Klavierkonzerte des 20. Jahrhunderts

Holger S. (26.04.2006, 18:29):
Hallo!

Analog zur Rubrik "Violinenkonzerte des 20. Jahrhunderts" bietet es sich an, auch den Klavierkonzerten dieser Zeit Aufmerksamkeit zu schenken. Cosima hatte dies angeregt. Genau wie bei den Violinkonzerten gibt es nämlich bei den Klavierkonzerten Etliches zu entdecken. Die ganz bekannten Klavierkonzerte müssen hier ja nicht unbedingt erwähnt werden (soweit ich gesehen habe, gibt es zu den Klavierkonzerten von Rachmaninow, Prokofjew und Schostakowitsch bereits eigene Rubriken).

Ich möchte mit einer Reihe von hervorragenden Werken beginnen. Da ich mich besonders mit der russischen bzw. sowjetischen Musik gut auskenne, nenne ich hier einige Klavierkonzerte aus diesen Staaten.

- Das Concertino für Klavier und Orchester C-Dur von Alexander Arutjunjan (* 1920) kann man zusammen mit seinem Violinkonzert und der Sinfonietta auf einer Chandos-CD erwerben. Es ist ein recht frühes Werk. Die Tonsprache dieses fröhlichen Stückes ist leicht verdaulich, der Mittelsatz wunderschön.

- Das Klavierkonzert Des-Dur von Aram Chatschaturjan (1903-1978) gehört sicher zu den bekannteren sowjetischen Konzerten. Dieses Stück ist einfach hinreißend. Eigentlich ist es ein Stück, das für Chatschaturjans Musiksprache typisch ist. Motorik, orientalisierendes armenisches Nationalkolorit, eingängige Thematik und auftrumpfendes Pathos charakterisieren diese Musik.

- Tichon Chrennikow (* 1913) hat drei Klavierkonzerte geschrieben. Das erste, leider bis dato nicht auf CD veröffentlicht, ist ein Jugendwerk, er schrieb es als 19-Jähriger. Interessanterweise enthält es schon die wesentlichen Charakteristika von Chrennikows Personalstil. Das zweite Konzert von 1972 und das dritte von 1984 sind zusammen mit den Violinkonzerten bei jpc erhältlich. Sind die Violinkonzerte eher sonnig, repräsentieren die Klavierkonzerte den heroischen Chrennikow. Besonders interessant ist das Dritte, vielleicht Chrennikows bestes Werk. Die drei Sätze sind im Grunde genommen fast gleich aufgebaut: sie beginnen mit einem sehr entschlossenen Dialogisieren von Klavier und Orchester und münden in einen dröhnenden Höhepunkt des vollen Orchesters mit lärmenden Blechbläsern und krachenden Beckenschlägen. Darauf folgt (abgewandelt) eine charakteristische Akkordfolge der Blechbläser, die zu einem ruhigen, fast erschöpften Epilog führt. Lediglich am Ende des letztes Satzes fügt Chrennikow eine trotzig anmutende kurze Coda mit Klavier und vollem Orchester an. Das ist mit Sicherheit keine Musik für zarte Gemüter, die eher intime Musik bevorzugen. Mir gefällt diese kraftvoll-vitale Musik aber!

- Das Klavierkonzert Nr.1 von German Galynin (1922-1966), bisher nur auf LP zu finden, wird wohl demnächst beim Label Analekta auf CD erscheinen. Galynin war Schostakowitsch-Schüler, was man diesem Opus auch deutlich anhört. Das Stück ist teilweise wirklich witzig gemacht!

- Das dritte Klavierkonzert von Jewgeni Golubew (1910-1988) ist gerade auf CD erschienen (bei jpc zu haben). Dieses Stück ist mit einer Dreiviertelstunde Spieldauer recht ausladend. Es ist ein eher romantisches Stück, welches mit einem Klaviersolo beginnt. Sicher würde es gut in die Hyperion-Reihe mit romantischen Klavierkonzerten passen.

- Die vier Klavierkonzerte von Dmitri Kabalewski (1904-1987) sind empfehlenswert. Die ersten beiden sind vor kurzem bei Naxos erschienen, wobei das erste noch Kabalewskis frühen, in der Tradition der russischen Romantik stehenden Stil repräsentiert. Das zweite ist dagegen schon typisch für den reifen Kabalewski. Die Klavierkonzerte Nr.3 und 4 waren vor kurzem in alten Aufnahmen sehr billig erhältlich, offenbar sind diese schon wieder ausverkauft. Nr.3 ist aber auch noch auf einer Chandos-CD zu haben. Das dritte gehört Kabalewskis drei Konzerten für die sowjetischen Jugend an (mit dem Violin- und 1. Cellokonzert). Dieses Werk sprüht in den Ecksätzen vor Lebensfreude. Im Mittelteil des zweiten Satzes zitiert Kabalewski ein eigenes Lied ("Unser Land"). Herrlich, wie am Ende des Konzerts das Seitenthema des ersten Satzes als eine Art Hymne wiedererscheint. Das vierte Konzert, genannt "Prager" (wohl von 1975, obwohl ich auch schon 1979 gelesen habe), ist spröder. Es ist für Klavier und Streichorchester, im letzten Satz auch eine kleine Trommel besetzt. Der erste Satz ergeht sich in neoklassizistischen Spielfiguren. Der letzte wirkt fast nervös. Herzstück des Konzertes ist aber eindeutig der Mittelsatz. Kabalewski zitiert hier ein Volkslied aus dem tschechischen Raum. So zerbrechlich und traurig hat Kabalewski selten komponiert.

