Künstler heute und Künstler früher- Wer überzeugt uns mehr?

andreas (04.08.2006, 09:02):
Liebe Freunde und Freundinnen,
Ärgert es euch nicht auch so sehr wie mich, dass wenn ihr euch wieder eine CD gekauft habt mit einem noch lebenden Interpreten, dass er oder sie nicht dass Niveau der alten, legendären Interpreten erreicht. Aus Erfahrung greife ich heute immer häufiger zu EInspielungen aus den 30er, 40er oder 50er Jahren.

Ich bin der Überzeugung, dass Interpreten der genannten Jahrzehnte lebendiger und vor allem individueller gespielt haben und deshalb die grösseren Künstler waren.

Woran mag das liegen:

Liegt es vielleicht daran, dass heute das grosse Publikum fehlt, (viele Konzertsälle sind halbleer) , dass die Musiker zu Spitzenleistungen motivieren würde? Früher wurden die Künstler (z.B Jascha heifetz)
verehrt und umjubelt, heute werden Pfeifen wie Lang Lang zu Stars oder Superstars hochgejubelt, die sie in Wirklichkeit nicht sind.

Oder liegt es an der Ausbildung der heutigen Musiker, die vor allem Wert auf manuelle Perfektion legt und den individuellen Ausdruck ein wenig vernachlässigt?

teilt ihr meine Ansicht? wenn ja, warum? oder nicht, gerne, aber dann begründet es doch bitte. fallen euch noch Gründe ein?

Mit freundlichen Grüßen
Andreas
ab (04.08.2006, 09:39):
Ich meine, dass es heute mehr gute Instrumentalisten als früher gibt, dass aber die Anzahl der wahren großen Musiker gleich geblieben ist. Wirklich große Musiker gibt es nun einmal in jeder Generation wenige.
Rachmaninov (10.08.2006, 21:19):
Original von ab
Ich meine, dass es heute mehr gute Instrumentalisten als früher gibt, dass aber die Anzahl der wahren großen Musiker gleich geblieben ist. Wirklich große Musiker gibt es nun einmal in jeder Generation wenige.

@ab,

da schließe ich mich Dir an!
Das Niveau der Ausblidung ermöglicht es heute das nahezu alle Talente die Möglichkeit haben zu großen Instrumentalisten zu reifen.

Die Technik hat man heute einfach. Daher zielt bei den meisten Pädagogen wie z.B. Bashkirov der "Feinschliff" eher auf den Ausdruck.

Pianisten Cellisten und Geiger!

Es gibt wirklich zahlreiche, die Beachtung verdienenen. Wahrscheinlich sogar mehr als der Tonträgermarkt "verkraften" kann.

Um so verwunderlicher manchmal, daß manche einen Vertrag bekommen und andere "leer" ausgehen! Aber so ist das manchmal .......... :I
Rachmaninov (10.08.2006, 21:22):
Original von andreas
Aus Erfahrung greife ich heute immer häufiger zu EInspielungen aus den 30er, 40er oder 50er Jahren.

Ich bin der Überzeugung, dass Interpreten der genannten Jahrzehnte lebendiger und vor allem individueller gespielt haben und deshalb die grösseren Künstler waren.


Vor allem hatten dies Künstler den wesentlichen Vorteil, daß erst zu ihrer Zeit Musik in Form von Tonträgern bzw. Radioübertragungen möglich war.

Alles DANACH wird unweigerlich mit diesen Aufnahmen verglichen!

Beispiele gefällig?

Jede Sibelius Aufnahme mit Heifetz
Schostakowitsch mit Oistrach
Khachaturian mit Kogan

Dazu kommt noch das vielen dieser Musiker Werke gewidmet wurde!
AcomA (10.08.2006, 22:28):
hallo,

ich bin der meinung, dass unbewusst auch eine heroisierung damaliger künstler sich im kopf festsetzt. die künstler leben nicht mehr. man weiß, dass man sie nie wird live erleben können. die aufnahmen kommen einem vor, wie aus dem jenseits.

außerdem wird man sie mit der modernen aufnahmetechnik niemals hören können, welche gnadenlos selbst minutiöse defizite aufdeckt. die lebenden künstler sind gezwungen, ihre interpretationen makellos zu gestalten. da diese interpretationen so perfekt klingen und z.b. die spezifischen obertöne der mono-aufnahmen fehlen, muten sie einem nicht individualistisch an.

umso erstaunlicher sind die interpretationen moderner künstler wie ivo pogorelich und boris berezovsky oder valery afanassiev, welche einen eigenen weg verfolgen. ihre interpretationen setzen sich von den übrigen deutlich ab ! daher konstatiere ich, es gibt heute nicht weniger individualisten als früher !

gruß, siamak :)
Rachmaninov (11.08.2006, 10:11):
@Siamak,

diese Heroisierung findet aber nicht nur durch uns Muskliebhaber statt, sondern wird auch durch die heute aktiven Musiker "betrieben".

