meyer86 (21.06.2006, 22:50): Ich wollte euch fragen, ob ihr euch dafür entschieden habt, dass bei Lang Lang alles nur Show ist, oder ob ihr bemerkt habt, wie ich, dass Lang Lang diese Bewegungen sicher nicht einstudiert hat, sondern schlicht und einfach schon immer gemacht hat während des Klavierspielens und das die Bewegungen dazu noch einen Organischen Zusammenhang zur Musik bilden. Was habt ihr für einen Eindruck?
Gruss meyer86
Rachmaninov (22.06.2006, 08:14): @David,
ich kenne durch eine TV Übertragung seine Aufnahme aus der Cargegie Hall.
Diese Bewegungen und das extreme scheinbare in die Ferneschauen als würde er von dort eine Eingebung erwarten empfand ich damals als etwas "seltsam" und verwunderlich. (Anmerkung: Das war bevor ich sein Rachmaninov hörte!!).
Aber unterstellen diese Bewegungen und seine Körpersprache wären "einstudiert" würde ich sicherlich nicht. Es ist halt seine Art.....
Rachmaninov (11.07.2007, 08:36): Also,
letztlich hörte ich auf Bayern4 nochmals einiges von Lang Lang! Skrjabin und den ersten Satz aus Beethovens 1. Klavierkonzert.
Für mich ist das Show!
Hier höre ich keine stimmige Interpretation. An speziellen Stellen eine reine Selbstdarstellung: "seht, wie schön ich das hier spielen kann" und der Rest ist nichts sagend IMHO.
Warum es diesen Hype gibt kann ich nicht nachvollziehen.
Sein Skrjabin war so schlecht, da wollte ich kaum weiter zuhören.
Also, ich brauche von ihm nicht im Schrank. Wemm es gefällt, bitte!
uhlmann (11.07.2007, 20:19): letzte woche gabs im zdf-theaterkanal chopins klavierkonzert nr. 1 mit lang lang.
ich habs eine zeit geschaut, fand es anfangs noch recht amüsant, aber nach und nach verpuffte die erste wirkung und dann blieb wenig über. eine stimmige interpretation sieht anders aus, vieles ist auf den reinen effekt gespielt (unnötige rubati, manerierte expressivität, usw.).
obiges konzert mit l.l. gibts noch an folgenden terminen: Mi, 11.07.2007 14:00 Uhr(44 min.) Mo, 16.07.2007 14:00 Uhr(44 min.) Fr, 20.07.2007 09:00 Uhr(44 min.) Mi, 25.07.2007 09:00 Uhr(44 min.) Sa, 28.07.2007 14:00 Uhr(44 min.) Mo, 30.07.2007 09:00 Uhr(44 min.)
und zum vergleich (auch auf zdf-theaterkanal): chopin: kk 2, rubinstein, lso - previn Do, 12.07.2007 09:00 Uhr(35 min.) Di, 17.07.2007 09:00 Uhr(35 min.) Fr, 20.07.2007 14:00 Uhr(35 min.) So, 22.07.2007 09:00 Uhr(35 min.) Mi, 25.07.2007 14:00 Uhr(35 min.) Mo, 30.07.2007 14:00 Uhr(35 min.)
Rachmaninov (12.07.2007, 10:22): Original von uhlmann ich habs eine zeit geschaut, fand es anfangs noch recht amüsant, aber nach und nach verpuffte die erste wirkung und dann blieb wenig über. eine stimmige interpretation sieht anders aus, vieles ist auf den reinen effekt gespielt (unnötige rubati, manerierte expressivität, usw.).
Und genau das ist das, was ich als "Show" bezeichne! Mir fehlt da der tatsächlich greifbare Interpretationsansatz, den ich über das Gesamtewerk nachvollziehen kann.
ei Skrijabin fehle für mich völlig das Verständnis für seine Musik.
Ist aber meine subjektive Meinung :D
YJ (25.12.2007, 15:57): Original von Rachmaninov Original von uhlmann ich habs eine zeit geschaut, fand es anfangs noch recht amüsant, aber nach und nach verpuffte die erste wirkung und dann blieb wenig über. eine stimmige interpretation sieht anders aus, vieles ist auf den reinen effekt gespielt (unnötige rubati, manerierte expressivität, usw.).
Und genau das ist das, was ich als "Show" bezeichne! Mir fehlt da der tatsächlich greifbare Interpretationsansatz, den ich über das Gesamtewerk nachvollziehen kann.
ei Skrijabin fehle für mich völlig das Verständnis für seine Musik.
Ist aber meine subjektive Meinung :D
Was Lang Lang macht, ist mittlerweile einfach nur noch unerträglich. Er ist meiner Meinung nach zurzeit der Pianist, der am meisten überbewertet wird. Er glänzt durch seine Show und seine Grimassen, aber das hat nichts mehr mit Musik zu tun. Seine Aufnahmen sind mittelmäßig bis schlecht, Aufnahmen von Liszts 2.Ungarische Rhapsodie und Don Juan-Paraphrase sind einfach nur furchtbar und grausam, wie er mit diesen Werken umgeht, um sich zu präsentieren, ist nicht mehr schön.
Rachmaninov (29.12.2007, 15:32): Original von YJ Original von Rachmaninov Original von uhlmann ich habs eine zeit geschaut, fand es anfangs noch recht amüsant, aber nach und nach verpuffte die erste wirkung und dann blieb wenig über. eine stimmige interpretation sieht anders aus, vieles ist auf den reinen effekt gespielt (unnötige rubati, manerierte expressivität, usw.).
Und genau das ist das, was ich als "Show" bezeichne! Mir fehlt da der tatsächlich greifbare Interpretationsansatz, den ich über das Gesamtewerk nachvollziehen kann.
ei Skrijabin fehle für mich völlig das Verständnis für seine Musik.
Ist aber meine subjektive Meinung :D
Was Lang Lang macht, ist mittlerweile einfach nur noch unerträglich. Er ist meiner Meinung nach zurzeit der Pianist, der am meisten überbewertet wird. Er glänzt durch seine Show und seine Grimassen, aber das hat nichts mehr mit Musik zu tun. Seine Aufnahmen sind mittelmäßig bis schlecht, Aufnahmen von Liszts 2.Ungarische Rhapsodie und Don Juan-Paraphrase sind einfach nur furchtbar und grausam, wie er mit diesen Werken umgeht, um sich zu präsentieren, ist nicht mehr schön.
@YJ,
sehr treffend formiliert! Interessant, daß auch Du als sein Landsmann dies so empfindest. Leider geht es hier wohl eher um "Kasse machen" als um die Musik!
Mime (29.12.2007, 17:39): Erfolgreiche junge Künstler wie Lang Lang (oder im Sängerinnenbereich Anna Netrebko) bringen zwangsläufig auch eine Menge Neider auf den Plan. Debatten hierüber gibts zur Genüge.
Doch es stellen sich auch Fragen: Wer füllt heute die Opern- und Konzerthäuser? Und: Sind die Besucher alle so unbedarft, dass sie sich für mittelmässige Darbietungen eine Menge Kohle abknöpfen lassen?
Ich glaube, die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Junge Talente werden von den Agenturen zu Superstars hochgejubelt, der Hype beginnt, eine Eigendynamik zu entwickeln, mit der die jungen Künstler oft nicht Schritt halten können.
Gebt Lang Lang und Anderen etwas mehr Zeit zu reifen und Ihr werdet eines Tages grossartige Künstler bewundern können.
:hello
teleton (30.12.2007, 12:02): Gebt Lang Lang und Anderen etwas mehr Zeit zu reifen und Ihr werdet eines Tages grossartige Künstler bewundern können.
Gutes und angemessenes Zitat von Mime.
LangLang kann Klavier spielen, sonst würde er nicht allgemein zu der nichtqualifizierten Aussage einiger Showmaster im TV als "Bester Pianist der Welt" bezeichnet werden.
Auch bei Gottschalks "WETTEN DASS" habe ich diese Aussage schon gehört. Auch dort hatte er seinerzeit eine Showvorstellung gegeben - und er konnte Klavier spielen. :wink Dabei wollen wir es erst einmal belassen. Ich besitze keine CD von LANG LANG. Aber ich bin fern jeglicher Verurteilung des Pianisten LangLang und schließe mich erstmal obigem Zitat (von mime nicht Gottschalk) an.
Rachmaninov (30.12.2007, 12:44): Original von teleton Gebt Lang Lang und Anderen etwas mehr Zeit zu reifen und Ihr werdet eines Tages grossartige Künstler bewundern können.
Gutes und angemessenes Zitat von Mime.
LangLang kann Klavier spielen, sonst würde er nicht allgemein zu der nichtqualifizierten Aussage einiger Showmaster im TV als "Bester Pianist der Welt" bezeichnet werden.
Auch bei Gottschalks "WETTEN DASS" habe ich diese Aussage schon gehört. Auch dort hatte er seinerzeit eine Showvorstellung gegeben - und er konnte Klavier spielen. :wink Dabei wollen wir es erst einmal belassen. Ich besitze keine CD von LANG LANG. Aber ich bin fern jeglicher Verurteilung des Pianisten LangLang und schließe mich erstmal obigem Zitat (von mime nicht Gottschalk) an.
@teleton,
er kann nicht besser spielen als mind. 12 dutzend andere!
uhlmann (30.12.2007, 12:59): niemand (zumindest hier) verurteilt lang lang. dass er klavier spielen kann, ist unbestritten.
die frage, die sich bei solchen gehypten künstlern immer stellt, ist: sind sie wirklich so gut wie die medien-maschinerie uns das glauben lassen möchte? im fall von lang lang: ist er wirklich "der beste pianist der welt"?
bei weitem nicht, würde ich persönlich meinen. er ist ein ganz guter. aber einer, der imo übermaneriertes spiel einer gediegenen interpretation vorzieht. das mag ich nicht so sehr.
große pianisten stellen - bei aller künstlerischen freiheit - ihr spiel in den dienst des werkes. lang lang stellt eher das werk in seinen dienst. soll heißen, er spielt zu viel auf den reinen effekt hin, ohne durchgängige linie, ohne den großen interpretationsansatz. sein spiel wirkt auf mich sehr gekünstelt, irgenwie unnatürlich.
aber klavier spielen kann er zweifelsohne.
YJ (31.12.2007, 16:59): große pianisten stellen - bei aller künstlerischen freiheit - ihr spiel in den dienst des werkes. lang lang stellt eher das werk in seinen dienst. soll heißen, er spielt zu viel auf den reinen effekt hin, ohne durchgängige linie, ohne den großen interpretationsansatz. sein spiel wirkt auf mich sehr gekünstelt, irgenwie unnatürlich.
Sehr schön formuliert, uhlmann, so hätte ich es genauso gesagt.
niemand (zumindest hier) verurteilt lang lang. dass er klavier spielen kann, ist unbestritten. die frage, die sich bei solchen gehypten künstlern immer stellt, ist: sind sie wirklich so gut wie die medien-maschinerie uns das glauben lassen möchte? im fall von lang lang: ist er wirklich "der beste pianist der welt"? bei weitem nicht, würde ich persönlich meinen. er ist ein ganz guter. aber einer, der imo übermaneriertes spiel einer gediegenen interpretation vorzieht. das mag ich nicht so sehr.
Natürlich ist klar, dass Lang Lang Klavier spielen kann, es geht aber eher um die Frage, "wie" er spielt. Die Bezeichnung "der beste Pianist der Welt" ist lächerlich, denn Lang Lang mag zwar eine gute Technik haben, keine Frage, aber das haben andere Pianisten auch, die aber dazu noch musikalisch einiges mehr drauf haben.
er kann nicht besser spielen als mind. 12 dutzend andere! dito :engel
LangLang kann Klavier spielen, sonst würde er nicht allgemein zu der nichtqualifizierten Aussage einiger Showmaster im TV als "Bester Pianist der Welt" bezeichnet werden. Auch bei Gottschalks "WETTEN DASS" habe ich diese Aussage schon gehört. Auch dort hatte er seinerzeit eine Showvorstellung gegeben - und er konnte Klavier spielen. Das mag ja schmeichelnd für Lang Lang sein, aber auf eine Aussage aus dem TV würde ich keinen Wert legen, haben die denn Ahnung von Musik? Für die Medien ist es doch nur seine Show, die ihm zum "besten Pianisten" macht.
Ich besitze keine CD von LANG LANG. Aber ich bin fern jeglicher Verurteilung des Pianisten LangLang und schließe mich erstmal obigem Zitat (von mime nicht Gottschalk) an. Da hast du natürlich Recht, aber ich denke, dass jeder von uns hier, der Kritik ausübt, sich zumindest schon einmal eine Aufnahme von ihm gehört bzw. gesehen hat.
Erfolgreiche junge Künstler wie Lang Lang (oder im Sängerinnenbereich Anna Netrebko) bringen zwangsläufig auch eine Menge Neider auf den Plan. Man ist denke ich eher neidisch auf seine erfolgreiche Karriere als wie auf sein Spiel, oder? :P
Sind die Besucher alle so unbedarft, dass sie sich für mittelmässige Darbietungen eine Menge Kohle abknöpfen lassen? Das hast du Recht. Die Besucher wollen zufrieden sein mit dem Konzert sein und bezahlen dementsprechend auch gut, aber das ist das Problem. Einige Gäste haben nicht wirklich Ahnung von Musik, für sie ist ein Konzert ist toll, wenn es aufregend und lebhaft ist und diese Aspekte erfüllt Lang Lang sehr gut. Auf die wahre Musik wird oft nicht mehr eingegangen, weil das Publikum sie (vielleicht auch unbewusst) gar nicht mehr will.
Ich glaube, die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Junge Talente werden von den Agenturen zu Superstars hochgejubelt, der Hype beginnt, eine Eigendynamik zu entwickeln, mit der die jungen Künstler oft nicht Schritt halten können. Da stimme ich zu, es geht mittlerweile viel zu oft nur noch um das Geld, der Druck ist einfach zu hoch.
Gebt Lang Lang und Anderen etwas mehr Zeit zu reifen und Ihr werdet eines Tages grossartige Künstler bewundern können. Lang Lang kann meiner Meinung nach nur reifen, wenn er sich endlich mal mit seiner Musik beschäftigen würde, anstatt weiter seine Show auf der Bühne abzuziehen. Sicher ist er dadurch sehr beliebt und das Publikum ist begeistert (allerdings verstehe ich bis heute nicht warum), aber wenn er sich nicht bald ändert, wird er (zumindest bei mir) den Status eines ernstzunehmenden Pianisten verlieren.
sehr treffend formiliert! Interessant, daß auch Du als sein Landsmann dies so empfindest. Leider geht es hier wohl eher um "Kasse machen" als um die Musik! Ich habe kein Problem damit, so über ihn zu denken, auch nicht als Landsmann :D Aber es ist manchmal echt schlimm, mit was für Assoziationen die Zuhörer kommen. Wenn zum Beispiel nach einem Konzert Leute aus dem Publikum kommen und mir sagen, dass du genauso toll wie Lang Lang spielst, dann muss ich einfach nur den Kopf schütteln. Ich finde es entsetzlich, dass solche Leute einfach keine Ahnung haben. In China ist es aber noch schlimmer: sobald jemand gut spielt, wird er mit Lang Lang verglichen, einfach nur übel! Dass wir auch andere gute Pianisten wie z.B. Li Yundi haben, wird einfach vergessen oder ignoriert, einfach nur traurig.
Rachmaninov (31.12.2007, 19:08): Original von YJ
Lang Lang kann meiner Meinung nach nur reifen, wenn er sich endlich mal mit seiner Musik beschäftigen würde, anstatt weiter seine Show auf der Bühne abzuziehen. Sicher ist er dadurch sehr beliebt und das Publikum ist begeistert (allerdings verstehe ich bis heute nicht warum), aber wenn er sich nicht bald ändert, wird er (zumindest bei mir) den Status eines ernstzunehmenden Pianisten verlieren.
In der Tat wirkt nichts wirklich gereift. Man höre seine Rachmaninov Aufnahme. Wollte oder konnte Gergiev hier nicht mehr rausholen? Wollte Gergiev das gar SO?
wir auch andere gute Pianisten wie z.B. Li Yundi haben, wird einfach vergessen oder ignoriert, einfach nur traurig.
Derartige Reduzierungen sind aber all zu üblich....
YJ (31.12.2007, 20:14): Derartige Reduzierungen sind aber all zu üblich.... Das stimmt schon, aber gerade in China gibt es eigentlich eher nicht so viele Musiker, die sehr erfolgreich im Ausland sind. Und da Li Yundi Chopin gewonnen hat, verstehe ich erst Recht nicht, warum er in seiner Heimat relativ unbekannt ist, wogegen man Lang Lang dort schon so etwas wie ein "Klavier-Popstar" bezeichnen kann... :B
EDIT: Und das Schlimme ist, dass die ganzen ehrgeizigen Mütter ihre Kinder so pushen und trimmen, wie Lang Lang zu werden und zu spielen, es ist DAS Vorbild in der Musik schlechthin.
Pollux (01.01.2008, 16:22): Ich sehe schon, die Gratis-Lieblingsbeschäftigung der Klassikexperten auch in 2008: Lang Lang Bashing. Da kann fröhlich jeder mitmachen, da klopfen sich alle zustimmend auf die Schulter, das ist wie Gesinnungskabarett. Sag mir, wie du zu Lang Lang stehst und ich sage dir, wer du bist.
Klar, einer, der beim Spielen solche Grimassen schneidet und damit auch noch zum Pop Star wird, kann es mit der Musik ja wohl nicht ganz ernst meinen, der will nur Effekt machen. Und bitte: ein Chinese(!), der in USA(!!) studiert hat. Wird schon sowas sein. Virtuosengedonner halt, man kennt das, sind ja artistisch sehr begabt, diese Asiaten. Wenn er nur etwas griesgrämiger aus der Wäsche guckte, würde sein Klavierspiel doch gleich ganz anders klingen, oder? Hätte er sich mal an der Frau Uchida orientiert. Die hat den ernsthafte-Künstler-müssen-leiden-Blick voll drauf! Lang Lang aber: auf ewig dazu verdammt, von den Connaisseurs als Klassik-Gaudibursch verachtet zu werden. Die Leute, die ihm in den Konzertsäälen die Bude einrennen, sind sicher alle nur Geldsäcke ohne Geschmack und ohne Ahnung, völlig klar. Und der Christoph Eschenbach muss doch echt was an den Ohren haben, dass er den Lang Lang unverdrossen fördert. Wo es doch 12 Dutzend mindestens so gute lebende Pianisten gibt. Ach ja, kann mal jemand die Liste dieser 144 Pianisten posten?
Wie ganz anders ist doch z.B. der Brendel. Gut, der schneidet auch Grimassen, aber bei IHM ist das selbstverständlich Ausdruck tiefster Empfindung und selbstvergessener Reflexion. Ist der Mann nicht Österreicher? Das MUSS Kunst sein. Auch wenn sein Mozart zu Tode langweilt, Kunst bleibt Kunst, da helfen keine Pillen.
Gerne würde ich alle Lang Lang Kritiker mal zu einem blinden Vergleichshören einladen, ohne zu wissen was gespielt wird und von wem. Auf das Ergebnis wäre ich wirklich gespannt.
Rachmaninov (01.01.2008, 17:46): Original von Pollux
Gerne würde ich alle Lang Lang Kritiker mal zu einem blinden Vergleichshören einladen, ohne zu wissen was gespielt wird und von wem. Auf das Ergebnis wäre ich wirklich gespannt.
Seinen Scriabin fand ich schreklich BEVOR ich wußte das es Lang Lang ist den ich da höre!
satie (01.01.2008, 18:04): Mein lieber Pollux, erst mal Prost Neujahr. Wie wir sehen können, ist Dir Deine Art des Polemisierens nicht abhanden gekommen. Will uns nun die Polemik sagen, dass Du Lang Lang gerne magst? Ich frage, weil man bei Polemiken nie so ganz sicher sein kann, ob sie nur einen Spiegel vorhalten wollen oder tatsächlich Ausdruck einer Gegenmeinung sind.
Bei Lang Lang wird es sein wie bei praktisch allen: manches spielt er gut, manches nicht, und wegen seiner Vermarktung und seiner Selbstdarstellung will ihn keiner mögen.
Dass chinesische Pianisten Weltformat haben können zeigt uns zum Beispiel Fou Ts'ong. Das ist allerdings schon was anderes als Lang Lang, auch Uchida (die ist Japanerin, also ohnehin ein ganz anderer Menschenschlag, um mal bei den Clichés zu bleiben) hat Qualitäten, die ich bei einem Lang Lang nicht höre.
Dennoch: beim Blindtest mag es durchaus sein, dass Lang Lang besser abschneiden würde (ungefähr so, wie beim Biertest vor einigen Jahren die Experten das alkoholfreie nicht vom normalen unterscheiden konnten). Selbst der Chef von Coca-Cola war unfähig, light von normal, entcoffeiniert von normal etc. zu unterscheiden. Allerdings: die Cherry-Coke hat er herausgeschmeckt. Bei Lang Lang könnte vielleicht ähnliches passieren...
Was mich an Lang Lang aber viel mehr stört, ist der Umgang mit chinesischer traditioneller Musik. Das ist meiner Ansicht nach nahe am Verrat. Aber nun gut, Globalisierungsopfer haben wir überall. Wenn Lang Lang die Stücke spielt, die zu ihm passen, sehe ich kein Problem. Liszt passt eigentlich gut zu ihm, auch Tschaikowskis ewiger B-Moll-Schinken ist eigentlich ebenfalls was für ihn. Warum aber muss so einer Mozart, Haydn und Beethoven spielen? Die Optik ist mir da relativ egal (übrigens kommt sein Haarschnitt aus der populären Korea-Mode, die gegenwärtig viele junge Chinesen ergreift). Ob Universal ihn da auch noch "beraten" hat weiß ich nicht, ist mir auch Schnuppe. Übrigens: schau Dir mal unseren Brendel-Thread an, dann weißt Du, wie viele hier den Österreicher-Bonus für angemessen halten. Beim Superlativ "bester Pianist der Welt" haben sich viele bei Pollini ebenso aufgeregt wie bei Lang Lang. Aber gut, vielleicht kann man ja Chinesen und Italiener in den selben Topf werfen. Da loben wir uns doch unseren deutschen Swjatoslaw Richter, unsere deutsche Martha Argerich, den Österreicher Vladimir Horowitz und seinen Landsmann Solomon. Das ist dann eben der Garant für die große Kunst. Wetten dass? Ach du lieber Konstantin, mir gehts auf den Wecker...
Es ist eine Tatsache, dass junge Musiker von einem Multi wie Universal gnadenlos vermarktet werden, gnadenlos getrimmt werden auf ein ganz bestimmtes Image (warum denn sonst sehen alle jungen Musiker aus wie Fotomodels?). Da stehen die Verkaufszahlen im Vordergrund. Die alte Garde hat es da leichter, die haben sich zu anderen Zeiten etabliert. Ich lasse Lang Lang gerne den Superstar sein, wünsche mir nur, dass er trotzdem noch irgendwann einen tieferen Zugang zur Musik findet. Bis dahin hätte ich ihn gerne mit Stücken, die seinen momentanen Zugang vertragen und die dadurch nicht vergewaltigt werden.
S A T I E
YJ (01.01.2008, 20:41): Klar, einer, der beim Spielen solche Grimassen schneidet und damit auch noch zum Pop Star wird, kann es mit der Musik ja wohl nicht ganz ernst meinen, der will nur Effekt machen. Eigentlich bin ich dieser Meinung, ja.
Virtuosengedonner halt, man kennt das, sind ja artistisch sehr begabt, diese Asiaten. Bei Lang Lang stimmt das doch auch, oder bist du da anderer Meinung?
Wenn er nur etwas griesgrämiger aus der Wäsche guckte, würde sein Klavierspiel doch gleich ganz anders klingen, oder? Hätte er sich mal an der Frau Uchida orientiert. Die hat den ernsthafte-Künstler-müssen-leiden-Blick voll drauf! Lang Lang aber: auf ewig dazu verdammt, von den Connaisseurs als Klassik-Gaudibursch verachtet zu werden.Wenn er nur etwas griesgrämiger aus der Wäsche guckte, würde sein Klavierspiel doch gleich ganz anders klingen, oder? Hätte er sich mal an der Frau Uchida orientiert. Die hat den ernsthafte-Künstler-müssen-leiden-Blick voll drauf! Lang Lang aber: auf ewig dazu verdammt, von den Connaisseurs als Klassik-Gaudibursch verachtet zu werden. Es sind doch nicht seine Grimassen, die für sein schlechtes Spielen verantwortlich ist, sie verstärken nur diesen Effekt.
Wie ganz anders ist doch z.B. der Brendel. Gut, der schneidet auch Grimassen, aber bei IHM ist das selbstverständlich Ausdruck tiefster Empfindung und selbstvergessener Reflexion. Ist der Mann nicht Österreicher? Das MUSS Kunst sein. Auch wenn sein Mozart zu Tode langweilt, Kunst bleibt Kunst, da helfen keine Pillen. Was hat das bitte mit Österreich zu tun? ?(
Gerne würde ich alle Lang Lang Kritiker mal zu einem blinden Vergleichshören einladen, ohne zu wissen was gespielt wird und von wem. Auf das Ergebnis wäre ich wirklich gespannt. Da würde ich sehr gerne mitmachen, hätte keine Probleme damit :P
Bei Lang Lang wird es sein wie bei praktisch allen: manches spielt er gut, manches nicht, und wegen seiner Vermarktung und seiner Selbstdarstellung will ihn keiner mögen. Gegen seine Vermarktung hätte ich auch nichts, wenn dahinter eine entsprechende Qualität steht.
Dennoch: beim Blindtest mag es durchaus sein, dass Lang Lang besser abschneiden würde (ungefähr so, wie beim Biertest vor einigen Jahren die Experten das alkoholfreie nicht vom normalen unterscheiden konnten). Das stimmt schon, aber auch nur im geringen Maße. Man wird auch ohne sein Bild eine schlechte Aufnahme erkennen, mit Gesicht und Grimassen wirkt es nur noch schlimmer.
Wenn Lang Lang die Stücke spielt, die zu ihm passen, sehe ich kein Problem. Liszt passt eigentlich gut zu ihm, auch Tschaikowskis ewiger B-Moll-Schinken ist eigentlich ebenfalls was für ihn. Warum aber muss so einer Mozart, Haydn und Beethoven spielen? Zu Liszt fand ich "Don Juan" wirklich nicht schlecht, auch wenn ich nicht viel mit dem Stück anfangen kann, aber die 2.Ungarische ist nur noch eine absolute Schande und Vergewaltigung.
Gamaheh (02.01.2008, 00:19): Liebe Forenser,
erst einmal "Prosit Neujahr!", bevor es wieder vorbei ist (oder: "Darauf einen Underberg!" (auf Lang Lang)).
Warum diskutieren wir den hier eigentlich: Es gibt doch sicherlich auch irgendwo ein Zirkus-Forum.
Ich meine das jetzt gar nicht abwertend, aber es steht doch wohl außer Frage, daß die Leute sich Lang Lang angucken gehen, nicht weil sie Musik hören wollen, sondern weil sie einem Selbstdarstellungsakt der akrobatischen Art beizuwohnen hoffen. Daher ist sein Publikum ja auch ein ganz anderes als bei dem durchschnittlichen klassischen Konzert. Es erinnert mich alles unwiderstehlich an den Brief Milos an seine Freundin Pipi, den E.T.A. Hoffmann in den Kreisleriana wiedergibt, wo es heißt:
„Du kennst, meine Süße, die etwas länglichen Finger, welche mir die Natur verliehen; mit denen spanne ich nun Quartdezimen, ja zwei Oktaven, und dies, nebst einer enormen Fertigkeit, die Finger zu bewegen und zu rühren, ist das ganze Geheimnis des Fortepianospiels. In kurzer Zeit habe ich es so weit gebracht, daß ich mit beiden Händen in zweiunddreißig – vierundsechzig – einhundertachtundzwanzig – Teilen ohne Anstoß auf und ab laufe, mit allen Fingern gleich gute Triller schlage, drei, vier Oktaven herauf und herab springe, wie ehemals von einem Baum zum andern, und bin hiernach der größte Virtuos, den es geben kann.“
Die Ergüsse Lang Langs über sich selbst, die anscheinend in seinen Programmheften abgedruckt werden, waren in einem anderen Forum wiedergegeben, das leider nicht mehr existiert, daher kann ich auch nicht darauf verweisen. Milo schreibt über sein Genie:
„Gänzliche Verachtung alles Bestrebens anderer; die Überzeugung, alle, die gern schweigen und nur im stillen schaffen, ohne davon zu sprechen, weit, weit zu übersehen; die höchste Selbstzufriedenheit mit allem, was nun so ohne alle Anstrengung die eigene Kraft hervorruft: das alles sind untrügliche Zeichen des höchstkultivierten Genies, und wohl mir, daß ich das alles täglich, ja stündlich, an mir bemerke“, und zeichnet: „Milo, ehemals Affe, jetzt privatisierender Künstler und Gelehrter“
Auch die Geschichte von Klein Zaches gehört in den Zusammenhang! Hoffmanns Geschichten werden oft für fantastisch gehalten, aber wie sehr sie aus dem Leben gegriffen sind, beginnt man zu ahnen, wenn man folgendes liest:
„Lehrmeister aus dem Fernen Osten: Lang Lang (23) Schließlich ging die Tür auf. Staatsrat Roland Salchow verkündete: "In 30 Sekunden geht es los." Ein Raunen ging durch den Saal. Und dann kam Lang Lang höchstselbst durch die Tür. Der Staatsrat half ihm aus dem Mantel, und Volker Banfield begrüßte ihn respektvoll.“ (Hamburger Abendblatt, 8.2.06) Ein Staatsrat der Freien und Hansestadt kommt extra zur Musikhochschule, um einem 23jährigen Parvenü aus dem Mantel zu helfen!