- Rodion Schtschedrin (*1932) hat mittlerweile 6 Klavierkonzerte geschrieben. Ich kenne davon nur das erste. Ganz modern mag ich es nämlich nicht, und bei Schtschedrin bin ich vorsichtig... manche Werke sind klasse, andere mag ich gar nicht. Das erste Klavierkonzert ist ein tolles Stück. Es verwendet Tschastuschki, ganz kurze Weisen bzw. Scherzlieder.

- Jewgeni Swetlanow (1928-2002), der große Dirigent, war auch kompositorisch aktiv und hat ein Klavierkonzert verfasst, das er mit Vorliebe selbst spielte. Das Stück ist schön anzuhören sehr melodisch.

- Otar Taktakischwili (1924-1989) hat vier Klavierkonzerte geschrieben. Das erste ist das berühmteste. Ein schmissiges Stück mit georgischen und russischen Volksweisen. Wurde mal in einer neuen Einspielung auf CD veröffentlicht (kann man über Amazon kaufen - hier), allerdings ist diese Aufnahme viel zu glatt und steril. Ich habe eine LP-Einspielung mit Marina Mdiwani, da merkt man erst, was in den Stück eigentlich für ein Temperament steckt. Das zweite Klavierkonzert "Bergweisen" ist eher eine Art Rhapsodie, das dritte "Jugend" ein kurzes Concertino. Das vierte kenne ich nicht, es wurde wohl vor kurzem in Georgien eine LP-Überspielung veröffentlicht, mangels Kreditkarte komme ich da aber nicht dran...

- Das Klavierkonzert von Boris Tschaikowski (1925-1996) ist bei jpc in zwei Interpretationen erhältlich. Tschaikowski ist meiner Ansicht nach einer der größten russischen Komponisten der Generation nach Schostakowitsch. Sein Klavierkonzert stellt aber einen Extrempunkt in seinem Schaffen dar. Er konzentriert sich hier ganz auf die Arbeit mit kleinsten motivischen Zellen, wodurch die Musik fast karg wirkt. Untypisch ist der Schluss des fünfsätzigen Werkes. Es endet düster in Moll und ist damit eine Ausnahme in seinem Schaffen. Selbst tragische Werke wie die Tondichtung "Der Wind von Sibirien" hellen gegen Ende meist auf. Andererseits ist die wundersame Schönheit der Musik Tschaikowskis auch in Teilen dieses Werkes präsent.

So, das reicht erst mal. Es gibt aber noch mehr Werke, auch von Nichtrussen. Anderen Stücken widme ich mich zu einem späteren Zeitpunkt! Was könnt ihr empfehlen?
Rachmaninov (26.04.2006, 18:36):
@Holger,

ersteinmal glückwunsch zu dieser tollen Übersicht!

Bisher kenne ich von Sherdrin "nur" das 2. und das 5. Klavierkonzert.
Wobei mir das 2. Konzert geläufiger ist und recht gut gefällt.

Das 5. werde ich dann wohl bald nochmal hören! :cool

Freue mich schon auf eine eingehende Besprechung der Kabalevsky Klavierkonzerte. Sein VK und CK finde ich nämlich sehr interessant und die Anschaffung seiner Klavierkonzerte "plane" ich bereits einige Zeit.

Das Khachaturian Klavierkonzert beschreibts Du wirklich sher treffend.
Natürlich sollte man es in der Aufnahme mit W. Kapell gehört haben auch wenn die Aufnahmequalität sciherlich nicht sehr glücklich ist!
Cosima (26.04.2006, 19:42):
Hallo Holger,

vielen Dank, dass Du so schnell diesen Thread eingerichtet hast! Dein Beitrag enthält viele interessante Anregungen!

Außer dem Khatschaturjan-Konzert (Kapell), kenne ich aus der Übersicht nur noch das Klavierkonzert von Boris Tschaikowskij. Ich freue mich gerade riesig, dass Du es ansprichst! Ich habe schon mehrere Mal - ohne Erfolg - darauf hingewiesen. Allein dieser erste Satz, der sich mehr und mehr fast bedrohlich zuspitzt, hat eine sogartige Wirkung auf mich. Trotz oder gerade wegen der kargen Mittel hat er etwas von „brutaler Sinnlichkeit“. :down Ich liebe dieses Klavierkonzert sehr! Das ganze Werk ist m.E. ein echter Hammer. Es ist schrill, grell, karg, sehr originell.

Ich hatte in beide Aufnahmen reingehört, empfehle aber unbedingt die mit Tschaikowskij selber am Klavier:

http://www.wom.de/image/middle/front/0/4568548.jpg

Auch die anderen beiden Werke auf der CD (Capriccio on English Themes und Juvenile) sind außerordentlich hörenswert.

Gruß, Cosima
Cosima (26.04.2006, 20:07):
Hallo Holger,

gerade fiel mir noch etwas ein! Es ist zwar gerade off-topic, aber ein eigener Thread zum Komponisten lohnt derzeit wohl nicht. Ich suche seit einer Weile schon nach der „Sinfonietta“ von Boris Tschaikowskij. Alle meine Anfragen blieben ohne Antwort. Diese Aufnahme unter Rudin wurde sehr unterschiedlich beurteilt. Kennst Du sie?

http://www.wom.de/image/middle/front/0/6066035.jpg

Ich suchte eigentlich nach der Einspielung unter Fedoseyev, die sehr gut sein soll. Leider scheint sie vom Markt verschwunden zu sein. Aber vielleicht weißt Du noch eine dritte empfehlenswerte Alternative?

