Lateinamerikanische Komponisten: Alberto Ginastera

Zelenka (30.04.2006, 18:35):
Vorbemerkung: Dies soll die erste Folge einer kleinen Serie von Threads sein, die jeweils zu einzelnen Komponisten Lateinamerikas heranführen sollen. (Diese Ankündigung sollte nicht als eine Massenanmeldung von Threads mißverstanden werden, wer anderswo in Lateinamerika einsteigen möchte, sollte dies ruhig tun, er käme meiner natürlichen Lethargie nur entgegen.) Ich weiß, daß ich mich auf Abwege im Musikbetrieb begebe, aber die nicht so ausgetrampelten Pfade müssen nicht die uninteressantesten sein, und die eine oder andere Aussicht mag nach einem etwas mühseligem Anstieg durchaus recht beglückend sein. Abzuwarten wird natürlich auch sein, ob ich auf diesen Nebenwegen nur murmelnde Selbstgespräche führen werde. Diese erste Folge ist dem argentinischen Komponisten Alberto Ginastera (1916-1983) gewidmet.

Biographie

Alberto Ginastera wurde am 11. April 1916 als Kind katalonischer und italienischer Einwanderer in Buenos Aires geboren. Buenos Aires war zu dieser Zeit sicher als musikalische Metropole einzustufen, Reste dieser hochentwickelten Musikkultur habe ich bei allen aktuellen Widrigkeiten noch in den 90ern bei einem Aufenthalt in Buenos Aires erleben können. Ginasteras musikalische Ausbildung begann sehr früh, mit 12 Jahren trat er in ein Konservatorium ein und war ein mit Preisen überhäufter Musterschüler. Die Aufführung einer Suite aus seinem Ballett Panambí am berühmten Teatro Colón im Jahre 1937 machte ihn in Argentinien bekannt. 1942 wurde ihm ein Guggenheim-Stipendium für einen Aufenthalt in den USA zuerkannt, das er aber erst 1945 nutzte. Nach längerem Aufenthalt in Nordamerika kehrte er nach Buenos Aires und begann eine Lehrtätigkeit neben den dem Komponieren. (Ein Schüler war Astor Piazzolla.) Ab 1968 war Ginastera noch einmal länger in den USA, 1970 siedelte er nach Europa über, wo er 1983 in Genf starb.

Werk

Verglichen etwa mit Villa-Lobos ist Ginasteras Werk eher überschaubar:

Year Opus Piece/Orchestration
1934/36 1 Panambí ballet
- 1a Suite from ballet Panambí orchestra
1937 2 Danzas Argentinas piano
1938 3 Two songs (Silva Valdés) voice and piano
1938 4 Cantos del Tucumán
(Jijena Sánchez) voice, flute, violin, harp and two Indian "cajas"
1938 5 Salmo CL (Psalm 150) mixed choir, children choir and orchestra
1940 6 Tres piezas (Three pieces) piano
1940 7 Malambo piano
1941 8 Estancia ballet
- 8a Danzas de Estancia orchestra
1943 9 Obertura para el "Fausto" criollo (Creole Fausto overture) orchestra
1943 10 Cinco canciones populares argentinas (Five Argentine popular songs) voice and piano
1943 11 Las horas de una estancia (Ocampo) voice and piano
1944 12 Doce preludios americanos (Twelve American preludes) piano
1945 13 Dúo flute and oboe
1946 14 Hieremiae Prophetae Lamentationes mixed choir a capella
1946 15 Suite de danzas criollas (Suite of Creole dances) piano
1947 16 Pampeana no. 1 violin and piano
1947 17 Ollantay orchestra; band arrangement
1947 18 Toccata, villancico and fuga organ
1947 19 Rondó sobre temas infantiles argentinos piano
1948 20 String quartet no. 1
1950 21 Pampeana no. 2 violoncello and piano
1952 22 Sonata no. 1 piano
1953 23 Variaciones concertantes chamber orchestra
1954 24 Pampeana no. 3 orchestra
1956 25 Concierto for harp and orchestra
1958 26 String quartet no. 2
1960 27 Cantata for magic America soprano and percussion orchestra
1961 28 Concierto no. 1 for piano and orchestra
1963 29 Quintet piano and string quartet
1963 30 Concierto for violin and orchestra
1964 31 Don Rodrigo opera
- 31a Sinfonia "Don Rodrigo" soprano and orchestra
1964 32 Cantata "Bomarzo" narrator, tenor or bariton and chamber orchestra
1965 33 Concerto per corde
1966/7 34 Bomarzo opera
1967 35 Estudios sinfónicos (Symphonic etudes) orchestra
1968 36 Concierto no. 1 for violoncello and orchestra
1971 37 Milena cantata for soprano and orchestra
1971 38 Beatrix Cenci opera
1972 39 Concierto no. 2 for piano and orchestra
1973 40 String quartet 3
1973 41 Puneña no. 1 flute
1974 42 Serenata bariton, violoncello and chamber ensemble
1975 43 Turbae soloist, choir and orchestra
1975 44 Popol Vuh orchestra
1976 45 Puneña no. 2 violoncello
1976 46 Glosses sobre temes de Pau Casals String orchestra and string quintet
1976 47 Sonata for guitarra
1977 48 Glosses sobre temes de Pau Casals orchestra
1979 49 Sonata for violoncello and piano
1980 50 Concierto no. 2 for violoncello and orchestra
1980 51 Iubilum for orchestra
- 51a Fanfarria for four trompets
1980 52 Variazioni e Toccata sopra "Aurora lucis rutilat" organ
1981 53 Sonata no. 2 piano
1982 54 Sonata no. 3* piano


