Rolf Scheiwiller (01.04.2006, 11:57): Beethovens Klavierkonzerte in Gesamtaufnahmen.
Auch von seinen unsterblichen Klavierkonzerten sind immer wieder hoch beeindruckende Gesamtaufnahmen entstanden. Doch längst nicht alle Pianisten von Rang wagen sich an ein solches Projekt. Sie werden ihre Gründe haben. ( Auch wenn sie begnadete Beethovenspieler sind )
Klemperer ( vor Klemperer kenne ich keine ) miit Barenboim, als er noch Pianist war, und nichts anderes. Mit drauf eine wunderbare Chorphantasie ! EMI
Erich Leinsdorf und Rubinstein mit dem Boston Symph. O. RCA
Vaclav Neumann mit Russell Sherman und Tschechische Ph. PRO ARTE ( wer kennt diese Aufnahme ?
Dann James Levine und Alfred Brendel mit Chicago Symph. O. PHILIPS
Nochmal Brendel . Diesmal mit den Wiener Ph. und Simon Rattle. PHILIPS
Beide Brendel Gesamtaufnahmen sind hervorragend aufgenommene LIVE -Einspielungen.
Kennt Ihr Euren Beethoven ?
Welche GA bevorzugt Ihr ?
Rolf.
Telramund (01.04.2006, 13:06): Hallo Rolf,
von den vier Brendel-Zyklen mag ich die mit Haitink und Levine am liebsten. Bei Levine gefallen mir besonders die wunderbar ausgesungenen langsamen Sätze.
Weiterhin höre ich sehr gerne
Kempffs sensible, romantische Interpretation gefällt mir ausnehmend gut. Seine eigenen Kadenzen sind oft verlacht worden, ich persönlich empfinde sie als Bereicherung.
Zelenka (01.04.2006, 13:10): Ich habe 5 Gesamtaufnahmen: Kempff/van Kempen 1953-55 (DG), Solomon/Menges/Cluytens 1953-56 (Testament), Kempff/Leitner 1962 (DG), Brendel/Rattle 1999 (Philips) (wollte damals auch eine "unhistorische" Aufnahme in DDD haben) und, mit "historischen Instrumenten", Levin/Gardiner (1996-98) (DG Archiv).
Mein Herz gehört dem ersten Kempff-Durchgang in Mono. Wohlgemerkt, es geht hier ja nur um Gesamtaufnahmen, für die einzelnen Konzerte habe ich durchaus z.T. andere Vorlieben. Für die Nr. 4 z.B. Gilels/Ludwig, die ich in der Testament-Ausgabe habe, die mittllerweile leider durch einen neuen (wohl besseren und billigeren) EMI-GROC-Transfer überholt ist.
Gruß,
Zelenka
Ganong (01.04.2006, 14:18): Lieber Rolf , persönlich würde ich wegen der überragenden Interpretation des G-Dur-konzerte s8 Beginn !!! ) , einer bestechenden Wiedergabe des C-Dur-Konzertes und dem frein von EMPEROR-Pathos gespielten Es-Dur - Konzert für die Gesamteinspielung mit Alexis Weissenberg / Herbert von Karjan / berliner Philharmoniker entscheiden . "herrliche Musizieren zweier Grosser" ( Richard Osborne ) . Viele Grüsse , Ganong Bei Nr. 1 noch : Argerich , live in Amsterdam (EMI ) ; Anja Dormann mit Toscanini Nr. 2 : Argerich / Abbado Nr. 3 : Clara Haskil Nr. 4 : Clara haskil ( Label : Dante ) Nr. 5 : Gilels / Szell ; Firkusny / Steinberg
AcomA (02.04.2006, 11:29): hallo,
die beethoven-konzerte waren der vorstoß in die entität der klassischen instrumentalkonzerte während meiner schulzeit. meine allererste aufnahme (mc) bleibt immer noch meine allerbeste, die ich habe, wenn ich sie auch seit einem jahrzehnt nicht mehr hörte, da mich die cds faul gemacht haben. keine lust, die mc zu spulen oder umzupositionieren :cool
beethovens 4. konzert g-dur mit dem jungen maurizio pollini, den wiener philharmonikern unter dem alten karl böhm ! es war ein wahrer donnerschlag, eine energie-freisetzung sondergleichen. maurizio pollini kam damit aus seiner chopin-ecke endgültig heraus (aufnahme etwa 1976). der pianistische zugriff ist fulminant, wie ein 'vers la flamme', die ecksätze 'lodern', die tiefergreifende deklamation im mittelsatz. :down
ich habe soetwas nie wieder von einem anderen team gehört. es gibt offensichtlich sog. sternstunden, da klappt einfach alles !
hoffentlich wird das nochmal ordentlich wiederaufgelegt !
gruß, siamak :engel
Markus (02.04.2006, 18:18): Hallo Rolf,
mich würde interessieren, welche der beiden Brendel-Aufnahmen Du bevorzugst und warum? Ich kenne beide, habe allerdings nur die mit den Chicagoern im Schrank stehen.
Nein, ich habe nicht beide Einspielungen Brendels. Noch nie gehabt. Die selbe wie Du ! Schon viele Jahre. Da ich von Klavierinterpretationen der 1001 Pianisten noch nie was verstanden habe, kaufe ich in der Klaviersektion nur nach Namen . Was ich sonst noch an Gesamtaufnahmen habe, ist die GA mit Russell Sherman und Vaclav Neumann PRO ARTE Barenboim und Klemperer Serkin und Ozawa TELARC Andras Schiff und Haitink. Label weiss ich nicht auswendig.
ALLE gefallen mir. So einfach ists bei mir wenns ums Klavier geht !
Tschau. Rolf.
PS. Die andere Brendel Einspielung ist nicht mein Eigentum.Bei Bekannten gehört.
fohlenfanatiker (02.04.2006, 22:01): Hallo allerseits, die Brendel-Gesamteinspielung mit Levine habe ich auch und finde sie absolut in Ordnung. Die Rattle Variante kenne ich auch, finde sie nicht schlecht. Obwohl ich kein Pianist bin meine ich aber festzustellen, das Brendel hier nicht mehr ganz so leichtfingrig ist, alles wirkt ein bisschen schwerfälliger. Alternativ natürlich auch Zimerman/Bernstein, wobei die beiden ersten Konzerte ohne Bernstein aufgenommen werden mussten, da er kurz zuvor verstorben war.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6459615.jpg Hier ist man sicher sehr gut bedient.
Mime (03.04.2006, 08:05): Wilhelm Backhaus und Claudio Arrau haben Maßstäbe gesetzt,die ich auch heute noch für gültig ansehe.
AcomA (03.04.2006, 10:00): hallo Mime,
ja, dem stimme ich zu. für mich ist die darstellung des 5. konzertes mit der größten 'emperor-grandezza' diejenige wilhelm backhaus' (aufnahme mit carl schuricht). claudio arrau formulierte so akribisch und 'sauber' wie kaum ein anderer. allerdings ging das zuweilen auf kosten des temperaments und schwungs !
gruß, siamak :)
Rachmaninov (03.04.2006, 18:11): @Rolf,
gerade mußte ich feststellen, daß ich dafür, das ich eigentlich dachte ich wäre gar nicht so sehr an Beethovens Klavierkonzerten interessiert, doch einige Aufnahmen besitze.
Generell neige ich eher weniger zu Gesamtaufnahmen.
Dennoch besitze ich folgene:
Gulda - Wiener Philharmoniker - Horst Stein (Decca) Pierre-Lauerent Aimard - Chamber Orchestra of Europe N. Harnoncourt Arrau - Staatskapelle Dresden - Sir Colin Davis
Und wenn ich ehrlich bin habe ich davon noch keine komplett durchgehört. :ignore
Rolf Scheiwiller (03.04.2006, 18:37): Original von Rachmaninov @Rolf,
gerade mußte ich feststellen, daß ich dafür das ich eigentlich dachte ich wäre gar nicht so sehr an Beethovens Klavierkonzerten interessiert, doch einige Aufnahmen besitze.
Nun, generell neige ich eher weniger zu Gesamtaufnahmen.
Dennoch besitze ich folgene:
Gulda - Wiener Philharmoniker - Horst Stein (Decca) Pierre-Lauerent Aimard - Chamber Orchestra of Europe N. Harnoncourt Arrau - Staatskapelle Dresden - Sir Colin Davis
Un wenn ich ehrlich bin habe ich davon noch keine komplett durchgehört. :ignore
Orfeo (10.04.2006, 20:25): Ganz wunderbar ist für mich die Einspielung des zweiten und dritten Konzertes mit Argerich und Abbado aus den letzten Jahren. Das Dritte mit Michelangeli und Giulini ist das Treffen der Königstiger. Die vor kurzem in der Karajan Edition auf EMI veröffentlichten Einspielungen mit Karajan und Alexis Weissenberg haben mich sehr vereinnahmt. Und das fünfte bleibt für mich mit Edwin Fischer und Wilhelm Furtwängler Referenz.
nikolaus (10.04.2006, 20:45): Hallo Orfeo,
das 2. und 3. mit Argerich/Abbado sind wirklich toll. Mir fehlt noch das 5.: auch wenn Fischer die Referenz ist, gibt es Alternativen, vielleicht aus neuerer Zeit?
Nikolaus.
Orfeo (10.04.2006, 21:15): Sehr gut finde ich noch die Aufnahme des Es-Dur Konzertes mit Glenn Gould und Stokowski. Diesen kreiselnden Schlußsatz macht denen keiner nach.
Ganong (11.04.2006, 18:44): Lieber Rachmaninov , Frage : kennst Du die ( für mich provokante ) Aufnahme mit Vladmir Horowitz und Fritz Reiner ? matthias Kornemann hat sie in einer Rezension als d i e Aufnahme vor einigen Jahren besprochen . Für mich war das ein ( kliner ) Schock gewesen . Kornemann wusste dies offensichtlich ud antwortet mir , dass er mit meiner Reaktion geraechnet habe . Die wirft natürlich direkt die Frage auf : W a s ist von Horowitz' Beethoven zu halten . Er hat ja immer behauptet , dass er ( privat ) alle Sonaten spiele . Viele grüsse , Frank
Rachmaninov (11.04.2006, 18:47): Original von Ganong Lieber Rachmaninov , Frage : kennst Du die ( für mich provokante ) Aufnahme mit Vladmir Horowitz und Fritz Reiner ?
Frank,
nein, leider kenne ich diese Aufnahme nicht! War mir bisher nicht bekannt das es eine derartige Aufnahme gibt!
R
Orfeo (11.04.2006, 19:14): Ich bin nicht gefragt, aber ich halte die Horowitz / Reiner Aufnahme für technisch hochwertig aber unnötig.
fohlenfanatiker (11.04.2006, 20:03): @nikolaus Mir fehlt noch das 5.: auch wenn Fischer die Referenz ist, gibt es Alternativen, vielleicht aus neuerer Zeit? Aus neuerer Zeit mag ich am meisten Zimerman Bernstein von DGG. Alternativ auch Brendel Levine. Oder oben von AcomA erwähnt, das Gespann mit dem jungen Pollini und Böhm aus den Siebzigern (falls das noch als "aus neuerer Zeit" durchgeht :) ) ist klangtechnisch durchaus gut, ist auf CD mit dem 4. Konzert kombiniert. Die Einspielung Abbado Pollini von DGG ist für mich eher enttäuschend, zwar irgendwie tadellos, aber auch für mich ohne Leidenschaft und "Herzblut" gespielt.
nikolaus (11.04.2006, 23:31): @ fohlenfanatiker,
danke für den Tipp. Ich werde mal probehören!
Nikoklaus
Ganong (12.04.2006, 16:33): Lieber Orfeo , wieso ist diese Aufnahme durch Horowitz und Reiner "unnötig" ? Dank für eine Kurzbegründung ! Viele Grüsse , Frank
Ganong (12.04.2006, 16:35): :thanksLieber Orfeo , wieso ist diese Aufnahme durch Horowitz und Reiner "unnötig" ? Dank für eine Kurzbegründung ! Viele Grüsse , Frank
Orfeo (12.04.2006, 16:55): Hallo Ganong, ich habe die Aufnahme gestern nochmal gehört und die Besprechung Matthias Kornemann bei Rondo gelesen. Horowitz und Reiner leisten sehr gute Arbeit und legen eine Musterarbeit vor, wie man dieses Konzert meistern kann.
Ich wüsste jedesmal nicht, wo ich diese Aufnahme jetzte positiv oder negativ werten sollte. Es fehlt irgendwie an Zauber, Magie, Show oder was auch immer. Andererseits könnte ich aber auch nichts kritisieren. Es bleibt aber eine steife Modellaufnahme, die für mich nicht wirklich etwas vermittelt.
