La Bohème - Der Film

Solitaire (27.10.2008, 09:13):
Ich war gestern in einem Kino in in Düsseldorf, in dem Robert Dornhelms "Bohème"-Verfilmung
Vorpremiere hatte.
Die Bestzung:
Rodolfo: Rolando Villazón
Mimì: Anna Netrebko
Marcello: Stimme Boaz Daniel, Spiel George von Bergen
Musetta: Nicole Cabell
Bertrand de Billy
u.a.
Eien Warnung vorweg: der Film ist ein Anschlag auf die Vernunft, die Sinne und, um es mit den worten eines Forumsmitgliedes zu sagen, den Blutzuckerspiegel.
Noch etwas vorweg: ich liebe ihn jetzt schon.

Aaalso: ich bin absolut überzeugt davon, daß auch Puccini diesen Film geliebt hätte. Er hat mich in jeder Sekunde überzeugt, überwältigt, überrumpelt. Ich bin immer noch hingerissen. Wer diesen Film ansieht sollte dem Verstand für zwei Stunden frei geben und ihn zum spielen vor die Tür schicken, denn diese Bohème spricht nur das Gefühl an, und das ist auch völlig richtig so. Ich bin ja ohnehin der Ansicht, wer Sentimentalität und vielleicht auch Kitsch scheut, sollte von Puccini die Finger lassen und es mit Schönberg versuchen :engel
Kein Filmtrick und kein Bohème-Assesoir wird ausgelassen: nicht der Weichzeichner, nicht die Überblendungen von Mimis und Rodolfos Gesichtern, nicht die Großaufnahmen, nicht der Kunstschnee, nicht die immer wieder eingeschobenen schwarz-weiß-Aufnahmen, nicht die üppigen Fin-de-Siècle-Kostüme und was die Ponelle-Zeffirelli-Fibel noch so alles vorschlägt und vorschreibt.
Und mir hat alles gefallen: die Überblendungen, die Großaufnahmen, die Kostüme, der Kunstschnee (Unmengen von Kunstschnee. Die Kunstschnee-Verantwortlichen werden im Abspann genannt ).
Auch das, was ich vorher mit Skepsis vernommen habe, daß es nämlich Mimi ist, die sich den Dichter greift undd recht offensiv den Anfang macht, und daß sie gekleidet ist, wie sie nunmal gekleidet ist (in feuerrot mit Lippenstift und offenherzigem Ausschnitt), ist in dieser Produktion stimmig: hier ist Mimi eben eine junge Frau, die ein bißchen Glamour in ihr armseliges Dasein bringen will und die deshalb ihr Geld auch schon mal für einen Lippenstift ausgibt oder für einen roten Kleiderstoff anstatt für etwas vernünftiges zu Essen. Sie möchte ein klein wenig Luxus in ihrem täglichen Kampf ums (zunächst nur wirtschaftliche) Überleben. Ich fand das Bild der in dieser erbärmlichen Dachkammer glamourös gekleideten Mimi sehr bewegend. Es hat ewas mit Würde zu tun, daß sie versucht, unter den gegebenen Umständen so gut wie möglich auszusehen. Gleich zu Anfang wird Mimis Einsamkeit deutlich: die Freunde in der Wohnung über ihr feiern und lachen, während sie, am Weihnachtsabend, allein in ihrer Kammer ist. Sei will dabei sein, sie will ein bißchen was abkriegen von Spaß, Freude und Freundschaft.
Villazón war wunderbar, nach den ersten 30 Sekunden habe ich Luciano Pavarotti, dessen Stimme ich ja bei dieser Oper sooo oft im Hinterkopf höre, vergessen. Die Tonspur wurde ja vor der Pause in München bei zwei konzertanten Aufführungen aufgenmmen, nud was immer sie damit angestellt haben: man hört ihm die nahende Krise nicht an. Einige Szenen wurden während der Dreharbeiten wohl auch noch einmal eingesungen, sodaß eventuelle Patzer oder der Krise geschuldete Unschönheiten ausgebügelt werden konnten. Er war sehr überzeugend. Ein sehr charmanter, verspielter, schwärmerischer