Gruß, Cosima
Cosima (26.04.2006, 20:34):
Hallo,

das Klavierkonzert op. 39 von Ferruccio Busoni passt auch in diesen Thread, da 1901-1904 komponiert. Das Werk ist mit einer Länge von über 70 Minuten ein wirklich schwerer Brocken, der nicht leicht eingängig ist. Nach mehrmaligem Hören aber sehr faszinierend, und aufgrund der vielen interessanten Details, die man erst nach und nach entdeckt, keinen Moment langweilig. Sehr ungewöhnlich (oder gar einmalig?) für ein Klavierkonzert der Chor im Schlusssatz. Mir liegt die Aufnahme von Ohlsson am Klavier vor, mit dem Cleveland Orchestra unter Dohnányi, die ich als sehr gut empfinde.

Gruß, Cosima

Nachtrag: Ich sehe gerade, dass ich Hamelin mit dem 2. Schtschedrin-Konzert ja auch da habe. Kennen wäre zu viel gesagt, denn ehrlich gesagt habe ich derzeit nur eine vage Erinnerung daran. Ich werde es mir demnächst mal wieder anhören.
Landowski (26.04.2006, 21:05):
Meine Lieblingswerke für Klavier und Orchester sind:

Takashi Yoshimatsu - Threnody to Toki
Das ist für mich der Höhepunkt der Traurigkeit! Spricht mich absolut an und berührt mich ungemein. Zum Heulen.

Ralph Vaughan-Williams - Klavierkonzert
Im Gegensatz zu den sonst unmittelbar eingängigen Werken von VW ist das Klavierkonzert fast schon sperrig, so mein Eindruck. Aber es bedarf nicht viel, um es dann zu lieben, insbesondere den letzten Satz, der nach dem vermeintlichen pompösen Finale noch leise und bittersweet dahinplätschert.

Akira Ifukube - Ritmica ostinato
Wer Ifukube liebt, liebt auch sein Klavierkonzert. Eine typische Komposition und einfach mitreißend.

Einojuhani Rautavaara - Klavierkonzert Nr.1
Rautavaara schreibt inzwischen sehr eingängig und milde. Sein erstes Klavierkonzert ist dagegen noch wild und schräg - und deswegen auch so fantastisch. Wer allerdings so etwas wie das Konzert für Vögel und Orchester erwartet, wird enttäuscht sein.

Na ja, und dann bin ich noch ein großer Fan der Klavierkonzerte von Prokofiev, und zwar von allen 5.
Holger S. (27.04.2006, 08:11):
Guten Morgen!

Cosima, in Sachen Boris Tschaikowski kann ich weiterhelfen. Ich habe sehr viel von diesem Komponisten auf CD. Das Klavierkonzert ist wirklich ein Unikat, ich kenne auch kein Werk eines anderen Komponisten, mit dem man es vergleichen könnte. Wundervoll ist der zweite Satz mit dem lyrischen Kontrabasssolo! Im übrigen finde ich, dass sich Olga Solowjewa in ihrer Interpretation schon recht eng an die des Komponisten anlehnt. Was die Sinfonietta betrifft, ist die Aufnahme mit Rudin zwar ganz in Ordnung, meiner Ansicht nach aber zu dünn besetzt. Die von Fedossejew ist besser. Du findest sie bei jpc. Dass du bisher nicht auf sie gestoßen bist, liegt daran, dass jpc sie inkorrekt eingeordnet hat (warum "B. Tschaikowsky" statt Boris?). Hier ist der Link auf die Artikelseite. Wenn dich Boris Tschaikowski interessiert, empfehle ich die Seite der Boris Tschaikowski-Gesellschaft. Diese Leute sind dafür verantwortlich, dass in letzter Zeit so viel Boris Tschaikowski auf CD erscheint! Nächstes Jahr soll wahrscheinlich eine weitere CD mit Orchesterwerken bei Naxos erscheinen (wie mir Igor Prochorow, der Präsident, mitteilte). Hoffentlich erscheint demnächst auch mal das Violinkonzert. Das Violinkonzert, das im Rahmen der Tretjakow-Edition von Brilliant Classics als das von Boris Tschaikowski etikettiert wird, ist in Wahrheit das seines Neffen Alexander Tschaikowski!

Rachmaninov, das fünfte Klavierkonzert von Schtschedrin ist ja vor kurzem auf CD erschienen. Ich habe diese Veröffentlichung auch schon "beäugt", aber wie gesagt, bei Schtschedrin habe ich Vorbehalte. Werke wie das erste Klavierkonzert, das Bucklige Pferdchen oder die Carmensuite sind toll, ich habe aber auch z.B. ein Ballett mit dem Namen "Die Möwe", welches ist schrecklich finde. Vielleicht könntest du bei Gelegenheit deine Eindrücke zu diesem Stück schildern?

Landowski / Tobias, Ifukube ist ein Komponist, den ich zwar noch nicht kenne, der mir aber interessant zu sein scheint. (Übrigens ist er im Februar dieses Jahres verstorben.) Wie würdest du seine Musik denn charakterisieren?

Viele Grüße
Holger
Cosima (27.04.2006, 12:55):
Hallo Holger,

vielen Dank für den Link auf die Sinfonietta! Ich habe schon so lange gesucht und freue mich nun sehr, sie gefunden zu haben.

Der 2. Satz des Tschaikowskij-Klavierkonzertes ist wirklich schön. Aber der erste und letzte Satz haben etwas Bezwingendes, dem man sich kaum entziehen kann. Welche anderen Werke dieses Komponisten würdest Du besonders empfehlen? Sein "Der Wind von Sibirien" hast du ja bereits angesprochen.

Gruß, Cosima
Holger S. (27.04.2006, 13:43):
Hallo Cosima!

