Konzertführer - Einführungen - Verführungen

Peter Brixius (21.05.2015, 14:53):
Ich nehme gerne die Einladung an, einen Thread über Konzertführer zu eröffnen. Unterschiedlichste Werke dürfen sich hier treffen, unterschiedlichste Erfahrungen sind erwünscht. Ich kann mir das Provozieren ja nicht so ganz verkneifen, deshalb beginne ich mit

Reclams Konzertführer
von Hans Renner
4. Auflage 1959

Die erste Auflage erschien 1953, es ist wohl der erfolgreicheste Konzertführer, nicht zuletzt wegen seines Formats. Denn die Größe ist die von Reclamheften, nur die Dicke macht einen Leineneinband vorteilhaft. Auf fast 1000 Seiten findet man 600 Einführungen, dazu 450 Notenbeispiele. Ich halte Notenbeispiele (meist einstimmig, es werden Themen angegeben) für sehr nützlich, wo sie nicht beigegeben werden, fehlt mir etwas. Zu den Besprechungen gehört in der Regel die Angabe, wie lange das Stück dauert.

Die Einführungen werden mehrfach ergänzt: Es gibt musikgeschichtliche Überblicke, den Werken werden "Lebensbilder" vorangesetzt, zu den Lebensbildern gehören auch Artikel mit stilkritischen Informationen. Was in diesem Werk allenfalls fehlt, sind Bilder, doch habe ich sie nicht vermisst. Renners Selbstanpreisung im Vorwort zur vierten Auflage lautet

Das Buch wendet sich an alle Freunde der Musik. Es beschäftigt sich möglichst umfassend, vorurteilsfrei und allgemeinverständlich mit den zur Zeit in Konzerten und vom Rundfunk gebotenen Meisterwerken von den Anfängen neuzeitlicher Orchestermusik bis zur Gegenwart. Auch seltener zu hörende, musikgeschichtlich wertvolle Arbeiten und umstrittene Beiträge avantgardistischer Natur wurden berücksichtigt. (S. 5)

Hier findet man die klassische Definition eines Konzertführers, der Bezug auf den Raum, in dem man Musik begegnet, die Kriterien der Auswahl, die Anforderungen an die Darstellung. Wenn eben dieser Konzertführer im Laufe der Zeit in heftige Kritik geriet, so lag es nicht zuletzt daran, dass diese Anforderungen nicht so erfüllt wurden, wie man es hätte erwarten können. Nicht zuletzt wurden die Darstellungen von Gustav Mahler und Dimitrj Schostakowitsch zunehmend bemängelt. Dies ist in der gegenwärtig gehandelten Auflagen längst korrigiert, aber der Blick zurück schärft auch das Auge für Gegenwärtiges.

Auch wenn der Versuch unternommen wird, möglichst sachlich zu schreiben, erweist sich die Diktion doch in Teilen hochpathetisch:

Bei der Betrachtung der Großen wird der Blick stets von der Vergangenheit unserer Gegenwart zugewendet, wird versucht, die innere Gesetzmäßigkeit einer ununterbrochenen Entwicklung nachzuweisen, die das Schicksal der Musik im Einklang mit dem gewaltigen Pendelschlag der Menschheit zeigt.

Ich halte zunächst fest: Das Werk geht von Meisterwerken aus, denen man im Konzert oder im Rundfunk begegnet. Voraussetzung der Auswahl ist weiterhin der Wert der Komposition, ergänzt (?) wird es durch umstrittene avantgardistische Werke. Die Geschichte der Musik (man darf präzisieren: der Musik des abendländischen Kulturkreises) wird von einer inneren Gesetzmäßigkeit bestimmt, die Zugehörigkeit eines Werkes zu dieser Gesetzmäßigkeit soll nachgewiesen werden, sie wird in der Regel unterstellt.

Spätere Werke werden sich nicht mehr mit so vielen Voraussetzungen belasten: Hier ist auf jeden Fall ein konzises Werk entstanden, das - und das möchte ich am Ende meines ersten Beitrags nicht vergessen - immerhin noch erträglich in einer Jackentasche zum Konzert mitgenommen werden konnte.

Der erste Beitrag betrifft nun Bach, ich möchte ihn mir gerne exemplarisch ansehen.

Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (21.05.2015, 15:06):
Ein interessanter Beitrag!


Original von Peter Brixius
Auf fast 1000 Seiten findet man 600 Einführungen, dazu 450 Notenbeispiele. Ich finde Notenbeispiele (meist einstimmig, es werden Themen angegeben) sehr nützlich, wo sie nicht beigegeben werden, fehlt mir etwas.

So geht es mir natürlich auch; hast du den Eindruck, dass die Notenbeispiele auch "wichtig" sind, weil sie etwas bestimmtes hervorheben, zeigen wollen, oder werden sie auch mal "einfach so" verwendet?


Auch wenn der Versuch unternommen wird, möglichst sachlich zu schreiben, erweist sich die Diktion doch in Teilen hochpathetisch:

Bei der Betrachtung der Großen wird der Blick stets von der Vergangenheit unserer Gegenwart zugewendet, wird versucht, die innere Gesetzmäßigkeit einer ununterbrochenen Entwicklung nachzuweisen, die das Schicksal der Musik im Einklang mit dem gewaltigen Pendelschlag der Menschheit zeigt.


Auweh, ja, da hätte ich so meine Probleme damit. Ich bin gespannt ob in den Beschreibungen der Werke selber auch sowas vorkommt.




LG,
Hosenrolle1
Peter Brixius (21.05.2015, 15:12):
Lieber hosenrolle1,

als ich noch nicht unter die Partiturleser gegangen war, nahm ich mir diese Notenbeispiele im Gedächtnis mit, um sie wiederzuerkennen und ihre Veränderungen wahrzunehmen. Es war für mich eine wichtige Information, um ein Musikstück nicht nur zu erleben, sondern auch die Struktur nachzuvollziehen. Ich spielte die Beispiele gerne auf einem meiner Instrumente, weil sie sich mir so besser einprägten. Ob ich lese "Am Anfang steht eine Fanfare" - oder ich auch die Fanfare in den Noten sehe, also sehe, wie sie gemacht ist, war für mich der entscheidende Unterschied.

Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (21.05.2015, 15:20):
Original von Peter Brixius
Ich spielte die Beispiele gerne auf einem meiner Instrumente, weil sie sich mir so besser einprägten.

Das kann ich aus eigener Erfahrung (aktuell: D810 von Schubert) nur bestätigen!




LG,
Hosenrolle1
Peter Brixius (22.05.2015, 14:05):
Mit Johann Sebastian Bach beginnt die personenbezogene Werkvorstellung. Die Bedeutung, die Renner diesem Komponisten beimisst, zeigt sich schon in den immerhin 14 Seiten, die den einzelnen Werken vorgeschaltet sind. Man findet hier eine umfassende Einschätzung von Komponist und Zeit, dazu werden auch Zeitgenossen genannt und kurz charakterisiert. Renner beschränkt sich dabei nicht auf die Orchestermusik. Die vorzufindenden Urteile sind allerdings (zeitgebunden) traditionell. Nachdem das Monumentale als ein Charakteristikum der Zeit ausgemacht worden ist, werden die Musikländer betrachtet:

In Italien erhob man die absolute Schönheit der Form selbst zum Maß des Formenden. Man verherrlichte dort das Ästhetische an sich.
Völlig anders wurden in Frankreich übergroß gesehene Menschen, Helden der Waffen, der Liebe, des Opfers, wohl auch große Schurken Gegenstand der Verherrlichung.
England hielt sich in der Thematik an allgemeine moralische Grundsätze. Man sah sie dort verkörpert in den alttestamentlichen Heroen.
Deutschland hatte dem nur entgegenzusetzen: seine strenge Kirchenmusik! (S. 13)

Da gibt es viel zu diskutieren, aber solche Orientierungen sind immer sehr pauschal. Insgesamt ist der Autor vor allem von Oratorium und Oper bei seinen Überlegungen ausgegangen, also Musikformen, die durch die Verbindung mit dem Text solche inhaltlichen Zuordnungen zulassen. Dass aber der Versuch unternommen wird, finde ich recht mutig. Nur - hilft es dem Benutzer des Konzertführers? In einem doch sicher: Es werden größere Zusammenhänge hergestellt, Zeitstile und -moden benannt, eine Erwartungshaltung geweckt, die im Folgenden differenziert werden kann.

Dagegen scheint einem die Werkvorstellung ein wenig schmalbrüstig einherzukommen, sie umfasst bei Bach 11 Seiten, 3 1/2 widmen sich allein den Brandenburgischen Konzert. Als Beispiel einer Einführung zitiere ich die zum 6. Brandenburgischen Konzert, die relativ kurz ausfällt.

Das sechste Brandenburgische Konzert in B-Dur wird nur selten gespielt. An musikalischem Wert steht es den anderen nicht nach. Aber die altertümliche Besetzung für 2 Bratschen, 2 Gamben, Cello, Kontrabaß und Cembalo steht seiner Verbreitung im Wege. Die strahlenden Geigen fehlen, die Alt- und Basslage der Streicher dominiert. Bläser gibt es nicht. Doch gerade die herbe Instrumentierung gereicht dem Werk zum Vorzug. Geheimnisvoll verhangen, mittelalterlich dunkel wirkt sein seltsames Klangbild. - Spieldauer 20 Minuten (S. 26).

Insgesamt, finde ich, eine gute Einführung, die auf das Werk nicht nur aufmerksam macht, sondern gespannt. Besetzungsangabe und Länge geben gute Vorinformationen, die Charakteristik ist weitgehend treffend ("mittelalterlich dunkel" trifft auf meinen entschiedenen Widerspruch). Hier gibt es kein Notenbeispiel. Bei mir ist auf jeden Fall damals gleich der Funke übergesprungen, es gehört auch heute noch zu meinen Lieblingskonzerten der BK.

