am Anfang des Jahres hatte ich meine Ausrichtung für das Jahr 2008 formuliert. Darin, man korrogiere mich wenn ich mich falsch erinnern sollte, stand unter anderem auch der Schwerpunkt "Musik des Nordens".
Im Rahmen dieser Auseinandersetzung habe ich mich weiter gehend mit dem Komponisten Kaleiv Aho beschäftigt.
Kalevi Aho wurde in Forssa (Finnland) am 9. März 1949 geboren. Er studierte an der Sibelius Academy unter dem ebenfalls hier schon angesprochenen Einojuhani Rautavaara Komposition, sowie Violine. 1971 erhielt er sein Diplom, setzte sein Studium allerdings noch bei Boris Blacher in Berlin fort.
http://www.fennicagehrman.fi/kuvat/h_aho.jpg
Aho war in den Jahren 1974 - 1988 als Lehrer an der Universität in Helsinki tätig, wo er Musiktheory lehrte. Es folgte eine Professur an der Sobelius Academy bis zum Jahr 1993. Es wurde im Jahr 1992 "composer-in-residence" für das von mir so sehr geschätzte Lathi Symphony Orchsetra. Diese Tatsache ermöglicht es uns heute zahlreiche seiner Werke in Einspielungen vor zu finden, die vor allem auf dem Label BIS erschienen sind und größtenteils mit dem o.g. Lathi Symphony Orchestra unter der Leitung von O. Vänskä entstanden sind.
Glücklicherweise handet es sich bei Aho nicht nur um einen sehr interessanten und talentierten Komponisten, sondern auch um einen der sein Können in ein recht umfangreiches Schaffen steckt. Bezüge zu Schostakowitsch sind in gewisserweise erkennbar, es wäre aber viel zu unzureichend ihn so zu reduzieren. Er hat eine ganz eigene Tonsprache und nach meinen bisherigen Eindrücken sticht er durchaus as der Vielzahl interessanter Komponiosten Skandinaviens heraus.
So schrieb Aho mittlerweile 14 Sinfonien und 12 Instrumentalkonzerte:
Interessant ist die Werkeinführung von C- Schlüren. hier
Die englischsprachige Biographie sowie Klangbeispiele für Interessierte können hier gefunden werden.
In diesem Thread möchte ich mich den 12 Instrumentalkonzerten widmen, die Aho geschrieben hat, oder genauer den bisher als Aufnahmen erhältlichen. (Den Sinfonien widme ich mich später!!!!)
Für mich ist es hochinteressant welche Variationen Aho in der Solostimme bzw. Instrumentanwahl aufzeigt.
Die Konzerte zu denen es meines Wissens Aufnahmen gibt habe ich hervorgehoben. Für Korrekturen bin ich natürlich dankbar.
teleton (14.02.2008, 10:37): Hallo Rachmaninov,
ich habe von Kalevi Aho noch nie ein Werk gehört.
Doch was Du zu diesem Komponisten schreibst hört sich sehr interessant an - schon der vorhandene Bezug zu Schostakowitsch und das Du ihn erwähnst zeigt mir, das er offenbar fassliche Musik komponiert hat und keine Kauderwelschmusik a la ... (ich nenne jetzt besser keine Namen).
:thanks Ich denke das ich mir diesen Namen merken werde und bei einer nächsten Gelegenheit käuflich tätig zu werden (ohne mich nun direkt draufzustürzen).
Rachmaninov (14.02.2008, 13:43): Original von teleton Hallo Rachmaninov,
ich habe von Kalevi Aho noch nie ein Werk gehört.
Doch was Du zu diesem Komponisten schreibst hört sich sehr interessant an - schon der vorhandene Bezug zu Schostakowitsch und das Du ihn erwähnst zeigt mir, das er offenbar fassliche Musik komponiert hat und keine Kauderwelschmusik a la ... (ich nenne jetzt besser keine Namen).
@teleton,
Du darfst natürlich keine Musik in der Art einer "Schostakowitsch-Kopie" erwarten. Das darf auch kein Anspruch sein.