So nennen z.B. zahlreiche Geiger David Oistrach als ihr großes Vorbild.

Ein Beispiel ist dabei sicher Julia Fischer, die dies im Booklet ihrer ersten CD Veröffentlichung selber schrieb.
Rachmaninov (11.08.2006, 10:14):
Original von AcomA
hallo,

ich bin der meinung, dass unbewusst auch eine heroisierung damaliger künstler sich im kopf festsetzt. die künstler leben nicht mehr. man weiß, dass man sie nie wird live erleben können. die aufnahmen kommen einem vor, wie aus dem jenseits.

außerdem wird man sie mit der modernen aufnahmetechnik niemals hören können, welche gnadenlos selbst minutiöse defizite aufdeckt. die lebenden künstler sind gezwungen, ihre interpretationen makellos zu gestalten. da diese interpretationen so perfekt klingen und z.b. die spezifischen obertöne der mono-aufnahmen fehlen, muten sie einem nicht individualistisch an.


Klassisches Beispiel ist für mich hier auch die Aufnahme des Schumann Klavierkonzerts mit D. Lipatti.
IMO ist die Klangqualität der Aufnahme so schlecht, daß man seine Lesitung alleine vom Tonträger her überhaupt gar nicht bewerten kann.

Die Heroisierung dieser Aufnahme beruht hier wohl mehr auf die Berichte verschiedener Zeitzeugen als auf hörbare Fakten.
Janina (14.08.2006, 19:49):
Trotzdem, es ist schon richtig, dass heutzutage sehr viel Wert auf die technische Perfektion gelegt wird. Und da frage ich mich schon, ob die Ausstrahlung der Callas auch heuzutage ihre stimmlichen Schwächen überdecken könnte...
Rachmaninov (15.09.2006, 09:21):
Original von andreas
Früher wurden die Künstler (z.B Jascha heifetz)
verehrt und umjubelt, heute werden Pfeifen wie Lang Lang zu Stars oder Superstars hochgejubelt, die sie in Wirklichkeit nicht sind.


Diese Aussage ist IMO inhaltlich falsch!

Lang Lang ist einer der Superstars der Klassik-Szene.
Seine Aufnahmen verkaufen sich gut, die Konzerte sind sehr gut besucht.

Es bleibt jedoch die Frage, die jeder für sich beantworten mag oder nicht, ob er ein großer Künstler / Pianist ist.

R
satie (15.09.2006, 11:14):
Original von Janina
Trotzdem, es ist schon richtig, dass heutzutage sehr viel Wert auf die technische Perfektion gelegt wird. Und da frage ich mich schon, ob die Ausstrahlung der Callas auch heuzutage ihre stimmlichen Schwächen überdecken könnte...

BRAVA!
Und noch vielmehr bei den Herren Pavarotti, Domingo und last and least Carreras! Man höre sich einmal an
a) wie diese drei Trotteln gemeinsam versuchen, bei O Sole Mio einen Triller zu singen, das zieht einem echt die Schuhe samt den Hühneraugen aus
b) wie die englisch singen! (Mämm-orriiiiiih, wott ä saundä fromä dä päivämänt......)

Und dann haben die noch Allüren ohne Ende (Pavarotti etwa liess sich in den letzten Opernproduktionen nur noch auf einem Fahrbaren Podest an die jeweiligen Positionen schieben, gesungen hat er in den Proben eh nicht mehr). Oder Jessie Norman als besonders übles Beispiel (eine Carmen, die jeden Mann einfach nur unter sich zerquetschen würde). Sie hat für den Dirigenten einen Anwalt dabei, der ihm einen 50-seitigen Vertrag unter die Nase hält, der unte anderem besagt, dass Jessie Norman nicht angesprochen werden darf (na dann probt mal schön...).
Wohlgemerkt, mir geht es darum, dass Leute diese Allüren haben, die ganz sicher nicht aufgrund ihrer technischen Leistung solche haben dürften. Und einem Lang Lang wirft man nun vor, dass er gepuscht wird. Aber immerhin hat er eine Technik, die sich sehen lassen kann. Es ist halt heute so, dass das Marketing viel schneller und professioneller greift als früher, wo die Branche noch etwas familiärer war. Schaut euch die heutigen Tennisspieler an! Da gibt es halt ewige Grundlinienduelle, die erst mal stinklangweilig sind (oder dann speziell getrimmte Serve and Volley Spieler, die immer gleich ans Netz rennen). Natürlich war früherdas Spiel interessanter, als Borg noch mit dem Holzschläger ankam oder Yannik Noah für alle den Affen gemacht hat. Aber technisch sind die Spieler heute sicher solider, und sie sind eben von Anfang an in eine unglaubliche Marketing-Maschine eingebunden. Das ist Zeitgeist. Man hat andere Verträge, mehr finanzielles Risiko, zu viel Konkurrenz.
Rachmaninov hat schon Recht, wenn er sagt, dass wir letztlich nicht darüber diskutieren müssen, werhier Superstar ist und wer nicht. Nur die künstlerische Leistung müssen wir bewerten, und daswird uns halt manchmal schwer gemacht in diesem Vermarktungsdschungel. Darüber zu diskutieren ist unsere Aufgabe hier.

