L'Orfeo - Das Meisterwerk des Opernbeginns

daniel5993 (06.12.2007, 13:04):
Hallo Freunde der Oper :hello

Claudio Monteverdi (1567 - 1643)

http://www.8notes.com/wiki/images/Monteverdi.jpg

Getauft: 15. Mai 1567 in Cremona
Gestorben: † 29. November 1643 in Venedig
_____________________________________________________

Aufgrund von "Krankheit", kann ich mir diese Woche wirklich die Ruhe und Zeit nehmen, dieses Werk (L'Orfeo) hier vorzustellen, was mir ein Herzensanliegen ist, welches ich schon viel zu lang vor mir hergeschoben habe! Dank an dieser Stelle an Satie, der schön, verständlich und übersichtlich und wie man gesehen hat mit viel Mühe seinen Frühbarockthread eröffnet und gepflegt hat und mich letztendlich auf dieses Werk gebracht hat!
_____________________________________________________

Claudio Monteverdi war ein Italienischer Komponist und nebenbei noch Sänger und Violaspieler.
Obwohl seine Familie in bescheidenen Verhälltnissen lebte, sorgte der Vater dafür, das seine Söhne (aus erster Ehe) eine gründliche musikalische Erziehung bei Marcantonio Ingenieri, dem Kapellmeister der Kathedrale von Cremona bekamen.
Die von den Florentinern (Jacopo Peri) (kurz vor der Jahrhundertwende) neue musikalische Form der Oper, führte Monteverdi zu ihrem ersten Höhepunkt. bereits zu Lebzeiten erntete er großen Ruhm! Insgesamt komponierte Monteverdi 18 Opern, aber nur
"L’Orfeo", "L’Incoronazione di Poppea", "Il ritorno d'Ulisse in patria" und die Arie „Lamento“ aus seiner zweiten Oper "L’Arianna" blieben erhalten. Nach dem Tod Monteverdis, gerieten seine Werke lange in Vergessenheit. Erst mit Gian Francesco Malipiero, der Monteverdis Kompositionen von 1916 bis 1942 in sechzehn Bänden veröffentlichte, erwachte wieder das Interesse an seinem Werk. Auch ein Werkverzeichnis, das sogenannte (Stattkus-Verzeichnis/SV) erschien 1985.
_____________________________________________________

L'Orfeo

http://users.skynet.be/operagazet/images/educ/opera.jpg http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/f/f2/Frontispiece_of_L'Orfeo.jpg/180px-Frontispiece_of_L'Orfeo.jpg

Originaltitel: L'Orfeo
Originalsprache: italienisch
Musik: Claudio Monteverdi
Libretto: Alessandro Striggio
Uraufführung: 24. Februar 1607
Spieldauer: knappe 2 Stunden

Die Oper besteht aus 5 Akten. Die Oper orientiert sich an der griechische Sage von Orpheus und Eurydike.
Mit L'Orfeo schuf Monteverdi einen wichtigen Beitrag zum Genre "Oper", es wird sogar behauptet, dass dieses Werk überhaupt die erste Oper war. 1616 begann Monteverdi mit den arbeiten an dieser Oper, welche ein Jahr darauf , am 24. Februar 1607 mit großem Erfolg Uraufgeführt wurde.
Es ist eine besonders kraftvolle und Emotionale Musik, welche Monteverdi hier komponiert hat. Zudem er schuf mit L'Orfeo eine ganz neue Form der Musik, "Das Musikalische Drama"!


Die Handlung der Oper ist hier auf Wikipedia sehr Kurz und Gut beschrieben!
Wikipedia: Handlung der Oper

Prolog

Akt 1
Akt 2
Akt 3
Akt4
Akt 5


Diese "Anfänge" der Oper klingen weitestgehend nach Kirchenmusik, also noch weit entfernt, von z.B Belcanto-Opern.
Auch sonst kann ich bis auf kleinere Paralelen zu z.B Händels Messias, diese Musik nirgens einordnen! Sie ist eine Musikrichtung für sich!
Die Musik L'Orfeos hat etwas Mystisches an sich, etwas Geheimnisvolles, irgendwie erinnert es mich an die Zeit der Gothic (die dunkle Zeit) , an Ritterburgen, in welchen beim Fackelschein zum Gesang angestimmt wird, wirklich packend und Geheimnissvoll, schön Geheimnissvoll! Man höre:

Akt 1, Track 5 ("Rosa del ciel (Orfeo)" "Ionon diro qual sia (Euridice)" "Lasciate i monti - Vieni, Imeneo (Coro di ninfe pastori),
Akt 2, Track 10 "Ahi, caso acerbo" "Tu sei morta" (Sinfonia)
Akt 3, Track 1 "Sinfonia"

Ich muss immer daran denken und fühle mich gleich 400 Jahre zurrückversetzt! Ich verbinde das immer mit dem Eindruck aus Filmen, oder besonders mit diesem Computerspiel, Gothic I,II, Das Leben in einer dunkleren Zeit, voller Geheimnisse, Fabelwesen, Zauberer, Dunkelheit, Kreaturen, Schönheiten usw.. Dieses Oper hat Zeitweise wirklich dieses Träumerische, Mystische! Der Funke ist gleich beim ersten Mal übergesprungen. Eine wunderbare Reise, in diese Welt einzutauchen und den Rest des "Heute" hinter sich zu lassen - Herrlich :engel! Diese Oper "L'Orfeo" höre ich sehr gerne! Und sie hat bereits einen Ehrenplatz in meiner Sammlung eingenommen. An dieser Stelle wärmstens von mir empfohlen! Ich denke, dass auch diejenigen, die der "Oper" an sich nicht gerade zugeneigt sind, nicht mögen, aber Kirchliche Werke wie z.B den Messias mögen, hier an an einer Guten Adresse sind! Denen wird dieses Werk sehr gefallen, da bin ich mir fast sicher!

Ich besitze eine einzige Aufnahme dieser Oper, mit der ich auch Super zufrieden bin!