Rodolfo, den man nur mögen kann und, dem man trotzdem manchmal zurufen möchte "Junge! Tu was! Hör auf Gedichte zu schreiben, die keiner lesen will, geh arbeiten, Holzhacken, stehlen, irgendwas. Aber tu was und besorge Medikamente, Kaminholz und was zu Essen anstatt im Schnee rumzustehen und zu jammern!!!" Wunderbar auch die kleinen Momente: Mimi, die im dritten Akt, in all ihrem Elend, lächeln muß, als sie sieht, wie Musetta und Marcello sich mal wieder streiten wie die Kesselflicker. Habe ich erwähnt, daß ich dieses Quartett für einen Geniestreich von Puccini halte ? Das Komische und das Tragische in ein und derselben Szene gleichzeitig auf die Bühne zu bringen hat, glaube ich, nichtmal Verdi geschafft. (Obwohl ich jadenke, daß "Bella figlia dell'amore" aus Rigoletto da ein bißchen Pate gestanden hat). Die kleine "Bettszene" während "O Mimi tu più non torni" in der Rodolfo sich erinnert wie er mit der, wohl schon sehr kranken, Mimi die Laken geteilt, und ihr liebevoll die fieberheiße Stirn gekühlt hat, war sehr anrührend und gar nicht reißerisch oder dem Motto "Sex sells" geschuldet.
Musetta hat mir persönlich ausgesprochen gut gefallen. Ich mochte ihre Stimme sehr. Ordinärer als sie kann man nicht gekleidet sein, aber ich fand ihre aufdringliche Erotik, die so ganz anders war als die von Mimi, sehr passend. Im letzten Akt fand ich sie sehr bewegend und herzlich.
Der letzte Akt hat mich überhaupt schwer mitgenommen und ich will hier eigentlich gar nicht zuviel verraten, nur dies: es wird hart. Man hat danach das dringende Bedürfnis, eine größere Menge Rotwein zu konsumieren um sich wieder zu sammeln , was ich gestern Abend auch getan habe :D
Die allerletzte Einstellung ist der absolute Hammer, und wenn es an dem Film etwas zu bemängeln gibt, dann, daß man sich mehr dieser etwas unkonventionelleren Szenen und Brüche gewünscht hätte, die der Film durchaus vertragen hätte. Wie gesagt: das ist ansonsten rosa Zuckerwatte pur.
Im Kino (das nicht ganz ausverkauft war) war es nach Rodolfos Schrei lange Zeit verdächtig still, nur vereinzeltes schniefen und schnauben war zu hören...
Fazit: genau so möchte ich Puccini inszeniert sehen, zumindest im Film. Auf der Bühne darf es gerne eine Nummer kleiner sein, aber der Film gehorcht anderen Gesetzen udd ich bin fest davon überzeugt, das dieser Film ein Klassiker werden wird, da können die Puristen schäumen wie sie wollen. Und sie werden schäumen, wenn sie diesen Film sehen :rofl Wenn es dereinst, an einem hoffentlich noch weit entfernten Tag, Nachrufe auf Susi und Strolch geben wird, werden es diese Filmszenen sein, die in den Nachrichtensendungen zu sehen sein werden.
So, man sieht, ich stehe dem Film eindeutig befangen gegenüber und leiste mir den Luxus hemmungsloser Anbetung :leb :cool
LazarusLong (27.10.2008, 14:20):
Bis jetzt stand ich ja Opernverfilmungen eher skeptisch gegenüber, aber nach diesem enthusiastischen Lobeslied, werde ich meine Kinder bei Oma abliefern und mir mit meiner Frau einen Kinoabend gönnen.
Ich hoffe nur, der Film läuft noch, wenn ich das nächste Mal in Deutschland bin. Die Polen kennen nämlich noch die Unsitte des "Lektors in polnischer Sprache". D.h. es wird alles übersetzt und von einem männlichen Bariton vollkommen emotionsfrei wiedergegeben.
Irgendwie kommt da bei mir keine Stimmung auf.