Mit Unnötig meine ich daher, dass Horowitz und Reiner für mich mit dieser Aufnahme nichts gewonnen haben, aber auch nichts verloren.
Cosima (14.04.2006, 13:12): Hallo,
beim norwegischen Label SIMAX (nie gehört) entsteht seit einiger Zeit eine Gesamtaufnahme sämtlicher Klavierkonzerte und Orchesterwerke Beethovens. Eine Aufnahme dieser Serie ist das 4. Klavierkonzert gekoppelt mit dem Arrangement (op. 61a) des Violinkonzertes. Und zwar mit Berezovsky; es dirigiert Thomas Dausgaard, den ich von den Berwald-Sinfonien - aber mit anderem Orchester - als gut in Erinnerung habe.
http://www.wom.de/image/cover/front/0/1521111.jpg
Kennt die Aufnahme vielleicht jemand? Eigentlich brauche ich ja keine weitere Einspielung der Klavierkonzerte, aber interessieren würde sie mich schon. Sie ist bereits im Nov. 05 erschienen. Der berühmt-berüchtigte Hurwitz hat ihr übrigens eine :times10 verpasst. :rofl
Die Einspielung des 1. Konzertes soll auch sehr gut sein, jemand verglich sie mit der Fleisher/Szell-Aufnahme.
Gruß, Cosima
AcomA (29.04.2006, 11:21): hallo,
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9999664.jpg
die aufnahmen stammen aus 1960/61 und sind exzellente stereo ! wenns nur das wäre. hans richter-haaser, das philharmonia orchestra london und istvan kertesz vollbringen hier eine interpretation, die auf anhieb für beide konzerte zu den ganz großen gehören, die ich kenne, und es sind weiß gott nicht wenige, die ich kenne !
hier hat jemand beethoven verinnerlicht und spielt mit verve und großem atem. das orchester zeigt tollen sound.
gruß, siamak :engel
ab (19.05.2006, 17:59): Wenn es um Beethoven alle fünfe geht, da kommt mir sofort zweierlei in den Sinn:
Valery Afanassiev mit Soudant (OehmsClassics)
Wohl der Exzentriker unter den Pianisten, jedoch alles andere als ein gnadenloser Subjektivist, der sich selbst spielt oder zwanghaft Neuartiges sucht (wie es etwas Gould und Gulda oder Progorelich waren). Afananssiev lässt die Musik aus sich selbst erklingen: Statt individuellen Ausdruck geht es – vermutlich ähnlich wie es immer der Versuch Celibidaches war – darum, die Musik ganz aus der Ruhe entstehen zu lassen. Da ist weder etwas vorwärtsdrängend noch rückwärts verhalten. Der Fluss der Musik ist ganz ruhend. Wer dies goutieren will, muss seine Erwartungshaltung vollständig ändern und ganz anders zuhören, dann erschließt sich ihm vielleicht diese Interpretation. Anderenfalls muss Afanassievs Spiel „beinahe etwas ‚buchstabierend’“ wirken, wie jüngst eine Kritiker, der dieses obertonreiche Spiel nicht verstanden hat, zu seiner grandiosen Beethovenklavierkonzerteinspielung verreißend geschrieben hat. Sonst scheinbar nebensächliche Läufe werden bei Afanassiev zum Ereignis. Besser gesagt: Es gibt gar keine Nebensächlichkeiten. Jeder Ton ist gleich viel wert. Genau besehen ist daher die Rede vom „eigenwilligen“ Künstler, zu denen Afanassiev gerne gezählt wird, verfehlt: Es geht nicht um subjektiven, genialischen Ausdruck, sondern der Klang selbst bestimmt, welche Differenzierungen, welche Anschlagsvariablen und Dynamikveränderungen erforderlich sind. Afanassiev stellt sie nur nicht – wie sonst üblich – in den Dienst des subjektiven Ausdrucks, sondern des »objektiven« Klangs. Jedem Moment muss man seine ganze Aufmerksamkeit zukommen lassen. Wer diese durchgängige Hör-Konzentration nicht aufbringt oder gewöhnt ist, sich von Musik berauschen zu lassen, dem wird das Klangempfinden dieser Ausnahmeninterpretation vermutlich gänzlich entgegen. Das anti-dramatische, oberton-erklingende Spiel ist für mich immer wieder und wieder ein völlig aufregendes Neuentdecken der Musik.
Diese Gesamtaufnahme ist für mich eine der ganz großen Erungenschaften der letzten Jahre!
Zum anderen Zyklus bald! Nun warte ich erst auf euren vehementen Widerspruch!
Rachmaninov (09.08.2006, 19:14): Eben habe ich mir aus der Aufnahme mit C.Arrau mit der Staatkapelle Dresden das Klavierkonzert #3 op.37 angehört.
Meine Wahl viel auf das Konzert da ich es in letzter Zeit wohl am meisten gehört hatte von den 5. Klavierkonzerten Beethovens.
Ursprünglich hatte ich vor gleich im Anschluß noch das "Emperor" KOnzert zu hören. Davon nahm ich allerdings Abstand.
Es ist einfach unüberhörbar und geht eindeutig zu lasten der Aufnahme, der Herr Arrau zum Zeitpunkt weit jenseits der nötigen Fähigkeiten für das Konzert war. Bei der Geläufighkeit und Differenzierung im Anschlag und derartige deutliche Mängel sind offensichtlich.
Jegliche Bewertung des Orchesters ist in einem derartigen Fall völlig unnötig und unangemessen.
Allerdings scheint es mir als atmen die Musiker im Orchester fast schon auf wenn sie Herrn Arrau nicht begleiten :ignore
Rachmaninov (28.01.2007, 10:55): Eben hörte ich die Klavierkonzerte #3 und #4
mit den Wien PO unter L. Bernstein und K. Zimerman als Pianisten.
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6459615.jpg
Also ich muß sagen das die Aufnahme hier bereits zurecht genannt wurde. Das Zimerman technisch gesehen keinerlei Probleme mit den Konzerten haben kann ist sicherlich phne zweifel. Derartige Konzerte meistern alle Pianisten heutiger Tage. Obwohl mir Zimerman beim Einsatz 1. Satz Konzert #3 etwas "hart" im Anschlag wirkte muß ich sagen, daß die Aufnahmen mir wirklich verzüglich gefallen haben. Die Wiener spielen unter der Leitung von Bernstein sehr gut auf. Man merkt einfach das für Bernstein Beethoven etwas ganz besonders war in seinem Leben. Dazu ein K. Zimerman der, trotz eines nicht gerade warmen Anschlag's, unheimlich gefühlvoll spielt und eine Freunde vermittelt, die überspringt auf mich, den Hörer.
Sicherlich eine Gesamtaufnahme, die es gilt in Betracht zu ziehen!
Amadé (28.01.2007, 11:48): Hallo Forianer,
ich möchte noch einige Ergänzungen anbringen und auf Gesamtaufnahmen hinweisen, die, soweit ich gelesen habe, noch nicht erwähnt wurden aber ihre Meriten haben:
Rudolf Serkin mit Kubelik, SO des Bayerischen Rundfunks bei Orfeo (Live-Aufnahmen 1977). CBS/Sony hat es versäumt, die sehr guten Einspielungen der Konzerte mit Ormandy (Nr.1, 2 und 4) zusammen mit den Konzerten 3 und 5 sowie der Chorfantasie mit Bernstein in einer Box zusammenzufassen. Nr.2 B-dur mit Ormandy ist meine "Referenz"-Aufnahme, auf CD bin ich ihr jedoch noch nicht begegnet. Die späteren Aufnahmen mit Ozawa sind noch hörenswert, können aber mit den früheren nicht mithalten. Ebenso bei CBS/Sony erschienen die Konzerte mit Leon Fleisher und G.Szell und dem Cleveland Orchester. Die letzteren legten auch mit Emil Gilels eine bemerkenswerte Gesamteinspielung vor (heute EMI). Erinnert sei auch noch an die Aufnahmen mit Julius Katchen/P.Gamba bei Decca. Beim selben Label erschienen später noch Radu Lupu/Z. Metha mit dem Israel Philharmonic Orchestra sowie Alicia de Larrocha/R.Chailly und dem Radio-Symphonie-Orchester Berlin. Die liebste neben Serkin ist mir die Produktion mit Artur Rubinstein und Josef Krips sowie dem Symphoniy of the Air Orchestra (= das ehemalige NBC Symphony Orchestra Toscaninis) bei RCA. Leider klirrt das Klavier an einigen Stellen etwas.
Gruß Amadé
AcomA (03.02.2007, 14:43): hallo,
hier sei angemerkt, dass arthur rubinstein das g-dur konzert nr. 4 am meisten liebte. und genauso spielte er es. kraftvoll, sonor und lebensbejahend.
gruß, siamak :)
AcomA (03.04.2006, 10:00): hallo Mime,
ja, dem stimme ich zu. für mich ist die darstellung des 5. konzertes mit der größten 'emperor-grandezza' diejenige wilhelm backhaus' (aufnahme mit carl schuricht). claudio arrau formulierte so akribisch und 'sauber' wie kaum ein anderer. allerdings ging das zuweilen auf kosten des temperaments und schwungs !
ich möchte diesen Thread wieder ein wenig beleben und gleichzeitig um Entschuldigung bitten, da es sich nicht um eine Gesamtaufnahme handelt. Für die Konzerte Nr.1 und 3 sehe ich jedoch keine eigenen Fäden. Falls ich mich irre, möge der Admin entsprechend verschieben.
Kempff spielt 2 Beethoven Klavierkonzerte Nr. 1 mit Carl Schuricht und dem Orchestre National de France Aufn.: 1955 Nr.3 mit Karl Münchinger und demselben Orchester Aufn.: 1957
Kempff spielt wie gewohnt sehr kantabel, setzt aber hier und da eigene Akzente. Insgesamt, und das bestätigen auch diese beiden Mitschnitte, ist seine Interpretationsbandbreite nicht sehr groß. Wie gewohnt spielt er eigene Kadenzen, in op.15 ist es eine Fortführung von Beethovens 2. Kadenz zu diesem Konzert.
op.15: Aufnahme klingt schon recht historisch, das Orchester ist unterdurchschnittlich, vor allem die Streicher. Und dann wirken noch meine innigstgeliebten spitzen Oboen mit, die sich immer wieder hervordrängen. Im 2. Satz hat Kempff die Musik „in der Hand“, das Orchester folgt ihm willig. Der dritte Satz wird sehr rhythmisch gespielt. M.W. das einzige Dokument der Partnerschaft Schuricht-Kempff.
op.37: Klang: in lauten Tutti-Passagen ein wenig klirrend. Es scheint kein Original Rundfunk-Band sondern ein (privater?) Mitschnitt einer Rundfunk-Sendung zu sein, darauf deuten wiederkehrende Störsignale hin. Münchinger lässt das Konzert in romantischer Manier erklingen, im langsamen Satz sehr ausladend. Die Terzenkette des Pianisten T.24 ff (2.Solo) kommt sehr plastisch und ausdrucksvoll, das gefällt mir. Insgesamt eine Veröffentlichung für Kempff-Verehrer und Sammler historischer Dokumente. Wer die Beethoven-Konzerte mit Kempff schätzt, greife auf die DGG-Produktionen mit Paul van Kempen oder Ferdinand Leitner zurück. Es existiert auch ein klanglich befriedigender live-Mitschnitt aller 5 Konzerte mit Heinz Rögner und der Staatskapelle Berlin vom März 1965, damals habe ich ihn im Ost-Radio mitgehört, von op.58 besitze ich auch eine Bandkopie. Das wäre etwas für Berlin classics!
Grüße Amadé
Zelenka (20.04.2008, 10:41): Original von Amadé
Insgesamt eine Veröffentlichung für Kempff-Verehrer und Sammler historischer Dokumente. Wer die Beethoven-Konzerte mit Kempff schätzt, greife auf die DGG-Produktionen mit Paul van Kempen oder Ferdinand Leitner zurück.
Lieber Amadé:
Herzlichen Dank für Deine Höreindrucke! Als Beethoven- und Kempff-Freund habe ich die CD natürlich bestellt, aber sie ist leider noch unterwegs. Die Vorfreude hält sich jetzt ein wenig in Grenzen.
Gruß, Zelenka
Amadé (31.05.2008, 12:11): Hallo Forianer,
steht uns mit dieser neuen Veröffentlichung vom schwedischen Label BIS eine weitere Gesamtaufnahme ins Haus?
