noch eine weitere Vorstellung gesungen, musste dann doch einmal aussetzen um sich richtig auszukurieren, und hat dann die nächsten Vorstellungen am 23., 26., 29. Januar und 1., 4. Februar 2010 gesungen.
Die Vorstellung vom 26.01. wurde live im Fernsehen übertragen und von diesem Tag ist auch der Großteil der DVD, einiges haben sie vom 23.01. eingeschnitten, an dem Tag wurde auch schon gefilmt.


Liebe Grüße
Flosshilde
Severina (02.10.2012, 00:41):
Original von Flosshilde

Insgesamt scheint es aber leider so zu sein, dass gerade Jonas Kaufmann viele Zuschauer anzieht, die mit einer gewissen Portion „Unbedarftheit“ gesegnet sind, um es einmal höflich auszudrücken. Ich traue mich langsam kaum noch, den Namen Jonas Kaufmann öffentlich in den Mund zu nehmen, weil ich befürchte, dass man schlecht über mich denken könnte. :(

Liebe Grüße
Flosshilde

Liebe Flosshilde,

das ist der Preis der Popularität und betrifft wohl alle Sänger, die im Fokus der Presse stehen. Aber ich kann Dir versichern, dass es zumindest in Wien wesentlich mehr gestörte Villazón- als Kaufmannfans gibt. Die lernte ich unfreiwillig beim stundenlangen Anstellen für Karten kennen, insofern ist es für mein Nervenkostüm ein Segen, dass in letzter Zeit der gesamte Kartenvorverkauf übers Internet abgewickelt wird.
Klar ist, dass die Tingelei durch Stadien und Freiluftbühnen (Sorry, für mich IST das Tingelei und hat mit Kunst nichts zu tun, aber es bringt das große geld. Ich verurteile das nicht, sondern stelle es nur fest!) gerade diese "unbedarften" Fans in die Oper und in Konzertsäle lockt. ("In der Stadthalle hat er mir viel besser gefallen, das heute war ein bissl fad!" Zitat eines Villazónfans nach einem "Werther")

Aber "gestörte" Fans hat es zu allen Zeiten gegeben, ein paar ganz besondere Exemplare musste z.B. Placido Domingo ertragen. (Das erinnert mich an einen Ausspruch der Frau von Francisco Araiza, die einmal sinngemäß zu mir sagte: "In meinem nächsten Leben studiere ich Psychologie, denn am Bühnentürl begegnet man ständig Dissertationsthemen!)

Was den Pariser und Wiener Werther betrifft, so werden wir da nie zusammen kommen, aber das ist ja keine Tragödie :engel Ich habe die beiden Inszenierungen in einem eigenen Thread sehr detailiert verglichen, deshalb erspare ich mir das hier. Das Wiener Bühnenbild gefällt mir sehr gut, der Baum lenkt mich nicht im mindesten von der Handlung ab, sondern untermauert nur ganz im Sinne von Goethe die Wechselwirkung von Natur und seelischer Gestimmtheit Werthers.

Aber in erster Linie liegt es wohl daran, dass ICH mich mit dem wesentlich aktiveren (Ja, auch aggressiveren!) Werther, den JK in Wien auf die Bühne gestellt hat, besser identifizieren kann als mit dem hauptsächlich elegisch ins Nirvana schauenden Pariser Träumer.

lg Severina :hello
Ingrid (02.10.2012, 08:56):
Original von Flosshilde
[

Original von Ingrid
Wie schön für Wien, dass es nicht umgekehrt ist und Ihr den langweiligen Werther von Paris ertragen müßt :wink


Oh, immer wenn ihr hier über meinen geliebten Pariser Werther lästert, blutet mir das Herz. :I :I
Liebe Grüße
Flosshilde

Liebe Flosshilde,

kann Deine Gefühle total gut verstehen und wie wohltuend, dass Du JK so schilderst, wie ihn doch sehr viele erleben, es nur nicht so gut in Worte fassen können.
Mein Ausspruch war natürlich ironisch gemeint und schon beim zweiten Betrachten der DVD aus Paris sah ich natürlich all die Feinheiten, die ihn ja in jeder Inszenierung zum großen Singschauspieler machen (wurde beim ersten Mal nur so stark vom Backstage abgelenkt und brauchte wohl auch Zeit, um die Münchener Insz. aus dem Kopf zu bekommen, die ich unglaublich oft sah).

Ich würde doch hier in keinen Fidelio, Lohengrin, Don Carlo, Carmen oder Tosca mehr gehen, wenn Jonas Kaufmann nicht auf der Bühne steht, da mir eben dieses Gesamtpaket an Stimme und Gefühlstransparenz unglaublich fehlen würde. Nur bei Terfel als Scarpia kann man "notfalls" JK verschmerzen, auch wenn sie zusammen ja so stark wären, dass man es wohl kaum aushalten könnte. Beide würden sie inzwischen aber wohl jedes Opernhausbudget sprengen. Der Don Carlo im nächsten Jahr in München wird bei der großartigen Besetzung auch ganz schön teuer kommen. Das soll aber nicht meine Sorge sein, Hauptsache ist, sie kommen alle :)

Herzliche Grüße und nochmals DANKE
Ingrid
stiffelio (02.10.2012, 20:03):
Hallo Flosshilde,

mir gefällt Jonas Kaufmann im Pariser Werther ähnlich gut wie dir, auch ich hatte nie einen faden oder autistischen Eindruck. Was ich an der DVD allerdings überhaupt nicht vertrage und mir fast die ganze Freude an Kaufmann verdirbt, sind die Backstage-Aufnahmen mitten in den Szenen, die mich ständig aus der Handlung reißen.

Original von Flosshilde
Den Werther aus Wien kenne ich nur aus einem Live-Erlebnis (und ein paar weiteren Audios), weil ich es immer noch nicht geschafft habe, mir die DVD einmal vollständig anzuschauen.

Gibt es vom Wiener Werther mit Kaufmann eine DVD?? Wenn ja, wo?

VG, stiffelio
Severina (02.10.2012, 20:09):
Original von stiffelio

Gibt es vom Wiener Werther mit Kaufmann eine DVD?? Wenn ja, wo?

VG, stiffelio

Liebe Stiffelio,

nein, leider nicht! Flosshilde meint die DVD mit der PR-Besetzung Alvarez, Garanca, Eröd. Ich gäbe ein Königreich dafür, hätte man eine der Serien mit Villazón und/oder Kaufmann aufgezeichnet.