Melancholische Grüße, Gamaheh
Jeremias (03.01.2008, 13:49): Ich habe ihn einmal live gesehen und das hat mir vollkommen gereicht. Sicher, er schafft es die Jugend für Klassik zu begeistern. Das ist gut und das ist wichtig! Sicher, seine Technik ist beneidenswert! ABER: Musikalisch versagt er bei den "einfachsten" Stücken! Ich habe ihn seinerzeit mit den Intermezzi op.118 von Brahms gehört. Wenn es wirklich darum geht, durch Interpretation zu brillieren, dann fällt er durch. Und ich glaube auch nicht, dass sich das bei ihm noch ändern wird!
satie (03.01.2008, 14:13): Lieber Jeremias, da gebe ich Dir vollkommen recht! Technik und Brillanz sind eine Sache. Ich bewundere jene Pianisten, die fähig sind, aus den technisch einfachen Stücken etwas herauszuholen. Es ist traurig, dass das so selten bei den gängigen Auswahlverfahren (insbesondere Wettbewerben) berücksichtigt wird. Immer geht es in erster Linie um Bravourstücke oder zumindest solche, wo primär ein gewisser technischer Anspruch befriedigt werden muss. Gut, die Auswahlverfahren sind keineswegs objektiv: es hat sehr viel mit Beziehungen zu tun, was eine weitere traurige Tatsache in diesem Betrieb ist. Wäre doch mancher Juror etwas mehr wie der Zen-Meister aus der berühmten Geschichte: Ein Zen-Meister und sein Schüler gingen in die Stadt. Dort bemerkten sie einen Flötenspieler, der immer nur einen einzigen Ton spielte. Der Schüler:"Meister, was soll das? Dieser Mann spielt ja immer nur einen Ton." Der Meister:"Er hat seinen Ton gefunden."
ab (04.01.2008, 13:42): Original von Satie Wäre doch mancher Juror etwas mehr wie der Zen-Meister aus der berühmten Geschichte: Ein Zen-Meister und sein Schüler gingen in die Stadt. Dort bemerkten sie einen Flötenspieler, der immer nur einen einzigen Ton spielte. Der Schüler:"Meister, was soll das? Dieser Mann spielt ja immer nur einen Ton." Der Meister:"Er hat seinen Ton gefunden."
Wäre doch auch mancher Klassik-Hörer ebenso!
Hier lese ich immer, was an ihm schlecht sei: er scheitere musikalisch an den einfachsten Werken etc.
Was ich hier leider nicht lese, ist, was er sehr gut macht. Was ist denn das? Gebt euch doch einmal die Mühe und versucht, Lobenswertes zu finden!
(Ich persönlich - ohne mir deshalb eine Aufnahme kaufen zu wollen - finde sein Farbspektrum derzeit ziemlich einzigartig, seinen Ton sehr spezifisch mir hohem Wiedererkennungswert und seine harmonische Klangfüllabstimmung geradezu singulär! Technisch kann er alles machen, was er zum Ausdruck bringen will. Wer will es ihm übel nehmen, dass er "seinen Ton" gefunden hat?!)
Er spielt die Musik so, wie sie derzeit (popgemäß) zeitgemäß ist, das kenne ich sonst nur noch auf hohem Niveau von Nigel Kenndedy, exemplarisch etwa bei seinem Vivaldi mit den Berlinern nachzuhören. Jeder Zeit ihre Interprertationen! Warum immer bloß Koservativismus? Damit wäre doch Fortschritt und jede Weiterentwicklung unmöglich!
Rachmaninov (04.01.2008, 13:51): Original von ab Was ich hier leider nicht lese, ist, was er sehr gut macht. Was ist denn das? Gebt euch doch einmal die Mühe und versucht, Lobenswertes zu finden!
Marketing! :ignore
(Ich persönlich - ohne mir deshalb eine Aufnahme kaufen zu wollen - finde sein Farbspektrum derzeit ziemlich einzigartig, seinen Ton sehr spezifisch mir hohem Wiedererkennungswert und seine harmonische Klangfüllabstimmung geradezu singulär! Technisch kann er alles machen, was er zum Ausdruck bringen will.
Findest Du? Was hat er denn bisher eingespielt was ihn technisch so grandios erscheinen läßt?
Er spielt die Musik so, wie sie derzeit (popgemäß) zeitgemäß ist, das kenne ich sonst nur noch auf hohem Niveau von Nigel Kenndedy, exemplarisch etwa bei seinem Vivaldi mit den Berlinern nachzuhören. Jeder Zeit ihre Interprertationen! Warum immer bloß Koservativismus? Damit wäre doch Fortschritt und jede Weiterentwicklung unmöglich!
Okay, lassen wir das als Theses / Argument stehen! Was leiten wir aus N. Kennedy als Entwicklung ab?
Zelenka (04.01.2008, 14:50): Ich besitze keine einzige CD von ihm, aber ich kann ab hier nur zustimmen: Man sollte sich vielleicht in bisschen mehr Muehe geben, auch das Positive an Lang Lang zu entdecken. 2004 verstand Martha Argerich noch nicht, warum Lang Lang in den U.S.A. Erfolg hatte, letztes Jahr im Sommer spielte sie vierhaendig mit ihm beim Festival von Verbier (dazu hier eine begeisterte Rezension mit der Hoffnung des Rezensenten, die beiden moechten doch auf Tour gehen ...).
Gruss, Zelenka
Rachmaninov (04.01.2008, 14:58): Original von Zelenka Ich besitze keine einzige CD von ihm, aber ich kann ab hier nur zustimmen: Man sollte sich vielleicht in bisschen mehr Muehe geben, auch das Positive an Lang Lang zu entdecken. 2004 verstand Martha Argerich noch nicht, warum Lang Lang in den U.S.A. Erfolg hatte, letztes Jahr im Sommer spielte sie vierhaendig mit ihm beim Festival von Verbier (dazu hier eine begeisterte Rezension mit der Hoffnung des Rezensenten, die beiden moechten doch auf Tour gehen ...).
Gruss, Zelenka
Frau Argerich spielt mitlerweile mit "Gott und der Welt" immer irgendwo und sie spielt auch für die DG ein und ist sicherlich eine Ikone, auch aus marketing technischer Sicht!
Zelenka (04.01.2008, 15:09): Original von Rachmaninov Original von Zelenka Ich besitze keine einzige CD von ihm, aber ich kann ab hier nur zustimmen: Man sollte sich vielleicht in bisschen mehr Muehe geben, auch das Positive an Lang Lang zu entdecken. 2004 verstand Martha Argerich noch nicht, warum Lang Lang in den U.S.A. Erfolg hatte, letztes Jahr im Sommer spielte sie vierhaendig mit ihm beim Festival von Verbier (dazu hier eine begeisterte Rezension mit der Hoffnung des Rezensenten, die beiden moechten doch auf Tour gehen ...).
Gruss, Zelenka
Frau Argerich spielt mitlerweile mit "Gott und der Welt" immer irgendwo und sie spielt auch für die DG ein und ist sicherlich eine Ikone, auch aus marketing technischer Sicht!
Mag sein, aber vielleicht sollte man der Argerich nicht unterstellen, dass sie sich den PR-Managern unterwirft. Sie hat das schon lange nicht mehr noetig.
Gruss, Zelenka
satie (04.01.2008, 18:22): Er spielt die Musik so, wie sie derzeit (popgemäß) zeitgemäß ist, das kenne ich sonst nur noch auf hohem Niveau von Nigel Kenndedy, exemplarisch etwa bei seinem Vivaldi mit den Berlinern nachzuhören. Jeder Zeit ihre Interprertationen! Warum immer bloß Koservativismus? Damit wäre doch Fortschritt und jede Weiterentwicklung unmöglich!
Lieber ab, wenn wir auch ähnliches schon sehr oft diskutiert haben, so muss es wohl auch hier wieder einmal sein. Gerade der Vergleich mit Kennedy fordert eine Kontroverse ja geradezu heraus. Allerdings habe ich an Kennedy musikalisch nicht ganz so viel auszusetzen, bei ihm kann ich nur nicht leiden, dass ich mir zur Laser-Show den fettigen Irokesenwuschel und die wahrscheinlich aus einem badezimmerteppich gefertigte Toga anschauen muss. Warum mich das stört? Weil es genau wie im Pop immer mehr weg führt von der Musik hin zu einem Multimedia-Spektakel mit Ikonisierung der Protagonisten. Dass sich das gut verkauft ist mir schon klar. Bei Lang Lang hätte ich wahrscheinlich weniger Probleme, wenn er in Richard-Clayderman-Manier alles verpoppen und alles nur superkuschlig mollig dahinplätschern würde. Scheinbar will er ja aber beides, diese modische Coolness und gleichzeitig eben doch einen gewissen Anspruch an die Musik erfüllen. Nur weil ich das nicht mag, muss ich nicht konservativ sein. Im Gegensatz zu Dir scheint mir wichtig zu sein, was adäquat ist und was nicht (obwohl man sich hierüber sicher streiten kann). Bei Vivaldi finde ich fiepsige Flageolett-Ponticello-Impros, die stilistisch null und nichts mit dem folgenden Stück zu tun haben einfach blöd. Würde wenigstens eine Synthese entstehen, ok, aber das ist genauso passend, als ob Kennedy in guter Ozzy Osborne Manier noch eben schnell einer Fledermaus bei lebendigem Leib den Kopf abbeisst, bevor man dann, als wäre nichts gewesen, den Frühling anstimmt, den man dann überhaupt nicht revolutionär interpretiert. Ich gebe sogar zu, dass es bei Lang Lang viel schwieriger ist, den Stein des Anstoßes zu bestimmen, da man nach etwas subtileren Dingen suchen muss. Seine CD Dragon Songs, die sich erdreistet, von sich zu behaupten "chinesische Musik" zu enthalten, zeigt nichts weiter als die argen Folgen der maoistischen Kulturzerstörung. Völlig unbedarftes pentatonisches Gedudel mit einer Orchestration a la billigem Woolworth-Tschaikowsky finde ich gelinde gesagt zum Kotzen. Hier lohnt es sich schon gar nicht, noch auf die einzelnen Tracks einzugehen. Das ist Marketing in seiner schädlichsten Form: diesem Pianisten müssen wir es ja abnehmen, dass er sich mit chinesischer Musik auskennt, hatte er doch in der Carnegie-Hall schon mit seinem lieben Erhu-spielenden Papa gezeigt, welch tiefe Wurzeln er als familienliebender Chinese hat. Ich freue michschon auf die vielen Schüler-Aufsätze, die von der schönen chinesischen Klaviermusik handeln und wahrscheinlich auch noch davon erzählen, wie einst die Missionare den Steinway aus dem fernen China mitbrachten.
Mozart: Klaviersonate Nr. 10 KV 330 aus der CD "Memory" (schon der Titel des Albums ist Dreck): nie habe ich etwas lang-lang-weiligeres gehört. Was soll ich daran loben? Den Mut, das dynamisch dermaßen flach zu spielen? Oder wirst Du jetzt wieder wie üblich das "Ebenmaß" loben? Soll ich vielleicht hier die Unfähigkeit, außer Legato und Staccato noch etwas anderes zu zeigen als "Mut zum Kontrast" umdeuten?
Auf der selben CD sind auch die Kinderszenen von Schumann drauf. Hier könnte man wohlwollend noch das erste Stück "Von fremden Ländern und Menschen" als bewusst ebenmäßig dahingleitend verstehen (Schumanns flottes Tempo wird auch sonst oft genug von den Pianisten ignoriert). Das völlig vernuschelt und verhaspelte "Hasche-Mann" hingegen ist meiner Ansicht nach nicht würdig, auf CD gepresst zu werden. Hier sollte ein brillanter Techniker wenigstens zeigen, dass er einer ist und nicht nur so schnell spielen, dass er offenbar nicht mehr artikulieren kann. Die Rubati beim "Bittenden Kind" sind wie so oft bei Lang Lang nicht wirklich verständlich, mir scheinen sie oft beliebig, hat man halt so gelernt. Aber natürlich smooooooooooooth! "Wichtige Begebenheit": hier scheint Lang Lang nicht einmal zu wissen, wie er artikulieren will. Alles legato mit viel Pedal oder doch mal hin und wieder staccato? Dann scheint ihm zu anstrengend, den ganzen Mittelteil Fortissimo durchzuhalten, daher sackt es einfach in der Mitte zusammen, und am Schluss ein derart ausgedehntes Ritardando, dass die Wichtigkeit dieser Begebenheit zur Behäbigen Wichtigtuerei gerät. Die Träumerei spielt er auch nicht schlechter als die meisten anderen, die ebenfalls das schnelle Tempo ignorieren, welches Schumann offenbar vorschwebte. Dann ist mir aber doch ein Horowitz lieber, der das richtig schmalzig spielt. Aber ich weiß, das ist eben jenes besonders reife "Ebenmaß"... Um nicht unnötig weiter ins Detail zu gehen: grundsätzlich scheint Lang Lang das Gefühl zu haben, die Kinderszenen seien einfach nur eine Oberstimme und ein bisschen Gedudel in der linken Hand dazu. Dass das eine polyphone Schreibweise (fast durchgängig) ist, scheint ihm völlig entgangen zu sein. Ich sehe jedenfalls nicht, was ich an einer drögen, mitunter kaum zu hörenden linken Hand noch positiv bewerten soll, und kantabel spielen können viele, die auch noch etwas mehr bieten. Da ist kein Humor in der Interpretation, noch nicht einmal adäquates Spiel. Aber es klingt chic, weil "delikat" angeschlagen wird, kann man prima zur morgendlichen Yoga-Übung hören oder im Hintergrund zum Kaffeeklatsch. Das ist vielleicht das positive daran? Dass die Musik uns nicht ablenkt von anderen Tätigkeiten? Dass man dabei zusätzlich das Radio noch anhaben kann (die Oberstimmen hört man ja auch so noch, und der Rest ist unwichtig)? Nein, ich passe. Da bin ich lieber konservativ und höre mir Aufnahmen an, die die Musik noch ernst nehmen. Vielleicht werde ich irgendwann erwachsen und lerne, den Wert von stylischen Gelfrisuren aus Korea und von Designer-Leder-Sakkos über diese furchtbar reaktionäre Beachtung des Notentextes zu stellen.
S A T I E
Little_Swan (04.01.2008, 21:46): Dem einen mag Lang Lang sympathisch erscheinen, dem anderen weniger bzw. gar nicht. Manche finden seine Musik gigantisch, andere nicht. Mal abgesehen von wirklich objektiven Mermalen eines guten Pianisten (Technik, etc.), ist so ein Eindruck also vollkommen subjektiv.
Es wächst gerade eine neue Generation von Musikern heran, die versucht, aus manchen Prinzipien auszubrechen. Das mag bei Fällen wie diesem zum Teil durchaus unangebracht und übertrieben sein. Zwar finde ich es gut, ein Stück weit revolutionär zu sein und zu sagen: "In einem Anzug fühle ich mich verkleidet. Ich möchte lieber in etwas spielen, das mir selbst mehr gefällt und in dem ich mich beim Spielen uneingeschränkt bewegen kann." Nun könnte man einfach ein schlichtes schwarzes Hemd wählen, das würde ein halbwegs vernünftiger Mensch tun. Lang Lang gefällt sich wohl mit Wischmoppfrisur und einem T-Shirt, das aussieht, als hätte er schon drei Nächte darin geschlafen, besser. So ein Fortschritt bringt niemanden weiter. Wenn es so weit kommt, ist es wahrscheinlich besser, konservativ zu bleiben. Wem so etwas besser gefällt, kann sich ohne Probleme Bill Kaulitz (Tokio Hotel) anschließen, sollte sich aber einer solchen Welt eher fernhalten.
Lang ist meiner Meinung nach überzüchtet, niemand, auch nicht die größten Wunderkinder, sind zu solchen Sachen geboren. Üben, üben, üben. Wann, wenn überhaupt, konnte und kann er ein Mensch sein? Durfte er sich jemals wie ein Kind benehmen? Einfach mal rausgehen, mit Freunden kicken gehen, glücklich sein? Wahrscheinlich nicht, sonst würde er nämlich jetzt nicht versuchen, es nachzuholen und sich wie ein albernes Teenie-Idol zu benehmen. Um zu dem schönen Zitat mit dem Zen-Meister zurückzukommen: Er hätte Zeit gebraucht, um sich zu finden, seinen Ton zu finden. Wenn er sich mehr Zeit genommen hätte, um die Musik lieben zu lernen, aber auch andere Sachen auszuprobieren, dann wäre er niemals zu dem geworden, was er jetzt ist. So etwas kann man eigentlich nur traurig finden.
Glaubt ihr, dass irgendjemand sich in 20 Jahren an ihn erinnern wird? Sicherlich nicht. Er ist ein Sternchen, kein Star, einer unter vielen, aber wenn er das irgendwann mal begreift, ist es vielleicht schon zu spät.
@ Satie: Danke für den wundervollen Artikel. Habe selten so gelacht, v.a. über die durchaus treffende Beschreibung Nigel Kennedys.
Alles Liebe, Lea
Pollux (05.01.2008, 12:34): Mh, meine kleine Polemik weiter oben ist tatsächlich nur ganz milde überzeichnet. Die Ressentiments Lang Lang gegenüber haben in den meisten Fällen ganz offenkundig außermusikalische Gründe. Da wird dann selbst vor Martha Argerich nicht Halt gemacht, nur damit die eigene zementierte Position aufrecht gehalten werden kann. Und selbst da, wo musikalisch begründete Kritik vorgebracht wird, fällt diese durchweg schärfer aus, als bei anderen Pianisten. Einer wie Lang lang interpretiert nicht, der dudelt bloß.
Ich selber habe keine Lang Lang CDs, bin auch kein Fan und kann einiges der musikalischen Kritik auch nachvollziehen. Ich habe zwei oder drei Konzerte mit lang Lang im Fernsehen gesehen (und fand seinen Beethoven gar nicht übel), nebst einigen Kurzauftritten. Auch wenn ich ja nur ein stinknormaler Musikliebhaber bin, und nicht über so spitze Ohren verfüge wie die Experten hier, muss ich doch sagen, sooo schlecht wie der Junge gemacht wird, ist er bestimmt nicht. Selbst einschlägig bekannte CD-Rezensenten, das Messer allzeit gewetzt im Gewande führend, lassen mehr Fairness walten und haben kein Problem damit, musikalische Qualitäten in Lang Langs Interpretationen zu erkennen und zu benennen.
Erstaunlich auch, dass Dinge wie Haartracht, Klamotten und Gehabe einige Klassikfans mehr beschäftigen, als die für sowas zuständige Boulevardpresse.
Gruß, Pollux
ab (05.01.2008, 19:06): Original von Satie Nein, ich passe. Da bin ich lieber konservativ und höre mir Aufnahmen an, die die Musik noch ernst nehmen. Vielleicht werde ich irgendwann erwachsen und lerne, den Wert von stylischen Gelfrisuren aus Korea und von Designer-Leder-Sakkos über diese furchtbar reaktionäre Beachtung des Notentextes zu stellen.
Lieber Satie,
schön, dass Du für Dich Gründe hast, Lang Lang nicht beachten zu wollen! Mich überzeugen Deine Ausführungen und ich kann Deine Entscheidung gut nachvollziehen; auch wen ich sie für mich nicht als hinreichend ansehen, ihn deshalb zu verdonnern. (Aber ein Mozart ASMutters oder Interpretationen von Afanassiev bin ich genauso wenig prinzipiell abgeneigt wie Bach-Klavierkonzerte von Stadtfeld oder (höchstwahrscheinlich) das WKT von Koroliov, oder dem House-Music-Drive der Mozart Klaviersonaten des ganz späten Gulda bei Paradise Records).
Mir ist noch eingefallen, Lang Langs unglaubliche Bühnenpräsenz (vergleichbar wohl noch mit Vengerov) zu rühmen und neben dem wunderbaren Klagfarbenreichtum noch zu würdigen, dass er es versteht, Spannung aufzubauen und zu halten. Bei ihm gibt es auch in rasendem Tempo keinerlei technische, dynamische oder klangliche Einbußen.
Ich sehe übrigens die genannte Gefahr, die neuen Hörerschichten durch Show von der Musik abzulenken, überhaupt nicht: ohne viel Hörerfahrung kann man eh (noch) nicht den musikalischen Entwicklungen folgen...
satie (05.01.2008, 20:06): Original von ab Ich sehe übrigens die genannte Gefahr, die neuen Hörerschichten durch Show von der Musik abzulenken, überhaupt nicht: ohne viel Hörerfahrung kann man eh (noch) nicht den musikalischen Entwicklungen folgen...
Lieber ab, ich sehe die Gefahr darin, dass durch die Show der Gedanke an die Möglichkeit, sich den musikalischen Entwicklungen hörend zu öffnen gar nicht erst geweckt wird und so diese Möglichkeit vielleicht für immer verbaut bleibt.
Little_Swan (05.01.2008, 21:26): Glenn Gould spielte mit überkreuzten Beinen, und auch, wenn man sich vielleicht über seine Interpretationen streiten kann, war er so genial, dass man ihm Narrenfreiheit einräumte. Es geht hier - finde ich - nicht darum, Lang Lang irgendwie zu verurteilen, weil er sich unangemessen kleidet und verhält, sondern darum, zu erkennen, dass er ein guter Pianist ist, aber kein genialer. Und er wird auch nicht durch sein extremes Showgehabe zu einem besseren oder gar interessanteren Musiker. Wenn er wirklich der "weltbeste" Pianist wäre, dann würde man ihm sicher ohne Widerworte die eine oder andere Eigenheit durchgehen lassen, aber ein so albernes Verhalten hätte er dann echt nicht mehr nötig.
Ich hoffe, ich darf das so sagen und werde jetzt nicht dafür auseinander genommen. :B
Lea
karajan (16.01.2008, 19:55): Original von ab Original von Satie Nein, ich passe. Da bin ich lieber konservativ und höre mir Aufnahmen an, die die Musik noch ernst nehmen. Vielleicht werde ich irgendwann erwachsen und lerne, den Wert von stylischen Gelfrisuren aus Korea und von Designer-Leder-Sakkos über diese furchtbar reaktionäre Beachtung des Notentextes zu stellen.
Lieber Satie,
schön, dass Du für Dich Gründe hast, Lang Lang nicht beachten zu wollen! Mich überzeugen Deine Ausführungen und ich kann Deine Entscheidung gut nachvollziehen; auch wen ich sie für mich nicht als hinreichend ansehen, ihn deshalb zu verdonnern. (Aber ein Mozart ASMutters oder Interpretationen von Afanassiev bin ich genauso wenig prinzipiell abgeneigt wie Bach-Klavierkonzerte von Stadtfeld oder (höchstwahrscheinlich) das WKT von Koroliov, oder dem House-Music-Drive der Mozart Klaviersonaten des ganz späten Gulda bei Paradise Records).
Mir ist noch eingefallen, Lang Langs unglaubliche Bühnenpräsenz (vergleichbar wohl noch mit Vengerov) zu rühmen und neben dem wunderbaren Klagfarbenreichtum noch zu würdigen, dass er es versteht, Spannung aufzubauen und zu halten. Bei ihm gibt es auch in rasendem Tempo keinerlei technische, dynamische oder klangliche Einbußen.
Ich sehe übrigens die genannte Gefahr, die neuen Hörerschichten durch Show von der Musik abzulenken, überhaupt nicht: ohne viel Hörerfahrung kann man eh (noch) nicht den musikalischen Entwicklungen folgen...
Hallo ab
Ich muß deine Meinung teilen auch wenn meine Stärke nicht unbedingt die Klaviermusik ist. Lang kurz ist noch jung und ich glaube durch die Medien und den Rummel auch teilweise überfordert. Lassen wir ihn noch ein paar Jahre reifer werden ich glaube schon das er noch besser wird. das was ich im Fernsehen und auf Classica gesehen habe hat mir gefallen auch sein Farbenprächtiges Spiel war gut. Ich finde wie er hier runtergespielt wird von einigen ist nicht ok. Ist zwar vielleicht zu früh aber ich merke parallelen zu Karajan der eine mag ihn der andere mag garnichts. Hoffe ihm wird das erspart wünsche ihm Glück
Gruß Karajan
meyer86 (21.06.2006, 22:50): Ich wollte euch fragen, ob ihr euch dafür entschieden habt, dass bei Lang Lang alles nur Show ist, oder ob ihr bemerkt habt, wie ich, dass Lang Lang diese Bewegungen sicher nicht einstudiert hat, sondern schlicht und einfach schon immer gemacht hat während des Klavierspielens und das die Bewegungen dazu noch einen Organischen Zusammenhang zur Musik bilden. Was habt ihr für einen Eindruck?
Gruss meyer86
Rachmaninov (22.06.2006, 08:14): @David,
ich kenne durch eine TV Übertragung seine Aufnahme aus der Cargegie Hall.
Diese Bewegungen und das extreme scheinbare in die Ferneschauen als würde er von dort eine Eingebung erwarten empfand ich damals als etwas "seltsam" und verwunderlich. (Anmerkung: Das war bevor ich sein Rachmaninov hörte!!).
Aber unterstellen diese Bewegungen und seine Körpersprache wären "einstudiert" würde ich sicherlich nicht. Es ist halt seine Art.....
Rachmaninov (11.07.2007, 08:36): Also,
letztlich hörte ich auf Bayern4 nochmals einiges von Lang Lang! Skrjabin und den ersten Satz aus Beethovens 1. Klavierkonzert.
Für mich ist das Show!
Hier höre ich keine stimmige Interpretation. An speziellen Stellen eine reine Selbstdarstellung: "seht, wie schön ich das hier spielen kann" und der Rest ist nichts sagend IMHO.
Warum es diesen Hype gibt kann ich nicht nachvollziehen.
Sein Skrjabin war so schlecht, da wollte ich kaum weiter zuhören.
Also, ich brauche von ihm nicht im Schrank. Wemm es gefällt, bitte!
uhlmann (11.07.2007, 20:19): letzte woche gabs im zdf-theaterkanal chopins klavierkonzert nr. 1 mit lang lang.
ich habs eine zeit geschaut, fand es anfangs noch recht amüsant, aber nach und nach verpuffte die erste wirkung und dann blieb wenig über. eine stimmige interpretation sieht anders aus, vieles ist auf den reinen effekt gespielt (unnötige rubati, manerierte expressivität, usw.).
obiges konzert mit l.l. gibts noch an folgenden terminen: Mi, 11.07.2007 14:00 Uhr(44 min.) Mo, 16.07.2007 14:00 Uhr(44 min.) Fr, 20.07.2007 09:00 Uhr(44 min.) Mi, 25.07.2007 09:00 Uhr(44 min.) Sa, 28.07.2007 14:00 Uhr(44 min.) Mo, 30.07.2007 09:00 Uhr(44 min.)
und zum vergleich (auch auf zdf-theaterkanal): chopin: kk 2, rubinstein, lso - previn Do, 12.07.2007 09:00 Uhr(35 min.) Di, 17.07.2007 09:00 Uhr(35 min.) Fr, 20.07.2007 14:00 Uhr(35 min.) So, 22.07.2007 09:00 Uhr(35 min.) Mi, 25.07.2007 14:00 Uhr(35 min.) Mo, 30.07.2007 14:00 Uhr(35 min.)
Rachmaninov (12.07.2007, 10:22): Original von uhlmann ich habs eine zeit geschaut, fand es anfangs noch recht amüsant, aber nach und nach verpuffte die erste wirkung und dann blieb wenig über. eine stimmige interpretation sieht anders aus, vieles ist auf den reinen effekt gespielt (unnötige rubati, manerierte expressivität, usw.).
Und genau das ist das, was ich als "Show" bezeichne! Mir fehlt da der tatsächlich greifbare Interpretationsansatz, den ich über das Gesamtewerk nachvollziehen kann.
ei Skrijabin fehle für mich völlig das Verständnis für seine Musik.
Ist aber meine subjektive Meinung :D
YJ (25.12.2007, 15:57): Original von Rachmaninov Original von uhlmann ich habs eine zeit geschaut, fand es anfangs noch recht amüsant, aber nach und nach verpuffte die erste wirkung und dann blieb wenig über. eine stimmige interpretation sieht anders aus, vieles ist auf den reinen effekt gespielt (unnötige rubati, manerierte expressivität, usw.).
Und genau das ist das, was ich als "Show" bezeichne! Mir fehlt da der tatsächlich greifbare Interpretationsansatz, den ich über das Gesamtewerk nachvollziehen kann.
ei Skrijabin fehle für mich völlig das Verständnis für seine Musik.
Ist aber meine subjektive Meinung :D
Was Lang Lang macht, ist mittlerweile einfach nur noch unerträglich. Er ist meiner Meinung nach zurzeit der Pianist, der am meisten überbewertet wird. Er glänzt durch seine Show und seine Grimassen, aber das hat nichts mehr mit Musik zu tun. Seine Aufnahmen sind mittelmäßig bis schlecht, Aufnahmen von Liszts 2.Ungarische Rhapsodie und Don Juan-Paraphrase sind einfach nur furchtbar und grausam, wie er mit diesen Werken umgeht, um sich zu präsentieren, ist nicht mehr schön.
Rachmaninov (29.12.2007, 15:32): Original von YJ Original von Rachmaninov Original von uhlmann ich habs eine zeit geschaut, fand es anfangs noch recht amüsant, aber nach und nach verpuffte die erste wirkung und dann blieb wenig über. eine stimmige interpretation sieht anders aus, vieles ist auf den reinen effekt gespielt (unnötige rubati, manerierte expressivität, usw.).
Und genau das ist das, was ich als "Show" bezeichne! Mir fehlt da der tatsächlich greifbare Interpretationsansatz, den ich über das Gesamtewerk nachvollziehen kann.
ei Skrijabin fehle für mich völlig das Verständnis für seine Musik.
Ist aber meine subjektive Meinung :D
Was Lang Lang macht, ist mittlerweile einfach nur noch unerträglich. Er ist meiner Meinung nach zurzeit der Pianist, der am meisten überbewertet wird. Er glänzt durch seine Show und seine Grimassen, aber das hat nichts mehr mit Musik zu tun. Seine Aufnahmen sind mittelmäßig bis schlecht, Aufnahmen von Liszts 2.Ungarische Rhapsodie und Don Juan-Paraphrase sind einfach nur furchtbar und grausam, wie er mit diesen Werken umgeht, um sich zu präsentieren, ist nicht mehr schön.