Das Auffallende an dieser CD ist, dass sie völlig unauffällig ist, alles kennt man irgendwie schon von anderen Einspielungen. Brautigam spielt hier nicht auf einem Hammerflügel, wie fast immer in den letzten Jahren, sondern auf einem Steinway. Seine Partner sind das Norrköping Symphony Orchestra unter Leitung des vor allem in der Alten-Musik-Bewegung ausgewiesenen Andrew Parrott. Folglich werden schnellere Tempi vor allem in den mit Largo bezeichneten Mittelsätzen angeschlagen, die Bezeichnung con brio im 1. Satz des C-dur Konzerts bleibt weitgehend ohne Beachtung. Das Einzige, was mich wirklich an eine HIP-Produktion erinnert, ist der kurz angerissene Schlussakkord im 2. Satz von op.37. Insgesamt vermisse ich in beiden Konzerten der beethovensche Biss! Positiv anzumerken ist das sehr durchsichtige und räumlich gestaffelte Klangbild. Auch in lauten Tutti-Stellen lassen sich die Holzblasinstrumente noch orten und werden nicht vom mächtigen Streicher-Apparat plus Blech zugedeckt, wie es leider in der neuen Mozart-CD mit Pollini immer wieder passiert. Fazit: Eine CD, die man sich nicht unbedingt anschaffen muss. Wenn man Brautigam hören möchte, empfehle ich wärmestens seine neuen Einspielungen der Beethoven-Sonaten oder die Sonaten und Variationen von Mozart, alles bei BIS.
Kempff spielt 2 Beethoven Klavierkonzerte Nr. 1 mit Carl Schuricht und dem Orchestre National de France Aufn.: 1955 Nr.3 mit Karl Münchinger und demselben Orchester Aufn.: 1957
Kempff spielt wie gewohnt sehr kantabel, setzt aber hier und da eigene Akzente. Insgesamt, und das bestätigen auch diese beiden Mitschnitte, ist seine Interpretationsbandbreite nicht sehr groß. Wie gewohnt spielt er eigene Kadenzen, in op.15 ist es eine Fortführung von Beethovens 2. Kadenz zu diesem Konzert.
op.15: Aufnahme klingt schon recht historisch, das Orchester ist unterdurchschnittlich, vor allem die Streicher. Und dann wirken noch meine innigstgeliebten spitzen Oboen mit, die sich immer wieder hervordrängen. Im 2. Satz hat Kempff die Musik „in der Hand“, das Orchester folgt ihm willig. Der dritte Satz wird sehr rhythmisch gespielt. M.W. das einzige Dokument der Partnerschaft Schuricht-Kempff.
op.37: Klang: in lauten Tutti-Passagen ein wenig klirrend. Es scheint kein Original Rundfunk-Band sondern ein (privater?) Mitschnitt einer Rundfunk-Sendung zu sein, darauf deuten wiederkehrende Störsignale hin. Münchinger lässt das Konzert in romantischer Manier erklingen, im langsamen Satz sehr ausladend. Die Terzenkette des Pianisten T.24 ff (2.Solo) kommt sehr plastisch und ausdrucksvoll, das gefällt mir. Insgesamt eine Veröffentlichung für Kempff-Verehrer und Sammler historischer Dokumente. Wer die Beethoven-Konzerte mit Kempff schätzt, greife auf die DGG-Produktionen mit Paul van Kempen oder Ferdinand Leitner zurück. Es existiert auch ein klanglich befriedigender live-Mitschnitt aller 5 Konzerte mit Heinz Rögner und der Staatskapelle Berlin vom März 1965, damals habe ich ihn im Ost-Radio mitgehört, von op.58 besitze ich auch eine Bandkopie. Das wäre etwas für Berlin classics!
Grüße Amadé
Lieber Amadé:
Gestern ist die noch recht neue Kempff-CD auch endlich bei mir eingetroffen. (Die Leidensgeschichte ihrer Beschaffung soll hier mit Schweigen übergangen werden ...) Im wesentlichen kann ich Deinen Anmerkungen zustimmen. Klanglich ist die CD fast eine Zumutung. Über die Quellen der Aufnahmen schweigt sich das liederlich gemachte Booklet aus, auch über den Aufnahmeort. In der Tat ist dies nur etwas für Kempff-Komplettisten, die offenbar mitunter auch eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringen müssen. Ganz so schlimm wie Kempffs venezolanische Aufnahmen von Beethovens 4. und 5. Konzert und Mozarts KV 466 (Carácas 1956), die vor zwei Jahren erschienen sind, sind diese französischen Versionen zumindest unter dem künstlerischen Gesichtspunkt dann doch nicht.
Gruß, Zelenka
Zelenka (11.06.2008, 19:59): Original von Amadé
M.W. das einzige Dokument der Partnerschaft Schuricht-Kempff.
Kempff und Schuricht haben in der Tat spätestens seit den 30ern mehrfach zusammerngearbeitet. Nach Klaus Linsenmeyers "Wilhelm Kempff: Lebensskizzen eines großen Pianisten" existiert noch wenigstens ein weiteres Tondokument aus Montreux im Archiv des Radios der französischen Schweiz.
Gruß, Zelenka
Dr. Schön (21.07.2008, 15:23): Ich liebe Beethovens Klavierkonzerte. Ich mag Glenn Gould nicht. Aber ich liebe seine Beethoven Konzerte seit ich sie kenne über alles. Ganz besonders das 5te mit einem ganz großartigen Leopold Stokowski ist auch eine meiner liebsten Beethoven Aufnahmen überhaupt.
Freilich gibt es bessere Pianisten und Gould steht nicht weit über, aber eben doch weit neben dem üblichen.
Damit will ich nichts gegen ältere Aufnahmen dieser Konzerte sagen. Ich habe und schätze einige der hier genannten (Die Meisten. Was habe ich nicht alles probiert. Konnte selbst nie glauben, dass es nix besseres als den Gould gibt). Sammle auch bei anderen Beethoven Werken gerade ältere.
Aber die meisten Beethoven Konzerte Aufnahmen haben etwas so - edles (ich finde kein besseres Wort) - und sind diesbezüglich und anderweitig schon längst so verschlissen. Ich kenne kaum alte Aufnahmen, die, in meinen Ohren, so alt und opahaft klingen, wie LvBs Klavierkonzerte.
Pauschalisieren ist sonst nicht meine Sache. Hier aber schon. Kann man natürlich alles anders sehen.
Als heilsame Kur empfinde ich auch Aimard/Harnoncourt. Klingt für mich auch nicht ergraut, sondern schon modern.
Ich möchte hier niemanden provozieren oder sowas.
jünter (29.07.2008, 09:50): Hallo allerseits,
ich „umkreise“ derzeit verschiedene Einzel- und GA und bin beim Stöbern u.a. auf diese (hier noch nicht genannten) CDs gestoßen:
Rubinstein/Barenboim London PO von 1975. Kennt jemand die Aufnahmen und kann mir sagen, was davon zu halten ist? Die Rubinstein-Aufnahmen mit Leinsdorf aus den frühen 60er Jahren sind derzeit wohl nicht erhältlich.
Mein bisheriger Favorit: Kempff/Leitner.
Grüße, jünter
Zelenka (29.07.2008, 18:38): Original von jünter Hallo allerseits,
ich „umkreise“ derzeit verschiedene Einzel- und GA und bin beim Stöbern u.a. auf diese (hier noch nicht genannten) CDs gestoßen:
Rubinstein/Barenboim London PO von 1975. Kennt jemand die Aufnahmen und kann mir sagen, was davon zu halten ist? Die Rubinstein-Aufnahmen mit Leinsdorf aus den frühen 60er Jahren sind derzeit wohl nicht erhältlich.
Mein bisheriger Favorit: Kempff/Leitner.
Grüße, jünter
Lieber jünter:
Ich würde auf Rubinstein/Barenboim an Deiner Stelle verzichten, auch auf Rubinstein/Leinsdorf (obwohl besser). Die Leinsdorfaufnahmen müßte es wenigstens teilweise innerhalb der Rubinstein Edition geben.
Bei Kempff würde ich dann auch noch eher zu den Monoaufnahmen unter van Kempen raten ... Ansonsten: Warum nicht z.B. Fleisher/Szell oder sogar Brendel/Rattle?
Gruß, Zelenka
jünter (29.07.2008, 19:05): Lieber Zelenka,
das habe ich mir angesichts der Barenboim-Beteiligung schon fast gedacht.
Kempff/van Kempen kommt wg. Mono für mich leider nicht in Frage, Fleisher/Szell ist z.Zt. wohl nicht auf dem Markt, vielleicht warte ich auf eine Wiederveröffentlichung.
Brendel/Rattle werde ich auch noch testen, obwohl ich die Brendel-Aufnahmen mit Haitink und Levine für mich inzwischen schon "aussortiert" habe. Die Interpretationen sprechen mich - schwer zu erklären - nicht so an, erscheinen mir irgendwie zu "neutral".
Gruß, jünter
Amadé (29.07.2008, 20:58): Lieber jünter,
@ Kempff/van Kempen: ab einer besonderen Qualitätsstufe, die liegt hier vor, kommt es auf mono/Stereo nur noch wenig an, die Ohren gewöhnen sich schnell an den jeweiligen Klang
@Fleisher/Szell: die Aufnahmen werden immer wieder bei ebay angeboten
@ Rubinstein/Barenboim: nicht der Rede wert, Rubinstein wurde im Laufe seines Lebens nicht unbedingt besser, Barenboim war ein guter Pianist, sein Dirigentenpotenzial hält sich in Grenzen. Wenn schon Rubinstein, dann mit Leinsdorf oder, etwas älter, Josef Krips.
Grüße Amadé
jünter (31.07.2008, 07:56): @Fleisher/Szell: die Aufnahmen werden immer wieder bei ebay angeboten
Lieber Amade´,
danke für den ebay-Tipp, behalte ich im Auge. Aber die momentan aufgerufenen 90 Euro für eine gebrauchte GA: Escht nisch (um es in meiner "Muttersprache" zu sagen)!
Gruß, jünter
Cetay (inaktiv) (04.10.2008, 16:41): Seit einigen Tagen höre ich die neue Aufnahme von Kissin/Davis mit großer Begeisterung. Die Aufnahme schlägt meine Regalvergleiche Brendel/Levine und Uchida/Sanderling um Längen. Der pianistische Part lässt nichts zu wünschen übrig: Kraft und Empfindsamkeit, Transparenz und Fülle, Vorwärtsdrang und Gelassenheit , Intensität und Kontrolle, haarkleine Phrasierung und größe Bögen - Kissin transzendiert diese Gegensätze zu einer einzigartigen Natürlichkeit. Ganz besonders hervorheben möchte ich auch die Leistung von Davis, der hundertprozentig genau in das gleiche Horn stösst und unbehelligt von aufführungspraktischen Diskussionen einfach nur "richtig" klingt. Ich kann mir nicht vorstellen, was man da noch besser machen sollte. Dieser subjektive Eindruck wurde heute durch eine enthusiatische Besprechung auf SWR2 bestätigt. Die Aufnahme wurde regelrecht abgefeiert, Kissin als die Synthese von Schnabel und Gilels bezeichnet, alle Einspielungen der jüngeren Zeit seien "hiermit vom Platz gestellt" und auch den alten Referenzen stehe diese Neuaufnahme "um nichts nach" - Kissin habe damit sein Reifezeugnis abgelegt. Na dann: Herzlichen Glückwunsch.
in die Hörproben dieser Aufnahme hörte ich vor einigen Tagen auch rein und genau das was mit bei Arrau mit diesem Dirigenten fehlt habe ich dort gefunden.
Die Anschaffung gilt als fest eingeplant.
Mal sehen wann ich sie realisieren....
Amadé (04.10.2008, 23:03): Liebe Beethoven-Freunde Dox, Rachmaninov und andere,
ich hörte gerade das 3. Konzert. Pianist fabelhaft, aber da punkten fast alle. Worüber ich nicht glücklich bin ist die Begleitung des Orchesters wenn Kissin ein Solo hat, d.h. Klavier und Orchester gleichzeitig spielen, sich ergänzen oder sich kommentieren. Da ist mir das Orchester stellenweise einfach zu leise, zu sehr im Hintergrund. Bei Konzerten aus der Romantik ist da nichts einzuwenden, bei Beethoven gehört alles zusammen. Dieses Manko laste ich eher der Technik und Aufnahmeleitung an als C.Davis, man wollte Kissin den Vortritt lassen und verriet dabei seine Unkenntnis beethovenscher Kompositionswissenschaft. Bitte achtet mal selbst darauf und berichtet.
