Kronos-Quartett - Was haben die, was Anderen fehlt?

Jürgen (22.11.2006, 16:30):
Hallo Freunde der Kammermusik,

vorab Folgendes: Streichquartette der Klassik bzw. Romantik sagen mir eigentlich nicht zu. Da springt einfach (noch) kein Funke.

Und dann habe ich vor einigen Jahren in Darmstadt das Kronos-Quartett erlebt. Da hat mich alles gepackt, was die gespielt haben.

Was machen die anders ?

Grüße aus dem Odenwald (z.Zt. allerdings Darmstadt)

Jürgen
nikolaus (22.11.2006, 17:17):
Hallo Jürgen!

Ob das Kronos Quartett etwas anders macht als die anderen Streichquartette, vermag ich nicht zu sagen. Ich denke, es zeichnet sie eine besondere Neugier und Spielfreude aus.

Ein Vergleich: laß zwei *-Köche das gleiche Gericht auf identische Weise kochen, es wird jeweils anders schmecken; dem einen gefällt es mehr, dem anderen weniger.
So ist das nun einmal in dieser Welt (Gott sei Dank!).

Gruß, Nikolaus.
satie (22.11.2006, 17:38):
Vielleicht ist es aber auch die doch irgendwie sehr amerikanische Spielhaltung der Musiker. Damit meine ich vor allem, dass sie eigentlich alles von Franz Zappa und John Zorn bis Beethoven spielen (was etwa das LaSalle-Quartett niemals tun würde, da ist schon Schostakowitsch tabu). Damit einher geht auch ein gewisses legeres Auftreten, das man bei uns immer noch sehr selten sieht. Ähnlich war das auch vor ein paar Jahren mit einer Gruppe von New Yorker Musikern um Joshua Pierce, die Kaugummi kauend und mit Heavy Metal T-Shirts Werke von Cage, Partch und anderen spielten, im zweiten Block dann Viertelton-Rockmusik (mit einem Fagott als Bass!!). Es war witzig und kurzweilig.

Ich habe absolut keine Ahnung, ob ich das nun besser oder schlechter finden soll als den Purismus, den wir hier haben. Ich neige aber dazu, den Purismus immer mehr zu bevorzugen, solange er gelegentlich sich zu entspannen in der Lage ist. Ein Beispiel dafür, was ich NICHT meine, kann vielleicht zeigen, was ich gern hätte:
Gestern Abend wurde ein neues Klavierstück von mir aufgeführt (mit sagenhaften 20 Menschen im Saal, wie immer). Der Pianist hatte sich entschlossen, in das Programm, welches ausschließlich aus Neuer Musik bestand, auch noch Schumanns Kinderszenen aufzunehmen, weil sich das letzte Stück darauf bezog. Die Veranstalter weigerten sich, das Stück mit im Programmheft abzudrucken, denn das sei ja keine Neue Musik. Und das in einer Konzertreihe mit explizit neuester Musik, ONLY! Also das geht ja nun wirklich nicht.
Wenn der Purismus solche Formen annimmt, finde ich ihn gelinde gesagt zum Kotzen (Sorry, Rachmaninov!). Wenn dieses Bisschen Flexibilität nicht mehr gegeben ist, sind Hopfen und Malz verloren.
Vom Kronos Quartet lernen wir, dass das Gegenteil erfrischend sein kann und sich auch mal interessant auf gängiges Repertoire auswirkt, aber auch Gefahr läuft, nicht mehr kritisch zu sein. Ich habe schon CDs mit diesem Quartett gehört, die ich einfach nur noch miserabel fand, nicht vom Spiel, sondern von der Musik her. Kunterbunte Mischungen aus allen stilistischen Ecken der Welt, davon wird mir irgendwann schlecht.
Aber ich kann verstehen, wenn das auf viele einen erfrischenden Einfluss hat und finde das gut so. Mindestens so erfrischend ist aber auch ein Jordi Savall oder Giardino Armonico, die kein Cross Over benötigen, sondern tiefer in die Quellen eindringen und daraus immer wieder neues schöpfen. Das ist dann Purismus in einer absolut positiven Form.

