Klavier- und Orgelkonzerte von Francis Poulenc

Jeremias (19.11.2006, 18:26):
Liebe Gemeinde,

eine meiner Neuerwerbungen brachte mich auf auf diesen Thread. Es handelt sich um folgende CD:

http://ec2.images-amazon.com/images/P/B00000420Z.03._SS500_SCLZZZZZZZ_V1057209446_.jpg

Die Konzerte sind einerseits doch sehr unterschiedlich, andererseits haben sie vieles gemeinsam: Sie sind alle geprägt von einer Mischung aus Spätromantik und Impressionismus, gepaart mit einer gewissen Art Ironie.

Das Klavierkonzert sollte eigentlich bereits lange vor seinem Entstehungsjahr 1949 erstellt werden, doch erst ein Auftrag des Boston Symphony Orchestras machte die Komposition möglich. Das Konzert erinnert ein wenig an Filmmusik, das Klavier stellt oftmals nur "Beiwerk" dar, während die Melodien insbesondere durch die Streicher und Holzbläser dargeboten werden. Angeblich stellt dieses Konzert eine Hommage an Satie dar, Poulencs Lehrer. Das konzert zielt nicht so sehr auf die Viruosität des Pianisten ab, vielmehr liegt die Kunst und auch die Schwierigkeit in einer Balance von Humor und Witzigen "Eskapaden" und einer lyrischen, harmonischen Gesamtkonzeption.

Das Konzert für 2 Klaviere ist wohl das berühmteste Solokonzert von Poulenc. Die Idee hierzu kam von der Prinzessin Edmond de Polignac, die für ein Festival in Venedig Kompositionen für 2 Pianisten suchte. Interessanterweise ist der 1. Satz durch Anklänge an javanische Gamelanmusik geprägt, zu denen Poulenc bei einer Kolonialausstellung 1931 inspiriert worden war. Der zweite satz ist ein wahrer Geniestreich. Inspiriert durch den 2. Satz des krönungskonzertes von Mozart führt er dessen Thematik in seinem unvergleichlichen Stil weiter und füttert das Matierial mit feinen Rafinessen der Spätromantik und des Impressionismus aus. Die Soloinstrumente kehren am Ende des Satzes zu dem Mozart'schen Thema zurück. Der dritte Satz ist dann von Jazz-Akkorden und Rhythmen geprägt. Interessanterweise kommt den Bläsern kaum Bedeutung zu. Stattdessen nutzt Poulenc das schwelgerische Element der Bläser aus.

Das Orgelkonzert ist in dieser Form eines der ganz wenigen seiner Art, ist doch das Soloinstrument fester Bestandteil eines sehr komplexen, energischen und stürmerischen Orchesterpartes. Der Komposition waren ausgiebige Studien der Orgel vorangegangen. Zudem stand Duruflé Poulenc mit Rat und Tat zur Seite. Das einsätzige Konzert stellt insoweit eine Balance zwischen der donnernden und neobarocken Pracht, wehmütiger Besinnlichkeit und turbulenter Verspieltheit dar.
nikolaus (19.11.2006, 22:52):
Ich besitze diese CD:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3528464.jpg

Sie ist sehr empfehlenswert, wie ich finde. Hier gelingt eine schöne Balance aus Witz, Virtuosität und Klangschönheit.
Höchste Zeit, sie wieder einmal zu hören!

Danke!

Nikolaus.
teleton (08.10.2007, 12:15):
Hallo Poulenc-Freunde,

ich freue mich hier im Forum einen Thread zu finden, der sich mit Poulenc bereits befaßt hat. Wlech eine fantastische Musikalität der Komponist Poulenc besitzt solte jeder Klssik-Liebhaber kennenlernen.
Ein Jammer das er relativ unbekannt ist.