@YJ,
sehr treffend formiliert! Interessant, daß auch Du als sein Landsmann dies so empfindest. Leider geht es hier wohl eher um "Kasse machen" als um die Musik!
Mime (29.12.2007, 17:39): Erfolgreiche junge Künstler wie Lang Lang (oder im Sängerinnenbereich Anna Netrebko) bringen zwangsläufig auch eine Menge Neider auf den Plan. Debatten hierüber gibts zur Genüge.
Doch es stellen sich auch Fragen: Wer füllt heute die Opern- und Konzerthäuser? Und: Sind die Besucher alle so unbedarft, dass sie sich für mittelmässige Darbietungen eine Menge Kohle abknöpfen lassen?
Ich glaube, die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Junge Talente werden von den Agenturen zu Superstars hochgejubelt, der Hype beginnt, eine Eigendynamik zu entwickeln, mit der die jungen Künstler oft nicht Schritt halten können.
Gebt Lang Lang und Anderen etwas mehr Zeit zu reifen und Ihr werdet eines Tages grossartige Künstler bewundern können.
:hello
teleton (30.12.2007, 12:02): Gebt Lang Lang und Anderen etwas mehr Zeit zu reifen und Ihr werdet eines Tages grossartige Künstler bewundern können.
Gutes und angemessenes Zitat von Mime.
LangLang kann Klavier spielen, sonst würde er nicht allgemein zu der nichtqualifizierten Aussage einiger Showmaster im TV als "Bester Pianist der Welt" bezeichnet werden.
Auch bei Gottschalks "WETTEN DASS" habe ich diese Aussage schon gehört. Auch dort hatte er seinerzeit eine Showvorstellung gegeben - und er konnte Klavier spielen. :wink Dabei wollen wir es erst einmal belassen. Ich besitze keine CD von LANG LANG. Aber ich bin fern jeglicher Verurteilung des Pianisten LangLang und schließe mich erstmal obigem Zitat (von mime nicht Gottschalk) an.
Rachmaninov (30.12.2007, 12:44): Original von teleton Gebt Lang Lang und Anderen etwas mehr Zeit zu reifen und Ihr werdet eines Tages grossartige Künstler bewundern können.
Gutes und angemessenes Zitat von Mime.
LangLang kann Klavier spielen, sonst würde er nicht allgemein zu der nichtqualifizierten Aussage einiger Showmaster im TV als "Bester Pianist der Welt" bezeichnet werden.
Auch bei Gottschalks "WETTEN DASS" habe ich diese Aussage schon gehört. Auch dort hatte er seinerzeit eine Showvorstellung gegeben - und er konnte Klavier spielen. :wink Dabei wollen wir es erst einmal belassen. Ich besitze keine CD von LANG LANG. Aber ich bin fern jeglicher Verurteilung des Pianisten LangLang und schließe mich erstmal obigem Zitat (von mime nicht Gottschalk) an.
@teleton,
er kann nicht besser spielen als mind. 12 dutzend andere!
uhlmann (30.12.2007, 12:59): niemand (zumindest hier) verurteilt lang lang. dass er klavier spielen kann, ist unbestritten.
die frage, die sich bei solchen gehypten künstlern immer stellt, ist: sind sie wirklich so gut wie die medien-maschinerie uns das glauben lassen möchte? im fall von lang lang: ist er wirklich "der beste pianist der welt"?
bei weitem nicht, würde ich persönlich meinen. er ist ein ganz guter. aber einer, der imo übermaneriertes spiel einer gediegenen interpretation vorzieht. das mag ich nicht so sehr.
große pianisten stellen - bei aller künstlerischen freiheit - ihr spiel in den dienst des werkes. lang lang stellt eher das werk in seinen dienst. soll heißen, er spielt zu viel auf den reinen effekt hin, ohne durchgängige linie, ohne den großen interpretationsansatz. sein spiel wirkt auf mich sehr gekünstelt, irgenwie unnatürlich.
aber klavier spielen kann er zweifelsohne.
YJ (31.12.2007, 16:59): große pianisten stellen - bei aller künstlerischen freiheit - ihr spiel in den dienst des werkes. lang lang stellt eher das werk in seinen dienst. soll heißen, er spielt zu viel auf den reinen effekt hin, ohne durchgängige linie, ohne den großen interpretationsansatz. sein spiel wirkt auf mich sehr gekünstelt, irgenwie unnatürlich.
Sehr schön formuliert, uhlmann, so hätte ich es genauso gesagt.
niemand (zumindest hier) verurteilt lang lang. dass er klavier spielen kann, ist unbestritten. die frage, die sich bei solchen gehypten künstlern immer stellt, ist: sind sie wirklich so gut wie die medien-maschinerie uns das glauben lassen möchte? im fall von lang lang: ist er wirklich "der beste pianist der welt"? bei weitem nicht, würde ich persönlich meinen. er ist ein ganz guter. aber einer, der imo übermaneriertes spiel einer gediegenen interpretation vorzieht. das mag ich nicht so sehr.
Natürlich ist klar, dass Lang Lang Klavier spielen kann, es geht aber eher um die Frage, "wie" er spielt. Die Bezeichnung "der beste Pianist der Welt" ist lächerlich, denn Lang Lang mag zwar eine gute Technik haben, keine Frage, aber das haben andere Pianisten auch, die aber dazu noch musikalisch einiges mehr drauf haben.
er kann nicht besser spielen als mind. 12 dutzend andere! dito :engel
LangLang kann Klavier spielen, sonst würde er nicht allgemein zu der nichtqualifizierten Aussage einiger Showmaster im TV als "Bester Pianist der Welt" bezeichnet werden. Auch bei Gottschalks "WETTEN DASS" habe ich diese Aussage schon gehört. Auch dort hatte er seinerzeit eine Showvorstellung gegeben - und er konnte Klavier spielen. Das mag ja schmeichelnd für Lang Lang sein, aber auf eine Aussage aus dem TV würde ich keinen Wert legen, haben die denn Ahnung von Musik? Für die Medien ist es doch nur seine Show, die ihm zum "besten Pianisten" macht.
Ich besitze keine CD von LANG LANG. Aber ich bin fern jeglicher Verurteilung des Pianisten LangLang und schließe mich erstmal obigem Zitat (von mime nicht Gottschalk) an. Da hast du natürlich Recht, aber ich denke, dass jeder von uns hier, der Kritik ausübt, sich zumindest schon einmal eine Aufnahme von ihm gehört bzw. gesehen hat.
Erfolgreiche junge Künstler wie Lang Lang (oder im Sängerinnenbereich Anna Netrebko) bringen zwangsläufig auch eine Menge Neider auf den Plan. Man ist denke ich eher neidisch auf seine erfolgreiche Karriere als wie auf sein Spiel, oder? :P
Sind die Besucher alle so unbedarft, dass sie sich für mittelmässige Darbietungen eine Menge Kohle abknöpfen lassen? Das hast du Recht. Die Besucher wollen zufrieden sein mit dem Konzert sein und bezahlen dementsprechend auch gut, aber das ist das Problem. Einige Gäste haben nicht wirklich Ahnung von Musik, für sie ist ein Konzert ist toll, wenn es aufregend und lebhaft ist und diese Aspekte erfüllt Lang Lang sehr gut. Auf die wahre Musik wird oft nicht mehr eingegangen, weil das Publikum sie (vielleicht auch unbewusst) gar nicht mehr will.
Ich glaube, die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Junge Talente werden von den Agenturen zu Superstars hochgejubelt, der Hype beginnt, eine Eigendynamik zu entwickeln, mit der die jungen Künstler oft nicht Schritt halten können. Da stimme ich zu, es geht mittlerweile viel zu oft nur noch um das Geld, der Druck ist einfach zu hoch.
Gebt Lang Lang und Anderen etwas mehr Zeit zu reifen und Ihr werdet eines Tages grossartige Künstler bewundern können. Lang Lang kann meiner Meinung nach nur reifen, wenn er sich endlich mal mit seiner Musik beschäftigen würde, anstatt weiter seine Show auf der Bühne abzuziehen. Sicher ist er dadurch sehr beliebt und das Publikum ist begeistert (allerdings verstehe ich bis heute nicht warum), aber wenn er sich nicht bald ändert, wird er (zumindest bei mir) den Status eines ernstzunehmenden Pianisten verlieren.
sehr treffend formiliert! Interessant, daß auch Du als sein Landsmann dies so empfindest. Leider geht es hier wohl eher um "Kasse machen" als um die Musik! Ich habe kein Problem damit, so über ihn zu denken, auch nicht als Landsmann :D Aber es ist manchmal echt schlimm, mit was für Assoziationen die Zuhörer kommen. Wenn zum Beispiel nach einem Konzert Leute aus dem Publikum kommen und mir sagen, dass du genauso toll wie Lang Lang spielst, dann muss ich einfach nur den Kopf schütteln. Ich finde es entsetzlich, dass solche Leute einfach keine Ahnung haben. In China ist es aber noch schlimmer: sobald jemand gut spielt, wird er mit Lang Lang verglichen, einfach nur übel! Dass wir auch andere gute Pianisten wie z.B. Li Yundi haben, wird einfach vergessen oder ignoriert, einfach nur traurig.
Rachmaninov (31.12.2007, 19:08): Original von YJ
Lang Lang kann meiner Meinung nach nur reifen, wenn er sich endlich mal mit seiner Musik beschäftigen würde, anstatt weiter seine Show auf der Bühne abzuziehen. Sicher ist er dadurch sehr beliebt und das Publikum ist begeistert (allerdings verstehe ich bis heute nicht warum), aber wenn er sich nicht bald ändert, wird er (zumindest bei mir) den Status eines ernstzunehmenden Pianisten verlieren.
In der Tat wirkt nichts wirklich gereift. Man höre seine Rachmaninov Aufnahme. Wollte oder konnte Gergiev hier nicht mehr rausholen? Wollte Gergiev das gar SO?
wir auch andere gute Pianisten wie z.B. Li Yundi haben, wird einfach vergessen oder ignoriert, einfach nur traurig.
Derartige Reduzierungen sind aber all zu üblich....
YJ (31.12.2007, 20:14): Derartige Reduzierungen sind aber all zu üblich.... Das stimmt schon, aber gerade in China gibt es eigentlich eher nicht so viele Musiker, die sehr erfolgreich im Ausland sind. Und da Li Yundi Chopin gewonnen hat, verstehe ich erst Recht nicht, warum er in seiner Heimat relativ unbekannt ist, wogegen man Lang Lang dort schon so etwas wie ein "Klavier-Popstar" bezeichnen kann... :B
EDIT: Und das Schlimme ist, dass die ganzen ehrgeizigen Mütter ihre Kinder so pushen und trimmen, wie Lang Lang zu werden und zu spielen, es ist DAS Vorbild in der Musik schlechthin.
Pollux (01.01.2008, 16:22): Ich sehe schon, die Gratis-Lieblingsbeschäftigung der Klassikexperten auch in 2008: Lang Lang Bashing. Da kann fröhlich jeder mitmachen, da klopfen sich alle zustimmend auf die Schulter, das ist wie Gesinnungskabarett. Sag mir, wie du zu Lang Lang stehst und ich sage dir, wer du bist.
Klar, einer, der beim Spielen solche Grimassen schneidet und damit auch noch zum Pop Star wird, kann es mit der Musik ja wohl nicht ganz ernst meinen, der will nur Effekt machen. Und bitte: ein Chinese(!), der in USA(!!) studiert hat. Wird schon sowas sein. Virtuosengedonner halt, man kennt das, sind ja artistisch sehr begabt, diese Asiaten. Wenn er nur etwas griesgrämiger aus der Wäsche guckte, würde sein Klavierspiel doch gleich ganz anders klingen, oder? Hätte er sich mal an der Frau Uchida orientiert. Die hat den ernsthafte-Künstler-müssen-leiden-Blick voll drauf! Lang Lang aber: auf ewig dazu verdammt, von den Connaisseurs als Klassik-Gaudibursch verachtet zu werden. Die Leute, die ihm in den Konzertsäälen die Bude einrennen, sind sicher alle nur Geldsäcke ohne Geschmack und ohne Ahnung, völlig klar. Und der Christoph Eschenbach muss doch echt was an den Ohren haben, dass er den Lang Lang unverdrossen fördert. Wo es doch 12 Dutzend mindestens so gute lebende Pianisten gibt. Ach ja, kann mal jemand die Liste dieser 144 Pianisten posten?
Wie ganz anders ist doch z.B. der Brendel. Gut, der schneidet auch Grimassen, aber bei IHM ist das selbstverständlich Ausdruck tiefster Empfindung und selbstvergessener Reflexion. Ist der Mann nicht Österreicher? Das MUSS Kunst sein. Auch wenn sein Mozart zu Tode langweilt, Kunst bleibt Kunst, da helfen keine Pillen.
Gerne würde ich alle Lang Lang Kritiker mal zu einem blinden Vergleichshören einladen, ohne zu wissen was gespielt wird und von wem. Auf das Ergebnis wäre ich wirklich gespannt.
Rachmaninov (01.01.2008, 17:46): Original von Pollux
Gerne würde ich alle Lang Lang Kritiker mal zu einem blinden Vergleichshören einladen, ohne zu wissen was gespielt wird und von wem. Auf das Ergebnis wäre ich wirklich gespannt.
Seinen Scriabin fand ich schreklich BEVOR ich wußte das es Lang Lang ist den ich da höre!
satie (01.01.2008, 18:04): Mein lieber Pollux, erst mal Prost Neujahr. Wie wir sehen können, ist Dir Deine Art des Polemisierens nicht abhanden gekommen. Will uns nun die Polemik sagen, dass Du Lang Lang gerne magst? Ich frage, weil man bei Polemiken nie so ganz sicher sein kann, ob sie nur einen Spiegel vorhalten wollen oder tatsächlich Ausdruck einer Gegenmeinung sind.
Bei Lang Lang wird es sein wie bei praktisch allen: manches spielt er gut, manches nicht, und wegen seiner Vermarktung und seiner Selbstdarstellung will ihn keiner mögen.
Dass chinesische Pianisten Weltformat haben können zeigt uns zum Beispiel Fou Ts'ong. Das ist allerdings schon was anderes als Lang Lang, auch Uchida (die ist Japanerin, also ohnehin ein ganz anderer Menschenschlag, um mal bei den Clichés zu bleiben) hat Qualitäten, die ich bei einem Lang Lang nicht höre.
Dennoch: beim Blindtest mag es durchaus sein, dass Lang Lang besser abschneiden würde (ungefähr so, wie beim Biertest vor einigen Jahren die Experten das alkoholfreie nicht vom normalen unterscheiden konnten). Selbst der Chef von Coca-Cola war unfähig, light von normal, entcoffeiniert von normal etc. zu unterscheiden. Allerdings: die Cherry-Coke hat er herausgeschmeckt. Bei Lang Lang könnte vielleicht ähnliches passieren...
Was mich an Lang Lang aber viel mehr stört, ist der Umgang mit chinesischer traditioneller Musik. Das ist meiner Ansicht nach nahe am Verrat. Aber nun gut, Globalisierungsopfer haben wir überall. Wenn Lang Lang die Stücke spielt, die zu ihm passen, sehe ich kein Problem. Liszt passt eigentlich gut zu ihm, auch Tschaikowskis ewiger B-Moll-Schinken ist eigentlich ebenfalls was für ihn. Warum aber muss so einer Mozart, Haydn und Beethoven spielen? Die Optik ist mir da relativ egal (übrigens kommt sein Haarschnitt aus der populären Korea-Mode, die gegenwärtig viele junge Chinesen ergreift). Ob Universal ihn da auch noch "beraten" hat weiß ich nicht, ist mir auch Schnuppe. Übrigens: schau Dir mal unseren Brendel-Thread an, dann weißt Du, wie viele hier den Österreicher-Bonus für angemessen halten. Beim Superlativ "bester Pianist der Welt" haben sich viele bei Pollini ebenso aufgeregt wie bei Lang Lang. Aber gut, vielleicht kann man ja Chinesen und Italiener in den selben Topf werfen. Da loben wir uns doch unseren deutschen Swjatoslaw Richter, unsere deutsche Martha Argerich, den Österreicher Vladimir Horowitz und seinen Landsmann Solomon. Das ist dann eben der Garant für die große Kunst. Wetten dass? Ach du lieber Konstantin, mir gehts auf den Wecker...
Es ist eine Tatsache, dass junge Musiker von einem Multi wie Universal gnadenlos vermarktet werden, gnadenlos getrimmt werden auf ein ganz bestimmtes Image (warum denn sonst sehen alle jungen Musiker aus wie Fotomodels?). Da stehen die Verkaufszahlen im Vordergrund. Die alte Garde hat es da leichter, die haben sich zu anderen Zeiten etabliert. Ich lasse Lang Lang gerne den Superstar sein, wünsche mir nur, dass er trotzdem noch irgendwann einen tieferen Zugang zur Musik findet. Bis dahin hätte ich ihn gerne mit Stücken, die seinen momentanen Zugang vertragen und die dadurch nicht vergewaltigt werden.
S A T I E
YJ (01.01.2008, 20:41): Klar, einer, der beim Spielen solche Grimassen schneidet und damit auch noch zum Pop Star wird, kann es mit der Musik ja wohl nicht ganz ernst meinen, der will nur Effekt machen. Eigentlich bin ich dieser Meinung, ja.
Virtuosengedonner halt, man kennt das, sind ja artistisch sehr begabt, diese Asiaten. Bei Lang Lang stimmt das doch auch, oder bist du da anderer Meinung?
Wenn er nur etwas griesgrämiger aus der Wäsche guckte, würde sein Klavierspiel doch gleich ganz anders klingen, oder? Hätte er sich mal an der Frau Uchida orientiert. Die hat den ernsthafte-Künstler-müssen-leiden-Blick voll drauf! Lang Lang aber: auf ewig dazu verdammt, von den Connaisseurs als Klassik-Gaudibursch verachtet zu werden.Wenn er nur etwas griesgrämiger aus der Wäsche guckte, würde sein Klavierspiel doch gleich ganz anders klingen, oder? Hätte er sich mal an der Frau Uchida orientiert. Die hat den ernsthafte-Künstler-müssen-leiden-Blick voll drauf! Lang Lang aber: auf ewig dazu verdammt, von den Connaisseurs als Klassik-Gaudibursch verachtet zu werden. Es sind doch nicht seine Grimassen, die für sein schlechtes Spielen verantwortlich ist, sie verstärken nur diesen Effekt.
Wie ganz anders ist doch z.B. der Brendel. Gut, der schneidet auch Grimassen, aber bei IHM ist das selbstverständlich Ausdruck tiefster Empfindung und selbstvergessener Reflexion. Ist der Mann nicht Österreicher? Das MUSS Kunst sein. Auch wenn sein Mozart zu Tode langweilt, Kunst bleibt Kunst, da helfen keine Pillen. Was hat das bitte mit Österreich zu tun? ?(
Gerne würde ich alle Lang Lang Kritiker mal zu einem blinden Vergleichshören einladen, ohne zu wissen was gespielt wird und von wem. Auf das Ergebnis wäre ich wirklich gespannt. Da würde ich sehr gerne mitmachen, hätte keine Probleme damit :P
Bei Lang Lang wird es sein wie bei praktisch allen: manches spielt er gut, manches nicht, und wegen seiner Vermarktung und seiner Selbstdarstellung will ihn keiner mögen. Gegen seine Vermarktung hätte ich auch nichts, wenn dahinter eine entsprechende Qualität steht.
Dennoch: beim Blindtest mag es durchaus sein, dass Lang Lang besser abschneiden würde (ungefähr so, wie beim Biertest vor einigen Jahren die Experten das alkoholfreie nicht vom normalen unterscheiden konnten). Das stimmt schon, aber auch nur im geringen Maße. Man wird auch ohne sein Bild eine schlechte Aufnahme erkennen, mit Gesicht und Grimassen wirkt es nur noch schlimmer.
Wenn Lang Lang die Stücke spielt, die zu ihm passen, sehe ich kein Problem. Liszt passt eigentlich gut zu ihm, auch Tschaikowskis ewiger B-Moll-Schinken ist eigentlich ebenfalls was für ihn. Warum aber muss so einer Mozart, Haydn und Beethoven spielen? Zu Liszt fand ich "Don Juan" wirklich nicht schlecht, auch wenn ich nicht viel mit dem Stück anfangen kann, aber die 2.Ungarische ist nur noch eine absolute Schande und Vergewaltigung.
Gamaheh (02.01.2008, 00:19): Liebe Forenser,
erst einmal "Prosit Neujahr!", bevor es wieder vorbei ist (oder: "Darauf einen Underberg!" (auf Lang Lang)).
Warum diskutieren wir den hier eigentlich: Es gibt doch sicherlich auch irgendwo ein Zirkus-Forum.
Ich meine das jetzt gar nicht abwertend, aber es steht doch wohl außer Frage, daß die Leute sich Lang Lang angucken gehen, nicht weil sie Musik hören wollen, sondern weil sie einem Selbstdarstellungsakt der akrobatischen Art beizuwohnen hoffen. Daher ist sein Publikum ja auch ein ganz anderes als bei dem durchschnittlichen klassischen Konzert. Es erinnert mich alles unwiderstehlich an den Brief Milos an seine Freundin Pipi, den E.T.A. Hoffmann in den Kreisleriana wiedergibt, wo es heißt:
„Du kennst, meine Süße, die etwas länglichen Finger, welche mir die Natur verliehen; mit denen spanne ich nun Quartdezimen, ja zwei Oktaven, und dies, nebst einer enormen Fertigkeit, die Finger zu bewegen und zu rühren, ist das ganze Geheimnis des Fortepianospiels. In kurzer Zeit habe ich es so weit gebracht, daß ich mit beiden Händen in zweiunddreißig – vierundsechzig – einhundertachtundzwanzig – Teilen ohne Anstoß auf und ab laufe, mit allen Fingern gleich gute Triller schlage, drei, vier Oktaven herauf und herab springe, wie ehemals von einem Baum zum andern, und bin hiernach der größte Virtuos, den es geben kann.“
Die Ergüsse Lang Langs über sich selbst, die anscheinend in seinen Programmheften abgedruckt werden, waren in einem anderen Forum wiedergegeben, das leider nicht mehr existiert, daher kann ich auch nicht darauf verweisen. Milo schreibt über sein Genie:
„Gänzliche Verachtung alles Bestrebens anderer; die Überzeugung, alle, die gern schweigen und nur im stillen schaffen, ohne davon zu sprechen, weit, weit zu übersehen; die höchste Selbstzufriedenheit mit allem, was nun so ohne alle Anstrengung die eigene Kraft hervorruft: das alles sind untrügliche Zeichen des höchstkultivierten Genies, und wohl mir, daß ich das alles täglich, ja stündlich, an mir bemerke“, und zeichnet: „Milo, ehemals Affe, jetzt privatisierender Künstler und Gelehrter“
Auch die Geschichte von Klein Zaches gehört in den Zusammenhang! Hoffmanns Geschichten werden oft für fantastisch gehalten, aber wie sehr sie aus dem Leben gegriffen sind, beginnt man zu ahnen, wenn man folgendes liest:
„Lehrmeister aus dem Fernen Osten: Lang Lang (23) Schließlich ging die Tür auf. Staatsrat Roland Salchow verkündete: "In 30 Sekunden geht es los." Ein Raunen ging durch den Saal. Und dann kam Lang Lang höchstselbst durch die Tür. Der Staatsrat half ihm aus dem Mantel, und Volker Banfield begrüßte ihn respektvoll.“ (Hamburger Abendblatt, 8.2.06) Ein Staatsrat der Freien und Hansestadt kommt extra zur Musikhochschule, um einem 23jährigen Parvenü aus dem Mantel zu helfen!
Melancholische Grüße, Gamaheh
Jeremias (03.01.2008, 13:49): Ich habe ihn einmal live gesehen und das hat mir vollkommen gereicht. Sicher, er schafft es die Jugend für Klassik zu begeistern. Das ist gut und das ist wichtig! Sicher, seine Technik ist beneidenswert! ABER: Musikalisch versagt er bei den "einfachsten" Stücken! Ich habe ihn seinerzeit mit den Intermezzi op.118 von Brahms gehört. Wenn es wirklich darum geht, durch Interpretation zu brillieren, dann fällt er durch. Und ich glaube auch nicht, dass sich das bei ihm noch ändern wird!
satie (03.01.2008, 14:13): Lieber Jeremias, da gebe ich Dir vollkommen recht! Technik und Brillanz sind eine Sache. Ich bewundere jene Pianisten, die fähig sind, aus den technisch einfachen Stücken etwas herauszuholen. Es ist traurig, dass das so selten bei den gängigen Auswahlverfahren (insbesondere Wettbewerben) berücksichtigt wird. Immer geht es in erster Linie um Bravourstücke oder zumindest solche, wo primär ein gewisser technischer Anspruch befriedigt werden muss. Gut, die Auswahlverfahren sind keineswegs objektiv: es hat sehr viel mit Beziehungen zu tun, was eine weitere traurige Tatsache in diesem Betrieb ist. Wäre doch mancher Juror etwas mehr wie der Zen-Meister aus der berühmten Geschichte: Ein Zen-Meister und sein Schüler gingen in die Stadt. Dort bemerkten sie einen Flötenspieler, der immer nur einen einzigen Ton spielte. Der Schüler:"Meister, was soll das? Dieser Mann spielt ja immer nur einen Ton." Der Meister:"Er hat seinen Ton gefunden."
ab (04.01.2008, 13:42): Original von Satie Wäre doch mancher Juror etwas mehr wie der Zen-Meister aus der berühmten Geschichte: Ein Zen-Meister und sein Schüler gingen in die Stadt. Dort bemerkten sie einen Flötenspieler, der immer nur einen einzigen Ton spielte. Der Schüler:"Meister, was soll das? Dieser Mann spielt ja immer nur einen Ton." Der Meister:"Er hat seinen Ton gefunden."
Wäre doch auch mancher Klassik-Hörer ebenso!
Hier lese ich immer, was an ihm schlecht sei: er scheitere musikalisch an den einfachsten Werken etc.
Was ich hier leider nicht lese, ist, was er sehr gut macht. Was ist denn das? Gebt euch doch einmal die Mühe und versucht, Lobenswertes zu finden!
(Ich persönlich - ohne mir deshalb eine Aufnahme kaufen zu wollen - finde sein Farbspektrum derzeit ziemlich einzigartig, seinen Ton sehr spezifisch mir hohem Wiedererkennungswert und seine harmonische Klangfüllabstimmung geradezu singulär! Technisch kann er alles machen, was er zum Ausdruck bringen will. Wer will es ihm übel nehmen, dass er "seinen Ton" gefunden hat?!)
Er spielt die Musik so, wie sie derzeit (popgemäß) zeitgemäß ist, das kenne ich sonst nur noch auf hohem Niveau von Nigel Kenndedy, exemplarisch etwa bei seinem Vivaldi mit den Berlinern nachzuhören. Jeder Zeit ihre Interprertationen! Warum immer bloß Koservativismus? Damit wäre doch Fortschritt und jede Weiterentwicklung unmöglich!
Rachmaninov (04.01.2008, 13:51): Original von ab Was ich hier leider nicht lese, ist, was er sehr gut macht. Was ist denn das? Gebt euch doch einmal die Mühe und versucht, Lobenswertes zu finden!
Marketing! :ignore
(Ich persönlich - ohne mir deshalb eine Aufnahme kaufen zu wollen - finde sein Farbspektrum derzeit ziemlich einzigartig, seinen Ton sehr spezifisch mir hohem Wiedererkennungswert und seine harmonische Klangfüllabstimmung geradezu singulär! Technisch kann er alles machen, was er zum Ausdruck bringen will.
Findest Du? Was hat er denn bisher eingespielt was ihn technisch so grandios erscheinen läßt?
Er spielt die Musik so, wie sie derzeit (popgemäß) zeitgemäß ist, das kenne ich sonst nur noch auf hohem Niveau von Nigel Kenndedy, exemplarisch etwa bei seinem Vivaldi mit den Berlinern nachzuhören. Jeder Zeit ihre Interprertationen! Warum immer bloß Koservativismus? Damit wäre doch Fortschritt und jede Weiterentwicklung unmöglich!
Okay, lassen wir das als Theses / Argument stehen! Was leiten wir aus N. Kennedy als Entwicklung ab?
Zelenka (04.01.2008, 14:50): Ich besitze keine einzige CD von ihm, aber ich kann ab hier nur zustimmen: Man sollte sich vielleicht in bisschen mehr Muehe geben, auch das Positive an Lang Lang zu entdecken. 2004 verstand Martha Argerich noch nicht, warum Lang Lang in den U.S.A. Erfolg hatte, letztes Jahr im Sommer spielte sie vierhaendig mit ihm beim Festival von Verbier (dazu hier eine begeisterte Rezension mit der Hoffnung des Rezensenten, die beiden moechten doch auf Tour gehen ...).
Gruss, Zelenka
Rachmaninov (04.01.2008, 14:58): Original von Zelenka Ich besitze keine einzige CD von ihm, aber ich kann ab hier nur zustimmen: Man sollte sich vielleicht in bisschen mehr Muehe geben, auch das Positive an Lang Lang zu entdecken. 2004 verstand Martha Argerich noch nicht, warum Lang Lang in den U.S.A. Erfolg hatte, letztes Jahr im Sommer spielte sie vierhaendig mit ihm beim Festival von Verbier (dazu hier eine begeisterte Rezension mit der Hoffnung des Rezensenten, die beiden moechten doch auf Tour gehen ...).
Gruss, Zelenka
Frau Argerich spielt mitlerweile mit "Gott und der Welt" immer irgendwo und sie spielt auch für die DG ein und ist sicherlich eine Ikone, auch aus marketing technischer Sicht!
Zelenka (04.01.2008, 15:09): Original von Rachmaninov Original von Zelenka Ich besitze keine einzige CD von ihm, aber ich kann ab hier nur zustimmen: Man sollte sich vielleicht in bisschen mehr Muehe geben, auch das Positive an Lang Lang zu entdecken. 2004 verstand Martha Argerich noch nicht, warum Lang Lang in den U.S.A. Erfolg hatte, letztes Jahr im Sommer spielte sie vierhaendig mit ihm beim Festival von Verbier (dazu hier eine begeisterte Rezension mit der Hoffnung des Rezensenten, die beiden moechten doch auf Tour gehen ...).
