Hier schonmal der erste Teil meiner Opernkritik, Fortsetzung folgt.
Opéra en quatre actes de Jules Massenet (1842-1912). Livret de Henri Cain. Créé en mai 1899 à l’Opéra-Comique, Paris. Direction musicale Claude Schnitzler Mise en scène Laurent Pelly, reprise à Lille Benoît De Leersnyder Assistante à la mise en scène Désirée Neumann Costumes Laurent Pelly en collaboration avec Jean-Jacques Delmotte Décors Barbara de Limburg Lumières Duane Schuler Chorégraphie Laura Scozzi, Cendrillon Renata Pokupic Le Prince Charmant Gaëlle Arquez Madame de la Haltière Marie-Ange Todorovitch Pandolfe René Schirrer La Fée Kathleen Kim Noémie Valérie Condoluci Dorothée Sarah Jouffroy Le Roi Christophe Fel Le Doyen de la Faculté Artavazd Sargsyan Le Surintendant des Plaisirs Jean-Michel Ankaoua Le Premier Ministre Maxime Cohen Choeur de l'opéra de Lille Orchestre National de Lille
An der Oper Lille steht aktuell Massenets Märchenoper „Cendrillon“ auf dem Spielplan. Bisher eher selten auf internationalen Bühnen gespielt und ein echtes Aschenputtel neben Massenets Zugpferden „Werther“ und „Manon“ erlebt sie im Moment eine kleine Renaissance. Wer mehr über die Geschichte der Oper Cendrillon und die verschiedenen Vertonungen des Cinderella Stoffs wissen möchte, sollte Rideamus ausführlichen CendrillonThread im Capriccio-Kulturforum besuchen oder ihn bitten, den Thread hierherzukopieren Es ist immer bereichernd eine Oper zweimal sehen zu können und weil mir dieses Mal das Glück vergönnt war, sowohl die Generalprobe als auch eine Aufführung von mitzuerleben, hoffe ich, dass meine Eindrücke gefestigt genug sind, um hier zu berichten.(Sevis Wunsch ist mir Befehl) Zuerst einmal muss ich sagen, dass ich sowohl Mârchen als auch Laurent Pelly Fan bin. Von daher konnte für mich kaum etwas schiefgehen, obschon ich Massenets Oper überhaupt noch nicht kannte. Ich bin kein wirklicher Fan der frz. Romantik, weder in musiklaischer noch in literarischer Hinsicht und finde, dass die Künstler dieser Natuin ihr Bestes in anderen Epochen gegeben haben. Die Musik hat mich trotz etlciher schöner Momente und Einfâlle nicht wirklich vom Hocker gerissen und eine reine Tonaufnahme werde ich mir davon nciht anschaffen, aber im Zusammenhang mit dieser Inszenierung ist sie einfach zauberhaft- im wahrsten Sinne des Wortes. Pelly siedelt das Ganze in einem riesengrossen Mârchenbuch an. Das Grunddekor sind beschriebene Mârchenbuchseiten, auf denen man die Cednrillonvorlage von Père Perrault(der frz. Grimm) fröhlich mitlesen kann. Es gibt überall Tûren , Klappen und verschiebbare Teile, die sich jederzeit öffnen kônnen und diese Hauptidee wirkt ausreichend gut Pelly passt sich in seiner Inszenierung kongenial der musikalischen Vielfalt dieser Oper an: es gibt komische Szenen, sentimentale Vater-Tochter Duette, romantische Feenszenen und pompösen Prunk. All das wird mit viel Phantasie und Farbenpracht auf die Bühne gestellt. Keine Minute Langeweile, auch nicht bei den für mich ziemlich Victor Hugo-mässigen Plattitüden mancher Text- und Muikpassagen. Anders als in der uns bekannten Version des Stoffs schmückt die Oper sowohl das Famileindramas als auch die Feengeschichte gehörig aus und die Charaktere von Cendrillon und dem „prince charmant“ bekommen Kontur. Die böse Stiefmutter ist eine hochmûtige und ridikül gezeichnete Vertreterin der frz. Noblesse und kônnte in der Pellyversion mit Eier-Uhr-Robe und ausladendem „cul“ fast aus Prousts Roman stammen. Ihre beiden Töchter Noemi und Dorothée erinnern in den Bonbonkleidern und den affektierten Gesten eher an Disney-Figuren und man kann nur wieder einmal mehr Pelly für sein tolles Hândchen bei den Kostümen (hier hat er sie sogar selbst