Kleines Handbuch für den Klassikliebhaber

Daniel Behrendt (28.05.2006, 23:11):
Lieber Eric

köstlich! Habe deine Ausfühungen unter Tränen (der Freude natürlich) und mit größtem Gewinn gelesen!

Dass eine Diskussion über den angeblichen Elitismus dieses Forums aufgeflammt sein soll, ist mir bislang zum Glück entgangen - dieser Punkt wurde in dem anderen namhaften Forum (dessen Namen ich jetzt nicht nennen werde :wink) nämlich immer und immer wieder durchgekaut - und auf ermüdende Diskussionen über das Selbstverständnis dieses Forums habe ich partout keine Lust....

LG!
Daniel
Cosima (28.05.2006, 23:27):
Hallo Satie,

ja, ich habe mich auch sehr gut amüsiert, danke für diesen entspannenden Beitrag! :D

und auf ermüdende Diskussionen über das Selbstverständnis dieses Forums habe ich partout keine Lust....

Ich auch nicht mehr.

Gruß, Cosima
Cosima (28.05.2006, 23:42):
b) der Dirigent unrasiert abgebildet ist oder nicht lächelt

Dann dürfte ich keine Gergiev-CD mehr kaufen. :D

c) eines der folgenden Instrumente vorkommt: Fagott, Vibraphon, Piccoloflöte, Gesang oder gar Chor, Orgel

Habe ich Dich hierzu inspiriert? Das stimmt nämlich! Die Klarinette hast Du noch vergessen. :rofl Ach ja, die Gitarre natürlich auch noch. :S

Gruß, Cosima
Daniel Behrendt (29.05.2006, 09:08):
herrlich, wird ja immer besser !!! :rofl
Cosima (29.05.2006, 09:25):
Lieber Satie,

Daniel hat Recht: Das wird immer besser, absolut herrlich! Du hast richtig Talent! Ich habe laut lachen müssen! Und nun weiß ich endlich, warum ich Oper nicht mag. :rofl

Danke! :down

Gruß, Cosima
Gerion (29.05.2006, 10:02):
Original von Satie
Merci, Daniel und Cosima!

Auf vielfachen Wunsch setze ich hier meine Ratschläge fort. Ein wichtiger Punkt ist der, wie man eine Interpretation bewerten soll. Hier gibt es einige einfache und objektive Kriterien. Eine Aufnahme ist schlecht, wenn:

a) das Cover aussieht, als hätte ein dreijähriges Kind es gemalt.
b) der Dirigent unrasiert abgebildet ist oder nicht lächelt
c) eines der folgenden Instrumente vorkommt: Fagott, Vibraphon, Piccoloflöte, Gesang oder gar Chor, Orgel
d) der Komponist vor 1650 oder nach 1900 geboren wurde
e) sie überall erhältlich ist
f) sie nicht mindestens eine Doppel-CD ist (besser wären 3 oder mehr)
g) der Name des Komponisten nicht mindestens aus fünf Silben inklusive mindestens dreier kryptischer Zeichen besteht (Nachname)
h) der Interpret nicht bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen ist. Von noch lebenden ist sowieso abzuraten
i) der Booklet-Text auf deutsch ist


f) sie nicht von einem Label ist, dass einen Jahresumsatz von 1.000.000.000.000 Euro deutlich übersteigt.


Es empfiehlt sich, diese Liste auszudrucken und sich mit ihr sofort in das nächste Musikgeschäft aufzumachen. Vielleicht sollte aber besser noch gewartet werden, bis auch die Richtlinien zur Auswahl dieser Geschäfte vorliegen.

Satie

Es sind ausnahmslos große Fillialen namhafter Ketten anzusteuern. Ein Kauf bei Online-Auktionshäusern verbietet sich. Dort wird eh nur Musik nach 1945 angeboten. Darüber hinaus gilt: Wer Beratungsangbote im Laden seitens eines Verkäufers annimmt, verdirbt sich den Spaß und den Überraschungseffekt beim Hören.

Ach ja, nicht zu vergessen: Wenn man bei namhaften Ketten kauft, sollte man CDs nie an den Ort zurückstellen, an dem man sie entnommen hat. Man entferne sich weitest möglich von diesem Punkt (am besten geht man in die Pop-Abteilung) und legt die CDs dort in ein "Wir räumen für Sie weg"-Fach. Nur so ist gewährleistet, dass die CDs dem nächsten Interessenten sofort verfügbar gemacht werden.

Wenn man etwas zum Schreiben benötigt, reiße man eine Seite aus dem im Laden ausliegenden Bielefelder Katalog und notiere dort. Der Katalog erscheint eh monatlich neu und ist auch gar nicht teuer.

:wink
martin (29.05.2006, 13:53):
Lieber Satie,

ich habe mich köstlich amüsiert. Ich verspreche Dein Handbuch gründlichst zu studieren, um mich auch nach ihm richten zu können.




und auf ermüdende Diskussionen über das Selbstverständnis dieses Forums habe ich partout keine Lust....


Ich auch nicht mehr.

Ja, ich tus ja auch nicht wieder. :D

Gruß Martin
Cosima (29.05.2006, 18:55):
Lieber Satie,

das ist sooooo herrlich, diese Lektion gefällt mir bis jetzt am allerbesten! Einfach göttlich komisch! Bitte mehr! :down

Gruß, Cosima :rofl
martin (29.05.2006, 21:31):
Lieber Satie,

ja das Orpheus Chamber Orchestra verzichtet ja auch konsequenterweise ganz auf einen Dirigenten, etwa in den Geschöpfen des Prometheus von Beethoven, wo ich ihn persönlich nicht besonders vermißt habe.

Am komischsten fand ich die Sache mit dem Dirigenten im Hamburger Alleetheater. Das ist sozusagen die kleinste Opernbühne Hamburg ( eher ein größerer Raum als ein kleinerer Saal). Die Sänger sind toll, aber ein eben großes "Orchester" leisten die sich nicht. Jedenfalls bei der Cosi Fan Tutte. Das waren irgendwie 5 oder 6 Leutchen. Wie der Dirigent da vor den paar Leutchen herum fuchtelte hatte schon etwas unfreiwillig komisches. Aber vielleicht kommt es ja noch mal dazu, daß die Dirigenten auch versuchen, Streichquartette zu dirigieren.

Gruß Martin
Cosima (29.05.2006, 21:40):
Lieber Satie,

ich bin ein ganz großer Fan Deiner Lektionen! Sie sind wirklich klasse! :beer

Beim Dirigenten ist dieser letzte Rest des Knüppels in Form eines kleinen Stäbchens besonders gut zu erkennen.

:D :D :D

Da fiel mir gleich ein: Leithammel Gergiev mit Stäbchen. (Der Absatz über die wirre Frisur passt hier auch!)

http://www.beepworld.de/memberdateien/members86/bizbiz/gergievtaktstock.jpg

Nicht nur muss das Holzstück auf und ab bewegt werden, nein, es muss dabei auch fest genug gehalten werden, dass es nicht etwa versehentlich aus der Hand fällt.

Sune, der hier leider kaum noch schreibt, erzählte einmal eine Anekdote aus Finnland, wonach Gergiev während eines Konzertes der Taktstock aus der Hand gefallen sei und er ohne weiter dirigierte. Da Souvenirjäger das begehrte Objekt am Ende hatten mitgehen lassen, drohte Gergiev scherzhaft, dass er das nächste Konzert ausfallen lassen würde, sollte der Taktstock nicht wieder auftauchen. Daraufhin überreichte ihm einer der finnischen Gäste einen Zahnstocher mit dem Vermerk, dass dieser doch ein angemessener Ersatz sei.

Gewiefte Dirigenten bringen es zustande, mit der freien Hand ebenfalls Bewegungen auszuführen. Solche Wunderknaben sind rar, und der tosende Applaus ist ihnen gewiss.

Hier musste ich auch wieder an Gergiev denken, der ganz eigenartige Bewegungen mit der freien Hand ausführt, die wie Zittern aussehen. Ich habe versucht, diese Handbewegung zu imitieren – funktioniert nicht! Ein echter Wunderknabe! :)

Bitte weiter schreiben, Satie!

Gruß, Cosima
martin (29.05.2006, 22:34):
Ich schließe mich Cosima an:

Bitte bitte weitermachen! Das ist wirklich veröffentlichungswürdig, was Du hier schreibst. Das kann nur jemand schreiben, der erstens großen Humor hat und zweitens wirklich völlig in der Musik verwurzelt ist.

Ich lache und lerne! Und ich bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzungen. Und es ist eigentlich schade, daß das nicht mehr Leute lesen, als so ein kleines Forum her gibt.

Gruß Martin
Cosima (31.05.2006, 16:28):
Original von Satie
(sämtliches Material entstammt dem Thread: "WM 2006")

Lieber Satie,

und was lernen wir daraus? Auch in der Musik wird immerzu nach dem „Weltmeister“ gesucht. Eigentlich schade. Und manchmal finde dieses „XY ist besser als YZ“ oder gar „XZ ist der Beste“ geradezu unerträglich. Obwohl ich natürlich selber ebenso urteile... :(

Gruß, Cosima
Rachmaninov (29.05.2006, 19:11):
@Satie,

das ist wirklich unglaublich komisch! :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl

Du weisst aber doch auch: Keine Regel ohne Ausnahme!
Die sind auch noch zu formulieren :leb :leb :leb :leb
Walter (30.05.2006, 07:52):
Applaus Applaus Applaus

:leb

endlich verstehe ich die Zusammenhänge!!!

:D
Walter (21.11.2006, 07:37):
Meine Frau LISA wird sich doch sehr wundern über ihre wenig respektierliche Berichterstattung über Hernn Vorkomponisten!


:leb :leb :leb
Walter (27.11.2006, 07:54):
BÖÖÖÖÖSE :A

allerdings denke ich schon darüber nach ob ich aufgrund meines fehlenden Leistungsgewichtes so schlecht singen kann. :D

Zum anderen müsste man auch mal den Kalorienverbrauch beim singen und musizieren untersuchen. Ich komme immer mehr zu der Einsicht, dass diese schweren Instrumente wie Flügel, Bass, Cello und Bratsche ihren Künstlern offensichtlich alles abverlangen. Gesangeskunst hingegen scheint ein Leichtes zu sein und kaum Kalorien zu verbrauchen.

:hello
Mime (29.05.2006, 19:23):
Hallo Satie,

zundeinen Beiträgen kann ich nur Papageno zitieren:
Herrlich - himmlisch - GÖTTLICH ! :engel :beer :engel
Wann bringst du deine gesammelten Bosheiten gedruckt auf den Markt?
Bestsellerverdächtig! :down

Die von dir erwähnten Quantumsschreiber ergötzen sich täglich an ihren steigenden Ziffern bisheriger Beiträge.Ich hör sie geradezu wiehern.
:leb
Mime (30.05.2006, 09:23):
Ein neuer Mozart? :wink
nikolaus (29.05.2006, 22:24):
Satie,

du bist echt gemein! :haha
Ich wollte heute abend nocht soviel erledigen, aber das schaffe ich jetzt nicht mehr, weil du mich so gefesselt hast mit den genialen Handbüchern. Du solltes sie patentieren lassen!

In tiefer Bewunderung :down :down :down

Nikolaus

:thanks :rofl :leb :thanks :rofl :leb :thanks :rofl :leb :thanks :rofl
nikolaus (30.05.2006, 22:41):
@ Satie:

hatte wenig Humor (naja, wer in Bonn geboren wird...).

Vorsicht!! :haha

Ein gebürtiger Bonner :hello
nikolaus (03.04.2007, 13:11):
Original von LazarusLong
Und was ist mit den optischen und seelischen Gefährdungen? Ich habe vor meinem geistigen Auge ein Bild das ich einfach nicht mehr loswerde: Luciano Pavarotti als Romeo wie er voller Elan eine wacklige Holzleiter (hinterste Ecke Requisitenkammer) zu erklimmen versucht um zu seiner geliebten Julia (Montserrat Caballe im Nachthemd) auf den Balkon zu kommen. Sicherlich wird damit der Spannungsbogen der Oper ganz neue Dimensionen erreichen, aber kann der ungewarnte Opernbesucher so etwas unvorbereitet überhaupt verkraften. (Und wer übernimmt die Verantwortung für die Statik des Balkons?)
Fragen über Fragen. Hier ist IMO höchstdringlicher Handlungsbedarf gegeben.

Frank

Man könnte sich doch auch Johan Botha und Nathalie Dessay als neues Traumpaar der Oper vorstellen, allerdings ob das die Dessay überlebt...
nikolaus (13.05.2007, 10:42):
Ich hoffe, in der Fortsetzung finden wir Schumann, Schubert, Brahms, Rachmaninoff und Prokofiev!! :D
satie (28.05.2006, 22:27):
Liebe Freunde der klassischen Musik,
ausgehend von den hohen Wogen, die der Thread über die Frage, ob dies Forum denn nun elitär sei oder nicht, möchte ich hier beginnen, natürlich total überspitzt, einige polemische Thesen aufzuwerfen, die uns beweisen sollen, wieviel Selbstironie wir überhaupt haben und haben können und darüber hinaus einfach mal zum Schmunzeln anregen...

1. Um ein Klassikliebhaber zu werden, muss man folgende Eigenschaften haben: zu wenig Geld für Pop-CDs und daraus resultiernder Hass auf die gesamte Unterhaltungsmusik, genügend Verschrobenheit, um sich durch Wühltische der Wohltat'schen Buchhandlung zu quälen und alle paar Minuten einen Heureka-Schrei auszustoßen, und natürlich die Fähigkeit, sich einen interessanten Nickname zuzulegen, hinter dem man sich dann eine neue fiktive Identität zurechtschustern kann.

2. Nach mehreren Tagen ratlosen herumsuchens auf den oben erwähnten Wühltischen entscheide man sich blind für einige CDs, deren Titel einem so wenig wie irgend möglich sagen. Es ist zu empfehlen, dabei auf skandinavisch oder östlich klingende Komponisten- und Interpretennamen zurückzugreifen, das erhöht die Chance, sich etwas wirklich exklusives zu ergattern.

3. Zu Hause lese man die Booklets der CDs (das ist die musikalisch-theoretische Grundausbildung). Falls die CDs aus dem 1-Euro-Segment stammen und evtl. kein Booklet vorhanden sein sollte, gebe man am besten den Namen bei Google ein. Nun hat man bereits ein Spezialgebiet (die Kenntnis anderer Komponisten und Werke ist völlig überflüßig).

4. Es ist besonders zu empfehlen, die Komponistennamen bei Wikipedia zu suchen und dann die Namen der völlig unbekannten und ebnso unwichtigen Freunde und Lehrer des unbekannten Komponisten zu googeln, denn damit läßt sich noch sehr viel besser angeben!

5. Danach empfiehlt es sich, eine Datenbank mit sämtlichen existenten Interpretationen zu suchen. Davon merkeman sich primär jene Aufnahmen, die wahnsinnig teuer sind oder besser noch jene, die man gar nicht mehr imHandel erhält. Letztere Aufnahmen sind in regelmäßigen Abständen immer wieder als Referenz anzuführen.

6. Es schadet nicht, sich im Laufe der Zeit ein blasiertes Vokabular anzueignen, damit man immer längere Beiträge verfassen kann, nachdem man anfänglich mit knappen Informationen genügnd Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, um als profunder Kenner respektiert zu werden. Es empfiehlt sich, immer wieder Phrasen wie "von beachtlichem handwerklichem Geschick", "Elastizität in den Ecksätzen", "Stupender Technik jenseits allen Manierismus", "Werkadäquater analytischer Interpretation, verquickt mit filigraner Poetik" oder ähnliche immer wieder zu üben. Die Rechtschreibung (ordogravih) ist dabei nebensächlich, denn man soll ruhig den Eindruck haben, das sei alles im Rausch dahingeschrieben. Schließlich hat der Kenner im Hintergrund gerade das Bläserseptett in his-moll von Ignaz Karl Schrattenhofer im Player, und er muss während des Schreibens noch auf den vierfachen Kontrapunkt hören und selbstverständlich beim Erreichen des Seitenthemas in der Reprise noch ein lautes Auflachen für die genervten Nachbarn herauspressen können.

7. Über alles ihm nicht bekannte muss der Klassikspezialist höhnische Verrisse schreiben. Auch hier empfehlen sich einige Standardphrasen wie: "seine Musik hat sich mir bisher noch nicht erschließen können". Das ist für den Anfang gut, doch klingen geschliffene Formulierungen wie: "Harnoncourt hat die Essenz dieser Musik noch nie verstanden, auch sind seine Tempi etwas zu salopp genommen. Sehr viel besser hier die leider vergriffene Aufnahme von xy aus dem Jahre 1923 (nur auf Schellack erhältlich), die den Charakter des Werkes wirklich zur Geltung bringt".

8. Niemals sollten zu ausführliche Begründungen für Gefallen oder Ablehnung hervorgebracht werden. Dies könnte sehr schnell in eine Sackgasse führen (etwa wenn nachgefragt wird). Ein simples "diese Interpretation geht völlig am Kern vorbei" genügt. Kommen Nachfragen, sollte man eher ein Gegenbeispiel geben, etwa "die Aufnahme mit xy mit der Niedermährischen Stattskapelle unter Zwietoslaw Kaschmirinsky kommt dem, was ich meine, sehr viel näher" (unbedingt einen fiktiven Namen nehmen!). Falls dennoch weitergefragt wird, kann man sich auch mit einem simplen "auf diesem Niveau kann das nicht ausdiskutiert werden" helfen.

9. Vermieden werden sollte ein Diskutieren über Werke, die sehr bekannt sind (etwa Betthovens Symphonien). Falls es dennoch notwendig ist, darauf einzugehen, empfiehlt es sich, das Werk unbedingt positiv zu bewerten. Hier genügen die allgemeinsten Floskeln wie "wundervolle Musik" oder "herrliche Orchestration" um sich zunächst viele Freunde zu machen, die dann auch nichts schlechtes mehr über die Niedermährische Staatskapelle sagen werden.

10. Es empfiehlt sich aber auch, mindestens eine Epoche oder Gattung zu wählen, die man prinzipiell nur schlecht findet. Sehr beliebt ist hier etwa die Musik nach 1945 oder aber auch alles vor dem Hochbarock. So kann man sich auch ersparen, über komplizierte Dinge wie Mensuralnotation oder Serialismus etwas nachlesen zu müssen.
Es genügt im Grunde, der gewählten Epoche Musikalität grundsätzlich abzusprechen oder einige wenige Standardargumente immer wieder einzubringen. Musik des Mittelalters ist "zu wenig entwickelt" , moderne Musik "kindliches Herumexperimentieren ohne Sinn und Zweck". Es ist grundsätzlich auch möglich, Gattungen wie die Vokalmusik anzuprangern, etwa indem man mangelnde kompositorische Rafinessen in der Gattung grundsätzlich immer wieder betont. Bei einzelnen Komponisten kann ebenfalls eine verneinende Haltung angenommen werden. Bei manchen geht das einfach, etwa bei Smetana ("also bitte, der Mann war taub!") oder auch bei Puccini ("wer so viel Kokain nimmt, kann nichts gutes produzieren"). Aber auch bei Bach ("bei so vielen Gören würde ich auch wirres Zeug schreiben") oder Schubert ("Syphilis war noch nie sehr inspirierend") kann man genügend einfache und schlagende Argumente immer wieder in die Runde werfen.

Damit wären die wichtigsten Grundlagen für eine erfolgreiche Karriere als Klassikliebhaber gegeben. Oder habe ich etwa irgend etwas vergessen?

Satie
satie (28.05.2006, 23:34):
Merci, Daniel und Cosima!

Auf vielfachen Wunsch setze ich hier meine Ratschläge fort. Ein wichtiger Punkt ist der, wie man eine Interpretation bewerten soll. Hier gibt es einige einfache und objektive Kriterien. Eine Aufnahme ist schlecht, wenn:

a) das Cover aussieht, als hätte ein dreijähriges Kind es gemalt.
b) der Dirigent unrasiert abgebildet ist oder nicht lächelt
c) eines der folgenden Instrumente vorkommt: Fagott, Vibraphon, Piccoloflöte, Gesang oder gar Chor, Orgel
d) der Komponist vor 1650 oder nach 1900 geboren wurde
e) sie überall erhältlich ist
f) sie nicht mindestens eine Doppel-CD ist (besser wären 3 oder mehr)
g) der Name des Komponisten nicht mindestens aus fünf Silben inklusive mindestens dreier kryptischer Zeichen besteht (Nachname)
h) der Interpret nicht bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen ist. Von noch lebenden ist sowieso abzuraten
i) der Booklet-Text auf deutsch ist

Es empfiehlt sich, diese Liste auszudrucken und sich mit ihr sofort in das nächste Musikgeschäft aufzumachen. Vielleicht sollte aber besser noch gewartet werden, bis auch die Richtlinien zur Auswahl dieser Geschäfte vorliegen.

Satie
satie (29.05.2006, 08:49):
Aufgrund der hohen Nachfrage und allgemeinen Zustimmung habe ich mich entschlossen, ein weiteres, äusserst heikles Thema anzuschneiden: die Oper.
Der ungeübte Klassikfreund wird es hier sehr schwer haben, die Spreu vom Weizen zu trennen. Ausserdem muss man Oper live erleben (Aufnahmen allein können nicht als Referenz dienen).
Nun hat man natürlich das Problem, dass die Opern meistens nicht von Komponisten stammen, die völlig unbekannt sind. Auch stammen sie meistens nicht aus jenen Epochen, die man (siehe erstes Kapitel) so ganz einfach rundweg unter den Tisch fallen lassen kann. Doch keine Sorge, auch bei der Oper gibt es sehr viele und ebenso einfache Richtlinien zur Beurteilung.
Zunächst ist es aber notwendig, die Gattung selbst zu definieren. Eine Oper ist ein Theaterstück, bei welchem statt gesprochen mit (mehr oder minder) klarer Tonhöhe gebrüllt wird. Im Gegensatz zum Theaterstück ist die Handlung einer Oper aber sehr viel einfacher, der Text ist, da meist ausländisch, ohnehin nicht wichtig (90 Prozent der Opernbesucher sprechen neben deutsch höchstens ein wenig englisch, und das kommt in der Oper (ausser bei gewagten Neuinszenierungen vielleicht) nicht vor. Also: auf den Text müssen Sie nicht achten, und die Handlung erklärt sich von selbst. Falls nicht, gibt es einige wenige Prototypen von Handlungen, die in der Oper vorkommen können. a) historisches. Meist daran zu erkennen, dass viele Figuren sterben. Achten Sie hierzu darauf, ob nach der Pause noch alle Leute auf der Bühne auftauchen, die auch am Anfang da waren. b) Schmonzetten. A liebt B, hat aber entweder nicht den Mumm das zu sagen oder nimmt sich das Leben, weil B wahrscheinlich die Liebe nicht erwidert oder ist eifersüchtig, weil B scheinbar mit C rummacht. Manchmal mit und manchmal ohne Humor. Sehr simpel.
Im Grunde war es das.
Doch nun zu den wichtigeren Kriterien.

Eine Oper ist gut, wenn:
a) der Dirigent glatt rasiert und lächelnd auftritt.
b) die Sängerinnen selbst gehen können und nicht auf fahrbaren Podesten über die Bühnen geschoben werden müssen.
c) die Kostüme auf der Bühne schön bunt sind.
d) die Kostüme im Publikum von Armani sind.
e) es in der Pause ein gutes Buffet gibt oder wenigstens Alkohol (abhängig von der Dauer der Oper).
f) kein Chor dabei ist.
g) kein Schweinkram wie Hosenrollen, Countertenöre oder Wagnertuben vorkommt.
h) kein Idiot dabei ist, der "da Capo" schreit.
i) man trotz des hohen c noch das fiepsen des Hörgerätes des Nachbarn hören kann (spricht für hohe Qualität!).
j) Tiere, Gewalt, Sex oder alle drei zusammen vorkommen (wenn man das auch im Kino billiger haben kann!).

Natürlich müssen zu den wichtigsten Opern noch ein paar helfende Worte hierher, damit man da nicht wie der Ochs am Berg steht.
Carmen: Luder verdreht Männern den Kopf. Handlung also Schmonzetten-Kategorie, aber fetzige Mucke. Leider Chor.
Zauberflöte: Tiere, Sex und Gewalt enthalten! Handlung unwichtig, Mucke 1a, leider Chor.
Madame Butterfly: Thema Sextourismus, ausgeprägter Schmonzettenstil, süffig.
Barbier von Sevilla: Der Stoff gehört in den Bereich des Phantastisch-Absurden: heterosexueller Frisör!!!
Wilhelm Tell: Gehen Sie lieber nach der Ouvertüre, dann ist das beste vorbei.
Der fliegende Holländer: Ausländerproblematik gut getroffen, ansonsten laut.
Wozzeck: Nomen est Omen.
Hoffmanns Erzählungen: Popcorn mitnehmen!
Xerxes: Tuntiger König singt vor Geilheit Bäume an, Blockflöten vorhanden. Komponist verheimlichte bewusst seine Glatze. Meiden!
Bajazzo: naja, wer auf flennende Clowns steht...
La serva padrona: für Fetischfreunde.
Die Italienerin in Algier: Damals gabs noch keine Reportagen. Heute BBC mehr zu empfehlen.
Entführung aus dem Serail: frühe Thematisierung deutsch-türkischer Freundschaft. Kostüme meistens top! Nichts für Fundis.
Fidelio: Titel total irreführend. Knastgeschichten. Lang. Vorsicht: tauber Komponist.
Aida: Nur echt am Originalschauplatz! Achtung: Chor und komische Trompeten.
Götterdämmerung: Wollten Sie nicht sowieso lieber ins Kino gehen?
Die spanische Stunde: Und Sie wollten ins Kino gehen!!

Satie
satie (29.05.2006, 10:44):
Lieber Gerion,
herzlichen Dank für die sehr sinnvollen und notwendigen Erläuterungen.
Wir werden uns bemühen, dieses Handbuch so umfassend und dennoch einfach wie möglich zu gestalten. Zwar fehlen uns gegenwärtig noch die Feldversuche, sowie notwendige Ansätze zur Falsifizierung der Thesen, doch wir sind sehr zuversichtlich, dass sich das Handbuch in der Praxis bewähren wird.
Es steht noch sehr viel an, von einer generellen Epochenkunde hin zu gattungsspezifischen Details (auch Instrumentenkunde) und theoretischen Exkursen.
Wir empfehlen dem geneigten Leser deshalb, hin und wieder einen Blick in diesen Thread zu werfen, um jeweils auf dem aktuellen Stand zu sein.

Satie
satie (29.05.2006, 17:48):
Nächste Lektion:
Wie erkennt man einen guten Pianisten?

Die Gefahren bei der Beurteilung eines Interpreten sind offenkundig. Wenn etwa Kritik unbegründet ist, fällt das extrem negativ auf, andereseits: wer hört denn nun schon einen Unterschied zwischen all diesen Argerichs, Richters, Goulds und Guldas?
Einige einfache und absolut idiotensichere Richtlinien helfen auch hier dem armen, ahnungslosen Klassikliebhaber über die ersten Hürden.
Also, wohlgemerkt, einen guten Pianisten erkennt man daran:

1) Er tritt im Frack und mit Fliege auf, möglichst eng zugeknöpft, mit minimaler Bewegungsfreiheit. Ein gutes Erkennungsmittel: pochende blaue Adern an Hals und Schläfen.
2) Er hat eine schlechte Frisur, bzw. gar keine. Je wirrer die Haare in alle Himmelsrichtungen stehen, desto besser. Allerdings verunmöglicht die wahre Pianistenmähne die unter Punkt 1 genannte Erkennungsmethode der Schläfenader.
3) Er hat Finger, die nicht zu dick sind, um jeweils wirklich nur eine einzige Taste herunterzudrücken. In aller Regel sollte der Pianist davon jeweils 5 an je einer von maximal zwei Händen haben. Ausnahmen können allerdings die Regel bestätigen.
4) Auf Zuruf muss der Pianist "Hänschen klein" auswendig vortragen können. Falls es sich um einen Pianisten handeln sollte, der des deutschen Liedgutes nicht mächtig ist, etwa einen Japaner, fällt er sowieso aus der Kategorie "guter Pianist" heraus. Um nicht unangenehm aufzufallen sollte der Zuruf nicht während des Spielens erfolgen. Diese Regel muss bei zeitgenössischen Werken nicht beachtet werden, da bei diesen alles werkimmanent und qualitätssteigernd sein kann.
5) Der Pianist sitzt während des Spielens, und zwar dergestalt, dass er mit ausgestreckten Armen die Klaviatur (Tasten!) erreichen und bedienen kann. Dabei sollte er frontal zur Klaviatur sitzen. Das ist dann der Fall, wenn die Tasten mit den Fingerkuppen und nicht mit den Knöcheln gedrückt werden. Die Füße benutzt der Pianist ausschließlich für die Pedale. Sollte er verwirrt mit den Füßen umherwandern ist vorsicht geboten: es könnte sich um einen getarnten Organisten handeln!
6) Der Pianist hat während eines Klavierabends mindestens zwei Liter Flüssigkeit herauszuschwitzen. Ist dies nicht der Fall, kann dies mehrere Gründe haben: a) die gewählten Stücke waren zu einfach. Bei einem solchen Fall von Scharlatanerie ist das Eintrittsgeld unverzüglich zurückzufordern. b) der Pianist war gedopt. Falls Sie einen solchen Verdacht hegen, ist der Konzertveranstalter sofort zu informieren. Es ist in diesem Fall unumgänglich, an Ort und Stelle eine Urinprobe zu untersuchen. Moderne Konzerthäuser sind für solche Maßnahmen selbstverständlich bestens ausgerüstet. c) der Pianist ist Japaner. Unverzüglich den "Hänschen klein" - Test zur Kontrolle anwenden!
7) Nach den Stücken hat sich der Pianist zu verbeugen. Tut er es nicht, kann es mehrere Gründe hierfür geben: a) der Pianist ist während des Spielens eingeschlafen oder verstorben und kann deshalb den Applaus oder die Buhrufe nicht mehr hören. b) der Pianist hat ein steifes Rückgrat, wie es sehr oft bei dieser Berufsgruppe vorkommt. Profis haben aber für solche Fälle einen Assistenten auf der Bühne, der sich an ihrer Stelle verbeugt, bzw. ihnen beim Biegen des Rückens behilflich ist. Sollte der Pianist die Verbeugung übertrieben lange ausführen, war der Assistent zu grob.

Soweit die objektiven Kriterien, die ohne jegliches musikalische Gespür beobachtet werden können. Sollten Sie jedoch unsicher sein, empfiehlt es sich, den Pianisten anhand der Interpretation zu beurteilen, was weitaus mühsamer ist. Doch auch hier gibt es einige Hilfsmittel. Ob der Pianist gut spielt, können Sie an folgenden Kriterien festmachen:
1) Er lächelt ab und zu ins Publikum, bei Chopin und Liszt nur in Richtung der blonden Dame in der ersten Reihe. Dabei darf er sich nicht verspielen! Bei Scarlatti lächelt er immer (was meist nur eine gekonnte Kaschierung des Leidens bei den Überkreuzpassagen ist).
2) Er vermeidet es, bei einhändigen Passagen mit der anderen Hand in der Nase zu bohren
3) Er wirft in unregelmäßigen Zeitabständen die Haare vor und zurück. Nutzen Sie diese Gelegenheit, um die Adern an den Schläfen ausfindig zu machen!
4) Er atmet laut genug, damit man es auch in der letzten Reihe hören kann. Dieser Kunstgriff ermöglicht es dem Pianisten darüber hinaus, etliche falsche Töne im Pianissimobereich zu vertuschen. Eine Steigerung davon wäre lautes Mitsingen der Melodie oder ekstatisches Stöhnen. Aber Vorsicht: stöhnt der Pianist ohne Pause, handelt es sich um Keith Jarrett, und Sie sitzen aus Versehen in einem Jazzkonzert.
5) Bei Rachmaninov, Liszt und Skrjabin hat der Flügel sich pro Stück um mindestens zehn Zentimeter von der ursprünglichen Position wegzubewegen.
6) Der Pianist vermeidet es, unmittelbar vor dem Spielen noch hastig in Heften mit der Aufschrift "Hanon" oder "Czerny" irgendetwas nachzuschlagen.
7) Der Pianist unterbricht nicht sein Spiel mit den Worten "heute morgen konnte ich es noch fehlerfrei" oder "Verzeihung, ich dachte, ich bin schon beim Schlusssatz". Der wahrhaft heroische Musiker spielt bis zum bitteren Ende durch, auch wenn die rechte Hand schon zwei Minuten vorher am Ziel ist. Er nimmt auch während des Spielens keine Telefonanrufe seiner Mutter entgegen. Auf Verpflegung zwischen den Einzelstücken verzichtet er ebenfalls (Alkohol oder Tabletten sind Ausnahmen).

Das nötige Rüstzeug für den erfolgreichen Klavierabend haben Sie nun. Nähere Untersuchungen zu Streichern und Bläsern werden folgen.

Satie
satie (29.05.2006, 20:11):
Liebe Cosima,
es freut mich sehr, dass das Handbuch seinen Zweck nicht verfehlt. Schließlich will man ja helfen wo man kann!
Als sinnvolle nächste Lektion müssen wir uns nun einem harten Brocken widmen, dem gemeinen Dirigenten (gemein natürlich in der zoologisch-wissenschaftlichen Verwendung, wie bei der gemeinen Stubenfliege oder ähnlichem).

Zunächst wollen wir den Gegenstand unserer Betrachtungen einmal definieren, denn sonst wird es schwierig sein, sich hier genau vorzustellen, worum es geht. Stellen wir uns also so dumm wie möglich und fragen: was ist ein Dirigent?
Hierzu muss man in der Historie recht weit zurückgehen, eigentlich in die graue Vorzeit, an jenen Punkt, wo einer aus der Herde das Maul besonders weit aufreisst und sich dadurch zum Leithammel macht. Dass dafür das Maulaufreissen nicht lange reicht, kann man sich vorstellen. Argumente allein hatten noch selten ewig Bestand. Daher war es nützlich, sich durchaus physischer Gewalt zu bedienen, etwa indem man einen großen Knüppel nahm und alles, was aufmüpfig war einfach niederschlug.

Aus dieser Figur des Leithammels entwickelten sich mehrere bis in die heutige Zeit existente Tätigkeiten, die alle mit Machtpositionen zu tun haben. Der Politiker, der Boxer, der Zahnarzt und der Dirigent, alle haben sie ihre Wurzeln im prähistorischen Knüppelschwinger, nur die Knüppel sind entweder zu rein geistigen geworden oder extrem verkümmert im Laufe der Evolution. Beim Dirigenten ist dieser letzte Rest des Knüppels in Form eines kleinen Stäbchens besonders gut zu erkennen. Auch hat die Funktion dieses Knüppels sich ein wenig gewandelt. Er wird nicht mehr zum direkten Prügeln benutzt (wozu er auch kaum noch zu gebrauchen wäre), das Prügeln wird damit vielmehr nur noch angedeutet. Alles ist etwas sublimer geworden, der Dirigent gibt den Takt an, ob er viel mehr tut, darüber streiten die Gelehrten schon lange.

Diverse Sagen ranken sich um einige heroische Dirigenten der Vergangenheit. So erzählt man sich heute noch voller Erschauern die Geschichte von Lully, der sich mit seinem (damals noch durchaus knüppelhaften) Stab den Fuß rammte und kurz darauf verschied. Ein Suizid der besonderen Sorte!
Doch diese heroischen zeiten sind vorbei, heute scheuen die meisten Dirigenten das Risiko, und kaum einer würde mehr selbst ein solches Opfer für die Kunst bringen. Nein, heute geht es dem Dirigenten in erster Linie darum, dem Komponisten zu zeigen, was eine Harke ist. Wedelnd steht der Dirigent an seinem Pult und fuchtelt alle ihm untergebenen Musiker in die Knie. Selbst bei Messen und anderen geistlichen Werken hat der Dirigent keine Skrupel, statt Andacht walten zu lassen das blanke Stäbchen sprechen zu lassen. Das Werk hat vor dem Maestro zu erzittern, nicht etwa umgekehrt! Was man hört ist nicht Mozart oder Beethoven, sondern Bernstein oder Celibidache.
Der Dirigent muss nur die Auf- und Abwärtsbewegung des Stabes erlernen, nichts weiter. Zählen kann das Orchester allein, und zwar gut genug, um sich nicht durch das arhythmische Gefuchtel aus der Ruhe bringen zu lassen. Gewiefte Dirigenten bringen es zustande, mit der freien Hand ebenfalls Bewegungen auszuführen. Solche Wunderknaben sind rar, und der tosende Applaus ist ihnen gewiss. Schließlich ist das so, als ob ein dressierter Affe gleichzeitig eine Banane isst und sich mit dem linken Fuß am Kopf kratzt. Vor solcherlei Launen der Natur hatte der Pöbel schon seit jeher Respekt. Zu Recht.

Der Weg zum Dirigentendasein führt also über mehrere Stationen. Zunächst muss man einiges an Feinmotorik mitbringen, um überhaupt ein Stäbchen koordiniert bewegen zu können. Nicht nur muss das Holzstück auf und ab bewegt werden, nein, es muss dabei auch fest genug gehalten werden, dass es nicht etwa versehentlich aus der Hand fällt. In der ersten Probephase werden dem angehenden Maestro denn auch diverse Unfälle nicht erspart bleiben, von ausgestochenen Augen über tote Haustiere und zerstörte Porzellansammlungen hin zu unabsichtlich kastrierten Schulfreunden. Ist diese Klippe nach Jahren zermürbernden Trainings umschifft, muss sich der Dirigent einige feinere Eigenschaften antrainieren wie Arroganz, Geldgier, Oberflächlichkeit und Narzissmus. Manche haben darüber hinaus eine rudimentäre musikalische Grundausbildung, doch darauf kann man sich nicht verlassen.
In aller Regel muss man zufrieden sein, wenn der Dirigent weiß, in welche Richtung er zu blicken hat (für gewöhnlich hat er einen Handlanger, der sich Konzertmeister nennt. Dieser schüttelt dem Dirigenten immer wieder die Hand, damit dieser seine Position wieder richtig einnimmt und auch, damit sich die um das Stäbchen gekrampfte Hand wieder etwas entspannen kann). Intelligentere Exemplare der Spezies sind auch in der Lage, blitzschnell ihre Position durch eine Drehung um 180 Grad zu verändern, um sich gekonnt zum Publikum hin zu verbeugen. Einigen von ihnen gelingt es sogar, sich anschließend wieder mit katzenartiger Behendigkeit in die Ausgangslage zurück zu bewegen. Doch das ist angeborenes Genie, welches sich dem Normalsterblichen nur schwer erschließt.

Frisurtechnisch gilt für den Dirigenten im verstärkten Maße das, was bereits für den Pianisten entscheidend war (siehe dort). Lächeln muss der Dirigent nicht! Dies kann sogar hinderlich sein und ihn in seiner erkämpften Machtposition schwach wirken lassen. Die Mimik ist die wahre Kunst des Dirigenten. So kann man es etwa bei Lorin Maazel beobachten, der mit seinem Blick unmissverständlich zu verstehen gibt, dass er nicht nur alle Musiker und das Publikum, sondern auch die Musik selbst abgrundtief verachtet und nur dort droben auf dem Podest steht, weil der Taxameter tickt und ihm den neuen Swimmingpool als sicher finanziert verspricht.

Der Dirigent ist in der glücklichen Lage, das meiste Geld zu verdienen und dafür am wenigsten tun zu müssen. Er muss in der Regel nur einen Auftakt schlagen, danach läuft die Sache quasi von selbst. Üben kann der Dirigent in seinem Sessel zu Hause mit einem schönen Glas Cognac in der einen Hand und der Partitur in der anderen. Lesen kann er sie größtenteils nicht, und so verbringt er die Zeit damit, die schwarzen Punkte mit einem Buntstift zu verbinden und sich von den entstehenden Bildern überraschen zu lassen.
Es ist natürlich nicht verkehrt, wenn der Dirigent den Schluss der Komposition nicht verpasst. Danach weiterzuschlagen wäre nicht von Vorteil. Der gebildete Dirigent weiß natürlich, dass der Schluss in 90 Prozent aller Fälle laut ist und immer von Stille gefolgt wird. Diese Stille muss schnell genug wahrgenommen werden, was schon schwieriger ist, da es zur verbindlichen Natur eines Dirigenten gehört, maximal 10 Prozent Hörfähigkeit zu besitzen. Aber der wahre Künstler hat es halt im Blut und wird blitzschnell reagieren, den Atem anhalten und erstarren, sich kurz darauf mit einem Nicken umdrehen und erleichtert sein, wenn tatsächlich geklatscht wird und er nicht doch einfach bei der Generalpause aufgehört hat. Aber da stehen die Chancen fity-fifty, da kennt die wahre Spielernatur gar nichts.

Ansonsten muss der Dirigent noch ein Autogramm geben können und einen Plattenvertrag unterschreiben, den Rest macht sein Assistent. Derzeit wird die Dirigententätigkeit für sehr viele arbeitslose Fleischer und Polizisten interessant, doch nur wenige wagen einen solchen beruflichen Abstieg tatsächlich, viele werden wegen Überqualifikation auch gar nicht von den Orchestern angenommen.

Satie
satie (30.05.2006, 08:24):
Meine Lieben,
recht herzlichen Dank für die vielen Komplimente. Natürlich wird weiteres folgen. Für eine Veröffentlichung müsste natürlich so manches umformuliert werden, auch sollten keine konkreten Namensnennungen darin enthalten sein. Aber es soll erst mal genügen, wenn ich hier zur musikalischen Bildung etwas beitragen kann :-)

Übrigens hier ein Nachtrag:
http://www.nelparmense.it/notizie-con-foto/img/maazel.jpg

Aber der Gergiev ist schon auch immer ein schmuckes Kerlchen...

Demnächst mehr. Ich will ja meine Fans hier nicht enttäuschen!

Euer
Satie
satie (30.05.2006, 08:41):
Und noch was:

http://www.cs.virginia.edu/~evans/pictures/oldfamily/box-11-1971/normalize-22-future-pianist.jpg
satie (30.05.2006, 17:13):
Die Wiener Klassik - kurz und bündig

Wissen muss man hier drei Namen: Haydn, Mozart, Beethoven. Basta. Der Rest ist eigentlich Luxus, dennoch mögen einige Fakten dem interessierten Klassikfreund hier Stoff für den nächsten Sektempfang liefern. Ausserdem kann man dann auch im Musikgeschäft besser den Fachmann markieren.

http://www.geocities.com/Vienna/Strasse/1945/WSB/images/haydnchari.gifFangen wir also mit dem Haydn Sepp an, der auch der älteste von den drei Knaben war. Die Biographie ist schnell erzählt: als Junge hat er im Stephansdom vor japanischen Touristen gesungen und hätte dafür um ein Haar die Familienjuwelen abgenommen bekommen (ja, das bedeutet, man hätte ihn fast kastriert). Dann hat er halt irgendwann zu schreibseln begonnen und sich bei einem Fürsten eingeschleimt. Die ersten Hits hat ein Verlag gekauft (Franzmänner) und ihn damit zum Star gemacht. Vor allem die englischen Snobs fanden ihn ziemlich cool und hätten ihn gerne aus Österreich rausgeholt (selber hatten die ja nix), aber da Haydn nur Bahnhof verstand auf der Insel hat ers vermasselt. Er hatte einen üblen Drachen als Frau, der seine Notenblätter benutzt hat, um Fisch einzuwickeln. Greatest Hits: Nationalhymne, Streichquartette und Orchesterzeug, Opern hat er auch geschrieben, allerdings nicht so tolle, daher wenig gespielt.

http://www.mala.bc.ca/~mcneil/jpg/mozart.gifZweiter im Bunde: der Mozart Wolferl. Der wurde schon gleich als er aus dem Bauch der Mutter geploppt war ans Klavier geprügelt und drauf getrimmt, auf Kommando alles mögliche hinzuklimpern. Geige hat er auch spielen müssen, die arme Sau. Dann wurde er den reichen und blöden vorgeführt und musste sich zum Affen machen. Gebracht hats ihm nicht viel. Kohle hat er gehabt wie Heu, allerdings alles versoffen und verspielt. Ein Weiberheld ist er auch gewesen. Dafür dass er gleich nach der Pubertät ins Gras gebissen hat, hat er gar nicht wenig geschrieben. Seine Sachen sind alle Evergreens. Manches kann man nicht mehr hören, darunter Türkischer Marsch, Zauberflöte und C-Dur-Sonate.

http://www.keircutler.com/images/lunaticvanbeethoven/beethoven.jpgLast but not James: Beethoven. Tja. Der hatte eine ziemlich abgefahrene Frisur, zog dauernd von einer Wohnung in die andere, hatte wenig Humor (naja, wer in Bonn geboren wird...). Da er zu oft in die Disco gegangen war, litt sein Gehör extrem, irgendwann hörte er gar nix mehr, brauchte also auch seine Stücke nur noch aufzuschreiben und nicht mehr anzuhören. Ein paar unglückliche Weibergeschichten gab es da noch, ansonsten ist da auch nicht viel mehr passiert als jedem anderen auch. Meiden: Fidelio, Für Elise, Wildschweinsonate und alles andere mit komischem Titel. Sonst solide Mucke.

Kurze Zusammenfassung:
Haydn: fast kastriert, zu blöd für englisch, miese Ehefrau.
Mozart: wurde gequält, bis er Musik machte, Spiel- Alkohol- und Frauenprobleme, früh gestorben (kurz: Rockstar).
Beethoven: kaputte Horcher, null Spaß, geile Frisur.


Satie
satie (31.05.2006, 15:11):
Dialog nach dem Konzert:
(die Pünktchen stehen für den Interpreten-, Dirigenten- oder Orchesternamen)

A: "... ist halt nicht mehr so schnell wie vor 8 jahren. aber er ist körperlich robust und mit dem kopf immer noch gefährlich."

B: "Aber bei ihm erübrigt sich ja ohnehin jeder Kommentar."

(Pause)

A: "Eine freundliche Atmosphäre ohne Kravalle und Gewalt."

B: "Südamerikanische teams verzaubern mich seit jeher."

A: "Meine heimlichen favoriten : Trinidad Tobago & elfenbeinküste."

(Pause)


B: "ich glaube, dein Eindruck bezieht sich in erster Linie auf das Spiel der Italiener, ich habs seit 1982 kein zweites mal mehr gesehen."

A: "Sie sind körperlich sehr flexibel, 'stehaufmännchen', technisch sehr versiert ! und das wichtigste: sie haben ein 'riesiges herz', sie spielen immer 'um ihr leben' !"

B: "Das Problem besteht darin, dass die meisten von uns einige ganz große Spieler nie wirklich gesehen haben. Im Übrigen bin ich immer für den Außenseiter, gleichgültig welches Land es sein mag."

A: "mich bewegt in diesem Zusammenhang hauptsächlich eine Frage: Spielt ... noch?"

B: "schöne Frage, die du da stellst, das regt mich zum Nachdenken an, ich habe mir diese Frage noch nie gestellt."

(Pause)

B: "Finde ... ist ein sehr guter und "kompletter" Spieler.
Jede Position kann er spielen, gutes Auge "

A: "Die letzte Saison war er sehr gut !"

B: "Etwas Hoffnung leite ich auch der Tatsache ab, daß es damals im Juni/Juli mehr geregnet hat als üblich. Kurz vorher gabs noch das legendäre Österreichspiel."

(Pause)


A: "Das wird ein echter Kulturschock für die Mexikaner werden."





(sämtliches Material entstammt dem Thread: "WM 2006")
satie (31.05.2006, 16:50):
Sehr richtig, Cosima!
Doch demnächst wieder weniger besinnliche Beiträge, aus denen man auch wirklich wieder fachlich wichtiges lernen kann.
Übrigens: Anregungen nehme ich gerne entgegen! Schließlich dient dieser Thread dazu, den unerfahrenen Klassikliebhabern zu helfen. Und da gibt es noch sehr viel zu tun.
Fest eingeplant sind Beiträge über Wagner, die Romantik als Epoche, Instrumentenkunde für Anfänger, der kürzeste Abriss der kompletten Musikgeschichte aller Zeiten, Lexikon musikalischer Fachausdrücke und vieles mehr!

Bis demnächst

Satie
satie (31.05.2006, 21:04):
Lexikon musikalischer Fachausdrücke
Teil 1

a cappella engl.: eine Gruppe von Musikanten

a due svw. auf Wiedersehen

alla turca mit Kräutersauce und ohne Zwiebeln bitte

Anschlag svw. Attentat

a quattro mani für Mutanten

a tempo mit Taschentuch

attacca Angriff

brillante Edelsteine

comodo kleiner Schrank

con grazia mit Dank

con moto mit Motorrad

con spirito mit Alkohol

Dominante Frau, die auf Erniedrigung basierende Sexualpraktiken ausübt

espressivo wie starker Kaffee

forzato, sforzato mit Blähungen

mezzoforte ein Halbstarker

mezzopiano ein halb abbezahltes Klavier

non tanto der Onkel

ossia Tanz, der vorwiegend in den neuen Bundesländern gepflegt wird

poco a poco (von) Schwein zu Schwein (ital.)

portato (engl.) Kartoffel

presto italienische Pastasauce aus Genua, besteht aus Basilikum, Knoblauch, Pinienkernen und Olivenöl

quasi Vorname des Glöckners von Notre Dame

saltato gesalzen

sinistra Amerikanischer Sänger italienischer Herkunft, Vorname Frank

tempo rubato gestohlenes Taschentuch

Tonika bittere Getränke

tosto englisches Weißbrot

tranquillo Beruhigungsmittel

Triller spannender Krimi

Vibrato für die Dame


gez. Satie
satie (01.06.2006, 08:11):
Lieber Engelbert,
unverkennbar handelt es sich um Siegfried und Macbeth.
Die Idee ist sehr schön! Vielleicht finden sich im Laufe der Zeit noch viele weitere Beispiele für die praktische Anwendung dieser Universalphrasen.

Merci
Satie
satie (01.06.2006, 16:05):
Kritiker werden - leicht gemacht

Wer zu taube Ohren hat, um den Unterschied zwischen Wagner und Pachelbel oder zwischen einer Harfe und einer Tuba zu hören, hat als Klassikliebhaber schlechte Karten. Man möchte dann vielleicht auch gerne dazugehören, bringt aber so gar nichts mit, was einen dazu befähigen könnte.
Hier gibt es zum Glück eine weitere Möglichkeit: werden Sie Musikkritiker! Um ein solcher werden zu können gibt es einige kleine Kriterien, die Sie erfüllen sollten:

- Arroganz
- Selbstherrlichkeit
- fehlen jeglicher Musikalität

Das genügt völlig. Sollte ein Kritiker sich unerwarteter Weise einmal in der Öffentlichkeit präsentieren müssen, sollte er einen Anzug und eine Krawatte besitzen, um zumindest optisch über die inneren Mängel hinwegzutäuschen. Dazu gehört selbstverständlich auch ein überheblicher Blick.
Grundsätzlich muss der Kritiker sich antrainieren, alles schlecht zu finden. Mit etwas Übung ist das leicht zu erreichen. Natürlich ist es entscheidend, die ablehnende Grundhaltung durch Phrasen zum Ausdruck zu bringen, die besser klingen als sie sind.
Bei Opernsängern etwa:
"XY war mit dieser Partie eindeutig überfordert"
statt
"Mann, hat die furchtbar gesungen"
oder
"Was finden die eigentlich alle an dem entsetzlichen Gejaule?"

Wenn eine Sängerin dem Kritiker nicht hübsch genug war, schreibt er:
"An ihrer Technik muss sie noch arbeiten."
War die Sängerin zu fett, hatte sie "ein großes Volumen, doch fehlte es ihr an Leichtigkeit."

Hat ein Musiker total langweilig gespielt, war er "souverän" oder "solide".
Hat ein Geiger gefiedelt wie Waldi, 90 Prozent falsche Töne, heißt es: "die Intonation war teilweise noch verbesserungswürdig."

"Das Publikum honorierte die Leistung des Orchesters gebührend" kann natürlich auch bedeuten, dass die sauschlecht gespielt haben und dann logischerweise ausgebuht wurden.

Weitere Beispiele:

"Dagegen fehlte es bei solistischen Satzanfängen oder fugierten Einsätzen manchmal ein wenig an Sicherheit und dadurch auch an Volumen, im schnelleren Tempo war der Chor nicht immer zusammen. Am wirkungsvollsten gelangen feierliche Sätze" (Schwäbisches Tagblatt,10.2.2002)
Das bedeutet: Die Chrosänger konnten eh keine Noten lesen, dann waren alle zusammen, inkl. Dirigent so besoffen, dass die total arhythmisch waren und auch nur leise vor sich hin gelallt haben. Das langsame Zeug konnten sie auch so noch einigermaßen.


"Den Abschluss bildeten vier »Ungarische Tänze« von Johannes Brahms; ausgesprochen emotionale Werke, die hohe Ansprüche an die technische Versiertheit der Interpreten stellten."(Siegener Zeitung, 29. September 2001)
Sprich: Dass da danebengelangt wird, versteht sich von selbst.


"XY hat nicht nur den Chor mustergültig studiert, sondern läßt auch die Streicher des Wiener Kammerorchesters geschmeidig singen und von den beteiligten Tiroler Bläsern und Pauken klangmächtig unterstützen."(Tiroler Tageszeitung, 23.12.1995)
Im Klartext: Der Chor hat mehr oder weniger die richtigen Töne getroffen, die Streicher haben vor sich hin gesäuselt, während Blech und Pauken viel zu laut gedröhnt haben.

"XY (Alt) hatte anfangs etwas Mühe, sich während der Arie "Von den Stricken meiner Sünden ..." stimmlich gegenüber dem Ensemble zu behaupten. Mit der Arie "Es ist vollbracht!", korrigierte sie jedoch den ersten Eindruck nachdrücklich. " (Schwäbisches Tagblatt 20.02.2005)
Hier bedeutet das: Das Orchester spielte schweinelaut, damit man die miserable Sängerin nicht hören muss. Die sagte sich dann: Na wartet, Ihr Drecksäcke, euch zeig ichs! Und dann hat sie halt so laut gesungen, dass das Orchester keine Chance mehr hatte.
Weiter in der selben Kritik:
"Am Ende wagte zunächst keiner der Zuschauer, eine Hand zu rühren. Erst nach vielen Augenblicken rührten sich die Leute und klatschten langanhaltenden Applaus. "
Naja, das dauert halt, bis alle aus dem Tiefschlaf aufwachen und sich das Ohropax wieder rausgepuhlt haben...

"XY am Piano sann einfühlsam der "ewigen Melodie" Wagners nach."(Traunsteiner Tagblatt 17.2.2006)
Der Sänger hat also dermaßen geschleppt, dass das Klavier kaum hinterher kam.

"Von Gustav Mahler ebenso beeinflusst wie von seinem Schüler und Schwager Schönberg setzen sie den Hörer durch ihren irisierenden Symbolismus in staunende Bewunderung."(Südostbayerische Rundschau 04.12.2004 )
Klartext: Alle verstanden nur Bahnhof.


"Der Sänger hat an stimmlicher Reife entschieden gewonnen, ohne seine trocken-helle (optimal verstehbare) “Ausdrücklichkeit” verloren zu haben. Und er wußte, was er sang!
Das ist keine Selbstverständlichkeit heutiger Tage."(Traunsteiner Tagblatt 3. April 2002 )
Der Sänger ist also endlich nicht mehr ganz so lausig wie früher, und diesmal hat er auch nicht aus Versehen plötzlich Brahms statt Mozart gesungen. Bravo!