Danke für diesen Vorstellungsbeitrag

Frank
Solitaire (28.10.2008, 07:25):
Ja, versuch es mal, wenn der Film in deiner Nähe laufen sollte.
Aber wie gesagt: es ist reines Zuckerwasser. Eigentlich gibt es nur zwei Möglichkeiten: SOFORT auf Distanz gehen, oder sich hemungslos reinfallen lassen.

Den polnische Art Filme zu synchronisieren habe ich auch schon erlwebt. Wir haben früher einen polnischen Fernsehsender empfangen können auf dem öfter amerikanioshce Spielfilme liefen.Irgendwie eien seltsame Aert das zu machen. Da lieber mit Untertiteln. Die gibt's in der Bohème natürlich auch, und sie fallen nicht immer ganz wörtlich, aber sehr treffend aus. Marcellos bitterböse "Ansprache" auf Musetta im 2. Akt als Mimi ihn nach ihr fragt wird mit einem knackigen "Vorname: Musetta. Nachname: Schlampe" übersetzt. :rofl
Mime (31.10.2008, 11:45):
Danke, Solitaire, für diesen anschaulichen und glaubwürdigen Bericht. Besser kann man für diesen Film nicht werben. Ich werde mir schon mal einen Doppelpack Tempo besorgen, den werd ich garantiert verbrauchen...
Solitaire (31.10.2008, 15:37):
@Mime
Ja, die Tempos kamen bei mir am Ende auch zum Einsatz :D
Bei aller Begeisterung möchte ich dennoch betonen, daß die Karajan-Aufnahme für mich immer noch die DIE Boheme überhaupt, und Luciano Pavarotti STIMMLICH der beste Rodolfo aller Zeiten ist. :down
Jedoch ist dieser Film eine großartige Ergänzung zur Jahrhundert-Bohème.
Da ich außerdem, anders als manche Leute in manchen Foren, Netrebkos Schönheit keineswegs für ein Schwerverbrechen halte, gebe ich gerne zu, daß es mir sehr gefalllen hat, einmal eine Mimi zu sehen, die nicht nur schön singt, sondern auch so aussieht. Mit Big P. vor meinem geistigen Auge war es des Weiteren eine angenehme Abwechslung, mit RV einmal einen Rodolfo zu erleben, dem man den Hungerleider schon aufgrund seiner äußeren Erscheinung sofort abnimmt. Daß dieser Rodolfo darüberhinaus während eines großen Teils der Handlung die Ernsthaftigkeit eines jungen Hundes an den Tag legt (was einer der Gründe ist, warum die Beziehung letztlich scheitert, auch wenn es zweifellos sehr charmant ist), und agil genug ist, auch mal auf einen Tisch zu springen, war ebenfalls eine nette Abwechslung von Don Immobile (den ich nach wie vor verehre!!!)
thwinter12 (01.11.2008, 10:39):
Hallo allen,

Danke für Eure Eindrücke! Meine Frau und ich nehmen uns schon seit längerem vor den Film anzusehen/-hören. Wir sind jedoch ziemliche Anfänger, was das Opernrepertoire betrifft - hoffe der Film/das Werk ist auch für solche geeignet!?

Ich werd' jetzt mehr Druck machen... :ignore

Servas,
Thomas
Solitaire (01.11.2008, 21:18):
Also ich denke, besser als mit La Bohème kann man eine "Opernkarriere" nicht beginnen :D
Der Film ist wirklich schön und m.E. sehr gut geeignet für Opernneulinge! :)
Heike (01.11.2008, 23:36):
Mal ein bissel Klatsch und Tratsch gefällig?
Irgendwo (nein, es war keine Regenbogenpresse, aber ich weiß nicht mehr, wo es war) habe ich gelesen, dass der Dreh mit Villazon und Netrebko nicht so ganz einfach gewesen sein soll. Die hätten ja vor ein paar Jahren mal ein Romanze gehabt, aber dann ging Villazon zu seiner Frau und Kindern zurück.
Jedenfalls soll am Set zwischen den beiden absolute Eiseskälte geherrscht haben, so dass der Regisseur nach gewisser Zeit beide zu einem ernsten Gespräch gebeten hatte. Danach sollen sie wohl wie Profis agiert haben und man hätte recht gut arbeiten können.
Merkt man noch was von dem Zoff im Film, bzw. wirkt das wirklich locker und romantisch? (ich hab ihn noch nicht gesehn)
Hebre
Solitaire (02.11.2008, 10:48):
Ja, davon habe ich auch gelesen! Es soll gebratene Hammelkeule zum Krisengespräch gegeben haben :rofl
Nein, man merkt es dem Film nicht an, aber ich denke, leicht wird es für keinen gewesen sein.
Übrigens gibt es ein Making-Of in dem gezeigt wird, wie sie die letzte Szene drehen: Schaunard fragt"Come va?". Rodolfo zieht eine Flasche Mineralwasser aus der Tasche, schaut treuherzig und sagt "Bevi! E Tequilla!". :rofl
So hat jeder seine Methode, Spannungen abzubauen. Doofe Witze reißen ist nicht die schlechteste. Mein Gatte nennt so etwas "Verarbeitungswitz" :D
Mime (07.11.2008, 16:34):
Original von Solitaire
@Mime
Ja, die Tempos kamen bei mir am Ende auch zum Einsatz :D
Bei aller Begeisterung möchte ich dennoch betonen, daß die Karajan-Aufnahme für mich immer noch die DIE Boheme überhaupt, und Luciano Pavarotti STIMMLICH der beste Rodolfo aller Zeiten ist. :down