entworfen!!!!) bewundern. Alle drei werden serh gut gesungen und gespielt und insbesondere Marie-Ange Todorovich hat eine höchst voluminöse und gebieterische Mezzo-Stimme und ist eine ideale Verkörperunfg dieser Madame de la Altière, für die hier Alles gut ausgeht, denn sie schafft am Ende tatsächlich den opportunistischen Wendehals und bicht in Jubel aus, als „ihre“ Tochter Cendrillon schliesslich Königin wird, nachdem die beiden anderen „Versagerinnen“ die Ausfstiegsambitionen der Mutter nciht erfüllen konnten.. Ende gut alles gut....... das gibt es bei den Brüdern Grimm nicht, da werden die Bösen ihre Strafe zugeführt.. aber bei Massent sind die Bösen halt nciht böse sondern komisch, was auch musiklaishserh deutlich gemacht wird.. Der royaleBlâserpomp für die Szenen der Stiefmutter oder die Szenen bei Hofe ist kôstlich anzuhören. Cendrillons Vater gehört zur sentimentalen Schiene der Oper und ist ein von Selbstvorwürfen zerfleischter Pantoffelheld bzw „Warmduscher“. Er hat weder die Kraft noch die Konfliktbereitschaft, sich gegen seine zweite Frau zu behaupten und ist sich vollkommen bewusst was er seiner geliebten Tochter damit antut. Er sehnt sich nach seinem ruhigen Landleben als Witwer zurück und begreift selbst nciht mehr, wie er sich mit dieser Xanthippe verheiraten konnte. Die Problematik einer Patchwork-Familie mutet ziemlich modern an und einzig die Engelsgeduld und immerwährende Freundlichkeit von Cendrillon gegen Vater und Stieffamilie ist für heutige Patchworkkinder wohl nicht so leicht nachzuvollziehen...... Auch der Prinz wird in einer Weise dargestellt, wie sie im Mârchen nicht vorkommt: Er sitzt als verwöhnter,schmollender, von Spleen und Weltschmerz gepenigter Jugendlicher in einem Schrank und träumt von der Erlôsung durch die grosse Liebe. Die Besetzung mit einer Sopranstimme unterstreicht die Weichheit und Unreife des Charakters der vom „Mannsein“ noch meilenweit entfernt scheint. Überhaupt werden die Männer in dieser Oper als Weicheier gezeigt und kommen gegen die starken Frauen in keiner Weise an. Cendrillon ist dem Prinzen menschlich eindeutig überlegen und man fragt sich , was sie eigentlich an ihm findet. Alle (humoristisch gefärbten) Erziehungsversuche fruchten bei ihm nichts, am Ende wird er auf Befehl seines Vater zum Ball, bei dem er sich eine Frau aussuchen muss, gezwungen und hingetragen. Glücklicherweise durchlâuft auch dieser Prinz einen gewissen Entwicklungsprozess im dritten Akt- als Ehemann von Cendrillon geht es ihm hoffentlich dann besser als Cendrillons Vater bei seiner 2. Gattin. Es gibt hier reichlich Identifikationspotential mit Jugendlichen aller Epochen und natürlich lâsst auch Werther herzlich grüssen- dieser Prnz hat das Werther Potential zu 100% in sich. Köstlich sind die Ballszenen inclusive Ballet, wo sich zahlreiche Bewerberinnen um die Gunst des Prinzen reissen. Die Kostüme symbolisieren hier die verschiedenen Varianten der Verführungskunst und sind ein ästhetischer Höhepunkt, mit dem Pelly die etwas langatmige Musik des unvermeidlichen Ballets genial überbrückt. Während der Prinz zu Tode gelangweilt und deprimiert den Aufmarsch der Thronprâtendentinnen über sich ergehen lassen muss, wird Cendrillon zu Hause zwischen Neid, Selbstvorwürfen(man darf nciht neidisch sein- "resigne et travaille" (resigniere und arbeite), Trauer und Mûdigkeit hin und hergerissen und fällt schliesslich in einem Zauberschlaf. Lange bevor Mârchen- und Traumdeutung in die Wissenschaft einzogen und die psychologie salonfâhig wurde- wusste Cendrillon bereits, was es damit auf sich hat. Nun tritt die zumindest nach Meinung des Publikums (zu dem ich auch gehöre...) Hauptfigur der Oper auf : die Fee. Fortsetzung folgt.