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/7304941.jpg

Orfeo: Nigel Rogers (Tenor)
Euridice/La Musica: Emilia Petrescu (Sopran)
Silvia/Prosperina: Anna Reynolds (Alt)
Pastore I / Apollo: Ian Partridge (Tenor)
Pastor II / Speranza: James Bowman (Countertenor)
Pastore III /Spirito I : John Elwes (Tenor)
Plutone / Pastore IV: Stafford Dean (Bass)
Caronte / Spirito II: Alexander Malta (Bass)

Monteverdi - Chor Hamburg
Camerata Accademica Hamburg
Hamburger Bläserkreis für alte Musik

Jürgen Jürgens, 1974, DGG


Hier ein paar Video - Ausschnitte:
Beginn, Toccata
Monteverdi - Orfeo - Rosa del ciel
Eurydike

:engel

(Meine Hilfsquellen waren 1. Wikipedia - Claudio Monteverdi 2. Wikipedia - L' Orfeo)


Welche Aufnahme dieses Werkes besitzt Ihr?
Für die die noch keine Aufnahme besitzen, welche ist zu empfehlen?
Wie gefällt euch dieses Werk?
Kennt jemand die Gesamte Aufnahme (DVD) mit Jordi Savall (Wie in den ersten beiden Video - Ausschnitten gezeigt)?
Habt Ihr etwas hinzuzufügen, etwas zu verbessern?


Gruß
Daniel
:times10
Zelenka (06.12.2007, 17:28):
Lieber Daniel:

1. Vielen Dank für Deine farbenprächtige Fadeneröffnung!

2. Ich wünsche weiterhin gute Besserung!

3. Ich bin ganz erstaunt, daß Dich die Oper eher an Finster-Mittelalterliches und "got(h)ische" Computerspiele erinnert. Der Stoff entstammt ja nun mal der antiken Überlieferung ... (Weswegen die Oper üblicherweise nicht in Ritterrüstungen etc. gegeben wird, sondern eher Togen und ähnliches vorherrschen.)

4. Deine Jürgens-Aufnahme von 1974 ist nicht die jüngste, die Forschung ist längst über sie hinweggegangen. Bemerkenswert ist eigentlich an der Aufnahme nur der Orfeo Nigel Rogers.

5. Meine Lieblingseinspielung ist bislang die unter Garrido (K617).

6. Im Novemberheft des "Gramophone" wird jetzt die neue Version von La Venexiana/Cavina als die beste empfohlen.

7. Ich besitze die Savall-DVD. Sie ist ordentlich. Besser sind wohl diese DVDs, die ich nicht kenne.

Gruß, Zelenka
daniel5993 (06.12.2007, 17:29):
Original von Zelenka
Lieber Daniel:

1. Vielen Dank für Deine farbenprächtige Fadeneröffnung!

2. Ich wünsche weiterhin gute Besserung!

3. Ich bin ganz erstaunt, daß Dich die Oper eher an Finster-Mittelalterliches und "got(h)ische" Computerspiele erinnert. Der Stoff entstammt ja nun mal der antiken Überlieferung ... (Weswegen die Oper üblicherweise nicht in Ritterrüstungen etc. gegeben wird, sondern eher Togen und ähnliches vorherrschen.)

4. Deine Jürgens-Aufnahme von 1974 ist nicht die jüngste, die Forschung ist längst über sie hinweggegangen. Bemerkenswert ist eigentlich an der Aufnahme nur der Orfeo Nigel Rogers.

5. Meine Lieblingseinspielung ist bislang die unter Garrido (K617).

6. Im Novemberheft des "Gramophone" wird jetzt die neue Version von La Venexiana/Cavina als die beste empfohlen.

7. Ich besitze die Savall-DVD. Sie ist ordentlich. Besser sind wohl diese DVDs, die ich nicht kenne.

Gruß, Zelenka

8. ??? :D
HenningKolf (06.12.2007, 19:08):
8. Warum schreibst du "Krankheit" in Anführungszeichen. :D :D :D :D


zum Thema:

Bist ja wirklich fleißig diese Woche. Ich besitze keine Aufnahme! Was mich aber interessieren würde:
Monteverdis Madrigali mag ich gerne, aber eher die ohne oder mit spärlicher Instrumentalbegleitung. Bei Händelopern ist das so, dass ich sie mag, wenn die Interpretation das Cembalo, dessen Klang ich absolut nervend finde, dezent im Hintergrund lässt..letzlich jedenfalls auch eine Entscheidung des Dirigenten, vielleicht auch der Tontechnik..

Deshalb meine Frage: Ist die Aufnahme, die Du ansprichst "Cembalobetont". Höre ich das im Vordergrund. Oder bleibt die Cembalobegleitung (ich hoffe nur Begleitung) eher dezent im Hintergrund??
Gruss Henning
uhlmann (06.12.2007, 20:20):
Original von daniel5993
Diese "Anfänge" der Oper klingen weitestgehend nach Kirchenmusik, also noch weit entfernt, von z.B Belcanto-Opern.
Auch sonst kann ich bis auf kleinere Paralelen zu z.B Händels Messias, diese Musik nirgens einordnen! Sie ist eine Musikrichtung für sich!
Die Musik L'Orfeos hat etwas Mystisches an sich, etwas Geheimnisvolles, irgendwie erinnert es mich an die Zeit der Gothic (die dunkle Zeit) , an Ritterburgen, in welchen beim Fackelschein zum Gesang angestimmt wird, wirklich packend und Geheimnissvoll, schön Geheimnissvoll!

ich finde nicht, dass der orfeo - oder die andern opern monteverdis - nach kirchenmusik klingen. im gegenteil empfinde ich diese musik erstaunlich weltlich für die zeit.

jedenfalls ist der orfeo schon eine "echte" oper. man beachte etwa die differenzierung der einzelnen charaktere durch unterschiedliche begleitinstrumente (zb.: orfeo - harfe, orgel | unterwelt - posaunen, regal). kann das schon quasi als vorläufer von wagners leitmotivtechnik gelten? (noch viel ausgefeilter hat monteverdi die musikalische charakterisierung der personen in seinen späteren opern, v.a. der poppea, betrieben)

orfeo war meine erste begegnung mit monteverdi, und zwar in der einspielung unter harnoncourt:

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/5156941.jpg

seitdem habe ich zwar einiges an monteverdi dazu aquiriert, aber immer noch keinen anderen orfeo. dafür mag ich harnoncourts aufnahme zu sehr. ich halte sie für eine der besten operneinspielungen überhaupt(zumindest von denen, die ich kenne).
daniel5993 (06.12.2007, 21:16):
Original von HenningKolf
8. Warum schreibst du "Krankheit" in Anführungszeichen. :D :D :D :D


Ihr achtet ja auf alles!

