Konzert- und Opernerlebnisse abseits der Musik

Heike (10.09.2010, 00:15):
Dies ist der Thread für Freud und Leid im Konzertsaal, Opernhaus, Kammermusikclub etc
für alles, was NICHT direkt mit der Musik zu tun hat bzw. NICHT auf der Bühne vor sich geht.

Also, habt ihr euch mit Rotwein bekleckert, seid zu spät gekommen oder habt voller Freude auf den teuersten Platz gewechselt? Habt ihr gefroren, ist die Klimaanlage ausgefallen oder die Garderobe chaotisch? Wart ihr kurz vor dem Herzkollaps wegen fehlender Parkplätze? Hat es euch die nette Frau an der Kasse angetan? Gibt es Ärger über teure oder Freude über herausragende Programmhefte? Hat euch das Parfüm der Dame neben euch betört oder das Husten, Handyklingeln oder Schnarchen in den Wahnsinn getrieben? Sitzt immer der größte Mann vor euch? Usw Usf.

Ich beginne heute mal gleich mit meinem Lieblingsthema: die lieben Sitznachbarn. Mein erstes RSB-Konzert dieser Saison in der Philharmonie, gestern abend: neben mir zwei schwäbische Damen mit atemberaubenden Frisuren (also so hochtuppiert, viel fehlte nicht zu barocken Perückenassoziationen). Aber das Drama war nicht die Frisur, sondern der Geruch: Habt ihr schon mal neben einem Aschenbecher gesessen`? Ich meine, ich bin kein militanter Nichtraucher, es stört mich im allgemeinen nicht, wenn jemand raucht. Aber die Frau neben mir hatte Kleidung an, die roch so ekelhaft nach KALTEM Rauch, das war einfach widerlich. Als wenn sie 3 Wochen in einer Kneipe gelebt hätte. Puh, zum Glück konnte ich mich in der Pause umsetzen!!!
Heike
Severina (10.09.2010, 00:39):
Liebe Heike,
netter Thread, ich werde sicher viel zu seinem Wachstum beitragen können :thanks!
Diesmal nur kurz: Am Montag zunächst Freude über die neu gestalteten Besetzungszettel (Programm kaufe ich mir nicht mehr, ich habe bereits Kisten davon, in die ich nicht mehr hineinschaue) der neuen Direktion Meyer - statt des umständlich Folder mit der lästigen Werbung dazwischen nun eine schön designte Doppelseite mit Kurzbios der Sänger. Ich formuliere im Geist schon eine lobende Mail an die Dramaturgie, daheim trübt dann Ärger die Freude, als ich versuche, das scheinbare A4-Blatt in eine Klarsichthülle zu schieben, um es in meinem Opernordner zu archivieren: Es ist um 2cm zu hoch und um 3 cm zu lang! Beim Zurechtschnipseln fällt natürlich Text weg - also wie/wo soll man diese Dinger aufheben, damit sie sinnvoll als Gedächtnisstütze benützt werden können???? Noch habe ich keine zündende Idee...
(Ich weiß, ich weiß, ich bin pingelig, und überhaupt :D )

lg Sevi :hello
Jürgen (10.09.2010, 07:41):
Original von Severina
Liebe Heike,
netter Thread, ich werde sicher viel zu seinem Wachstum beitragen können :thanks!
Diesmal nur kurz: Am Montag zunächst Freude über die neu gestalteten Besetzungszettel (Programm kaufe ich mir nicht mehr, ich habe bereits Kisten davon, in die ich nicht mehr hineinschaue) der neuen Direktion Meyer - statt des umständlich Folder mit der lästigen Werbung dazwischen nun eine schön designte Doppelseite mit Kurzbios der Sänger. Ich formuliere im Geist schon eine lobende Mail an die Dramaturgie, daheim trübt dann Ärger die Freude, als ich versuche, das scheinbare A4-Blatt in eine Klarsichthülle zu schieben, um es in meinem Opernordner zu archivieren: Es ist um 2cm zu hoch und um 3 cm zu lang! Beim Zurechtschnipseln fällt natürlich Text weg - also wie/wo soll man diese Dinger aufheben, damit sie sinnvoll als Gedächtnisstütze benützt werden können???? Noch habe ich keine zündende Idee...
(Ich weiß, ich weiß, ich bin pingelig, und überhaupt :D )

lg Sevi :hello

Hallo Heike,

ich würde es einscannen, geringfügig anpassen und wieder ausdrucken.
Hoffentlich hast Du die technischen Möglichkeiten.

Grüße
Jürgen
Severina (10.09.2010, 13:36):
Lieber Jürgen,
Heike hat vielleicht die technischen Möglichkeiten, aber gottlob nicht mein Problem, ich wiederum, die frustrierte Programmbesitzerin, bin dies leider nicht auch von einem Scanner :wink :D
Trotzdem danke für den gut gemeinten Tipp!

lg Severina :hello
Gerion (10.09.2010, 13:49):
Liebe Severina,
alternativ kannst Du es ja in einem Kopierladen umkopieren bzw. verkleinern lassen auf Din A 4.

Grüße
Gerion
Solitaire (10.09.2010, 14:31):
Ach, das ist ein schöner Thread!
Am schönsten ist natürlich wirklich das Thema „Sitznachbar“.
Das schönste Erlebnis in dieser Hinsicht hatte ich, als ich eine gute Freundin in die Oper geschleppt habe. Besagte Freundin mag schöne Stimmen, ist aber keine ausgewiesene Opernkennerin und bat um Einführung in diese schöne Kunstform. Also sind wir in die Traviata gegangen. „Das wird dir gefallen, das ist tolle Musik und überhaupt, viele Melodien wirst du kennen!“
So war es auch. Im Vorspiel zum ersten Akt zupft sie mich plötzlich am Ärmel und flüstert:
„Das kenne ich das ist doch Ich hab dein Knie geseh’n !!!“
:rofl :rofl :rofl

Falls es jemand nicht wissen sollte, hier der text zum schönen alten Schlager „Ich hab dein Knie geseh’n“, zu singen zur Melodie von „Amami Alfredo!“:

Ich hab dein Knie gesehn,
das durfte nie geschehn.
Nun kann ich die verstehn,
die immer sagen, du bist wunderschön.
Ich hatte noch nach 5 Minuten ein ganz untraviatahaftes Grinsen auf dem Gesicht. :D
Severina (10.09.2010, 14:44):
:rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl

Herrlich!!!!
Das erinnert mich an unsere "Tosca" im Vorjahr, wo sich Umgekehrtes ereignete: Jonas Kaufmann schmachtet in berückenden Piani die Sterne an, alles schweigt ergriffen, bis auf den Mann hinter mir in der Loge, der vorwurfsvoll seiner Partnerin zuflüstert: "Aber "Wie eiskalt ist dies Händchen" hat er immer noch nicht gesungen!"
Ich schwöre, das ist nicht erfunden!

lg Sevi :hello
Solitaire (10.09.2010, 16:15):
Ach ja, das eiskalte Händchen in der Tosca... :rofl
War es nicht früher manchmal üblich, Arien einzuschieben die eigentlich gar nicht zum Werk gehörten? Das hätte den Mann in der Loge bestimmt gefreut. :D

Ein andermal saß ich im „Figaro“ neben einer Dame, die im Briefduett ihre Mineralwasserflasche ausgepackt hat. :S
Später stellte sich heraus, daß sie offenbar eine Freundin der Gräfin Almaviva war, da sie mit der Sopranistin im gleichen Restaurant saß wie wir.
Severina (10.09.2010, 16:38):
O ja, davon kann ich als leidgeprüfte Stehplatzbesucherin ein Lied singen! Speziell amerikanische Touristin scheinen konstitutionell nicht in der Lage zu sein, eine Oper ohne Kalorienzufuhr zwischendurch zu überleben. Da kann es dann schon sein, dass hinter Dir eine Coladose zischt oder Dir plötzlich der Duft einer Wurstsemmel verführerisch in die Nase steigt. Manchmal sind die Düfte auch profanerer Natur, nämlich wenn sich einer seiner durchgeschwitzten Sportschuhe entledigt X(.

lg Sevi :hello
Solitaire (10.09.2010, 17:07):
Erstaunlich, oder?
Eine Freundin hat mir erzählt, daß sie bei ihren ersten und bisher einzigen Meistersingern den Fehler gemacht und ganze Zeit „Fishermans Friends“ gelutscht hat.
Laß es mich so formulieren: auf der Packung steht „Wirkt im Übermaß abführend“. Und die Meistersinger sind lang. Sehr lang... :cool
Severina (10.09.2010, 17:57):
Die Ärmste, das will ich mir lieber gar nicht vorstellen! Deshalb mag ich es gar nicht, in der Mitte einer langen Reihe zu sitzen. Zwar musste ich noch nie während einer Vorstellung hinaus, aber alleine das Gefühl, es notfalls so einfach zu nicht zu können, verursacht mir Unbehagen. Auch deshalb liebe ich Logenplätze!

Was mir einmal passierte: Ich hatte einen hartnäckigen Husten, wollte aber auf die "Puritani" mit Flórez nicht verzichten, aber natürlich auch die Vorstellung nicht durch Hustenanfälle stören, lieber wäre ich erstickt. Also marschierte ich zum Doc und flehte ihn um ein todsicheres Mittel an, das mir drei Stunden Ruhe verschaffen würde. Er verschrieb mir Codeintropfen, und damit sie auch ja ihre Wirkung nicht verfehlten, schluckte ich schon daheim die dreifache Dosis und dann unmittelbar vor Beginn der Vorstellung noch einmal eine kräftige Ladung. Schon bald nach der Ouvertüre geriet ich in einen merkwürdigen Schwebezustand, nahm das Geschehen auf der Bühne nur mehr durch eine Art Schleier wahr, auch die Musik drang seltsam verfremdet an mein Ohr. Gleichzeitig erfasste mich ein Gefühl unbändiger Heiterkeit, und meine Umgebung wird sich wohl über mein blödsinniges Dauergrinsen gewundert haben, mit welchem ich der doch wahrlich nicht lustigen Handlung folgte. Klarer Fall: Ich hatte beinahe eine Flasche Codeintropfen geleert und war schlicht und einfach high! (Den Beipackzettel las ich erst einen Tag später....) Aber immerhin: Gehustet habe ich kein einziges Ma :Dl!!

lg Sevi :hello
Solitaire (10.09.2010, 18:17):
Grundgütiger!
:rofl :rofl
Wäre das auch eine Methode, die Vorstellungen heißgeliebter Sorgenkinder stressfreier zu überstehen? Im Augenblick ist man ja für jede Unterstützung dankbar. :ignore

Im übrigen scheint der TBC-Erreger ja unglaublich clever zu sein: dem Husten nach zu urteilen infiziert sich das Publikum in scharen, selbst wenn eine Primadonna die Krankheit nur spielt...
Heike (18.10.2010, 15:35):
Gestern im Schillertheater (Rheingold):
Voll im Blick des Premierenpublikums, im ersten Rang, seitlich vorn: ein junger Mann bohrte ausführlichst in der Nase. Wie auf dem Präsentierteller!
Ich rege mich ja schon gar nicht mehr drüber auf, dass etliche Mitmenschen nicht wissen, dass man in engen Sitzreihen beim Vorbeigehen den anderen nicht das Hinterteil präsentiert, sondern von Angesicht zu Angesicht, ggf. mit einem freundlichen "danke" an den Aufstehenden vorbeigeht. Aber öffentlich derart ungeniert in seine Körperöffnungen einzudringen, das ist dann doch zu viel des schlechten Benehmens!
Heike
Heike (27.11.2010, 08:39):
Gestern im Konzert: Warum lesen die Leute während der Musik im Programmheft??? Die Frau neben mir war bestimmt die Hälfte der Zeit damit beschäftigt, den Text zu studieren. Ich verstehe es nicht, warum geht man dann hin, wenn man gar nicht zuhört?