Hallo Solitaire,
dieser Meinung war ich auch, bis ich die Aufnahme mit Jussi Björling gehört hatte. Seither bin ich innerlich zerrissen, wer denn nun den besten Rodolfo gesungen hat...
:hello
Heike (09.11.2008, 17:28):
Heute bzw. jetzt gleich (wie ich grad zufällig gesehn hab) kommt im TV eine Doku dazu:
ZDF 18 Uhr: Netrebko und Villazón - Die Lovestory für das Kino
siehe
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/1/0,1872,7398913,00.html
LadyMacbeth (13.11.2008, 11:50):
Ich habe mir diese Doku angesehen und muss ehrlich sagen: sie hat bei mir eine unbändige Lust auf mehr ausgelöst.

Weiß jemand, wann der Film in die Kinos kommt?

Wahrscheinlich muss man wieder viel Glück haben, um ihn zu sehen. Branaghs "Magic Flute" lief hier im Rhein-Main-Gebiet nur an insgesamt drei Tagen. Und wahrscheinlich wird es mit "La Boheme" ähnlich sein.
Solitaire (13.11.2008, 14:14):
Er läuft schon. Bis gestern lief er zum Beispiel in Düsseldorf, wegen der großen Nachfrage und der relativ begrenzten Anzahl der Kopien ist er aber schon wieder abgesetzt. Irgendwo habe ich eine Liste der Kinos gesehen die ihn zeigen. Wenn ich mehr Zeit habe suche ich mal. Der Film ist wirklich schön, und genau das, was ich nach dem musikalisch wunderbaren, szenisch aber doch gewöhnungsbedürftigen „Eugen Onegin“ in Berlin gebraucht habe.
Habe die Brannaghs Zauberflöte hingegen leider bis heute nicht sehen können.
Jürgen (13.11.2008, 17:19):
Original von LadyMacbeth
Ich habe mir diese Doku angesehen und muss ehrlich sagen: sie hat bei mir eine unbändige Lust auf mehr ausgelöst.

Weiß jemand, wann der Film in die Kinos kommt?

Wahrscheinlich muss man wieder viel Glück haben, um ihn zu sehen. Branaghs "Magic Flute" lief hier im Rhein-Main-Gebiet nur an insgesamt drei Tagen. Und wahrscheinlich wird es mit "La Boheme" ähnlich sein.

Schau mal hier.

Sonntag, 13 Uhr Frankfurt am Main, Kino Harmonie

Das dürfte günstiger liegen als Düsseldorf.
LadyMacbeth (15.11.2008, 14:46):
@Jürgen: Danke!

Ich hatte das heute vormittag auch meiner Zeitung entnommen und wollte es gerade hier einstellen :J

@Solitaire:
Da wir uns aus HAD kennen (da bin ich Mrs_Karkaroff) und ich Dir hier leider keine PN schreiben kann, schicke mir doch bitte auf HAD eine PN mit Deiner Adresse. Dann bekommst Du leihweise meine Magic-Flute-DVD. Wenn Du sie gesehen hast, schicke sie einfach zurück. Allerdings ist die DVD englisch ohne Untertitel (die Kinoversion war mit Untertiteln).
LadyMacbeth (16.11.2008, 17:19):
Ich bin eigentlich kein Puccini-Fan und bar jeder Romantik, aber dieser Film hat mir richtig gut gefallen :J

Ich fand ihn überhaupt nicht Zuckerwatte-pur oder tränendrüsig, eher ziemlich realistisch (sofern das in einer Kulisse möglich ist). Das wäre vielleicht meine Einschränkung: ein bißchen Original-Flair an den Original-Schauplätzen hätte nicht geschadet.

Aber ansonsten: sehenswert :rofl

Und kurz - ich bin von Hause aus Wagnerianerin, für mich sind alle Opern unter drei Stunden kurz. Er dauert nur knapp zwei Stunden - von mir aus hätte es gerne ein Stündchen mehr sein dürfen.
Solitaire (22.11.2008, 08:25):
Hallo LadyMacbeth!
War einige Tage nicht online, und sehe derstr jetzt dein nettes Angebot!
Dummerweise habe ich bei HaD mein Passwort vergessen und muß es erstmal neu anfordern, sodaß ich mich dort melden kann. Trotzdem ganz lieben Dank!!!
satie (22.11.2008, 10:40):
Original von LadyMacbeth
@Jürgen: Danke!