Ganz einfach, ich hab mir angewöhnt in Entschuldigungen (für die Schule) nicht direkt anzugeben, weswegen ich genau gefehlt hatte, das hängt mit einer unrühmlichen "Lustlose Schulschwänzzeit" zusammen. Mir gingen die Ausreden aus und geärgert hat mich dann auch immer, dass immer genau nachgefragt wurde was man denn hatte und wo man denn war! Deswegen hab ich mir angewöhnt das Wort "Krankheit" in KLammern zu schreiben, damit war alles gesagt! Eine Angewohnheit aus einer unrühmlichen Zeit!

MIr ist dieses Wort "Krankheit" einfach von der Hand gegangen, wer ahnt denn dass man hier auf so etwas angesprochen wird :D

Deshalb meine Frage: Ist die Aufnahme, die Du ansprichst "Cembalobetont". Höre ich das im Vordergrund. Oder bleibt die Cembalobegleitung (ich hoffe nur Begleitung) eher dezent im Hintergrund??

Deine Frage prüf ich nochmal! Auf so etwas achte ich da weniger. Es ist zwar ein Cembalo im Einsatz, aber gestört hats mich nie, die Aufmerksamkeit lag bei mir auf den Stimmen.

Gruß
Daniel
:hello
daniel5993 (06.12.2007, 21:19):
Original von Zelenka
4. Deine Jürgens-Aufnahme von 1974 ist nicht die jüngste, die Forschung ist längst über sie hinweggegangen. Bemerkenswert ist eigentlich an der Aufnahme nur der Orfeo Nigel Rogers.


Ist eine Aufnahme weniger wertvoll, weil Sie schon älter ist? "DIe Forschung ist längst über sie hinweggegangen" was bedeutet das ? Muss alles auf dem Neuesten Stand sein oder wie darf ich das verstehen?

Irgentwie erinnert mich das an eine Aussage, welche ich irgentwo gelesen habe und zwar, dass uns Furtwänglers Bruckner heute nichts mehr sagen würde, weil wir auf dem Gebiet Bruckner schon weiter seien, als zu Furtwänglers Zeit.

Ich bitte um Aufklärung!

Gruß
Daniel
daniel5993 (06.12.2007, 21:29):
Hallo Uhlmann

Original von uhlmann
Original von daniel5993
Diese "Anfänge" der Oper klingen weitestgehend nach Kirchenmusik, also noch weit entfernt, von z.B Belcanto-Opern.
Auch sonst kann ich bis auf kleinere Paralelen zu z.B Händels Messias, diese Musik nirgens einordnen! Sie ist eine Musikrichtung für sich!
Die Musik L'Orfeos hat etwas Mystisches an sich, etwas Geheimnisvolles, irgendwie erinnert es mich an die Zeit der Gothic (die dunkle Zeit) , an Ritterburgen, in welchen beim Fackelschein zum Gesang angestimmt wird, wirklich packend und Geheimnissvoll, schön Geheimnissvoll!

ich finde nicht, dass der orfeo - oder die andern opern monteverdis - nach kirchenmusik klingen. im gegenteil empfinde ich diese musik erstaunlich weltlich für die zeit.
.

Ich hab ja "nur" meinen Eindruck beschrieben, an was mich diese Oper erinnert. Ich bin sonst ein absoluter Anfänger in dieser Zeit (Frübarock). Kenne also keine Vergleiche!

jedenfalls ist der orfeo schon eine "echte" oper

Natürlich! Und ich liebe diese Oper! Ich setzte Sie doch garnicht in Ihrem Wert herrab, nur weil es mich an Kirchliche Musik erinnert!

seitdem habe ich zwar einiges an monteverdi dazu aquiriert, aber immer noch keinen anderen orfeo. dafür mag ich harnoncourts aufnahme zu sehr. ich halte sie für eine der besten operneinspielungen überhaupt(zumindest von denen, die ich kenne).

Ich mag "meine" Einspielung unter Jürgens auch sehr, bin jedoch über diese "Forschungsaussage" Zelenkas leicht irritiert!

Danke für deinen Beitrag :thanks


Gruß
Daniel
karajan (07.12.2007, 13:07):
Original von daniel5993
RE: L'Orfeo - Das Meisterwerk des Opernbeginns

Gruß
Daniel
:times10

Hallo Daniel

Ein schönes Thema hast dir viel Mühe gemacht muss dich mal loben!
Ich habe und kenne das Werk garnicht vielleicht mal Ausschnitte gehört aber nicht bewußt.
Die Madrigale von Monteverdi kenne ich besser und werde mich auch 2008 damit beschäftigen.
Gruß Karajan
Zelenka (07.12.2007, 15:29):
Original von daniel5993
Original von Zelenka
4. Deine Jürgens-Aufnahme von 1974 ist nicht die jüngste, die Forschung ist längst über sie hinweggegangen. Bemerkenswert ist eigentlich an der Aufnahme nur der Orfeo Nigel Rogers.


Ist eine Aufnahme weniger wertvoll, weil Sie schon älter ist? "DIe Forschung ist längst über sie hinweggegangen" was bedeutet das ? Muss alles auf dem Neuesten Stand sein oder wie darf ich das verstehen?

Irgentwie erinnert mich das an eine Aussage, welche ich irgentwo gelesen habe und zwar, dass uns Furtwänglers Bruckner heute nichts mehr sagen würde, weil wir auf dem Gebiet Bruckner schon weiter seien, als zu Furtwänglers Zeit.

Ich bitte um Aufklärung!

