Klarinettenquintette

Amadé (14.09.2007, 20:45):
Liebe Forianer,

da fallen dem Kammermusikfreund sofort die Quintette von

Mozart A-dur KV 581
Weber B-dur op.34
Brahms h-moll op.115 ein, vielleicht auch
Regers Quintett A-dur op.146.

Es gibt nicht viele Werke für Klarinette und Streichquartett, jedoch muss man sie sämtlich zu den wichtigsten KAmmermusikproduktionen der genannten Komponisten zählen.
Bei Mozart, Weber und Brahms steht das Holzblasinstrument mit seinen chrakteristischen Klangfarben denm Streichquartett gegenüber, wetteifert quasi mit ihm. Anders sieht es bei Regers letztem Kammermusikwerk aus, hier ist die Klarinette mit den Stimmen der Streicher verwoben, der Eindruck, es handele sich um ein Concertino kann/soll erst gar nicht aufkommen. Vielleicht liegt darin der Grund, dass Regers Quintett nicht den Erfolg der drei anderen Komponisten hat.
Bemerkenswert ist, dass Mozarts, Webers und Brahms' Quintett jeweils in Zusammenarbeit mit einem ausgewiesenen Könner seines Fach entstanden sind, ihm gewissermaßen auf den Leib geschrieben und von ihm uraufgeführt wurde.
Bei Mozart war es Anton Stadler, für den er später auch sein Klarinettenkonzert schrieb. Mozart nahm Stadler auch mit zur Uraufführung seines Titus nach Prag, damit der Freund den Soli für die Klarinette in einigen Arien den nötigen Glanz geben konnte.
Carl Maria von Weber war gleich mit zwei Klarinettisten befreundet: Simon Hermsdorf und Heinrich Bärmann. Für letzteren schrieb er sein Quintett und auch das Grand Duo op.48.
Johannes Brahms lernte den Meiniger Klarinettisten der Hofkapelle, Richard Mühlfeld, spätestens bei der Uraufführung seiner 4. Sinfonie e-moll op.98 in Meinigen kennen, daraus entwickelte sich eine lange Freundschaft, Brahms schrieb für sein "Fräulein Klarinette" außer dem Quintett auch noch das Klarinettentrio a-moll op.114 sowie die beiden Sonaten op.120.

Außer den genannten vier Werken existieren noch Werke anderer Komponisten. Der Klarinettist Dieter Klöcker hat in vergangenen Jahrzehnten unermüdlich in Bibliotheken gestöbert und etliche Quintette, aber auch andere Kammermusikproduktionen mit diesem oder für dieses Instrument entdeckt und auf Tonträgern eingespielt. Keines kann jedoch den Rang der genannten Meisterwerke erreichen.

Welche Interpretationen kennt Ihr und könnt Ihr empfehlen?

Grüße Amadé
daniel5993 (14.09.2007, 21:05):
Hallo Amade!

Schön dich wieder im Forum zu sehen!

Beim Klarinettenquintett KV 581 von Mozart ist folgende Einspielung mein Favourit!

https://www.jpc.de/image/w300/front/0/3655078.jpg Sabine Meyer, B. Schneider, Mitglieder des Wiener Streichsextetts

Gefolgt von dem Amadeus Quartett und Karl Leister und dem Hölderlin Quartett!
Eine ebenfalls sehr Gute Aufnahme habe ich von den Freien Berliner Solisten in Erinnerung, DGG!

Gruß
Daniel :)
Zelenka (15.09.2007, 15:20):
Lieber Amadé:

Herzlichen Dank für Deine schöne Fadeneröffnung! Ich besitze nur Versionen der vier üblichen Verdächtigen, was Klarinettenquinette angeht, weiter habe ich das Répertoire leider nicht ausgekundschaftet. Und obwohl ich eigentlich alle vier Quintette gern höre, habe ich kaum Auswahl anzubieten.

Von Mozarts Quintett besitze ich diese Versionen:

Zahradnik, Quatuor Talich Calliope 3231.3
Berliner Solisten Teldec Digital Experience 4509936842
Wiener Oktett Decca Eclipse 4482322

Mein Favorit hier ist wohl die Version mit Zahradnik, die vielleicht expressivste und somit interessanteste unter den drei Aufnahmen.

Von Webers Quintett mit dem sehr virtuosen Solopart besitze ich nur eine mittlerweile schon ältere Einspielung von 1978 mit historischen Instrumenten:

Hacker, The Music Party L'Oiseau-Lyre Florilegium 4441672

Vergleichsmöglichkeiten fehlen mir, ich kann nur lahm sagen, daß ich mit der Aufnahme zufrieden bin.