Technisch gesehen hat das Kronos Quartet von all diesen Cross Over Erfahrungen sicher nur profitieren können. Ich möchte behaupten, es gibt kein Quartett, welches wie dieses alle Stilistiken und Techniken (vor allem ganz neue und ungewohnte) beherrscht und immer wieder so viel dazu lernt (in so kurzer Zeit!). Beim klassischen Repertoire ist es nicht mein Favorit, aber bei neuerer Musik ist es sicher eines der besten Streichquartette, die es gibt.

S A T I E
cellodil (22.11.2006, 23:13):
Original von Satie
Vielleicht ist es aber auch die doch irgendwie sehr amerikanische Spielhaltung der Musiker. Damit meine ich vor allem, dass sie eigentlich alles von Franz Zappa und John Zorn bis Beethoven spielen
(...)
Ich habe schon CDs mit diesem Quartett gehört, die ich einfach nur noch miserabel fand, nicht vom Spiel, sondern von der Musik her. Kunterbunte Mischungen aus allen stilistischen Ecken der Welt, davon wird mir irgendwann schlecht.
Das geht mir auch so.... Ich glaube, das hat mit dem Unterschied zwischen spannungsvollen Bezügen und Beliebigkeit zu tun.

@Jürgen
Was hast Du denn für ein Programm gehört? Hast Du diese Stücke schon einmal von einem anderen Quartett gehört?

Grüße

Sabine

P.S.
@Satie
Original von Satie
Gestern Abend wurde ein neues Klavierstück von mir aufgeführt (mit sagenhaften 20 Menschen im Saal, wie immer).
Das hätte nicht sein müssen! Wir wären bestimmt alle gekommen, wenn Du uns eingeladen hättest (zumal ja im Moment die Gründung des Fan-Clubs ansteht). :leb
ab (23.11.2006, 09:03):
Eigentlich hat Satie alles schon gesagt, was es dazu zu sagen gibt. Einiges von ihrem Repertoir ist fast so nervig wie s.g. Entspannungsmusik. (Eine solche programmwahl rückt sie gefährlich nahe zu Anne Sophie Mutter :ignore)

Was ich aber zu Nikolaus sagen muss, ist, dasss ich überhaupt nicht finde, dass sie eine "besondere Spielfreude" auszeichent: eher understatement und ein kühle coolness ist doch dort zu hören, oder? Außerdem ist der Ton äußerst schlank, um nicht zu sagen dünn. Immerhin hat die "neue" Cellistin dem Quartett enorm gut getan.

Was sie haben, was anderen fehlt, scheint mir ihr Zugang zu jenem Publikum zu sein, das man sonst so auf Vernisagen oder Performances treffen kann: ein Beitrag zur Kunstcomunity.
cellodil (23.11.2006, 14:00):
Original von ab
(Eine solche programmwahl rückt sie gefährlich nahe zu Anne Sophie Mutter :ignore)

Lieber ab,

die Erwähnung birgt Risiken.... Vielleicht sollten wir ihren Namen lieber nicht mehr im Munde führen.

Und Du hast sicher recht, dass das Kronos Quartet anderes Publikum anspricht als sonstige Streichquartette... Das halte ich aber auch für einen Verdienst, wer weiß, ob sich nicht manche dann auch mal herbeilassen, den Altersdurchschnitt in sonstigen Kammermusik-Konzerten zu senken...

Herzliche Grüße

Sabine
ab (23.11.2006, 14:07):
Original von cellodil
[Das halte ich aber auch für einen Verdienst


Ganz meine Ansicht! Mir haben auch Konzerte des Quartetts Spaß gemacht; andere angeödet... (merh spaß hatte ich meist mit dem Balanescu Quartet)
nikolaus (23.11.2006, 21:10):
Original von ab

Was ich aber zu Nikolaus sagen muss, ist, dasss ich überhaupt nicht finde, dass sie eine "besondere Spielfreude" auszeichent: eher understatement und ein kühle coolness ist doch dort zu hören, oder? Außerdem ist der Ton äußerst schlank, um nicht zu sagen dünn. Immerhin hat die "neue" Cellistin dem Quartett enorm gut getan.

