Jeremias (05.08.2007, 11:56): Mich wundert es, dass er bislang in diesem Forum fast gar nicht aufgetaucht ist, gilt er doch zu den wichtigsten Komponisten des 20 Jahrhunderts! Sein Schaffen für Klavier ist sehr breit gefächert und reicht von kleinen Miniaturen bis zu hochkomplexen und höchst anspruchsvollen Werken. Exemplarisch möchte ich hier einmal zwei CDs vorstellen, die mir besonders am Herzen liegen.
Hauptwerk dieser Aufnahme ist der Zyklus opp.50, bestehend aus 20 Mazurken. Szymanowski veröffentlichte diese zwischen 1926 und 31, geschrieben hatte er sie bereits 1924 und somit zu der Zeit, als er seine Oper "König Roger" orchestrierte. Die Mazurkas stellen eigentlich eine Art Studienwerk dar in puncto form, Tonalität und Rhythmus. Dabei griff er auf seinen bisherigen Kompositionsstil zurück und verband diesen nun mit einem neuen, reifen Stil. Szymanowski führte insoweit in diesem Zyklus die v.a. durch Chopin bekannt gewordene Gattung fort: Variationen (Nr.11) und Rondos (Nr.2, 7, 9 und 12) weichen insoweit von der bisherigen Gattungsform ab. Eines ist allen Stücken jedoch gleich: Die Verbindung zur Volksmusik
Eine weitere CD, die ich empfehlen möchte, ist erst vor wenigen Tagen in meine Sammlung gekommen:
Ich hörte ihn jedoch mit den Metopes und den Masques einst live im großen Saal des Budapester Konservatoriums :down
Diese Werke schrieb er allesamt vor dem o.g. Zyklus. Inspiriert wurde er insoweit durch Erinnerungen an eine lange Reise, die ihn bis Nordafrika geführt hatte. Die "Methopes" - ein Schwesterwerk der "Mythen" - basieren auf durch die Antike inspirierte Gedichte. Die Masques zog der Komponist jedoch vor. Nr.1 basiert auf der historischen Erzählung um Sheherazade, Tantris le bouffon ist eine Hommage an Wagner und Nr.3 ist schließlich eine Anlehnung an Don Juan. Die 3. Sonate wiederum ist das letzte Werk, das er noch auf seinem Landgut vor seiner Vertreibung schreiben konnte. Sie erscheint wie eine Karikatur einer Welt, in der Szymanowski sich selbst verloren fühlt....
Rachmaninov (06.08.2007, 21:57): @Jeremias,
Szymanowski kenne ich lediglich durch das VK von ihm! Sein Schaffen für Klavier ist mir bisher (weitestgehend) unbekannt.
Wie so oft lohnt sich eine Beschäftigung mit den von Dir vorgestellten Werken.
Dies gibt sicherlich AUCH hier :hello
ab (08.10.2007, 21:27): Ich kenne leider nichts außer diese hier, die ich mir nicht sehr oft anhöre.
Rachmaninov (16.10.2007, 20:30): Original von Jeremias
Die 3. Sonate wiederum ist das letzte Werk, das er noch auf seinem Landgut vor seiner Vertreibung schreiben konnte. Sie erscheint wie eine Karikatur einer Welt, in der Szymanowski sich selbst verloren fühlt....
@Jeremias,
die 3. Sonate hörte ich eben nachdem ich zuvor nochmals hier im Beitrag nachgelesen habe was Du dazu geschrieben hast.
Dies Deutung des "verloren seins" stellt Anderszewski klasse da. Allerdings muss ich gestehen, dass die Begegung mit Szymanowski doch eine ist, die ich mir erarbeiten muss. Aber hier scheint es eine lohnende "Mühe" zu sein :D
Sfantu (02.01.2026, 16:13): Allen ein frohes und friedliches neues Jahr 2026!
Auch ich hatte mich bisher nicht näher mit Szymanowskis Klaviermusik befaßt. Das ändert sich gerade. Es befinden sich nur 2 CDs in meiner Sammlung - als Weihnachtsgeschenk an mich selbst kam nun diese Doppel-LP von Krystian Zimerman dazu. Die meisten Aufnahmen stammen von 2022 - nur die Masques wurden bereits 1994 eingespielt, bisher jedoch nie veräffentlicht. Bei jpc sehe ich, daß sie momentan sogar günstiger als die CD-Ausgabe angeboten wird. Das nicht wissend, habe ich sie zum vollen Preis erstanden. Und es schmerzt mich im Nachhinein überhaupt nicht, da ich einen der letzten überlebenden alteingesessenen Plattenläden damit unterstütze.
Préludes op. 1 Nr. 1, 2, 7 & 8 Masques op. 34 Mazurkas op. 50 Nr. 13-16 Variationen über ein polnisches Volkslied op. 10
(LP, DG, AD: 21. Mai 1994, Tivolis Kocertsal, København)
Besonders reizvoll schien mir ein nun mögliches 3faches Vergleichshören, nämlich mit den bildreichen, farbesprühenden "Masques"
Bei Krystian Zimerman ergeben sich folgende Spielzeiten:
Shéhérazade. Lento assai. Languido 9'55 Tantris le Bouffon. Vivace assai 7'07 Sérénade de Don Juan. Vivace 5'51
Die anderen beiden Versionen sind
Martin Roscoe (CD, Naxos, 1996)
Shéhérazade. Lento assai. Languido 8'37 Tantris le Bouffon. Vivace assai 5'52 Sérénade de Don Juan. Vivace 5'20
und
Michal Weslowski (CD, pianovox, 1998)
Shéhérazade. Lento assai. Languido 10'03 Tantris le Bouffon. Vivace assai 7'44 Sérénade de Don Juan. Vivace 7'28
Alle drei Einspielungen haben ihre Meriten. Roscoe punktet mit raubtierhafter Attacke und satter Pranke. Das macht seinen Ansatz spannend und erzählend. Wislowski geht etwas entspannter zu Werke. Ich müsste sie einfach noch öfter auflagen. Daß bei mir wenig Bemerkenswertes hängenblieb, hat wenig Aussagekraft. Statt auf eine farblose Gestaltung richtet sich mein Verdacht eher auf eine Reizüberflutung bei mir. Zimerman gestaltet mit einem hohen Maß an Feinschliff und Zurückhaltung. Es war das erste Mal, daß ich ein gelegentliches Mitsäuseln bei Zimerman wahrnahm - freilich in tolerablen Grenzen. Wie gesagt - jede Version hat etwas für sich.
Wie schon an anderer Stelle bemerkt: Die Preßqualität bei DG-Platten fand ich zu Zeiten vor dem schwarzen Loch, Anfang /Mitte der 90er verläßlicher als bei aktuellen Scheiben.
Tantris le bouffon ist eine Hommage an Wagner Musikalisch höre ich eher Reminiszenzen an Ravels Scarbo. "Tantris" ist zwar ein Silbenvertauscher zu "Tristan" - hierin liegt aber bereits der Hinweis auf die tendierte Verballhornung: Szymanowski bezieht sich auf Ernst Hardts Tristan-Parodie "Tantris, der Narr", ein Bühnenstück von 1907.
Philidor (02.01.2026, 16:31): .
Sfantu (02.01.2026, 16:51): Die meisten Aufnahmen stammen von 2022 - nur die Masques wurden bereits 1994 eingespielt, bisher jedoch nie veräffentlicht. Sorry für den Lapsus. Das kann nur an den Chips "Ungarisch" liegen, die es gestern Nacht zum Gerstensaft gab.