Bei Brahms gibt es wieder eine Auswahl:

Stähr, Members of the Berlin Philharmonic Octet Philips Duo 4461722
Berliner Solisten Teldec Digital Experience 4509936842
Nash Ensemble Wigmore Hall Live WHLive0007

Die zuerst genannte Aufnahme ist hier mein Favorit: ein sehr warmer Klarinettenton und eine gute Ensembleleistung. Noch eine Anmerkung zur Fadeneröffnung: Auch Brahms hat schon vor Reger die Klarinette weitgehend in die Gruppe der Streichinstrumente integriert.

Bei Reger, den man mit seinem letzten Werk ganz zu Unrecht wohl am wenigsten zu hören bekommt, dann wieder nur eine Version ohne eine Vergleichmöglichkeit:

Leister, Drolc Quartet DG Trio 002894775518

Das Quintett war eine späte Entdeckung für mich, es ist berauschende Musik ...

Gruß, Zelenka
Cosima (15.09.2007, 15:35):
Ich danke auch für die Fadeneröffnung; in Sachen Klarinettenquintett gäbe es evtl. noch eine Menge für mich zu entdecken. (Allerdings bin ich nicht so furchtbar wild auf die Klarinette an sich.) In meiner Sammlung befindet sich nämlich genau eine CD, mit dem Quintett KV 581 von Mozart und op. 115 von Brahms. Beide höre ich recht gerne, die Interpretationen mit Shifrin und dem Emerson Quartet scheinen IMO sehr gut zu sein:

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/9648627.jpg

Gruß, Cosima
ab (16.09.2007, 21:49):
Nicht vergessen sollte man Franz Schmidt, der gleich zwei verfasst hat, allerdings hier mit Klavier, und wohl für Paul Wittgenstein für nur eine Hand.

# Quintett für Klarinette, Klavier (für die linke Hand allein), Violine, Bratsche und Violincello B-Dur; komp.: 1932; Urauff.: Wien 1933
# Quintett für Klarinette, Klavier (für die linke Hand allein), Violine, Bratsche und Violincello A-Dur; komp.: 1938; Urauff.: Wien 1939; zweihändige Fassung von Friedrich Wührer (gedr. 1952)

Ich kenne nur das A-Dur in eine Aufnahme, die ich einst sehr viel und gerne gehört habe, nämlich bei Preiser Records. Dort gibt es auch das andere u.a. mit Jörg Demus am Klavier.
ab (17.09.2007, 13:44):
Original von Zelenka
Von Mozarts Quintett besitze ich diese Versionen:

Zahradnik, Quatuor Talich Calliope 3231.3
Berliner Solisten Teldec Digital Experience 4509936842
Wiener Oktett Decca Eclipse 4482322

Mein Favorit hier ist wohl die Version mit Zahradnik, die vielleicht expressivste und somit interessanteste unter den drei Aufnahmen.


Vom Quatuor Talich gibts beim selben Label noch eine zweite Einspielung, und zwar mit Philippe Cuper. Ich meine mich zu erinnern, dass mir Zahradnik besser gefallen hat. Sicher kann ich es aber nicht sagen, denn gewöhnlich höre ich mir immer nur die wunderbar gespielten Streichquintette an... Ich sollt mal wieder reinhören.
Zelenka (17.09.2007, 17:26):
Original von ab
Original von Zelenka
Von Mozarts Quintett besitze ich diese Versionen:

Zahradnik, Quatuor Talich Calliope 3231.3
Berliner Solisten Teldec Digital Experience 4509936842
Wiener Oktett Decca Eclipse 4482322

Mein Favorit hier ist wohl die Version mit Zahradnik, die vielleicht expressivste und somit interessanteste unter den drei Aufnahmen.


Vom Quatuor Talich gibts beim selben Label noch eine zweite Einspielung, und zwar mit Philippe Cuper. Ich meine mich zu erinnern, dass mir Zahradnik besser gefallen hat. Sicher kann ich es aber nicht sagen, denn gewöhnlich höre ich mir immer nur die wunderbar gespielten Streichquintette an... Ich sollt mal wieder reinhören.

Die Version mit Cuper kenne ich leider nicht. Ja, die Streichquintette sind ganz wunderbar gespielt!!!

Gruß, Zelenka
ab (17.09.2007, 21:03):
Original von Zelenka
Original von ab
Original von Zelenka
Von Mozarts Quintett besitze ich diese Versionen:

Zahradnik, Quatuor Talich Calliope 3231.3
Berliner Solisten Teldec Digital Experience 4509936842
Wiener Oktett Decca Eclipse 4482322

Mein Favorit hier ist wohl die Version mit Zahradnik, die vielleicht expressivste und somit interessanteste unter den drei Aufnahmen.