Fairy Queen (22.05.2012, 19:08): Da ich keine Möglichkeit mehr habe, meine peinlichen Tippfehler oben zu korrigieren, stelle ich das Ganze plus Fortsetzung nochmal ein und bitte die geneigten Leser, den oberen Teil zu vergessen.
Jules Massenet « Cendrillon » Oper Lille 20.5.2012 Opéra en quatre actes de Jules Massenet (1842-1912). Livret de Henri Cain. Créé en mai 1899 à l’Opéra-Comique, Paris. Direction musicale Claude Schnitzler Mise en scène Laurent Pelly, reprise à Lille Benoît De Leersnyder Assistante à la mise en scène Désirée Neumann Costumes Laurent Pelly en collaboration avec Jean-Jacques Delmotte Décors Barbara de Limburg Lumières Duane Schuler Chorégraphie Laura Scozzi,
Cendrillon Renata Pokupic Le Prince Charmant Gaëlle Arquez Madame de la Haltière Marie-Ange Todorovitch Pandolfe René Schirrer La Fée Kathleen Kim Noémie Valérie Condoluci Dorothée Sarah Jouffroy Le Roi Christophe Fel Le Doyen de la Faculté Artavazd Sargsyan Le Surintendant des Plaisirs Jean-Michel Ankaoua Le Premier Ministre Maxime Cohen Orchestre national de Lille Jean-claude Casadesus Chœur de l’Opéra de Lille, Direction Yves Parmentier An der Oper Lille steht aktuell Massenets Märchenoper „Cendrillon“ auf dem Spielplan. Bisher eher selten auf internationalen Bühnen gespielt und ein echtes Aschenputtel neben Massenets Zugpferden „Werther“ und „Manon“ erlebt sie im Moment eine kleine Renaissance. Wer mehr über die Geschichte der Oper Cendrillon und die verschiedenen Vertonungen des Cinderella Stoffs wissen möchte, sollte Rideamus ausführlichen CendrillonThread im Capriccio-Kulturforum besuchen oder ihn bitten, den Thread hierherzukopieren Es ist immer bereichernd eine Oper zweimal sehen zu können und weil mir dieses Mal das Glück vergönnt war, sowohl die Generalprobe als auch eine Aufführung von mitzuerleben, hoffe ich, dass meine Eindrücke gefestigt genug sind, um hier zu berichten.(Sevis Wunsch ist mir Befehl) Zuerst einmal muss ich sagen, dass ich sowohl Mârchen als auch Laurent Pelly Fan bin. Von daher konnte für mich kaum etwas schiefgehen, obschon ich Massenets Oper überhaupt noch nicht kannte. Ich bin kein wirklicher Fan der frz. Romantik, weder in musikalischer noch in literarischer Hinsicht und finde, dass die Künstler dieser Nation ihr Bestes in anderen Epochen gegeben haben. Die Musik hat mich trotz etlciher schöner Momente und Einfâlle nicht wirklich vom Hocker gerissen und eine reine Tonaufnahme werde ich mir davon nciht anschaffen, aber im Zusammenhang mit dieser Inszenierung ist sie einfach zauberhaft- im wahrsten Sinne des Wortes. Pelly siedelt das Ganze in einem riesengrossen Mârchenbuch an. Das Grunddekor sind beschriebene Mârchenbuchseiten, auf denen man die Cednrillonvorlage von Père Perrault(der frz. Grimm) fröhlich mitlesen kann. Es gibt überall Tûren , Klappen und verschiebbare Teile, die sich jederzeit öffnen kônnen und diese Hauptidee wirkt ausreichend gut Pelly passt sich in seiner Inszenierung kongenial der musikalischen Vielfalt dieser Oper an: es gibt komische Szenen, sentimentale Vater-Tochter Duette, romantische Feenszenen und pompösen Prunk. All das wird mit viel Phantasie und Farbenpracht auf die Bühne gestellt. Keine Minute Langeweile, auch nicht bei den für mich ziemlich Victor Hugo-mässigen