Wenn man eine noch größere und komplettere Auswahl seiner wichtigsten Werke, haben will ist man mit dieser 5-CD-Decca-Box gut bedient:
Diese CD´s hatte ich als Einzel-CD noch wesentlich teuerer bezahlt.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2859358.jpg
Orchesterwerke & Konzerte
Klavierkonzert; Konzert für 2 Klaviere; Orgelkonzert;
Sinfonietta; Concert champetre; Piece breve sur le nom
d'Albert Roussel; Bucolique; Fanfare; 2 Marches &
Intermede; Suite francaise; Les Biches; Les Animaux
modeles; Matelote provencale; Pastourelle; Valse; Discours
du General; La Baigneuse de Trouville Nr. 3 & 4; Aubade; 2
Preludes posthumes et Gnosienne; Le Bal masque; Le
Bestiaire ou Cortege d'Orphee; Rapsodie negre; Cocardes; 3
Mouvement perpetuels; Le Gendarme incompris; 4 Poemes de
Max Jacob; Gloria; Litanies a la Vierge noire; Stabat
Mater
Francoise Pollet, Francois Le Roux, Dominique Visse, Lambert
Wilson, Pascal Roge, Sylviane Deferne, Peter Hurford,
Choeur de Radio France, Philharmonia Orchestra,
Orchestre National de France, Charles Dutoit
Decca, 5 CDs, 1992-1997, DDD

Der Dirigent Dutoit ist für dieser Repertoire ein guter Dirigent.
Was mir bei ihm jedoch immer wieder auffällt ist seine immer auf dem Teppich bleibende Zurückhaltung. Eine bernsteinsche Emphase und sein Temprament wird man bei ihm nie finden.

So habe ich neben diesen Dutoit-CD´s vom witzigen und mit Pepp ausgestatteten Orgelkonzert, dem fantastischen Concert champetre für Cembalo und Orchester und Gloria eine weitere Decca-CD mit Iona Brown, die Dutoits dirigate in den Schatten stellt.
Da sieht man mal wieder welch eine Energie die Werke haben und was auch umgesetzt werden kann:
:) Interessant ist, das bei dieser Decca-Aufnahme der gleiche Solist Georg Malcolm sowohl beim Orgelkonzert, als auch am Cemalo beim Concert champetre spielt - jedenfalls mit einer Spielfreude die den Peter Hurfort und auch Pascal Roge (die auch beide perfekt spielen) als zu akademisch erscheinen läßt. Die Aufnahme ist jetzt in der unten abgebildeten Decca-Doppel-CD (bei mir noch als Einzel-CD-Ausgabe).
In einer alten Stereoplay-Kritik stand mal über diese Aufnahme, dass die Balance zwischen Orgel und Orchester unstimmig sein soll.
Davon kann gar keine Rede sein: Klanglich perfekt ausbalanciert (ADD) und die Orgel kraftvoll und durch ihre Vorderrgründigkeit entsteht ein spannendes miteinander mit dem Orchester.
Genauso das wunderhübsche Concert champetre mit George Malcolm - einfach Klasse.
Der Dirigent von Gloria ist hier Jesus Lopez-Cobos.

:) Paccal Roge ist bei den Klavierkonzerten ein hervorragenmder und präziser Kenner der Werke.


Die Iona-Brown-Aufnahme findet sich auf der für den gesamten Poulenc nicht so kompletten, aber höchstempfehlenswerten Poulenc-Decca-Doppel-CD:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8709736.jpg
Konzert für Orgel, Streicher & Pauken
Concert champetre f. Cembalo & Orch.;
Klavierkonzert;
Konzert f. 2 Klaviere;
Sextett f. Klavier& Bläserquintett;
Sonate f. 2 Klaviere;
Gloria
Georg Malcolm, Academy St. Martin, Iona Brown (Orgelkonz.&
Conc. champ.);
Roge, Phil. Orch.,Dutoit (Klavierkonz.);Roge, Gallois, Bourgue, Portal, Wallez,
Cazalet (Sextett);
Greenberg, Suisse Romande Orch.,Lopez-Cobos (Gloria)
Decca, 1967-1992, ADD/DDD 2CDs

:hello Wer kennt und schätzt Poulenc ebenso wie ich ?
Welche Aufnahmen wären ggf.noch empfehlenswert ?
Kennt jemand die fantastische Decca-CD-Aufnahme des Orgelkonzertes mit Iona Brown; auch im Vergleich zur Dutoit-Aufnahme ?
Jeremias (19.11.2006, 18:26):
Liebe Gemeinde,

eine meiner Neuerwerbungen brachte mich auf auf diesen Thread. Es handelt sich um folgende CD:

http://ec2.images-amazon.com/images/P/B00000420Z.03._SS500_SCLZZZZZZZ_V1057209446_.jpg

Die Konzerte sind einerseits doch sehr unterschiedlich, andererseits haben sie vieles gemeinsam: Sie sind alle geprägt von einer Mischung aus Spätromantik und Impressionismus, gepaart mit einer gewissen Art Ironie.