Aber wie ich Deinen Geschmack inzwischen kenne, ist die Inszenierung ohnehin eher nix für Dich :wink

lg Severina :hello

PS. Hier habe ich den Pariser und Wiener werther analysiert: http://www.das-klassikforum.de/thread.php?threadid=1375&hilight=Massenet+werther
Severina (23.10.2012, 23:33):
Meine Lieben,

nun habe ich also Jonas Kaufmann auch endlich einmal live mit seiner "Schönen Müllerin" gehört!
Meine größte Befürchtung, dass sich die WSO für einen Liedzyklus überhaupt nicht eignen würde, traf gottlob nicht ein. Natürlich ziehe ich kleinere Säle mit einer intimeren Atmosphäre vor, aber zumindest akustisch war es kein Problem, sogar auf meinem hintersten Logenplatz erreichte mich jeder Ton laut und deutlich. Da Kaufmann viele Passagen im Pianissimo nahm, spricht das für die Tragfähigkeit seiner Stimme auch im ppp-Bereich.

Aber schön vom Anfang an! Kaufmann begann mit einer längeren Ansprache, die gleich einmal für einen Schreck sorgte, denn er meldete sich quasi krank: Eine Magen-Darmgrippe mit Fieber habe ihn in der Nacht ereilt, er fühle sich sehr zittrig, weil er den ganzen Tag nichts bei sich behalten habe, daher müsse er wahrscheinlich hin und wieder eine Pause einlegen, einen Schluck Wasser trinken und eventuell Traubenzucker zu sich nehmen, um nicht schlapp zu machen. Dann folgte der zweite Teil: In Berlin (!) hätten ihm seine Fans nach dem Konzert geraten, im vorhinein darauf hinzuweisen, dass bei einem Liedzyklus nicht geklatscht werden solle. "Das muss ich in Wien wahrscheinlich nicht sagen!" (Welch ein Irrtum....) Dann fügte er hinzu, dass ihn persönlich das Klatschen zwischen den Liedern nicht störe, im Gegenteil: "Mir ist lieber, Sie klatschen enthusiastisch als Sie schlafen ein!", aber möglicherweise würden die Klatscher bei den Nachbarn anecken. Nun, entweder fühlten sich dadurch etliche Leute in ihrer Absicht bestärkt, oder es waren nicht alle im Publikum der deutschen Sprache mächtig, auf jeden Fall wurde viermal fröhlich Zwischenapplaus gespendet, wenn auch nur von vergleichsweise wenigen Leuten. (Die WSO war natürlich ausverkauft!) Hinterher hörte ich in einem Disput ("Er hat doch extra gesagt, dass man in einem Liedzyklus NICHT klatscht!!") die Entschuldigung, man hätte dem armen kranken Sänger ein paar Verschnaufpausen verschaffen wollen.
Andererseits verhielt sich das Publikum sehr diszipliniert: Im Unterschied zu Berlin gab es kaum Huster (Der Pegel schwoll zwischen den Liedern auch nicht merklich an), es wurde nicht geblitzt oder andere störende Aktivitäten entfaltet, die meiste Zeit war es wirklich mucksmäuschenstill.

Kommen wir nun endlich vom Publikum zum Sänger Jonas Kaufmann! Mit einer Magen-Darmgrippe liege ich flach im Bett und bin unfähig zu jeglicher Aktivität, insofern ist es schon eine tolle Leistung, dass Kaufmann diesen LA durchgehalten hat. Und er hat ihn sogar auf hohem Niveau durchgehalten, denn rein gesangstechnisch gab es wenig auszusetzen, hin und wieder verrutschte einmal ein Ton ein wenig. Vor allem der Sogwirkung von Kaufmanns Piani konnte man sich kaum entziehen. Nur dass er sie für mein Gefühl manchmal ein wenig überstrapazierte. Auch so manche feine Nuance, die ich von der CD im Ohr hatte, vermisste ich bei seinem Live-Vortrag.
Was mich aber frappierte und teilweise wirklich störte, war das beinahe irrwitzige Tempo, das Kaufmann und Deutsch einschlugen. Das war eindeutig die rasanteste "Schöne Müllerin" meines Lebens, sie war live kürzer als auf der CD, und das trotz der drei Trinkpausen! Vielleicht war das aber wirklich seiner Indisposition geschuldet (Augen zu und möglichst rasch durch!), denn dass es ihm zumindest in der ersten Hälfte nicht gut ging, verriet schon seine Körpersprache: So statisch habe ich Jonas Kaufmann noch nie erlebt, man merkte ihm ganz deutlich an, dass er geschwächt war und jede überflüssige Bewegung tunlichst vermied. Erst gegen Ende, mit dem Ziel quasi vor Augen, wurde er lockerer und unterstrich seinen Vortrag durch eine lebhaftere Mimik und Gestik.

Ich glaube, jeder im Publikum atmete nach dem letzten Lied erleichtert auf. Es ist jetzt nicht so, dass Kaufmann einen Mitleidsbonus bei der Bewertung seiner Leistung brauchen würde, er war sehr gut, wäre aber bei optimaleren Bedingungen vielleicht noch besser gewesen.
So aber bestätigte sich heute der Eindruck, den ich schon von der CD gewonnen habe, dass nämlich Jonas Kaufmann zu den besten Interpreten der "Schönen Müllerin" zählt, ohne aber die Spitzenposition beanspruchen zu können. (Das ist natürlich meine rein subjektive Einschätzung!)

Jubel und Applaus des Publikums waren heftig und so ausdauernd, dass uns Herr Kaufmann trotz seines angeschlagenen Gesundheitszustands drei Zugaben gewährte (An Luise, Forelle, Musensohn), bevor endlich das Mitleid siegte und wir dem armen Tenor die dringend benötigte Ruhe gönnten.

lg Severina :hello
satie (24.10.2012, 10:14):
Liebe Severina,

so schön es ist, wie ausführlich Du über Kaufmann schreibst, so sehr finde ich es ärgerlich, dass der Pianist mit gerade einmal einem einzigen Wort gewürdigt wird, nämlich seinem Nachnamen. Warum stört es mich so sehr? Weil das hier nicht irgendwelche Zelter-Lieder waren, sondern Schubert, jener Komponist, der die Begleitung aus der rein begleitenden Rolle herausgelöst und zum ebenbürtigen Klavierpart gemacht hat. Und gerade da kein weiteres Wort über den Pianisten und sein Spiel zu verlieren, finde ich schon etwas bezeichnend. Aus eigener Erfahrung weiß ich nur zu gut, welche tragende Rolle der Pianist hat, auch wenn das viele Sänger gar nicht gerne zugeben wollen. Der Pianist gibt bei einem Schubert Zyklus einen kompletten Klavierabend. Sollte er nicht auch gewürdigt werden? Zumal Helmut Deutsch wirklich ein hervorragender (Lieder-)Pianist ist.

Herzlich,
S A T I E
Severina (24.10.2012, 15:58):
Lieber Satie,

Du tadelst mich natürlich zu Recht, und dass ich Helmut Deutsch auch noch den Vornamen unterschlagen habe, ist wirklich eine Unhöflichkeit. Aber nach Kaufmanns Ansage vor Konzertbeginn war wohl die Aufmerksamkeit aller in erster Linie auf ihn fokussiert, jeder zitterte, ob er den LA durchstehen würde. Denn dass es ihm nicht gut ging, war offensichtlich, dazu brauchte man gar nicht erst in sein bleiches Gesicht zu schauen.