Plattitüden mancher Text- und Muikpassagen. Anders als in der uns bekannten Version des Stoffs schmückt die Oper sowohl das Famileindramas als auch die Feengeschichte gehörig aus und die Charaktere von Cendrillon und dem „Prince charmant“ bekommen Kontur. Die böse Stiefmutter ist eine hochmûtige und ridikül gezeichnete Vertreterin der frz. Noblesse und kônnte in der Pellyversion mit Eier-Uhr-Robe und ausladendem „cul“ fast aus Prousts Roman stammen. Ihre beiden Töchter Noemi und Dorothée erinnern in den Bonbonkleidern und den affektierten Gesten eher an Disney-Figuren und man kann nur wieder einmal mehr Pelly für sein tolles Hândchen bei den Kostümen (hier hat er sie sogar selbst entworfen!!!!) bewundern. Alle drei werden serh gut gesungen und gespielt und insbesondere Marie-Ange Todorovich hat eine höchst voluminöse und gebieterische Mezzo-Stimme und ist eine ideale Verkörperung dieser Madame de la Altière, für die hier Alles gut ausgeht, denn sie schafft am Ende tatsächlich den opportunistischen Wendehals und bicht in Jubel aus, als „ihre“ Tochter Cendrillon schliesslich Königin wird, nachdem die beiden anderen „Versagerinnen“ die Ausfstiegsambitionen der Mutter nciht erfüllen konnten.. Ende gut alles gut....... das gibt es bei den Brüdern Grimm nicht, da werden die Bösen ihrer Strafe zugeführt.. aber bei Massenet sind die Bösen halt nciht böse sondern komisch, was auch musiklaisch serh deutlich gemacht wird.. Der royaleBlâserpomp für die Szenen der Stiefmutter oder die Szenen bei Hofe ist kôstlich anzuhören. Cendrillons Vater gehört zum sentimentalen Strang der Oper, und ist ein von Selbstvorwürfen zerfleischter Pantoffelheld bzw „Warmduscher“ Sein Name Pandolfe ist bereits sprechend.. Er hat weder die Kraft noch die Konfliktbereitschaft, sich gegen seine zweite Frau zu behaupten und ist sich vollkommen bewusst, was er seiner geliebten Tochter damit antut. Er sehnt sich nach seinem ruhigen Landleben als Witwer zurück und begreift selbst nciht mehr, wie er sich mit dieser Xanthippe verheiraten konnte. Die Problematik einer Patchwork-Familie mutet ziemlich modern an und einzig die Engelsgeduld und immerwährende Freundlichkeit von Cendrillon gegen Vater und Stieffamilie ist für heutige Patchworkkinder wohl nicht so leicht nachzuvollziehen...... Auch der Prinz wird in einer Weise dargestellt, wie sie im Mârchen nicht vorkommt: Er sitzt als verwöhnter,schmollender, von Spleen und Weltschmerz gepenigter Jugendlicher in einem Schrank und träumt von der Erlôsung durch die grosse Liebe. Die Besetzung mit einer Sopranstimme unterstreicht die Weichheit und Unreife des Charakters der vom „Mannsein“ noch meilenweit entfernt scheint. Überhaupt werden die Männer in dieser Oper als Weicheier gezeigt und kommen gegen die starken Frauen in keiner Weise an. Cendrillon ist dem Prinzen menschlich eindeutig überlegen und man fragt sich , was sie eigentlich an ihm findet. Alle (humoristisch gefärbten) Erziehungsversuche fruchten bei ihm nichts, am Ende wird er auf Befehl seines Vater zum Ball, bei dem er sich eine Frau aussuchen muss, gezwungen und hingetragen. Glücklicherweise durchlâuft auch dieser Prinz einen gewissen Entwicklungsprozess im dritten Akt- als Ehemann von Cendrillon geht es ihm hoffentlich dann besser als Cendrillons