Grüße Amadé
Cetay (inaktiv) (05.10.2008, 11:08): Original von Amadé Liebe Beethoven-Freunde Dox, Rachmaninov und andere,
ich hörte gerade das 3. Konzert. Pianist fabelhaft, aber da punkten fast alle. Worüber ich nicht glücklich bin ist die Begleitung des Orchesters wenn Kissin ein Solo hat, d.h. Klavier und Orchester gleichzeitig spielen, sich ergänzen oder sich kommentieren. Da ist mir das Orchester stellenweise einfach zu leise, zu sehr im Hintergrund. Bei Konzerten aus der Romantik ist da nichts einzuwenden, bei Beethoven gehört alles zusammen. Dieses Manko laste ich eher der Technik und Aufnahmeleitung an als C.Davis, man wollte Kissin den Vortritt lassen und verriet dabei seine Unkenntnis beethovenscher Kompositionswissenschaft. Bitte achtet mal selbst darauf und berichtet.
Grüße Amadé
Hallo Amadé,
ich muss zugeben, dass es mir nicht so recht gelungen ist, den Einwand hörend nachzuvollziehen. Ich finde die Balance zwischen Orchester und Klavier nahezu exemplarisch, manchmal entsteht sogar der Eindruck, das Klavier fülle die Löcher im Orchestergefüge aus, was ein spannendes so noch nicht gehörtes Klanggeflecht ergibt. Wenn das Orchester leise ist, macht es von der Dramaturgie her Sinn, ebenso wie umgekehrt im langsamen Satz des 3. Konzerts, wenn das Klavier zum Teil kaum noch hinter dem Orchester zu hören ist. Den Eindruck, dass man Kissin bewußt in der Vordergrund stellen wollte, teile ich nicht.
durch Übernahme einer Klassik-CD-Sammlung ist mir die Giles/Masur-Aufnahme (Brillant) in die Hände gefallen, die auf 6CD´s auch die wichtigsten Beethoven - Sonaten enthält. Es spielt das Staatliche SO der UDSSR Moskau. Die KK-Aufnahmen sind LIVE vom Dezember 1976. Klanglich sind diese in Stereo, haben aber nicht das hohe Klangniveau von Westaufnahmen aus dieser Zeit; eben so, wie man es von den Russen aus dieser Zeit nicht besser gewohnt ist. :times10 Aber Klang beiseite
was Gilels am Klavier abliefert und auch der sonst gerne gescholtene Masur mit den russischen Orchester an Beethoven abliefert ist mit einem Wort gesagt - Klasse ! Gilels lupenreine, klare, starke, mannhafte Interpretation finde ich ausgezeichnet und Begeisterungswürdig. Das nenne ich einen idealen Interpretationsansatz für Beethoven.
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51K7BTCQ8JL._SL500_AA240_.jpg Emil Gilels, Staatliches SO der UDSSR Moskau, Kurt Masur Brillant, 1976-1984, LIVE, ADD Stereo
Meine Favoriten-GA Fleisher/Szell (SONY) und Brendel/Haitink (Philips) möchte ich damit zwar nicht in Frage stellen, aber Gilels/Masur (Brillant, 1976) stellen eine Alternative dar, die ich nicht mehr missen möchte. Ich habe es übrigens im Mai 2008 mit Weissenberg/Karajan (EMI) versucht, doch konnten mich beide nicht in dem Maße begeistern, ansprechen oder fastzinieren, wie es jetzt ohne mit der Wimper zu zucken Gilels/Masur schaften.
:hello Wer kennt diese Brillant-Neuauflage mit Gilels ???
daniel5993 (05.10.2008, 14:18): Hallo Wolfgang,
Ich besitze diese Box auch, hab aber wenig gutes über Masurs Dirigat gehört, dass ich nicht mal reingehört habe. Ich werd mich mal selbst überzeugen. Manchmal benötigt man einen Anstoß.
Grüße Daniel
teleton (05.10.2008, 15:04): Hallo Daniel,
es ist einfach klangtechnisch bedingt, das das Orchester bei Gilels/Masur nicht immer so klar und detailreich erscheint, wie zum Beispiel bei Szell und Haitink, die auch Orchestral sehr präzise sind und alle Orchesterstimmen sauber wiedergeben, obwohl diese Aufnahmen gleichalt und älter sind. Aber das ist das Problem bei russischen Live-Aufnahmen, die von Brillant gerne vermarktet werden. :) Das Klavier ist bei dieser Aufnahme aber lupenrein und Gilels Anschlag - das trifft meinen Geschmack.
:) Masur unterschäg jedenfalls nicht die Paukenstellen in Beethovens KK, die klanglich tief und großvoluig im Orchesterklang integriert sind. Hört sich interessant und russisch an. So wie man es von den zahlreichen Eurodisc-Platten mit Werken von russischen Komponisten her kennt. Es passt auf jedenfall auch zu den Beethoven - KK und unterscheidet sich schon von gewohnten Klangbildern für Beethoven. Aber nochmal erwähnt sei
- :times10 Gilels !
:( Eine Aufnahme der Beethoven-KK, die mir jetzt speziel wegen der laschen und unmotivierten Orchesterleistung nicht gefällt ist Gulda/WPO/Stein (Decca) , die sich in der Beethoven-Sonaten-GA-Box mit Gulda befindet. :beer Eine schwache und unmotivierte Orchesterbegleitung würde ich Masur an keiner Stelle andichten wollen - er ist voll dabei und liefert - die nötige Spannung !
ab (05.10.2008, 22:01): Original von teleton Eine schwache und unmotivierte Orchesterbegleitung würde ich Masur an keiner Stelle andichten wollen - er ist voll dabei und liefert - die nötige Spannung !
Ich kann dem leider ganz und gar nicht zustimmen. Selbst Gilels hier zu hören bereitet mir deswegen kaum Freude.
teleton (07.10.2008, 09:55): Hallo ab,
ich habe mir gestern wegen Deiner kriutischen Worte extra das Beethoven KK Nr.3 mit Gilels / Masur angehört und mit Fleisher/Szell verglichen. Ich stellte mir die Frage, ob ich denn so danebenliege !?!
Es ist Richtig, das Präzision und Feinheiten klar bei Szell vorzufinden sind, aber die typisch russische mannhafte Leseart des Staatlichen SO der UDSSR mit Masur kann sich unbedingt hören lassen - und was Gilels dann noch daraus macht ist - einfach Super !
?( Von daher kann ich Deine Kritik nicht nachvollziehen. Die Russen sind halt anders gestrickt und klingen weniger fein. Das ist kein "Wiener Schmäh" a´la Gulda/Stein. Eine Aufnahme, die mir absolut missfallen hat und mich wegen der unmotivierten Orchesterbegleitung langweilt.
Rachmaninov (07.10.2008, 10:08): Original von teleton Die Russen sind halt anders gestrickt und klingen weniger fein.
Die russische Klavierschule hat wohl so viele, so unterschiedliche Pianisten hervor gebracht, dass man dieses pauschale Urteil wohl nicht so stehen lassen kann.
Es gibt zwar eine gewisse Charakteristik der russischen Schule, jedoch klingen die Pianisten doch alle einzigartig und sind "lediglich" in ihrem Können auf höchsten Niveau verwandt!"
teleton (07.10.2008, 10:17): Hallo Rachmaninov,
Du hast mich schon wieder falsch verstanden - ich meine es so, wie ich es geschrieben habe ! Es liegt kein pauschales Urteil meinerseits vor.
Das die russische Klavierschule höchstes Niveau hat, darüber keine Diskussion - so auch mit Gilels.
** Ich habe mich mit meinem Satz auf das russische Orchester bezogen, das im Vergleich grober und weniger fein klingt, als ein Westorchester.
Das ist es warscheinlich, dass das Forumsmitglied ab die Gilels/Masur-Aufnahmen weniger zu schätzen weis.
HenningKolf (07.10.2008, 11:32): - Ich muss da auch ab beipflichten, der im übrigen sicherlich genug Aufnahmen mit sowjetischen Orchestern kennt, ebenfalls den speziellen Bläserklang und den speziellen Klang manch anderer Instrumentengruppen.......
Mein Gedanke als ich Masur hörte war in etwa: "Mit Mrawinski wäre das nicht passiert"
- Auch die Begeisterung für die Kissin-Aufnahme vermag ich nicht zu teilen. In diese habe ich leihweise hineinhören können, und ich kann Bernds Bedenken gut nachvollziehen. Das Orchester hat wirklich an manchen Stellen die Funktion von Hintergrundmusik - ob das an der Aufnahmeabmischung oder an Davis liegt vermag ich nach kurzem Anhören und Rückgabe der CD nicht zu beurteilen. Aber es ist ja schon fast an der Tagesordnung, dass mir das, was Dox gefällt nicht so zusagt und umgekehrt (was ja durchaus auch bei Kaufentscheidungen als hilfreich berücksichtigt werden kann... :) )
Gruß Henning
ab (07.10.2008, 12:17): Ich entsinne mich gerade wie meine Schwester noch im Gustav Mahler Jugendorchester mitspielte, dass die jungen Musiker Abbado eines Abends fragten, was er denn so von seinen Kollengen so halte. Die Frage auf Masur gekommen meinte er nur lapidar: "Gewandhausorchester: ausgezeichentes Orchester, ausgezeichnetes Orchester!"
In diesem Sinne möchte ich hier zu Masur nur soviel sagen: "Gilels: ausgezeichneter Pianist, (zumindest) einer der größten des 20 Jahrundets, einer der besten Beethoven-Interpretation der Diskographie überhaupt."
Rachmaninov (07.10.2008, 12:19): Original von ab In diesem Sinne möchte ich hier zu Masur nur soviel sagen: "Gilels: ausgezeichneter Pianist, (zumindest) einer der größten des 20 Jahrundets, einer der besten Beethoven-Interpretation der Diskographie überhaupt."
:times10
teleton (07.10.2008, 19:47): Hallo ab, Henning und Rachmaninov,
dann sind wir ja alle einer Meinung, das Gilels einer der besten Beethoven-Interpreten des 20.Jhd. ist.
Ich kann mich aber nicht der Meinung anschließen, dass Masur wirklich so extrem daneben liegt und finde es ungerecht diese große Gilels-Aufnahme nur wegen Masur in dieser Art und Weise abzuwerten. Ich finde den gegebenen russischen Orchesterklang für Beethoven´s KK angemessen durch Masur vertreten. Die nicht 100% gute Klangtechnik in der Orchesterabbildung hat aber auch ihren Anteil daran, das die Aufnahmen nicht so detailreich erscheinen, wie man es von vielen anderen Westaufnahmen her kennt.
Ich denke nicht das eine negative Beurteilung nicht alleine auf Masur zurückgeführt werden kann.
:( Nicht nachvollziehen kann ich, wie man einerseits Gilels angemessen lobt, aber an seiner Beethoven-KK-Aufnahme nun gar keine Freude haben kann ?!?
ab (07.10.2008, 20:09): Original von teleton Hallo ab, Henning und Rachmaninov,
dann sind wir ja alle einer Meinung, das Gilels einer der besten Beethoven-Interpreten des 20.Jhd. ist.
Ich kann mich aber nicht der Meinung anschließen, dass Masur wirklich so extrem daneben liegt und finde es ungerecht diese große Gilels-Aufnahme nur wegen Masur in dieser Art und Weise abzuwerten. Ich finde den gegebenen russischen Orchesterklang für Beethoven´s KK angemessen durch Masur vertreten. Die nicht 100% gute Klangtechnik in der Orchesterabbildung hat aber auch ihren Anteil daran, das die Aufnahmen nicht so detailreich erscheinen, wie man es von vielen anderen Westaufnahmen her kennt.
Ich denke nicht das eine negative Beurteilung nicht alleine auf Masur zurückgeführt werden kann.
:( Nicht nachvollziehen kann ich, wie man einerseits Gilels angemessen lobt, aber an seiner Beethoven-KK-Aufnahme nun gar keine Freude haben kann ?!?
Glückspilz! Ich beneide Dich! Mir. leider, verleidet Masur diese Aufnahmen. :A
Cetay (inaktiv) (08.10.2008, 21:03): Original von Amadé Liebe Beethoven-Freunde Dox, Rachmaninov und andere,
ich hörte gerade das 3. Konzert. Pianist fabelhaft, aber da punkten fast alle. Worüber ich nicht glücklich bin ist die Begleitung des Orchesters wenn Kissin ein Solo hat, d.h. Klavier und Orchester gleichzeitig spielen, sich ergänzen oder sich kommentieren. Da ist mir das Orchester stellenweise einfach zu leise, zu sehr im Hintergrund. Bei Konzerten aus der Romantik ist da nichts einzuwenden, bei Beethoven gehört alles zusammen. Dieses Manko laste ich eher der Technik und Aufnahmeleitung an als C.Davis, man wollte Kissin den Vortritt lassen und verriet dabei seine Unkenntnis beethovenscher Kompositionswissenschaft. Bitte achtet mal selbst darauf und berichtet.