Im ersten und letzten Satz des Klavierkonzertes ist eben die Ökonomie der von Tschaikowski eingesetzten Mittel bewunderswert. Die musikalische Grundlage ist eigentlich so einfach, und doch erreicht der Komponist eine unglaubliche Ausdrucksintensität. Eigentlich muss ich gestehen, dass mir nahezu alle Werke Tschaikowskis außerordentlich gefallen. 2 CDs könnte ich dir besonders ans Herz legen:

Diese Chandos-CD enthält folgende Werke:
Sinfonie Nr.3 B-Dur "Sewastopol" (1980)
Musik für Orchester (1987)
Der Wind von Sibirien (1984)
Alle drei Kompositionen sind meisterhaft. Die dritte Sinfonie bezieht sich natürlich auf die heute zur Ukraine gehörende Stadt Sewastopol, eine Hafenstadt, die mehrmals kriegsbedingt belagert wurde. Tschaikowskis Sinfonie enthält all dies: das ruhige Plätschern des Wassers (laut Beiheft stellen die einleitenden Takte in den Holzbläsern Möwenschreie dar), spannungsgeladene Abschnitte und tragische Momente, wobei die Musik allerdings nicht einem genauen Programm folgt. Stellenweise ist die Musik einfach wunderschön, vor allem der leise mit "goldenen" B-Dur-Akkorden verklingende Schluss. Musik für Orchester ist eine Art Suite mit interessanten, sehr unterschiedlichen Titeln - ein Satz heißt "Weiter Weg", ein anderer schlicht "Quinten und Quarten". Eine Reihe von Themen, die in abgewandelter Form immer wieder erscheinen, durchzieht das ganze Werk. Der Wind von Sibirien ist eine Art Landschaftsschilderung voller "klirrender Kälte" und mit ungewöhnlicher Instrumentation (u.a. sechs Pauken). Die Tragik dieses Stückes findet ihren Höhepunkt in der machtvoll anschwellenden Coda. Höchst empfehlenswert.

Auch diese CD ist empfehlenswert. Die enthält die 2. Sinfonie D-Dur von 1967 sowie Tschaikowskis 4. und damit letzte Sinfonie, die "Sinfonie mit Harfe" von 1993. Die Zweite ist ein ziemlich modernes Werk von 53 Minuten Spieldauer. Sie enthält im ersten Satz einige rätselhafte Zitate von Komponisten wie Bach (4 Jahre später hat Schostakowitsch ähnliches in seiner 15. Sinfonie gemacht). Die Vierte Sinfonie ist ein ganz besonderes Werk. Meiner Meinung nach hat Tschaikowski in seiner letzten Schaffensperiode (ab 1980) seine beeindruckendsten und persönlichsten Werke geschrieben. Seine letzte Sinfonie ist ein Werk des Abschieds. Er zitiert darin vollständig eine Reihe von Préludes, die er als 10-Jähriger komponierte. Die meisten davon erklingen in der Harfe. Der erste und dritte Satz heißen 2 bzw. 3 Préludes. Dazwischen befindet sich ein recht aufgewühltes Poem. Der vierte Satz ist vielleicht das Zentrum der Sinfonie. Er heißt "Herbst", was sicher auch metaphorisch zu verstehen ist. Dieser Satz verharrt die ganze Zeit unbeweglich in d-moll, seine Melodik und Rhythmik ist stockend. Im kurzen fünften Satz "Epilog" greift Tschaikowski noch einmal ein Prélude, das schon im ersten Satz zitiert wurde, auf. Die Musik erlischt langsam und düster, bis nur noch eine Figur in der Bassklarinette übrig bleibt. Indem diese auf andere Instrumente übergeht, scheint die Musik sich wieder aufzurichten und mündet in eine Reihe von feierlichen, fast euphorischen Blechbläserakkorden. Diese Sinfonie ist ein großartiges, sehr ergreifendes Werk.

Diese zwei CDs würde ich mir zunächst anschaffen. Interessant ist aber alles von Tschaikowski. Zum Beispiel bestehen zwischen dem Cellokonzert und dem zweiten Cellokonzert von Schostakowitsch einige spannende Parallelen.

Viele Grüße
Holger
Cosima (27.04.2006, 17:40):
Hallo Holger,

danke Dir nochmals! Die Chandos-CD hatte ich auch schon länger im Visier, sie wurde ja überall sehr überschwänglich rezensiert. Ich denke, ich werde zunächst mit der Sinfonietta beginnen und dann die anderen beiden CDs versuchen.

Hinweisen möchte ich noch auf die Klavierkonzerte Nr. 1 und 2 des britischen Komponisten William Alwyn. Das erste schrieb Alwyn 1930 auf Anregung von Clifford Curzon, der auch der Solist der Uraufführung war. Es ist sehr hörenswert, aber richtig gut gefällt mir das 2. Klavierkonzert, das 1960 als Kompositionsauftrag der BBC entstand. Es erinnert aufgrund seiner breit angelegten melodischen Linienführung und virtuosen Passagen an Rachmaninov, hat insgesamt einen heroischen, leidenschaftlichen Charakter. Das Finale ist ausgelassen und atemlos; insgesamt ein sehr eingängiges Werk, das anscheinend bis heute nicht öffentlich aufgeführt wurde. Erhältlich sind beide Konzerte auf einer Naxos-CD mit Peter Donohoe unter James Judd.

Gruß, Cosima
Engelbert (27.04.2006, 20:06):
@ Landowski

Wenn Dich Klavierkonzerte japanischer Komponisten interessieren, sollte Teiso Matzumura in Deiner Sammlung nicht fehlen. Der Komponist wurde 1929 in Kyoto geboren und war Teilnehmer des Musikfestivals in Leningrad im Jahre 1988.

Dem ausschließlich russischen Text auf der Plattenhülle kann ich nicht nicht entnehmen, welchen Preis er für sein 2. Klavierkonzert bekommen hat.