Satie
satie (19.11.2006, 23:24):
Streichquartett - Die Gattung für Profis

Um auch dem bereits fortgeschrittenen Klassikliebhaber etwas zu bieten, wollen wir uns nun einer der schwersten und unzugänglichsten Gattungen der Musik zuwenden: dem Streichquartett. Zunächst müssen wir, um nicht peinlich aufzufallen, einmal wissen, was denn nun ein Streichquartett eigentlich ist. Das Wort Quartett kennen wir alle aus unserer Jugendzeit, dies ist nämlich jenes bekannte Kartenspiel, bei welchem man etwa Geschwindigkeiten von Autos oder das Alter von Dinosauriern vergleicht, um dem Gegner möglichst viele Karten abzujuxen. Ähnlich geht es auch im Streichquartett zu, nur eben nicht mit Karten, sondern zum Beispiel mit Noten. Meist hat man am Ende folgende Situation in der Rangliste: ganz oben eine Geige, gefolgt von der zweiten Geige, dann die Bratsche (sonst generell auf dem letzten Platz) und zu guter Letzt ein Cello. Diese Verteilung entspricht weitgehend der konditionellen Leistung des Notenspiels, die erste Geige schafft also am meisten, die zweite schon weniger und so weiter.
Aber gehen wir schrittweise vor und definieren zunächst die Instrumente:
Violine oder treffender Geige nennt man einen seltsam geformten Kasten mit Saiten (vergleichbar mit dünnen Drähten oder Schüren, die über diesen Kasten senkrecht verlaufen. Dieser Kasten wird krampfhaft unter das Kinn geklemmt, während die linke Hand in anatomisch möglichst ungeeigneter Weise verdreht diese Saiten unter Schmerzen an diversen Punkten herunterdrückt (dies verursacht in der Regel tiefe Schnitte in den Fingern, die aber dank der mangelhaften Durchblutung (durch das Verdrehen der Hand) nur selten Blut ausströmen lassen.
Dasselbe gilt auch für die Bratsche oder Viola, nur dass dieses Instrument größer gebaut ist und dadurch noch verkrampfter festgeklemmt werden muss. Dies erfordert wiederum eine der Anatomie des Homo Sapiens noch weniger angemessene, stärkere Drehung des Handgelenks, weshalb ein Greifen und drücken der Saiten vollends verunmöglicht wird. Die Bratsche wird also lediglich mit dem Bogen gestrichen, ohne dass Saiten gedrückt werden müssen.
Bei diesem Bogen, der bisher nicht erwähnt wurde, handelt es sich um einen Stock von mittlerer Länge, welcher immer in der rechten Hand gehalten wird. Warum dies der Fall ist, wird später erläutert. An diesem Stock ist ein halber Pferdeschwanz angebracht, der dank einer klebrigen Masse bei waagerechtem Streichen über die Saiten einen gequetschten, gequält klingenen Laut erzeugt.
Das Cello ist das größte der Instrumente eines Streichquartetts. Es würde unter der selben Benutzung wie Violine und Bratsche unsägliche Schmerzen, Tennisarme und irreparable Nackensteifheit verursachen und wird daher anders bespielt, nämlich auf einem Stachel stehend. Der Cellist ist immer der gesündeste Musiker des Streichquartetts, da er die Hand nicht verdrehen muss und das Gewicht des Instrumentes nicht tragen muss. Auch hat der Cellist nur wenige tiefe Töne zu spielen.

Woran erkennt man nun ein gutes Streichquartett?

a) es besteht aus zwei Geigen, einer Bratsche und einem Cello
b)Alle halten den Bogen in der rechten Hand, und zwar immer. Pflaster auf dem Auge des zweiten Violinisten oder des Bratschers deuten darauf hin, dass die korrekte Handbenutzung nicht immer beachtet wurde.
c) Wenn Geiger und Bratscher das Instrument vom Hals absetzen, muss ein deutliches "Plopp" zu hören sein.
d) der Cellist musssein Instrument mit dem Stachel tief und unverrückbar in den Boden rammen, nachdem er aufgetreten ist und sich verbeugt hat.

Woran erkennt man eine gute Streichquartett-Komposition?

a) Sie ist ausschliesslich für die Instrumente Violine 1, Violine 2, Bratsche und Cello geschrieben, und zwar so, dass jedes der Instrumente eine eigene Stimme hat.
b) Die vier Instrumente spielen auch tatsächlich alle (man achte strengstens darauf, dass nicht etwa einer oder mehrere der Spieler nur so tun, als würden sie spielen. Wenn die Bratsche ausser andauernden Auf- und Abstrichen nichts tut, also weder einen der anderen Spieler anschaut noch irgendetwas mit der linken Hand zu drücken versucht, ist das normal.
c) Sie dauert zwischen 10 und 15 Minuten, der Höreindruck ist aber so, als sei die tatsächliche Dauer 3 Stunden.
d) Sie darf kein Thema haben, welches man sich merken kann.


Wie verhält man sich in einem Streichquartett-Konzert?

Man zieht sich zunächst einen möglichst unbequemen Frack oder Anzug an, mit passender enger Fliege (so eng schnüren, dass man die Luftzufuhr um etwa 50 Prozent reduziert, aber noch nicht blau anläuft). Man setze sich möglichst in die erste Reihe, aber nicht neben den ersten Geiger. In ca. 2-minütigen Intervallen hüstelt man leise, aber vernehmbar. Während des gesamten Konzertes soll man eine leicht seitliche Sitzhaltung einnehmen, das Kinn auf die linke Hand gestützt. Die MUndwinkel zeigen nach unten, die Stirn ist in Falten zu legen. Vorsicht: auch in der Pause soll die Mimik keinesfalls verändert werden. Das Kinn muss allerdings dann nicht gestützt werden.
Während des Pausenchampagners unterhält man sich möglichst oberflächlich mit irgendwelchen Leuten. Diesen schaut man nicht in die Augen, sondern fixiert einen Punkt irgendwo hinter den Leuten. Es bieten sich Floskeln an wie: "In den Ecksätzen ist mir der Ton des Primarius definitiv zu metalisch." " Das LaSalle-Quartett hat die Tempi letzten Sommer in Lugano etwas vitaler genommen." "Der Cellist ist den Beethovenschen Scherzi mit seinem penetrant lyrischen Ton nicht gewachsen. Auch hat sein Instrument einen deutlich hörbaren Wolf beim kleinen ges. "

Sicherheitshalber sollten die Mundwinkel auch nach dem Konzert und während des gesamten Heimwegs noch nach unten weisen. Sollten sich die Mundwinkel danach über mehr als 36 Stunden nicht wieder entspannen lassen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Vor übertriebenem Konsum von Streichquartettmusik wird gewarnt, da zunehmend chronische Fälle von Mundwinkelstarre verzeichnet werden.
satie (20.11.2006, 08:37):
Original von Gamaheh
Lieber Satie,

superb - ich habe Tränen gelacht. Wie schön, daß Du diesen (Leit-)Faden aus gegebenem Anlaß wieder aufleben läßt! Er war nämlich bisher völlig an mir vorbeigegangen!!

Wenn ich so verwegen sein darf, einen Wunsch zu äußern, so würde ich Dich herzlich bitten, doch bei nächster Gelegenheit einmal die Klaviermusik Robert Schumanns abschließend zu behandeln.

Beste Grüße,
Gamaheh

Liebe Gamaheh,
herzlichen Dank. Deiner Bitte werde ich selbstverständlich in Kürze nachkommen.

Herzlich

S A T I E
satie (20.11.2006, 20:26):
Robert Schumanns Klavierwerke
Auf allgemeinen Wunsch wollen wir unsere Werkbetrachtungen anhand des Schumannschen Oeuvres für das Pianoforte fortsetzen.
Dies ist ein Thema, welches wir vor allem unter medizinischen Gesichtspunkten angehen müssen (dies wurde und wird bis heute in der Literatur leider nicht getan). Ausserdem wollen wir mit diesem Beitrag auch endlich einmal das junge Konzertpublikum ansprechen und haben uns um eine zeitgemäßere Formulierung bemüht.

Der Schumann Beppo hat schon früh fürs Piano geschreibselt, eigentlich weil er selber mit den Stücken absahnen wollte. Das hat er sich aber gründlich versaut, weil er sich selber die Pfoten vermurkst hat. Kein Dunst von Anatomie. Hat ernich kapiert, dass man halt ums Verrecken den Ringfinger nicht so hoch kriegt wie die andern. Und Viagra gabs ja damals noch nicht, deshalb hat er sich also die Finger an so Schnurkonstruktionen nachts hochgebunden, bis die Pfoten definitiv im Eimer waren. Aus der Traum, Pustekuchen, basta. Naja, hat er halt ne Pianistin geheiratet, die ihm dann immer sein Zeug gespielt hat, so lange wie sie noch nich vom Windeln wechseln die Krise gekriegt hat.
Später ging Schumann gerne in die Clubs um DJ Fred Chopin und Johnny Brahms live on stage zu hören, natürlich immer mit der Ohrmuschel voll auf der Fenderröhre drauf, bis er sich die Ohren denn auch noch so was von demoliert hatte, dass er da immer so nen Pfeifton drauf hatte. Krüppelpfoten und Gefiepse ey, das hat dem voll Stress gemacht, Mann...
Ausserdem war seine Alte dann auch noch son Groupie von dem Brahms geworden und hat ihm wohl auch noch son Balg untergejubelt von dem, naja, da hat er eben die Schnauze gestrichen voll gehabt und wollte mal eben vorzeitig ins Seegras beissen. Aber denkste, rausgeholt haben sie ihn und in die Klapse gestopft, wo er vollgedröhnt mit Drogen dann auch mal endlich nochn paar vernünftige Sachen geschrieben hat, auch wenn das nun damals keine Sau verstehen wollte. Ja, so war das mit dem.

Ok, jetzt aber mal endlich Pianomucke. Also da hat er mal für so ne Tussi diese Variationen geschrieben, die jetzt der Lang Lang immer auf DVD spielt. Aber mit der war ja wohl nix.
Aus Frust ist der Robbie denn auch in sone Gang eingetreten, die nannten sich Davidsbündler, voll krasse Typen, total abgefahren. Für die hat er dann auch Songs geschrieben, Papillons zum Beispiel, da hat er alles fgezeigt, was die da so angestellt haben im Suff, und natürlich haben die dann auch Nicknames gehabt, Eusebius und so. Naja, aber viel gutes hat er da noch nich so gemacht, so Zeug wo er Sachen von Paganini gecovert hat und son Stuss wie symphonische Etüden (wo das doch für Piano sein soll!). Dann hat er so Partymucke gemacht (Carnaval), ja, ganz groovy teilweise. Dann gibts noch son paar dröge Sonaten und sone furchtbar lange Phantasy in C.
Geileres Zeug sind dann schon so Fantasiestücke und Kinderszenen.
Ey, und voll Deprizeug hat er auch noch: Nachtstücke. Megagruftimäßig. Na, da war er ja auch schon so ziemlich am Durchknacken, der Alte. Dann hat er noch so ne Hippiephase gehabt und Waldstücke geschrieben (mit sprechenden Vögeln, blutigen Blumen und som kranken Mist. Naja, eben am Durchknacken). Den Rest kannste eigentlich auch n Joint draus drehen, was der so gemacht hat. Nix Band Aid oder so. Aber trotzdem hey, der Alte war so was wie der Fifty Cent von den Romantikern damals, nur Kohle hat er nich so krass viel gehabt. Gabs ja noch nich CD und mp3. Und halt voll nich tanzbar sag ich euch. Aber wenigstens is das Zeug für Piano und nich noch mit Gesang oder sonst was ätzendem. Wird halt mal Zeit fürn geilen Remix oder ne gute Coversache. Yo, gimme five Bob!
satie (21.11.2006, 11:39):
Instrumentenkunde - Einführung:
Was ist ein Orchester?

Bevor wir zu einer näheren Betrachtung der verschiedenen Instrumente übergehen, wollen wir uns hier das Orchester vornehmen, in welchem bekanntlich viele der existierenden Instrumente vorkommen. Sollten Sie in einem Konzert keine Instrumente sehen, statt dessen aber viele Sänger ist ein fluchtartiges Verlassen des Saals geboten, da Sie sich in einem Chorkonzert befinden. Diese sind immer zu meiden!
Gewöhnlich spielt ein Orchester in einem Saal, doch ist das nicht zwingend. Orchester können auch im Freien spielen (am besten bei Regen oder Hagel, oder vor einer Herde weidender Schafe). Das nennt man dann ein Pastoralkonzert (auch dann, wenn kein Pastor anwesend ist).
Gewöhnlich spielt aber das Orchester in Räumen. Diese müssen so groß sein, dass Publikum mit hineinpasst. Sollte sich ausser Ihnen niemand im Publikum befinden, sind Sie aus Versehen bei der Probe und nicht beim Konzert. Prüfen Sie dann unbedingt das Datum im Programmheft. Ist dieses korrekt, handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um ein Konzert mit modernen Stücken. In diesem Fall dürfen Sie bleiben und nach den Stücken klatschen. Sollte der Dirigent abwinken und sagen: "Bitte nochmal den Takt 33, Horn etwas präsenter", sind sie definitiv doch in der Probe gelandet und sollten NICHT applaudieren.

Im Orchester sind die Instrumente nach der Geschwindigkeit angeordnet:
Piccolo (sehr schnell)
Flöten (schnell)
Oboen (mäßig schnell)
Klarinetten (halbschnell)
Fagott (moderat)
Horn (gemütlich)
Trompete (ungemütlich)
Posaune (langsam)
Tuba (ziemlich langsam)
Pauken (sehr langsam)
Becken (extrem langsam, beobachten Sie, wie der Beckenspieler die ganze Zeit über schläft und nur bei seinem Einsatz erwacht, um dann viel zu spät die Becken zu schlagen)

Bei den Streichern fängt das dann wieder von vorne an:
1. Geigen (schnell)
2. Geigen (mäßig schnell)
Bratschen (langsam)
Celli (sehr langsam)
Kontrabässe (unglaublich langsam)
Dirigent (unverschämt langsam)

In Relation zu den Geschwindigkeiten haben die Instrumente höhere oder tiefere Klänge:
Piccolo, auch umgangssprachlich als Hundepfeife für Menschen bekannt gibt ein schrilles Fiepen von sich, von dem man noch Tage nach dem Konzert etwas hat
Flöten: schrill, laut und unangenehm
Klarinetten: quäkend, an Hundegebell erinnernd
Oboen: klingen wie wenn man auf dem Kamm bläst
Fagott: flatulenzartige, dröhnende und Kopfschmerzen verursachende Geräusche
Horn: dumpfer und blecherner Klang, Darmreizend
Trompete: stechend-herb bis schreiend, Synapsen können bei übermäßigem Hören leiden
Posaune: scheppernd und dröhnend, meist mit schwankender Tonhöhe
Tuba: knarrend-tiefe Geräusche ohne klare Tonhöhe
Pauken: Kanonenartig hämmernd, meist von ehemaligen Möbelpackern und Schwergewichtsboxern bedient, die nur selten das Ziel ereichen und tatsächlich das Instrument zerstören (dies erfordert wahre Meisterschaft, und die wäre hier ja nur Perlen, die man vor die Säue wirft)
Becken: elektrisierend-scharf, blendend, äusserst gefährlich für den Gehörgang
Geige: meckernd-nasal bis heiser-quietschend
Bratsche: zerquält kratzend bis knatternd-sauer. Eines der gefährlichsten Instrumente, daher oft von zur Bedienung nicht befähigten Schwerstbehinderten oder beidseitig Armamputierten Instrumentalisten oder vom Hals abwärts gelähmten bedient
Cello: schrammend-brummig und dumpf bis hohl, Klang hat sich in medizinischen Studien als metastasenbildend erwiesen
Kontrabass: grummelnd bis rülpsend im Infraschallbereich. Kann Depressionen verursachen und zu Verstopfung führen
Dirigent: blökend-röchlig bis heiser krächzend. Ohne klare Tonhöhe. Meist werden hier Parkinsonpatienten eingesetzt, daher das ständige nervöse Gefuchtel mit den Armen.

Einige Instrumente wie die Harfe, Celesta und andere wurden hier nicht erwähnt (warum auch?? War das nicht schon schlimm genug? Was wollen Sie denn noch? Geben Sie es zu: Sie mögen auch Splatter-Movies, stimmts?).
Nähere Bertrachtungen zu den einzelnen Instrumentengruppen werden folgen.
satie (22.11.2006, 10:29):
Große Persönlichkeiten der Musikwelt, Teil 1: Pianisten

Horowitz, Vladimir
spielte immer zur Tea Time auf seinem eigenen, präparierten Piano. Schön wie der Liberace und sexy wie Genscher griff er mit Schmackes ins Elfenbein, meist zwar daneben, aber hey, who cares?

Gould, Glenn
sass am Piano wie nasser Sack, als hätte er gar kein Rückgrat. Wohl der erste wirbellose Pianist der Welt. Hat sich beim Spielen röntgen lassen und war frech zu Leuten von der Presse. Geübt hat er immer beim Staubsaugen oder Fersehgucken. Gut, dass er dann nur noch auf Schallplatte rauskam.

Rubinstein, Artur
ja, die alte Charme-Beule! Genauso hübsch anzusehen wie Horowitz, hat aber weniger daneben gelangt. Dafür hat er zu soft gespielt, aber das war vielleicht, weil der Man zu wenig geschwitzt hat an den Händen. Die hat er sich immer mit Sprühklebe eingeschmiert, damit er nicht immer von den Tasten weggerutscht ist. Also ehrlich, was soll man da noch drüber sagen...

Benedetti Michelangeli, Arturo
Naja, nun, der hat halt das nicht so gehabt mit Humor. Und mit Poesie auch weniger. Und technisch, also da weiss ich auch nicht so richtig. Aber spitzenmäßige Frisur und cooles Schnauzerchen. Und bei dem Namen kommt der eh nicht ins Fegefeuer, kann er auch spielen wie Sau.

Franz, Justus
Bedeutendster Musiker der gesamten Nachkriegszeit. Niemand vor oder nach ihm erreichte eine solche Tiefe insbesondere in der Mozart-Interpretation, auch gab es keinen besseren Dirigenten als ihn, niemals. Sein Genie lässt alle anderen erblassen und neidisch zu ihm, der droben im Olymp unter Göttern sich tummelt, Nektar und Ambrosia schlürft, hinaufblicken. Ohne ihn hätten wir Musik nie als wahre Musik erfahren dürfen. Ach Moment mal, das ist ja gar nicht der Franz, den ich meine, das war ja James Last! Ich Dussel...

Labeque, Katja und Marielle
Also spielen tun die nicht so doll, auch haben die immer so komische Stücke. Naja, halt vierhändig. Aber die guck ich so gern an im Fernsehen!

Argerich, Martha
Die Matha Hari der Pianistinnen. Eiskalt berechnend erledigt sie einen feindlichen Dirigenten nach dem anderen, besonders im Gespann mit Komplizen wie Kremer und Maisky. Sehen Sie sich vor vor der!

Gulda, Friedrich
Zu Lebzeiten mehrfach zum Sexiest Man Alive gewählt, wird ihm dieser Titel nunmehr nur noch vom nekrophilen Pianisten Fanclub verliehen. Sein Style war einzigartig, fantastisches Modebewusstsein zeichnete ihn vor allen anderen aus. Gespielt hat er natürlich miserabel.

Brendel, Alfred
Ein Magier. Er beherrscht die Kunst, den Zuhörer durch seine Flaschenboden-Brillengläser derart hypnotisierend anzuschauen, dass niemand mehr merkt, dass der Brendel dadurch ständig danebenlangt und sowieso alles nur langsam und fade spielt. Ich sage, der spielt gar nicht selber, sondern hat einen mp3-Player im Flügel, der auf Pedaldruck dann spielt. Der Mann hat immerhin Zeit, auch noch schlechte Gedichte zu schreiben (oder gibts da einen Ghostwriter??). Wer so wenig übt, der kann halt nicht mehr spielen, zumindest nicht gut. Aber ein schmuckes Kerlchen ist er. Früher war er oft mit Horowitz und Gulda zusammen, die drei nannte man das "Rat Pack".

Richter, Swjatoslaw (Mensch, wasn Vorname)
Der Gegenspieler von Martha Argerich beim KGB. Fotografisches Gedächtnis, Top-Kondition, Pokerface, kurz:einer der Top-Agenten! Klavierspielen hätte er allerdings nicht müssen...

Schulz, Kevin
Guter Anschlag, gutes Notenlesen in Violin- und Bassschlüssel, tadellose Handhaltung, gutes Ohr. Dafür dass ich den Schüler erst zwei Jahre habe, ist der doch schon ganz gut geworden, spielt mühelos im Fünffingerraum einige Stücke der Russischen Klavierschule. Tonleitern muss er natürlich auch üben, aber da drückt er sich immer, der faule Sack. Nur weil er erst 5 ist kann er sich doch trotzdem mal anstrengen, oder? Aber aus dem wird schon noch was. Mit viel Geduld und regelmäßigen Schlägen ins Genick ist noch jeder mit dem Czerny fertig geworden.

Lang, Lang und länger
Schlitzohriges Schlitzauge, unterwandert nach und nach als gelbe Gefahr die Konzertsäle des Abendlandes, ab und an mit einem Ahnen an der Rosshaarfiedel im Schlepptau. Dem trauen Sie mal lieber nicht.

Cziffra, György
Der Beweis, dass man mit gebrochenen Pfoten auch nicht schlechter spielt als vorher.
satie (22.11.2006, 19:13):
Auf Wunsch des verehrten Lazarus Long wollen wir also einige grundlegende Hilfestellungen beim Werdegang zum professionellen Klassikliebhaber bieten, insbesondere zur Frage:
Welche Art von Klasikfreund bin ich?

In der Literatur findet sich bisher keine systematische Aufstellung solcher Typen, daher ist es uns eine Freude, hier endlich diese Lücke zu schließen und auch dieses Thema bei der Wurzel zu packen.

Der Anfänger
Dieser Typus ist scheu, will aber um jeden Preis verbergen, dass er absolut keine Ahnung von der Materie hat. Meist sind solche Leute sehr raffiniert und kaschieren Ihr Unwissen durch geschliffene Formulierungen. Sie würden niemalssagen: "Was ist denn nun mit diesem Mozart oder wie der heisst? Hat der irgendwie goldene Eier gelegt oder was?"
Nein, sie würden eher sagen: "Ein Mysterium wie Wolfgang Amadeus Mozart wird sich auch dem profundesten Kenner der Materie nicht ganz erschließen können." Natürlich vermeidet der Anfänger um jeden Preis, zu konkreten Werken oder biografischen Details eines Komponisten einen Kommentar abzugeben. Er bleibt so weit an der Oberfläche, wie es sein mangelnder Wissensstand erfordert. In der Regel kennt er nur ein paar Namen von wichtigen Komponisten, mehr steht ihm an Wissen nicht zur Verfügung. Kein Werk hat er je wirklich gehört, auch hat er keine Ahnung von stilistischen Dingen oder sonstigen musikalischen Zusammenhängen. Diese Stufe ist leicht zu erreichen und erfordert kaum Training, abgesehen von den sprachlichen Tricks.

Der Kopist
Er hat keine eigene Meinung, auch klingen für ihn Brahms und Ligeti genau gleich, Flöte und Pauke kann er nicht nach der Klangfarbe unterscheiden. Der Kopist ist dem Anfänger insofern unterlegen, als er noch nicht einmal sprachliche Finessen vorweisen kann. Daher sucht sich der Kopist irgendwelche Kritiken und Rezensionen zusammen (bevorzugt aus fremdsprachigen Quellen), die er dann irgendwie neu zusammenmontiert und als sein geistiges Eigentum verkauft. Da sich niemand die Mühe macht, in Rezensionen oder Kritiken nachzuforschen belibt der Kopist oft bis ans Lebensende getarnt, mitunter wird er selbst Kritiker bei der Zeitung. Dem Kopisten kann man nur so auf die Schliche kommen: Man telefoniert mit ihm und fragt ihn ausgiebig, woher er denn das Heraklit-Zitat mit Bogen und Leier habe, welches er zu Schumanns Op. 1 als Leitmotiv in seiner neuesten Rezension benutzt habe. Wenn am anderen Ende zunächst nervöses Hüsteln, dann aufgeregtes Durchblättern von Zeitungen und Lexika zu hören ist, kann man davon ausgehen, dem Kopisten auf die Schliche gekommen zu sein. Manchen Kopisten unterlaufen auch hie und da Fehler, wenn sie unter Druck gesetzt werden. Im obigen Fall etwa könnte es vorkommen, dass der Kopist sich verrät, indem er antwortet: der Zusammenhang zwischen Herakles und Schubert erklärt sich doch von selbst.

Der Phantast
Auch er hat überhaupt keine Ahnung, ist aber unfähig, gut zu formulieren und zum Kopieren zu faul. Er faselt also einfach nur irgendwelches Zeug mit vorwiegend emotionalem Charakter. Egal worum es geht, er wird sagen:"Diese Dichte geht mir so nahe, da kann ich nicht mehr denken, das ist so, als ob man mit Fieber aufwacht und nicht weiss was geschehen ist. Aber großartig, einfach unerreicht, vielleicht manchmal fast zu viel Dichte, wo das doch schon so tief und dicht ist die ganze Zeit. Das ist so schwer zu fassen, dese tiefe Dichte und dichte Tiefe, die da schon innen so mitatmet."
Den Phantasten erkennen Sie relativ schnell, da niemand auf das eingehen wird, was er sagt.

Der Buchhalter
Dieser Typus verlangt zumindest nach einigen Büchern oder anderen brauchbaren Quellen, die auch gelesen werden müssen. Der Buchhalter sieht die Zahl als wesentliche Information an. Wenn er spricht, wird es in etwa so sein:
"Franz Karl Wilhelm Rübenhauser wurde 1739 als vierter Sohn des Ehepaares Reinhuld Ingeborg Klara Hildegard und Ignaz Max Johannes Nepomuk Ferdinand Rübenhauser (der Jüngere) um 7 Uhr 23 MEZ im 1537 erbauten und von Hans Strunk von 1724 bis 1768 als Chefarzt geleiteten Stiftshospital der barmherzigen Schwestern als Steissgeburt zur Welt gebracht von einer Hebamme mit Namen Hilde Kromm, welche aus einem naheliegenden Ort Namens Unterhinternebenhofen (exakt 12,347 KM nördlich von seiner Geburtsstadt entfernt) stammte und zum Zeitpunkt der Geburt des Frank Karl Wilhelm Rübenhauser selbst zwei Kinder (4 und 7 Jahre alt) hatte, die allerdings beide später (im Alter von 35 bzw. 46 Jahren) an Leukämie sterben sollten, nachdem sie in der Nachbargemeinde Zwatzenhausen im Klosterhospiz zu St. Ephraim von den Brüdern Josephus (1712-1779) und Berhanrdus (lebensdaten unbekannt!) behandelt worden waren mit Aderlässen (7 Behandlungen) und Kneipp-Bädern (5 mal wöchentlich, jeweils nach dem Frühstück, welches um 7 Uhr eingenommen wurde, nach dem Morgengebet um 6 Uhr), ohne dass diese eine Wirkung zeigten, obwohl die Statistiken der damaligen Zeit eindeutig belegen, dass die Heilungschancen bei mindestens 53 Prozent lagen (s. dazu medizinisches Journal der Universität zu Zwatzenhausen vom 19. Februar 1798)."

Und so weiter und so weiter. Wenn es um konkrete Musikstücke geht, wird der Buchhalter diese so beschreiben:
"Die Exposition, welche beim Sonatensatz an erster Stelle kommt (es sei denn, ihr ist noch eine (meist langsame) Einleitung vorangestellt) ist bei Beethoven (welcher insgesamt 157 Sonatensätze in fertigen Werken und weitere 2345 in Skizzen geschrieben hatte) genau 147 Takte (Viervierteltakte) lang. Das Tempo ist mit Allegro angegeben, also zwischen MM=100 und MM=120 anzusetzen, womit diese Exposition also zwischen 2,37 und 4,56 Minuten dauert (unter Annahme, dass das Tempo konsequent gehalten wird). In der Exposition finden sich 345 Viertelnoten, 4567 Achtel und 17645 Sechzehntelnoten und 5 Triolenachtel (Auftakt mitgezählt). Der Ton c kommt 35462 mal vor, der Ton d 374625 mal, der Ton e 25346 mal,........." (etc. ad infinitum)
Den Buchhalter erkennt man daran, dass er, wenn man ih nach der Kernaussage des Gesagten fragt zur Toilette eilt und nach ca. 20 Minuten mit einer errechneten Quersumme wiederkommt.

Der versehentliche Klassikliebhaber
Immer wieder kommt es vor, dass Menschen in den Kreis der Klassikfreunde geraten, die dort gar nichts zu suchen haben und auch nicht hinwollten. Erst spät bemerken sie erst ihren Irrtum. So kann es etwa geschehen, dass ein eigentlicher Fussballfan sich so zu erkennen gibt:
"Das kann doch wohl nicht wahr sein! Da hat doch die Kuh in der 44. Minute das C nicht halten können! Applaus für die Gegenmannschaft und der Dirigent gab natürlich kein Foul, der Trottel, nicht mal ne Gelbe gabs! Die Hooligans sind voll ausgeflippt und haben auch noch Verlängerung gewollt, da hat die dann das C nochmal nicht halten können und ist ausgedribbelt worden. Keine Chance! Und dann fürn Stehplatz Fuffzig Euro, Bier und Würstchen gabs auch nich."

Der Herrgott
Er ist das Sahnehäubchen unter den Klassikliebhabern, und jeder ambitionierte Anfänger sollte versuchen, ein solcher Herrgott zu werden. Dieser hat tatsächlich eine gewisse Sachkenntnis. Zwar nicht von der Musik oder den Komponisten, aber er besitzt tonnenweise CDs (sonst gar nichts, auch ist er generell eher technikfeindlich). Von diesen CDs fertigt der Herrgott eine Datenbank oder besser: ein Haushaltsbuch an, in dem er verzeichnet, wann die CD gekauft wurde, wie teuer sie war, in welchem Regal sie steht und wer spielt. Manchmal auch Gewicht, Farbe des Booklets und anderes. Das ist das Potenzial des Herrgotts, denn er ist der Allwissende, dem nichts entgeht. Er kann sofort sagen: "Die Aufnahme mit Karajan am Bass und Argerich an der Harfe unter Leitung von Konsalik aus dem Jahre 46 (bei Moneta als Neuauflage der alten Mammon-Schellack herausgekommen, Japanpressung, Vierfarbbooklet auf Bütten) ist die beste Aufnahme dieses Werks." Und dann wird systematisch nach unten weitergearbeitet: "Dieser beinahe ebenbürtig ist die 57 erschienene aber leider vergriffene Einspielung der Leningrader Symphoniker unter Grzimek, die vom interpretatorischen Ansatz her aber zurückhaltender ist."
Wichtig ist hier, über Interpretation kaum zu sprechen, und wenn, dann nur in Phrasen wie "das ist die einzige überzeugende Einspielung" oder "der Dirigent hat den Notentext genau studiert". Entscheidend sind die Daten zu den Aufnahmen, nichts weiter. Es gilt: je rarer die Aufnahme, desto besser (da niemand diese Aufnahme dann kennen wird). Rare Aufnahmen findet man anhand folgender Kriterien:
-sie liegen verstaubt in einer Ecke in der Besenkammer des Musikalienhändlers
- sie klingen furchtbar, knacken und rauschen immer
- sie sind auf Schallplatte (das sind größe, schwarze Scheiben, welche die Höhlenmenschen zur Musikaufzeichnung benutzten)

FORTSETZUNG FOLGT
satie (22.11.2006, 23:09):
Welche Art von Klassikfreund bin ich? Part 2

Der Schüchterne
Ihn zeichnet aus, dass er jeweils bevor er zum eigentlichen Gegenstand seiner Frage kommt (Antworten hat er keine) sich derart im Gestrüpp der Fragestellung verheddert, dass ihn bereits eine Antwort überrollt, bevor er das Wesentliche auf den Punkt gebracht hat. Etwa: "Ich bin ja nun mit den Werken von Beethoven noch nicht so sehr vertraut, naja, ich hab zwar da so eine Box mit den Symphonien und den Klavierkonzerten, ganz ordentliche Aufnahmen, finde ich, und die höre ich ja nun, äh, auch ganz gern mal, also, äh, so zum Frühstück, wenn ich dann mal nen schönen Earl Grey gemacht hab und dann noch dazu komm, also da hab ich mich jetzt halt gefragt, ob nun bei den Streichquartetten, wenn ich die mal jetzt, äh, so pauschal nennen kann, also da hab ich mir nicht ganz erklären können, wie das nun hier, äh,..." Spätestens dann wird er schon längst von einem Herrgott (s. vorheriger Beitrag), einem Kopisten oder Buchhalter (ebenda) übertönt worden sein. Meistens halten sich die Schüchternen nicht lange.

Der Choleriker
Er findet grundsätzlich so viel Missfallen an Musik und Musikindustrie, dass es ihm schon lange nicht mehr um die Musik geht, sondern nur noch um die Schweine, die sie verkaufen und spielen. Wo er spricht, wächst kein Gras mehr:
"Da hab ich doch heute von diesem verfluchten Mistlabel schon wieder ne Neunte von Beethoven gesehen, die müssen ja die Kuh melken, solange sie noch nicht ganz verwest ist, diese Krämerseelen, diese erbärmlichen. Denen sollte man mal den ganzen Vivaldi, den sie so rausbringen einfach in den Hintern schieben und dann mal schauen, ob aus dem Gierschlund dann auch Goldstücke rauskommen! Die rauch ich doch in der Pfeife, dies miesen, armseligen, elenden, Armani-Anzug-tragenden, pomadierten, Havanna paffenden, gelackten, stinkenden hrvxzfr+*#§%!!!!!!!!!!!"
Der Choleriker hat zwar den Vorteil, dass er frisch von der Leber weg sprechen kann, sogar wenn es um interpretationen geht ("Der Arrau soll doch zurück zu seiner Baustelle in Italien und sich da mal seinen Liszt vom Polier mit dem Stahlträger einhämmern lassen. Vielleicht lernt er ja dann endlich mal was, der!"). Allerdings verunmöglicht der Choleriker durch seine aufbrausende Art den echten Dialog ("Der kann doch einfach überhaupt nichts, der Sack, der liegt immer an der russischen Riviera am Strand statt mal am Instrument zu sitzen!" - "Also, verzeihung, aber so kann man das doch nun auch wieder nicht..." - "Hast Du mich grad Vollidiot genannt???? Willst Du mich provozieren, Du alter, mickriger, widerlicher...(Rest zensiert)...."

Der Esoteriker
Er kann beim besten Willen nicht anders, als hinter allem eine mystische Kraft zu vermuten, ganz egal, wie banal der thematische Zusammenhang des Gesprächs gerade ist.
A: "Ich frage mich, ob das eine kluge Labelpolitik ist, jetzt diese Renaissance-Reihe so spottbillig auf den Markt zu bringen"
Esoteriker: "Du, das Label, das will uns doch damit, nur was rüberbringen, weisst Du, das will nur mal umarmt werden. Wir sind ja hier nicht allein im Universum, nä, da müssen wir das Label nun schon auch mal in den Arm nehmen und sich mal als in den Makrokosmos eingebettet fühlen lassen...."
B: "Natürlich werden die diese billigen Preise nicht halten können, aber was wollen die denn machen, wenn jetzt Universal die ganzen Kunden wegschnappt?"
Esoteriker: "Aber wir sind doch alle zusammen das Universum, Du. Das müssen wir halt jetzt nur mal wieder so auf ner tieferen Ebene wieder mal spüren. Komm, jetzt atmen wir mal tief ein und machen dazu das Mudra der Erleuchtung, nä, und dann will ich jetzt mal von Dir n schönes Om hören, Du, hast ja schon ne ganz verbeulte Aura..."

Der Negationsfetischist
Er hat nur eine Strategie: er verneint alles immer. Daher kann er niemals ein Gespräch beginnen, sondern wartet begierig auf irgendeinen Beitrag.
A: "Ich habe heute eine neue CD geschickt bekommen mit Haydn Klaviersonaten und Paurizio Mollini. Nach einem ersten Hören muss ich sagen, ich bin sehr angetan."
Negationsfetischist:"Ich bin der Meinung, dass die CD viel zu schnell die Schallplatte abgelöst hat. Natürlich ist Haydn völlig überschätzt, und dieser Mollini hat mir noch nie gefallen."
B: "Da kann ich mich nur anschließen. Ich finde auch, dass Mollini gar nicht so toll spielt. Haydn hab ich persönlich auch nicht so gern, und meine Vinyls ziehe ich der CD noch immer vor."
Negat.Fet.:"Das kann ja wohl nicht ernst gemeint sein! Die CD ist der Schallplatte doch meilenweit überlegen in der Klangqualität, und gerade wenn man einen so großartigen Komponisten wie Haydn zumal in der hochlarätigen Interpretation von Mollini hört ist das doch wohl entscheidend!"
Auf diese Weise verwirrt der Negationsfetischist gekonnt sein gesamtes Umfeld. Er gehört zur Gruppe der raffinierteren Klassikfreunde (Feinde?).

Der Humorist
Er versucht ständig, das ernste Gerede durch Scherze und lustigeBemerkungen aller Art aufzulockern. Seine Sätze sind von dieser Art:
"Die Klafünfmusik, äh, hähähähähä, KlaVIERmusik natürlich von Handschumann ihihihi, hört man und natürlich auch Frau hahaha, nicht so oft wie die von von Schulöffelbert ohohoho, so wie man die Saupone uuuuuuuuuhuhuhuhu, äh, Posaune, also die hat jetzt nichts mit dem Po zu tun, hahaha, nicht so oft hört wie das Einhorn AAAAAAAHAHAHA, äh, Waldhorn, nä, so zum Bleistift uhuhu, so Hornkonzert von Vogel Strauss (KREISCH) äh, natürlich Richars Strauss....."
Der Humorist hat in der Regel sehr wenige Freunde im Kreise der Klassikliebhaber und wird in aller Regel nach angeregten Gesprächen geteert und gefedert. Wenn er dann immer noch von Schafotten, Flockblöten und Tomatensatz erzählt, kann er Gefahr laufen, in Beton gegossen auf dem Meeresgrund versenkt zu werden.


S A T I E (Was wollt ihr denn mit dem Beton, bitte?)
satie (23.11.2006, 07:42):
Original von Gamaheh
Nein, nein, lieber Satie, noch wirst Du nicht in Beton gegossen - erst, wenn Du den Kleinen Musikfreund drohst beendet zu haben! Was das heißt, ist evident. Aber es ist schon ein böses Spiel, das Du hier mit uns treibst: Wer würde sich nicht in einer, mehreren oder gar allen Kategorien der Klassikfreunde wiedererkennen! Schon frage ich mich: Kann ich das so schreiben? Entlarve ich mich nicht gerade als dieser oder jener Typ?

Späte Grüße,
Gamaheh

P.S.: Welches Heraklit-Zitat ist gemeint?

Liebe Gamaheh,
Du passt doch nicht so einfach in eine dieser Schubladen! Und falls doch: all diese Kategorien sind ja nun durch mich endlich legitimiert worden, daher kann man sich beliebig eine davon aussuchen.
Was das Heraklit-Zitat betrifft:
"Sie verstehen nicht, wie das eine auseinanderstrebend ineinanderstrebt, wie gegeneinanderstrebend sich Bogen und Leier verbinden." - Fragmente, B 51
(Das würde vielleicht tatsächlich auch zu Schumann passen)

Mit philosophischem Gruß,
S A T I E
satie (23.11.2006, 07:48):
Original von LazarusLong
Der Dilletant verneigt sich in Ehrfurcht vor dem Könner. Neidlos, ohne schlechte Gefühle, da sowieso unerreichbar, aber voller Vorfreude auf den nächsten Beitrag.

Im Moment überlege ich noch, ob ich mich outen soll. In der einen oder anderen Kategorie habe ich mich doch wiedererkannt, :(wenn auch nicht ganz reinrassig.


Zu viel der Ehre, lieber Frank, aber ich danke sehr. Outen würde ich mich ja lieber nicht. Du gehörst zwar immerhin nicht zu den Buchhaltern, leider aber auch nicht zu den Herrgöttern, daher kann es gefährlich enden, wenn man zu viel von sich preisgibt!

Bei dem lateinischen Satz kann ich leider nicht weiterhelfen, aber es müsste "te" heissen und nicht "ti", wenn ich nicht irre. In Abwandlung von "morituri te salutant" habe ich sonst spontan den Eindruck, das müsste stimmen. Aber in Latein hatte ich immer einen Fensterplatz. Tja.

Herzlichst

S A T I E
satie (23.11.2006, 12:07):
Instrumentenkunde, Teil 2
Blasinstrumente

Nachdem bereits das Orchester eingehend behandelt wurde, bietet sich nun eine tiefere Betrachtung der Blasinstrumente an.
Zunächst wollen wir die historische Entwicklung dieser Instrumente verfolgen. Die ersten Blasinstrumente waren Knochen und Hörner. Die Knochen, meist von feindlichen Höhlenmenschen stammend, wurden an den Enden abgeschnitten, worauf der Neandertaler das Mark heraussaugte. Man kann sich schon vorstellen, dass dabei irgendwann eines der unangenehmen Geräusche entstand, die auch heute den Blasinstrumenten noch eigen sind. Die Hörner wurden in der Frühzeit noch am Kopf des Bisons befestigt gespielt, bis man praktischere Handhabungen in Erwägung zog und schließlich das Horn vom Schädel entfernte. Eine weitere Verbesserung dieses Vorgangs wurde dadurch erreicht, dass das Bison erst getötet wurde, bevor man das Horn entfernte. Durch diesen letzten Schritt sank die Sterberate der frühen Hornisten drastisch.
Später wurden Flöten aber nicht mehr nur aus Knochen hergestellt, sondern auch aus Holz. Die Panflöte, eines der gefährlichsten und am schlechtesten klingenden Instrumente überhaupt, diente ursprünglich gar nicht der Musikerzeugung (wen wunderts?), sondern als Auslosungsmittel für Menschenopfer. Wer das kürzeste Rohr zog, musste sich schlachten lassen. Die blutige Geschichte dieses Instruments schwebt auch heute noch in jeder schrillen Note mit, die dieses Gerät verursacht.
Bei den Hörnern trat der Wandel erst durch Intervention der Tierschutzvereinigungen ein, welche das vom aussterben bedrohte Bison schützen wollte. Wie so oft wurde dadurch alles nur noch schlimmer: die Hörner wurden nun aus Metall hergestellt, wodurch sie noch brutaler und dumpfer klangen als vorher. Etliche Versuche, den unsäglichen Klang dieser Instrumente zu verbessern führten zu diversen Abwandlungen des Horns in Form von Trompeten, Posaunen und Tuben, die trotz des bei weitem noch kläglicheren Klangs bis heute nicht aus den Orchestern verschwunden sind. Diese Blechblasinstrumente (diese gängige Bezeichnung ist eine bei weitem zu schöngeistige, verniedlichende, dem Klang dieser durch Mark und Bein sich brennenden Monstren nicht angemessene) werden entsprechend nur bei Trauermärschen, Wahnsinnsszenen und Darstellungen historischer Schlachten benutzt.
Das moderne Horn hat einen Umfang von etwa drei sich geringfügig in der Tonhöhe unterscheidenden Geräuschen. Es ist das einzige Blasinstrument, welches von Einarmigen bedient werden kann. Einige exotischere Blasinstrumente sind etwa der Dudelsack (Nomen est Omen), welcher aus einem Sack besteht, in den man eine Katze gestopft hat. Durch kräftiges zudrücken des Sacks an verschiedenen Stellen erzeugt die Katze mehr oder weniger jämmerliche Jaultöne, die diesem Instrument die charakteristische Klangfarbe verleihen. Ein modernes Instrument ist die Klarinette, welche aus der Staubsauger-Industrie stammt und ursprünglich als Spezialaufsatz zur Reinigung von Sofaritzen konzipiert war. Doch selbst dafür war sie nicht geeignet...
Das Fagott (english: svw. Homosexueller) wird aufgrund seines Namens immer wieder falsch benutzt und muss regelmäßig von Proktologen aus der Klemme gerettet werden. Der Klang des Instruments erklärt sich weitgehend aus eben dieser Fehlbenutzung. Gespielt wird es aber dennoch mit dem Mund!
Manche Blasinstrumente wie Serpent, Schalmei, Krummhorn, Zinke sind gottseidank ein für allemal ausgestorben.
Die Beliebtheit der Blasinstrumente in der volkstümlichen Musik zeigt ganz deutlich, auf welchem Niveau diese zu Hause sind. Es ist an der Zeit für eine Petition, in der gefordert wird, diese unsäglichen Maschinen ganz und gar dem Kosmos von Karl Moik, Zillertaler Schürzenjägern und Herzbuben einzuverleiben und damit den Konzertsälen ein für allemal fernzuhalten.

Wir werden die Instrumentenkunde in Bälde fortsetzen mit den Tasteninstrumenten.



S A T I E
satie (23.11.2006, 17:16):
Ich sehe schon, was ich mir hier eingebrockt habe. Ob ich das schaffe? Na, versuchen kann ich es ja, und wenn ich mir die Nächte noch mehr als sonst um die Ohren schlagen muss. Eigentlich sollte ich auch immer noch ca. 10 nheue Beiträge in der Schublade haben, falls ich eines Tages nach dem 94756. Beitrag einen Schreibstau haben sollte...
Werte Damen! Seid gnädig mit mir armem Wurm, der ich doch nur ein kleines Handbuchschreiben will hier...

Untertänigst flehend und diverse Füße küssend

S A T I E
satie (23.11.2006, 20:00):
Instrumentenkunde - Teil 3
Tasteninstrumente

Nachdem wir die unangenhmsten Instrumente der Welt, die Bläser, ausführlich behandelt haben, wollen wir nun weitergehen und uns den Tasteninstrumenten widmen. Auch hier wollen wir historisch vorgehen.
Der Vorläufer aller Tasteninstrumente ist die Schreibmaschine. Diese ist klanglich aber derart dürftig, dass sich Verbesserungen notwendigerweise ergaben. Der direkte Nachfolger der Schreibmaschine ist das Clavichord. Dieses verzichtet erstmals vollständig auf Farbband und Glocke für das Zeilenendensignal. Im Grunde ist das Clavichord ein Holzkasten mit Schnüren. Es kann leicht selbst gebastelt werden (bei Ikea gibt es spottbillige Bausätze, Modell clavkördenströmsen, im SB Regal a23 zu finden, jetzt zum Aktionspreis von 13,99 Euro inkl. einer Großpackung Köttbullar. Angebot gilt nur noch bis 24. Dezember!). Die Schnüre werden beim Clavichord von kleinen Beilchen durchgehackt, die durch die Tasten bedient werden. Alle Töne klingen gleich (ein trockenes "Kapock" ist jeweils zu hören).
Da das andauernde Neuverknüpfen der Fäden enorm Zeitaufwändig war, erfand man später das Cambalo, welches auch mit der Nähmaschine verwandt ist. Das Cembalo wurde schon in Flügelform gebaut, kann aber nicht fliegen, selbst dann nicht, wenn ein zweites Cembalo daneben gestellt wird. Bereits Leonardo Da Vinci versuchte vergeblich, Cembali in die Luft zu bringen. Die einzig funktionierende Methode ist aber das Befüllen des Instruments mit Helium oder aber ein reiner Fallflug aus ausreichender Höhe. Beim Aufschlag auf den Boden erzeugt das Cembalo seinen charakteristischen Klang, ein schepperndes "kratschurrrpf" mit wenig Nachhall. Um diesem Klang mehr Volumen zu geben wurde schließlich der moderne Flügel erschaffen. Dieser Schritt führte über das Hammerklavier, welches genau wie ein Cembalo aussah, aber mit großen Metallhämmern bespielt wurde, bis es in sich zusammenbrach.
Der moderne Flügel ist ein fast mit dem Cembalo identischer Kasten, der teilweise mit Metall übergossen wird. Der Flügel hat eine große Türe, hinter der sich die hässlichen Innereien dieses grausamen Instruments verbergen. Berühmte Chirurgen wie Cage, Bussotti oder Stockhausen führten Operationen am offenen Klavier durch, allerdings überlebten die Instrumente diese Eingriffe nicht. Das Klavier ist zum Spielen relativ schlecht geeignet, da es einfach zu groß ist. Es liegt schlecht in der Hand und ist nicht portabel genug, um in der heutigen Zeit noch lange bestehen zu können. Es wird in gewöhnlichen Haushalten aber gerne als nostalgischer Blickfang mit der Funktion einer Minibar, eines Esstisches oder eines Meerschweinchengeheges benutzt.
Gelegentlich ist es notwendig, dass sich ein sogenannter Stimmer um das Klavier kümmert. Dieser prüft die Funktionstüchtigkeit der Schalldämpfer, Zeitzünder und Tretminen im inneren des Instruments. Daher ist der Raum während des Stimmens unbedingt zu verlassen (lediglich früher hatte man in aristokratischen Kreisen Freude daran, während des gefährlichen Stimmvorgangs im Raum zu verbleiben. Die damals üblichen Instrumente nannten sich denn auch "Russisches Spinett").

Die Königin der Instrumente: Die Orgel
Sie wird als Königin der Instrumente bezeichnet, weil ihre Hässlichkeit unünertrefflich ist. Sie ist ein Koloss, den man meistens in Kirchen eingebaut hat,damit man direkt am Ort des Schreckens auf göttlichen Beistand zählen konnte. Dieses Instrument ist in seiner Eigenschaft as Tasteninstrument schon ein wahrer Albtraum, doch ist die Orgel gleichermaßen noch ein Blasinstrument, also an Widerwärtigkeit nicht mehr steigerbar. Die Orgel wird sowohl mit den Händen als auch den Füßen, Augen , Ohren, Knien, dem Gesäß und dem Hinterkopf gespielt, wenn auch selten gleichzeitig. Der große Vorteil der Orgel ist der, dass durch sie der ganze Raum konsequent staubfrei gehalten wird, da die Orgel mit ihrem Gebläse und ihren dröhnenden Frequenzen den Staub direkt nach aussen befördert. Allerdings bietet sich die Orgel nicht für Zweiraumwohnungen an, da sie diese komplett ausfüllen würde. Sollten Sie sich für die Anschaffung einer Orgel interessieren, müssen mindestens 300 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen. Auch ist es zwingend erforderlich, bei historischen Instrumenten einen Balgtreter einzustellen, der natürlich einen eigenen Raum benötigt (durch Intervention von Amnesty International ist es nicht mehr gestattet, den Balgtreter direkt in der Orgel einzuquartieren, was wir zwar für eine penible Kleinlichkeit halten, aber Gesetz ist Gesetz...).

Zu erwähnen ist auch das Akkordeon, welches auch als Taschenorgel bekannt ist. Man kann es bequem überall mit hinnehmen, wenn das auch nirgends gerne gesehen wird. Das Akkordeon ist direkt aus dem Expander, einem Sportgerät mit zwei starken Gummischnüren und zwei Haltegriffen, entwickelt worden. Es dient keinerlei musikalischem Zweck, sondern allein der Leibesertüchtigung. Daher sieht man sehr oft bullige, aus dem Osten stammende Akkordeonspieler, die mit ihrem grimmen Blick ihr Vorleben als Arbeiter unter Tage erkennen lassen. Dennoch gebührt dem Akkordeon Respekt, ist es doch eines der ältesten Instrumente überhaupt, wie die vielen Falten darauf verraten.*

Die jüngste Entwicklung der Tasteninstrumente ist in den Synthesizern und Keyboards zu sehen, die die Schnüre durch elektronische Kontakte ersetzen. Diese neumodischen Instrumente lassen sich sehr gut transportieren, gut in die Luft schleudern und können bei entsprechender Verstärkung zu guten klanglichen Resultaten beim Aufprall nach Fallflügen aus mäßiger Höhe führen. Dennoch kommen sie nicht an den authentischen Klang der Originalinstrumente heran, besonders nicht, wenn sie entflammt oder mit der Axt gespaltet werden.


*.

Die Instrumentenkunde wird weitergeführt mit den Schlaginstrumenten.

S A T I E
satie (24.11.2006, 08:44):
Original von Gamaheh
Lieber Satie,
wo nimmst Du nur die ganzen fantastischen Ideen her?

Liebe Gamaheh,
um es mit Loriots Worten zu sagen: Ideen braucht nur, wer nichts erlebt.

Als Musiker habe ich in der Praxis genügend Erfahrungen gesammelt, die ich jetzt einfach nur aufschreiben muss. Der Vorschlag mit den Vorträgen hat was. Ich werde das einmal diversen Volkshochschulen und Universitäten anbieten. Bei den Universitäten wäre der Nachholbedarf sicher noch dringender...

Herzlichst

S A T I E
satie (24.11.2006, 10:10):
Große Persönlichkeiten der Musikwelt, Teil 2: Dirigenten

Bernstein, Leonard
http://www.thereminvox.com/ezimagecatalogue/catalogue/phpn3FmIv.jpg
Stellte sich gerne als Weiberheld dar (siehe Foto), war aber eigentlich immer nur an den knackigen Konzertmeistern interessiert. Hat gern geraucht und gesoffen. Leider hat er auch komponiert (Teeniemusicals, bei Shakespeare abgekupfert) und eben halt auch noch dirigiert. Frisur war immer 1a. Lennie, rest in peace.

Inbal, Eliahu
http://www.altamusica.com/wpic/inbal.jpg
Das Bild zeigt Inbal, wie er während der Probe Flugversuche unternimmt, statt mit den Musikern zu arbeiten. Seine Dirigiertechnik ist keine, er flattert nur mit den Armen. Sexy man, mehrere Modezaren wollten ihn schon abwerben und als Model anheuern, bislang erfolglos. Leider.

Karajan, Herbert von
http://zelos.zeit.de/bilder/2005/36/aktuell_online/teaser_artikel/karajan2_320.jpg
Das Bild zeigt, wie Karajan aus Versehen zum Dirigenten wurde: seine Bratsche war ihm schlicht aus der Hand geflutscht. Fesches Kerlchen war er, vielleicht ein bissel braun, aber immer tadelloser Haarschnitt und cooles Gruftioutfit.

Maazel, Lorin
http://www.swissinfo.org/xobix_media/images/sri/2005/sriimg20050805_5988435_1.jpg
Vieleicht der beste Dirigent der Welt. Er hasst Musik über alles, macht alle Musiker so zur Sau, dass die noch nicht mal mehr an Falschspielen denken. Keiner hat wie er verstanden, sich Werke, Musiker, Presse und Publikum zu Untertanen zu machen.

Solti, Sir Georg
http://www.arenapal.com/activ/collections/cbarda/1044335s.jpg
Der Beweis, dass die Engländer jeden in den Adelsstand heben...
Tadellose Frisur, gut sitzende dritte Zähne. Solider Mann.

Abbado, Claudio
http://www.libreriadellospettacolo.it/ldsp/ABBADO.JPG
Muss ständig von neuem von den Orchestermusikern im Gebrauch des Stäbchens unterwiesen werden, Frisur mäßig, Kondition mangelhaft, daher war er der ideale Dirigent für die Berliner Philharmoniker, die sowieso nicht auf den Dirigenten achten.