Helmut Deutsch war unter diesen Umständen ein sehr sensibler Begleiter, der womöglich noch mehr als sonst mit dem Sänger mitgeatmet hat. Allerdings, und das habe ich schon oben erwähnt, irritierte mich das beinahe irrwitzige Tempo, das er phasenweise anschlug. Ich hätte mir manchmal ein klein wenig Innehalten gewünscht.

Außerdem, und das ist der Hauptpunkt, tu ich mir sehr schwer, die Leistung von Tasten- und anderen Virtuosen zu beschreiben, weil ich davon schlicht zu wenig verstehe. Nicht dass ich mich jetzt für die große Opernexpertin hielte, aber auf diesem Gebiet habe ich mir in den letzten 35 Jahren doch zumindest ein recht gutes Bauchgefühl erworben. Das lässt mich leider bei Orchesterkonzerten oder Solisten total im Stich. Da passiert's mir immer wieder, dass ich von einer Darbietung begeistert bin, die hinterher von meinen kompetenteren Freunden nach Strich und Faden auseinander genommen wird. (Ich habe auch viel zu wenig Vergleichsmöglichkeiten, geschweige denn, dass ich keine Partitur lesen kann.)

Natürlich könnte ich jetzt vom "butterweichen Anschlag" Helmut Deutschs faseln oder ähnliche Floskeln einstreuen, die man halt so aus Kritiken aufschnappt, aber es wäre eben Gefasel, weil kein Wissen/Erkennen meinerseits dahintersteckt.
Genau aus diesem Grund äußere ich mich auch nie über meine Konzertbesuche, denn ob es mir gefallen hat oder nicht, ist für Euch Kenner höchst unspannend, und Fundierteres kann ich eben leider nicht anbieten. In einem anderen Forum gab's mal einen User, der nach beinahe jedem Konzert zum Schluss kam, dass es "so richtig gefetzt" hatte oder das Orchester einen "fetzigen Sound" drauf hatte, aber ich glaube nicht, dass damit jemandem gedient ist, der wirklich wissen will, was Sache war.

lg Severina :hello
Ingrid (24.10.2012, 23:14):
Liebe Severina,

es war wieder höchst spannend, was von Dir gestern und auch heute zu lesen war. Vielen Dank dafür.

Ich legte, nach Saties Beitrag auch gleich die Müllerin ein und achtete ganz besonders auf die Begleitung von Helmut Deutsch. Da ich Jonas Kaufmann bisher nur mit ihm erlebte, gehörten sie als perfekt eingespieltes Team einfach zusammen und es war für mich selbstverständlich, dass es nicht besser gehen kann. Herr Deutsch also bestimmt keine Fehler machte, die man/ich bemängeln könnte. War deshalb auch ganz erstaunt als ich einmal las, seine Begleitung wäre langweilig. Vielleicht hören so etwas wirklich nur Spezialisten. Ich auf jeden Fall nicht.

Die Erkrankung von Jonas Kaufmann hat mich natürlich schon erschreckt, (obwohl ich für morgen keine Karte für die letzte Tosca in München habe), aber irgendwie leidet man da ja doch mit. Er sagt also wirklich nicht so schnell ab, wie es ihm ja oft genug nachgesagt wurde. Wenn man aber sieht, wie voll sein Terminkalender allein in den nächsten Tagen ist, dann würde mir das alleine schon auf den Magen schlagen.

Wünsche Herrn Kaufmann auf jeden Fall ganz gute und schnelle Besserung.

:hello Ingrid
satie (24.10.2012, 23:16):
Original von Severina

Außerdem, und das ist der Hauptpunkt, tu ich mir sehr schwer, die Leistung von Tasten- und anderen Virtuosen zu beschreiben, weil ich davon schlicht zu wenig verstehe. Nicht dass ich mich jetzt für die große Opernexpertin hielte, aber auf diesem Gebiet habe ich mir in den letzten 35 Jahren doch zumindest ein recht gutes Bauchgefühl erworben. Das lässt mich leider bei Orchesterkonzerten oder Solisten total im Stich. Da passiert's mir immer wieder, dass ich von einer Darbietung begeistert bin, die hinterher von meinen kompetenteren Freunden nach Strich und Faden auseinander genommen wird. (Ich habe auch viel zu wenig Vergleichsmöglichkeiten, geschweige denn, dass ich keine Partitur lesen kann.)



Liebe Severina,

Es war nicht so vorwurfsvoll gemeint, wie es vielleicht ankam... aber es fiel mir eben nur auf, denn so ein Abend ist auch für den Mann am Klavier eine Leistung. Und trotzdem schenkt man diesen Leuten oft nur einen halben Nebensatz.
Die Sache mit Kompetenz etc. ist vollkommener Schwachsinn. Ich kenne diverse hochgradig gebildete Musiker und Musikhörer, die überhaupt gar keine Ohren zu besitzen scheinen! Und die - gerade die - sind meiner Meinung die einzige Grundausstattung, die man mitbringen muss. Und ein persönlicher Eindruck oder eine bloße Meinung reicht mir völlig aus.
Übrigens: ich habe mir jetzt auch einmal die CD der beiden hier besprochenen angehört mit der Müllerin. Ich finde Kaufmanns Stimme interessant, auch hat er Mut, mal einen dünnen Klang zu nutzen. Mir persönlich ist es nicht intim genug, aber das ist auch nur eine persönliche Meinung. Helmut Deutsch ist mir fast zu zurückhaltend im Vergleich zu Kaufmann (oder eben dann umgekehrt), obwohl er gar nicht müsste, denn diesen Sänger deckt er gewiss nicht so leicht zu - ein spannendes gemeinsames Musizieren wäre hier ganz sicher möglich.Evtl. zusätzlich auch ein aufnahmetechnisches Problem.
Vielleicht hat Deutsch live auch einfach zu wenig Eindruck gemacht, das könnte ich mir schon vorstellen. Bei der CD schaffen sie es in den letzten beiden Liedern beinahe doch, einen gemeinsamen, intimen Ton zu schaffen. Mir gefällt hier beispielsweise Gerhaher/ Huber besser, aber meine Favoriten bei Schubert sind und bleiben Pregardien/ Staier. :hello

Herzlich,
S A T I E
Severina (24.10.2012, 23:55):
Lieber Satie,

da sind wir ganz beisammen, denn wie ich schon sagte: Kaufmann bietet für mich eine der besten Interpretationen der "Schönen Müllerin", die ich kenne, aber nicht die beste. Mein Non-plus-ultra im Liedgesang generell ist Christian Gerhaher, und auch der von Dir favorisierte Pregardien kommt noch vor Kaufmann. Aber immerhin hat er meine frühere Nummer 1 als Müllersbursch, Francisco Araiza, überrundet :D!