Gruß
Daniel

Nein, grundsätzlich ist eine Aufnahme nicht weniger wertvoll, weil sie in einer Billigst-Serie ohne Libretto und Annotationen erscheint. Manchmal ist es auch schön, wenn die neueste Forschung ignoriert wird. Der Jürgens-Orfeo war allerdings schon zu seiner Aufnahmezeit vom Personal her nicht der größte Wurf. Ansonsten würde man z.B. heute einen kleineren Chor hören, der nur aus den Solisten besteht. Etc.

Furtwänglers Bruckner ist zeitgebunden, der "Orfeo" von Jürgens auch. Heute hört man das alles anders, morgen dann wiederum noch ganz anders.

Gruß, Zelenka
daniel5993 (07.12.2007, 16:37):
Original von Zelenka

Furtwänglers Bruckner ist zeitgebunden, der "Orfeo" von Jürgens auch. Heute hört man das alles anders, morgen dann wiederum noch ganz anders.

Gruß, Zelenka

Für mich ist eine Aufnahme Zeitlos, Ob Artur Nikisch (1919)- Beethovens 5) oder Jordi Savall (Vivaldi - La Viola da Gamba) (2006)! Jede Aufnahme hat Bedeutung und wird durch Zeit, oder "frühere" Gebräuche nicht weniger "Schön" und "hörenswert" nur weil wir heute denken, dass hätte man besser in die, oder die Richtung machen können "müssen". So nach dem Motto "Die Aufnahme läuft heute ab", weil Sie bereits älter als 60 Jahre ist, weil Sie Mono ist und zu der Zeit die Musik sowieso anders aufgenommen, anders verstanden wurde usw.... "Das ist nicht mehr Zeitgemäß", also weg damit.

Mit diesem Quatsch "wir sind Heute weiter" kann ich mich beim Besten Willen nicht anfreunden! Die Zeit für alles ist irgentwann einmal abgelaufen!

Die Achtung vor der Aufnahme besteht bei mir! Es gibt keine schlechten Aufnahmen, sie sind nur anders und das glaub ich Wilhelm Furtwängler aufs Wort!

Aber ich versteh was du meintest :wink

Gruß
Daniel
Jimi (07.12.2007, 17:15):
Original von daniel5993
Es gibt keine schlechten Aufnahmen, sie sind nur anders und das glaub ich Wilhelm Furtwängler aufs Wort!


Hallo Daniel,

also gerade bei Barockopern bin ich da ganz anderer Meinung, hör mal in diese Giulio Cesare(Händel) von 1955 rein.
Das läuft für mich schon fast auf eine Parodie raus was da aus der Oper gemacht wurde :


http://www.jpc.de/image/w300/front/0/1644467.jpg

:hello Jimi
Zelenka (07.12.2007, 19:44):
Original von daniel5993

Aber ich versteh was du meintest :wink

Gruß
Daniel

Das ist schön! :beer

Gruß, Zelenka
Mime (12.12.2007, 19:59):
Mir liegt die Aufnahme der "Sommerlichen Musiktage Hitzacker 1955" am Herzen mit H.Krebs, M. Guilleaume, F.Wunderlich, J.Mack-Kosack u.a. unter der Leitung von A.Wenzinger
daniel5993 (06.12.2007, 13:04):
Hallo Freunde der Oper :hello

Claudio Monteverdi (1567 - 1643)

http://www.8notes.com/wiki/images/Monteverdi.jpg

Getauft: 15. Mai 1567 in Cremona
Gestorben: † 29. November 1643 in Venedig
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Aufgrund von "Krankheit", kann ich mir diese Woche wirklich die Ruhe und Zeit nehmen, dieses Werk (L'Orfeo) hier vorzustellen, was mir ein Herzensanliegen ist, welches ich schon viel zu lang vor mir hergeschoben habe! Dank an dieser Stelle an Satie, der schön, verständlich und übersichtlich und wie man gesehen hat mit viel Mühe seinen Frühbarockthread eröffnet und gepflegt hat und mich letztendlich auf dieses Werk gebracht hat!
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Claudio Monteverdi war ein Italienischer Komponist und nebenbei noch Sänger und Violaspieler.
Obwohl seine Familie in bescheidenen Verhälltnissen lebte, sorgte der Vater dafür, das seine Söhne (aus erster Ehe) eine gründliche musikalische Erziehung bei Marcantonio Ingenieri, dem Kapellmeister der Kathedrale von Cremona bekamen.
Die von den Florentinern (Jacopo Peri) (kurz vor der Jahrhundertwende) neue musikalische Form der Oper, führte Monteverdi zu ihrem ersten Höhepunkt. bereits zu Lebzeiten erntete er großen Ruhm! Insgesamt komponierte Monteverdi 18 Opern, aber nur
"L’Orfeo", "L’Incoronazione di Poppea", "Il ritorno d'Ulisse in patria" und die Arie „Lamento“ aus seiner zweiten Oper "L’Arianna" blieben erhalten. Nach dem Tod Monteverdis, gerieten seine Werke lange in Vergessenheit. Erst mit Gian Francesco Malipiero, der Monteverdis Kompositionen von 1916 bis 1942 in sechzehn Bänden veröffentlichte, erwachte wieder das Interesse an seinem Werk. Auch ein Werkverzeichnis, das sogenannte (Stattkus-Verzeichnis/SV) erschien 1985.
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L'Orfeo

http://users.skynet.be/operagazet/images/educ/opera.jpg http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/f/f2/Frontispiece_of_L'Orfeo.jpg/180px-Frontispiece_of_L'Orfeo.jpg

Originaltitel: L'Orfeo
Originalsprache: italienisch
Musik: Claudio Monteverdi
Libretto: Alessandro Striggio
Uraufführung: 24. Februar 1607
Spieldauer: knappe 2 Stunden

Die Oper besteht aus 5 Akten. Die Oper orientiert sich an der griechische Sage von Orpheus und Eurydike.
Mit L'Orfeo schuf Monteverdi einen wichtigen Beitrag zum Genre "Oper", es wird sogar behauptet, dass dieses Werk überhaupt die erste Oper war. 1616 begann Monteverdi mit den arbeiten an dieser Oper, welche ein Jahr darauf , am 24. Februar 1607 mit großem Erfolg Uraufgeführt wurde.
Es ist eine besonders kraftvolle und Emotionale Musik, welche Monteverdi hier komponiert hat. Zudem er schuf mit L'Orfeo eine ganz neue Form der Musik, "Das Musikalische Drama"!