Die Violinkonzerte werden auf einer Seite abgehandelt. Mir fällt dabei auf, dass die BWV-Nummern fehlen, aber die waren damals noch nicht eingeführt, die große Bach-Ausgabe war noch im Entstehen. Genannt werden das a-moll Konzert, das E-dur Konzert und das Doppelkonzert d-moll. Auf zweieinhalb Seiten folgen dann die Klavierkonzerte.

Notenbeispiele gibt es dann wieder bei den Orchestersuiten, die ausreichend behandelt werden. Am Ende des Bach-Kapitels steht "Die Kunst der Fuge" auf anderthalb Seiten mit einem umfangreichen vierstimmigen Notenzitat (Beginn der Schlussfuge).

Zusammenfassend lässt sich sagen. Ausgangspunkt und Auswahlkriterium ist die aktuelle Rezeption im Konzertleben. Über einen Eingangsessay (den gibt es in dieser Breite und Tiefe bei wenigen Komponisten) wird die Gedankenwelt Bachs und seiner Zeit vermittelt. Die Werkangaben bringen in der Regel die Besetzungen und die Dauer der Stücke. Die Stücke selbst werden charakterisiert. Diese Darstellungen spiegeln den damaligen Stand der Rezeption wider.

Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (22.05.2015, 15:43):
Um mal einen unmittelbaren Vergleich zu bieten, greife ich zu meinem Lieblingskonzertführer der letzten Jahre. Vorstellen will ich ihn später. Das nur vorausgeschickt: Vor dem Bach-Artikel kommt ein 5-seitger Beitrag über "Sinfonia und Concerto", also den wichtigsten Orchesterformen des Barock. Es folgt ein Beitrag über Vivaldi.

Der Bach-Artikel umfasst 9 Seiten, verfasst von Klaus Peter Richter. Csampai/Holland sind die Herausgeber, die Autoren werden jeweils bei den Artikeln genannt, die in der Regel einen Komponisten behandeln.

Der Einzeldarstellung geht ein anderthalbseitiger Beitrag voran, bei der die barocken Formen Konzert, Suite und Triosonate vorgestellt werden. Eine geisteswissenschaftliche Einordung findet nicht statt. Insgesamt ist der Text deutlich sachbezogener gehalten.

Der erste Werkkomplex sind nun die Brandenburgischen Konzerte (BWV 1046-1051). Sie werden kurz charakterisiert als "eine Art 'Gemeinschafts-Spielmusik' ohne festen Tutti-Soli-Kontrast" (S. 29). Die sechs Konzerte werden auf anderthalb Seiten kurz vorgestellt. Notenbeispiele sind nicht beigefügt. Die ausführlichste Vorstellung betrifft das sechste Brandenburgische Konzert:

Das sechste Konzert (B-dur) schließlich zielt mit einer ausschließlich aus Streichinstrumenten der tiefen Lagen bestehenden Besetzung von Bratschen, Gamben, Violoncello auf ein ganz ungewöhnlich sonorverdunkeltes Klangbild ab. Die Wahl dieses, zu BACHS Zeit schon veralterten Instrumentariums wurde möglicherweise in Hinblick auf eine Mitwirkung von Fürst Leopold von Anhalt-Köthen an der Gambe getroffen. Es unterstützt auf jeden fall die Annahme, dass es sich hier um das älteste Konzert der Gruppe handelt, mit einer Entstehungszeit vor oder um 1718.

Auch wird das Instrumentarium angegeben (ohne die Continuogruppe), die Charakterisierung zielt nun ausschließlich auf das Klangliche. Vermutungen zu Anlass und Entstehungszeit werden geäußert.

Hilft dies nun mehr, informiert es besser, motiviert es den Leser, das Werk zu hören? Detailangaben gehören mE in einen spezifischen Werkführer, deshalb finde ich die Überlegung mit Fürst Leopold überflüssig. Die Länge des Werkes wird nicht angegeben.

Die folgenden Artikel beschäftigen sich mit den Violinkonzerten (BWV 1041-1043), im Umfang vergleichbar mit dem Renner. Nun folgen die Cembalokonzerte (wohl die richtigere Bezeichnung gegenüber dem 1959 noch üblichen Begriff) auf etwas mehr als eine Seite. Die Orchestersuiten sind auf anderthalb Seiten abgehandelt, Richter geht vor allem auf die 2. Suite ein, sicher eine Rücksichtnahme auf die Popularität des Stückes. Am Ende steht ein andrethalbseitiger Beitrag über das Musikalische Opfer (BWV 1079) und die Kunst der Fuge (1080). Das Musikalische Opfer wird so vorgestellt

Ausgenommen die Triosonate als "Hommage" an den Flöte spielenden König, samt einer Reverenz vor dem neuen Stil der "Empfindsamkeit" in den prononcierten Seufzerfloskeln des zweiten und dritten Satzes, zeigt das Werk sonst alle Merkmale des BACHSCHEN Spätstils: die gelehrten kontrapunktischen Kanonkünste älterer Zeiten, das Ausloten eines einzigen Themas in allen Aspekten und den konzentrierten Charakter einer Sammlung von vollendeten Exemplen. Eine verinnerlichte, aber geschliffene Kammermusik - die letzte, die BACH einem Herrscher dieser Welt widmete. (S. 35)

Positiv finde ich, dass das MO nun genannt wird, aber begeistert die Schilderung wirklich zum Hören?

Liebe Grüße Peter
Amonasro (22.05.2015, 17:07):
Hallo,

ich möchte nur sagen, dass ich das Thema "Konzertführer" sehr interessant finde; insbesondere da ich selbst keinen besitze, aber schon das ein oder andere Mal damit geliebäugelt habe, mir einen zuzulegen.

Gruß Amonasro :hello
Peter Brixius (23.05.2015, 13:16):
Kann man es einem Konzertführer zum Vorwurf machen, dass er zeitbedingten Urteilen folgt? Ich meine schon in Fällen, wo ein unvoreingenommenes Hören vielleicht anderes als die geltende Meinung mitteilen konnte. Als Beispiel für eine solche - aus unserer Sicht - Fehlbeurteilung, ziehe ich nun Renners Kapitel über Robert Schumann heran.

Mit 25 1/2 Seiten ist der Komponist gut repräsentiert, der Werkbesprechung geht eine ausführliche 11-seitige Würdigung voraus. Doch an einer Stelle meldet sich bei mir deutlicher Widerstand

Die Schaffenskurve in Schumanns Leben verläuft bis etwa 1848 mit Unterbrechungen aufsteigend und sinkt dann mitzunehmender Erkrankung in der Düsseldorfer Zeit nach der "Rheinischen Sinfonie" ins Schrullige, Graue, erschütternd ab. (S. 261)

Es sind die beiden Vorurteile, die heute noch hin und wieder auftauchen, damals aber Gültigkeit zu besitzen schienen: Das Unverständnis mit der Kompositionsweise des späten Schumann, die man hier lesen kann, und der Vorwurf, dass Schumann Instrumentationen den Anspruch nicht erfüllen. Diese Vorurteile begegnen einem auch in den Werkbesprechungen.

Die 1. Sinfonie B-dur wird auf zweieinhalb Seiten schön und ausführlich besprochen. Mich freuen allein schon die fünf Notenbeispiele. Bei der Besprechung der zweiten Sinfonie von 1846 liest man folgendes Verwunderliche:

Das Finale (Allegro molto vivace) sinkt wieder ab. Das Aufgebot an Themen unter Einbeziehung von solchen aus den Vordersätzen lässt erkennen, dass Schumann Höchstes plante. Aber die Gestaltungskraft steht in keinem Verhältnis zum Wollen. Die Rhythmik entbehrt des Schwunges. Leere Wiederholungen ermüden. Die Themen sind wertmäßig ungleich und stammen zum Teil aus zweiter Hand. Die lärmende Fröhlichkeit des Hauptthemas, das wie ein Marsch daherkommt, wirkt gewollt. Doch es gibt auch Stellen, aus denen Musik, zu Herzen gehende Musik urplötzlich sich förmlich losringt. Sie erschüttern. Denn die Anzeichen des Verfalls ringsum treten durch sie um so krasser in Erscheinung. (S. 267)

Ja, erschütternd finde ich das schon. Wie da eine Erwartung einem Kunstwerk übergestülpt wird, dieses dann herabgesetzt wird, weil die eigenen Erwartungen nicht eintreffen. Und so geht die Herabsetzung des Komponisten weiter. Zur 3. Sinfonie liest man:

Schumann wollte mit ihr bewusst dem rheinischen Frohsinn huldigen. Wer die Rheinländer kennt, hat gleich heraus, dass zwischen ihrer Lebensart und der des kranken Träumers Welten klaffen. Gleichwohl, heiter ist diese Sinfonie. Aber ihr "Frohsinn" hat nichts mehr von dem jubelnden Überschwang und der närrischen Verliebtheit seiner "Frühlingssinfonie". Die Heiterkeit ist gläsern, der Geist schwerfällig geworden. (S. 267)

Manchmal glaubt man zu hören, was man erwartet. Ich höre die "Rheinische" auf jeden Fall anders. Aber subjektive Wertung gehört selbstverständlich in einen Konzertführer. Nur: Gerecht wird man Schumann auf diese Art und Weise nicht.