Pretre, Georges
http://www.marcoanelli.com/Acc_05.jpg
Freundlichster Dirigent aller Zeiten, hatte nur leider zu viel Angst vor der Musik und den Musikern.

Celibidache, Sergiu
http://www.invino.ca/Celibidache.jpg
Beste Frisur im ganzen Business. Allerdings zu schläfrig, verschleppte Tempi, ohne sie jemals wieder herauszurücken.

Nagano, Kent
http://www.canoe.com/divertissement/musique/nouvelles/2006/11/18/kentnagano425.jpg
Wir alle kennen ihn noch als Winnetou an der Seite von Lex Barker als Old Shatterhand. Naja, als arbeitsloser Schauspieler hat er dann halt nehmen müssen, was er kriegen konnte.

Ozawa, Seiji
http://www.k2.dion.ne.jp/~vna.mt/LOVELOG_IMG/ozawa.jpg
Beherrscht als einziger Dirigent das Zählen. Frisurbonus 10.
satie (04.12.2006, 20:31):
Meine lieben Freunde dieses Handbuches,


Ich wollte meinen treuen Lesern nur mitteilen, dass ich den kompletten Text kopiert habe (inklusive aller Einwürfe und Nebensächlichkeiten). Denn wer weiss: vielleicht wird daraus ja doch noch mal was. Ich hatte jedenfalls fest vor, weiterzuschreiben, und ich kann euch allen nur eines anbieten: um mit dabei zu bleiben, schickt mir eine Mail an:
nils.guenther@berlin.de
Ich sammle eure Adressen und schicke euch dann jeweils meinen nächsten Beitrag. Schließlich sollt ihr doch weiterhin etwas haben, was euch den Alltag versüßt!

Herzlich, euer

S A T I E
satie (25.11.2006, 01:28):
Instrumentenkunde - Teil 4
Schlaginstrumente

Die Schlaginstrumente sind die ältesten uns bekannten Instrumente, und auch die einzigen, die immer noch korrekt gespielt werden. Ursprünglich gehörten sämtliche Instrumente zu dieser Gruppe, da man einst alle gleich behandelte: mittels großer Knüppel oder Steine pflegten bereits die Höhlenmenschen auf Geigen, Flöten, Hörner und Synthesizer einzuschlagen, um diesen Instrumenten auf diese Weise Töne zu entlocken. Auch gab es teilweise in der archaischen Zeit noch lebendige Instrumente, etwa Feinde, die mit allerhand spieltechniken zum Klingen gebracht wurden (Speere, die in die Rippen gestoßen wurden, Glühende Kohlen, die man auf die Haut drückte oder auch spitze Steine, mit denen man an allen möglichen Stellen ritzte).
Leider sind heute nur noch die unbelebten Schlaginstrumente erhalten.
Schlagzeuger sind in der Regel muskulös und hässlich, haben halbmondförmige Flecken unter den Achseln und sind deshalb im Orchester immer ganz hinten untergebracht, wo man sie mit Ketten an den Füssen fesselt. Es sind die einzigen Musiker, die keine Noten lesen müssen, sondern einfach zu beliebigen Zeitpunkten auf irgendetwas einschlagen.
Pauken: große Halbkugeln, die innen mit Alkohol gefüllt sind. Gierig auf diesen hochprozentigen Trank schlägt der Schlagzeuger so lange auf die Pauke ein, bis sie endlich einLoch hat. In der Regel sind die modernen Pauken aber so stabil gebaut, dass eine solche Zerstörung nicht möglich ist. Den Schlagzeugern werden daher nach dem Stück die Arme hinter dem Rücken zusammengebunden, damit nicht endlos weitergespielt wird.
Becken: große runde Scheiben auf Metall, die früher als Wurfscheiben (ähnlich den heutigen Frisbees) benutzt wurden. Die korrekte Technik bestand darin, die Wurfscheibe einem feindlichen Nomaden oder einem wilden Tier an den Hals zu schleudern und den Kopf abzutrennen. Heute ist die Spieltechnik nicht mehr üblich. Heute werden in der Regel bereits abgeschlagene Köpfe auf Billigländern benutzt, auf welche die Becken dann gelegt werden. Sie werden dann mit kleinen Hämmerchen angeschlagen, oder aber der Schlagzeuger nimmt zwei solche Becken und versucht, den Kopf dazwischen zu zerquetschen.
Triangel: ein virtuoses Instrument mit erstaunlichem Tonumfang. Nur wenige hervorragende Triangelsolisten finden sich in den Orchestern der Welt. Der Triangel ist eine kleine Metallstange, die während der Aufführung vom Triangelspieler zu einer dreieckigen Form zusammengebogen wird. Unter ständigem Ächzen und Schreien des Spielers wird so der Klang dieses Instruments erzeugt.
Vibraphon: dieses Instrument sieht aus wie ein Xylophon, ist aber aus Metall. Der Schlagzeuger brüllt unter Flüchen so lange einschüchternd auf dieses Instrument ein, bis es vor Angst stark zittert. Daher der Name dieses Instruments.
Vorschlaghammer: dieses feine Instrument erzeugt einen zarten, hohen Klang. Es wird gerne in der Musik der Romantik eingesetzt.
Motorsäge: wird meist in Verbindung mit Möbelstücken vom Sperrmüll benutzt, die unter einem kraftvollen, voluminösen Ton zersägt werden. Eines der lyrischsten Instrumente des Orchesters.
Abbruchbirne: dieses Instrument wird nur bei dramatischen Höhepunkten eingesetzt. Meist wird dabei der Konzertsaal zerstört, auch sterben dabei alle Musiker. Also eines der praktischsten Instrumente überhaupt.
Bratsche: wird am schmalen Griff gefasst und mit Wucht über einen großen Amboss geschlagen, so dass sie zersplittert. Schöner, schlanker Klang.

Wie wird man Schlagzeuger?
Die Ausbildung ist nicht sehr schwer, da die grundlegenden Eigenschaften tief im menschlichen Wesen verankert sind. Man benötigt dazu mindestens einen Arm und eine Hand. Der Arm muss muskulös sein, also bietet sich tägliches Gewichtheben und Boxen am Sandsack an. Die Aggressivität stellt sich meist von alleine ein, spätestens wenn man einem Dirigenten begegnet. Die meisten Schlagzeuger üben daher auch am Instrument, indem sie ein Foto des Dirigenten darauf kleben und dann mit großen Hämmern Zielübungen ausführen, so lange bis das Foto auf doppeltes Volumen geklopft ist. Ein Schlagzeuger muss die Kraftausdrücke aus dem ff beherrschen, dafür muss er keine weiteren sprachlichen Fähigkeiten beweisen. Bei Vorstellungen bei Orchestern sollten Sie die nötigen Dokumente vorlegen können:
a) Liste mit allen durchgeführten Schlägereien der letzten 5 Jahre (mindestens 10 Komplettverwüstungen von Restaurants und Bars sollten verzeichnet sein, denken Sie auch an Referenzen wie Schwerverletzte und Kneipenwirte)
b) psychologisches Gutachten, welches mindestens übersteigerte Gewaltlust und unberechnebare Wutausbrüche bescheinigt, besser aber noch Manische Depressionen oder aggressive Psychosen attestiert
c) ärztliches Zeugnis, welches die Einnahme von Anabolika und Steroiden über einen Zeitraum von wenigstens 10 Jahren bescheinigt
d) logopädisches Gutachten, welches generelle Sprachunfähigkeit bescheinigt
e) beglaubigter Hörtest, welcher eine Hörfähigkeit von allerhöchstens 10% schriftlich attestiert

Damit haben wir die Betrachtungen zur Instrumentenkunde zu Ende gebracht. Wir bitten um Verständnis, dass hier nicht alle Instrumente berücksichtigt werden konnten, etwa die Dunstabzugshaube, der Betonmischer oder auch die Knochensäge.. Wir behalten uns aber vor, in künftigen Auflagen auch diese beliebten Musikinstrumente zu betrachten.
Wenn Ihnen die Ausbildung zum Schlagzeuger zu schwierig ist, können sie alternativ Dirigent werden oder Bratschist.
satie (26.11.2006, 16:43):
Hallo Lisa,
ich freue mich, die Ehre zu haben, Deinen ersten Beitrag veranlasst zu haben. Hast Du eine Verbindung zu Walter, der sich das Konterfei von Bart Simpson als Avatar ausgesucht hat? Er schrieb etwas von seiner Frau Lisa, da bin ich jetzt neugierig.
Was das Rauchen angeht, ja, das ist ein altes Laster von mir, allerdings kein übler Stoff oder so, nur ganz normale Zigaretten. In Ägypten habe ich immer auch Wasserpfeife geraucht, aber hier nicht. Naja, den Tabak brauche ich schon manchmal, aber nicht zum Denken. Ich bin ein Genussraucher, der selten über 10 Zigaretten täglich kommt. Da ich aber neuerdings so ein furchtbares Sodbrennen habe, werde ich das wohl noch mehr reduzieren müssen. Mit Kaffee habe ich jetzt schon aufgehört, was sehr schwer war. Naja, ist nix wenn man alt wird.

Herzlichst

S A T I E
satie (26.11.2006, 22:22):
Große Persönlichkeiten der Musikwelt - Teil 3: Sänger(innen)

Pavarotti, Lutschiano

http://www.rdl.com.lb/1997/1964/44.jpg
Unseren Paparazzi ist es hier gelungen, mit einem weit verbreiteten Vorurteil gegenüber diesem Sänger aufzuräumen, nämlich der Behauptung, er könne nicht gehen. Pavarotti ist einer der größten Sänger der Welt (wenn man den Leibesumfang als Maßstab nimmt). Und er ist auch einer der lautesten, was daran liegt, dass bei ihm sämtliche inneren Organe vergrössert sind, da sie mit dem Magen mithalten wollten. Bei seinem schmucken Aussehen ist es nicht verwunderlich, dass er vor allem Rollen als jugendlicher Liebhaber annimmt, seltener auch Hosenrollen. Stimmlage: Sopran.

Normän, Dschessi

http://chronicle.augusta.com/images/headlines/022399/Jessye_Norman.jpg
In keinster Weise ihrem männlichen Gegenpart Pavarotti unterlegen, der Magen wurde bereits für das Guiness-Buch der Rekorde reserviert (soll nach dem Tod in einen mit Formaldehyd gefüllten Swimming Pool gelegt werden, falls eine ausreichend großer Pool gefunden wird. Nach schweren Phobien vor dem Liftfahren und Drehtüren wird sie nunmehr nur noch direkt mit einem Lastenhelikopter zu den Konzerten eingeflogen. Die Rolle der Carmen wird ihr leider niht mehr angeboten, seit sie bei der letzten Aufführung 5 Toreros und 3 Stiere bei einem Sturz geötet hat. Stimmlage: lyrischer Bass.

Karrieras, Chose

http://content.answers.com/main/content/img/amg/classical_albums/cov200/cl200/l276/l2766945216.jpg
Dieser bemitleidenswerte Sopranino-Bariton hat zeitlebens damit zu tun, Plattencover so gestalten zu lassen, dass man das Kainsmal auf seiner Stirne nicht sehen kann. Singen kann der natürlich gar nicht, so dürr wie der ist. Aber schon Leonard Bernstein sagte ja immer zu ihm: Pass auf, Junge! (engl.: Piss off, boy!).

Domingo, Placebo

http://static.flickr.com/51/116456520_30244394f6.jpg
Nachdem er jetzt im gewaltigen Windschatten von Pavarotti genug Kohle gescheffelt hat, zieht er sich vom Showgeschäft zurückt und wirkt seitdem sehr relaxt und ganz verändert!

Netrebko, Anna

http://www.universal-music.co.jp/classics/artist/anna_netrebko/anna_netrebko_topimage.jpg
Sie hatte kürzlich ihren Auftritt in "Wetten dass?". Sie konnte 1000 Betten von Plattenproduzenten am Liegegefühl erkennen.

Estes, Simon aka Si-Man

http://www.rado.com/public/news_events/simonestes/img_5206low.jpg
Wer könnte ihn seit seiner Leinwandpremiere in "Get rich or die tryin'" jemals wieder vergessen? Seine Songs wie "Fuck you" oder "In da hood", "mothafucka" oder "Shake that ass, babe" haben ihm manchen Grammy eingebracht. Der Mann kann sogar mit einem Hammer umgehen. 20 Bonus-Sympathiepunkte.

Callas, Maria

http://www.mpz.bayern.de/information/02_2006/bilder/callas.jpg
Trug gern komische Mützen. Vor Konzerten musste sie immer im Programmheft nachschauen, ob sie auch wirklich auf die Bühne sollte. Gab sich on stage als Chinesin aus, dabei war sie das Spielzeug von so nem reichen Griechen. Sie bewies, dass man mit Geld, Schmuck und Schminke jedem weismachen kann, man könne singen. Als Sarastro, Porgy und Rigoletto begeisterte sie die Massen.

Caruso, Heinz

http://imagesource.art.com/images/-/Italian-Photographer/Enrico-Caruso-1904-Giclee-Print-C12061847.jpeg
Dick und arrogant genug, um eigentlich ein guter Sängern gewesen zu sein. Hatte den Charme einer auf Hochglanz polierten Dampfwalze, aber wenigstens ist er schon lange tot. Seine Königin der Nacht bleibt unerreicht.
satie (26.11.2006, 23:03):
Original von cellodil
Lieber Satie,

eine grandiose Besetzung für die Muppet-Show... Und so schön p.c....

Und mit der Netrebko-Unterzeile hättest Du bestimmt - falls es den überhaupt noch gibt - ganz gute Chancen auf den "Pascha des Monats"-Award bei Emma. Sollen wir Dich mal vorschlagen?

Grüße

Sabine

Na sicher will ich den Pascha-Award! Da freut sich dann auch meine lesbische Klavierschülerin...
Ich merke allerdings, dass ich wohl bald mal eine kleine Handbuch-Verschnaufpause brauche. Aber keine Sorge! Ich werde schon bald wieder neue hilfreiche Artikel schreiben...

A votre service

S A T I E
satie (30.11.2006, 11:35):
Original von Gamaheh
Lieber Satie,

sehr freundlich, daß Du darauf Rücksicht genommen hast, daß ich einige Tage abwesend war - jetzt könntest Du allerdings gerne weitermachen.

Hast Du eigentlich ein Archiv, aus dem Du schöpfst, oder findest Du diese Bilder und diese Kritiken auf Anhieb?

Apropos Erleben: Flügel im freien Fall, mit Helium gefüllte Cembali???

Allerbeste Grüße,
Gamaheh

Liebe Gamaheh,
ich stöbere einfach bei Google, da finde ich das alles ziemlich schnell. Zum Glück gibt es da ja auch eine Bildersuchfunktion.
Ja, ich werde bald weitermachen, aber ich stecke zur Zeit bis zum Hals in Arbeit... Leider...

Herzliche Grüße

S A T I E
satie (05.12.2006, 20:57):
Original von cellodil
Auch, wenn jetzt wieder alles anders ist (zum Glück), finde ich dieses Angebot wirklich großartig und einfach... Naja. Kurz: You're so sweet!

Grüße und Dank

Sabine

Ich erröte ganz furchtbar und danke herzlichst. Ich bin jetzt allerdings schon sehr froh, dass ich hier weiterschreiben kann, das ist ja auch viel einfacher. Und ich kann euch versichern: demnächst werde ich euch wieder mit Stoff versorgen.

Euer

S A T I E
satie (09.12.2006, 12:21):
JohannSebastian Bach:
Weihnachtsoratorium BWV 248

Dieses Werk von Bach ist eines der längsten Werke, und niemand ist wohl dankbarer, wenn die Aufführung vorbei ist als das arme Hinterteil, darf es sich doch endlich von der harten Kirchenbank erheben. Aber der wahrhaft Gläubige hält das aus. Schließlich geht es doch um unseren Jesus und wie er halt zur Welt gekommen ist. Bei wem anders interessiert uns das ja nen Dreck, aber bei dem erzählt man sich da jedes Jahr wieder von als obs neu wäre. Aber nun gut. Durch die ganze Musikgschichte hindurch hat man dieses Werk völlig falsch verstanden, vor allem den Text, daher wollen wir uns nun daran machen, diesen einmal so zu erläutern, dass ihn auch heutige Menschen wieder so verstehen, wie er gemeint ist.



Erster Teil

Am ersten Weihnachtsfeiertage
Lukas 2, 1 und 3-7

1. Chor

Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage,
Cool, Leute, endlich maln paar Tage frei und genügend Zeit, sich mal ordentlich die Wampe vollzuschlagen und Bier hinter die Binde zu kippen.


2. Rezitativ, Evangelist

Da machte sich auch auf Joseph aus Galiliäa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt David, die da heißet Bethlehem; darum, daß er von den Hause und Geschlechte David war, auf daß er sich shätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte

Naja, die Familie muss man ja nun leider an Weihnachten immer besuchen, ob man will oder nicht, also musste der Joseph da halt auch hin. Und weil die unbedingt seine neue Frau sehen wollten, hat er sie mitgenommen. Allein bleiben konnte die ja nun nicht mehr, denn die war schon ziemlich offensichtlich schwanger. Das musste der Joseph nun erst mal seinen Alten irgendwie schonend beibringen.
5. Choral

Wie soll ich dich empfangen,
Und wie begegn' ich dir?

Naja, dass sich Josephs Eltern auch auf den Treff vorbereiten mussten ist ja klar. Da sieht man die Gören das ganze Jahr nicht, nur an Weihnachten, da kommen sie, meistens auch nur wegen dem Essen. Da ist man dann schon im Vorbereitungsstress, ne, man will ja auch nichts halbbatziges an Weihnachten.

6. Rezitativ, Evangelist

Und sie gebar ihren ersten Sohn, und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippen, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.


Blöd, dass die Maria nun gleich dort geworfen hat! Die hätte warten sollen, bis die wieder zu Hause waren. Aber nun, shit happens. Blöd war an der Sache nur, dass die Schwiegereltern die Maria nun gar nicht leiden konnten, weil das war ja nun doch ein bisschen viel, nä. Und da haben die alten Fieslinge der denn auch das lausigste Bett gegeben, was sie noch im Keller zusammengeklappt rumstehen hatten. Natürlich wird das im Nachhinein immer übertrieben. Also ne Krippe hatten die ja nun gar nicht mehr. Aber was solls.

8. Arie, Bass

Großer Herr, o starker König,
Liebster Heiland, o wie wenig
Achtest du der Erden Pracht!
Der die ganze Welt er hält,
Ihre Pracht und Zier erschaffen,
Muß in harten Krippen schlafen.

Ja, der Jospeh hat natürlich nichts unversucht gelassen und seinem Alten ordentlich Honig ums Maul geschmiert. Aber der hat sich nicht erweichen lassen, das Klappbett in der Besenkammer war alles, was er herausrückte.
Immerhin, der erste Tag war schon mal rum.

Zweiter Teil

Am zweiten Weihnachtsfeiertage
Lukas 2, 8 - 14

12. Choral

Brich an, o schönes Morgenlicht,
Und laß den Himmel tagen!

Nana, ich würde ja nun den Tag nicht vor dem Abend loben, gerade an Weihnachten, nicht?

13. Rezitativ

Evangelist
Und der Engel sprach zu ihnen;

Der Engel
Fürchtet euch nicht, siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volke widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt David.

Tante Frieda war schon meistens ein richtiger Engel, und die schlichtete so manchen Streit, nur musste die immer so unglaublich übertreiben. Die war halt so auf nem Esoteriktrip und meinte gleich, bloß weil jetzt der Kleinling an Heligabend kam, müsste das nun was besseres sein. Genützt hat das auch nicht viel...

15. Arie, Tenor

Eilt, das holde Kind zu sehn.
Geht, die Freude heißt zu schön,
Sucht die Anmut zu gewinnen,
Geht und labet Herz und Sinnen!

Das war ja klar, dass da dann doch die ganze Mischpoche eingeladen werden muss, um das kleine Baby zu betudeln. Zwar Zoff im Haus und alles, ne, aber die Verwandten müssen trotzdem zu Kaffee und Kuchen kommen und dann sagt jeder mal kurz "gutschidutschidudu..." zu dem noch reichlich zerdrückten Winzling, der lieber pennen oder saufen will.

16. Rezitativ, Evangelist

Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippen liegen.

Ja, meine Güte, dass die noch Windeln brauchen und in der Wiege liegen, dass weiss man ja nun. Aber damit selbst der demente Onkel Karl das rafft, braucht er schon Direktiven. Der hat ja nun auch schon Alzheimer seit drei Jahren, und besser wird das mit dem ja nun auch nicht mehr.

17. Choral

Schaut hin, dort liegt im finstern Stall,
Dess' Herrschaft gehet überall.

Stall ist schon ziemlich übertrieben, jetzt haben sie doch schon wenigstens den Keller gekriegt für ihr Klappbett. Und dass son Baby einen den ganzen Tag herumkommandiert, das weiss ja nun jeder, ders erlebt hat.

18. Rezitativ, Bass

Und findet ihr des Höchsten Sohn
In einer harten Krippe liegen,
So singet ihm bei seiner Wiegen
Aus einem süßen Ton
Und mit gesamtem Chor
Dies Lied zur Ruhe vor!

Dabei mögen die Babys das gar nicht, wenn nun alle Tanten und Onkels ums Bett rumstehen und katzenfalsch irgendwelche drögen Schlaflieder singen. Aber da muss man durch, solange man noch nicht widersprechen kann.

20. Rezitativ, Evangelist

Und alsobald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

Dass Tante Frieda ihren ganzen Esoterikclub, die "himmlischen Heerscharen" dahin einladen musste, ist schon übertrieben. Da kommt das Kind ja nie zur Ruhe. Und dann säuseln die immerewig lange rum, wie toll das Kind ist und wie schön und wie rein und wie das Karma noch total gut ist und blablablabla....

22. Rezitativ, Bass

So recht, ihr Engel, jauchzt und singet,
Daß es uns heut so schön gelinget!
Auf denn! wir stimmen mit euch ein,
Uns kann es, so wie euch, erfreun.

Natürlich mussten die dann auch noch was singen für das Kind. Das machen die das ganze Jahr über nur heimlich unter der Dusche, ne, aber an Weihnachten, da müssen die alle zeigen, was fürn Organ sie haben, selbst wenn sie keinen Ton halten können und den Text eh nicht kennen.
Immerhin, auch der zweite Tag geht irgendwann rum.

Dritter Teil

Am dritten Weihnachtsfeiertage
Lukas 2, 15 - 20

24. Chor

Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen,
Laß dir die matten Gesänge gefallen,

Na, so wie der Onkel Paul gestern gesoffen hat, wundert das ja nun niemand. Nur singen muss man dann nicht schon wieder. Immerhin was zum Lachen.


26. Chor

Lasset uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.

Na klar, der dritte Tag auch wieder versaut. Muss natürlich die restliche Verwandtschaft auch noch antanzen.


29. Duett, Sopran und Bass

Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen
Tröstet uns und macht uns frei.
Deine holde Gunst und Liebe,
Deine wundersamen Triebe
Machen deine Vatertreu
Wieder neu.

Natürlich, nach betteln und flehen sieht der alte dann auch endlich ein, dass man sich vielleicht wieder vertragen kann, also wird der Balg jetzt doch ins Gästezimmer umquartiert.

30. Rezitativ, Evangelist

Und sie kamen eilend und funden beide, Mariam und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breitetensie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kind gesaget war. Und alle, für die es kam, wunderten sich der Rede.... Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.

Ja, bei jedem "Wort" des Babys, also Zeug wie "Ölä abrrr" oder "Ögröh" oder was sonst so per Zufall aus der Kehle eines kleinen Viechs entfleucht, flippen die Verwandten total aus und behaupten, Gugudada heisse "Guck mal, Papa" oder noch tiefisnnigeres. Na und die Mama, die findet ja eh alles rührend.

Vierter Teil

Am Feste der Beschneidung Christi
Lukas 2, 21

37. Rezitativ, Evangelist

Und da acht Tage um Waren, daß das Kind beschnitten würde, da ward sein Name genennet Jesus, welcher genennet war von dem Engel, ehe denn er im Mutterleibe empfangen ward.

Nach dem ganzen Weihnachtsstress geht das natürlich weiter so. Nun soll das Kind auch noch beschnitten werden, denn man denkt schon jetzt daran, wie der später mal die Damen beeindrucken soll. Mann, immer dieses neumodische Zeug...

Arioso, Bass

Komm! Ich will dich mit Lust umfassen,
Mein Herze soll dich nimmer lassen,
Ach! So nimm mich zu dir!

Immerhin, die Mama hat den kleinen lieb, das gehört sich ja auch so. Zwar kriegt der später sicher nen Ödipus-Komplex, so wie die übertreibt, aber da mussten wir ja auch alle durch. Und für irgendwas gibts ja Therapeuten.

Rezitativ, Bass

Auch in dem Sterben sollst du mir
Das Allerliebste sein;
In Not, Gefahr und Ungemach
Seh ich dir sehnlischst nach.
Was jagte mir zuletzt der Tod für Grauen ein?
Mein Jesus! Wenn ich sterbe,
So weiß ich, daß ich nick verderbe.
Dein Name steht in mir geschrieben,
Der hat es Todes Furcht vertrieben.

Schuldgefühle sollte man einem Kind natürlich auch früh genug eintrichtern, denn, was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Das typische: "Ich hab Dich zur Welt gebracht, ich hab Dir die Windeln gewechselt, und ich war immer nachsichtig. Und was hab ich nun davon? Ausgezogen bist Du mit 16, hast gleich eine Ausländerin geheiratet und nie mehr angerufen, aber ach, ein Mutterherz erträgt alles geduldig, und an Weihnachten kommst Du immerhin vorbei, weil Du mal wieder ordentlich essen willst."
Und so geht die Litanei dann ewig weiter:

41. Arie, Tenor

Ich will nur dir zu Ehren leben,
Mein Heiland, gib mir Kraft und Mut,
Daß es mein Herz recht eifrig tut!
Stärke mich,
Deine Gnade würdiglich
Und mit Danken zu erherben!

42. Choral

Jesus richte mein Beginnen,
Jesus bleibte stets bei mir,
Jesus zäumte mir die Sinnen,
Jesus sei nur mein Begier,
Jesus sei mir in Gedanken,
Jesu, lasse mich nicht wanken!

Fünfter Teil

Am Sonntage nach Neujahr
Matthäus 2, 1 - 6

50. Rezitativ, Evangelist

Und ließ versammlen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten unter dem Volk und erforschete von ihnen, wo Christus sollte geboren werden.

Natürlich kommen dann auch gleich Versicherungsvertreter und Anlageberater, die die kleine Kuh sofort nach Strich und Faden melken wollen, solange die Eltern noch vom jungen Glück benebelt sind. Da hagelt es Werbepost mit Geschenkchen, und es soll auch sichergestellt werden, dass nur die teure Markenwindel gekauft wird.

Sechster Teil

Am Feste der Erscheinung Christi
Matthäus 2, 7 - 12

54. Chor

Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben,
So gib, daß wir im festen Glauben
Nach deiner Macht und Hülfe sehn.
Wir wollen dir allein vertrauen;
So können wir den scharfen Klauen
Des Feindes unveresehrt entgehn.

Diese ganzen Leute abzuwehren erfordert natürlich ziemliches Durchhaltevermögen, manche Eltern suchen sich dann gleich einen Anwalt oder machen einen Kungfu-Kurs. Irgendwie muss man sich ja wehren.

55. Rezitativ

Ziehet hin und forschet fleißig nach dem Kindlein, und wenn ihr's findet, sagt mir's wieder, daß ich auch komme und es anbete.

Natürlich lassen Nestle und Co nichts unversucht, trotzdem einen kleinen konsumgeilen Erdling heranzuzüchten, was natürlich in wüsten Streit ausarten kann:

56. Rezitativ, Sopran

Du Falscher, suche nur den Herrn zu fällen,
Nimm alle falsche List,
Dem Heiland nachzustellen;
Der, dessen Kraft kein Mensch ermißt,
Belibt doch in sichrer Hand.
Dein Herz, dein falsches Herz ist schon,
Nebst aller seiner List, des Höchsten Sohn,
Den du zu stürzen suchst, sehr wohl bekannt.

Die Sprüche der Werbung sind dann auch immer dieselben:

59. Choral

Ich steh an deiner Krippen hier,
O Jesulein, mein Leben;
Ich komme, bring und schenke dir,
Was du mir hast gegeben.
Nimm hin! es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin,
Und laß dir's wohl gefallen!

Dabei bekommt man für gewöhnlich nur ein paar Pampers zum testen und nen gratis Alete-Löffel, aber verkauft wird einem das so, als hätte man im Lotto gewonnen.
Aber das entlarvtman ja in aller Regel schnell:

64. Choral

Nun seid ihr wohl gerochen
An eurer Feinde Schar,
...
Tod, Teufel, Sünd und Hölle
Sind ganz und gar geschwächt;

Geändert hat sich bis heute also nichts, auch wenn wir die Sprache des Weihnachtsoratoriums vielleicht nicht mehr so gut verstehen können. In diesem Sinne: seid gewappnet und fürchtet euch nicht!

S A T I E
satie (22.12.2006, 19:59):
Liebe Gamaheh, liebes Cellodil,

natürlich wird es weitergehen! Wie könnte ich es wagen, euch alle zu enttäuschen?
Zur Zeit fehlt mir die Muße, hier mit weiteren Beiträgen aufzuwarten. Aber Weihnachten wird mir inspiration genug sein, obwohl mein Weihnachtsmotto immer noch lautet: Augen zu und durch! Nur so kann die pucklige Verwandtschaft halbwegs erträglich bleiben. Na ja, und der Biervorrat muss groß genug sein.
Mit Grausen sehe ich bereits die in besonders originelles Papier verpackten Mozartkugeln erbarmungslos ihren Weg unter die Nordmanntanne finden, die wie jedes Jahr geduldig ihre schützenden Zweige über die Karstadt- und Woolworth-Trophäen breitet. Immerhin werde ich nicht mehr gezwungen, Stille Nacht auf einem verstimmten Klavier zu spielen, während mein Bruder seine 4 Gitarrengriffe dazu übt und meine Mutter ihren Alt mit glasigem Blick erschallen lässt. Auch muss ich nicht mehr Mahalia Jacksons ewiges Silent Night und die damit einhergehende Coca-Cola-gesteuerte Amerikanisierung über mich ergehen lassen (die roten Santa Clausis haben uns längst unterwandert...).
Geduldig werde ich mit der Schwiegermama und Schwiegeroma Asse Raus spielen (natürlich um echtes Geld) und mir die alten Schnurren über mir nie begegnete Onkels, Tanten, Neffen und Cousinen zum weissnichtwievielten Mal anhören. Und ich werde mit prophetischem Grinsen ins neue Jahr hinüberschielen und wissen: bald ist es wieder so weit. Der ewige Kreislauf schließt sich erneut, und so wird auch das Forum sich in alter junger Frische aufraffen zu einem mutigen Sprung hinein in ein weiteres Jahr voller kontroverser und erfreulicher Beiträge. Und wie, frage ich euch, könnte ich da nicht dabei sein? Nichts da!

In diesem Sinne:
horcht was kommt von draussen rein!

Euer

S A T I E
satie (23.12.2006, 07:55):
Original von Gamaheh
Ist Dir übrigens aufgefallen, daß Satie Dich gerade neutralisiert hat? Willst Du Dir das gefallen lassen?


Liebe Gamaheh,
ist denn ein simples "feminin" oder "maskulin" nicht viel zu kategorisch? Ich bin der Meinung, wir können die Artikel nach Belieben so nehmen, wie wir uns gerade fühlen, denn eine einseitige, mit Vorurteilen belastete Geschlechtszuschreibung würde unserem komplexen Wesen doch gar nicht gerecht. Oder?
Ok, damit wollte ich nur ablenken. Ja, ich gestehe, ich habe das Cellodil versächlicht. Liebes Cellodil, willst Du lieber "die Cellodil" oder "der Cellodil" sein? :tongue:
satie (06.01.2007, 21:36):
Das kleine Einmaleins der Musik

Bisher widmete sich das Handbuch für den Klassikliebhaber ausschließlich Themen für Fortgeschrittene. Da sich in unserer wachsenden Leserschar aber immer mehr Leute befinden, die Karel Gott nicht von Herrgott von Karajan unterscheiden können, wollen wir nun ganz zurück zu den Wurzeln gehen und die Musik in ihrem Wesen und Ursprung gründlich und dennoch kurz und prägnant unter die Lupe nehmen.

Natürlich kann diese Betrachtung nur in grauer Vorzeit beginnen. Wenig ist bekannt über die Ursprünge der Musik, doch können wir diesen Ursprung aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem Urknall selbst gleichsetzen. Ein Knall ist ja bekanntermaßen ein Geräusch, und zwar ein relativ lautes. Natürlich werden die Philosophen Einspruch erheben und sagen: wie kann es denn ein Geräusch gewesen sein, wenn da kein Komponist war, der sich das alles ausgedacht hat, wenn da kein Dirigent zugegen war, der dem Knall seinen Einsatz hätte geben können, wenn da kein Publikum war, welches diesem Knall den gebührenden Applaus hätte spenden können?
Aber auf diese lächerlichen Spekulationen wollen wir uns hier nicht einlassen, sondern bei den harten Fakten bleiben. Es hat geknallt und basta, damit war der Anfang aller Rattles, Rubinsteins und Callasses nicht mehr zu verhindern, leider. Es gab halt leider seit diesem Moment Musik und sie ist bis heute immer noch nicht ausgerottet worden, obwohl alle ihr bestes tun, um dieses Ziel doch noch irgendwann zu erreichen.
Zu diesem Knall gesellte sich natürlich bald als piano-Gegenpol das Glucksen der Ursuppe (der direkte Vorgänger der Wagneroper). Diese beiden Grundelemente, Knall und Glucksen, wurden in der Folge während der Steinzeit immer mehr verfeinert. Eine frühe Form der Symbiose war das Erschlagen feindlicher Höhlenmenschen mit einem Knüppel (Knall) und das anschließende Kochen des Kadavers in einem Topf (Glucksen, Blubbern). Die Höhlenmenschen versuchten bereits, ein Notation für diese akustischen Phönomene zu entwickeln, indem sie diese in Form von Bildern an die Wände der Höhlen malten (bis heute werden diese Abbildungen immer wieder falsch interpretiert). Aus den Überresten des Festmahls wurden die ersten Instrumente geschaffen, das Knochenxylophon und die Knochenflöte. Aus den sich später entwickelnden Foltermethoden wie auspeitschen, mit Messern die Haut ritzen und anderen Techniken wurden weitere Instrumente abgeleitet, etwa die Streichinstrumente und das Dirigieren). Das Foltern diente dazu, die musikalische Darbietung länger zu gestalten und ihr zusätzlichen dramaturgischen Reiz zu geben. Das Singen war eine direkte Folge davon, da der Gefolterte stets pflegte, seine Stimme laut zu erheben. Auch viele Phrasen aus Opern wurden direkt daraus abgeleitet und sind bis heute vorzufinden. Sätze wie "vergebt mir" oder "der Hölle Rache" etc. zeugen von dieser Vergangenheit. Es entwickelte sich auf der Gegenseite eine korrespondierende Gesangsweise mit anderen Phrasen ("dies Bildnis ist bezaubernd schön" etwa durch den Anblick des Blutüberströmten Gefangenen o.ä.).
Natürlich hatte die steinzeitliche Musik gewisse Probleme, sich zu vermarkten, da der Manager erst eine Postpaläolithische Erscheinung ist, die sich auseiner direkten Evolution des Ur-Dirigenten entwickelte.
Lange Zeit waren die Spuren des Urzeitlichen Erbes sorgsam verborgen worden, als das Christentum entstand. Hier war die Musik eine Sache der Mönche geworden, die aus unerfindlichen Gründen etwas gegen Frauen hatten und auch sonst nicht unbedingt die Partylöwen par excellence waren. Instrumente verabscheuten sie auch, haben nur noch gesungen, und zwar nur einstimmig oder wenn sie nicht alle den selben Ton treffen konnten in sogenannter Heterophonie (alle versuchen, dem Vorsänger hinterherzurennen, verpassen ihn aber imme knapp) oder als Quintorganum (wer den Ton nicht traf brummte halt etwas tiefer alles mit). Im Volk aber hatte sich die Steinzeit erfolgreich am Leben erhalten, wenn sie nun auch von der Kirche als heidnisch betrachtet wurde. Überhaupt ist bis heute die Popmusik der eigentliche Nachfolger des steinzeitlichen Musizierens (3 Akkorde, Gewummer und Glucksen). Das ist auch an Texten wie "Da,da,da" oder "obladi oblada" ganz klar festzustellen. Allerdings steht das gros der Antropologen auf einem anderen Standpunkt, der uns aber hier nicht zu interessieren braucht.
Der Höhlenmensch hatte bald eine Vielzahl von Darbietungsformen von Musik geschaffen. So entwickelte sich aus der Folter und anschließenden Zubereitung von Gefangenen direkt die frühe Form der Oper. Der einzige Unterschied heute ist der, dass der Sänger nicht mehr real gekocht, sondern nur von der Presse verrissen wird. Auch wird der Sänger heute nicht mehr im Feld eingefangen, sondern von eigens dafür zuständigen sogenannten Agenten gekauft. Zwar trägt dieses verfahren den Deckmantel der Zivilisation, doch sind die steinzeitlichen Wurzeln unverkennbar immer noch da.
Doch zurück zur Kirche. Da die Mönche keine Gefangenen mehr machen durften, die für sie sangen und auch sonst kaum etwas spaßiges unternehmen konnten, kasteiten sie sich selbst, rasierten sich lachhafte Frisuren, peitschten sich selbst aus, standen freiwillig in aller Herrgottsfrühe auf der Matte und sangen. Da im Laufe der Zeit immer weniger Mönche noch fähig waren einen Ton abzunehmen oder rhythmisch gleich mit den anderen zu singen, entwickelte sich die sogenannte Mehrstimmigkeit und die Mensuralnotation, beides Begriffe, die nur der Verschleierung der traurigen Tatsachen dienten.
Durch vernünftige Leute wie Martin Luther öffnete sich die Kirche dem Volk mehr und mehr, wodruch bald sich die kirchliche und die volkstümliche Musik vermischten und neue Musikformen entstanden, etwa das Musical oder die Rockoper. Die Orchester wurden immer größer und lauter und die Instrumente immer beknackter. Zinken, Dudelsäcke, Krummhörner und Wagnertuben wurden gebaut, alles war aber nur sehr kurzlebig. Unerklärlicherweise haben sich Dinge wie Dirigent, Sänger, Akkordeon und Gitarre bis heute gehalten, so wie sich gewisse Stammesgepflogenheiten wie das Gähnen auch bis zum heutigen Tage nicht ausrotten ließen.
Auf der anderen Seite hatte die Kirche es ebenfalls geschafft, ihre Traditionen nicht verkommen zu lassen. So darf bis zum heutigen Tage in der Kirche nicht geklatscht, gegessen, getanzt werden, auch ist es immer noch nicht erlaubt, Discokugeln in den Räumen zu montieren oder etwaige Predigten über die Surroundanlage mit Lasershow darzubieten.
Die Konzertsäle entwickelten sich nicht etwa aus dem Kirchenraum, sondern aus der römischen Arena heraus. Was früher die Gladiatoren waren, sind heute Barenboim und Martin Stadtfeld, Lang Lang und Anna Netrebko. Das Gesetz von Brot und Spielen muss natürlich immer noch integraler Bestandteil sein, wenn auch das Brot in Form von Sekt nur noch in der Pause gereicht wird. Wie in der Steinzeit ist auch heute noch ein einziges Rezept für eine gelungene musikalische Darbietung zu beachten: der Stärkste gewinnt. Wenn der Musiker auf der Bühne nicht laut genug ist, nicht genug Körperflüssigkeit verliert oder keine anderen Sportlichen Höchstleistungen vollbringt, wird er sich als Jäger nicht bewähren und daher von der Masse vernichtet werden. Allerdings kann etwaigen Mängeln heute mithilfe moderner Errungenschaften abgeholfen werden. Wer nicht laut genug ist, wird verstärkt, wer nicht gut genug ist, kriegt eine coole Frisur oder ein Kleid mit tiefem Ausschnitt. Und natürlich ist es mit Hilfe der Medien heute möglich jeden Versager als Genie erscheinen zu lassen. Das alles war der Steinzeit noch ganz und gar fremd (ja, die gute alte Zeit).
Natürlich darf nicht vergessen werden, dass einer immer schon dazu gehörte: der Kritiker. In der Steinzeit kannte man ihn als Schamanen oder später als Medizinmann. Er hatte das Talent, gar nichts zu können, aber alle glauben zu machen, er sei der wichtigste Mann im ganzen Dorf. Von Magie keine Spur, gaukelte der Schamane allen vor, er könne in die Zukunft oder Vergangenheit sehen (wer bitteschön will denn das auch kontrollieren können?). Er verstand sich auf billige Tricks wie die Vorhersagen, dass der vom feindlichen Speer durchbohrte Stammesangehörige bald sterben werde oder der fetteste Dorfbewohner im Sommer schwitzen werde. Da der Rest des Stammes sich damals einzig auf die Jagd und somit die Musik konzentrierte, fiel niemandem auf, dass eigentlich jeder die Fähigkeiten des Schamanen besaß.
Kritiker gehen heute ähnlich vor, nur noch plumper, denn sie sagen nichts voraus, können auch nichts beobachten, sondern faseln nur wirr vor sich hin, dies aber so virtuos, dass es immer noch genügend Menschen gibt, die den Trick nicht durchschauen können.
Zu erwähnen wäre noch die offenkundige Erschaffung einiger Instrumente aus menschlichen und tierischen Lauten heraus, dies auch als Ergänzung unserer beliebten Reihe "Instrumentenkunde":
Fagott : Blähung
Tuba: Aufstoßen
Violine: Abhacken des Schwanzes einer Katze
Dudelsack: gleichzeitiges Abhacken eines Katzenschwanzes und Würgen eines Hundes
Akkordeon: gleichzeitiges Abhacken eines Katzenschwanzes, Würgen eines Hundes und Häuten eines Meerschweines bei lebendigem Leib
Orgel: gleichzeitiges Abhacken eines Katzenschwanzes, Würgen eines Hundes, Häuten eines Meerschweines bei lebendigem Leib und durch den Wolf drehen eines ganzen feindlichen Stammes ebenfalls bei lebendigem Leibe
Drehorgel: Violine, Dudelsack, Akkordeon und Orgel gleichzeitig durch den Gartenhäcksler gestopft.
Aus dem Knochenxylophon entwickelte sich logischerweise das Klavier (zunächst wurden Gedärme über Knochen gespannt und mit Hämmern bespielt, anschließen tötete man den zum Klavier umgebauten Gefangenen).

Das Erleben von Musik wird dem Ungeübten sicherlich nach diesen kurzen Ausführungen wesentlich leichter fallen und den Genuss von Musik ungemein erhöhen. Es war uns eine Freude, diesen längst überfälligen Beitrag in unser beliebtes Handbuch mit aufzunehmen.


S A T I E
satie (07.03.2007, 22:03):
ICH BIN MUSIKALISCH

Nach einer etwas längeren Pause wollen wir nun unsere beliebte Reihe fortsetzen mit Betrachtungen zur Frage: was ist denn nun egentlich Musikalität?
Wir alle kennen die Situation: man ist auf einer Party und plötzlich ertönt jenes Schreckenswort, das selbst die hartgesottensten und versoffensten Gäste erschaudern lässt - KARAOKE. Und man weiss sofort, dass es sch nun beweisen wird, die Spreu vom Weizen sich auf immer trennen muss und man mit der Schmach einer misslungenen Darbietung bis an sein Lebensende irgendwie fertig werden muss, sei es in Selbsthilfegruppen, Urschreitherapien oder im Männerchor. Mit wackligen Knien betritt man das notdürftig eingerichtete Podium und schaut den geifernden Bekannten ins aufgequollene Gesicht, um sich wenig später mit "My Way" auf alle Zeit das musikalische Genick zu brechen.
Aber wir haben die Lösung für all jene, die nicht fähig sind, den Text von "Alle meine Entchen" auswendig vorzutragen, geschweige denn die komplizierte Melodie dazu zu singen. Denn: Musikalität ist etwas ganz anderes. Damit Sie in Zukunft den Peinlichkeiten aus dem Weg gehen können, haben wir hier einige Tips gesammelt.
Im Alltag begenen wir oft genug den wahren Beweisen für Musikalität, nur fallen sie uns oft gar nicht auf. Wenn es etwa jemandem gelingt, nachts um 3 nach reichlichem Alkoholgenuss auf dem Heimweg noch "Ein Freund, ein guter Freund" zu gröhlen, dem gehört entsprechend Respekt gezollt. Oft bleibt der auch nicht lange aus: etliche Anwohner belohnen den nächtlichen Sänger mit ihren Kommentaren, und nicht selten gesellen sich später die Fachleute in den grünen Anzügen dazu, die sogar eigens mit einer Chauffiergelegenheit aufwarten. Wenn man Glück hat, prangt man tags darauf auf der Titelseite des Fachmagazins "Bild". Ein Star zu werden ist also nicht davon abhängig, ob man etwas kann, sondern wie man sich inszeniert.
So empfiehlt es sich, einige Phrasen zu lernen, die man in brenzligen Situationen spontan benutzen kann.

"Ich habe die James-Last-Doppel-LP von 1976 mit einer vorzüglichen Interpretation des letzten Satzes aus Brahms erster Symphonie. Kurz vor der Party habe ich mir die angehört, da kann ich ja jetzt nicht einfach so nen Quark singen. Aber das versteht ja der Pöbel nicht."

"Ich bin der Meinung, dass man die interpretatorischen Ansätze des kleinen korpulenten Tenors, welcher gerade eben so feinfühlig "Katzeklo" gesungen hat erst einmal diskutieren und gebührend würdigen muss, bevor man nun gleich den nächsten auf die Bühne schickt. Ja wo sind wir denn hier? Wenn der intellektuelle Austausch fehlt, können wir uns ja gleich wieder das braune Hemd anziehen, ncht wahr? Also ich geh jetzt nicht da rauf und lasse mich nachher als Nazi bezeichnen. Das könnt ja ihr alle machen, wenn ihr wollt." (damit it dem gesamten Karaoke-Abend der Gar sehr schnell ausgemacht)

"Die Aufnahme mit der Begleitung hätte man aber schon sorgfältiger auswählen können. Die nehmen ja die Tempi viel zu schnell, ausserdem finde ich die Orchestration nicht wirklich feinfühlig. Auch frage ich mich, ob man "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad" so bar jeder Finesse einfach flach daherspielen darf. Wo ist denn da die kontrapunktische Plastizität noch hörbar? Also das ist doch unwürdig..."

Aber es geht auch anders:
"Mein Arzt hat mir verboten, unter Alkoholeinfluss öffentlich zu singen. Das soll gar nicht gut sein für mein Magengeschwür. Ausserdem ist es meistens schlecht angekommen, wenn ich auf der Bühne Blut gehustet habe, Du weisst ja, meine Tuberkulose. Naja, und mit HIV ist das ja auch immer etwas leichtsinnig dann, nicht, ich will ja hier niemanden..." (spätestens da wird man zur Tür geleitet)

"Ich bin sehr musikalisch, gleich lege ich los. Aber ich wollte vorher noch meiner Mutter danken, die mich schon von klein auf immer unterstützt hat. Wenn ich meine Rondo-Veneziano-Platten dirigiert habe und mein Muppet-Orchester aufgebaut hatte, musste sie immer weinen und sagte zu allen Nachbarinnen: ach, Frau Schulze, mein Sohn ist ja soooo musikalisch, nä, aus dem wird mal ein ganz großer Intrigent. Und nicht zu vergessen mein Onkel Heinz, der früher mal Opernsänger war und immer mit mir zusammen gesungen hat, den "Badenweiler Marsch" und "Die Fahne hoch", ja, das waren lustige Zeiten, wenn wir das auf dem Balkon dem Herrn Teitelbaum von nebenan vorgesungen haben und der dann immer geweint hat. Aber auch meine liebe Omama..."
(hier sitzen wir schon vor der Tür)

Sie sehen also, es ist nicht wichtig, musikalisch zu sein, man muss nur so tun. Das machen all die Pavarottis und Stadtfelds und co. auch nicht wirklich anders. Und notfalls reicht auch die alte Clint-Eastwood-Masche: "Ich singe niemals." (mit zusammengekniffenen Augen und möglichst trockener, tiefer Stimme). So, jetzt muss ich aber Schluss machen, bin gleich dran mit "Ich hab ein knallrotes Gummiboot"!

S A T I E
satie (31.03.2007, 07:59):
Es ist eine allgemein unter Experten anerkannte Tatsache, dass Musik in erster Linie Lärm darstellt. Es sind nur die dummen Musiker, die offenbar noch immer nichts davon wissen wollen. Doch jüngst erschienene Nachrichten zeigen es ganz deutlich:

Berlin (ddp). Das Wort hat auf den ersten Eindruck nichts mit Kunst zu tun: EU-Lärmschutzrichtlinie. Und doch hat diese Verordnung weitreichende Folgen auch für die deutschen Opernhäuser. Laut der EU-Richtlinie von 2003, die jüngst in nationales Recht umgesetzt wurde, dürfen ab 15. Februar 2008 angestellte Musiker im Wochendurchschnitt nicht mehr als einer Lautstärke von 87 Dezibel ausgesetzt werden. Bei Richard Wagners «Tannhäuser» oder Giacomo Puccinis «Turandot» werden im Orchestergraben jedoch bis zu 120 Dezibel erreicht, wie der Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV), Gerald Mertens, sagt. «Das sind die Werte eines startenden Düsenjets.»

Dieser Lärm geht an den Musikern nicht spurlos vorbei: Schätzungen zufolge haben ein Viertel von ihnen Gehörschäden. Und Schäden an den Hörzellen sind irreparabel, wie Mertens sagt. Bei Musikern kann dies bis zur Berufsunfähigkeit führen. Ein Grund für die gesundheitsgefährdenden Lautstärken ist Mertens zufolge, dass viele Orchestergräben immer stärker überbaut wurden, um mehr Platz auf der Bühne zu haben. Der Klang kann so kaum noch nach oben entweichen.

Daher wird sich nun auch keiner mehr wundern, wenn aus dem Orchestergraben künftig Dialoge folgender Art ertönen:
"Hat er den Einsatz schon gegeben?"
"Hä?"
"Ob er den Einsatz schon gegeben hat."
"Was hat er Dir gegeben?"
"Den Einsatz!!!!"
"Wie, der hat schon den Einsatz gegeben? Tröt......."

Bei den Proben wird es keine Seltenheit mehr sein, wenn ein Violinist plötzlich sagt: "Verzeihung, Maestro, aber die Lärmschutzverordnung verbietet uns, dieses Fortissimo-Tutti zu spielen. Stattdessen haben wirs für Harfe piano transkribieren lassen. "

Doch man muss immer das Positive sehen:

a) die Musik wird endlich so, dass man sich dazu ungestört unterhalten kann
b) die Gesprächsqualität bei Handytelefonaten in den Konzertsälen wird drastisch steigen
c) die Musiker brauchen nicht mehr so viel zu üben, da man in dem leisen Gewimmer ohnehin nichts mehr heraushört
d) russische Pianisten werden wir nie mehr hören müssen
e) russische Sänger werden wir nie mehr hören müssen
f) russische Geiger werden wir nie mehr hören müssen
g) die drei Tenöre werden wir nie mehr sehen müssen
h) künftig werden wir ohne Ohropax ins Konzert gehen dürfen (selbst ins Rockkonzert!)
i) einige der widerlichsten Instrumente werden von der Bildfläche verschwinden: Schlagzeug, alle Blechbläser, Orgel, Gesang
j) man wird nie mehr während des Konzertes aus dem Schlaf hochschrecken
k) Haydns Symphonie mit dem Paukenschlag wird so geändert, dass statt des Paukenschlags nur ein softes "uh" gestöhnt wird. Die Pauke gibt es nicht mehr.
l) der Bolero von Ravel wird ohne Trommeln aufgeführt und nun von Angfang bis Schluss pianissimo gespielt. Ebenso O Fortuna aus Carmina Burana (Uff!!).

Letztlich sind die weitreichenden Folgen der segensreichen Lärmschutzverordnung noch gar nicht abzuschätzen. Aber Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude.
satie (13.05.2007, 00:21):
Der ideale Interpret

Nachdem wir hier bereits einige grundsätzliche Kriterien zur Beurteilung von Interpretationen gegeben haben, wollen wir nun endlich tiefer in die Materie eindringen und untersuchen, welcher Komponist nach welchem Interpreten verlangt. Denn: Schubert kann man nicht so spielen wie Hindemith, Wagner nicht so wie Bach. Die folgenden Leitlinien gelten primär für die Live-Darbietung, wo uns die Optik wichtige Hilfestellungen bietet, die auf CDs zwangsläufig in der Regel fehlen. Doch dazu später.

Chopin
Für Chopin muss der Interpret hager sein und kränklich. Er sollte mindestens alle zwei Takte Stöhnen und das fettige, lange Haar zurückwerfen. Viele Interpreten versuchen durch andere optische Eigenschaften das Fehlen eines dieser Kriterien zu verbergen, etwa indem sie abgewetzte Kleidung tragen oder in Filmen wie "Der Pianist" auftreten um unser Mitleid zu erregen. Der wahre Chopin-Interpret muss ein vom Leben enttäuschter, verzweifelter Wurm sein, dem die schnellen Passagen und die Oktaven Schmerzen bereiten. Im Idealfall hustet der Chopin-Spieler hie und da etwas Blut.

Beethoven
Der Beethoven-Interpret ist vom Geiz zerfressen, zeigt niemals eine Emotion ausser vielleicht hie und da einen cholerischen Ausbruch. Er hat die Brauen finster ins Gesicht gezogen, die Mundwinkel hängen bis zu den Schultern. Ist fertig mit dem Spielen, stampft er davon, eventuell unter Flüchen, gern darf er auch das Instrument zertrümmern oder den Dirigenten erwürgen. Zugaben gibt er natürlich keine.

Mozart
Wer Mozart spielt, kaut Kaugummi, trägt Jeans und hat während des Spiels seinen iPod auf, mit dem er einen fetzigen Hardrock-Song hört, während er seine Klaviersonate herunterklimpert, nicht zu laut, nicht zu leise. Beim Verbeugen spuckt er seinen Kaugummi ins Publikum, dieser wird von einem Fan während der entstehenden Prügelei ergattert und später bei Ebay versteigert. Wer Mozart spielt hat natürlich Groupies, säuft wie ein Loch und kifft ohne Ende. Sein Auge ist rot, die Leber so hart wie möglich. Oft verbrennt er als besonderes Event nach dem Konzert die Noten und zischt dann ab in die nächste Spielhölle.

Wagner
Der Wagner-Sänger ist fett und laut. Er kann mit seinem Gebrüll Tumore zertrümmern, weshalb er gerne in Kliniken eingesetzt wird. Er hat eine Lunge, die viermal so groß ist wie bei einem normalen Homo Sapiens und er kann problemlos stundenland unzusammenhängendes Zeug herunterträllern. Dabei bewegt er sich wenig, hebt hie und da die Hand zu einer Standardgeste. Den guten Wagner-Sänger erkennt man daran, dass er privat Wikingerhelme trägt und bei seinem Auftritt die Luftfeuchtigkeit im Raum auf 90 Prozent ansteigt. Sollte das Orchester lauter sein als der Sänger, ist dieser kein guter Wagner-Interpret und nicht fähig, während 180 Minuten Fortissimo zu singen. Einen solchen technischen Mangel können die wenigsten Sänger noch ausmerzen und sind daher gezwungen, etwa den Part des Schwans in Lohengrin zu übernehmen oder ans Dirigentenpult zu wechseln. Gelungen ist eine Aufführung einer Wagneroper dann, wenn man den permanent mitbrüllenden Souffleur nicht hören kann.

