Josep M. Colom

ab (25.02.2008, 10:28):
Jüngst fiel mir eine CD des Barcelonesischen Pianisten Josep Maria Colom in Hände.
:leb

Josep Colom
Der in Barcelona geborene Pianist Josep Colom wird von Presse und Publikum als einer der beliebtesten Klaviervirtuosen Spaniens gefeiert. Mit dem 1. Preis beim Paloma O’Shea Santander International Piano Competition (1978) begann seine internationale Karriere; heute ist er längst selbst Jurymitglied bei vielen internationalen Wettbewerben, unter anderem beim renommierten Chopin-Wettbewerb in Warschau. Engagements führten und führen ihn regelmäßig in wichtige Musikmetropolen auf der ganzen Welt (Festival Casals de Puerto Rico, Festival Internacional de Música y Danza de Granada, Chopin-Festival in Duszniki, Konzerte in Australien und Japan u. a.). Dabei arbeitet er mit weltberühmten Orchestern und Dirigenten zusammen (Orquesta Sinfónica de Radio Televisión Española, English Chamber Orchestra; Eliahu Inbal, Rafael Frühbeck de Burgos, Alain Lombard u.v.m.). Seit 1982 hat Josep Colom eine Vielzahl an CD-Produktionen realisiert, darunter eine Gesamteinspielung der Klavierwerke für vier Hände von Johannes Brahms (zusammen mit Carmen Deleito), sowie die beiden Brahms’schen Klavierkonzerte mit den Prager Sinfonikern. Vor allem aber für die Gesamteinspielung der Werke für Klavier solo von Manuel de Falla und dessen Nächte in spanischen Gärten für Klavier und Orchester, eingespielt mit dem Orquesta Ciudad de Granada, hat er in der internationalen Presse herausragend gute Kritik bekommen.

http://www.sfilarmonicaba.net/temporadas/2002-2003/programas/2003-05-27-PROGRAMA.jpg

Auf der Aufnahme, die mir in Hände fiel, interpretiert er Debussy, aufgenommen mit einem für meinem Geschmack ganz vorzüglichem Klangkonzept und mit schöner, großer Dynamik (wenn auch etwas digital klingend) im September 1999 (Zanfonia muxxic Classic H-10.0046).

http://img177.imageshack.us/img177/8550/caratuladebussyqz9.jpg


Colom ist damit (sehe ich einmal von Federico Mompou und seinen Eigeneinspielungen ab) nach Alicia de Larrocha und Estéban Sánchez der dritte spanische Pianist, den ich kennen gelernt habe; und bereits der dritte, der mich musikalisch beeindruckt!

Colom würde ich gerne als einen Klavierpoeten bezeichnen, womit wohl schon ein Unterschied zu den beiden anderen genannten angedeutet sein dürfte: weniger leidenschaftliches Glühen als feines, inneres Leuchten. (Überhaupt, wenn mir eine Assozaition als erstes bei seinem Spiel kommt, dann wäre es so etwas wie reflektiertes Licht über einem morgendlichen Meer im Frühling bei noch kühler Luft mit erster Wärme.) Leuchtet bei Sánchez jeder einzelne Ton, so ist es bei Colom eher der Klang im Gesamten.
Die dynamischen Feinheiten faszinieren mich, selbst bei starken Schwankungen kommen mir die Änderungen nie abrupt, sondern immer harmonisch, in sich stimmig vor: eine Interpretation, bei mir das Wort "ganz natürlich" in den Sinn kommt.

Noch kenne ich diese Aufnahme zu wenig, um mehr dazu sagen zu können. Sie wächst mir aber jedesmal mehr ans Herz. Jedesmal meine ich, sie wie das erste Mal zu hören. Es ist eine Aufnhame, bei der ich das Gefühl bekomme, so und nicht anders, wie es gerade im Moment erklingt, müsste Debussy gespielt werden. Dabei würde ich sie als typisch "spanisch" charakterisieren wollen und gar nicht als das, was ich unter "typisch Debussy" oder gar "impressionistisch" verstehe.

Jedenfalls werde ich meine Augen offen halten nach anderen Aufnahmen von Colom! :P

Wer von euch kennt diesen Pianisten? Wer kann mir eine Aufnahme empfehlen, wer hat ihn gar schon im Konzert gehört (jüngst, am 08.2.2008 gastierte er ja in der Kölner Philharmonie unter Rafael Frühbeck de Burgos beim Konzert mit Albéniz, Falla und Beethoven; hat das womöglich jemand von euch gehört)?

Danke!
ab (09.07.2009, 11:40):
Und weil sich bislang hier noch nichts getan hat, etwas mehr zu Josep M. Colom (geboren am 1. November 1947) dem wunderbaren Spanisch- Katlalanischen Pianisten.

Seine lange vergriffene Aufnahme bei hmf von Fallas Nächten in Spanischen Gärten mit dem Orquesta Ciudad de Granada unter Josep Pons von 1996 gilt manchen als legendär. Bei diesem Label ist derzeit nur das Brahms-Klarinettentrio greifbar, nämlich mit Joan Enric Lluna und Lluís Claret.