Vom Quatuor Talich gibts beim selben Label noch eine zweite Einspielung, und zwar mit Philippe Cuper. Ich meine mich zu erinnern, dass mir Zahradnik besser gefallen hat. Sicher kann ich es aber nicht sagen, denn gewöhnlich höre ich mir immer nur die wunderbar gespielten Streichquintette an... Ich sollt mal wieder reinhören.

Die Version mit Cuper kenne ich leider nicht. Ja, die Streichquintette sind ganz wunderbar gespielt!!!

Gruß, Zelenka

..heute hörte ich mir alle beide an, und genauso die mit Benny Goodman und dem Budapester Streichquartett von 1938. Die Cuper-Aufnahme ist ein Konzertmitschnitt, gepaart mit dem Dissonazenquartett. Eine lässliche CD!

Die Version mit Zahradnik ist grandios!
Zelenka (21.09.2007, 17:26):
Original von Amadé

Welche Interpretationen kennt Ihr und könnt Ihr empfehlen?

Grüße Amadé

Lieber Amadé:

Welche Aufnahmen von Klarinettenquintetten würdest Du denn empfehlen?

Gruß, Zelenka
Amadé (22.09.2007, 10:26):
Lieber Zelenka,

Mozarts Klarinettenquintett ist sehr beliebt und alle guten Klarnettisten haben es im "Rucksack" und führen es immer wieder auf, entsprechend umfangreich ist die Diskographie dieses Meisterwerks.
Ich schätze die Aufnahme mit Gervase de Peyer mit dem Amadeus Quartett bei DGG



aber auch die Aufnahme mit dem Londoner Melos-Ensemble bei EMI

.

Eine schöne Aufnahme hat auch Alfred Prinz mit Wiener Kollegen für Ariola/BMG erstellt, augenblicklich nicht erhältlich.
Von den jüngeren Veröffentlichungen gefällt mir auch Eduard Brunner mit dem Hagen Quartett



und Michel Portal mit französischen Kollegen bei HMF.

Weiteres folgt später.

Grüße Amadé
Zelenka (23.09.2007, 08:47):
Lieber Amadé:

Herzlichen Dank für Deine Empfehlungen, de Peyer schätze ich als Klarinettisten auch sehr!

Gruß, Zelenka
Amadé (23.09.2007, 10:37):
Hallo Zelenka und Freunde der Holz-Blas-Musik

Auch beim Klarinettenquintett h-moll op.115 von Johannes Brahms ist die Auswahl sehr groß. Hier nenne ich als Spitzenaufnahme die CD mit Karl Leister, lange Jahre Solo-Klarinettist der Berliner Philharmoniker, und dem Amadeus Quartett.
http://ec1.images-amazon.com/images/I/61FNCQX8BKL._AA240_.gif
Er hat mindestens noch 3 weitere Aufnahmen hinterlassen, mit dem Vermeer Quartett (Orfeo), den Berliner Solisten (Teldec) sowie dem Brandis Quartett (Nimbus). Bei der DGG-Aufnahme sitzen die Musiker an der vorderen Stuhlkante. Der Hörer hat den Eindruck in der 1.Reihe zu sitzen. Die Vermeer-Aufnahme ist zwar technisch etwas ausgereifter, ist aber mehr als 1 Min. langsamer und klingt mir etwas glatt.

Dann möchte ich noch Reginald Kell erwähnen, er hat mit dem Busch Quartett zwei Aufnahmen gemacht, 1937 für HMV/EMI im Studio und 1948 live, die erste Aufnahme ist die bessere, damals spielte noch das alte Busch-Quartett.
http://ec1.images-amazon.com/images/I/41GRS2FCSXL._AA240_.jpg

Der Solo-Klarinettist der Wiener Philharmoniker, Alfred Prinz, hat mit Kollegen (=Wiener Kammerensemble) für Ariola/BMH eine sehr hörenswerte Aufnahme hinterlassen, die allerdings weniger dramatisch als die von Leister DGG klingt.
Von neueren Aufnahmen gefällt mir auch hier der französische Klarinettist Michel Portal zusammen mit dem Melos Quartett (HMF).
http://ec1.images-amazon.com/images/I/41P1E9NF3NL._AA240_.jpg

Vom Weberschen Klarinettenquintett, einem ausgesprochenen Virtuosenstück, also in der Haltung den Quintetten von Mozart und Brahms entgegengesetzt, gibt es nicht viele Aufnahmen. Ich bevorzuge hier diejenige mit Dieter Köcker und seinem Consortium Classicum (Teldec)

sowie Eduard Brunner mit dem Hagen Quartett (DGG).
http://g-ec2.images-amazon.com/images/I/41FTZW1FDHL._AA240_.jpg