Und zu Ingrid: Auf der CD stimmt das Tempo, da hetzt weder Deutsch noch Kaufmann. Die dort angegebene Laufzeit beträgt 63,22 Minuten, gestern stürmten sie nach ziemlich genau 55 Minuten über die Ziellinie, und das live, wo es üblicherweise längere Pausen gibt zwischen den einzelnen Liedern, hinzu kam noch viermal Zwischenapplaus.

lg Severina :hello
Ingrid (25.10.2012, 08:25):
Original von Severina
Die dort angegebene Laufzeit beträgt 63,22 Minuten, gestern stürmten sie nach ziemlich genau 55 Minuten über die Ziellinie, und das live, wo es üblicherweise längere Pausen gibt zwischen den einzelnen Liedern, hinzu kam noch viermal Zwischenapplaus.

lg Severina :hello

Das klingt für mich dann schon wieder sehr nach Rekord brechen (warum auch immer) und da bin ich mir nicht sicher, ob mir das gefallen hätte. Für Euch gab es zum Ausgleich wenigstens Zugaben :wink Kann natürlich durchaus sein, dass die MDG bei diesem außergewöhnlichen Tempo eine gewisse Rolle spielte.

Liebe Grüße
Ingrid
Ingrid (26.10.2012, 23:45):
Sah gerade Fotos, die gestern von JK am Bühnentürl geschossen wurden. Er hat sich wohl, zum Glück, so gut von den Strapazen am Dienstag erholt, dass er den Cavaradossi singen und sogar noch seine Fans begrüßen konnte. Das ist schon eine Leistung.

Eine gute Nacht wünscht
Ingrid
Karolus Minus (28.10.2012, 10:22):
Original von Ingrid
Ich legte, nach Saties Beitrag auch gleich die Müllerin ein und achtete ganz besonders auf die Begleitung von Helmut Deutsch. Da ich Jonas Kaufmann bisher nur mit ihm erlebte, gehörten sie als perfekt eingespieltes Team einfach zusammen und es war für mich selbstverständlich, dass es nicht besser gehen kann. Herr Deutsch also bestimmt keine Fehler machte, die man/ich bemängeln könnte. War deshalb auch ganz erstaunt als ich einmal las, seine Begleitung wäre langweilig. Vielleicht hören so etwas wirklich nur Spezialisten. Ich auf jeden Fall nicht.
:hello Ingrid

ich kenne Helmut Deutsch als Begleiter schon ziemlich lange und mit den verschiedensten Sängern. Und früher hab ich ihn eigentlich immer als solide aber leider auch sehr fad empfunden, einer, der garantiert nichts falsch macht aber eben "nur" Begleiter ist, mit dem negativen Beigeschmack, den das Wort hat.
Aber seit dem letzten jahr in Schwarzenberg hat sich das - aus welchen Gründen auch immer - deutlich geändert, als wenn da einer plötzlich sein Temperament entdeckt hätte und daß er gleichwertiger Partner des Sängers ist - und manchmal auch derjenige, der über seine Phrasierung den Ausdruck vorgibt (was einem jungen Sänger ungemein helfen kann und be einem erfahrenen im Idealfall zu einem gegenseitigen geben und nehmen führt, das der Routine entgegensteuert, weil immer spontan reagiert werden kann.
Und die schnellen Tempi dürften JKs Verfassung geschuldet gewesen sein, ein Pianist mit stimmgeschultem Ohr (und das hat Deutsch garantiert) hilft da.

Lg
Karolus Minus
palestrina (06.03.2013, 21:30):
Wer ist der bessere Wagner Sänger, ein Vergleich .

Auf:

http://m.mdr.de/mdr-figaro /musik /audio 487786.html
Viel Spaß ihr lieben!

LG palestrina
stiffelio (06.03.2013, 21:50):
Hallo palestrina,

ohne Leerzeichen funktioniert der Link besser :wink:
http://m.mdr.de/mdr-figaro/musik/audio487786.html

hören kann ich ihn trotzdem nicht, macht wohl mein ziemlich alter Labtop nicht mehr mit.
Aber auch ungehört würde ich sagen: für mich ist das kein entweder-oder. Beide singen Wagner auf ihre Weise. Mir ganz persönlich ist Vogt als Lohengrin vermutlich etwas lieber (ich kann das immer schwer von den konkreten Inszenierungen trennen), aber es gibt sicher etliche Wagner-Rollen, in denen ich Kaufmann mindestens genauso gern ode lieber höre. Siegmund zum Beispiel. Beim Parsifal fehlt mir der Vergleich, aber wir sind uns ja einig, dass Kaufmann am Samstag grandios war.

VG, stiffelio
palestrina (21.03.2013, 21:06):
Heute wieder, und immer noch toll, und ich kann nur nochmal bestätigen
die Wesendonck Lieder sing er klasse !

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0028947851899.jpg

LG palestrina
Severina (20.08.2013, 18:27):


Das Verdijahr darf ein Tenor vom Rang eines Jonas Kaufmann natürlich nicht ignorieren - aber muss es ein solches 0815-Programm sein?? Diese ziemlich unoriginelle Anhäufung abgenudelter Tenorhits hat mich zunächst in der Überzeugung gefestigt: "Brauch ich nicht!" Aber einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul :), und nachdem diese Verdi-CD in den letzten Tagen mein ständiger Begleiter ist, sag ich jetzt: "Brauch ich doch!" :D

"La donna è mobile" enttäuscht mich noch ein bisschen, weil ich das live subtiler in Erinnerung habe, etwas "philosophischer" angelegt und weniger Humptata-Verdi.

"Celeste Aida" gefällt mir gut, ohne mich aber jetzt vom Hocker zu hauen. Obwohl Kaufmann ein wunderschönes Diminuendo auf den Schlusston draufsetzt, fehlt mir insgesamt etwas, ohne das jetzt konkret benennen zu können.

Wunderbar dann Canzone und Romanza aus "Un Ballo in maschera", womit ich nicht nur die vokale Umsetzung, sondern auch die Interpretation meine. Den innere Kampf Gustavos um den Verzicht auf Amelia gestaltet Kaufmann mit der ihm eigenen Intensität und weckt in mir den akuten Wunsch, ihn in dieser Partie auf der Bühne zu erleben.

"Di quella pira" - da lässt jeder Tenor die Sau raus, so auch Jonas Kaufmann :D.

Welch subtiler Gestalter er ist, kann er dann mit "Oh fede negar potessi ..." und vor allem "Quando le sere al placido" aus "Luisa Miller" unter Beweis stellen, vor allem auch seine Legatofähigkeiten.

Es folgen "Simone Boccanegra", "Don Carlo", beides sehr gut, aber mein persönlicher Höhepunkt sind die beiden nächsten Nummern aus "La Forza del Destino" und "I Masnadieri":

Erst der Furor in der Stimme bei "La vita è inferno....", dann unendlich zart, getragen von Wehmut und resignativer Verzweiflung "O tu, che in seno agli angeli" :down :down - Das alleine ist jeden Cent wert, den diese CD kostet!!!