Satie
Rachmaninov (15.09.2006, 11:23):
Original von Satie

Schaut euch die heutigen Tennisspieler an! Da gibt es halt ewige Grundlinienduelle, die erst mal stinklangweilig sind (oder dann speziell getrimmte Serve and Volley Spieler, die immer gleich ans Netz rennen). Natürlich war früherdas Spiel interessanter, als Borg noch mit dem Holzschläger ankam oder Yannik Noah für alle den Affen gemacht hat. Aber technisch sind die Spieler heute sicher solider, und sie sind eben von Anfang an in eine unglaubliche Marketing-Maschine eingebunden. Das ist Zeitgeist. Man hat andere Verträge, mehr finanzielles Risiko, zu viel Konkurrenz.
Satie

Also, dieser Roger Federer ist von allen Spielern, die ich seit Borg's Tagen sah ,wohl der beste Spieler aller Zeiten.
LazarusLong (15.09.2006, 13:52):
@Janina

Wie kannst Du es wagen die große Callas zu kritisieren? :times10 Ich stöbere seit einiger Zeit in diversen Klassikforen und konnte die Verherrlichung einer Callas, die überall betrieben wird, nie nachvollziehen. Ich besitze 6 verschiedene CDs mit Aufnahmen diverser Stücke von ihr und konnte mich mit keinem richtig anfreunden. Sie war gut und mit Sicherheit eine Persönlichkeit, aber ihre künstlerischen Fähigkeiten werden, meiner Meinung nach, überbewertet.
LazarusLong (15.09.2006, 13:59):
@andreas - leere Konzertsäle

Kann ich so nicht unterschrieben. Ich kenne die deutschen Verhältnisse nicht mehr, da ich seit mittlerweile 10 Jahren in Polen lebe. Wir haben hier eine sehr aktive und lebendige Klassikszene, und fast jedes Konzert ist ausverkauft. Allerdings ist hier auch das Verhältnis der jüngeren Generation zur Klassik ganz anders. Hier gilt es nicht als uncool klassische Musik zu hören und es kann durchaus passieren, daß der Ghettoblaster im Park Beethovens 5te spielt.
Jimi (17.09.2006, 15:43):
Original von LazarusLong

Ich besitze 6 verschiedene CDs mit Aufnahmen diverser Stücke von ihr und konnte mich mit keinem richtig anfreunden. Sie war gut und mit Sicherheit eine Persönlichkeit, aber ihre künstlerischen Fähigkeiten werden, meiner Meinung nach, überbewertet.

@ LazarusLong

In diesem Zusammenhang interessiert mich, auf welche Aufnahmen du dich genau beziehst, und welche Sängerinnen du bevorzugst(bei diesen Stücken oder allgemein).

An guten Sopranistinnen die ich event. noch nicht kenne bin ich immer interessiert. :wink

:hello Jimi
LazarusLong (18.09.2006, 06:58):
Hi Jimi

Ich mu+ dich mit meiner Antwort auf morgen vertrösten, die Callas Cds stehen bei mir zu Hause im Regal. Erwarte aber nichts besonderes, ich habe mir aus reinere Neugierde, ein paar "Best of" und ähnliches geholt, weil ich einfach mal wissen wollte, ob an dem ganzen heiopei um die Callas was dran ist.
Meine Favoriten zur Zeit:
Kiri te Kanawa (eigentlich Mezzosopran ??)
Joan Sutherland
Mirella Freni
etc ad infinitum
Komischerweise kann ich auch mit der so sehr gelobten Netrebko nicht viel anfangen, mir fehlen bei Ihr die Wärme und die Emotionalität einer Freni. Vielleicht habe ich von ihr auch nur die falschen Stücke gehört, bzw. gesehen.
Ansonsten werde ich heute abend noch mal ein bißchen stübern und kann Dir vielleicht morgen noch ein paar weniger bekannte Namen sagen.