Ich hatte das heute vormittag auch meiner Zeitung entnommen und wollte es gerade hier einstellen :J

@Solitaire:
Da wir uns aus HAD kennen (da bin ich Mrs_Karkaroff) und ich Dir hier leider keine PN schreiben kann, schicke mir doch bitte auf HAD eine PN mit Deiner Adresse. Dann bekommst Du leihweise meine Magic-Flute-DVD. Wenn Du sie gesehen hast, schicke sie einfach zurück. Allerdings ist die DVD englisch ohne Untertitel (die Kinoversion war mit Untertiteln).

Jetzt kannst Du PNs verschicken. Leider kann ich nicht immer im Kopf behalten, wen ich noch nicht dafür freigeschaltet habe. Bei solchen Sachen bitte nicht zögern, mir einfach eine Mail zu schicken!

Herzlich,
S A T I E
LadyMacbeth (22.12.2008, 10:34):
Die Kulturwelle des Hessischen Rundfunks bringt heute eine Aufzeichnung der "La Boheme" mit Anna Netrebko und Rolando Villazon http://www.hr-online.de/website/radio/hr2/index.jsp?rubrik=31128&key=standard_document_35856188

Nicht-Hessen können das Ereignis auch im Internet mit verfolgen :W
Solitaire (22.12.2008, 15:59):
Ach, das ist dann wohl die Aufnahme, die die Tonspur für den Film gebildet hat. Vielen Dank für den Hinweis!
Heike (25.12.2008, 19:54):
So jetzt hab ichs endlich geschafft, mich in weihnachtlicher Ruhe am Nachmittag ins Puccini-Kino zu setzen :-)

Vorab: Ich fand es insgeamt eine gelungene und sehenswerte Verfilmung - die hoffentlich die klassische Oper auch wieder ein Stückchen popuärer macht. Es gab viele schöne Bilder, jede Menge gute Kameraeinstellungen und ein stimmiges Gesamtkonzept: große Leidenschaften groß inszeniert.

Die Geschichte ist natürlich bekannt, die Oper hab ich x mal gehört - und trotzdem hat die doch so simple Story mich wieder hingerissen. Vielleicht ist das auch frauentypisch - wünschen wir uns doch alle solche Männer, die sich vor Sehnsucht verzehren, ohne uns nicht arbeiten können, uns beschenken, verzeihen und schließlich immer wieder in Liebe verrückt nach uns sind .....
Wenns nicht so traurig wäre, dass wärs doch richtig schön ;-)

Aber jetzt zum entscheidenden, die Sänger:
Villazon war die Rolle auf den Leib geschrieben und hätte er zu dieser Zeit nicht grad seine stimmlichen Probleme gehabt, hätte er noch mehr brillieren können.

man hört ihm die nahende Krise nicht an.
Das finde ich auch, er war der Star des Abends - aber er hatte mit den Tonhöhen manchmal ein wenig geschummelt, transponiert - was jedoch nicht störte. So oder so - ich nahm ihm jedes Gefühl ab, tobte und litt mit, war entzückt und freute mich über so viel Feeling in der Stimme. Ich war öfter versucht, die Augen zuzumachen, weil er auch ohne Bilder so ausdrucksstark war. Großes Kino, Herr Villazon, danke!

Netrebko wiederum fiel für meinen Geschmack dagegen deutlich, aber wirklich deutlich ab. Obwohl sie wie immer sehr schön gesungen hat (und sowieso aussah) - auf mich wirkte sie vom Ausdruck her kühl, manchmal fast beliebig. Hat mich nicht berührt. Auch vermochte sie die Zartheit, die ja zu Mimi gehört, mir in ihrem Gesang überhaupt nicht zu vermitteln.

Ganz großartig fand auch ich wiederum die Musetta: Nicole Cabell, die ich vorher gar nicht kannte. Die hatte so viel Farbe und Esprit in ihrer Stimme, das hat die Ambivalenz dieser "Schlampe" absolut treffend rübergebracht. Mal ganz abgesehn davon, dass sie schauspielerisches Talent hat.