Grüße Amadé
Ich habe jetzt nochmals beim 3. Konzert ganz gezielt auf diesen Aspekt geachtet und festgestellt, dass es in der Tat Passagen gibt, bei denen das Orchester stark in den Hintergrund tritt und zwar dann, wenn es eine rein begleitende Funktion übernimmt. Sobald der Satz aufgebrochen wird und das Orchester eigenständige Funktionen hat, ist es gleichberechtigt und mit dem Klavierklang verwoben. Das könnte im Gegensatz zur Unkenntnis der Kompositionswissenschaft auch der aktuelle Stand sein. Bei der neulich heraugesgekommenen historisch informierten Einspielung des letzten Klavierkonzerts von Mozart mit Andreas Steier wird jedenfalls genau der selbe Ansatz gewählt und sogar dadurch herausgestellt, dass in den echten Begleitpassagen nur ein Streichquartett anstelle des ganzen Orchesters agiert. Ob gewollt oder nicht, ob korrekt oder nicht - in meinen Ohren spielt diese kleine Besonderheit für die überragende Gesamtqualität der Kissin/Davis Aufnahme keine Rolle.
jünter (03.01.2009, 13:52): In diesem Thread oder an anderer Stelle im Forum (zum Suchen war ich zu faul :ignore) hat jemand geschrieben, dass Beethovens Klavierkonzerte für ihn/sie mit das Größte sind, was jemals an klassischer Musik geschrieben wurde. Dem kann ich mich - mit inzwischen ein bisschen Hörerfahrung, allerdings noch bescheidener einschlägiger Sammlung - uneingeschränkt anschliessen. Vor ein paar Wochen habe ich auf der Suche nach weiteren Aufnahmen mal wieder ein Schnipselvergleich gemacht und hierbei natürlich auch die hochgelobte Kissin/Davis-Gesamtaufnahme einbezogen. Ich muss gestehen, dass ich vom Gehörten vor allem aufnahmetechnisch gar nicht angetan war: Mir kam die Einspielung sehr "leise" und der Klang für eine so neue Aufnahme sehr "verhangen" vor. Können die Besitzer der GA das (ansatzweise) nachvollziehen oder ist die MP3-Kompression daran schuld?
Grüße, jünter
thwinter12 (03.01.2009, 14:01): Original von jünter In diesem Thread oder an anderer Stelle im Forum (zum Suchen war ich zu faul :ignore) hat jemand geschrieben, dass Beethovens Klavierkonzerte für ihn/sie mit das Größte sind, was jemals an klassischer Musik geschrieben wurde. Dem kann ich mich - mit inzwischen ein bisschen Hörerfahrung, allerdings noch bescheidener einschlägiger Sammlung - uneingeschränkt anschliessen. Jetzt ohne Sch...! Dasselbe wollte ich heute zu Beethovens Klavierkonzerten auch noch loswerden, nachdem ich gestern einige Auszüge daraus zum x-ten Mal gehört hatte! :engel Für mich gehören sie ebenfalls zu den "schönsten" Werken die je komponiert wurden... :down
Servas, Thomas
Rachmaninov (03.01.2009, 14:01): Original von jünter In diesem Thread oder an anderer Stelle im Forum (zum Suchen war ich zu faul :ignore) hat jemand geschrieben, dass Beethovens Klavierkonzerte für ihn/sie mit das Größte sind, was jemals an klassischer Musik geschrieben wurde. Dem kann ich mich - mit inzwischen ein bisschen Hörerfahrung, allerdings noch bescheidener einschlägiger Sammlung - uneingeschränkt anschliessen. Vor ein paar Wochen habe ich auf der Suche nach weiteren Aufnahmen mal wieder ein Schnipselvergleich gemacht und hierbei natürlich auch die hochgelobte Kissin/Davis-Gesamtaufnahme einbezogen. Ich muss gestehen, dass ich vom Gehörten vor allem aufnahmetechnisch gar nicht angetan war: Mir kam die Einspielung sehr "leise" und der Klang für eine so neue Aufnahme sehr "verhangen" vor. Können die Besitzer der GA das (ansatzweise) nachvollziehen oder ist die MP3-Kompression daran schuld?
Grüße, jünter
@jünter,
die aufnahme ist nicht der große klangtechnische wurf. irgendwie typische EMI sound, den ich nicht sonderlich schätze.
jünter (03.01.2009, 15:59): Original von Rachmaninov
@jünter, die aufnahme ist nicht der große klangtechnische wurf. irgendwie typische EMI sound, den ich nicht sonderlich schätze.
@ Rachmaninov: Danke für die Bestätigung, dass mein Höreindruck wohl nicht so ganz daneben liegt.
Meine "oberste Instanz" in Sachen Beethoven-KKe ist nach einer ganzen Menge Hörproben immer noch Kempff/Leitner. Von den Brendel-Aufnahmen gefällt mir persönlich diejenige mit Haitink am besten, wobei ich hinzufügen muss, dass ich mich mit Brendels Klavierspiel irgendwie nicht so richtig vorbehaltlos anfreunden kann. Bei der Barenboim/Klemperer-Aufnahme sind die Tempi für meinen Geschmack doch arg langsam und "breit" geraten (Klemperer eben).
Dass es - von der oben genannten, aufnahmetechnisch leider katastrophalen Brillant-Box mit Masur abgesehen - keine GA mit dem von mir höchst geschätzten Emil Gilels gibt, ist einfach nur ein Jammer. Der für mich phänomenalen Aufnahme von Op. 58 und 73 mit Gilels/Ludwig von 1958 verzeihe ich sogar das leider deutliche Rauschen.
Amadé (03.01.2009, 20:55): Dass es - von der oben genannten, aufnahmetechnisch leider katastrophalen Brillant-Box mit Masur abgesehen - keine GA mit dem von mir höchst geschätzten Emil Gilels gibt, ist einfach nur ein Jammer.
Weit gefehlt, jünter,
es gab, es gibt vielleicht noch, eine mit G.Szell und dem Cleveland Orchester aus dem Jahr 1968. Damals gab das Cleveland Orchester mit Szell seine langjährige Bindung an die amerikanische Columbia (CBS) auf und nahm eben diese Konzerte, dann noch Sinfonien von Schubert (9) und Dvorak (8) auf, sowie von Brahms op.77 (Oistrach) und op.102 (Oistrach, Rostrpovitch) bei EMI auf. Klangtechnisch lassen die Konzerte allerdings Wünsche offen, die EMI-Techniker mussten erst Erfahrungen am Aufnahmeort sammeln.
Interpretatorisch sind sie spitze, allerdings das Gegenstück der ein wenig draufgängerischen Version mit Masur. Ich würde mal die Augen nach diesen CDs weit offenhalten.
Gruß Amadé
Rachmaninov (04.01.2009, 10:05): ...und es gibt auch die Beethoven Konzerte mit ihm in der Brilliant Ausgabe!
Cetay (inaktiv) (04.01.2009, 12:10): Original von Rachmaninov ...und es gibt auch die Beethoven Konzerte mit ihm in der Brilliant Ausgabe! Ich dachte, das wäre die Erwähnte mit Masur. Gibt es noch eine andere?
Amadé (04.01.2009, 15:09): @Dox und Rach,
nach meinen Kenntnissen, ich lasse mich aber gern korrigieren, gibt es bei Brilliant Gilels mit Masur, bei EMI (als LP früher bei Eurodisc) Gilels mit Szell. Das 4. und 5. bei EMI, bzw.Testament mit Leopold Ludwig und jetzt wieder, jedoch noch nicht komplett: Gilels mit Sanderling und der Leningrader Philharmonie bei Archipel. Ich habe letztere, klanglich stark ausgedünnt, in meiner Jugendzeit als LP gehört. An die Art und Weise der Interpretation kann ich mich jedoch nicht mehr erinnern. Die Aufnahmen sollen von 1957/58 sein.
Weit gefehlt, jünter, es gab, es gibt vielleicht noch, eine mit G.Szell und dem Cleveland Orchester aus dem Jahr 1968.
@ Amade: Habe die von dir abgebildeten CDs nur im Amazon Marketplace - z.T. als Kopie auf CD-R angeboten - gefunden. Die Preise entsprechen der Tatsache, dass sie derzeit nicht auf dem "ersten Markt" sind.
Trotzdem einmal mehr: Danke für den Hinweis!
Grüße, jünter
jünter (28.05.2009, 09:39): Bin gerade auf die hier, hier und dort hoch gelobten Aufnahmen mit Yefim Bronfman und dem Tonhalle-Orchester Zürich unter David Zinman
gestoßen und habe mit Erstaunen festgestellt, dass sie in diesem Thread noch gar nicht erwähnt wurden. Mein erster Eindruck von diesen HIP-Aufnahmen (deren Freund ich ansonsten eigentlich nicht bin): Angenehm schlanke, detailreiche Darstellung. Könnten (und werden höchstwahrscheinlich) eine sehr reizvolle Ergänzung meiner bisher noch bescheidenen Sammlung der Werke:
Was hält die Forums-Gemeinde von den Bronfman/Zinman-Einspielungen?
teleton (28.05.2009, 10:11): Hallo Jünter,
freut mich wiedermal von Dir zu hören/lesen. In den entsprechenden Threads habe ich schon meine Meinung zu Zinman und Beethoven geäußert: * Seine Beethoven-Sinfonein-GA finde ich viel zu überhastet. Hier baut er zu viel Neues ein, an das man sich als langjährigen und von angemessenen Beethoven-Interpreten gesprägten Klassikhörer einfach nicht mehr gewöhnen kann und will.
* Genauso sein Aufnahme der Beethoven-Ouvertüren, die ich gerade noch bei der Leonore II verkraften kann.
*** Ganz anders die Aufnahme des Beethoven - Violinkonzertes, die meine Favoritenaufnahme geworden ist, weil,er das Werk von Beginn an viel interessanter gestaltet, als viele Andere. Die Paukenstellen sind umwerfend gelungen und Zimmermann ist ein glänzender Solist. Ganz nebenbei: Mein erster Beitrag im Klassikforum war über diese Aufnahme.
### Die von Dir genannten KK-Aufnahmen kenne ich nicht - noch nicht. Da Zinman beim VC in der Orchesterbegleitung bei mir punktete sind vielleicht auch die KK-Aufnahmen ebenfalls sehr hörenswert. :hello Ich werde diese im Auge halten.
Amadé (05.06.2009, 19:30): Liebe Forianer,
Neuigkeiten in Sachen Klavierkonzerte sind zu vermelden: Ronald Brautigam und Andrew Parrott setzen ihre Aufnahmeserie mit dem ersten und allerersten Konzert fort, also Nr.2 B-dur op. 19 sowie dem Klavierkonzert Es-dur WoO 4. Hier handelt es sich um eine Rekonstruktion des Konzerts durch den Solisten Brautigam, von dem lediglich der Klavierpart erhalten ist. Im Beiheft äußert sich Brautigam über seine Überlegungen bzgl. der Rekonstruktion. Man muss das Stück wohl öfter hören, um sich ihm zu nähern.
In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts legte der Beethoven-Forscher Willy Hess bereits eine Rekonstruktion vor, von ihr haben Eva Ander und Peter Gülke bei Berlin Classics eine Aufnahme veröffentlicht.
Etwa gleichzeitig mit dieser CD brachte Nonesuch eine neue Gesamtaufnahme mit dem Pianisten Richard Goode heraus, von dem bereits eine nicht unbedingt bemerkenswerte Gesamtaufnahme der Sonaten vorliegt. Seine Partner bei den Konzerten sind das Budapest Festival Orchester unter Leitung von Ivan Fischer.
Ich habe beide Aufnahmen beim B-dur-Konzert miteinander verglichen. Goode-Fischer treten als eingespieltes Team auf, das sich gegenseitig die Bälle zuwirft. Die Aufnahme ist lebendig, klangschön und in sich geschlossen, hebt sich jedoch in ihrer Art nicht von vielen anderen Produktionen ab. Es fehlt etwas an individuellem Profil. Darüber verfügt aber die andere CD. Brautigams und Parrotts musikalische Vita garantieren eine HIP-Version mit großem Orchester und modernem Steinway. Es wird sehr durchsichtig ziemlich ohne Vibrato, noch lebendiger, ja jugendlich ungestüm musiziert, damit die Entstehungszeit des Werks betont. Der Dialog zwischen Klavier und Bläsern im 2.Satz ist hörenswert. Außerdem enthält die CD noch das Rondo B-dur WoO 6, ursprünglich letzter Satz des B-dur Konzerts. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung mit den beiden letzten Konzerten.