Erfreulicherweise gibt es aber im Handel bei JPC eine in japanischer Besetzung produzierte Einspielung. Den Tonbeispielen ist wenig zu entnehmen und lässt keine Schlüsse auf das Werk zu. Es ist dreisätzig, die Tempobezeichnungen sind auf der Hülle nicht notiert, der Interpret ist ein Japaner. Insgesamt dauert das Werk etwas über 30 Minuten.

Im ersten Satz wird ein rasantes Tempe vorgelegt. Über Strecken wird nur ein Klavierton angeschlagen und nur durch die Abstände des Anschlagens variiert. Häufig klingt das Klavier wie ein Xylophon. Die Orchesterbegleitung ist a-tonal, ein Auf- und Abschwellen im Klangvolumen. Die Harmonik finde ich sehr eigenartig. Sie weckt auf beängstigende Weise Emotionen und versucht ins Unterbewusstsein vorzudringen. Ich würde dem Klavierkonzert den Titel geben: "Godzilla lässt grüßen."

Ich kann mir vorstellen, dass Dir die Komposition gefällt.

:engel
Landowski (27.04.2006, 20:14):
Original von Engelbert
@ Landowski

Wenn Dich Klavierkonzerte japanischer Komponisten interessieren,

Knapp daneben. :wink
Mich interessieren nur Violinkonzerte... und Matzumura hat - soviel ich sehen kann - kein Violinkonzert geschrieben. Schade.
Holger S. (21.05.2006, 08:15):
Auch empfehlenswert: Die Klavierkonzerte von Ottorino Respighi (1879-1936). Mir sind vier Werke für Klavier und Orchester von diesem Komponisten bekannt. Naxos hat alle mit Konstantin Scherbakov eingespielt, es gibt auch noch eine Chandos-Aufnahme, die ich aber nicht kenne. Die Naxos-CDs sind jedenfalls wirklich ordentlich.

Das chronologisch erste Werk ist das Klavierkonzert a-moll (1902). Respighi hat es noch in seiner Studienzeit komponiert. Das Stück ist einsätzig, wobei sich drei Abschnitte erkennen lassen (schnell-langsam-schnell), die sich auch thematisch voneinander abgrenzen. Im letzten Teil greift Respighi indes auch auf Material aus den anderen Teilen zurück. Das Konzert zeigt deutlich den Einfluss von Grieg und Schumann (bzw. deren Klavierkonzerte). Manche Stellen wirken noch etwas akademisch oder ein wenig ungelenk, andere dagegen lassen aufhorchen. Sehr eingängig ist das Thema des langsamen Abschnittes.

1903 entstand die Fantasia slava. Dieses Werk ist eher an Dvorak und russischen Komponisten (Respighi war ja Schüler von Rimski-Korsakow) orientiert. Es ist recht abwechslungsreich, natürlich fehlt nicht die slawische Melancholie (gleich zu Beginn), doch Respighi benutzt auch tänzerische Thematik (schneller Teil klingt wie ein slawischer Tanz von Dvorak). Das Stück dauert nur 9 Minuten. Respighi geht insgesamt recht großzügig mit seinen Einfällen um, z.B. bleibt eine Art "Kosakentanz" (lt. Beiheft) Episode. Ein recht farbiges, attraktives Werk.

Das Concerto in modo misolidio von 1925 ist dagegen ein absolut reifes Werk. Respighi beschäftigte sich zu dieser Zeit mit Gregorianik, und das hört man dem Werk unzweifelhaft an. Gleich das erste Thema, nach einer kurzem Geste des Orchesters vom Klavier allein vorgestellt, ist von einem alten lateinischen "Introitus" inspiriert. Der erste Satz ist recht pathetisch, rhapsodisch ausschwingend. Er endet leise und recht geheimnisvoll, indem sich das erste Thema allmählich "auflöst". Der zweite und dritte Satz gehen ineinander über. Der zweite Satz ist wiederum von einem gregorianischen Thema inspiriert, teilweise klingt die Musik hier regelrecht sakral (Wechselspiel von Klavier und Blechbläsern). Dagegen ist der Schlusssatz eine energische Passacaglia mit einem kernigen, rhythmisch marken Thema. Respighi handhabt diese Form letztlich recht frei. Der Mittelteil ist ruhiger, kurz vor Ende folgt noch einmal ein schwelgerisches Innehalten. Schließlich nehmen die Blechbläser das Passacaglia-Thema in majestätischer Weise auf, bevor der Satz zu einem tumultösen Schluss findet. Dieses Konzert ist wirklich prächtig. Die modalen Wendungen sorgen für eine ganz eigentümliche, historisierende Stimmung. Respighi geizt hier nicht mit opulenten Klangwirkungen und brilliantem Passagenwerk. Die Thematik ist sehr eingängig. Sehr zu empfehlen.

Die letzte Komposition für Klavier und Orchester datiert von 1928: "Toccata". Immerhin dauert sie 22 Minuten. In diesem Werk nimmt Respighi vor allen Dingen auf die Musiksprache des Barock Bezug. Offenbar verwendet er hier ein eher klein besetztes Orchester (Streicher, Holz, Hörner). Die Einleitung ist majestätisch, mit scharf punktierten Noten. Darauf folgt ein recht lyrischer, langsamer Abschnitt, der insgesamt fast 3/4 der Spieldauer einnimmt. Erst nach einer Viertelstunde erhöht sich das Tempo drastisch und die erwarteten toccatenhaften Spielfiguren erscheinen im Klavier. Der Schluss ist dann wieder recht pompös.

Es gibt auch noch ein Concerto à cinque von 1933, in diesem ist das Klavier allerdings nur ein Soloinstrument unter fünfen (Klavier, Violine, Kontrabass, Oboe, Trompete). Da eigentlich alle Soloinstrumente in etwa gleichberechtigt sind, sollte man dieses Werk auch nicht als Klavierkonzert führen - eher als modernes Concerto grosso, denn auch hier bezieht sich Respighi eindeutig auf das Barock.