Gruß

LL
Telramund (18.09.2006, 10:46):
Original von LazarusLong
Meine Favoriten zur Zeit:
Kiri te Kanawa (eigentlich Mezzosopran ??)


...streiche den Mezzo... :wink
LazarusLong (18.09.2006, 10:53):
Deswegen die Fragezeichen, war mir nicht sicher und bin zugegebenermassen nciht wirklich firm in dieser Thematik. Bin mehr Geniesser als Fachmann, bin aber lernfähig und lernwillig.

Gruß LL
andreas (04.08.2006, 09:02):
Liebe Freunde und Freundinnen,
Ärgert es euch nicht auch so sehr wie mich, dass wenn ihr euch wieder eine CD gekauft habt mit einem noch lebenden Interpreten, dass er oder sie nicht dass Niveau der alten, legendären Interpreten erreicht. Aus Erfahrung greife ich heute immer häufiger zu EInspielungen aus den 30er, 40er oder 50er Jahren.

Ich bin der Überzeugung, dass Interpreten der genannten Jahrzehnte lebendiger und vor allem individueller gespielt haben und deshalb die grösseren Künstler waren.

Woran mag das liegen:

Liegt es vielleicht daran, dass heute das grosse Publikum fehlt, (viele Konzertsälle sind halbleer) , dass die Musiker zu Spitzenleistungen motivieren würde? Früher wurden die Künstler (z.B Jascha heifetz)
verehrt und umjubelt, heute werden Pfeifen wie Lang Lang zu Stars oder Superstars hochgejubelt, die sie in Wirklichkeit nicht sind.

Oder liegt es an der Ausbildung der heutigen Musiker, die vor allem Wert auf manuelle Perfektion legt und den individuellen Ausdruck ein wenig vernachlässigt?

teilt ihr meine Ansicht? wenn ja, warum? oder nicht, gerne, aber dann begründet es doch bitte. fallen euch noch Gründe ein?

Mit freundlichen Grüßen
Andreas
ab (04.08.2006, 09:39):
Ich meine, dass es heute mehr gute Instrumentalisten als früher gibt, dass aber die Anzahl der wahren großen Musiker gleich geblieben ist. Wirklich große Musiker gibt es nun einmal in jeder Generation wenige.
Rachmaninov (10.08.2006, 21:19):
Original von ab
Ich meine, dass es heute mehr gute Instrumentalisten als früher gibt, dass aber die Anzahl der wahren großen Musiker gleich geblieben ist. Wirklich große Musiker gibt es nun einmal in jeder Generation wenige.

@ab,

da schließe ich mich Dir an!
Das Niveau der Ausblidung ermöglicht es heute das nahezu alle Talente die Möglichkeit haben zu großen Instrumentalisten zu reifen.

Die Technik hat man heute einfach. Daher zielt bei den meisten Pädagogen wie z.B. Bashkirov der "Feinschliff" eher auf den Ausdruck.

Pianisten Cellisten und Geiger!

Es gibt wirklich zahlreiche, die Beachtung verdienenen. Wahrscheinlich sogar mehr als der Tonträgermarkt "verkraften" kann.

Um so verwunderlicher manchmal, daß manche einen Vertrag bekommen und andere "leer" ausgehen! Aber so ist das manchmal .......... :I
Rachmaninov (10.08.2006, 21:22):
Original von andreas
Aus Erfahrung greife ich heute immer häufiger zu EInspielungen aus den 30er, 40er oder 50er Jahren.

Ich bin der Überzeugung, dass Interpreten der genannten Jahrzehnte lebendiger und vor allem individueller gespielt haben und deshalb die grösseren Künstler waren.


Vor allem hatten dies Künstler den wesentlichen Vorteil, daß erst zu ihrer Zeit Musik in Form von Tonträgern bzw. Radioübertragungen möglich war.

Alles DANACH wird unweigerlich mit diesen Aufnahmen verglichen!

Beispiele gefällig?