Die Vierte wird ausführlicher und positiv besprochen, auch hier erfreuen mich die sechs Notenbeispiele. Es folgt eine halbseitige (positive) Würdigung von Ouvertüre, Scherzo und Finale op. 52. Auch die Manfred-Ouvertüre wird als genial und erschütternd charakterisiert. Doch die Schauspielmusik wird abgelehnt:

Man hat versucht, das ganze Werk (außer der Ouvertüre = Gesänge, Melodramen, eine Zwischenaktsmusik, ein Requiem etc.) wieder zu beleben. Doch das scheiterte an der unlöslichen Verkoppelung mit Byrons dramatischen Gedicht, das dem heutigen Zeitempfinden in seiner weltschmerzlichen Zerrissenheit und krankhaften Phantastik zu fern steht. (S. 273)

Dem heutigen Zeitempfinden kommt die Schauspielmusik wohl entgegen, wie die Zahl der erfolgreichen Aufführungen zeigt.

Das Klavierkonzert a-moll op. 54 wird wohl unwidersprochen als eines der Hauptwerke Schumanns gewürdigt. Über vier Seiten mit fünf Notenbeispielen findet man eine schöne Einführung ins Werk.

Der Rest des Oeuvre findet auf einer halben Seite Platz. Dabei findet man zum Violinkonzert folgendes:

Dem Klavierkonzert hat Schumann nichts Gleichwertiges an die Seite zu stellen. Sein Violinkonzert aus dem Jahre 1853, das erst 1937 öffentlich zur Diskussion gestellt wurde, vermochte sich ebensowenig durchzusetzen wie die etwas äußerliche Fantasie für Violine und Orchester, Werk 131. Beide Arbeiten entstanden kurz vor Schumanns geistigem Zusammenbruch und tragen deutliche Zeichen des Niedergangs. - Violinkonzert Spieldauer 28 Minuten. (S. 277)

Das Violinkonzert, das 1937 Mendelssohns Meisterwerk ersetzen sollte, was es nicht konnte, wurde seit Clara Schumann als minderes Werk angesehen. Heute steht man der Komposition doch freundlicher gegenüber.

Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (30.05.2015, 17:06):
Um es vorweg zu sagen: Hollands Beitrag zum Violinkonzert von Schumann ist begeisternd. Ausführlich wird das Entstehen des Werkes dargestellt, dann auch das Rätselhafte seiner Ablehnung. Joachim wollte das Werk aufführen, da stieß sich Clara an dem Polonaisencharakter des Finales und bat Joachim um eine Umarbeitung des letzten Satzes. Joachim lehnte ab, das Werk wurde nicht in der Gesamtausgabe veröffentlicht. 1854 noch hatte Joachim das Werk akzeptabel gefunden und keine Mängel gesehen. Nun meint er: Es muss leider eben gesagt werden, dass eine gewisse Ermattung, welcher geistige Energie noch etwas abzuringen sich bemüht, sich nicht verkennen lässt..

Das Werk verschwindet in den Untergrund, ruht in der Preußischen Staatsbibliothek. Zwei Nichten Joachims wollen in den 30ern vom Geist Schumanns erfahren haben, das Violinkonzert müsse unverzüglich veröffentlicht werden. Yehudi Menuhin kümmert sich um das Werk und setzt sich für die Aufführung ein. Doch unter dem Nazi-Regiment darf das der Jude Menuhin nicht tun. Am 26. November 1937 spielt Georg Kulenkampff unter dem Dirigat von Karl Böhm - allerdings nicht in der Menuhin-Bearbeitung, sonden in einer etwas entstellenden von Hindemith. Hindemith ist zu dieser Zeit auch verpönt. Sein Name darf nicht genannt werden.

Der Artikel Hollands bringt kluge Analysen der Hindemithschen Bearbeitung und vor allem eine begeisternde Schilderung der kompositorischen Abläufe von Schumanns Komposition. Es ist eben das, was ich an diesem Konzertführer schätze: eine professionelle und engagierte Einführung in die Musik, die einen danach lechzen lässt, das Werk zu erleben.

Zusammengefasst: Trotz des Verdikts durch Clara Schumann und Joseph Joachim scheint es nicht gerechtfertigt, das Violinkonzert zu missachten, wie es bis heute geschieht.

Zweieinhalb Seiten zu dem Violinkonzert - und keine Zeile zuviel. Einer der Gründe, warum ich gerne diesen Konzertführer empfehle.

Liebe Grüße Peter
uhlmann (01.06.2015, 19:47):
Ein netter Konzertführer ist imo Der große Konzertführer des Verlags Bassermann aus dem Jahr 2000.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51RG4DXXCJL._AA240_.jpg

Auf knapp 650 Seiten finden sich alle wesentlichen Komponisten, dazu eine schöne Auswahl unbekannterer und für einen Konzertführer erstaunlich viele moderne.

Der Rezensent auf Amazon hat es schön ausgedrückt: "Was ihn überdies sympathisch macht, ist die Tatsache, dass er nicht - wie die meisten Mitbewerber - versucht, den Notentext in Prosa nachzuerzählen - m. E. ein freud- und fruchtloses Unterfangen, sondern sich eher darauf konzentriert, Komponist und Werk (nicht nur musik-)geschichtlich einzuordnen und zu charakterisieren."

Persönlich finde die Artikel großteils sehr gelungen. Sie sind nett zu lesen und wirken bei aller sachlicher Info doch nicht trocken.

Als Bonus gibt es hinten kurze Artikel zu den wichtigsten Orchestern und einflussreichen Dirigenten. Gerade diese Sektion hat mir anfangs richtig Spaß gemacht - das Buch war städiger Gast am stillen Örtchen :wink.
Schön finde ich auch, dass bei den einzeln besprochenen Werken immer auch diskografische Emfehlungen dabei sind. Das Buch ist imo für Einsteiger und auch interessierte Fortgeschritte zu empfehlen. Aus der selben Reihe gibt es noch einen schönen Opern- und einen Schauspielführer.
Peter Brixius (03.06.2015, 11:52):
Ich habe mir nun aus der Musikbibliothek den neuen Reclam Konzertführer ausgeliehen - und der hat noch äußerliche Ähnlichkeiten zu dem besprochenen Renner-Werk. Auf 1142 Seiten findet man ebenso die Verbindung einer Musikgeschichte durch die epocheumfassenden Essays, der Darstellung eines Komponisten und der Einführung in ausgewählte Werke, ein mE wünschenswertes Konzept. Nur: alles ist neu geschrieben, auf dem Stand der Dinge und mit dem Engagement, das für die einzelnen Werke wirbt, das ich mir so sehr wünsche. Wie im Vorwort zu Recht bemerkt: Unter dem alten, seit Jahrzehnten eingeführten Titel wird ein völlig neues Buch vorgelegt.

Vor dem Artikel zu Bach findet man eine Anzahl von Kurzdarstellung barocker Komponisten und ihrer Werke. Es folgen Artikel zu Telemann und Händel. Johann Sebastian Bach umfasst 32 Seiten. Am Anfang steht eine ausreichende biografische Notiz. Es folgt eine kurzgefasste Gesamteinschätzung seines Werks. Dort findet man

Man hört sehr oft die Meinung, Bach sei kein Revolutionär gewesen, sondern eher ein Vollender, der seine Epoche noch einmal auf meisterhafte Weise zusammenfasste. Das ist eine zumindest einseitige Sicht: statt vom "Revolutionär" sollte man besser vom "Neuerer" und "Pionier" Bach sprechen.

In dem Zitat finde ich gut den Unterschied zu Renner 1952 formuliert. Die Brandenburgischen Konzerte werden deutlich ausführlicher als beim Vorgänger besprochen. Satzbezeichnung werden immer vollständig angegeben. Es fehlen auch die Angaben zur Besetzung nicht. Auf einer ganzen Seite wird das 6. Konzert vorgestellt. Um eine Probe der gelungenen Beschreibung zu geben:

Im Es-Dur-Adagio (ma non tanto) verschlingen sich die beiden kontemplativen Melodielinien der Bratschen: das Violoncello stützt das Oberstimmenduett zunächst durch eine schreitende Viertellinie, deren Kerntöne der Generalbass in halben und ganzen Noten beisteuert.

Für das Verständnis wird musikalisches Grundwissen vorausgesetzt, ist dieses vorhanden, findet man eine dem musikalischen Geschehen nahe Beschreibung, die dem Hörer hilft, das Werk geistig zu durchdringen.

Ich hätte nicht reinschauen sollen, jetzt ist der Konzertführer tatsächlich auf meine Einkaufsliste gehüpft.

Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (03.06.2015, 20:13):
Aus der Musikbibliothek schleppte ich auch den Harenberg Konzertführer, ein wahrlich gewichtiges Werk, das man nicht notfalls in der (Jacken-)Tasche ins Konzert mitnehmen kann, wie den von Reclam. Die Konzeption ist deutlich auf den CD-Hörer ausgerichtet: 600 Werke von 200 Komponisten, dazu 800 CD-Empfehlungen. Parallel zu dem Führer gibt es eine CD-Box mit Werkausschnitten, auf die im Nachschlagewerk hingewiesen wird. Aus dem Vorwort erfährt man:

Das Prinzip, Musik nicht nur zu beschreiben, sondern auch visuell und akustisch erfahrbar zu machen, ist ein Grundanliegen der "Harenberg Kulturführer".

Es gibt also keine Notenbeispiele, dafür aber eine "Verzahnung" mit einer Anthologie von Sinfonie- und Konzertsätzen. Das aufwendige Papier bietet die Grundlage für eine reiche Illustration, das ist ein deutlicher Unterschied zu den von mir bisher besprochenen Konzertführern. Porträts von Komponisten, Bilder, die einem Werk zugeordnet werden können wie etwa das Titelbild einer Notenausgabe, Autographe, Programmzettel und CD-Cover, insgesamt eine opulente Gabe für den visuell Interessierten.

