Hosenrolle1 (09.03.2017, 01:44): Es kann hier natürlich ganz allgemein um Kinderbücher gehen, auch aktuelle; doch der Grund, warum ich den Thread starte ist der, dass ich mich frage, ob Kinder heute noch mit dem "Struwwelpeter", mit "Die kleine Hexe" oder "Das kleine Gespenst", mit dem "Räuber Hotzenplotz" und "Hatschi Bratschis Luftballon", mit den "Drei Stanisläusen" sowie Wilhelm Busch aufwachsen.
Kennt noch ein Kind die "Kinderwelt von A bis Z", vielleicht in dieser Ausgabe, die ich noch besitze?
Das weiß ich leider nicht, aber ich schätze mich glücklich, dass ich diese Bücher noch kennenlernen durfte, und zwar großteils in den noch ungekürzten Fassungen. (Eine Ausnahme ist "Hatschi Bratschis Luftballon", der schon in den frühen Ausgaben stark gekürzt wurde).
Kennt ihr diese Bücher noch? Was haltet ihr vom Struwwelpeter oder vom Räuber Hotzenplotz? Mit welchen Büchern seid ihr großgeworden?
LG, Hosenrolle1
Falstaff (09.03.2017, 01:52): Natürlich habe ich als Kind den Struwwelpeter gehabt und gelesen. Aber so richtig beeindruckt hat er mich nicht. Mehr genossen habe ich dagegen Max und Moritz. :D Aber meine Lieblinge waren andere. Barbar, Enid Blyton, auch Astrid Lindgren und er hier:
Nicht nur Pünktchen und Anton, sondern wirklich alle von ihm.
LG Falstaff
Falstaff (09.03.2017, 01:54): Er hier kam erst später dazu:
Falstaff (09.03.2017, 01:58): Und dann natürlich neben der Kinderbibel (ganz wichtig!) dieses hier:
Rauf und runter habe ich es gelesen.
Aber letztlich ist das ja eine Generationenfrage. Wobei interessant ist, welche Bücher, welche Autoren 'überlebt' haben.
Hosenrolle1 (09.03.2017, 01:59): Natürlich habe ich als Kind den Struwwelpeter gehabt und gelesen. Aber so richtig beeindruckt hat er mich nicht. Noch die Ausgabe mit den Ringen, oder eine gebundene? Ich hatte die mit den Ringen, ziemlich dicker Karton. Und auch ungekürzt; heute wird ja gerne das Blut beim Daumenlutscher wegretuschiert. Im TV laufen massenweise Proll-Sendungen, kleinen Kindern drückt man schon Handys in die Hand, aber vor ein paar bösen Blutstropfen in einem Buch aus den 1840er Jahren muss man sie unbedingt schützen ^^
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (09.03.2017, 02:01): Aber letztlich ist das ja eine Generationenfrage. Naja, wie gesagt, ich weiß nicht ob heutige Kinder noch diese Bücher (vor allem in ungekürzter bzw. unbearbeiteter Form!) kennenlernen, oder nicht.
Ich bin kein Kind der 40er, 50er oder 60er und kenne trotzdem noch diese alten Sachen, weil die aufgehoben wurden, genauso wie etwa die kleinen Indianerfiguren aus Plastik oder der Bauernhof oder die große Holzeisenbahn :) Also ich glaube, dass das nur damit zusammenhängt, ob man als Eltern diese Dinge weitergibt, oder ob man lieber irgendwas neumodisches nimmt.
LG, Hosenrolle1
Falstaff (09.03.2017, 02:09): Im TV laufen massenweise Proll-Sendungen, kleinen Kindern drückt man schon Handys in die Hand, aber vor ein paar bösen Blutstropfen in einem Buch aus den 1840er Jahren muss man sie unbedingt schützen Gestern im Restaurant saß am Nebentisch ein Säugling mit Schnuller im Mund und spielte die ganze Zeit am Smartphone. Was ist da wohl schlimmer? Struwwelpeter oder Handy? :D Ich bin kein Kind der 40er, 50er oder 60er und kenne trotzdem noch diese alten Sachen, weil die aufgehoben wurden Du Glücklicher. sei froh. :) Naja, wie gesagt, ich weiß nicht ob heutige Kinder noch diese Bücher (vor allem in ungekürzter bzw. unbearbeiteter Form!) kennenlernen, oder nicht. Lernen sie überhaupt noch Bücher kennen? Ok, Sarkasmus. ;)
LG Falstaff
Hosenrolle1 (09.03.2017, 02:27): Ich muss aber auch sagen, dass ich generell den Stil der alten Illustrationen mehr mag als den heutigen, der meistens doch eher knallbunt und poppig ist. Ein schönes Beispiel (auch wenn es in diesem Fall kein Kinderbuch ist) ist für mich z.B das Cover zum Hörspiel "Sängerkrieg der Heidehasen" aus den 50er Jahren, das ich in dieser Version von damals auf LP habe.
Und heute bringt man das auf CD so heraus:
Ich habe mir z.B. gerne das Hörspiel angehört und mir dabei das alte Cover angesehen - das hat auch super dazu gepasst. Aber das hier ist ein Witz.
Bei Kinderbüchern ist es im Grunde das Gleiche.
LG,
Hosenrolle1
Zefira (09.03.2017, 11:02): Ich bin ein Kind der 50er :hello
Und die "Kinderwelt von A bis Z" hatte ich auch - genau die Ausgabe, die Du oben gezeigt hast. Leider ist sie jetzt nicht mehr vorhanden, genauso wenig wie meine schöne Ausgabe des "Kater Mikesch", "Das Teddybuch" von Josephine Siebe und noch einige andere meiner Lieblingskinderbücher. Sie wurden in der Familie weitergegeben, ich weiß nicht mal an wen. Ein wenig ärgert mich das heute noch, wenngleich ich meine Eltern natürlich verstehen kann. Ich war schon als Kind eine Leseratte (was ich zum Glück in gleicher Weise an meine Töchter weitergeben konnte). Mein Vater war Mitglied der Büchergilde, und es zählt zu meinen schönsten Erinnerungen, wie wir uns immer zusammengesetzt haben, wenn der neue Katalog kam. Mein Bruder und ich durften uns je ein Buch aussuchen. So kam ich zu "Ferien auf Saltkrokan" von Astrid Lindgren (ein ganz großartiges Buch!), "Rascal der Waschbär" von Sterling North, mehreren Büchern von James Krüss und viele andere mehr. Die meisten davon sind zum Glück auch noch vorhanden. Eine Verwandte aus der damaligen DDR schickte uns auch hin und wieder Kinderbücher; viele davon deutlich "erzieherisch" im Sinne des Systems. Das ist mir zum Beispiel bei diesem Buch sehr aufgefallen:
Stalin-Zitate brauche ich normal in einem Buch für junge Leser eher nicht :whistling:
Ein sehr schönes Buch, das zum Glück nicht weggegeben wurde, ist dieses, aus dem Kinder tatsächlich auf unterhaltsame Weise was lernen können:
Kennt das vielleicht jemand? Ich fand es richtig klasse. Wie der kleine Peter im Bassgeigenkasten schläft ...