Bach
Der Bach-Interpet ist schmächtig, hat schütteres Haar, sitzt immer gekrümmt. In aller Regel hat er eine dicke Hornbrille auf der Nase, um zu unterstreichen, dass er ein intellektueller Spieler ist, der das Gewurstel Bachschen Kontrapunktes zu durchschauen in der Lage ist. Meist hat er einen Tic, brüllt unversehen ein lautes "cohoup!" in den Saal oder wischt sich den Rotz mit der Manschette weg, während er die fünfstimmige Fuge absichtlich nur mit einer Hand spielt. Der Bach-Interpret ist nicht fähig, sich anständig zu verbeugen. Er steht auf und blickt hilflos in den Raum, versucht dann, sich ein wenig zu verbiegen, was meist aber einen Sturz zur Folge hat. Gerne spielt er auf verstimmten Cembali mit seltsam gekrümmten Fingern, nicht selten murmelt er leise etwas in einen nicht vorhandnen Bart.

Liszt
Der Liszt-Spieler st grobschlächtig, muskulös und gefährlich. Wenn er auftritt, verstummt das Publikum, nicht selten werden bei Liszt-Konzerten Schutzhelme verteilt. Er schlägt das Klavier so lange immer wieder, bis mindestens 50 Prozent der Saiten gerissen oder wenigstens ein Bein des Instruments abgebrochen ist. Er schüttelt sich mehrmals während der Stücke, um den Schweiss abzuwerfen, der in großen Mengen aus den riesigen Poren tritt. Oft kommt in den Pausen sein Coach, um ihm etwas Wasser und ein frisches Handtuch zu geben. Der Coach gibt ihm auch einige strategische Tipps für die nächsten Stücke und warnt den Interpreten vor einem zu offensiven Oktavspiel. Der gute Liszt-Spieler bringt den Boden so zur Erschütterung, dass mindestens fünf Rentner seekrank werden und den Saal verlassen.

Rossini
Der Rossini-Interpret bringt mindestens 200 Kilo auf die Waage, hat südländisches Aussehen und muss permanent ein aufgesetztes Lächeln tragen. Oft hat er einen Oberlippenbart und pomadiertes Haar. Nicht selten trägt er Gamaschenschuhe und Hosenträger, einen weissen Anzug mit etwas zu kurzer Hose. Seine Spezialität ist es, während des Konzertes ein komplettes italienisches 10-Gang-Menu zu verschlingen, während er graziöse Arien singt. Es ist die Technik des gleichzeitigen Singens und Essens eine Spezialität der Italiener, die man auch oft bei singenden Kellnern beobachten kann (diese allerdings können gleichzeitig noch rauchen und sich die Telefonnummern von Frauen geben lassen). Der Rossini-Gesang ist eine Abart des Belcanto ("bellender Gesang"). Leider ist die Zeit der großen Rossini-Interpeten im Zuge der Bemühungen des Gesunheitsamtes vorbeigegangen. Dennoch denkt man heute noch immer wieder an Caruso, welcher während einer Aufführung des Barbiere fünf Dutzend Scampi vom Grill, drei Saltimbocce alla Romana, vier Calzone und ganze sechs Korbflaschen Chianti konsumierte. Nicht verschweigen darf man den großen Skandal der Aufführung der Diebischen Elster in Äthiopien 1983, wo die Bühne vom hungrigen Publikum überrannt wurde und letztlich sämtliche Musiker im Getümmel mit verzehrt wurden.

Schostakowitsch
Wer Schostakowitsch spielen will, muss verkniffen, frustriert, intellektuell und verschlagen sein. Er hat nur Hohn für die Kollegen übrig und drischt wie ein Folterknecht auf Saiten und Tasten. Er ähnelt dem Charakter des Zahnarztes Szell in "Marathon Man": hinterlistig und mit Sinn für die schmerzhaftesten Stellen quält er das Publikum stundenlang, bis es gestehen will. Er hat dafür ja die richtige Musik, die für sich schon Folterinstrument genug wäre. Doch nein, er spielt sie so trocken und erbarmungslos, dass der geneigte Hörer danach freiwillig in Sibirien inhaftiert werden will.

Offenbach
Der Offenbach-Interpret sieht aus wie Harald Juhnke oder Rudi Carell. Er hat einen elastischen Gang und ein schiefes Grinsen im Gesicht. Er kann nicht wirklich singen, dirigieren oder sost etwas, aber er lässt alle glauben, er sei fantastisch. Er fläzt sich auf die Bühne, flirtet dabei mit dem Publikum, hat eine Nelke im Knopfloch und einen Whisky in der Hand, oft auch eine Zigarettenspitze. Er trägt eine Fliege, manchmal einen Frack. Gerne lümmelt er auf Barhockern herum, erzählt auch gerne nach den Arien einige Witze. Er ist leider oft Opfer der Boulevardpresse, die seine diversen amourösen Abenteuer in den Schmutz zieht und sämtliche über die Kontinente verstreuten Kinder und Ehefrauen dem Gespött der Allgemeinheit aussetzt. So ist er oft schon in jungen Jahren vom Alkohol zerrüttet und durch die Alimentenzahlungen verarmt. Nur mühsam kann er sich mit Hoffmanns Erzählungen über Wasser halten.

Richard Strauss
In Deutschland findet man ihn immer weniger, den wahren Richard Strauss-Interpreten. Er trägt ein braunes, fest anliegendes Hemd, einen kleinen quadratischen Schnurrbart und einn strengen Seitenscheitel. Stramm steht er auf der Bühne und singt blechern durch ein Mikrophon, damit man ihn auch ausserhalb des Kozertsaals hören kann. Er hat einen starren, fanatischen Blick und eine Geliebte, die ihn um zwei Kopfgrößen überragt. In der Freizeit spielt er gerne mit seinem Schäferhund oder kleinen Mädchen. Da er aber nur noch in den islamischen Regionen auftreten kann, stirbt er mehr und mehr aus.

Tschaikowsky
Wer Piotr Iljitsch richtig verstehen will, muss enganliegende Plastikwäsche tragen (in Mint oder Pink, unbedingt Glanzlack). Er tritt mit starkem Hüftschwung auf, setzt die lila Geige weich unters speckige Kinn und spielt mit dem wenig gespannten Bogen sehr gemütlich. Er hat stets eine Dose Vaseline bei sich und notiert sich nach dem Konzert die Telefonnummern aller männlichen Konzertbesucher. Wenn er mit Orchester auftritt, vermeidet es der Dirigent, sich zu verbeugen.

Bruckner
Der Bruckner-Interpret hat Ausdauer und ist sehr ruhig, nahezu unscheinbar. Er ist altmodisch gekleidet, etwas korpulent und hat einen dümmlichen Gesichtsausdruck. Er lässt sich viel Zeit, während er sein Instrument auspackt. Gerne isst er auf der Bühne vor dem Spielen eine kleine Jause im Schatten der Tuba, dann stellt er sich gerade und akurat, aber nicht zu stramm hin. Er spielt so langweilig wie möglich und vezieht niemals eine Miene. Er schläft mehrmals während des Spielens ein und muss vom Dirigenten oder einem Konzertbesucher aufgeweckt werden. Meist spielt er dann wieder von Vorne, wodruch sich die Konzerte elendiglich in die Länge ziehen. Er wird gerne therapeutisch bei Parkinson-Patienten angewendet. Oft geht er nach Ende der Vorstellung nicht von der Bühne ab, sondern nächtigt direkt neben dem Dirigentenpult am Aufführungsort.



Diese Betrachtungen werden demnächst weiter vertieft. Der angehende Klassikliebhaber beobachte die geschilderten Interpretentypen genau, um sein Wissen und seine Erfahrungen ständig zu erweitern. Doch Achtung: keine Regel ohne Ausnahme!

S A T I E
satie (20.06.2007, 23:19):
Lieber Lazarus,
verzeih, dass es nicht früher möglich war, auf diese wichtigen Fragen einzugehen. Im Grunde hast Du genau erfasst, wie das läuft. Die meisten Kritiker sind, wie es jemand ausdrückte "Ziegen, die meckern, aber keine Milch geben". Und die meisten trauen sich nicht, a la Reich Ranitzky zu sagen: "Wie heisst das Stück? Ionisation? Schon schlecht!"
Letztlich gilt es herauszufinden, ob der Kritiker denn überhaupt eine Meinung hat oder nicht. Glücklich sind wir, wenn es uns gelingt, aus dem Sprachdickicht eine der beiden möglichen Aussagen "gut" oder "schlecht" herauszufiltern. Oft genug aber ist es gar nicht klar, ob der Kritiker eine klare Vorstellung von dem Gehörten hat. So fragt man sich ja auch, warum eine angeblich grottenschlechte Einspielung bei der künstlerischen Qualität trotzdem noch drei Sterne bekommen kann, wo sie doch laut Text überhaupt keinen verdient hat.
Doch veranschaulichen wir uns das einmal an einigen Beispielen, um tiefer in die Materie einzudringen:

Es lässt sich beim besten Willen kein roter Faden finden, der dieses Programm rechtfertigt, und so muss schlicht und einfach von einer willkürlichen Auswahl ausgegangen werden, die möglichst süffige Melodien beinhaltet, vom Liebeslied bis zur feurigen Rachearie.
Nun, der Rezensent beschreibt damit doch genau den "Roten Faden" (ACHTUNG: Standardfloskel!!!), der eben heisst: ein Kilo gemischtes Vokalzeug bitte.

Die Arrangements der ausgewählten Stücke sind wirkungsvoll gestaltet, der Zusammenklang und Wechsel der beiden verwendeten Instrumente verbindet die verschiedenen Epochen.
Damit sind in diesem Fall Klavier und Gitarre gemeint. Warum nun eine Gitarre und ein Klavier Epochen verbinden sollen, versteht wahrscheinlich selbst der Kritiker nicht, aber es klingt halt einfach gut, außerdem hat der Kritiker gekonnt etwas hineininterpretiert (Erste Lektion im Einsteigerkurs Musikkritik leicht gemacht!!).

Allerdings lebt der Sänger seit vielen Jahren in Venedig und man sollte vermuten, dass er des Italienischen mächtig ist.
Also mein Onkel ist Holländer und lebt seit bald 50 Jahren in Deutschland. Trotzdem ist er nicht fähig, auch nur einen Satz grammatikalisch korrekt hervorzubringen (Rudi-Carrell-Syndrom). Der hier angesprochene Sänger ist noch recht jung. Warum wirft man ihm das vor, wenn Pavarotti, Careras und Domingo dafür überhaupt kein nglish aussprechen können und damit auch noch Millionen scheffeln?

Sämtliche Solisten wirken deplaziert, sind im 18. Jahrhundert hörbar nicht zu Hause.
Nun, so alt können sie ja biologisch auch nicht sein. Und Gould spielt Bach ja auch nicht auf dem Cembalo in Werckmeisterstimmung und auch sonst nicht gerade historisch perfekt. Warum jetzt hier davon anfangen?

Der Tenor Jirí Vinklárek agiert viel zu plump und opernhaft affektiert, kommt zudem in den Koloraturen ständig ins Stolpern, was zu geradezu grotesken Diskrepanzen zwischen Gesang und Begleitung führt.
Nun, es handelt sich, wie der Kritiker ja bemerkt hat um einen TENOR. Das muss so!

Den Versuch Text und Handlungsstruktur, Charaktere und Dramaturgie ernst zu nehmen macht diese Produktion erst gar nicht.
Wozu auch? Es ist eine OPER.

Doch Harnoncourts Mozart klingt hier wie immer.
Und? Also soll das jtzt heissen: wer Harnoncourt mag, dem gefällts, wem nicht, dem nicht? Solche Sätze brauchen wir nicht wirklich...

das Finale wirkt geschlossener als der Eingangssatz – auch wenn die musikalische Struktur offener zu sein scheint.

? Könnte man das bitte noch ein wenig schwammiger formulieren?

Er schafft es sogar, die Dur-Fröhlichkeit zu schattieren;
Jesus Christus, da hat jemand sich ein Buch mt allgemeiner Musiklehre durchgelesen und gehört, dass Dur = Fröhlich ist. Oder bedeutet das, er hat absichtlich die Terzen schlecht gespielt, damit das Dur nicht mehr so schön klingt und deshalb nicht mehr "fröhlich"? (Vorsicht: generell ALTBACKENER BEGRIFF! Meiden!!)

der enge Dialog zwischen Violine und Klavier wird sehr eng geführt
Die enge Enge beengte die Enge der Enge hin zu einer engen Enge, die doch sehr beengte.

Auch bei rasantesten Tempi spielt Korstick blitzsauber, bleibt der Klaviersatz so transparent, dass man jedes Sechzehntel hört.
Dankeschön Herr Tontechniker, dass Sie das so fein hingebügelt haben. Was das allerdings am SATZ ändern soll weiss wohl nur, wer draus lesen kann...

formale Stringenz und Schnörkellosigkeit
Achtung: ZWEI SUPRFLOSKELN. Kann alles heissen von supergenial bis stinklangweilig.

Die häufigen überraschenden Lautstärkewechsel beispielsweise besitzen nur einen begrenzten Spaßfaktor
Wer den bei Beethoven sucht, sucht vielleicht ohnehin an der falschen Stelle...

Positiv lässt sich zumindest vermerken, dass Vengerov für beide Violinkonzerte alle Kadenzen selbst verfasst hat, auch wenn sie nicht wirklich von Originalität zeugen.
Nun, ist das jetzt positiv oder nicht? Nach dem Motto: haste fein gemacht, is trotzdem nur Kacke??? Was soll denn das?

Stattdessen lesen wir noch, dass es etwas Besonderes sei, wenn die Violine und Viola im Kopfsatz mit einem Crescendo aus den Orchestertexturen heraustreten, obgleich dies Mozarts Vater Leopold als Klangeffekt schon 1756 in seiner Violinschule ausführlich beschrieben hat.
Nun, trotzdem kann es doch was Besonderes sein, was man nicht ständig anwendet, oder? Cluster gibts auch bei Scarlatti schon, trotzdem sind sie nicht unbedingt in jedem Stück der Zeit zu hören.



Weiteres wird folgen.

Herzlichst

S A T I E
satie (21.06.2007, 11:24):
In der englishen Schreibweise auch als Musical bekannt finden wir dieses noch zu definierende Gebilde heutzutage sehr oft. Wer kennt sie nicht, die Geschichten wie My Fair Lady, West Side Story und Cats?
Ein Musical ist ja nun etwas, wo gesungen wird. Warum dann aber nennt man das nicht Oper? Eine in der Tat schwierige Frage. Immerhin scheint das Wort Musical ja anzudeuten, dass es hier tatsächlich etwas mit Musik zu tun hat. Ein entscheidender Vorteil gegenüber der Oper, die offensichtlich vom Wort her nur mit Arbeit zu tun hat. Schlimmer noch die Operette, die nur wenig Arbeit zu sein scheint. Folgern wir also ganz logisch, dass das Musical mit Arbeit nichts zu tun hat. Wenn wir uns die Musicals von Andrew Lloyd Webber anschauen, ist diese Schlussfolgerung auch durchaus plausibel: selten wurde mit so wenig Aufwand, Inspiration und Talent derart viel Kohle gescheffelt!
Dennoch: formal unterscheiden sich Musical und Oper/ Operette doch recht wenig. Die Geschichten sind die selben (irgendeine unglückliche Liebe und irgendwer muss abkratzen im Verlauf des Stücks. Variante: inhaltsloser Komödienkram). Sänger stehen auch auf der Bühne, nur eiern die im Muscal weniger herum als in der Oper und sie sind deutlich schlanker, bewegen sich auch meistens mehr. Den Unterschied zwischen einer Oper und einem Musical erkennt der Taube also daran, dass in der Oper dicke Menschen herumstehen, ohne Mikros singen und mit einem Vibrato singen, mit dem man seine Kochwäsche schleudern könnte, während im Musical ranke und schlanke Leute anzutreffen sind, die fähig sind, einen geraden Ton herauszubringen und sogar mitunter das Tanzbein schwingen können.
Nun wird sich doch sicherlich jeder fragen: warum denn diese Perlen vor die Säue werfen? Die Musicalleute könnn mehr, sehen besser aus und müssen diese qualitativ mangelhafte Musik singen, während in der Oper nur hässliche Tonnen sind und die schöne Musik von Mozart und Co. singen dürfen? Ja, das ist ja beinahe skandalös. Vermutlich steckt da wieder irgendeine Labelpolitik dahinter, die uns die schöne alte Musik auf diese Weise vermiesen will, um die neuen Sachen an den Mann zu bringen. Doch dies muss im Bereich der (wenn auch sicherlich begründeten!) Spekulation verbleiben.
Eines haben die Musicals meistens jedoch nicht, nämlich gute Orchester. Niemals haben die Berliner Philharmoniker Cats gespielt oder Rent oder Hair (was verwundert bei einem Orchester, das Hure genug ist, mit den Scorpions aufzutreten). Dabei kann man doch davon ausgehen, dass Furtwänglers My Fair Lady noch heute ein Highlight wäre! Oder die West Side Story in halbem Tempo unter Celibidache! Ein Traum!! Cats unter Pierre Boulez könnte berauschender nicht sein, trotz der einfallslosen Musik!
Warum also nicht einmal tauschen? Im Gegenzug könnten doch die Stones mal La Traviata aufführen, ungeahnte Perspektiven würden sich eröffnen mit einem Figaro von Herbert Grönemeyer. Nie wird man den Bajazzo wieder so ergreifend hören wie in Helge Schneiders neuer Fassung für Kamm und Vibraphon, nie wird man etwas tiefschürfenderes erleben können als Madame Butterfly im Arrangement eines Guildo Horn. Warze Maffays Tannhäuser wird unauslöschlich in die Historie eingehen!
Aber nun gut, die Politik sträubt sich, ungern begibt man sich auf innovatives Terrain.

Immerhin, einige schöne Momente sind auch dem Musical nicht vorenthalten, an die man sich gerne erinnert, etwa wie Bernstein bei der Aufnahme der West Side Story Jose Carreras immer und immer wieder als "fucking asshole" titulierte (leider nicht auf der Platte enthalten). So mancher Konzertbesucher hat sich aus Cats neben den Erinnerungen eine dauerhafte Toxoplasmose mitgenommen. Mancher Muscalfan zeigt noch heute stolz seine Verbrennungen, die er in Tabaluga davongetragen hat. Wer prahlt nicht gerne damit, wie er sich nach Starlight Express beim Inlineskaten alle Knochen gebrochen hat. Mit Stolz sehen wir, dass noch immer langhaarige Hippies ans Zeitalter des Aquariums glauben und Jesus für den ultimativen Superstar halten, der gut abrockt, wenn er auch nur drei Akkorde kennt.

Wir müssen gestehen: wir kennen sie alle, die Musicalgeschichten, und es ist uns peinlich. Vor allem die neueren Auswüchse erfüllen uns innerlich mit Schaudern, wenn wir auch nicht umhin können, die durch die Medien ständig angepriesen zu bekommen. Tanz der Vampire als Musical? Dürfte das Singen durch die Plastikgebisse deutlich erschweren, auch wartet man vergeblich drauf, dass die ganze Besetzung endlich zu Staub zerfällt und man endlich wieder beruhigt und ohne Knoblauchkette schlafen gehen kann. Der Glöckner von Notre Dame in der so unendlich geschmackvollen Inszenierung eines Walt Disney stellt selbstverständlich die schauspielerischen Leistungen von Charles Laughton und Anthony Quinn in den Schatten, denn die haben ja vor lauter Verkrüppelung weder tanzen noch sprechen, geschweige denn singen können. Da ist der coole Hunchback aus dem Hause des tiefgefrorenen Geschmackverderbers weit interessanter.
Doch wo bleiben die guten Geschichten, die nur darauf warten, endlich auch sich evolutiv zum Musical zu entwickeln? Warum haben wir noch immer kein Christiane F. Musical im Friedrichstadtpalast, so mit Revue und Springbrunnen? Warum hat sich bisher keiner an Warten auf Godot herangewagt? Das cschreit doch direkt nach Tanz und Gute-Laune-Mucke! Und warum müssen wir trotz der längst abgeschlossenen Sicherung der Rechte immer noch auf unser sehnlichst erhofftes Irak-Krieg-Musical warten? Peter Hofmann harrt noch immer in Bad Segeberg aus und wartet auf einen Anruf, damit er endlich die Rolle von George Bush spielen kann.
Nun, wir können wohl nur warten und hoffen...


S A T I E
satie (25.06.2007, 20:07):
Für die mutigeren unter den Klassikfreunden wollen wir uns nun einem der unangenehmsten Phänomen der Musik zuwenden: dem Chor. Um hier überhaupt einsteigen zu können, ist wieder ein historischer Überblick notwendig.
In der archaischen Zeit war die Sprache noch nicht entwickelt, und man konnte nur auf einige rudimentäre Arten miteinander kommunizieren, etwa mit den Fäusten oder mit Knüppeln, wenn man Probleme aus der Welt schaffen musste. Unangenhme Nebenerscheinungen des Fauskampfes können aber Schädigungen der eigenen Fäuste sein, und vom Knüppelschwingen hat so mancher schon einen Tennisarm bekommen. Daher nutzte man bald die Möglichkeiten der Stimme, um miteinander zu disputieren. Da Sprache aber noch nicht existent war, konnte man nur mit Gebrüll aufwarten. Üblicherweise bilden sich bei Disputen zwei Gruppen, die jeweils eine bestimmte Position vertreten und dann, das ist heute noch in der Politik, beim Fußball und anderen Gelegenheiten zu beobachten, wild durcheinander schreien, so lange, bis eine der Gruppen resigniert oder doch lieber wieder den Knüppel nimmt (s. dazu etwa George Bush).
Im Grunde sind die Prinzipien des urzeitlichen Brüllens einfach. Angenommen, zwei Männer stritten sich darum, wer eine begehrte Frau begatten durfte. Der eine nähert sich dem begehrten Objekt, was den anderen natürlich stört, worauf dieser ihm mit grausigem Mundgeruch ins Gesicht brüllt. Der andere, nicht minder riechend, muss sich verteidigen, indem er noch lauter brüllt. Eine Folge dieser animalischen Schreiwettkämpfe war die weit verbreitete Schwerhörigkeit, die ein Grund dafür ist, dass so viele Höhlenmenschen weder die Sintflut noch Vulkanausbrüche akustisch wahrnehmen konnten und das Zeitliche segneten.
Auch heute ist es noch so, dass Chorsänger in aller Regel eine Hörfähigkeit von Null Prozent haben, weswegen sie sich auch meist hinter ihren Notenblättern verstecken (auch wegen des aus archaischer Zeit übernommenen Mundgeruchs) und in der Regel stets ein Auge auf den Dirigenten haben, da sie ja nichts akustisch wahrnehmen können.
Aufgrund seiner Historie wird der Chor immer dann von einem Komponisten eingesetzt, wenn es um primitive Auseinandersetzungen geht (auch wenn dies im Text nicht immer deutlich wird). Die Taubheit und das Prinzip des Wetteiferns führt zum uns bekannten, typischen Chorklang, der sich dadurch auszeichnet, dass keine klare Tonhöhe wahrzunehmen ist, sondern nur ein verschwommenes Gewaber, allerdings in ohrenbetäubender Laustärke. Chöre werden daher auch gerne benutzt, um marode Altbauten in sich zusammenfallen zu lassen, die aus bestimmten Gründen ein Sprengen nicht gestatten.
Musikalisch gesehen muss ein Stück für einen Chor so simpel wie möglich gestrickt sein, da a) die Chorsänger kaum des Notenlesens fähig sind und b) das Brüllen nur einen begrenzten Tonumfang zulässt. Oft begegnet man daher Chorsätzen, die viele textliche Wiederholungen beinhalten (Halleluja, halleluja, halleluja, halleluja, halleheluhuhija).
Man fragt sich natürlich, warum etwas dermaßen unterentwickeltes, primitives und peinliches wie ein Chor auch heutzutage noch existiert, wo doch die Technologie und auch die intellektuelle Entwicklung des Homo Sapiens eigentlich weit genug gediehen sind, um anders mit den in uns schlummernden Problemen umgehen zu können. Ein wichtiger Grund hierfür ist sicherlich die vermehrte Ausbildung von Chorsängern im ersten Weltkrieg. Gewaltige Heere von Chorsängern wurden als widerwärtigste unter den biologischen Waffen eingesetzt, um feindliche Armeen förmlich zum Zerbersten zu bringen. Im zweiten Weltkrieg existierte die Alternative der Atombombe, die es unnötig machte, weiterhin viel Geld in die Chöre zu investieren. Dennoch gaben viele dieser ehemaligen Kriegschorsänger ihr "Wissen" an die folgenden Generationen weiter, die es sich nicht nehmen ließen, weiterhin infernalischen Krach zu produzieren.
Dennoch: Konzerte mit Chor haben diverse Vorteile, die hier nicht ungenannt bleiben wollen:
a) dank des Chores muss man das grauenhafte Orchester nicht hören
b) ein Chor verunmöglicht es, den Achselschweiß des Sitznachbarn zu riechen (s. oben)
c) ein Chor verströmt eine so große Alkoholfahne, dass man kein Geld für den Sekt in der Pause ausgeben muss
d) Punkt c hat zur Folge, dass man nach wenigen Minuten an einer passiven Alkoholvergiftung bewusstlos wird und wenigstens den Rest nicht hören muss
e) nach Chorkonzerten hat man wieder Freude am eigenen Tinnitus (hatte man vor dem Konzert keinen, hat man danach garantiert einen)
f) bei einem Chorkonzert muss der angehende Kritiker sich mit seinem Bericht keine Mühe geben, da von vornherein klar ist: das kann nur Dreck sein. Chorkonzerte sind also am besten geeignet, wenn man gar keine Zeit hat, hinzugehen oder lieber ins Kino geht. Man nimmt die Stücktitel und beschreibt jede Interpretation eines Werks auf dem Programm mit Begriffen wie katastrophal, hundslausig, so angenehm wie eine Beinamputation, nicht schön zu saufen, feinfühlig wie eine neunschwänzige Katze etc.

Dennoch mag dem Unerfahrenen noch immer nicht ganz klar sein, wie er nun einen Chor von einem Orchester, einem Streichquartett oder einem Bläserensemble unterscheiden kann. Es ist ja auch schwierig, denn mit unerträglichem Krach hat ja alles zu tun. Daher einige Faustregeln:
Sie können sicher sein, dass sie in enem Chorkonzert sitzen, wenn
- der Dirigent einen Baustellen-Gehörschutz trägt (allerdings tragen den manche Dirigenten prophylaktisch immer)
- das Publikum dn Saal mit Angstschweiß auf der Stirn und weit aufgerissenen, panisch umherirrenden Augen betritt
- das Publikum mit Sauerstoff-Flaschen und/ oder Gasmasken zum Konzert kommt
- auffallend mehr schwerhörige und taube Menschen im Saal sitzen als sonst im Konzert
- nach dem Konzert wilde Prügeleien im Foyer stattfinden, die nur durch Tränengas-Einsätze der Polizei geschlichtet werden können (kann aber eigentlich auch nach jedem anderen Konzert passieren, wenn es was getaugt hat)
- am Eingang Schutzhelme und Hodenschütze verteilt werden
- am Eingang Waffenkontrollen durchgeführt werden und unbewaffnete Konzertbesucher wieder gehen müssen
- man das Orchester zwar sehen, aber nicht hören kann
- man nach dem Konzert in der Einflugschneise keinen Mucks mehr hört
- das Orchester durch eine Schallschutzwand von den Sängern getrennt ist (Achtung: eindeutiges Erkennungsmerkmal ist, dass die transparente Schallschutzwand mit Kondenswasser bedeckt ist, auch wenn der Chor Meter dahinter positioniert ist)
- das Publikum sich unmittelbar nach dem Konzert durch die Notausgänge quetscht und mindestens die Hälfte der Besucher dabei totgetrampelt wird
- das Konzerthaus unmittelbar nach dem Konzert ein Schild an der Einganstür hat, auf dem steht: wegen Renovierung geschlossen
- der gesamte Alkoholvorrat der Bar im Foyer bereits vor dem Konzert aufgebraucht ist
- die Konzertbesucher vor dem Konzert noch Testamente verfassen, sich Heroin spritzen oder versuchen, sich in den Orchestergraben zu stürzen
- in der Garderobe bereits einige hundert Standardsärge zum Discountpreis herumstehen


Mit diesen einfachen Tips sollten Sie gerüstet sein für Ihr erstes und garantiert letztes Chorkonzert. Ruhen Sie in Frieden...

S A T I E
satie (29.08.2007, 23:17):
Die Gitarre

Ein ebenso leidiges wie notwendiges Thema wurde bislang geschickt umgangen, der Antichrist unter den Instrumenten, die Gitarre.
Wie die meisten Instrumente wurde auch dieses im Mittelalter als Foltergerät benutzt. Die Verwendung war damals weit weniger grausam als heute, man schlug das Ding ganz einfach dem Opfer über den Schädel, wenn Daumenschrauben und eiserne Jungfrau nicht effektiv genug waren.
Die Gitarre ist von der Anatomie her schlicht ein unförmiger Holzkasten, den man mit messerscharfen Stahldrähten umwickelt. Diese werden dann von sadistisch veranlagten Subjekten mit Gewalt nach oben gerissen, damit sie sogleich mit Wucht auf den maroden Korpus zurückschnellen, wo sie hässliche Spuren hinterlassen und ab und an das Instrument auch zum Zerbersten bringen können. Fals das gelingt, spricht man von einer "eingespielten Gitarre", die dann tauglich für den professionellen Gebrauch ist.
Viele Gitarrenspieler sind auf der ganzen Welt gefürchtet, so etwa die legendären Romeros, die sich die Musik vorzugsweise von blinden Komponisten schreiben lassen, weil die dieses gemeingefährliche Trio nicht identifizieren können, wenn wieder eine polizeiliche Ermittlung ansteht.
Sollten Sie, werter Klassikfreund, also in die missliche Lage geraten, in ein Konzert mit Gitarrenmusik zu geraten, sollten Sie gewappnet sein.
Wie jder echte Klassikkenner haben Sie selbstverständlich immer die Notfallausrüstung dabei: Hundepfeife, Ohropax, Schnellverband und ein gutes Buch, außerdem natürlich einige überreife Tomaten (zwecks Wurf) und - m wichtigsten - Pfefferspray und Alarmsirene. Ein Gitarrenkonzert erkennen Sie daran, dass im Publikum primär grobschlächtige, gewattätig aussehende Typen sitzen, die während der Darbietung ihre Klappmesser wetzen oder eventuell auch mit den Innereien ihrer letzten Mordopfer herumspielen. Davon lassen Sie sich am besten nicht weiter beeindrucken. Die Bühne sieht auf den ersten Blick ganz normal aus, allerdings werden Sie mit der Zeit bemerken, dass sie mit einer dicken Plexiglasscheibe verschlossen ist. Dies ist einerseits eine Vorsichtsmaßnahme für den Interpreten, der sich stets in Acht nehmen muss, nicht durch einen Molotowcocktail oder Handgranaten verletzt zu werden, die ohne Unterlass auf die Bühne geworfen werden. Gitarristen sind in aller Regel hagere Gestalten mit dunklen Augenringen und fettigen, langen Haaren. Alle paar Minuten stoßen sie schmerzerfüllte Schreie aus, da sich ihre Finger ständig in den Gedärmen der Klampfe verfangen. Nicht selten tritt an dieser Stelle ein Assistent auf, der den Gitarristen mit einem Saitenschneider aus seiner misslichen Lage befreien muss.
Bevor der Interpret jedoch mit den eigentlichen Stücken beginnt, vergehen ca 30 Minuten, während derer der Interpret ächzend am Hals des Instruments herumschraubt. Dies dient dazu, die Gitarre gefügig zu machen,da sie sonst einfach auf eigene Faust spielen würde. as verwundert nicht, denn die gängige Gitarrenliteratur gehört zum widerlichsten, was sich jemals menschliche Hirne ausgedacht haben. All die großen Komponisten - als der Wahn sie übermannte oder sie unter postoperativen Schmerzen litten, griffen sie zur Gitarre.
Seien Sie also vorsichtig: klatschen Sie nicht bereits nach der halbstündigen Halswirbeldreherei, diese ist keine Komposition, obwohl sie meist den Höhepunkt des Abends bildet. Achten Sie darauf, dass der Interpret tatsächlich beide Hände bewegt, wenn er spielt, nicht nur eine oder etwa gar keine, auch wenn das zweifellos die angenehmste Form von Gitarrenmusik darstellt.
Unterscheiden Sie ach zwischen der normalen akustischen Gitarre und der E-Gitarre. Akusisch: sehr laut, donnernd, gequetscht-knisternd, knarrend zerquietscht, E-Gitarre: angenehmerweise so laut, dass man nach wenigen Sekunden dank des Hörsturzes nichts mehr hören muss. Sollte die E-Gitarre nicht eingesteckt sein und der Gitarrist nur verkrampft lächeln und weder zupfen noch einen Griff mit der anderen Hand ausführen ist schleunigstes Verlassen des Saals geboten: es könte sich um Dieter Bohlen handeln.
Die beste und historisch korrekteste Gitarrenmusik ist die Hardrock-Musik: dort sind aufführungspraktisch geschulte Leute zu finden, die die Gitarre dem ursprünglichen Zweck zuführen und sie zerschmettern.

S A T I E
satie (14.09.2007, 20:41):
Original von LazarusLong
Hallo Satie

Sag bitte nichts gegen Gitarrespieler. Ich selbst spiele beides: Country und Western :leb :leb :leb Die nächste Steigerung für mich ist dann Reinhard Mey oder Peter Maffay. Ich beherrsche zur Zeit perfekt die 5 Akkord Schrammeltechnik, die sich bei meinem Stammpublikum (3 und 4,5 Jahre alt) großer Beliebtheit erfreut. Mangels Zeit und Ehrgeiz ist mit einer Ausweitung meiner musikalischen Aktivitäten in absehbarer Zeit allerdings nicht zu rechnen, wofür mir die Musikwelt mit Sicherheit dankbar wäre, wüsste sie davon.

Mit :D :D :D :D :D Grüssen

Frank

Und bitte mach weiter mit dem Handbuch

Lieber Frank,
zunächst: ich sage über die Gitarre wie über alles andere auch natürlich nichts als die WAHRHEIT! Gegen Gitarristen habe ich nichts (zumindest nichts legales...). Außerdem eignet sich kaum ein anderes Instrument so gut zum Eier schneiden, damit ist die Gitarre schon weit über die meisten anderen Instrumente erhaben, die ausschließlich zum Lärm taugen.
5 Akkorde zu beherrschen ist nicht nur überflüssig (es genügen maximal 3), sondern sogar gefährlich. Man könnte Dich in Gitarristenkreisen durch diese schamlose Zurschaustellung von Intellekt für einen Mitarbeiter des Secret Service oder gar einen wahnsinnigen Terroristen mit Weltbeherrschungsmanie halten. Behalte also die zwei zusätzlichen Akkorde für Dich. Wenn jemand fragt: Du kennst E und A-Dur, das genügt, um sich als Profi auszugeben. Schrammeltechnik: könnte auch verdächtig sein, wenn Du das zu gut kannst. Ich empfehle zum Verbergen dieser schier übernatürlichen technischen Gewandtheit ein ab und zu eingeflochtenes hilfloses herumpatschen auf den Saiten und dem Korpus, dann merken die Leute das nicht und vermuten nichts böses.
Reinhard Mey und Peter Maffay zählen zweifellos zu den bedeutendsten deutschen Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts. Da kann man natürlich nur schamvoll hinaufblicken, dorthin wo sie sitzen, im Olymp, Nektar und Ambrosia sich von den Musen persönlich kredenzen lassend, wo Terpsichore jauchzend umhertanzt und gar Apoll und Dionysos die Tränen der Rührung ob derart inniger Tonschöpfungen nicht zurückzuhalten im Stande sind. Ja, über den Wolken, da muss die künstlerische Freiheit wohl grenzenlos sein, wenn Tabaluga friedlich seine Volten vollführt. Hach ja...seufz...

S A T I E
Engelbert (01.06.2006, 07:59):
Es ist überhaupt nicht damit getan, eine Oper nur zu hören, sondern man sollte auch die Texte studieren. Wichtige Stellen sind auswendig zu lernen, damit man sie im täglichen Gebrauch anwenden kann. Unsere Umgangssprache entbehrt im allgemeinen der Poesie und es wird Zeit, diesem Missstand abzuhelfen. Im besonderen bietet sich hier Richard Wagner an, seine Verse in die Umgangssprache einfließen zu lassen.

Es wirkt unkultiviert, wenn der Ehemann zu seiner Frau sagt: „Hör auf zu heulen“; viel besser klingt, wenn er vorschlägt, dass sie die „tröpfelnden Tränen der Trübsal trocknen“ soll.

Manchmal muss man auch ein bisschen auswendig lernen, um zur aktuellen Situation den passenden Spruch zur Hand zu haben.

:J

Folgende Szene. Der Haushaltsvorstand hatte Ärger im Beruf und kommt abends spät schlecht gelaunt nach Hause. Die Frau freut sich, dass er endlich da ist, öffnet die Haustür und offeriert ein strahlendes Lächeln. Dann sagt er:

„Eine zierliche Fresse zeigst Du mir da,
lachende Zähne im Leckermaul!
Gut wär’ es, den Schlund dir zu schließen;
Dein Rachen reckt sich zu weit.“

Danach setzt der Mann sich an den Küchentisch und motzt:

„Trinken wollt ich:
Nun treffe ich auch Fraß“

Der Zitterrochen schüttet das Glas Rotwein über die weiße Tischdecke. Vergeblich versucht die Hausfrau den Flecken auszuwaschen. Am nächsten Tag kommt die Freundin Besuch und gibt Ratschläge, die keinen Eindruck machen. Beide lieben den Belcanto und Sabine erklärt:

Una macchia è qui tuttora...
Via di dico, o maledetta

Martha Mödel übersetzt:

„Dieser Flecken kommt immer wieder...
Hinweg mit dir, verdammter Flecken.

:W

Rätselfrage an die Forianer: Um welche der beiden Opern handelt es sich?

:engel
Engelbert (23.01.2007, 20:35):
Puccinis Madame Butterfly

Bei einer analytischen Auseinandersetzung mit Missis Pinkerton kommt diese sehr schlecht weg. Als Marineleutnant Pinkerton abreist fragt Cho Cho San ihn, ob der Gebieter wiederkommen wird. Sie erhält zur Antwort: Wenn das Rotkehlchen sein Nest baut, komme er wieder.
In Japan haben die Rotkehlchen schon dreimal gebaut und jetzt liegt sie dem Konsul in den Ohren, wann in Amerika die Rotkehlchen ihr Nest bauen. Sharpless weiß es beim besten Willen nicht, denn er hat Ornithologie nicht studiert.

Butterfly hat keinen Grund sich so beklagen. Die Miete für das geräumige Windhaus - es hat noch Platz für drei faule Dienstboten - wird regelmäßig jeden Monat vom Konsulat einbezahlt und das nun schon seit drei Jahren - ohne Gegenleistung. Die Dienstboten bekommen ebenfalls ihr Gehalt von Linkerton. Erst als die Haushaltskasse fast leer ist, wird das Warten unerträglich. Als ausgebildete Geisha könnte Butterfly doch ein bisschen mit Gesang und Flotenspiel dazuverdienen. Sie denkt nicht dran. Im Garten wird kein Unkraut gejätet, sondern nur an den Kirschbaumzweigen gerüttelt. Sie läuft den ganzen Tag im Kimono herum und schaut verdrossen, ob das Schiff nicht endlich am Horizont auftaucht. Mit allen Verwandten hat sie es gründlich verdorben, weil Onkel Bonze diese gegen sie aufwiegelt. Sie hat sich nämlich in Missachtung der Traditionen taufen lassen.

Jetzt kommt der Hammer, der reiche Yamadori will sie trotz allem heiraten. Ihn will sie aber nicht, weil er Schlitzaugen hat, genau wie sie.
Zynisch macht sie ihn nach allen Regeln der Kunst fertig, so dass kein japanischer Hund mehr einen Knochen von ihm nimmt. Er bleibt fernöstlich höflich.

Aber das ist bei vielen Menschen häufig so. Das eigene Leid nimmt die volle Aufmerksamkeit überdimensional in Anspruch, während der Kummer und das Verlangen des anderen völlig unwichtig ist.
:tongue:

Ich habe mir die Mühe gemacht, das gesamte Textbuch aus dem Englischen zu übersetzen und bin zu dem Schluss gekommen, dass das Duo Giacosa/Illica vorzügliche Arbeit geleistet hat. Der Humor ist oft sehr hintergründig und die Handlung durchaus schlüssig. Die Nacherzählungen in den Opernführern und Textbeilagen ist zu oberflächlich, so dass die Logik der Abläufe nicht plausibel gemacht ist. Ich war angenehm überrascht und habe den Grundsatz, dass man das Libretto nicht kennen muss, weil sowieso alles nur dummes Zeug ist, längst aufgegeben. Es gibt viele angenehme Überraschungen, wenn der sakrale Schwachsinn in den Tempelszenen nicht überhand nimmt.

Wenn ich einen Rat geben sollte, welche Einspielung ich für die beste halte (wenn man die historischen mit Tebaldi, Los Angeles und Callas einmal ausklammert) würde ich die mit Maria Chiara und James King vorschlagen. Die Kincses mit Dvorsky artikuliert nicht besonders und ibleibt bedauerlicherweise unter ihren Möglichkeiten. Die Chiara hat eine helltimbrierte schlanke Stimme und kann auch Power geben. Ihre fünfzehnjährige ist glaubwürdig. In der Kritik ist sie seinerzeit nicht gut weggekommen.

Engelbert
:engel
Jürgen (11.12.2006, 16:38):
Original von LazarusLong
Kann mir jemand eine wirklich gute, hörenswerte Einspielung empfehlen?
Ich glaube dieses Werk ist eines der am häufigsten erschienenen Werke Bachs und hier ein wirklich gutes zu finden, traue ich mir so nicht zu.
Frank

Ich denke, mit Gardiner machst Du keinen Fehler, wenn Dir eine frische, fröhliche und flotte Aufführungspraxis liegt.

Seit Jahren in Internetforen unterwegs, habe ich selten etwas negatives über die Aufnahme gehört. Aber oft Gutes.

Ich selbst habe sie seit fast 20 Jahren, und bin so zufrieden, dass ich mir erst dieses Jahr eine zweite Aufnahme zugelegt habe. Und das auch nur wegen dieser Bach-Edition.

Bei live Aufführungen wird das WO gerne in 2x3 Kantaten aufgeteilt. D.h. pro Abend nur 3 Kantaten. Wegen dem Popöchen.

Grüße
Jürgen
Gamaheh (20.11.2006, 02:26):
Lieber Satie,

superb - ich habe Tränen gelacht. Wie schön, daß Du diesen (Leit-)Faden aus gegebenem Anlaß wieder aufleben läßt! Er war nämlich bisher völlig an mir vorbeigegangen!!

Wenn ich so verwegen sein darf, einen Wunsch zu äußern, so würde ich Dich herzlich bitten, doch bei nächster Gelegenheit einmal die Klaviermusik Robert Schumanns abschließend zu behandeln.

Beste Grüße,
Gamaheh
Gamaheh (20.11.2006, 23:14):
Ey, Digga, was geht ab? Du bist ja voll gut drauf! (Dabei siehst Du aus wie so'n Opi.)

Hau rein!

Gamaheh (lol)
Gamaheh (22.11.2006, 01:47):
Lieber Satie,

vielen Dank für Deinen neuesten Beitrag, der alle bisherigen Versuche (Peter und der Wolf, The Young Persons' Guide to the Orchestra, Yehudi Menuhin erklärt die Instrumente des Orchesters) in den Schatten zu stellen verspricht.

Jedoch sollte das Kontrafagott nicht unerwähnt bleiben, insbesondere mit Rücksicht auf Deine jüngere Leserschaft (zu der ich mich auch rechnen darf, bin ich doch um einiges jünger als Papagenos junge Geliebte). Dieses Instrument darf man nicht unvorbereitet hören, man könnte sonst auf den Gedanken kommen, sich verhalten kichernd unter den Sitznachbarn umzuschauen oder - oh Graus! - daß es zum guten Ton gehört, diese volltönenden eruktationsartigen Geräusche bei einer Konzertdarbietung von sich zu geben! Sollte ich Dir hier vorgegriffen haben, bitte ich um Verzeihung!

Deiner weiteren Ausführungen begierig harrend,
Gamaheh
Gamaheh (22.11.2006, 23:39):
Nein, nein, lieber Satie, noch wirst Du nicht in Beton gegossen - erst, wenn Du den Kleinen Musikfreund drohst beendet zu haben! Was das heißt, ist evident. Aber es ist schon ein böses Spiel, das Du hier mit uns treibst: Wer würde sich nicht in einer, mehreren oder gar allen Kategorien der Klassikfreunde wiedererkennen! Schon frage ich mich: Kann ich das so schreiben? Entlarve ich mich nicht gerade als dieser oder jener Typ?

Späte Grüße,
Gamaheh

P.S.: Welches Heraklit-Zitat ist gemeint?
Gamaheh (23.11.2006, 10:14):
Original von LazarusLong
Ave Satie, dilletanti ti salutant

Da Capo

Frank

PS.: Gibt es einen Lateiner unter uns, der mir sagen kann ob obige Formulierung richtig ist, nur der Neugierde halber?

Lieber Frank,

dilettanti ist die italienische Form; die lateinische müßte delectantes sein, aber ich kann im Moment nicht nachprüfen, ob es die tatsächlich in der Bedeutung gegeben hat (ich habe meine Zweifel). te ist richtig (ti ist wieder ital.); da capo: "mit dem Kopf voran".

Grüße,
Gamaheh
Gamaheh (23.11.2006, 13:41):
Original von LazarusLong

Die von Dir angesprochenen delectantes haben den selben Wortstamm wie delektieren, also geniessen, ich wollte aber nicht von Geniessern, sondern von Dilletanten, also Anfängern (Laien, Pfuschern) sprechen.

Ich weiß, wovon Du sprechen wolltest; deshalb sagte ich, daß es das Wort in der Bedeutung meiner Meinung nach nicht gegeben hat. (Weil es das Ding nicht gegeben hat: Ich vermute, daß Dilettanten in unserem Sinne eine Erscheinung der bürgerlichen Gesellschaft seit dem späten 18. Jahrhundert sind.) Ein anderes - weniger stark abfälliges - Wort wäre "Amateure", also "Liebhaber", amantes - aber auch hier hat sich die Bedeutung eben erst in moderner Zeit verschlechtert. Dilettare ist natürlich - nach normgerechtem Lautwandel - dasselbe Wort wie delectare.


Ehrlich gesagt, Deine Version mit Geniessern gefällt mir besser.

Du hast inzwischen verstanden, daß das nicht meine Version ist? Es heißt auch im übrigen eigentlich "erfreuen", ist also aktiv, was schön zeigt, wie sich nicht nur das lautende Wort, sondern auch seine Bedeutung im Laufe der Zeit gewandelt hat.

Daccapo(It) heißt soviel wie noch einmal / Zugabe. Ich habe gerade im Wörterbuch nachgesehen.
Ich wollte hier scherzhaft das machen, was Du gemacht hattest, nur umgekehrt: lat. caput ist "Haupt", "Kopf".

Es war keine Mühe, und Gamaheh ist der Name der schönen Prinzessin aus E.T.A. Hoffmanns Meister Floh. Ob er eine Bedeutung hat, weiß ich allerdings auch nicht. Aber Hoffmann hatte eine blühende Fantasie und hat viele schöne Namen (und Geschichten) erfunden. (Er hatte übrigens auch eine sehr dezidierte Meinung zu Dilettanten, obwohl er sie - glaube ich - noch nicht so nennt.)

Viele Grüße,
Gamaheh
Gamaheh (23.11.2006, 14:38):
Original von LazarusLong
Original von cellodil
Liebe Gamaheh,
lieber Frank,

da muss ich doch auch mal kurz auf mein Asterix-Wissen zurückgreifen und werfe Euch ein fröhliches:

ut desint vires tamen est laudanda voluntas

zu....

Grinsige Grüße

Sabine

Häh

Ich habe alle Asterix-Bände, an dieses Zitat kann ich mich nicht erinnern.

Welcher Band und was heißt das? :hello

Gruß

Frank

Bei uns an der Schule geisterte das Gerücht herum, daß mal eine in einer mündlichen Prüfung vires mit viri, voluntas mit voluptas verwechselt habe und folgende Übersetzung lieferte:

"Wenn auch die Männer fehlen, so ist doch die Lust zu loben!"

Grüße,
Gamaheh
Gamaheh (23.11.2006, 15:55):
Original von cellodil

Sollten wir, liebe Gamaheh, lieber Frank, nicht vielleicht doch eine Fan-Selbsthilfegruppe gründen ....

Liebe Sabine,

ich plädiere eher für einen eigennützigen Verein.

und Satie wird - Höchststrafe muss sein...
nicht in Beton gegossen, sondern zwangsverpflichtet zur ständigen Teilnahme.... Oder ist das doch zu grausam???

Ich denke, wir können hier gar nicht konsequent genug durchgreifen - von Grausamkeit kann (noch) keine Rede sein. Wir loben ihn hier täglich dermaßen, daß er womöglich noch eitel wird! Wir könnten mit systematischem Lobesentzug experimentieren, wenn er seinen Verpflichtungen nicht nachkommt.

Herzliche Grüße
Gamaheh
Gamaheh (24.11.2006, 00:08):
Lieber Satie,

wo nimmst Du nur die ganzen fantastischen Ideen her? Ist das jetzt eine Variante zu "101 Things to Do With a Dead Cat"? Für die Veröffentlichung brauchst Du unbedingt einen guten Illustrator, denn kein Buch verkauft sich ohne ganz viele (bunte) Bilder. Ich könnte mir das ganze auch gut als Vortragsreihe vorstellen, mit Klangbeispielen und ganz vielen Powerpoint-Folien (je mehr, desto besser - das wirkt dann schön wissenschaftlich, und wenn Du dann auch noch von Zeit zu Zeit die Titel Deiner Veröffentlichungen einblendest ...).

Von mir bekommst Du 9,5/10 für den Kalauer (wir wollen's nicht übertreiben, sonst ruhst Du Dich nachher auf Deinen Lorbeeren aus).

Herzliche Grüße,
Gamaheh
Gamaheh (29.11.2006, 23:53):
Lieber Satie,

sehr freundlich, daß Du darauf Rücksicht genommen hast, daß ich einige Tage abwesend war - jetzt könntest Du allerdings gerne weitermachen.

Hast Du eigentlich ein Archiv, aus dem Du schöpfst, oder findest Du diese Bilder und diese Kritiken auf Anhieb?

Apropos Erleben: Flügel im freien Fall, mit Helium gefüllte Cembali???

Allerbeste Grüße,
Gamaheh
Gamaheh (10.12.2006, 13:42):
Lieber Satie,

herzlichen Dank für diese ausführlichen Erläuterungen, die sich akribisch am Text orientieren und die trotzdem jedes Kind verstehen kann. Trotzdem werde ich das Weihnachtsoratorium nie wieder mit dem gleichen kindlichen Gemüt hören können ... In der Tat hatte ich die Texte noch nie so genau angesehen und bin überrascht, daß das alles Originalzitate sind! Dabei lerne ich, daß sie pikanderweise von so einer Art Zöllner stammen.

Alles Gute,
Gamaheh
Gamaheh (10.12.2006, 13:46):
Original von cellodil
wieso die Gestaltung der Cover Weihnachts-CDs eigentlich zwingend eine Zumutung sein muss ...


Liebe Sabine,

ich glaube, das liegt daran, daß die Covers von CDs grundsätzlich fast zwingend eine Zumutung sind. Ich würde z.B. dafür plädieren, Interpreten nur auf den Umschlägen abzubilden, wenn es sich um wirklich gutaussehende Männer handelt.

Herzliche Grüße,
Gamaheh
Gamaheh (13.12.2006, 20:04):
Original von cellodil
Original von Gamaheh
Ich würde z.B. dafür plädieren, Interpreten nur auf den Umschlägen abzubilden, wenn es sich um wirklich gutaussehende Männer handelt.


da wäre ich doch sofort dafür. Über die Frage des adäquaten Maßes an Bekleidung könnten wir dann ja noch im Einzefall diskutieren...


Liebe Sabine,

ich favorisiere den Frack, der macht doch wirklich immer was her!

Lieber Frank,

wie siehst Du denn im Frack aus?

Zu Deiner Frage: Ich habe nur eine Aufnahme (bzw. bei der zweiten, auf Cassette kopiert, weiß ich nicht, was es ist), daher fehlt mir der Vergleich; aber die, die ich habe, mag ich: Unter "ich höre gerade" erwähnt.

Grüße,
Gamaheh
Gamaheh (22.12.2006, 16:02):
Original von LazarusLong
Frack besitze ich keinen, kommt mir zu teuer, da Konfektion nicht passt.

Schade - denn brauchen wir darüber ja gar nicht mehr zu reden ... Aber abgesehen vom Äußeren (der Platte), wie würde denn der Inhalt aussehen?


Was den Bach angeht, so werde ich Jürgens Empfehlung (Gardiner) folgen und am Sonntag mal in die diversen Läden auf die Jagd gehen.
Deine Empfehlung in "was höre ich gerade jetzt" konnte ich nicht finden, gib mir doch bitte noch mal einen Tip

Hier nochmal für Dich (Weihnachten geht ja bis zum 6. Januar):

http://ec1.images-amazon.com/images/P/B000025TN5.03._AA240_SCLZZZZZZZ_.jpg

Kann es übrigens sein, daß wir diesen uns allen so nützlichen und seriösen, ernsthaften und maßstäbesetzenden (darüber komme ich einfach nicht hinweg!) Faden gerade über die Maßen frivolisieren?

Bitte, Satie, nimm es uns nicht übel - nächstes Jahr geht es doch weiter?!!

Grüße,
Gamaheh
Gamaheh (23.12.2006, 00:49):
Original von cellodil

"Frivolisieren" ist tolles Wort!!! Darf ich mir das mal ausleihen???



Liebe Sabine,

aber gerne! (Bei der Syntax hätte ich eigentlich "krass" erwartet!) Wörter kann man ja glücklicherweise nicht patentieren, wenn auch Worte oft urheberrechtlich geschützt sind.

Ist Dir übrigens aufgefallen, daß Satie Dich gerade neutralisiert hat? Willst Du Dir das gefallen lassen?

Herzliche Grüße an Euch alle,
Gamaheh
Gamaheh (09.01.2007, 00:00):
Error!
Gamaheh (09.01.2007, 00:01):
Lieber Satie,

herzlichen Dank, daß Du jetzt auch für mich begreiflich die Grundlagen der Musik dargestellt hast. Nie wieder werde ich ein Konzert mit den gleichen naiven Ohren hören, sondern mit geschärftem analytischen Verstand auf das Glucksen und Blubbern warten, vor meinem geistigen Auge eine Parade garottierter Hunde, entschwänzter Katzen und gehäuteter Meerschweine vorbeimarschieren sehen in dem stolzen Gedanken, meinen Sitznachbarn doch einiges an Verständnis vorauszuhaben!