Jede Sibelius Aufnahme mit Heifetz
Schostakowitsch mit Oistrach
Khachaturian mit Kogan

Dazu kommt noch das vielen dieser Musiker Werke gewidmet wurde!
AcomA (10.08.2006, 22:28):
hallo,

ich bin der meinung, dass unbewusst auch eine heroisierung damaliger künstler sich im kopf festsetzt. die künstler leben nicht mehr. man weiß, dass man sie nie wird live erleben können. die aufnahmen kommen einem vor, wie aus dem jenseits.

außerdem wird man sie mit der modernen aufnahmetechnik niemals hören können, welche gnadenlos selbst minutiöse defizite aufdeckt. die lebenden künstler sind gezwungen, ihre interpretationen makellos zu gestalten. da diese interpretationen so perfekt klingen und z.b. die spezifischen obertöne der mono-aufnahmen fehlen, muten sie einem nicht individualistisch an.

umso erstaunlicher sind die interpretationen moderner künstler wie ivo pogorelich und boris berezovsky oder valery afanassiev, welche einen eigenen weg verfolgen. ihre interpretationen setzen sich von den übrigen deutlich ab ! daher konstatiere ich, es gibt heute nicht weniger individualisten als früher !

gruß, siamak :)
Rachmaninov (11.08.2006, 10:11):
@Siamak,

diese Heroisierung findet aber nicht nur durch uns Muskliebhaber statt, sondern wird auch durch die heute aktiven Musiker "betrieben".

So nennen z.B. zahlreiche Geiger David Oistrach als ihr großes Vorbild.

Ein Beispiel ist dabei sicher Julia Fischer, die dies im Booklet ihrer ersten CD Veröffentlichung selber schrieb.
Rachmaninov (11.08.2006, 10:14):
Original von AcomA
hallo,

ich bin der meinung, dass unbewusst auch eine heroisierung damaliger künstler sich im kopf festsetzt. die künstler leben nicht mehr. man weiß, dass man sie nie wird live erleben können. die aufnahmen kommen einem vor, wie aus dem jenseits.

außerdem wird man sie mit der modernen aufnahmetechnik niemals hören können, welche gnadenlos selbst minutiöse defizite aufdeckt. die lebenden künstler sind gezwungen, ihre interpretationen makellos zu gestalten. da diese interpretationen so perfekt klingen und z.b. die spezifischen obertöne der mono-aufnahmen fehlen, muten sie einem nicht individualistisch an.


Klassisches Beispiel ist für mich hier auch die Aufnahme des Schumann Klavierkonzerts mit D. Lipatti.
IMO ist die Klangqualität der Aufnahme so schlecht, daß man seine Lesitung alleine vom Tonträger her überhaupt gar nicht bewerten kann.

Die Heroisierung dieser Aufnahme beruht hier wohl mehr auf die Berichte verschiedener Zeitzeugen als auf hörbare Fakten.
Janina (14.08.2006, 19:49):
Trotzdem, es ist schon richtig, dass heutzutage sehr viel Wert auf die technische Perfektion gelegt wird. Und da frage ich mich schon, ob die Ausstrahlung der Callas auch heuzutage ihre stimmlichen Schwächen überdecken könnte...
Rachmaninov (15.09.2006, 09:21):
Original von andreas
Früher wurden die Künstler (z.B Jascha heifetz)
verehrt und umjubelt, heute werden Pfeifen wie Lang Lang zu Stars oder Superstars hochgejubelt, die sie in Wirklichkeit nicht sind.


Diese Aussage ist IMO inhaltlich falsch!

Lang Lang ist einer der Superstars der Klassik-Szene.
Seine Aufnahmen verkaufen sich gut, die Konzerte sind sehr gut besucht.

Es bleibt jedoch die Frage, die jeder für sich beantworten mag oder nicht, ob er ein großer Künstler / Pianist ist.

R
satie (15.09.2006, 11:14):
Original von Janina
Trotzdem, es ist schon richtig, dass heutzutage sehr viel Wert auf die technische Perfektion gelegt wird. Und da frage ich mich schon, ob die Ausstrahlung der Callas auch heuzutage ihre stimmlichen Schwächen überdecken könnte...

BRAVA!
Und noch vielmehr bei den Herren Pavarotti, Domingo und last and least Carreras! Man höre sich einmal an
a) wie diese drei Trotteln gemeinsam versuchen, bei O Sole Mio einen Triller zu singen, das zieht einem echt die Schuhe samt den Hühneraugen aus
b) wie die englisch singen! (Mämm-orriiiiiih, wott ä saundä fromä dä päivämänt......)