Gestern nach dem Konzert: Berlin Mitte ist schon wieder ein einziges weihnachtliches Lichtermeer. Die Friedrichstraße voller Sterne und Lämpchen, die Linden hell erleuchtet, das Zentrum bis zum Alex knallbunt; zusammen mit der Werbung an den Shops und Hotels ein einziges gelb-rot-blau-grünes helles Etwas. Manchmal frage ich mich, wie ich es dabei schaffe, die im Vergleich dazu recht kleinen Ampeln nicht zu übersehen.
Heike
Maria-Anna (29.11.2010, 14:28):
Ich saß in der Lindenoper (vor dem Umzug ins Schillertheater) mal schräg hinter zwei Frauen, die mitten in der Traviata Ouvertüre anfingen Bierflaschen aus ihren Taschen zu kramen, um sie dann mit einem Feuerzeug zu öffnen und zu trinken! Da fällt einem wirklich nix mehr ein .....
Heike (23.02.2011, 07:55):
Gestern nach einem (für mich großartigen) Konzert:
Ein älteres Pärchen unterhält sich, die Frau: "wir geben jedesmal so viel Geld dafür aus und dann warte ich nur, dass es endlich vorbei ist". Der Mann "ich auch, das kann es ja wohl nicht sein"

?( Heike
Zuckermann (23.02.2011, 09:42):
Liebe Heike,

das sind dann offenbar die echten Nöte eines behaupteten Bildungsbürgertums, das nun mal in Konzerte gehen muss. Aber sie hatten sich - zumindest mit Nono und Schostakowitsch - auch nicht das allerentspannendste Programm ausgesucht, die Armen (ja, das war ironisch gemeint).
Auf jeden Fall beneide ich dich, dass du dieses besondere Konzert erleben konntest. Ich hatte leider so lange zu arbeiten, dass ich schon vorab wusste, dass ich es nicht schaffe - wenn Metzmacher endlich mal wieder in Berlin ist! Na gut, dafür werde ich am kommenden Montag Nagano und das DSO hören. Auch etwas, auf das man sich freuen kann - wenn man nicht hingehen muss.

Gruß, Ekkehard.
Heike (23.02.2011, 14:11):
Hallo Ekkehard,
ich habe ein entscheidendes Wörtchen vergessen, merke ich gerade:

die Frau: "wir geben jedesmal so viel Geld dafür aus und dann warte ich immer nur, dass es endlich vorbei ist". Der Mann "ich auch, das kann es ja wohl nicht sein"

Also am Programm kann's dann nicht gelegen haben!
Viel Spaß am Montag!
Heike
Severina (23.02.2011, 15:05):
Liebe Heike, ich mache auch immer die Beobachtung, das viele Leute offensichtlich nur deshalb ins Konzert gehen, weil das in gewissen Kreisen halt dazu gehört, dass man sich den Anstrich von "Kultur" geben will. Was mich dabei ärgert ist, dass viele Abos bei uns seit Generationen in Familienbesitz sind, aber oft nur lustlos abgesessen werden, und man als Einsteiger überhaupt keine Chance hat, da reinzukommen. Ich habe eine Bekannte, die sich überhaupt nicht für klassische Musik interessiert und vor jedem Konzert das halbe Telefonverzeichnis durchgeht, um Abnehmer für die zwei Karten zu finden, aber das Abo zurücklegen würde sie nie, weil "Auf diesen Plätzen sind schon meine Urgroßeltern gesessen!" Ich bin an sich kein Abo-Fan, aber speziell im Musikverein ist es ohne ganz schwierig an Karten zu kommen, zumindest bei den Knüllern.

Dein anderes Erlebnis, dass jemand während des ganzen Konzerts aufmerksam das Programmheft studiert, hatte ich erst vorige Woche bei Mahlers 6. Meine Sitznachbarin fand die toten Buchstaben sichtlich interessanter als die lebendigen Noten.
Auch das Trinkfläschchen in der Handtasche wird immer mehr zum unentbehrlichen Accessoire bei einem Konzertbesuch. Ich bin schon froh, wenn daran erst in der Pause genuckelt wird.....
lg Sevi :hello
peter337 (13.08.2011, 21:05):
Meien Lieben!
Mir ist bei einer der "Tosca - Aufführungen" in der WStO das geschehen: Vor mir saß ein Ehepaar mit Freunden, und zum Inhalt der "Tosca" sagte er, es ist wie in "Les Miserables" am Schluss bleibt auch fast keiner über, ist wirklich wahr,
ich habe nur gesehen, dass er sich das Programm nicht kaufte und auch nicht am PC ausdruckte sondern einfach Wikipedia nahm, ich habe nichts gegen diese Seite, aber in der UNI soll / darf man sie nur in Ausnahmefällen aufsuchen um sie in einem Seminar zu verwenden, man muss es halt auch mit der Uhrzeit angeben, das Datum selbstverständlich.
Liebe Grüße Euer Peter. :hello :hello
Zefira (14.08.2011, 00:08):
Lieber Peter,
ich saß mal in einer Don Giovanni-Aufführung neben zwei Damen; die eine sagte (vor Beginn der Aufführung) zur anderen: "Ich hab keine Ahnung, worum es überhaupt geht!" und die andere: "Ich auch nicht, aber das macht ja auch nichts, wir gehen ja wegen der Musik hin!"
DAS kann ich nun auch wiederum nicht nachvollziehen - lieber Wiki als gar nichts wissen!

Übrigens war die Aufführung so grottenschlecht, dass die beiden Damen am Ende wahrscheinlich auch nicht klüger waren als am Anfang. Aber es war Don Giovanni! Ich habe die Musik erkannt! :D

Gruß von Zefira
peter337 (14.08.2011, 06:26):
Liebe Zefira!

Da hast Du ja noch Glück gehabt, dass Du die Musik erkannt hast. Als ich am 14.2.2010 dort war, wo Ruggero Raimondi den Scarpia sang, hatte ich bei Herrn Cura und Frau Papian keine Ahnung was die sangen, Puccini war es nicht, denn Herr Cura bemüssigte sich eifrig "seine eigenen Melodien" zu singen.
Liebe Grüße sendet Dir Peter aus dem morgendlichen Wien. :hello :hello
Jürgen (14.08.2011, 17:37):
Original von peter337
Als ich am 14.2.1910 dort war, wo Ruggero Raimondi den Scarpia sang,.......

Ich wußte gar nicht, dass der schon soo alt ist. :D
Zefira (14.08.2011, 17:43):
@ Peter: Ich kann mich erinnern, dass ich nach der Aufführung zu meiner Familie sagte: "Mozarts Musik ist eben nicht kaputt zu kriegen."

Das ist doch immerhin eine positive Erkenntnis, die ich aus diesem oberlausigen Opernabend zu ziehen wusste. (Wie soll man denn eine Aufführung bewerten, bei der schon die Ouvertüre durch raufende und offenbar betrunkene Bauern auf der Bühne "belebt" wird? Damit es nicht so langweilig ist, der Musik zuzuhören?)

Grüße von Zefira
peter337 (14.08.2011, 18:38):
Original von Jürgen
Original von peter337
Als ich am 14.2.1910 dort war, wo Ruggero Raimondi den Scarpia sang,.......

Ich wußte gar nicht, dass der schon soo alt ist. :D

Lieber Jürgen!

Danke schön, dass Du mich nicht meinst, ich war erst vor kurzem 66. :thanks :thanks

Kleiner >Irrtum meinerseits :haha :haha, schon geändert, da hat ja meine Frau Mama noch gar nicht gelebt, wie man sich doch irren kann. "Sardous Tosca" aber gab es schon.

Liebe Grüße sendet Dir Peter aus dem hoaßen Wien, zur Zeit zumindest. :hello :hello
Heike (13.09.2011, 21:32):
Ich Mimose mal wieder:
Kennt ihr das, wenn ihr neben jemandem sitzt, der die ganze Zeit über laute Atemgeräusche macht? Also immer mit jedem Atemzug und regelmäßig laut hörbar ausatmet und nicht geräuschlos atmet wie normalerweise? Meist sind das dicke Männer mit starker Nasenbehaarung, das hört sich so an, als wenn die gerade 1000m gelaufen sind und noch völlig außer Puste sind, aber es hört eben nicht auf. Mich macht das geradezu wahnsinnig und es ist immer ein Grund, mich wegzusetzen (falls möglich), wenn neben mir jemand solche Atemgeräusche macht.
Gestern saß ich nämlich wieder neben so einem Herrn, zum Glück gab es Alternativen....
Heike
Severina (13.09.2011, 22:53):
Oh ja, das kenne ich gut und leide in Gedanken mit Dir! Ich hatte beim Verdi-Requiem am Stehplatz eine andere Geräuschvariante: Ein Herr mit Dreitagebart, den er ständig mit den Fingern kraulte, und das 30cm neben meinem Ohr. Da wir ohnehin wie die Ölsardinen standen, gab es keine Möglichkeit, den Platz zu wechseln. In der Pause sprach ich ihn dann darauf an und er tat ganz erstaunt, das sei ihm gar nicht aufgefallen, dass er das mache, und dass man das überhaupt hört, wollte er überhaupt nicht glauben. Immerhin stellte er die Kratzerei dann ein.

lg Sevi :hello
Solitaire (13.09.2011, 22:55):
Original von Heike

Meist sind das dicke Männer mit starker Nasenbehaarung

:rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl :rofl
You made my day :D
Vor zwei Wochen in der Philharmonie in Köln (West Eastern Divan Orchestra: Beethoven sinfonien 3 und 4) wähnte ich mich mal wieder auf dem Zauberberg. Es hustete, keuchte und röchelte dermaßen daß ich trotz der schönen Musik zwischendurch kurz vor einem hysterischen Kicheranfall war. Es ist immer wieder das gleiche: sobald das Licht im Saal ausgeht fangen sie an zu husten als hätte ihr letztes Stündlein geschlagen.