Das Klavierkonzert sollte eigentlich bereits lange vor seinem Entstehungsjahr 1949 erstellt werden, doch erst ein Auftrag des Boston Symphony Orchestras machte die Komposition möglich. Das Konzert erinnert ein wenig an Filmmusik, das Klavier stellt oftmals nur "Beiwerk" dar, während die Melodien insbesondere durch die Streicher und Holzbläser dargeboten werden. Angeblich stellt dieses Konzert eine Hommage an Satie dar, Poulencs Lehrer. Das konzert zielt nicht so sehr auf die Viruosität des Pianisten ab, vielmehr liegt die Kunst und auch die Schwierigkeit in einer Balance von Humor und Witzigen "Eskapaden" und einer lyrischen, harmonischen Gesamtkonzeption.

Das Konzert für 2 Klaviere ist wohl das berühmteste Solokonzert von Poulenc. Die Idee hierzu kam von der Prinzessin Edmond de Polignac, die für ein Festival in Venedig Kompositionen für 2 Pianisten suchte. Interessanterweise ist der 1. Satz durch Anklänge an javanische Gamelanmusik geprägt, zu denen Poulenc bei einer Kolonialausstellung 1931 inspiriert worden war. Der zweite satz ist ein wahrer Geniestreich. Inspiriert durch den 2. Satz des krönungskonzertes von Mozart führt er dessen Thematik in seinem unvergleichlichen Stil weiter und füttert das Matierial mit feinen Rafinessen der Spätromantik und des Impressionismus aus. Die Soloinstrumente kehren am Ende des Satzes zu dem Mozart'schen Thema zurück. Der dritte Satz ist dann von Jazz-Akkorden und Rhythmen geprägt. Interessanterweise kommt den Bläsern kaum Bedeutung zu. Stattdessen nutzt Poulenc das schwelgerische Element der Bläser aus.

Das Orgelkonzert ist in dieser Form eines der ganz wenigen seiner Art, ist doch das Soloinstrument fester Bestandteil eines sehr komplexen, energischen und stürmerischen Orchesterpartes. Der Komposition waren ausgiebige Studien der Orgel vorangegangen. Zudem stand Duruflé Poulenc mit Rat und Tat zur Seite. Das einsätzige Konzert stellt insoweit eine Balance zwischen der donnernden und neobarocken Pracht, wehmütiger Besinnlichkeit und turbulenter Verspieltheit dar.
nikolaus (19.11.2006, 22:52):
Ich besitze diese CD:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3528464.jpg

Sie ist sehr empfehlenswert, wie ich finde. Hier gelingt eine schöne Balance aus Witz, Virtuosität und Klangschönheit.
Höchste Zeit, sie wieder einmal zu hören!

Danke!

Nikolaus.
teleton (08.10.2007, 12:15):
Hallo Poulenc-Freunde,

ich freue mich hier im Forum einen Thread zu finden, der sich mit Poulenc bereits befaßt hat. Wlech eine fantastische Musikalität der Komponist Poulenc besitzt solte jeder Klssik-Liebhaber kennenlernen.
Ein Jammer das er relativ unbekannt ist.