Die Handlung der Oper ist hier auf Wikipedia sehr Kurz und Gut beschrieben!
Wikipedia: Handlung der Oper

Prolog

Akt 1
Akt 2
Akt 3
Akt4
Akt 5


Diese "Anfänge" der Oper klingen weitestgehend nach Kirchenmusik, also noch weit entfernt, von z.B Belcanto-Opern.
Auch sonst kann ich bis auf kleinere Paralelen zu z.B Händels Messias, diese Musik nirgens einordnen! Sie ist eine Musikrichtung für sich!
Die Musik L'Orfeos hat etwas Mystisches an sich, etwas Geheimnisvolles, irgendwie erinnert es mich an die Zeit der Gothic (die dunkle Zeit) , an Ritterburgen, in welchen beim Fackelschein zum Gesang angestimmt wird, wirklich packend und Geheimnissvoll, schön Geheimnissvoll! Man höre:

Akt 1, Track 5 ("Rosa del ciel (Orfeo)" "Ionon diro qual sia (Euridice)" "Lasciate i monti - Vieni, Imeneo (Coro di ninfe pastori),
Akt 2, Track 10 "Ahi, caso acerbo" "Tu sei morta" (Sinfonia)
Akt 3, Track 1 "Sinfonia"

Ich muss immer daran denken und fühle mich gleich 400 Jahre zurrückversetzt! Ich verbinde das immer mit dem Eindruck aus Filmen, oder besonders mit diesem Computerspiel, Gothic I,II, Das Leben in einer dunkleren Zeit, voller Geheimnisse, Fabelwesen, Zauberer, Dunkelheit, Kreaturen, Schönheiten usw.. Dieses Oper hat Zeitweise wirklich dieses Träumerische, Mystische! Der Funke ist gleich beim ersten Mal übergesprungen. Eine wunderbare Reise, in diese Welt einzutauchen und den Rest des "Heute" hinter sich zu lassen - Herrlich :engel! Diese Oper "L'Orfeo" höre ich sehr gerne! Und sie hat bereits einen Ehrenplatz in meiner Sammlung eingenommen. An dieser Stelle wärmstens von mir empfohlen! Ich denke, dass auch diejenigen, die der "Oper" an sich nicht gerade zugeneigt sind, nicht mögen, aber Kirchliche Werke wie z.B den Messias mögen, hier an an einer Guten Adresse sind! Denen wird dieses Werk sehr gefallen, da bin ich mir fast sicher!

Ich besitze eine einzige Aufnahme dieser Oper, mit der ich auch Super zufrieden bin!

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/7304941.jpg

Orfeo: Nigel Rogers (Tenor)
Euridice/La Musica: Emilia Petrescu (Sopran)
Silvia/Prosperina: Anna Reynolds (Alt)
Pastore I / Apollo: Ian Partridge (Tenor)
Pastor II / Speranza: James Bowman (Countertenor)
Pastore III /Spirito I : John Elwes (Tenor)
Plutone / Pastore IV: Stafford Dean (Bass)
Caronte / Spirito II: Alexander Malta (Bass)

Monteverdi - Chor Hamburg
Camerata Accademica Hamburg
Hamburger Bläserkreis für alte Musik

Jürgen Jürgens, 1974, DGG


Hier ein paar Video - Ausschnitte:
Beginn, Toccata
Monteverdi - Orfeo - Rosa del ciel
Eurydike

:engel

(Meine Hilfsquellen waren 1. Wikipedia - Claudio Monteverdi 2. Wikipedia - L' Orfeo)


Welche Aufnahme dieses Werkes besitzt Ihr?
Für die die noch keine Aufnahme besitzen, welche ist zu empfehlen?
Wie gefällt euch dieses Werk?
Kennt jemand die Gesamte Aufnahme (DVD) mit Jordi Savall (Wie in den ersten beiden Video - Ausschnitten gezeigt)?
Habt Ihr etwas hinzuzufügen, etwas zu verbessern?


Gruß
Daniel
:times10
Zelenka (06.12.2007, 17:28):
Lieber Daniel:

1. Vielen Dank für Deine farbenprächtige Fadeneröffnung!

2. Ich wünsche weiterhin gute Besserung!

3. Ich bin ganz erstaunt, daß Dich die Oper eher an Finster-Mittelalterliches und "got(h)ische" Computerspiele erinnert. Der Stoff entstammt ja nun mal der antiken Überlieferung ... (Weswegen die Oper üblicherweise nicht in Ritterrüstungen etc. gegeben wird, sondern eher Togen und ähnliches vorherrschen.)

4. Deine Jürgens-Aufnahme von 1974 ist nicht die jüngste, die Forschung ist längst über sie hinweggegangen. Bemerkenswert ist eigentlich an der Aufnahme nur der Orfeo Nigel Rogers.

5. Meine Lieblingseinspielung ist bislang die unter Garrido (K617).

6. Im Novemberheft des "Gramophone" wird jetzt die neue Version von La Venexiana/Cavina als die beste empfohlen.

7. Ich besitze die Savall-DVD. Sie ist ordentlich. Besser sind wohl diese DVDs, die ich nicht kenne.

Gruß, Zelenka
daniel5993 (06.12.2007, 17:29):
Original von Zelenka
Lieber Daniel:

1. Vielen Dank für Deine farbenprächtige Fadeneröffnung!

2. Ich wünsche weiterhin gute Besserung!

3. Ich bin ganz erstaunt, daß Dich die Oper eher an Finster-Mittelalterliches und "got(h)ische" Computerspiele erinnert. Der Stoff entstammt ja nun mal der antiken Überlieferung ... (Weswegen die Oper üblicherweise nicht in Ritterrüstungen etc. gegeben wird, sondern eher Togen und ähnliches vorherrschen.)