OT an
Auch wenn man mich zu Recht einen Konzertbanausen schimpfen wird: ich finde die 4. Sinfonie vom alten Ludwig van viel, viel, viiieeel schöner als die "Eroica". Die dritte ist voller Krawumm!! Peng!!! Knall!!! Tataaa!!! und Rabumm!!! Wenn man versteht was ich sagen will :D
Es nervt. Mich zumindest. Aber die Vierte ist wunderar, ich habe sie zum erstenmal gehört, was eigentlich ziemlich peinlich ist.
OT aus
Heike (14.09.2011, 19:57):
immer wieder das gleiche: sobald das Licht im Saal ausgeht fangen sie an zu husten als hätte ihr letztes Stündlein geschlagen
:times10
Diesen Sommer passierte das in einem Orchester bei Young Euro Classic (ich weiß nicht mehr, welches es war), also da hatte erst eine Geigerin minutenlang so einen krassen Hustenanfall, dass sie nicht spielen konnte. Bald darauf dasselbe bei einem der Bläser, ein Drama! Man konnte vor Mitleid kaum hinsehen. Die müssen sich wohl gegenseitig angesteckt haben ?( Es war direkt rührend, wie die mit allen Mitteln versucht haben, den Hustenreiz zu unterdrücken und dann es aber nicht konnten. Das tat mir so leid.

Dagegen könnte man manche Zuhörer fast würgen, vor allem, wenn die geradezu regelmäßig in die pianissimo-Passagen reinhusten.

Also ich wundere mich ja auch immer wieder über folgendes Phänomen, kennt ihr das? Sekunden nach einer Satzpause fangen Leute an, Knisterbonbons auszuwickeln, oder die raschelnde Jacke auszuziehen, oder in ihrer Tasche zu kramen. Unglaublich, als wenn ihnen das exakt eine Sekunde zu spät eingefallen sein könnte.
Heike
Solitaire (14.09.2011, 21:05):
Original von Heike
kennt ihr das? Sekunden nach einer Satzpause fangen Leute an, Knisterbonbons auszuwickeln, oder die raschelnde Jacke auszuziehen

Ja, ja, ja!!!
In der Philharmonie war das auch so bei einer Dame hinter mir. Sie hätte das ja auch an einer besonders lauten "Krawumm!!!"-Stelle in der Eroica machen können, aber nee...gerade wenn es schön wird... :ignore :D
Armin70 (14.09.2011, 22:05):
Vielleicht sollte man mal folgendes erfinden:

Jeder Stuhl im Konzert- oder Opernhaus sollte eine Schleudersitz-Funktion haben. Wenn irgendjemand dann unangenehm wegen Husterei oder Knisterbonbons etc. auffällt, der müsste dann per Schleudersitz aus dem Gebäude gefeuert werden.
Solitaire (14.09.2011, 22:13):
Aber leise bitte :D
Naja, man KANN natürlich mal von einer ganz bösen Hustenattacke erwischt werden weil man sich verschluckt hat oder wirklich lieber im Theater am Koch'schen Bazillus sterben als die Vorstellung verpassen wollte, aber bei 99 von 100 Konzertbesuchern ist die Husterei hochneurotisch und gehört behandelt.
Und nicht vom Lungenfacharzt... :cool
Cetay (inaktiv) (15.09.2011, 08:34):
Original von Solitaire
ich finde die 4. Sinfonie vom alten Ludwig van viel, viel, viiieeel schöner als die "Eroica". Die dritte ist voller Krawumm!! Peng!!! Knall!!! Tataaa!!! und Rabumm!!! Wenn man versteht was ich sagen will :D

Ich denke du willst sagen: mieses Dirgiat! :D
Heike (03.11.2011, 00:44):
Heute (gestern) auf dem Hinweg zur Philharmonie in der S-Bahn. Ich in meine Kleist- Biographie vertieft, als eine junge Dame sich auf den Platz mir direkt gegenüber setzt und binnen Minutenfrist anfängt zu husten. Aber so extrem, dass ich denke, sie kolabiert und stirbt jetzt. Und das wiederholt sich, wird zum Dauerhusten mit hohem Bakterienausstoß, so dass ich mich wegsetzte.

Eine Stunde später in der Philharmonie, kurz vor Beginn des Konzertes. Ich gucke mich um, da sitzt doch genau diese junge Frau ein paar Reihen hinter mir! Dick vermummt, mit Mantel und Schal. Ich befürchtete Schlimmstes. Und natürlich, keine 2 Minuten nach Beginn des Klavierrecitals begann es wieder. Sie ging raus. kam wieder ein. Ging wieder raus. Stellte isch dann zum Glück weiter oben in die Nähe der Tür und war dann irgendwann nicht mehr zu hören und zu sehen.

Unglaublich, dass Leute kurz vor dem Erstickungstod noch ins Konzert gehn müssen!
Heike
Amadé (03.11.2011, 11:03):
Hallo Heike,
ich habe vor vielen vielen Jahren bei einem Klavierabend mit Clifford Curzon ähnliches erlebt. Er begann nach der Pause mit Schuberts B-dur Sonate und nach ein paar Minuten begann eine Dame zu husten, anfangs wenig, dann anhaltend. Alle waren genervt incl. Curzon. Der brach ab, sagte "ich kann mich nicht mehr konzentrieren", blieb aber sitzen. Nachdem die Dame den Saal verlassen hatte, begann Curzon ganz von vorne. Das Publikum war elektrisiert.

Gruß Amadé
Heike (03.11.2011, 13:22):
Sehr gut so. Das sollten viel mehr Solisten und Dirigeten so machen. Ich habe es unlängst mit Andras Schiff erlebt, er brach auch ab, sagte dass er bei so permanentem Husten nicht spielen könnte (es war im zweiten, langsamen Satz einer Sonate). Er kam dann zurück, begann komplett von vorn - und es war ein Genuss, absolute Stille, perfekt.

Ich hab Verständnis für jeden, der sich da nicht konzentrieren kann.
Heike
Heike (05.11.2011, 00:44):
Heute wieder eine skurile Begebenheit: Schräg über den Gang vor mir (leider zu weit, um Einfluss zu nehmen) saß eine alte Dame, die sehr andächtig und still der Musik lauschte. Nur, sie hatte ien Bonbon (Nimm Zwei) in der Hand, das sie während des ersten Satzes immer hin und her wendete und in den Händen bewegte. Die Akustik in der Philharmonie ist aber so gut, dass das total knistert! Vermutlich war das Gehör der Dame nicht mehr so fein, also, sie drückte immer wieder auf dem Bonbon rum, das sie offensichtlich für eventuellen Gebrauch in der Hand hielt. Unglaublich nervig! Ich frage mich, warum keiner der Sitznachbarn was sagte (der erste Satz von Mahlers Neunter ist ellenlang!). Es drehten sich zwar einige vor ihr genervt um, aber sie bemerkte nicht, worum es ging. Ich könnte wahnsinnig werden bei sowas!

In der ersten Satzpause hat sie es dann Gott sei Dank aufgegessen!
Heike
Heike (23.12.2011, 18:46):
Neulich war ich in einem Konzert, da habe ich was ganz Iritierendes erlebt und es geht mir gar nicht aus dem Kopf.
Es tickte. Und zwar so laut, dass man es sogar hörte, wenn das ganze Orchester mezzoforte spielte. Vom piano oder solistischen Passagen ganz zu schweigen. Und zudem tickte es unregelmäßig, mal andante, mal adagio, aber es setzte nie länger als 1-2 sek aus. Es war nur ungefähr zu orten, wo es herkam, jedenfalls nicht aus meiner unmittelbaren Nachbarschaft. Es irritierte alle Leute rundum, alle guckten. Aber niemand fand raus, was es war.

In der Pause sah ich es dann: Es saß ein alter Mann ca. 15m entfernt oben im Rang im Publikum, der ein externes Herz-Kreislauf-Gerät trug, das diese Geräusche verursachte. Einerseits war ich da versöhnt (ich hatte böseste Gedanken, ob jemand einen riesigen Wecker gekauft hatte und mit sich rumtrug), andererseits war es trotzdem quasi nicht auszuhalten, auch in der zweiten Hälfte tickte es weiter.....

Naja, ich dachte mir dann, dass ich doch froh sein kann, dass ich gesund bin und dass ich gggf, als kranke Alte vielleicht auch glücklich wäre, nochmal ein Orchester live zu sehen. Trotzdem frag ich mich, ob man das Ding nicht irgendwie in ne Decke einpacken hätte können oder so..... Jedenfalls hat es mich komplett wahnsinnig gemacht, nicht zu wissen, was es ist! Die armen Leute, die direkt daneben saßen!