Vater bei seiner 2.Gattin. Es gibt reichlich Identifikationspotential mit Jugendlichen aller Epochen und natürlich lâsst auch Werther herzlich grüssen- dieser Prnz hat das Werther Potential zu 100% in sich. Köstlich sind die Ballszenen inclusive Ballet, wo sich zahlreiche Bewerberinnen um die Gunst des Prinzen reissen. Die Kostüme(alle in rot) symbolisieren hier die verschiedenen Varianten der Verführungskunst und sind ein ästhetischer Höhepunkt, mit dem Pelly die etwas langatmige Musik des unvermeidlichen Ballets genial überbrückt.. Allen Cendrillon trägt ein weisses Kleid- Symbol ihrer Reinheit? Während nun der Prinz zu Tode gelangweilt und deprimiert den(komischen) Aufmarsch der potentiellen Bräute über sich ergehen lassen muss, erleben wir Cedrillon im Hause ihres Vaters im graublauen Aschenputtelkleid. Hin- und hergerissen zwischen Neid, Traurigkeit und Selbstvorwürfen : ein gutes Mâdchen darf ja nciht neidisch sein sondern muss sich in sein Schicksals fügen. (Arie „resigne toi, travaille Cendrillon“) fält sie schliesslich in einen Traumschlaf. Und dann erscheint die eigentlcihe Hauptperson der oper (jedenfalls für das Publikum...): die Fee. Lange vor der psychoanalytischen Traumdeutung und Märcheninterpretation weiss diese Oper schon Bescheid und Pelly setzt das mit dem heutigen Wissen nach hundert Jahren "Psychologie als Wissenschaft" sehr geschickt in Szene. Die Fee aus dem „pays bleu“ ist in glitzerndes Hellblau gewandet mit Zauberstab bestückt und die Elfen die mitbringt, sehen alls Cendrillon zum Verwechseln ähnlich und tragen dasselbe Kostüm und dieselbe Nachtlampe. Ein Dutzend Cendrillons ist da nun auf der Bühne, die für mich die verschiedenen Facetten und Potentiale Cendrillons und ihres unterbewussten symbolisieren.. Der Gesang der Fee (Kathleen Kim) bezaubert auf den ersten Ton und ihre Szenen sind die Glanzstücke dieser Oper. Ausserordentlich virtuos geschrieben und mörderisch schwierig zu singen und sehr wirkungsvoll. Katleen Kim hat nciht nur iene sehr schône strahlende Feenstimme, sie wird auch den technischen Anforderungen gerecht. In der Generalprobe gelingen ihr die hohen gehaltenen Endnoten noch besser als bei der Aufführung. Enchantée, Madame!!!! Massenet und besonders Pelly können sich bei der Charakterisierung dieser Fee nicht entscheiden. Ist das eine neckische und machtbewusste Titania oder eine gute Patin und Mutterersatz? Beide Seiten sind angelegt, beide Seiten werden gezeigt. Witzig ist der Einfall, dass dei Fee am Ende der Oper auf ienem Bücherstapel sitzt und mit dem Zauberstab die letzten Takte regiert. Sie behält bis zum Schluss das Heft in der Hand. Und bekommt zu recht den meisten Applaus Ein Hauptmerkmal dieser Oper: es fehlt eine klare linie und ein stringenter Personen und Handlungsplan- das Spielerische und Facettenreiche wird betont und von pelly nochmal unterstrichen. Märchen habe viele Seiten und lassen viele Interpretationen zu. Was fehlt dieser Oper um denselben Erfolg wie Werther oder Manon zu haben? Ist das Thema zu unseriös? Sind es die fehlenden Ohrwürmer und Mitsing-Arien? Die ansprüche an die ausführenden sind es definitiv nicht, denn die stehen den genannten opern nicht nach. Cenrdillon ist eine ausgesprochen anspruchsvolle Spinto-Partie(oder hoher