4. Deine Jürgens-Aufnahme von 1974 ist nicht die jüngste, die Forschung ist längst über sie hinweggegangen. Bemerkenswert ist eigentlich an der Aufnahme nur der Orfeo Nigel Rogers.

5. Meine Lieblingseinspielung ist bislang die unter Garrido (K617).

6. Im Novemberheft des "Gramophone" wird jetzt die neue Version von La Venexiana/Cavina als die beste empfohlen.

7. Ich besitze die Savall-DVD. Sie ist ordentlich. Besser sind wohl diese DVDs, die ich nicht kenne.

Gruß, Zelenka

8. ??? :D
HenningKolf (06.12.2007, 19:08):
8. Warum schreibst du "Krankheit" in Anführungszeichen. :D :D :D :D


zum Thema:

Bist ja wirklich fleißig diese Woche. Ich besitze keine Aufnahme! Was mich aber interessieren würde:
Monteverdis Madrigali mag ich gerne, aber eher die ohne oder mit spärlicher Instrumentalbegleitung. Bei Händelopern ist das so, dass ich sie mag, wenn die Interpretation das Cembalo, dessen Klang ich absolut nervend finde, dezent im Hintergrund lässt..letzlich jedenfalls auch eine Entscheidung des Dirigenten, vielleicht auch der Tontechnik..

Deshalb meine Frage: Ist die Aufnahme, die Du ansprichst "Cembalobetont". Höre ich das im Vordergrund. Oder bleibt die Cembalobegleitung (ich hoffe nur Begleitung) eher dezent im Hintergrund??
Gruss Henning
uhlmann (06.12.2007, 20:20):
Original von daniel5993
Diese "Anfänge" der Oper klingen weitestgehend nach Kirchenmusik, also noch weit entfernt, von z.B Belcanto-Opern.
Auch sonst kann ich bis auf kleinere Paralelen zu z.B Händels Messias, diese Musik nirgens einordnen! Sie ist eine Musikrichtung für sich!
Die Musik L'Orfeos hat etwas Mystisches an sich, etwas Geheimnisvolles, irgendwie erinnert es mich an die Zeit der Gothic (die dunkle Zeit) , an Ritterburgen, in welchen beim Fackelschein zum Gesang angestimmt wird, wirklich packend und Geheimnissvoll, schön Geheimnissvoll!

ich finde nicht, dass der orfeo - oder die andern opern monteverdis - nach kirchenmusik klingen. im gegenteil empfinde ich diese musik erstaunlich weltlich für die zeit.

jedenfalls ist der orfeo schon eine "echte" oper. man beachte etwa die differenzierung der einzelnen charaktere durch unterschiedliche begleitinstrumente (zb.: orfeo - harfe, orgel | unterwelt - posaunen, regal). kann das schon quasi als vorläufer von wagners leitmotivtechnik gelten? (noch viel ausgefeilter hat monteverdi die musikalische charakterisierung der personen in seinen späteren opern, v.a. der poppea, betrieben)

orfeo war meine erste begegnung mit monteverdi, und zwar in der einspielung unter harnoncourt:

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/5156941.jpg

seitdem habe ich zwar einiges an monteverdi dazu aquiriert, aber immer noch keinen anderen orfeo. dafür mag ich harnoncourts aufnahme zu sehr. ich halte sie für eine der besten operneinspielungen überhaupt(zumindest von denen, die ich kenne).
daniel5993 (06.12.2007, 21:16):
Original von HenningKolf
8. Warum schreibst du "Krankheit" in Anführungszeichen. :D :D :D :D


Ihr achtet ja auf alles!

Ganz einfach, ich hab mir angewöhnt in Entschuldigungen (für die Schule) nicht direkt anzugeben, weswegen ich genau gefehlt hatte, das hängt mit einer unrühmlichen "Lustlose Schulschwänzzeit" zusammen. Mir gingen die Ausreden aus und geärgert hat mich dann auch immer, dass immer genau nachgefragt wurde was man denn hatte und wo man denn war! Deswegen hab ich mir angewöhnt das Wort "Krankheit" in KLammern zu schreiben, damit war alles gesagt! Eine Angewohnheit aus einer unrühmlichen Zeit!

MIr ist dieses Wort "Krankheit" einfach von der Hand gegangen, wer ahnt denn dass man hier auf so etwas angesprochen wird :D

Deshalb meine Frage: Ist die Aufnahme, die Du ansprichst "Cembalobetont". Höre ich das im Vordergrund. Oder bleibt die Cembalobegleitung (ich hoffe nur Begleitung) eher dezent im Hintergrund??

Deine Frage prüf ich nochmal! Auf so etwas achte ich da weniger. Es ist zwar ein Cembalo im Einsatz, aber gestört hats mich nie, die Aufmerksamkeit lag bei mir auf den Stimmen.

Gruß
Daniel
:hello
daniel5993 (06.12.2007, 21:19):
Original von Zelenka
4. Deine Jürgens-Aufnahme von 1974 ist nicht die jüngste, die Forschung ist längst über sie hinweggegangen. Bemerkenswert ist eigentlich an der Aufnahme nur der Orfeo Nigel Rogers.


Ist eine Aufnahme weniger wertvoll, weil Sie schon älter ist? "DIe Forschung ist längst über sie hinweggegangen" was bedeutet das ? Muss alles auf dem Neuesten Stand sein oder wie darf ich das verstehen?

Irgentwie erinnert mich das an eine Aussage, welche ich irgentwo gelesen habe und zwar, dass uns Furtwänglers Bruckner heute nichts mehr sagen würde, weil wir auf dem Gebiet Bruckner schon weiter seien, als zu Furtwänglers Zeit.

Ich bitte um Aufklärung!

Gruß
Daniel
daniel5993 (06.12.2007, 21:29):
Hallo Uhlmann

Original von uhlmann
Original von daniel5993
Diese "Anfänge" der Oper klingen weitestgehend nach Kirchenmusik, also noch weit entfernt, von z.B Belcanto-Opern.
Auch sonst kann ich bis auf kleinere Paralelen zu z.B Händels Messias, diese Musik nirgens einordnen! Sie ist eine Musikrichtung für sich!
Die Musik L'Orfeos hat etwas Mystisches an sich, etwas Geheimnisvolles, irgendwie erinnert es mich an die Zeit der Gothic (die dunkle Zeit) , an Ritterburgen, in welchen beim Fackelschein zum Gesang angestimmt wird, wirklich packend und Geheimnissvoll, schön Geheimnissvoll!

ich finde nicht, dass der orfeo - oder die andern opern monteverdis - nach kirchenmusik klingen. im gegenteil empfinde ich diese musik erstaunlich weltlich für die zeit.
.