Ginastera selbst hat sein Werk in drei Phasen eingeteilt: eine "objektiv-nationale", eine "subjektiv-nationale" und eine "neo-expressive". Im Frühwerk verwendet er Bausteine aus der argentinischen populären Musik und bearbeitet dieses melodische Material nicht weiter intensiv (einen ähnlichen Weg hat Copland in den USA eingeschlagen). Er steht unter dem Einfluß von Stravinsky, Bartók und de Falla. Sein Ballett Estancia (in dem die Gauchokultur verarbeitet wird) und seine Argentinischen Tänze op. 2 gehören in diese erste Phase. Ab 1948 setzt die zweite Phase ein. Die traditionellen populären Elemente treten etwas in den Hintergrund (oder werden auch nur schwerer erkennbar), bleiben aber wie auch die schon im Frühwerk vorhandenen starken rhythmischen Spannungen. Die Pampeana No. 3 für Orchester, das Streichquartett No. 1 und die erste Klaviersonate gehören z.B. hierhin. Der Vergleich mit dem späten Bartók drängt sich auf. Die dritte Phase führt weiter in die Abstraktion und in Richtung Zwölftonmusik, immer noch verarbeitet Ginastera teils mythische und mystische argentinische Elemente, die allerdings noch schwerer im einzelnen zu benenen sind. Seine (Skandal-) Oper Bomarzo, Popul Vuh für Orchester und sein zweites Cellokonzert gehören hierhin.

Diskographie und Hörempfehlungen

Ich gebe in einem Anhang einen Überblick über das, was ich von Ginastera auf CD besitze. Vieles war und ist schwer zu beschaffen (die Ginastera-Bestande selbst in besseren Läden sind armselig). Ich habe im einzelnen nicht überprüft, was überhaupt lieferbar ist. Mit dem Konkurs des Dorian-Labels dürfte einiges erst einmal verschwinden, um vielleicht wieder als billige Brilliant-Box wiederaufzustehen. Ich habe leider keine seiner Opern, von denen offenbar keine Aufnahmen lieferbar sind und zu denen ich nichts sagen kann.

Am eingängigsten sind sicher Ginasteras Werke der ersten Phase wie die Ballette Panambí und Estancia, die meist als Suiten eingespielt werden


http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000DIDM1.01.LZZZZZZZ.jpg

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Komplette Versionen der zwei Ballette gibt es hier:


http://images-eu.amazon.com/images/P/B00000IFOR.01.LZZZZZZZ.jpg

Ein Ohrwurm sind die "Impresiones de la Puna" (Eindrücke vom Anden-Hochland") für Querflöte und Orchester, die Ginastera mit 18 Jahren geschrieben hat. (Vor ein paar Jahren war das Stück einmal live im Funkhaus des WDR in Köln zu hören, und ich erinnere mich noch, wie das Publikum mitging und eine sofortige Zugabe verlangte.)

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000001QAG.01.LZZZZZZZ.jpg

Die Kammermusik und die Klaviermusik wird recht gut von einer Serie von 5 CDs bei ASV abgedeckt. Die Argentinischen Tänze op. 2 gibt es auch gespielt von Martha Argerich (G. Montero hat sie wohl auch eingespielt):

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00004LCAR.01.LZZZZZZZ.jpg

Kuriosum am Rande:

Emerson Lake and Palmer haben 1973 mit dem ausdrücklichen Einverständnis des Komponisten den vierten Satz seines ersten Klavierkonzerts arrangiert und auf ihrem Album "Brain Salad Surgery" veröffentlicht.

Und noch etwas am Rande:

In London gibt es ab dem 1. Juni ein bis fast zum Ende des Jahres dauerndes Ginastera-Festival.