Wenn man eine noch größere und komplettere Auswahl seiner wichtigsten Werke, haben will ist man mit dieser 5-CD-Decca-Box gut bedient:
Diese CD´s hatte ich als Einzel-CD noch wesentlich teuerer bezahlt.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2859358.jpg
Orchesterwerke & Konzerte
Klavierkonzert; Konzert für 2 Klaviere; Orgelkonzert;
Sinfonietta; Concert champetre; Piece breve sur le nom
d'Albert Roussel; Bucolique; Fanfare; 2 Marches &
Intermede; Suite francaise; Les Biches; Les Animaux
modeles; Matelote provencale; Pastourelle; Valse; Discours
du General; La Baigneuse de Trouville Nr. 3 & 4; Aubade; 2
Preludes posthumes et Gnosienne; Le Bal masque; Le
Bestiaire ou Cortege d'Orphee; Rapsodie negre; Cocardes; 3
Mouvement perpetuels; Le Gendarme incompris; 4 Poemes de
Max Jacob; Gloria; Litanies a la Vierge noire; Stabat
Mater
Francoise Pollet, Francois Le Roux, Dominique Visse, Lambert
Wilson, Pascal Roge, Sylviane Deferne, Peter Hurford,
Choeur de Radio France, Philharmonia Orchestra,
Orchestre National de France, Charles Dutoit
Decca, 5 CDs, 1992-1997, DDD

Der Dirigent Dutoit ist für dieser Repertoire ein guter Dirigent.
Was mir bei ihm jedoch immer wieder auffällt ist seine immer auf dem Teppich bleibende Zurückhaltung. Eine bernsteinsche Emphase und sein Temprament wird man bei ihm nie finden.

So habe ich neben diesen Dutoit-CD´s vom witzigen und mit Pepp ausgestatteten Orgelkonzert, dem fantastischen Concert champetre für Cembalo und Orchester und Gloria eine weitere Decca-CD mit Iona Brown, die Dutoits dirigate in den Schatten stellt.
Da sieht man mal wieder welch eine Energie die Werke haben und was auch umgesetzt werden kann:
:) Interessant ist, das bei dieser Decca-Aufnahme der gleiche Solist Georg Malcolm sowohl beim Orgelkonzert, als auch am Cemalo beim Concert champetre spielt - jedenfalls mit einer Spielfreude die den Peter Hurfort und auch Pascal Roge (die auch beide perfekt spielen) als zu akademisch erscheinen läßt. Die Aufnahme ist jetzt in der unten abgebildeten Decca-Doppel-CD (bei mir noch als Einzel-CD-Ausgabe).
In einer alten Stereoplay-Kritik stand mal über diese Aufnahme, dass die Balance zwischen Orgel und Orchester unstimmig sein soll.
Davon kann gar keine Rede sein: Klanglich perfekt ausbalanciert (ADD) und die Orgel kraftvoll und durch ihre Vorderrgründigkeit entsteht ein spannendes miteinander mit dem Orchester.
Genauso das wunderhübsche Concert champetre mit George Malcolm - einfach Klasse.
Der Dirigent von Gloria ist hier Jesus Lopez-Cobos.

:) Paccal Roge ist bei den Klavierkonzerten ein hervorragenmder und präziser Kenner der Werke.


Die Iona-Brown-Aufnahme findet sich auf der für den gesamten Poulenc nicht so kompletten, aber höchstempfehlenswerten Poulenc-Decca-Doppel-CD:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8709736.jpg
Konzert für Orgel, Streicher & Pauken
Concert champetre f. Cembalo & Orch.;
Klavierkonzert;
Konzert f. 2 Klaviere;
Sextett f. Klavier& Bläserquintett;
Sonate f. 2 Klaviere;
Gloria
Georg Malcolm, Academy St. Martin, Iona Brown (Orgelkonz.&
Conc. champ.);
Roge, Phil. Orch.,Dutoit (Klavierkonz.);Roge, Gallois, Bourgue, Portal, Wallez,
Cazalet (Sextett);
Greenberg, Suisse Romande Orch.,Lopez-Cobos (Gloria)
Decca, 1967-1992, ADD/DDD 2CDs

:hello Wer kennt und schätzt Poulenc ebenso wie ich ?
Welche Aufnahmen wären ggf.noch empfehlenswert ?
Kennt jemand die fantastische Decca-CD-Aufnahme des Orgelkonzertes mit Iona Brown; auch im Vergleich zur Dutoit-Aufnahme ?