Was sie haben, was anderen fehlt, scheint mir ihr Zugang zu jenem Publikum zu sein, das man sonst so auf Vernisagen oder Performances treffen kann: ein Beitrag zur Kunstcomunity.

Als Beispiel kann ich jetzt leider nur eine "off-topic"-CD nennen, da sie in deinen Ohren sicher nicht den Ansprüchen klassischer Streichquartett- Musik entspricht:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2279109.jpg
+Vrebalov: Pannonia Boundless
+Paredes: Cancao Verdes Anos;Romanze Nr. 1
+Burman: Aaj Ki Raat (Tonight is the Night)
+Rangel: La Muerte Chiquita
+Seress: Szomoru Vasarnap (Gloomy Sunday)
+Riley: Cortejo Funebre en el Monte Diablo
+Troilo: Responso
+Kalhor: Gallop of 1000 Horses
+Racy: Ecstasy
+Roubanis: Misirlou Twist
+Taraf de Haidouks: Turceasca

Teilweise sind diese Kompositionen von Osvaldo Golijov bearbeitet, der in letzter Zeit häufiger von sich Reden gemacht hat.
Hier musiziert das Quartett sehr lebendig und feurig und differenziert gut zwischen den einzelnen "landestypischen" Rhythmen.
Man könnte diese CD vielleicht unter der Rubrik Weltmusik laufen lassen.

Bei einem anderen Beispiel gebe ich dir hinsichtlich des Tones durchaus Recht:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8228790.jpg

Werke v. Machaut, Tallis, Dowland, Hildegard v.Bingen, Perotin, Pärt, Gorecki, Schnittke, Cage u. a.
Gerade bei der wirklichen "early" Musik fehlt mir ein spezifischer Ton, es wirkt etwas gleichförmig.
Meiner Meinung nach troztdem ein interessantes Konzept, allerdings schwer zugänglich.

Gruß, Nikolaus.
Jürgen (24.11.2006, 08:40):
Hallo Sabine,

Was hast Du denn für ein Programm gehört? Hast Du diese Stücke schon einmal von einem anderen Quartett gehört?

Deine zweite Frage ist einfacher zu beantworten, deswegen fange ich hier mal an: Nein, dieses Programm habe ich noch von keinem anderen Streichquartett gehört. (Bewusst jedenfalls noch nicht).

Welches Programm? Naja, das ganze ist etwa 8-9 Jahre her und ich habe kein Programmheft mehr. Ich kann also nur recht vage bleiben.
Es gab mindestens ein Stück, das extra für das Quartett komponiert worden ist. Andererseits war auch richtig alte Musik dabei. Dann noch etwas mit World-Music Charakter, ich weiß nicht, ob Afrika, Asien oder Südamerika).
Sicher bin ich mir, dass Purple Haze von Jimi Hendrix als Zugabe gespielt wurde. Das war/ist ja auch einer von deren "Hits".

Grüße
Jürgen
cellodil (24.11.2006, 12:37):
Lieber Jürgen,

ich hatte deshalb nachgefragt, weil ich vermutet hatte, dass Du vielleicht nicht so sehr wegen der Spieltechnik (auch wenn die - siehe Saties Ausführungen oben - durch die Experimentierfreude sicherlich auch geprägt ist), sondern eher wegen der Stücke dieses Quartett als "anders" empfunden hast (eigentlich hattest Du das ja auch in Deiner Frage schon angedeutet).

Eine andere, (jedenfalls für mich) ganz originelle Quartett-Formation ist das - gleichfalls US-amerikanische - "Turtle Island String Quartet". Vielleicht gefällt Dir das ja auch. Ich mag von denen am liebsten "The Hamburg Concert", eine schon etwas ältere CD, erschienen bei CCn'C Records 1998 (ISBN 3-88848-718-8).