Grüße von Zefira
Zefira (09.03.2017, 11:34): Ach, zum Thema Kinderbuchcover möchte ich noch mal dieses hinreißende Beispiel zeigen:
Das Buch ist derzeit im Haushalt meiner Tochter, sonst würde ich hier noch ein paar Illustrationen vorstellen.
Cavaradossi (09.03.2017, 18:25): Im TV laufen massenweise Proll-Sendungen, kleinen Kindern drückt man schon Handys in die Hand, aber vor ein paar bösen Blutstropfen in einem Buch aus den 1840er Jahren muss man sie unbedingt schützen Wenn meine Enkelkinder hier sind und vor dem Kinderprogramm hocken, egal ob bei KiKa oder RTL 2, dann raufe ich mir mehr als einmal die Haare, aber es hat keinen Sinn, dagegen anzurennen. Man macht die Kinder zu Außenseitern, wenn man sie davon fernhalten will (wobei ich gerne zugebe, daß auch durchaus schöne und lehrreiche Sachen dabei sind, aber sie sind eher selten). Zum großen Teil kommen da Comic-Filme mit ganz gruseligen Figuren, und der Inhalt ist oft mehr als sinnfrei. Aber die alten Grimm-Märchen sind ja angeblich Kindern nicht zuzumuten .... Kürzlich las ich in der Zeitung, daß in Limburg a.d. Lahn das Glockenspiel am Rathaus von einer "besorgten" Bürgerin moniert wurde. Es spielte täglich zu einer bestimmten Stunde das Lied: "Fuchs, du hast die Gans gestohlen / gib sie wieder her / sonst wird dich der Jäger holen / mit dem Schießgewehr". Wohlgemerkt, das Liedchen erklang nur instrumental, aber - auf den Protest hin hat der Bürgermeister das Lied aus dem Glockenspiel verbannt. Es sei, so die "besorgte" Bürgerin, Kindern nicht zuzumuten, einmal wegen dem Schießgewehr, und zum anderen, weil der Text für Tierschützer inakzeptabel sei. Erst habe ich gedacht, es sei ein verfrühter Aprilscherz, aber nein, es ist Realität. Da frage ich mich erstens, wie bescheuert man eigentlich sein muß und was wohl im Hirn eines Menschen abgeht, der an so etwas Anstoß nimmt, und zweitens, wer hier durchgeknallter ist, die "besorgte Bürgerin" oder das Weichei von Bürgermeister! "Zigeunerschnitzel" und "Negerküsse" stehen ja schon längst auf dem Index, mich wundert nur, daß man noch den "Führerschein" machen darf und wieso man durch die sogenannte Rechtschreibreform so häufig das alte gute "ß" durch "ss" ersetzt hat. Das müßte doch umgehend geändert werden! Damit kein Zweifel über meine Gesinnung aufkommt, bleibe ich beim "ß". - Sonst haben wir ja auch keine Probleme ....
Zefira (09.03.2017, 18:40): Die Glockenspiel-Geschichte wurde ein bisschen sehr gehypt. Ich habe gelesen, dass der Bürgermeister und die Veganerin in einem informellen, freundlichen Gespräch übereingekommen sind. Der Bürgermeister sah das Ganze eher als Spaß an und betonte auch, dass das Glückenspiel weit über 100 Melodien kennt und diese ohnehin regelmäßig gewechselt würden. Dass eine ernsthafte Forderung, die Melodie aus den genannten Gründen zu canceln, Blödsinn wäre, will ich nicht bestreiten. Aber ich glaube, so ernsthaft war die Geschichte nicht.
Aber mal zum Thema Kinderserien, es soll kürzlich eine Serie von Zeichentrickfilmen über Mozart als Kind gelaufen sein, mit dem Titel "Little Amadeus"? Wohlgemerkt nicht biografisch, sondern mit erfundenen Episoden. In unserer Fernsehzeitung stand, die Serie sei für Kinder durchaus informativ und sehenswert. Ich wollte mir immer mal eine Folge ansehen, habe es aber leider jedes Mal vergessen. Kennt vielleicht jemand die eine oder andere Folge daraus?
Zum Thema Veganismus noch:
Falstaff (09.03.2017, 22:37): Kürzlich las ich in der Zeitung, daß in Limburg a.d. Lahn das Glockenspiel am Rathaus von einer "besorgten" Bürgerin moniert wurde. Es spielte täglich zu einer bestimmten Stunde das Lied: "Fuchs, du hast die Gans gestohlen / gib sie wieder her / sonst wird dich der Jäger holen / mit dem Schießgewehr". Wohlgemerkt, das Liedchen erklang nur instrumental, aber - auf den Protest hin hat der Bürgermeister das Lied aus dem Glockenspiel verbannt. Es sei, so die "besorgte" Bürgerin, Kindern nicht zuzumuten, einmal wegen dem Schießgewehr, und zum anderen, weil der Text für Tierschützer inakzeptabel sei. Erst habe ich gedacht, es sei ein verfrühter Aprilscherz, aber nein, es ist Realität. Da frage ich mich erstens, wie bescheuert man eigentlich sein muß und was wohl im Hirn eines Menschen abgeht, der an so etwas Anstoß nimmt, und zweitens, wer hier durchgeknallter ist, die "besorgte Bürgerin" oder das Weichei von Bürgermeister! "Zigeunerschnitzel" und "Negerküsse" stehen ja schon längst auf dem Index, mich wundert nur, daß man noch den "Führerschein" machen darf und wieso man durch die sogenannte Rechtschreibreform so häufig das alte gute "ß" durch "ss" ersetzt hat. Das müßte doch umgehend geändert werden! Damit kein Zweifel über meine Gesinnung aufkommt, bleibe ich beim "ß". - Sonst haben wir ja auch keine Probleme .... :times10 :times10 :times10
Großartig, lieber Cavaradossi. Was geht es uns doch gut!
:hello Falstaff
Hosenrolle1 (09.03.2017, 23:04): Ja, die Zensur von Kinderbüchern, was Worte betrifft, wird ja auch immer schlimmer. Pippi Langstrumpfs Papa ist nun nicht mehr "Negerkönig", sondern "Südseekönig", und ähnliche Dinge.
Gut ist, wenn man noch alte, unzensierte Ausgaben hat.
Übrigens, bei Wilhelm Busch finden sich in zwei Stücken (Die fromme Helene, Plisch und Plum) Passagen, die heftig diskutiert werden, etwa
Und der Jud´ mit krummer Ferse krummer Nas´ und krummer Hos´ schlängelt sich zur hohen Börse tiefverderbt und seelenlos.