Eine musikgeschichtliche Anordnung, wie sie den Reclams Konzertführer zur anregenden Lektüre macht, gibt es hier nicht. Die Einträge sind in alphabetischer Reihenfolge der Komponisten. Im Anhang findet man eine chronologische Anordung. Die Zielrichtung wird so beschrieben

Die vollständigste Übersicht über das Orchesterrepertoire vermitteln jedoch nicht Konzertsäle, sondern CDs. Aus der Fülle der Aufnahmen hat das Fachmagazin FonoForum eine zuverlässige Auswahl von 800 CD-Empfehlungen getroffen.

Und da befinde ich mich im lebhaften Widerspruch. Ich habe, da ich mich für einen anderen Thread damit beschäftige, die Empfehlungen zu Bruckner angesehen - erklärungsbedürftig und lückenhaft. Hier ein kürzeres Beispiel. Bei Vivaldi "Quattre Stagioni" werden drei Aufnahmen genannt

1984 Nils-Erik Sparf (Violine), Drottningholm Baroque Ensemble
1987 Viktoria Mullova (Violine), Chamber Orchestra of Europa / Claudio Abbado
1992 Giuliano Carmignola (Violine) Sonatori de la g ioisa marca

Einzig bei Viktoria Mullova kann ich voll und ganz übereinstimmen. Aber keine Jahrhundertsaufnahme von "Giardino Armonico"? Bei Nils-Erik Sparf muss mir mal jemand weiterhelfen. Dass spätere Einspielungen nicht verteten sind, versteht sich beim Erscheinungsdatum des Führers. Das bestätigt mich aber in der Skepsis, was CD-Empfehlungen angeht: Zum einen - Nach welchen Kriterien wird ausgewählt? Wenn man nur ein wenig die Rezeptionsgeschichte berücksichtigt, sollten I Musici genannt werden, dann evt. noch Harnoncourt. Zum anderen - gerade der CD-Freund wird auch gerne aktuelle Aufnahmen vorfinden. Die findet er in einem Forum wie diesem unter "Was höre ich gerade jetzt", für mich ein integraler Teil eines lebendigen Klassikforums.

Ich werde mir in der Folge ausgesuchte Werke ein wenig näher besehen, wie ich es bei den anderen Konzertführern gemacht habe. Bachs 6. Brandenburgisches Konzert und Schumanns Violinkonzert sind da schon vorgemerkt.

Liebe Grüße Peter
Rotkäppchen (08.06.2015, 19:34):
Eigentlich soll es ja hier nur um Konzertführer gehen, aber der Beitrag zum Harenberg hat mich dazu gebracht, meinen Opernführer aus dieser Reihe (von 1995), der offensichtlich dem gleichen Konzept folgt (alphabetische Ordnung, mit CD-Box, mit CD-Empfehlungen, schweres Papier, reich bebildert etc.) nach langer Zeit mal wieder in Augenschein zu nehmen. Natürlich habe ich mich gefragt, warum ich den solange nicht angerührt habe und es liegt, wie so vieles, am Internet. In Vorinternetzeiten hatte ich damit viele vergnügliche und informative Stunden, habe mir auch von diesen 10 CDs, die dazugehören, dieses und jenes angehört. Aber irgendwie ist es jetzt damit vorbei und ich denke mit dem Konzertführer ginge es mir nicht anders: wenn Informationsbedarf besteht, wird Wikipedia oder Ähnliches befragt und auf youtube finden sich auch sicher Hörbeispiele, die einem vielleicht noch besser zusagen als die auf den Begleit-CDs des Harenberg. Ist das schade? Ich weiß auch nicht so richtig...

LG, Rk :hello
Peter Brixius (08.06.2015, 19:52):
Liebes Rk,

inzwischen habe ich Appetit darauf gekriegt, auch die diversen Opernführer vorzustellen. Da bin ich für Hilfe sehr dankbar. Ich denke daran, wie hier, zwei oder drei (oder mehr?) Opern und die Informationen, die man zu ihnen findet, zu vergleichen. Mir liegt da (natürlich) Glucks Orfeo als einer der Vergleichskandidaten im Sinn. Welche Opern könnte/sollte man für den "Zug durch die Gemeinde" dazu nehmen?

Liebe Grüße Peter
palestrina (08.06.2015, 21:26):
Na da kann ich ja mein Scherflein dazu beitragen.....
ganz zu Anfang möchte ich sagen, 80% der Opernführer können in die To... und schnell zu!
Aber, wer sich nur kurz , mit oder ohne Bildchen , informieren möchte , für den ist der Tisch reichlich gedeckt.
Der alles überragende ist der 5 Bände umfassende Ulrich Schreiber "Opernführer für Fortgeschrittene"
1.Von den Anfängen bis zur Franz.Revolution
2.Das 19.Jahrhundert
3.Das 20.Jahrhundert I , von Verdi u. Wagner bis zum Faschismus
4.Das 20.Jahrhundert II , Deutsche u.Ital.Oper nach '45/ Frankreich u. Großbritannien
5.Das 20.Jahrhundert III , Ost und Nordeuropa, Nebenstränge am Hauptweg, Interkontinentale Verbreitung
also alles was das Herz begehrt . Ich kann euch versichern, meine Bände sind ganz schön strapaziert! :wink

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41GNsYw-edL._SY350_.jpg

Apropos lieber Peter 23 Seiten Gluck, allein 6 Seiten Orpheus/Orfeo ! Leider nur Fußnoten für die Armida.
aber beide Iphigenien, Paride ...u.Alkestis .

Weiter kann ich empfehlen den Kloiber, der wird gerade überarbeitet (aus sicherer Quelle) .
Der ist für Opernliebhaber die sich nicht ganz so knapp informieren wollen !

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51MtOBKdtpL._SY350_.jpg

Wenn ihr fragen habt nur zu ! :hello

LG palestrina

Zu dem einen oder anderen komme ich noch ! :wink
Rotkäppchen (09.06.2015, 11:20):
Original von Peter Brixius
Ich denke daran, wie hier, zwei oder drei (oder mehr?) Opern und die Informationen, die man zu ihnen findet, zu vergleichen. Mir liegt da (natürlich) Glucks Orfeo als einer der Vergleichskandidaten im Sinn. Welche Opern könnte/sollte man für den "Zug durch die Gemeinde" dazu nehmen?


Hallo, Ihr Lieben,

interessant wäre vielleicht auch, bei inhaltlich etwas komplizierten Opern verschiedene Darstellungen zu vergleichen. Ich dachte da z.B. an symbolistische Stoffe wie etwa Die Frau ohne Schatten oder Pelléas et Mélisande ...

Original von palestrina
Weiter kann ich empfehlen den Kloiber, der wird gerade überarbeitet (aus sicherer Quelle) .
Der ist für Opernliebhaber die sich nicht ganz so knapp informieren wollen !

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51MtOBKdtpL._SY200_.jpg

Wenn ihr Fragen habt nur zu ! :hello


... ja, ich hätte eine ganz banale Frage: Ist der Kloiber auch mehrbändig?

LG, Rk :hello
palestrina (09.06.2015, 11:41):
Liebes Rotkäppchen, das Handbuch der Oper ist einbändig mit etwa 900 Seiten.
Hier mal der Klappentext:

Unentbehrlich für alle Opernfreunde: das aktuelle Opernrepertoire in rund 325 ausführlichen Werkbeschreibungen, nach Komponisten geordnet. Dieses Nachschlagewerk informiert über Handlung, Schauplätze und Spieldauer, über Solisten, Stimmfächer und Orchesterbesetzung, über die Textdichtung und den historischen Hintergrund. Mit Titel-, Komponisten- und Librettistenregister.

LG palestrina
Rotkäppchen (09.06.2015, 13:16):
Vielen Dank, lieber palestrina, dann ist der Kloiber ungefähr von derselben schwergewichtigen Größenordnung wie der Harenberg.

... dann bin ich mal gespannt auf weitere Vergleiche.

LG, Rk :hello
palestrina (09.06.2015, 13:57):
Original von Rotkäppchen
Vielen Dank, lieber palestrina, dann ist der Kloiber ungefähr von derselben schwergewichtigen Größenordnung wie der Harenberg.

... dann bin ich mal gespannt auf weitere Vergleiche.

LG, Rk :hello

Das denke ich auch !

Liebes Rotkäppchen, wenn du tiefer in die Materie wie z.B. FroSch , lese bitte zuerst mal das Märchen
von Hugo von Hofmannsthal ...
http://ecx.images-amazon.com/images/I/31S5C3RE3BL._SY350_.jpg

und weiter besorge dir Programmhefte von den Opernhäusern z.B. das der Bay.Staatsoper ( die bestelle ich mir sehr oft !)oder das hier von Frankfurt (sehr gut), da gibt es viel zu lesen !
Aber ich sage dir, diese Schreiber Bände sind supi , vielleicht gibt es die ja irgendwo günstig!

LG palestrina
Rotkäppchen (09.06.2015, 14:13):
Lieber palestrina,

den fünfbändigen Schreiber scheint es ja auch als Paperback-Variante für um die 100 Euro zu geben, habe ich gerade gesehen

http://ecx.images-amazon.com/images/I/31UksGVYlTL.jpg

... naja, Weihnachten ist ja nicht mehr weit.

LG, Rk

PS: Das FroSch-Märchen habe ich gelesen (ist aber bestimmt 12 Jahre her) :beer, ist faszinirend und mindestens so rätselhaft wie das Libretto :D -- vielleicht gibt es ja demnächst hier einen FroSch-Thread zur Beseitigung aller Klarheiten... muss mir das Ganze bei Zeiten nochmal zu Gemüte führen.
palestrina (09.06.2015, 15:06):
Liebes Rotkäppchen, ja das Märchen ist sehr schön und ich finde da kommt man , wenn gelesen, mit den Figuren besser zurecht !
Aber besorg dir mal das Heft von der Bay.SO , die haben einen Online Shop !

