ich möchte mal das Thema Konzertstücke aufgreifen.
Wikipedia definiert es so: Konzertstück (auch Concertino) ist ein Begriff aus der Musik. Er bezeichnet ein in der Regel einsätziges Konzert für Soloinstrument(e) und Orchester, seltener auch in mehreren ohne Pause ineinander übergehenden Sätzen. Das Konzertstück kann der Sonatenhauptsatzform folgen, sich aber auch formaler Anlagen wie dem Rondo, der Variation, dem Charakterstück oder freien Formen der Programmmusik bedienen. Beispiele für die Ende des 18. Jahrhunderts aufkommende und vor allem in der Romantik häufiger erscheinende Gattung sind das Konzertstück für Klavier und Orchester Op.79 (1821) sowie das Concertino für Klarinette und Orchester Op.26 (1811) von Carl Maria von Weber, oder Robert Schumanns Konzertstück für 4 Hörner und Orchester Op.86 (1849).
Der Begriff des Konzertstücks wird ferner auch für den Konzertvortrag ohne Orchester vorgesehene Solokompositionen gebraucht (Beispiel: Allegro de concert für Klavier solo op. 46 von Frédéric Chopin).
Meine Favoriten sind:
- Robert Volkmann (1815-1883) - Concert Piece in C major Op.42 - Carl Maria von Weber (1786-1826) - Konzertstück in F minor, Op.79, J.282
beide auf dieser CD:
sowie Ferruccio Busoni (1866-1924) - Konzertstuck, Op.31a
Es gibt noch viele andere. ich hoffe eine Diskusuin angestoßen zu haben.
Gruß Sully
Armin70 (19.10.2011, 21:40): Mir fallen da noch folgende Werke ein, die auch zur Gattung der Konzertstücke bzw. des Concertinos gehören:
Michael Haydn (1737 - 1806):
2 Concertinos für Trompete und Orchester in C-Dur und D-Dur
Beide Werke sind jeweils zweisätzig, d. h. die Satzfolge lautet langsam - schnell. Zu der damaligen Zeit waren eigentlich dreisätzige Konzerte die Regel und man vermutet, das diese beiden Concertinos von Michael Haydn konzertante Einschübe aus Serenaden oder Sinfonien waren.
Das gleiche könnte für das ebenfalls zweisätzige Trompetenkonzert in D-Dur von Leopold Mozart (1719 - 1787) gelten, dessen Entstehungshintergründe man heute auch nicht mehr so genau weiss.
Diese drei Werke sind beispielsweise auf dieser empfehlenswerten CD enthalten:
Carl Maria von Weber (1786 - 1826) wurde bereits mit seinen Konzertstücken für Klavier sowie für Klarinette genannt. Es gibt von ihm des weiteren noch das Concertino für Horn und Orchester e-moll, op. 45: &
Dann fällt mir noch von Richard Strauss (1864 - 1949) das Duett-Concertino für Klarinette, Fagott und kleines Orchester ein, das u. a. auf dieser CD zusammen mit allen anderen Bläserkonzerten von Strauss enthalten ist:
Die Burleske für Klavier und Orchester d-moll von Richard Strauss könnte man vielleicht auch zur Gattung der Konzertstücke zählen:
Wooster (19.10.2011, 21:48): Strauss' Burleske würde ich auch hierzu zählen, ja.
Zwei erstaunlich wenig bekannte, aber sehr hörenswerte Konzertstücke für Klavier&Orchester gibt es von Schumann (sein Klavierkonzert begann auch zunächst als einsätziges Stück):
Sfantu (20.10.2011, 10:22): Da gibt's ab den Frühromantikern eine wahre Fülle an Beispielen. Ich mag diese (im besten Fall) konzentrierte, erzählende Form ohne strenges formales Konzept. Genau genommen (und ja bereits im Titel so bezeichnet) ein Variationen-Werk, zähle ich ganz klar auch die
Variations symphoniques für Klavier und Orchester von César Frank
dazu. Die Variationskunst tritt hier in den Hintergrund, es wird tatsächlich eher eine Geschichte hörbar - sehr romantisch und mit einer (für mich) idealen Balance aus Meditation/Innenschau einerseits und Expression andererseits.
In meiner Sammlung:
auf Vinyl
Robert Casadesus, Orchestra Sinfonica di Torino della Radiotelevisione Italiana - Kyrill Kondrashin (Longanesi Periodici, 1960, live, mono)
Marie-Francoise Bucquet, Orchestre National de l'Opéra de Monte-Carlo - Paul Capolongo (Philips, ca. 1970)
Valentin Gheorghiu, Orchestra simfonica a radioteleviziunii din Bucuresti - Richard Schumacher (electrecord, 1973)
Alexis Weissenberg, Orchestre de Paris - Herbert von Karajan (EMI, 1970).
Bei mir haben momentan Gheorghiu und Weissenberg die Nase vorn.
Bei Webers Konzertstück für Klavier und Orchester hat es viele Jahre gedauert, bis ich mich von dem (finde ich) albernen "Programm", das Weber selbst zu seinem Stück im Sinn gehabt haben soll, gedanklich lösen konnte:
Bernward Lamerz, 1986 im Booklet zur Einspielung mit Peter Rösel, Staatskapelle Dresden - Herbert Blomstedt (Coproduktion EMI/VEB Deutsche Schallplatten):
Bei der Komposition soll Weber die Geschichte von einem Ritter und einer Burgfrau vorgeschwebt haben, dazu gliedernd die Ausdrucksmomente "Klage", "Trennungsschmerz", "Anmarsch des Geliebten", "Begrüssungsjubel". Zu einem ausgeprochenen Programm wurde dieser poetische Vorwurf dann allerdings nicht.