Augen schwarz und Seele grau Hut nach hinten, Miene schlau So ist Schmulchen Schiefelbeiner (Schöner ist doch unsereiner!)
Natürlich sind das Verse aus dem 19. Jahrhundert, und damals dachte man sich nicht so viel darüber, zumal Busch ja auch generell über alle möglichen Leute herzieht und übertreibt.
Mich wundert nur, dass diese Verse noch nicht aus neuen Ausgaben getilgt worden sind. Fändet ihr es in Ordnung wenn man diese Stellen herauskürzt oder umdichtet?
LG, Hosenrolle1
Falstaff (09.03.2017, 23:47): Fändet ihr es in Ordnung wenn man diese Stellen herauskürzt oder umdichtet? Schwieriges Problem, liebe Hosenrolle1. Grundsätzlich bin ich gegen Änderungen am Originaltext. 'Tom Sawyer' oder auch Agatha Christies 'Ten Little Indians' betrifft das ja auch. Allerdings ist diese Busch-Stelle schon ziemlich heftig. Hier wäre wohl mindestens ein kindgerechter (abhängig von der Zielgruppe) Kommentar notwendig.
LG Falstaff
Hosenrolle1 (09.03.2017, 23:59): Wobei ich ja fast glaube, dass Kinder die "Fromme Helene" wahrscheinlich weniger interessieren wird, die Geschichte ist ziemlich lang und weit entfernt von einem "Max und Moritz". Ich selbst kannte damals auch nur Max und Moritz, die anderen Geschichten habe ich alle nicht durchgelesen, höchstens mal durchgeblättert.
Zum Thema Märchen: ich habe eine Märchenausgabe der Brüder Grimm aus den 90er Jahren, die ansonsten unzensiert ist. Im Anhang steht, dass wegen der Jugendlichen das Märchen "Der Jude im Dorn" nicht abgedruckt sei. (Im Projekt Gutenberg von spiegel.de kann man sie aber problemlos nachlesen). Sowas finde ich auch irgendwie ärgerlich, zumal die Geschichten um 1800 geschrieben wurden, und nicht etwa 1930 oder 1940.
Man kann natürlich sagen, dass diese Geschichte nicht notwendig sei für ein Märchenbuch, und sie niemandem abgeht, aber mich stört eher die Bevormundung seitens des Verlages. Das grausige Märchen "Das eigenwillige Kind" etwa ist darin enthalten - als Geschichte zum Einschlafen würde ich DAS auch nicht vorlesen.
LG, Hosenrolle1
Falstaff (10.03.2017, 00:24): Zum Thema Märchen: ich habe eine Märchenausgabe der Brüder Grimm aus den 90er Jahren, die ansonsten unzensiert ist. Im Anhang steht, dass wegen der Jugendlichen das Märchen "Der Jude im Dorn" nicht abgedruckt sei. (Im Projekt Gutenberg von spiegel.de kann man sie aber problemlos nachlesen). Sowas finde ich auch irgendwie ärgerlich, zumal die Geschichten um 1800 geschrieben wurden, und nicht etwa 1930 oder 1940. Auch hier denke ich, dass es veröffentlicht werden muss. Aber eben kommentiert. Letztlich ist heute sowieso alles im Netz zu finden. Und so hat man wenigstens die Chance, manche Dinge klarzustellen. Und verschweigen ist wie überall kontraproduktiv.
LG Falstaff
Falstaff (10.03.2017, 00:35): Ich muss aber auch sagen, dass ich generell den Stil der alten Illustrationen mehr mag als den heutigen, der meistens doch eher knallbunt und poppig ist. Ich muss bekennen, dass Illustrationen für mich als Kind extrem wichtig und meine Fantasie ungemein angeregt haben. Deshalb haben mich die 'Grünen Bände' des Karl-May-Verlags zunächst auch sehr verwirrt, da dort ja aus alter Tradition auf jede Bebilderung verzichtet wird.
Es gibt Kinderbücher, von den denen ich kaum noch etwas weiß. Nur bestimmte Illustrationen sind mir immer noch im Gedächtnis. Den möglichen Verlust an graphischer Qualität bedauere ich allerdings nicht nur bei Buchillustrationen. Auch in anderen Bereichen hätte ich lieber Zeichnungen/Malereien als z.B. Fotos.
Einer der Illustrationen, der mich ganz besonders intensiv beeindruckte (und das bis heute) war und ist Walter Trier für Kästner und Twain. Das ist so einfach und gleichzeitig so genial.
LG Falstaff
Cavaradossi (10.03.2017, 11:16): Natürlich sind das Verse aus dem 19. Jahrhundert, und damals dachte man sich nicht so viel darüber, zumal Busch ja auch generell über alle möglichen Leute herzieht und übertreibt. Hallo Hosenrolle1,
ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Natürlich lesen wir heute diese Verse mit etwas anderen Augen als unsere Vorfahren, aber latenten Antisemitismus vermag ich darin nicht zu erkennen. Sein Antisemitismus war sicher nicht kleiner und nicht größer als sein Verhältnis zur katholischen Kirche. Da gibt es doch auch ganz herrliche Passagen:
"Er sprach ja auch so hin und wieder das Dominus vobiscum über das Mieder"
oder als die trinkfreudigen Mönche sangen:
Ave Maria, mundi spes, erhalt' uns armen Mönchen - Du weißt es ja, wir brauchen es - den Wein in unseren Tönnchen.
Der Saft, der aus der Traube quoll, der kann ja wohl nicht schaden. Hurra, wir sind schon wieder voll, schon wieder voll der Gnaden".
Wobei heute selbst manche Bischöfe kaum noch wissen, was Dominus vobiscum heißt und erst recht nicht, wie oft es in der alten Meßliturgie vorkam.
Ich denke, man sollte es dem erwachsenen Leser überlassen, sich darüber ein Urteil zu bilden statt ihn, wie heute bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit üblich, belehren zu wollen und sein Denken in die vorherrschende Richtung zu lenken. Selbst im Konzertsaal ist man ja inzwischen nicht mehr sicher, daß nicht vor Beginn der Veranstaltung jemand vortritt und lang und breit erzählt, was Beethoven wohl während der Komposition seiner Eroica getan, gesagt oder gedacht, und vor allem was er damit gemeint hat. Man kann darüber natürlich trefflich streiten, aber mir persönlich verdirbt eine solche Einleitung den ganzen Konzertabend. Dort möchte ich keine soziologische Studie hören, sondern Musik. Alles andere gehört in die Volkshochschule.
Guenther (10.03.2017, 14:01): Vor allen Dingen wäre oder ist es völlig abwegig (um das Wort "pervers" zu vermeiden), wenn man allen Ernstes eine Stelle wie og. aufgrund der PC zensierte, dagegen Inhalte wie "Ricke racke, ricke racke geht die Mühle mit Geknacke." stehen ließe.