Grüße Amadé
jünter (06.06.2009, 11:12): Ich "habs getan" und mir die 3 weiter oben abgebildeten CDs mit den 5 KKen von Y. Bronfman/D. Zinman, Tonhalle Orchester Zürich zugelegt. Erster Eindruck: Erfrischend modern, Klangqualität erstklassig. Vielleicht nicht jedermanns Sache, aber Reinhören lohnt sich auf jeden Fall. Ausführlicher Bericht folgt nach weiteren Hörsessions.
Francois Frederic Guy, Orchestre Philharmonique de Radio France, Philippe Jordan -- naive
Pianist interessanter als Goode, Orchester errreicht nicht das Niveau des Budapest Festival Orchestras unter Ivan Fischer. Aber: jeder möchte einmal alle Fünfe auf die Platte bannen.
Grüße Amadé
ab (18.06.2009, 17:28): Original von Amadé
Aber: jeder möchte einmal alle Fünfe auf die Platte bannen.
Grüße Amadé
Richter leider nicht :I
Amadé (18.06.2009, 22:05): Original von Amadé Aber: jeder möchte einmal alle Fünfe auf die Platte bannen. Original von ab Richter leider nicht
Er war halt sehr wählerisch. Wie gern hätte ich neben op.58 und 73 auch einmal die 3. Sonate von Brahms mit ihm gehört. Schade.
Gruß Amadé
ab (19.06.2009, 09:42): Original von Amadé Original von Amadé Aber: jeder möchte einmal alle Fünfe auf die Platte bannen. Original von ab Richter leider nicht
Er war halt sehr wählerisch. Wie gern hätte ich neben op.58 und 73 auch einmal die 3. Sonate von Brahms mit ihm gehört. Schade.
Gruß Amadé
Ja! Die 3. ist mir vormals von ihm ja nie so recht abgegangen, nachdem ich bloß seinen Philips-Brahms kannte, aber seit ich nun vorgestern in der EMI-Box die 2. Schumann-Sonate erstmals mit ihm und so überraschen filigran gehört habe, hat sich das radikal geändert. Noch mehr hätte mich brennend interessiert, was er wohl aus der Einleitung von op. 11 hätte herausholen können....
Myra Hess und Eduard van Beinum mit dem Concertgebouw Orkest live vom Dez.1952 38:38
Konventionelle Darstellung, nichts lässt aufhorchen, doch: in den Takten 380-401 hebt Beinum sonst fast nie zu hörende Klarinetten, Fagotte und etwas später Hörner hervor, sehr schön - wo waren/sind die Ohren der anderen Dirigenten? Für die Nachkriegszeit gute Aufnahmetechnik, nicht zu vergleichen mit den RCO-Boxen aus derselben Zeit.
Grüße Amadé
__________________ ps.: Ich habe keinen eigenen Thread zum 5. Klavierkonzert gefunden, sollte ich es übersehen haben? Wenn nicht, wäre es Zeit für einen solchen!!
Cetay (inaktiv) (16.01.2010, 21:02): Original von Amadé ps.: Ich habe keinen eigenen Thread zum 5. Klavierkonzert gefunden, sollte ich es übersehen haben? Wenn nicht, wäre es Zeit für einen solchen!!
Den gibt es: Der Kaiser kommt
Cetay (inaktiv) (16.01.2010, 23:29): Mit dem Erscheinen von Nos. 4 & 5 zum Ende des letzten Jahres wurde nun auch der Zyklus mit Olli Mustonen vervollständigt. Wer sich heute an diese Kaiserdisziplin wagt, begibt sich auf fast aussichtsloses Terrain. Entweder man bewegt sich im Bereich der Konventionen und muss sich dann anhören, dass das alles schon mal da gewesen ist oder man macht etwas völlig anderes und bekommt dann genau das zum Vorwurf gemacht.
In diesem Spannungsfeld steht wohl kaum jemand so eindeutig auf der unkonventionellen Seite wie der finnische Ausnahmekönner Olli Mustonen. Vor etwa einem Jahr schrieb ich über die GA von Kissin: Kraft und Empfindsamkeit, Transparenz und Fülle, Vorwärtsdrang und Gelassenheit, Intensität und Kontrolle, haarkleine Phrasierung und große Bögen - Kissin transzendiert diese Gegensätze zu einer einzigartigen Natürlichkeit. Das lässt sich einfach auf Mustonen übertragen, indem man jeweils eine Hälfte der Gegensatzpaare weglässt: Kraft, Fülle, Vorwärtsdrang, Intensität, haarkleine Phrasierung - Mustonen betont diese Attribute mit einer einzigartigen Einseitigkeit.
Aber der Reihe nach: Für diese Einspielung hat sich Mustonen die Unterstützung der Tapiola Sinfonietta geholt und selbst das Dirigat übernommen. Eine weise Entscheidung, denn so konnte er seine radikalen Visionen am besten umsetzen. Ein früher geplantes Projekt mit Harnoncourt scheiterte, weil selbst diesem nicht gerade als konventionell verschrienen Dirigenten Mustonens Eigenwilligkeiten zu weit gingen. Diese Eigenwilligkeiten bestehen zum einen in einem quasi legato-freien Spiel und zum anderen in einer kleinstgliedrigen, gummiartigen Phrasierung, bei der ständig verzögert und zusammengezogen wird und Akzente dort gesetzt werden, wo man sie sonst nicht unbedingt zu hören gewohnt ist. Wer seine favorisierte Spielweise mit perlend oder fließend umschreibt, braucht nicht weiterzulesen. Mustonens Spiel kann man ohne Umschweife als hart bezeichnen, was durch den eigenartig metallischen Klang seines Flügels noch unterstützt wird. Herausragend das Orchester, ein heutzutage typischer Hybrid aus konventionell (moderne Instrumente) und HIP. Wobei ich auch hier einen einzigartigen Sound konstatieren muss, bei dem mir das Wort sehnig in den Sinn kommt. Auch eine gewisse Kühle kann kaum wegdiskutiert werden und satte Bläser-Klangfarben oder seidigen Streicherklang muss man woanders suchen. Der Klang liegt -ganz erstaunlich für ein modernes Orchester- recht nahe an den HIP-Kapellen der ersten Stunde, freilich ohne blutleer und ausgezehrt zu wirken. Auch bei der Artikulation zeigt man sich mit vielen prägnanten Akzentsetzungen historisch informiert. Dass die gefürchtete Kratzbürstigkeit und Ruppigkeit ausbleibt, liegt daran, dass man sich bei der Intonation ganz klassisch zahm gibt. In der Summe ergibt diese Kombination ein aufregendes Beethovenspiel, das ich so noch nicht gehört habe und das hervorragend mit dem Pianisten harmoniert.
Unterm Strich haben wir eine Gesamteinspielung, der man alles zum Vorwurf machen kann, außer dass man das so oder so ähnlich schon mal gehört hat. Man kann hinterfragen, ob die ungewohnte Härte und die eigenwillige Phrasierung sinnvoll sind, kann mit der Partitur herumfuchteln und auf Legatobögen verweisen, von den nichts umgesetzt wurde, kann die neusten Forschungsergebnisse auffahren, die nahelegen, dass man das nicht so spielen darf - oder man kann einfach ein dickes Lob dafür aussprechen, dass jemand die vorhersehbaren Reaktionen der Kritik ignorierend sein Ding macht und uns einen Beethoven vorsetzt, der vor Vitalität nur so strotzt und vor allem in den Schlusssätzen unbändige Energien entfesselt, die auch mir als heutigem Hörer das revolutionäre Wesen dieser alten Musik ohne Umwege über den Verstand nahe bringt. Aber Vorsicht! Wer sich darauf einläßt, könnte sich den Geschmack verderbern. Als ich zu Vergleichzwecken nochmal Kissin/Davis aufgelegt habe, erschien mir diese bislang hochgeschätzte Aufnahme auf einmal wie mit Zuckerguß garniert, doppelt in Watte gepackt und dann 3 mal durch den Weichspülgang gejagt. Allein dafür, dass Mustonen alte Hörgewohnheiten so über den Haufen schmeißt, gibt es von mir die Höchstnote. Mag sein dass das anders um des Andersseins Willen, respektlos oder exzentrisch ist. Egal, es macht Spass und den will ich auch beim Klassikhören nicht missen.
nikolaus (17.01.2010, 10:00): Original von Cetay Egal, es macht Spass und den will ich auch beim Klassikhören nicht missen.
:beer
Nikolaus :hello
Cetay (inaktiv) (17.01.2010, 10:46): Original von nikolaus Original von Cetay Egal, es macht Spass und den will ich auch beim Klassikhören nicht missen.
:beer
Nikolaus :hello :beer
Wobei ich nicht sagen will, dass diese GA nur darauf ausgerichtet ist. Es gibt bei der Kritiker-Kontroverse durchaus "ernste" Stimmen -unter anderem der Herausgeber der Urtextedition Hans-Werner Küthen- die durch diese Einspielungen große Befriedigung erlangen und den Geist des 19 Jhd. einfangen sehen - in einem modernen Kontext. Für mein subjektives intuitives Geschmacksempfinden klingt diese GA in der Tat "wahrhaftiger" als die anderen, die ich kenne.
P.S. mir ist ein grober Fehler unterlaufen:
Das lässt sich einfach auf Mustonen übertragen, indem man jeweils eine Hälfte der Gegensatzpaare weglässt: Kraft, Fülle, Vorwärtsdrang, Intensität, haarkleine Phrasierung - Mustonen betont diese Attribute mit einer einzigartigen Einseitigkeit. Hier muss natürlich Transparenz statt Fülle stehen. Mit einem einem Backstein unter dem Pedal ist es schwierig, Fülle zu erzielen.
Amadé (17.01.2010, 10:58): Hallo Cetay,
ich habe mir die letzte CD aus der Serie auch neulich zugelegt, schon mehrmals gehört, aber immer noch nicht ganz verdaut. Als Informationsquelle, wie man diese Konzerte auch spielen kann, bietet die CD vorzüglichen Stoff, aber möchte ich sie öfter hören? Meine Vorstellungen dieser Konzerte sind von ganz anderen Koryphäen geprägt worden und die klingen beim Hören immer mit.
Gruß Amadé
jünter (20.02.2010, 13:52): Mit etwas Verspätung, aber wie versprochen hier ein etwas ausführlicherer Kommentar meinerseits zu der GA mit Yefim Bonfman und dem Tonhalle Orchester Zürich unter David Zinman. Zur Erinnerung: Es handelt sich um diese CDs:
Die Aufnahmen mit einem modernen Flügel und in etwa halbiertem (ca. 50-köpfigen) Orchester stammen aus den Jahren 2004/2005. Die sehr (zu?) schnellen Tempi der Symphonien-GA von Zinman sucht (oder befürchtet?) man bei den Klavierkonzerten vergebens. Im direkten Vergleich mit meinen weiteren Aufnahmen (s. unten) sind keine wirklich nennenswerten Abweichungen festzustellen.
Ich bin noch nicht sehr lange Fast-nur-Klassikhörer und besitze (und kenne damit wirklich, d.h. Internet-Schnipselhören zählt nicht) bei weitem noch nicht so viele verschiedene Aufnahmen wie einige andere im Forum, wohl aber wenige wohlfeile und von mir auch sehr hoch geschätzte „Schlachtrösser“:
· Alle Fünfe mit Kempff/Leitner
· Dito mit Shelley/Roll
· Nr. 1, 3, 5 mit ABM/Giulini
· Nr. 4,5 mit Gilels/Ludwig
Wer hier Herrn Brendel vermisst: Mit dem vermag ich mich nach wie vor partout nicht anzufreunden.
Erster Eindruck im Vergleich mit den vorgenannten „Klassikern“: Eine schnörkellose, etwas „schlichte“, pianistisch „uneitle“ Interpretation, da fehlen die großorchestrale Pracht und die individuellen Eigenheiten der allseits renommierten Klaviertitanen. Bei genauerem und häufigerem Hören ist dieser erste Eindruck dann einer gänzlich anderen Erkenntnis gewichen: Bronfman/Zinman haben für mich mit ihren sehr sorgfältigen, wunderschön durchhörbaren Aufnahme schlichtweg die „Essenz“ dieser großartigen Musik getroffen, ohne pianistische und orchestrale Details schuldig zu bleiben. Seitdem mich näher mit der Bronfman/Zinman-Einspielung beschäftigt habe weiß ich, dass die von mir irgendwo - hier oder bei den österreichischen Nachbarn - irgendwann aufgeschnappte Frage ihre Berechtigung hat, ob das noch zu des Meisters Schaffensperiode „Wiener Klassik“ zu zählende 1. KK Op. 15 von ABM nicht „überinterpretiert“ wird.
