KAIROS - Erregende Klangwelten

Cetay (inaktiv) (02.04.2010, 14:59):
"Es geht in Zeiten der Downloads bei uns auch um die haptische, bibliophile Qualität. Damit stemmt man sich auch gegen die CD-Krise. Wir wollen zudem ein neues Marketingkonzept umsetzen. Ich habe keine Chance, jene zu erreichen, deren Musikgeschmack bei Tschaikowsky endet. Ich muss also auch Leute erreichen, die Interesse an der bildenden Kunst, an Architektur und Film haben."

So spricht Peter Oswald, der das KAIROS Label 1999 zusammen mit Barbara Fränzen gegründet hat und allen Krisen der CD zum Trotz erfolgreich wurde; ausschließlich mit Produktionen Neuer Musik. Mittlerweile gibt es über 100 Aufnahmen, wobei Beat Furrer (9), Helmut Lachenmann (7), Olga Neuwirth (6), Wolfgang Rihm (6) und Salvatore Sciarrino (6) zu Hauskomponisten avanciert sind. Damit ist eine große Bandbreite abgedeckt: auf der einen Seite Rihm, der von den inneren Zirkeln verdächtigt wird, sich mit esoterischem Klangkitsch an die breite Masse anzubiedern und als Gegenpol Furrer, der für für die Konvervatisten wie geschaffen scheint, um mit Attributen von sinnlos bis hässlich nach ihm zu werfen. Dazwischen die quirlige Neuwirth, die auch mal auf einen Film als Grundlage für ein Werk zurückgreift.

Bei aller Vielfalt zieht sich ein roter Faden durch die Aufnahmen, die ich kenne. Es ist ein klanglicher Mystizismus, der das Abenteuer für die Ohren in eine glückliche Übereinstimmung des Hier mit dem Jetzt -eben Kairos- transformiert. Labelchef Oswald sagt, dass ein bestimmter Nerv bei ihm getroffen werden muss, damit er sich für ein Projekt begeistern kann. Scheinbar teile ich diesen Nerv mit ihm, denn die Begeisterung, die er an den Tag legt, überträgt sich unmittelbar. Ganz unkritisch darf man das freilich nicht sehen. Gerade weil es so wenig mutige und visionäre Unternehmer gibt, die es verstehen, Neue Musik zu verkaufen, lebt man als Hörer, der nicht jeden Tag eine Uraufführung besuchen kann, wie hinter einem Filter und erfährt nur einen vordefinierten Bruchteil dessen, was in der Szene vor sich geht. Aber das ist immer noch besser als auf die Majors angewiesen zu sein, die angesichts von Spitzenverkaufszahlen von 4000 wohl kein einziges dieser wunderbaren Projekte realisiert hätten:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41FQ5fZAZkL._SL500_AA300_.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/413CSZ8CFFL._SL500_AA300_.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/41uQGfE-ypL._SL500_AA300_.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/412DFJ6J3FL._SL500_AA300_.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/51S1NAOUQVL._SL500_AA300_.jpg

Natürlich ist das alles im Hochpreissegment angesiedelt (laut PR-Text sind allein 700 Verkäufe nötig, um die Verleihgebühren für die Noten wieder herein zu bekommen), aber das ist jeden Cent wert - auch angesichts der kunstvollen Aufmachung und der gehaltvollen Begleittexte; siehe Zitat am Beginn.

Auf ein ganz besonders ambitioniertes und spannendes Projekt, das in den nächsten Tagen veröffentlicht wird, habe ich bereits hier hingewiesen:

Original von Cetay
Ich sehe und höre gerade eine Slideshow mit Auschnitten aus der Oper Hypermusic Prologue von Hèctor Parra. Eine Vertonung moderner physikalischer Theorien über höherdimensionale Räume. Das Libretto stammt von Lisa Randall, einer der führenden Forscherinnen auf diesem Gebiet.

Bei Kairos auf CD erscheinen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41beweu1k4L._SL500_AA300_.jpg

Edit: 10.000 Tippfehler. Ich sollte keine Beiträge schreiben, während ein 15 Jahre alter Dalwhinnie frisch durch meine Blutbahn zirkuliert. :D
Heike (03.04.2010, 00:14):
Hallo,
ich habe so eine KAIROS- Werbe CD, mit 47 Auszügen Neuer Musik (ich weiß gar nicht woher). Da sind richtig interessante Sachen drauf, nur leider alles sehr kurz und da weiß man ja gar nicht wo man anfangen soll :-(

während ein 15 Jahre alter Dalwhinnie frisch durch meine Blutbahn zirkuliert
Hmm beneidenswert! Reich mal ein Gläschen rüber ;-)
Heike