Kennt ihr das, irgendwas zu hören und es nicht identifizieren zu können?
Heike
Billy Budd (05.01.2012, 21:32):
Liebe Heike,
Kennt ihr das, irgendwas zu hören und es nicht identifizieren zu können?
Ja, wenn auch mein "Erlebnis" sehr von Deinem unterscheidet.
Ich gehe nicht oft ins Sprechtheater, aber hin und wieder doch. Am 18. Februar 2011 war ichbeim "Alpenkönig und Menschenfeind". Nach dem Auftrittsmonolog des Rappelkönig, der vom Orchester begleitet wird, vermeinte ich noch etwas zu hören. Anfangs glaubte ich, das Orchester spiele noch leise, aber bald hatte ich keine Ahnung. Schließlich fällt es mir ein: Ein Handy.
Die Melodie wurde immer lauter und lauter, was auch dem Schauspieler aufgefallen ist, der schließlich aus seiner Rolle stieg und sagte, hier läute etwas. Irgendjemand rief "Ein Handy", worauf sich der Schauspieler nach vorne beugte, aber durch das Scheinwerferlicht geblendet wurde.
Dann kam aus einer Loge der Ruf "Die blonde Tussi!". Das Geräusch verstummte und die Vorstellung konnte fortgesetzt werden.
Billy :hello
Billy Budd (05.01.2012, 21:51):
1. Jänner, Fledermaus in der Wiener Staatsoper:
Am Stehplatz fanden sich äußerst wenige Stammbesucher ein und viele Touristen waren anwesend. Das ist ja auch öfters der Fall, nur wussten am Neujahrstag wenige Besucher, wie man sich in der Oper zu verhalten hat: Es war so laut, wie schon lange nicht mehr.
Ich hatte das Vergnügen, neben zwei Personen zu stehen (der Mittelgang trennte uns), die besonders negativ auffielen (Leider waren alle guten Plätze belegt, sodass ein Wechseln des Platzes nicht möglich war.). Er entpuppte sich als notorischer Dauerquatscher und sie trug etlichen Schmuck, der bei jeder Bewegung Geräusche verursachte. (Und sie bewegte sich sehr oft.) Die beiden fielen auch den Billeteuren auf, zumal sie sich mehrmals (!) in den Mittelgang auf den Boden kniete, was verboten ist.
Mir wurde das schließlich zu dumm und so bat ich im zweiten Akt höflich zwei Mal um Ruhe. Beim ersten Mal wurde ich ignoriert und beim zweiten Versuch erntete ich ein "Fuck up!". Zu seinem Pech stand eine Billeteurin, mit der ich auf durchaus freundschaftlichem Fuß verkehre, daneben und hörte die Worte. In der Pause versuchte sie mit den beiden zu reden, doch das war ein sinnloses Unterfangen, da sie sich taub stellten. Schließlich nannte er mich noch "bitch", wobei er offensichtlich nicht erkannt hat, dass ich männlichen Geschlechts bin, aber ein solcher Primitivling kann mich ohnehin nicht beleidigen. Mir blieb also nichts anderes übrig, als durchzuhalten.
Die beiden sahen übrigens nicht irgendwie "verdächtig" aus; ein weiteres Beispiel, dass man auf die äußeren Werte nicht achten sollte.
Billy :hello
Solitaire (16.01.2012, 19:56):
Mein Problem ist, daß ich manchmal unglaublich ordinär werden kann wenn mich solche Leute so richtig stören :I Danach bin dann nämlich ich die Doofe... :I
Ich drehe mich in der Oper auch gerne mal mit einem gezischten "Wenn da hinten nicht gleich Ruhe ist komme ich rüber und sorge dafür!!!" um.
Ich bin klein und wiege 55 Kilo, eines Tages gerate ich an den Falschen und das Ganze geht furchtbar ins Auge. Aber es macht mich wirklich rasend wenn Leute knistern, rascheln, flüstern während die Traviata leidet oder Papageno und Papagena sich endlich kriegen.
Ganz besonders schön sind auch diese ellenlangen geflüsterten Erklärungen mit denen die Frau Mama dem Töchterlein vermittelt worum es gerade geht. NEIN ICH HABE KEIN VERSTÄNDNIS DAFÜR WENN MAN DAS WÄHREND DER VORSTELLUNG MACHT. Das kann man vorher erledigen.
Heike (22.01.2012, 00:49):
Liebe Solitaire,
ich sage auch ziemlich oft was zu Störern in meiner Nähe, aber eigentlich immer betont höflich. Das Echo ist schon da mitunter abenteuerlich: Gerade vorgestern schleuderte mir mir eine junge "Dame", die mit ihrem ebenso jungen Freund ausdauernd tuschelnd flirtete, irgendeinen Fluch entgegen, in dem ich nur "alte Hexe" verstanden habe ?(

Ganz besonders schön sind auch diese ellenlangen geflüsterten Erklärungen mit denen die Frau Mama dem Töchterlein vermittelt worum es gerade geht.
Meiner Erfahrung nach sind die Erklärer in 95% der Fälle die Väter!
Heike
Heike (04.03.2012, 23:37):
Das war lustig heute:
In der ersten Pause von Jenufa saß ich im Rangfoyer in einer Sitzecke neben zwei Männern, die sich ein komplettes Picknick mitgebracht hatten: Eine Thermoskanne Kaffee mit 2 Tassen; dazu gab es erstmal diverse belegte Brötchen, dann noch eine Palette Kuchen (der mit dem mitgebrachten Messer auch geschnitten werden konnte). Leider fehlte die Kuchengabel, so dass es dann nicht mehr ganz so stilecht aussah.

Das fand ich schon irgendwie schräg, so in der Vielfalt und Menge. Ich nehme mir ja auch mal dann und wann ne Kleinigkeit mit, aber sich so ausgiebig in einer Premiere zu verköstigen, das habe ich noch nie gesehen!
Heike
Armin70 (04.03.2012, 23:38):
Haben die beiden dir wenigstens etwas davon angeboten ?
Heike (05.03.2012, 07:42):
Neiiiiiin! Nix, gar nix. Sie haben alles, was übrig blieb, brav wieder eingepackt.... :leb
Heike
Jürgen (05.03.2012, 13:27):
Original von Heike
Das war lustig heute:
In der ersten Pause von Jenufa saß ich im Rangfoyer in einer Sitzecke neben zwei Männern, die sich ein komplettes Picknick mitgebracht hatten: Eine Thermoskanne Kaffee mit 2 Tassen; dazu gab es erstmal diverse belegte Brötchen, dann noch eine Palette Kuchen (der mit dem mitgebrachten Messer auch geschnitten werden konnte). Leider fehlte die Kuchengabel, so dass es dann nicht mehr ganz so stilecht aussah.

Das fand ich schon irgendwie schräg, so in der Vielfalt und Menge. Ich nehme mir ja auch mal dann und wann ne Kleinigkeit mit, aber sich so ausgiebig in einer Premiere zu verköstigen, das habe ich noch nie gesehen!
Heike

Die Beiden haben meine Sympathie. Die Krönung wäre eine gekühlte Flasche Sekt gewesen.

Grüße
Jürgen
Armin70 (05.03.2012, 13:57):
Das erinnert mich an einen Film, den ich als Jugendlicher mal im Fernsehen sah:
Ein Personenzug blieb wegen eines Defekts auf offener Strecke stehen. In einem Zugabteil sass ein Mann, der einen großen Koffer dabei hatte. An dem Koffer waren verschiedene Fächer und Schubladen angebracht und dahinter verbargen sich lauter leckere Sachen zum Essen. Als er merkte, wie neidisch ihn die anderen Fahrgäste in seinem Abteil anschauten, gab er ihnen was davon ab und zum Schluss verköstigte er den kompletten Zug mit seinen Delikatessen.
Billy Budd (25.03.2012, 16:33):
Unter den Stehplatzbesuchern der Wiener Staatsoper gibt es einen Besucher mit Behindertenausweis, dessen Namen uns zwar bekannt ist; aber, da er aus Graz stammt, nennen wir ihn alle "Grazer". Ich habe mich schon gefreut, dass er seit Anfang Feber (wenn ich mich nicht irre) nicht in der Oper war, aber vorgestern tauchte er wieder auf.
Der Grazer ist leicht verwirrt und redet oft wirres Zeug. Das wäre ja kein Problem, würde er nicht einen ekligen Geruch ausstrahlen. Wenn er nach Wien kommt, bleibt er stets über das Wochenende und wechselt nicht die Kleidung oder wäscht sich. Am Freitag ist er noch auszuhalten, aber er stinkt von Tag zu Tag mehr. Heute kommt er sicher wieder, wahrscheinlich auch am Dienstag bei der "Frau ohne Schatten" und wenn wir großes Pech haben sollten, auch am Donnerstag beim "Cardillac".
Dummerweise ist mein Stammplatz genau hinter seinem, weswegen ich bei seiner Anwesenheit pflege, mir einen anderen Platz zu suchen. Aber: Leider verfügt der Grazer auch über die Gewohnheit, sich während der Vorstellung nicht ruhig zu verhalten. Wenn man ihm bedeutet, er möge Ruhe geben, wird er (absichtlich) noch lauter. Am Schlimmsten ist aber, dass er bei jeder (wirklich jeder) Vorstellung ein paar Minuten vor Schluss zusammenpackt.
Vorgestern kam er auf die Idee, er müsse gerade in den so berührenden Schlussminuten der "Frau ohne Schatten" einen Klettverschluss lautstark öffnen. Die ganze Stimmung war dahin. Ehrlich gesagt war ich auf ihn so sauer, dass ich ihn am liebsten von der Galerie hinuntergeschmissen hätte.
Billy :hello
Karolus Minus (25.03.2012, 22:50):
Original von Heike
Neiiiiiin! Nix, gar nix. Sie haben alles, was übrig blieb, brav wieder eingepackt.... :leb
Heike

Dann haben sie es wenigstens nicht stehengelaaen oder weggeschmissen - das zeugt von Umweltbewußtsein :wink
Ingrid (25.03.2012, 23:43):
Lieber Billy,

inzwischen tust Du mir echt schon richtig leid, denn nach großer Freude hören sich Deine Opernbesuche nur sehr sehr selten an und jetzt auch noch mit Geruchs- und Geräuschbelästigung. Vielleicht solltest Du doch mal eine kleine Pause einlegen, damit es Dir hinterher wieder Spaß macht, in die Oper zu gehen, denn fliegende Grazer wären auch nicht die optimale Lösung zur Frustbekämpfung.

Herzliche Grüße
Ingrid
Heike (26.03.2012, 07:47):
Wenn er nach Wien kommt, bleibt er stets über das Wochenende und wechselt nicht die Kleidung oder wäscht sich.

Schenke ihm doch mal ein Packerl Einmalwaschtücher, oder Babyfeuchttücher ..... immer noch besser, als ihn gleich über das Geländer zu werfen :cool
Heike
Billy Budd (26.03.2012, 10:42):
Original von Ingrid
Lieber Billy,

inzwischen tust Du mir echt schon richtig leid, denn nach großer Freude hören sich Deine Opernbesuche nur sehr sehr selten an und jetzt auch noch mit Geruchs- und Geräuschbelästigung. Vielleicht solltest Du doch mal eine kleine Pause einlegen, damit es Dir hinterher wieder Spaß macht, in die Oper zu gehen, denn fliegende Grazer wären auch nicht die optimale Lösung zur Frustbekämpfung.

Herzliche Grüße
Ingrid

Liebe Ingrid,
nein, nein; mir macht es durchaus große Freude, in die Oper zu gehen. Ich bin wohl schon so opernsüchtig, dass ich mir ein Leben ohne diese Kunstform gar nicht mehr vorstellen kann. So schlimm ist nicht, wie mein Text vielleicht gewirkt hat. Der Grazer taucht nur alle paar Wochen für ein paar Tage auf und auch dann ist er mit einiger Mühe auszuhalten. Eine lange Pause gibt es sowieso im Sommer.
Auch wenn der gestrige "Tannhäuser" (Bericht kommt noch!) nicht mehr, als durchschnittlich war, habe ich mich doch gefreut, diese Oper wieder hören zu können.
Billy :hello
Billy Budd (26.03.2012, 10:43):
Original von Heike
Wenn er nach Wien kommt, bleibt er stets über das Wochenende und wechselt nicht die Kleidung oder wäscht sich.

