Julia Varady

nikolaus (30.10.2011, 19:40):
Ich bin natürlich der Falsche, hier einen thread zu eröffnen, wage mich es aber trotzdem.

Gerade hörte ich Julia Varady in Shostakovichs Sinfonie Nr. 14, und mich nahm ihre Stimme sofort gefangen.
Sie hat eine Schönheit, Intensität und Schlichtheit und dennoch Durchschlagskraft in ihrer Stimme, die mich sofort trifft und berührt. Sie führt sie mit einer solchen Sicherheit und Mühelosigkeit - Wahnsinn!

Youtube sei Dank gibt es auch schnell zu verlinkende Zeugnisse: Verdi-Nabucco, Verdi-Don Carlo (in schlechter Tonqualität), Verdi-Requiem, Mozart-Cosi, Wagner-Walküre, Puccini-Tosca... (nur als Beispiele).

Nikolaus.
Heike (31.10.2011, 13:23):
Die Dame ist übrigens seit 1977 mit Dietrich Fischer-Dieskau verheiratet.
Waldi (15.11.2011, 16:30):
Und sie kann auch, was ja nicht jedem/r gegeben ist, sehr gut Operette singen, wie sie als Saffi im "Zigeunerbaron" unter Boskovsky beweist.
ar (11.04.2012, 22:20):
Julia Varady wird ja oft als DIE Vitellia bezeichnet. Ich als HIP-Hörer habe das lange angezweifelt, bis ich ihre Vitellia gehört habe und muss sagen: Wow! Zwar nerven auch hier die zum Teil undeutlichen Vokale ("Più della mia non v'è" wird bei ihr zu "Più della mia non v'aaaaaa"), aber wie sie diesen Umfang meistert, Chapeau!
Hyacinth (10.07.2012, 20:00):
Ich habe die "Frau ohne Schatten" unter Solti mit ihr als Kaiserin und Domingo als Kaiser.
Ich habe mich in die "FroSch" augenblicklich, wie ich sie diesen Frühling das erste Mal gesehen habe, unter anderem auch wegen Pieczonka, die Kaiserin atemberaubend verkörpert hat (dazu mehr in dem ihr gewidmeten Thread). Dann bekam ich also die Gesamtaufnahme, weil ich diese Oper unbedingt öfter hören wollte, hab gleich mal vorgespult zum wunderschönen Geigensolo und dem Beginn der Kaiserin ("Ist mein Liebster dahin?") und war irritiert bis entsetzt. Wahrscheinlich hätte ich die CD nicht gleich hören sollen, wie ich noch die Aufführung aus der WSO im Ohr hatte.
Mir gefallen Stimmen wie die von Varady oder auch Schwanewilms aus irgendeinem Grund mich. Für mich blühen sie nicht auf, sind perfekt kontrolliert und treffen jeden Ton perfekt, aber sie haben keine Wärme, finde ich.
Das ist Geschmackssache, ich weiß, aber objektiv schlecht war Varadys Textdeutlichkeit. Wenn jemand "Sei mi gegüüüüst!" singt, dann ist von einer Oper wie "FroSch" nur mehr die Hälfte vorhanden - es fehlt nämlich der wunderbare Text. Varady wird sicher zumindest ein wenig Deutsch können, wenn sie mit Fischer-Dieskau verheiratet war. Aber vielleicht bin ich auch einfach nur von sprachbegabten Sängern verwöhnt..
Ulrica (11.07.2012, 19:43):
Wer die Kaiserin singt, kann sicherlich kaum den (m. E. stimmlich nicht wirklich gesunden) HIP - Idealen entsprechen.

Nachdem der Vergleich nicht Anne Schwanewilms aufgekommen ist: Ihre Kaiserin in Salzburg habe ich gehört und ich muss sagen, dass mich ihre leisen und eingängigen Stellen sehr berührt haben, obwohl sie ganz klar Riesenprobleme mit manchen Spitzenönen hatte. Die "randstimmige" Singtechnik ist bei großen, klangvollen Stimmen etwas sehr Edles, jedoch kommt man bei solchen Rollen nicht umhin, das gelegentlich zu verlassen und "Gas zu geben". Andernfalls kommt man schlichtweg nicht hoch. Das hat sie leider versäumt. Wenn der Randstimmensitz mal gefunden und steuerbar ist, fühlt sich das fantastisch an, aber bei den "Kraftstellen" stösst es an die Grenzen.

Bei Julia Varady habe ich von solchen Problemen allerdings nichts gehört.


LG