Und dann haben die noch Allüren ohne Ende (Pavarotti etwa liess sich in den letzten Opernproduktionen nur noch auf einem Fahrbaren Podest an die jeweiligen Positionen schieben, gesungen hat er in den Proben eh nicht mehr). Oder Jessie Norman als besonders übles Beispiel (eine Carmen, die jeden Mann einfach nur unter sich zerquetschen würde). Sie hat für den Dirigenten einen Anwalt dabei, der ihm einen 50-seitigen Vertrag unter die Nase hält, der unte anderem besagt, dass Jessie Norman nicht angesprochen werden darf (na dann probt mal schön...).
Wohlgemerkt, mir geht es darum, dass Leute diese Allüren haben, die ganz sicher nicht aufgrund ihrer technischen Leistung solche haben dürften. Und einem Lang Lang wirft man nun vor, dass er gepuscht wird. Aber immerhin hat er eine Technik, die sich sehen lassen kann. Es ist halt heute so, dass das Marketing viel schneller und professioneller greift als früher, wo die Branche noch etwas familiärer war. Schaut euch die heutigen Tennisspieler an! Da gibt es halt ewige Grundlinienduelle, die erst mal stinklangweilig sind (oder dann speziell getrimmte Serve and Volley Spieler, die immer gleich ans Netz rennen). Natürlich war früherdas Spiel interessanter, als Borg noch mit dem Holzschläger ankam oder Yannik Noah für alle den Affen gemacht hat. Aber technisch sind die Spieler heute sicher solider, und sie sind eben von Anfang an in eine unglaubliche Marketing-Maschine eingebunden. Das ist Zeitgeist. Man hat andere Verträge, mehr finanzielles Risiko, zu viel Konkurrenz.
Rachmaninov hat schon Recht, wenn er sagt, dass wir letztlich nicht darüber diskutieren müssen, werhier Superstar ist und wer nicht. Nur die künstlerische Leistung müssen wir bewerten, und daswird uns halt manchmal schwer gemacht in diesem Vermarktungsdschungel. Darüber zu diskutieren ist unsere Aufgabe hier.

Satie
Rachmaninov (15.09.2006, 11:23):
Original von Satie

Schaut euch die heutigen Tennisspieler an! Da gibt es halt ewige Grundlinienduelle, die erst mal stinklangweilig sind (oder dann speziell getrimmte Serve and Volley Spieler, die immer gleich ans Netz rennen). Natürlich war früherdas Spiel interessanter, als Borg noch mit dem Holzschläger ankam oder Yannik Noah für alle den Affen gemacht hat. Aber technisch sind die Spieler heute sicher solider, und sie sind eben von Anfang an in eine unglaubliche Marketing-Maschine eingebunden. Das ist Zeitgeist. Man hat andere Verträge, mehr finanzielles Risiko, zu viel Konkurrenz.
Satie

Also, dieser Roger Federer ist von allen Spielern, die ich seit Borg's Tagen sah ,wohl der beste Spieler aller Zeiten.
LazarusLong (15.09.2006, 13:52):
@Janina

Wie kannst Du es wagen die große Callas zu kritisieren? :times10 Ich stöbere seit einiger Zeit in diversen Klassikforen und konnte die Verherrlichung einer Callas, die überall betrieben wird, nie nachvollziehen. Ich besitze 6 verschiedene CDs mit Aufnahmen diverser Stücke von ihr und konnte mich mit keinem richtig anfreunden. Sie war gut und mit Sicherheit eine Persönlichkeit, aber ihre künstlerischen Fähigkeiten werden, meiner Meinung nach, überbewertet.
LazarusLong (15.09.2006, 13:59):
@andreas - leere Konzertsäle

Kann ich so nicht unterschrieben. Ich kenne die deutschen Verhältnisse nicht mehr, da ich seit mittlerweile 10 Jahren in Polen lebe. Wir haben hier eine sehr aktive und lebendige Klassikszene, und fast jedes Konzert ist ausverkauft. Allerdings ist hier auch das Verhältnis der jüngeren Generation zur Klassik ganz anders. Hier gilt es nicht als uncool klassische Musik zu hören und es kann durchaus passieren, daß der Ghettoblaster im Park Beethovens 5te spielt.
Jimi (17.09.2006, 15:43):
Original von LazarusLong

Ich besitze 6 verschiedene CDs mit Aufnahmen diverser Stücke von ihr und konnte mich mit keinem richtig anfreunden. Sie war gut und mit Sicherheit eine Persönlichkeit, aber ihre künstlerischen Fähigkeiten werden, meiner Meinung nach, überbewertet.

@ LazarusLong

In diesem Zusammenhang interessiert mich, auf welche Aufnahmen du dich genau beziehst, und welche Sängerinnen du bevorzugst(bei diesen Stücken oder allgemein).