Ich hab ja "nur" meinen Eindruck beschrieben, an was mich diese Oper erinnert. Ich bin sonst ein absoluter Anfänger in dieser Zeit (Frübarock). Kenne also keine Vergleiche!

jedenfalls ist der orfeo schon eine "echte" oper

Natürlich! Und ich liebe diese Oper! Ich setzte Sie doch garnicht in Ihrem Wert herrab, nur weil es mich an Kirchliche Musik erinnert!

seitdem habe ich zwar einiges an monteverdi dazu aquiriert, aber immer noch keinen anderen orfeo. dafür mag ich harnoncourts aufnahme zu sehr. ich halte sie für eine der besten operneinspielungen überhaupt(zumindest von denen, die ich kenne).

Ich mag "meine" Einspielung unter Jürgens auch sehr, bin jedoch über diese "Forschungsaussage" Zelenkas leicht irritiert!

Danke für deinen Beitrag :thanks


Gruß
Daniel
karajan (07.12.2007, 13:07):
Original von daniel5993
RE: L'Orfeo - Das Meisterwerk des Opernbeginns

Gruß
Daniel
:times10

Hallo Daniel

Ein schönes Thema hast dir viel Mühe gemacht muss dich mal loben!
Ich habe und kenne das Werk garnicht vielleicht mal Ausschnitte gehört aber nicht bewußt.
Die Madrigale von Monteverdi kenne ich besser und werde mich auch 2008 damit beschäftigen.
Gruß Karajan
Zelenka (07.12.2007, 15:29):
Original von daniel5993
Original von Zelenka
4. Deine Jürgens-Aufnahme von 1974 ist nicht die jüngste, die Forschung ist längst über sie hinweggegangen. Bemerkenswert ist eigentlich an der Aufnahme nur der Orfeo Nigel Rogers.


Ist eine Aufnahme weniger wertvoll, weil Sie schon älter ist? "DIe Forschung ist längst über sie hinweggegangen" was bedeutet das ? Muss alles auf dem Neuesten Stand sein oder wie darf ich das verstehen?

Irgentwie erinnert mich das an eine Aussage, welche ich irgentwo gelesen habe und zwar, dass uns Furtwänglers Bruckner heute nichts mehr sagen würde, weil wir auf dem Gebiet Bruckner schon weiter seien, als zu Furtwänglers Zeit.

Ich bitte um Aufklärung!

Gruß
Daniel

Nein, grundsätzlich ist eine Aufnahme nicht weniger wertvoll, weil sie in einer Billigst-Serie ohne Libretto und Annotationen erscheint. Manchmal ist es auch schön, wenn die neueste Forschung ignoriert wird. Der Jürgens-Orfeo war allerdings schon zu seiner Aufnahmezeit vom Personal her nicht der größte Wurf. Ansonsten würde man z.B. heute einen kleineren Chor hören, der nur aus den Solisten besteht. Etc.

Furtwänglers Bruckner ist zeitgebunden, der "Orfeo" von Jürgens auch. Heute hört man das alles anders, morgen dann wiederum noch ganz anders.

Gruß, Zelenka
daniel5993 (07.12.2007, 16:37):
Original von Zelenka

Furtwänglers Bruckner ist zeitgebunden, der "Orfeo" von Jürgens auch. Heute hört man das alles anders, morgen dann wiederum noch ganz anders.

Gruß, Zelenka

Für mich ist eine Aufnahme Zeitlos, Ob Artur Nikisch (1919)- Beethovens 5) oder Jordi Savall (Vivaldi - La Viola da Gamba) (2006)! Jede Aufnahme hat Bedeutung und wird durch Zeit, oder "frühere" Gebräuche nicht weniger "Schön" und "hörenswert" nur weil wir heute denken, dass hätte man besser in die, oder die Richtung machen können "müssen". So nach dem Motto "Die Aufnahme läuft heute ab", weil Sie bereits älter als 60 Jahre ist, weil Sie Mono ist und zu der Zeit die Musik sowieso anders aufgenommen, anders verstanden wurde usw.... "Das ist nicht mehr Zeitgemäß", also weg damit.

Mit diesem Quatsch "wir sind Heute weiter" kann ich mich beim Besten Willen nicht anfreunden! Die Zeit für alles ist irgentwann einmal abgelaufen!

Die Achtung vor der Aufnahme besteht bei mir! Es gibt keine schlechten Aufnahmen, sie sind nur anders und das glaub ich Wilhelm Furtwängler aufs Wort!

Aber ich versteh was du meintest :wink

Gruß
Daniel
Jimi (07.12.2007, 17:15):
Original von daniel5993
Es gibt keine schlechten Aufnahmen, sie sind nur anders und das glaub ich Wilhelm Furtwängler aufs Wort!


Hallo Daniel,

also gerade bei Barockopern bin ich da ganz anderer Meinung, hör mal in diese Giulio Cesare(Händel) von 1955 rein.
Das läuft für mich schon fast auf eine Parodie raus was da aus der Oper gemacht wurde :


http://www.jpc.de/image/w300/front/0/1644467.jpg

:hello Jimi
Zelenka (07.12.2007, 19:44):
Original von daniel5993

Aber ich versteh was du meintest :wink

Gruß
Daniel

Das ist schön! :beer

Gruß, Zelenka
Mime (12.12.2007, 19:59):
Mir liegt die Aufnahme der "Sommerlichen Musiktage Hitzacker 1955" am Herzen mit H.Krebs, M. Guilleaume, F.Wunderlich, J.Mack-Kosack u.a. unter der Leitung von A.Wenzinger
uhlmann (28.10.2008, 10:51):
seit kurzem besitze ich 2 weitere aufnahmen des orfeo (neben der von harnoncourt), und zwar jene unter garrido und jacobs.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/3383510002038.jpghttp://www.jpc.de/image/w600/front/0/0794881328222.jpg