Schenke ihm doch mal ein Packerl Einmalwaschtücher, oder Babyfeuchttücher ..... immer noch besser, als ihn gleich über das Geländer zu werfen :cool
Heike

:cool :haha :cool
Billy :hello
peter337 (26.03.2012, 21:13):
Lieber Billy!

Vom "Tannhäuser" habe ich der Pause von der letzten "Tosca" einiges am Flachbildschirm gesehen - und ich habe lachen müssen, die Herren mit Zylinder und Koffer auf der Romfahrt , das ist mir doch zu viel, da sind meine Parodien ja ein Schmarrn dagegen.

Liebe Grüße sendet Dir Peter, :hello :hello

vielleicht können wir uns am Stehplatz / Galeirei einmal sehen, ich stehe zumeist unten aber ich kann auch oben stehen bin ja noch ein alternder Jüngling. :) :)
Billy Budd (28.03.2012, 13:55):
Original von peter337
vielleicht können wir uns am Stehplatz / Galeirei einmal sehen, ich stehe zumeist unten aber ich kann auch oben stehen bin ja noch ein alternder Jüngling. :) :)

Lieber Peter,
da spricht gar nichts dagegen; das würde mich sehr freuen!
Wann bist Du denn wieder in der Oper?
Billy :hello
Billy Budd (09.05.2012, 23:35):
Wie ich gestern feststellen durfte, gibt es kaum was Blöderes, wie während einer Opernaufführung Nasenbluten zu bekommen …
Billy :hello
pavel (10.05.2012, 10:29):
Versuch es einmal mit einem Nießanfall. (Da kommt auch in der Umgebung echte Begeisterung auf :wink)
Karolus Minus (10.05.2012, 13:23):
Ebenfalls hervorragend: sich urplötzlich verschlucken - gegen den Hustenanfall ist kein Kraut gewachsen, und dann auf einem Mittelplatz:-))))
Heike (12.05.2012, 08:42):
Ich hasse Leute, die während der Musik ausdauernd im Programm blättern. Gestern z.B. war neben mir eine Dame, die bei der Sinfonie bei Beginn jedes Satzes (also jeweils ca. 3 Sek, nachdem er begonnen hat, nicht etwa in der Satzpause) geräuschvoll nachgucken musste, wie der Satz heißt. Mein Gott, sind die Leute zu dumm, sich mal 4 Tempobezeichnungen zu merken??? Davon mal abgesehen, dass ich bei so ignoranten Besuchern eh bezweifle, dass die überhaupt was damit anfangen können.
Heike
Amadé (12.05.2012, 10:29):
Ich hatte gestern Abend beim Konzert von Olga Scheps einen jungen Herrn neben mir sitzen, der unruhig seine Digital-Kamera in Händen hin und her bewegte. Nach dem ersten Stück konnte ich es mir einfach nicht verkneifen ihn darauf hinzuweisen, während der Musik nicht zu fotografieren. Das habe ich auch schon mal erlebt, aus der 4. oder 5. Reihe!
Billy Budd (12.05.2012, 11:15):
Original von Heike
Ich hasse Leute, die während der Musik ausdauernd im Programm blättern. Gestern z.B. war neben mir eine Dame, die bei der Sinfonie bei Beginn jedes Satzes (also jeweils ca. 3 Sek, nachdem er begonnen hat, nicht etwa in der Satzpause) geräuschvoll nachgucken musste, wie der Satz heißt. Mein Gott, sind die Leute zu dumm, sich mal 4 Tempobezeichnungen zu merken??? Davon mal abgesehen, dass ich bei so ignoranten Besuchern eh bezweifle, dass die überhaupt was damit anfangen können.
Heike

Ja, ich auch. Aber hast Du die nicht darauf hingewiesen, dass sie das geräuschvolle Nachschauen unterlassen möge? (Ob das was geholfen hätte, ist freilich eine andere Frage ...)
Billy :hello
Heike (12.05.2012, 17:56):
Mit bitterbösen Blicken habe ich es versucht, aber ergebnislos.
Heike
Billy Budd (12.05.2012, 22:59):
Original von Heike
Mit bitterbösen Blicken habe ich es versucht, aber ergebnislos.
Heike

Liebe Heike,
meine Erfahrung ist, dass böse Blicke üblicherweise viel helfen, aber wenn man an besonders hartnäckige Exemplare gerät, weise ich sie öfters mit Worten und gerne mehrmals darauf hin. Einmal war es besonders schlimm und ich habe sogar einen Billeteur holen müssen.
Wobei mE Leute mit Schnauf- und Pfeifnasen die schlimmsten sind, denn denen kann man nicht sagen, sie sollten aufhören.
Billy :hello
Heike (17.05.2012, 18:52):
Wobei mE Leute mit Schnauf- und Pfeifnasen die schlimmsten sind, denn denen kann man nicht sagen, sie sollten aufhören.
Da hast du recht! Grauslig! :ignore Ich frag mich immer, wie deren Frauen (es sind zu 99% Männer) das aushalten, sich ständig neben ihnen aufzuhalten.

Gestern im Konzert mit den Petersburger Philharmonikern hatte übrigens wenige Plätze neben mir eine Frau heftiges Nasenbluten, ich kann dir sagen, das war nicht sehr appetitlich, wie sie nach und nach mehrere Taschentücher volllaufen lies und sich das Resultat dann immer noch (in der Sitzreihe) ausgiebig betrachtete, ca. 20 min lang. Also ehrlich, sie saß nur einem Platz neben dem Gang, wenn ich so bluten würde wie ein geschlachtetes Schwein, dann würde ich aber rausgehen! Ich war froh, nicht direkt daneben zu sitzen ...

Heike
Billy Budd (17.05.2012, 22:44):
Original von Heike
Gestern im Konzert mit den Petersburger Philharmonikern hatte übrigens wenige Plätze neben mir eine Frau heftiges Nasenbluten, ich kann dir sagen, das war nicht sehr appetitlich, wie sie nach und nach mehrere Taschentücher volllaufen lies und sich das Resultat dann immer noch (in der Sitzreihe) ausgiebig betrachtete, ca. 20 min lang. Also ehrlich, sie saß nur einem Platz neben dem Gang, wenn ich so bluten würde wie ein geschlachtetes Schwein, dann würde ich aber rausgehen! Ich war froh, nicht direkt daneben zu sitzen ...

Ja, das ja wirklich unappetitlich! Wenn sie am Rand gesessen ist, hätte sie ohne weiteres hinausgehen müssen!
Ich selbst hatte - wie hier erwähnt auch einmal während einer Opernaufführung Nasenbluten. Es war im Finale des "Bajazzo". Ich habe mein Bestes getan, das Problem möglichst unauffällig und geräuschlos zu lösen, in dem ich so leise wie möglich ein Taschentuch aus der Hosentasche geholt habe und so meine Nase zugehalten habe. Gott sei Dank war es aber ohnehin bald vorbei.
Billy :hello
peter337 (04.06.2012, 20:30):
Lieber Billy!

Das hätte ja hervorragend in die "Tosca" gepasst, denn nur Theaterblut ist ja, langsam, fade.

Übrigens gehst due am 8.6. in die WStO "Tosca"?

Liebe Grüße sendet Dir Peter. :hello :hello
Billy Budd (04.06.2012, 23:25):
Lieber Peter,
hmmm, um ehrlich zu sein weiß ich es noch nicht. Ursprünglich habe ich den Besuch eingeplant, aber heute habe ich mir vorgenommen, darauf zu verzichen (Begründung). Andererseits habe ich schon Bekannten und Freunden mitgeteilt, dass ich am 8. Juni nach längerer Zeit wieder in der Oper sein werde.
Allerdings habe ich an diesem Tag ohnehin schulfrei. Wenn ich komme, werde ich wahrscheinlich erst spät aufkreuzen. Wenn ich schlecht steh, steh ich eben schlecht.
Billy :hello
Zdenka Waldner (10.06.2012, 20:04):
Mir ist auch einmal etwas passiert, im Nachhinein finde ich es lustig, damals hat es mich schrecklich geärgert!
Es war die letzte Vorstellung von "Orfeo ed Euridice" bei den Salzburger Festspielen 2010. Ich, 15 Jahre alt, bin dagesessen und konnte noch gar nicht fassen, dass ich meine heißgeliebte Lieblingssängerin Genia Kühmeier zum ersten Mal nach fast zwei Jahren wiedersehen würde (ich hatte die Karte nämlich erst am Abend davor völlig überraschend bekommen, weil sie jemand zurückgegeben hatte). Außerdem war es das erste Mal, dass ich im Festspielhaus so weit vorn gesessen bin! Klarerweise war ich ganz aufgeregt, konnte kaum erwarten, dass es losgeht und habe versucht, alle Eindrücke auf einmal aufzusaugen.
Dabei habe ich auch leider einen weniger schönen erwischt: Zwei ältere Damen zwei Reihen hinter mir. Beide breiter als lang und mit je einem Riesensackerl Mirabell-Mozartkugeln (wohlgemerkt MIRABELL!!!-Nicht einmal die guten vom Fürst! :wink) auf dem Schoß. Das hätte mich auch nicht weiter gestört, das, was sie von sich gegeben haben, hat mich allerdings extrem irritiert:

"Ma, die Wiener Staatsoper ist ja SO ein alter Kasten!!!"
(mit Blick ins Programmheft) "Genia Kühmeier...kenn i ned!"
"Doch sicher, des is doch die von da Zauberflöte!"
"Ah ja...jetzt is sie halt rundlicher!"

Und zwischendurch immer behände die Mozartkugeln reingeschoben. Ich musste mich wirklich zusammenreißen, mich nicht umzudrehen und eine freche Bemerkung zu machen!