Dann als Kontrast dazu "Destatevi, o pietre!..." aus den "Masnadieri", wo Kaufmann wieder voll aufdrehen kann und das mit spürbarer Lust auch tut.

Als Otello gelingt Jonas Kaufmann natürlich das "Niun mi tema" besonders gut, "Un bacio, un bacio ancora..." in einem herrlich schwebenden Piano - das klingt lange in einem nach.

Als Bonus gibt es noch Jonas Kaufmann als Luxusbesetzung des Macduff.

Mein Fazit: Ja!!!!!!!!!!!!

lg Severina :hello
Ingrid (20.08.2013, 23:14):
Liebe Severina,

habe das Verdi-Album schon ganz lange bestellt. In D. bekommt man es, glaube ich, erst Mitte September geliefert. Bei Euch ging das offensichtlich schneller. Freue mich jetzt natürlich noch mehr darauf, denn Deine Kritik klang nicht schlecht....nein sehr gut. Nach dem Hammer in dem Blog war das natürlich eine Wohltat. Man zweifelt da schon eine Weile am eigenen Verstand und Hörvermögen.

Liebe Grüße
Ingrid
Severina (21.08.2013, 00:26):
Original von Ingrid
Liebe Severina,

habe das Verdi-Album schon ganz lange bestellt. In D. bekommt man es, glaube ich, erst Mitte September geliefert. Bei Euch ging das offensichtlich schneller. Freue mich jetzt natürlich noch mehr darauf, denn Deine Kritik klang nicht schlecht....nein sehr gut. Nach dem Hammer in dem Blog war das natürlich eine Wohltat. Man zweifelt da schon eine Weile am eigenen Verstand und Hörvermögen.

Liebe Grüße
Ingrid

Nö, bei uns kommt die CD auch erst im September auf den Markt, aber ich habe eine advance promotional copy bekommen :haha
Und bevor jetzt jemand aufschreit, dass ich dann noch gar nichts darüber schreiben darf - doch, ich darf! Ich habe extra gefragt, und da hieß es sinngemäß "Nur zu, man kann nicht früh genug anfangen, über eine CD zu reden!" (Sony bezahlt mich leider nicht für die Gratiswerbung und ich fürchte, auch Herr Kaufmann nicht :D!)

lg Severina :hello
Ingrid (21.08.2013, 10:18):
Bei der Werbung kann sich ja wirklich jeder freuen, sogar Jonas Kaufmann :)
Da die Zeit sowieso wie im Flug zerrinnt, werde ich die paar Wochen ohne sicher noch gut überstehen. Könnte ja gleich mal wieder Wagner-CD einlegen. Die ist doch auch nicht schlecht.

:hello Ingrid
palestrina (06.09.2013, 22:19):
Habe heute die CD bekommen (meine Quelle gebe ich nicht her :haha) ich bin begeistert !

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0887654920027.jpg

Und ja, man braucht sie !!!!! :down

LG palestrina
Hyacinth (07.09.2013, 09:36):
Hab mir gestern das Verdi-Requiem unter Barenboim mit Harteros, Garanca, Kaufmann und Pape gekauft und wurde positiv überrascht. Kaufmanns Stimmfärbung ist ja nicht so meines und fürs Ingemisco fehl mir die Schwerelosigkeit, aber sein erster Einsatz (Kyrie) ist strahlend und triumphierend, da stören mich seine von unten angesetzten hohen Töne fast nicht...

lg,
Hyacinth :hello
nikolaus (08.09.2013, 18:09):
Original von Hyacinth
Hab mir gestern das Verdi-Requiem unter Barenboim mit Harteros, Garanca, Kaufmann und Pape gekauft und wurde positiv überrascht. Kaufmanns Stimmfärbung ist ja nicht so meines und fürs Ingemisco fehl mir die Schwerelosigkeit, aber sein erster Einsatz (Kyrie) ist strahlend und triumphierend, da stören mich seine von unten angesetzten hohen Töne fast nicht...

lg,
Hyacinth :hello

Ist zwar hier off topic, aber wie sind denn die drei anderen?

Nikolaus :thanks
palestrina (09.09.2013, 19:10):
Hallo nikolaus ,

schau mal unter Volksmusik im Thread Requiem Vertonungen !

LG palestrina
nikolaus (09.09.2013, 20:39):
Original von palestrina
Hallo nikolaus ,

schau mal unter Volksmusik im Thread Requiem Vertonungen !

LG palestrina

Huch, ich wusste gar nicht, dass wir auch eine Volksmusik-Abteilung haben... :wink

Spass beiseite.

Entschuldige, Dein Beitrag war mir unerklärlicherweise entgangen!

Danke für den Hinweis!

Nikolaus.
Allegra (18.09.2013, 13:01):
Original von palestrina
Habe heute die CD bekommen (meine Quelle gebe ich nicht her :haha) ich bin begeistert !

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0887654920027.jpg

Und ja, man braucht sie !!!!! :down

LG palestrina


Jaaaaa, braucht man! :D


Ich bin mit Domingo und Pavarotti im Ohr aufgewachsen ... aber von dieser CD bin ich doch sehr angetan. Eine sehr eigene, intensive Interpretation, die unter die Haut geht.
palestrina (19.09.2013, 11:29):
Ich bin mit Domingo und Pavarotti im Ohr aufgewachsen ... aber von dieser CD bin ich doch sehr angetan. Eine sehr eigene, intensive Interpretation, die unter die Haut geht.

Hallo Allegra ,
ich allerdings weniger mit Domingo, mehr mit Pavarotti, Carreras u.Alfredo Kraus, aber was solls
Kaufmann macht mir viel Freude und diese Scheibe ist GRANDIOS !!!!!!!!
Eine kleine Zeile aus der Rezension im Fono Forum : In Ricardos "Ma se m'é forza perderti"
weint er mit rein stimmlichen Mitteln emphatische Tränen des Abschieds .

Auf den Punkt gebracht !

LG palestrina
Allegra (19.09.2013, 11:39):
Ja, Carreras hatte ich vergessen. :)

Und aus gegebenem Anlass: am Samstag, 21.9. läuft auf 3sat um 22 Uhr 35 eine Jonas-Kaufmann-Reportage. Text dazu hier.
Ingrid (08.11.2013, 20:12):
Heute staunte ich nicht schlecht, als in bester Werbezeit im ZDF für die Verdi-CD mit Jonas Kaufmann mehrmals Reklame gemacht wurde. Geht das von Sony aus?

Da wird es jetzt höchstwahrscheinlich noch schwieriger werden, an Karten zu kommen, da noch mehr Leute den schönen Jonas Kaufmann in Aktion sehen wollen. Ist jetzt schon reine Glückssache, denn selbst bei den Anstehern ist es passiert, dass der Zweite schon keine Karte mehr bekam. Nach 3-5 Minuten ist das Haus sowieso immer völlig ausverkauft. Ist auch etwas ungeschickt, fast alle Vorstellungen von z.B. der Forza in den Abos anzubieten. Da bekommen sie doch viel weniger für eine Karte, aber viel mehr total gefrustete Menschen, die nach solchen Erlebnissen vielleicht überhaupt nicht mehr in die Oper gehen wollen.