Busch ist KEINE Kinderliteratur. Oder würde Ihr allen Ernstes Eure Kinder damit konfrontieren, daß als Strafe zwei "Lausebengel" vorsätzlich in einer Mühle (!) umgebracht werden?
Oder die "Fromme Helene", die vom Teufel abgeholt und in den heißen Bottich gestopft wird ("Hinein mit ihr, huhu haha, der heil'ge Franz ist auch schon da!").
Da müßte man doch erst mal da anfangen zu streichen...
Ebensowenig geeignet wie z.B. der "Struwwelpeter" mit grausamen Geschichten.
Hosenrolle1 (10.03.2017, 17:23): Ich denke, man sollte es dem erwachsenen Leser überlassen, sich darüber ein Urteil zu bilden statt ihn, wie heute bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit üblich, belehren zu wollen und sein Denken in die vorherrschende Richtung zu lenken. 100%ige Zustimmung!
Selbst im Konzertsaal ist man ja inzwischen nicht mehr sicher, daß nicht vor Beginn der Veranstaltung jemand vortritt und lang und breit erzählt, was Beethoven wohl während der Komposition seiner Eroica getan, gesagt oder gedacht, und vor allem was er damit gemeint hat. Man kann darüber natürlich trefflich streiten, aber mir persönlich verdirbt eine solche Einleitung den ganzen Konzertabend. Dort möchte ich keine soziologische Studie hören, sondern Musik. Alles andere gehört in die Volkshochschule. Da bin ich wiederum etwas anderer Meinung. (Wäre das ein Thema für einen eigenen Thread?) Wenn erklärt wird, was Beethoven dachte etc., das müsste ich nicht haben; wenn aber die nun folgende Interpretation erklärt bzw. "gerechtfertigt" wird, dann finde ich das schon interessant. Ich fände es ja überhaupt super, wenn Dirigenten (egal welche) ihre Interpretationen und Ansichten in Buchform veröffentlichen würden, mit genauen Analysen, was man recherchiert und herausgefunden hat, warum man dieses und jenes Tempo wählt, usw. usf.
Busch ist KEINE Kinderliteratur. Oder würde Ihr allen Ernstes Eure Kinder damit konfrontieren, daß als Strafe zwei "Lausebengel" vorsätzlich in einer Mühle (!) umgebracht werden? Naja, die Szene ist ja ziemlich unrealistisch, weil hier kein Blut spritzt, sondern die Kinder in Körner verwandelt werden. Wesentlich brutaler finde ich die Geschichte "Das Pusterohr", wo ein Junge durch ein Loch in einem Zaun jemandem mit einem Blasrohr immer wieder mit Pfeilen abschießt, ins Auge, in die Nase etc., bis dieser einen Topf nimmt ...
Oder die "Fromme Helene", die vom Teufel abgeholt und in den heißen Bottich gestopft wird ("Hinein mit ihr, huhu haha, der heil'ge Franz ist auch schon da!"). Das stimmt, wobei es da auch wiederum eine witzige Stelle gibt: "Zwar Lenens guter Genius, bekämpft den Geist der Finsternus". Wie Busch hier den Teufel lustig macht, indem er das Wort "Finsternis" anpasst, damit es sich treimt :D
Ebensowenig geeignet wie z.B. der "Struwwelpeter" mit grausamen Geschichten. Hmm ... ich selbst habe den Struwwelpeter von klein auf gern gesehen und dann gelesen, ich fand die Geschichten immer faszinierend, aber getan haben sie mir nichts.
Auffallend ist ja, dass die Eltern - sofern welche vorkommen - immer eine passive Rolle haben und nicht bestrafen.
Der Friederich wird von einem Hund bestraft für sein Verhalten, der Jäger wird selbst gejagt vom Hasen, der Niklas ist gegen Rassismus, der Hans guck in die Luft fällt aus eigenem Verschulden ins Wasser, der Robert geht trotz Sturm hinaus und wird weggeweht. Eine Ausnahme ist die Geschichte vom Daumenlutscher, die ist absolut übertrieben, und die Strafe ebenfalls.
LG, Hosenrolle1
Cavaradossi (10.03.2017, 18:13): Ebensowenig geeignet wie z.B. der "Struwwelpeter" mit grausamen Geschichten. Hallo Guenther,
es bleibt natürlich jedem selbst überlassen, was er für schlimm oder grausam hält. Also ich bin mit den Geschichten vom Struwwelpeter und auch von Max und Moritz groß geworden, aber nie im Ernst auf den Gedanken gekommen, ich bekäme als Strafe für's Daumenlutschen den Finger mit der Schere abgeschnitten. So bescheuert kann doch selbst ein Vierjähriger nicht sein! Und auch, daß böse Buben für ihre Streiche in einer Mühle zu Korn vermahlen werden, das nimmt kein Kind ernst, und wenn, dann müßte man sich Gedanken machen, ob mit dem Kind alles in Ordnung ist. Ich weiß ja nicht, ob Du die Sendungen im heutigen KiKa verfolgst. Da ich zwei Enkel habe, bleibt mir das oftmals nicht erspart. Was da an gruseligen Gestalten herumläuft und was da alles veranstaltet wird, das richtet für meine Begriffe weit größere Schäden in Kinderseelen an. Ganz abgesehen von der Werbung, die zwischen diesen Sendungen die Kinder zu allerhand Unfug verführt. Noch schlimmer finde ich die ständigen Gewaltszenen, die in allen möglichen (besser gesagt: unmöglichen) Kindersendungen gezeigt werden. Generationen von Kindern sind mit dem Märchen der Brüder Grimm, mit dem Struwwelpeter und Buschs Max und Moritz groß geworden, bleibende Schäden habe ich nirgends feststellen können, weder bei mir noch bei meinen Mitschülern oder später meinen Kindern. Und was die PC angeht: Ich weiß selber, was ich zu denken habe, da brauche ich keine Zensurbehörde.
Hosenrolle1 (23.03.2017, 04:16): Pippi Langstrumpf hat ja nicht nur wegen dem "Negerkönig" Probleme bekommen; kontrovers war auch, dass sie "Strapse" trägt.
