Heike (08.05.2009, 00:17): So, bevor ich ins Bett gehe, habe ich heute noch Lust auf einen Quassel- Ranking- Thread (ich hoffe das ist erlaubt!)
Also, ich frag mich manchmal so insgeheim, welches ist die größte Musik-Nation???? Natürlich denkt man ja als Deutsche, dass es Deutschland ist, aber vielleicht ist das ja reine Betriebsblindheit. Und bei den Opern können wir dann auch nicht so ganz mithalten, und sowieso hat ja jeder so seine Vorlieben, naja, ihr wißt schon. Was ich noch sagen muss, auf den österreichischen Schubert bin ich ja ohnehin neidisch .... Egal, also wenn man so eine Länderkunde machen würde und zu jedem Land die größten, oder besser gesagt, die euch subjektiv liebsten 3 Komponisten nennen sollte, wie würde das dann aussehen???
Vielleicht kriegen wir den Globus einigermaßen voll und es kommen einige Länder zusammen???
Ich fange mal ganz subjektiv mit 3 x Deutschland an: J. S. Bach L. v Beethoven R. Wagner
So nun bitte eure Länder-Top-3 .... Natürlich dürft ihr für bereits genannte Länder subjektiv völlig andere Top 3 nennen, aber ich hoffe doch, dass auch andere Länder noch drankommen! Heike
Gamaheh (08.05.2009, 01:01): Liebe Heike,
zu spät für sowas Schwieriges (Geographie ist ohnehin nicht so meine Stärke) - aber vielleicht später am Tage.
Übrigens würde ich das mit den Ländern nicht zu dogmatisch sehen, denn die Grenzen haben sich doch immer mal geändert. So würde ich vielleicht nicht von deutschen Komponisten sprechen, sondern von germanischen oder teutonischen (oder ähnlich), denn wo willst Du sonst Beethoven und Brahms z.B. einordnen. Und wo überhaupt Händel, Chopin, Fritz Delius ... Gibt es ein österreichisches Idiom in der Musik, das sich vom deutschen unterscheidet? Ist Chopin ein slawischer Komponist wie Tschaikowsky, Rachmaninow usw.? Die sind doch alle so viel gereist ... Gewiß gibt es auch Ausnahmen ... Aber es geht Dir doch sicher nicht um etwas Chauvinistisches, um Nationalstolz?
Grüße, Gamaheh
EinTon (08.05.2009, 01:12): Frankreich:
1. Olivier Messiaen
2. Pierre Boulez
3. Gerard Grisey (jedenfalls nach dem geurteilt, was ich von ihm bisher gehört habe...)
Ungarn:
1. Bela Bartok (den Ausschlag geben hier die späten Streichquartette)
2. György Ligeti
3. György Kurtag
Jürgen (08.05.2009, 08:42): England: Elgar Vaughan Williams Britten
Österreich: Schubert Mahler Haydn Habe ich einen vergessen? :D
Russland:
Prokoview Strawinsky Rachmaninov
Italien:
Respighi Puccini Vivaldi (oder hieß der Verdi?)
USA:
Ives Copland Grofé
Grüße Jürgen
Heike (08.05.2009, 10:02): Hallo Gamaheh, der Einfachheit halber würde ich mal ganz pragmatisch vom Geburtsort zur Geburtszeit ausgehen - insoweit wäre Händel Deutscher und Chopin Pole .... usw.
Aber es steht dir natürlich frei, Teutonen oder Germanen oder noch ganz andere Gruppen zu bilden! Heike
Heike (08.05.2009, 10:09): Russland Schostakowitsch Rachmaninov Skrjabin
Österreich Schubert Mahler Haydn
Ungarn Liszt Bartók Kodály
Heike
EinTon (08.05.2009, 14:35): Deutschland:
1. Beethoven
2. Bach
3. Brahms
(wie einfallslos, nich? :D )
Österreich:
1. Schubert
2. Webern
3. Bruckner
Cetay (inaktiv) (08.05.2009, 19:23): Original von Hebre So, bevor ich ins Bett gehe, habe ich heute noch Lust auf einen Quassel- Ranking- Thread (ich hoffe das ist erlaubt!)