Der letzte, relativierende Satz half nichts - festgesetzt hatte sich in meinem Kopf fortan die dazu passende Stummfilm-Szenerie und ich konnte das Werk nie richtig ernstnehmen. Irgendwann war das glücklicherweise vorbei. Seither höre ich es endlich als pure unterhaltsame, virtuose Musik - gern übrigens mit Rösel und Blomstedt, die zusammen damit auch die beiden Klavierkonzerte ganz mitreissend einspielten.
:hello Sfantu
teleton (20.10.2011, 10:33): Aram Khatchaturian hat bekanntlich 3 vollwertige Konzerte geschrieben - das bekannte Klavierkonzert, das David Oistrach gewidtmete Violinkonzert und das Rostropowitsch gewidtmete Cellokonzert.
Diesen drei Solokonzerten stellte er auch 3 Konzert-Rhapsodien für diese drei Soloinstrumente zur Seite. Die einsätzigen Werke haben je eine Sieldauer um die 25Minuten - Empfehlenswert !
Diese Konzertrhapsodien befinden sich in den aktuellsten und gut klingenden Aufnahmen auf diesen NAXOS-CD´s:
Nicolas_Aine (20.10.2011, 11:32): Für Geige gibt es da sehr viel, meistens "show-off" Stückchen, aber oft durchaus schön:
z.B.:
Saint-Saens, "Introduktion & Rondo capriccioso" (Heifetz / Barbirolli / London PO) & "Havanaise" (Heifetz / Steinberg / RCA Victor SO)
Sarasate, "Zigeunerweisen" (Shaham / Foster / London SO) & "Carmen-Fantasie" (Perlman, hab die Aufnahme zwar nicht selber, aber schon mehrfach gehört -> super)
Vaughan Williams, "The Lark Ascending" (hab ich nur mit Hahn / Davis / London SO, ist aber ziemlich gut)
Dvorak, "Romanze f - moll Op. 11" (Perlman / Barenboim London PO), sehr schönes Stück, von Dvorak auch in einem Streichquartett als 2. Satz verwendet
Beethoven, die beiden Romanzen, die mir persönlich nicht sooo gut gefallen.
Beriot, "Scene de ballet", gibts mit Perlman / Foster / Juilliard Orchestra, toll.
Chausson "Poeme" (Perlman / Zubin / New York PO)
Schumann, "Fantasie C - Dur Op. 131" (hab ich nur bearbeitet für VIoline und Klavier mit Kogan & Mytnik)
Waxman, "Carmen Fantasie" (Heifetz / Vorhees / RCA Victor SO), ein unglaublich schweres Stück, musikalisch nicht viel drin, aber wer so (wie ich :D) technische Stücke mag, sollte sich das unbedingt anhören
Und von Ysaye gibts auch noch was: z.B. "'Exil!' für Streichorchester ohne Bässe Op. 25" (Turban / I solisti di Paganini) und ein Kommilitone arbeitet grad an einem "Divertimento" von ihm, das kenn ich aber sonst nicht.
Wenn ich Zeit hab, schreib ich evt. noch ein paar andere auch für andere Instrumente auf :)
Frank1970 (20.10.2011, 12:36): Hallo zusammen,
ich kann mich gerade nur an ein Konzertstück erinnern, welches ich in den letzten Wochen gehört habe - und zwar: Konzertstück für Klavier & Orchester op. 76 "Ode an den Frühling" von Joachim Raff (1822-1882) in dieser Aufnahme hier:
Ein "locker", "flockiges" Stück, welches mir zumindest Freude beim Zuhören bereitet hat! :)
Viele Grüße Frank
PS @Wolfgang "teleton": Die von dir genannten Khatchaturian-CDs wandern schon mal auf meine Wunschliste - auch wenn ich das eine oder andere Konzert schon in Alternativeinspielungen habe.
Sully (20.10.2011, 17:07): ... auch nicht zu vergessen - weil wunderschön
Ernö Dohnany (1877-1960, Hungary)
Dohnany - Konzertstück for Cello and Orchestra, Op.12
Maria Kliegel cello; Nicolaus Esterhazy Sinfonia, cond. Micael Halasz rec. 1996
Armin70 (20.10.2011, 18:43): Für Bläser gibt es auch noch ein paar Konzertstücke, z. B.
Emmanuel Chabrier: Larghetto für Horn und Orchester
Paul Dukas: Villanelle für Horn und Orchester Camille Saint-Saens: Morceau de Concert für Horn und Orchester
Claude Debussy: Rhapsodie für Klarinette und Orchester
Alexandre Guilmant (1837 - 1911): Morceau Symphonique für Posaune und Orchester
Rachmaninov (22.10.2011, 11:08): Nennenstwert und empfehlenwert aus meiner Sicht auch das Concertino op. 94 von D. Schostakovich.
Sully (23.10.2011, 14:05): ... meiner Meinung nach gehört auch dazu....
Henri Vieuxtemps (1820-1881) - Fantasia appassionata, Op.35 Keylin, Misha violin, Slovak Radio Symphony Orchestra Conductor Andrew Mogrelia Eine Aufnahme mit Gidon Kremer gefällt mir besser.