LG palestrina
Hosenrolle1 (09.06.2015, 18:15):
Was sagt der Opernführer denn über die Orchesterbesetzung der Salome?





LG,
Hosenrolle1
Rotkäppchen (10.06.2015, 17:29):
Mir ist gerade aufgefallen, dass es einen älteren Thread zum Thema gibt, den ich aus Vollständigkeitsgründen hier einfach mal verlinke:

Musikführer

Viele Grüße,
Rk :hello
palestrina (10.06.2015, 18:41):
Liebes Rotkäppchen, häng diesen hier doch einfach an den anderen dran , oder was meinst du !?

LG palestrina
Peter Brixius (10.06.2015, 19:50):
Heute Morgen hörte ich Telemanns Orchestersuite Burlesque de Quixote TWV 55 G10. Da habe ich doch gleich mal interessiert im (bei mir inzwischen eingetroffenen) Konzertführer nachgesehen.

Bei Telemann bewegt man sich schon in den Randbezirken des Konzertführers. Eine kompokte Form muss eben eine strikte Auswahl treffen. Immerhin ist Telemann mit einigen Werken vertreten. Leider hält sich man sich nicht an die eigene Erkenntnis:

Telemann steht heute zu Unrecht im Schatten seines Zeitgenossen J. S. Bach, den er zu Lebzeiten an Popularität und Ruhm überflügelte. Im historischen Rückblick aber ist die Parallelität dieser beiden bedeutenden Komponisten besonders faszinierend und symptomatisch für die Vielseitigkeit der Epoche. (S. 43)

Nach diesen mutigen Worten, denen ich rückhaltlos zustimme, ist die Repräsentanz von Telemann im Konzertführer deutlich zu schmalbrüstig. Immerhin, unter dem wenigen, was hier behandelt wird, findet man die Burlesque de Quixote. Aber wie?

Unter den Suiten gibt es auch einige programmatische Ansätze, etwa in der "Burlesque de Quixote" (TWV*55/G10), die bisweilen parodistisch auf Personen und Situationen aus Cervantes' Don Quijote-Roman bezogen sind;

Außerordentlich nützlich, diese Anmerkung, nicht wahr? Die Satzangabe hätte einem Radiohörer - wie mir - schon weiter geholfen. Nicht jeder hat die Suite auf CD zur Hand und kann sich dort helfen wie ich. "Bisweilen parodistisch" ist sprachlich wie inhaltlich daneben. Wie parodiert ein Musikstück ein literarisches Werk? Und das bisweilen? Was ist denn mit dem Rest der Musik der Fall? Könnte nicht dasselbe zu Richard Strauss' Tondichtung geschrieben sein - ebenso richtig wie nichtsagend?

Man müsste erst den Kernbegriff "programmatisch" aufschlüsseln. Natürlich sind die von Nationalmusiken beeinflussten Suiten, aber auch die über den Pariser Börsenkrach programmatisch. Die Telemannsche Wassermusik ist auch programmatisch, doch deutlich über Ansätze hinweg - meiner Meinung nach.

Es zeigen sich hier die natürlichen Grenzen eines Konzertführers, das sei zugestanden. Dass diese dann das, was man von einem Konzertführer erwartet, parodieren, ist eigentlich schon eine Übererfüllung des Solls, oder?

Liebe Grüße Peter
Rotkäppchen (10.06.2015, 23:44):
Original von palestrina
Liebes Rotkäppchen, häng diesen hier doch einfach an den anderen dran , oder was meinst du !?

LG palestrina
Lieber palestrina, wir müssten Satie bitten, das zu tun. Auf der anderen Seite hat der aktuelle Thread hier doch ein bisschen einen anderen Charakter, sprich viele längere detailliertere Beiträge :), insofern wäre es vielleicht auch nicht schlecht, wenn er separat bleibt...
:hello Rk
Hosenrolle1 (10.06.2015, 23:49):
Wenn ich meine Frage an palestrina wiederholen darf:

Original von Hosenrolle1
Was sagt der Opernführer denn über die Orchesterbesetzung der Salome?



LG,
Hosenrolle1
Peter Brixius (11.06.2015, 00:54):
Original von Hosenrolle1
Wenn ich meine Frage an palestrina wiederholen darf:

Original von Hosenrolle1
Was sagt der Opernführer denn über die Orchesterbesetzung der Salome?

Ich nehme das gleich als Vorlage, "meinen" Opernführer vorzustellen: 1400 Seiten, von Monteverdi bis Rihm. Bei Richard Strauss finde ich erst einmal zwei einleitende Seiten, dann einen vierseitigen Beitrag zur Salome. Der vorangestellte Sachblock lässt wohl keine Wünsche offen: Informationen
- zum Text
- zur Uraufführung
- zu den Personen mit Angabe der Stimmfächer von Herodes bis zum Sklaven
- Ort und Zeit
- Orchester. Ich zitiere

3 Fl, Picc, 2 Ob, E.H., Heckelphon, Kl in Es, Kl in A, 2 Kl in B, Bkl, 3 Fg, Kfg, 6 Hrn, 4 Trp, Btba, Pkn, Schlgzg. Xyl, Glsp, 2 Hrf, Cel, Streicher
Auf der Bühne: Org, Harmonium

(Die Abkürzungen werden gleich am Anfang des Buches aufgelöst)

- Form (durchkomponiert
- Aufführungsdauer
- Verlag.

Es folgt eine ausführliche Darstellung der Handlung (gegliedert in Szenen). Die Stärke von Csampai/Holland ist der klug geschriebene Kommentar. Daraus ein Zitat:

Ein unfehlbarer musikdramatischer Instinkt diktiert die musikalische Sprache. Auf dem Gebiete der Orchestrierung ist Strauss eines der originärsten Genies der Musikgeschichte. Doch auch der Klang des mit 102 Musikern besetzten Orchesters, der Phantasie-Orientalismus des Komponisten, der die vibrierende Atmosphäre einer schwülen Nacht einfängt, steht im Dienst des dramatischen Ausdrucks. Strauss schafft eine Klangwelt, die mit allem bisher Bekanntem zu brechen scheint. Er selbst sprach von "Kadenzen wie Changeant-Seide".

Es folgt eine kurze Rezeptionsgeschichte und zwei diskographische Empfehlungen (Reiner 1949, Solti 1961).

Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (11.06.2015, 01:24):
Danke, lieber Peter, für die Info!


Doch auch der Klang des mit 102 Musikern besetzten Orchesters

Ich habe mir ja mal den Spaß gemacht, die Orchestermusiker, die Strauss verlangt, zu zählen und bin zu diesem Ergebnis gekommen: http://das-klassikforum.de/thread.php?threadid=2174&threadview=0&hilight=&hilightuser=0&page=2

der Phantasie-Orientalismus des Komponisten, der die vibrierende Atmosphäre einer schwülen Nacht einfängt

Das finde ich wiederum schön formuliert :)

Solche Sätze machen - denke ich zumindest - einem Lust darauf, ein Stück hören zu wollen ... wobei, besteht nicht gleichzeitig auch ein bisschen die Gefahr, dass man durch solche Beschreibungen mit einer bestimmten Erwartungshaltung an ein Werk geht? Ich meine jetzt nicht die Salome, sondern generell.

Strauss schafft eine Klangwelt, die mit allem bisher Bekanntem zu brechen scheint. Er selbst sprach von "Kadenzen wie Changeant-Seide".

Hier das ganze Zitat:

"Das Bedürfnis gab mir wirklich exotische Harmonik ein, die besonders in fremdartigen Kadenzen schillerte, wie Changeant-Seide."

Sehr gut finde ich auch, dass gerade das mit der Changeant-Seide erwähnt wird, denn diese Musik hat wirklich etwas von diesem Stoff, so eigenartig das klingen mag.

(Ich hätte als Autor evtl. noch dazu geschrieben, dass Strauss die Harmonien meint, die schillern, und nicht "nur" die Kadenzen, aber das ist jetzt sicher nur I-Tüpferl-Reiterei.)





LG,
Hosenrolle1
Peter Brixius (11.06.2015, 01:46):
Original von Hosenrolle1
Solche Sätze machen - denke ich zumindest - einem Lust darauf, ein Stück hören zu wollen ... wobei, besteht nicht gleichzeitig auch ein bisschen die Gefahr, dass man durch solche Beschreibungen mit einer bestimmten Erwartungshaltung an ein Werk geht? Ich meine jetzt nicht die Salome, sondern generell.



Solche Sätze regen mE erst mal die Phantasie an, legen aber die konkrete Abfolge der Eindrücke nicht fest. Die Alternative wäre eine nicht-Fleisch-nicht-Fisch- oder eine von Affekten abstrahierende Beschreibung. Auch hier werden Vorinformationen geliefert, aber von Gefühlsinhalten entleerte.

Der eigene Eindruck, meine ich, wird sich am Ende durchsetzen, er wird die Vorinformation deuten und formen. Die "schwüle" Nacht bringt bei mir die Assoziation des Übermäßigen ebenso wie des Sexuellen, die Schwüle lässt Abgrenzungen schmelzen, mit der Transpiration fallen auch Schranken. Damit ist ein Handlungsrahmen gegeben, doch was sich innerhalb dieses Rahmes abspielt, ist noch nicht festgelegt. Es sind alles Möglichkeiten. Vom Übermaß zum Überdruß ist es auch nur ein Schritt. Zusammen mit der Musik wird eine vibrierende Spannung erzeugt, bei der unklar ist, wohin sie sich wendet.