Viele Grüße
Holger
Cosima (09.07.2006, 11:05):
Hallo,

hat jemand mal etwas von Aaron Avshalomoff gehört? Ich stieß zufällig auf die Aufnahme eben im Internet, besonders das Klavierkonzert würde mich interessieren.

Hier gibt es ein paar Informationen dazu: "http://www.classicstoday.com/review.asp?ReviewNum=1174"

Die kurzen Höreindrücke klingen sehr interessant.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/1653289.jpg

Gruß, Cosima
Jeremias (09.07.2006, 11:15):
Lowell Liebermannn:
* 22.2.1961 (New York)

http://www.klassika.info/Komponisten/Liebermann_Lowell/Bild.jpg

Lowell Liebermanns Kompositionen werden von international renommierten Orchestern und Solisten aufgeführt. Sein „2. Klavierkonzert“ uraufgeführt von Stephen Hough und dem National Symphony unter der Leitung von Mstislav Rostropovich wurde von der Baltimor-Presse als “vielleicht das beste Werk in diesem Genre seit Samuel Barbers Concerto“ bezeichnet.
Lowell Liebermann wurde am 22. Februar 1961 in New York City geboren.
Mit acht Jahren begann er Klavier zu spielen und beschäftigte sich ab 14 Jahren mit dem Komponieren. Seine Klaviersonate op. 1 schrieb er mit 15 und debütierte damit ein Jahr später in der Carnegie Recital Hall. 1987 schloss er sein Studium an der Juilliard School ab mit dem Bachelor, dem Masters und
dem Doctor of Musical Arts Degrees. Zu seinen Lehrern gehörten David Diamond und Vincent Persichetti in Komposition und Jacob Lateiner in Klavier. Er studierte Dirigieren bei Laszlo Halasz und war Kapellmeister beider Nassau Lyric Opera Company.

http://images.amazon.com/images/P/B0000260ED.03._SS400_SCLZZZZZZZ_V1056657560_.jpg
Holger S. (04.08.2006, 11:08):
Geirr Tveitt (1908-1981)

Auf diesen norwegischen Komponisten habe ich schon mehrfach hingewiesen. An dieser Stelle sei gesagt, dass Tveitt auch ein exzellenter Pianist war, der etliche ausgedehnte Konzerttourneen machte - sogar nach Nordafrika oder Südamerika. Hintergrund war allerdings nicht zuletzt, dass Tveitt in der norwegischen Musikszene kaum Fuß fassen konnte. Einige Kritiker waren ihm alles andere als wohlgesonnen. Daher war für Tveitt oft genug das Geld so knapp, dass er sich als Pianist um die halbe Welt reiste, um seine finanzielle Situation aufzubessern. Tveitt war ein famoser Pianist. Leif Ove Andsnes sagt über ihn sogar:

Für mich gehört Geirr Tveitt zu den größen Komponisten-Pianisten unseres Jahrhunderts, zusammen mit Béla Bartók, Benjamin Britten, Sergei Prokofjew und Sergei Rachmaninow.

Wohl in erster Linie für den eigenen Gebrauch hat Tveitt insgesamt sechs Klavierkonzerte geschrieben. Als sein Haus im Jahre 1970 bei einem großen Brand in Flammen aufging, wurden die Noten von drei Klavierkonzerten vernichtet. Das zweite, genannt "Hommage à Ravel", komponiert um 1930, sowie das Ende der 1960er entstandene sechste sind unwiderruflich verschollen. Das dritte existiert nur noch in Form eines uralten Livemitschnitts. (Tveitt bewahrte die meisten seiner Werke bei sich zu Hause auf, in Druck erschien nur wenig).

Erhalten ist das Klavierkonzert Nr.1 F-Dur op.1 aus dem Jahre 1927. Tveitt war damals 19 Jahre alt, daher verwundert es nicht, dass sich der junge Komponist in diesem Werk noch stärker als in anderen Werken an gewissen Vorbildern orientiert. Tveitt war schon damals von der Folklore seines Landes sehr angetan (er sammelte wohl mehr als tausend Volkslieder), der Tonfall des Konzertes ist eindeutig nordisch geprägt. Man hört immer wieder Anklänge an Edvard Grieg, den Tveitt sehr verehrte. Besonders die kraftvollen Höhepunkte des Konzertes rufen auch Rachmaninow ins Gedächtnis. Schon hier ist oft die übermäßige Quarte zu hören, die Tveitt in Anlehnung an die norwegische Folklore sehr häufig verwendet. Das Konzert ist formal nicht traditionell aufgebaut: Erster und letzter Satz sind langsam, rhapsodisch und eher melancholisch (das Konzert endet verhalten in f-moll). Sie umschließen einen schnellen, fröhlichen Mittelsatz im Stile norwegischer Volkstänze. Dieses knapp gehaltene 20-minütige Stück ist zwar noch kein reifes Werk, aber eine beachtliche Talentprobe.

Das schon oben erwähnte dritte Klavierkonzert op.126, seit kurzem wieder auf CD erhältlich, gibt es nur in einem Live-Mitschnitt aus dem Jahre 1947 mit Tveitt selbst am Klavier. Die Klangqualität ist grausig, Knistern und Rauschen sind allgegenwärtig. Eine nette Geschichte gehört zu diesem "Hommage à Brahms" betitelten Stück. Es entstand Anfang der 1930er Jahre während seines Studiums in Leipzig. Tveitt träumte in einer Nacht, Brahms sei zu ihm gekommen und spiele allein für ihm ein neues Klavierkonzert. Am nächsten Tag wachte Tveitt auf und begann sein drittes Klavierkonzert in Anlehnung an das, was ihm "Brahms" nächtens dargeboten hatte, zu komponieren. Allerdings muss ich sagen, dass das Konzert keineswegs als Drittes Klavierkonzert von Brahms durchgehen könnte, Teile des Brahms'schen "Vokabulars" werden mit unmissverständlichem "Tveitt" kombiniert. Gleich der donnernde Beginn des Konzertes ist typisch für den Norweger. Das Konzert ist dreisätzig, diesmal traditionell schnell-langsam-schnell. Leider wird das Hörvergnügen wie erwähnt durch den schlechten Klang erheblich gemindert.