Grüße

Sabine
Jürgen (22.11.2006, 16:30):
Hallo Freunde der Kammermusik,

vorab Folgendes: Streichquartette der Klassik bzw. Romantik sagen mir eigentlich nicht zu. Da springt einfach (noch) kein Funke.

Und dann habe ich vor einigen Jahren in Darmstadt das Kronos-Quartett erlebt. Da hat mich alles gepackt, was die gespielt haben.

Was machen die anders ?

Grüße aus dem Odenwald (z.Zt. allerdings Darmstadt)

Jürgen
nikolaus (22.11.2006, 17:17):
Hallo Jürgen!

Ob das Kronos Quartett etwas anders macht als die anderen Streichquartette, vermag ich nicht zu sagen. Ich denke, es zeichnet sie eine besondere Neugier und Spielfreude aus.

Ein Vergleich: laß zwei *-Köche das gleiche Gericht auf identische Weise kochen, es wird jeweils anders schmecken; dem einen gefällt es mehr, dem anderen weniger.
So ist das nun einmal in dieser Welt (Gott sei Dank!).

Gruß, Nikolaus.
satie (22.11.2006, 17:38):
Vielleicht ist es aber auch die doch irgendwie sehr amerikanische Spielhaltung der Musiker. Damit meine ich vor allem, dass sie eigentlich alles von Franz Zappa und John Zorn bis Beethoven spielen (was etwa das LaSalle-Quartett niemals tun würde, da ist schon Schostakowitsch tabu). Damit einher geht auch ein gewisses legeres Auftreten, das man bei uns immer noch sehr selten sieht. Ähnlich war das auch vor ein paar Jahren mit einer Gruppe von New Yorker Musikern um Joshua Pierce, die Kaugummi kauend und mit Heavy Metal T-Shirts Werke von Cage, Partch und anderen spielten, im zweiten Block dann Viertelton-Rockmusik (mit einem Fagott als Bass!!). Es war witzig und kurzweilig.

Ich habe absolut keine Ahnung, ob ich das nun besser oder schlechter finden soll als den Purismus, den wir hier haben. Ich neige aber dazu, den Purismus immer mehr zu bevorzugen, solange er gelegentlich sich zu entspannen in der Lage ist. Ein Beispiel dafür, was ich NICHT meine, kann vielleicht zeigen, was ich gern hätte:
Gestern Abend wurde ein neues Klavierstück von mir aufgeführt (mit sagenhaften 20 Menschen im Saal, wie immer). Der Pianist hatte sich entschlossen, in das Programm, welches ausschließlich aus Neuer Musik bestand, auch noch Schumanns Kinderszenen aufzunehmen, weil sich das letzte Stück darauf bezog. Die Veranstalter weigerten sich, das Stück mit im Programmheft abzudrucken, denn das sei ja keine Neue Musik. Und das in einer Konzertreihe mit explizit neuester Musik, ONLY! Also das geht ja nun wirklich nicht.
Wenn der Purismus solche Formen annimmt, finde ich ihn gelinde gesagt zum Kotzen (Sorry, Rachmaninov!). Wenn dieses Bisschen Flexibilität nicht mehr gegeben ist, sind Hopfen und Malz verloren.
Vom Kronos Quartet lernen wir, dass das Gegenteil erfrischend sein kann und sich auch mal interessant auf gängiges Repertoire auswirkt, aber auch Gefahr läuft, nicht mehr kritisch zu sein. Ich habe schon CDs mit diesem Quartett gehört, die ich einfach nur noch miserabel fand, nicht vom Spiel, sondern von der Musik her. Kunterbunte Mischungen aus allen stilistischen Ecken der Welt, davon wird mir irgendwann schlecht.
Aber ich kann verstehen, wenn das auf viele einen erfrischenden Einfluss hat und finde das gut so. Mindestens so erfrischend ist aber auch ein Jordi Savall oder Giardino Armonico, die kein Cross Over benötigen, sondern tiefer in die Quellen eindringen und daraus immer wieder neues schöpfen. Das ist dann Purismus in einer absolut positiven Form.