Was mich jetzt aber interessieren würde: es ist ja so, dass z.B. auch Socken seinerzeit keinen Gummizug hatten, und es Sockenhalter gab, die auch von Männern getragen wurden. Bei Kleidung kenne ich mich nun überhaupt nicht aus, deswegen würde mich interessieren, was war eigentlich zuerst da? Solche Strümpfe und Strumpfhalter, oder die Strapse als bewusst erotisches Kleidungsstück? Waren die Strümpfe mit Strumpfhalter vielleicht zuerst da, und sind erst später durch die Erfindung der "erotischen" Strapse in ein anderes Licht gerückt worden? Dass die Halter hier für Pippi Langstrumpf nur die Funktion haben, dafür zu sorgen, dass die Strümpfe nicht herunterrutschen, ist völlig klar. Die Frage ist überhaupt, ob das im Buch überhaupt so erwähnt wird, oder ob die Halter wiederum erst in den Verfilmungen aus den 60er Jahren hinzugekommen sind. Ich habe als Kind irgendwann in den frühen 90ern angefangen das Buch zu lesen, aber schnell das Interesse verloren, kann mich also überhaupt nicht erinnern was da stand ^^
LG, Hosenrolle1
Zefira (23.03.2017, 15:47): Ich bin ziemlich sicher, dass in dem Buch nur von dem gelben Kleid die Rede war, das Pippi selbst genäht hat, und den lagen Strümpfen. Es ist allerdings lange her, dass ich es gelesen habe. Vielleicht hat es jemand zur Hand und weiß es genau?
Und ich kann Dir versichern - da bin ich wirklich sehr sicher -, dass Strumpfhalter ursprünglich keine erotische Komponente hatten, ebenso wenig wie die rückwärtige Naht an Strümpfen, die ja heute auch als leicht "verrucht" gilt, oder wie zum Beispiel die Korsage.
ps. Hab inzwischen kurz gegoogelt und glaube jetzt, es ist doch in den Büchern ausdrücklich von Strumpfhaltern oder -bändern die Rede. Außerdem trägt Pippi riesige schwarze Schuhe. Mir war bisher nicht bekannt, dass auch die Strumpfbänder irgendwie in Verruf geraten sind. Als nächstes muss dann wohl der Name Pippi geändert werden. Wenn Astrid Lindgren noch lebte, würde sie sich vermutlich kringeln vor Lachen ...
Hosenrolle1 (23.03.2017, 16:39): Und ich kann Dir versichern - da bin ich wirklich sehr sicher -, dass Strumpfhalter ursprünglich keine erotische Komponente hatten, ebenso wenig wie die rückwärtige Naht an Strümpfen, die ja heute auch als leicht "verrucht" gilt, oder wie zum Beispiel die Korsage. Da bin ich ganz bei dir. Es ist doch auffällig, wie manche Sachen, die ursprünglich nur etwa einen rein praktischen Nutzen hatten, später erotisiert wurden. Ein Beispiel sind auch Stöckelschuhe. Wenn man sich alte Gemälde ansieht, sieht man dort Männer Schuhe mit ziemlich hohen Absätzen tragen, aber damals hat garantiert keiner gedacht, dass er ein Transvestit wäre oder ähnliches.
Auf Wiki steht:
Noch bis in die 1960er Jahre wurden Bändchen bei Kindern zur Befestigung von Wollstrümpfen am Leibchen verwendet. Weite Verbreitung fanden Strumpfhalter mit der Verfügbarkeit von Nylonstrümpfen. Sie waren damals meist an Miedern oder Hüfthaltern befestigt. In den 1960er Jahren wurden sie durch die Strumpfhose beinahe völlig verdrängt. Sie werden jedoch inzwischen aus erotischen Gründen wieder häufiger verwendet.
Allerdings sieht man etwa auf zahlreichen Pin up Fotos und Zeichnungen der 50er Jahre, dass Frauen diese Dinger getragen haben, und dort war das eindeutig erotisch gemeint. Also hätte man sich schon 1969 aufregen können über die Verfilmungen.
Mir war bisher nicht bekannt, dass auch die Strumpfbänder irgendwie in Verruf geraten sind. Als nächstes muss dann wohl der Name Pippi geändert werden. Wenn Astrid Lindgren noch lebte, würde sie sich vermutlich kringeln vor Lachen ... Hehe, das glaube ich auch. Wenn sie im Buch tatsächlich Strumpfhalter anhat, die an die heutigen Strapse erinnern, dann natürlich nicht um Pippi Langstrumpf zu erotisieren, sondern aus rein praktischen Gründen, damit die Strümpfe ohne Gummizug nicht herunterrutschen. Die Originalausgabe stammt laut Wiki von 1945.
Interessant ist aber auch dieser Abschnitt zu den Rassismus-Vorwürfen und Änderungen des Buches:
Seit den 1970er Jahren gab es Rassismus-Vorwürfe wegen der Darstellung von Schwarzen in Kinderbüchern, so auch gegenüber Pippi Langstrumpf. Dass sich schwarze Kinder Pippi bei einem Besuch in Afrika vor die Füße werfen, wurde als koloniale Manier gedeutet. Anstoß nahmen Kritiker auch an der Behauptung Pippis, „dass es im Kongo keinen einzigen Menschen gibt, der die Wahrheit sagt. Sie lügen den ganzen Tag.“ 2009 wurde der Text der deutschen Ausgabe überarbeitet und die Bezeichnungen Neger und Zigeuner entfernt. Pippis Vater wurde vom Negerkönig der Originalausgabe von 1945 in Südseekönig umbenannt. In der DDR war der Begriff bereits durch König der Takatukaner ersetzt worden. Astrid Lindgren hatte zu Lebzeiten eine solche Bearbeitung untersagt. Mir machen solche Bearbeitungen Sorgen. Natürlich sieht man solche Sätze heute anders, aber in 30 oder 40 Jahren werden vielleicht wieder Dinge, die wir heute völlig normal und wertfrei sehen, umgeändert, bis am Ende von unseren Büchern nichts mehr überbleibt, außer über die Jahrzehnte kaputtbereinigte und -gekürzte Versionen.
LG, Hosenrolle1
Zefira (23.03.2017, 17:19): Ich bin nach wie vor der Meinung, dass solche Änderungen unterbleiben sollten. Ich verstehe das Anliegen der Befürworter, dass die Bücher von Kindern gelesen werden, auch von solchen Kindern, die sich unmittelbar betroffen fühlen, z.B. Kindern, die aus dem Kongo stammen (woran Astrid Lindgren, als sie die Bücher schrieb, wahrscheinlich nicht gedacht hat). Andererseits führen solche gutgemeinten Änderungswünsche ins Uferlose, je nachdem wie genau man es nimmt. Ich finde es zum Beispiel als heutige Erwachsene auch nicht besonders geschickt, dass in "Ferien auf Saltkrokan" die 19jährige Tochter für Vater und drei jüngere Geschwister den ganzen Haushalt macht, da die Mutter nicht mehr lebt. Das Frauenbild in den Janosch-Bilderbüchern ist auch nicht immer politisch korrekt. Und und und ... Ich finde es wichtiger, Kinder zum kritischen Lesen zu erziehen (bzw. ihnen das entsprechend vorzuleben), als Kinderbuchklassiker auf unser heutiges Menschenbild umzuschreiben. Aber das hatten wir ja schon mehrmals.
ps. Zum Thema Stöckelschuhe: Das hat mit Transvestitismus nichts zu tun. Die Vorstellung, dass Männer relativ schmucklos und schlicht gekleidet gehen, während Frauen kompliziertere Kleidung tragen (bunte Farben und Muster, modische Ausschnitt- und Ärmelformen, unbequeme Schuhe etc - um nur ein paar Beispiele zu nennen), ist relativ neu. Mindestens im 18. Jahrhundert, möglichweise auch später noch waren Männer mindestens so aufgedonnert wie Frauen (vorausgesetzt, sie konnten es sich überhaupt leisten, Geld und Überlegung auf ihre Kleidung zu verwenden). Wir haben uns ja neulich per PN noch über die Kostüme in der Tudorzeit ausgetauscht; da haben die adligen Männer großen Wert darauf gelegt, mit auffallenden Strümpfen und Schuhen ihre Beine zur Schau zu stellen, was sich zum Beispiel auch in den damals modischen Tänzen niedergeschlagen hat. Das nur nebenbei.