Der Vergleich beruht eher auf der Fähigkeit Stimmungen durch geschickte Wahl der Instrumente und der Komposition zu vermittel.
Höre Dir doch mal die Hörproben an!
HenningKolf (14.02.2008, 13:52): Hallo,
ich kenne nur das Klarinettenonzert ( ohne dass ich da jetzt wirklich Ahnung hätte hatte ich beim Anhören das Gefühl, dass dieses hohes Können des Solisten voraussetzt, wenn ich mich recht entsinne), hatte einen durchaus positiven Eindruck und mir eigentlich vorgenommen, mich eingehender mit dem Komponisten zu beschäftigen, aber mit Vorsätzen ist dies manchmal so eine Sache....aber aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben.
Wie ich BIS einschätze ist es nicht unwahrscheinlich, dass die noch nicht eingespielten Konzerte demnächst auf Tonträger erscheinen - könnte ich mir jedenfalls denken.
Gruß Henning
Rachmaninov (14.02.2008, 14:05): Original von HenningKolf Hallo,
ich kenne nur das Klarinettenonzert ( ohne dass ich da jetzt wirklich Ahnung hätte hatte ich beim Anhören das Gefühl, dass dieses hohes Können des Solisten voraussetzt, wenn ich mich recht entsinne), hatte einen durchaus positiven Eindruck und mir eigentlich vorgenommen, mich eingehender mit dem Komponisten zu beschäftigen, aber mit Vorsätzen ist dies manchmal so eine Sache....aber aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben.
Wie ich BIS einschätze ist es nicht unwahrscheinlich, dass die noch nicht eingespielten Konzerte demnächst auf Tonträger erscheinen - könnte ich mir jedenfalls denken.
Gruß Henning
@Henning,
in einer der Ausgaben des Grammophone Mag. hat sich der Widmungsträger, oder genauer der Auftragsgeber, des Konzerts zu Frage der Schwierigkeit klar geäußert. Für viele Stellen im Konzert war der Anspruch so hoch, daß Fröst gezwungen war auf neu entwickelte Spiel- und Grifftechiken zurückzugreifen. Das Konzert ist wohl SEHR anspruchsvoll und wurde im Grammophone Mag. als das wohl bedeutenste Klarinettenkonzert des gar nicht mehr so jungen Jahrhunderts.
Durch die Bindung Aho's an das Lathi SO und, soviel ich weiß, Stipendium Aho's durch den Staat können wir wohl zurecht auf weitere Aufnahmen hoffen!
Cetay (inaktiv) (15.02.2008, 08:23): Original von Rachmaninov * Kontrafagottkonzert(2004-05) * Tubakonzert (2000-2001)
Auch mir ist Aho bislang absolut kein Begriff, aber das macht eine Beschäftigung wohl unvermeidlich.
Rachmaninov (18.02.2008, 15:59): Forianer,
eines der beiden mir derzeit vorliegenden Instrumentalkonzerte K. Aho's ist das im Jahr 2002 entstandene Flötenkonzert.
Das Konzert ist dreitsätzig
Misterioso adagio ca. 15 min. Presto, leggiero -attacca- ca. 9:20 min Epilogue ca. 6 min.
Das Konzert is Sharon Bezaly gewidmet, die auch die mir vorliegende Aufnahme eingespielt hat gemeinsam mit dem Lathi SO unter O. Vänskä.
Sharon Bezaly trifft die Strömung meines Konzerts vollkommen; auf wunderbare Weise haucht sie den langsamen Teilen Leben ein und spielt die schnellen mit funkelnder Hehendigikeit"
Nun, dem muß man was das Spiel von Bezaly angeht nichts mehr hinzufügen.
Wie immer sind die LSO unter O. Vänskä mehr als nur ein guter Begleiter. Dieses Orchester mit diesem Dirigenten gelingt es eigentlich immer in der Deutung nordischer Komponisten zu glänzen.