Gruss, Zelenka
Frau Argerich spielt mitlerweile mit "Gott und der Welt" immer irgendwo und sie spielt auch für die DG ein und ist sicherlich eine Ikone, auch aus marketing technischer Sicht!
Mag sein, aber vielleicht sollte man der Argerich nicht unterstellen, dass sie sich den PR-Managern unterwirft. Sie hat das schon lange nicht mehr noetig.
Gruss, Zelenka
satie (04.01.2008, 18:22): Er spielt die Musik so, wie sie derzeit (popgemäß) zeitgemäß ist, das kenne ich sonst nur noch auf hohem Niveau von Nigel Kenndedy, exemplarisch etwa bei seinem Vivaldi mit den Berlinern nachzuhören. Jeder Zeit ihre Interprertationen! Warum immer bloß Koservativismus? Damit wäre doch Fortschritt und jede Weiterentwicklung unmöglich!
Lieber ab, wenn wir auch ähnliches schon sehr oft diskutiert haben, so muss es wohl auch hier wieder einmal sein. Gerade der Vergleich mit Kennedy fordert eine Kontroverse ja geradezu heraus. Allerdings habe ich an Kennedy musikalisch nicht ganz so viel auszusetzen, bei ihm kann ich nur nicht leiden, dass ich mir zur Laser-Show den fettigen Irokesenwuschel und die wahrscheinlich aus einem badezimmerteppich gefertigte Toga anschauen muss. Warum mich das stört? Weil es genau wie im Pop immer mehr weg führt von der Musik hin zu einem Multimedia-Spektakel mit Ikonisierung der Protagonisten. Dass sich das gut verkauft ist mir schon klar. Bei Lang Lang hätte ich wahrscheinlich weniger Probleme, wenn er in Richard-Clayderman-Manier alles verpoppen und alles nur superkuschlig mollig dahinplätschern würde. Scheinbar will er ja aber beides, diese modische Coolness und gleichzeitig eben doch einen gewissen Anspruch an die Musik erfüllen. Nur weil ich das nicht mag, muss ich nicht konservativ sein. Im Gegensatz zu Dir scheint mir wichtig zu sein, was adäquat ist und was nicht (obwohl man sich hierüber sicher streiten kann). Bei Vivaldi finde ich fiepsige Flageolett-Ponticello-Impros, die stilistisch null und nichts mit dem folgenden Stück zu tun haben einfach blöd. Würde wenigstens eine Synthese entstehen, ok, aber das ist genauso passend, als ob Kennedy in guter Ozzy Osborne Manier noch eben schnell einer Fledermaus bei lebendigem Leib den Kopf abbeisst, bevor man dann, als wäre nichts gewesen, den Frühling anstimmt, den man dann überhaupt nicht revolutionär interpretiert. Ich gebe sogar zu, dass es bei Lang Lang viel schwieriger ist, den Stein des Anstoßes zu bestimmen, da man nach etwas subtileren Dingen suchen muss. Seine CD Dragon Songs, die sich erdreistet, von sich zu behaupten "chinesische Musik" zu enthalten, zeigt nichts weiter als die argen Folgen der maoistischen Kulturzerstörung. Völlig unbedarftes pentatonisches Gedudel mit einer Orchestration a la billigem Woolworth-Tschaikowsky finde ich gelinde gesagt zum Kotzen. Hier lohnt es sich schon gar nicht, noch auf die einzelnen Tracks einzugehen. Das ist Marketing in seiner schädlichsten Form: diesem Pianisten müssen wir es ja abnehmen, dass er sich mit chinesischer Musik auskennt, hatte er doch in der Carnegie-Hall schon mit seinem lieben Erhu-spielenden Papa gezeigt, welch tiefe Wurzeln er als familienliebender Chinese hat. Ich freue michschon auf die vielen Schüler-Aufsätze, die von der schönen chinesischen Klaviermusik handeln und wahrscheinlich auch noch davon erzählen, wie einst die Missionare den Steinway aus dem fernen China mitbrachten.
Mozart: Klaviersonate Nr. 10 KV 330 aus der CD "Memory" (schon der Titel des Albums ist Dreck): nie habe ich etwas lang-lang-weiligeres gehört. Was soll ich daran loben? Den Mut, das dynamisch dermaßen flach zu spielen? Oder wirst Du jetzt wieder wie üblich das "Ebenmaß" loben? Soll ich vielleicht hier die Unfähigkeit, außer Legato und Staccato noch etwas anderes zu zeigen als "Mut zum Kontrast" umdeuten?
Auf der selben CD sind auch die Kinderszenen von Schumann drauf. Hier könnte man wohlwollend noch das erste Stück "Von fremden Ländern und Menschen" als bewusst ebenmäßig dahingleitend verstehen (Schumanns flottes Tempo wird auch sonst oft genug von den Pianisten ignoriert). Das völlig vernuschelt und verhaspelte "Hasche-Mann" hingegen ist meiner Ansicht nach nicht würdig, auf CD gepresst zu werden. Hier sollte ein brillanter Techniker wenigstens zeigen, dass er einer ist und nicht nur so schnell spielen, dass er offenbar nicht mehr artikulieren kann. Die Rubati beim "Bittenden Kind" sind wie so oft bei Lang Lang nicht wirklich verständlich, mir scheinen sie oft beliebig, hat man halt so gelernt. Aber natürlich smooooooooooooth! "Wichtige Begebenheit": hier scheint Lang Lang nicht einmal zu wissen, wie er artikulieren will. Alles legato mit viel Pedal oder doch mal hin und wieder staccato? Dann scheint ihm zu anstrengend, den ganzen Mittelteil Fortissimo durchzuhalten, daher sackt es einfach in der Mitte zusammen, und am Schluss ein derart ausgedehntes Ritardando, dass die Wichtigkeit dieser Begebenheit zur Behäbigen Wichtigtuerei gerät. Die Träumerei spielt er auch nicht schlechter als die meisten anderen, die ebenfalls das schnelle Tempo ignorieren, welches Schumann offenbar vorschwebte. Dann ist mir aber doch ein Horowitz lieber, der das richtig schmalzig spielt. Aber ich weiß, das ist eben jenes besonders reife "Ebenmaß"... Um nicht unnötig weiter ins Detail zu gehen: grundsätzlich scheint Lang Lang das Gefühl zu haben, die Kinderszenen seien einfach nur eine Oberstimme und ein bisschen Gedudel in der linken Hand dazu. Dass das eine polyphone Schreibweise (fast durchgängig) ist, scheint ihm völlig entgangen zu sein. Ich sehe jedenfalls nicht, was ich an einer drögen, mitunter kaum zu hörenden linken Hand noch positiv bewerten soll, und kantabel spielen können viele, die auch noch etwas mehr bieten. Da ist kein Humor in der Interpretation, noch nicht einmal adäquates Spiel. Aber es klingt chic, weil "delikat" angeschlagen wird, kann man prima zur morgendlichen Yoga-Übung hören oder im Hintergrund zum Kaffeeklatsch. Das ist vielleicht das positive daran? Dass die Musik uns nicht ablenkt von anderen Tätigkeiten? Dass man dabei zusätzlich das Radio noch anhaben kann (die Oberstimmen hört man ja auch so noch, und der Rest ist unwichtig)? Nein, ich passe. Da bin ich lieber konservativ und höre mir Aufnahmen an, die die Musik noch ernst nehmen. Vielleicht werde ich irgendwann erwachsen und lerne, den Wert von stylischen Gelfrisuren aus Korea und von Designer-Leder-Sakkos über diese furchtbar reaktionäre Beachtung des Notentextes zu stellen.
S A T I E
Little_Swan (04.01.2008, 21:46): Dem einen mag Lang Lang sympathisch erscheinen, dem anderen weniger bzw. gar nicht. Manche finden seine Musik gigantisch, andere nicht. Mal abgesehen von wirklich objektiven Mermalen eines guten Pianisten (Technik, etc.), ist so ein Eindruck also vollkommen subjektiv.
Es wächst gerade eine neue Generation von Musikern heran, die versucht, aus manchen Prinzipien auszubrechen. Das mag bei Fällen wie diesem zum Teil durchaus unangebracht und übertrieben sein. Zwar finde ich es gut, ein Stück weit revolutionär zu sein und zu sagen: "In einem Anzug fühle ich mich verkleidet. Ich möchte lieber in etwas spielen, das mir selbst mehr gefällt und in dem ich mich beim Spielen uneingeschränkt bewegen kann." Nun könnte man einfach ein schlichtes schwarzes Hemd wählen, das würde ein halbwegs vernünftiger Mensch tun. Lang Lang gefällt sich wohl mit Wischmoppfrisur und einem T-Shirt, das aussieht, als hätte er schon drei Nächte darin geschlafen, besser. So ein Fortschritt bringt niemanden weiter. Wenn es so weit kommt, ist es wahrscheinlich besser, konservativ zu bleiben. Wem so etwas besser gefällt, kann sich ohne Probleme Bill Kaulitz (Tokio Hotel) anschließen, sollte sich aber einer solchen Welt eher fernhalten.
Lang ist meiner Meinung nach überzüchtet, niemand, auch nicht die größten Wunderkinder, sind zu solchen Sachen geboren. Üben, üben, üben. Wann, wenn überhaupt, konnte und kann er ein Mensch sein? Durfte er sich jemals wie ein Kind benehmen? Einfach mal rausgehen, mit Freunden kicken gehen, glücklich sein? Wahrscheinlich nicht, sonst würde er nämlich jetzt nicht versuchen, es nachzuholen und sich wie ein albernes Teenie-Idol zu benehmen. Um zu dem schönen Zitat mit dem Zen-Meister zurückzukommen: Er hätte Zeit gebraucht, um sich zu finden, seinen Ton zu finden. Wenn er sich mehr Zeit genommen hätte, um die Musik lieben zu lernen, aber auch andere Sachen auszuprobieren, dann wäre er niemals zu dem geworden, was er jetzt ist. So etwas kann man eigentlich nur traurig finden.
Glaubt ihr, dass irgendjemand sich in 20 Jahren an ihn erinnern wird? Sicherlich nicht. Er ist ein Sternchen, kein Star, einer unter vielen, aber wenn er das irgendwann mal begreift, ist es vielleicht schon zu spät.
@ Satie: Danke für den wundervollen Artikel. Habe selten so gelacht, v.a. über die durchaus treffende Beschreibung Nigel Kennedys.
Alles Liebe, Lea
Pollux (05.01.2008, 12:34): Mh, meine kleine Polemik weiter oben ist tatsächlich nur ganz milde überzeichnet. Die Ressentiments Lang Lang gegenüber haben in den meisten Fällen ganz offenkundig außermusikalische Gründe. Da wird dann selbst vor Martha Argerich nicht Halt gemacht, nur damit die eigene zementierte Position aufrecht gehalten werden kann. Und selbst da, wo musikalisch begründete Kritik vorgebracht wird, fällt diese durchweg schärfer aus, als bei anderen Pianisten. Einer wie Lang lang interpretiert nicht, der dudelt bloß.
Ich selber habe keine Lang Lang CDs, bin auch kein Fan und kann einiges der musikalischen Kritik auch nachvollziehen. Ich habe zwei oder drei Konzerte mit lang Lang im Fernsehen gesehen (und fand seinen Beethoven gar nicht übel), nebst einigen Kurzauftritten. Auch wenn ich ja nur ein stinknormaler Musikliebhaber bin, und nicht über so spitze Ohren verfüge wie die Experten hier, muss ich doch sagen, sooo schlecht wie der Junge gemacht wird, ist er bestimmt nicht. Selbst einschlägig bekannte CD-Rezensenten, das Messer allzeit gewetzt im Gewande führend, lassen mehr Fairness walten und haben kein Problem damit, musikalische Qualitäten in Lang Langs Interpretationen zu erkennen und zu benennen.
Erstaunlich auch, dass Dinge wie Haartracht, Klamotten und Gehabe einige Klassikfans mehr beschäftigen, als die für sowas zuständige Boulevardpresse.
Gruß, Pollux
ab (05.01.2008, 19:06): Original von Satie Nein, ich passe. Da bin ich lieber konservativ und höre mir Aufnahmen an, die die Musik noch ernst nehmen. Vielleicht werde ich irgendwann erwachsen und lerne, den Wert von stylischen Gelfrisuren aus Korea und von Designer-Leder-Sakkos über diese furchtbar reaktionäre Beachtung des Notentextes zu stellen.
Lieber Satie,
schön, dass Du für Dich Gründe hast, Lang Lang nicht beachten zu wollen! Mich überzeugen Deine Ausführungen und ich kann Deine Entscheidung gut nachvollziehen; auch wen ich sie für mich nicht als hinreichend ansehen, ihn deshalb zu verdonnern. (Aber ein Mozart ASMutters oder Interpretationen von Afanassiev bin ich genauso wenig prinzipiell abgeneigt wie Bach-Klavierkonzerte von Stadtfeld oder (höchstwahrscheinlich) das WKT von Koroliov, oder dem House-Music-Drive der Mozart Klaviersonaten des ganz späten Gulda bei Paradise Records).
Mir ist noch eingefallen, Lang Langs unglaubliche Bühnenpräsenz (vergleichbar wohl noch mit Vengerov) zu rühmen und neben dem wunderbaren Klagfarbenreichtum noch zu würdigen, dass er es versteht, Spannung aufzubauen und zu halten. Bei ihm gibt es auch in rasendem Tempo keinerlei technische, dynamische oder klangliche Einbußen.
Ich sehe übrigens die genannte Gefahr, die neuen Hörerschichten durch Show von der Musik abzulenken, überhaupt nicht: ohne viel Hörerfahrung kann man eh (noch) nicht den musikalischen Entwicklungen folgen...
satie (05.01.2008, 20:06): Original von ab Ich sehe übrigens die genannte Gefahr, die neuen Hörerschichten durch Show von der Musik abzulenken, überhaupt nicht: ohne viel Hörerfahrung kann man eh (noch) nicht den musikalischen Entwicklungen folgen...
Lieber ab, ich sehe die Gefahr darin, dass durch die Show der Gedanke an die Möglichkeit, sich den musikalischen Entwicklungen hörend zu öffnen gar nicht erst geweckt wird und so diese Möglichkeit vielleicht für immer verbaut bleibt.
Little_Swan (05.01.2008, 21:26): Glenn Gould spielte mit überkreuzten Beinen, und auch, wenn man sich vielleicht über seine Interpretationen streiten kann, war er so genial, dass man ihm Narrenfreiheit einräumte. Es geht hier - finde ich - nicht darum, Lang Lang irgendwie zu verurteilen, weil er sich unangemessen kleidet und verhält, sondern darum, zu erkennen, dass er ein guter Pianist ist, aber kein genialer. Und er wird auch nicht durch sein extremes Showgehabe zu einem besseren oder gar interessanteren Musiker. Wenn er wirklich der "weltbeste" Pianist wäre, dann würde man ihm sicher ohne Widerworte die eine oder andere Eigenheit durchgehen lassen, aber ein so albernes Verhalten hätte er dann echt nicht mehr nötig.
Ich hoffe, ich darf das so sagen und werde jetzt nicht dafür auseinander genommen. :B
Lea
karajan (16.01.2008, 19:55): Original von ab Original von Satie Nein, ich passe. Da bin ich lieber konservativ und höre mir Aufnahmen an, die die Musik noch ernst nehmen. Vielleicht werde ich irgendwann erwachsen und lerne, den Wert von stylischen Gelfrisuren aus Korea und von Designer-Leder-Sakkos über diese furchtbar reaktionäre Beachtung des Notentextes zu stellen.
Lieber Satie,
schön, dass Du für Dich Gründe hast, Lang Lang nicht beachten zu wollen! Mich überzeugen Deine Ausführungen und ich kann Deine Entscheidung gut nachvollziehen; auch wen ich sie für mich nicht als hinreichend ansehen, ihn deshalb zu verdonnern. (Aber ein Mozart ASMutters oder Interpretationen von Afanassiev bin ich genauso wenig prinzipiell abgeneigt wie Bach-Klavierkonzerte von Stadtfeld oder (höchstwahrscheinlich) das WKT von Koroliov, oder dem House-Music-Drive der Mozart Klaviersonaten des ganz späten Gulda bei Paradise Records).
Mir ist noch eingefallen, Lang Langs unglaubliche Bühnenpräsenz (vergleichbar wohl noch mit Vengerov) zu rühmen und neben dem wunderbaren Klagfarbenreichtum noch zu würdigen, dass er es versteht, Spannung aufzubauen und zu halten. Bei ihm gibt es auch in rasendem Tempo keinerlei technische, dynamische oder klangliche Einbußen.
Ich sehe übrigens die genannte Gefahr, die neuen Hörerschichten durch Show von der Musik abzulenken, überhaupt nicht: ohne viel Hörerfahrung kann man eh (noch) nicht den musikalischen Entwicklungen folgen...
Hallo ab
Ich muß deine Meinung teilen auch wenn meine Stärke nicht unbedingt die Klaviermusik ist. Lang kurz ist noch jung und ich glaube durch die Medien und den Rummel auch teilweise überfordert. Lassen wir ihn noch ein paar Jahre reifer werden ich glaube schon das er noch besser wird. das was ich im Fernsehen und auf Classica gesehen habe hat mir gefallen auch sein Farbenprächtiges Spiel war gut. Ich finde wie er hier runtergespielt wird von einigen ist nicht ok. Ist zwar vielleicht zu früh aber ich merke parallelen zu Karajan der eine mag ihn der andere mag garnichts. Hoffe ihm wird das erspart wünsche ihm Glück
Gruß Karajan
YJ (08.08.2008, 14:50): Gerade "spielt" Lang Lang bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking ... naja ... :ignore
Rachmaninov (08.08.2008, 15:11): Original von YJ Gerade "spielt" Lang Lang bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking ... naja ... :ignore
Da schaue ich erst gar nicht rein .... :D
YJ (08.08.2008, 15:18): Original von Rachmaninov Original von YJ Gerade "spielt" Lang Lang bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking ... naja ... :ignore
Da schaue ich erst gar nicht rein .... :D
Ich schaue es mir ja auch nicht wegen Lang Lang an :rofl
Rachmaninov (12.08.2008, 07:55): Ich erlaube mir den Dialog von "Was höre ich gerade...." hier nochmals zu wiederholen:
Original von Dox Orkh Heute morgen blind im Radio: Der 1. Satz aus Beethovens 4. Klavierkonzert. Für meine Ohren war das zum Davonlaufen. Auftrumpfendes Virtuosengedonnere, wie ich es generell nicht mag und das für mein Hörempfinden bei Beethoven unpassend ist. Die Auflösung: Lang Lang / Eschenbach. Das war meine erste Begegnung mit diesem vieldiskutierten Pianisten. Ich lasse mich ja sonst nicht von der Voreingenommenheit gegen "gehypte" Jungstars anstecken, aber hier kann ich die allgemeine Kritik gut nachvollziehen.
Immerhin haben sie nicht seinen Skriabin gespielt. Das ist mir nämlich im Radio einst zu Ohren gekommen. :(
Lang Lang ist längst zu Werbeikone und Symbol geworden. Uhren, Schuhe, ...... was kommt da noch. Mit Kunst hat das wenig zu tuen, außer der Kunst der Vermarktung!
Kantate (12.08.2008, 22:43): Habe nicht alles gelesen, was hier zu Lang Lang geschrieben wurde. Möchte aber doch einmal die Frage ins Forum stellen, wer von beiden, Lang Lang oder André Rieu, mehr Show abzieht? Es ist doch zweifelsfrei Rieu! - Nein, Lang Lang zieht keine Show ab! Er kann's!
Pianistische Grüße,
Kantate :wink
satie (13.08.2008, 00:33): Original von Kantate Habe nicht alles gelesen, was hier zu Lang Lang geschrieben wurde. Möchte aber doch einmal die Frage ins Forum stellen, wer von beiden, Lang Lang oder André Rieu, mehr Show abzieht? Es ist doch zweifelsfrei Rieu! - Nein, Lang Lang zieht keine Show ab! Er kann's!
Pianistische Grüße,
Kantate :wink
Liebe Kantate, fragt sich nur, wer dann der ehrlichere ist. Rieu dürfte wohl keinen Hehl draus machen, dass sein ganzes Leben ein einziger Kommerz ist. Geige spielen scheint er ja auch grundsätzlich zu können (vielleicht nicht gerade wie Heifetz oder Perlman, sicher aber etwa so wie ein Justus Frantz Klavier spielt... :ignore). Lang Lang mag ja scheinbar unschuldig in eine Marketingsmaschinerie geraten sein, aber spätestens wenn einer anfängt, sich für Turnschuhe herzugeben und mit einem Typen Namens "Schiller" (ja, der Dicherfürst dürfte sich wohl jedes Mal im Grabe umdrehen, wenn von dem die Rede ist) sportliche Pophymnen einspielt, müsste einem klar sein, dass man sich nur noch prostituiert für den schnöden Mammon. Das ist die Show die er abzieht und die unterschwellig eben auch dann mitschwingt, wenn er Werke spielt, die fern solchen Marketings entstanden waren und die stolzen Namen von Schumann oder Haydn tragen. Mir fällt in diesem Zusammenhang der damals sehr beliebte Vico Torriani ein (ja, der Schnulzi mit dem Dauerlächeln "in der Schweiz, in der Schweiz, in der Schweiz"). Der hat ehrlich zugegeben, dass er diesen "Dreck" nur singt, weil es gut für sein eidgenössisch geheimnismäßig geschütztes Bankkonto ist. Und ein Rieu würde das wahrscheinlich auch zugeben, wenn man mit ihm bei einem Glas Wein unter vier Augen säße. Die Regenbogenpresse schreibt ja über sowas nicht, damit keine wertvollen Abonnenten verloren gehen. Lang Lang kann einem insofern leid tun, weil er einerseits natürlich in der formal immer noch ernsthaften Klassikszene zu Hause ist (Rieu hingegen macht ganz klar U-Musik oder benutzt zumindest Repertoire, welches nicht eindeutig zuzuordnen ist). Zwar haben wir es schon mit Vanessa Mae zu tun gehabt, aber die konnte man leicht abschreiben, und ein Nigel Kennedy spielt zu schlecht, als dass sein Punklook darüber hinwegtäuschen könnte. Lang Lang ist aber tatsächlich ein Virtuose, dem man in dieser Hinsicht nicht viel nachsagen kann: falsch spielt er ja nicht. Er spielt zu gut als dass er wie James Last enden könnte oder etwa gar ein Richard Clayderman, und gerade deshalb ist ja das Gehabe so befremdlich. Mir jedenfalls scheint das ein größeres Problem und deshalb erhitzt es die Gemüter. Würde er mies spielen, also richtig schlecht, dann hätte man ihn einfach wie ein lästiges Furunkel aus der Klassikszene herausgeschnitten und ihn seinen Turnschuhen und Uhren überlassen. So aber fragt man sich ständig: könnte er nicht viel besser, wenn er diesen ganzen Mist von sich weisen würde? Vielleicht hätte er dann Zeit, sich auf Kunst zu konzentrieren und würde seine Eitelkeiten ablegen. Vielleicht wird er eines Tages nicht mehr interessant sein für die Musikindustrie. Dann könnte er eine Chance haben, für die Musik interessant zu werden.
Herzlich, S A T I E
Jürgen (13.08.2008, 08:47): Original von Satie So aber fragt man sich ständig: könnte er nicht viel besser, wenn er diesen ganzen Mist von sich weisen würde? Vielleicht hätte er dann Zeit, sich auf Kunst zu konzentrieren und würde seine Eitelkeiten ablegen.
Nun ich glaube nicht, dass er für die Turnschuhe viel Zeit investieren musste, er brauchte sie ja nicht selber entwerfen. Ein Tag im Fotostudio, denke ich. Weniger Zeit hat Domingo seinerzeit auch nicht mit John Denver im Studio verbracht.
Im übrigen habe ich vollstes Verständnis dafür, wenn jemand, der stark im öffentlichen Interesse steht (selbst wenn er dahin gepusht wurde), diese Position ausnutzt und lukrative Werbeverträge abschließt. Ich würde es mit Sicherheit genauso machen. Rechnet doch mal aus, wieviele CDs man davon kaufen könnte!!
Letztlich habe ich den Eindruck, dass von vielen hier die pianistischen Leistungen Lang Langs gar nicht bezweifelt werden. Die Diskussion, ob er nun der beste oder zweitbeste Pianist aus China ist, erscheint mir daher etwas kleinlich. Oder haben wir hier eine typisch deutsche Neiddiskussion?
Grüße Jürgen
ab (13.08.2008, 09:24): Original von Satie
fragt sich nur, wer dann der ehrlichere ist.
Irgendwie geht mir das Geschimpfe auf Lang Lang gehörig auf die Neven. FPZimmermann wirft man ja auch nicht vor, bei seiner Bach-Violinsonaten, nicht hip zu spielen. Warum aber wirft man Lang Lang, Nigel Kennedy und ASMutter derartiges vor!? Das sind doch alles Musiker, die versuchen, die Kompositionen alter Zeit in Form unserer heutigen Tage zu spielen.
(Auch ist soziologisch betrachtet das Phänomen Lang Lang nur positiv zu bewerten: Man bedenke nur, wieviel Menschen allein in China angefangenen haben, wegen ihm das Klavierspiel zu erlernen.)
:S
satie (13.08.2008, 11:35): Original von ab Original von Satie
fragt sich nur, wer dann der ehrlichere ist.
Irgendwie geht mir das Geschimpfe auf Lang Lang gehörig auf die Neven. FPZimmermann wirft man ja auch nicht vor, bei seiner Bach-Violinsonaten, nicht hip zu spielen. Warum aber wirft man Lang Lang, Nigel Kennedy und ASMutter derartiges vor!? Das sind doch alles Musiker, die versuchen, die Kompositionen alter Zeit in Form unserer heutigen Tage zu spielen.
(Auch ist soziologisch betrachtet das Phänomen Lang Lang nur positiv zu bewerten: Man bedenke nur, wieviel Menschen allein in China angefangenen haben, wegen ihm das Klavierspiel zu erlernen.)
:S
Wenn der Zweck die Mittel immer heiligen würde...dann müsstest Du doch Sachen wie "Mozart in Egypt" oder die berühmte Fassung von Beethovens Fünfter mit unterlegtem Discobeat eigentlich auch toll finden, weil dadurch jeder Discobesucher zum Beethovenhörer wird. Ich gestehe, in dieser Hinsicht konservativ zu sein. Weiter führe ich die Diskussion nicht, weil wir sonst wieder in den Untiefen über die Diskussion des "Werkbegriffs" landen.
Herzlich, S A T I L L I B I L L Y L O L L Y P O P C O R N
ab (13.08.2008, 11:48): Original von Satie Wenn der Zweck die Mittel immer heiligen würde...dann müsstest Du doch Sachen wie "Mozart in Egypt" oder die berühmte Fassung von Beethovens Fünfter mit unterlegtem Discobeat eigentlich auch toll finden, weil dadurch jeder Discobesucher zum Beethovenhörer wird. Ich gestehe, in dieser Hinsicht konservativ zu sein. Weiter führe ich die Diskussion nicht, weil wir sonst wieder in den Untiefen über die Diskussion des "Werkbegriffs" landen.
Herzlich, S A T I L L I B I L L Y L O L L Y P O P C O R N
Da sollte man schon zweierlei auseinanderhalten: das Soziologische der Folgen für die Klassik: da geht es, scheint mir, doch nicht darum, dass alle Mitteln den Zweck heiligen: eine Berliner Techno-Version des Radetskymarsches ist immer noch Techno und nicht Klassik, und "Mozart in Egypt" ist Crossover. Wenn Technomusiker Klassik aufgreifen, dann ist das doch genauso legitim wie wenn Jazzer Poplieder zu Standards machen oder Monteverdi, Haydn und Bártok Volklore aufgreifen.
- Ob nun solches die Leute dazu verführt, Klassik zu hören ist eine ganz andere Sache (Denke aber nur an Klaus Nomis Versionen von Purcells King Arthur in den 80er - die einzig damal erhältliche Klassik-Einspielung mit Alfred Deller bei hmf ist heute noch einer ihrer Bestseller!)
Zum Musikalischen: Nigels Kennedys neue "einsame Wanderung auf den Berg des Violinkonzerts von Beethoven" bei der EMI ist immer noch Beethovens Violinkonzert, wenn auch sicher nicht historisch informiert , dann sehr zeigemäßg gespielt, genauso wie Mutters Klangfarbenbmalerei bei den Mozart-Konzerten oder FPZimmermann bei Bach. Die Galamian-Schüler der 60er und 70er spielten ja auch recht frei ihren Zeitgeschmack. Warum (Werk-diskusion hin oder her) sollte Lang Lang das nicht auch dürfen?
satie (13.08.2008, 12:40): Original von ab
Da sollte man schon zweierlei auseinanderhalten: das Soziologische der Folgen für die Klassik: da geht es, scheint mir, doch nicht darum, dass alle Mitteln den Zweck heiligen: eine Berliner Techno-Version des Radetskymarsches ist immer noch Techno und nicht Klassik, und "Mozart in Egypt" ist Crossover. Wenn Technomusiker Klassik aufgreifen, dann ist das doch genauso legitim wie wenn Jazzer Poplieder zu Standards machen oder Monteverdi, Haydn und Bártok Volklore aufgreifen.
- Ob nun solches die Leute dazu verführt, Klassik zu hören ist eine ganz andere Sache (Denke aber nur an Klaus Nomis Versionen von Purcells King Arthur in den 80er - die einzig damal erhältliche Klassik-Einspielung mit Alfred Deller bei hmf ist heute noch einer ihrer Bestseller!)
Zum Musikalischen: Nigels Kennedys neue "einsame Wanderung auf den Berg des Violinkonzerts von Beethoven" bei der EMI ist immer noch Beethovens Violinkonzert, wenn auch sicher nicht historisch informiert , dann sehr zeigemäßg gespielt, genauso wie Mutters Klangfarbenbmalerei bei den Mozart-Konzerten oder FPZimmermann bei Bach. Die Galamian-Schüler der 60er und 70er spielten ja auch recht frei ihren Zeitgeschmack. Warum (Werk-diskusion hin oder her) sollte Lang Lang das nicht auch dürfen?