Gruß,

Zelenka
Zelenka (30.04.2006, 18:37):
Der oben erwähnte Anhang mit meinen Beständen:

Ginastera, Alberto (1916-1983)

Harp concerto op. 25
Allen, O Filarmónica de la Ciudad de México, Bátiz DDD ASV CDDCA654
Moretti, O national de Lyon, Robertson DDD Naive 4860
Barrera, O Ciudad de Granada, Pons DDD Harmonia Mundi HMC901808

Piano concerto No. 1 op. 28
Tarrago, O Filarmónica de la Ciudad de México, Bátiz DDD ASV CDDCA654
De Marinis, Slovak Radio Symphony O, Malaval DDD Naxos Latin-American Classics 8555283

Piano concerto No. 2 op. 39
De Marinis, Slovak Radio Symphony O, Malaval DDD Naxos Latin-American Classics 8555283

Violin concerto
Accardo, Hopkins Center O, di Bonaventura ADD Dynamic CDS110

Cello concertos No. 1 op. 36, No. 2 op. 50
Nátola-Ginastera, O Sinfónica de Castilla y León, Darman DDD Newport Classics NPD85580

Panambí (Ballet) (1937)
LSO, Ben-Dor DDD Conifer 75605513362

Panambí (Suite de ballet) op. 1b
O national de Lyon, Robertson DDD Naive 4860

Estancia (Complete ballet) (1941)
Gaeta, LSO, Ben-Dor DDD Conifer 75605513362

Estancia op. 8a: Los trabajadores agricolas, Danza del trigo, Los peones de hacienda, Danza final "Malambo"
O Filarmónica de la Ciudad de México, Bátiz DDD ASV CDDCA654
Simón Bolívar Symphony O of Venezuela, Mata DDD Dorian Music of Latin American Masters DOR90211
O national de Lyon, Robertson DDD Naive 4860
Odense Symphony O, Wagner DDD Bridge 9130
O Ciudad de Granada, Pons DDD Harmonia Mundi HMC901808

Danzas del ballet "Estancia" op. 8a
New World Symphony, Tilson Thomas DDD Argo 4367372

Ollantay (Three symphonic movements) op. 17
Odense Symphony O, Wagner DDD Bridge 9130

Concerto for strings op. 33
I Musici de Montreal, Turovsky DDD Chandos CHAN9434
Camerata Bariloche, Hasaj DDD Dorian Music of Latin American Masters DOR90249

Glosses sobre temes de Pau Casals op. 46
LSO, Ben-Dor DDD Koch International Classics 371492H1

Glosses sobre temes de Pau Casals op. 48
LSO, Ben-Dor DDD Koch International Classics 371492H1
O national de Lyon, Robertson DDD Naive 4860

Variaciones concertantes
Richmond Sinfonia, Manahan DDD Élan Echo Series CD2222
Israel Chamber O, Ben-Dor DDD Koch International Classics 371492H1
O Ciudad de Granada, Pons DDD Harmonia Mundi HMC901808

Pampeana No.1
Camerata Bariloche, Hasaj DDD Dorian Music of Latin American Masters DOR90249

Pampeana No. 3 op. 24
Simón Bolívar Symphony O of Venezuela, Mata DDD Dorian Music of Latin American Masters DOR90178
Odense Symphony O, Wagner DDD Bridge 9130

Impresiones de la Puna
Camerata Bariloche DDD Dorian Music of Latin American Masters DOR90202

Obertura para el "Fausto" Criollo
Simón Bolívar Symphony O of Venezuela, Valdes DDD Dorian Music of Latin American Masters DOR90227
Odense Symphony O, Wagner DDD Bridge 9130
O Ciudad de Granada, Pons DDD Harmonia Mundi HMC901808

Quintet op. 29 (1963)
Portugheis, Bingham String Quartet DDD ASV CDDCA902

Impresiones de la Puna for flute and string quartet (1942)
Noakes, Lyric String Quartet DDD ASV CDDCA1103

String quartet No. 1 op. 20
Lyric Quartet DDD ASV CDDCA944

String quartet No. 2 op. 26
Lyric Quartet DDD ASV CDDCA944

String quartet No. 3 op. 40
Blackburn, Lyric Quartet DDD ASV CDDCA944

Pampeana No. 1 op. 16 (1947) (Rhapsody for violin and piano)
Lupu, Portugheis DDD ASV CDDCA902

Pampeana No. 2 op. 21 (1950) (Rhapsody for cello and piano), Sonata for cello and piano op. 49 (1979), Triste (1943) (transcr. Pierre Fournier from "Cinco Canciones Populares Argentinas" op. 10, No. 2)
Nátola-Ginastera, Portugheis DDD ASV CDDCA865

Triste
Meneses, Wyss DDD Pan Classics Prestige 510138

Duo for flute and oboe op. 13 (1945)
Noakes, Anderson DDD ASV CDDCA1103

Danzas argentinas op. 2 (1937)
Argerich ADD EMI CDC5569752
Portugheis DDD ASV CDDCA865