Regers Klarinettenquintett kenne ich nur in einer Aufnahme, wieder mit Karl Leister und dem Drolc Quartett (ehemalige Kollegen von den Berliner Philharmonikern) bei DGG. Die Aufnahme wurde kürzlich in der Serie „Trio“ zusammen mit den Quartetten wiederveröffentlicht.
http://ec1.images-amazon.com/images/I/417A5DZ664L._AA240_.jpg

Grüße Amadé
Amadé (10.02.2012, 19:50):
Hier ist schon fast 5 Jahre nichts mehr gepostet worden, liegt es an den Werken, oder ist die Zahl der Liebhaber im Forum zu gering, ich schätze mal Letzteres. Kürzlich ist eine bemerkenswerte Neuaufnahme erschienen, die allein schon wegen ihrer Besetzung Aufmerksamkeit erheischen kann:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41tEh1pGH5L._SL500_AA300_.jpg

Hier meine Einschätzung:
Eine Aufnahme für Kenner, nicht für diejenigen, das das Werk kennenlernen wollen, dafür ist die Interpretation zu eigenwillig. Gleich am Anfang wird der Hörer im Unklaren gelassen, wohin die Reise geht. Über den 1.Satz sollte ein Spannungsbogen gezogen werden, der immer wieder mitklingen muss. Hier fehlt das gänzlich, das Ensemble bremst immer wieder das Tempo ab, als müsste es Ruheplätze einnehmen. Mir scheint, dass das Konzept „ständig im Rubato-Zustand“ hier zu weit getrieben wird und damit der sich erwähnte Spannungsbogen nicht entwickeln kann. Andererseits gibt es betörend schöne Momente zu bewundern, die das Tor Richtung Impressionismus aufstoßen, auch weil weitgehend auf Vibrato verzichtet wird. Für mich ist Brahms‘ Klarinettenquintett ein Werk männlichen Charakters, die Hagens mit Widmann stellen dies deutlich in Frage.
Der 2.Satz hinterlässt bei mir in dieser Interpretation den Eindruck des Abschieds vom Leben, so als wäre nun alles gesagt, aus manchen Takten spricht auch Einsamkeit.
Hier liegt gewiss keine Mainstream-Produktion vor, dafür eine beeindruckende Aufnahme für Fortgeschrittene.

Grüße Amadé
ab (10.02.2012, 20:57):
weitere Werke:

Sigismund Ritter von Neukomm (1778 -1858)
schöne von Eric Hoeprich und dem Ensemble les Adieux eingespielt

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41RI2O-zqeL._SL500_AA300_.jpg

Henri Marteau (1874-1934)
Klaus Hampl und das Quartetto di Roma haben es für Naxos eingepielt. Ich habe es aber nie gehört.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51bhgqekQRL._SL500_AA300_.jpg

Auch Hindemith hat eines 1955, nämlich sein op. 30 hinterlassen, ich kenne nur eine Aufnahmne mit demBuchberger-Quartett und Peter Klaus Löffler (Wergo), die mir nie so gefallen hat.

http://www.jpc.de/image/w220/front/0/4010228619720.jpg
Kalli (13.02.2012, 17:32):
hallo,

quintett, trio und karinetten sonaten mit leister gibt es sehr günstig und in guter qualität hier (von brillant - es ist die teldecaufnahme ) :

http://www.amazon.de/Brahms-Complete-Chamber-Music-Clarinet/dp/B000MGB3W6/ref=sr_1_1?s=music&ie=UTF8&qid=1329150529&sr=1-1

vielleicht kann ja jemand das bild einstellen ?

gruss

kalli
Amadé (13.02.2012, 18:07):
Hallo Kalli,

Karl Leisters Aufnahmen von op.115, ich glaube es sind sechs, sind alle gut, am besten gefällt mir seine allererste mit dem Amadeus Quartett, heute hierauf zu haben:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61FNCQX8BKL._SL500_AA300_.gif

Gruß Amadé
Wooster (14.02.2012, 10:30):
Die Brilliant-Aufnahme ist, obgleich meiner Erinnerung nach auch sehr gut, nicht die Teldec-Aufnahme mit den Berliner Solisten, sondern eine spätere von Nimbus mit dem (ebenfalls Berliner Phil basierten) Brandis Quartett. Lohnte angesichts des Preises allein wegen des deutlich seltener eingespielten Trios.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41cEC3tXvxL._SL500_AA300_.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/61%2BLBmvR%2BIL._SL500_AA300_.jpg
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51nNTX-MqzL._SL500_AA300_.jpgl


Es gibt außer den schon genannten noch welche mit Leister bei Orfeo und bei MDG:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51g9EZW3sWL._SL500_AA300_.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/513CIxZ4Z6L._SL500_AA300_.jpg
Kalli (14.02.2012, 14:11):
hallo

mit gefällt diese ausgabe sehr - neben dem trio gerade auch die 2 sonaten. sehr harmonisch und klangschön - und bei dem preis für die doppel cd ein toller kauf.
es ist teldec / brandis quartett - auf der rückseite steht Recording 1996/97 teldec studios berlin , licensed from nimbus records.

gruss

kalli
Amadé (14.02.2012, 19:46):
Nun fehlt noch diese, die augenblicklich aber nicht auf dem Markt ist:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/212JC4M4BYL._SL500_AA300_.jpg

Leister mit dem Wiener Streichquartett.