Warum muss man hier zweierlei auseinanderhalten, wo doch ganz offenkundig beides verknüpft ist? Sicher: der europäische Philosoph lacht auf, wenn ich solche Fragen stelle, weil da immer alles getrennt werden muss. Und was soll hier überhaupt immer der Hinweis auf HIP? Darum geht es sowieso nicht. Vielleicht habe ich ja sowieso ein Problem mit unserer kunterbunten Spaßkultur und neige deshalb hier zur Ablehnung. Was legitim ist und was nicht ist ebenfalls nicht meine Frage, sondern die, ob die Resultate künstlerisch befriedigend sind, und das bezweifle ich bei den Techno-Experimenten sehr, sehr stark, so wie ich es auch bei neinem Jacques Loussier bezweifle oder bei einem Eugen Cicero, die zwar sozusagen vornehmer daherkommen aber trotzdem nicht verstanden haben, dass Bach kein Jazz ist. So weit geht es bei Lang Lang nicht, ich habe lediglich das Gefühl, dass die marketingmäßigen Nebentätigkeiten einfließen in das, was auf der Bühne zu hören ist. Dasselbe würde ich übrigens über die drei Tenöre genau so sagen.
ab (13.08.2008, 13:32): Original von Satie
Warum muss man hier zweierlei auseinanderhalten, wo doch ganz offenkundig beides verknüpft ist? Sicher: der europäische Philosoph lacht auf, wenn ich solche Fragen stelle, weil da immer alles getrennt werden muss. Und was soll hier überhaupt immer der Hinweis auf HIP? Darum geht es sowieso nicht.
Irgendwie ist das trivial, dass beides verknüpft ist, denn wo kein Spieler da kein Hörer; und weiten Teils auch umgekehrt. Das mit dem "Trennen" scheint mir irgend so ein billiges perjoratives Vorurteil zu sein (oder ein irrtümliches Vermengen von "Trennen" und "Unterscheiden": Auch wenn beides stets zusammen vorkommt und daher nicht getrennt werden kann, so kann man es doch unterscheiden und auseinanderhalten. Das hat nichts mit europäischer Philosophie zu tun, sondern mit Vernunft).
Was legitim ist und was nicht ist ebenfalls nicht meine Frage, sondern die, ob die Resultate künstlerisch befriedigend sind,
Da sind wir ja einer Meinung! (Auch wenn ich da wohl toleranter bin, wenn jemanden die wahrlich schlechte Technoversion über den Radetskymarsch gefällt, dann soll er sie ruhig goutieren.)
So weit geht es bei Lang Lang nicht,
Auch da sind wir ja einer Meinung!
ich habe lediglich das Gefühl, dass die marketingmäßigen Nebentätigkeiten einfließen in das, was auf der Bühne zu hören ist.
Das lässt sich dann halt wohl kaum trennen :W
:hello
satie (13.08.2008, 16:09): Lieber ab,
Irgendwie ist das trivial, dass beides verknüpft ist, denn wo kein Spieler da kein Hörer; und weiten Teils auch umgekehrt. Das mit dem "Trennen" scheint mir irgend so ein billiges perjoratives Vorurteil zu sein (oder ein irrtümliches Vermengen von "Trennen" und "Unterscheiden": Auch wenn beides stets zusammen vorkommt und daher nicht getrennt werden kann, so kann man es doch unterscheiden und auseinanderhalten. Das hat nichts mit europäischer Philosophie zu tun, sondern mit Vernunft).
ich nehme mal an, dass Du weißt, dass ich es glücklicherweise als Kompliment verstehe, wenn ich als unvernünftig gelte, daher fasse ich diesen indirekten Hinweis auch so auf. Interessant finde ich, dass mein billiges, verschlechterndes (das bedeutet doch pejorativ?) Vorurteil gekontert wird mit einem Hinweis darauf, dass ich es versäume "Trennen" und "Unterscheiden" zu trennen (oder zu unterscheiden??). Das ist genau das: in der Essenz sind "Trennen" und "Unterscheiden" genau derselbe Stiefel. Wenn man unterscheidet, betrachtet man doch die Dinge, die nicht gemeinsam sind, also genau jene Faktoren, die es erlauben, eine Trennung vorzunehmen. Also was soll das? Den europäischen Philosophen lassen wir dann halt heraus, wenn das gleich zum Streitpunkt wird. Übrigens: gibt es hier vielleicht ein irrtümliches Vermengen von "Vernunft" und "Verstand"?
S A T R I V I A L I E
Rachmaninov (13.08.2008, 17:50): Original von Kantate Habe nicht alles gelesen, was hier zu Lang Lang geschrieben wurde. Möchte aber doch einmal die Frage ins Forum stellen, wer von beiden, Lang Lang oder André Rieu, mehr Show abzieht? Es ist doch zweifelsfrei Rieu! - Nein, Lang Lang zieht keine Show ab! Er kann's!
Pianistische Grüße,
Kantate :wink
Aha
ab (13.08.2008, 18:35): Original von Satie Übrigens: gibt es hier vielleicht ein irrtümliches Vermengen von "Vernunft" und "Verstand"?
Das liegt nahe, aber, nein, nein, ich meinte schon die Vernunft und nicht nur das Vermögen, Begriffe bilden und diese zu Urteilen verbinden zu können.
Ich nehme mal an, dass Du weißt, dass es mir bei meinen Anmerkungen nicht um Satire geht.
Kompliment wollte ich, übrigens, keines machen: Das Gegenteil von "vernünftig sein" ist nämlich "nicht vernünftig sein"; nicht aber "unvernünftig sein" (letzteres bildet nicht einmal eine echte Teilklasse des mittleren)!
Für jemanden, der vorgibt, unvernünftigerweise bestimmte Unterscheidungen nicht treffen zu wollen, kommen schon recht vernünfige begriffliche Ermahnungen in bezug auf bestimmte Unterscheidungen anderer ;-)
Aber genug, wir schweifen ab... :hello
ab (13.08.2008, 18:40): Hat eigentlich Glenn Gould mit seinen exaltierten Bewegungen "eine Show abgezogen", oder Friedrich Gulda als er nackend aufgetreten ist und berührend schön Bach gespielt hat? Wie ist der Leidensblick von ASMutter zu bewerten? Wie der auf die Seite gelegte Hals bei Isserlis und anderen Cellisten? War das ruhige Sitzen Rubisteins nicht womöglich doch nichts weiter als kalkulierte Show?
Gamaheh (13.08.2008, 19:32): Lieber Satierikos und die anderen,
eigentlich wollte ich nichts mehr zu Lang Lang schreiben, denn er interessiert mich einfach nicht (es sei denn als Phänomen). (Auch das, was hier jemand so unpassend als „Lang-Lang-Bashing“ bezeichnet hat, interessiert mich nicht wirklich.)
Aber die Schlußfolgerungen, die hier gezogen werden, möchte ich doch schon kommentieren. Was heißt z.B. hier „konservativ“? Das ist doch nichts anderes als ein abwertendes Urteil, das hier keinerlei Bedeutung hat. Die meisten von uns sind wahrscheinlich – wie ich – konservativ genug, daß sie nicht olle Kamellen wie Bach, Mozart, Beethoven usw. usf. als unnötigen und völlig unzeitgemäßen Ballast ersatzlos über Bord werfen wollen?
Worum geht es hier eigentlich ? Doch nur um Meinungen, Eindrücke, Geschmack und dergleichen mehr, alles Dinge, die sich nicht begründen lassen und auch nicht begründet zu werden brauchen. Und dann wird mit Begriffen wie „Konservativismus“, „Vernunft“ usw. argumentiert? Und damit, daß andere den Kopf schief halten ?
Es läßt sich natürlich in allem und jedem etwas Positives finden, aber ich muß nicht das Positive in Lang Lang suchen, denn was immer es ist, es interessiert mich nicht (und das Negative auch nicht).
Daß Lang Lang die Jugend für die Klassik interessiert, weil er „hip“ sei, wage ich zu bezweifeln. Die Jugend wird hier für einfältig gehalten. Von meinen Kindern, die nicht gerade in dem Alter sind (und es auch nie waren), wo sie etwas gut oder schlecht finden, nur weil ich es gut oder schlecht finde, kann ich berichten, daß sie – auch wenn sie klassische Musik überhaupt nicht ablehnen – doch eher eine andere Musik hören, es aber – das ist mein Eindruck – für Anbiederung halten, wenn ein Klassik-Interpret sich wie ein Popstar gibt. Sie haben da einen recht guten Sinn für das, wofür ich kein wirklich befriedigendes deutsches Wort finde: vielleicht das Ziemliche, das Gemäße, Angemessene ...
Und das ist auch genau der Grund, warum mich Lang Lang nicht interessiert: Er verletzt mein Gefühl für das Ziemliche, wie auch (sowohl beim bloßen Hören als auch noch zusätzlich beim Sehen, welches letztere mich geradezu peinlich berührt) mein ästhetisches Empfinden. Das ist natürlich ganz subjektiv, aber es ist mein Empfinden, und da kann mir jeder, der meint, daß ich deswegen konservativ oder sonst etwas zu Beklagendes bin, mal gemütlich im Mondschein begegnen !
Von all dem abgesehen ist der Mann ja wirklich noch sehr jung, und hat nicht Horowitz auch so angefangen, und galt nicht sogar Rubinstein als junger Mann als seichter Musiker ?
Grüße, Gamaheh
Kantate (13.08.2008, 19:37): Herr Administrator, ich verstehe Ihre Bemerkung nicht so ganz! Ist es Ironie? Sie gefällt mir nicht! Zumindest nicht dann, wenn eine Person oder ihr Beitrag ins Lächerliche gezogen wird! Ist es möglich, sich in einem Forum normal freundlich auszutauschen?
Ich danke Ihnen!
Kantate
Rachmaninov (13.08.2008, 20:29): Original von Kantate Herr Administrator, ich verstehe Ihre Bemerkung nicht so ganz! Ist es Ironie? Sie gefällt mir nicht! Zumindest nicht dann, wenn eine Person oder ihr Beitrag ins Lächerliche gezogen wird! Ist es möglich, sich in einem Forum normal freundlich auszutauschen?
Ich danke Ihnen!
Kantate
Es war keine Ironie, und auch nicht die Intention Dich ins Lächerliche zu ziehen! Aber Rieu als Vergleich ran zu ziehen habe ich einfach erstaunt zur Kenntnis genommen.
Aus meiner persönlichen sicht hat er die schlechteste Aufnahme eines Rachmaninovkonzerts vorgelegt die ich JEMALS gehört haben und Gergiev hat das nicht verhindert! Außerdem hörte ich seinen Beethoven und fand ihn völlig uninteressant. Sein Skriabin, den ich einst im Radio hörte, war IMHO grausames Geklimper. Kurz: Es gibt IMHO 5 Dutzend junger PIanisten die ich ihm vorziehe.
satie (13.08.2008, 21:07): Original von Gamaheh
Aber die Schlußfolgerungen, die hier gezogen werden, möchte ich doch schon kommentieren. Was heißt z.B. hier „konservativ“? Das ist doch nichts anderes als ein abwertendes Urteil, das hier keinerlei Bedeutung hat. Die meisten von uns sind wahrscheinlich – wie ich – konservativ genug, daß sie nicht olle Kamellen wie Bach, Mozart, Beethoven usw. usf. als unnötigen und völlig unzeitgemäßen Ballast ersatzlos über Bord werfen wollen?
Worum geht es hier eigentlich ? Doch nur um Meinungen, Eindrücke, Geschmack und dergleichen mehr, alles Dinge, die sich nicht begründen lassen und auch nicht begründet zu werden brauchen. Und dann wird mit Begriffen wie „Konservativismus“, „Vernunft“ usw. argumentiert? Und damit, daß andere den Kopf schief halten ?
Liebe Gamaheh, zum zweiten Absatz kann ich Dir nur vollkommen zustimmen, und dieser Thread hat ja auch eindeutig den Zweck, dass pro und contra hirer besprochen werden. Es gibt schließlich auch keinen Preis für die beste Begründung. Auch ich wollte hier nichts begründen, sondern habe lediglich ein wenig weiter palavert. Viel wichtiger aber ist mir, dass ich den Begriff "konservativ" nicht eigentlich als negativ empfinde, obwohl er meistens diese Konnotation hat. Aus reiner Neugierde: gäbe es einen passenden negativ konnotierten Begriff für das Gegenteil? Mir fällt nämlich keiner ein, und eigentlich stimmt mich eher das nachdenklich...
Herzlich, K O N S E R S A T I E V I S M U S
ab (13.08.2008, 21:18): Original von Gamaheh Daß Lang Lang die Jugend für die Klassik interessiert, weil er „hip“ sei, wage ich zu bezweifeln.
Um ein Missverständis auszuräumen, mit HIP war hier gemeint: Historisch informierte Aufführungspraxis, nicht das er hip bei der Jugend ankäme, weil er modisch wäre.
Ich finde Llang Lang insofern (und nur insofern) interessant, weil er die harmonischesten Übergänge in Klangfarbenschattierungen zu spielen versteht, die ich pianistisch je gehört habe! Kaufen würde ich beslang mir nichts von ihm.
:hello
satie (13.08.2008, 21:47): Original von ab Hat eigentlich Glenn Gould mit seinen exaltierten Bewegungen "eine Show abgezogen", oder Friedrich Gulda als er nackend aufgetreten ist und berührend schön Bach gespielt hat? Wie ist der Leidensblick von ASMutter zu bewerten? Wie der auf die Seite gelegte Hals bei Isserlis und anderen Cellisten? War das ruhige Sitzen Rubisteins nicht womöglich doch nichts weiter als kalkulierte Show?
Gould: wahrscheinlich nicht (eher pathologische Gründe), ist ja konsequenterweise dann auch optisch zurückgetreten
Gulda: definitiv! Einmal trat er in einer völlig zerschlissenen, exkrementfarbenen Hose auf. Gleich nach dem Auftrittsapplaus sagte er zum Publikum: "Ich weiß, Ihr Applaus gilt meiner Hose." Also bitte... Ob er berührend schön Bach gespielt hat ist nun wieder eine ganz andere Frage. Beim Nacktauftritt hat er auch Blockflöte gespielt, wenn ich mich recht erinnere und überhaupt nichts, was auf dem Programm stand. Oder hat er das mehrmals gemacht? Finde ich eigentlich ok.
Zu Mutter, Isserlis und co.: Spiel Du mal jahrzehntelang Geige mit verdrehter Hand und schiefem Kopf, dann hast Du auch so einen Gesichtsausdruck. Mutter hat ihn außen, andere haben ihn innen, was viel ungünstiger ist. Beim Cello kann man sich auch gut Haltungsschäden holen, da wundert mich ein schiefer Schädel keineswegs.
Rubinstein: Natürlich, ruhiges Sitzen ist schon immer ein Indiz für kalkulierte Show gewesen. Deswegen haben sich ja auch damals die Teens um die Rubinstein-Schokolade und die passende Limonade gerissen. Auch war der Hochstirn-Look mit weiß gefärbten Haaren damals vielen Eltern ein Dorn im Auge, ebenso die künstlich hergeschminkten Falten. Am schlimmsten jedoch waren die Folgen der Rubinstein-Verehrung für die Rentenversicherungen, da alle seine Fans wie er mindestens 95 Jahre alt wurden. Schlimm, wie der Kunst-Kommerz manchmal alles kaputt machen kann...
Aber die obigen Beispiele sind ja alle noch harmlos!!! Man denke nur an die vielen Perlman-Fans, die sich weigern, zu gehen und lieber im Rollstuhl herumfahren. Der "Perlman iChair 2000" ging in den USA ja weg wie warme Semmeln... Oder Gidon Kremers Pferdegebiss-Masche! Dieser Marketinggag hatte damals die Zahnärzte fast zur Verzweiflung getrieben, die ja eigentlich verschönern sollten. Aber ein Fan ist eben ein Fan und will wie Mister Ed herumlaufen, die coole Hornbrille dazu war selbstverständlich ein Muss! Fielmann hat die heute noch in großen Mengen im Lager für den Fall eines Revivals.
Ja, es ist schon traurig, Marketing, wohin man nur sieht...
S A T I E.com: visit my shop and buy cool musique d'ameublement and gray leisure suits. Try the new "Monsieur le pauvre Muesli". It's completely tasteless!!
Gamaheh (13.08.2008, 23:50): Original von ab Original von Gamaheh Daß Lang Lang die Jugend für die Klassik interessiert, weil er „hip“ sei, wage ich zu bezweifeln.
Um ein Missverständis auszuräumen, mit HIP war hier gemeint: Historisch informierte Aufführungspraxis, nicht das er hip bei der Jugend ankäme, weil er modisch wäre.
Lieber ab,
herzlichen Dank für Deine hilfreichen Versuche, mich zu kultivieren ! Doch war mir der Unterschied zwischen "HIP" und "hip" tatsächlich bereits bekannt. Ich habe "hip" nicht in Anführungszeichen gesetzt, weil ich irgendjemanden zitieren wollte (denn wer hätte hier ausgerechnet LL mit "HIP" assoziiert?), sondern weil das Wort einem anderen Register angehört als der Rest des Textes.
Grüße, Gamaheh
Gamaheh (13.08.2008, 23:55): Original von Satie Viel wichtiger aber ist mir, dass ich den Begriff "konservativ" nicht eigentlich als negativ empfinde, obwohl er meistens diese Konnotation hat. Aus reiner Neugierde: gäbe es einen passenden negativ konnotierten Begriff für das Gegenteil? Mir fällt nämlich keiner ein, und eigentlich stimmt mich eher das nachdenklich... K O N S E R S A T I E V I S M U S
Lieber Satie,
noch schlimmer: Mir fällt auf Anhieb nicht einmal ein positiv konnotierter Gegenbegriff ein ! (Jedenfalls nicht einer.)
Im übrigen empfinde ich "konservativ" natürlich auch nicht als negativ, denn das schließt ja z.B. Offenheit für Neues überhaupt nicht aus. Schade, daß das Wort vielfach so gebraucht wird, als wäre es.
Grüße, Gamaheh
P.S.: Erstaunlich, was man mit einem Namen wie "Satie" alles machen kann ! Mit "Gamaheh" geht das nicht ...
ab (14.08.2008, 10:35): :rofl
ab (14.08.2008, 10:38): Original von Satie Aus reiner Neugierde: gäbe es einen passenden negativ konnotierten Begriff für das Gegenteil?
wie wäres mit dem geläufigen "zukunftsgläubig". :hello
ab (14.08.2008, 10:48): Original von Gamaheh (denn wer hätte hier ausgerechnet LL mit "HIP" assoziiert?),
...ich dachte, genau dies sei doch der Vorwurf an Lang Lang, dass er musikalisch nicht ernst genommen werden könne, weil er sich nicht um adäquate Aufführungstradition, Werkverständnis und Lebensumstände der Komponisten scheren würde (HIP im etwas erweiterten Sinne). Er spiele einfach "irgendwie" - oftmals chauvenistisch mit "asiatisch" betitelt -, dem die westliche Tradition nicht nur nicht abgehen, sondern er sich um diese gar nicht kümmern würde, was ein Sakrileg wäre. Erschwerend kommt hinzu, dass er dies mit höchsten manualen Fähigkeiten tun würde. Sein stupendes manuales Talent, gepaart mit musikalsicher Dummheit, nütze er schamlos für bloße Show.
Oder habe ich da den Vorwurf falsch verstanden?
:hello
(Ps. Sorry, ich habe selbst immer ein schlechtes Gewissen beim Verwenden solcher Abkürzungen, Viktor Klemperes "LTU" lässt grüßen... Es ist wohl eher eine Form von Ent-Kultivierung :( )
Cetay (inaktiv) (14.08.2008, 14:01): Original von Gamaheh (Auch das, was hier jemand so unpassend als „Lang-Lang-Bashing“ bezeichnet hat, interessiert mich nicht wirklich.)
So unpassend, weil durch das Aufzeigen von assozaitiven Vernetzungen entlarvend, finde ich das gar nicht. Der Begriff wird in der seltsamen Welt der Heavy-Metal-Jünger gerne verwendet, wenn -na was wohl- die kommerziell erfolgreichen "Verräter" des Genres an den Pranger gestellt werden. Was kommerziell erfolgreich ist, kann nicht gut sein! In dieser Hinsicht geben sich die kultivierten Klassik-Liebhaber und die Höllenreiter nicht viel. Weil sich die letzteren aber nicht hinter einer gebildeten Philosophensprache verstecken, wird hier viel klarer artikuliert, um was es eigentlich wirklich geht. Es hat weder etwas mit verschleuderten Talenten noch mit Konservatismus zu tun.
Es ist einfach unerträglich, dass jeder dahergelaufene Dödel auf einmal "meine Musik" hört und sich womöglich noch öffentlich als Anhäger derselben bezeichnet. Dann werde ich ja als getreuer Nackenbrecher auf einmal mit diesen Poppern in einen Topf geworfen. Wie bitte soll ich mich dann noch elitär aus dem Untergrund heraus von der Masse abgrenzen?
Kommt liebe Klassik-Connaisseurs, etwas Wahres ist da doch dran, oder? Wie soll man sich beim nächsten Cocktail-Empfang in Szene setzen, wenn der Schösel, der zufällig in der Nähe herumsteht, in unseren Vortag über diese einmalige Klavieraufnahme aus dem Jahr 1926 einfällt: "Ja, auf Klaviermusik steh ich auch, ich habe Lang Lang schon drei mal live gesehen. Schon gehört, dass der bald mit dem Kennedy und der Russin, deren Namen ich so schlecht aussprechen kann, auf Tour gehen soll?" Und die Dame, die wir nur deswegen so gebildet vollschwallen, weil wir gerne eine dunkle Ecke mit ihr aufsuchen wollen, antwortet: "Eeecht?" Nein, also das darf nicht sein. Deswegen werden wir weiter jeden Künstler, der ein gewisses Maß an Popularität erlangt hat, so lange schlechtreden, bis sich alle schämen, zuzugeben, dass sie eine Platte von ihm besitzen. Dann können wir wieder unter uns sein und keiner wird uns mehr mit diesem ahnungslosen Fußvolk verwechseln - zumindest solange, bis die nächste Marionette gehypt wird.
KETZ ERKH
Gamaheh (14.08.2008, 20:56): Lieber Ketz Erkh,
für „unpassend“ und auch fragwürdig halte ich diesen Ausdruck, weil er unterstellt, daß hier ungerechterweise auf einen armen, hilflosen, bereits am Boden liegenden Menschen eingeschlagen wird, der sich nicht wehren kann. Er unterstellt auch, daß die Leute, die (z.B.) LL als seichten Poseur empfinden, dies nur tun, weil es andere tun, und nicht, weil sie sich eine Meinung gebildet haben – er unterstellt ihnen Unmündigkeit. Es ist dies für mich ein Auswuchs vermeintlicher Toleranz und politisch korrekter Angepaßtheit.
Im Gegensatz zu Dir habe ich weder Erfahrungen mit der Heavy Metal Szene noch mit Cocktail Parties, aber ich hätte gedacht, daß gerade auf letzteren über LL und die anderen, die Du nennst, „geraved“ wird. Ich will mich nicht nur von der Masse absetzen, sondern von jedem, der mir sagen will, was ich tun, mögen oder gar denken soll. Und ich will mich nicht auf die Hühnerleiter setzen und Dreck fressen, weil es Hunderte (oder Tausende) auch tun.
Deine Argumentationsweise führt die ganze Diskussion ad absurdum. Die „gebildete Philosophensprache“, über die Du Dich mokierst, kann genauso wie „schlampige“ Sprache Audruck schlampigen Denkens sein – beide müssen es nicht – da muß man schon etwas genauer hinhören.
gute Neuigkeiten: Wie ich gerade zufällig las - erstaunlich, daß es hier noch nicht erwähnt worden ist! - hat Lang Lang vor kurzem seine längst überfällige Autobiographie veröffentlicht:
Musik ist meine Sprache. Die Geschichte meines Lebens. (279 S.) http://ecx.images-amazon.com/images/I/21Zshzs9E7L._SL500_AA180_.jpg
Ich habe selbst das Werk noch nicht in Händen halten dürfen, aber einer (sehr) knappen Rezension entnehme ich, daß der Meister uns an faszinierenden Details seines Zugangs zur Musik teilhaben läßt, z.B. daß er an Tom & Jerry oder Dragon Ball denkt, wenn er Liszt spielt.
Eine spannende Lektüre wünscht Gamaheh
sterniwaf (25.10.2009, 19:41): Hallo gerade läuft auf Arte das erste Klavierkonzert von Beethoven mit Lang Lang und Christoph Eschenbach. Was soll der Zirkus denn? Nur ein Beispiel: Am Anfang des zweiten Datzes spielt dieser Clown nach der Eingangssequenz zwei aufsteigende Töne, die von allen anderen Interpreten, die ich bis jetzt gehört habe, absteigend und als wichtiger Übergang in der weiteren Verlauf des Satzes , gespielt werden. Der haut auf die Tasten, als wär`s ihm egal. Der nutzt jede Stelle wo es ihm passt, nervige Überbetonungen einzubauen. Ab in die Tonne. Und das Publikum schreit Bravo.
Jeremias (26.10.2009, 15:58): Und er verdient Millionen damit.... Kempff, Backhaus, Horowitz, Arrau.... sie drehen sich im Grabe um, wenn sie das sehen...
Heike (26.10.2009, 16:47): Ich lese gerade das o.g. Buch. Bin zwar erst bei der Hälfte, aber bereits jetzt ist mir klar, warum der Mann so eine Gier auf Geld und Publicity hat. Es ist unglaublich, wie der als Kind von seinem Vater gedrillt wurde, das erinnert an finsterstes Mittelalter. Da kann er mir schon fast wieder leid tun. Davon mal abgesehen, dass das ganze Buch simpel geschrieben ist und natürlich mit Literatur nichts zu tun hat - wenn auch nur die Hälfte von dem stimmt, was da beschrieben ist, dann ist der eine tragische Gestalt auf der Suche nach Erfolg.
Ich hab ja vor kurzem, Lang Lang mit Klaviertrios in einem Kammerkonzert gesehen, da hat er auch mitunter solche Show-Kapriolen angedeutet (und das Publikum hat mehrheitlich ähnlich erfreut reagiert). Andererseits hatte er auch wirklich wunderschön ausdrucksvolle Passagen gespielt, also er kann es. Ich werde mal das Buch zu Ende lesen und dann evt. nochmal berichten (bin jetzt erst im Teenageralter angekommen). Heike
sterniwaf (27.10.2009, 07:34): Hallo, wer will denn ernsthaft abstreiten, das Lang Lang Talent hat? Auch im Klavierkonzert hatte er gute Passagen. Und wenn der sich reifen ließe, könnte das doch ein ganz Großer werden. Ich verurteile auch nicht seine Mimik und Gestik am Klavier, von mir aus kann er Kusellköppe beim Spielen schlagen, aber wenn prägnante Passagen falsch gespielt werden, hört der Spass auf. Von mir aus kann der so weiterklimpern, es gibt viele andere gute Interpreten. Und noch was: Wenn der mit einem solch gespieltem Firlefanz auch noch riesigen Erfolg hat, warum soll er dann sein obeflächliches, falsch affektiertes Spiel ändern?
kreisler (27.10.2009, 21:24): Ja, warum sollte man, wenn man so Geld verdient :J
Wenn man nur Geld verdienen will, sollte man seine Hände vom Künstlertum lassen... :wink
Heike (27.10.2009, 21:52): Ich zitiere mal von der aktuellen webseite der Berliner Philharmoniker (ganzer Text hier: http://www.berliner-philharmoniker.de/berliner-philharmoniker/pianist-in-residence/)
"Er ist zweifellos der Popstar unter den Pianisten unserer Zeit..... Die Rede ist natürlich von Lang Lang, der.... unzählige junge Menschen für die Welt der Klaviermusik .... begeistert hat. Aber auch alteingesessene Klassikfreunde zählen zu seiner Fangemeinde. Und selbst Kritiker auf der ganzen Welt verleihen ihrer Bewunderung für den sympathischen Ausnahmekünstler Ausdruck – und zwar mit derselben Nonchalance, mit der Lang Lang seine Hörer zu verzaubern weiß.
Nur in Deutschland .... haben ihm seine nonchalante Musizierfreude und Medienpräsenz, erstaunlicherweise aber auch seine makellose pianistische Technik immer wieder die erbitterte und oftmals nicht ganz faire Häme des Feuilletons eingebracht. Nicht zuletzt deshalb freuen sich die Berliner Philharmoniker mit besonderer Spannung darauf, Lang Lang in der Spielzeit 2009/2010 als Pianist in Residence willkommen zu heißen"
Die Konzerte sind sicher immer ausverkauft. Die Leute wollen das hören, was soll man dazu sagen. Heike
HenningKolf (28.10.2009, 00:39): Original von Dox Orkh Original von Gamaheh (Auch das, was hier jemand so unpassend als „Lang-Lang-Bashing“ bezeichnet hat, interessiert mich nicht wirklich.)
So unpassend, weil durch das Aufzeigen von assozaitiven Vernetzungen entlarvend, finde ich das gar nicht. Der Begriff wird in der seltsamen Welt der Heavy-Metal-Jünger gerne verwendet, wenn -na was wohl- die kommerziell erfolgreichen "Verräter" des Genres an den Pranger gestellt werden. Was kommerziell erfolgreich ist, kann nicht gut sein! In dieser Hinsicht geben sich die kultivierten Klassik-Liebhaber und die Höllenreiter nicht viel. Weil sich die letzteren aber nicht hinter einer gebildeten Philosophensprache verstecken, wird hier viel klarer artikuliert, um was es eigentlich wirklich geht. Es hat weder etwas mit verschleuderten Talenten noch mit Konservatismus zu tun.
Es ist einfach unerträglich, dass jeder dahergelaufene Dödel auf einmal "meine Musik" hört und sich womöglich noch öffentlich als Anhäger derselben bezeichnet. Dann werde ich ja als getreuer Nackenbrecher auf einmal mit diesen Poppern in einen Topf geworfen. Wie bitte soll ich mich dann noch elitär aus dem Untergrund heraus von der Masse abgrenzen?