Ich liebe solche Threads, bin aber nach den Prügeln für meinen Letzten immer noch traumatisiert und traue mich nicht mehr, deshalb umso mehr Dank dafür.
Frankreich: 1. Xenakis (wenn der als Franzose durchgeht); 2. Varese; 3. Milhaud
Italien: 1. Maderna; 2. Caccini; 3. Monteverdi
USA: 1. Cage; 2. Ives; 3. jemand von den Minimalisten
Skandinavien: 1. Sibelius; 2. Nielsen; 3. jemand aus der depressiven Garde um Atterberg, Pettersson etc. oder jemand von den neuen Wilden. Masse gibt es ja viel...
Polen: 1. Lutoslawski; 2. Gorecki; 3. Chopin (wenn der als Pole durchgeht; jedenfalls mit Riesenabstand hinter den anderen)
kreisler (08.05.2009, 22:25): Diese Frage ist sehr interessant; ich habe mir schon öfters darüber Gedanken gemacht und muss sagen für mich ist ganz eindeutig, ich kann es drehen und wenden wie ich will, das österreichisch-deutsche Repertoire mit Abstand am überragendsten, so gerne ich auch Schostakowitsch, Sibelius oder wen sonst höre...
Und ich bin wohlgemerkt jemand dem schon das Wort "deutsch" ganz besonders missfällt, einfach weil ich alles, was mit national-pathetischem Gefühl zu tun hat nicht ausstehen kann. Ich mag keine Aussprüche wie: "Wir sind ein Volk", egal in welchem Kontext sie auch stehen mögen und gar nicht umbedingt irgendwie geschichlich bezogen. Und das liegt hauptsächlich daran, dass mir bei solcherlei Gedanken jegliche Individualität fehlt, die mir aber doch so wichtig ist.
(Das fängt schon damit an, dass ich bei Länderspielen einfach erstmal grundsätzlich für die anderen bin :)
Aber dennoch finde ich gibt es ein gewisses Denken, etwas zugleich strenges als auch romantisches, dass eine gewisse Tiefe suggeriert - oder tatsächlich besitzt, das in der großen Kunst hauptsächlich "den Deutschsprachigen" vorbehalten scheint. Ich rede nicht nur von Musik, sondern z.B. auch von Literatur und Philosophie. Da hat Deutschland (neben der Russischen Literatur und Shakespeare) mit Schiller oder Kleist - (Goethe muss wohl auch gennant werden), Hölderlin oder Hegel einfach ein mächtiges Übergewicht. Und auch in der Musik vermitteln für mich Bach, Beethoven und Brahms vorwiegend ganz tief empfundene, und auch "handwerklich" ganz große Kunst. (Brahms und Bach gelten für mich immer noch als die "besten Komponisten" was das komponieren an geht)
Ein Glück, dass wenigstens meine Lieblingsdirigenten Mozart, Schubert und Mahler aus dem österreichischem Raum kommen, doch eigentlich gilt für sie genau das gleiche; da kann man eigentlich keinen allzu großen Unterschied zwischen Österreich und Deutschland ausmachen.
Will damit nur sagen, dass ich einfach mit diesem Repertoire in gewissem Sinne groß geworden bin und es für mich das Maß aller Dinge darstellt.
Aber weil irgendwie alle Rankings bringen, nochmal:
Österreich: Mozart, Schubert, Mahler, Bruckner (evt. zweite Wiener Schule aber das wird dann bissl viel) Deutschland: Bach, Beethoven, Schumann, Brahms Russland: Schostakowitsch, Tschaikowsky (Das muss man einfach gerne haben...) Skandinavien: Sibelius Polen: Chopin bei Frankreich tue ich mir schwer, bei England noch schwerer. Vielleicht: Boulez, aber ich kenne die Bizets, Berlioz` und Elgars einfach zu wenig... Italien? (Ich höre kaum Opern :D) In der Moderne sind sie aber noch ganz gut besetzt...