Cavaradossi (23.03.2017, 19:46): Ich bin nach wie vor der Meinung, dass solche Änderungen unterbleiben sollten. Hallo Zefira,
selbst auf die Gefahr hin, bei einigen Forumsmitgliedern in Ungnade zu fallen: Ich bin nach wie vor der Meinung, daß solche Änderungen verboten gehören. Es ist, gelinde gesagt, eine Respektlosigkeit gegenüber dem Autor, nachträglich ohne seine Zustimmung (und die ist ja wohl von Toten kaum noch zu erlangen) Eingriffe in sein Werk vorzunehmen. Wo soll man da beginnen, und wo endet das? Für mich sind es Goebbels-Methoden, nur unter anderem Vorzeichen. Demnächst werden wohl die Beethoven-Sinfonien umkomponiert, weil zu viel Pathos darin vorhanden ist! Vielleicht kann man ja auch die Karl-May-Romane umschreiben und Winnetou und Old Shatterhand mit Smartphones ausstatten, damit das alles nicht so altmodisch rüberkommt! Das sind doch alles unausgegorene Ideen von Alt-68ern, die unsere Gesellschaft nach ihren Richtlinien umdiktieren wollen. Die gleichen Leute nämlich, die sämtliche Kinderbücher von allen angeblich grausamen und rassistischen Zutaten reinigen wollen, die aber (Beispiel: Cohn-Bendit) Sex mit Kindern im Kindergarten für höchst erstrebenswert halten. Ich finde diese Heuchelei einfach nur zum K..... Daß das alles "gutgemeinte Änderungswünsche" sind, wage ich sehr zu bezweifeln. Es ist vielmehr politische Indoktrination von Leuten, die offenbar nicht ausgelastet sind! Und ich bin auch der Meinung, daß es lächerlich ist, hier auf Kinder aus dem Kongo solche Rücksichten zu nehmen. Wenn unsere Politiker, die sich ja so gerne als Menschenfreunde gerieren, nicht Waffenexporte in gewaltigem Umfang in Krisengebiete zuließen bzw. noch fördern (wie z.B. Frau Merkel, die sich aber hierzulande als neue Mutter Teresa feiern läßt, Heiligsprechung zu Lebzeiten vorprogrammiert), dann könnten diese Kinder in ihren Heimatländern bleiben und dort lernen. Und ich kann mir kaum vorstellen, daß z.B. Bücher von Astrid Lindgren dort die passende Lektüre wäre. Bestimmt gibt es in diesen Ländern eigene Autoren, die für geeigneten Lesestoff sorgen können.
Hosenrolle1 (23.03.2017, 19:57): ps. Zum Thema Stöckelschuhe: Das hat mit Transvestitismus nichts zu tun. Das meinte ich ja; damals völlig normale Dinge wie diese Schuhe oder ähnliches wurden später entweder sexualisiert, oder nur einem Geschlecht zugeschrieben worden. Beim Pippi Langstrumpf-Beispiel ist die Sache für mich schwieriger, weil sich die Strapse im erotischen Sinne (s. Pin-up Fotos) und die Strumpfhalter als Gebrauchsgegenstand zeitlich überschneiden. Wie soll man kontern, wenn sich jemand aufregt und sagt "Die trägt ja Strapse, PL wird sexualisiert, das gehört verboten"?
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (23.03.2017, 20:38): Kürzlich habe ich auch eine umgeänderte Version des Buches "10 kleine Negerlein" gefunden. Links das Original, rechts die neue Version.
Eine ähnliche Änderung gab es in der Menschenfresser-Episodein Afrika aus "Hatschi Bratschis Luftballon" von 1904.
Fritzchen reist mit Hatschi Bratschis Ballon durch die Lande, und da heißt es im Original:
Aber mit dem großen Messer kommen schon die Menschenfresser. Tückisch nähern sie sich leise, kletternd nach der Affen Weise. "fangt ihn nur, geschwind, geschwind !" ruft das Menschenfresserkind. "Schnell, das Wasser ist schon lau !" ruft die Menschenfresserfrau Fritzchen, hörst du nicht das Schrei'n Willst du aufgefressen sein? Ja er hört das Schrei'n zum Glück schaut hinunter und zurück. Hei, da saust der Luftballon pfeilschnell durch die Luft davon. Reißt mit sich den ersten Mann, der sich kaum erhalten kann. Diesem hängt mit wildem Schrei'n sich der zweite an das Bein. Brüllend stürzt der dritte schwer in das wildbewegte Meer.....
In der bereinigten Version hat man nun Affen daraus gemacht:
www.zeitlupe.co.at]
Aber, ach, mit viel Geschrei Eilen Affen schnell herbei. Tückisch nähern sie sich leise, Kletternd nach der Affen Weise. Fritzchen hörst du nicht das Schrei'n Willst du ganz verloren sein? Ja, er hört das Schrei'n zum Glück, Schaut hinunter und zurück. Und da saust der Luftballon Pfeilschnell durch die Luft davon. Reißt mit sich den ersten Affen, Hei, dem macht das viel zu schaffen. Diesem hängt mit wildem Schrei'n Sich der zweite an das Bein. Brüllend stürzt der Dritte schwer In das wildbewegte Meer.
Aber auch der böse Hatschi Bratschi selbst wurde sowohl optisch als auch im Text entschärft. Sah er im Original noch so aus:
und wurde mit "Drin sitzt, die Pfeife in der Hand, ein Türke aus dem Türkenland" vorgestellt, wurde später aus ihm ein dicker, gemütlicher "Zauberer"
mit dem entschärften Text: "Drin sitzt, die Pfeife in der Hand, ein Zauberer aus dem Morgenland".