mezzo), die Rolle der Fee hat bei Massenet nciht ihresgleichen- dagegen ist Manon ien Spaziergang. Der Prinz bracuht einen gestandenen lyrischen Sopran, die Stiefmutter einen grossen Mezzo. Die Schwestern und der Vater sind eher durchschnittliche Rollen, aber es wird grosses darstellerisches Talent verlangt. Der einzige Vorteil: man braucht keinen hohen frz. Tenor à la Gerald oder des Grieux oder Werther. Und auch keinen Bariton martin. Fehlt es an dramatischer Kraft? Ein Hauptmerkmal dieser Oper lässt sich nicht leugnen: es fehlt eine klare Linie und ein stringenter Personen und Handlungsplan- das Spielerische und Facettenreiche wird betont und von Pelly nochmal unterstrichen. Märchen habe viele Seiten und lassen viele Interpretationen zu. Mir gefällt das und war nciht allein davon bezaubert. Alle Vorstellungen sind restlos ausverkauft und der Siegeszug von Cendrillon ist nicht aufzuhalten. Wer etwas Spezielles zu den Sängern wissen möchte, môge sich bitte melden. Ansonsten wünsche ich Allen, dass sie solche lebendigen und mitreissenden Inszenierungen erleben kônnen wie diese hier. Das reicht jeder Musik zum Gewinn und wertet sofort um Klassen auf. Nicht dass es eine schlechte Musik wâre, aber 1. Liga ist das für mich nicht und braucht daher unbedingt ienen inspirierten Regisseur und gute Sänger. Die haben wir gottseidank gehabt, auch wenn es natürlich auch im Vergleich zu den von Rideamus besprochenen Cds noch Steigerungen gäbe. F.Q. .
Severina (22.05.2012, 19:33): Liebe Fairy,
danke, dass Du mir als gute Fee meinen Wunsch nach einer Rezension so ausführlich erfüllt hast :down! Ich liebe ja Massenet und verspüre nun große Lust, die mir unbekannte "Cendrillon" kennen zu lernen, auch wenn Du sie musikalisch eher der B-Liga zuordnest. Bei meinem nächsten Besuch in der Musikabteilung der Hauptbücherei werde ich einmal danach fahnden. Dass Laurent Pelly der Richtige für diese im wahrsten Sinn zauberhafte Oper ist, kann ich mir gut vorstellen, und das Märchenbuch als Bühnenbild erinnert irgendwie an die Landkarten in der "Fille du Regiment".
Die Sänger sagen mir leider gar nichts, aber sie scheinen ihre Sache sehr gut gemacht zu haben.
lg Sevi :hello
Rideamus (22.05.2012, 21:48): Liebe Fee-ry
vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht, dem ich zu anderer Zeit gerne etwas hinzufüge, weil ich glaube, dass Du manche Schwächen und Qualitäten der Oper der Inszenierung Pelly zuschreibst - und umgekehrt.
Im Augenblick aber, da ich wieder einmal feststellen muss, dass, wie anscheinend immer, die Kommunikationsmedien meinem fast vollzogenen Umzug hinterher hinken und mich zwingen, diesen Text mehrfach abzufassen, fehlt mir der Nerv dazu.
Deshalb bitte ich um Nachsicht, wenn ich meinen Thread aus Capriccio nicht hierher kopiere, zumal er, ergänzt um Kommentare Dritter, für jedermann leicht hier nachzulesen ist: http://www.capriccio-kulturforum.de/oper/3923-massenet-cendrillon-das-andere-aschenputtel/#post175875
Ansonsten möchte ich schon jetzt jeder/m, die/der die Oper kennen lernen möchte, die DVD mit der von Dir beschriebenen Inszenierung Pellys in der großartigen Londoner Besetzung mit Joyce Di Donato und Ewa Podles unter der Leitung Bertrand de Billys empfehlen, die in dieser Woche auch bei uns erscheinen soll.