Solitaire (12.01.2009, 16:59):
Ich habe am Samstagabend die Übertragung von "La Rondine" aus der MET im Fernsehen gesehen (diese "Schmalspur-Traviata" ,O-Ton mein Gatte :J ) auf ARTE gesehen und muß sagen, daß es mir im Großen und Ganzen sehr gut gefallen hat. Die Musik kannte ich nicht besodners gut, obwohl ich eine Gesamtaufnahme mit Anna Moffo mein Eigen nenne, aber ich habe sie nur ein- oder zweimal gehört. Optisch hat es mir recht gut gefallen, und im Gegensatz zur szenisch einfallslosen "Thais" im Dezember fand ich es in diesem Fall sehr gut, daß das Werk relativ konventionell inszeniert wurde. Eine Oper die ohnehin kaum jemand kennt, muß man durch eine abstruse Inszenierung nicht auch noch verfremden.
Angela Gheorghiu war phantastisch. Sie hat mir stimmlich wie darstellerisch sehr gut gefallen. Sie mag ja eine Zicke, eine kleine Frau Dracula sein, aber sie ist auch eine wunderbare Sängerin. Von den anderen Sängern hat mich vor allem die Interpretin der Lisette durch ihre Stimme und Spielfreude beeindruckt, auch Prunier fand ich ziemlich gut und in den Höhen sicherer als Alagna. Rambaldo (Samuel Ramey) hat mit den Resten der Stimme eines ehemals großen Sängers gesungen.
Was Alagna angeht (der nach Aussage meines Gatten aussah "wie ein glücklicher Biber" :rofl ) fand ich ihn nicht grandios, aber immerhin besser als ich erwartet habe.
Mit den Höhen hat er Probleme und klingt oft grell, ein begnadeter Darsteller ist er nicht, und vom edlen Timbre eines Villazón, Domingo oder Wunderlich kann er nur träumen ("Pizzabäckertenor" trifft es wohl wirklich), aber er war okay und hat sich im letzten Akt (vor allem im letzten Duett mit Magda) m.E. sehr gesteigert. Am Schluß fand ich ihn überraschend gut. Ich denke, seine Glanzzeit ist wirklich vorbei (die war wohl um 1996 als er Romeo und Don Carlos gesungen hat), aber es war okay und ich habe schon wesentlich schlechtere Tenöre gehört. Auch in Übertragungen aus großen Häusern.
Darstellerisch fällt ihm zu Ruggeros Verzweiflung nicht viel mehr ein, als sich auf den Boden zu werfen und zu schluchzen, das ist schade, da spielt Angela Gheorghiu schon in einer anderen Liga. Alles in allem war es ein lohnender Abend, immerhin bekommt man dieses Werk so gut wie nie zu sehen. Sehr zu Unrecht, wie ich finde.
Der Plot hat mich ein bißchen an eien Lehar-Operette erinnert: eher melancholisch als wirklich tragisch mit einem Buffopaar und einem romantischen Paar und einem Ende, an dem kein verklärter Tod in den Armen des Liebsten steht, sondern ein Leben ohne den anderen, der lebt und dennoch unerreichbar ist.
Traurig, traurig, traurig.