Dankbar,
Gamaheh
Gamaheh (07.03.2007, 22:35):
Geduld wird belohnt! Da werden Erinnerungen wach! Der Septuagenarier Gigi Trollette in einem Gay Cub in Brighton, der in enganliegender Plastikhose - in der Tat - "My Way" singt - meine einzige Karaoke-Erfahrung, bei der ich mich auch erfolgreich drückte (Ödem an der linken Stimmlippe). Und mit kleinen Kindern im Auto - das letzte Mal, daß ich nicht allein im Auto gesungen habe - zur Weihnachtszeit "Exsultate, jubilate", wo, als der Name Christus fiel, mein Kleiner bemerkte, Christoph sei in seiner Kindergartengruppe! Seitdem singe ich nicht einmal mehr unter der Dusche...

Herzlichen Dank,
Gamaheh
LazarusLong (21.11.2006, 08:06):
Habe den Thread erst heute entdeckt.

Danke Satie, Danke

Besser kann man einen Arbeitstag nicht beginnnen. So herzlich habe ich schon lange nicht mehr gelacht.

Bitte nicht aufhören :down :P :down :down

Solltest Du dieses Handbuch jemals veröffentlichen, möchte ich eine signierte Erstausgabe von Dir.

:times10

Frank
LazarusLong (22.11.2006, 11:39):
@ Satie

Böse, böse, böse

Ich bin entsetzt.

Wenn ich das früher gewußt hätte, dann hätte ich .... ja was wohl?
:J
Keine Ahnung, aber mach weiter so. Dieser thread entwickelt sich für mich immer mehr zum Highlight des Tages.
:thanks
Frank

Hast Du vielleicht auch noch eine Klassifizierung der diversen Musikliebhabertypen parat? Wer weiß, wo ich mich da wiederfinde.
LazarusLong (22.11.2006, 13:26):
Original von cellodil

Stimmt. Macht gute Laune im Jahresendgehetze...

Herzliche Grüße

Sabine
(die die Gründung eines Handbuch-Fanclubs erwägt...)

Ich bin dabei
Original von cellodil
Original von LazarusLong
Hast Du vielleicht auch noch eine Klassifizierung der diversen Musikliebhabertypen parat? Wer weiß, wo ich mich da wiederfinde.

Lieber Frank,

meinst Du wirklich, wir würden die Wahrheit über uns ertragen??? Oder brauchen wir da hinterher womöglich eine Selbsthilfegruppe?

Herzliche Grüße

Sabine
(gespannt auf Selbsterkenntnis hoffend)

Sei stark, Sabine sei stark, denn es steht geschrieben:
"Was uns nicht umbringt, macht uns nur noch härter"
:P
Gruß

Frank
LazarusLong (23.11.2006, 07:23):
Der Dilletant verneigt sich in Ehrfurcht vor dem Könner. Neidlos, ohne schlechte Gefühle, da sowieso unerreichbar, aber voller Vorfreude auf den nächsten Beitrag.

Im Moment überlege ich noch, ob ich mich outen soll. In der einen oder anderen Kategorie habe ich mich doch wiedererkannt, :(wenn auch nicht ganz reinrassig.

Ave Satie, dilletanti ti salutant
:down :down :down :down :down :down :down
Da Capo

Frank

PS.: Gibt es einen Lateiner unter uns, der mir sagen kann ob obige Formulierung richtig ist, nur der Neugierde halber?
LazarusLong (23.11.2006, 12:16):
Original von Gamaheh
Original von LazarusLong
Ave Satie, dilletanti ti salutant

Da Capo

Frank

PS.: Gibt es einen Lateiner unter uns, der mir sagen kann ob obige Formulierung richtig ist, nur der Neugierde halber?

Lieber Frank,

dilettanti ist die italienische Form; die lateinische müßte delectantes sein, aber ich kann im Moment nicht nachprüfen, ob es die tatsächlich in der Bedeutung gegeben hat (ich habe meine Zweifel). te ist richtig (ti ist wieder ital.); da capo: "mit dem Kopf voran".

Grüße,
Gamaheh

Hallo Gamameh

Ich habe einfach versucht aus dem Portugiesichen bzw Spanischen abzuleiten. Kann sein, daß sich mein Italienischkurs ebenfalls eingeschlichen hat, aber ich denke ich war schon ziemlich nah dran.

Die von Dir angesprochenen delectantes haben den selben Wortstamm wie delektieren, also geniessen, ich wollte aber nicht von Geniessern, sondern von Dilletanten, also Anfängern (Laien, Pfuschern) sprechen.
Ehrlich gesagt, Deine Version mit Geniessern gefällt mir besser. :D
Daccapo(It) heißt soviel wie noch einmal / Zugabe. Ich habe gerade im Wörterbuch nachgesehen.

Danke Dir für die Mühe

Frank

PS.: Hat "Gamaheh" eine spezielle Bedeutung?
LazarusLong (23.11.2006, 14:25):
Original von cellodil
Liebe Gamaheh,
lieber Frank,

da muss ich doch auch mal kurz auf mein Asterix-Wissen zurückgreifen und werfe Euch ein fröhliches:

ut desint vires tamen est laudanda voluntas

zu....

Grinsige Grüße

Sabine

Häh

Ich habe alle Asterix-Bände, an dieses Zitat kann ich mich nicht erinnern.

Welcher Band und was heißt das? :hello

Gruß

Frank
LazarusLong (24.11.2006, 11:04):
Original von cellodil
Lieber Satie,

ein Beitrag, der mich wirklich tief berührt hat. Eigentlich arbeite ich ja als Pudelcoiffeuse (gerade in Fortbildung zur Pudel-Physiotherapeutin).... Nach diesen hochinteressanten Ausführungen, deshalb meine Bitte: Könntest Du vielleicht das Thema Musik und Frisur noch in einem klitzekleinen Exkurs vertiefen?

Biete im Gegenzug Gratispudelspezialdauerwelle für Deinen Fifi, Wauwau, Waldi ... (entkrausen auch möglich).

Erinnere mich, dass Pablo Casals (zumindest glaubt mein veralzheimertes Hirn, dass er es war) von einem Agenten vorgeschlagen wurde, er solle doch ein Haarteil tragen, weil er dann - vor allem in den USA - besser zu vermarkten wäre...



Herzliche Grüße

Sabine

Tolle Idee, ich stelle mir gerade vor, wie sich so ein Haarteil verselbstständigt, in der Tuba landet, von dort unter massivem Einsatz aller verfügbaren Lungenkapazität zur ersten Geige geschossen wird, die gekonnt mit dem Bogen zur Pauke verlängert. Dort wird das teil mit einem wirbel in der Schwebe gehalten und dann mit Rückhand zum Pianisten geschlenzt, der mit einem perfekten Fallrückzieher zurück zum Dirigenten...
Stop, ich würde das wirklich gern im Kino sehen, in Farbe, Großleinwand und in Zeitlupe

:leb

Frank
LazarusLong (25.11.2006, 10:45):
Original von cellodil
Original von LazarusLong
ich stelle mir gerade vor, wie sich so ein Haarteil verselbstständigt, in der Tuba landet, von dort unter massivem Einsatz aller verfügbaren Lungenkapazität zur ersten Geige geschossen wird, die gekonnt mit dem Bogen zur Pauke verlängert. Dort wird das teil mit einem wirbel in der Schwebe gehalten und dann mit Rückhand zum Pianisten geschlenzt, der mit einem perfekten Fallrückzieher zurück zum Dirigenten...
Stop, ich würde das wirklich gern im Kino sehen, in Farbe, Großleinwand und in Zeitlupe

:leb

Frank

Lieber Frank,

ich werde darüber nachdenken, die Szene hat ihren Reiz (und ich - von etwas muss eine arme Pudelfriseurin ja leben - noch so einen kleinen Nebenerwerb). Beteiligung an etwaigen Honoraren ist versprochen.

Herzliche Grüße

Sabine :rofl :rofl :rofl :rofl

Wenn ich mal wieder in der Stutgarteer Ecke bin, komme ich mit meonem Boxer und meinem Rauhhaardackel vorbei. Das wäre doch mal eine echte Herausforderung für einen arme Pudelfriseurin.

:haha :haha :haha :haha

Frank
LazarusLong (25.11.2006, 14:20):
Original von cellodil
Original von LazarusLong

Wenn ich mal wieder in der Stutgarteer Ecke bin, komme ich mit meonem Boxer und meinem Rauhhaardackel vorbei. Das wäre doch mal eine echte Herausforderung für einen arme Pudelfriseurin.

:haha :haha :haha :haha

Frank

Lieber Frank,

wie wäre es mit einer angepunkten Gelfrisur für den Dackel? Und als Boxer trägt man dieses Jahr satte Rosé-Töne mit einem Hauch Pink...

Herzliche Grüße

Sabine

Ich kriege dieses Bild nicht aus meinem Hirn.

Gemeinheit :S

wenn ich heute nacht nicht schlafen kann, bist Du schuld. :I

Schönes Wochenende wünsche ich Dir

Liebe Grüsse

Frank
LazarusLong (11.12.2006, 07:32):
Original von Gamaheh


Ich würde z.B. dafür plädieren, Interpreten nur auf den Umschlägen abzubilden, wenn es sich um wirklich gutaussehende Männer handelt.

Herzliche Grüße,
Gamaheh


Ich würde mich ja zur Verfügung stellen, den: "Es ist keiner so unnütz, als daß er nicht noch als abschreckendes Beispiel dienen könnte"

:D :D :D

Jetzt mal ernsthaft, das Cover und das Image von Bach (zumindest das bei mir erzeugte) haben mich bis jetzt vom Kauf abgeschreckt. Satie hat mich nun wirklich neugierig gemacht :down Kann mir jemand eine wirklich gute, hörenswerte Einspielung empfehlen?
Ich glaube dieses Werk ist eines der am häufigsten erschienenen Werke Bachs und hier ein wirklich gutes zu finden, traue ich mir so nicht zu.

@ sabine

Wie ich sehe hast Du Deinen Sitzungsmarathon unbeschadet überstanden. Wellcome back

Frank
LazarusLong (14.12.2006, 09:24):
Original von Gamaheh
Original von cellodil
Original von Gamaheh
Ich würde z.B. dafür plädieren, Interpreten nur auf den Umschlägen abzubilden, wenn es sich um wirklich gutaussehende Männer handelt.


da wäre ich doch sofort dafür. Über die Frage des adäquaten Maßes an Bekleidung könnten wir dann ja noch im Einzefall diskutieren...


Liebe Sabine,

ich favorisiere den Frack, der macht doch wirklich immer was her!

Lieber Frank,

wie siehst Du denn im Frack aus?

Zu Deiner Frage: Ich habe nur eine Aufnahme (bzw. bei der zweiten, auf Cassette kopiert, weiß ich nicht, was es ist), daher fehlt mir der Vergleich; aber die, die ich habe, mag ich: Unter "ich höre gerade" erwähnt.

Grüße,
Gamaheh


1,76m groß, 82kg nicht mehr ganz so austrainiert wie zu Bundeswehrzeiten :I aber immer noch sportlich präsentabel, dunkelblonder 6mm Bürstenhaarschnitt, Dschingis-Khan Bart, blaue Augen, Brillen bzw. Kontaktlinsenträger. Mach Dir selber ein Bild, ich hoffe ich komme in Deiner Vorstellung besser weg als in natura ?( . Frack besitze ich keinen, kommt mir zu teuer, da Konfektion nicht passt.

Was den Bach angeht, so werde ich Jürgens Empfehlung (Gardiner) folgen und am Sonntag mal in die diversen Läden auf die Jagd gehen.
Deine Empfehlung in "was höre ich gerade jetzt" konnte ich nicht finden, gib mir doch bitte noch mal einen Tip

Viele liebe Grüsse
:hello
Frank
LazarusLong (24.01.2007, 07:22):
Original von Engelbert
Puccinis Madame Butterfly


Ich habe mir die Mühe gemacht, das gesamte Textbuch aus dem Englischen zu übersetzen und bin zu dem Schluss gekommen, dass das Duo Giacosa/Illica vorzügliche Arbeit geleistet hat.

Wenn Du an recht ordentlichen Übersetzungen interessiert bist, kann ich Dir folgenden Link empfehlen:

Opera Guide CH

Original libretti und Übersetzungen meist in Englisch und Deutsch
keine kommerzielle Seite, keine Werbung

Gruß
Frank
LazarusLong (03.04.2007, 08:47):
Original von cellodil
Vermutlich finden wir auf Konzert- und Opertickets demnächst Warnhinweise und Kontaktadressen fürs Entwöhnen wie auf Zigarettenschachteln...

Grüße

Sabine

Irgendwo (Schweden?) werden sogar Bilder von Zigarettengeschädigten auf den Packungen abgebildet, verfaulte Zähne, Krebskranke etc. Da sehe ich noch einiges Entwicklungspotential im Bereich der Musikindustrie. Ich sehe vor meinem geistigen Auge Detailbilder geplatzter Trommelfelle vor den Diskotheken, Schnappschüsse orientierungsloser Musiker und Dirigenten vor den Konzerthäusern, geplatzte Sektgläser auf den Opernplakaten (evtl. mit Bildern der dadurch verursachten Verletzungen).
Und was ist mit den optischen und seelischen Gefährdungen? Ich habe vor meinem geistigen Auge ein Bild das ich einfach nicht mehr loswerde: Luciano Pavarotti als Romeo wie er voller Elan eine wacklige Holzleiter (hinterste Ecke Requisitenkammer) zu erklimmen versucht um zu seiner geliebten Julia (Montserrat Caballe im Nachthemd) auf den Balkon zu kommen. Sicherlich wird damit der Spannungsbogen der Oper ganz neue Dimensionen erreichen, aber kann der ungewarnte Opernbesucher so etwas unvorbereitet überhaupt verkraften. (Und wer übernimmt die Verantwortung für die Statik des Balkons?)
Fragen über Fragen. Hier ist IMO höchstdringlicher Handlungsbedarf gegeben.

Frank
LazarusLong (06.06.2007, 07:30):
Hallo Satie

An Dic als hauptverantwortlichen Autor dieses großartigen Handbuchs folgende Frage:

Wie liest man eine Kritik (wenn überhaupt)?

Für mich als Laie, der immer mehr versucht sic mit klassischer Musik auseinanderzusetzen, sind Kritiken ein teilweise schönes Stück Literatur (wenn sie nicht einmal das sind, lese ich sie meistens gar nicht zu Ende), die in einer sehr blumigen Sprache nur kundtun, ob dem Kritiker das Stück gefallen hat oder nicht. Das ganze erinnert mich immer an Weinbesprechungen, die mit sehr viel Brimborium letztendlich folgende Ausssagen treffen: Der Wein ist trocken/halbtrocken süß und schmeckt oder auch nicht.

Einige Formulierungen, die man sowohl in der einen wie auch in der anderen Thematik findet:

Flächige Dynamik
interpretatorische Defizite
Brillanz
Profiliert
intime Inszenierung
akustische (respektive olfaktorische) Dichte
etc. ad infinitum.

Känntest Du evtl. einige der gebräuchlichsteb Begriffe dem Laien verständlich machen?

Meine Dankbarkeit wird Dir ewig nachrennen.

Frank
LazarusLong (21.06.2007, 08:46):
Satie ich danke Dir

Du hast es geschafft mir in einer beruflich ziemlich harten Zeit eiin herzhaftes Lachen zu entreissen.
:thanks

Bitte versuche diesen Thread weiterzuführen, es ist für mich jedes Mal ein neues Highlight.

Frank
LazarusLong (14.09.2007, 10:08):
Hallo Satie

Sag bitte nichts gegen Gitarrespieler. Ich selbst spiele beides: Country und Western :leb :leb :leb Die nächste Steigerung für mich ist dann Reinhard Mey oder Peter Maffay. Ich beherrsche zur Zeit perfekt die 5 Akkord Schrammeltechnik, die sich bei meinem Stammpublikum (3 und 4,5 Jahre alt) großer Beliebtheit erfreut. Mangels Zeit und Ehrgeiz ist mit einer Ausweitung meiner musikalischen Aktivitäten in absehbarer Zeit allerdings nicht zu rechnen, wofür mir die Musikwelt mit Sicherheit dankbar wäre, wüsste sie davon.

Mit :D :D :D :D :D Grüssen

Frank

Und bitte mach weiter mit dem Handbuch
LazarusLong (14.09.2007, 15:47):
Original von cellodil


Lieber Frank,

schön, mal wieder was von Dir zu lesen :tongue: !

Weißt Du eigentlich, wie gut Gitarre und Cello als Duo klingen??? :D Vielleicht würden es ja auch Deine Fans goutieren...

Herzliche Grüße

Sabine

Kannst Du mir mal ein Beispiel nennen? Nur zum Anhören, Keine Bange :D.

Ansonsten war ich in letzter Zeit mehr in der Technikecke unterwegs, von wegen Neukauf Hardware und Erfahrungen dazu.

Viele liebe Grüsse und Euch allen ein schönes Wochenende

Frank
LazarusLong (24.09.2007, 07:39):
Aus gegebenem Anlass:

Stichwort Operette??

Bitte, bitte Satie

Frank
cellodil (21.11.2006, 01:23):
Lieber Satie,

einfach großartig. :down :down :down :down :down

Da hatte ich bislang wirklich was verpasst (keine Ahnung, warum mir das Handbuch bisher schlicht entgangen war).

Endlich eine wirkliche Orientierung, endlich mitreden können!!!! Grazie, grazie, grazie!

Gut, dass diese unerlässliche Handreichung für den Klassikfreund aus gegebenem Anlass aus der Vesenkung wieder auferstanden ist.


Herzliche Grüße und ebensolchen Dank

Sabine
(fortbildungsbegierig)

Steht da nicht noch die angekündigte Instrumentenkunde aus?
cellodil (21.11.2006, 23:29):
Original von Satie
Nähere Bertrachtungen zu den einzelnen Instrumentengruppen werden folgen.

Hope so!

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (22.11.2006, 11:52):
Original von LazarusLong
@ Satie

Böse, böse, böse

Ich bin entsetzt.

(...) mach weiter so. Dieser thread entwickelt sich für mich immer mehr zum Highlight des Tages.
:thanks
Frank

Stimmt. Macht gute Laune im Jahresendgehetze...

Herzliche Grüße

Sabine
(die die Gründung eines Handbuch-Fanclubs erwägt...)

Original von LazarusLong
Hast Du vielleicht auch noch eine Klassifizierung der diversen Musikliebhabertypen parat? Wer weiß, wo ich mich da wiederfinde.

Lieber Frank,

meinst Du wirklich, wir würden die Wahrheit über uns ertragen??? Oder brauchen wir da hinterher womöglich eine Selbsthilfegruppe?

Herzliche Grüße

Sabine
(gespannt auf Selbsterkenntnis hoffend)
cellodil (23.11.2006, 13:40):
Mmmmppfff... So eine Sache mit der Selbsterkenntnis. Esoterischer Notenzähler? Oder doch eher cholerisch-schüchtern? Grübel, grübel, grübel....

Sollten wir, liebe Gamaheh, lieber Frank, nicht vielleicht doch eine Fan-Selbsthilfegruppe gründen ....

:leb :leb :leb :leb

und Satie wird - Höchststrafe muss sein...

Original von Satie
Der Humorist hat in der Regel sehr wenige Freunde im Kreise der Klassikliebhaber und wird in aller Regel nach angeregten Gesprächen geteert und gefedert. Wenn er dann immer noch von Schafotten, Flockblöten und Tomatensatz erzählt, kann er Gefahr laufen, in Beton gegossen auf dem Meeresgrund versenkt zu werden.


S A T I E (Was wollt ihr denn mit dem Beton, bitte?)

nicht in Beton gegossen, sondern zwangsverpflichtet zur ständigen Teilnahme.... Oder ist das doch zu grausam???

Herzliche Grüße

Sabine
(ansonsten eher nicht zu Sadismen neigend)
cellodil (23.11.2006, 13:54):
Liebe Gamaheh,
lieber Frank,

da muss ich doch auch mal kurz auf mein Asterix-Wissen zurückgreifen und werfe Euch ein fröhliches:

ut desint vires tamen est laudanda voluntas

zu....

Grinsige Grüße

Sabine
cellodil (23.11.2006, 14:08):
Original von Satie
Ein modernes Instrument ist die Klarinette, welche aus der Staubsauger-Industrie stammt und ursprünglich als Spezialaufsatz zur Reinigung von Sofaritzen konzipiert war. Doch selbst dafür war sie nicht geeignet...

Lieber Satie,

Deine Ausführungen über die Fraktion der Blasinstrumente war - wie immer - ungemein erhellend. Endlich weiß ich, wieso sich die Klarinettistin, die über mir wohnt, immer meinen Staubsauger ausleiht und dieser dann hinterher so abgelutscht aussieht... Vielleicht sollte ich ihr mal eine Kopie Deines Beitrags überlassen...

Original von Satie
Wir werden die Instrumentenkunde in Bälde fortsetzen mit den Tasteninstrumenten.

Ein guter Plan, dann werde ich vielleicht auch die Pianistinnen von unten besser verstehen!

Danke und herzliche Grüße

Sabine
cellodil (23.11.2006, 14:47):
Original von LazarusLong
Original von cellodil
Liebe Gamaheh,
lieber Frank,

da muss ich doch auch mal kurz auf mein Asterix-Wissen zurückgreifen und werfe Euch ein fröhliches:

ut desint vires tamen est laudanda voluntas

zu....

Grinsige Grüße

Sabine

Häh

Ich habe alle Asterix-Bände, an dieses Zitat kann ich mich nicht erinnern.

Welcher Band und was heißt das? :hello

Gruß

Frank

Uuups, falsche Zuschreibung, vielleicht hat der Unterricht - trotz Fensterplatz - doch gefruchtet...

Original von Gamaheh
Bei uns an der Schule geisterte das Gerücht herum, daß mal eine in einer mündlichen Prüfung vires mit viri, voluntas mit voluptas verwechselt habe und folgende Übersetzung lieferte:

"Wenn auch die Männer fehlen, so ist doch die Lust zu loben!"

Grüße,
Gamaheh

Liebe Gamaheh: Grandios!!!!!!!

Allerliebste Grüße

Sabine
cellodil (23.11.2006, 16:38):
Original von Gamaheh

ich plädiere eher für einen eigennützigen Verein.

Liebe Gamaheh,

da hast Du eigentlich auch wieder recht....

Über die adäquaten Druck-Mittel müssen wir uns dann noch ein paar Gedanken machen.

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (23.11.2006, 18:00):
Original von Satie
Ich sehe schon, was ich mir hier eingebrockt habe.
Jetzt wäre die Variante mit Teer, Federn und Beton doch lieber, oder?

Original von Satie
Ob ich das schaffe? Na, versuchen kann ich es ja, und wenn ich mir die Nächte noch mehr als sonst um die Ohren schlagen muss.
Für Augenringe und sonstige Folgen übernehmen wir aber keine Haftung (ich denke, ich kann da auch für Gamaheh und Frank sprechen)...

Original von Satie
Eigentlich sollte ich auch immer noch ca. 10 nheue Beiträge in der Schublade haben, falls ich eines Tages nach dem 94756. Beitrag einen Schreibstau haben sollte...
Gute Idee... Aber: Vielleicht doch lieber ein paar mehr (Schreibblockaden können verdammt hartnäckig sein)

Original von Satie
Werte Damen! Seid gnädig mit mir armem Wurm, der ich doch nur ein kleines Handbuchschreiben will hier...
Wir sind gnädig! Wenn wir ungnädig werden, dann bleibt es nicht bei der Zwangsverpflichtung zur Selbsthilfegruppe, dann gibts hinterher die Situngen auf Endlosschleife auf DVD... Ich will Dir keine Angst machen, aber.... Tausch/Tausch (ein Gruppentherapeuten-Paar, das deutsche Fernsehgeschichte gemacht hat mit abgefilmten Selbsterfahrungsgruppen) ist gar nix dagegen!

Original von Satie
Untertänigst flehend und diverse Füße küssend

S A T I E

Ist das jetzt nicht ein wenig übertrieben? Oder hast Du nicht bedacht, dass das acht Füße* wären (zwei von Gamaheh, zwei von Frank und ein cellodil hat vier!)...

Ich glaube, wir sind glücklich und zufrieden, wenn Du einfach weiterschreibst... Und Du willst uns doch bestimmt nicht unglücklich machen??? (Vorsicht: Moralinhammer - übelste Waffe!!!)

Herzliche Grüße

Sabine

*neige wohl doch ein bisschen in Richtung Buchhaltertypus - zumindest temporär...
cellodil (24.11.2006, 06:53):
Original von Gamaheh
Lieber Satie,

wo nimmst Du nur die ganzen fantastischen Ideen her?
... das frage ich mich gerade auch.

Original von Gamaheh
Für die Veröffentlichung brauchst Du unbedingt einen guten Illustrator, denn kein Buch verkauft sich ohne ganz viele (bunte) Bilder.
... denkst Du dabei an Torten- und Säulendiagramme, um den wissenschaftlichen Anspruch, der diesem Werk ganz offensichtlich innewohnt, zu unterstreichen, Gamaheh? Oder doch eher Karikaturistisches?

Original von Gamaheh
Ich könnte mir das ganze auch gut als Vortragsreihe vorstellen, mit Klangbeispielen und ganz vielen Powerpoint-Folien (je mehr, desto besser - das wirkt dann schön wissenschaftlich, und wenn Du dann auch noch von Zeit zu Zeit die Titel Deiner Veröffentlichungen einblendest ...).
Unbedingt!!!

Original von Gamaheh
Von mir bekommst Du 9,5/10 für den Kalauer

Und von mir gibt's noch zehn Punkte dazu, weil ich endlich weiß, was diese seltsamen Geräusche aus der Gartenwohnung zu bedeuten haben (Flugexperimente!!!).

Original von Satie
Die Instrumentenkunde wird weitergeführt mit den Schlaginstrumenten.

Schon sehr gespannt. Auch wenn das für mich aktuell eher von theoretischem Nutzen sein wird - denen bin ich (durch Umzug) gerade noch einmal entkommen.

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (24.11.2006, 10:54):
Lieber Satie,

ein Beitrag, der mich wirklich tief berührt hat. Eigentlich arbeite ich ja als Pudelcoiffeuse (gerade in Fortbildung zur Pudel-Physiotherapeutin).... Nach diesen hochinteressanten Ausführungen, deshalb meine Bitte: Könntest Du vielleicht das Thema Musik und Frisur noch in einem klitzekleinen Exkurs vertiefen?

Biete im Gegenzug Gratispudelspezialdauerwelle für Deinen Fifi, Wauwau, Waldi ... (entkrausen auch möglich).

Erinnere mich, dass Pablo Casals (zumindest glaubt mein veralzheimertes Hirn, dass er es war) von einem Agenten vorgeschlagen wurde, er solle doch ein Haarteil tragen, weil er dann - vor allem in den USA - besser zu vermarkten wäre...



Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (24.11.2006, 11:11):
Original von LazarusLong
ich stelle mir gerade vor, wie sich so ein Haarteil verselbstständigt, in der Tuba landet, von dort unter massivem Einsatz aller verfügbaren Lungenkapazität zur ersten Geige geschossen wird, die gekonnt mit dem Bogen zur Pauke verlängert. Dort wird das teil mit einem wirbel in der Schwebe gehalten und dann mit Rückhand zum Pianisten geschlenzt, der mit einem perfekten Fallrückzieher zurück zum Dirigenten...
Stop, ich würde das wirklich gern im Kino sehen, in Farbe, Großleinwand und in Zeitlupe

:leb

Frank

Lieber Frank,

ich werde darüber nachdenken, die Szene hat ihren Reiz (und ich - von etwas muss eine arme Pudelfriseurin ja leben - noch so einen kleinen Nebenerwerb). Beteiligung an etwaigen Honoraren ist versprochen.

Herzliche Grüße

Sabine :rofl :rofl :rofl :rofl
cellodil (25.11.2006, 14:10):
Original von LazarusLong

Wenn ich mal wieder in der Stutgarteer Ecke bin, komme ich mit meonem Boxer und meinem Rauhhaardackel vorbei. Das wäre doch mal eine echte Herausforderung für einen arme Pudelfriseurin.

:haha :haha :haha :haha

Frank

Lieber Frank,

wie wäre es mit einer angepunkten Gelfrisur für den Dackel? Und als Boxer trägt man dieses Jahr satte Rosé-Töne mit einem Hauch Pink...

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (26.11.2006, 17:37):
Hallo Lisa,

was wir Satie, alles zu verdanken haben... Indirekt warst Du ja bisher manchmal schon in Walters Beiträgen präsent... Schön, dass Du jetzt auch selbst da bist... Freu mich schon auf angeregte Diskussionen mit Dir.

Und das mit den Bratschern ist mir auch ein ewiges Rätsel... Scheinen so ein bisschen die Ostfriesen des Musikbetriebs zu sein...

Grüße und warmly welcome :hello

Sabine

P.S. Wenn Du magst, kannst Du Dich ja (aber das wirst Du wissen) im Mitgliederberich mal vorstellen...
(Sorry, ich bin chronisch und unheilbar neugierig)
cellodil (26.11.2006, 19:47):
Original von LazarusLong
Original von cellodil
Original von LazarusLong

Wenn ich mal wieder in der Stutgarteer Ecke bin, komme ich mit meonem Boxer und meinem Rauhhaardackel vorbei. Das wäre doch mal eine echte Herausforderung für einen arme Pudelfriseurin.

:haha :haha :haha :haha

Frank

Lieber Frank,

wie wäre es mit einer angepunkten Gelfrisur für den Dackel? Und als Boxer trägt man dieses Jahr satte Rosé-Töne mit einem Hauch Pink...

Herzliche Grüße

Sabine

Ich kriege dieses Bild nicht aus meinem Hirn.

Gemeinheit :S

wenn ich heute nacht nicht schlafen kann, bist Du schuld. :I

Schönes Wochenende wünsche ich Dir

Liebe Grüsse

Frank

Lieber Frank,

ich hoffe, die Alpträume waren nicht allzu schlimm und Du kannst Deinen Haustieren wieder ohne schlechtes Gewissen in die Augen schauen.

Herzliche Grüße

Sabine
(schuldbewusst)
cellodil (26.11.2006, 22:51):
Lieber Satie,

eine grandiose Besetzung für die Muppet-Show... Und so schön p.c....

Und mit der Netrebko-Unterzeile hättest Du bestimmt - falls es den überhaupt noch gibt - ganz gute Chancen auf den "Pascha des Monats"-Award bei Emma. Sollen wir Dich mal vorschlagen?

Grüße

Sabine
cellodil (27.11.2006, 07:22):
Original von Satie

Ich merke allerdings, dass ich wohl bald mal eine kleine Handbuch-Verschnaufpause brauche. Aber keine Sorge! Ich werde schon bald wieder neue hilfreiche Artikel schreiben...

A votre service

S A T I E

Lieber Satie,

die kreative Pause sei Dir gegönnt...

Und bei Alice werde ich mal sehen, was sich tun lässt.

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (05.12.2006, 19:12):
Original von Satie
inklusive aller Einwürfe und Nebensächlichkeiten

Was soll denn bitteschön das heißen???

Original von Satie
Denn wer weiss: vielleicht wird daraus ja doch noch mal was.

Ein Buch, so eines, das einem in jeder musikalischen Lebenslage Orientierung gibt, das man immer überallhin mitnehmen kann? Wäre schön...
Das Projekt solltest Du - trotz der geänderten Umstände - nicht aus den Augen lassen...

Original von Satie
Ich hatte jedenfalls fest vor, weiterzuschreiben, und ich kann euch allen nur eines anbieten: um mit dabei zu bleiben, schickt mir eine Mail an:
nils.guenther@berlin.de
Ich sammle eure Adressen und schicke euch dann jeweils meinen nächsten Beitrag. Schließlich sollt ihr doch weiterhin etwas haben, was euch den Alltag versüßt!

Herzlich, euer

S A T I E

Auch, wenn jetzt wieder alles anders ist (zum Glück), finde ich dieses Angebot wirklich großartig und einfach... Naja. Kurz: You're so sweet!

Grüße und Dank

Sabine
cellodil (10.12.2006, 09:45):
... nix wie los in die Thomaskirche zum Jauchzen und Frohlocken!!!

Lieber Satie,

endlich habe ich das auch kapiert!!!

:thanks und herzliche Grüße

Sabine
cellodil (10.12.2006, 09:53):
P.S.

Lieber Satie,

vielleicht könntest Du auch noch ein bisschen Licht in mein persönliches Dunkel bringen und die Frage, wieso die Gestaltung der Cover Weihnachts-CDs eigentlich zwingend eine Zumutung sein muss, beantworten...

?( ?( ?( ?(

In antizipierter Dankbarkeit

Sabine
cellodil (10.12.2006, 15:34):
Original von Gamaheh
Ich würde z.B. dafür plädieren, Interpreten nur auf den Umschlägen abzubilden, wenn es sich um wirklich gutaussehende Männer handelt.


Liebe Gamaheh,

da wäre ich doch sofort dafür. Über die Frage des adäquaten Maßes an Bekleidung könnten wir dann ja noch im Einzefall diskutieren...

Grinsige Grüße

Sabine :J
cellodil (11.12.2006, 12:20):
Original von LazarusLong
Original von Gamaheh


Ich würde z.B. dafür plädieren, Interpreten nur auf den Umschlägen abzubilden, wenn es sich um wirklich gutaussehende Männer handelt.

Herzliche Grüße,
Gamaheh


Ich würde mich ja zur Verfügung stellen, den: "Es ist keiner so unnütz, als daß er nicht noch als abschreckendes Beispiel dienen könnte"

:D :D :D

Lieber Frank,

das ist doch mal ein Angebot!

Allerdings fallen mir haufenweise abschreckende Beispiele ein. Ich bin mir nicht ganz sicher, woher das kommt.

Ob es wirklich so ist, dass Klassikliebhaber am liebsten die CD mit dem allerhässlichsten Cover erwerben...

Oder ob die Industrie davon ausgeht, dass Klassikliebhaber entweder ohnehin blind oder - zumindest im visuellen Bereich - unmäßig leidensfähig sind und sich in ihrer Kaufentscheidung von ästhetisch unterirdischer Gestaltung nicht abschrecken lassen (was ja irgendwie auch stimmt), es sich somit also erübrigt, sich über gestalterische Aspekte irgendwelche Gedanken zu machen oder dafür mehr Geld als nötig auszugeben (wobei ich fast vermute, dass da trotzdem noch einiges an Geld ausgegeben wird).

Ich habe den Eindruck, dass es bei der Gestaltung von CD Covers nur um eine Orientierungshilfe, bzw. Unterscheidbarkeit geht (sonst würde ein bisschen Text - den man durch Wahl der Schrift und des Layouts ja auch noch verunstalten könnte - ausreichen), aber nicht um irgend etwas, was mit Ästhetik oder Gestaltungswillen zu tun hat.

Bei Deiner Frage nach dem Bach kann ich Dir leider nicht weiterhelfen, weil ich so etwas nur live höre...

Den Marathon habe ich - aufgeribbelt und müde - knapp überlebt, mich am Wochenende ein bisschen regeneriert und jetzt geht's fröhlich weiter. Noch knapp zwei Wochen, vielleicht auch - wenn alles doch sehr gut laufen sollte - noch ein bisschen kürzer. Du hast heute ja auch mal wieder einen himmlischen Tag, wenn ich das recht verstanden habe...

Also: Schaff's gut und herzliche Grüße

Sabine
cellodil (11.12.2006, 12:41):
... vielleicht, fällt mir gerade ein, gibt es auch einen geheimen Wettbewerb um das hässlichste CD-Cover...

Grüße

Sabine
cellodil (13.12.2006, 20:11):
Original von Gamaheh
Original von cellodil
Original von Gamaheh
Ich würde z.B. dafür plädieren, Interpreten nur auf den Umschlägen abzubilden, wenn es sich um wirklich gutaussehende Männer handelt.


da wäre ich doch sofort dafür. Über die Frage des adäquaten Maßes an Bekleidung könnten wir dann ja noch im Einzefall diskutieren...


Liebe Sabine,

ich favorisiere den Frack, der macht doch wirklich immer was her!

Liebe Gamaheh,

stimmt. Da ist auch die Gefahr von geschmacklicher Entgleisung via Schlips nicht gegeben....

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (14.12.2006, 13:52):
Original von LazarusLong
Frack besitze ich keinen, kommt mir zu teuer, da Konfektion nicht passt.


Lieber Frank,

da werden wir für das Shooting schon einen auftreiben. Und ansonsten brauchst Du Dir keine Gedanken zu machen: das kriegen wir mit der digitalen Bildbearbeitung dann schon hin...

Herzliche Grüße

Sabine

P.S. Ich wusste gar nicht, dass man Fräcke überhaupt von der Stange kaufen kann...
cellodil (22.12.2006, 17:40):
Original von Gamaheh
Kann es übrigens sein, daß wir diesen uns allen so nützlichen und seriösen, ernsthaften und maßstäbesetzenden (darüber komme ich einfach nicht hinweg!) Faden

Liebe Gamaheh,

gut, dass Du das erwähnst. Das musste doch einfch mal gesagt werden!!!

Original von Gamaheh
gerade über die Maßen frivolisieren?

"Frivolisieren" ist tolles Wort!!! Darf ich mir das mal ausleihen???

Original von Gamaheh
Bitte, Satie, nimm es uns nicht übel - nächstes Jahr geht es doch weiter?!!

Das hoffe ich auch sehr!!!

Häppi Vorweihnacht und
herzliche Grüße

Sabine
cellodil (22.12.2006, 20:47):
Original von Satie
Geduldig werde ich mit der Schwiegermama und Schwiegeroma Asse Raus spielen (natürlich um echtes Geld) und mir die alten Schnurren über mir nie begegnete Onkels, Tanten, Neffen und Cousinen zum weissnichtwievielten Mal anhören. Und ich werde mit prophetischem Grinsen ins neue Jahr hinüberschielen und wissen: bald ist es wieder so weit. Der ewige Kreislauf schließt sich erneut, und so wird auch das Forum sich in alter junger Frische aufraffen zu einem mutigen Sprung hinein in ein weiteres Jahr voller kontroverser und erfreulicher Beiträge. Und wie, frage ich euch, könnte ich da nicht dabei sein? Nichts da!

Lieber Satie,

schön, dass wir Dir Dein himmlisch-behagliches Weihnachtsfest mit ein bisschen Hoffnungsschimmer versüßen können...

Ich bin zwar unwürdig, Dir, der Du mit dem famosen Handbuch Licht in die finsteren Vorweihnachtstage gebracht hast, zu raten. Aber manchmal helfen ja auch die bewährten Hausfrauenrezepte... Und vor allem an Weihnachten... Wenn alles nix mehr hilft gegen Besinnlichkeit, Mozartkugeln, die Damen Dich beim Zocken über den Tisch (oder Dir die letzte Socke aus-)ziehen oder gar doch noch der mütterliche Sopran erschallt, dann leg' einfach die wunderschöne Weihnachts-CD der Roten Rosen (Wir warten auf's Christkind) ein. Wirkt Wunder, wirklich.

Dir fröhliche Feiertage
und herzliche Grüße

Sabine
cellodil (23.12.2006, 09:05):
Original von Gamaheh
Ist Dir übrigens aufgefallen, daß Satie Dich gerade neutralisiert hat? Willst Du Dir das gefallen lassen?


Liebe Gamaheh,
da ich gerade - in den letzten Zügen liegend (oder schreibend) - ohnehin nicht mehr so recht weiß, ob Männlein oder Weiblein, erschien mir das irgendwie passend...

Original von Satie
ist denn ein simples "feminin" oder "maskulin" nicht viel zu kategorisch? Ich bin der Meinung, wir können die Artikel nach Belieben so nehmen, wie wir uns gerade fühlen, denn eine einseitige, mit Vorurteilen belastete Geschlechtszuschreibung würde unserem komplexen Wesen doch gar nicht gerecht. Oder?
Ok, damit wollte ich nur ablenken. Ja, ich gestehe, ich habe das Cellodil versächlicht. Liebes Cellodil, willst Du lieber "die Cellodil" oder "der Cellodil" sein? :tongue:


Lieber Satie,

sind wir nicht alle ein bisschen beides???

Und obwohl das hier mal wieder der falsche Thread oder gar das falsche Forum ist und kein "Kleines Handbuch für den kleinen Tierfreund und solche, die's werden wollen" entstehen soll: Cellodil ist ja so eine Art Familienname (in etwa wie "Werwolf", aber - im Gegensatz zu diesem - nicht deklinierbar), der sich von der einstmals gerne zu Handtaschen verarbeiteten Großechse herleitet. Nahe Verwandte des Cellodils sind übrigens der Violöwe, der Bratschator, der Kontrabär oder auch der Trompetofant... Korrekt würde es also - wenn überhaupt - die Cellodilin heißen... Klingt aber nicht. Also lassen wir's doch einfach beim Neutrum!

Euch beiden fröhliche Feiertage wünscht
mit herzlichen Grüßen

Sabine, das Cellodil
(aus der Familie der Cellodile)
cellodil (07.01.2007, 07:57):
Lieber Satie,

da bestätigst Du als Experte doch mal wieder meine allerschlimmsten Befürchtungen: Das Leben, das Universum - alles eine einzige (schlechte) Oper. Womöglich phylogenetisch und ontogenetisch... Auweia! Das wirft doch viele neue Fragen auf... Und ich frage mich und meine Mitleser: Wollen wir das alles wirklich wissen?

Die Musik ist ein Abgrund, mir schwindelt, wenn ich hineinschau!

Gänsehäutige Grüße

Sabine
cellodil (01.04.2007, 13:33):
Vermutlich finden wir auf Konzert- und Opertickets demnächst Warnhinweise und Kontaktadressen fürs Entwöhnen wie auf Zigarettenschachteln...

Grüße

Sabine
cellodil (03.04.2007, 15:10):
Original von LazarusLong
Ich habe vor meinem geistigen Auge ein Bild das ich einfach nicht mehr loswerde: Luciano Pavarotti als Romeo wie er voller Elan eine wacklige Holzleiter (hinterste Ecke Requisitenkammer) zu erklimmen versucht um zu seiner geliebten Julia (Montserrat Caballe im Nachthemd) auf den Balkon zu kommen. Sicherlich wird damit der Spannungsbogen der Oper ganz neue Dimensionen erreichen, aber kann der ungewarnte Opernbesucher so etwas unvorbereitet überhaupt verkraften. (Und wer übernimmt die Verantwortung für die Statik des Balkons?)
Fragen über Fragen. Hier ist IMO höchstdringlicher Handlungsbedarf gegeben.

Frank

Lieber Frank,

ich fürchte, das wird schon daran scheitern, dass dieses Risiko keine Versicherungsgesellschaft übernehmen wird (zumindest kenne ich das von ähnlich gelagerten Fällen - aus einer anderen Branche...). Schade, eigentlich.

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (14.09.2007, 15:14):
Original von LazarusLong
Hallo Satie

Sag bitte nichts gegen Gitarrespieler. Ich selbst spiele beides: Country und Western :leb :leb :leb Die nächste Steigerung für mich ist dann Reinhard Mey oder Peter Maffay. Ich beherrsche zur Zeit perfekt die 5 Akkord Schrammeltechnik, die sich bei meinem Stammpublikum (3 und 4,5 Jahre alt) großer Beliebtheit erfreut. Mangels Zeit und Ehrgeiz ist mit einer Ausweitung meiner musikalischen Aktivitäten in absehbarer Zeit allerdings nicht zu rechnen, wofür mir die Musikwelt mit Sicherheit dankbar wäre, wüsste sie davon.

Mit :D :D :D :D :D Grüssen

Frank

Und bitte mach weiter mit dem Handbuch

Lieber Frank,

schön, mal wieder was von Dir zu lesen :tongue: !

Weißt Du eigentlich, wie gut Gitarre und Cello als Duo klingen??? :D Vielleicht würden es ja auch Deine Fans goutieren...

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (14.09.2007, 20:53):
Original von LazarusLong
Original von cellodil


Lieber Frank,

schön, mal wieder was von Dir zu lesen :tongue: !

Weißt Du eigentlich, wie gut Gitarre und Cello als Duo klingen??? :D Vielleicht würden es ja auch Deine Fans goutieren...

Herzliche Grüße

Sabine

Kannst Du mir mal ein Beispiel nennen? Nur zum Anhören, Keine Bange :D.


Nur zum Anhören habe ich leider keine Beispiele, aber ich könnte Dir ein paar Noten schicken (gibt kaum gedruckte Arrangements, aber ausgehend von Gitarrenduetten funktioniert's und Improvisationen sind auch ganz witzig) :rofl

Herzliche Grüße

Sabine
Lisa (26.11.2006, 16:21):
Nun hast du's geschafft. Endlich muss ich Mitleser mal was schreiben. Konnte beim Lesen deines Lexikons kaum aus den Augen gucken vor Lachen. (Treffer versenkt - denke ich an manchen Stellen ).Warum kommen die Bratschen eigentlich immer so schlecht weg? :engel


(siehe: Wie hoch kommt eine Bratsche? - Etwa 10 Meter, wenn man sie fest genug wirft.)

Was (b)raucht Satie denn eigentlich für diese kreativen Höhen?

:hello
Lisa (26.11.2006, 17:06):
Hi, Satie

tja, gut kombiniert. Bin natürlich nicht die neunmalkluge kleine Schwester von Bart, sondern seine (neunmalkluge :wink) Frau - und schon lange secondhandleser des Forums - hatte aber noch nicht das Bedürfnis, selber mal was zu schreiben -warscheinlich fehlen mir die feuilletonistischen Einfälle zur Musikbeurteilung. Wenn ich vielleicht das Rauchen begänne...- Nein, ein bis zwei Laster genügen.
Also - an passender Stelle werde ich denn mal 'nen Kommentar setzen.Bitte bearbeite noch mehr Stichworte in dienem Handbuch.(Bratschen !!!)



:beer
Poztupimi (30.08.2007, 00:15):
Hallo Satie,

Du hättest IHN erwähnen sollen, den gefährlichsten von allen, über den Sky Nonhoff schreibt:

"Zeit das Leben in die eigene Hand zu nehmen. Die Finger der Linken fliegen über die imaginären Bünde, während die Rechte mit dem virtuellen Plektrum im Stakkato über die stahlhart gespannten Saiten drischt. Der Rumpf krümmt sich vornüber, von wohligen Spasmen durchzuckt, bevor der Kopf ruckartig in den Nacken schnellt, das Auge einen Blick auf den Mann erhascht, der das geniale Solo spielt, völlig in sich versunken - alle sehen sie ihn an, all die, die hinter den Spiegeln stehen."

Viele Grüße,
Wolfgang

Sky Nonhoff (2000): Schallplatten. Kleine Philosophie der Passionen.- 123 S.; dtv (München).
satie (02.10.2007, 23:15):
Die Operette

Aufgrund der dringenden Nachfrage muss auch das Thema Operette endlich erschöpfend besprochen werden. Viele Leserbriefe haben uns erreicht, die von allgemeiner Ratlosigkeit zeugen, so etwa dieser hier:
"Lieber Herr Klassikhandbuch,
ich lese schon seit einigem Zeit Ihren interesannten Beträge. Musicäl und Oper hab ich jetzt verstanden, jetzt habe ich aber noch in mein Konservationsleksikon die Operette gefunden. Und jetzt habe ich mich gefracht, was der Unterschied zwischen die drei ist. Da muss ja einen Unterschied sein, oder? Denn sons brauch man ja nich drei Wörter für einem Ding, oder? Also habe ich mir jetzt gefragt ob Sie da helfen könnten, mir das mit die Operette zu erklähren, weil jetz hab ich nähmlich auch noch Karten für die Grähfin Maritza bekomm und da muss ich ja wohl auch hin so für geschenkt, oder. Wenn es sich aber nich lohnt, dann wäre mir der Abend ja zu schade zu sowas, da würde ich dann doch mit meine Freunde lieber Pokern spieln, wie sonst auch jede Woche Mittwoch. Und das is ja auch so, das ich dann bein Pokern noch Geld gewinnen kann, bei den Maritsa aber eher nicht, warschheinlich, oder. Mein Frau will da ja hin denn die meint, da kann man wenichstens eimal in Leben was vohrnehmes vor eim sehn und nich immer nur mir mit dem Bierflasche oder Salzstangen vor den Fernseher in Unterhemd. Und nu hat die sich ja auch schon sone teure Schuhe für dem Abend gehohlt nd son schwarzem Fummel un ich muss die Schuhe polihren und mir nem Schlips kaufen nach Kahrstatt. Da wil man ja nu schon ma wissen was man krigt fürn Geld, oder? Bitte schreim Sie das bis morgen vormittach, sonst is dass zu späht.
Fielen Dank,
Jens K. "
Wir sehen ein, dass solch schlagkräftig Argumente eindeutig dafür sprechen, diese Wissenslücke ein für allemal zu schließen. Das ist ja auch nicht weiter schwer.
Um die Operette zu verstehen, müssen wir natürlich die Oper verstehen. Oder eben gerade nicht! Denn die Operette ist ideal für jene Hörer, denen Wagner zu lang, Mozart zu kompliziert und Hindemith zu neumodisch ist. Keine komplexen harmonischen Gebilde wie bei Rossini oder Verdi muss man über sich ergehen lassen, und man braucht auch nicht ständig irgendwelche Sänger jaulen zu hören, denn die Operette hat ein großes Plus: hier wird auch ganz normal gesprochen! Wenn also das Gedudel schon immer genervt hat, der hat hier sparsame Dosen davon und kann sich besser auf die ohnehin einfachere Handlung konzentrieren. Die Oper ist verglichen mit Fernsehsendungen so etwas wie Willemsens Woche oder eine in schwarzweiß gedrehte Reportage über Altenheime auf Arte, während man die Operette mit volsnäheren Sendungen wie Musikantenstadel oder Wetten dass...? vergleichen kann. Wie bei diesen Sendungen kann man bei der Operette problemlos mal kurz nach draußen mit dem Hund oder aufs Klo, ohne was Wichtiges verpasst zu haben. Der Verzehr mitgebrachter Brotzeiten ist bei der Operette keine Problem, auch kann man dabei ohne Mühe noch ein Fußball-Länderspiel verfolgen.
In den Operetten geht es immer um dasselbe, nämlich irgendwelche Liebesgeschichten, die etwa so kompliziert gestrckt sind, wie ein Arztoman am Kiosk. Zwei verknallen sich, dann passiert eine Verwechslung oder eine kleine Intrige (dann ist es bereits anspruchsvoller), das Paar zankt sich, und für den Rest des Abends sind alle anderen Darsteller damit beschäftigt, die beiden wieder zusammen zu bringen, was immer klappt, am Schluss ist immer Friede Freude Eierkuchen und alle grinsen wie die Honigkuchenpferde, bis sie vom letzten Vorhang erlöst werden.
Das Operetten-Publikum ist im Schnitt ca. 83 Jahre alt und entsprechend senil oder wenigstens klapprig. Manche von denen steigen sogar noch selber auf die Bühne (Heesters) und krakelen immer und immer wieder "Heut geh ich ins Maxim..." und dann beaupten die noch, sie hätten immer noch was mit Frauen (naja, obwohl es gibt ja Viagra). Auf solcherlei Harlekinaden wollen wir besser nicht hereinfallen, sondern uns schon eher auf die Tänzerinnen konzentrieren, die auch immer wieder vorkommen (die Damen können sich zwar auf die Tänzer konzentrieren, aber das wird angesichts einer 99-prozentigen Homosexualität bei jenen Männern wohl nicht viel bringen). Ein wichtiger Unterschied zur Oper: den in der Pause georderten Schampus darf man hier mit in den Saal nehmen und fröhlich an die anwesenden Leute verteilen. In der Oper wäre das Tabu, zumindest könnte man nicht jedesmal noch rufen: "Prost Erwin, Du alte Rübensau! Kipps rein, so lange Du noch kannst!".

Schwer zu beantworten ist die Frage, welche Operetten man kennen sollte. Im Grunde keine, wenn man auch nur einen kleinen Funken Ehre und Geschmack sein Eigen nennen will. Allerdings kann es ja für Partygespräche schon hilfreich sein, wenn man wenigstens einige kennt.
Operetten haben immer saublöde Titel, zum Beispiel:

Der arme Jonathan
Auf der grünen Wiese
Auf Flügeln des Gesanges
Das Autoliebchen (Sic!)
Axel an der Himmelstür

Da kauft keiner freiwillig eine Eintrittskarte. Es geht noch besser:

Bubi Caligula (welch krankes Hirn muss diesen Titel erdacht haben)
Drei alte Schachteln (was muss ich dafür ausgehen?)
Ein Ehemann vor der Tür (Seitensprung-Thematik, Schweinkram)
Der Feldprediger (gäääääääääääääääääääääähn)
Der fidele Bauer (sowas gibts auch nur in der Operette...)
Große Rosinen (?)
Die Hotelratte (wie die wohl singt?)
Die keusche Susanne (wer will die denn sehen?)
Kinopuppe (sowas wie Gehsteigschwalbe)
Liebe im Schnee (wär mir zu kalt)
Der lustige Krieg (das hat mein Onkel immer über den zweiten Weltkrieg gesagt...)
Man soll keine Briefe schreiben! (wozu auch, wir ham ja Email)

Manche sind rassistisch:
Polenblut

oder illegal:
Mädchenmarkt

sonst wie schlüpfrig:
Prinzenliebe
So wird's gemacht
Wenn zwei Hochzit machen

wieder andere haben ländliche Sujets:
Waldmeister
Schwarzwaldmädel
Schützenliesl
Die Försterchristel

und natürlich handeln viele von Tieren:
Die Afrikareise
Auf der grünen Wiese
Die Musketiere
Die Fledermaus
schon genannt: Die Hotelratte
Im weißen Rössl
Mäuschen
Die Nachtigall
etc.

Nur wenige Operettentitel ergeben überhaupt keinen oder nur einen sehr vagen Sinn:
Ba-ta-clan
Cloclo (später: Lolotte)
Donnerwetter - ganz famos
Grigri
Hopsa
Mädi
Olly Polly
Spiegel, das Kätzchen
Tic-tac
Der Vetter aus Dingsda

Unser Tip: schreiben Sie sich einige dieser Titel auf oder aber erfinden Sie einfach bei Bedarf irgendwelche möglichst absurden oder saublöden Titel und einen fiktiven Operettenkomponisten gleich dazu. Haben Sie eine Operette gesehen, können Sie über alle reden, die Musik klingt auch überall gleich und die Kostüme sehen ebenfalls immer ähnlich aus. Nach ca. eineinhalb Stunden hat die Operette aus zu sein, ansonsten können Sie Ihr Geld zurückverlangen (jawohl, Herr K., es besteht also doch noch Hoffnung). Sollte die Operette länger dauern, ist entweder der Komponist größenwahnsinig gewesen oder Sie stzen doch in einer Oper. Letzteres wäre ein klarer Betrug. Sie kaufen ja auch nicht die Bild-Zeitung, um am Ende zu bemerken, dass Sie da einen Shakespeare in der Hand halten. Sollte die ganze Operette in Englisch gesungen werden, liegt ebenfalls ein Schwindel vor, dann sind Sie nämlich in ein Musical geraten. Oder aber das Stück wurde zum Opfer einer neuen Rechtschreibreform.
Sollte gar nicht gesungen werden, sitzen Sie im Theater.Glück gehabt.
Sollten sich die Tänzerinnen komplett auf der Bühne entblößen, sind Sie aus Versehen in einen Nachclub geraten. Sie haben aber auch Schwein...