LG, Hosenrolle1
Zefira (23.03.2017, 22:21): @ Cavaradossi: Du rennst bei mir offene Türen ein. Ich halte sowieso nichts davon, Kinder in Watte zu packen. Wenn ich mit einem kleinen Kind zur Tanke gehe, müssen wir auch irgendwie damit klarkommen, dass ihm vom oberen Bord des Zeitschriftenregals eine ganze Reihe nackte T...en entgegenquellen. Mit "gut gemeint" meinte ich genau das: gut gemeint, was bekanntermaßen oft das Gegenteil von "gut" ist.
Ich weiß nicht, wieviele und welche der klassischen Kinderbücher überhaupt noch von Kindern gelesen werden. Ich selbst habe zum Beispiel mit elf Jahren "Die Heiden von Kummerow" gelesen, da werden Mädchen grundsätzlich als "langhaarige Donnerschläge" bezeichnet und taugen zu nichts. Mir musste niemand erklären, dass das die subjektive Meinung des Jungen ist, aus dessen Sicht das Buch erzählt wird; ich habe das schon verstanden.
Guenther (24.03.2017, 08:19): Ich habe noch eine alte Ausgabe von 1987 aus dem Oetinger-Verlag (erstmalig übersetzt 1967).
Dort heißt es auf der Seite 13:
Das war das merkwürdigste Mädchen, das Thomas und Annika je gesehen hatten, und es war Pippi Langstrumpf, die zu ihrem Morgenspaziergang herauskam. Sie sah so aus: Ihr Haar hatte dieselbe Farbe wie eine Möhre und war in zwei feste Zöpfe geflochten, die vom Kopf abstanden. Ihre Nase hatte dieselbe Form wie eine kleine Kartoffel und war völlig von Sommersprossen übersät. Unter der Nase saß ein wirklich riesig breiter Mund mit gesunden weißen Zähnen. Ihr Kleid war sehr komisch. Pippi hatte es selbst genäht. Es war wunderschön gelb; aber weil der Stoff nicht gereicht hatte, war es zu kurz, und so guckte eine blaue Hose mit weißen Punkten darunter hervor. An ihren langen dünnen Beinen hatte sie ein Paar Strümpfe, einen geringelten und einen schwarzen. Dann trug sie ein paar schwarze Schuhe, die genau doppelt so groß waren wie ihre Füße.(...)
Im Text also keine "Strapse", auf den Bildern in dieser Ausgabe schon, ebenso auf dem Cover. Die Schuhe stimmen auch nie, auf dem Cover sind sie braun, auf den S/W-Bildern weiß mit schwarzer Spitze.
@Cavaradossi
Möglicherweise hast Du mein Posting nicht richtig verstanden, es ging mir dort um die Relation der Zensur: Bevor ich Dinge wie Strapse bedenklich fände, würde ich vielleicht erstmal über die Mordszenen nachdenken.
Was einem Kind möglicherweise schadet oder auch nicht, darüber gibt's zahlreiche (umstrittene) Abhandlungen...
Hosenrolle1 (24.03.2017, 09:22): Danke für den Text, Guenther! Dann stellt sich doch die Frage, wieso man dann solche Strumpfhalter dazugezeichnet hat - vielleicht waren die Dinger damals aber so selbstverständlich, dass sie nicht eigens erwähnt werden mussten im Text, eben wegen den fehlenden Gummizügen.
LG, Hosenrolle1
Zefira (24.03.2017, 09:55): Pippi Langstrumpf hat ja nicht nur wegen dem "Negerkönig" Probleme bekommen; kontrovers war auch, dass sie "Strapse" trägt. Hallo Hosenrolle, wo hast Du das eigentlich her mit den "kontroversen Strapsen"? Ich habe vorhin mal danach gegoogelt, aber nichts darüber gefunden; nur witzig sein sollende Anspielungen darauf, dass die Schauspielerin Inger Nilsson (die bekannteste Pippi-Darstellerin) offenbar als Erwachsene einen Erotikfilm gedreht hat.
Hosenrolle1 (24.03.2017, 10:43): In einer Radiosendung habe ich das vor einiger Zeit gehört, dass die Strapse auch kontrovers gesehen werden. Quellen wurden da aber keine genannt, vermutlich stoßen sich die meisten doch an den Begriffen wie "Negerkönig" etc. Konkret finde ich da auch nichts dazu, außer halt immer wieder unterschiedliche Kommentare, die sich darauf beziehen.
"SVT hat Elemente, die als anstößig betrachtet wurden, herausgeschnitten", teilte der öffentlich-rechtliche Sender mit. "Unser Publikum sind Kinder, und wir wollen nicht, dass sie sich beleidigt oder verletzt fühlen könnten", wird der Schritt begründet.Konkret sind beispielsweise jene Szenen betroffen, in welchen Pippi Langstrumpf ihren Vater bisher als "Negerkönig" bezeichnet hat. In der überarbeiteten Fassung der Filmreihe wurde daraus nun schlicht "König". In einer anderen Szene formt Pippi ihre Augen zu Schlitzen und tritt als Chinesin auf. Diese Sequenz wurde nun komplett herausgeschnitten. Das Unternehmen Saltkrokan hält die Rechte an den Werken von Astrid Lindgren und ist mit den Eingriffen einverstanden. "Astrid Lindgren wollte niemanden verletzen", erklärte die Gesellschaft. Betrifft jetzt zwar kein Kinderbuch, sondern die Filme, aber trotzdem.
LG, Hosenrolle1
Guenther (24.03.2017, 11:21): Jaja, die "kindergefährdenden" Strapse...
https://stageplanet.ch/2016/09/pippi-langstrumpf/
;-)
(Man faßt sich mittlerweile hierzulande (Europa) sowieso nur noch an den Kopf...)
Cavaradossi (24.03.2017, 11:23): Mit "gut gemeint" meinte ich genau das: gut gemeint, was bekanntermaßen oft das Gegenteil von "gut" ist. Hallo Zefira,
ich bin auch mit den Geschichten von "Max und Moritz" und dem "Struwwelpeter" groß geworden, habe aber nie im Ernst daran geglaubt, daß man für böse Streiche in eine Mühle gesteckt und zu Hühnerfutter verarbeitet wird, oder daß der "Schneider mit der großen Scher'" den angelutschten Daumen abschneidet. Das sind doch alles nur Vorwände, die keiner ernsthaften Prüfung standhalten. Ich glaube auch nicht, daß das alles "gut gemeint" ist, sondern ich glaube im Gegenteil, daß da eine ganz bestimmte Methode dahintersteckt, um die Menschen auf eine neue Ideologie umzuerziehen. Nachdem die "Negerküsse" und die "Zigeunerschnitzel" bereits dem Rotstift zum Opfer gefallen sind, bin ich gespannt, wann zum ersten Mal im Stadttheater "Der Romabaron" aufgeführt wird und aus dem altbewährten "Führerschein" eine "Fahrgenehmigung" wird. Oder, besser noch, man könnte ihn ja gleich dem Sprachgebrauch folgend offiziell in "Lappen" umbenennen. Aber vielleicht wären da die Lappen bzw. die Lappländer betroffen und würden Einspruch erheben! Warum ist z.B. "Neger" auf einmal verpönt, "Schwarzer" dagegen nicht? Kann das mal jemand einleuchtend erklären? "Neger" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "Schwarzer". Wer sich ein bißchen bei Karl May auskennt, der weiß, daß "Nigger" ein Schimpfwort für Neger war, Neger hingegen schlicht die Bezeichnung für einen Schwarzafrikaner. Wer denkt sich all diesen Unfug eigentlich aus? Das müssen doch notorisch unterbeschäftigte Leute sein, denen mal möglichst bald mal eine ordentliche Arbeit verschaffen sollte, damit sie nicht dauernd auf dumme Gedanken kämen. Man kann ja täglich gespannt sein, was denen mal wieder über Nacht so alles in den Sinn gekommen ist .... Für mich hat das alles wenig mit Political Correctness zu tun, aber viel mit Hysterie!