An guten Sopranistinnen die ich event. noch nicht kenne bin ich immer interessiert. :wink

:hello Jimi
LazarusLong (18.09.2006, 06:58):
Hi Jimi

Ich mu+ dich mit meiner Antwort auf morgen vertrösten, die Callas Cds stehen bei mir zu Hause im Regal. Erwarte aber nichts besonderes, ich habe mir aus reinere Neugierde, ein paar "Best of" und ähnliches geholt, weil ich einfach mal wissen wollte, ob an dem ganzen heiopei um die Callas was dran ist.
Meine Favoriten zur Zeit:
Kiri te Kanawa (eigentlich Mezzosopran ??)
Joan Sutherland
Mirella Freni
etc ad infinitum
Komischerweise kann ich auch mit der so sehr gelobten Netrebko nicht viel anfangen, mir fehlen bei Ihr die Wärme und die Emotionalität einer Freni. Vielleicht habe ich von ihr auch nur die falschen Stücke gehört, bzw. gesehen.
Ansonsten werde ich heute abend noch mal ein bißchen stübern und kann Dir vielleicht morgen noch ein paar weniger bekannte Namen sagen.

Gruß

LL
Telramund (18.09.2006, 10:46):
Original von LazarusLong
Meine Favoriten zur Zeit:
Kiri te Kanawa (eigentlich Mezzosopran ??)


...streiche den Mezzo... :wink
LazarusLong (18.09.2006, 10:53):
Deswegen die Fragezeichen, war mir nicht sicher und bin zugegebenermassen nciht wirklich firm in dieser Thematik. Bin mehr Geniesser als Fachmann, bin aber lernfähig und lernwillig.

Gruß LL
Hosenrolle1 (26.04.2016, 20:16):
Original von Satie
BRAVA!
Und noch vielmehr bei den Herren Pavarotti, Domingo und last and least Carreras! Man höre sich einmal an
a) wie diese drei Trotteln gemeinsam versuchen, bei O Sole Mio einen Triller zu singen, das zieht einem echt die Schuhe samt den Hühneraugen aus
b) wie die englisch singen! (Mämm-orriiiiiih, wott ä saundä fromä dä päivämänt......)

Und dann haben die noch Allüren ohne Ende (Pavarotti etwa liess sich in den letzten Opernproduktionen nur noch auf einem Fahrbaren Podest an die jeweiligen Positionen schieben, gesungen hat er in den Proben eh nicht mehr).

Diese Allüren finde ich besonders schlimm; in dem Buch "Das Schwarze sind die Noten" steht, dass Pavarotti sich einmal für einen Auftritt in Wien (keine Oper) auf der Bühne einen Paravent aufstellen hat lassen, dahinter ein eigens engagierter Koch, der dem Meister permanent frische Nudelsuppe bereit halten musste. Ich glaube nicht, dass das nur eine erfundene Geschichte ist.

Ich glaube ja fast, dass besonders die Fans so etwas als liebenswerte Eigenheiten hinnehmen oder gar verehren, weil "so sind ja die Künstler, da gehört das dazu".
Ich bin nicht der Meinung, dass man sich, nur weil man berühmt ist (ob zu Recht oder zu Unrecht) aufführen kann.


Oder Jessie Norman als besonders übles Beispiel (eine Carmen, die jeden Mann einfach nur unter sich zerquetschen würde). Sie hat für den Dirigenten einen Anwalt dabei, der ihm einen 50-seitigen Vertrag unter die Nase hält, der unte anderem besagt, dass Jessie Norman nicht angesprochen werden darf (na dann probt mal schön...).

Noch schlimmer - aber ihre Stimme finde ich furchtbar, unerträglich (wenn ich an ihre Sieglinde denke ...), insofern passend zur Attitüde :D

Sowas kenne ich eigentlich nur aus dem Popbusiness. Harald Schmidt hat um 2002 herum erzählt, dass, als der kürzlich verstorbene Prince dort war, es die Anweisung gab, Prince nicht anzureden. Der Künstler saß in der Garderobe alleine auf einer alten Decke, absolvierte seinen Auftritt um dann grußlos direkt nach draußen zu gehen und wegzufahren.


Original von LazarusLong

Wie kannst Du es wagen die große Callas zu kritisieren? 10times10 Ich stöbere seit einiger Zeit in diversen Klassikforen und konnte die Verherrlichung einer Callas, die überall betrieben wird, nie nachvollziehen. Ich besitze 6 verschiedene CDs mit Aufnahmen diverser Stücke von ihr und konnte mich mit keinem richtig anfreunden. Sie war gut und mit Sicherheit eine Persönlichkeit, aber ihre künstlerischen Fähigkeiten werden, meiner Meinung nach, überbewertet.