Kritikpunkte? Gibt es vereinzelt, z.B. hätte der Orchestereinsatz am Anfang des dritten Satzes von Op. 19 etwas mehr Dynamik vertragen können. Dies tut meinem insgesamt äußerst positiven Gesamteindruck und meiner Freude am Besitz der CDs aber keinen Abbruch
Also: Reinhören lohnt sich, vor allem auch für diejenigen, die - wie ich auch - mit den Hammerklavieraufnahmen (Lubin/Hogwood, Levin/Gardiner, Schoenderwoord) nichts anfangen können. Den kurzzeitigen, schon fast grotesken Hype um die Schoenderwoord/Ensemble Crostofori-Aufnahmen bei den Taminos konnte ich jedenfalls in keiner Weise nachvollziehen.
ab (20.02.2010, 14:28): Original von jünter Also: Reinhören lohnt sich, vor allem auch für diejenigen, die - wie ich auch - mit den Hammerklavieraufnahmen (Lubin/Hogwood, Levin/Gardiner, Schoenderwoord) nichts anfangen können. Den kurzzeitigen, schon fast grotesken Hype um die Schoenderwoord/Ensemble Crostofori-Aufnahmen bei den Taminos konnte ich jedenfalls in keiner Weise nachvollziehen.
Über ein paar fundierte Kritikpunkte an den Schoenderwoord/Crostofori-Aufnahmen würden sich wohl so einige hier im Forum sehr freuen!
:hello
jünter (13.03.2010, 14:13): Zwar keine "Alle Fünfe"-GA, aber trotzdem Frage:
Die MP3-Schnipsel klingen wie ich finde sehr vielversprechend!
Gerade das erste Mal durchgehört.
Sehr erfreulich!
jünter (14.03.2010, 15:10): Gerade das erste Mal durchgehört. Sehr erfreulich!
Dann werde ich wohl auch zuschlagen (müssen). :winkAch, es ist ein Kreuz mit diesem Forum: Ob das mit der Kauferei jemals aufhört...? :wink
Gruß, jünter
nikolaus (14.03.2010, 21:07): Ich wasche meine Hände in Unschuld... :ignore
Ich wollte eigentlich noch versuchen, das "Erfreuliche" in Worte zu fassen, aber das gelingt mir nicht so ganz, ich verfalle immer auf die üblichen Gemeinplätze: Interpretationen aus einem Guss, beschwingtes Spiel usw. usf.
Ich kann nur soviel sagen: diese Aufnahme macht mich irgendwie glücklich!
Nikolaus.
nikolaus (14.03.2010, 21:07): Hoppla, doppelt.
nikolaus (20.03.2010, 14:05): Als Antwort auf Wolfgang:
Das G-Dur-Konzert spielt er introvertiert, mit leichtem, fein gewichtendem Anschlag, und lässt sich selbst in den rezitativischen Aufwallungen des langsamen Satzes nicht zu pathetischem Auftrumpfen hinreißen. Dennoch entsteht nirgends der Eindruck nivellierender Weichzeichnerei, weil Fellner die Akzente in der linken Hand markant artikuliert.
Das würde ich durchaus auch so beschreiben. Gerade dieses Konzert empfinde ich oft als sehr getragen, ja pathetisch. Nicht so hier. Fellner rückt es in seiner Stimmung nahe an das 3. Klavierkonzert, es gewinnt so etwas helles, strahlendes. Und die oft so übermächtige Klanggewalt des Es-Dur-Konzertes entschärft er, ohne den Schwung zu verlieren. So erhält er die "positive" Energie und gewinnt etwas Tänzerisches.
Das Tänzerische der Finalsätze wirkt so eher vergeistigt – selbst das heroische Es-Dur-Konzert endet hier nicht in einem munteren Kehraus, sondern sublimiert eher den Gedanken von Bewegung
Das sehe bzw. höre ich allerdings anders. "Vergeistigt" verstehe ich immer als so etwas wie "entrückt", und das ist Fellner hier gerade nicht. Für mich ist das eine durchaus "bodenständige", überaus gut gelaunte Interpretation.
Ein stimmiger Ansatz, der jedoch eines dramatischen Gegenpols bedurft hätte, um die nötige Fallhöhe zu erreichen. Den bieten Kent Nagano und sein kanadisches Orchester leider nicht: Statt den Solisten herauszufordern, weicht Nagano selbst zurück und bietet mit getragenen Phrasen und wattigem Klangbild konfliktfreien Beethoven.
Und das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Er hält die Orchesterbegleitung sehr detailreich und durchhörbar, überhaupt nicht "wattig" und setzt Akzente ähnlich wie Järvi, nur ist das grössere Orchester sicher nicht so flexibel und wendig wie die Bremer... Ich finde, Solist und Dirigent/Orchester ziehen an einem Strang, deshalb erscheint mir diese Interpretation insgesamt sehr stimmig.
Nikolaus.
ab (21.03.2010, 12:38): Hier eine nachgerade typische Kritik insofern, als als Bewertungsmaßstab ein persönliches Geschmacksurteil zugrunde gelegt (nämlich die Forderung nach einem "dramatischen Gegenpol") wird. :hello
nikolaus (21.03.2010, 21:58): Ja, das ist die oben zitierte Kritik...
Nikolaus. :hello
ab (22.03.2010, 08:48): :D übersehen, sorry...
Amadé (28.04.2010, 15:08): Jahrzehnte nicht mehr auf dem Markt und jetzt dank Tahra wiederveröffentlicht:
Friedrich Wührer, Wiener Pianist, 1900-1975, nie in der ersten Pianisten-Reihe stehend, deswegen leider vergessen.
Gruß Amadé
ab (28.04.2010, 16:19): Beethovens op. 80, die Fantasie für Klavier, Chor und Orchester gibts auch mit Friedrich Wührer, und zwar unter Clemens Kraus, mit dem Akademiechor sowie den Wiener Symphoniker bei Archipel, Preiser Records, oder bei Tuxedo
(Leider habe ich nie das Schumann-Konzert gehört, dass Wührer mit Abendroth 1956 aufgenommen hat: Berlin Classics)
Amadé (28.04.2010, 18:39): Ich habe leider weder die Chorfantasie noch das Schumann-Konzert je gehört, kannst Du was dazu sagen?
Gruß Amadé :hello
teleton (02.05.2010, 11:57): Die liebste Aufnahme der Chorfantasie op.80 bleibt für mich Brendel / LSO / Haitink (Philips).
Die macht interpretatorisch und klanglich einfach Glücklich und zufrieden. Ich kann mir beim besten willen nicht vorstellen, dass die historischen Aufnahmen im Vorthread dagegen etwas ausrichten könnten.
Aber Brendel ist auch dabei - er hat dieses Werk immer sehr geschätzt und im Rahmen der KK-GA jedesmal mit eingespielt.
teleton (02.05.2010, 12:09): Wir hatten das Thema Beethoven KK mit Gilels/Masur (Brillant) im Zeitraum 10/2008 in diesem Thread schonmal besprochen.
Nicht nur hier, sonders auch an anderen Stellen wird ewig über Kurt Masur und seinen Dirigierkünsten hergezogen. Ich muss sagen, dass ich mit Masur schon richtig unsicher geworden bin, weil ständig an allen Stellen auf ihm rumgehackt wird - aber das Ergebnis hört sich hier bei den Beethoven-KK gerade anders an - :beer nämlich wirklich gut. :thanks Eine Bestätigung meiner Empfindungen bezüglich dieser Gilels / Masur-Aufnahme (Brillant) habe ich an anderer Stelle erhalten. Der Klassikhörer sieht diese zupackende Aufnahme genau so positiv, wie ich.
Weiter höchstaufschlußreich, das Gilels in der EMI-Aufnahme 1961 mit Szell (der mit Fleisher bei SONY wirklich einen vorbildlichen Orchesterpart bestreitet), mit Gilels aber weit weniger zupackend (trotz Szell) sein soll ! Aufgrund der Kritik im bei amazon hatte ich sowas bereits vermutet. :times10 Gilels ist mit Masur und dem russischen Orchester weit zupackender und ungestümer (und IMO beethovennaher) - das trifft voll meinen Geschmack ! Die große russische Schule ....
Agravain (02.05.2010, 13:25): Original von teleton Nicht nur hier, sonders auch an anderen Stellen wird ewig über Kurt Masur und seinen Dirigierkünsten hergezogen. Ich muss sagen, dass ich mit Masur schon richtig unsicher geworden bin, weil ständig an allen Stellen auf ihm rumgehackt wird - aber das Ergebnis hört sich hier bei den Beethoven-KK gerade anders an - :beer nämlich wirklich gut.
Ich bekenne, auch für mich ist Masur ein eher problematischer Dirigent, bei dem für die Qualität seiner Interpretationen - im Schnitt anders als bei vielen anderen - entscheidend ist, was er musiziert. Seinen Mendelssohn beispielsweise halte ich für ausgesprochen gut, sei es in den Symphonien oder in den Oratorien. Seine Darstellung des "Paulus" bleibt für mich unangefochten die beste am Markt. Auch sein Liszt geht, bei Beethoven kanne ich mich mit ihm nicht so recht aus, was ich jetzt aber ändern will. Ich höre sehr gern Gilels und ich bin gespannt auf diese Aufnahme, die ich mir wohl oder übel zulegen muss. :beer Aber es gibt eben auch viele Ausreißer. Sein Brahms aus New York? Sein Tschaikowsky aus New York? Sein Bruckner aus leipzig? Da habe ich (bisher) einfach noch nichts gehört, was mich umhaut. :I
Das 5.Klavierkonzert wirkt auf mich nach den vorigen Veröffentlichungen am wenigsten spektakulär, vielleicht deshalb, da es aus dem Blick seiner Vorgängeraufnahmen keine neuen Aspekte mehr bietet. Die HIP-Aufnahme nimmt ihr auch etwas vom vertrauten orchestralen Glanz - das nur zur Entschuldigung einer ansonsten prächtigen Aufnahme. Beste Textverständlichkeit in der Chorfantasie!
Grüße Amadé
Amadé (13.12.2010, 18:36):
Forianer,
schon wieder eine Neuaufnahme, diesmal wieder aus London, wie schon die letzte mit Kissin/Davis. Die 5 Konzerte werden technisch unangefochten dargeboten, es gibt auch keine Überraschungen. Pianist und Dirigent scheinen ihre Aufmerksamkeit der perfekten technischen Realisation zu widmen, auch das musikalische Geschehen klingt wie blank geputzt, alles läuft glatt ab, persönliche Sichtweisen sind kaum erkennbar, sind nicht mehr vorgesehen?, oder erst gar nicht vorhanden. Den 1.Satz des 5.Konzerts muss ich da ausnehmen, auch das Finale des Rondos, plötzlich meint man sich bei den trockenen harten Paukenschlägen in einer HIP-Produktion wiederzufinden. Aber das sind angenehme Überraschungen in dieser Produktion. Die intendierte Brillanz der Ware "Beethoven-Klavierkonzerte" kann man schon seit Jahren beobachten, ausgenommen die Aufnahmen mir Duchable/Nelson sowie die oben erwähnten Aufnahmen mir Brautigam und Parrott. Aber das nicht mehr vorhandene persönliche Gesicht, die individuelle Handschrift ist gewiss auch ein Resultat der Tonaufzeichnung und Wiedergabe auf kaum mehr zu steigerndem Niveau. Wahrscheinlich biringen heute live-Konzerte mehr von Beethovens Musik. Ein gut gemachter Franken-Silvaner ist mir allemal lieber als ein perfekt zubereites Cuvèe!
Gruß Amadé
teleton (14.12.2010, 11:13): Im Laufe der Zeit hört man weitere Aufnahmen und GA der Beethoven-KK und es bilden sich neue Favoriten. Damals war ich noch mit der GA Brendel/Haitink (Philips) hochzufrieden und dachte damals nicht an Weitere.
Inzwischen ist dieses Jahr wieder eine GA, die unter unter (4.) genannte, dazugekommen. Aus heutiger Sicht sind meine Favoriten:
1. Fleisher/Szell (SONY) die ich mir im Rahmen meiner zahlreichen Szell-Käufe zulegte. Spannende, perfekte und für mich angenehm flotte Interpretationen und für die Zeit recht gute Klangqualität.
2. Gilels/Masur (Brillant) Diese GA hatte ich 2008 aus einer Sammlung übernommen. Absolut toll ist Gilels Anschlag und auch die klangqualität des Klaviers. Auch wenn viele über Masur meckern. Mit dem russischen Orchester hört sich manches grober und pauschaler an, aber so schlecht ist das gar nicht. Insgesamt eine der packensten Aufnahmen und klangtechnisch weit besser als Gilels mit Szell auf EMI.