12 American Preludes op. 12 (1944), Piano sonata No. 1 op. 22 (1952)
Portugheis DDD ASV CDDCA865

Piezas infantiles (1934), Milonga (1943) (from Dos canciones op. 3) (Canción al árbol del olvido), Tres piezas op. 6 (1940), Malambo op. 7 (1940), Suite de danzas criollas op. 15 (1946), Rondo sobre temas infantiles argentinos op. 19 (1947), Piano sonata No. 2 op. 53 (1981), Toccata (1970) (Recreation for piano of Toccata per organo by Domenico Zipoli ), Piano sonata No. 3 op. 55 (1982)
Portugheis DDD ASV CDDCA880

Milonga, Danzas Argentinas (Danza del viejo boyero, Danza de la moza donosa, Danza del gaucho matrero)
Piazzini DDD Arte Nova 74321563432

Estancia: Danza del trigo (transcr. Zárate) (1943)
Gintoli DDD ASV CDDCA1103

Punena No. 2 for solo cello op. 45 (1976)
Van Kampen DDD ASV CDDCA1103

Estancia: Triste Pampeano (transcr. Salomón de Font) (1943), Guitar sonata op. 47 (1976), Danza criolla op. 15, No. 1 (arr. Barbosa-Lima), Milonga (arr. Mercado)
Siewers DDD ASV CDDCA1103

Cantos del Tucumán for voice, flute, violin, harp and caja grande (1938)
Blackburn, Noakes, Emanuel, Tingay, Kettel DDD ASV CDDCA1103

Dos canciones op. 3 (1938), Cinco canciones populares argentinas op. 10 (1943), Las horas de una estancia op. 11 (1943)
Blackburn, Portugheis DDD ASV CDDCA902

Canción del árbol del olvido
Cura, Bitetti DDD Erato 3984231382

Gruß,

Zelenka
Cosima (30.04.2006, 19:00):
Lieber Zelenka,

ich bin noch ganz erschlagen von Deinen beiden Einführungsbeiträgen – alle Achtung! :)

Außerdem hatte ich eben ein Aha-Erlebnis. Während ich Deinen Text las, hätte ich schwören können, dass ich von Ginastera noch keinen Ton gehört habe. Gerade wollte ich das auch schreiben und Dich um nähere Informationen zu den beiden Klavierkonzerten bitten, weil diese Musikgattung mich immer besonders interessiert. Zur Sicherheit schaute ich noch einmal in meiner Datenbank nach. Und siehe da: Ich besitze tatsächlich das 1. und 2. Klavierkonzert mit Dora De Marinis unter Julio Malaval (Naxos). Gerade höre ich die Aufnahmen, mir kommt das alles sehr fremd vor. Bestimmt habe ich die CD noch nie oder nur beiläufig gehört.

Schön, dass Dein Thread jetzt dazu verhalf, sie aus dem Regal zu nehmen. Eindrücke folgen - auch wenn lateinamerikanische Klassik nicht so mein Lieblingsgebiet ist.

Gruß, Cosima
Rachmaninov (30.04.2006, 19:21):
Original von Cosima

ich bin noch ganz erschlagen von Deinen beiden Einführungsbeiträgen – alle Achtung! :)



Dem schließe ich mich an! :down


Ich besitze tatsächlich das 1. und 2. Klavierkonzert mit Dora De Marinis unter Julio Malaval (Naxos). Gerade höre ich die Aufnahmen, mir kommt das alles sehr fremd vor. Bestimmt habe ich die CD noch nie oder nur beiläufig gehört.



@Cosima,

bitte berichte über die Konzerte!


R
Cosima (30.04.2006, 19:39):
Original von Rachmaninov
@Cosima,

bitte berichte über die Konzerte!


Das wird schwierig, Richard. Ich versuche gerade, Zusammenhänge zu erkennen. Das sind völlig neue Eindrücke für mein Ohr. Im Booklet suche ich nach Hilfe. Dort steht etwas von magischen, mysteriösen Klängen und Neo-Expressionismus. Ziemliches Neuland für mich. Aber die „Zeitgenössische-Musik-Fraktion“ müsste sich hier auskennen.

Gruß, Cosima
Zelenka (30.04.2006, 20:02):
Original von Cosima
Original von Rachmaninov
@Cosima,

bitte berichte über die Konzerte!


Das wird schwierig, Richard. Ich versuche gerade, Zusammenhänge zu erkennen. Das sind völlig neue Eindrücke für mein Ohr. Im Booklet suche ich nach Hilfe. Dort steht etwas von magischen, mysteriösen Klängen und Neo-Expressionismus. Ziemliches Neuland für mich. Aber die „Zeitgenössische-Musik-Fraktion“ müsste sich hier auskennen.