Technisch gesehen hat das Kronos Quartet von all diesen Cross Over Erfahrungen sicher nur profitieren können. Ich möchte behaupten, es gibt kein Quartett, welches wie dieses alle Stilistiken und Techniken (vor allem ganz neue und ungewohnte) beherrscht und immer wieder so viel dazu lernt (in so kurzer Zeit!). Beim klassischen Repertoire ist es nicht mein Favorit, aber bei neuerer Musik ist es sicher eines der besten Streichquartette, die es gibt.

S A T I E
cellodil (22.11.2006, 23:13):
Original von Satie
Vielleicht ist es aber auch die doch irgendwie sehr amerikanische Spielhaltung der Musiker. Damit meine ich vor allem, dass sie eigentlich alles von Franz Zappa und John Zorn bis Beethoven spielen
(...)
Ich habe schon CDs mit diesem Quartett gehört, die ich einfach nur noch miserabel fand, nicht vom Spiel, sondern von der Musik her. Kunterbunte Mischungen aus allen stilistischen Ecken der Welt, davon wird mir irgendwann schlecht.
Das geht mir auch so.... Ich glaube, das hat mit dem Unterschied zwischen spannungsvollen Bezügen und Beliebigkeit zu tun.

@Jürgen
Was hast Du denn für ein Programm gehört? Hast Du diese Stücke schon einmal von einem anderen Quartett gehört?

Grüße

Sabine

P.S.
@Satie
Original von Satie
Gestern Abend wurde ein neues Klavierstück von mir aufgeführt (mit sagenhaften 20 Menschen im Saal, wie immer).
Das hätte nicht sein müssen! Wir wären bestimmt alle gekommen, wenn Du uns eingeladen hättest (zumal ja im Moment die Gründung des Fan-Clubs ansteht). :leb
ab (23.11.2006, 09:03):
Eigentlich hat Satie alles schon gesagt, was es dazu zu sagen gibt. Einiges von ihrem Repertoir ist fast so nervig wie s.g. Entspannungsmusik. (Eine solche programmwahl rückt sie gefährlich nahe zu Anne Sophie Mutter :ignore)

Was ich aber zu Nikolaus sagen muss, ist, dasss ich überhaupt nicht finde, dass sie eine "besondere Spielfreude" auszeichent: eher understatement und ein kühle coolness ist doch dort zu hören, oder? Außerdem ist der Ton äußerst schlank, um nicht zu sagen dünn. Immerhin hat die "neue" Cellistin dem Quartett enorm gut getan.

Was sie haben, was anderen fehlt, scheint mir ihr Zugang zu jenem Publikum zu sein, das man sonst so auf Vernisagen oder Performances treffen kann: ein Beitrag zur Kunstcomunity.
cellodil (23.11.2006, 14:00):
Original von ab
(Eine solche programmwahl rückt sie gefährlich nahe zu Anne Sophie Mutter :ignore)

Lieber ab,

die Erwähnung birgt Risiken.... Vielleicht sollten wir ihren Namen lieber nicht mehr im Munde führen.

Und Du hast sicher recht, dass das Kronos Quartet anderes Publikum anspricht als sonstige Streichquartette... Das halte ich aber auch für einen Verdienst, wer weiß, ob sich nicht manche dann auch mal herbeilassen, den Altersdurchschnitt in sonstigen Kammermusik-Konzerten zu senken...

Herzliche Grüße

Sabine
ab (23.11.2006, 14:07):
Original von cellodil
[Das halte ich aber auch für einen Verdienst


Ganz meine Ansicht! Mir haben auch Konzerte des Quartetts Spaß gemacht; andere angeödet... (merh spaß hatte ich meist mit dem Balanescu Quartet)
nikolaus (23.11.2006, 21:10):
Original von ab

Was ich aber zu Nikolaus sagen muss, ist, dasss ich überhaupt nicht finde, dass sie eine "besondere Spielfreude" auszeichent: eher understatement und ein kühle coolness ist doch dort zu hören, oder? Außerdem ist der Ton äußerst schlank, um nicht zu sagen dünn. Immerhin hat die "neue" Cellistin dem Quartett enorm gut getan.