Die Brandis-Aufnahme stammt tatsächlich vom Label Nimbus, wurde aber im Berliner Teldec-Studio aufgenommen, heute Teldex-Studio.
Auf der Homepage des Studios steht zu lesen:
So wurde z.B. die 10 Beethoven Violinsonaten mit I.Faust und A.Melnikov in diesem Studio produziert.

Gruß Amadé
abendroth (09.11.2012, 01:30):
Vor einigen Jahren habe ich im Konzert ein Klarinettenquintett des argentinischen Komponisten Osvaldo Golijov gehört. Ich nehme an, dass es sich dabei um dasselbe Stück gehandelt hat, das unter dem Titel "The Dreams and Prayers of Isaac the Blind" von verschiedenen Ensembles eingespielt wurde. (In dem Werk, das ich von Golijov hörte, musste der Klarinettist das Instrument mehrfach wechseln, also verschiedene Instrumente (wie z.B. Bassklarinette) spielen.
abendroth (09.11.2012, 01:39):
Eine kleine Fussnote noch zu einem der Werke von Schmidt, die oben erwähnt wurden. Sie wurden, wie dort schon gesagt, für den Pianisten Paul Wittgenstein geschrieben, der bekanntlich seinen rechten Arm im Krieg verloren hatte. Die erwähnte zweihändige Fassung des Klavierparts von Friedrich Wührer ist illegal. Paul Wittgenstein wollte gegen diese Fassungen juridisch vorgehen, aber es war für einen Juden wohl unmöglich, seine Rechte im Nazideutschland geltend zu machen. Näheres dazu findet man in dem Buch "The House of Wittgenstein" von Alexander Waugh (gibt's wohl auch auf deutsch).
freundliche grüsse
abendroth
Amadé (19.10.2015, 14:54):
Auf dieser Doppel-CD sind die bekanntesten Quintette in guten Interpretationen zusammen gefasst:

https://media1.jpc.de/image/w600/front/0/0885470007106.jpg

Platz für das Weber-Quintett op. 34 wäre auch noch gewesen.

Gruß Amadé
Joe Dvorak (11.09.2022, 02:11):
Ich habe gerade mit grosser Begeisterung das Klarinettenquintett von Ned Rothenberg gehoert und aus diesem Anlass diesen Uralt-Faden ausgegraben. Die im Eroeffnungsbeitrag getroffene Aussage, es gaebe nicht viele Werke fuer Klarinette und Streichquartett, kann man heute nicht mehr stehen lassen, bzw. nur wenn man das aktuelle und das letzte Jahrhundert ausklammert. Vieles wurde zwischenzeitlich auf Tontraeger veroeffentlicht. Hier eine unvollstaendige Uebersicht mit der Beschraenkung auf gelaeufige Namen:
Kalevi Aho
Elliott Carter
Robert Crawford
Robert Simpson
Isang Yun
Ellen Taaffe Zwilich
Magnus Lindberg
Robert Fuchs
Milton Babbitt
Morton Feldman
Richard Rodney Bennett
Hans Gal
Arthur Bliss
Jean Francaix
York Bowen
Joseph Holbrooke
Charles V. Stanford
Edison Denisov
Salvatore Sciarrino
und Ned Rothenberg, den ich Freunden dieser Besetzung nachdruecklich empfehlen will. Obwohl die Tonsprache gemaessigt modern, die Form oft vertraut und die Klangwirkung teils auessert effektvoll ist, duerfte man das wegen der Laenge von 50 Minuten, den extremen Schwierigkeiten (u.a. minutenlange Zirkularatmung) und der Forderung, den mittleren der fuenf Saetze ueber das Themenmaterial kollektiv zu improvisieren, kaum im Kammermusiksaal zu hoeren bekommen.



Ned Rothenberg - Quintet for Clarinet & Strings
Ned Rothenberg, Mivos Quartet
Andréjo (11.09.2022, 11:51):
Gerne höre ich auch das folgende Quintett im mild avantgardistischen Stil eines Edison Denisov:




Von den oben genannten Werken kenne ich einige, besonders interessieren würden mich noch Isang Yun und Magnus Lindberg. Ansonsten eine bunte Mischung zwischen Spätromantik, sehr unterschiedlichen Varianten eines Klassizismus und Dodekaphonie. Überrascht hat mich der eigenwillige Stil des Quintetts der Amerikanerin Zwilich. Kleinräumig Jazzoides in einem eher romantischen Umfeld. Vermutlich ist in Joes Aufstellung allerdings eine andere Komposition gemeint, auch wenn Altsaxophon und Klarinette bekanntlich nah verwandt sind.