Hochachtungsvoll,
S A T I E
nikolaus (02.10.2007, 23:30):
:rofl

Die grossen Rosinen würden mich tatsächlich brennend interessieren!!
Welche Aufnahme kannst du empfehlen (ich nehme doch an, daß du alle von dir genannten Operetten auch gehört/gesehen hast, gell?!)?

Nikolaus, schon ganz melodienseelig :leb
satie (02.10.2007, 23:36):
Lieber Nikolaus,
die großen Rosinen existieren leider bislang noch nicht in einer zufriedenstellenden Aufnahme, die der Tiefe und dem poetischen Gehalt des Werks auch nur annähernd Rechnung trüge. Es bleibt aber zu hoffen, dass demnächst eines der jungen Labels mal eine radikale Wende in diese Misere bringt und durch hochkarätige Künstler endlich Ehre zukommen lässt, wem Ehre gebührt.
Generell würde ich ansonsten bei Operetten zu alten Schellackplatten raten, da sind wenigstens die Knackser spannend und die Cover hässlich. Wer sich Operetten auf CD kauft muss schon Masochist der besonderen Art sein. Geeignet ist die Anschaffung zwecks Belästigung verhasster Nachbarn oder zur Untermalung bei Besuchen unangenehmer Verwandtschaft, die man schnell wieder loswerden will.

Herzich,
S A T I E
nikolaus (03.10.2007, 00:07):
Original von Satie
Lieber Nikolaus,
die großen Rosinen existieren leider bislang noch nicht in einer zufriedenstellenden Aufnahme, die der Tiefe und dem poetischen Gehalt des Werks auch nur annähernd Rechnung trüge. Es bleibt aber zu hoffen, dass demnächst eines der jungen Labels mal eine radikale Wende in diese Misere bringt und durch hochkarätige Künstler endlich Ehre zukommen lässt, wem Ehre gebührt.

Mir kommt da gerade ein Gedanke: vielleicht sollten wir da mal Abhilfe schaffen... :ignore


Original von Satie Generell würde ich ansonsten bei Operetten zu alten Schellackplatten raten, da sind wenigstens die Knackser spannend und die Cover hässlich.

Ist schon klar, ich habe doch noch ein altes Grammophon zum Selber-Kurbeln...

Nikolaus.
satie (03.10.2007, 23:22):
Ballett

Wo wir schon bei der Operette waren, können wir auch gleich weiter zum gehobenen Ringelpietz, dem Ballett. Diese Kunstform hat einen großen Vorteil: es gibt keinen Gesang. Sollten Sie trotzdem gelegentlich schrille Stimmen vernehmen, sind das lediglich die Schreie der Ballerinen, denen die männlichen Gegenspieler auf die Zehen gesprungen sind. Wahrscheinlich würde man die Männer analog zur Ballerina als Ballerino bezeichnen oder auch neudeutsch als Ballermann, doch nennt man die eigentlich nur Tänzer (weiß der Geier warum).
Es gibt im Grunde nicht viel wissenswertes zu dieser Gattung, außer dass hier die Komponisten oft genauso schwul sind wie die Tänzer und ergo viele der knackigen Ballerinen sicherlich noch zu haben sind. Vergessen Sie also all die Anmach-Bars und Swinger-Clubs, gehen Sie lieber ins Ballett, da brauch man nicht flunkern wo man gewesen ist, das ist ja Kultur und drum schon Spitze.

http://images.wikia.com/muppet/images/5/5a/Ballerina.jpg

Es gibt ungefähr drei verschiedene Schritte, einmal den, wo die Füße so wie bei Charlie Chaplin auseinanderstehen, dann den wo manauf den Zehenspitzen steht, bis man in der Wade einen üblen Krampf bekommt und dann noch einen halbwegs natürlich aussehenden.
Zur Beurteilung einer gelungenen Ballettvorstellung gibt es simple Richtlinien.
Das Ballett war gut, wenn:
a) die Tänzer nicht kollidiert sind und keiner von ihnen von der Bühne gefallen ist. Aber aufgepasst: bei den modernen Inszenierungen weiß man nie so genau...
b) alle auf der Bühne Russen oder Franzosen sind. Das Publikum dagegen darf gemischt sein, die Orchestermusiker auch. Bei Russen achten Sie auf den Tanzstil: solten die Tänzer stets in die Hocke gegangen sein und dann Cancan-artig jeweils das linke und rechte Bein im Wechsel in der Halbhocke nach oben geschleudert haben, waren Sie in einer Kosaken-Show mit Kasatschok.
c) die Tänzer sich nicht plötzlich auf der Bühne entkleidet haben. Falls sie das doch getan haben, waren Sie schon wieder im Nachtclub, Sie Schlimmer!
d) keiner der Tänzer sich während eines Schwungs oder nach einer Drehung übergeben musste oder torkelnd von der Bühne oder in den Orchestergraben abging.
e) das Gestampfe nicht lauter war als die Musik. Falls doch haben Sie eine Flamenco-Show gesehen.
f) das Publikum nicht mitgeschunkelt und gesungen hat. Falls doch waren Sie entweder in einer Oper von Verdi (nein, nicht ver.di!!!) oder Offenbach oder gar in einer Revue oder vielleicht im Musikantenstadel. Oder etwa...in einer Operette? Prüfen Sie, indem Sie nach übernatürlich großen Rosinen Ausschau halten!
g) nicht nur ein einziger Tänzer auf der Bühne war, der seltsam verdrehte Bewegungen vollführte, ein Totenkopf-Gesicht hatte und die erste Sitzreihe mit schreienden, angeketteten Minderjährigen vollgestopft hatte. Das wäre dann Michael Jackson gewesen.

http://i30.photobucket.com/albums/c316/PockyTomodachi/sumodance.gif
Sollten nicht mehrere Ballerinen, sondern nur eine auf der Bühne gewesen sein: vergewissern Sie sich, dass ihr Tütü (der Rock) die richtige Länge hatte (also ganz knapp war... sabber) und nach der Vorstellung höchstens Blumen zu ihr hinauf geworfen wurden, nicht aber sie einen Strauß geworfen hat. Falls doch waren Sie bei einer Hochzeitsfeier.

Herzlichst,
S A T I E
Zelenka (04.10.2007, 12:40):
Original von Satie
Ballett


http://i30.photobucket.com/albums/c316/PockyTomodachi/sumodance.gif

Herzlichst,
S A T I E

:rofl :rofl :rofl

Gruß, Zelenka
LazarusLong (08.10.2007, 07:53):
Hallo Satie

Kannst Du nach den Klassikliebhabern vielleicht auch noch die Klassikhasser klassifizieren?

Aus meinem persönlichen Umfeld:

- Kannst Du mal das Geheule ausmachen und richtige Musik reintun. Mit richtiger Musik ist je nach Alter dann Tokio Hotel, ACDC oder HerzSchmerzJodel gemeint.

- "Du hast das Zeug doch nur zum Angeben laufen" - Miesmacher, der nicht glauben kann, daß einem klassische Musik oder im Extremfall Oper wirklich gefallen kann und somit jedem mit einem anderen Geschmack Kultursnobismus vorwirft. (Konkret: Mein Vater)

Sicherlich gibt es im Erfahrungsbereich der Forumsmitglieder noch diverse andere Typen.

Frank
HenningKolf (08.10.2007, 09:13):
Original von Satie
Ballett



http://i30.photobucket.com/albums/c316/PockyTomodachi/sumodance.gif



Das ist der Beweis: Nicht nur Elvis weilt - wie jeder weiss - noch unter uns, nein, auch Nurejew, wie dieses aktuelle Paparazzifoto eindeutig belegt......


Gruss
Henning
satie (08.10.2007, 13:11):
Original von LazarusLong
Hallo Satie

Kannst Du nach den Klassikliebhabern vielleicht auch noch die Klassikhasser klassifizieren?


Frank

Lieber Frank,
gerne gehe ich auf diesen Wunsch umgehend ein. Die Fragestellung ist ja auch wichtig.

Klassikhasser

So wie es auf der Welt Sonnenschein und Regen, Gut und Schlecht, Schön und Hässlich, Jung und Alt, James Last und Franz Liszt gibt, so gibt es selbstverständlich immer da, wo etwas gemocht wird jene, die es nicht mögen. Wie so oft ist es gar nicht so einfach, den Liebhaber vom Hasser zu unterscheiden, sprechen wir doch auch von der "Hassliebe". Hier aber stellen wir uns mal ganz naiv und denken einfach, es gäbe diesen Übergang nicht. Wir nehmen zu diesem Zweck also einen, wie er in meiner Nachbarschaft fast ausschließlich anzutreffen ist, nämlich den durchschnittlichen Proleten. Dieser hat von Klassik entweder noch niemals etwas gehört oder aber seine Ohren sind durch die Fifty-Cents und Bushidos dieser Welt dermaßen verdreckt, dass er logischerweise so gut wie gar nichts hören kann. Mit ungefähr 5 Jahren hat er seinen irreparblen und niemals diagnostizierten Hörsturz gehabt, als Mama und Papa beim wöchentlichen Riesenkrach sich das billige Geschirr an die Schädel schmissen und die Verschnaufpausen dazu nutzten, dem kleinen die 50 miesesten Schimpfwörter der Welt immer wieder ins Ohr zu brüllen. Das hat der kleine Prolet schon früh als einzige Zuneigung erfahren und ist daher unempfänglich für alles andere. Hören kann er seither nur noch die Bässe (wenn sie laut genug sind), alles andere geht an ihm vorbei. Zumindest aber hat er nur noch sehr begrenzte Hörfähigkeit und blickt meist dröge ins Leere.
Sollte es nun geschehen, dass ein solcher durch Zufall doch einmal in die höheren Kreise hineinrutscht und ihm einmal eine schlechte oder gar gute Aufnahme der fünften Symphonie von Beethoven widerfährt, so wird er zunächst den Mund offen stehen lassen, sich an den Genitalien kratzen und irgendwann sinngemäß aber weit vulgärer in der Wortwahl etwas sagen wie: "Hä?". Man wird ihm noch behilflich sein wollen und ihm erklären, es handle sich hier um klassische Musik von Beethoven. "Was?" Man wird ihm weiter erklären, es sei dies Musik, die Kunst ist und eben anders ist als Pop und Rock. Für den Proll wird entweder, wenn er einigermaßen zum Denken befähigt ist eine Welt zusammenbrechen, gerade so als wenn ein amerikanisches Kind erstmals vor einer leibhaftigen Kuh steht. Oder aber - wenn an Gehirnzellen nur noch eine an einer Hand abzählbare Menge vorhanden ist - er wird gar nichts verstehen. In letzterem Fall wird er nur wieder dröge ins Leere schauen. Sollte er aber doch noch eine Zuckung im Hirn verspürt haben, wird er natürlich handeln wie jeder, der etwas fremdes erblickt hat: mit Ablehnung, Wut und dem Wunsch, es zu zerstören, gerade so wie die spanischen Konquistadoren es mit den Indianern gemacht haben.
Er wird also bemängeln, dass es keinen Text in der Beethoven-Symphonie gibt, keinen durchgehenden Beat und natürlich wird er sich wundern, dass da keine hörbaren Wummerbässe sind, die für ihn doch stets das Indiz für Musik waren, analog zu den schallenden Ohrfeigen, mit denen ihn sein Papa liebkoste, analog zu den Gürtelschlägen, mit denen seine liebe Mama allabendlich bedacht wurde und bei denen er stets zusehen durfte. Nun ist das alles nicht da, der Proll hat Angst und sagt: "Scheissmucke." Natürlich formuliert er es entsprechend vulgärer.
Mehr geht in seinem Gehirn ohnehin nicht mehr vor, alle weiteren Erklärungen sind absolut sinnlos.

Natürlich ist der Prolet in dieser Form das extremste Beispiel für einen Klassikhasser. Es gibt natürlich diverse andere Formen und Varianten von Leuten, die Klassik nicht ausstehen können. Einige seien hier genannt:

Intellektueller Rockfan:
"Die Härchen im Ohr bleiben bei gleichbleibender Lautstärke aufgestellt, bei Klassik mit ihrer immer wechselnden Dynamik stellen sie sich auf und legen sich ständig wieder hin, das ist ungesund. Rock ist gesünder als Klassik, weil er nicht taub macht. "
Auf die Frage, ob es denn nicht noch andere Unterschiede gäbe, vielleicht klangliche:
"Wat will ich das denn wissen? Ich hab doch immer die Stöpsel drin..."

Normaler Rockfan:
"Klassik? Ach so, die Stones, Jethro Tull?"
"Nein, wir meinen eher Mozart, Beethoven, Chopin..."
"was das?"
"Äh, naja, das sind eben klassische Komponisten. Sie wissen schon, so 18. und 19. Jahrhundert. "
"Hä? Nie gehört. Da gabs schon Scheiben? Krass..."

Pop-Fan:
"Wenn ich den Mozart da am, Piano seh, also der hat doch kein Feeling, Mann, null."
"Ähm, das ist nicht Mozart, der da spielt, das ist nur seine Musik, die gespielt wird."
"Ach so, ne Coverband auch noch. Na, da steh ich ja nich so drauf."

Teenie-Girl:
"Also der Philip aus meiner Klasse, der spielt ja Klavier. Mit dem hab ich maln Zungenkuss gehabt in der Umkleidekabine. Aber der Jojo, der spielt ja E-Gitarre, mit dem wars viel besser."

Teenie-Boy:
"Also meine Alten, die hörn ja immer sone Totengräbermucke. Und die Cover, die sind voll ätzend, nur sone alten Säcke drauf und so. Und bei mir motzen sie rum, dass ich Krach mach, weisste."

Dance-Fan:
"DJ Mülltonne hat da son Remix von dem einen Lied gemacht mal, von dem da, da hab ich jetz den Titel nich mehr so im Kopf nä, also da ging das so mit guten Basslines und viel Dope und ner guten Lightshow. Aber sonst is das doch voll gähn so ohne was..."

Musikantenstadel-Fan:
"Jo mei, do kannst jo gar ned mitschunkln, sackzement. Oiso da Moik, der dad des ned mocha fei gell. Is ka Gaudi ned. I will a guade Musi und an Hias wo Witze mocha duad."

Grüner Reinhard-Mei-Fan:
"Klassik ist Umweltverschmutzung."

Schlager-hörender Ökonom:
"Klassik ist völlig unökonomisch. Man braucht nur einen Sänger und ein Keyboard, alles weitere ist sinnloser Luxus. Ist doch keine Wunder, dass die nur rote Zahlen machen bei der Verschwendung. Wird Zeit, dass da mal alles überflüssige wegrationalisiert wird und man mehr aufs Marketing und billigere Produktion setzt. Da muss man halt mal was schreiben, was die Leute mögen und nicht so nen produktionsintensiven und profitschwachen Mist.Außerdem könnte man die überflüssigen Ressourcen anderweitig verwenden, für gute Musik, die die große Käuferschicht ansprechen kann."

Sexomane, Heavy-Metal-Fan:
"Krieg ich keinen hoch bei."

Hausfrau, 80er-Jahre-Fan:
"Also wenn ich die Fenster putze, brauch ich was mit Gefühl von Modern Talking oder von Nena. Da komm mir beim Bügeln immer die Tränen. Und beim Abwaschen da muss Elton John."

Sorry, Satie: Der letzte Teil war mir zu "gefährlich"! Da befürchte ich zu heftige Reaktionen im Forum.

S A T I E
Jürgen (08.10.2007, 14:45):

Sorry, Satie: Der letzte Teil war mir zu "gefährlich"! Da befürchte ich zu heftige Reaktionen im Forum.


Ich fürchte eher, dass aussenstehende Leser diesen Beitrag missverstehen könnten. Die Leute im Forum wissen ja: :wink

Nun hat ja jede Satiere auch ihren wahren Kern, sicherlich auch diese.
Und deswegen fällt einem natürlich auf, dass diese Fallstudie etwas einseitig ist. Ist ja auch so anmoderiert worden.

Was Satie sicherlich noch nachliefern wird, ist der Herr Doktor, der gerne gepflegten Jazz hört, aber Klassik nicht mag, weil sein Alter ständig Klassik hörte.

Grüße
Jürgen
satie (08.10.2007, 14:53):
Selbstverständlich verstehe ich diesen Eingriff. Ich fand es ja selber schon hart an der Grenze... Aber da Satire Grenzen nicht kennt, hatte ich es dennoch so gelassen. Die Entscheidung zur Zensur verstehe ich absolut und hatte sogar damit gerechnet. Für mich ein persönlicher Triumph: mein erster zensierter Text! Das kann die Einschaltquote nur erhöhen. Ich werde auch artig darauf achten, in Zukunft den Antisemitismus so unprovokant wie möglich zu thematisieren. Falls das geht... Aber meist kommen wir ja ohne die heißen Eisen aus.

S A T I E
LazarusLong (08.10.2007, 15:11):
:down :down :down :down :down :down :down :down :down

oder um mit den Worten des Poeten zu sprechen

YIIIIHAW

:thanks

Sorry, Satie: Der letzte Teil war mir zu "gefährlich"! Da befürchte ich zu heftige Reaktionen im Forum.

Bevor ich vor Neugierde platze, kannst Du den zensierten Teil per PN oder mail nachreichen? Ich verspreche Stillschweigen.

Frank
Zelenka (08.10.2007, 16:37):
Original von Satie
Selbstverständlich verstehe ich diesen Eingriff. Ich fand es ja selber schon hart an der Grenze... Aber da Satire Grenzen nicht kennt, hatte ich es dennoch so gelassen. Die Entscheidung zur Zensur verstehe ich absolut und hatte sogar damit gerechnet. Für mich ein persönlicher Triumph: mein erster zensierter Text! Das kann die Einschaltquote nur erhöhen. Ich werde auch artig darauf achten, in Zukunft den Antisemitismus so unprovokant wie möglich zu thematisieren. Falls das geht... Aber meist kommen wir ja ohne die heißen Eisen aus.

S A T I E

Ich hätte es als Zensor durchgehen lassen ... Oder Dich privat gebeten, ein oder zwei Stellen etwas anders zu formulieren. Jetzt ist dieser beliebte Faden für Nicht-Mitglieder nicht mehr erreichbar ...

Gruß, Zelenka
Rachmaninov (08.10.2007, 16:39):
Original von Zelenka


Ich hätte es als Zensor durchgehen lassen ... Oder Dich privat gebeten, ein oder zwei Stellen etwas anders zu formulieren. Jetzt ist dieser beliebte Faden für Nicht-Mitglieder nicht mehr erreichbar ...

Gruß, Zelenka

@Zelenka,

der Thread kommt wieder dahin wo er war. Die Verschiebung war tempörär bis zur "Korrektur"!
Zelenka (08.10.2007, 16:45):
Original von Rachmaninov
Original von Zelenka


Ich hätte es als Zensor durchgehen lassen ... Oder Dich privat gebeten, ein oder zwei Stellen etwas anders zu formulieren. Jetzt ist dieser beliebte Faden für Nicht-Mitglieder nicht mehr erreichbar ...

Gruß, Zelenka

@Zelenka,

der Thread kommt wieder dahin wo er war. Die Verschiebung war tempörär bis zur "Korrektur"!

Danke! Ich bin beruhigt!

Gruß, Zelenka
satie (10.10.2007, 19:22):
Meine Lieben, eine Frage an alle habe ich hier. Und ich bitte um möglichst ehrliche Antworten.
Ich spiele mit dem Gedanken, Texte in der Art meiner Handbuch-Einträge als Glosse für ein Klassikmagazin anzubieten. Nun kann ich selber nicht wirklich beurteilen, ob meine Texte a) gut genug dafür sind und b) ob ich richtig gehe in meiner Annahme, dass eine solche Glosse gerade in den Klassikmagazinen fehlt. Ich habe gerade die aktuelle Ausgabe des FonoForum gelesen und finde die dort zu lesende Glosse ziemlich mäßig. Eigentlich weiß ich gar nicht so richtig, ob das eigentlich humorvoll sein soll oder nicht...
Es ist für mich heikel, diese Frage zu stellen, denn ich will hier nicht mich selber überschätzen. Vielleicht sind die Texte nur in diesem Forum sinnig?
Ich würde mich sehr freuen über offene Reaktionen.
Natürlich wird das nicht bedeuten, dass diese Rubrik hier künftig fehlen wird. Es ist ja so, dass manches wirklich eher nur hier funktionieren kann und man für ein Printmedium ganz anders und auch kürzer schreiben muss. Also keine Sorge, ich mache auf jeden Fall hier weiter.

Herzliche Grüße,
S A T I E
Zelenka (10.10.2007, 19:39):
Lieber Satie:

Grundsätzlich könnte sich das FonoForum z.B. glücklich preisen, Deine Beiträge in diesem Faden abdrucken zu dürfen, auch wenn ich mit diesem Organ nicht so sehr vertraut bin. Durch die Bank lesen sich Deine Handbuch-Einträge höchst amüsant! Am schwächsten fand ich in der Tat Deinen letzten Beitrag zu den Klassikhassern, der vielleicht ein wenig mit der heißen Nadel gestrickt war. Den hätte ich Dir als Herausgeber des FonoForum nicht abgenommen, obwohl ich ihn als Zensor hätte passieren lassen.

Herzliche Grüße, Zelenka
satie (10.10.2007, 19:49):
Original von Zelenka
Lieber Satie:

Grundsätzlich könnte sich das FonoForum z.B. glücklich preisen, Deine Beiträge in diesem Faden abdrucken zu dürfen, auch wenn ich mit diesem Organ nicht so sehr vertraut bin. Durch die Bank lesen sich Deine Handbuch-Einträge höchst amüsant! Am schwächsten fand ich in der Tat Deinen letzten Beitrag zu den Klassikhassern, der vielleicht ein wenig mit der heißen Nadel gestrickt war. Den hätte ich Dir als Herausgeber des FonoForum nicht abgenommen, obwohl ich ihn als Zensor hätte passieren lassen.

Herzliche Grüße, Zelenka

Vielen Dank, lieber Zelenka. Dass nicht jeder Beitrag gleich gut gelingt, ist ja verständlich und natürlich. Und wahrscheinlich würde da der Redakteur natürlich auch sehr kritisch sein. Gary Larson, der Cartoonist, konnte ein ganzes Buch füllen mit jenen Cartoons, die von den Zeitungen nicht angenommen wurden, weil sie zu makaber, zu schlüpfrig oder sonst was waren.
Welche Klassikmagazine gibt es denn überhaupt? Ich selber kenne besagtes FonoForum, dann Partituren, welches ich sehr gut finde und das Crescendo-Magazin. Sonst bin ich da nicht so im Bilde. Welche werden denn von Euch allen gelesen und wie bewertet Ihr die in Bezug auf meinen gewagten Versuch?

Herzlich,
S A T I E
Zelenka (10.10.2007, 20:12):
Original von Satie

Vielen Dank, lieber Zelenka. Dass nicht jeder Beitrag gleich gut gelingt, ist ja verständlich und natürlich. Und wahrscheinlich würde da der Redakteur natürlich auch sehr kritisch sein. Gary Larson, der Cartoonist, konnte ein ganzes Buch füllen mit jenen Cartoons, die von den Zeitungen nicht angenommen wurden, weil sie zu makaber, zu schlüpfrig oder sonst was waren.
Welche Klassikmagazine gibt es denn überhaupt? Ich selber kenne besagtes FonoForum, dann Partituren, welches ich sehr gut finde und das Crescendo-Magazin. Sonst bin ich da nicht so im Bilde. Welche werden denn von Euch allen gelesen und wie bewertet Ihr die in Bezug auf meinen gewagten Versuch?

Herzlich,
S A T I E

Lieber Satie:

Die feinste Adresse wäre sicher "Partituren". Da wäre noch "Rondo", das wohl die höchste Auflage hat (weil kostenlos) und sicher auch von den meisten Forumsmitgliedern gelesen wird. Die haben aber schon ein paar eigene Scherzkekse an Bord, die nicht unbedingt besser sind. Crescendo (auch kostenlos) wäre sicher auch einen Versuch wert. Dann wüßte ich allerdings nicht mehr weiter.

Herzliche Grüße, Zelenka
Nordolf (12.10.2007, 18:09):
Eure hochgeschätzte Exzellenz Satie von der scharfen Feder mögen verzeihen, das ich mich anheischig mache, dero impertinenten Stil zur Begutachtung jener wertgeschätzten Postille anzuempfehlen.

Im Ernst: ich finde, Du schreibst einen guten Stil. Vor allem aber habe ich den Eindruck, das Du Dich gerne schriftlich ausdrückst. Wenn ein Redakteur Deine Texte redigiert - und das tut er bei allen Schreiberlingen - und die Kanten abschleift, dürften diese schlicht und einfach professionell wirken. Ich lese Deine Fabrikate hier sehr gerne. Über manches ärgere ich mich ein bißchen (naja, nicht wirklich) - aber damit hast Du Dein Ziel als Satiriker natürlich erreicht.

Vielleicht solltest Du darauf achten, nicht immer in dieselbe Masche zu verfallen - man weiß dann schon, was so ungefähr kommen wird. Zum Lachen verleitet es allerdings trotzdem. Andererseits scheint mir das sowieso ein Problem der meisten Satiriker und Humoristen zu sein. Menschen zum Lachen zu bringen, gehört an sich zu den schwierigsten Angelegenheiten auf diesem Planeten.

Herzliche Grüße!
Nordolf
satie (01.11.2007, 13:45):
Neulich im CD-Laden

Kunde in der Klassikabteilung: "Juten Tach, ick hätte jerne ne CD jekooft. Bin ick da bei Sie richtich?"

Verkäufer: "Ja, selbstverständlich. Woran hatten Sie denn gedacht?"

"Watt Schönet."

"Aha. Nun, also da müssten Sie schon etwas genauer...im Grunde ist das doch alles schöne Musik..."

"Na, dett sarense ma nich zu laut, Sie! Da hab ick schon och ma n janz schön Mist jehabt, wa."

"Möchten Sie vielleicht etwas von einem bestimmten Komponisten?"

"Nö."

"Haben Sie einen bevorzugten Interpreten?"

"Nö."

"Vielleicht eine bestimmte Gattung?"

"Ne CD. Wattn sonst?"

"Äh, mit Gattung meine ich, ob Sie zum Beispiel lieber eine Sinfonie, eine Oper, Kammermusik oder vielleicht Chormusik haben wollen."

"Is ejal. Empfehlnse ma watt."

Verkäufer (schwitzend): "Nun, dann wollen wir mal schauen. Vielleicht haben Sie eine Preisvorstellung?"

"Keene Ahnung. Watt kosten die denn so normal?"

"Das ist ganz unterschiedlich. Sie können bei neuen CDs bis zu ca. 30 Euro einkalkulieren, aber es gibt auch einige Sonderangebote ab 5 Euro."

"Und dett sind denn schlechte, weil die billig sind, wa?"

"Nein, die sind natürlich nicht schlecht."

"Und warum schmeißen se die denn so billig raus, wenn da nüscht mit is?"

"Die Preise machen nicht wir...aber das wäre jetzt etwas zu kompliziert..."

"Also denn gehm se mir watt für 5. Zahl ick ja hier nich mehr, wenn dett nich sein muss."

"Dann kommen Sie mal mit hier herüber. Sie können sich in aller Ruhe hier aus dem Regal etwas aussuchen, das sind alles Sonderangebote."

"Nee, dett jeht nich. Ick hab ja nu meine Lesebrille ja nich mit. Da müsstense schon helfen, wa."

"Na gut, wie wärs denn hiermit: Mozart, Eine kleine Nachtmusik. Wird immer gerne genommen."

"Ja, da muss ick Sie jetzt aba noch watt fragen. Is dett denn laut?"

"Wie meinen Sie?"

"Na ob dett laute Musike is oda nich. Dett müsst ick schon wissen."

"Äh...nicht besonders. Natürlich gibts einige laute Stellen. Warum fragen Sie denn?"

"Weil ick wohn ja hier in Marzahn in Plattenbau und da muss ick ja nu höllisch uffpassen wegen die Nachbarn, wissense, die klopfen ja nu immer gleich, wenn datt ma zu laut is."

"Ach, aber die Lautstärke regeln Sie doch selbst an ihrer Anlage."

"Watt? Nee, dett jeht nich."

"Doch, sicher, da haben sie doch einen Laustärkeregler."

"Nich dass ick wüsste."

"Naja, der ist mit Volume angeschrieben."

"Watt soll da anjeschrihm sein? Woljuhm? Nee, dett steht da nich. Ick mach dett immer mit zwee Kissen, die stopf ick denn immer uff de Lautsprecher und denn jeht dett schon. Aba is ejal, dett is nu zu kompliziert. Hammse denn nüscht watt schon von vornrein leise is?"

Der Verkäufer ist nervlich schon sehr belastet, da kommt ihm plötzlich ein diabolischer Gedanke:

"Ich habe sogar genau das Richtige für Sie, garantiert immer leise. Allerdings etwas teurer."

"Na wenn dett stimmt, denn kann et ooch mehr kosten."

"Hier: Morton Feldman, Streichquartett Nr. 2, 5-CD-Set für 80 Euro statt 120. Garantiert immer leise, und hier haben Sie fünf Stunden Musik. "

"Na, dett hört sich doch nach en Wort an, mein Juter! Is jebongt. Ach so, kann ick dett umtauschen, wenn et mir nich jefällt?"

"Tut mir leid, aber die Sonderangebote sind vom Umtausch ausgeschlossen."

"Jut,da vertrau ick Ihn nu mal. Schön Tach noch."

"Beehren Sie uns bald wieder!"
cellodil (02.11.2007, 05:55):
Musik wird oft nicht schön gefunden,
Weil sie stets mit Geräusch verbunden.

Lieber Satie,

Du hast doch nicht etwa dem Nikotin abgeschworen?

Herzliche Grüße

Sabine
satie (02.11.2007, 10:30):
Nein, nein,
das würde ich doch niemals tun! Aber die Zeit schien reif für einen Signaturwechsel. Und Wilhelm Busch hat nun einmal die treffendsten Zitate zur Musik zu bieten, so auch etwa dieses, welches ich zuerst nehmen wollte:

Bei dem Duett sind stets zu sehen
zwei Mäuler, welche offen stehen.


Dem kann man schwer etwas entgegen setzen.

Herzliche Grüße,
S A T I E
cellodil (02.11.2007, 22:22):
Lieber Satie,

da bin ich aber erleichtert!

Original von Satie
Aber die Zeit schien reif für einen Signaturwechsel. Und Wilhelm Busch hat nun einmal die treffendsten Zitate zur Musik zu bieten

... und nicht zur zur Musik!

Original von Saties
o auch etwa dieses, welches ich zuerst nehmen wollte:

Bei dem Duett sind stets zu sehen
zwei Mäuler, welche offen stehen.


Dem kann man schwer etwas entgegen setzen.

Wie wahr! Da kann auch ich nur verstummen...
oder mit Robert Gernhardt antworten:

Das zu Sagende
zu sagen,
ist dem Künstler
aufgetragen,
wahre Größe
freilich zeigen
jene, die selbst
dies ver


Herzliche Grüße

Sabine
Tranquillo (10.03.2008, 21:49):
Neulich im Musikalienhandel...

Kunde: "Ich hätte gern die rote Trompete da und das weisse Akkordeon!"

Verkäufer: "OK, den Feuerlöscher können Sie haben, aber der Heizkörper bleibt an der Wand!"
Solitaire (15.03.2008, 12:49):
@Satie
Ich freue mich schon :)

Ich weiß nicht, ob ich das, was ich jetzt tun werde, hier auch tun darf, ist ja nicht mein Handbuch. Aaaber: in meinem bekloppten Kopf ist schon seit längerem etwas, das raus muß, damit es nicht noch mehr Unheil anrichtet. Deshalb habe ich beschlossen, euch jetzt mit den "Perlen" meiner "Dichtkunst" zu beglücken.
Faule Eier, Tomaten und anderes Obst werden klaglos entgegengenommen. :D

Die gereimte "Traviata"

Die Violetta war 'ne Frau
Die lebte, nimmt man es genau,
nicht wie 'ne Frau wohl leben soll.
Auf Deutsch: sie trieb es ziemlich toll.
Sie tat’s mit diesem, tat’s mit jenem,
tat Geld dafür auch gern annehmen.
Reich war sie, doch ihr ging’s nicht gut,
denn sie war krank und spuckte Blut.

Da trat Alfredo in ihr Leben
Die Schöne fühlt ihr Herz erbeben.
„Ich liebe dich“ sprach er zu ihr
„ändre dein Leben, komm mit mir!“
Und Violetta zog sehr froh
mit Sack und Pack zu Al-fre-do.

Sie flohen beide auf das Land
Dort lebten sie dann ganz entspannt
Und taten all die schönen Sachen,
die jungverliebte nunmal machen.

Doch weil wir in der Oper sind,
das Unheil seinen Lauf jetzt nimmt:
Alfredo ist kurz außer Haus,
da kommt sein Vater, Schreck und Graus!
Der Mann ist streng, der Mann ist stur
„Die Violetta ist 'ne ... Frau die absolut nicht für meinen Sohn in Frage kommt“

Gar viele traurige Geschichten
tut Violetta er berichten.
Alfredos Schwester ist verlobt,
ihr Liebster aber schäumt und tobt.
Er wird wohl die Verlobung lösen,
lebt Alfred’ weiter mit der bösen,
unkeuschen Violetta nur.
„Das geh’t nicht, denn sie ist... eine Frau die eben absolut nicht in die Familie passt!“

Was soll ich euch noch groß erzählen,
Papa tut Violetta quälen.
Und unter Tränen sieht sie ein:
Das Glück mit Alfred’ kann nicht sein.
Ach, Violetta möchte sterben
Ihr ganzes Glück, es geht in Scherben.

Sie wird Alfredo still verlassen,
er wird sie dafür sicher hassen.
Doch Schwesterchen soll glücklich sein,
und sie wird sterben, ganz allein.

Das folgende in Reime fassen
Das muß die Dicht’rin unterlassen
Es ist so traurig und so schön,
das muß man im Theater seh’n.
Drum schalte nun ein jedermann
ganz schnell den Ce-De-Spieler an
Und höre dann, ich will es so,
das Stück „Amami Al-fre-do!“


So. Seid ihr alle schön verheult?
Perfekt. Denn eben jetzt enteilt
die Violetta unter Tränen.
Ich muß es sicher nicht erwähnen,
daß Alfred’ noch nichts ahnen kann.
Der arme, schwer verliebte Mann.
Doch bald darauf da kommt ihr Brief
„Ich lieb dich nicht, ich kann den Mief
hier auf dem Lande nicht mehr sehn.
Drum muß ich leider von dir geh’n!“

Alfredo – und das ist der Hammer! -
der glaubt doch wirklich voller Jammer,
daß sie ihm hier die Wahrheit schrieb.
„Weh mir! Sie hat mich nicht mehr lieb!“

Da steht sein Vater in der Tür.
„Mein Alfred komm und folge mir!
Vertraue deinem Vater nur,
vergiß doch diese schlamp’ge...Frau die nun wirklich nichts für dich ist!“

Für Alfred kommt das nicht in Frage
Er leidet, doch ist auch in Rage.
„Nein, ich will suchen Violetten!
Sie liegt wohl schon in andren Betten.
Dann räche ich mich fürchterlich.
Mein Vater geh, verpisse dich!“



Bei Flora ist heut Maskenfeste
Da kommen schon die ersten Gäste.
Die Damen kleiden sich halbnackt
Und wir sind jetzt im dritten Akt.

Alfred ist hier, auch Violetta.
Das Unheil nimmt nun seinen Lauf: Vendetta!!!
Alfredo, das ist kaum verzeihlich,
beleidigt Violetta, freilich
er ist natürlich auch verprellt
und wirft ihr rasend sehr viel Geld
für ihre Liebe ins Gesicht.
Worauf sie flugs zusammenbricht

Ich könnte Alfred' den Asrch versohlen!
Der Tod kommt Violetta holen.
Sie liegt allein in ihrer Kammer,
verlassen von der Welt. Oh Jammer!

Doch in der Oper kann’s gelingen,
im sterben noch Duett zu singen.
Alfred’ tritt ein, er ist zurück,
auch Violetta schwebt vor Glück.
Er kann vor Reue sich nicht fassen,
will Violetta nie mehr lassen.
„Oh lass uns flieh’n aus diesen Mauern!
Ich werd’ mein Leben lang bedauern,
was ich dir habe angetan.“
Da kommt auch schon sein Vater an
Und will sie um Verzeihung bitten,
für alles, was sie hat gelitten.

Ach Violetta weint vor Wonne
Die Zukunft ist jetzt voller Sonne.
Doch weh, die Hoffnung ist vergebens:
Es naht das Ende ihres Lebens.

Doch ist ihr Tod voll Licht und Glück.
Sie glaubt, das Leben kehrt zurück.
„Ich werd gesund!“ ruft sie „Oh Wonne!“
und geht Nachhaus, ins Licht, zur Sonne.

Jetzt müsst ihr ins Theater geh’n
Und euch die Oper selbst ansehn.


So weit kann es mit einem kommen, wenn man zu oft in die Oper rennt... :J
HenningKolf (15.03.2008, 13:48):
:Ddas ist doch ein Fund aus dem Originalnachlass des Komponisten, oder??
nikolaus (15.03.2008, 13:51):
Na ja, es reicht vielleicht nicht für den Nobelpreis, aber der Pulitzer sollte schon passen... :wink

Nikolaus :J

P.S.: Jetzt habe ich endlich mal verstanden, worum es eigentlich geht...
Solitaire (15.03.2008, 14:15):
Oh, keine Tomaten, sondern Freundlichkeiten. Die werden natürlich noch klagloser und überaus dankbar entgegengenommen. :)
satie (22.03.2008, 21:14):
Ein Tag im Leben eines Hornisten

Um das Wesen des Musikers wirklich verstehen zu können, wollen wir uns hier einmal näher mit einem Vertreter der Spezies der Orchestermusiker befassen. Zunächst muss deutlich unterschieden werden zwischen Orchestermusikern, Musikern und Sängern (letztere sind nurmehr im weitesten Sinne als Musiker zu bezeichnen). Der Orchestermusiker steht zwischen den beiden anderen Arten, da er in erster Linie ein Beamter ist. Als solcher ist er bereits eine paradoxe Figur: Beamtentum und Kunst passen naturgemäß nicht zusammen. Wie der Orchestermusiker nun mit diesem janusköpfigen Dasein umgeht, ist wohl am besten zu beschreiben anhand des Einblicks in sein Leben. Der Hornist als Exempel ist hierfür besonders gut geeignet.

10 Uhr: Das brutale Piepsen des Weckers reißt den Hornisten aus dem Schlaf. Eben noch träumte er davon, als Diktator in einer Bananenrepublik mit Unterdrückung und Folter ehrlich seine Brötchen zu verdienen. Zerknirscht steht er auf, balanciert geschickt an Bergen leerer Bier- und Schnapsflaschen vorbei in Richtung Badezimmer. Nach dem Verrichten seiner Notdurft begibt er sich zwecks Nahrungsaufnahme zum Kiosk. Dort liest er während der Einnahme seines Mahls (in einen Darm gepresste Fleischabfälle an einer vorwiegend aus Zucker und Geschmacksverstärkern bestehenden "Sauce"; das Gericht ist auch als Currywurst bekannt) das Fachmagazin "Bild-Zeitung".
Der Hornist hat somit gleichzeitig die Kapazitäten des Geistes wie jene der Verdauung bereits überschritten. So kann er sich auf den Weg zur Arbeit machen.

11.35 Uhr: Der Hornist trifft überpünktlich zur 11-Uhr-Probe ein, nur der Orchesterwart und der Dirigent sind bereits da. Der Hornist nutzt die Zeit, um den Speichel des Vortags aus seinem Instrument zu entfernen. Wie üblich weist ihn der Orchesterwart an, das Podest des Dirigenten zu verlassen und sich an seinen zugewiesenen Platz zu begeben. Nachdem sich der Hornist in mühsamer, kaftraubender Arbeit aller herumstehender Kontrabässe entledigt hat, nimmt er Platz.

11.50: Die Kontrabassisten beschweren sich in nonverbaler Art bei ihrem Kollegen, weil dieser die Kontrabässe als Brennholz an den Hausmeister veräußert hat. Nachdem die Situation geklärt ist, trifft der Rettungsarzt ein, um den Hornisten ins Krankenhaus abzutransportieren.

12.15: Der Hornist trifft im Krankenhaus ein, wo man ihm zwei Morphiumspritzen gibt und schnell die Wunden näht. Anschließend wird der Hornist wieder entlassen. Der Hornist humpelt zurück zur Probe.

12:45: Der Hornist trifft pünktlich zur Mittagspause ein. Während des Essens zeigt er der Harfenistin seine ausgeschlagenen Zähne und die Platzwunden. Seiner Bitte um ein Rendezvous nach der Probe kommt die Harfenistin nicht entgegen.

13:20: Bevor die Probe weitergeht, hält der Hornist einen Mittagsschlaf. Er träumtdavon, als Diktator in einer Bananenrepublik mit Unterdrückung und Folter ehrlich seine Brötchen zu verdienen.

13:30: Die Klingel reißt den Hornisten aus seinem Schlaf. Zerknirscht geht er zur Toilette.

14:45: Pünktlich zur Nachmittagsprobe um 13:30 trifft der Hornist ein. Er bahnt sich mit seinen Krücken den Weg durch die spielenden zweiten Geigen und die Holzbläser, um dann geschickt unmittelbar vor den Kontrabassisten eine scharfe Linkskurve einzuschlagen und auf seinem Platz niederzusinken. Der Hornist setzt sein Instrument an, um zwei verkiekste Töne zu spielen.

16:13: Der Hornist setzt sein Instrument an, um zwei verkiekste Töne zu spielen.

17:45: Der Dirigent sagt etwas, darauf stehen alle Musiker auf. Der Hornist stellt sein Horn wie üblich zurück in die Besenkammer und geht in die Kneipe.

20:13: Das Handy des Hornisten klingelt. Es ist der Dirigent, der unter Verwendung etlicher Kraftausdrücke dem Hornisten befiehlt, sofort zum Konzert zu erscheinen, welches bereits um 20 Uhr begonnen haben müsste.

20:46: Der Hornist kommt pünktlich zum Schlussakkord der Rossini-Ouvertüre an seinen Platz gehetzt, setzt sein Instrument an und spielt einen verkieksten Ton, nachdem der Schlussakkord bereits verklungen ist. In den anderen Stücken muss er nicht mitspielen. Er stellt sein Instrument wieder in die Besenkammer und geht in die Kneipe.

01:57: Der Hornist geht nach Hause. Auf dem Weg dorthin macht er einen Abstecher zu der Kneipe neben seiner Wohnung.

03:28: Der Hornist findet sich vor seiner Haustüre liegend vor. Es regnet.

03:59: Der Hornist ist in seiner Wohnung angekommen. Er legt sich ins Bett, wo er 4 Flaschen Bier konsumiert. Dann schläft er ein und träumt davon, als Diktator in einer Bananenrepublik mit Unterdrückung und Folter ehrlich seine Brötchen zu verdienen.

S A T I E
satie (03.04.2008, 00:48):
Der Musikwissenschaftler

Ein Musikwissenschaftler ist ein Mensch, der naturgemäß an unterster Stelle in der musikalischen Hierarchie steht. Das hängt damit zusammen, dass er a) nicht Musiker sein kann, weil er weder die allgemeine Musiklehre noch ein Instrument beherrscht und b) zum Kritiker nicht taugt, weil er nicht einmal einen eigenen Geschmack besitzt. Seine Nische hat er gefunden, weil weder der Musiker noch der Kritiker den unwissenden Menschen die Musik erklärt. In diese klaffende Wunde stößt der Musikwissenschaftler tagtäglich sein glühendes Eisenschwert um im gleichen Atemzug den nichtsahnenden Musikhörer zu blenden.
Der Musikwissenschaftler lebt generell von Geld, welches ihm irgendwelche Stiftungen geben. Diesen Stiftungen hat er erzählt, wie wichtig die Forschung im Bereich der Thematik "Beethoven und das Tabu des Masochismus im Spiegel der Zeit der französischen Revolution unter Beachtung der fortschreitenden Technologisierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts" ist.

Die Stiftung hat ihm blauäugig ein Forschungsstipendium gegeben, von dem der Musikwissenschaftler nun ein königliches Dasein fristet. Ob der Musikwissenschaftler selbst in seinem Spezialgebiet einen Sinn sieht oder überhaupt jemals die Absicht hatte, irgend etwas über Musik herauszufinden ist völlig belanglos. Ihm geht es in erster Linie darum, sein mangelndes Wissen und die fehlende Musikalität in eine schwierige wissenschaftliche Sprache zu verpacken und damit nach und nach zu einem zweifelhaften Ruhm zu gelangen.
Ist der Musikwissenschaftler halbwegs gewitzt, sucht er sich ein Spezialgebiet aus, welches niemanden interessiert und daher auch von keinem anderen jemals bearbeitet wurde. Hier bieten sich möglichst unbekannte Komponisten an, notfalls erfindet der Musikwissenschaftler eben einen fiktiven Komponisten. Seine Erkenntnisse werden kaum überprüft werden.
Der Musikwissenschaftler hat in seinem langen Studium zwar nichts über Musik gelernt, wohl aber, wo die Bücher mit den unbekannten Namen stehen und welche anderen Quellen man ebenfalls beachten muss. So begibt sich der Musikwissenschaftler zunächst in sein eigentliches Zuhause, eine verstaubte Bibliothek. Dort forscht er nach regionalen Kleinmeistern, die er entweder zu Genies erheben will oder die ihn zum Genie erheben sollen oder beides. Der Musikwissenschaftler schlägt also einen gigantischen Folianten auf, der sämtliche Komponisten des Spätmittelalters aus dem ostdeutschen Raum verzeichnet hat. Dort sucht er sich einen aus, von dem keinerlei Werke verzeichnet sind und von dem man nur vage annehmen kann, er hätte tatsächlich einmal gelebt. Der Musikwissenschaftler nimmt sich also den Carl Zebedäus Finckelbrunner aus dem Dorf Klotzbrunn nahe Chemnitz.
Er forscht und forscht und findet heraus, dass es eine anonyme Handschrift im Keller eines Klosters in der Gegend gibt, die keine Sau jemals interessiert hat und auch niemals interessieren wird. Dieses Manuskript will er nun seinem Carl Zebedäus Finckelbrunner zuschreiben. Er erschnorrt sich also bei der Stiftung das Geld für eine Bahnfahrt erster Klasse in das Kaff mit dem Kloster, zahlt dem Abt ein wenig Schmiergeld und reißt sich das Manuskript unter den Nagel. Zu Hause nimmt er sorgfältig einige Änderungen am Manuskript vor, schreibt einige Initialen und Daten hinein. Anhand dieser beweist der Musikwissenschaftler, dass das Manuskript wahrscheinlich - nein, todsicher von Carl Zebedäus Finckelbrunner stammt.

Schnell erdichtet er einige typische Stilmerkmale, die seine Behauptung untermauern. Hierfür hat der Musikwissenschaftler eine Checkliste, die verhindert, dass er aus versehen ein romantisches Werk als Komposition der Gotik ausgeben will. Er schaut also, ob da vielleicht ein Orchester vorkommt. Negativ. Ein Synthesizer? Negativ. Autohupe? Auch nicht. Diese drei Anhaltspunkte genügen, um das Werk gefahrlos als mittelalterlich ausgeben zu können. Nun hat der Musikwissenschaftler nicht viel zum Stück zu sagen, es interessiert ihn ja auch gar nicht.

Aber er könnte ja zumindest sich eine Biographie des Komponisten und eine Entstehungsgeschichte des Stücks ausdenken, damit sein Buch habwegs gefüllt wird (Minimum sind 300 Seiten, bzw. 250 Gramm). Der Musikwissenschaftler fährt also noch einmal zu dem Abt und fragt ihn, woher dieser das Manuskript hat. Der Abt will wieder Bakshish haben und sagt dann: "Haben wir gefunden auf dem Dachboden. Weil wir da den Platz gebraucht haben, haben wir es dann in den Keller geschafft."
Diese Informationen genügen dem Musikwissenschaftler, um eine Geschichte zum Manuskript zu schreiben. Die geht ungefähr so: "Im Jahre 1923 tauchte in einem Kloster in der Umgebung Klotzbrunn nahe Chemnitz ein Manuskript unbekannter Herkunft auf. Dieses Manuskript datiert etwa auf die Zeit zwischen 850 und 1320, eventuell auch früher oder später. Infolge ungeklärter Umstände wechselte das Manuskript mehrmals seinen Standort. Es liegt nahe, dies mit einem Brand im Kloster im Jahre 1735 in Verbindung zu bringen, von dem in einem Augenzeugenbericht von 1746 die Rede ist. Fälschlicherweise wird in diesem Bericht das Kloster aber als in der Nähe von Köln befindlich beschrieben, auch irrt sich der Zeuge, wenn er von einer völligen Vernichtung des Klosters berichtet."
Mit dem letzten Satz rettet sich der Musikwissenschaftler, denn er hat gar keine Angabe zu einem Brand im tatsächlichen Kloster. Deshalb benutzt er eine andere Brandmeldung, die mit einem völlig anderen Kloster zu tun hatte und behauptet einfach, der Ort sei falsch angegeben und der Rest stimme auch nicht.
Der Musikwissenschaftler spinnt diese Geschichte selbstverständlich weiter, bis sie etwa die Hälfte des Buchs füllt. Der zweite Teil soll nun dem Manuskript selbst gewidmet sein. Hierzu schaut sich der Musikwissenschaftler notgedrungen doch einmal das Papier etwas genauer an.

Er entdeckt einen Fettfleck auf einem Blatt, auf einem anderen ein Brandloch (Bezug zum Klosterbrand, den es nicht gab!), auf einer weiteren Seite erkennt er einige Eintragungen in krakeliger Schrift. Der Fettfleck bietet dem Musikwissenschaftler einige Möglichkeiten zur Spekulation. Offenbar kann der Komponist nicht all zu arm gewesen sein, hatte er doch offenbar während des Komponierens Nahrung verzehren können. Er musste also nicht erst das Stück fertig schreiben, um etwas zu beißen kaufen zu können. Somit folgert der Musikwissenschaftler, dass der Komponist nicht zur gesellschaftlichen Unterschicht gehörte, ja vielleicht gar von Adel war oder zumindest eine höfische Position innehatte. Der Komponist war also Hofkomponist. Ob es das damals gab oder nicht, ist dem Wissenschaftler egal, denn falls er sich irrt, kann er immer noch die bahnbrechende Erkenntnis verkünden, dass sich all jene geirrt haben müssen, die behauptet haben, damals sei man nicht als Hofkomponist angestellt gewesen.
Das runde Brandloch gilt dem Musikwissenschaftler als Beweis für das Vorhandensein des Manuskripts im Kloster zur Zeit des erfundenen Brandes. Für wenig Geld versichert ihm der Abt auch, dass das Kloster mehrmals gebrannt hat und die Aufzeichnungen über die Brände alle mitverbrannt sind. Zwar kommt es dem Musikwissenschaftler seltsam vor, dass nur ein winziges rundes Brandloch auf einer Seite mitten im Stück vorhanden ist, aber das weiß ja schließlich auch nur er.

Nun versucht der Musikwissenschaftler, die krakeligen Eintragungen zu entziffern, was bisher das schwierigste überhaupt ist. Er holt sich einen Handschriftenexperten dazu, dessen Honorar er die Stiftung bezahlen lässt, um sich selbst davon 75 Prozent in die eigene Tasche zu stecken ("Sorry, die Stiftung konnte nicht mehr Geld zur Verfügung stellen..." sagt er dann dem Handschriftenexperten).
Der Handschriftenexperte sieht die gewaltigen Unterlängen als Zeichen für Depression und Drogenkonsum. Der Musikwissenschaftler hat also endlich einen Anhaltspunkt mehr und schreibt von Familientragödien und Krankheit des Komponisten. Er erzählt, wie die fünf Kinder und die junge Ehefrau des Komponisten der damals wütenden Cholera zum Opfer fielen, der Komponist selbst aber aufgrund seiner höfischen Stellung von einem guten Arzt mit modernster Arznei am Leben erhalten werden konnte. Die starken Medikamente und die schlechte Gemütsverfassung aber haben den Komponisten in eine Drogensucht geführt, der er natürlich zeitlebens nicht mehr Herr wurde, auch wurde diese Drogensucht zum eigentlichen Motor im Schaffen des bis heute völlig unterschätzten Komponisten.
Eine weitere Seite des Manuskripts, welche nach Alkohol riecht, gibt dem Musikwissenschaftler zusätzlich den Hinweis auf die Alkoholsucht des Komponisten und untermauert die These des labilen Charakters mit Neigung zum Cholerischen.
Doch nun muss der Musikwissenschaftler tatsächlich arbeiten: es gilt, den Text zu entziffern. Mühsam versucht der Wissenschaftler die ganze Nacht lang, den Text zu entziffern. Endlich hat er ihn:

Yes terda
y, all mytro
ublese emed
sofa rawa
y No witlo
oks asthro
ugh the
y`re he
retos
tay,
oh I
beli eve
in Yes
terda
y.

Dem Wissenschaftler ist die Sprache nicht geläufig, er vermutet aber einen altspanischen Dialekt.
Hierzu wendet er sich an einen Experten für die altiberischen Sprachen. Dieser ist ratlos. Somit weiß der Musikwissenschaftler nun, dass der Text in einem völlig unbekannten altspanischen Dialekt geschrieben wurde (womit er zusätzlich die Aufmerksamkeit der Linguisten auf sich ziehen wird). Ebenfalls ist ihm nun bekannt, dass der Komponist offenbar durch seine Stellung am Hofe auch diplomatische Funktionen innehatte und auch das spanische Königshaus kannte. Ganz klar daher auch das spanische Kolorit in der Komposition, die gleich mit einer phrygischen Wendung F-Dur-e-moll beginnt. Diesen Sachverhalt hat der Musikwissenschaftler dank einiger Telefonate mit Musikern und einer Recherche in "Musik für Dummies" erfahren können. Der Text ist ja leider unübersetzbar, doch faselt der Wissenschaftler etwas zusammen, um den Leser nicht zu enttäuschen. Ein Liebesgedicht eines spanischen Edelmannes sei es, einer Hofdame gewidmet, die aber leider die Liebe des Autors nicht erwiderte. Der Text an sich schon ein Spiegel der zerfurchten Seele des Komponisten.

Irgendwann, so 50 Jahre nach dem Tod des Wissenschaftlers entpuppen sich all seine Schriften als Humbug, und man bemerkt endlich, dass er das Manuskript von Yesterday von den Beatles gefunden hatte, der Text also modernes Englisch war, das Brandloch von einem Joint, der Alkoholgeruch von John Lennons verschüttetem Jack Daniels stammte, man findet auch noch heraus, dass der Abt des Klosters der frühere Produzent der Beatles war, der sich wegen Steuerbetrugs in ein abgelegenes Kloster zurückziehen musste, von wo aus er rare Manuskripte der Fab Four auf eBay verhökerte. Der Fettfleck ließ sich dank Genanalyse als Fleck eines Hamburgers bestimmen, den Ringo aß als er verzweifelt versuchte, völlig zugedröhnt die Noten zu entziffern. Bis hin zu dieser Entdeckung aber galten die Erkenntnisse des Musikwissenschaftlers als bahnbrechend, etliche Universitäten boten ihm hochdotierte Professuren an, die er aber vorsichtshalber nicht annahm - es hätte ja mal einer mit Ahnung

im Hörsaal sitzen können...
cellodil (03.04.2008, 08:35):
Lieber Satie,

den Beitrag nehme ich als persönliches Willkommenzurückgeschenk...