Viele Grüße, Kreisler
Gamaheh (09.05.2009, 12:39): Original von Hebre der Einfachheit halber würde ich mal ganz pragmatisch vom Geburtsort zur Geburtszeit ausgehen - insoweit wäre Händel Deutscher und Chopin Pole .... usw.
Liebe Heike (und alle anderen),
von "Einfachheit" würde ich hier nicht sprechen - im Gegenteil macht das die ganze Sache noch viel komplizierter! Meine Geschichtskenntnisse sind nur geringfügig weniger dürftig als meine erdkundlichen, aber ich meine zu wissen, daß es einen deutschen Nationalstaat erst seit 1871 gibt (auch wenn es schon vorher natürlich eine deutschnationale Bewegung gab). Ähnliches gilt, wenn ich mich nicht irre, für Österreich; es gab ja bis zu Napoleon das Heilige römische Reich deutscher Nation, das aber - wiederum: wenn ich mich nicht irre - den Habsburgern als Kaiser unterstand. Daß man das als Nationalstaat bezeichnen kann, wage ich allerdings zu bezweifeln. Auch für Italien gilt ähnliches, auch Italien wurde erst in den 1860er Jahren zum Nationalstaat; mit "Rußland" ist es auch schwierig. Mit England und Frankreich haben wir es da erheblich leichter, die waren schon seit Jahrhunderten auf die jeweilige Hauptstadt zentrierte Nationalstaaten.
Insofern kann ich - was den deutschsprachigen Raum betrifft - eigentlich nur Brahms eindeutig der Freien und Hansestadt Hamburg zuordnen, denn der war gewiß aus Hamburg und nicht etwa z.B. aus Altona, was zu gewissen Zeiten dänisch war! Schon bei Mendelssohn ist das schwieriger, da weiß ich es nicht genau, aber ich glaube, der heutige Stadtteil Hamburgs, in dem er vermutlich geboren wurde, gehörte damals mit ziemlicher Sicherheit nicht zu Hamburg.
Soviel ich weiß, waren die Bachs, Schumann und auch wohl Händel Sachsen. Also kann man schon mal Sachsen herausheben!
Was Bonn betrifft, so habe ich keine Ahnung, zu welchem Fürstentum (o.ä.) das zur Geburtsstunde Beethovens gehörte. Im übrigen assoziiere ich ihn eindeutig mit Wien, Haydn und Mozart. (Brahms übrigens nicht, der stand ja auch in keiner direkten Abhängigkeit und hat auch nicht Schule gemacht, soviel ich weiß.)
Die ganzen Mitteleuropäer sind natürlich noch schwieriger, denn diese Länder "gehörten" ja immer mal wieder anderen. Wer nichts über die Geschichte Polens weiß, assoziiert dennoch den Begriff "Teilung" damit; da muß man schon sehr genau hinsehen, um zu etablieren, wozu Warschau zur Zeit der Geburt Chopins gehörte. Eine (allerdings sehr oberflächliche) Recherche ergab, daß es damals ein Herzogtum Warschau gab, an dessen Spitze Napoleon den sächsischen König gesetzt hatte; also ein Vasallenstaat Frankreichs mit einem sächsischen Fürsten. Außerdem war ja Chopin väterlicherseits ohnehin Franzose (oder Deutscher? - der Vater kam aus Lothringen) ...
Diese Überlegungen führen natürlich die Fragestellung ein wenig ad absurdum, aber das ist auch meine Absicht. Meiner Meinung nach sind zumindest die wirklich großen Komponisten Menschheitskulturerbe und "gehören" nicht einem bestimmten Land, einer Nation (oder was auch immer). Sicher ist es vielen Fällen so, daß ihre Präsenz an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit ihr Schaffen beeinflußt hat (aber eher weniger ihre Geburt an einem bestimmten Ort). Und ich will auch den Polen "ihren" Chopin nicht nehmen usw. Aber man sollte das doch mit Abstand sehen.