Das hat sich also gelohnt und sooo verkitscht fand ich es gar nicht, da habe ich schon viel verkitschtere Bühnenversionen gesehen, die zudem viel schlechter gesungen waren.



Sooo und nun kann ich mir überlegen, ob ich gleich heut abend in 3sat mir das Ganze nochmal mit der wunderbaren Mirella Freni und Raimondi ansehe :engel
Werde ich wohl machen .....
Hebre
Heike (25.12.2008, 22:39):
Wenn man das, so wie ich eben, quasi direkt nacheinander sieht und v.a. hört, dann trennen Freni und Netrebko fast Welten!

Schön wars nochmal!
Hebre
Rachmaninov (26.12.2008, 09:23):
Original von Hebre
Wenn man das, so wie ich eben, quasi direkt nacheinander sieht und v.a. hört, dann trennen Freni und Netrebko fast Welten!

Schön wars nochmal!
Hebre

Welche Unterschiede hörst Du raus? Wo trennen die beiden Welten?
Heike (26.12.2008, 09:38):
Hallo,
wenn ich die Augen zumache, dann höre ich bei Freni, welche Stimmung die Arie vermittelt. Bei Netrebko klingt zwar alles schön, aber gleich.
Freni singt das Gefühl, Netrebko spielt es (auch deshalb braucht sie in der Todesszene ca. 1 kg. mehr Schminke!)
Heike
Solitaire (26.12.2008, 10:03):
@Hebre
Ja, was Freni angeht stimme ich dir absolut zu. Sie IST die Mimi, Anna spielt sie. Habe die Bohème mit Freni gestern leider nicht sehen können, zur Zeit verdeckt der Baum den Fernseher :rofl
Für mich ist Mirella jedenfalls nach wie vor DIE Mimi.
Was Villazón angeht, der hat kurz vor Weihnachten in Wien zwei "Bohème"-Vorstellungen gesungen. Die Kritiken die ich bisher gelesen habe sind außerordentlich gut. Die Krise scheint also wirklich überwunden. Er Transponiert, glaube ich, manche Stellen in "Bohème" gerne mal. Mir soll es recht sein :J
Ich werde vermutlich am Wochenende nochmal nach Düsseldorf fahren und mir den Film zum zweitenmal ansehen, ich gebe zu, ich liebe Puccini.

wünschen wir uns doch alle solche Männer, die sich vor Sehnsucht verzehren, ohne uns nicht arbeiten können, uns beschenken, verzeihen und schließlich immer wieder in Liebe verrückt nach uns sind .....

Aber ja doch! :D
Heike (26.12.2008, 10:15):
Hallo Solitaire,
an Villazon hatte ich absolut nichts auszusetzen, er sang wunderbar zum Dahinschmelzen), er hat mich mit jeder Silbe wahnsinnig mitgerissen und zeigte sich auch darstellerisch so richtig in Form (ich war schon gleich am Anfang hingerissen, als er hemmungslos in die Fleischkeulchen biss)


Schieb den Baum zur Seite, wenn du Puccini liebst! Es kommt anlässlich seines Geburtstages ganz viel im Fernsehen, z.B.
heute 3 sat Turandot aus der 'Verbotenen Stadt' 22:05 - 00:10 Uhr
und
morgen3sat Tosca 20:15 - 22:10 Uhr
Heike
Solitaire (26.12.2008, 11:27):
Ja, ich denke, der Baum muß einStück weichen!
Danke für en Tip mit der Turandot und Tosca!
Heike (17.12.2009, 22:48):
Den Film "La Bohème" (2008) kann man sich (passend zum ersten Schnee) morgen nochmal im Fernsehen ansehen:

ZDF
Freitag, 18.12., 22:30 - 00:20 Uhr
Free-TV-Premiere

Wiederholungen:
20.12., 15:30 Uhr, ZDFtheaterkanal
02.01., 20:15 Uhr, 3sat
Armin70 (18.12.2009, 00:58):
Danke für den Tipp. Da werde ich den DVD-Rekorder gleich mal programmieren. Obwohl ich kein Netrebko-Fan bin und ich kann sie mir eigentlich nicht als Mimi vorstellen, zumal sie auf ihrer Debüt-CD bei DG eine Arie der Musetta sang, die, wie ich finde, stimmlich besser zu ihr passt. Aber vielleicht überzeugt mich der Opern-Film eines Besseren.

(Ich hoffe nur nicht, dass der Film von der "Schwarzkopf-Brilliance"-Werbung präsentiert wird..... :wink).