3. Gould/Bernstein u.a (SONY) Absolut begeistert bin ich vom KK Nr.1 mit Golschmann - tolle Pauken - nie so fabelhaft gehört; aber auch die KK Nr.2-4 mit Bernstein sind schon durch Bernsteins packendes Beethoven-Dirigat gepaart mit Goluds perfektem Klaviersatz erste Sahne. X( Allerdings in der GA total daneben das KK Nr.5 mit Stokowsky - da wird alles total in die Länge gezogen - für mich fürchterlich. Dazu gibt es eine Geschichte (in Superkurzform): Stokowsky hatte mit Gould abgesprochen: "Jetzt machen wir es mal langsam." Ergebnis: eine sch.. Aufnahme...
4. Da ich von Bernsteins Beethoven insgesamt total begeistert bin; und auch bei den KK mit Gould die Orchesterbegleitung unter Bernstein besser als überall finde, mußte Zimerman / Wiener PH / Bernstein (DG) her ! *** Meine Wahl hat sich bestätigt. Leider konnte die GA mit Bernstein im Jahre 1990 nicht mehr beendet werden, sodass nur die KK Nr.3-5 mit Bernstein / Wiener PH vorliegen. :engel Aber was für geniale Aufnahmen. Zimmerman hat mich ja noch nie enttäuscht und dann Bernstein mit seinem packenden Mitmusizieren (nicht Begleiten !). Das KK Nr.5 habe ich noch nie so packend gehört - das ist Beethoven pur ! Leider stellt sich dieser Eindruck nicht ganz bei den KK Nr.1 und 2 ein, bei denen Zimerman die WPO vom Klavier aus dirigiert. Zwar sehr sehr gute perfekte Aufnahmen, aber alleine ist er mir hier ein Schuss zu romantisch - da fehlt die starke Hand von Lenny ! :beer Ich habe diese GA als DVD ! Es ist Klasse mit Bild geniessen zu können und die Klangqualität im 5.1 Digital-Surround - Sound ist einfach bestmöglich eingefangen. Ein grosses Bernstein-Dokument, das ich nie missen möchte.
Wer kennt diese Aufnahmen und kann meine Begeisterung nachvollziehen ?
da ich von Bernstein´s Beethoven - Interpretationen ja ohnehin absolut überzeugt bin, habe ich mir nun auch das KK Nr.5 als Ergänzung zur Gould - GA (SONY) die CBS-Aufnahme mit Serkin gekauft.
Bernstein und Gould kamen ja leider für das KK Nr.5 nicht mehr zusammen und so folgte wenig später (1962 bis 1965) die GA der Konzerte mit Serkin und Bernstein. Während mir seitens Serkin das KK Nr.3 nicht ganz so perfekt erscheint; er ist mir oftmals zu starr ernsthaft angehaucht und kann den Vergleich zu Fleisher, vom reinen pianistischen Standpunkt gesehen (Orchester ist auch hier perfekt), für meinen Geschack nicht ganz für sich entscheiden. Aber das KK Nr.5 ist mit Serkin/Bernstein und den New Yorker PH eine Wucht in jeder Hinsicht. Man merkt nicht nur bei Serkin das er das Konzert genau kennt und zu gestalten weis. Er hat das Konzert ja schon vorher seit 1943 zuerst mit B.Walter unzählige Male aufgenommen und besass seinerzeit so etwas wie ein eine Monopolstellung für das Konzert. Die Spielzeiten von 19:33 - 8:46 - 9:59 kommen mir desweiteren sehr entgegen. Eine weitere vollkommen überzeugende Darstellung des KK Nr.5, die nicht zuletzt auch Bernstein´s fulminantem Mitmusizieren (nicht Begleiten wie Andere) zu verdanken ist:
:hello Wer kennt diese CBS-Aufnahmen mit Serkin und kann meinen positiven Eindruck bestätigen ?
:leb Frohe Weihnachten und einen Super-Rutsch ins neue Lahr 2011 wümsche ich auch allen Klassikforianern/-innen !
Kalli (24.12.2010, 16:21): Hallo, ich bin neu hier....
hallo,
ich habe einige aufnahmen die mir eigentlich alle gefallen( gould,perahia,brendel/haitink,kempff/leitner)- bisher am besten finde ich bei nr. 5 perahia und arrau/davies. ich suche noch eine aufnahme als SACD. wer kann mit etwas zu Rudolf Serkin & Seiji Ozawa Brautigam & Parrot pizarro & Mackerras sudbin & vänska (4-5) sagen ? wichtig sind mir Nr.4 + 5 .
gruss
kalli
Amadé (24.12.2010, 17:13): Original von teleton Wer kennt diese CBS-Aufnahmen mit Serkin und kann meinen positiven Eindruck bestätigen ?
Hallo teleton,
ich kenne sie schon seit meiner Jugend und liebe sie heute noch immer!
Bei den Konzerten 1, 2 und 4 begleiten allerdings Ormandy mit seinem Philadelphia Orchester, der war allerdings als Begleiter super!
Dir und allen Forianern/innen Frohe Weihnachten und ein gutes Jahr 2011.
Kalli (27.12.2010, 11:35): so,
ich habe mir nun die Sacd mit sudbin & vänska direkt hier bestellt : http://www.yevgenysudbin.com/artist.php?view=record
und serkin/bernstein habe ich im marketplace gefunden.
wenn beide da sind werde ich sie im vergleich hören ( nur die fünfte ) , werde mich dann dazu melden.
Habe mir gestern noch einmal das 2.KK vorgenommen. Vielleicht war ich bei der Besprechung der Gesamtaufnahme (s.o.) zu hart mit meiner Meinung, insgesamt genommen gilt sie jedoch immer noch. Die Interpretation des 2.KK erinnert mich an die erfüllt dargebotene Aufnahme mit R.Serkin und Ormandy, die hier im Forum (fast) niemand kennt, da sie m.W. noch nie auf CD erschienen ist. Lewis Tongebung ist weicher als die Serkins, Belohlavec begleitet sorgfältig und partnerschaftlich, eine erfreulich gelungene Interpretation.
Ausschnitt aus einer Gesamtaufführung in der Royal Festival Hall in London vom Juli 1967 mit dem New Philharmonia Orchestra unter Leitung des damals 78jährigen Adrian Boult, von der BBC mitgeschnitten. Die CD hat 2 Seiten :D, sowohl klangtechnisch als auch von der Interpretation her. Das 1.Konzert entfaltet sich auf einem leisen Rauschteppich, die Interpretation nimmt mich nicht wie bei anderen Gilels-Aufnahmen dieses Konzerts mit, ich finde die Veröffentlichung entbehrlich. Ganz anders das c-moll Konzert! Obwohl Boult die Orchesterexposition noch eher melancholisch zubereitet, ändert sich die Stimmung sofort beim Eintritt des Solisten, und Boult zieht mit! Eine gelungene Interpretation mit einem furiosen Presto-Schluss, wie er wohl nur unter Konzertbedingungen zustande kommt!
Daniel Barenboim spielt und dirigiert die Staatskapelle Berlin. Nun bereits seine dritte Gesamtaufnahme, neue interessante Aspekte erwarte ich da kaum.
Gruß Amadé
AcomA (01.08.2015, 19:50): Liebe Beethoven- und Klavierliebhaber,
im Mai 2011 spielte Rudolf Buchbinder zusammen mit den Wiener Philharmoniker alle 5 Beethovenschen Klavierkonzerte an 2 Tagen im Großen Saal des Wiener Musikvereins live, was mitgeschnitten wurde und auf CD bei Sony herausgegeben wurde. Es werden ausschließlich Beethoven-Kadenzen benutzt. Buchbinder und das Orchester musizieren herrlich kammermusikalisch. Ich höre nun bewusst vieles vom Orchester, die Bassgruppen, die Bläser etc. . Buchbinder spielt herrlich frei und schwärmerisch. Und doch ist es auch der große Virtuosenwurf !!! Aufnahmetechnisch Top.
IMO :times10
LG, Siamak
Amadé (02.08.2015, 12:01): Lieber Siamak,
ich habe die Aufnahmen noch nicht gehört, bin aber misstrauisch bzgl. Deiner Einschätzung. Buchbinder hat sich im Konzertsaal, soweit ich das als Hörer dort beobachten konnte, nicht als ein Sensibilissimus geoutet. Er beherrscht tadellos sein Instrument und hat die Konzerte gewiss oftmals aufgeführt, also Erfahrung auch im Umgang mit dem Orchester gesammelt. Falls der Pianist auch noch als Dirigent fungiert, wie hier, wird der Gestaltungsraum, vor allem der Bläser, trotz vorheriger Absprache, größer, was manchmal auch zu den Hörer beglückenden Momenten führen kann. Auf der anderen Seite ist bekannt, dass die WPh die Beethoven-Konzerte immer wieder spielen und quasi im Schlaf beherrschen, da kann kaum etwas schieflaufen, jedoch sich auch Routine breitmachen. Ob Buchbinder darüberhinaus Flügel und Orchester bei jedem Konzert zu einem Ganzen geformt und auch eine gewisse Inspiration eingebracht hat, kann ich erst glauben, wenn ich die CDs gehört habe.
GRuß Amadé
AcomA (02.08.2015, 16:55): Lieber Amade,
ich war jahrelang Buchbinder gegenüber sehr reserviert eingestellt, hatte ihn vermieden. Aber seit seiner GA der Beethoven-Sonaten in der Dresdner Semperoper und dieser GA (alles live) bin ich begeistert. Selbst das 4. Konzert hat mich mit ihm überzeugt. Versuch doch bitte, es mal zu hören, Dein Urteil würde mich interessieren.
LG, Siamak :)
Hosenrolle1 (02.08.2015, 18:55): Original von teleton Ich habe diese GA als DVD ! Es ist Klasse mit Bild geniessen zu können und die Klangqualität im 5.1 Digital-Surround - Sound ist einfach bestmöglich eingefangen.
Ich nehme aber stark an, dass es sich hinsichtlich des Alters der Aufnahme nur um einen 5.1 Upmix handeln wird, aus einer Stereoquelle.
Falls dem so ist, würde ich auf jeden Fall den Stereoton vorziehen, weil der natürlicher klingt und der damaligen Aufnahmeart gerecht wird. Ich sehe gerade, auf der Rückseite wird auch PCM Stereo angeboten.
Hast du da schon mal einen direkten Vergleich gemacht?
LG, Hosenrolle1
Amadé (03.08.2015, 10:13): @ Hosenrolle1 Ich verstehe hier nur Bahnhof! Kannst Du den Bezug auf das frühere Posting von teleton nicht besser kenzeichnen (vielleicht Datum)?
@ Acoma Sicher wede ich mich äußern, wenn ich die Aufnahmen irgendwie erhalte, kaufen möchte ich sie mir nicht, dafür ist mein Bestand an Beethovens KK viel zu hoch.
Grüße Amadé
Hosenrolle1 (03.08.2015, 12:55): Original von Amadé @ Hosenrolle1 Ich verstehe hier nur Bahnhof! Kannst Du den Bezug auf das frühere Posting von teleton nicht besser kenzeichnen (vielleicht Datum)?
Gerne. Ich habe mich auf diesen zugegebenermaßen etwas älteren Beitrag bezogen, der 11 Beiträge über meinem steht: http://das-klassikforum.de/thread.php?postid=91070#post91070
LG, Hosenrolle1
Cetay (inaktiv) (17.12.2017, 20:31): Eine weitere Gesamteinspielung der Beethovenschen Klavierkonzerte (die dritte innerhalb von drei Wochen), diesmal mit dem Alleinstellungsmerkmal Alle Achte. Eliane Rodrigues und das St. Petersburger Staatsorchester unter der Leitung von Walter Proost haben noch das Tripelkonzert, die Chorfantasie und die heimliche Nr. 6, die Klaviertranskription des Violinkonzerts mit drauf gepackt. Immerhin hat sich die sich Concours Reine Elisabeth Preisträgerin nach ihrem 5. Platz im Jahr 1983 noch reichlich Zeit gelassen bis sie sich an diesen Kosmos gewagt hat. Äußerst erfreulich im Solo- und im Orchesterpart, wie ich zumindest nach dem "Sechsten" bescheinigen kann.
Falstaff (21.03.2018, 00:10): Ich muss gestehen, dass ich mich nicht durch alle Beiträge durchgearbeitet habe. Von daher kann meine Empfehlung sehr wohl eine Doublette sein. Aber 'is wurscht'.
Josef Krips dirigiert hier die '5' mit Rubinstein als Solisten. Ich empfinde 4 und 5 gar nicht einmal so als gelungen, aber den 'Rest' höre ich doch sehr gerne. Nicht nur ist es der edle, klare und trotzdem gefühlvolle Ton Rubinsteins, es ist auch die leichte, charmante, wundervoll vorwärtsdrängende, fast an Mozart erinnernde Art von Josef Krips.