Zdenka

PS: Genia Kühmeier war NICHT "rundlich"!!!!!!! Sie hat im Dezember davor ein Kind bekommen und halt noch gestillt, aber sonst...jedenfalls: DIE brauchen gar nicht reden! :ignore
Severina (10.06.2012, 20:44):
Liebe Zdenka,

hoffentlich waren die Kugeln dann bis zur Ouvertüre wenigstens vertilgt! Ich hatte nämlich einmal zwei Amerikanerinnen hinter mir am Stehplatz, die während der Vorstellung welche gefuttert haben. Aber nicht lange :cool, und nach meinem giftigen Intermezzo werden sie wohl die Überzeugung mit nach Hause genommen haben, dass die Wiener die unfreundlichsten Menschen auf Gottes Erdball sind. In solchen Situationen blitzt nämlich kalte Mordlust aus meinen Augen, und die an sich gute Kinderstube ist dahin!!!!!

lg Severina :hello
Zdenka Waldner (10.06.2012, 21:05):
Liebe Severina,
Jaja, Gottseidank waren sie schnelle Esser und außerdem ist Riccardo Muti eine Viertelstunde zu spät ans Dirigentenpult getreten (kaum zu glauben: Das Publikum ist sogar 3x von alleine still geworden!XD), dann hatten sie auch mehr Zeit^^


Ein anderes Erlebnis, das für mich eigentlich sehr schön war, für meinen Sitznachbarn - das muss ich leider gestehen - vermutlich recht befremdlich.

Das war diesen Februar in Mailand: Les contes d'hoffmann mit (wie könnte es anders sein- :down genia kühmeier als Antonia! Mir passiert es ja öfter, dass mir ihre Stimme so ins Herz geht, dass ich anfange, hemmungslos zu weinen- lautlos, wohlgemerkt :wink
so auch diesmal. vom ersten ton an habe ich still vor mich hingeweint, aber am ende des Aktes tritt unwiderruflich antonias tod ein. Es war das erste mal, dass ich sie auf der bühne sterben gesehen habe. ich habe es gewusst und mich auch mental darauf vorbereitet, trotzdem hat alles nichts genützt: Aus dem lautlosen weinen wurde ein lautloser weinkrampf. mein sitznachbar hat mich irritiert angeschaut und offensichtlich überhaupt nicht verstanden was los ist. nach einer weile ein fragender blick in richtung meines vaters, der aber voll und ganz auf das bühnengeschehen fixiert war.
umso verwirrter war der arme kerl, als mein vater im vierten akt bei der traumhaften liebesarie ebenfalls zu weinen angefangen hat :rofl

alles liebe!
zdenka
Severina (10.06.2012, 22:24):
Liebe Zdenka,

ist doch schön, wenn man so intensiv mitempfinden kann!
Mir passierte es unlängst bei der Nucci-Gala in Zürich, dass mein Sitznachbar (Ich schätzte ihn so um die 30!) beinahe die ganze Zeit in sich hineingeschluchzt hat. Das konnte ich nun weniger nachempfinden, weil ich bei solchen Galas, wo nur einzelne Akte aus verschiedenen Opern gespielt werden, Probleme habe, mich auf die Geschichte emotional wirklich einzulassen.
Vielleicht war es aber auch nur ein trauriger Nuccifan, der seine Tränen deshalb vergoss, weil sein Idol seinen letzten Auftritt an der Züricher Oper absolvierte.

lg Severina :hello
Zefira (12.06.2012, 08:56):
Hallo ihr Lieben,
ich muss gestehen, ich bin leider extrem tränenselig, und das wird mit zunehmendem Alter immer schlimmer!
Ich muss fast in jeder Vorstellung weinen, ganz egal ob es Oper ist oder Konzert - irgendeine Gelegenheit findet sich immer.
Ich muss Gott sei Dank nicht richtig schluchzen dabei, mir laufen halt nur die Augen über. Deshalb trage ich immer ein Halstuch oder einen Schal - das kann man notfalls ein wenig zu Hilfe nehmen, wenn es sehr feucht wird ...

Tränenselige Grüße
Zefira

ps. Und von wegen "rundlich" ... rundlich ist ja heutzutage alles, was nicht flach wie ein Brett ist. In einem anderen Forum (ich bin als Spinnerin auch viel handarbeits- und textilmäßig unterwegs) habe ich eben gerade den Aufruf einer Textilfachstudentin gelesen, die für eine Bachelorprüfung Berlinerinnen mit "Übergrößen" sucht, "so ab Größe 42". :A
Zdenka Waldner (12.06.2012, 09:56):
Liebe Zefira,

kann ich total verstehen, manchmal ist die Musik oder die Stimme oder meistens beides so schön, dass es einem direkt ins Herz geht. In meinem Fall ist das gar nicht immer bei extrem aufwändig kompliziert komponierten Werken so, im Gegenteil. Eine meiner abslouten Liebelingsarien ist "Deh vieni, non tardar" von Susanna aus Figaro. Die ist eigentlich relativ "einfach gestrickt", aber es ist trotzdem so viel Gefühl darin!
Und wenn man dann noch eine Sängerin (oder Sänger, ich weine aber eigentlich meistens bei Frauen, vor allem bei G.K.) hat, die solche Arien mit wirklich tollem Ausdruck und Gefühl (aber nicht aufgesetzt, sondern ganz ehrlich!) singen, dann... :I :)

Ich bin total deiner Meinung, was diesen Schlankheitswahn angeht, das ist wirklich nicht mehr normal!

LG Zdenka
Heike (23.06.2012, 23:55):
Manche Leute haben echt 'nen vollen Knall. Heute 20 Uhr in der Philharmonie saß ein junges Paar mitten auf dem Bühnenpodium in der ersten Reihe, mit je einem Kleinkind auf dem Schoß. Der jüngere war in dem Alter, wo man laufen lernt, geschätzt kurz vor dem ersten Geburtstag. Der Bruder vielleicht 3 oder 4. Sie saßen direkt hinter den Kesselpauken, ca. 2 Meter davon.

Schon im ersten Stück, erster Satz (Haydn, da wurd noch nicht gepaukt, so dass man freie Sicht auf die Familie hatte) begann das Kleinkind herzhaft zu quengeln, wollte runter, drehte und wendete sich - die Mutter konnte es kaum festhalten und suchte nervös nach dem Schnuller in allen Taschen. Dann fing der Bruder auch noch an, das andere zu betatschen, was der gar nicht lustig fand. Schließlich ging mitten im 2. Satz die Mutter mit dem Krabbelkind raus (halbquer über die Bühne), weil sie wohl selbst merkte, dass es gelich zu schreien anfangen würde.

Der Vater bespielte nun den verbleibenden Jungen, indem er ihm mit ausladenen Bewegungen vormachte, wie man dirigiert (eins zwei drei, eins zwei drei...). Und der Bub machte das nach. Anschließend erklärte er ihm offensichtlich alles, was er fragte, auch mit Hinzeigen in der Art von "guck mal da...".

Also es war einige Bewegung auf dem Podium, was sich ja quasi erhöht mitten auf der Bühne befindet, also alle haben beste Sicht darauf. Die Leute drumrum waren erstaunlich gelassen bei dem Spektakel. Aber glücklicherwiese war das zweite Kind so unruhig, dass es mitsamt Vater dann auch vor dem zweiten Werk draußen war. Die Pauken bei Brahms' Doppenkonzert unmittelbar neben so einem Zwerg, das grenzt ja schon an Irrsinn.
Heike
Heike (10.07.2012, 19:02):
Und weiter in der Reihe der Rekorde:
Nachdem letztens das am besten sichtbare Baby im Publikum zu bestaunen war, gibt es diesmal die am höchsten gestreckten Beine:

Sonntag, Staatsoper im Schillertheater, erster Rang.
Ein schwules Pärchen in den 30ern (geschätzt) saß vor mir. Der eine junge Mann zog sich nach einem kleinen Weilchen die Schuhe aus und legte den Kopf auf die Schuter seines Begleiters - und die Füße ausgestreckt schräg auf die Sitzlehne vor ihm (wo eine Oma saß).
Irgendwann ging es dann noch höher hinaus: Es handelte sich um einen Randplatz, so dass die Beine dann fast kerzengerade an der Wand lang hochgestreckt wurden und er den Körper dann gemütlich auf Nachbars Schoß liegen konnte.

Also ehrlich, sowas habe ich noch nie gesehen.
Heike
Hyacinth (10.07.2012, 19:32):
Etwas abenteuerliches ereignete sich vor etwas über einem Jahr im Theater an der Wien:

Ich war mit einem Freund in Rameaus "Castor et Pollux", saß ganz oben am dritten Rang auf der Seite in der ersten Reihe und genoss diese barocke Oper, die ganz wider meinem Erwarten weder langweilig noch schlecht inszeniert war (man merkt, Barockopern gehören nicht zu meiner liebsten Gattung).
Die Sänger waren großteils ganz ordentlich bis sehr gut (bis auf von Otter, aber das tut jetzt nichts zur Sache) und es gab eben auch so einen kleinen Tenor. Der sah aus wie Florez, nur war es eben nicht Florez, stimmlich gesehen. Er hatte eine kleinere, leichte, koloraturgespickte Arie, eine Nebenrolle eben. Seine Stimme war nicht sehr groß (und das TadW ist ja eh nicht groß), aber machte das ganz wacker. Ein Teil des Publikums applaudierte ihm sogar, als er dann von der Bühne lief. Ich hielt mich schweigend zurück. Von der Mitte, vielleicht von den Stehplätzen klangen zwei, drei Buhs, immer von ein und derselben Person. Keiner klatschte mehr, nur aufgebrachtes Gerede von hinten war noch zu hören. Das Umfeld des lautstark Unzufriedenen reagierte langsam mit genervtem "Pst!" oder Gezische. Daraufhin hörte man, im ganzen Saal gut vernehmlich: "Halt die Goschn, du blöde Sau!" (in breitem Wienerisch) Wer das sagte, weiß ich allerdings nicht.
Die Musik ging weiter, ich musste einen Lachkrampf mühsam unterdrücken und an die Aussage meines neben mir sitzenden Freundes denken: "Die Mama mags nicht so gern, wenn der X und der Y (seine Brüder) mit dem Papa zum Fußballmatch gehen, weil das dort so primitiv ist."
Severina (10.07.2012, 22:00):
Liebe Heike,

ich bewundere ja das Selbstbewusstsein dieses Paares mit den Kleinkindern, die sich tatsächlich einen Podiumsplatz nehmen, um sich quasi vor dem ganzen Saal zu präsentieren. Denn sie mussten doch wissen, dass die Kinder unmöglich für die Dauer des Konzertes ruhig sein würden. Für mich grenzt das schon an Provokation! Denn wenn ich schon Kleinkinder mit in ein Konzert nehme (was ich völlig absurd finde), dann bitte wenigstens in eine Loge, wo ich jederzeit verschwinden kann, ohne damit eine zusätzliche Störung zu verursachen. Mich wundert ja, dass die Platzanweiser diese Familie überhaupt auf die Bühne gelassen haben, denn das ist doch eine Zumutung für die Künstler! Ich glaube, als Dirigent hätte ich unterbrochen und diese Familie höflich, aber bestimmt zum Gehen aufgefordert.