Gruß, Cosima

Am besten die Naxos-Aufnahme "in die Tonne treten", die Aufnahme des ersten Klavierkonzerts dei ASV (Tarrago), die ich in meinem zweiten Beitrag erwähne, ist um Längen vorzuziehen. Und hier noch eine Selbstaussage Ginasteras zum ersten Konzert: "I think such a work of art must produce a feeling of comprehension, a flow of attraction between public and artist, independent of its structural implications. I this ... is not established, then no explanation will help the average public to fathom the inner meaning of the work." Dem wäre ja wohl nicht hinzuzufügen. Der Booklet-Autor der ASV-Version ist trotzdem so freundlich, etwas Hilfestellung zu geben: "The first movement is derived fron the serial chord with which it opens, a cadenza, with violent alternations between piano and orchestra, is followed by ten "varianti" and a coda, an extended variation that harks back to the cadenza. The pointilistic secon movement, whose three middle sections are framed by an introduction and coda, has overtones of the (hallucinatory) 'magic' that is as trong element in Argentine folk-culture. The ternary-form slow movement rises to a passionate climax before tapering away with a 12-note chord, played pianissimo by divided strings; five quiet notes from the piano emphasise a final sense of 'distance'. Strong rhythm, bravura writing and furious dialogue between orchestra and soloist mark the final, rondo-form Toccata concertata, the product of a composer who was also a virtuoso pianist."

In der Hoffnung, alle Unklarheiten beseitigt zu haben, verbleibe ich

Zelenka
Zelenka (30.04.2006, 20:29):
Es ist schwer über Musik zu reden, ohne wenigstens Beispiele auch hören zu können, deswegen hier noch ein Hinweis in Sachen Ginasteras Solo-Klaviermusik: Auf der Website des Progetto Martha Argerich kann man völlig kostenlos ein paar Stücke hören, z.B. drei argentinische Tänze (Sergio Tiempo):

"http://www.rtsi.ch/trasm/argerich/welcome.cfm?lng=0&ids=493&idc=3152"

Und Suite de danzas criollas (Eduardo Delgado):

"http://www.rtsi.ch/trasm/argerich/welcome.cfm?lng=0&ids=493&idc=2211"

Gruß,

Zelenka
Cosima (30.04.2006, 20:36):
Original von Zelenka
Am besten die Naxos-Aufnahme "in die Tonne treten",

Das nenne ich mal einen Tipp! :D

Danke für die Links. Allzu viel Musik für Soloklavier hat Ginastera hat nicht geschrieben, ich las gerade, dass es nur 12 Stücke sind.

Gruß, Cosima
Zelenka (30.04.2006, 20:50):
Original von Cosima
Original von Zelenka
Am besten die Naxos-Aufnahme "in die Tonne treten",

Das nenne ich mal einen Tipp! :D

Danke für die Links. Allzu viel Musik für Soloklavier hat Ginastera hat nicht geschrieben, ich las gerade, dass es nur 12 Stücke sind.

Gruß, Cosima

Mehr ist es wohl tatsächlich nicht. Aber der Meister hat nun mal nicht Hunderte von Opusnummern geschafft wie ein gewisser Milhaud z.B.

Gruß,

Zelenka
Engelbert (30.04.2006, 21:39):
Hallo Zelenka

Ich bin heute auf Deinen Beitrag über Alberto Ginastera gestoßen
und bin überrascht, dass der Argentinier auch Ballettmusiken komponiert hat.

Nachgeschaut bei JPC finde ich folgende Einspielung, die mich lockt.

.

Ansonsten habe ich meine eigenen LP-Bestände durchgeschaut, was ich von dem Komponisten besitze.

Da ist zunächst auch die Klaviersonate Nr. 1 von 1952 mit dem Pianisten Adrian Ruiz (Label: Genesis).

Ergänzt wird die Klaviermusik noch mit den 12 American Preludes

Stolz bin ich auf eine Einspielung der Cinco Canciones populares argentinas mit der großartigen Alicia Nafé (Label Bellaphon 1981)
Die Lieder von Carlos Gustavino finde ich aber fast noch schöner.

Die Nafé war öfters in Hamburg. Man konnte sie als Carmen erleben.

Nun warte ich auf Deine weiteren Beiträge lateinamerikanischer Komponisten und klinke mich dann ein.

Besitzest Du auch die Ballettmusiken von Ernesto Halffter?
z.B. Don Lindo de Almería?

Gruß
Engelbert
:engel
Zelenka (01.05.2006, 10:16):
Lieber Engelbert:

Besten Dank für Dein Interesse! Beneidenswert natürliche Deine CD-Bestände an Ginastera, offenbar Material, das auf CD nicht erhältlich ist. - Zu der bei Largo erschienenen CD, die Du abbildest, kann ich leider nichts sagen, ich kenne sie nicht. Die Ballette werden auch dort in Suitenform gespielt werden, also nicht vollständig sein.

Der Argentinier Carlos Guastavino (1912-2000) würde vielleicht seinen eigenen kleinen Thread verdienen, er ist im Ganzen sicher eingängiger als Ginastera und hat sich von Ausflügen in die Zwölftonmusik z.B. ferngehalten.