Kommt liebe Klassik-Connaisseurs, etwas Wahres ist da doch dran, oder? Wie soll man sich beim nächsten Cocktail-Empfang in Szene setzen, wenn der Schösel, der zufällig in der Nähe herumsteht, in unseren Vortag über diese einmalige Klavieraufnahme aus dem Jahr 1926 einfällt: "Ja, auf Klaviermusik steh ich auch, ich habe Lang Lang schon drei mal live gesehen. Schon gehört, dass der bald mit dem Kennedy und der Russin, deren Namen ich so schlecht aussprechen kann, auf Tour gehen soll?" Und die Dame, die wir nur deswegen so gebildet vollschwallen, weil wir gerne eine dunkle Ecke mit ihr aufsuchen wollen, antwortet: "Eeecht?" Nein, also das darf nicht sein. Deswegen werden wir weiter jeden Künstler, der ein gewisses Maß an Popularität erlangt hat, so lange schlechtreden, bis sich alle schämen, zuzugeben, dass sie eine Platte von ihm besitzen. Dann können wir wieder unter uns sein und keiner wird uns mehr mit diesem ahnungslosen Fußvolk verwechseln - zumindest solange, bis die nächste Marionette gehypt wird.
KETZ ERKH
Ach je, was für ein, pardon, nonsense. Es gibt zahlreiche, auch junge, Pianisten und Pianistinnen, die ohne weiteres das technische Vermögen von Lang lang haben, und es gibt wirklich unzählige Pianisten, denen Lang Lang in allen anderen Disziplinen nicht das Wasser reichen kann. Ich habe die Mendelssohn-/Tschaikowski- Klavierkonzerte unter Barenboim mit ihm mal gehört und selten schlechteres. Blass, wo es funkeln soll, laut und vordergründig, wo es lyrisch und subtil sein müßte, der Tschaikowski ein teils unrythmisches Rumgehacke. Wenn es denn schon ein DG-Chinese sein soll, dann meinetwegen Yundi-Li, der sicherlich wesentlich mehr Musikalität besitzt. Das hat mit "In-Szene-Setzen" beim Cocktail-Empfang ?? genausowenig zu tun wie Lang Lang mit großer Kunst, alleine damit, dass hier Leute schreiben, die von klassischer Musik und deren Interpreten Ahnung haben und deshalb nicht mit Marketing und Werbung zu locken sind.
Jeremias (28.10.2009, 18:46): Ich habe ihn auch einmal live erlebt... das Publikum tobte, ich war entsetzt.... brahms total verhunzt, aber bei Liszt sich zum Affen gemacht.... mir ist es egal, warum er so ist und was sein Vater dazu beigetragen hat. Auf solche Clowns kann ich gerne verzichten.....
Rachmaninov (03.11.2009, 07:16): Ich hörte einst Scriabin mit ihm und habe ihn spätestens zu diesem Zeitpunkt geistig als ernstnehmbaren Künstler gestrichen.
Heike (03.11.2009, 08:23): Ich habe das Buch jetzt zu Ende gelesen. Durchaus interessant, aber vor allem Anlass zum Kopfschütteln in vielerlei Hinsicht. Das ist irgendwie ein Buch von der Sorte "was ich nicht lesen möchte" und dann aber doch voyeristisches Material, das man mit gewisser Neugier anguckt. Naja, wenn ich mir vorstelle, dass vielleicht alle chinesischen Wunderkinder irgendwie ähnlich dieses System durchlaufen,d ann wirds mir nicht besser.
Was Lang Lang angeht - nein, er ist kein großer Künstler; vielleicht wollte er auch lieber Popstar am Klavier werden. Vielleicht ist er so auch populärer. Mir ists egal, es gibt zum Glück viele bessere Pianisten. Heike
teleton (03.11.2009, 10:53): Ich kann Eure Worte über LangLang sehr gut nachvollziehen und teile diese.
Wer sich ersthaft mit Klassik beschäftigt, wird bald erkennen, das dieses Showgehabe nicht mit ernsthafter Musik harmoniert. Trotzdem muß man LangLang zugestehen - er kann Klavier spielen und versteht seine Zuhörerschft in dem Maße zu begeistern, dass man oft in TV und Showsendungen die Worte vernimmt: "Bester Pianist der Welt .... !" (erst vor einiger Zeit bei Gottschalk in Wetten daß...?). Das dies natürlich nur aus dem Munde von Laien kommt, die nicht wirklich die leistung einschätzen können ist klar. :wink Aber er hat Erfolg damit.
Positiv habe ich LangLang auf ARTE bei der Übertragung eines Konzertes aus dem Gewandhaus Leipzig zum Mendelssohn - Geburtstag im Februar 2009 erlebt. Dort spielte er mit dem Gewandhausorchester Leipzig das Mendelssohn KK Nr.1. Ich fand seine kurzweilige Interpretation nicht schlecht, was auch der hervorragenden Orchesterbegleitung zuzuschreiben war. Zumindest sehr brillant auch von LangLang und alles andere als langweilig, wie in der neueren Decca-Aufnahme mit Thibaudet, die mich weniger überzeugte als Lang Lang im TV ! Oh-Wunder !
:beer Lang Lang kann es ! Und vielleicht wird er mit dem Alter doch noch reifer und verzichtet auf die unnötigen Showeinlagen.
Rachmaninov (03.11.2009, 14:26): Original von teleton Ich kann Eure Worte über LangLang sehr gut nachvollziehen und teile diese.
Wer sich ersthaft mit Klassik beschäftigt, wird bald erkennen, das dieses Showgehabe nicht mit ernsthafter Musik harmoniert. Trotzdem muß man LangLang zugestehen - er kann Klavier spielen und versteht seine Zuhörerschft in dem Maße zu begeistern, dass man oft in TV und Showsendungen die Worte vernimmt: "Bester Pianist der Welt .... !" (erst vor einiger Zeit bei Gottschalk in Wetten daß...?). Das dies natürlich nur aus dem Munde von Laien kommt, die nicht wirklich die leistung einschätzen können ist klar. :wink Aber er hat Erfolg damit.
Er bekommt die entsprechende aufmerksamkeit wegen der Maßnahmen und Möglichkeiten des gelben Labels.
Ein Sokolov z.B. hat das gar nicht nötig!
Heike (21.12.2009, 22:40): Nun darf er auch noch das Silvesterkonzert in Berlin spielen. Kein Kommentar.
Peter B. (09.01.2010, 22:44): Hallo Klassik Fans,
auf dem letztjährigen Silvesterkonzert hat Lang Lang aber gut abgeschnitten, oder?
Gibt es vielleicht jemanden, der das Konzert mitgeschnitten hat und mir eine Kopie - natürlich gegen Entgeld - zur Verfügung stellen könnte?
Danke an alle Leser, Gruß Peter
Leachim (10.01.2010, 18:08): Nur reine Show würde ich nicht sagen: nur er gibt sich zum Unterschied von Yundi Ly als Star, und dies riecht nach Geldmache. Grüße Leachim
Rachmaninov (12.01.2010, 07:26): Wie ich auf BR4 gelesen habe spielt er ja auch eine Hauptrolle in einem Chopin Film.
Klingt für mich logisch, hat auch nix mit Kommerz oder Marketing zu tuen. Chopin wollte ja in Paris beerdigt werden und sein Herz ja in Bejing oder irgendwo da so halt.... :ignore
Heike (12.01.2010, 07:54): Ist das ein verfrühter Aprilscherz - ein chinesischer Chopin? Heike
Cetay (inaktiv) (12.01.2010, 08:39): Näheres dazu hier.
Gamaheh (12.01.2010, 17:56): Original von Rachmaninov Wie ich auf BR4 gelesen habe spielt er ja auch eine Hauptrolle in einem Chopin Film.
Klingt für mich logisch, hat auch nix mit Kommerz oder Marketing zu tuen.
Finde ich auch folgerichtig, zeigt es doch die interkulturelle Kompetenz, die auch Chopin zueigen war. Und mit welcher Ernsthaftigkeit sich der junge Künstler auf seine Aufgabe vorbereitet, wird hier anschaulich.
Grüße, Gamaheh
satie (13.01.2010, 05:36): Original von Gamaheh Original von Rachmaninov Wie ich auf BR4 gelesen habe spielt er ja auch eine Hauptrolle in einem Chopin Film.
Klingt für mich logisch, hat auch nix mit Kommerz oder Marketing zu tuen.
Finde ich auch folgerichtig, zeigt es doch die interkulturelle Kompetenz, die auch Chopin zueigen war. Und mit welcher Ernsthaftigkeit sich der junge Künstler auf seine Aufgabe vorbereitet, wird hier anschaulich.
Grüße, Gamaheh
Bis jetzt eindeutig die beste Interpretation von ihm! :ignore
Aber lass das mal nicht unsere militanten Vegetarier sehen, wie da mit ihren Lieblingen umgesprungen wird. Sonst verliert er aus dieser Fraktion auch noch die letzten Fans...
Fairy Queen (18.02.2010, 09:31): Ich habe eben im belgischen Radio gehört, dass Lang Lang seine Plattenrechte für 3 Millionen verkauft hat und die DG verlassen hat. Musique 3 meinte, damit sei er nun in die Riege der Fussballstars übergewechselt.. Seine künstlerischen Talente sind bisher an mir vorbeigegangen, ich habe weder eine Cd noch ihn je auf der Bühne erlebt. Als Fan von Pollinii, Lipatti und Alexandre Tharaud(Selbiger das krasse Gegenteil von Lang Lang) passe ich da wohl auch schlecht hin. Irgendwas muss er aber wohl können, nehme ich mal an, denn 3 Millionen bekommt man wohl kaum einfach so geschenkt. Ich kann mir nach dem Lesen dieses Threads und insbesndere Heikes Hinweisen auf die Autobiographie und die Szene mit der Orange aber beim besten Willen nciht vorstellen, wie ein solches Knäblein die künstlersiche Reife erwerben soll, sein Talent bzw seinen Drill in echte Musik umzusetzen. F.Q.
Cetay (inaktiv) (18.02.2010, 11:54): Im Falle Lang Lang muss ich oft an ein amüsantes Zitat von Robert Anton Wilson denken. Er sagte mal über sein von der Kritik zerissenes und dennoch zum dauerbrennenden Bestseller gewordenes Buch: "Jedes mal wenn ich auf dem Weg zu meiner Bank bin, verdrücke ich ein kleines Tränchen, wegen der gemeinen Dinge, die diese Leute über mich gesagt haben".
Gamaheh (18.02.2010, 12:25): Original von Gamaheh Liebe Lang-Lang-Fans,
gute Neuigkeiten: Wie ich gerade zufällig las - erstaunlich, daß es hier noch nicht erwähnt worden ist! - hat Lang Lang vor kurzem seine längst überfällige Autobiographie veröffentlicht:
Musik ist meine Sprache. Die Geschichte meines Lebens. (279 S.) http://ecx.images-amazon.com/images/I/21Zshzs9E7L._SL500_AA180_.jpg
Ich habe selbst das Werk noch nicht in Händen halten dürfen, aber einer (sehr) knappen Rezension entnehme ich, daß der Meister uns an faszinierenden Details seines Zugangs zur Musik teilhaben läßt, z.B. daß er an Tom & Jerry oder Dragon Ball denkt, wenn er Liszt spielt.
Eine spannende Lektüre wünscht Gamaheh
Hier übrigens Lang Langs Vorbild für seine Liszt-Interpretationen - für meine Begriffe fast noch anregender als der Meister-Pianist selbst (und auf jeden Fall witziger).
Grüße, Gamaheh
Rideamus (18.02.2010, 16:15): Liebe Gamaheh,
vielen Dank für diesen herrlichen Link. Den Film habe ich schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen, ungefähr seit im Kino keine Kurzfilme mehr laufen.
:times10 Rideamus
Heike (18.02.2010, 23:18): Ich kann mir nach dem Lesen dieses Threads und insbesndere Heikes Hinweisen auf die Autobiographie und die Szene mit der Orange aber beim besten Willen nciht vorstellen, wie ein solches Knäblein die künstlersiche Reife erwerben soll, sein Talent bzw seinen Drill in echte Musik umzusetzen.
Der ist ja noch jung. Vielleicht bemerkt er irgendwann, dass Geld und Publicity ihn auch nicht glücklich machen. Nach seiner Lebensgeschichte bin ich geneigt, ihm einen guten Therapeuten zu wünschen .... Und falls er sich dann irgendwann selbst spüren kann, vielleicht wird dann doch noch was aus ihm. Wer weiß. Klavierspielen kann er ja schon mal, und so mancher erwartungsgesteuerte und traumageplagte Mensch hat ja irgendwann zu sich selbst gefunden
genauso viele allerdings leider auch nie. Seien wir gespannt. Heike
Severina (19.02.2010, 00:12): Hm, also ich muss vorausschicken, dass ich kein Lang Lang-Fan und ihn immer als ein etwas zu groß geratenes hyperaktives Kind, als Tastenclown betrachtete, bis zum 4. Oktober 2009, wo er als Cecilia Bartolis Begleiter bei ihrem Arienkonzert im Musikverein agierte. Ich hielt diese Kombination im Vorfeld für einen verspäteten Aprilscherz, musste dann aber meine Vorurteile revidieren, denn ich habe Lang Lang noch nie so "seriös" erlebt. Er schaffte es tatsächlich die meiste Zeit, sich völlig zurückzunehmen, nicht den Star und Tastenvirtuosen hervorzukehren, seinen auf mich immer übertrieben wirkenden "Körpereinsatz" auf ein erträgliches Maß zu reduzieren und war der Bartoli ein sehr aufmerksamer und ungemein sensibler Begleiter. Außerdem hing er mit einem derart verehrend-andächtigen Blick an ihren Lippen, dass es schon beinahe rührend war. Zumindest bei diesem Konzert stand wirklich die Interpretation im Mittelpunkt, nicht das bloße Zurschaustellen technischer Brillanz. lg Severina :hello
Fairy Queen (19.02.2010, 07:26): Liebe Sevi, das ist serh interessant, dass da zwei so extravertierte Künstler sihc zusammentaten und etwas Gutes dabei heurausgekommen ist. Vielleicht tut es Lang Lang gerade gut, als Begleiter aufzutreten und dadurch Qualitäten zu erwerben, die jenseits der Clownerie sind? Ausserdem bin ich gazn sicher, dass eine gestandene Italeinerin wie die Bartoli bei solchen Jünglingen die richtigien Mutter-Instinkte hat. Im Land der Mammones (Muttersöhnchen) wo Mamma oft von den Spaghetti bis zur Ehechliessung und darüber hinaus das Leben der Söhne in die Hand nimmt, sind unreife Früchtchen die Regel. Die Bartoli wusste also sicher genau richtig damit umzugehen und hat ihm vielleicht mit ihrer grossen weiblcihen Herzlichkeit und Lebendigkeit auch ein Stück von dem vermittelt, was er selbst nie hatte. Wundert mich jedenfalls nicht, dass er da gazn zahm und aufmerksam war. :engel F.Q.
Jeremias (03.03.2010, 23:45): Da wurde ich gefragt, ob ich Schumann/Liszt "Widmung" mit Lang Lang hätte. Eine Freundin einer Bekannten würde das gerne auf der Beerdigung ihres Vaters spielen, das habe er so gemocht... ich hab gesagt, ich hätte das nicht, aber z.B. Kissin o.a. Nein, das sei nicht erwünscht, nur Lang Lang.... dann eben nicht...! :haha
Jürgen (04.03.2010, 10:29): Original von Jeremias Da wurde ich gefragt, ob ich Schumann/Liszt "Widmung" mit Lang Lang hätte. Eine Freundin einer Bekannten würde das gerne auf der Beerdigung ihres Vaters spielen, das habe er so gemocht... ich hab gesagt, ich hätte das nicht, aber z.B. Kissin o.a. Nein, das sei nicht erwünscht, nur Lang Lang.... dann eben nicht...! :haha
Ich kann das verstehen, wenn der Vater das so gemocht hatte, dann würde ich als Hinterbliebener auch stur bleiben. Und das völlig ungeachtet des eigenen Geschmacks oder derer, die man nach dem Stück fragt.
ab (12.03.2010, 21:54): Gerade im Radio das Konzert von Lang Lang vom 28. Februar im Großen Musikvereinssaal in Wien gehört: siehe hier.
:hello
Heike (12.03.2010, 21:59): Er hat das gleiche Programm unlängst in Berlin gespielt, mit sehr gemischter Resonanz von der Kritik, z.B. hier Heike
teleton (19.03.2010, 11:36): Ich habe vor ein paar Tagen zufällig den höchst interessanten Bericht auf ARTE über die Wiener PH mit Zubin Metha zu Besuch in den Arabischen Emiraten gesehen. In der zweiten Hälfte war Lang Lang auch als Solist eines Chopin - KK zugegen und hat auch Klavier-Workshops für Klavierschüler abgehalten. Der Ausschnitt hat gezeigt, das er kompetent dazu in der Lage ist.
:wink Bei aller Kritik über sein "Showgehabe" - der Mann kann spielen und weis auch wie man Musik gestaltet. :beer Man sollte ihm eine Change geben, die er unsererseits (hier in den Klassikforen) gar nicht nötig hat, denn er wird bereits überal in der Welt als TOP-Pianist gefeiert. Er spilet mit den größten Weltorchestern und den bekanntesten Dirigenten zusammen. Das wäre nicht möglich, wenn er wirklich total sch... spielen würde ! Wirklich schlechte Kritik ließt man eigendlich nur dort, wo Leute sich tummeln, die meinen alles über Klassik zu wissen.
Rachmaninov (19.03.2010, 12:11): Original von teleton :wink Bei aller Kritik über sein "Showgehabe" - der Mann kann spielen und weis auch wie man Musik gestaltet. :beer Man sollte ihm eine Change geben, die er unsererseits (hier in den Klassikforen) gar nicht nötig hat, denn er wird bereits überal in der Welt als TOP-Pianist gefeiert. Er spilet mit den größten Weltorchestern und den bekanntesten Dirigenten zusammen. Das wäre nicht möglich, wenn er wirklich total sch... spielen würde ! Wirklich schlechte Kritik ließt man eigendlich nur dort, wo Leute sich tummeln, die meinen alles über Klassik zu wissen.
Doch, da auch Dirigenten Verträge habe, von Labels leben!
Ich für meinen Teil habe noch nichts gehört was mir von ihm gefallen hätte, daher ist er für MICh kein Top-Pianist und daher erhält er auch bei MIR keine Chance.
Gamaheh (22.04.2010, 15:17): Diese seminale Interpretation des 3. Satzes von "T1" kann ich Euch nicht vorenthalten. Bitte auch runterscrollen zum nächsten Video, denn dort ist zu erleben, wie sich bei dem doch offenbar die Liberace-Nachfolge Anstrebenden schon die ersten Pailletten bilden !
Warnung für diejenigen, die die Kommentare lesen wollen: Die dort bevorzugte Art sich auszudrücken ist nichts für empfindsame Gemüter oder wohlerzogene Mitglieder dieses Forums.
Verbindliche Grüße, Gamaheh
Heike (22.04.2010, 18:23): Man sollte ihm eine Change geben, die er unsererseits (hier in den Klassikforen) gar nicht nötig hat, denn er wird bereits überal in der Welt als TOP-Pianist gefeiert. Er spilet mit den größten Weltorchestern und den bekanntesten Dirigenten zusammen. Das wäre nicht möglich, wenn er wirklich total sch... spielen würde !
Meine Meinung zu ihm in Kurzform: 1. er beherrscht das Klavier technisch exzellent 2. er interpretiert jedoch meist nicht überzeugend 3. er hat ein hohes Bedürfnis, ein Star zu sein und liefert (zu)viel Show 4. er wird v.a. deshalb gern eingeladen, weil er einen ausverkauften Saal zu Höchstpreisen garantiert. Heike
nikolaus (22.04.2010, 22:15): Original von Gamaheh Diese seminale Interpretation des 3. Satzes von "T1" kann ich Euch nicht vorenthalten. Bitte auch runterscrollen zum nächsten Video, denn dort ist zu erleben, wie sich bei dem doch offenbar die Liberace-Nachfolge Anstrebenden schon die ersten Pailletten bilden !
Warnung für diejenigen, die die Kommentare lesen wollen: Die dort bevorzugte Art sich auszudrücken ist nichts für empfindsame Gemüter oder wohlerzogene Mitglieder dieses Forums.
Verbindliche Grüße, Gamaheh
Wer lesen kann, ist eindeutig im Vorteil; ich offenbar nicht. Ich konnte gar nicht nachvollziehen, was Du mit einer sentimentalen Interpretation in diesem Fall meinst...
Diese Videos sind aber auch wirklich abschreckend...
MfG
Nikolaus
ab (22.04.2010, 22:29): Original von Heike Meine Meinung zu ihm in Kurzform: 1. er beherrscht das Klavier technisch exzellent 2. er interpretiert jedoch meist nicht überzeugend 3. er hat ein hohes Bedürfnis, ein Star zu sein und liefert (zu)viel Show 4. er wird v.a. deshalb gern eingeladen, weil er einen ausverkauften Saal zu Höchstpreisen garantiert. Heike
Der Punkt 1) scheint mir doch etwas zu pauschal kurz gegriffen.
Denn darunter scheint mir nicht mehr gemeint sein zu müssen als Fingergeläufigkeit und Pedalierung.
Dann aber ist noch nichts über Klangfarbvielfältigkeit,Tonfüllengestaltung, Linenführung, Transparenz, Fluss der Musik, Spannungauf- und -abbau, rhythmisches Empfinden, Dynamikfeintuning usw.usf. gesagt.
Alle solche Punkte der Gestaltung - ganz unabhängig von der musikalischen Interpretation - scheint mir doch viel mehr zu sein als bloße "technisch exzellente Beherrschung des Klaviers". :hello
Heike (22.04.2010, 22:52): Hallo ab, ich kann das auch noch weiter differenzieren, wie ich den höre. Mittlerweile habe ich zu ihm eine recht klare Meinung, ich habe ihn inzwischen 3x live gesehen und im Radio und TV kann man ihm ja kaum entkommen, also da sammeln sich schon etliche Höreindrücke an:
Klangfarbvielfältigkeit: gut bis sehr gut Tonfüllengestaltung: gut Linenführung: mir oft völlig unerklärlich, phasenweise direkt misslungen Transparenz: gut bis sehr gut Fluss der Musik: wechselhaft (habe ich schon sehr gut gehört, aber auch sehr zäh) Spannungauf- und -abbau: Hang zu theatralischer Sentimentalität, dann wieder fast naiv, nicht durchdacht rhythmisches Empfinden: ganz miserabel Dynamikfeintuning: flach
So kommt das bei mir an, aber das ist sicher auch Ansichtssache. Heike
ab (22.04.2010, 23:08): Original von Heike Linenführung: mir oft völlig unerklärlich, phasenweise direkt misslungen Spannungauf- und -abbau: Hang zu theatralischer Sentimentalität, dann wieder fast naiv, nicht durchdacht Dynamikfeintuning: flach
diese von Dir genannten Ausführungen betreffen alles die musikalische Intepretation; bei mir waren diese statt dessen gedacht in Hinblick auf Ausgeglichenheit und Einheitlichkeit dieser Dimension.
Etwa so: Welche Linie auch immer er zieht; diese aber ist völlig ebenmäßig gezogen. Ob nun der Spannungaufbau sinnvoll und geboten ist oder auch nicht; dieser aber ist sensationell ebenmäßig. Ob nun mehr Dynamikgestaltung angebracht wäre oder auch nicht; die Dynamikübergänge sind extremst "flach", sprich: vollständig, sozusagen unmerkbar, ebenmäßig.
Genau aus diesem Grund ist ja die Bewertung Lang Langs so polarisierend: Hier höchstes Ebenmaß an klanglicher Ausgeglichenheit; dort höchstes "Unmaß" an Interpretation. Je nach Gewichtung kann man zu vollkommen gegensätzlichen Bewertungen seines Resultats kommen. :hello
Gamaheh (22.04.2010, 23:32): Original von nikolaus Original von Gamaheh Diese seminale Interpretation des 3. Satzes von "T1" kann ich Euch nicht vorenthalten. Bitte auch runterscrollen zum nächsten Video, denn dort ist zu erleben, wie sich bei dem doch offenbar die Liberace-Nachfolge Anstrebenden schon die ersten Pailletten bilden !
Warnung für diejenigen, die die Kommentare lesen wollen: Die dort bevorzugte Art sich auszudrücken ist nichts für empfindsame Gemüter oder wohlerzogene Mitglieder dieses Forums.
Verbindliche Grüße, Gamaheh
Wer lesen kann, ist eindeutig im Vorteil; ich offenbar nicht. Ich konnte gar nicht nachvollziehen, was Du mit einer sentimentalen Interpretation in diesem Fall meinst...
Diese Videos sind aber auch wirklich abschreckend...
MfG
Nikolaus
Ich bitte um Entschuldigung, Nikolaus - das Wort fiel (und fällt) mir gerade nicht ein, aber ich hätte es ja auch nachschlagen können, statt Dich zu verwirren. Es ist "zeichensetzend" oder so ähnlich, jedenfalls so hat "da Korstick" seine eigenen Interpretationen bezeichnet.
MeG, Gamaheh
Heike (22.04.2010, 23:47): Hallo ab, Etwa so: Welche Linie auch immer er zieht; diese aber ist völlig ebenmäßig gezogen. Ob nun der Spannungaufbau sinnvoll und geboten ist oder auch nicht; dieser aber ist sensationell ebenmäßig.
Ehrlich gesagt habe ich darauf noch nie genau geachtet, weil ich anderes als so vordergründig störend wahrnehme, dass mir das gar nicht mehr auffällt, ob das so sehr ebenmäßig ist. Ich werde beim nächsten Hören jedoch mal genau hinhören. Heike
ab (22.04.2010, 23:56): Original von Heike Hallo ab, Etwa so: Welche Linie auch immer er zieht; diese aber ist völlig ebenmäßig gezogen. Ob nun der Spannungaufbau sinnvoll und geboten ist oder auch nicht; dieser aber ist sensationell ebenmäßig.
Ehrlich gesagt habe ich darauf noch nie genau geachtet, weil ich anderes als so vordergründig störend wahrnehme, dass mir das gar nicht mehr auffällt, ob das so sehr ebenmäßig ist. Ich werde beim nächsten Hören jedoch mal genau hinhören. Heike
Bei mir ist es genau umgekehrt :D Dank dieser Aspekte, die so prägnant sind, dass sie nicht einmal der starken Konzentration brauchen, um meine Aufmerksamkeit drauf zu lenken, beziehe ich einen derartigen (nicht zuletzt auch stark physisch spürbaren) Genuss, dass ich leicht von der Interpretation absehen kann, so dass ich sie nicht einmal hintergründig störend empfinden muss. :J
Ich kann aber jeden gut verstehen, dem es so geht wie Dir!
Cetay (inaktiv) (23.04.2010, 07:55): Original von nikolaus Original von Gamaheh Diese seminale Interpretation des 3. Satzes von "T1" kann ich Euch nicht vorenthalten. Bitte auch runterscrollen zum nächsten Video, denn dort ist zu erleben, wie sich bei dem doch offenbar die Liberace-Nachfolge Anstrebenden schon die ersten Pailletten bilden !
Warnung für diejenigen, die die Kommentare lesen wollen: Die dort bevorzugte Art sich auszudrücken ist nichts für empfindsame Gemüter oder wohlerzogene Mitglieder dieses Forums.
Verbindliche Grüße, Gamaheh
Wer lesen kann, ist eindeutig im Vorteil; ich offenbar nicht. Ich konnte gar nicht nachvollziehen, was Du mit einer sentimentalen Interpretation in diesem Fall meinst...
Diese Videos sind aber auch wirklich abschreckend...
MfG
Nikolaus
Ich habe mich köstlich amüsiert. Mir ist sofort das Wort Karikatur in den Sinn gekommen - und das ist es: eine Überteibung, die charakteristische Züge eines Ereignisses oder einer Person zuspitzt. Ich bedenke, dass die Karikatur nicht sich selbst, sondern das Original, das zugespitzt wird, lächerlich macht - das Video von Brendel mit der Hammerklaviersonate könnte glatt die Vorlage sein. Ein vermeintlich künstlich-exaltiert-wichtigtuerisches Gehabe sehe ich auf irgendeine Art oder Weise bei der Mehrzahl der klassischen (und nicht-klassischen) Musiker; zuviele, um zu behaupten, dass es immer nur Show ist. Wer legt fest, was noch authentisch ist und wo die Show anfängt und vor allem, wer kann das ernsthaft aus der Distanz entscheiden?
(BTW, zu der Musik, die auf dem ersten Video gespielt wird, passt der Interpret in seiner ganzen Art m. E. wunderbar)
ab (23.04.2010, 09:07): Original von Cetay Original von nikolaus Original von Gamaheh Diese seminale Interpretation des 3. Satzes von "T1" kann ich Euch nicht vorenthalten. Bitte auch runterscrollen zum nächsten Video, denn dort ist zu erleben, wie sich bei dem doch offenbar die Liberace-Nachfolge Anstrebenden schon die ersten Pailletten bilden !
Warnung für diejenigen, die die Kommentare lesen wollen: Die dort bevorzugte Art sich auszudrücken ist nichts für empfindsame Gemüter oder wohlerzogene Mitglieder dieses Forums.
Verbindliche Grüße, Gamaheh
Wer lesen kann, ist eindeutig im Vorteil; ich offenbar nicht. Ich konnte gar nicht nachvollziehen, was Du mit einer sentimentalen Interpretation in diesem Fall meinst...
Diese Videos sind aber auch wirklich abschreckend...