Ansonsten stimme ich Dir prinzipiell zu: Es gibt immer mal Formulierungen gerade in Opernbesprechungen, die legen zu sehr fest (Musik ist eben viel freier als das gebundene Wort), lenken Erwartungen auch evt. in falsche Richtungen. Da finde ich, dass die Autoren von Csampai/Holland, soweit ich deren Artikel kenne, sehr sorgfältig solche Informationen abstufen. Ich habe nun mal in der Schnelle den Artikel zu Glucks Armide gelesen. Der gefällt mir ausgesprochen gut.

Das Entscheidende hast Du genannt: Es macht Interesse, es macht Appetit auf das Werk. Ich will nicht sagen, dass mir dafür jedes Mittel Recht ist. Aber doch viele :beer

Liebe Grüße Peter
Peter Brixius (11.06.2015, 15:04):
Es gibt ja noch den ganz anderen Konzertführer ...

https://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783462033236.jpg

Ich habe ihn noch zweibändig als "Andante spumante. Ein Konzertführer" und "Scherzo furioso. Der neue Konzertführer". Dem Klappentext entnimmt man

Der erste Konzertführer, der die großen Werke der klassischen Musik nicht ganz ernst nimmt.
Hits & Flops in Concert: "Andante Spumante" nimmt die wichtigsten Werke der klassischen Konzertwelt unter die kabarettistische Lupe und ist zugleich eine kompetente und informative Anleitung zum Hören. Ein großer Spaß für alle Liebhaber der klassischen Musik und die, die es (z.B. durch dieses Buch) werden wollen.

Um es gleich zu sagen: Bei aller Liebe zu Konrad Beikircher - dieses Werk kann einen "ernsten" Konzertführer nicht ersetzen, es ist keine Anleitung zum Hören. und durch dieses Buch wird wohl keiner zum Liebhaber klassischer Musik werden.

Die erste Klippe ist, welche Werke Beikircher als die "wichtigsten" nimmt. Schumanns Violinkonzert gehört nicht dazu, damit fehlt uns schon mal ein Vergleichswerk. Also schauen wir uns mal an, was zu Bachs 6. Brandenburgischen Konzert zu lesen ist.

Wenn es ein Werk nun in dieses Kompendium geschafft hat, so wird man zumindest über die Daten gut informiert: die Sätze werden benannt, die Gesamtdauer ist angegeben, die Besetzung auch. Es folgt der Abschnitt Hits. Dazu Beikircher:

Die sechs Konzerte sind ein einziger Hit. Aber darüber hinaus gibt es noch Top-Hits in den einzelnen Konzerten.

Warum fällt mir da Karl Dall ("Diese Scheibe ist ein Hit") ein? Na, da lasse ich mich doch gerne überzeugen:

Konzert Nr. 6 in B-Dur

Für mich das intimste aller sechs Konzerte. So ungefähr muss sich Bach mit seinen Söhnen musikalisch unterhalten haben. Und das Adagio ma non tanto ist der Mega-Hit für den, der sich in solch warmen Klängen verlieren kann. Von wegen "strenger Familienvater"! Wer spüren will, was für ein liebevoller Mensch Bach gewesen sein muss: Hier kann man es hören. (S. 26)

Oh Mei. Bei dem "intimste aller sechs Konzerte" kann ich ja noch mit, aber da sollte man doch bemerken, dass dies nicht zuletzt an der Besetzung liegt. Schlimm ist aber die Biografismus, die Bemerkung lenkt die Aufmerksamkeit des Hörers in die falsche Richtung. Das hier ist keine barocke Sinfonia domestica. Für mich entlarvend ist die sprachliche Dürre: Hit, Hit, Mega-Hit, keines Sprachkünstlers würdig. Der Rückschluss von einem Werk auf den Komponisten ist ein miese Sache. Wie teuflisch war wohl Liszt, als er seinen Mephisto-Walzer schrieb? Welch finsterer Mordbube Mozart, als Don Giovanni den Komtur erstach? Das kabarettistische Niveau wird endgültig bei Flops demonstriert:

Ansonsten gibt es in allen sechs Konzerten keine Stelle, wo man mal dösen könnte oder sich überlegen, wo man nachher essen geht. (S. 27)

Unter Obacht findet man noch einen "Witz"

Und wissen Sie, warum das 6. Brandenburgische Konzert so selten gespielt wird? Weil die guten Bratscher alle auf die zweite Geige umgeschult haben.

O weia, das Niveau unseres Kabaretts ist doch ziemlich tiefgelagert. Aber alles kann noch übertroffen werden. Eine kleine Blütenlese. Beikircher rät:

Anlass
Die Brandenburgischen Konzerte passen exzellent zum Champagner, bevor man in der Kirche zur Trauung schreitet, überhaupt zum Sonntag früh, zu reschem Weißwein und zum Fisch.

Frauen
"Wenn ich mir die Brandenburgischen Konzerte auflege, spare ich mir die Gurkenmaske - so frisch bin ich danach!"
"Ich nehme morgen die Brandenburgischen in den Aerobicstep-Kurs mit - es ist genauso schnell und hat doch mehr Stil."

Männer
"Wissen Sie, die Gambe ist das Fagott der Streicher, finden Sie nicht auch?"

Nein, über das 6. Brandenburgische habe ich hier so gut wie nichts erfahren, allenfalls kann mich noch die Karikatur eines Aerobicstep-Kurses mit dem dunkel-geheimnisvollen Klang des Konzertes zu einer grinsenden Grimasse bewegen. Als Stichwortgeber für den Orchesterstammtisch nach dem Konzert mag das Geschriebene noch taugen. Aber sonst?

Liebe Grüße Peter
palestrina (11.06.2015, 15:44):
Dazu kann man nur sagen....

"Der lustige Beikircher " eine Anleitung fürs Orchesterkabarett !

Ich möchte immer gerne wissen wer so was liest, bestimmt nicht jemand der ernsthaft einen Konzertführer sucht . Sicher habe ich auch mal in der Buchhandlung rein geschaut , man kennt ja den Namen 1also, nur für Beikircher Fans, die sich dann auch mal eine Klassik CD zulegen und dann enttäuscht sind weil die Musik dann doch nicht so lustig ist :D !

LG palestrina
palestrina (11.06.2015, 16:22):
Original von Peter Brixius
Original von Hosenrolle1
Wenn ich meine Frage an palestrina wiederholen darf:

Original von Hosenrolle1
Was sagt der Opernführer denn über die Orchesterbesetzung der Salome?

Ich nehme das gleich als Vorlage, "meinen" Opernführer vorzustellen: 1400 Seiten, von Monteverdi bis Rihm. Bei Richard Strauss finde ich erst einmal zwei einleitende Seiten, dann einen vierseitigen Beitrag zur Salome. Der vorangestellte Sachblock lässt wohl keine Wünsche offen: Informationen
- zum Text
- zur Uraufführung
- zu den Personen mit Angabe der Stimmfächer von Herodes bis zum Sklaven
- Ort und Zeit
- Orchester. Ich zitiere

3 Fl, Picc, 2 Ob, E.H., Heckelphon, Kl in Es, Kl in A, 2 Kl in B, Bkl, 3 Fg, Kfg, 6 Hrn, 4 Trp, Btba, Pkn, Schlgzg. Xyl, Glsp, 2 Hrf, Cel, Streicher
Auf der Bühne: Org, Harmonium

(Die Abkürzungen werden gleich am Anfang des Buches aufgelöst)

- Form (durchkomponiert
- Aufführungsdauer
- Verlag.

Es folgt eine ausführliche Darstellung der Handlung (gegliedert in Szenen). Die Stärke von Csampai/Holland ist der klug geschriebene Kommentar. Daraus ein Zitat:

Ein unfehlbarer musikdramatischer Instinkt diktiert die musikalische Sprache. Auf dem Gebiete der Orchestrierung ist Strauss eines der originärsten Genies der Musikgeschichte. Doch auch der Klang des mit 102 Musikern besetzten Orchesters, der Phantasie-Orientalismus des Komponisten, der die vibrierende Atmosphäre einer schwülen Nacht einfängt, steht im Dienst des dramatischen Ausdrucks. Strauss schafft eine Klangwelt, die mit allem bisher Bekanntem zu brechen scheint. Er selbst sprach von "Kadenzen wie Changeant-Seide".

Es folgt eine kurze Rezeptionsgeschichte und zwei diskographische Empfehlungen (Reiner 1949, Solti 1961).

Liebe Grüße Peter

Hallo Peter, so ist der Kloiber auch aufgebaut.....

• Solisten
• Schauplatz
• Zeit
• Orchester
• Gliederung
• Handlung
• Stilistische Stellung
• Textdichtung
• Geschichtliches
Was ich z.B.nicht wusste
Im Verlag Fürstner sind mit Genehmigung des Komponisten auch die Stimmen für folgende vereinfachte Bläser Besetzung erschienen: 3Fl.(III.auch Picc.) 2 Ob.,1 Eh.,2 Kl.,1 Bkl.,3 Fag.,4 Hr.,3 Trp.,3 Pos.,1 Bt.

Bei dem Schreiber sind solche Angaben nicht mehr zulesen , na ja , er heißt ja auch für Fortgeschrittene !

Aber wenn man auf so etwas Wert legt, wie Herr Hosenrolle 1, dann ist das schon in Ordnung :) !

Was mich aberin diesem Zusammenhang irritiert , das ist , wenn ich mir eine GA einer mir unbekannten Oper zulege , da hätte ich ja immer mal gerne die Orchesterbesetzung gewusst , aber so etwas findet man in keinem Beiheft.
Seltenst einmal in einem Programmheft der Opernhäuser!
Da würde das aber gut passen !