dabei hat garrido eindeutig die nase vorne - das ist meine neue referenz.
es ist bemerkenswert, mit welcher eleganz und spielfreude hier vor allem von den instrumentalisten musiziert wird. dazu kommt noch eine emtionale tiefe, die ich bisher bei keiner anderen einspielung gehört habe. man höre als beispiel den gesang des orfeo im dritten akt, als er charon zum einlass in die unterwelt bewegen will – das ist absolut gradios.
ich würde garridos interpretation als "mediterran" bezeichnen (dieses adjektiv fällt mir beim hören seiner aufnahme immer wieder ein). soll heißen spielerisch leicht und elegant, aber immer mit dem nötigen ernst, den die handlung erfordert. dazu sind die sänger auch ganz hervorragend, allen voran der recht dunkel timbrierte victor torres als orfeo und gloria banditelli als superbe messaggiera (wobei ich dazufügen möchte, dass nicht unbedingt die sänger den unterschied zu den anderen aufnahmen ausmachen).

obwohl jacobs version keineswegs schlecht ist, erscheint mir seine einspielung gegen garridos nur "handwerklich gut gemacht". hier wirkt alles etwas hausbacken - ganz nett, aber niemals mit der spielfreude und tiefe, die garrido erreicht. ein deutscher (oder vielmehr belgischer) monteverdi, stramm stehend, aber zu wenig leichtfüßig – und derzeit fast doppelt so teuer wie garrido.
satie (28.10.2008, 11:12):
Lieber Uhlmann,
schön, dass Dir die Garrido-Aufnahme ebenfalls so gut gefällt. Deine Eindrücke kann ich nur bestätigen, denn auch für mich ist das die beste Aufnahme, die ich bisher gehört habe. "Mediterran" finde ich treffend, und wie, wenn nicht so, sollte man eine solche Oper interpretieren?
Für mich ist das absolut eine der "Insel-Aufnahmen" geworden!

Herzlich,
S A T I E
Tolstoi (13.07.2010, 11:20):
Dann muss ich mir die Einspielung von Garrido wohl auch noch zulegen. Ich habe die von Harnoncourt, die mir sehr gut gefällt.

Schöne Grüsse

Jörg
ar (06.10.2012, 19:23):
Monteverdi ist ja mittlerweile einer meiner Lieblingskomponisten und da ich mich in letzter Zeit sowieso mit einigen Orfeo-Aufnahmen beschäftigt habe, kann ich meine Eindrücke auch hier niederschreiben.

Meine Lieblingsaufnahme ist die von Emmanuelle Haïm. Die verschiedenen Farben, welche sie aus dem Concert d’Astrée herausholt sind immens und immer passend. Die Sänger überzeugen mich fast alle: Natalie Dessay als Musica (wobei sie hier in der Höhe zum Teil angestrengt klingt), Patrizia Ciofi als Euridice, Mario Luperi als Caronte sind alle eindrücklich, so auch Sonia Prina als Speranza und Christopher Maltman als Apollo. Lorenzo Regazzo hat zwar nicht den tiefsten Bassbariton, aber den benötigt man nicht wirklich als Plutone1, er überzeugt auch mehr mit seiner Charakterzeichnung des Unterwelt Gottes. Dazu drückt er nicht auf der Tiefe herum, wie beinahe alle anderen Plutones, welche ich bisher gehört habe.
Mein persönliches Highlight ist aber Veronique Gens als Proserpina: in nur wenigen Tönen schwingen alle Gefühle Proserpinas mit (Verletzlichkeit, Mitleid, Leid, Liebe, Dankbarkeit...). Dazu kommt die weder hohe, noch tiefe Tessitura, welche ihr sehr entgegen kommt. Brava!
Und jetzt mache ich mir wahrscheinlich viele Feinde, aber ich kann beinahe nichts mit Ian Bostridges Orfeo anfangen. Das ist immer höchst gut, aber zu oft manieriert, gesungen. Die grosse Ausnahme ist der dritte Akt, in welchem er mich dann doch überzeugt. Meine Meinung ist sicher sehr subjektiv gefärbt, aber so empfinde ich nun einmal.

1
Die Partie liegt übrigens in einer dummen Lage, nicht so tief wie Caronte, aber auch nie hoch (der Umfang geht von A bis a).
ar (06.10.2012, 19:38):
Zu Rene Jacobs DVD-Produktion.
Jacobs überzeugt mich besonders mit der Besetzung der Hauptrolle: Simon Keenlyside muss zwar ganz selten der hohen Tessitur Tribut zahlen, überzeugt aber auf der vollen Linie (und zwar eher mit der bei ihm üblichen subtilen Gesaltung und nicht mit grossem Outrieren). Der Rest ist eigentlich gutes Mittelmass, mal drüber (die Pastori), mal drunter (Tomas Tomasson als Plutone, der drückt krass auf die Tiefe drauf). Jacobs und das Orchester selbst überzeugen mich (abgesehn davon, dass mich Jacobs eigentlich immer überzeugt). Die Proserpina Szene ist interessant instrumentiert: Proserpina mit Lauten (üblich) und Plutone sehr melodiös mit Celli (unüblich).

Zu Harnoncourt muss ich nichts sagen, dass war einfach eine tolle Pioniertat, wobei auch die Sänger sehr gut sind: zum Beispiel Araiza in einer Nebenrolle eines Hirten und allen voran Philippe Huttenlocher als Orfeo. Auch ihm merkt man die Anstrengung der Partie für einen Bariton an, aber er kann das gut in Ausdrück ummünzen. Dass die Inszenierung von Ponelle genial ist, müsste ich nicht erwähnen. Oder gibt es da Gegenstimmen?

Jordi Savalls DVD-Produktion langweilt inszenatorisch, kann aber mit gutem Dirigat und Orchester und Sängern punkten, welche allesamt in Ordnung sind (eine Wohltat der Plutone, der drückt auch nicht auf die Tiefe sondern singt einfach).