Hosenrolle1 (24.03.2017, 12:02): Danke nochmal Guenther für diesen Link.
"Dies eröffnet Perspektiven, die viel Haut zeigen und aus heutiger Sicht kinderpornografischen Charakter haben." Das tut schon weh.
(Völlig OT und nur als Randbemerkung gedacht: auf dem Bild sieht man ein Foto von einer Musical-Aufführung von Pippi Langstrumpf, wobei der "Tommy" hier von einem erwachsenen Mann gespielt wird. DAS würde mich viel mehr irritieren bei einer Aufführung. Da wäre ich auch dafür, dass man für Tommy und Annika junge Frauen nimmt, und keine Männer, wenn schon keine echten Kinder dafür geeignet sind.)
LG, Hosenrolle1
Zefira (24.03.2017, 12:13): Man darf sich wundern, dass sich in den 70-er-Jahren niemand – zudmindest nicht wirksam – dagegen gewehrt hat. DAS ist nun wirklich ein Witz. Wer, wie ich, in den 70ern jung war (ich bin Jahrgang 1957), weiß, dass diese Zeit viel weniger prüde und verklemmt war als die heutige. Zumindest, was die Medien betrifft. Ich habe hier noch Modehefte aus den frühen 80ern liegen, da sind Fotos drin, die heute unmöglich wären!
satie (24.03.2017, 13:12): Also ich kann die ganze Aufregung nicht verstehen. Man weiß doch, dass die Schweden seit je her ein freizügiges Volk waren und sind. Pippi Langstrumpf ist ein geiler Fetisch-Schweinkram? Na und wenn schon, sollen denn unsere Kinder so verklemmt und wenig sexuell experimentierfreudig aufwachsen wie wir oder gar unsere Eltern? Nein danke, das wäre psychologisch gar nicht gut, wo doch heute bereits auf amtlichen Formularen das Feld für die Geschlechtsangabe schon über 50 mögliche Auswahlpunkte beinhaltet, da regen wir uns über ein paar Strapse auf? Also wirklich... Das geht schon beim Namen der Protagonistin los. Da sind doch Golden-Shower-Fantasien gleich inklusive, außerdem wohnt "Pippi" allein mit zwei eindeutig männlichen Tieren zusammen, die zeitweise (wenn ich mich recht erinnern kann) Züge von Transvestitismus zeigen. Sodomistisch-urophile Fetischfreunde kommen hier also ganz sicher immer noch voll auf ihre Kosten, und der Negerkönig ist dann sozusagen noch das Sahnehäubchen für Liebhaber megalophallischer Naturburschen mit dunkel gefärbter Haut. Wenn man da anfinge zu zensieren... was bliebe dann noch?
Mir fällt gerade ein, vor Urzeiten gab es mal eine TV Total-Sendung, wo Raab eine Quizshow gezeigt hat, wo nach Pippi Langstrumpf gefragt wurde, der Name in der Fragestellung aber "Pipi" hieß.
Ich kann zwar nur für mich sprechen, aber ich glaube, kein Kind wird sagen "Oh, die trägt ja Strapse, das ist erotisch, das gehört sich nicht". Ich habe DARAUF sicher nicht geachtet. Wenn, dann sind es Sittenwächter, die offenbar meinen, dass Kinder von heute Probleme mit solchen Dingern bekommen könnten. Keine Ahnung.
LG, Hosenrolle1
Zefira (24.03.2017, 13:31): Jawohol, chapeau. Und nicht zu vergessen, dass von Pippi einmal der prophetische Satz kommt: "Wir leiden großen Mangel an Hampelmännern."
Es muss an die 50 Jahre her sein, dass ich es gelesen habe, aber an diesen Satz erinnere ich mich noch. Immerhin ein Mangel, dem inzwischen abgeholfen wurde.
Guenther (24.03.2017, 13:53): „Was darf es sein?“ fragte die Verkäuferin.
„Etwas von jedem“, sagte Pippi und schaute sich prüfend um.
„Wir leiden großen Mangel z. B. an Hampelmännern“, fuhr sie fort. „Und Knallpulverpistolen. Aber dem läßt sich ja abhelfen, hoffe ich.“
Ich glaube, das ist noch großenteils unbereinigt...
Zefira (24.03.2017, 14:04): Ui toll ... Wer jetzt noch eine Online-Version von Jim Knopf finden täte, dem würde mein Dank ewig nachschleichen! :down
Hosenrolle1 (24.03.2017, 14:18): Als alle satt waren, holte Kapitän Langstrumpf eine Zaubertrommel aus seinem Koffer, so eine, auf denen die Neger den Takt schlagen, wenn sie ihre Tänze aufführen und ihre Opferfeste abhalten. Und Kapitän Langstrumpf setzte sich auf die Erde und schlug die Trommel. Das klang dumpf und seltsam, ganz anders als alles andere, was Thomas und Annika bis jetzt gehört hatten. „Negerartig“, sagte Thomas erklärend zu Annika. Jep, das sollte die unbereinigte Version sein, auch der beanstandete Teil, dass alle im Kongo (hier ist es Nicaragua) lügen ist enthalten, auch hier danke für den Link, Guenther.
LG, Hosenrolle1
Hosenrolle1 (24.03.2017, 14:21): @Zefira: Hier vielleicht? Das Wort "Neger" kommt in dieser Version vor, ob der Rest gekürzt ist weiß ich aber nicht.
Hosenrolle1 (24.03.2017, 16:27): Zum Thema Illustrationen: die political correctness kann man auch gut beobachten in Vergleichen von verschiedenen "Die kleine Meerjungfrau"-Cover, und Disneys (also Amerikas) Arielle.
und im Vergleich dazu die Ami-Version:
Das sind jetzt natürlich Hörbücher bzw. Hörspiele, aber dennoch.