MfG
Nikolaus
Ich habe mich köstlich amüsiert. Mir ist sofort das Wort Karikatur in den Sinn gekommen - und das ist es: eine Überteibung, die charakteristische Züge eines Ereignisses oder einer Person zuspitzt. Ich bedenke, dass die Karikatur nicht sich selbst, sondern das Original, das zugespitzt wird, lächerlich macht - das Video von Brendel mit der Hammerklaviersonate könnte glatt die Vorlage sein. Ein vermeintlich künstlich-exaltiert-wichtigtuerisches Gehabe sehe ich auf irgendeine Art oder Weise bei der Mehrzahl der klassischen (und nicht-klassischen) Musiker; zuviele, um zu behaupten, dass es immer nur Show ist. Wer legt fest, was noch authentisch ist und wo die Show anfängt und vor allem, wer kann das ernsthaft aus der Distanz entscheiden?
(BTW, zu der Musik, die auf dem ersten Video gespielt wird, passt der Interpret in seiner ganzen Art m. E. wunderbar)
Etwas karrikaturhaftes kann ich da nicht ausmachen. Ich sehe da keine Diskrepanz zu dem, was ich höre. Ein junger Musiker halt, der offensichtlich Freude am Spielen hat - und das hört man auch. Besser begleitet als oft zu hören übrigens...
Heike (23.04.2010, 15:38): Hallo ab, Bei mir ist es genau umgekehrt Dank dieser Aspekte, die so prägnant sind, dass sie nicht einmal der starken Konzentration brauchen, um meine Aufmerksamkeit drauf zu lenken, beziehe ich einen derartigen (nicht zuletzt auch stark physisch spürbaren) Genuss, dass ich leicht von der Interpretation absehen kann, so dass ich sie nicht einmal hintergründig störend empfinden muss. Interessant und für mich wahnsinnig schwer vorstellbar - war das bei dir schon immer so oder hat sich das erst später herausgebildet? Heike
ab (23.04.2010, 15:54): Original von Heike Hallo ab, Bei mir ist es genau umgekehrt Dank dieser Aspekte, die so prägnant sind, dass sie nicht einmal der starken Konzentration brauchen, um meine Aufmerksamkeit drauf zu lenken, beziehe ich einen derartigen (nicht zuletzt auch stark physisch spürbaren) Genuss, dass ich leicht von der Interpretation absehen kann, so dass ich sie nicht einmal hintergründig störend empfinden muss. Interessant und für mich wahnsinnig schwer vorstellbar - war das bei dir schon immer so oder hat sich das erst später herausgebildet? Heike
Die Fähigkeit, auf verschiedenste Aspekte hören zu lernen (und damit vom subjektiven Geschmack absehen zu können), ist eine langwierige, erst nach und nach herausgebildete Sache gewesen (die wohl nie abgeschlossen sein wird). Ich musste mir da selber erst die "Dimensionen" klar machen. Es gibt ja keine Bücher, wo man sich so etwas erlesen könnte. Hören, hören, hören, vor allem Vergleichhören, und das alles in Sprache fassen wollen. Vor allem aber: sich selbst auf die Schliche kommen, wo man sich in den eigenen Sack lügt, weil man bereits bestimmte Hörerwartungen vorweg einnimmt.,...
:hello
Heike (23.04.2010, 16:19): Selbst wenn ich die verschiedenen Aspekte höre - also, wenn ich denn gezielt drauf achte - was nutzt mir das, wenn diese gleichzeitig durch andere erkennbare "Störungen" meines Genusses mir ziemlich unwichtig sind? Also ich kann mir z.B. schwer vorstellen, große Freude an einer ebenmäßigen Linienführung zu haben, wenn die Linie als solche mir schon missfällt. Das hängt ja alles miteinander zusammen, ich höre es gleichzeitig und bestimmtes drängt sich in den Vordergrund, was meine subjektive Bewertung angeht.
Vermutlich ist das so ähnlich, als wenn dem einen der Klang und dem anderen die Agogik wichtiger ist, wenn man eine Sinfonie hört? Heike
nikolaus (23.04.2010, 19:40): Original von Gamaheh
Ich bitte um Entschuldigung, Nikolaus - das Wort fiel (und fällt) mir gerade nicht ein, aber ich hätte es ja auch nachschlagen können, statt Dich zu verwirren. Es ist "zeichensetzend" oder so ähnlich, jedenfalls so hat "da Korstick" seine eigenen Interpretationen bezeichnet.
MeG, Gamaheh
Liebe Gamaheh,
Du hast überhaupt keine Grund, Dich zu entschuldigen! Ich habe schlicht und einfach nicht richtig gelesen. Das korrekte Wort habe ich dann direkt nachgeschlagen (es scheint übrigens mehrere Bedeutungen zu geben, die irgendwie alle passen...)
Hochachtungsvoll,
Nikolaus.
nikolaus (23.04.2010, 20:12): Original von ab ... Etwa so: Welche Linie auch immer er zieht; diese aber ist völlig ebenmäßig gezogen. Ob nun der Spannungaufbau sinnvoll und geboten ist oder auch nicht; dieser aber ist sensationell ebenmäßig. Ob nun mehr Dynamikgestaltung angebracht wäre oder auch nicht; die Dynamikübergänge sind extremst "flach", sprich: vollständig, sozusagen unmerkbar, ebenmäßig. ... :hello
Dem kann ich einfach nicht folgen.
Vielleicht verstehe ich als Unwissender "Dynamik" nicht richtig, aber was ich da höre, ist alles andere ebenmässig. Er setzt doch so viele Akzente, dass, selbst wenn er Linien zieht diese zerstückelt werden (z.B. 0:37 - 0:47) oder zumindest extrem kurz sind. Und diese stören für mich auch den Spannungsaufbau.
Aber wie gesagt, ich verstehe von der Theorie nichts...
Nikolaus.
Gamaheh (23.04.2010, 21:13): Original von Cetay Ich habe mich köstlich amüsiert. Mir ist sofort das Wort Karikatur in den Sinn gekommen - und das ist es: eine Überteibung, die charakteristische Züge eines Ereignisses oder einer Person zuspitzt. Ich bedenke, dass die Karikatur nicht sich selbst, sondern das Original, das zugespitzt wird, lächerlich macht - das Video von Brendel mit der Hammerklaviersonate könnte glatt die Vorlage sein. Ein vermeintlich künstlich-exaltiert-wichtigtuerisches Gehabe sehe ich auf irgendeine Art oder Weise bei der Mehrzahl der klassischen (und nicht-klassischen) Musiker; zuviele, um zu behaupten, dass es immer nur Show ist. Wer legt fest, was noch authentisch ist und wo die Show anfängt und vor allem, wer kann das ernsthaft aus der Distanz entscheiden? Klar, amüsieren kann man sich dabei auch - das geht wohl den meisten so. Aber eine Karikatur ist nur eine solche, wenn sie beabsichtigt ist, und das traue ich LL intellektuell nicht zu - also doch eine Selbstkarikatur, weil unfreiwillig Für mich ist das ein alberner Bengel, bei der die Natur dummerweise das Salzfaß hat in die Suppe fallen lassen, um ihn mit Gaben auszustatten, mit denen viele andere besser umgehen könnten. Und ich vermute, daß das nicht in einem Varieté-Theater aufgezeichnet wurde, wo die Leute hingehen, um sich zu belustigen. (EIgentlich wäre es keine schlechte Idee, das mit Lachsalven zu hinterlegen wie in den amerikanischen Comedy-Sendungen). Mit anderen Worten: Dem ist die Musik völlig wurscht, ebenso das Publikum, das Orchester, der Dirigent ...
(BTW, zu der Musik, die auf dem ersten Video gespielt wird, passt der Interpret in seiner ganzen Art m. E. wunderbar)
Beide schwlu ?
Grüße, Gamaheh
Gamaheh (23.04.2010, 21:18): Original von nikolaus Original von ab ... Etwa so: Welche Linie auch immer er zieht; diese aber ist völlig ebenmäßig gezogen. Ob nun der Spannungaufbau sinnvoll und geboten ist oder auch nicht; dieser aber ist sensationell ebenmäßig. Ob nun mehr Dynamikgestaltung angebracht wäre oder auch nicht; die Dynamikübergänge sind extremst "flach", sprich: vollständig, sozusagen unmerkbar, ebenmäßig. ... :hello
Dem kann ich einfach nicht folgen.
Vielleicht verstehe ich als Unwissender "Dynamik" nicht richtig, aber was ich da höre, ist alles andere ebenmässig. Er setzt doch so viele Akzente, dass, selbst wenn er Linien zieht diese zerstückelt werden (z.B. 0:37 - 0:47) oder zumindest extrem kurz sind. Und diese stören für mich auch den Spannungsaufbau.
Aber wie gesagt, ich verstehe von der Theorie nichts...
Nikolaus.
Geht mir auch so (Unwissende unter sich !). Ebenmäßig ist für mich da gar nichts, von Spannung merke ich absolut nichts, und Linie - naja, eine Linie muß ja nicht gerade sein ... Ich fürchte, da steht auch nicht die geringste Spur von Konzept dahinter.
Grüße, Gamaheh
Gamaheh (23.04.2010, 21:40): Original von ab Original von Heike Hallo ab, Bei mir ist es genau umgekehrt Dank dieser Aspekte, die so prägnant sind, dass sie nicht einmal der starken Konzentration brauchen, um meine Aufmerksamkeit drauf zu lenken, beziehe ich einen derartigen (nicht zuletzt auch stark physisch spürbaren) Genuss, dass ich leicht von der Interpretation absehen kann, so dass ich sie nicht einmal hintergründig störend empfinden muss. Interessant und für mich wahnsinnig schwer vorstellbar - war das bei dir schon immer so oder hat sich das erst später herausgebildet? Heike
Die Fähigkeit, auf verschiedenste Aspekte hören zu lernen (und damit vom subjektiven Geschmack absehen zu können), ist eine langwierige, erst nach und nach herausgebildete Sache gewesen (die wohl nie abgeschlossen sein wird). Ich musste mir da selber erst die "Dimensionen" klar machen. Es gibt ja keine Bücher, wo man sich so etwas erlesen könnte. Hören, hören, hören, vor allem Vergleichhören, und das alles in Sprache fassen wollen. Vor allem aber: sich selbst auf die Schliche kommen, wo man sich in den eigenen Sack lügt, weil man bereits bestimmte Hörerwartungen vorweg einnimmt.,...
:hello Lieber ab,
wie so häufig habe ich das Gefühl, daß Du Dich über uns Naive lustig machst. Oder schreibst Du Satire genauso, wie LL karikiert, und kannst nichts dafür?
Interessant, wenn es auch anderen als subjektiven Geschmack gibt; meiner ist jedenfalls streng subjektiv, fürchte ich, und ich werde auch nichts anderes mehr lernen, ganz egal, wie sehr ich mich konzentriere. Ich hätte da noch ein paar Fragen - vielleicht erschließt sich mir ja Deine Herangehensweise doch noch:
Mal abgesehen davon, daß für mich Unerleuchtete Klang, Timbre, Dynamik usw. zur Interpretation gehören und ich sie davon weder trennen kann noch will: Habe ich Dich richtig verstanden, daß Du die "Interpretation" (was immer Du darunter verstehst) als störend empfindest und eigentlich nur Meßbares hören willst ? Gibt es nicht Geräte, die das besser können? (Da gab es doch mal einen hier im Forum, der so ähnliche Ideen hatte, das aber klarer ausgedrückt hat.)
Was sind denn das für Dimensionen, von denen Du sprichst?
Wie drückt sich der "stark physisch spürbare Genuß" bei Dir aus?
Ich weiß auch nicht, wie man Hörerwartungen ausschließen kann oder warum man es sollte. Spannend wird es doch erst, wenn sie nicht erfüllt werden, und das wahrzunehmen muß man doch nicht trainieren? Du mußt doch (hoffentlich) auch nicht jeden Morgen neu lernen, Dir die Schuhe zuzubinden?
Original von Heike war das bei dir schon immer so oder hat sich das erst später herausgebildet? Klingt ein bißchen wie "Haben Sie diese Beschwerden schon lange?"
Gemarterte Grüße, Gamaheh
ab (24.04.2010, 10:55): Original von Gamaheh Lieber ab,
wie so häufig habe ich das Gefühl, daß Du Dich über uns Naive lustig machst. Oder schreibst Du Satire genauso, wie LL karikiert, und kannst nichts dafür?
Interessant, wenn es auch anderen als subjektiven Geschmack gibt; meiner ist jedenfalls streng subjektiv, fürchte ich, und ich werde auch nichts anderes mehr lernen, ganz egal, wie sehr ich mich konzentriere. Ich hätte da noch ein paar Fragen - vielleicht erschließt sich mir ja Deine Herangehensweise doch noch:
Mal abgesehen davon, daß für mich Unerleuchtete Klang, Timbre, Dynamik usw. zur Interpretation gehören und ich sie davon weder trennen kann noch will: Habe ich Dich richtig verstanden, daß Du die "Interpretation" (was immer Du darunter verstehst) als störend empfindest und eigentlich nur Meßbares hören willst ? Gibt es nicht Geräte, die das besser können? (Da gab es doch mal einen hier im Forum, der so ähnliche Ideen hatte, das aber klarer ausgedrückt hat.)
Was sind denn das für Dimensionen, von denen Du sprichst?
Wie drückt sich der "stark physisch spürbare Genuß" bei Dir aus?
Ich weiß auch nicht, wie man Hörerwartungen ausschließen kann oder warum man es sollte. Spannend wird es doch erst, wenn sie nicht erfüllt werden, und das wahrzunehmen muß man doch nicht trainieren? Du mußt doch (hoffentlich) auch nicht jeden Morgen neu lernen, Dir die Schuhe zuzubinden?
Original von Heike war das bei dir schon immer so oder hat sich das erst später herausgebildet? Klingt ein bißchen wie "Haben Sie diese Beschwerden schon lange?"
Gemarterte Grüße, Gamaheh
Liebe Gamaheh,
nein, es geht mir ganz und gar nicht um Satire oder gar Karikatur, dazu bin ich ein viel zu ernsthafter Mensch. Deine Rückmeldung, dass ich (nur auf Dich?) so wirke, als behandelte ich andere als Naive trifft mich natürlich, weil das meinem Naturell völlig fern liegt. (Leider habe ich nicht die geringsten Ahnung, wie ich einer solchen Wirkung vorbeugen könnten.) Ich sehe mich als Musikliebhaber, der auch versucht, seine Eindrücke in Worte zu fassen. Das hat nichts mit Erleuchtung oder Eingebung zu tun, sondern mit den Nuancen, die wir an der Musik sinnlich wahrnehmen können: Meine Aussagen halte ich für wahr oder falsch und zwar abhängig davon, ob diese Musik die angesprochenen Nuance aufweist oder eben nicht. Ich bin froh über jeden Beitrag, der meine Ansichten in Frage stellt, um selbst zu mehr Klarheit kommen zu können.
Das mit dem "subjektiven Geschmack" war nichts weiter als ein bewusst gewählter Pleonasmus, aber nicht um ihn im Gegensatz zu "objektiver" Messbarkeit zu setzten. Messbarkeit mag für einzelne Naturwissenschaften wesentlich sein, für den einzigen Zugang, den wir haben, nämlich über das Phänomenale, trägt solches nichts bei. Mir geht es darum, dass man mit der Zeit auch Interpreten und Interpretationen schätzen (und sogar lieben) lernen kann, die einem zunächst nicht sehr nahe standen, einfach, weil man im Laufe der Zeit auf neue Aspekte hören lernen kann, die einem zuvor entgangen waren.
Ganz entgegen Deiner Vermutung bin ich größter Liebhaber von sogar starker Interpretation. Unter 'Interpretation' verstehe ich dabei vor allem jene Nuancen die der Interpret zum Erklingen bringt, die nicht im Notentext fixiert sind, was also dem Interpreten frei zu gestalten steht. Eine weitere Form von Interpretation wären wohl solche Nuancen, die der Interpret zum Erklingen bringt, zu denen er sich (dreisterweise) die Freiheit nimmt, über den Notentext hinauszugehen, nämlich zugunsten der Stringenz seines Konzepts. Ich mag das, wenn derselbe Text ganz unterschiedlich klingend zu Gehör gebracht wird. (So schätze ich es auch prinzipiell – authentische Interpretation hin oder her –, wenn etwa Lang Lang alles in einer unbeschwerten Fröhlichkeit interpretiert, so wie etwa auch Brendel im hohen Alter versucht hat, aller Musik eine humoristische Note abzuringen oder Afanassiev mit fast stehendem Musikfluss Obertonschwingungen erzeugt oder Kars bei Debussy Klagsinnlichkeit erzeugt oder DiFiDi mit zunehmenden Alter die Gesangslinien fast deklamatorisch zugunsten einer Vergeistigung des Textes opfert.) Interpretation ist mir also alles andere als störend, sondern gerade wegen ihres Abwechslungsvielfalt besonders wertvoll.
Die „Dimensionen“, von denen ich spreche, sind solche genannten wie Fluss der Musik, Klang, Timbre, Dynamik usw. Natürlich hast Du Recht, dass das alles Interpretationsmerkmale sind. Warum ich oben diese „Dimensionen“ eigens in Abgrenzung zu 'Interpretation' (im weiteren Sinne) hervorgehoben habe, liegt daran, dass – grob gesprochen – Lang Lang vorgeworfen wird, keine Ahnung zu haben, wie die Werke interpretiert gehörten. Mit diesem Vorwurf ist wohl gemeint, dass er völlig unbekümmert fern abseits der geläufigen Interpretationstradition spielt. Hier wird 'Interpretation' in einem engeren Sinne verwendet. Wer sich also daran stört, dass das alles so anders klingt als es sein soll, der bringt häufig nicht mehr den Willen auf, von diesem Unwohlsein abzusehen, um sich auf das einzulassen, was tatsächlich erklingt.
Das ist auch genau der Grund, warum ich meinte, man solle von seinen Hörerwartungen absehen: Gerade – wie Du ganz richtig schreibst – weil es oft genau dann spannend wird, wenn sie nicht erfüllt werden. Es genügt aber offensichtlich nicht, dies nur wahrzunehmen, wie Du schreibst, sondern wesentlich ist dann viel mehr ein Wille, sich daraufhin auch noch auf das Erklingende einzulassen, und zwar nicht mit vorweg eingenommener negativer Haltung. Solch eine positive oder zumindest neutrale Haltung aber wird man nur einnehmen wollen, wenn man die Erfahrung gemacht hat, dass es sich auch lohnt. Und damit es lohnt, muss man lernen, ein Vergnügen and den erklingenden Nuancen gewinnen, auch wenn sie abseits des eigenen Geschmacks liegen. Dazu ist – scheint mir – unerlässlich, die Aufmerksmakeit oder Konzentration auf die einzelnen Dimensionen lenken zu lernen und bei hoher Güte diese als solche genießen zu lernen. Es geht also meiner Erfahrung nach nicht darum, Klang, Timbre, Dynamik usw. von einer Interpretation (im engeren Sinne) zu „trennen“ (was ja gar nicht geht). Viel mehr aber kann man seine Aufmerksamkeit von der Interpretation (im engeren Sinne) auf anderes richten lernen. Das ist ganz so wie bei den berühmten Vexierbildern: Wenn ein Enten-Hasen-Bild vorliegt, so kann man auch die Ente vom Hasen nicht „trennen“. Aber je nachdem, worauf ich meine Aufmerksamkeit lenken, braucht mich z.B. die Hässlichkeit der Hasenerscheinung nicht zu tangieren, wenn ich die Schönheit der Entenerscheinung genießen kann.
Wenn ich aber nicht gelernt habe, überhaupt eine Ente zu sehen, dann kann ich gar nichts genießen, wenn mir der Hase hässlich vorkommt.
By the way Erwartungshaltung: Was für ein Tier ist hier zu sehen? Zu Ostern antworteten 77% der Befragten im Züricher Zoo: Ein Hase! Im Herbst antworteten 88%: Ein Vogel (Gans, Ente, Storch)!
Daher ist das „trainieren“, neue Aspekte bei der Musik hören zu lernen so wichtig: damit unser Musikerlebnis reichhaltiger wird. Und auch wenn das ein bißchen wie "Haben Sie diese Beschwerden schon lange?" klingt: Wer das als „Beschwerden“ erlebt, der muss sich ja nicht mit Musikhören abmühen, sondern kann ins Kino oder zum Shopping gehen. Und wer meint, dass ich damit krankhaft sei, der kann ja nicht meine Beiträge ungelesen übergehen.
Und zum letzten, wie sich der "stark physisch spürbare Genuss" bei mir aus drückt: Zum ersten Mal hatte ich das bei einem Gastspiel der Wiener Philharmoniker unter Muti im Leipziger Gewandhaus mit Bruckners 4. Dort erlebte ich den Klang der Wiener als so schmeichelnd schön, dass ich die Aufmerksamkeit von der Musik abzog um sie meinem Hören selbst zuzuwenden: Es mutete mir so an, als streichelten die Musik mein Trommelfell. Das war ein wunderbarer physischer Genuss. Ähnliches kann ich empfinden, wenn ich die Beethovensonaten-CD von Backhaus von den Salzburger Festspielen (Orfeo) hören und ähnliches empfinde ich auch beim Klang Lang Langs. In abgeschwächter Form habe ich das in der Berliner Philharmonie im Dezember erlebt, worüber ich hier berichtet habe.
Mir ist irgendwie nicht klar, was an meiner Herangehensweise so ganz und gar absurd sein soll, wie sie Du empfunden zu haben scheinst. :hello
Heike (24.04.2010, 19:18): Hallo ab, Deine Rückmeldung, dass ich (nur auf Dich?) so wirke, als behandelte ich andere als Naive trifft mich natürlich, Auf mich wirkte das nicht so, das wollte ich nur mal sagen, weil wir ja vorab miteineander diskutiert hatten. Allerdings ist mir deine Art zu hören teilweise auch sehr fremd, aber das sagte ich ja schon - jedoch finde ich es interessant, dass es so ist und wie man dazu kommt. Inwieweit teilst du übrigens meine einzelnen Einschätzungen zu Lang Lang von oben? Meinst du auch, dass er z.B. ein grauslig verschobenes Rhythmusempfinden hat, während die Transparenz seines Spiels wirklich beeindruckend ist? Oder liegen wir schon da in den Einschätzungen auseinander? Heike
ab (24.04.2010, 21:24): Original von Heike Hallo ab,
Inwieweit teilst du übrigens meine einzelnen Einschätzungen zu Lang Lang von oben? Meinst du auch, dass er z.B. ein grauslig verschobenes Rhythmusempfinden hat, während die Transparenz seines Spiels wirklich beeindruckend ist? Oder liegen wir schon da in den Einschätzungen auseinander? Heike
Siehe dazu etwa hier.
Ob sein Rhythmusempfinden "grauslig verschobene" zu bezeichnen ist, hängt einzig davon ab, was Du als sozusagen "richtigen Maßstab" ansetzt. Ich kann das durchaus verstehen, wenn Du sagtest, dass Dir persönlich sein Empfinden völlig fremd ist; nicht aber, wenn Du damit behaupten wolltest, dass er über keines verfüge.
Was die Transparenz betrifft, so muss ich dem vollständig zustimmen. Gerade bei Albéniz hatte ich noch nie zuvor das Gefühl gehabt, es handle sich um eine schlanke Komposition. Bei den meisten wirkt sie geradezu überladen; nicht so bei Lang Lang.
Um aber Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin kein Lang-Lang-Fan. Ich besitze keine einzige seiner CDs. Ich habe auch nicht vor, mir eine zuzulegen. Beethoven, Schumann oder Chopin möchte ich wirklich lieber anders interpretiert hören. Nichtsdestotrotz, stets wenn ich Lang Lang höre, nimmt mich seine Pianistik so für sich ein, dass ich das mir großem Genuss und größter Faszination hören kann.
Mir ist es auch gleichgültig, wenn man mich deswegen für einen Kunstbanausen hält. Mir ist es aber nicht gleichgültig, wenn man deshalb, weil man ein anderes Empfinden hat als Lang Lang, ihn diffamiert. Dagegen ist es einfach geboten, sein Wort zu erheben. :hello
ab (24.04.2010, 21:33): Original von Heike Selbst wenn ich die verschiedenen Aspekte höre - also, wenn ich denn gezielt drauf achte - was nutzt mir das, wenn diese gleichzeitig durch andere erkennbare "Störungen" meines Genusses mir ziemlich unwichtig sind? Also ich kann mir z.B. schwer vorstellen, große Freude an einer ebenmäßigen Linienführung zu haben, wenn die Linie als solche mir schon missfällt. Das hängt ja alles miteinander zusammen, ich höre es gleichzeitig und bestimmtes drängt sich in den Vordergrund, was meine subjektive Bewertung angeht.
Vermutlich ist das so ähnlich, als wenn dem einen der Klang und dem anderen die Agogik wichtiger ist, wenn man eine Sinfonie hört? Heike
:beer Das scheint mir exakt der Punkt zu sein: Wenn es einem "ziemlich unwichtig ist", dann wird man auch nicht geneigt sein, sich dem zuzuwenden.
Mein Plädoyer ist es ja deshalb gerade, zu lernen versuchen, auch solches als wichtig erleben zu können. Mir hat das jedenfalls sehr viel gebracht und ich denke, gerade eine der Aufgaben von Kunst kann es sein, dadurch unser Leben lebenswert zu bereichern. :hello
Heike (24.04.2010, 22:08): Hallo, Ob sein Rhythmusempfinden "grauslig verschobene" zu bezeichnen ist, hängt einzig davon ab, was Du als sozusagen "richtigen Maßstab" ansetzt. Ich kann das durchaus verstehen, wenn Du sagtest, dass Dir persönlich sein Empfinden völlig fremd ist; nicht aber, wenn Du damit behaupten wolltest, dass er über keines verfüge. Ich habe mal eine Appassionata mit ihm im Radio gehört, ich konnte es quasi nicht ertragen! Bei dieser Sonate ist es mir jedenfalls extrem in Erinnerung geblieben, weil ich sie sehr gut kenne. Und deshalb glaube ich nicht, dass es sich da nur um reine Empfindensfragen handelt, meiner Meinung nach fehlt ihm da ein Stück bzw. da ist er nicht bei dem, was das Werk erfordern würde - bei aller Interpretationsfreiheit. Heike
Cetay (inaktiv) (25.04.2010, 10:40): Original von ab Wer sich also daran stört, dass das alles so anders klingt als es sein soll, der bringt häufig nicht mehr den Willen auf, von diesem Unwohlsein abzusehen, um sich auf das einzulassen, was tatsächlich erklingt.
Das ist auch genau der Grund, warum ich meinte, man solle von seinen Hörerwartungen absehen: Gerade – wie Du ganz richtig schreibst – weil es oft genau dann spannend wird, wenn sie nicht erfüllt werden. Es genügt aber offensichtlich nicht, dies nur wahrzunehmen, wie Du schreibst, sondern wesentlich ist dann viel mehr ein Wille, sich daraufhin auch noch auf das Erklingende einzulassen, und zwar nicht mit vorweg eingenommener negativer Haltung. Solch eine positive oder zumindest neutrale Haltung aber wird man nur einnehmen wollen, wenn man die Erfahrung gemacht hat, dass es sich auch lohnt.
Wenn man sich aber von vorne herein nicht einlassen will, dann kann man auch nie erfahren, dass es sich lohnt, weswegen man auch keinen Grund hat sich einzulassen. Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass sich jemand nicht mehr umerziehen lassen möchte und seine eigenen Maßstäbe verabsolutiert; das ist auch eine Art, wie man Kunst erleben kann. Aber:
Mir ist es aber nicht gleichgültig, wenn man deshalb, weil man ein anderes Empfinden hat als Lang Lang, ihn diffamiert. Dagegen ist es einfach geboten, sein Wort zu erheben
Ich würde nicht mal so weit gehen, das Wort dagegen zu erheben, auch wenn ich die Diffarmierung von Künstlern (und Nicht-Künstlern - wie ich schnell hinzufüge, um die vorhersehbare platte Reaktion, Lang Lang sei kein Künstler, zu vermeiden) immer schmerzlich finde. Mir würde es fürs erste schon mal reichen, einfach nur zu verstehen, was jemanden überhaupt dazu veranlasst. Wenn man findet, dass Lang Lang seinen Mäßstäben nicht genügt, warum hört/schaut man sich jede Radio-/Fernsehsendung, jedes Video an, liest jeden Artikel... Ich würde das wirklich gerne verstehen und vielleicht mag mir ja jemand dabei helfen. :hello
ab (25.04.2010, 11:04): Original von Cetay Mir ist es aber nicht gleichgültig, wenn man deshalb, weil man ein anderes Empfinden hat als Lang Lang, ihn diffamiert. Dagegen ist es einfach geboten, sein Wort zu erheben
Ich würde nicht mal so weit gehen, das Wort dagegen zu erheben, auch wenn ich die Diffarmierung von Künstlern (und Nicht-Künstlern - wie ich schnell hinzufüge, um die vorhersehbare platte Reaktion, Lang Lang sei kein Künstler, zu vermeiden) immer schmerzlich finde. Mir würde es fürs erste schon mal reichen, einfach nur zu verstehen, was jemanden überhaupt dazu veranlasst. Wenn man findet, dass Lang Lang seinen Mäßstäben nicht genügt, warum hört/schaut man sich jede Radio-/Fernsehsendung, jedes Video an, liest jeden Artikel... Ich würde das wirklich gerne verstehen und vielleicht mag mir ja jemand dabei helfen. :hello
Bereits zum Neujahrstag 2008 vermutete Pollux dazu oben:
Ich sehe schon, die Gratis-Lieblingsbeschäftigung der Klassikexperten auch in 2008: Lang Lang Bashing. Da kann fröhlich jeder mitmachen, da klopfen sich alle zustimmend auf die Schulter, das ist wie Gesinnungskabarett. Sag mir, wie du zu Lang Lang stehst und ich sage dir, wer du bist. :hello
ab (25.04.2010, 11:11): Original von Heike Ich habe mal eine Appassionata mit ihm im Radio gehört, ich konnte es quasi nicht ertragen! Bei dieser Sonate ist es mir jedenfalls extrem in Erinnerung geblieben, weil ich sie sehr gut kenne. Und deshalb glaube ich nicht, dass es sich da nur um reine Empfindensfragen handelt, meiner Meinung nach fehlt ihm da ein Stück bzw. da ist er nicht bei dem, was das Werk erfordern würde - bei aller Interpretationsfreiheit. Heike
Womöglich ist es aber dafür ein ganz neues "'Stück", das uns da Lang Lang bietet, etwas, das noch nie jemand zuvor so zu Gehör gebracht hat. Kunst ermöglicht uns es, uns auch auf ganz Ungewohntes einzulassen... (Abgesehen davon kann auch das Durchstehen von normal für uns Unerträglichem eine Form von Katharsis bewirken :W ) :hello
Heike (25.04.2010, 11:12): Hallo, Wenn man findet, dass Lang Lang seinen Mäßstäben nicht genügt, warum hört/schaut man sich jede Radio-/Fernsehsendung, jedes Video an, liest jeden Artikel... Nunja, man kann ihm ja nicht entgehen. Wenn man das Radio einschaltet, ist er präsent; er taucht in meinen Aboreihen auf; er ist beim Berliner Silvesterkonzert (wo ich schon aus Gewohnheit jedes Jahr einschalte) der Solist. Es ist unmöglich, ihn nicht wahrzunehmen. Selbstverständlich würde ich mir keine CD kaufen von ihm, da er mir nicht gefällt. Aber genauso selbstverständlich lese ich es, wenn über ihn in der Zeitung geschrieben wird - genauso wie ich über Bischof Mixa lese, den ich ja auch unzweifelhaft nicht mag. Und wenn ich den Radio-Sender bei jedem Interpreten, der mir nicht gefällt, umschalten würde,d ann hätte ich aber viel zu tun ;-) Heike
Heike (25.04.2010, 11:21): Hallo ab, Womöglich ist es aber dafür ein ganz neues "'Stück", das uns da Lang Lang bietet, etwas, das noch nie jemand zuvor so zu Gehör gebracht hat. Kunst ermöglicht uns es, uns auch auf ganz Ungewohntes einzulassen... Aber um zum Rhythmus zurückzukommen: der spielt Punktierungen, wo keine sind, der spielt Synkopen, wo keine sind - und umgekehrt. Das ist dann wirklich ein neues Stück - und von mir aus, er findet ja sein Publikum. Falls er das bewusst macht (worüber ich mir nicht mal sicher bin) dann er will einfach Show, was er von mir aus machen soll, aber Kunst ist das dann nicht, sondern eben Show. Heike
ab (25.04.2010, 11:24): Original von Cetay Wenn man sich aber von vorne herein nicht einlassen will, dann kann man auch nie erfahren, dass es sich lohnt, weswegen man auch keinen Grund hat sich einzulassen. Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass sich jemand nicht mehr umerziehen lassen möchte und seine eigenen Maßstäbe verabsolutiert; das ist auch eine Art, wie man Kunst erleben kann.