Ich habe das Glück, dass meine Schwägerin tatsächlich zwei Karten im schriftl. Vorverkauf für die Forza bekam und sie mich mitnimmt. Ist sogar die Premiere :leb Ansonsten blieben bisher bei mir alle Versuche erfolglos.

In die erste Vorstellung der zweiten Serie des Trovatore (leider ohne Anja Harteros) gehe ich morgen, denn da blieb ich tatsächlich vorher kartenlos. Bin schon sehr gespannt. In der Pause wird JK sogar zersägt, aber singt nachher doch hoffentlich wieder gut weiter ?(

:hello Ingrid
Ingrid (10.11.2013, 00:40):
JK war als Manrico wirklich sensationell und die Inszenierung gefiel mir sogar auch. Habe dieses Liveerlebnis endlich mal wieder richtig genießen können. Freue mich schon sehr auf den nächsten Dienstag und den besten Trovatore :down

:hello Ingrid
stiffelio (10.11.2013, 10:38):
Liebe Ingrid,

kannst du dann bitte evtl. auch noch mal etwas Erhellendes zur Inszenierung schreiben (oder einfach nur, was dir gefallen hat)? Gerne auch im TROVATORE-Therad, weil es da wohl besser passt. Man kann diesen Trovatore mit Kaufmann und Harteros ja auch im Netz finden, aber bisher hab ich es noch nie geschafft, ihn durchzuhalten, weil ich weder mit dem Bühnenbild noch mit der Personenführung etwas anfangen kann.
Also, wenn du mir da ein paar Schlüssel zum besseren Verständnis liefern könntest, wäre ich dir sehr dankbar, denn ich würde diese Sänger ja auch gerne so genießen, wie sie es verdienen.

VG, stiffelio
Ingrid (10.11.2013, 23:34):
Liebe Stiffelio,

leider habe ich noch keine Schlüssel gefunden, die Dir jetzt wirklich ein Stück weiter helfen. Es war ja erst der zweite Trovatore überhaupt für mich und der erste lag schon Lichtjahre zurück. Mein erster Eindruck war einfach, dass ich diese Inszenierung durchaus mehrmals anschauen könnte..... so Kaufmann dabei ist :D Eine Freundin lehnt z.B. einen zweiten Besuch strikt ab und ich freue mich total auf den nächsten Dienstag.

Im Trovatore-Thread habe ich ein klein wenig mehr geschrieben, aber leider auch nur sehr oberflächlich. Es wird Dir nicht reichen, befürchte ich.

Liebe Grüße
Ingrid
Honoria Lucasta (27.12.2013, 08:54):
Ich habe die Verdi-CD mit Jonas Kaufmann als Weihnachtsgeschenk bekommen und gestern angehört. Ich werde mich mit der immer leicht knödeligen Stimmfarbe dieses Sängers niemals anfreunden können, aber ich gebe gern zu, daß er stilistisch vielen anderen Tenören noch etwas vormachen kann: perfekte Phrasierung, intelligente Gestaltung, natürlich auch beeindruckende Kraftreserven, die ihren Ursprung vielleicht im Wagner-Gesang haben. Das ist sehr eindrucksvoll und hier auch gut anzuhören.

Grüße von der Insel!

Honoria
Severina (18.05.2015, 17:48):
Ganz unerwartet kam ich dank lieber Freunde in den Genuss des Operettenkonzerts mit Jonas Kaufmann. An sich bemühe ich mich nie um eine Karte für solche Veranstaltungen, die ja in erster Linie den Zweck verfolgen, die letzte CD des jeweiligen Künstlers zu promoten. Bei den horrenden Kartenpreisen des Konzerthauses kaufe ich mir lieber um einen Bruchteil des Geldes gleich die CD, die ich mir daheim gemütlich und womöglich in Dauerschleife auf der Couch anhören kann.

Einige werden erstaunt sein, das gerade aus meinem Mund zu vernehmen, wo ich doch immer so entschieden für "live is live" plädiere, aber das Preis-Leistungsverhältnis muss stimmen, und das trifft bei solchen Konzerten nur selten zu. Im konkreten Fall wurde mein Vergnügen außerdem durch den Umstand getrübt, dass Jonas Kaufmann mit Mikrophon sang, etwas, das ich bei einem Opernsänger gar nicht goutiere. Beim Tourneestart in Köln hatte es offensichtlich Probleme gegeben, das Mikro funktionierte nicht richtig, Teile des Publikums protestierten, weil sie nichts hörten, es kam zu unguten Szenen, wie mir meine Freundin berichtete. Herr Kaufmann hatte daraus offensichtlich gelernt und startete sein Wien-Konzert mit einer launigen Ansprache an das Publikum, in welcher er den Einsatz des Mikrophons rechtfertigte und beteuerte, es werde nur bei einigen Nummern zugeschaltet und man würde es gar nicht bemerken.
Nun, man oder vielmehr meine Freunde und ich merkten es sehr wohl, Kaufmanns Stimme klang anders als sonst. Nicht schlechter, aber irgendwie fremd, und es dauerte eine Weile, bis ich mich an diesen neuen Sound gewöhnte. Außerdem: Erklärung hin, Erklärung her, ich bin von der Notwendigkeit der Mikro-Verstärkung trotzdem nicht überzeugt. In der Oper trägt Kaufmanns Stimme ja auch bei leisen Stellen, sogar beim feinsten Pianissimo, warum sollte das also im Konzerthaus nicht klappen?

Das Manko mit dem verfremdeten Timbre machte Jonas Kaufmann durch seine Vortragskunst dann aber mehr als wett. Ob jubilierend-auftrumpfend bei "Freunde, das Leben ist lebenswert", ob mit einer vokalen Umarmung des Publikums mit "Grüß mir mein Wien", ob als charmanter Verführer (Gern hab ich die Frau'n geküsst, Schatz ich bitt dich, komm heut Nacht usw.) - Kaufmann beherrschte die emotionale Klaviatur perfekt, er schmachtete, lockte und flirtete, aber immer mit Augenmaß, ohne je in den Gefahrenbereich des Schmalztopfes zu geraten. Mit welchen Ohren die Kritiker hören, die bei Kaufmann Charme und Stilgefühl für das Genre Operette vermissen, wüsste ich nur zu gerne. Zumindest bei diesem Konzert bot der Sänger beides im Übermaß!