Um noch weiter abzuschweifen: Recht neu ist eine überall gelobte Lieder-CD mit der Argentinierin B. Fink:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000ETQSAI.01.LZZZZZZZ.jpg

Don Lindo de Almería ist von Rodolfo Halffter, dem "mexikanischen" Halffter, nicht von seinem Bruder Ernesto. Ich habe bislang keine Ballette von ihm, ich weiß aber von einer billigen und wohl guten Möglichkeit, sie kennenzulernen:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000675OI0.02.LZZZZZZZ.jpg

Gruß,

Zelenka
Cosima (01.05.2006, 19:15):
Original von Zelenka
Auf der Website des Progetto Martha Argerich kann man völlig kostenlos ein paar Stücke hören, z.B. drei argentinische Tänze (Sergio Tiempo):
...
Und Suite de danzas criollas (Eduardo Delgado):


Die Solo-Klaviermusik gefällt mir deutlich besser als die Klavierkonzerte. Der 2. argentinische Tanz ist wirklich schön. Aber richtig gut gefällt mir die Suite de danzas criollas! Die hat was – ich bin ganz überrascht! Damit ich nicht wieder reinfalle: Kannst Du eine CD empfehlen, auf der dieses Werk drauf ist, am besten natürlich gekoppelt mit anderen Stücken für Solo-Klavier von Ginastera?

Gruß, Cosima
Zelenka (01.05.2006, 19:27):
Original von Cosima
Original von Zelenka
Auf der Website des Progetto Martha Argerich kann man völlig kostenlos ein paar Stücke hören, z.B. drei argentinische Tänze (Sergio Tiempo):
...
Und Suite de danzas criollas (Eduardo Delgado):


Die Solo-Klaviermusik gefällt mir deutlich besser als die Klavierkonzerte. Der 2. argentinische Tanz ist wirklich schön. Aber richtig gut gefällt mir die Suite de danzas criollas! Die hat was – ich bin ganz überrascht! Damit ich nicht wieder reinfalle: Kannst Du eine CD empfehlen, auf der dieses Werk drauf ist, am besten natürlich gekoppelt mit anderen Stücken für Solo-Klavier von Ginastera?

Gruß, Cosima

Yippee! Ich bin erleichtert, daß es doch etwas von Ginastera gibt, das gefallen kann. Empfehlenswert ist sicher diese CD:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000030UF.01.LZZZZZZZ.jpg

Werke von 1934 bis 1982, ASV DCA 880, die Einzelwerke notfalls nachschaubar in meiner Bestandsliste weiter oben. Bei caiman derzeit für schlappe 13.12 incl. Porto zu haben.

Wirklich erleichtert,

Zelenka
Cosima (01.05.2006, 19:35):
Gibt es von Delgado nichts auf CD? Ich kann das zwar nur über PC-Lautsprecher hören, aber der klingt mir sehr gut – tolles Temperament! Spielt Alberto Portugheis ähnlich zupackend? Ich glaube, das braucht diese Musik, sie muss sehr expressiv dargeboten werden.

Ich höre diese Suite jetzt schon zum wiederholten Male. Die ist richtig klasse! So eine Mischung aus… und …. !? Ich weiß derzeit nicht genau, wie ich es beschreiben soll. Aber sie hat etwas Berauschendes.

Gruß, Cosima
Zelenka (01.05.2006, 19:53):
Original von Cosima
Gibt es von Delgado nichts auf CD? Ich kann das zwar nur über PC-Lautsprecher hören, aber der klingt mir sehr gut – tolles Temperament! Spielt Alberto Portugheis ähnlich zupackend? Ich glaube, das braucht diese Musik, sie muss sehr expressiv dargeboten werden.

Ich höre diese Suite jetzt schon zum wiederholten Male. Die ist richtig klasse! So eine Mischung aus… und …. !? Ich weiß derzeit nicht genau, wie ich es beschreiben soll. Aber sie hat etwas Berauschendes.

Gruß, Cosima

Ich fürchte, es gibt keine Aunahme der Suite de Danzas Criollas von Delgado, es gibt allerdings eine reine Ginastera-CD von 1999 (hoffnungsvoll vol. 1 genannt) mit ihm, auf der ist die Suite leider, leider nicht enthalten (bei dvdlegacy für EUR 13.13 incl. Porto zu haben). Ich kenne die CD leider nicht, was sich ändern wird. Portugheis kann übrigens schon zupacken und ist immerhin Brasilianer.

Vielleicht eben doch Bartók, wenn er nach Argentinien ausgewandert wäre.

Gruß,

Zelenka
Cosima (01.05.2006, 20:02):
Danke Dir, Zelenka! Mit dem Herrn Portugheis werde ich mich noch genauer befassen.

Übrigens weiß ich jetzt, was für eine Mischung hier vorliegt: Folklore, Tango und Jazz. :rofl

Gruß, Cosima
Jürgen (02.05.2006, 10:17):
Original von Zelenka
Emerson Lake and Palmer haben 1973 mit dem ausdrücklichen Einverständnis des Komponisten den vierten Satz seines ersten Klavierkonzerts arrangiert und auf ihrem Album "Brain Salad Surgery" veröffentlicht.
Zelenka

Das ist auch das Einzige, was ich von ihm kenne, ELP sei Dank.