Wunderbar... Könnte so ziemlich 1:1 auf die Kunsthysteriker (eine Spezies, die leider gar nicht endangered ist und mindestens ebensoviel Schwachsinn verfasst wie der gemeine Musikwissenschaftler, und von der ich mich mit Grausen abgewendet habe) übertragen werden. Vielleicht abgesehen vom Umfang der verfassten Schriften (da tut es der Kunsthysteriker nicht unter 500 Seiten, was aber auch am Anhang mit den Abbildungen liegen mag).

Jedenfalls: :rofl und :thanks und herzliche Grüße

Sabine
Solitaire (03.04.2008, 09:23):
:rofl :rofl :rofl :down :down :down :thanks

Mehr kann ich dazu nicht sagen.Dabei muß ich doch eigentlich ARBEITEN!!! :J
nikolaus (03.04.2008, 10:31):
Original von Solitaire
:rofl :rofl :rofl :down :down :down :thanks


Dem schliesse ich mich an!!

Original von Solitaire
Mehr kann ich dazu nicht sagen.Dabei muß ich doch eigentlich ARBEITEN!!! :J

Ich nicht! :D

Nikolaus.
Cetay (inaktiv) (03.04.2008, 11:06):
:Jhttp://www.smileygarden.de/smilie/Lachend/46.gif :Jhttp://www.smileygarden.de/smilie/Lachend/50.gif Und dazu soll man im Büro vor dem Laptop ein ernstes Gesicht machen...
satie (03.04.2008, 13:28):
Merci beaucoup, mes amis! War ja auch mal wieder Zeit für eine Fortsetzung.

Herzlich,
S A T I E
satie (05.04.2008, 00:51):
Wagners Opern

Wenn man von der Oper spricht möchte man einem Namen ganz besonders ausweichen: Richard Wagner. Leider sind seine Opern aber
dermaßen opulent und gigantisch, dass kaum ein Weg um sie herum gebaut werden könnte. Daher fügen wir uns dem Schicksal und
nehmen die Dinger mal unter die Lupe.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/40/Wagner_Luzern_1868.jpg
So sah der Mann aus, der uns etliche Stunden ohrenbetäubenden Krachs vorgesetzt hat, gerade so, als sei er selber einer
Kostümklamotte entsprungen. Obwohl die Eltern aus anständigen Berufstraditionen wie dem Bäckerhandwerk oder der Polizei
stammten, musste klein Ricky, wie er damals genannt wurde,ausgerechnet Musiker werden. Den Vater hat das leider gleich nach der Geburt des Sohnes ins Grab getrieben (heute sagt man zwar lieber, es sei Typhus gewesen, aber lassen wir das mal außer Acht). Als die MUtter dann einen gewissen Ludwig Geyer heiratete, der ebenfalls nur Schmierenkomödiant war und ein mieser Dichter, war dem Kind wohl nicht mehr zu helfen. Der Geyer ist übrigens wenig später dann auch gestorben, und das, obwohl er noch nicht mal die Mucke von klein Richard hatte hören müssen, stundenlang. Erst später hat Wagner dann einige Opern geschrieben, die leider auch heute noch gespielt werden...Zum Beispiel:

Rienzi, die letzte der Tribünen

Die Hauptfigur ist übrigens benannt nach dem beliebten amerikanischen Erfrischungsgetränk, dessen Ingredienzen niemand wirklich kennt. Wer weiß wieviel der Konzern dem Wagner dafür abgedrückt hat für die schamlose Schleichwerbung. Na ja.
Dem Führer (ja, der mit dem eckigen Schnauz) hat die Oper so gut gefallen, dass man sie auch praktisch nur für ihn gespielt hat und danach kaum noch. Die Handlung ist irgend ein römischer Militärquatsch, damit wollen wir uns jetzt wirklich nicht auch noch befassen.


Der fluchende Holländer

Gofferdechel, schon viel interessanter! Wagner, der ja begeisterter Hobbysegler war, wie Karajan, musste natürlich eine Oper über die rauhe See schreiben. Im Prinzip ist das so ne Art "Piraten der Karibik" für Arme (deshalb hats auch nur für eien Holländer gereicht). Der Holländer ist mit seinem schwimmenden Campingwagen unterwegs, um wie üblich im Autobahntunnel in einer Nische zu picknicken. Dort spukt es aber, der Holländer ist aber geistesgegenwärtig und kann die Gespenster mit seiner Rudi-Carell-Schallplattensammlung in die Flucht jagen. Verbittert fährt der Holländer weiter und irrt ziellos umher auf der Suche nach einem billigen Restaurant. Die Verbindung von Autobahnen mit stürmischer See war schon zum Zeitpunkt der
Uraufführung problematisch, selbst moderne Inszenierungen konnten diesen dramaturgischen Mangel nicht ausgleichen. Den schwimmenden Campingwagen hat Wagner glücklicherweise patentieren lassen und erfolgreich in Japan produzieren können. Leider wird all das in den meisten Wagner-Biographien gar nicht erwähnt...


Tannhäuser und der Sängerkrieg im Wartburg

Der Wartburg, der muss hier zunächst für die jüngere Generation erklärt werden:
"Der PKW des Typs Wartburg wurde von den Automobilwerken Eisenach von 1956 - 1965 (Typ 311), von 1965 - 1988 (Typ 353) und
von 1988 - 1991 (Typ 1.3) gefertigt und ist eines der wenigen Mittelklassefahrzeuge mit einem Kofferraumvolumen von über 500
Litern (Typ 353/1.3). Von 1956 bis 1988 wurde der Wartburg von einem Dreizylinder-Zweitaktmotor angetrieben, ab Mitte Oktober
1988 von einem von VW entwickelten Vierzylinder-Viertaktmotor." (aus: Wikipedia)
Wagners moderne Aufgeschlossenheit ließ ihn nicht davor zurückschrecken, eine komplette Oper im Innern eines Automobils der
Marke Wartburg spielen zu lassen. Leider scheiterten die meisten Aufführungen daran, dass neben dem Ensemble von 14 Sängern plus Chor leider das Orchester wegen der sperrigen Wagnertuben nicht mit in das Fahrzeug hineinpasste. Die wenigen tatsächlich gelungenen Inszenierungen gelangen nur aufgrund des großen Kofferraumes mit entsprechend schlanker Besetzung. Ein Skandal war die Aufführung von 1964 mit Pavarotti als Tannhäuser, der den Verdacht des misstrauischen Publikums auf sich zog, weil er problemlos in den zusätzlich bereitgestellten zweiten Wartburg ein- und aussteigen konnte. Hinterher stellte sich heraus, dass dieser Wagen aus elastischem Kunststoff hergestellt worden war. Eine Schande für die historische
Aufführungspraxis. Aufgrund solcherlei Scharlatanerien wurde die Oper in der Folge selten aufgeführt; die Intendanten scheuen die kritischen Zuschauer, die oft stundenlang die Bühne zwecks Fahrzeuginspektion blockieren, bevor die Aufführung beginnen kann.


Paul-Pipifax Lohengrin

Hier gibt es einen neurotischen Typen mit Nachnamen Lohengrin, dem sein Vorname so peinlich ist, dass ihn selbst seine Schnecke nicht erfahren soll. Er verbietet es ihr sogar ausdrücklich, aber weil die nunmal von Natur aus neugierig sind, die Frauen, muss sie dann doch in seinem Personalausweis nachsehen, worauf sie sich halb wegschmeißt vor Lachen. Da holt der sich nen fahrbaren Schwan und haut ab.
Leider hatte der Tierschutz seit jeher ein Problem damit, wenn einem Schwan Rollen unter die Flossen geklebt und ihm ein Heckspoiler verpasst wird, daher hat es auch diese Oper mitunter schwer.



Der Nibelung der Ringe

Hier gibts sogar gleich vier Teile (als ob nicht einer davon schon zu lang wäre):

Das Rheingold

Sowas wie eine Unterwasserrevue mit Badenixen, verschiedenen Göttern und sogar Riesen namens Robby und Tobby. Ach nein, Fasold und Fafner. Ist aber auch nicht besser.
Es geht hier um Kohle, die im Rhein liegt, bis Gollum sie nicht mehr ausreichend bewachen kann. Irgend so ein Zauberring muss
dann in die Lava eines Vulkans geschmissen werden von zwei Hobbits undsoweiter, man kennt die Geschichte ja.Diese Oper wurde
damals von einigen am Rhein befindlichen Chemiekonzernen finanziert, die damit von der Verschmutzung des Flusses durch
chemikalienhaltige Abwässer ablenken wollten. In der Folge starben leider viele Taucher an Vergiftungen, die den
vermeintlichen Schatz heben wollten.

Die Walkühe

Wenn man sieht, wie die heißen, weiß man mehr als genug:

Brünnhilde (Sopran)
Helmwige (Sopran)
Gerhilde (Sopran)
Ortlinde (Sopran)
Waltraute (Mezzosopran)
Siegrune (Mezzosopran)
Roßweisse (Mezzosopran)
Grimgerde (Alt)
Schwertleite (Alt)
Die sollen also die gefallenen Helden nach Wallhall führen. Sprich, die warten, bis irgend ein Macho abserviert wird, nutzen

den Liebeskummer um sich an ihn ranzumachen. Auf den Ausdruck "Walkürenritt" werde ich hier dann auch nicht näher eingehen, was mir der geneigte Leser verzeihen wird.

Siegfried und Roy

Dürfte weitgehend aus Funk und Fernsehen bekannt sein, das Paar. Mit ihrem berühmten weißen Drachen zeigen sie aller Welt Zaubertricks. Siegfried konnte leider lange Zeit aufgrund eines Schulterproblems nicht auftreten, mittlerweile hat sich das aber gelegt. Leider hat Wagner die Geschichte dochsehr stark abgewandelt. Hier werden irgendwelchen Typen Köpfe angeschlagen, es wird Blut gesoffen und manche können auf Droge dann mit den Viechern reden. Alles in allem doch recht unausgegoren das...

Götterdämmerungbadabingbadabumm

Hier kloppen sich im Grunde die bereits bekannten Personen um diesen Ring, bevor Frodo und Sam ihn endlich in die Lava schmeißen und damit den finsteren Sauron vernichten.
Also mal ehrlich: das hätte man doch in einem einzigen Streifen a 90 Minuten hinkriegen können, oder? Aber nein, muss ja gleich zum Epos gewalzt werden.



Tristan und die Olle

Von den Kelten bis zu Buddha wird hier alles verwurstet, was sich Wagner greifen konnte. Dann gibts einen Akkord, der so
bescheiden schön klingt, dass alle Musiker und Musikologen nur sagten "Was das denn jetzt?" Ist bis heute nicht klar, welcher
Teufel den Richie da geritten hatte.
Eigentlich hat Tristan einen gekillt, und das war der Verlobte von Isolde. Das fand die Isolde eigentlich eher uncool und wollte dann den Tristan auch abmurksen, dann hat sie aber eingesehen, dass der sowieso die
bessere Partie ist. Dabei will der sie eigentlich mit einem anderen verkuppeln. Da wird die Isolde sauer und sagt zu ihrer Zofe mit dem wunderschönen Namen Brangäne (is jetzt echt kein Witz, die heißt so!), sie soll dem Typen einen vergifteten
Scotch einschenken. Das macht die dumme Kuh aber gar nicht (also die hätte ich ja gleich entlassen. Man findet einfach kein
gutes Personal mehr), sondern gibt dem einen Liebestrank, dann ist Friede Freude Eierkuchen. Am Schluss beißen die trotzdem ins Gras.

Die Meistersinger von Nürnberg

Hier wird viel zu oft nicht beachtet, dass schon im Titel der Oper ein grawierender ortogravischer Feler liegt. Es tut nämlich nicht Singer heißen, sondern das tut heißen müssen Sänger nämlich. Also im Grunde geht es hier einmal mehr um Typen, die Singen. Wie einfallsreich für eine Oper! Das hätte ICH ja noch gekonnt. Hauptrolle spielt ein Ossi (hier als "Sachs" bezeichnet). Finger weg von dem Dreck, sage ich.



Parzipan

Das hat mit dem heiligen Gral und irgend einem Speer zu tun. Natürlich kommen hier die Tempelritter und die Freimaurer vor, die sich wie immer bis aufs Blut bekämpfen. In der Hauptrolle Nicloas Cage und Diane Kruger, und Harvey Keitel kommt auch noch vor. Gutes Popcorn-Kino aus dem Hause Walt Disney!

So, das wärs. Mehr darf und kann es gar nicht geben. Wer in die unglückliche Lage geraten sollte, einmal eine Wagner-Oper
hören und sehen zu müssen, der soll sich genug Proviant, einen Schlafsack undvor allem Ohropax mitnehmen. Mit einem solchen
Survival-Package kann nicht mehr viel passieren.
Solitaire (05.04.2008, 06:20):
Gnade, Gnade, Gnade!!! :down :down :down :rofl :rofl :rofl
Ich konnte nicht mehr schlafen, wollte als anständige deutsche Hausfrau ehe ich zur Arbeit muß noch meine Küche aufräumen, nud jetzt sitze ich doch wieder vor der Kiste un schmeiß mich weg

Ich arbeite ja in einer Musikbibliothek, und werde in Zukunft das Wort "Wallkürenritt" nie mehr hören können, ohne rot zu werden... :D
nikolaus (05.04.2008, 10:05):
Wieder was gelernt: ich dachte immer, die Open heissen "Der stinkende Holländer" und "Lodengrün".
So kann man sich täuschen... :J

Nikolaus.
cellodil (05.04.2008, 19:32):
Lieber Satie,

... mille, mille, mille grazie! :times10

.... und herzliche Grüße

Sabine
Gamaheh (06.04.2008, 00:44):
Lieber Satie,

wie schön, daß Du ausgerechnet in dieser trüben Zeit wieder zur Feder greifst, um Frohsinn in unsere tristen Gemüter zu gießen!

Dabei wirst Du wie immer höchsten Ansprüchen gerecht, denn wie sagte Horaz so schön: „Das Anliegen des Dichters ist es, zu nützen und zu erfreuen.“

Wirklich nützlich sind Deine Ausführungen mir nicht nur, weil ich nun weiß, warum Brahmsens KK2 am Anfang häufig so komisch klingt, sondern weil ich es nun endlich aufgeben kann, ein schlechtes Gewissen zu haben, weil ich mich noch immer nicht dazu durchringen konnte, mir Wagner zu Gemüte zu führen (schon gar nicht bei dem miesen Wetter). Wahrscheinlich ist das ohnehin etwas Atavistisches, denn familiengeschichtlich ist überliefert, daß meine Großeltern ein einziges Mal in der Oper waren, und ausgerechnet bei Lohengrin! Mein Großvater soll nach den ersten Takten eingeschlafen sein und danach nie wieder eine Oper besucht haben – auch er hatte wahrscheinlich Ohropax dabei!

Beste Grüße,
Gamaheh
Sarastro (08.06.2008, 23:23):
Lieber Satie,
so sehr ich im allgemeinen Deine satirischen Beiträge (und nicht nur diese, versteht sich) schätze, so sehr frage ich mich in diesem Falle doch, ob Du nicht ein wenig zu weit gegangen bist. Ich kann mir kaum vorstellen, daß Du wirklich ernsthaft der Meinung bist, die ganze Musikwissenschaft sei im Grunde ein von ziemlich amusischen Leuten kultivierter Humbug; das wäre ja nun doch mehr als unfair. Ich vermute, daß Du Dich von irgendwelchen konkreten Fällen fragwürdiger Methoden, Analysen und Interpretationen - daran gibt es gewiß keinen Mangel - hast inspirieren lassen, aber wie bei jeder Wissenschaft möchte ich zunächst einmal Seriosität und (vom Ethos des Wissenschaftlers her gesehen) Integrität unterstellen dürfen. Daß es dabei in Einzelfällen zu gravierenden Irrtümern und Fehlleistungen kommen kann, stellt die Berechtigung des Faches und konkreter Forschungsanliegen nicht in Frage. Und wenn ausgefallene Komponisten zum Gegenstand von Untersuchungen gemacht werden, halte ich das grundsätzlich für lobenswert wie wichtig und richtig – aus allgemein musik- und kulturgeschichtlichen Gründen, und nicht hat zuletzt deswegen, weil von daher auch ein Licht auf die anerkannten "großen" Meister fallen kann. Abgesehen davon kann es eine sehr erfrischende Abwechslung sein, über weniger bekannte Komponisten und Werke zu arbeiten als immer dasselbe zum x-ten Mal einer neuen Analyse zu unterziehen (von im Detail unergründlichen und rätselhaften Werken wie etwa der Zauberflöte natürlich abgesehen ...). Aber auch bei bekannten Werken besteht doch noch genügend Forschungsbedarf, um z.B. chronologische Probleme oder gar Echtheitsfragen zu klären.
Möglicherweise habe ich Deine Intentionen sowieso falsch verstanden, dann entschuldige bitte meine Einwände – ich kenne Dich eben offenbar noch nicht gut genug. Daß es im Wesen der Satire liegt, heftig zu übertreiben, ist mir schon klar, aber gewisse zustimmende Reaktionen auf Deinen Beitrag könnten doch bei manchen Lesern (auch außerhalb dieses Forums!) den Eindruck erwecken, die ganze Musikwissenschaft sei kaum mehr als ein Spiel mit Worten (und mit der Gutgläubigkeit der Geldgeber ...), bei dem hauptsächlich heiße Luft abgelassen wird. Und das wird man bestimmt nicht sagen können und dürfen.

Herzliche Grüße,
und nichts für ungut,

Sarastro
satie (09.06.2008, 00:11):
Mein Lieber,
natürlich ist mein Beitrag, wie alles in diesem Thread, nur Satire und keineswegs ernst gemeint! Das wäre ja völlig absurd, wenn ich als Komponist und Pianist hier über Komponisten und Pianisten herziehe in ausgerechnet dieser Form...
Ich bin beinahe etwas geschockt, dass ernsthaft angenommen werden könnte, ein solcher Beitrag sei wahrhaftig meine Meinung! Allerdings: es mag tatsächlich solcherlei Musikwissenschaftler geben (und ich kenne einige, die nicht einmal wirklich ordentlich Noten lesen können), es gibt aber ganz klar, und wohl in der absoluten Überzahl, hoch intelligente und ebenso musikalische Musikwissenschaftler, die ihrer Zunft alle Ehre machen und natürlich absolut seriös sind. Ich habe tieftsen Respekt etwa vor meinem Lehrer Hartmut Fladt, der mir gerade lebendes Beispiel einer vorbildlichen wissenschaftlichen wie künstlerischen Persönlichkeit ist oder auch vor einem Hans Heinrich Eggebrecht, der mit seinem Buch "Musik im Abendland" ein Buch hinterlassen hat, welches mir eines der wichtigsten zur Musik überhaupt geworden ist.

Mein satirischer Beitrag zielt lediglich auf solche ab, die trotz mangelnden Wissens und trotz mangelnder Musikalität versuchen, sich als Wissenschaftler zu profilieren und sich dabei auch noch ungeschickt anstellen. Solche habe ich eben auch erlebt.

Herzlich,
S A T I E
Sarastro (09.06.2008, 09:24):
Lieber Satie,
na, dann bin ich ja beruhigt! Daß ich jetzt wohl damit leben muß, hier als humorloser Zopf zu gelten, nehme ich in Kauf ... (ich dachte mir ja schon, daß Deine Ausführungen nicht wirklich ernst gemeint sein könnten, wollte es aber eben doch von Dir - auch im Interesse anderer Nutzer - klargestellt haben).
Daß es Auswüchse gibt, glaube ich gern (Deine Mitteilung, daß es Musikwissenschaftler gibt, die nicht ordentlich Noten lesen können, hat mich mindestens so schockiert wie Dich der Umstand, daß man Deinen Beitrag ernstnehmen könnte).

Herzliche Grüße,
Sarastro
satie (03.08.2008, 01:06):
Ab jetzt eher in Kürze...hier der Anfang:

Gustav Mahler

Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, was alle an dem finden. Der Typ hat die üblichen 9 Symphonien geschrieben und so'n paar mäßige Lieder (na, könnten Sie denn jetzt eins singen? Sehen Sie!). Sonst nix. Das schafft praktisch jeder im Lauf eines Lebens. Wenn man, sagen wir mal 60 wird, dann schreibt man im Schnitt alle 4 oder 5 Jahre so eine Symphonie (angenommen, man fängt mit 20 an, brauchbar zu komponieren). Wenn man so viel Zeit hat ist das nun wirklich kein Kunststück. Ok, Mahler ist nicht so alt geworden, ist ja gut, ihr pingeligen Spezialisten! War ja nur ein Beispiel. Trotzdem stimmts. Man muss ihm ja immerhin zu Gute halten, dass er als erstes Instrument Akkordeon gelernt hat, und generell schlägt man da entweder eine Karriere als Tangomusiker ein oder man begleitet irgendwelche Seemannschöre. Dass man also so überhaupt zu komponieren beginnt, ist schon mehr als mutig.
Aber: nicht mal ne Krankheit hat er gehabt, die irgendwie reizvoll ist, Syphilis oder so, nein, nur Hämorrhoiden hat er gehabt! Also ich habe noch keine Dame gesehen, die in romantische Verzückung geraten ist, weil einer tragisch an Pickeln am Hintern stirbt. Das macht einfach nichts her. Und dann hat er auch noch seine Frau wie Dreck behandelt und ihr das Komponieren verboten (wärs mal umgekehrt gewesen!). Die hat dann natürlich ne Affäre gehabt, und was macht der? Statt dass er sie und ihn leidenschaftlich erschießt oder erdolcht, wie sichs gehören würde, geht er zu Freud in die Therapie...Naja, und Freud hat auch keinen blassen Dunst gehabt, was mit dem Typen nicht stimmt. Manchmal ist eine Symphonie eben nur eine Symphonie...

S A T I E
satie (23.09.2008, 22:40):
Musik für Tiere

Ein Trend, der sich immer stärker bemerkbar macht ist Musik, speziell für Tiere geschrieben. So ist etwa auf einer Internetseite (s. unten) zu lesen:

"Ao. Univ.-Prof. Dr. vet.med. Bubna-Littitz, Leiter einer tierpsychologischen Beratungsstelle meint dazu:Die Musik, die Sie hören, ist speziell für Katzen komponiert worden. Sie soll Ihre Katze(n) in einen angenehmen, entspannten Zustand versetzen." Oder weiter unten auf selbiger Seite:
"Fr. Mag. vet.med. Schlesinger über diese CD:
Neben der Stubenunreinheit ist Aggressivität unter Katzen ein großes Problem.... Erhöhtes allgemeines Wohlbefinden durch Entspannung und gemilderte Aggression, wie sie in unserer Untersuchung durch die Musik erreicht wurden, könnten wesentlich dazu beitragen, die Lebensqualität unserer Katzen - und dadurch auch die Mensch-Katze-Beziehung zu verbessern."

Dieser Trend eröffnet arbeitslosen Komponisten endlich die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten in bare Münze umzusetzen. War bislang das Konzertpublikum mehr oder weniger taub gegenüber den Werken eines Tonschöpfers, werden die Tiere sie umso mehr zu schätzen wissen. Die meisten Tiere haben ja ein feines Gehör (Katzen, Hunde, Bartgeier, Kellerasseln) und viele von ihnen bemühen sich ja sogar, selbst musikalisch tätig zu sein (Krähen, Pferde, Elefanten etc. sind von Natur aus sängerisch begabt).
Wenn Herr Schmidt Ligeti oder Rihm zum Kotzen findet, muss sein Dackel das ja nicht genau so sehen, daher wird also auch die Tonträger-Industrie gewaltig von der gesteigerten Nachfrage bei unseren viebeinigen, gefiederten, geschuppten Lebensgefährten profitieren.
Einige positive Erfahrungen von Tierfreunden seien hier dem geneigten Hörer nicht vorenthalten:

Hans K., Knarzenhausen: "Seit mein Perserkater regelmäßig Boulez hört, haart er viel weniger!" (dafür sind die herausgewürgten Haarknäuel viel größer, aber man kann ja nicht alles haben)

Paul F., Schmalzensdorf: "Mein Rennpferd hat immer vor den Hindernissen gescheut. Kontaktlinsen, Sportbrillen, alles mögliche haben wir ausprobiert, nichts hat geholfen. Endlich haben wir die Werke von Haubenstock-Ramati entdeckt. Wir haben dem Pferd die Musik im Stall vorgespielt, und schon nach wenigen Tagen lief es schneller und sprang über jedes Hindernis!"(Wer bei der Mucke nicht Reißaus nimmt, egal, was ihm im Weg steht, ist eh taub oder schon tot)

Henriette V., Pfarzensheim: "Dank Stockhausen hat mein Meerschweinchen endlich keine Verdauungsbeschwerden mehr!"(Ihm ist ja auch der Appetit völlig vergangen davon...und wo nichts reinkommt...)

Franz Z., Gammelsweiler: "Ohne die Musik von Feldman wäre mein Kaninchen wohl für immer so aggressiv und dominant geblieben."(Hätte man nicht erst Drogen, Psychopharmaka oder Elektroschocks probieren können? Musste es gleich die volle Dröhnung sein? Armes Karnickel... wo bleibt der Tierschutz, wenn man ihn mal wirklich braucht?)


Herzlich,
S A T I E

Zitatquelle: http://www.miau.de/tips/allg/musik.html
cellodil (23.09.2008, 23:10):
Mein lieber Satie,

da schlägt mein Herz, das ja schon beruflich den Tierchen gehört (wir erinnern uns: Pudelphysiotherapie), doch gleich höher! Hatten wir das nicht immer geahnt? Da eröffnen sich wahrlich ganz neue Verdienstmöglichkeiten... Ich liebäugle schon mit musikalischer Früherziehung für Welpen, eventuell auch schon pränatal einsetzend oder vielleicht doch lieber Wochenendseminare "Mitjaulen leicht gemacht", "Taktschwänzeln mit Grieg für Waldkatzen", "Schöner Schleimen mit Wagner für Weinbergschnecken", "Weicher Würgen mit Debussy für Boas"...??? Der Witzkatz-Hundi-Wellensittich-Markt scheint grenzenlos!

Und die Realität überholt mal wieder die Satire.

Original von Satie
und das hab ich mir nicht mal ausgedacht!!!!
Zitatquelle: http://www.miau.de/tips/allg/musik.html

... das kann man sich gar nicht ausdenken.

Herzliche Grüße und :beer

Sabine

P.S. Wunderbar, dass Du mal wieder zum Handbuch gegriffen hast...
LazarusLong (24.09.2008, 08:15):
Original von cellodil
Mein lieber Satie,

da schlägt mein Herz, das ja schon beruflich den Tierchen gehört (wir erinnern uns: Pudelphysiotherapie), doch gleich höher! Hatten wir das nicht immer geahnt? Da eröffnen sich wahrlich ganz neue Verdienstmöglichkeiten... Ich liebäugle schon mit musikalischer Früherziehung für Welpen, eventuell auch schon pränatal einsetzend oder vielleicht doch lieber Wochenendseminare "Mitjaulen leicht gemacht", "Taktschwänzeln mit Grieg für Waldkatzen", "Schöner Schleimen mit Wagner für Weinbergschnecken", "Weicher Würgen mit Debussy für Boas"...??? Der Witzkatz-Hundi-Wellensittich-Markt scheint grenzenlos!

Und die Realität überholt mal wieder die Satire.

Original von Satie
und das hab ich mir nicht mal ausgedacht!!!!
Zitatquelle: http://www.miau.de/tips/allg/musik.html

... das kann man sich gar nicht ausdenken.

Herzliche Grüße und :beer

Sabine

P.S. Wunderbar, dass Du mal wieder zum Handbuch gegriffen hast...

Hallo Sabine

Gratuliere zur beruflichen Weiterentwicklung. Ist ja schon ein gewaltiger Sprung von der Pudelfriseuse zur Physiotherapeutin. Um ein ganzheitliches Paket zu schnüren, würde ich Dir noch eine Feng-Pfui-Weiterbildung ans Herz legen, :haha

@ Satie

:down :down :down :down
:thanks

PS.: Ich bin wirklich neugierig geworden. Hast Du irgendwo Hörproben gefunden?
Wie steht es mit der Kompatibilität, macht Katzenmusik Hunde aggressiv?
Bringt Hundemusik Hamster dazu Kleinwagen zu verfolgen?
Ist diese Musik evtl. bei der Jagd einsetzbar?

Fragen über Fragen.

Satie, ich danke Dir

Frank
cellodil (24.09.2008, 09:41):
Lieber Frank,

hatte mich heute morgen - in memoriam des gemeinschaftlichen Wettblödelns - schon gefragt, ob Du eigentlich noch im Forum aktiv bist und wie's Dir geht (ich war ja - Asche auf mein Haupt - auch ziemlich lange abgetaucht).

:hello schön, von Dir zu lesen...

Original von LazarusLong
Gratuliere zur beruflichen Weiterentwicklung. Ist ja schon ein gewaltiger Sprung von der Pudelfriseuse zur Physiotherapeutin.

... wer immer strebend sich bemüht... Eine Pudelfriseuse braucht ja was eigenes... Und außerdem halten verspannte Pudel bei der Dauerwelle einfach nicht still - war gewissermaßen naheliegend, diese Forbildung...

Für Deine kleine Menagerie würde ich selbstverständlich auch mal wieder ins Haarfarbtöpfchen und zu Nagellack und Schleifchen greifen (biete auch Typberatung für Boxer und Dackel an, auch wenn mein Spezialgebiet eher im lockigen Bereich liegt...).

Original von LazarusLong
Um ein ganzheitliches Paket zu schnüren, würde ich Dir noch eine Feng-Pfui-Weiterbildung ans Herz legen, :haha

... werde mal beim Berufsverband nachfragen... fürchte aber, dass das bestimmt eine mehrjährige Fortbildung erfordern wird...

Dir ganz, ganz liebe Grüße

Sabine
LazarusLong (29.09.2008, 10:26):
Original von cellodil
Lieber Frank,

hatte mich heute morgen - in memoriam des gemeinschaftlichen Wettblödelns - schon gefragt, ob Du eigentlich noch im Forum aktiv bist und wie's Dir geht (ich war ja - Asche auf mein Haupt - auch ziemlich lange abgetaucht).

:hello schön, von Dir zu lesen...



Ich freue mich auch, wieder dabei zu sein. Mein Abtauchen war beruflich bedingt, habe meinen Job als Geschäftsführer geschmissen und bin in einer anderen Firma eine oder 2 Ebenen tiefer wieder eingestiegen, als sogenannter leitender Angestellter. Nach langer Überlegung und vielen Gesprächen mit meiner Familie, insbesondere mit meiner Frau, habe ich mich entschlossen es ruhiger, mehr familienorientiert angehen zu lassen. Es gibt wichtigeres als Karriere. Zwar ist im Moment ein eher konträrer Effekt eingetreten, da ich zur Zeit nur am Wochenende zu Hause bin, aber das ändert sich, wenn ich erst den Umzug gemanagt habe. Von der Beanspruchung her, hat sich meine Wochenabeitszeit von 60+ auf 40-45 Stunden eingepegelt, so daß ich dem Forum hoffentlich auch wieder etwas Zeit widmen kann.
Und um präventiv die obligatorische Frage zu beantworten: Nein, ich habe es nicht bereut. Ich verdiene etwas weniger, bin aber laut Aussage meiner Familie und Freunde, viel entspannter. Für mich war es definitiv die richtige Entscheidung.

:W :W :W :W :W :W

Frank
cellodil (29.09.2008, 11:50):
Lieber Frank,

ich finde, das klingt nach einer richtig guten (wiewohl vermutlich nicht gerade einfachen) Entscheidung.

:times10

Das freut mich für Dich und ich wünsche Dir und Deiner Familie, dass sich die Erwartungen erfüllen werden und Ihr dann nach überstandenem Umzug mehr Zeit miteinander haben werdet.

Herzliche Grüße und alle guten Wünsche

Sabine
nikolaus (29.09.2008, 21:11):
@ Frank

Gratuliere!
Finde ich gut!!

:beer Nikolaus.
LazarusLong (30.09.2008, 08:51):
@sabine
@nikolaus

:thanks

Die Entscheidung war nicht so schwer, wie es scheint. Nachdem ich vor 3 Jahren das Rauchen aufgegeben habe und mit dem GeFüPosten zu einer fast ausschließlich sitzenden Tätigkeit gewechselt bin, habe ich fast 20kg zugelegt (75 auf 92kg bei 1,76m), mein Blutdruck ging hoch etc., keine Zeit mehr für Familie, geschweige denn für Sport oder Urlaub. Ich hatte wirklich keine Lust mit 50 den ersten Herzkasper, Magengeschwür oder was es sonst noch für Workaholic-Ehrenabzeichen gibt, einzufahren. Letztendlich war es die Frage, was ist wichtiger: Ich und meine Familie oder die Firma?
Ich liebe meine Frau und die Kinder und auch mich selbst, also war die Entscheidung zwingend und nicht wirklich schwer. Es hat nur gedauert, bis ich mir das klar gemacht habe.
Ich kann nur jedem raten, der aus beruflichen Gründen keine Zeit mehr für sich selber hat, sich hinzusetzen und sich Gedanken darüber zu machen, ob man wirklich sein Leben nur über den Beruf definieren soll. Letztendlich muss es jeder für sich entscheiden. (Überleg es Dir also gut Sabine, ob Du einen Peng-Pfui-Weiterbildung wirklichin Erwägung ziehen willst :P)

Nochmals Danke für Eure moralische Unterstützung.

Frank
cellodil (30.09.2008, 22:12):
Lieber Frank,

nach dem, was Du geschrieben hast, da muss ich doch noch mal ganz deutlich sagen: Congratulations!

Sicher: Im Rückblick scheint diese Entscheidung zwingend und unausweichlich. Und die Workaholic-Auszeichnungen braucht wirklich kein Mensch. Und es braucht Zeit, bis aus diffusem Unbehagen Einsichten und Erkenntnisse reifen. Da gebe ich Dir völlig recht. Trotzdem ist es ein großer Schritt, aus diesen Einsichten dann auch die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen, und der erfordert ganz ohne Frage auch Mut.

Ich finde, dass Du Dir ruhig mal auf die Schulter klopfen und stolz auf Dich sein kannst.

Ich jedenfalls nehme mir gleich mal ein Beispiel an Dir und verbringe meine Zeit lieber mit meinem Cellole, meinem Liebsten, Freunden, Pudel-Pilates oder mit gepflegtem Nichtstun als mit Büchern über Feng-Pfui...

Herzliche Grüße und alle guten Wünsche

Sabine
satie (18.11.2008, 00:19):
Das perfekte Dinner

"Sehr geehrter Herr Satie,
seit langem schon lese ich die Beiträge Ihres Handbuchs. Oft schon haben Sie mir sehr geholfen. Nun habe ich aber eine Frage: ich will meiner Frau mal wieder was Gutes tun und ihr einen richtig netten Abend gestalten, mit Kerzenlicht, einem schönen Menü und Wein. Nun kann ich mich einfach nicht recht entscheiden, welche Musik ich dazu auflegen soll.
Haben Sie einen Tipp für mich?

Herzliche Grüße,
Bert K. aus F."

Lieber Herr K.,
eine gute Frage, und noch dazu sehr berechtigt, denn was nützt das schönste Menü, wenn man es dann mit Musik versaut? Überhaupt wundere ich mich ein wenig, dass Sie Musik dazu auflegen wollen, denn ich dachte doch, der Abend soll eine gelungene Sache werden?!
Aber nun gut, wenn Sie es partout nicht lassen können, will ich Ihnen mal unter die Arme greifen, für irgendwas muss ich ja auch da sein, nicht wahr.
Zunächst gilt es natürlich zu bedenken, was auf den Teller kommt, denn es kann alles völlig daneben gehen, wenn die Musik nicht passend zum Gericht ist (wollen Sie sich das nicht doch noch mal überlegen mit Musik überhaupt? Ich mein ja nur...da geben Sie sich all die Mühe...). Heutzutage kocht man ja international, und der unbedarfte Mensch meint dann, er müsse auch internationale Musik dazu dudeln lassen, also irgendwelchen Ami-Pop. Nein, Herr obama dich unser, das wäre nun wirklich ganz verkehrt, es sei denn, Sie würden Hotdogs oder Burger mit Pommes auftischen, was ich mal ausschließen will. Andererseits könnte dann die Mucke auch nicht mehr viel kaputtmachen...

Also ein ordentliches Menü hat ja nun normalerweise mindestens drei Gänge, Vorspeise, Hauptgericht und Nachtisch. Ein Einfaltspinsel könnte da auf die Idee kommen, einfach irgendeine Symphonie zu nehmen, weil die ja auch drei Sätze haben. Da kann man ganz schnell daneben langen, wenn die nun plötzlich doch vier Sätze hat oder die Reihenfolge nicht stimmt. Bei diesen Komponisten weiß man ja nie, da kommt plötzlich der langsame Satz zuerst, dann so'n unappetitliches Menuett (nein, das hat mit Menü nichts zu tun!!), dann wenns ganz dumm läuft nochmal nen langsamen Satz und dann, wenn man den Nachtisch schon verputzt hat kommt das Finale und man hat keine Ahnung, wie man den Espresso so langsam trinken soll, dass das Pfützchen reicht für so ein langes Finale. Also besser doch die Musikstücke einzeln auswählen.

Finger weg zunächst mal auch von diesen geistreichen CDs mit Titeln wie "Rossini zur Pizza" oder "Mozart zum Schnitzel". Das ist lahmer Quatsch, auf den ja jeder käme. Man darf dabei auch nicht vergessen, dass solcherlei Ramschscheiben nur sehr selten in Absprache mit Ernährungsexperten oder gar Gourmetköchen hergestellt werden. Außerdem bleiben da viele Fragen offen: was serviert man (musikalisch) zu Fisch? Na gut, vielleicht Schubert, aber der passt allenfalls zur Forelle Müllerin. Denken Sie einen Schritt weiter, kommt Ihnen vielleicht ja Debussys "La mer" viel raffinierter vor, denn dann schwimmt der gare Fisch quasi in seinem Element, während er verzehrt wird. Das "Aquarium" aus Saint-Saens' "Karneval der Tiere" könnte man natürlich auch nehmen. Auf jeden Fall wäre zu bedenken, dass man zu einem leicht verdaulichen Fisch auch eine leicht verdauliche Musik nehmen sollte, also sicherlich nicht Max Reger (den nehme ich immer, wenns Innereien gibt) oder gar Schönberg (kommt bei mir nur auf den Teller, wenn mir das Soufflee zerfallen ist in seine Bestandteile). Zum Fisch können Sie beispielsweise immer Offenbach nehmen, das perlt wie der Weißwein, den Sie hoffentlich dazu servieren. Aber gut, wer isst heute schon noch Fisch, wo die Meere so gut wie leer sind und die kläglichen Reste, die zwischen den Delfinen in den Netzen liegen sind so ölig und voller Schwermetalle, dass man gleich André Rieu auflegen kann.

Ebenso schwer ist die Frage, welche Werke zu modernen Gerichten wie Tofubratlingen passen. Da es so etwas zu Mozarts Zeiten nicht gegeben hat, konnte er natürlich auch keine passende Musik dazu schreiben, ebenso essig ist es bei Sushi (da kann man wenigstens was nehmen, das nach Meer stinkt oder eben wieder die Fischmusik von eben), Probleme kriegen Sie ohnehin bei allem, was der europäischen Kunstmusik zu entfernt liegt, also mexikanisches, chinesisches, australisches, afrikanisches Essen oder auch Eskimokost. Da könnte man höchstens mit viel Rafinesse was finden oder müssten anpassend ausweichen (statt mexikanisch spanisch, statt chinesisch russisch, statt australisch englisch, statt afrikanisch...ähm...ach,...na ja egal, Sie wissen ja, was ich meine). Sie sehen also, dass Sie schon bei der Menüplanung ganz schön aufpassen müssen! Oder Sie lassen es eben doch mit der Musik...? Na schön, Sie werden ja doch nicht aufgeben:

Nehmen wir mal an, sie fangen mit einem bunten Salat an. Tja, was nimmt man nun da für eine Musik? Es gibt in der Literatur kaum Beispiele für Kompositionen mit Gemüse-Bezug, also muss man logisch vorgehen: wo wächst das Gemüse? In der Natur! Also: irgendwas mit Naturthemen, etwa Vivaldis "Vier Jahreszeiten" oder Beethovens Pastorale. Wenn Sie religiös sind, nehmen sie nur den Satz mit dem Dankgebet der Bauern. Raffiniert wäre, wenn Sie mit der "Szene am Bach" zu einem Hauptgang mit einem Geflügelgericht überleiten (die ist lang genug, leider...). Wenn es viel buntes gemüse gibt, kann man passend immer eine dieser postmodernen Kraut-und-Rüben-Musiken nehmen, Rihm oder so was, aber gell, den Laustärkeregler vorher etwas runterdrehen, das Essen soll ja schließlich im Magen bleiben, außer Sie wollen eine römische Orgie veranstalten.
Wenns eine Pilzsuppe vorneweg gibt, nehmen Sie Schumanns "Waldszenen", richtige Pilzmusik gibts auch keine (Ersatzweise eine dieser nordischen Zwergenmusiken von diesem Grieg nehmen). Die Komponisten haben sich generell kaum Gedanken gemacht, wie gut sie zur gepökelten Rinderzunge passen oder zur Entenleberpastete, aber daran kann man nun mal nichts ändern, auch wenn es im Grunde skandalös ist, wo sie doch über Wein ohne Ende geschrieben haben, da hätte man ruhig auch mal die eine oder andere Nummer über Zürcher Geschnetzeltes aus dem Hut schütteln können oder über Leipziger Allerlei, aber nein.

Hauptgang: Wenn es Fleisch ist, was ich mal hoffen will, dann muss man wieder entscheiden, ob es ein zartes Filet ist (passend: Schubert) oder ein deftiges Gericht wie Schweinshaxe (Bruckner). Wenn Sie etwas mehr auf dem Kasten haben, also quasi Haute Cuisine beherrschen, bietet sich was raffiniertes wie Chopin an. Brahms nehmen Sie eher, wenn Ihnen nichts wie Bratwurst und Kartoffeln eingefallen ist, sie diese aber immerhin raffiniert arrangieren können auf dem Teller. Ist es versalzen, gleichzeitig süss und viel zu sauer, mit allerlei Gemüsesorten, siebenerlei Fleisch, dreierlei Fisch, Meeresfrüchten und fünf pikanten Saucen können sie auch mit Mahler nichts mehr verderben.
Wenn es nur vegetarisches gibt (aber Sie wollten eigentlich schon eher etwas Gutes servieren, oder?), dann muss man auch einem Vegetarier gemäße Musik laufen lassen, also irgend ein schwächliches, blutleeres Gesäusel, am besten irgendwelche Balletmucke (die sind ja auch alle magersüchtig da, die Tänzer). Über Gemüse selber gibts ja nichts, wie ich schon gesagt hatte, und deshalb ist es am besten, lieber doch auf Fleisch zurückzugreifen.
Wie? Ich habe auch kein Beispiel für Fleisch in der Musik? Und was ist dann mit "Eine kleine Schlachtmusik"? Was ist mit "Ochsenmenuett", "Wiener Blutwurst", "Tortellini-Serenade"? Sehen Sie!

Nachtisch ist und bleibt die Königsdisziplin, und gottseidank gibt es genügend zuckersüße Musik, Mozart, Haydn, Mendelssohn, Cesar Franck (hilft, wenn der Nachtisch selber nicht süß genug geworden ist), zu Crepes empfehle ich immer einen knusprigen Ravel, bei Pudding können sie mit Elgar nie falsch liegen, zum kurzen bitteren Espresso passt nichts besser als Webern, der gleichzeitig Verstopfung verhindert und Blähungen vertreibt.
Wenn es hinterher Käse gibt, würde sich natürlich ein holländischer Komponist anbieten, aber die haben da noch nie welche gehabt, daher lassen wir das besser, ebenso wenig Glück werden Sie mit einem Schweizer haben. Glücklicherweise sind aber auch die Franzosen eine Käsenation, und weil Käse viele Löcher hat, können Sie da beispielsweise Bizet nehmen, der hat so wenig geschrieben, dass das Oeuvre mehr Loch als Käse ist, auch wenns primär Käse ist, was der geschrieben hat.

Bon appetit,
S A T I E
Jürgen (18.11.2008, 10:49):
Original von Satie
Das perfekte Dinner
Wenn es viel buntes gemüse gibt, kann man passend immer eine dieser postmodernen Kraut-und-Rüben-Musiken nehmen.


Ich empfehle in solchen Fällen immer das Quodlibet aus den Goldbergvariationen. Bach hat ja bekannterweise darin das alte deutsche Volkslied "Kraut und Rüben" verwurstet:
Kraut und Rüben haben mich vertrieben
Hätt' meine Mutter Fleisch gekocht
Wär' ich länger g'blieben./blieben.

Zu Leipziger Allerlei gibt es eigentlich auch nur Bach, nämlich ein Potpouri aus seinen geistlichen Kantaten. Im Gegensatz zu dem Qoudlibet kann man hier sogar die Länge variabel gestalten. Kraut und Rüben muss man hingegen in ca. 2 Minuten runterwürgen.

Und zu jedem guten Eisdessert darf die Sinfonia Antartica nicht fehlen.

Und wer die Kaffee-Kantate nicht sinnvoll zum Espresso einzusetzen weiss, der ist selber schuld.


Grüße
Jürgen
Solitaire (22.11.2008, 08:33):
:down :down :down :rofl
satie (22.11.2008, 10:17):
Original von Jürgen
Original von Satie
Das perfekte Dinner
Wenn es viel buntes gemüse gibt, kann man passend immer eine dieser postmodernen Kraut-und-Rüben-Musiken nehmen.


Ich empfehle in solchen Fällen immer das Quodlibet aus den Goldbergvariationen. Bach hat ja bekannterweise darin das alte deutsche Volkslied "Kraut und Rüben" verwurstet:
Kraut und Rüben haben mich vertrieben
Hätt' meine Mutter Fleisch gekocht
Wär' ich länger g'blieben./blieben.

Zu Leipziger Allerlei gibt es eigentlich auch nur Bach, nämlich ein Potpouri aus seinen geistlichen Kantaten. Im Gegensatz zu dem Qoudlibet kann man hier sogar die Länge variabel gestalten. Kraut und Rüben muss man hingegen in ca. 2 Minuten runterwürgen.

Und zu jedem guten Eisdessert darf die Sinfonia Antartica nicht fehlen.

Und wer die Kaffee-Kantate nicht sinnvoll zum Espresso einzusetzen weiss, der ist selber schuld.


Grüße
Jürgen

Lieber Jürgen,
wir danken herzlich für die wertvollen Hinweise. Aber es ist Vorsicht geboten:

Wie man am Text des im Quodlibet verwendeten Liedes sehen kann, wird dort ja Gemüse durchaus in ein schlechtes Licht gestellt, ja, es fordert den Gast ja geradezu heraus, sein Essen schnell zu verschlingen und dann, womöglich mit noch vollem Mund, die Tischgesellschaft zu verlassen.
Welcher verantwortungsvolle Gastgeber könnte sich einen derartigen Fehlgriff leisten?

Dasselbe gilt für die Kaffeekantate, deren Thematik ja die einer kontroversen Diskussion über den Kaffeegenuss an sich ist. Ein Beispiel:

"Herr Schlendrian:
Du böses Kind, du loses Mädchen,
Ach! wenn erlang ich meinen Zweck:
Tu mir den Coffee weg!

Liesgen:
Herr Vater, seid doch nicht so scharf!
Wenn ich des Tages nicht dreimal
Mein Schälchen Coffee trinken darf,
So werd ich ja zu meiner Qual
Wie ein verdorrtes Ziegenbrätchen."

Was mit einem derartigen Konflikt beginnt und damit endet, dass jemand, der dem Kaffee verfallen ist nur als alte Jungfer enden kann, durch die Sucht in die Vereinsamung gezwungen, das kann einem doch unmöglich zum Espresso schmecken! Das wäre ja so, als würde man zur guten Zigarre danach gleich eine Diashow mit Lungenkarzinomen zeigen!

Selbst die Sinfonia Antarctica ist heikel: heutzutage ist ja das Umweltbewusstsein dermaßen tief verankert in uns (in den Deutschen zumindest, der Chinese beginnt ja gerade erst, an der Zerstörung Spaß zu haben), dass wir bei Bezügen zu solchen Themen sofort den Appetit verlieren. Es ist uns derart eingeimpft worden, dass uns immer gleich schlecht wird, wenn wir Beethoven hören. Ach nein, Moment, das war ja dieser Film von diesem Kubik oder wie der heißt... Ist ja auch wurscht: jedenfalls weiß ja heute jeder, dass die Pole zu schmelzen begonnen haben, und zwar wegen unseren Kühlschränken. Ist es da nicht schon geradezu makaber, ein Eis zu servieren, während die Musik beredtes Zeugnis von der Schönheit jener wohl bald zerstörten Gegend ablegt. Das Eis sich auf der Zunge schmelzen lassen und nicht an die schmelzenden Pole denken, sondern kalt wie ein Eisblock bleiben? Wer könnte das schon?

Man sieht also einmal mehr, wie schwer solcherlei Fragen zu beantworten sind und wie viel man sich dabei überlegen muss. Deshalb kann die goldene Regel nur noch einmal wiederholt werden, die sich schon als Bauernregel aus dem 19. Jahrhundert findet:

Soll das Essen schmecken,
lass die Mucke stecken!

Herzlich,
S A T I E
cellodil (22.11.2008, 13:20):
Lieber Satie,

Auweia! Fettnäpfchen, wohin man blickt... Und das, wo ich doch zu den Frankfurter Würstchen immer so gerne Wiener Blut aufgelegt habe. Naja in Zukunft Senf zu den Würstln und ansonsten andachtsvolle Stille zum Mahle, dafür dann aber zu flüssigen Genüssen musikalische Schwelgereien in Trinkliedern...

Herzliche Grüße

Sabine
HenningKolf (22.11.2008, 17:33):
Original von Satie

Soll das Essen schmecken,
lass die Mucke stecken!

Herzlich,
S A T I E

Nein Euer Ehren, das kommt auf die Instrumentierung an! Guckst Du

hier

solange der link noch aktiv ist

Gruß
Henning
satie (22.11.2008, 18:00):
Ja, lieber Henning, das Wiener Gemüseorchester ist mir bekannt. Da mir generell die Zerstörung von Musikinstrumenten sehr entgegenkommt und es in diesem sehr speziellen Fall essbare Instrumente sind, ist hier gegen nichts einzuwenden (oder heißt es einwänden? Ach, diese elenden Rechtschreibreformen...). Allerdings weiß ich nicht, wie appetitlich die nach dem Konzert servierte Suppe ist, zumal ja vorher auf den Zutaten gespielt wurde...so mit Speichel vom Karottentrompeter...wenn da mal das Gesundheitsamt keinen Wind von bekommt...
HenningKolf (22.11.2008, 18:56):
Dass die HIP-Fraktion dass noch nicht für sich entdeckt hat. Natürlich klingt ein barockes Trötenkonzert nur mit den damals angebauten Möhren - und Zucchinisorten. Bloß nicht dieser seelenlose moderne Klang auf modernem Gemüse... also erst mal nach- bzw. rückzüchten und dann spielen. Carotae Hengelbrockiensis oder so ähnlich.......
satie (13.01.2009, 20:18):
Längst überfällig:

Paul Potts

Damit es nicht heisst, wir würden hier nur über olle Kamellen quatschen, soll es jetzt mal um einen modernen Vertreter der Klassik gehen, einen, von dem Caruso und Pavarotti noch so einiges lernen könnten.
Wir alle kennen ihn, unseren "Handy-Paule" (Nokia, ick hör dir simsen!). Dennoch wollen wir es uns nicht nehmen lassen, ihn hier noch einmal vorzustellen.

Der Name "Potts" bedeutet bekanntlich den Plural von pot, also "Gefäß" (halt eben "Pötte") oder auch "Marihuana", wird aber auch zusammengesetzt benutzt wie in "tin-pot" (minderwertig) oder "potbellied" (dickbäuchig), womit man schon eine recht gute Vorstellung der Etymologie hat.

Er wurde in einem Örtchen mit dem schönen Namen "Fischsumpf" geboren. Von seinem Vater, dem Busfahrer hatte er das Sitzfleisch, von der Mutter die Liebe zum Geld (Kassiererin) geerbt, kurz und gut, alle nötigen Eigenschaften, um ein Überstern (deutsch: Superstar) zu werden. Das Studium der Philosophie hingegen wäre nicht nötig gewesen, allerdings erstaunt es doch, dass ein Tenor tatsächlich an einer Universität in einer geisteswissenschaftlichen Disziplin zugelassen wurde. Ein Doktortitel wäre dann aber doch zu viel des Guten gewesen.

Zunächst durchaus vernünftig sang Potts nur so zum Spaß in irgendwelchen englischen Kirchen, und es störte auch keinen groß. Beruflich erfolgreich machte ihn eine Krankheit, die ihm bis auf Weiteres das Herumjaulen verunmöglichte. Sowohl der Blinddarm wie auch das Schlüsselbein brachen, und die Musikwelt hätte noch hoffen dürfen, von ihm verschont zu bleiben. Er hatte einen soliden Job im Supermarkt und eben als Telefonverkäufer, aber nein, er konnte es nicht lassen...Der Durchbruch (nein, nicht der des Blinddarms, das hatten wir doch schon) war dann eine Larifari-Nummer in so einer Art Dieter-Bohlen-Zirkusschau (nur halt auf englisch). Dort sang er die kastrierte Karikatur einer Arie aus irgend einem Schmalz von einem gewissen Puccini. Interessiert keine Sau, tut auch wenig zur Sache.
Das Publikum jedenfalls hatte angesichts von Potts schiefen Zähnen, den enormen Hamsterbacken, dem gigantischen Doppelkinn und den verkniffenen Schweinsaugen und vor allem des ohrenbetäubenden Lärms keine andere Wahl als zu kapitulieren. Weinend vor Angst, er könnte noch einmal sein markerschütterndes Gebrüll erheben, gaben sie ihm sofort und ohne viele Umschweife den ersten Preis.

Da die Briten ja heutzutage alles zum Ritter schlagen, durfte Potts sogleich vor die Queen treten, die das Schall-Attentat im Schutze der Elefantenohren von Prinz Charles halbwegs trocken überstand. Man verschaffte ihm noch schnell einen Millionen-Vertrag bei irgend einem Abzock-Label und setzte ihn zum weiteren Ruin der Telekom in einem Werbespot ein (was die Aktie nicht schaffte, das schaffte Potts). Damit war er weg vom Fenster und wird es hoffentlich bleiben, allerdings munkeln gewisse vertrauenswürdige Quellen, dass man ihn schon als Folterinstrument für Verhöre von Terroristen ins Pentagon holen will.

Und nun noch die Vorschau auf die nächste Ausgabe: bekannt aus TV und Skateboardwerbung, bei Groß und Klein beliebt wegen der gleichnamigen Frühstückspops:

David Garrett (der mit der Fiedel)


Herzlich,
S A T I E
cellodil (13.01.2009, 22:17):
Lieber Satie,

ich kann Dir gar nicht sagen, wie dankbar ich Dir für diese Aufklärung bin. Ich hatte mich schon gewundert, warum plötzlich ein meines Wissens verstorbener kambodschanischer Diktator in aller Munde war... Hatte mich schon gefragt, ob er sich womöglich im Schuhschrank von Imelda Marcos oder der Königin der Herzen reinkarniert haben könnte...