LG palestrina
Peter Brixius (11.06.2015, 17:15):
Lieber palestrina,

beim Schreiber geht's mir wie Dir, es ist ein oft befragtes und intensiv gelesenes Werk. Wie Du schreibst, es ist ein Werk für Fortgeschrittene, einiges wird vorausgesetzt. Hin und wieder denke ich, der Schreiber meint/weiß, dass ich die Partitur zur Hand habe. Da wären alle Angaben (wie die zur Besetzung) überflüssig, die stehen ja in der Partitur. Oder Rollenfächer usw.

Dafür bekommt man eine erstklassige musikhistorische und stilistische Einführung. Selbst wenn die Oper selbst nicht ausführlich besprochen wird, so kann man aus der besprochenen Oper viel an Orientierungen für die nicht besprochene entnehmen. Lücken sind eben dadurch möglich, dass andere Opern exemplarisch besprochen werden.

Ulrich Schreiber vertritt eine prägnante Richtung der Musikgeschichtsschreibung, Adorno und Dahlhaus lassen grüßen. Die scharfe Konturierung macht aber eben auch eine kritische Haltung fruchtbar. Da muss man schon präzise dagegen halten, wenn man denn dagegen hält. Das vermittelte Wissen ist enorm, natürlich findet man bei Spezialisten dann noch das Quäntchen mehr, das es vielleicht am Ende ausmacht.

Je näher man an die Gegenwart kommt, umso schwieriger wird eine Werkauswahl, die die meisten zufrieden stellt. Aber da laufen ja auch noch die (kontroversen) Diskussionen.

Ich finde, dass Schreiber da ein Jahrhundertswerk gelungen ist, bei weitem nicht perfekt, aber so perfekt, wie es zur Zeit der Niederschrift möglich war. Die Lücken ermutigen, sie zu schließen.

Liebe Grüße Peter
palestrina (11.06.2015, 17:59):
Je näher man an die Gegenwart kommt, umso schwieriger wird eine Werkauswahl, die die meisten zufrieden stellt. Aber da laufen ja auch noch die (kontroversen) Diskussionen.

Ich finde, dass Schreiber da ein Jahrhundertswerk gelungen ist, bei weitem nicht perfekt, aber so perfekt, wie es zur Zeit der Niederschrift möglich war. Die Lücken ermutigen, sie zu schließen.

Liebe Grüße Peter

Lieber Peter, ja wer soll das jetzt machen , da er ja nicht mehr lebt . Vielleicht findet sich ja jemand der einen Ergänzungsband schreibt , denn ich finde man erfährt auch viel vom drumherum der Komponisten und Epochen !

LG palestrina
Peter Brixius (11.06.2015, 18:30):
Ja, lieber palestrina, wer könnte den langsam fälligen Ergänzungsband verfassen? Wie wäre es mit Attilla Csampai und Dietmar Holland? Drauf hätten es die Jungs, meine ich. Und ihre Grundorientierung ist nicht wesentlich anders als die von Schreiber.

Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (16.06.2015, 19:07):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/61HVM14HK2L.jpg


Dieses fette, schwere Buch habe ich 1999 oder 2000 gekauft; es handelt sich um die 3. und revidierte Auflage. Mittlerweile gibt es ja schon weitere Bände.

Zu Beginn gibt es ein kurzes (und, wie ich finde, nicht besonders aufregendes) Geleitwort von Prof. August Everding:


Zehn ereignisreiche Jahre sind seit dem Erscheinen des vorliegenden Opernführers (das Große Handbuch der Oper) vergangen.

Schon damals, 1987, konnten wir erleben, daß in den Theatern der Welt nicht nur "Repertoire", sondern immer mehr Raritäten und Ausgrabungen zur Freude des Publikums gespielt wurden. Das ist auch in unseren Tagen so. Viele Opern aus dem Belcanto-Bereich wurden wiederentdeckt. Dazu kommt die immer noch nicht genug bekannte und erkannte "produktive Moderne". dieser Opernführer stellt sie neben dem klassischen Repertoire einführend vor.
Ich freue mich, daß diese notwendige Veröffentlichung beweist, daß die oft totgesagte Oper immer noch sher lebendig ist. Auch nach 400 Jahren ist sie jung geblieben - unser altes junges Lieblingskind.


Und noch ein Geleitwort, das so beginnt:

Wie viele Besucher unserer Opernhäuser haben wohl schon einmal darüber nachgedacht, auf welch ein komplexes ästhetisches Gebilde sie sich in jeder Aufführung einlassen? Läßt sich das delikate Verhältnis von Wort und Ton mit seinen Entsprechungen und Kontrasten vom "Fachmann" anhand der Partitur noch einigermaßen klar bestimmen, so werfen die Darstellung auf der Bühne (mit ihren vielfältigen Elementen: von der konkreten Besetzung der einzelnen Rollen über die Personenregie bis hin zur Ausstattung) sowie die Anforderungen an die Musiker im Orchestergraben eine solche Fülle von prinzipiellen wie praktischen Problemen auf, daß das Wort vom "unmöglichen Kunstwerk" mehr als verständlich ist - und zwar noch diesseits einer Diskussion über die Verbindlichkeit der in den Paritturen etwa enthaltenen Regieanweisungen.


Natürlich kann ich schlecht beurteilen, ob die Inhaltsangaben von mir völlig unbekannten Opern wie "Die Schreiberwiese" oder "Die Launen und Einfälle Callots" oder auch "Die Heilige der Bleecker-Straße" korrekt sind.

Bei "Hänsel und Gretel" jedoch gibt es mehrere inhaltliche Fehler.

So heißt es etwa zum 2. Akt:

Die Kinder sind bei ihrer Suche tief in den Wald, bis in die Nähe des Ilsensteins, wo die böse Hexe haust, gekommen, sie haben sich verirrt. Hungrig essen sie die gesammelten Früchte auf und schlafen ein, nachdem sie den Abendsegen gebetet haben. Das Sandmännchen erscheint und streut den Kindern Sand in die Augen (...)

Die Reihenfolge ist völlig verkehrt:

Die Kinder essen zuerst die Früchte auf, DANN verirren sie sich, dann kommt das Sandmännchen, dann der Abendsegen.


Zum 3. Akt heißt es:

Gretel muss im Haus arbeiten

Tatsächlich muss Gretel nur den Tisch für die Hexe decken, das ist alles.

Gretel schwingt den Zaubersetab, ein Zauberspruch bewirkt, daß aus den Lebkuchen vor dem Haus, die den Zaun bildeten, wieder lebendige Kinder werden.

Völlig falsch! Es ist HÄNSEL, der den Zauberstab benützt, und er benützt ihn nicht, um aus den Lebkuchen Kinder zu machen; die Lebkuchenhülle ist nach dem Tod der Hexe abgefallen und Hänsel bewirkt mit seinem Zauberspruch, dass die Kinder erwachen.

Und am Ende heißt es:

Während die Hexe tot aus dem Hause gezogen wird, brechen alle in Jubel aus (...)

Nein, die Hexe wird tot aus dem OFEN gezogen und hernach ins Haus getragen.


Auch beim Freischütz findet sich ein Satz:

Mit Max, der nach einer Weile heruntersteigt, gießt er unter Höllenlärm sieben Freikugeln. Die letzte allerdings steht zu Samiels freier Verfügung, der damit Max oder Kaspar treffen kann.

Das ist eigentlich falsch, korrekt müsste es heißen "der damit Agathe oder Kaspar treffen kann", denn Kaspars Plan ist es ja, dass Max Agathe trifft, und Max sich umbringt.


Für den dritten Akt heißt es:

Agathe nimmt einen Strauß weißer Rosen aus einer Vase und eilt mit Ännchen und den anderen Mädchen auf den Festplatz.

Falsch: Agathe bittet Ännchen, aus den weißen Rosen einen Kranz zu flechten.

Weiter:

Dort warten alle im Beisein des Fürsten und Erbförsters, ob Max der Probeschuss gelingt. Er hat schon sechs Freikugeln verbraucht (...)

Falsch: Max bekam 4 Kugeln, Kaspar 3. Kaspar hat seine 3 verschossen, daher hat Max 3 Kugeln verbraucht.


Und auch bei der Salome habe ich etwas gefunden.

Herodias und die Juden bestürmen den König, Jochanaan töten zu lassen.

Das ist nicht korrekt: Herodias möchte ihn den Juden ausliefern, die wiederum sagen "Wahrhaftig, Herr, es wäre besser ihn in unsere Hände zu geben".

Weder Herodias noch die Juden sagen Herodes, er solle Jochanaan töten lassen.

Dann heißt es:

Wieder erklingt dessen Stimme, von neuem fordern Herodias und die Juden den König auf, Jochanaan zum Schweigen zu bringen.

Herodias ja, die Juden aber nicht mehr, denn nach ihrem Quintett haben sie keinen weiteren Text mehr (abgesehen von dem kurzen Geschrei beim "Vorhang des Allerheiligsten")

Ich weiß nicht, ob dieses Buch wirklich "neue Maßstäbe setzt", wie es im Werbetext auf der Rückseite heißt.

Vielleicht hat jemand eine spätere Ausgabe und kann nachsehen, ob diese inhaltlichen Fehler behoben wurden?


Falls jemand etwas dazu wissen möchte, schaue ich gerne nach :)





LG,
Hosenrolle1
Peter Brixius (16.06.2015, 20:20):
Lieber hosenrolle1,

wie steht es bei Smetanas "Verkauften Braut" mit dem Frühling im Wagner? Wenn man schon deutsche Librettis so flüchtig liest ...

Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (16.06.2015, 20:38):
Was meinst du mit Frühling konkret? Den 1. Akt?



LG,
Hosenrolle1
Peter Brixius (16.06.2015, 20:46):
Original von Hosenrolle1
Was meinst du mit Frühling konkret? Den 1. Akt?


Exakt, die Inhaltsangabe zum Beginn des 1. Aktes.

Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (16.06.2015, 21:23):
In einem böhmischen Dorf, 19. Jahrhundert.

1. Akt:
In einem böhmischen Dorf wird Kirchweih gefeiert, alle sind lustig, singen und tanzen. Marie, Kruschinas Tochter, ist traurig, weil sie den Sohn des reichen Micha, Wenzel, heiraten soll, aber Hans, einen armen Burschen, liebt. Dieser ermuntert Marie, standhaft zu bleiben und ihm zu vertrauen. Auch er sei aus gutem Hause, doch seine Stiefmutter habe ihn dem Vater entfremdet und in die Ferne getrieben. Hans verschweigt, daß er ebenfalls Michas Sohn, allerdings aus erster Ehe, ist. Maries Eltern, von Kezal begleitet, versuchen vergeblich, Marie zu einer Heirat mit Wenzel zu überreden. Kezal entschließt sich daraufhin, mit Hans zu reden, Kruschina soll inzwischen mit Micha verhandeln.


Von Smetana finden sich folgende Opern bei Wagner:

Die Brandenburger in Böhmen
Die verkaufte Braut
Dalibor
Zwei Witwen
Der Kuß
Das Geheimnis
Libussa
Die Teufelswand



LG,
Hosenrolle1
Peter Brixius (16.06.2015, 21:40):
Das ist insgesamt eine ausgezeichnete Bilanz. Die Inhaltsangabe stimmt - und so viele weitere besprochene Opern von Smetana muss man anderswo erst einmal finden. Ich habe die genannten übrigens alle, kranke aber auch - wie andere in diesem Forum - an fehlenden Libretti.

Aber eine verläßliche Inhaltsangabe zu haben, ist doch schon mal ein guter Anfang. Holland/Csampai hat nur die "Verkaufte Braut".

Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (16.06.2015, 21:53):
Da gebe ich dir schon Recht, lieber Peter, und es ist gut, dass zumindest dieser 1. Akt einmal passt.

Ich schreibe dir per PN noch die beiden anderen Akte auf, vielleicht kannst du da auch noch dein OK dazu geben?

Bei der Inhaltsangabe der "Salome" wurde beim Tanz geschrieben, dass nach und nach alle Schleier langsam zu Boden fallen.

Da frage ich mich zwei Dinge:

1.) Wo steht, dass Schleier zu Boden fallen? Weder in Wildes Stück noch in Strauss´ Oper steht dazu etwas.

2.) Wieso wird ein solches (m.E. für die Handlung unwichtiges) Detail erwähnt, und wieso achtet man nicht lieber darauf, wesentlich wichtigere Dinge korrekt wiederzugeben (Hänsel statt Gretel, Hexe aus dem Ofen statt aus dem Haus, etc.)




LG,
Hosenrolle1
Jürgen (17.06.2015, 10:01):
Original von Hosenrolle1
Wo steht, dass Schleier zu Boden fallen? Weder in Wildes Stück noch in Strauss´ Oper steht dazu etwas.


Nein, das steht in der Philosophiae Naturalis Principia Mathematica. Und geschrieben hat es Sir Isaac Newton.

:cool

Grüße
Jürgen
Peter Brixius (17.06.2015, 10:13):
Original von Jürgen
Original von Hosenrolle1
Wo steht, dass Schleier zu Boden fallen? Weder in Wildes Stück noch in Strauss´ Oper steht dazu etwas.


Nein, das steht in der Philosophiae Naturalis Principia Mathematica. Und geschrieben hat es Sir Isaac Newton.

:cool


Lieber Jürgen,

da hast Du natürlich prinzipiell Recht, aber dass Salome die Schleier fallen, bzw. entschweben lässt, ist doch nicht gesichert. Sie könnte den jeweiligen Schleier doch auch ablegen.

Ich bitte da auch ein wenig um Verständnis für den nacherzählenden Opernführerschreiber. Er will ja auch eine Vorstellung des Geschehens bzw. seiner Abläufe dem Leser vermitteln. Und dann wird er eben auch mal eine interpretierende Festlegung treffen. Die Frage ist da eher, ob es nun einen lebenswichtigen Teil des beschriebenen Werkes betrifft. Das bezweifele ich hier, der entscheidende Fakt ist, dass der Schleier immer weniger werden, wie immer sich Salome ihrer entledigt.

Also, monieren kann man das schon, aber ich würde das unter lässliche Sünden rechnen.

Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (17.06.2015, 13:49):
Original von Jürgen
Nein, das steht in der Philosophiae Naturalis Principia Mathematica. Und geschrieben hat es Sir Isaac Newton.

Touché :D


Original von Peter Brixius
da hast Du natürlich prinzipiell Recht, aber dass Salome die Schleier fallen, bzw. entschweben lässt, ist doch nicht gesichert. Sie könnte den jeweiligen Schleier doch auch ablegen.


Bei Wikipedia finde ich zu diesem Tanz leider nichts wirklich brauchbares.

Wenn ich mir die Regieanweisungen von Wilde/Strauss ansehe, dann passiert folgendes:

Salome sagt: "Ich warte, bis meine Sklavinnen mir Salben und die sieben Schleier bringen und die Sandalen von meinen Füßen lösen."

Dann lautet die Regieanweisung:

"Sklavinnen bringen Salben und die sieben Schleier und nehmen Salome die Sandalen ab."

Da hier nur davon die Rede ist, dass sie die Sandalen abnimmt, muss man eigentlich davon ausgehen, dass Salome nicht nackt ist nach dem 7. Schleier, denn sie hat sich vorher nicht ausgezogen.

Offenbar wusste auch Wilde selbst nicht wirklich, was er da wollte. So geht aus mehreren Zitaten von ihm hervor, dass er einmal meinte, Salome solle völlig nackt sein, nur mit Juwelen besetzt, dann wiederum "ganz keusch".



Ich bitte da auch ein wenig um Verständnis für den nacherzählenden Opernführerschreiber. Er will ja auch eine Vorstellung des Geschehens bzw. seiner Abläufe dem Leser vermitteln.

Was ich auch gut finde, nur finde ich es halt ein bisschen problematisch, wenn diese Vorstellung vom Geschehen nicht Regieanweisungen bzw. das Libretto als Grundlage haben, sondern quasi Erfindungen des Autors sind.
Wäre ich ein Autor eines Opfernführers, ich würde mich beispielsweise davor hüten, etwa bei der Walküre zu schreiben, dass Sieglinde in Wehwalt SOFORT ihren Bruder erkennt - nur weil ICH das so interpretiere und romantischer finde.

Denn wenn mich jemand fragt, wie ich auf diesen Schluss komme, kann ich nicht Wagners Partitur hernehmen und auf eine bestimmte Stelle zeigen.

Ich möchte aber jetzt bitte nicht so wirken, als würde ich mich über diese Kleinigkeit aufregen; vielmehr stören mich tatsächliche inhaltliche Fehler, wo Dinge vertauscht oder schlicht falsch dargestellt werden.

Nein, mir ging es (anhand des Schleier-Beispiels) generell darum, wie weit ein Autor eines Opernführers eigene Interpretationen einbauen darf/soll.





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (17.06.2015, 22:34):
Was mich beim Wagner-Opernführer ein bisschen stört ist, dass er (zumindest mich) ziemlich überrennt mit verschiedenen Namen und Gegebenheiten.

So nach dem Muster: "XY will XY heiraten, da kommt YY dazu, die die Tochter von XX ist, und möchte XY dazu bringen, doch lieber ihren Cousin ZZ zu ehelichen, da XYZ YY versprochen hat, ihren Vater YZX, der widerrechtlich eingesperrt wurde, frei zu lassen."

Das ist extrem anstrengend, weil man erst mal durchblicken muss, wer mit wem verwandt oder nicht verwandt ist, wer mit wem in welcher Weise zu tun hat, usw.

Ich kann mich erinnern, 2006 habe ich mir diesen Opernführer zur Hand genommen, weil ich wissen wollte, worum es im Figaro von Mozart geht, denn an diesem Abend hatte ich eine Karte für ebendiesen in der Volksoper.

Es hat ewig gedauert, bis ich einmal den ersten Akt zumindest ansatzweise verstanden habe, die Inhaltsangabe hat mich vor mehr Rätsel gestellt, als dass sie mir weitergeholfen hätte.

"Ideal zum Nachschlagen für (...) Opernbesucher, die sich vor der Aufführung und dem Besuch der Oper schon zu Hause mit dem Inhalt vertraut machen möchten." heißt es auf der Rückseite. :A



Manchmal werden Figuren auch erst nicht namentlich vorgestellt (beispielsweise heißt es etwa "Die Eltern von XY wollen dieses und jenes"), und 2 Akte später taucht ein Elternteil dann auf einmal namentlich auf, ohne dass gesagt wird, dass das ein Elternteil ist.

Zwar gibt es am Anfang jeder Handlung eine Übersicht der Figuren, aber trotzdem ist es anstrengend, sich das "erarbeiten" zu müssen, indem man immer wieder nachsieht, wer mit welcher Figur in welcher Form zu tun hat.




LG,
Hosenrolle1
Rotkäppchen (19.06.2015, 09:14):
Original von Hosenrolle1
So nach dem Muster: "XY will XY heiraten, da kommt YY dazu, die die Tochter von XX ist, und möchte XY dazu bringen, doch lieber ihren Cousin ZZ zu ehelichen, da XYZ YY versprochen hat, ihren Vater YZX, der widerrechtlich eingesperrt wurde, frei zu lassen."

:rofl Wenn's ganz schlimm kommt, zeichne ich mir in solchen Fällen ein Diagramm, das hilft ungemein.

:hello Rk

PS: Im Harenberg-Opernführer steht übrigens auch, dass Gretel den Zauberstab benutzt X(.