Das vierte Klavierkonzert (op.130) ist ganz anders. Es stammt aus dem Jahre 1947 und trägt den Untertitel "Aurora borealis". Tveitt wollte in diesem Werk das Nordlicht musikalisch darstellen. Die drei Sätze heißen: "Das Nordlicht erwacht über den Herbstfarben...", "...Erstrahlt am Winterhimmel und...", "Verblasst in der hellen Frühlingsnacht". Es ist das stilistisch modernste der Tveitt-Konzerte, die Tonalität wird hier an ihre Grenzen getrieben (doch nicht zur Gänze überschritten, moderne Techniken wie Dodekaphonie waren Tveitt völlig fremd). In diesem Werk tritt besonders seine Begeisterung für den Impressionismus zu Tage, der Farbenreichtum des Stückes (im Klaviersatz und in der Orchesterpalette) ist enorm. Der erste Satz beginnt mit Solo-Violinen und "überirdisch" klingenden Flötenarabesken, steigert sich allmählich. Er fließt ruhig und majestätisch dahin. Der zweite Satz hat Scherzo-Charakter, eine Art bunter Tanz der Sterne. Gegen Ende wird die Musik fast brutal. Der Schlusssatz ist langsam und beginnt voller Schönheit mit Klängen von Harfe und Streichern. In der Mitte befindet sich ein machtvoller Höhepunkt, doch das Konzert verklingt in wundervoller Wehmut mit Klavierarabesken in höchster Lage in äußerstenm Pianissimo. Das Konzert stellt das Nordlicht und alles, was man sich in diesem Zusammenhang vorstellt, unglaublich plastisch dar.

Das Fünfte Klavierkonzert ist noch einmal anders. Tveitts Opus 156 ist ganz der Volksmusik verpflichtet. Man glaubt, die norwegischen Fjorde und Gebirge vor sich zu sehen, wenn man diese Musik hört. Auch hier ist Tveitts Bewunderung für den Impressionismus klar zu hören. Der erste Satz "Tempo di Springar" (norw. Tanz) des 1954 entstandene Werk beginnt mit einem donnernden Ausbruch von Orchester und wilden Klavierläufen. Die Musik beruhigt sich, und das rhapsodisch schweifende Hauptthema des ersten Satzes erklingt. Sehr apart das Wechselspiel von Klavier und Harfe. Der ruhige Mittelteil des Satzes wird von einem schwemütigen, gesanglichen Thema beherrscht. Der Schluss steigert das Hauptthema noch einmal gewaltig. Der zweite Satz "Danse aux campanules bleues" bzw. Lied der Kuhglocken in den blauen Bergen hat einen anderen, fast tragischen Charakter. Gleich in der Glockenklänge imitierenden Orchestereinleitung, die in schroffe Blechbläserklänge mündet, ist dies zu hören. Das Klavier hat in diesem Satz lange Solopassagen. Gegen Ende hellt sich die Stimmung auf, die in Harfe und Klavier ertönenden Glockenklänge lassen eine Wendung nach Dur erahnen. Das Finale ("Tempo di Halling") ist dagegen ganz irdisch und ausgelassen, temperamentvoll bis derb. Kurz vor Schluss wird das Thema aus dem Mittelteil des 1. Satzes aufgegriffen und in Rachmaninow'scher Manier pathetisch gesteigert. Der Schluss gerät zur wilden Raserei, leere Saiten in den Violinen scheinen das Stimmen von Instrumenten anzudeuten, bevor das Hauptthema das Konzert effektvoll donnernd beschließt.

Aufnahmen sind u.a. bei jpc erhältlich. 1., 4. und 5. Klavierkonzert gibt es bei Naxos und BIS. Ich habe die Naxos-Aufnahmen mit Havard Gimse am Klavier. Klassik heute zieht sie den BIS-Aufnahmen vor, da sie wilder, ungezähmter, ursprünglicher als diese klingen sollen. Sicher ist, dass die Naxos-Aufnahmen den Werken absolut gerecht werden, meiner Meinung nach sind das hervorragende Einspielungen.

Viele Grüße
Holger
Rachmaninov (19.08.2006, 10:11):
Original von Jeremias

Lowell Liebermanns Kompositionen werden von international renommierten Orchestern und Solisten aufgeführt. Sein „2. Klavierkonzert“ uraufgeführt von Stephen Hough und dem National Symphony unter der Leitung von Mstislav Rostropovich wurde von der Baltimor-Presse als “vielleicht das beste Werk in diesem Genre seit Samuel Barbers Concerto“ bezeichnet.

http://images.amazon.com/images/P/B0000260ED.03._SS400_SCLZZZZZZZ_V1056657560_.jpg

@Jeremias,

die beiden Klavierkonzerte Liebermann's gefallen mir ausgesprochen gut.
Klare Tonsprache und eine ganz tolle individuelle Instrumentalisierung.

So schön kann moderne Musik sein, klasse!