Das mit dem schwulen Pärchen ist natürlich überhaupt der Hit.... Ich liebe überhaupt die Pärchen (egal ob hetero oder homo), die keine drei Stunden überleben, ohne einander und ihrer Umgebung zu demonstrieren, wie lieb sie sich haben. Wenn man dahinter sitzt und so wie ich nur 1,55m misst, kann man das Bühnengeschehen getrost vergessen. Allerdings klopfe ich da immer ganz beinhart auf die Schultern und fordere die Turteltauben mehr oder weniger nett auf, ihre Köpfe auseinander zu geben.

lg Sevi :hello
Heike (10.07.2012, 22:19):
Zum Glück sind die Reihen mit so einem Gefälle gebaut, dass man gut sehen kann. Aber wenn ich der Vordermann gewesen wäre, ich glaube nicht, dass ich Männerfüße auf meiner Sitzlehne haben wollte, direkt neben dem Kopf!
Heike
Billy Budd (10.07.2012, 23:30):
An Heike und Hyacinth:

:rofl :rofl :rofl :rofl :rofl

Da soll niemand sagen, dass in der Oper nichts los ist.
Einen ähnlichen Zwischenruf ("die blonde Tussi") hörte ich einmal im Sprechtheater, als sich in der ersten Reihe ein Handy bemerkbar machte.

Ein knutschendes Pärchen (hetero) hatte ich einmal vor mir in einer Bohème, aber da passt es doch ein wenig dazu.

Billy :hello
Zefira (11.07.2012, 01:41):
Mir fällt da immer ein Kinoerlebnis ein, ich weiß nicht, ob ich es hier schon mal erwähnt habe: Ich war in "Germinal", das lief damals im Nachtprogramm, ein äußerst dramatischer und tragischer Film. Das Kino war voll, und schräg vor mir saß ein junger Mann, der von der ersten bis zur letzten Minute jede Szene mit schallendem Lachen quittierte.

Auch, als da ein Dutzend Bergleute verschüttet wurde, und auch, als nach gefühlten vielen Stunden verzweifelter Rettungsversuche ein einziger lebend geborgen werden konnte. Lautes Gelächter ....

Mal ehrlich, da hielt mich nur das Mitgefühl vom Mord ab, ich habe mich ernsthaft gefragt, was der vor dem Kinobesuch eingepfiffen hat.

Gutenacht
Zefira
Zdenka Waldner (19.07.2012, 20:21):
liebe zefira,

ja, im kino sind die leute teilweise noch dreister, weil sie keine angst haben müssen, die schauspieler zu stören.

kleine kinder im theater können aber auch unglaublich unterhaltsam sein.

vor einem jahr war ich in der kinderzauberflöte im salzburger landestheater (nebenbei: eine absolut herzige inszenierung, ganz liebevoll gemacht!), in die der regisseur ein kleines mädchen eingebaut hat, das in die zauberflötenwelt hineingezogen wird und dort tamino und papageno hilft, den "schatz" (7facher sonnenkreis^^) zu verteidigen.

folgende situation: Die königin der nacht streckt fordernd die hände aus und sagt zu ebendiesem mädchen: "Gib mir den schatz, oder du darfst nie wieder in deine welt zurück!"
darauf ein kleiner junge im publikum ganz laut und wütend: "Sei leise!!!!"
der ganze saal hat sich krummgelacht :D
Hyacinth (19.07.2012, 20:38):
:rofl :rofl :rofl
Genial! :leb
Zdenka Waldner (19.07.2012, 22:56):
hehe ja, es war wirklich süß :D

vielleicht noch ein kindeererlebnis, zwar nicht von mir selbst erlebt, sondern von der mutter einer kölner freundin von mir (kindergärtnerin), die mit ihren schützlichen rotkäppchen angeschaut hat.
als der böse wolf zum wiederholten mal auf die bühne kam, ist anscheinend ein kleiner junge aufgestanden und hat ganz wütend verkündet: "Böser wolf, du bist ein Ar*ch!"
ich bin ja echt froh, dass ich da nicht den bösen wolf gespielt habe, ich hätte soooooo gelacht^^
Zefira (19.07.2012, 23:41):
Was die Zauberflöte betrifft, warte ich immer darauf, dass in Papagenos Erhängeszene eine Frau im Publikum "hier" ruft ...

Ist doch sicher schon vorgekommen, oder?

Grüße von Zefira
Ingrid (20.07.2012, 00:10):
Traust Du Dich nicht? :D
Zefira (20.07.2012, 00:15):
Käme auf den Papageno an - wobei ich die Zauberflöte "live" bisher nur ausschnittweise von Unprofessionellen - meist Studenten - gesehen habe.

Bei Musikstudenten weiß ich mich mit Ü50 vornehm zurückzuhalten.

Bei Christian Gerhaher mit Dreadlocks und gelbem Strickpullover hätte ich "hier" gerufen! Aber den habe ich leider bloß im TV erleben dürfen.

Nachtgruß von Zefira
Zdenka Waldner (20.07.2012, 07:36):
Original von Zefira
Bei Christian Gerhaher mit Dreadlocks und gelbem Strickpullover hätte ich "hier" gerufen! Aber den habe ich leider bloß im TV erleben dürfen.

Nachtgruß von Zefira

ach mist, das hätte ich machen können... naja mit 11 denkt man vermutlich nicht an sowas^^

aber ich habs mir auch schon oft gedacht.

ich hab mal gehört, dass ein papagenosänger seine kleine tochter mit in die oper (zürich) genommen hat, die bei "papageno, sage du mir, was ist mit meinem freund?" laut und vernehmlic gefragt hat: "papa, warum sprichst du nicht mit ihr?"
Solitaire (20.07.2012, 08:10):
Original von Zefira
Was die Zauberflöte betrifft, warte ich immer darauf, dass in Papagenos Erhängeszene eine Frau im Publikum "hier" ruft ...

Ist doch sicher schon vorgekommen, oder?

Grüße von Zefira
Ich bin immer, wirklich IMMER kurz davor :D
Heike (20.07.2012, 08:52):
Bei Christian Gerhaher mit Dreadlocks und gelbem Strickpullover hätte ich "hier" gerufen!
LOL der hätte vermutlich anhaben können, was er will, da wäre ich immer in Versuchung!
Heike
Zdenka Waldner (20.07.2012, 11:22):
:D :D

ich hab eher nur mit dem gedanken gespielt, dafür sitze ich bei paminas selbstmordszene immer in den startlöchern, für den fall, dass so ein sängerknabe ein bisschen zu langsam ist o.O

lg zdenka
Hyacinth (20.07.2012, 13:56):
Bei Hans Peter Kammerer bin ich jedes Mal froh, dass niemand hier ruft und verfluche die drei Knaben, wenn sie den Strick fallen lassen :wink
Naja, sooo gemein bin ich ja nicht :J So lange er nicht wieder singt und nicht stirbt bin ich zufrieden...
Billy Budd (20.07.2012, 14:47):
Original von Hyacinth
Bei Hans Peter Kammerer bin ich jedes Mal froh, dass niemand hier ruft und verfluche die drei Knaben, wenn sie den Strick fallen lassen :wink
Naja, sooo gemein bin ich ja nicht :J So lange er nicht wieder singt und nicht stirbt bin ich zufrieden...
Das erinnert mich an eine Elektra-Vorstellung, in der Lippert den Aegisth völlig miserabel sang.
Ich kurz nach der Vorstellung: "Na, den Lippert hättens fünf Minuten früher umlegen müssen"
Ein Freund: "Oder besser richtig".
Billy :hello
Zdenka Waldner (20.07.2012, 14:59):
boa, ihr könnts schon ziemlich austeilen^^

ich mein ich kenn ihn nicht und ich finds lustig :D

lg zdenka
Billy Budd (20.07.2012, 15:03):
Der Lippert ist meistens mittelmäßig. Den Erik (da sprang er ein) hat er überraschend gut gemacht, aber sein Aegisth war völlig daneben. Er konnte nämlich weder den Text, noch die Noten und wenn eine Partie eh schon so kurz ist, geht das überhaupt nicht.
Billy :hello
Zdenka Waldner (20.07.2012, 15:10):
naja auch nicht, wenn die partie lang ist^^

ich sehs ja ein, wenn man ein paar fehler macht, wenn man kurzfristig einspringt (wie alexandra reinprecht in zürich), aber sonst...
Heike (17.10.2012, 23:59):
Also ich staune immer wieder, was es alles gibt: Heute waren links neben mir 2 gute Plätze frei, auf die sich kurz vor Beginn ein älteres Paar umsetzte. So weit so gut und gar kein Problem.
In der Pause setzte sich aber ein anderes älteres Paar genau dahin, sie hatten aber auch nicht diese Plätze gebucht. Dann kam aber auch Paar 1 zurück und wollte sich ebenso wieder dahin setzen, woraufhin sich ein lustiger Dialog entspann, etwa so:

Paar 1: Ah, sind das Ihre Plätze?
Paar 2: Nein wir haben uns nur hier hingesetzt.
Paar 1: Aber da sitzen wir.
Paar 2: Also Sie haben dafür die Karten?
Paar 1: Nein, aber wir haben zuerst da gesessen.
Paar 2: Aber jetzt sitzen wir da.
Paar 1: Das sehe ich, aber das sind unsere Plätze.
Paar 2: Aber Sie haben die doch nicht bezahlt.
Paar 1: Sie aber auch nicht. Und wir waren vorhin schon da.
Paar 2: Dann hätten Sie ben da sitzen bleiben sollen und nicht rausgehen

... usw.
Ich hätte mich schieflachen können, das war eine richtige psychologische Studie ala Loriot. Die Frauen hätten beide nachgeben wollen, aber die Männer häten das sicher endlos fortgesetzt. Ich konnte die Lage aber entschärfen, denn ich wusste 2 weutere freie Plätze rechts daneben..... :-)
Sachen gibts.
Heike
Zefira (07.11.2012, 23:50):
Ich bin gerade mal so richtig sauer.
Wir haben hier in Fulda einen Verein zur Förderung musikalisch hoch begabter Kinder.
Dieser Verein fördert u.a. Tobias und Andreas Feldmann, sowie ein paar weitere junge Leute aus unserer Umgebung. Nachdem Tobias Feldmann bekanntermaßen gerade in Hannover einen sehr wichtigen Geigenpreis abgeräumt hat, konzertierte er letzten Sonntag hier in Fulda mit dem gleichen Stück, das er (wenn ich es richtig behalten habe) im Semifinale in Hannover gespielt hat, einem Potpourri mit Melodien aus Carmen. Begleitet wurde er von einer sehr jungen, ebenfalls vom Verein geförderten Pianistin; außerdem spielten sein Bruder Andreas (die teuflisch schwere Bach-Chaconne d-moll) und noch einige andere junge Musiker; außer den Brüdern Feldmann keiner über zwanzig.