So ist es!
Nichtestotrotz: Viele wissen gar nicht, dass es noch anders gibt als den persönlichen Geschmack. Wenn man aber "seine eigenen Maßstäbe verabsolutiert", dann sollte man wenigstens die anderen Möglichkeiten kennen, um sich bewusst dazu zu entscheiden. Oder? (Das hängt natürlich davon ab, was für eine Menschenbild man pflegt...) :hello
ab (25.04.2010, 11:28): Original von Heike Hallo ab, Womöglich ist es aber dafür ein ganz neues "'Stück", das uns da Lang Lang bietet, etwas, das noch nie jemand zuvor so zu Gehör gebracht hat. Kunst ermöglicht uns es, uns auch auf ganz Ungewohntes einzulassen... Aber um zum Rhythmus zurückzukommen: der spielt Punktierungen, wo keine sind, der spielt Synkopen, wo keine sind - und umgekehrt. Das ist dann wirklich ein neues Stück - und von mir aus, er findet ja sein Publikum. Falls er das bewusst macht (worüber ich mir nicht mal sicher bin) dann er will einfach Show, was er von mir aus machen soll, aber Kunst ist das dann nicht, sondern eben Show. Heike
Interpretationsfreiheit (-dreistigkeit) ist eine Sache; Show eine andere. Ich weiß nicht so recht, ob man das eine gegen das andere ausspielen sollte. Hör Dir doch einmal die Interpretationen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrunderts an: da spielte man teils auch extrem "frei". :hello
Heike (25.04.2010, 12:09): Mit "Lang Lang Bashing" möchte ich übrigens gar nicht in Zusammenhang gebracht werden - ich erkenne durchaus an, dass er einige Dinge vorzüglich beherrscht. Und ich habe ihn auch oft genug gehört, um mir eine recht differenzierte Meinung zu bilden. Und im Gegenteil, ich meide ihn nicht, sondern gebe ihm durchaus immer mal wieder ein Chance, indem ich zuhöre (und meist leider zu keinem neuen Ergebnis komme als bisher).
Aber ich wundere mich dann doch, dass seine Befürworter ihn so rundum verteidigen, also nicht seine Schwächen benennen können oder wollen. Sondern eher unterstellen, dass der Rest der Hörer voreingenommen ist oder ihn gar ihn niedermachen will. Ich sag doch auch, dass seine Transparenz toll ist, dass sein Feintuning schön flach ist. Andererseits sind seine Interpretationen, seine Linienführung, sein Rhythmusverständnis doch wirklich mitunter fernab von großer Kunst, mitunter einfach nur schräg. Könnt ihr das nicht hören oder nicht zugeben? Dann wären wir doch mal bei einer differenzierten Bewertung, wenn nicht einer dem anderen immer das Gegenteil beweisen will.
Mir ist völlig klar, dass manche mehr Wert auf Klang legen als andere und diese wieder die andere Dinge wichtiger finden. Daher ist mir schon von der Idee her klar, warum einige ihn mögen und andere nicht. Aber deshalb darf man doch wohl auch seine Schwächen benennen, ohne gleich mit verabsolutierten Maßstäben erschlagen zu werden? Heike
Gamaheh (25.04.2010, 14:17): Lieber ab,
herzlichen Dank für Deine Erläuterungen! Ich muß zugeben, daß mir das sinnliche Erleben der Musik zweitrangig ist (aber natürlich nicht unwichtig), während es für Dich offenbar auch absolut sein kann.
Ich erwarte – zumindest in der Musik, die auf klassischen Strukturen aufbaut – auch einen Sinn zu finden, der sich in der Darstellung eben dieser Strukturen und einer Gesamtarchitektur offenbart. Ich meine damit nicht nur Großstrukturen im klassischen Sinne, sondern auch Kleinstrukturen wie Harmonien, Dynamik usw. Ein berühmter Sprachwissenschaftler nannte die Sprache „ein System, in dem sich alles gegenseitig stützt“ („un système où tout se tient“), d.h. in dem einzelne Elemente (nur) im Zusammenhang ihren Sinn erhalten. So sehe ich das für die Musik auch, und idealerweise erwarte ich von einer Interpretation, daß sie das darzustellen sucht. (Dies mag bei der rein atonalen Musik anders sein, aber ich muß zugeben, daß sie mir auch nichts sagt, soweit ich sie kenne.) Und die Sinngebung mittels der Darstellung solcher Strukturen kennzeichnet für mich eine gute Interpretation an erster Stelle. Von einem Interpreten, der ernstgenommen werden möchte, erwarte ich, daß er sich ernsthaft mit einer Komposition auseinandersetzt, und daß er, wenn er sie nicht ernstnehmen kann, davon absieht, sie zu spielen.
Natürlich gehören auch noch andere Dinge dazu, aber ohne diese Gestaltung kann ich – sage ich mal vorsichtig – eine Interpretation nicht wirlich schätzen. Reine Klanglichkeit finde ich auch außerhalb der Musik, z.B. empfinde ich den Gesang einer Lerche als angenehmer als den Ton einer Krähe, das Säuseln des Windes in den Blättern eines Baumes als schöner als den Klang einer Autohupe ...
Den Begriff der Kunst, der hier immer wieder auftaucht, empfinde ich als wenig hilfreich. Ich erinnere mich an eine Diskussion, in der es um das Schöne ging, in der aber immer wieder gewisse Teilnehmer anfingen, über Kunst zu reden, die Begriffe gleichsetzend. Dies halte ich für problematisch, denn was „Kunst“ sei, wird uns ja im wesentlichen von den Experten der Meinungsmache auferlegt. Was schön ist, ist dagegen eine Entscheidung, die auf der subjektiven Wahrnehmung beruht. (Und hier meine ich „schön“ nicht im umgangssprachlichen Sinn, sondern – in der klassischen Definition – als die sinnlich wahrnehmbare Erscheinung des Wahren. Daß man hierüber kaum diskutieren kann (schon gar nicht in diesem Forum) ist klar und bekannt.
In diesem Sinne: LLs „Kunst“ hat für mich nichts Schönes und nichts Wahres; aber diese Aussage hat für mich nichts Diffamatorisches, sondern stellt meine Meinung dar. Wer sich exponiert, muß mit Kritik rechnen, und wer sich derartig exponiert (was er ja nicht aus Versehen tut), muß mit viel Kritik rechnen (ist was anderes als Diffamierung). Im Gegenteil empfinde ich seine Darbietungen als Diffamierung der Werke, die er spielt, und deren Komponisten. Er ist für mich kein ernstzunehmender Musiker (und wohlgemerkt: Ich sage weder „Pianist“ noch „Künstler“), sondern ein Markenname (hat er ihn nicht sogar schützen lassen?), der von den Medien und von der Werbung aufgewertet worden ist wie jede andere Marke. Die Menschen schmücken sich mit dem Besuch seiner Konzerte wie mit einer Rolex oder mit einem Anzug von Hugo Boss. Wogegen ich mich wehre, ist dieses unendliche Werbe-Gehype (das natürlich nicht nur LL betrifft, hier aber besonders ausgeprägt ist und auch besondere Ausmaße erreicht hat und besonders erfolgreich ist) – sonst würde ich über diesen Pianisten gar nicht reden.
Original von ab dass ich leicht von der Interpretation absehen kann, so dass ich sie nicht einmal hintergründig störend empfinden muss. Diese Aussage hatte ich (offenbar fälschlicherweise) so verstanden, daß Du Interpretation generell als störend empfindest.
Auch Du verstehst mich falsch, wenn Du meinst, daß ich ungewohnte Interpretationen ablehne – das Gegenteil ist der Fall (sonst würde ich ja niemals in Konzerte gehen, sondern immer wieder gemütlich zuhause dieselben Platten hören), und ich bin schon oft begeistert gewesen, einem vermeintlich bekannten Stück völlig neue Dimensionen abgewinnen zu können, oder ungeliebte Stücke plötzlich lieben zu lernen; aber, wie ich oben versucht habe auszuführen, kann ich nicht alles, was nur irgendwie anders ist, bedenkenlos begrüßen und muß mich auch nicht für alles begeistern, was mir die Meinungsmache nahelegt.
Das „bashing“ – bin ich mittlerweise der Meinung – entspringt einem gesunden Gerechtigkeitsgefühl, das sich dagegen wehrt, daß sich etwas oder jemand so ausbreitet, daß kaum noch für andere(s) Platz ist – wirklich kein Anlaß für ein Aufbegehren von „p.c.“-Fanatikern.
Beste Grüße, Gamaheh
Gamaheh (25.04.2010, 14:18): Original von ab Ein junger Musiker halt, der offensichtlich Freude am Spielen hat - und das hört man auch. . ... der offensichtlich Freude hat, weil er sich selbst so ungeheuer geil findet.
Grüße, Gamaheh
ab (26.04.2010, 09:52): Original von Heike Mit "Lang Lang Bashing" möchte ich übrigens gar nicht in Zusammenhang gebracht werden
Aber ich wundere mich dann doch, dass seine Befürworter ihn so rundum verteidigen, also nicht seine Schwächen benennen können oder wollen. Sondern eher unterstellen, dass der Rest der Hörer voreingenommen ist oder ihn gar ihn niedermachen will.
Bitte entschuldige vielmals, wenn es irrtümlich so geklungen hat, als würde ich Dir und Gamaheh hier Lang-Lang-Bashing vorgeworfen haben. Das war ausschließlich im ganz allgemeinen Zusammenhang von Cetays Frage gemeint gewesen und nicht im Zusammenhang mit den Ausführungen hier im Faden.
Aber jedefalls: auch die Schwächen Lang Langs gehören klar angesprochen!
Mir ging es bloß darum, dass eine Interpetaion, auch wenn sie Schwächen in einer Hinsicht auweisen kann, dafür Stärken in anderer Hinsicht haben kann. (Die Gewichtung ist dann immer eine persönliche Frage. Doch um gewichten zu können, muss man die Hinsichten kennen.) :hello
ab (26.04.2010, 09:56): Original von Gamaheh Lieber ab,
herzlichen Dank für Deine Erläuterungen! Ich muß zugeben, daß mir das sinnliche Erleben der Musik zweitrangig ist (aber natürlich nicht unwichtig), während es für Dich offenbar auch absolut sein kann.
Liebe Gamahe,
ich stimme mit allem überein.
Ja, das sinnliche Erleben interessiert mich persönlich - vor allem theoretisch auch - ganz besonders. Das hat u.a. damit zu tun, dass ich ästhetische Erfahrung als Erlebnis der Kunst um ihrere selbst Willen verstehen, und weil ich Interpretationen als eigene Kunstformen (vom Kunstwerk unterschiedene) ansehen, muss ich mich an das halten, was erklingt, nicht aber daran, was erklingen sollte.
Heike (26.04.2010, 17:49): Bitte entschuldige vielmals, wenn es irrtümlich so geklungen hat, als würde ich Dir und Gamaheh hier Lang-Lang-Bashing vorgeworfen haben. Das war ausschließlich im ganz allgemeinen Zusammenhang von Cetays Frage gemeint gewesen und nicht im Zusammenhang mit den Ausführungen hier im Faden. Da bin ich ja beruhigt - wir können uns ja zukünftig ggf. wegen aller moglicher Dinge das Streiten kriegen (oder hoffentlich auch nicht), wegen Lang Lang sollten wir uns aber nun wirklich nicht zanken :beer Heike
ab (26.04.2010, 18:10): Original von Heike wegen Lang Lang sollten wir uns aber nun wirklich nicht zanken :beer Heike
:beer
Gamaheh (27.04.2010, 22:45): Original von ab Original von Heike wegen Lang Lang sollten wir uns aber nun wirklich nicht zanken :beer Heike
:beer
Na gut: :beer - aber schade: LL ist ein so dankbares Thema, und streiten tut gut und macht Spaß. Wie sagte doch Heraklit (genannt "der Dunkle"): "Krieg ist der Vater aller Dinge und aller Dinge König."
Für die Lang Lang-Fans unter Euch habe ich hier aber nochmal wieder einen besonderen Leckerbissen; und hier würde mich wirklich ganz ungemein interessieren, was ab von Linienführung, Dynamik und Sonorität hält.
Der Meister ist offenbar auch bei Apple unter Vertrag (was für eine Werbung bei mehr als einer halben Million Aufrufe innerhalb einer Woche!).
Eschenbach scheint gute Miene zum bösen Spiel zu machen - wahrscheinlich kriegt er was ab ...
Grüße, Gamaheh
P.S.: Hier der Link.
P.P.S.: Frage an den Admin: Warum können wir eigentlich keine Videos einbetten - das wäre doch 100%ig legal und ganz lustig (und nimmt auch nicht mehr Platz weg als ein Cover-Bild).
ab (28.04.2010, 09:18): Original von Gamaheh Für die Lang Lang-Fans unter Euch habe ich hier aber nochmal wieder einen besonderen Leckerbissen; und hier würde mich wirklich ganz ungemein interessieren, was ab von Linienführung, Dynamik und Sonorität hält.
:D Da muss ich doch glatt an die Erzählungen denken über Gilels erste US-Torunee durch die Provinz, während der er so einigen Instrumenten mit seiner Prake den Garaus gemacht haben soll. Eine ebensolche Pranke wünscht man sich heute von Lang Lang. :J
Außerdem - und das ist gar nicht lustig - muss ich daran denken, das Eschenbach die Fähigkeit zu Sprechen durch seine NS-Erlebnisse verloren hatte und erst durch seinen Umgang mit der Musik wiedergefunden hat; fast möchte man fürchten, hier könnte es in die andere Richtung losgehen, diesmal ausgelöst durch solche kapitalisten Werbestrategien.
Zur Frage aber: Linienführung, Dynamik und Sonorität ist eine ganz spannende Frage bei elektronisch erzeugten Klängen. Bislang habe ich den entsprechenden Bösendorferflügel noch nicht live hören können, mir scheint aber, die Ergebnisse fallen bislang alle sehr enttäuschend aus. Den Orchesterklang betreffend habe ich inzwischen mehrfach Files von der Vienna Symphonic Library gehört, die immerhin mit bislang unübertroffenen Aufwand von Wiener Philharmonikern aufgenommen wurden: schreckliches Ergebnis. (Aber womöglich geht das nur darauf zurück, dass das erforderliche Feintuning nicht vorgenommen wurde?) Von Bastlern elektronischer Musik im U-Bereich höre ich, dass bereits überraschend gute Sounds zu haben seien.
Die Wissenschaft ist seit langem schon dem auf der Spur, was man eine "musikalische Interpretation" nennt. Als Trost: Auch wenn es heute bereits Programme gibt, die das Spezifische von Pianisten herausfiltern und in Algorythmen umwandeln können, so liegt die Trefferquote, einen Pianisten auf Grund seiner typischen Interpretationsweise wiedererkennen zu können, zwar bei über 90 %. Das heißt aber nicht, dass dann, wenn man man den Computer mit einem Notentext und den entsprechenden Algorythmen "füttert", auch eine "musikalische Interpretation" herauskäme. :hello
Heike (29.04.2010, 08:08): Ich kann euch nur empfehlen, lest mal das Buch von Lang Lang. Es lohnt sich, auch wenn es miserabel geschrieben ist - die Einblicke in diese chinesische Meistermach- Szene sind interessant.
Ich abscheue solche Art Profilierungssucht und erst recht solche dreiste Werbung. Aber ich kann nachvollziehen warum jemand, der so groß wurde, sich so präsentiert. Heike
E. Morricone (11.05.2010, 15:22): Um noch mal auf Beethoven zurückzukommen:
Auf youtube ist die Masterclass mit Barenboim, wo Lang Lang die Appasionata spielt, sind allerdings 10 Teile.
Click
Irgendwie hat er in der Zwischenzeit nicht viel gelernt, was Beethoven angeht.
Heike (23.11.2010, 20:27): Bei Cappriccio habe ich gelesen, dass Lang Lang gestern bei Stefan Raab zu Gast war und man kann es noch im Internet auf der TV-Total-Seite ansehen:
http://tvtotal.prosieben.de/tvtotal/videos/player/?contentId=92070 (talk) http://tvtotal.prosieben.de/tvtotal/videos/player/?contentId=92071 (Prokofjev, Brahms) http://tvtotal.prosieben.de/tvtotal/videos/player/?contentId=92072 (Duett mit Raab)
Macht euch selbst ein Bild. Werbung als Intro ist wie immer im Privat-TV inclusive. Heike
Rachmaninov (23.10.2011, 09:55): Jelänge ich das verfolge um so mehr komme ich zur Ansicht, das Lang Lang lediglich marketingstrategische Ansprüche erfüllt.
Ein 1,3 Milliarden Markt gilt es zu erschließen.
sahrapa92 (06.12.2011, 06:51): ja, lang lang ist ein showmaster, wie man in der rockmusik so schön sagt, eine rampensau, immer in kontakt mit seinem publikum, aber, ist das was schlechtes? ich kannte genug pianisten, die vor ausverkauftem haus eigentlich nur für sich alleine gespielt haben, ohne den geringsten publikumskontakt. was mich beeindruckt hat; dass lang lang in der carnegie eine haydn-sonate gespielt hat, gewiss kein virtuosenstück. er spielte sie, wie er haydn empfindet, witzig, pointiert, komödiantisch, mit zigeunereinschlag, eine freude, ihm zuzusehen, wie er die musik genoss. was mir nicht gefällt: er übertreibts zuweilen einen tick, verliert dadurch an wirkung. in einer aufnahme des mendelssohn klavierquartetts erweist er als empfindsamer kammermusiker. er ist einfach ein guter musiker, mit bühnenpräsenz, der die musik liebt, mir tausendmal lieber als die total verinnerlichten, denen die neurosen aus den knopflöchern quellen. ihn allerdings als weltbesten pianisten hochzujubeln, damit tut man ihm keinen gefallen. er ist kein pollini, halt lang lang sahra
Heike (29.02.2012, 16:12): Philharmonie Berlin, 28.2.2012 Lang Lang, Klavier
Johann Sebastian Bach: Partita Nr. 1 B-Dur, BWV 825 Franz Schubert: Klaviersonate B-Dur, D 960 Frédéric Chopin: 12 Etüden, op. 25
Tja, was soll ich dazu sagen? Ganz allein auf der Bühne (die letzten beiden Male habe ich ihn mit Kammermusik bzw. Orchester gehört), also ganz allein auf der Bühne kamen seine Stärken und Schwächen noch mehr zum Ausdruck.
Eigentlich könnte ich aber auch gleich auf diese Rezension von meinem Lieblingskritiker verweisen ... ich verlinke das jetzt hier mal, obwohl dann vielleicht die Gefahr steigt, dass man denkt, ich hätte mich beeinflussen lassen. Hab ich aber nicht, ich war schließlich selbst da und hab beim Lesen jetzt nur gedacht "wow - besser kann ichs gar nicht sagen".
Es begann also mit der Bach Partita, die noch schlimmer war als ich es sowieso befürchtet hatte. Ich liebe die Perahia- Aufnahme - demgegenüber fehlte Lang Langs Bach vor allem eins: Seele. Was bei Perahia sinnlich ist, ist bei Lang Lang gefühlig. Er kann zwar sehr kantabel spielen, auch seine Verzierungen sind wirklich hinreißend. Aber dann machte er urplötzlich irgendwelche dynamischen Sprünge, oder verkitschte Melodielinien total. Wenn man bei Bach z.B Schlusstöne so nachklingen lässt wie in den lieblichsten nocturnes, dann finde ich das quasi nicht mehr erträglich. Zudem waren mir manche Tempi viel zu schnell. Nun gut, abgehakt - Lang Lang und Barock konnte ich mir sowieso nicht vorstellen.
Die Schubertsonate begann er zunächst besser, als ich erwartet hatte, sehr schwermütig und doch klangschön- transparent. Da hat er auch sehr sensibel mit dem Pedal gearbeitet. Mir hat das zunächst mal besser gefallen als bei Uchida neulich. Er kann wirklich sehr schön leise spielen, in jedem Tempo, das bleibt immer noch alles klar und differenziert. Aber schon bei den Wiederholungen fiel ihm nichts mehr ein, keine Idee von Struktur, da kamen komische Tempoänderungen hinzu, er machte merkwürdige Lautstärkevariationen, betonte unmotiviert Basslinien, ließ die Reprise dann fast einschlafen. Das Andante war dann stellenweise wieder schön, wenn er Harmonien so gaaaaanz gleichmäßig fließen ließ, oder was er mitunter auch für innige Klänge herzauberte, wenn er eine unschuldigste Melodie über Akkorden singen lässt. Aber dann wurde es richtig gruselig, das Scherzo total überzeichnet, das Finale ohne jeden Plan, zudem oft einfach nur noch hart und fast lieblos hingegriffen. Fast als ob er keine Lust mehr hatte auf Schubert. Schade, schade.
Nach der Pause die Chopin-Etüden haben mich auch nicht sehr begeistert. Natürlich kann man sich an seinen technischen Fertigkeiten freuen, aber so buchstabiert mag ich Chopin nicht. Ich habe wirklich immer Tom und Jerry im Kopf gehabt, aber keine Musik. Er hat viele Kontraste gesetzt, gar nicht mal so besonders aufgesetzt effektvoll, sondern einfach nur ohne Poesie, langweilig. Zwischendrin war ich wahrlich richtiggehend müde und unaufmerksam geworden vom Zuhören, das will bei den Etüden schon was heißen.
So, also lieber Herr Lang Lang, wieder eine Chance bei mir vertan. Es gab noch eine Liszt- Romanze als Zugabe.
Noch ein Wort zu Künstler und Publikum: Lang Lang benahm sich bei Auftritt und Abgang wie ein König, dem sein Volk huldigt. Zwar war er klassisch gekleidet und machte auch keine Mätzchen, aber: Er verbeugte sich und "grüßte" das Publikum dabei immer mit dieser Geste, die die Hoheiten immer draufhaben (so ein nicht richtiges Winken, sondern nur Arm heben und aus dem Handgelenk wackeln, genau wie bei den Majestäten). So ein passendes Publikum hatte er auch - sicher eine Menge von Leuten, die sonst eher nicht in Klavierkonzerten zu finden sind. Folglich gab es nach dem Kopfsatz von D960 Applaus (und daran war nicht Lang Lang schuld, er hatte sogar ziemlich lange die Hände auf den Tasten gelassen und dann erst langsam zu einem Taschentuch gefriffen - da brandete der Jubel dann los). Auch der Chopin war 2 oder sogar 3 mal von Applaus unterbrochen. Und - ich habe noch nie so viele ständig fotografierende Asiaten im Publikum gesehen; außerdem habe ich zum ersten Mal gesehen, dass die Podiumsplätze hinter dem Flügel mit einer Barriere abgesperrt waren. Lang Lang Superstar und die Fans kommen (noch).
Ja, so war das. Es war irgendwie so wie erwartet, oder vielleicht doch noch extremer, und zwar in den Extremen: er kann alles, aber er kann dann doch wieder gar nichts. Heike
sahrapa92 (26.05.2014, 16:53): youtube ist eine segensreiche einrichtung, dadurch bin ich in der lage, mir konzerte aus der ferne anzuhören. wer meine bisherigen posts bezüglich lang lang gelesen hat, weiß, dass ich eine gewisse sympathie für ihn hege, die aber nicht unbegrenzt ist. er ist ein wundervoller sensibler begleiter, letztens hörte ich ihn mit dem forellenquintett, er genießt die musik, ohne sich in den vordergrund zu spielen. seine aufnahme mit dem mendelssohn klavierquartett erwähnte ich schon. zu seinem liveauftritt in berlin: bis auf die b-dur sonate von schubert alles auf youtube, allerdings in nicht maximaler aufnahmequalität. die bachpartita gehört auch zu meinem repertoire, weshalb ich jede note kenne. eine schallplatte mit der aufnahme dinu lipattis motivierte mich vor vielen jahren zum klavierspiel. die partiten waren quasi bachs opus 1, sein erstveröffentliches werk. bach liebte das clavichord, ein sehr ausdrucksstarkes instrument, leider aufgrund seiner geringen lautstärke nicht für konzerte geeignet, das cembalo war für ihn eher ein notbehelf. vermutlich sind die partiten auch für das damals weitverbreitete clavichord komponiert, auf dem cembalo klingen sie einfach nicht. deshalb finde ich es mehr als legitim, sie auf dem klavier zu spielen. aber: die bachsche agogik verlangt ein stetig schlagendes herz, einen festen rythmus,ihre wirkung entfaltet sich erst in einem genau eingehaltenen tempo. (genau wie im jazz) ein paradebeispiel dafür ist der langsame satz des italienischen konzerts, in dem viele interpreten versuchen, das schöne noch schöner zu gestalten (michelangeli) und dabei grandios scheitern. um wieder zum thema zurückzukehren, auch lang lang erliegt der versuchung, kitscht schon im präludium, weniger wäre viiiel mehr gewesen. die allemande beginnt er viel zu schnell, alle strukturen verschluckend, besinnt sich wenigstens in der wiederholung. in der corrente besinnt er sich,lässt teilweise strukturen erkennen, aber arbeitet ständig mit dem pedal, die sarabande muss man eigentlich nur so spielen, wie sie in den noten steht, sie entfaltet dann eine ungeheure dramatik, von lang lang verschenkt, warum merkt ers nicht selbst? menuett geht so, bischen unbeteiligt, aber das göttliche trio, verschenkt. die gigue, der rausschmeißer, ein geniestreich extraordinaire von bach, virtuos, so schnell, dass alle feinheiten verschwimmen.
zu lang langs interpretation der b-dur-sonate von schubert kann ich nichts sagen ,da sie bisher niemand hochgeladen hat,
etuden op 25, zusammen mit op 10, die pflichtlekture für alle angehenden pianisten. ich gebe zu, nur einige selbst gespielt zu haben, selbst großen pianisten, wie rubinstein und gulda waren sie im angegebenen tempo zu schwer. chopin war bedingt durch seine krankheit, eher schwächlich, bevorzugte für seine konzerte eher flügel mit wiener mechanik, erzielt seine wirkung durch sein reduziert gefühlvolles spiel. seine musik notierte er sehr penibel, trotzdem traf sie bei manchen kritikern zuerst auf breites unverständnis (hanslick), die ihre meinung erst nach dem hören von chopins spiel änderten.
chopin verstand sich nur am rande als romantiker, er liebte wie viele andere musiker die musik von bach, einige präludien und fugen konnte er auswendig spielen. obwohl polyphonie zeitlebens nicht sein ding war, seine musik verlangt wie bach einen festen rythmus, dazu ein dezentes tempo rubato, was meint, die rechte hand verzögert leicht, die linke bleibt im tempo. generationen von pianisten der zweiten und dritten garnitur haben sich an chopin versündigt, zuweilen schrecklich gehaust. paradebeispiel ist der b-teil der 3ten chopin-etude op 10 (takt 30 ff) wo die moll-variation bedeutungsschwanger im halben tempo verharrt.
für mich als lang lang- sympathiesanten eine krasse enttäuschung, die etuden op 25. er ignoriert beharrlich die pedalanweisungen des komponisten, unterschlägt viele details. manchmal erweist sich überzogenes tempo als schlichtweg unmusikalisch, einige lichtblicke zeugen von seiner musikalität, seiner liebe zur musik, die zweifellos vorhanden ist. ich hoffe auf wohlmeinende freunde, die ihm zu der erkenntnis verhelfen, dass der weg zur musik eigentlich einfacher ist, im augenblick ist er in der gefahr, ein zweiter liberace zu werden, finanziell gewiss nicht unattraktiv, aber ich, der seine kammermusikaufnahmen kennt und schätzt, traue ihm wesentlich mehr zu . sahra