Da fällt mir wiederum ein, was Karajan in einem Interview erzählt hat. Er hat ein Stück inszeniert, in dem oben besagte Sängerin auftreten sollte. In der Inszenierung gab es vor der Bühne einen durchsichtigen Vorhang, und die Sängerin weigerte sich zu singen, wenn dieser Vorhang da bleibt, worauf Karajan zu einem anderen meinte, dass sie sich um eine neue Sängerin umschauen. Callas weinte dann in ihrer Garderobe.
Karajan meinte, dass er kein Problem gehabt hätte, wenn sie gesagt hätte "OK, probieren wir das aus" und hinterher "Das ist mir zu schwierig, weil ...". Es aber von Anfang an abzulehnen, ohne zu wissen, ob es funktioniert, das kann er nicht ausstehen.





LG,
Hosenrolle1
Jürgen (27.04.2016, 09:24):
Original von Hosenrolle1
Original von Satie
BRAVA!
Und noch vielmehr bei den Herren Pavarotti, Domingo und last and least Carreras! Man höre sich einmal an
a) wie diese drei Trotteln gemeinsam versuchen, bei O Sole Mio einen Triller zu singen, das zieht einem echt die Schuhe samt den Hühneraugen aus
b) wie die englisch singen! (Mämm-orriiiiiih, wott ä saundä fromä dä päivämänt......)

Und dann haben die noch Allüren ohne Ende (Pavarotti etwa liess sich in den letzten Opernproduktionen nur noch auf einem Fahrbaren Podest an die jeweiligen Positionen schieben, gesungen hat er in den Proben eh nicht mehr).

Diese Allüren finde ich besonders schlimm; in dem Buch "Das Schwarze sind die Noten" steht, dass Pavarotti sich einmal für einen Auftritt in Wien (keine Oper) auf der Bühne einen Paravent aufstellen hat lassen, dahinter ein eigens engagierter Koch, der dem Meister permanent frische Nudelsuppe bereit halten musste. Ich glaube nicht, dass das nur eine erfundene Geschichte ist.

Ich glaube ja fast, dass besonders die Fans so etwas als liebenswerte Eigenheiten hinnehmen oder gar verehren, weil "so sind ja die Künstler, da gehört das dazu".
Ich bin nicht der Meinung, dass man sich, nur weil man berühmt ist (ob zu Recht oder zu Unrecht) aufführen kann.


Oder Jessie Norman als besonders übles Beispiel (eine Carmen, die jeden Mann einfach nur unter sich zerquetschen würde). Sie hat für den Dirigenten einen Anwalt dabei, der ihm einen 50-seitigen Vertrag unter die Nase hält, der unte anderem besagt, dass Jessie Norman nicht angesprochen werden darf (na dann probt mal schön...).

Noch schlimmer - aber ihre Stimme finde ich furchtbar, unerträglich (wenn ich an ihre Sieglinde denke ...), insofern passend zur Attitüde :D

Sowas kenne ich eigentlich nur aus dem Popbusiness. Harald Schmidt hat um 2002 herum erzählt, dass, als der kürzlich verstorbene Prince dort war, es die Anweisung gab, Prince nicht anzureden. Der Künstler saß in der Garderobe alleine auf einer alten Decke, absolvierte seinen Auftritt um dann grußlos direkt nach draußen zu gehen und wegzufahren.


LG,
Hosenrolle1

@Pavarotti

Klar, die Allüren waren schon schlimm. Aber heute ist mir vor allem wichtig, was er der Nachwelt an herrlichen Aufnahmen hinterlassen hat.
Übrigens hat er sich weitestgehend geweigert, auf deutsch oder englisch zu singen. In einem Interview, an das ich mich nur dunkel erinnere, hat er sinngemäß gesagt, dass er das nicht gut könne und es nicht seinem Naturell entspräche.
Deswegen sang er den Schubert - für mich wunderschön - halt so: Mille Cherubini in Coro

@Jessye Norman

Ich mag ihre Stimme eigentlich sehr, die Carmen (GA Ozawa) ist allerdings tatsächlich eine Fehlbesetzung ohnegleichen.
An ihrem Wagner-Repertoir insbesondere die Sieglinde (Die Walküre, Janowski 1981) Elsa (Solti) oder der Liebestod der Isolde kann ich nichts aussetzen, finde manches sogar spitzenmäßig.
Obigen Vertrag, dass man sie nicht ansprechen dürfe, halte ich schon für sehr obskur. Videos von den Carmenproben obiger Aufnahme beweisen eher das Gegenteil.

So durchgeknallten Typen wie Prince oder Michael Jackson traue ich das schon eher zu. Die wollen im deutschen TV ihre Tour oder CD promoten, scheuen aber alle Berührungspunkte, die darüber hinausgehen.


Grüße
Jürgen