:) Wolfgang
Sfantu (11.09.2022, 14:31):
Euer Gaumen-Gekitzel war erfolgreich und nun stand auch mir der Geschmack nach Klarinettenquintett.

Ich entschied mich für das lyrisch-sangliche, nachbrahmsische Es-dur op. 102 von Robert Fuchs - entstanden 1912.
Kann man es vielleicht als kleines Geschwister des Brahms-Quintetts bezeichnen? Es wird vom selben (oder einem nah verwandten) Geist durchweht, läßt vereinzelt aber neuere Klangebenen, etwa à la Strauss/Reger, aufblitzen. Ist das Werk von (Freund) Brahms das vernünftigere, ernstere, leicht schwermütige große Geschwister, so geht Fuchsens Quintett als das etwas verträumt-naive Nesthäkchen durch. Putzig das an zweiter Stelle stehende Scherzo. Das neckisch hüpfende Thema des alla breve-marschartigen A-Teils
kontrastiert reizvoll zum ebenfalls geradtaktigen Trio: ein graziles Thema, hier interessanterweise hauptsächlich vom Quartett getragen, während die Klarinette eher grundiert/kommentiert. Zu Fuchsens Lebzeiten witzelte man in Wien mal verniedlichend, mal gehässig, gern vom "Serenaden-Fuchs" oder auch "Fuchs, Du hast den Brahms gestohlen". So verkürzend wie verfehlt solche Bonmots auch waren - das auf das Scherzo folgende Andante zitiert wenig kaschiert ein Motiv aus dem langsamen Satz des Brahms-Quintetts. Hier wie dort stellt sich unmittelbar eine trauernde, wehmütige Stimmung ein. Amadé beschrieb weiter oben im Faden die Atmosphäre des Abschied-Nehmens vom Leben im nämlichen Brahms-Satz. Ich finde das sehr treffend. Und es passiert mir wieder und wieder, daß die Augen nicht trocken bleiben wollen, wenn ich das höre. Fuchs wischt solche Schatten indes wieder rasch beiseite und kehrt zu allenfalls schleierwolkenverziertem Sonnenschein zurück. Dankbar und abwechslungsreich das abschließende, hübsche Allegretto. Wie schon bei Brahms und Mozart auch hier ein Variationensatz - eine Verneigung?

Ich hörte heute diese beiden CDs hintereinander:


Paul Meyer, Klarinette
Carmina Quartett
(CD, Denon, 1995)

Allegro molto moderato 9`20
Allegro scherzando 4`38
Andante sostenuto 6`28
Allegretto grazioso 9`32



Stephan Siegenthaler, Klarinette
Stamic Quartett Prag
(CD, Sterling, 2005)

Allegro molto moderato 10`13
Allegro scherzando 5`16
Andante sostenuto 8`40
Allegretto grazioso 10`11

Die Denon-CD poliert das Quintett zu makellosem Wohlklang auf. Dem verträumten Charakter des Werks kommt das entgegen. Wie aus einem Guß, fast zu schön wirkt das.
Die Sterling-Einspielung dagegen kommt etwas erdiger, holzschnittartiger daher. Auch hat die Klarinette einen herrlich angerauhten, charaktervollen Klang. Das Stamic Quartett spielt vielleicht nicht in jedem Takt so perfekt wie die Carminier. Und doch überzeugt mich das Gesamtergebnis mehr.
Philidor (11.09.2022, 18:37):
"Fuchs, Du hast den Brahms gestohlen"
Ich meine, es wäre - bezüglich einer Serenade - gewitzelt worden "Fuchs, die hast du ganz gestohlen", aber ich bin nicht sicher ...

Gruß
Philidor

:hello
Sfantu (11.09.2022, 19:15):
"Fuchs, die hast du ganz gestohlen"
Auch sehr schön!
Andréjo (11.09.2022, 20:04):
Die Variante von Philidor kannte ich, die andere ist zwar weniger Wortspiel, doch dafür mehr Sachinfo. ;)

Schöner Beitrag von Sfantu!

Mir gefällt das Quintett von Fuchs, man darf halt kein Originalgenie erwarten. Meine Aufnahme - ob weiterhin regulär als CD zu erwerben, habe ich jetzt nicht überall nachgesehen:




Der Kornauth scheint mir fast stärker noch als der Fuchs.