Danke für den Tipp

Macht auch lust auf mehr. z.B. seine Sinfonien!
ab (28.08.2006, 21:36):
Original von Holger S.
Geirr Tveitt (1908-1981)

1., 4. und 5. Klavierkonzert gibt es bei Naxos und BIS. Ich habe die Naxos-Aufnahmen mit Havard Gimse am Klavier. Klassik heute zieht sie den BIS-Aufnahmen vor, da sie wilder, ungezähmter, ursprünglicher als diese klingen sollen. Sicher ist, dass die Naxos-Aufnahmen den Werken absolut gerecht werden, meiner Meinung nach sind das hervorragende Einspielungen.


Hallo Holger,
Tveitt habe ich im Konzert mit Streichquartetten kennen gelernt.
wie ist den die Klagqualität der Naxos Aufnahmen?
Holger S. (29.08.2006, 10:48):
Original von ab
Tveitt habe ich im Konzert mit Streichquartetten kennen gelernt.
wie ist den die Klagqualität der Naxos Aufnahmen?

Hallo ab,

dass Tveitt ein Streichquartett komponiert hat, wusste ich, aber auf CD ist es bisher leider nicht erschienen, daher kenne ich es nicht. Interessieren würde es mich jedenfalls sehr!

Zu der Klangqualität der Naxos-Aufnahmen: meiner Ansicht nach ist die Klangqualität durchschnittlich, solides Naxos-Niveau. Naxos liefert ja in der Regel keinen absolut hervorragenden Klang, schlecht sind die Aufnahmen deshalb aber noch lange nicht. Die Qualität der CD mit dem 4. Klavierkonzert ist mir ein wenig besser, weil "klarer" in Erinnerung als die der (früheren) CD mit dem 1. und 5. Konzert. Klassik heute stimmt in klangtechnischer Hinsicht mit mir überein und bewertet die CD mit den Konzerten 1&5 in klanglicher Hinsicht mit 6/10, die andere CD mit 8/10 Punkten. Meiner Meinung nach kann man die CDs bedenkenlos kaufen, zumal zum Naxos-Preis.

Viele Grüße
Holger
ab (29.08.2006, 11:15):
Original von Holger S.
Hallo ab,

dass Tveitt ein Streichquartett komponiert hat, wusste ich, aber auf CD ist es bisher leider nicht erschienen, daher kenne ich es nicht. Interessieren würde es mich jedenfalls sehr!

Naxos liefert ja in der Regel keinen absolut hervorragenden Klang, schlecht sind die Aufnahmen deshalb aber noch lange nicht.

Sorry vielmals, ich hab Tveitt irrtümlich gerade mit Leifs Jón (Yggrdasil Quartet BIS) verwechselt gehabt.

Es gibt zum Glück auch Klangperlen bei Naxos: Etwa Die Etüden für präpariertes Klavier von Cage.
ab (01.09.2006, 15:36):
Nachdem ich heute einen Auschnitt im Radio gehört habe : Was ist denn davon zu halten:

Alexej Lubimov - Eastern Europen music for piano & orchestra

+Ustvolskaja:Konz. f.Klavier, Streicher, Pauken
+Gubaidulina:Klavierkonzert "Introitus"
+Gorecki:Klavierkonzert op. 40
+Pelecis:Concertino bianco f. Klavier & Orch.
Lubimov, Deutsche Kammerphilharmonie, Heinrich Schiff

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/7782750.jpg
Sully (11.06.2011, 16:51):
Aaron Avshalomov 1894-1965, Russia)

Hallo Cosima,
ich bin sehr an russischen Komponisten interessiert, aberAaron Avshalomov war mir unbekannt. Deshalb habe ich mich mal etwas schlau gemacht.

Aaron Avshalomov (11. November 1894 in Nikolaevsk-am-Amur, Russland - 26. April 1965, New York) war ein russisch-jüdischer Komponist.

Geboren in einer jüdischen Familie in Mountain Nikolajewsk-am-Amur, Region Chabarowsk, dann Russisches Reich), war er einer von hochqualifizierten jüdischen Musikern (dh, Alfred Wittenberger, Walter Joachim, Arrigo Foa, etc.), die vor Pogromen und Revolutionen aus Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts flohen. Er ging nach China (erst nach Harbin, später nach Shanghai). Sie traten in die Shanghaier Akademie und bildeten eine Reihe von jungen chinesischen Musikern in der klassischen Musik aus, der wiederum wurden führende Musiker im heutigen China. Aaron Avshalomov lebte ca. 30 Jahre in China.

Avshalomov floh aus China, als die Japaner im Jahr 1931 eroberten und zog nach Portland, Oregon, USA.

Er war der Vater des Komponisten Jacob Avshalomov, Dirigent der Portland Junior Symphony (heute Portland Youth Philharmonic) von 1953 bis 1994.

Wenn man den Lebenslauf von Aaron Avshalomov vor Augen hat, kann auch seine Musik besser verstehen - sie klingt einfach ''Chinesisch''. So auch das Piano Konzert.

Ein Enkel des Komponisten Aaron Avshalomoff war David Avshalomov der 1949 in New York City geboren wurde und Musik an der Harvard Universität studierte, Es folgte die Promotion im Dirigieren an der University of Washington. Er studierte mit Otto-Werner Müller in Peabody, mit Herbert Blomstedt in Aspen, und mit Bernstein und Ozawa in Tanglewood. Er verbindet seine Karriere als Dirigent mit dem der Komponist. Seine bewegte Elegie von 1989 wurde in Erinnerung an Leonard Bernstein geschrieben.

David Avshalomov schrieb 1989 den Titel ''Elegy for Strings'' - es ist der letzte Titel auf der CD.
Ich kann Musik nicht fachlich beurteilen, sie muss für mich gut klingen und meinen Ohren schmeicheln - Das tut Aaron Avshalomov Musik.

Ich habe mir deshalb Aaron Avshalomov - Orchestral Works - Vol.1-3 besorgt.
Alle CD's gibt es bei naxos.
Meine Empfehlung: Kaufen.

Gruß Sully