Nach dem offiziellen Programmteil (9 Lieder, garniert von 6 Orchesterstücken) folgten natürlich noch Zugaben, insgesamt vier an der Zahl. Sie wurden unterbrochen durch die Überreichung der Goldenen Schallplatte für 7500 (??? Kenn mich da nicht so aus!)verkaufte CDs in Österreich. Jonas Kaufmann bedankte sich für diese Auszeichnung, ganz besonders aber bei seinem Publikum, das sie ja erst ermöglicht hatte. Danach relativierte er augenzwinkernd seine Bedeutung, indem er bei "Frag nicht, warum ich gehe" die Textzeile "Morgen küsst dich ein and'rer" in "Morgen singt hier ein and'rer" umwandelte - auch Künstler sind
austausch- und ersetzbar.
An diesem Abend waren wir aber sehr glücklich, dass Jonas Kaufmann und nicht schon "ein and'rer" gesungen hatte!!



lg Severina :hello
Rotkäppchen (18.05.2015, 18:58):
Hallo Severina,

das hört sich ja interessant an -- aber was war denn der konkrete Grund, dass der JK bei manchen Stücken das Mikro benutzt hat und bei anderen wiederum nicht??

LG, Rk :hello
Severina (18.05.2015, 20:08):
Hallo Rotkäppchen,
also wir hatten den Eindruck, dass das Mikro die ganze Zeit im Einsatz war! Die Erklärung lautete in etwa, dass einige der intimeren Lieder der 30erjahre für einen Vortrag mit Mikro gedacht waren, daher blablablabla... Wie gesagt, uns kam das ein bisschen fadenscheinig vor.
Einer meiner Freunde meinte "Wenn er mit Mikro singen will, dann soll er dazu stehen und es einfach tun und nicht diesen Eiertanz zur Rechtfertigung aufführen. Jetzt haben wahrscheinlich viele das Gefühl, dass es doch nicht so ganz OK ist." Ich finde, da ist was dran.

Ich persönlich mag es halt überhaupt nicht, wenn ein Opernsänger mit Mikro singt. Daher war ich auch zu der Zeit, als ich noch ein großer Villazónfan war, nie bei einem seiner Konzerte in der Stadthalle. Das fiel bei mir unter Show und interessierte mich schlicht nicht.

Mir ist natürlich klar, dass im Studio auch mit Mikro gesungen wird. Gerade deshalb bin ich sehr vorsichtig mit der Bewertung einer Stimme, bevor ich den Sänger live gehört habe. Auf der CD blüht so manches Stimmchen, Tonmeister sei Dank, zu einer imposanten Stimme auf.....

lg Severina :hello
Rotkäppchen (19.05.2015, 00:07):
Original von Severina
also wir hatten den Eindruck, dass das Mikro die ganze Zeit im Einsatz war!

Liebe Severina,

o.k., die ganze Zeit also, da hätte ich mich auch sehr geärgert!

Ich erinnere mich, dass vor einigen Monaten auf Arte ein JK-Konzert kam, das wohl auch zu dieser Du-bist-die-Welt-für-mich-Tour gehörte (hatte mich die Stiffelio drauf aufmerksam gemacht...). Das fand ich wirklich sehr hörenswert, obwohl ich mir sonst praktisch NIE etwas Operettiges antue; aber JKs Vortragskunst war schon raffiniert und über den Applaus freute er sich jedesmal wie ein unschuldiges Kind :D -- herrlich!

Hast Du ihn eigentlich kürzlich in Cav/Pag aus Salzburg gesehen? ... ging ein bisschen unter hier wegen der Opernabstinenz und -lethargie .

LG, Rk :hello
Billy Budd (19.05.2015, 10:09):
Für mich klingt das alles seeehr schwammig... besonders:
Herr Kaufmann hatte daraus offensichtlich gelernt und startete sein Wien-Konzert mit einer launigen Ansprache an das Publikum, in welcher er den Einsatz des Mikrophons rechtfertigte und beteuerte, es werde nur bei einigen Nummern zugeschaltet und man würde es gar nicht bemerken.
Aha, und wenn mans eh nicht bemerkt, wozu gibt es dann das Mikro??
Ich persönlich finde es total daneben, wenn Opernsänger durch Mikrophone verstärkt werden... gut, an der Met ist das schon jahrzehntelang üblich, und bei Events wie in Bregenz auch notwendig, aber im Konzerthaus hats echt nix verloren.
Billy :hello
Severina (19.05.2015, 14:18):
Original von Rotkäppchen
Original von Severina
also wir hatten den Eindruck, dass das Mikro die ganze Zeit im Einsatz war!

Liebe Severina,

o.k., die ganze Zeit also, da hätte ich mich auch sehr geärgert!

Ich erinnere mich, dass vor einigen Monaten auf Arte ein JK-Konzert kam, das wohl auch zu dieser Du-bist-die-Welt-für-mich-Tour gehörte (hatte mich die Stiffelio drauf aufmerksam gemacht...). Das fand ich wirklich sehr hörenswert, obwohl ich mir sonst praktisch NIE etwas Operettiges antue; aber JKs Vortragskunst war schon raffiniert und über den Applaus freute er sich jedesmal wie ein unschuldiges Kind :D -- herrlich!

Hast Du ihn eigentlich kürzlich in Cav/Pag aus Salzburg gesehen? ... ging ein bisschen unter hier wegen der Opernabstinenz und -lethargie .

LG, Rk :hello#

Liebes Rotkäppchen,

ja, an Kaufmanns Interpretation hatte ich auch nicht das geringste auszusetzen, das war allererste Sahne und versöhnte mich ein bisschen mit der Mikro-Nummer.

Ja, Cav/Pag aus Salzburg habe ich natürlich gesehen, aus den bekannten Gründen aber keine Lust, mich hier dazu zu äußern. Inzwischen sind meine Ersteindrücke auch schon wieder etwas verblasst, ich müsste mir die Aufzeichnung zwecks Auffrischung noch einmal anschauen. Bei dem schönen Wetter sitze ich aber lieber draußen und höre Musik anstatt im Wohnzimmer vor der Glotze.
Aber vielleicht magst Du ja einen Beitrag dazu schreiben? (Gleich hier oder im TV-Thread!) Deine Meinung würde mich natürlich sehr interessieren!

lg Severina :hello
Rotkäppchen (19.05.2015, 21:03):
Liebe Severina,

ich hatte mir Cav/Pag aus der 3sat-Mediathek heruntergeladen und Cav dreimal angeschaut (wie praktisch sind doch solche Kurzopern) -- um es vorwegzunehmen, es hat mich sehr angesprochen mit Ausnahme der merkwürdig einseitigen Deutung der Rolle der Mutter -- Pag nur einmal, da bin ich nicht 100%ig warm geworden. Außerdem wollte ich damals im TV-Thread dazu etwas schreiben, hatte auch schon angefangen und es dann wieder verworfen, da ich die beiden Einakter nicht gut kenne, ich mich nicht kompetent gefühlt habe und mich die Opernflaute hier auch deprimiert hatte. Daher gleich an dieser Stelle (schließlich habe ich mir die Opern im Wesentlichen wegen JK angesehen :D) ganz kurz meine Eindrücke:

Es gab ja jede Menge Meinungen dazu im Internet, die gingen ziemlich kreuz und quer, tendenziell fanden wohl viele, dass die Produktion mit den beiden Rollenporträts von JK stand und fiel und dem würde ich mich im großen und ganzen anschließen, auch wenn ich an den anderen Sängern, vielleicht aufgrund der fehlenden Vergleichsmöglichkeiten, nicht sooo wahnsinnig viel auszusetzen hatte.