Zum Schluß möchte ich bei den Engländern unbedingt noch Purcell erwähnen, bei den Franzosen Debussy und Ravel (und auch Berlioz).
Schönes Wochenende euch allen, Gamaheh
P.S.: Kreisler: Goethe in Klammern ??!!
kreisler (09.05.2009, 13:25): Original von Gamaheh P.S.: Kreisler: Goethe in Klammern ??!!
:D ja, also, ähh. Hast schon recht, aber ich wollte auch mal andere Namen herausheben als immer nur Goethe. Aber natürlich gehört er da mit an erster Stelle... (Ich hatte nur gerade den Faust und den Werther vergessen und an den Erlkönig gedacht, als ich das schrieb :ignore :J)
Und bei deinem letzten Abschnitt mit dem "Menschenkulturerbe" stimme ich dir vollkommen zu!
Viele Grüße, Kreisler
Heike (09.05.2009, 15:30): Hallo Gamaheh, ach so kompliziert will ich das gar nicht sehen - im Zweifel hilft meist Wiki, wenn da "deutscher Komponist" steht, dann seh ich das mal so, egal obs da schon Deutschland gab oder noch 307 deutsche Fürstentümer .... oder machs doch einfach so wie du magst, ich lerne gern auch was über geografische Entwicklungen hinzu! Das sollte man doch alles gar nicht so ernst nehmen, ich finde es einfach interessant, welche Vorlieben jeder so hat aus den verschiedenen Ecken Europas und der Welt.
Insoweit freue ich mich auf weitere länderkundliche Beiträge. Heike
P.s. @Dox Ich liebe solche Threads, Ich auch, dann sind wir ja schon zwei. Heike
Gamaheh (09.06.2009, 13:22): Dies gehört eigentlich auch hierher.
Grüße, Gamaheh
Hyacinth (18.07.2012, 00:27): Der Thread ist spannend. Wieso schreibt keiner mehr rein? Na egal, ich tu es jetzt :D
Österreich: Mozart (ist eigentlich Salzburger, ich weiß, aber das ist ja heute Österreich) Schubert Mahler
Deutschland: R. Strauss Wagner Schumann
Italien: Verdi Puccini Rossini
Russland u. Tschechien: Dvorak Tschaikowsky Schostakovitsch
Hyacinth :hello
Zdenka Waldner (18.07.2012, 08:06): ok, dann mach ich (befallen von akuter Tschechophilie) mal eine eigene Tschechien-Rubrik
Dvorak Janacek Petr Eben
lg zdenka
Hyacinth (18.07.2012, 15:29): Frankreich:
Offenbach Gounod Bizet
Hyacinth :hello
Heike (18.07.2012, 18:04): Einige meiner Vorlieben haben sich geändert, also ich aktualisiere:
Deutschland Bach Beethoven Brahms
Russland Schostakowitsch Prokofjev Skrjabin
Österreich Schubert Mozart Haydn
Frankreich: Rameau Poulenc Debussy
Italien D. Scarlatti Monteverdi Verdi
Hyacinth (18.07.2012, 18:09): Ich finde es sehr interessant bei Italien als erstes Scarlatti anzugeben. Was magst du am meisten von ihm? Ich habe von einem (ich weiß nicht ob Sohn oder Vater) einige Sachen (Triosonaten) auf der Oboe gespielt.
Hyacinth :hello
Zdenka Waldner (18.07.2012, 18:25): Italien:
Donizetti Puccini Marcello
Heike (18.07.2012, 18:26): Liebe Hyazinth, zu Scarlatti bitte hier weiter: http://www.das-klassikforum.de/thread.php?threadid=128 Ich liebe Scarlattis Klaviersonaten.
Zum Thema: Tschechien: Janacek Dvorak Zelenka
Heike
Zdenka Waldner (18.07.2012, 18:30): Apeopos Tschechien: ich muss mich korrigieren
Dvorak Janacek Schulhoff (leider find ich von seinen liedern nirgends noten :()