Laut Aho selber ist das Konzert durch den Verlust, im Sinne des Todes, geprägt. Eigene schmerzliche Erfahrungen Aho's sind dem vorraus gegangen und finden sich hier wieder.
Ursprünglich plante Aho einen Liederzyklus auf der Basis der Haiku-Dichtungen des Dichters Tomas Transtromer. Die Vokalenideen setzte Aho später in seinem Flötenkonzert durch.
Die Sätze 1 und 3 sind sehr lyrisch und ruhig, während der mittlere Satz eher schnelle virtuose Züge aufweist. Allerdings durchaus im Rahmen. Der zweite Satz geht nahtlos ohne Pause in den dritten Satz über.
Das Konzert entält keine besondere Programmmusik oder Metaphorik; stattdessen bewegt sich die MUsik gemäß ihrer eigenen abstrakten Rdramaturgischen Regeln vom Ausgangspunkt fort.
Quellen: Booklet der gezeigten BIS Aufnahme. Zitata von Kalevi Aho.
Das ist Musik bei der man die Augen schließen muss um seine Wirklung zu erfahren.
Cetay (inaktiv) (02.01.2015, 07:39): http://ecx.images-amazon.com/images/I/41OhvtCUsdL._SL500_AA270_.jpg Kalevi Aho; Oboenkonzert Piet Van Bockstal, Lahti Symphony Orchestra, Martyn Brabbins
Ich hörte gerade 3 Mal hintereinander das Oboenkonzert und fühle mich bemüßigt, diesen Faden wieder auszugraben. Mit dem Oboenkonzert landet Aho einen Volltreffer durch seine einfallsreiche Instrumentierungskunst (Klasse sind vor allem die Paarungen mit einem zweiten Soloinstrument) und mehr noch die moderne Behandlung des Soloinstruments, die gerade innerhalb des althergebracht-spätromantischen Aufbaus und Orchesterklangs des Werkes eine große Wirkung entfaltet. Keine Frage, Aho weiß wie man für die Oboe schreibt und er bringt ihre exotische Wirkung zur Geltung, indem er sie ebensolche exotischen Skalen und reichlich Glissandi spielen lässt. Wer Exotismen à la Scheherazade mag, bekommt hier die Vollbedienung.
Das Werk besteht aus 2 Teilen. Einem rund 10-minütigen Lamento folgen ineinander übergehend Presto, Interludium: Adagio, Cadenza und Andante cantabile - Adagio. Das wirkt alles sehr zwingend und schlüssig. Das aufgeregte Presto kontrastiert das lange Lamento ganz hervorragend, wobei die für solche Teile typisch hektische Motorik erfreulich kontrolliert bleibt und damit 100-fach (vor allem von amerikanischen Komponisten) gehörte Klischees sicher umschifft. Dem Soloinstrument werden hier irrste Läufe abverlangt, die in ihrer aberwitzigen Virtuosität und Geschwindigkeit Reminiszenzen an den Jazz herbeirufen. Danach sorgt das Interludium für pastorale Ruhe, immer wieder fällt auf, wie geschickt Aho durch die Instrumentierung Stimmungen erzeugt und wechselt, ohne dass der Filmmusikalarmknopf angeht. In der langen Solo-Kadenz wird dann alles ausgepackt, da darf auch mal kräftig überblasen werden. Im Gegensatz zu dem auf der CD vorhandenen Solostück nervt oder schmerzt das hier allerdings überhaupt nicht; im Gegenteil, es entwickelt es sich ganz natürlich, weil es an dieser Stelle keine anderen Steigerungsmöglichkeiten gibt. Der Wiedereintritt des Orchesters ist ein großer Moment und der anschließende letzte Satz rekapituliert die vorherigen Stilmittel und Stimmungen und wirkt trotz unerwarteter Wendungen sehr organisch.
Das ist rundum überzeugend. Als ob die Macher der ECM New Series den Auftrag gegeben hätten, etwas in der Art eines (im Soloteil modernisierten) späten Nielsen zu komponieren, das in ihr ästhetisches Konzept passt. Ein klares "gefällt mir".