Sein eigentliches Label nennt sich Mandala, das Aufnahmen erfreulich in sehr hoher Dynamikbreite macht. Dort gibts das gesamte Klavierwerk von Mompou und de Fallasowie das Sonatenwerk des Spaniers Manuel Blasco de Nebra (1730-1784). Für diese Firma hat er auch gemeinsam mit der Piansitin Carmen Deleito Werke von Debussy, Fauré und Ravel eingespielt. Deren Brahms ist mir nirgends untergekommen.

Nicht zuletzt gibt es in der bereits genannten Serie "Grandes Pianistas Espanoles" des Rundfunksenders Radiotelevisión Espanola (rtve) als Vol. 8 eine ihm gewidmete CD mit Konzertmitschnitten zwischen 1993 und 2000 von Chopin, Ravel und Debussy.

Sind euch noch weitere Aufnahmen von ihm untergekommen?
Schätzt jemand inziwschen von euch auch so sehr diesen klangsinnlichen Musiker?
Hat von euch ihn jemand jemals im Konzert erleben können?

Colom ist inzwischen einer jener Pianisten, die ich am liebsten im Konzert einmal erleben würde...

:hello
Gamaheh (09.07.2009, 17:01):
Lieber ab,

dieser Faden war mir bisher leider entgangen...
Original von ab
weniger leidenschaftliches Glühen als feines, inneres Leuchten. (Überhaupt, wenn mir eine Assozaition als erstes bei seinem Spiel kommt, dann wäre es so etwas wie reflektiertes Licht über einem morgendlichen Meer im Frühling bei noch kühler Luft mit erster Wärme.) Leuchtet bei Sánchez jeder einzelne Ton, so ist es bei Colom eher der Klang im Gesamten.
Die dynamischen Feinheiten faszinieren mich, selbst bei starken Schwankungen kommen mir die Änderungen nie abrupt, sondern immer harmonisch, in sich stimmig vor: eine Interpretation, bei mir das Wort "ganz natürlich" in den Sinn kommt.

Hier kam mir schon Debussy in den Sinn, bevor Du den Namen erwähntest.

Colom ist inzwischen einer jener Pianisten, die ich am liebsten im Konzert einmal erleben würde...

Nach dem, was Du schreibst: ich auch. Aber zunächst würde ich schon zumindest gerne mal eine Aufnahme von ihm hören (was auch nicht so einfach zu sein scheint).

Grüße,
Gamaheh
ab (29.01.2010, 17:36):
Mittlerweile ist die Aufnahme Coloms von Manuel de Fallas Nächte in spanischen Gärten mit dem Orquesta Ciudad de Granada unter der Leitung von Josep Pons von 1996 (hmf) wieder greifbar:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0794881399321.jpg

Leider habe ich sie noch nicht hören können.

Wohl aber ist auch bei uns seine o.g. Aufnahme der sechs Sonaten und zwei Pastorelas von Manuel Blasco de Nebra zum Spottpreis erhältlich. Wer D.Scarlatti und Soler mag, sollte hier zugreifen, sofern man beseltes introviertiert-inniges Klavierspiel voll Wärme schätzt. (Freunde von spritziger Dramatik kommen hier natürlich nicht auf ihre Kosten.)

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/0794881718627.jpg

Ebenfalls habe ich inzwischen eine der CDs seiner GA der Kompositionen von Frederic Mompou. Auch sehr empfehlenswert, weil er sie doch recht anders intrerpretiert, nämlich sehr fließend und nicht mit der karg stehenden Dimension, wie sie der Komponist selbst höchst beeindruckend zu spielen verstand.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51SP81623EL._SL500_AA240_.jpg

Fazit: Colom ist immer noch - und immer mehr - einer jener Pianisten, die ich am liebsten im Konzert einmal erleben würde...
Heike (03.02.2010, 21:36):
Vielen Dank für den Hinweis auf diese wunderschöne CD, die zudem noch zum absoluten Schnäppchenpreis zu haben war!



Das ist der Tat faszinierend gespielt. Bei ersten Hören der mir bisher unbekannten Musik überwiegt natürlich noch der Eindruck der Stücke: ganz zauberhafte kleine Sonaten und Pastorelas (hat Brahms da für die Vierte geklaut?). Vor allem ist hier die Scarlatti-Verwandtschaft unverkennbar, das ist funkelnder spanischer Barock, der mich einerseits beruhigt und anrührt - und andererseits einfach Spaß macht.

Auf mich wirkt Coloms Spiel sehr souverän und es bekommt dadurch eine ganz bezaubernde Leichtigkeit, fast was Spielerisches, aber ohne jede Oberflächlichkeit. ab beschrieb es als introvertiert-innig, das stimmt sicher; aber für mich ist da gleichzeitig sehr viel gefühlte Dynamik drin, eine Art mentaler Energie, könnte man fast sagen ;-) . Es gefällt mir jedenfalls sehr gut. Die CD werde ich sicher auch öfter anhören.
Heike
ab (03.02.2010, 21:47):
Original von Hebre
ab beschrieb es als introvertiert-innig, das stimmt sicher; aber für mich ist da gleichzeitig sehr viel gefühlte Dynamik drin, eine Art mentaler Energie, könnte man fast sagen

spanische Glut?
Heike (03.02.2010, 22:15):
spanische Glut?
Ja, aber eher so tiefrot konservierte Hitze, die aus der Tiefe des Herzens kommt. Mehr begehrende Sehnsucht als kochende Leidenschaft.
Heike
ab (03.02.2010, 22:58):
exactamente :hello
(daher Glut und nicht Feuer)