:) Wolfgang
Joe Dvorak (12.09.2022, 04:01):
@Andréjo Danke fuer den Hinweis auf Denisov. Ich wusste, dass er eines geschrieben hat, konnte aber auf Anhieb keine Aufnahme dazu finden. Und einen anderen grossen Namen habe ich vergessen: Sciarrino (beide wurden zur Liste zugefuegt). Das gibt es gekoppelt mit Brahms auf ECM. Da ist klar, was zu tun ist.



Brahms, Pesson, Sciarrino: Quasi Morendo
Reto Bieri, Meta4
Sfantu (16.09.2022, 12:02):


Paul Ben-Haim

Quintett op. 31a (1941, revidiert 1965)

Mitglieder des ACR-Ensembles:

Joaquin Valdepeñas, Klarinette
Marie Bérard und Erika Raum, Geigen
Steven Dann, Bratsche
Brian Epperson, Cello
(CD, Chandos, 2013)

Molto moderato 8`28
Capriccio 6`51
Tema con variazioni 11`54

Dem etwas mundfaulen Booklet-Text (Simon Wynberg) entnehme ich immerhin zwei Infos, die Erkenntnisgewinn ergeben:

1.) "Ich war sehr befriedigt, weil ich das Gefühl hatte, endlich einen neuen Stil geschaffen zu haben".
2.) Jehoash Hischberg, Ben-Haims Biograf, weist darauf hin, daß das "Capriccio", das Scherzo des Werks, ein vollständiges Zitat des traditionellen Hymnus "Elohai tzidki" ("Gott meiner Rechtschaffenheit") enthält.

ad 1.)
Diese Aussage Ben-Haims kann sich wohl nur auf den Kampf um einen Wandel seines Personalstils beziehen, zu welchem sich der Komponist gezwungen sah, als er nach seiner Emigration nach Palästina in den 1930ern mit seiner nachromantisch-deutschen Musik-Tradierung kein Echo fand. Überhaupt eine spannende Biografie. Und man kann sich seiner Zufriedenheit mit diesem Quintett anschließen: trotz Formstrenge und handwerklicher Solidität gelingt es ihm, Elemente der aschkenasischen Volksmusik einzuflechten. Und das in solch natürlicher Selbstverständlichkeit, welche das Ergebnis vollkommen organisch erscheinen läßt. Die volksmusikalischen Anklänge stellen zu keiner Zeit Fremdkörper dar, sind immer Teile eines gewachsenen Ganzen.
(Angenehm) Auffallend die weitreichend gleichberechtigte Verteilung der Stimmen: die Klarinette ist hier nicht die konzertierende Diva sondern eine von fünf Erzählstimmen einer bunten, spannenden Geschichte. Namentlich in den Mitten reihen sich die Klänge mitunter so dicht, daß man hie und da einen zweiten oder dritten Holzbläser zu hören meint. Auch dürfen die Streicher Vogelzwitscher-Imitationen spielen, wie ich sie von den Geigern der moldawischen Volksmusik kenne.

ad 2.)
Konnte auf die Schnelle nichts Näheres zu diesem Hymnus herausfinden. Die Bezeichnung "Capriccio" für diesen Satz finde ich aber genau passend. Denn wahrhaft kapriziös geht es hier zu und her. Die Streicher erfreuen mit fast jazzig synkopierenden Pizzicati, alle Beteiligten werfen sich lustvoll verspielt die Bälle zu, es kontrastieren die Stimmungen von jetzt auf gleich. Das erwähnte Hymnus-Zitat erklingt zwischen dem Trio und der Rückkehr zum veränderten Anfangsteil.

Auch Ben-Haim beschließt sein Quintett mit einem (ausgewachsenen) Variationensatz. Auch hier funkelt und blitzt eine verwirrende Fülle von Kontrasten. Diesen Satz muß ich mir erst noch erarbeiten. Das eigentliche Thema in den fünf Abwandlungen wiederzuerkennen (oder wenigstens zu erahnen), ist herausfordernd.

Alternativeinspielungen kenne ich nicht. Die Darbietung wirkt auf mich allerdings restlos gelungen und macht Freude.
Sfantu (24.12.2024, 18:49):


Ferdinand Thieriot

Es-dur (1897)

Allegro non tanto 8'37
Scherzo. Alegro vivace 4'49
Andante 6'12
Allegretto grazioso 10'11

Stephan Siegenthaler, Klarinette
Stamic Quartett Prag
(CD, Sterling, 2005)

Da gerade in aller Munde, schwante mir doch, daß ich irgendwo etwas von Thieriot habe.
Und siehe da - sein Quintett, welches ich seinerzeit links liegen ließ als ich mich mit Fuchsens Gattungsbeitrag beschäftigte - es ist auf derselben CD enthalten.