JK fand ich jedenfalls ganz ausgezeichnet in Form, gesanglich und darstellerisch sowieso -- und ich sage das als jemand, der JK sehr schätzt ohne dass mir allerdings seine Stimme Wonneschauer über den Rücken fließen lässt. Ich hatte nie das Gefühl, dass er stimmlich großartig an seine Grenzen gehen muss und sich voll auf die differenzierte Gestaltung konzentrieren konnte. Warum er mir als Turiddu besser gefallen hat als als Canio, kann ich gar nicht so leicht sagen. Evtl. lag das gar nicht an ihm, sondern daran, dass mir eben das Bühnenkonzept mit den vielen Kästen etc. für Cav atmosphärisch passender schien und ich auch den Rest der Besetzung insgesamt einen Tick rollendeckender fand ...

Wie an anderer Stelle schon gesagt, kommt die Stölzl-Inszenierung ja nächste Spielzeit nach Dresden, natürlich in komplett anderer Besetzung. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich das ansehen sollte, da ich durch JKs Darstellung vermutlich für diese Produktion verdorben bin.

LG, Rk
Rotkäppchen (29.05.2015, 15:11):
Eingefleischte JK-Fans wissen das bestimmt schon seit wer-weiß-wie-lange, ich bin gerade erst darüber gestolpert und es ist auch noch eine Weile hin, dass JKs Puccini Album erscheint: wohl am 11. September 2015. Sony lässt ganz viel Zeit zur Vorfreude!

Ganz konkret darf man sich anhand des Track-Listings auf folgende Stücke freuen:
Manon Lescaut, Atto I: "Donna non vidi mai"

Manon Lescaut, Atto II: "Oh, sarò la più bella!... Tu, tu, amore? Tu?"

Manon Lescaut, Atto II: "Ah! Manon mi tradisce"

Manon Lescaut, Atto III:"Presto! In fila!... Non v'avvicinate! No, pazzo son!"

Le Villi, Atto II: "Ei giunge!... Torna ai felici dì"

Edgar, Atto II: "Orgia, chimera dall'occhio vitreo"

La Bohème Atto I: "O soave fanciulla"

Tosca, Atto I: "Recondita armonia"

Madama Butterfly, Atto III: "Addio, fiorito asil"

La Fanciulla del West, Atto II: "Una parola sola!... Or son sei mesi"

La Fanciulla del West, Atto III: "Risparmiate lo scherno... Ch'ella mi creda libero"

La Rondine, Atto I: "Parigi! È la città dei desideri"

Il Tabarro: "Hai ben ragione"

Gianni Schicchi: "Avete torto!... Firenze e come un albero fiorito"

Turandot, Atto I: "Non piangere, Liù!"

Turandot, Atto III: "Nessun dorma"
Eine gewisse Manon-Lescaut-Lastigkeit ist nicht zu übersehen (apropos, am 31. Juli 2015, 19.30 Uhr wird Manon Lescaut mit JK als Des Grieux live von der Bayerischen Staatsoper gestreamed!), einige Reißer dürfen, ganz klar, nicht fehlen, aber es gibt auch Arien aus seltener gespielten Werken!

So wird das Cover aussehen:

https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51R96djxIaL._SS280.jpg

LG, Rk
Severina (29.05.2015, 15:28):
Ja, darauf freue ich mich auch schon! Vor allem, weil JK meiner Meinung nach Puccini perfekt in der Kehle liegt, anders als Verdi, wo ich noch nie so 100%ig glücklich war mit ihm. Ich finde ihn als Alfredo, Duca, Carlo zwar gut, aber nicht zum Abheben gut, wenn Du verstehst, was ich mit diesem Unterschied meine.

lg Severina :hello
Rotkäppchen (29.05.2015, 15:43):
Oh ja, ich denke, ich verstehe es! Ich muss zugeben, ich freue mich außerdem, JK-unabhängig sozusagen, auch deswegen auf das Puccini Album, weil ich (im Moment) ziemlich närrisch auf Puccini allgemein bin :D. Lassen wir uns überraschen!

LG, Rk :hello
Severina (31.05.2015, 00:09):
Dann darfst Du Dich gleich auf noch eine Puccini-Kaufmann-Kombi freuen, denn wie ich aus einer zuverlässigen Quelle weiß, kommt in absehbarer Zukunft die Wiener Fanciulla als DVD heraus :down :down :down!

lg Severina :hello
Rotkäppchen (31.05.2015, 07:56):
Wow, was für Neuigkeiten!! :beer

LG, Rk
Rotkäppchen (05.08.2015, 23:30):
Original von Severina
... wie ich aus einer zuverlässigen Quelle weiß, kommt in absehbarer Zukunft die Wiener Fanciulla als DVD heraus :down :down :down!

lg Severina :hello

Auch in diesem Herbst (ab 09.10.2015 laut An)!

http://ecx.images-amazon.com/images/I/81xvUeLKaDL._SL400_.jpg

LG, Rk :hello
Amonasro (06.08.2015, 01:16):
Für diejenigen, die sich schon vorher einen Eindruck verschaffen wollen, gibt es die Aufführung in ganzer Länge auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=X5L-ZDz9j7A

Die fanciulla finde ich eine von Puccinis besseren Opern. Die Aufführung ist aber hauptsächlich wegen Kaufmann interessant, der Rest hat mich nicht wirklich überzeugt.

Gruß Amonasro :hello

PS: Das sollte natürlich Puccini heißen, nicht Verdi. Ist jetzt korrigiert. :D
Hosenrolle1 (06.08.2015, 01:35):
Original von Amonasro
Die fanciulla finde ich eine von Verdis besseren Opern.

Verdi?
Rotkäppchen (06.08.2015, 21:38):
@Amonasro: Tausend Dank für den Link, werde ich in den nächsten Tagen gleich mal reinschauen! Die Fanciulla gehört bisher nicht zu meinen Puccini-Favoriten -- man bekommt sie ja auch nicht unbedingt an jeder Ecke live zu sehen.

@Hosenrolle1: Vielleicht könntest Du das Notenbeispiel in einen anderen Thread (evtl. in "Was höre ich gerade" oder "Gerade gesehen / Videos rund um die klassische Musik" -- einen Fanciulla-Thread gibt's ja (noch) nicht) verschieben? Danke!

Jetzt nochmal zu J. Kaufmann -- ebenfalls ab Herbst neu auf dem Markt:

Manon Lescaut in einer Aufzeichnung aus dem ROH:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/91jL-RHHM%2BL._SL400_.jpg

Aida, allerdings "nur" als CD, mit Anja Harteros in der Titelpartie; da ist die Konkurenz bzgl. älterer Aufnahmen natürlich riesig...:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/8176ijirYcL._SL300_.jpg

:hello Rk