Dann doch lieber ein singendes Hamstebäckchen, das die Telekom ruiniert (ich dachte immer, die könnten das auch selber, aber in Zeiten von Experten holt man sich ja doch immer gerne einen von draußen... vielleicht ist Potts ja ein Künstlername und eigentlich heißt er McPotsey oder so ähnlich...).

Auf jeden Fall: Merci vielmals! Und liebe, überaus erleichterte Grüße

Sabine
cellodil (13.01.2009, 22:18):
P.S.
"Musik ist Schweigen, das, träumend, anfängt zu tönen. ... Musik bringt der Seele eine Weite, in der sie, die Seele, ohne Angst sein kann."

Max Picard, "Die Welt des Schweigens" (1948)

Ein schönes Zitat!
LazarusLong (14.01.2009, 07:38):
Warum in die Ferne schweifen?

Gibt es denn in Deutschland keinen würdigen Vertreter der DSDSxyzlmaa-Sieger?
Brauchen wir für gute Musik denn immer einen amerikanischen oder englischen Import?
Traurig, Traurig.
Dabei haben wir doch, wenn ich die einschlägigen News richtig verfolgt habe, einen grossartigen Vertreter des Autodiktionismus, äh Auktionismus, Autodaktylos, na ihr wisst schon, den mit der Mundharmonika.
Der kann sogar Klassik. Habe ich neulich beim Einschalten rein zufällig erwischt. Schuberts Ave Maria auf der Mundharmonika :S. Mir kamen die Tränen :I, ehrlich.

Wäre es nicht toll, unser Michael Hirte (gegoogelt, Mundharmonika, dsds 22800Treffer) würde im Duett mit Paulchen auftreten. Der eine singt Nessun dorma, der andere spielt das Ave Maria dazu und keiner merkt was.

Ich bin dafür, daß wir schnellstmöglich die RTL-eigene Dschungel-Entsorgungs-Sendung nutzen, die 2 Stars dahin schicken und sie bitte, bitte nicht wieder rausholen.

So, ich muss los. Ich will unbedingt noch die Big Brother Zusammenfassung sehen, bevor Barbara Salesch im Namen des Volkes Paul Potts zum Mundharmonikaspielen und uns Michael zum Singen verurteilt.

Frank
Heike (14.01.2009, 08:19):
Köstlich!
David Garrett (der mit der Fiedel)
Grad im Radio gehört: der soll gestern hier in Berlin ein ganz ganz schreckliches Konzert im Tempodrom gegeben haben, Klassik total verhunzt und verpopt und zudem noch schlecht gespielt.
Ich warte schon mit Freuden auf dieses Kapitel von dir!!!!
Heike
cellodil (14.01.2009, 13:08):
Original von LazarusLong
... den mit der Mundharmonika.
Der kann sogar Klassik. Habe ich neulich beim Einschalten rein zufällig erwischt. Schuberts Ave Maria auf der Mundharmonika :S. Mir kamen die Tränen :I, ehrlich.

Lieber Frank ,

ich habe aufs Googeln verzichtet, weil... das ist nicht wahr, oder? DAS KANN NICHT WAHR SEIN!!!!

Liebe Grüße

Sabine
(erschüttert)
LazarusLong (14.01.2009, 13:25):
Original von cellodil
Original von LazarusLong
... den mit der Mundharmonika.
Der kann sogar Klassik. Habe ich neulich beim Einschalten rein zufällig erwischt. Schuberts Ave Maria auf der Mundharmonika :S. Mir kamen die Tränen :I, ehrlich.

Lieber Frank ,

ich habe aufs Googeln verzichtet, weil... das ist nicht wahr, oder? DAS KANN NICHT WAHR SEIN!!!!

Liebe Grüße

Sabine
(erschüttert)


Doch leider, war jetzt irgendwann am Wochenende, also Freitag oder Samstag zwischen 20.00 und 22.00h. Sender weiss ich nicht mehr, habe mir beim Wegschalten beinahe den Daumen gebrochen und die Fernbedienung ruiniert.

ABER ES IST DIE VOLLE TRAURIGE WAHRHEIT


Frank


PS: Guckst Du hier:

Ave Maria

Auftritt in "Das Supertalent"

Google: Ave Maria Mundharmonika
cellodil (14.01.2009, 13:53):
Original von LazarusLong
PS: Guckst Du hier:

Ave Maria

Auftritt in "Das Supertalent"

Google: Ave Maria Mundharmonika


http://www.smiliegifs.de/SMILIES/Sonstige/26.gif Aaaaaaaaaaaaah!!!! http://www.smiliegifs.de/SMILIES/Sonstige/126.gif Das ist ja grauenhaft!!!! http://www.smiliegifs.de/SMILIES/Sonstige/714.gif

Musikalische (?) Geisterbahn!

Fassungslose Grüße

Sabine
LazarusLong (16.01.2009, 21:30):
Original von cellodil
Original von LazarusLong
PS: Guckst Du hier:

Ave Maria

Auftritt in "Das Supertalent"

Google: Ave Maria Mundharmonika


http://www.smiliegifs.de/SMILIES/Sonstige/26.gif Aaaaaaaaaaaaah!!!! http://www.smiliegifs.de/SMILIES/Sonstige/126.gif Das ist ja grauenhaft!!!! http://www.smiliegifs.de/SMILIES/Sonstige/714.gif

Musikalische (?) Geisterbahn!

Fassungslose Grüße

Sabine

Ich wusste es würde Dir gefallen. :leb

:beer

Viele liebe Grüsse

Frank

PS.: Woher hast Du die Smileys?

Genial
cellodil (17.01.2009, 10:39):
Original von LazarusLong

Ich wusste es würde Dir gefallen. :leb

:beer

Lieber Frank,

ja, mit dem Jungen, der auf dem Hund von Monika das "Ave Maria" spielt, hast Du mir wirklich eine Freude gemacht! :leb :leb :leb

Original von LazarusLong
PS.: Woher hast Du die Smileys?

Die gibt es hier.

Liebe Grüße

Sabine
satie (31.01.2009, 09:09):
Komponistentalk, Ausgabe 1


Moderator: "Guten Abend, meine Damen und Herren. Ich begrüße Sie herzlich zu unseren heutigen Ausgabe von Komponistentalk. Bei uns im Studio sind Ludwig van Beethoven, Karlheinz Stockhausen und Anton Bruckner. Heute wollen wir darüber diskutieren, woher ein Komponist in der heutigen Zeit eigentlich seine Inspiration nimmt. Es wird ja alles immer hektischer, die Welt ist durch die Globalisierung..."

Stockhausen (fällt dem Moderator ins Wort): "Inspiration! Inspiration! Das ist ja überhaupt das einzig wichtige! Wenn da keine Inspiration mehr ist, dann ist der Mensch ja nur stinkendes Fleisch! Er muss aber HÖREN! HÖREN muss er, mit der Haut, jawohl, mit der Haut, mit den Zähnen! Ja, das muss er, denn sonst wird er an irgend einem Krebsgeschwür verrecken! Wird er!"

(betretenes Schweigen, dann: )

Beethoven (irritiert mit den Augen umhersuchend): "Was hat er gesagt?"

Bruckner (brüllt): "Dass ma mit die Haut hörn tuan muass, weil sonscht griagt ma a Gschwulst!!"

Beethoven: "Wer?"

Moderator: "Eigentlich wollten wir ja eher allgemein über die Inspiration beim Komponisten in der heutigen..."

Stockh. (fällt wieder ins Wort): "Mir wird das alles direkt vom SIRIUS eingegeben. Und den anderen wird es auch von einer höheren Macht eingegeben, nur wissen sie es nicht, und deshalb schreiben sie UNVOLLKOMMEN. Aber es ist ja auch das Publikum! Wenn Sie die Leute fragen, wieviele von MEINEN Werken sie jemals gehört haben, dann werden manche sogar sagen: keines! KEINES! NICHT EINMAL EIN EINZIGES WERK von einem der bedeutendsten deutschen Komponisten überhaupt. Da sehen Sie es doch schon, das Krebsgeschwür, wie es auf uns wächst, weil wir ja gar nicht mehr mit den Haaren hören können, weil unsere Antennen verkümmert sind und nichts mehr empfangen können aus dem Kosmos! Erst gestern habe ich meiner dritten Nebenfrau einen fünfstündigen Vortrag darüber gehalten, wie die Leute abstumpfen meiner Musik gegenüber, und sie hat es gleich mitgeschrieben, damit wir es der Welt als Buch vermachen können. MIT DER HAUT, sage ich, mit der HAUT!"

Bruckner: "Also i hob kan Sirius ned, i geh in d Natur aussi, hob a Jausn dabei, und wenn der Käs scheh riacht wird scho a Melodie komma."

Moderator: "Sie meinen, Sie werden tatsächlich durch den Geruch von Käse inspi..."

Beethoven: "Haben sie schon geklatscht? Welches Stück wurde denn gespielt?"

Bruckner: "Naa, bis jetzt hams ka Musi ned gschpuit, Ludi!"

Moderator: "Äh, eigentlich ist es nicht geplant, hier etwas zu spielen...das ist eine reine Talkrunde..."

Stockh.: "Da sehen Sie es ja selbst! Niemand hier wird meine Musik hören! VERLOREN sind sie alle, die sie da sitzen! VERLOREN! Wie sollen sie sich denn ändern, wenn sie gar nicht die Chance haben, meine Musik zu hören? Mit der HAUT!"

Bruckner: "Jo, mir is des Wurscht, aber i hett do noch a neie Sinfonie zum urauffürn, do hob i mi scho gfreit drauf, aber i hob mi glei gwundert, dass ka Orchester ned do is."

Beethoven: "Wie war denn nun mein Streichquartett? Wieso schreibt mir niemand etwas auf? Dürfen wir schon zum Büffet?"

Bruckner (brüllt so laut er kann): "Na, Ludi, gfressn wird später, jetzt muasst erscht redn!"

Beethoven: "Wo denn? Ich kann gar kein Büffet sehen! Da komme ich extra den weiten Weg her..."

Moderator (schwitzt): "Meine Herren, vielleicht sollten wir jetzt einmal zurück zur Ausgangsfrage..."

Stockh. (entrüstet): "Wer sind eigentlich überhaupt diese anderen beiden LEUTE hier? Warum hat man mich nicht ALLEIN eingeladen?"

Moderator: "Das sind Anton Bruckner und Ludwig van Beethoven, zwei der größten Komponisten! Die müssen Sie doch kennen!?!"

Stockh.: "Nein, warum? Woher soll ich denn noch die ZEIT nehmen, mir Musik von ANDEREN anzuhören? Sie sehen es ja SELBER: sogar MEIN NAME ist manchen Leuten KEIN BEGRIFF! Weil sie eben nicht mehr mit den POREN hören können! Weil sie eben alle schon das KREBSGESCHWÜR IN SICH TRAGEN! Alle sind sie schon NICHTS WEITER ALS EITERBEULEN, STINKENDE, FEUCHTE..." (ringt nach Luft)

Bruckner (nutzt das Röcheln Stockhausens): "Also i hob den Koarlheinz jo vorher a ned kannt. Oba 'n Ludi scho! Den muass mo scho kenna, find i."

Stockh. (wütend, zu Bruckner): "Sie als FACHMANN kennen MEINEN Namen nicht?? Das ist ja so, als würde man als Astronom die SONNE nicht kennen, oder als Theologe nichts wissen von GOTT! Blasphemie ist es geradezu, BLASPHEMIE!! BLASPHEMIIIIIIEEEEE..."

(eine Krankenschwester bringt ein Sauerstoffgerät und Valium; erleichtertes Aufatmen im Publikum)

Beethoven: "Darf ich auch so ein Bonbon haben, junge Frau? Wenns sonst schon nichts zu essen gibt..."

Moderator (resignierend): "Wollen wir vielleicht doch noch kurz auf das Thema Inspiration...?"

Bruckner (so laut wie möglich) : "Ha geh, Ludi, jetzt sog doch Du amoi, woherst di Inspiration host! Host jo fast nix gsogt heit ohmd..."

Beethoven: "Ich leide nicht unter Transpiration, daher kann ich hier nicht für andere sprechen. Aber ich stelle es mir unangenehm vor, wenn man so schwitzt den ganzen Tag, und riecht..."

Stockhausen (während er auf einer Krankentrage hinausbefördert wird): "MIT DER HAUT!! MIT DER HAUT!! MIT DEN POREN!!! Hab ich doch gesagt...Blasphemie..."

Bruckner: "Jö, do geht er hih, da Koarl. A netter Bua, bloss a bissel laut. Wos der wohl so schreibt?"

Beethoven: "...vor allem wenn es hinter den Ohren nach ranzigem Fett riecht, oder die Füße stinken, wie verrottetes Fleisch..."

Bruckner: "Ha, Ludi! Jetzt hob i a Idee für die Sinfonie Nummer 11!"

Moderator: "Na immerhin..."

http://www.nils-guenther.de/images/komponistentalk.jpg

(Werbeblock)
Gerion (31.01.2009, 10:59):
:rofl

köstlich! :down
satie (31.01.2009, 11:20):
Übrigens: die Ausstattung auf dem Bild ist original "Club 2" aus dem ORF (70er-Jahre).
Dr. Schön (31.01.2009, 15:50):
Toll!!! :D
kreisler (31.01.2009, 15:57):
:rofl!!!
satie (31.01.2009, 18:39):
Komponistentalk, Ausgabe 2

Heute: Richard Wagner, Johann Strauss, Carl Orff

http://www.nils-guenther.de/images/komponistentalk2.jpg



Moderator: "Herr Orff, Sie als jüngster Komponist hier haben an Ihre berühmten Kollegen doch bestimmt eine Menge fragen. Welche Frage wollten Sie denn Herrn Wagner schon immer einmal stellen?"

Orff (erschrickt): "Jo mei...ha...sackzement...jetzt host mi derwischt..."

Moderator: "Na gut, vielleicht später. Herr Wagner, Ihre Opern haben Musikgeschichte geschrieben. Wie kamen Sie nur auf all diese genialen Einfälle?"

Wagner: "Nuu, der Name Wachner bürgt ehm für Gwalidäd. Dr Sachse is generell sehr einfallsreisch, ehm deudsche Gwalidädsorbeid."

Strauss: "Jö, i versteh ka Wort..."

Wagner: "Aber gundsädslisch muss mor sisch doch frachn, wie gann mor nu was neues machn, ne wahr? Nuu, hab isch son aldes Buch mid so Mährschn ausn Nordn gefundn, bei mein Eldern in Lääpzsch aufn Dachbodn. Hab isch mir gedacht, nuu, üwern Sikfried hat nu noch keener was gemachd."

Moderator: "Aber wie sind Sie denn auf die ganzen Ideen mit dem Leitmotiv und der durchgehenden Form..."

Wagner: "Is doch glor: die Schaise verschdehd doch keene Sau, wenn de nisch jedem Garagder son Emblem gibsd. Nu wurd isch ooch nach Minuden bezahld, und wenn nu eener einpennt midden in dor Ober un nisch mehr weiss, welscher nu dor Wodan war? Brauch er nur hörn uff de Melodie, weess ers wieder. Eiferbübsch, is doch gor ne soo kombläziert, oder, da leck misch doch am Orsch, dass da keener sonst druff gegomm is..."

Moderator: "Aber das mit dem Leitmotiv, hatten Sie doch auch von Berlioz..."

Wagner: "Vom Hegdor? Nä, bei dem war das nur so ne fixe Idee gewäsn..."

Orff: "Ui, i hob an Durscht, sackzement. Gibts nix zum Dringa?"

Strauss: "A Glaserl Schampus wär ned schlecht."

Wagner: "Abor mir in Sachsen, mir ham ähm bäsere Ideen gehabt als de Franzosen, ooch wenn se grundsädslisch bar gude Loide ham."

Strauss: "Geht dös no lang? I muass bis morgen noch an Walzer schreim..."

Orff: "Und a Brezn dazua."

Wagner: "Awer so was wie mein Holländor, nä, se wisn schon ta-tääää-tääää-ta-täääää-täääää-tiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii..."

Strauss: "Weil morgen is jo da Opernball, da muass I scho wos rechts ham..."

Orff: "Oder an Radi und a Mass..."

Moderator: "Vielleicht könnten wir jetzt mal über Herrn Strauss.."

Wagner: "Awer de Gödderdämmerung is immer noch mein bestes.."

Strauss: "Letztes Jahr bin I so im Stress gwesn, dass I aus Versehen an Marsch statt an Walzer gschriebn hob..."

Wagner: "Hält zwar keene Sau aus so lang..."

Strauss: "Da hams ganz komisch tanzt..."

Wagner: "Dafür is dor Täxg Eins a!"

Orff: "I glaub, mir is schlecht..."

Strauss: "Hin und her hams sich dreht und gar ned gmerkt, dass a Zweivierteltakt is statt a Dreier..."

Orff: "I muass glei spein..."

Moderator: "Können wir jetzt mal vielleicht ein anderes Thema..."

Wagner: "Weil so normal is nu dor Täxg nisch so unbedingd meine Stärge..."

Orff (übergibt sich auf die Polstergruppe): "I hobs doch gsogt, I muass glei spein..."

Wagner: "Au Bagge, dor Gorl hat gegotzd. Awer gann ooch nüscht sachen, dassm ne guud is!"

Strauss: "Ui, schlimmer als nach n letzten Opernball. Da hab I z vui Schampus gsoffn ghobt und hob der Gräfin von Gredlaching direkt in Ausschnitt..."

Moderator: "Vielleicht könnten wir jetzt wirklich mal zu einer anderen Frage..."

Wagner: "Nuu, nach Saufn is mor ooch schon öfders s Essen ausn Gesischd gefalln. Besonders nach Dannhoiser in Barihs! Mein God, da hab isch misch veleischd vollaufen lassen, bis zur Besinnungslosischgeid!"

Strauss: "Dafür hob I die Gräfin glei selber auszogn..."

Wagner: "Awer hat ooch sein Gudes gehabd: Is mor glei dor Barsefal eingefalln im Suff!"

Orff: "I glaub, I muass glei no amoi..."

(Werbeblock)
Dr. Schön (31.01.2009, 19:05):
Jetzt hätte ich gerne noch erfahren, wie das mit dem "Drischdahn" war...
cellodil (05.02.2009, 15:08):
Lieber Satie,

charmant, charmant - und erheblich kurweiliger als die allermeisten Talkformate...

Liebe Grüße

Sabine

P.S. Kennst Du eigentlich diese Hörspielreihe, bei der die Riege der großen Komponisten von einem Personality-Trainer Nachhilfe in Marketing bekommt? Weiß leider nicht mehr, von wem das war und wann das ausgestrahlt wurde... :ignore
rejo (05.02.2009, 22:38):
wow,
sehr beeindruckend, darf ich fragen ob du das ganze Buch veröffentlicht hast?
war gerade sehr überraschr wieviel du geschreiben hast, finde es jedoch auch wenn manches komisch klingt echt interessant.
satie (06.02.2009, 16:37):
Rejo,

selbstverständlich ist unser Handbuch exklusiv für die Besucher dieses Forums. Niemals würden wir es einfach so im Handel anbieten.
Schließlich handelt es sich hierbei nur um neueste, absolut fundierte, wissenschaftliche Erkenntnisse der Musikologie, die wir nicht in die falschen Hände geraten lassen wollen.

Herzlich,
S A T I E
cellodil (06.02.2009, 17:09):
Original von Satie
selbstverständlich ist unser Handbuch exklusiv für die Besucher dieses Forums. Niemals würden wir es einfach so im Handel anbieten.
Schließlich handelt es sich hierbei nur um neueste, absolut fundierte, wissenschaftliche Erkenntnisse der Musikologie, die wir nicht in die falschen Hände geraten lassen wollen.


http://www.smiliegifs.de/SMILIES/Schilder1/141.gif
LazarusLong (08.02.2009, 19:22):
Original von Satie
Rejo,

selbstverständlich ist unser Handbuch exklusiv für die Besucher dieses Forums. Niemals würden wir es einfach so im Handel anbieten.
Schließlich handelt es sich hierbei nur um neueste, absolut fundierte, wissenschaftliche Erkenntnisse der Musikologie, die wir nicht in die falschen Hände geraten lassen wollen.

Herzlich,
S A T I E


Satie, ich danke Dir.

Ich habe nun endlich auch das Gefühl, einer kleinen, ganz exklusiven Gemeinschaft anzugehören. Jetzt brauche ich die Freimaurer doch nicht mehr.

Frank :beer :beer :beer

Vielleicht sollten wir uns noch ein paar Verschwörungstheorien einfallen lassen?
cellodil (09.02.2009, 00:17):
Original von LazarusLong
Satie, ich danke Dir.

Ich habe nun endlich auch das Gefühl, einer kleinen, ganz exklusiven Gemeinschaft anzugehören. Jetzt brauche ich die Freimaurer doch nicht mehr.

:rofl :rofl :rofl

Original von LazarusLong
Vielleicht sollten wir uns noch ein paar Verschwörungstheorien einfallen lassen?

http://www.smiliegifs.de/SMILIES/Schilder1/100.gif bin ich gleich zu haben! Und da sollte uns doch was Nettes einfallen...

Liebe Grüße

Sabine
EinTon (13.02.2009, 20:41):
Kennt jemand schon die Stockhausen-Karikaturen von der Stockhausen-Website?:


http://www.stockhausen.org/cartoons.html

zB:

http://www.stockhausen.org/punch_2.jpg

http://www.stockhausen.org/bose_b%9Fben_comic.jpg

http://www.stockhausen.org/surgical.jpg
katharina (29.01.2010, 09:09):
Satie, vielen Dank! :rofl
Habe gerade den ganzen Thread gelesen und so viel gelacht - besser kann ein Tag nicht anfangen! Die Ideen, die Fomulierungen - darauf muss man erst mal kommen. Ich bin Fan!
satie (20.01.2012, 11:28):
Endlich:

David Garrett


Wer kennt ihn nicht? Erst letztens erhielt er endlich die verdiente Auszeichnung für seinen neuen Film:

http://static.bips.channel4.com/bse/orig/the-wrestler/bd4de264-8938-4d52-8ebc-ae3b91e9f589_625x352.jpg

Eigentlich überflüssig, diesen mit Sicherheit größten Künstler der heutigen Zeit überhaupt noch vorzustellen, denn er ist uns allen doch vertrauter als der eigene Nachbar. Sämtliche Fachjournale wie die BILD, der Berliner Kurier oder Express sind sich über den Rang dieses Meisters der Violine einig.

Garrett kam als Sohn einer Eisschnellläuferin und eines Hundertmetersprinters in nur 30 Sekunden zur Welt. Was die Ärzte zunächst als Geschwulst an der linken Hand und dem Kinn interpretierten, war tatsächlich eine bereits im Mutterleib mit herangewachsene Stradivari, welche (so wie er selbst) schon nach 5 Tagen vollkommen ausgewachsen war. Die Nabelschnur musste bei ihm nicht durchgeschnitten, sondern lediglich aus dem Verstärker gezogen werden, ein medizinischer Präzedenzfall. Die Mutter erhielt einen verdienten Eintrag im Guiness-Buch für die schnellste Entbindung der Geschichte.
An seinem 6. Geburtstag erhielt Garrett zusammen mit dem Abitur auch einen Plattenvertrag. Dieser beinhaltete unter anderem die Klausel, der Künstler müsse so viele CDs wie möglich mit so vielen Noten wie möglich füllen und dadurch so viel Geld wie möglich eintreiben. Bislang hat der diese Anforderung hervorragend erfüllt.

Der Meister erreichte durch permanent hohe Koffeinzufuhr die Fähigkeit, jedes Stück durchgängig mit einem Prestissimo-Tremolo und vibratissimo zu spielen, eine Technik, die der Fachmann heute als "garrettando" bezeichnet. Das Garrettando ist allerdings, wie man sich denken kann, dem Instrument denkbar schädlich, weshalb Garrett von seinem Vater (heute Gebrauchtgeigenhändler) jeweils nur sehr alte Exemplare für die Nutzung im Konzert erhält, die ohnehin keine lange Lebensspanne mehr hätten erwarten dürfen (beispielweise Stradivari-Schrott-Fideln, über 300 Jahre schon vom Holzwurm gelöchert). Entsprechend schlecht ist dann jeweils die Klangqualität. Natürlich fällt nur dem Experten auf, dass dieser Umstand allein in den schlechten Instrumenten begründet ist, daher wird dem Künstler all zu oft Unrecht getan, indem behauptet wird, er spiele gar nicht gut. Dieses Vorurteil möchten wir nun endgültig aus der Welt schaffen. Uns gelang es, eine Aufnahme zu finden, die auf einem schönen, ganz neuen Instrument eines namhaften chinesischen Herstellers eingespielt wurde:

http://www.youtube.com/watch?feature=endscreen&NR=1&v=FrvK75jGdjE

Man beachte, dass er hier in jungen Jahren das Garrettando noch nicht so schnell wie später ausführte. Auch hat sich natürlich sein Äußeres im Laufe der 4 Jahre, die zwischen dem Film und heute liegen, entscheidend verändert:

http://www.fiddleheads.ca/images/SCHOOL/Students/ryan_schmitt_violin_baby.jpg

http://4.bp.blogspot.com/_vaatllcbXSU/TUtzeFgHo_I/AAAAAAAAC-Y/kSD5CyOEOEo/s400/Claron+with+violin+and+baby+floyd1.jpg

http://www.blogcdn.com/www.luxist.com/media/2009/08/hahn-bin.jpg

http://www.officialpsds.com/images/thumbs/THE-ROCK-psd13425.png

http://www.merkur-online.de/bilder/2009/08/27/454352/463757029-guenther-jauch.9.jpg

http://userserve-ak.last.fm/serve/_/37882055/David+Garrett+David_Garrett_021.png

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass Garrett im Jahr 2011 für die Entdeckung der beschleunigten Expansion des Universums durch Beobachtungen weit entfernter Supernovae den lange verdienten Nobelpreis für Physik erhielt, darüber hinaus rettete er zwischen Generalprobe und Konzert in der Carnegie Hall am 1.4.2011 insgesamt 53 Menschen vor einem durch New York City fegenden Tornado, indem er mittels eines Kaugummis und einer Haarspange im Alleingang eine allen Witterungen trotzende Barriere errichten konnte. Diese Tat brachte ihm große Sympathiepunkte für seinen kommenden Wahlkampf um das Amt des Präsidenten der vereinigten Staaten von Amerika ein. Experten sind sich bereits jetzt einig, dass Garrett das Rennen gewinnen wird.

Neben seiner Konzerttätigkeit, seiner Profisportlerkarriere und seiner Tätigkeit als Neurochirurg bleibt Garrett nur noch wenig Zeit für seine weiteren Interessen, so dass für 2012 leider die Teilnahme als Mittelstürmer bei der Fußball-EM im deutschen Team nicht möglich sein wird. Garrett begründete dies in einem Interview damit, dass er zu sehr eingespannt sei durch seine Hauptrolle in Roland Emmerichs neuem Film "Der Tag an dem die Fiedel still stand", ein düsteres Endzeitepos, welches in einem New York der Zukunft spielt, in dem Kolophonium nur noch auf dem Schwarzmarkt erhältlich ist und die Geigenbögen mit Menschenhaar bespannt werden müssen. Garrett wird an der Seite von Robert de Niro und Dustin Hoffman spielen. Hier darf man ein großartiges Kino a la Arthaus erwarten, der Film wird schon jetzt als Oscaranwärter (bester Hauptdarsteller und bester Film) gehandelt.

In der spärlichen Freizeit, die David Garrett bleibt, entspannt er sich gerne bei leichter Lektüre (zu seinen Lieblingsautoren zählen Sartre, Spinoza und Wittgenstein, über die er auch diverse Arbeiten veröffentlicht hat), gerne widmet er sich auch seinem anderen Steckenpferd, der kybernetischen Anthroplogie, einem Gebiet, auf dem Garrett eine international anerkannte Koryphäe ist. Der Künstler bedauerte in diversen Interviews, dass er einige Freizeitbeschäftigungen nun leider aufgeben musste, so das von ihm sehr geliebte Ikebana, die chinesische Kalligraphie und die Teilnahme an Mathematikwettbewerben. Insbesondere bei letzterer Tätigkeit war Garrett oft als Sieger hervorgegangen, zuletzt hatte er in Paris 2009 den ersten Preis für die Berechnung 57stelliger Primzahlen im Kopf in nur 4 Sekunden erhalten.

Wir wünschen diesem Universalgenie weiterhin viel Erfolg und freuen uns auf seine nächste CD, welche unter anderem die vom Künstler selbst erstellte Rekonstruktion von Beethovens 10. Symphonie sowie den von Garrett komponierten fehlenden Satz aus Schuberts Unvollendeter (jeweils in Bearbeitungen für Violine Solo mit obligatem E-Bass und DJ) enthalten wird.

S A T I E
Sfantu (20.01.2012, 14:12):
Lieber Satie,

endlich eine längst überfällige Lanze für diesen grossen, bescheidenen, unprätentiösen Künstler!!!
Einfach grandios, besser geht's nicht!!! :times10
Auf diese Weise sich aus den Fängen der Grippe mühelos herauslachend,

herzlichst

:hello Sfantu
Andréjo (27.03.2013, 11:45):
Diesen Fred muss ich mir noch genauer anschauen - passt! (= größt denkbares fränkisches Lob!)

Bisherige private Höhepunkte: die Kurzzusammenfassungen zu den drei Wiener Klassikern einschließlich Foto des Bonner Misanthropen sowie die Lexika musikalischer Fachausdrücke.

:downWolfgang
Allegra (27.03.2013, 18:51):
Ach, du meine Güte, eigentlich hatte ich heute anderes vor, aber ich habe mich den ganzen Nachmittag lang soooo köstlich unterhalten! :leb :rofl

Lieber Satie, du bist genial!

Ich hoffe, es geht hier bald weiter. :wink
satie (27.03.2013, 21:27):
Vielen Dank für die Blumen.
Wir bemühen uns, hier in Bälde neue Kapitel bereitzustellen. Nicht dass am Ende noch die Welt im Chaos versinkt, so gänzlich ungelenkt...

Doch fahren wir fort, ich werde darauf zurück kommen.

Herzlich,
SATIE
satie (07.02.2015, 14:23):
Wir möchten (endlich!) darauf hinweisen, dass einer unserer geschätzten Autoren, Zebedäus Yvar Bromskloss, eine eigene Internetseite eröffnet hat.
Unter www.bromskloss.de finden sich ab sofort in unregelmäßigen Abständen neue Beiträge zu ausgewählten Forschungsthemen der Musik.
Wir würden uns freuen über zahlreiche Besucher und angeregte Diskussionen!

Über den Autor:

Zebedäus Yvar Bromskloss (*1973)

Forscher auf dem Gebiet der Klangimagination und verschollener Fiktivkompositionen. Beschrieb als erster das Phänomen des Phantomkonzerts anlässlich eines Symposions zur Thematik “Pleonexie und Münchhausen-Syndrom als Weg aus der Isolation” in Helsinki, 1956. Daneben Krummhorn-Virtuose (u.a. Ehrenmitglied des Zurich Art Ensemble, dort u.a. Soprankrummhornist bei der legendären 1986er-Tournee).

Seit 2014 Künstlerischer Direktor des Instituts zur Erforschung verschollener Kompositionen von anonymen Kleinmeistern des südlichen Mitteltoggenburgs und Umgebung (IEvKaKsMTU) in Ennetbühlshausen Nord.

Lebt gegenwärtig.

Schriften (Auswahl):

“Vom Dualismus des Pittoresken. Das Werk Franz-Herbert Pudelvischers (1887-1964)”. In: Hobel und Spahn – Holzhandwerk im Spiegel der Geisteswissenschaft, 13/1982 (vergriffen)

“Die Negierung der Quadrupelfuge – Eine systemische Analyse”. In: Rhetoriquaristika – Fachzeitschrift des int. Verbandes der pescetarischen Disputanden, Sonderheft 2, 2001

“Der Hoquetus im Werk Ignaz Ferdinand von Schrattenhofers”. In: Klinkcklangk – Mazagin der Geslelschatf legahtesnicher Musikwisensschatfler, 2003/4

“Synästhetisches Komponieren im Kontext gesellschaftlicher Isolation – Neue Studien zum Werk des Komponisten Benjamino Fegatone”. In: Festschrift für Yorick Weichkopp, Winsen/Luhe 1963

“Entkunstete Musik als Vehikel zur kathartischen Peristaltik”. Vortrag, unveröffentlicht
Jürgen (07.02.2015, 14:53):
Knapp zwei Jahre kein Beitrag zu diesem Thema, so dass ich fast vergessen hatte, wie ernst dieses Thema doch ist.

Danke Satie
satie (13.08.2017, 13:08):
Nach einer viel zu langen Pause melden wir uns zurück mit einem neuen Kapitel des Handbuchs:

Chormusik - ausführlich erklärt

Es ist allgemein bekannt, dass der Homo Sapiens sich gerne in Gruppen zusammenfindet. Hierbei kann es zu unterschiedlichsten Ausformungen kommen, vom Fußballverein über Töpferkurse hin zu Freunden guter Zigarren bis zu illegalen Fight Clubs. Mangelt es an einem sinnvollen Inhalt zur Gründung einer derartigen Menschenanhäufung, bildet sich gewöhnlich notgedrungen ein Chor heraus.
Ein Chor ist zunächst eine beliebige Anhäufung von Menschen der Altersgruppe 70 plus, sehr selten gesellen sich jüngere Menschen hinzu, es sei denn sie sind bereits ertaubt oder haben keine andere Möglichkeit sozialer Kontakte. Charakteristisch für Mitglieder eines Chors ist die Unfähigkeit zur Unterscheidung von Tonhöhen, was auch daran liegen kann, dass sich in die eigentlich von der Komposition her verlangten Töne immer noch hochfrequente Hörgeräte-Fiepsereien gesellen sowie laute Hust- und Stöhngeräusche, die im Zusammenhang mit allerhand Alterserkrankungen der Protagonisten stehen. Dass man im Chor singt ist im Grunde das Hauptproblem, denn wäre diese Bedingung nicht gegeben, könnte ein solcher Verbund durchaus wenig störend neben anderen Vereinen u.ä. existieren.
Es gibt neben den in aller Regel anzutreffenden gemischten Chören leider auch noch Ausformungen wie den Männerchor und den Kinderchor, die hier ebenfalls kurz näher betrachtet werden müssen. Männerchöre sind in erster Linie eine Alternative zum klassischen Stammtisch. Sie unterscheiden sich von diesem in erster Linie durch den zeitlichen Ablauf: hier wird zuerst gesungen und danach gesoffen, wenn auch die Hauptmotivation zur Zusammenkunft in beiden Fällen der Alkohol ist. Kinderchöre hingegen sind mehr Ausdruck eines elterlichen Sadismus, haben die jungen Sänger doch nicht einmal die Möglichkeit, sich (legal) dem Hochprozentigen hinzugeben, auch funktionieren in der Regel ihre Ohren noch einwandfrei, sodass die Kinder ebensogut in den Turnverein oder andere sinnvolle Gemeinschaften aufgenommen werden könnten. Kinderchöre sind ähnlich wie Internate nur für die Eltern von Vorteil, die ihren Nachwuchs für eine Weile vom Hals haben wollen. Problematisch wird es ab dem Stimmbruch, der die Insassen dann automatisch von ihrer Singpflicht entbindet. Häufig entwickeln diese aber eine durch die dann eintretende Orientierungslosigkeit bedingte Trunksucht, die bereits auf die Aufnahme im späteren (Männer-) Chor vorbereitet.
Zurück zum gemischten Chor. Dort befinden sich zumeist in einer enormen Überzahl sehr alte Altistinnen, sprich Sängerinnen, die vom Ambitus her nicht mehr als große Terz bewältigen können in der normalen Sprechlage. Durch die in diesem Alter bereits stark fortgeschrittene Abnutzung der Stimmbänder ist das Halten einer Tonhöhe ohnehin nicht mehr gewährleistet (gilt für sämtliche Choristen), auch entspricht der Klang eher einem krähenartigen Krächzen als einem musikalisch verwertbaren Ton. Ein paar wenige Soprane finden sich für gewöhnlich, dies sind jene Frauen, die noch gefahrlos einige hohe Töne herauspressen können, da sie noch nicht an Inkontinenz leiden. Natürlich geht dies stark zu Lasten der Klangschönheit, hier haben wir es mit einem verzerrten und von der Frequenz her gar nicht mehr definierbaren Kreischen, vergleichbar dem Klang einer defekten Kreissäge, zu tun. Bei den Männern entspricht diese Tonlage den Tenören, für die genau dasselbe gilt, darunter haben wir einen in der Regel viel zu stark besetzten Anteil an Bassisten, die allesamt durchgehend vor sich hin grunzen. Vorteilhaft ist dies für alle Narkolepsie-Patienten, da sie während Proben und Aufführungen einfach schlafen und schnarchen können, ohne dass es besonders auffallen würde.
Der körperlich agilste Altersheimbewohner wird gewöhnlich zum Chorleiter. Er muss noch stehen können (ohne Hilfsmittel) und darüber hinaus den Chor anleiten. Zunächst macht dieser ein paar anstrengende Übungen, zum Beispiel Ein- und Ausatmen oder auch Lächeln, ohne dabei die dritten Zähne herausfallen zu lassen. Eine Mitgliedschaft im Chor ist also durchaus ein sinnvolles Körpertraining für Senioren. Dann wird versucht, eine Chorkomposition zu singen, zum Beispiel von Bruckner oder Mozart oder wie die verrückten Komponisten heißen, die ernsthaft gewagt haben, für diesen Apparat Werke zu schreiben. Meist sind das sehr einfache Stücke mit vielen Tonwiederholungen, da die Sänger ohnehin nicht fähig sind, zweimal hintereinander dieselbe Tonhöhe zu produzieren. Wenn beispielsweise ein Chor mit 20 Bässen einen einzelnen Ton singt, so hört man eigentlich 20 verschiedene, aber ständig schwankende Frequenzen. Diese treffen sich nach dem Zufallsprinzip aber immer wieder einmal, sodass die Illusion entsteht, der Chor sänge tatsächlich einen einzigen Ton. Fachleute sprechen hier vom "Fuzzy-Note-Effekt". Komponisten wie Ligeti haben sich das zunutze gemacht: er schrieb Chorkompositionen mit nur einem einzigen Ton, die man allerdings vor der Aufführung nicht üben darf. Daher treffen sich die Frequenzen niemals, und es entsteht der Effekt einer komplexen Klangwolke. Da der Chorleiter ebenso taub ist wie die Sänger, fallen auch ihm bestimmte Tonhöhen nicht auf, und so kommt es immer wieder vor, dass ganze Chorkonzerte eigentlich aus 10 Wiederholungen des "Ave verum" von Mozart bestehen, die man als 10 verschiedene verschwommene Clusterkompositionen wahrnimmt. Textverständlichkeit ist übrigens rundheraus verboten in Chören. Hieran kann der Laie - sofern er den Unterschied in der Personenanzahl nicht bemerkt - den Unterschied zu einem Liederabend feststellen, dort ist die Chance, ab und zu einen Wortfetzen zu verstehen größer, wenn auch nicht zu garantieren.
Chöre an sich stellen keine Bedrohung für die Umwelt dar, doch leider haben sie die Angewohnheit, Chorkonzerte zu veranstalten. Sollten Sie, lieber Leser, tatsächlich einmal das Pech haben, zu so einer Veranstaltung eingeladen zu werden, erfahren Sie hier, wie man sich am besten hierfür wappnet.
Richtlinien zum Besuch eines Chorkonzerts:
1. gehen Sie in die Apotheke oder Drogerie und verlangen Sie nach Ohropax, womit sie sich die Ohren bitte für die Gesamtdauer des Konzerts verstopfen. Damit lösen Sie bereits einen Großteil der mit dem Konzertbesuch verbundenen Probleme.
2. besorgen Sie sich auf dem Schwarzmarkt eine Schusswaffe, damit Sie im schlimmsten Fall den Chorleiter töten können.
3. ziehen Sie sich dem Anlass gemäß an: Sportschuhe, damit Sie schnell wegrennen können, bequeme Hosen und unbedingt Einlagen, falls Ihre Blase versagt, was durch allzu komplexe Freuenzgemische immer wieder vorkommt. Falls Sie in der ersten Reihe sitzen müssen (schütze Gott Sie davor!!): Regenkleidung oder zumindest ein aufgespannter Schirm sind dort zwingend nötig. Ich sage nur: 50 Leute mit feuchtest denkbarer Aussprache...
4. stimmen Sie sich vorher auf das Konzert ein! Schalten Sie einen schönen Splatterfilm bei maximaler Lautstärke ein, gurgeln Sie viermal mit einer Mischung aus drei zerbröselten Kukident und zwei Mottenkugeln. Alternativ können Sie auch einen Tag lang neben einem Bauarbeiter mit Presslufthammer stehen (ohne Ohropax, bitte!) und danach ein Bad in ranziger Milch nehmen.
5. sollten Sie nicht sicher sein, ob Sie wirklich in einem Chorkonzert sind, nutzen Sie untenstehende Grafik und prüfen Sie das Erscheinungsbild der Menschen auf der Bühne!
satie (06.08.2025, 14:10):
Fundstücke aus der Musikgeschichte, Teil 1: Mozart und das Tempo


Wien, den 6. August im Jahre des Herrn 1785

Hochverehrter, innigstgeliebter Vater!

Es gereicht mir zur größten Freude und nicht minderem Erstaunen, Ihnen in diesen Zeilen von einer jüngst gemachten Entdeckung Nachricht geben zu dürfen, die mein Herz in solchen Aufruhr versetzt hat, wie es sonst nur die lebhaftesten Allegri vermögen. Die Rede ist von einer Neuerung solcher Wunderkraft und entzückender Rasanz, dass selbst der volltönendste Choral der Engel kaum mithalten dürfte: Ich spreche, mein teuerster Vater, vom sogenannten »Motorrad«.
Gewiss, Euer Wohlgeboren heben nun die Brauen in Skepsis und sinnen wohl: „Welch absonderlicher Makart’scher Mummenschanz soll das nun wieder sein, dem sich mein ungestümer Sohn verschrieben hat?“ Doch bitte ich Sie in aller Demut: schenken Sie mir Ihr geneigtes Ohr und dulden Sie, dass ich berichte.
Dieses seltsame Vehikel, gänzlich von straffem Eisen gebaut und doch der Gestalt eines galoppierenden Rosses gleichend – indes ohne Zügel noch Huf –, wird durch ein infernalisches Feuerherz angetrieben, das in gleichmäßigem Takt schlägt, als sei es das Werk eines göttlich gestimmten Claviers. Es trägt mich über Stock und Stein mit solcher Behändigkeit, dass mir, im Sturm des Fahrtwinds, das Lachen entflieht gleich einem Konzertrondo. Ich durchquere die Landschaften rings um Wien in nie gekannter Weise, gleich einem fliegenden Pegasus, doch nicht von Federn, sondern von Stahl ummantelt.
Was für ein Gefühl, mein Vater! Welch ein berauschend Gemisch aus ungestümer Freiheit, ungeahnter Kraft und beinahe kindlicher Verzückung! Täglich verlangt es mich danach, aufzusitzen, und bei jeder rasanten Kehre erschallt mein Lachen wie nach einer gelungenen Cadenz im Opernhaus. Es ist, als vermöge man Musik nicht bloß zu hören – nein, sie zu reiten!
Ich nenne dieses wundersame Ross mein »stahlbeschlagener Pegasus«. Selbst unsere liebe Konstanze ließ sich unlängst auf den hinteren Sitz nieder und konnte ihr Lachen kaum zurückhalten – erinnerte sie es doch an die seligen Minuten bei der Uraufführung der »Entführung aus dem Serail«.
Ach, könnten Sie nur einmal daran teilhaben, mein hochgeschätzter Vater! Ich stelle mir vor, wie Sie, das rosige Antlitz vom Wind durchglüht, die Perücke flatternd wie ein Banner der Freiheit, jauchzend durch die Felder bei Schönbrunn sausen – wahrlich, ein Anblick, der Ewigkeit verdiente!
Ich bitte Sie, mit wohlwollender Milde auf diese meine neue Leidenschaft zu blicken und ohne Sorge zu sein. Ich fahre mit dem Maß des vernunftvollen Künstlers und stets mit Musik im Herzen.
In kindlicher Ehrfurcht und der innigsten Umarmung verbleibe ich,
Ihr gehorsamster Sohn und unablässiger Verehrer,
Wolfgang Amadé Mozart

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Salzburg, den 15. August 1785

Mein lieber Sohn!

Mit großer Verwunderung las ich deinen letzten Brief und deine überschwänglichen Berichte über jenes »Motorrad«, das dich nunmehr so sehr begeistert. So sehr ich mich über deine Freude freue, so sehr beschleicht mich als Vater doch auch eine tiefe Besorgnis. Denk an die Gefahren, die solch eine rasende Fahrt mit sich bringen mag! Wie leicht könnte dein junges Leben unter die Räder geraten, und wie sollte ich je Trost darin finden?

Deinem Glück will ich keineswegs im Wege stehen, doch möchte ich dich ermahnen, Vorsicht walten zu lassen und diese gefährliche Beschäftigung besser zu unterlassen. Es gibt gewiss auch weniger riskante Möglichkeiten, moderne Fortbewegung mit dem Fortschritt der Wissenschaften zu verbinden.

Ich hörte unlängst von einer neuen Art von Gefährt, dem sogenannten Solarautomobil. Man sagt, es fahre nicht mit Dampf oder Feuer, noch müsse der Mensch sich dabei mühen – nein, es lässt sich durch nichts als die Sonnenstrahlen selbst bewegen! Findest du daran nicht Gefallen? Es scheint viel sicherer, leiser und — wie man liest — auch gut für das Wohl der Menschen und der Luft, die wir atmen. Gewiss wäre dies ein würdigerer Begleiter für einen Komponisten deines Ranges. Heute arbeiten kluge Köpfe daran, besonders sparsame Wagen mit Solarpanelen zu bauen, wie jüngst das Modell »Sion« oder der »Lightyear One«. Sie sollen zuverlässig laufen, ganz ohne gefährlichen Lärm und Rasen wie dein stählerner Pegasus.

Tu deinem alten Vater den Gefallen, liebes Kind, und bedenke wohl, ob du dich nicht mit einem solchen Sonnenwagen begnügen möchtest, statt dich den Gefahren des Motorradfahrens auszusetzen.

In liebevoller Sorge und stets dein dich innigst liebender

Vater
Leopold Mozart

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Wien, den (Datum unleserlich)

Hochverehrter Vater!

Mit tiefempfundener Dankbarkeit nehme ich Eure mah­nenden Worte entgegen, und ich erkenne in ihnen die liebevolle Sorge eines edlen Vaters, der stets das Wohl seines Sohnes vor Augen hat. Die Kunde von jenem wunderlichen Gefährt, angetrieben allein durch der Sonne Strahlen, dünkt mich wahrlich wie ein Wunder aus künft’gen Zeiten – ein sanftes, vernunftvolles Vehikel, ganz im Einklang mit der Natur und den himmlischen Mächten.

Und dennoch, verzeiht, mein theurer Vater: Ich vermag das wilde Reiten auf meinem feuerspeienden Maschinenross nicht aufzugeben! Es ist nicht bloß ein jugendlicher Überschwang, der mich treibt – nein, es ist nunmehr eine Frage der Ehre und des musikalischen Standes!

Stellt Euch vor: Mein alter Widerpart, der allzeit geschmeidige Herr Salieri, durchstreift nun in kühner Manier die Gassen Wiens auf einer gar grellen, italienischen »Vespa«, als sei er ein Herold Apollons selbst. Die Leute auf der Straße raunen seinen Namen, sie blicken ihm nach, wie er mit höhnischem Lächeln über das Pflaster saust – so schnell, als würde ihn die leidenschaftlichste Arie treiben, die je auf einer Opernbühne erklungen.

Soll ich nun stumm und reglos zusehen, wie er mir nicht nur auf dem Notenpapier, sondern auch im Tempo des Lebens enteilt? O nein, mein Vater! Ich muss mich behaupten – nicht bloß im Takt, sondern auch auf dem Sattel! Jeder Akkord, den ich zu Blatt bringe, soll vom Wind des Wettbewerbs umweht sein, jede Melodie vom Donnern meines Rosses begleitet werden!

Vergebt mir diese Torheit, wenn Ihr sie denn als solche sehet – doch ein Mozart darf keinen Salieri an sich vorüberschnellen lassen! Gewiss, die Zeit des friedlichen Wagens, vom Licht der Sonne getragen, wird kommen. Und wer weiß – vielleicht werde auch ich einst, ergraut und weise, diesen leisen Weg beschreiten. Doch heute ruft mich der Wettstreit – und ich muss aufsatteln!

Euch, mein geliebter Vater, in kindlicher Ehrfurcht stets ergeben,
verharre ich in tiefster Ergebenheit als
Euer getreuer Sohn
Wolfgang Amadé Mozart

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Wiener Morgenblatt, 27. August 1785

Verhängnißvolles Aufeinandertreffen zweier Tonkünstler allhier in unserer Residenzstadt: Herr Wolfgang Amadé Mozart und Signor Antonio Salieri in widriger Kollision verwickelt – Mechanische Fuhrwerke dem Untergange geweiht

Wie uns aus verlässlicher Quelle berichtet ward, ereignete sich am gestrigen Nachmittage zu Wien ein gar seltsames Unglück, welches die Gemüther der hiesigen Musikfreunde in helle Aufruhr versetzte. Die wackern Kompositeurs-Persönlichkeiten, Herr Kapellmeister Mozart und sein geschätzter Rivale, der kaiserliche Hofcompositeur Signor Salieri, geriethen in eine unverhoffte Begegnung auf offener Straße, deren Ende mehr einem Theaterdonner glich als einem harmonischen Zusammenspiel.
So soll Herr Mozart, seines Zeichens Feuergeist der Tonkunst, auf einem neuartigen Fortbewegungszeuge aus stählernen Maschinenteilen – von Einheimischen schelmisch ein „Pegasus mit eisernem Hufe“ genannt – mit nicht unbeträchtlicher Geschwindigkeit herangestürmt sein. Ihm entgegen lenkte Signor Salieri einen ebenfalls mechanisch betriebenen, gleichwohl aus Italien eingeführten Wagen von fragilerer Bauart. Es kam, wie kommen mußte: Mit der Wucht eines vollständigen Orchesters in voller Bläserkavallerie kollidierten die beiden Fuhrwerke auf dramatische Weise.
Ein vor Ort anwesender Augenzeuge, Herr Josephus Haydn, Compositeur von hoher Ehrenstelle, äußerte sich wie folgt:
„Eben stand ich am Rande des Gehweges, als die beiden Tonmeister aufeinander zuhielten wie in einem rasenden Presto. Mozart mit beiden Händen das Steuer umklammernd, Salieri ritt hingegen in der Anmut eines langsamen Menuetts. Im nächsten Moment – gleich einem Crescendo zum Höhepunkt – schallte ein Krachen wie Donnerhall durch die Straße. Ich glaubte, den Untergang einer Philharmonie zu vernehmen.“
Glücklicher Weise blieben beide Herren, obgleich sichtlich erbost und von Ängsten durchschauert, an Leib und Leben unversehrt. Ihre Gefährte jedoch – gleich zerborstenen Lauten – sind dem Zwecke künftiger Fahrt ledig.
Die Ursachen des Geschehens bleiben bislang rätselhaft; gleichwohl wird gemunkelt, der temperamentvolle Herr Mozart habe beim Versuch, seinen stets taktgemäß fahrenden Rivalen in kühner Kurve zu überholen, die gebotene Vorsicht missen lassen. Haydn bemerkte messerscharf, dass „beide Edlen sich wenig um Taktgefühl und musikalisches Maß scherten, wie es doch jedem wahren Künstlersmann ziemet.“
So bleibt den Wienern, welche sich jedweder Kurzweil mit gehobenem Geschmack erfreuen, nur zu konstatieren: Der Wettstreit der Klänge mag nun auch auf unsere Gassen übergreifen, doch mögen die Götter darüber wachen, dass zukünftige Duette dieser Art mehr in Noten denn in Blech erklingen.
Gott bewahre Wien und seine Tonsetzer!

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Wien, den 6. November 1785 – Uraufführung: Paisiellos „Il Duello dei Virtuosi“ ein Triumph auf allen Linien

Gestern Abend fand im k.k. Opernhaus zu Wien unter großem Andrang der feinen wie gelehrten Gesellschaft die feierliche Erstaufführung der bis dato unbekannten komischen Oper „Il Duello dei Virtuosi“ des berühmten neapolitanischen Meisters Giovanni Paisiello statt.
In diesem musikalischen Lustspiel von feinstem Witz und geistreicher Parodie schildert Paisiello das burleske Malheur eines Aufeinandertreffens zweier Musikheroen von kaiserlichem Ruf: Herrn Wolfgang Amadeus Mozart auf einem feuerspeienden Eisenross und Herrn Antonio Salieri, welcher auf einem wendigen, gar absonderlichen italienischen Wägelchen, gleich einem röhrenden Fuhrwerk, durch die ehrwürdigen Straßen Wiens saust.
Schon die Ouvertüre krachte los wie der Zusammenprall der Protagonisten selbst, gefolgt von einem bezaubernden Wechselspiel aus klanglicher Finesse und mechanischer Geräuschkulisse. Als dann der allverehrte Herr Joseph Haydn in der Rolle eines greisen Erzählers – wie ein antiker Chorführer – die Bühne betrat, ward das Publikum mit feinem Humor, leichter Wehmut und manch ergötzlicher Kapriole durch die Erzählung geleitet.
Das Publikum, unter welchem auch einige hohe Herren aus Hof und Adel zugegen waren, gerieth bald in helle Verzückung bei Mozarts Arie „Voglio la velocità!“ („Mich dürstet’s nach der Schnelle!“), in der er – auf dem blanken Gefährt thronend – virtuos und mit halsbrecherischem Koloraturprunk seine Leidenschaft für die Geschwindigkeit besingt. Nicht minder langen Beifall erntete Salieris klangvolles Klagelied „Lento ma elegante“, in welchem er – aufrecht auf seinem leise schnurrenden Fahrwerk – die Tugenden gepflegter Langsamkeit und italienischer Würde beschwört, während der Chor mit gespannter Erwartung die Szene flankiert.
Das Bühnenbild war ein wahres Kunststück: ein detailreich gestaltetes Straßenstück Alt-Wiens, durch welches tatsächlich ein funkensprühendes Rossisenross und ein elektrisch glitzerndes Fuhrwerk kurvten, als wären Orpheus und Eurydike im Gewand der Moderne zurückgekehrt. Tanz, Musik und Witz verschmolzen zu einem fulminanten Finale, in welchem Chor, Orchester und Blechbläsern ein kolossales Fortissimo gelang – gleich einer himmlischen Explosion.
Unvergesslich der Schlussmonolog Mozarts, mit welchem er die Lehre aus dem komischen Duell zieht:
„Sie, verehrter Vater, mögen mir verzeihen – doch auch Genies bedürfen des Stoßes, der sie aus dem wohlgeordneten Takte wirft, um aufs Neue das rechte Maß zu finden!“

(Verfasst mit Assistenz von Perplexity)