Wenn ich Fuchs als lichter und leichter im Vergleich zu Brahms beschrieb, dann ist Thieriot noch einmal aufgelockerter, griffiger und von einladendem Musikantentum. Steht Fuchs hörbar im Schatten von Brahms, so kann Thieriot dessen Einfluß zwar nicht ganz verleugnen. Doch er schreibt mit selbstbewußtem, eloquentem Eigenprofil.
Auf den gediegenen Kopfsatz folgt ein hinreißendes Scherzo voller rhythmischer Verve. Das volksliedhafte Thema des Andante hat Ohrwurmqualitäten. Seine schlichte Größe trägt diesen Satz. Anders als bei Brahms und Fuchs bleibt die Stimmung stets erdverwachsen und driftet nicht ins Melancholische. Quirlig übersprudelnd das abschließende Allegretto.
Die Klarinette dominiert die Textur ohne daß das Quartett zur bloßen Klangtapete im Hintergrund gerät.

Die meisten der bei mir in Frage kommenden Quellen kennen den Namen Thieriot nicht. Weder die MGG noch der Brockhaus-Riemann. Der New Grove listet einen anderen Thieriot - einzig der Reclam-Kammermusikführer erwähnt das Bläser-Oktett und das Doppel-Quartett wenig schmeichelhaft:


Die Nachahmer von Schuberts Werk (das zumindest in der Satzfolge von Beethovens Septett inspiriert ist) taten sich freilich - verständlicherweise - schwer: Meisterwerke sind die fünfsätzigen Stücke von Heinrich Freiherr von Bach (Pseudonym Heinrich Molbe) und Ferdinand Thieriot nicht geworden


Freilich haben der kombinierte kammermusikalisch-sinfonische Anspruch und die begrenzten Aufführungsmöglichkeiten die Zahl dieser Nachfolgewerke klein gehalten. Und keines hat die Qualität von Mendelssohns genialem Jugendwerk erreicht: Karl Schuberth, op. 25, 1848, Niels W. Gade op. 17, 1849, Johan Svendsen, op. 3, 1867, Carl Graedener op. 49, 1870, Joachim Raff, op. 176, 1872, Woldemar Bargiel, op. 15a, 1877, Hermann Graedener, op. 12, 1881, Ferdinand Thieriot, op. 78, 1903, Reinhold Glier, op. 5, 1903, George Enescu, op. 7, 1905, Dmitrij Schostakowitsch, op. 11, 1924.


Mit Johannes Brahms verband Thieriot neben der gleichen Geburtsstadt Hamburg auch eine Freundschaft, die sich in einem Briefwechsel ausdrückte. Brahms' Empfehlung war schliesslich offenbar ausschlaggebend für Thieriots Berufung als "artistischer" Direktor des Steiermärkischen Gesangsvereins in Graz im Jahr 1870.
Hugo Kretzschmar befand 1895 über Thieriot: "...ein Beitrag zur romantischen Musik, der sich durch einfache, natürliche Erfindung, durch liebenswürdige, anmutige Stimmung und namentlich durch eine ganz unübertreffliche Klarheit des Vortrags und der Form ungewöhnlich auszeichnet".



Reclams Kammermusikführer, 10., überarbeitete Auflage, Stuttgart 1990, S. 126 & 129


Stephan Siegenthalers Booklet-Text zur vorliegenden Einspielung
Andréjo (24.12.2024, 23:53):
Das Klarinettenquintett von Thieriot sollte ich mir auch noch besorgen. Dank an Sfantu! Hier im Forum sind wir erst vor wenigen Tagen auf den Namen gestoßen, ich mit dem mir bekannten Klavierquartett. Sfantu hat es ja angedeutet.

Von den anderen Tipps im Faden weiter oben kenne ich mittlerweile diverses, alles sicher nicht, was Joe Dvorak aufzählt. Aber ich kann auf jeden Fall noch Francaix, Bliss und Holbrooke empfehlen, Hindemith natürlich oder auch Marteau. Andere, oft modernere oder sogar avantgardistische werde ich mal in der Tube suchen. Denisov habe ich wieder gehört - wirklich eine geniale Nummer.

Keine häufige Kammermusikgattung wohl nach wie vor, selbst wenn man längst viel mehr findet als vor hundert Jahren, aber eine, die mich sehr reizt.

Zu den - vom Personalstil quasi hochgerechnet - maßvoll modernen Quintetten dürfte auch das von Robert Simpson gehören, das ich mir ebenfalls zulegen sollte, nachdem mir seine Sinfonien durchaus imponieren.

Die deutsche Wikipedia enthält unter dem relevanten Stichwort etliche Namen von der Hochklassik bis in die Gegenwart, die hier noch nicht genannt wurden, die ich aber auch nicht kenne - also das jeweilige Klarinettenquintett zumindest.