Der Grund, warum ich so sauer bin, ist dieser Artikel in der Fuldaer Zeitung. (Ich weiß nicht, wie lange er online sein wird.)

Man muss dazu wohl sagen, dass die Fuldaer Zeitung Konzerte von Nichtprofessionellen eigentlich immer über den grünen Klee lobt. Meine Tochter hat mehrere Jahre lang immer wieder in Konzerten der Schüler der Musikschule Fulda mitgewirkt. Auch unser Winfridia-Konzertchor besteht aus Laien, obwohl er auf sehr hohem Niveau arbeitet (Mimì könnte dazu sicher mehr sagen, wenn sie hier mitliest). Für mich sind solche Aktionen zunächst mal immer lobenswert, ganz unabhängig von der gebotenen Leistung. Es geht ja nicht um Vollprofis, die nach dem Prinzip antreten, dass sie unterhalb einer fünfstelligen Gage den Geigenkasten gar nicht erst aufmachen. Es geht um Leute, die noch im Werden sind.
Der 19jährige Maximilian Möller, der mein direkter Nachbar ist, wird von dem Verein nicht mal gefördert. Er war als Begleiter des Cellisten auf der Bühne und hat gerade mal ein paar Jährchen Klavierunterricht gehabt. Ob er nach dieser Zeitungskritik noch mal Lust hat, sich als Begleiter an den Flügel zu setzen, bezweifle ich.
Was meint ihr? Ich finde die Kritik total überzogen und entmutigend für die jungen Leute. Die Zeitungsleser, die in der Mehrheit von Musik wenig verstehen und gewohnt sind, dass Laienkonzerte gelobt werden, bekommen womöglich den Eindruck, dass der Verein für die Katz arbeitet.
Oder rege ich mich umsonst so auf?

Grüße von Zefira
Heike (08.11.2012, 20:22):
Naja, ich finde schon, dass man Kinder und Jugendliche grundsätzlich ermutigen soll und sich daher mit öffentlicher Kritik eher zurückhalten sollte (der Lehrer kann das ja unter 4 Augen durchaus relativieren). Aber wenn man so um die 20 ist, dann darf es sicher auch mal kritischer sein.

Was den Pianisten mit "gerade mal ein paar Jährchen Klavierunterricht" angeht, den darf man natürlich nicht mit denselben Maßstäben messen wie die geförderten Preisträger. Ich fürchte also, der Schreiber hat einfach nicht gewusst, dass da so unterschiedliche Kompetenzniveaus am Start waren?
Heike
Zefira (08.11.2012, 23:43):
Oh doch, das hat er gewusst, der ist nämlich selbst an unserer örtlichen Musikschule tätig (oder tätig gewesen; ich bin da nicht mehr ganz auf dem laufenden) und kennt die Schüler bzw. deren Eltern persönlich. Deshalb habe ich mich auch schon gefragt, ob da vielleicht irgendwelche Verwerfungen zwischen Eltern und Musiklehrern im Spiel sind, aber das werde ich mit Sicherheit nie erfahren.
Der erste Absatz der Kritik ist auch so eigenartig formuliert ... aber vielleicht sehe ich auch schon Gespenster ...
Selbstverständlich war das Niveau bei den jungen Musikern unterschiedlich; es ist ganz klar, dass Tobias Feldmann, der in Berlin Geige studiert, auf einem anderen Level spielt als eine Fünfzehnjährige, die noch zur Schule geht und nebenher Geige lernt. Ebendeshalb passt es mir auch nicht, wie hier anscheinend alle über einen Kamm geschoren wurden.
Ich werde jedenfalls weiterhin zu diesen Konzerten hingehen, aber hinterher keine Zeitung mehr lesen :haha

Schnupfengruß
Zefira
Heike (09.11.2012, 08:28):
Ja, den ersten Absatz würde ich durvchaus als versteckte Unzufriedenheit (oder Besserwisserei?) lesen, besonders den Teil mit der Verantwortung. Das ist nämlich nicht anerkennend, sondern mahnend formuliert.
Wenn ihr den Schreiberling kennt, wieso fragst du nicht einfach bei ihm mal nach, ob er sich dabei was spezielles gedacht hat oder euch was mitteilen wollte?
Ich finde nicht, dass man in Lokalzeitungen Kritiken einfach ignorieren sollte, die anderen lesen die nämlich auch und werden ja davon beeinflusst.
Heike
Zefira (09.11.2012, 10:00):
So gut kenne ich ihn nicht; ich sehe ihn zwei-, dreimal im Jahr bei Konzerten, dann grüßen wir uns.
Als Mimí noch in der Musikschule unterrichtet wurde, sind wir uns öfter dort begegnet, aber das ist ja Jahre her.

Ich finde nicht, dass man in Lokalzeitungen Kritiken einfach ignorieren sollte, die anderen lesen die nämlich auch und werden ja davon beeinflusst.

Genau das ist auch mein Problem - wer selbst in dem Konzert war, hat sich ja ohnehin eine eigene Meinung gebildet; aber die Kritik lässt die Arbeit des Vereins irgendwie zweifelhaft dastehen.
Zumal, wie gesagt, normal die Zeitungskritiken zu solchen Veranstaltungen bei uns fast immer grundsätzlich positiv sind.

Grüße von Zefira
Heike (14.01.2014, 07:59):
Gestern im Kammermusiksaal:
Les Violons du Roy, Bernard Labadie mit Magdalena Kožená
(musikalisch war es ein sehr gutes Konzert).

Aber was in diesen Thread gehört: Die Mrs. Rattle, also Frau Kožená, trug ein atemberaubend schönes Abendkleid, wahrlich ein Meisterstück der Designer: azurblau, ganz leichter, fließender Stoff, teilweise körperbetont, teilweise vollkommen natürlich fallend; Traum. Aber: Keine einzige Frau mit kleinen Figurproblemen würde sowas anziehen, zumal man den Schnitt des Kleides mit ganz wenigen Handgriffen so perfektionieren könnte, dass es perfekt kaschiert hätte.

Fazit: ich tippe mal ganz stark auf schwanger. Das sah mir doch seeeehr so aus.
Wer weiß was?

Simon Rattle saß übrigens samt Sohn andächtig im Publikum. Dass er für seine schöne Frau und den Dirigenten die Blumen beim Abgang eingespart hat - mehr als schade.
Jan Van Karajan (18.12.2020, 14:08):
Zeit, diesen Faden wieder mit Leben zu füllen:
In den Jahren 2017, 2018 und 2019 haben wir Silvester mit einem befreundeten Ehepaar verbracht. Ich wurde von dem Ehemann stets eingeladen, mit ihm im Kino das Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker anzusehen. Da ich meine Familie schonen wollte, nahm ich das Angebot natürlich dankend an. Es ist ohnehin schon schwer, eine Begleitung zu finden, wenn die Familie klassische Musik nicht mag und der Freundeskreis sehr klein ist. Und aufzwingen mag ich das dann natürlich auch nicht. Also fuhr ich mit ihm voller Vorfreude ins Kino. Auf dem Weg bat er mich stets, etwas über "meine" Musikrichtung zu erzählen, was ich dann auch tat und Programm und Interpreten so gut es eben ging erläuterte. Im Kino natürlich lauter Rentner, sodass wir beide ordentlich den Altersschnitt nach unten zogen ;) . Im Saal habe ich dann Eispralinen bestellt, um meinen Hunger möglichst leise stillen zu können :D . Das höfliche Angebot, ein Popcorn spendiert zu bekommen, war zwar nicht ernst gemeint, aber ich habe trotzdem abgelehnt :D . Während des Konzerts musste ich meinen Begleiter allerdings mehrfach anstupsen, da er die ruhigen Passagen im Reich der Träume verbrachte :J . Aber gefallen hat es mir trotzdem :D .
Grüße
Jan :hello
Sfantu (13.02.2022, 15:58):
Das mit dem Einnicken ist, glaube ich, ein Klassiker.
Und irgendwo auch menschlich, oder? Dementsprechend angsterfüllt sehe ich langen Rapporten oder sonstigen Sitzungen direkt nach der Mittagspause entgegen. Und umgekehrt nehme ich es Teilnehmern meiner eigenen internen Fortbildungen, die ich regelmäßig für neue Ärzte und Pflegekräfte in unserer Klinik halte, nicht krumm, wenn sie ein Gähnen unterdrücken (natürlich immer in der Hoffnung, daß es an der Länge des Vortrags oder am Mittagsloch liegt und nicht an mir ?( :P ).
Kurz vor dem ersten Lockdown, Anfang 2020, war ich im Konzert ebenfalls von zwei "Abwesenden" eingekesselt: links neben mir jemand, den ich altersmäßig bei meinen Eltern vermuten würde (sie sind beide Anfang 90). Ich nehme an, ein Mitglied der besseren Gesellschaft der Stadt, bei dem es Teil des Outfits ist, ein Abo für das Berner Sinfonieorchester zu haben. Bei jedem unsicher-zittrigen Trippelschritt auf seinen Sitz zu oder weg davon zuckten unwillkürlich meine Arme in seine Richtung um einen etwaigen Sturz abzufangen. Er nickte an dem Abend mehrmals ein. Der Andere zu meiner Rechten war mein junger Kollege, der gerade die ersten Erfahrungen mit Kunstmusik sammelt. Er ist leicht esotherisch angehaucht. Drum saß er mit Ausnahme der Pause wie eine Statue da: kerzengerade, breitbeinig, die Arme mit den nach oben zeigenden Handflächen auf den Oberschenkeln abgelegt und die ganze Zeit mit geschlossenen Augen.
Zwar fand ich es amüsant, inmitten dieses Panoptikums zu sitzen. Das Konzert war allerdings fesselnd genug, um das nur ganz am Rande mit wahrzunehmen.
Cetay (14.02.2022, 02:38):
Ich gehorte selbst mal zu den Nickerchenmachern. In einer Phase, in der gerade Suks Asrael-Sinfonie bei mir angesagt war, kam das SWF-Orchester mit Michael Gielen vorbei und hatte Ein Sommermaerchen im Gepeack. Das war vor der Zeit, in der man erst mal im Internet reinhoeren konnte, also ging ich 'blind' rein und habe es bitter bereut. Ich empfand das als unfassbar droege und vom Programmzettel wusste ich, dass das 45 Minuten dauert - das war das Einschlafen reine Notwehr.