Klingt sehr interessant, ist aber weißgott kein Easylistening.


Jürgen
Zelenka (02.05.2006, 12:18):
Original von Jürgen
Original von Zelenka
Emerson Lake and Palmer haben 1973 mit dem ausdrücklichen Einverständnis des Komponisten den vierten Satz seines ersten Klavierkonzerts arrangiert und auf ihrem Album "Brain Salad Surgery" veröffentlicht.
Zelenka

Das ist auch das Einzige, was ich von ihm kenne, ELP sei Dank.

Klingt sehr interessant, ist aber weißgott kein Easylistening.


Jürgen

Ein bißchen Herausforderung muß auch sein. Ich kenne leider die Emerson Lake und Palmer-Version nicht :I.

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (05.05.2006, 15:49):
Gestern habe ich mir das Klavierkonzert #1 angehört.
Und zwar in der Naxos-Aufnahme



Die Aufnahme empfand ich eher als mittelmäßig aber das Konzert an sich durchaus interessant!

Denke ich werde mir mal Zeit nehmen um mir weitere Proben seiner Kunst anzuhören :hello
Rachmaninov (05.05.2006, 15:50):
@Zelenka,

kennst Du diese Aufnahme?
Zelenka (05.05.2006, 16:12):
Original von Rachmaninov
@Zelenka,

kennst Du diese Aufnahme?



Lieber Rachmaninov:

Leider kenne ich die Aufnahme nicht. Habe die (hörenswerte) Sonate von Ginastera in einer anderen Aufnahme. Wo gibts denn noch Denon? Ebay? Japan?

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (05.05.2006, 16:20):
Original von Zelenka
Wo gibts denn noch Denon? Ebay? Japan?

Gruß,

Zelenka

via Amazon Händler :beer
Zelenka (05.05.2006, 16:33):
Original von Rachmaninov
Original von Zelenka
Wo gibts denn noch Denon? Ebay? Japan?

Gruß,

Zelenka

via Amazon Händler :beer

Ich schau mal rein bei Amazon.

:beer.

Zelenka
Zelenka (05.05.2006, 16:41):
Original von Zelenka
Original von Rachmaninov
Original von Zelenka
Wo gibts denn noch Denon? Ebay? Japan?

Gruß,

Zelenka

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Ich schau mal rein bei Amazon.

:beer.

Zelenka

Ab EUR 7.28, das ist fast gestohlen. Die Kundenbesprechung bei amazon.com flößt allerdings kaum Zuversicht ein:

0 of 3 people found the following review helpful:

HELL YEAH!!!!!!!!!!!!, August 1, 2004
Reviewer: AaLii "AaLii" (Seattle) - See all my reviews
THIS CD IS THE BEST EVER!! THE GUITAR SONATA BY GINASTERA IS SUCH A GREAT AND EVOCATIVE PIECE. I MEAN, IT SOUNDS VERY GOOD. ESPECIALLY THE FOURTH MOVEMENT, PRESTO E FOGOSO, WHICH IS MY FAVORITE MUSIC EVER. THE VILLA LOBOS ETUDES ARE ALSO TIGHT BUT THERE'S NO REASON TO LISTEN TO THEM (OR ANY OTHER MUSIC, FOR THAT MATTER) WHEN YOU CAN JUST PUT PRESTO E FOGOSO ON LOOP AND LISTEN TO IT ALL DAY. I CAN NO LONGER IMAGINE HOW HORRID LIFE MUST HAVE BEEN WITHOUT PRESTO E FOGOSO!! BUY THIS CD, YOU WON'T REGRET IT!

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Gruß,

Zelenka
Cosima (16.11.2007, 22:17):
Original von Zelenka
I CAN NO LONGER IMAGINE HOW HORRID LIFE MUST HAVE BEEN WITHOUT PRESTO E FOGOSO!!

Lieber Zelenka,

sehr hübsch die Rezension. Auch nach 3 Jahren hat sich keine weitere Kritik dazu gesellt. Hast Du Dir die CD seinerzeit gekauft? – Das berühmt-berüchtigte Presto e fogoso musste ich mir daraufhin unbedingt anhören. Gitarrenmusik! :S (Wie kann man das den ganzen Tag lang hören, ohne durchzudrehen… so wie der Rezensent anscheinend? :rofl)

Na dann: Gute Nacht! :engel

Gruß, Cosima
ab (17.11.2007, 12:45):
von Alberto Ginastera hatten dereinst die Geschwister des Henschel Quartetts die Streichquartette Nr. 1 & 2 höchst gelobt eigenspielt.
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/2232384.jpg

A. Beaujean in Scala 9 / 00: "Das Henschel Quartett stürzt sich gerade in die temperamentvoll entfesselte Ausdruckswelt dieser Musik. Man geht aufs Ganze und scheut keine Risiken. Eine Produktion, zu der man Arte Nova gratulieren kann."
Zelenka (17.11.2007, 15:34):
Original von Cosima
Original von Zelenka
I CAN NO LONGER IMAGINE HOW HORRID LIFE MUST HAVE BEEN WITHOUT PRESTO E FOGOSO!!