Was sie haben, was anderen fehlt, scheint mir ihr Zugang zu jenem Publikum zu sein, das man sonst so auf Vernisagen oder Performances treffen kann: ein Beitrag zur Kunstcomunity.

Als Beispiel kann ich jetzt leider nur eine "off-topic"-CD nennen, da sie in deinen Ohren sicher nicht den Ansprüchen klassischer Streichquartett- Musik entspricht:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2279109.jpg
+Vrebalov: Pannonia Boundless
+Paredes: Cancao Verdes Anos;Romanze Nr. 1
+Burman: Aaj Ki Raat (Tonight is the Night)
+Rangel: La Muerte Chiquita
+Seress: Szomoru Vasarnap (Gloomy Sunday)
+Riley: Cortejo Funebre en el Monte Diablo
+Troilo: Responso
+Kalhor: Gallop of 1000 Horses
+Racy: Ecstasy
+Roubanis: Misirlou Twist
+Taraf de Haidouks: Turceasca

Teilweise sind diese Kompositionen von Osvaldo Golijov bearbeitet, der in letzter Zeit häufiger von sich Reden gemacht hat.
Hier musiziert das Quartett sehr lebendig und feurig und differenziert gut zwischen den einzelnen "landestypischen" Rhythmen.
Man könnte diese CD vielleicht unter der Rubrik Weltmusik laufen lassen.

Bei einem anderen Beispiel gebe ich dir hinsichtlich des Tones durchaus Recht:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8228790.jpg

Werke v. Machaut, Tallis, Dowland, Hildegard v.Bingen, Perotin, Pärt, Gorecki, Schnittke, Cage u. a.
Gerade bei der wirklichen "early" Musik fehlt mir ein spezifischer Ton, es wirkt etwas gleichförmig.
Meiner Meinung nach troztdem ein interessantes Konzept, allerdings schwer zugänglich.

Gruß, Nikolaus.
Jürgen (24.11.2006, 08:40):
Hallo Sabine,

Was hast Du denn für ein Programm gehört? Hast Du diese Stücke schon einmal von einem anderen Quartett gehört?

Deine zweite Frage ist einfacher zu beantworten, deswegen fange ich hier mal an: Nein, dieses Programm habe ich noch von keinem anderen Streichquartett gehört. (Bewusst jedenfalls noch nicht).

Welches Programm? Naja, das ganze ist etwa 8-9 Jahre her und ich habe kein Programmheft mehr. Ich kann also nur recht vage bleiben.
Es gab mindestens ein Stück, das extra für das Quartett komponiert worden ist. Andererseits war auch richtig alte Musik dabei. Dann noch etwas mit World-Music Charakter, ich weiß nicht, ob Afrika, Asien oder Südamerika).
Sicher bin ich mir, dass Purple Haze von Jimi Hendrix als Zugabe gespielt wurde. Das war/ist ja auch einer von deren "Hits".

Grüße
Jürgen
cellodil (24.11.2006, 12:37):
Lieber Jürgen,

ich hatte deshalb nachgefragt, weil ich vermutet hatte, dass Du vielleicht nicht so sehr wegen der Spieltechnik (auch wenn die - siehe Saties Ausführungen oben - durch die Experimentierfreude sicherlich auch geprägt ist), sondern eher wegen der Stücke dieses Quartett als "anders" empfunden hast (eigentlich hattest Du das ja auch in Deiner Frage schon angedeutet).

Eine andere, (jedenfalls für mich) ganz originelle Quartett-Formation ist das - gleichfalls US-amerikanische - "Turtle Island String Quartet". Vielleicht gefällt Dir das ja auch. Ich mag von denen am liebsten "The Hamburg Concert", eine schon etwas ältere CD, erschienen bei CCn'C Records 1998 (ISBN 3-88848-718-8).

Grüße

Sabine