Lieber Zelenka,

sehr hübsch die Rezension. Auch nach 3 Jahren hat sich keine weitere Kritik dazu gesellt. Hast Du Dir die CD seinerzeit gekauft? – Das berühmt-berüchtigte Presto e fogoso musste ich mir daraufhin unbedingt anhören. Gitarrenmusik! :S (Wie kann man das den ganzen Tag lang hören, ohne durchzudrehen… so wie der Rezensent anscheinend? :rofl)

Na dann: Gute Nacht! :engel

Gruß, Cosima

Liebe Cosima:

Ich staune immer noch, daß dieser versunkene Faden plötzlich und wahrscheinlich nur kurz zum Leben wiedererwacht ist. Ich habe die CD nicht gekauft, ich besitze die Sonate mit dem berüchtigten Presto e fugoso in einer anderen Aufnahme (Siewers, ASV), meine Ginastera-Abteilung ist seit der Fadeneröffnung nicht mehr weitergewachsen. Jedenfalls würde es mir nicht gut gehen, wenn ich den ganzen Tag Gitarrenmusik hören müßte ... :D

Gruß, Zelenka
ab (17.11.2007, 20:17):
Original von Zelenka
Ich staune immer noch, daß dieser versunkene Faden plötzlich und wahrscheinlich nur kurz zum Leben wiedererwacht ist.

Das neue Interessen hängt womöglich auch damit zusammen, dass sich urplötzlich die ASV-Aufnahmen billigst in einer Brilliant-Box vereinigt finden. Zumindest bei mir ist das so, denn einzeln war mir die Reihe, zu der ich immer etwas sehnsüchtig geblickt hatte, stets zu teuer. Nun hoffe ich, sie bald in Händen zu bekommen, um hineinzuhören und dann eine Kaufentscheidung zu treffen.

Ich kennt ja fast nichts aus Lateinamerika, sehe ich einmal vom Salsa ab...
Zelenka (19.11.2007, 18:10):
Original von ab
Original von Zelenka
Ich staune immer noch, daß dieser versunkene Faden plötzlich und wahrscheinlich nur kurz zum Leben wiedererwacht ist.

Das neue Interessen hängt womöglich auch damit zusammen, dass sich urplötzlich die ASV-Aufnahmen billigst in einer Brilliant-Box vereinigt finden. Zumindest bei mir ist das so, denn einzeln war mir die Reihe, zu der ich immer etwas sehnsüchtig geblickt hatte, stets zu teuer. Nun hoffe ich, sie bald in Händen zu bekommen, um hineinzuhören und dann eine Kaufentscheidung zu treffen.

Ich kennt ja fast nichts aus Lateinamerika, sehe ich einmal vom Salsa ab...

Ich hoffe, daß sich das dann bald ändern möge!

Gruß, Zelenka
Zelenka (30.04.2006, 18:35):
Vorbemerkung: Dies soll die erste Folge einer kleinen Serie von Threads sein, die jeweils zu einzelnen Komponisten Lateinamerikas heranführen sollen. (Diese Ankündigung sollte nicht als eine Massenanmeldung von Threads mißverstanden werden, wer anderswo in Lateinamerika einsteigen möchte, sollte dies ruhig tun, er käme meiner natürlichen Lethargie nur entgegen.) Ich weiß, daß ich mich auf Abwege im Musikbetrieb begebe, aber die nicht so ausgetrampelten Pfade müssen nicht die uninteressantesten sein, und die eine oder andere Aussicht mag nach einem etwas mühseligem Anstieg durchaus recht beglückend sein. Abzuwarten wird natürlich auch sein, ob ich auf diesen Nebenwegen nur murmelnde Selbstgespräche führen werde. Diese erste Folge ist dem argentinischen Komponisten Alberto Ginastera (1916-1983) gewidmet.

Biographie

Alberto Ginastera wurde am 11. April 1916 als Kind katalonischer und italienischer Einwanderer in Buenos Aires geboren. Buenos Aires war zu dieser Zeit sicher als musikalische Metropole einzustufen, Reste dieser hochentwickelten Musikkultur habe ich bei allen aktuellen Widrigkeiten noch in den 90ern bei einem Aufenthalt in Buenos Aires erleben können. Ginasteras musikalische Ausbildung begann sehr früh, mit 12 Jahren trat er in ein Konservatorium ein und war ein mit Preisen überhäufter Musterschüler. Die Aufführung einer Suite aus seinem Ballett Panambí am berühmten Teatro Colón im Jahre 1937 machte ihn in Argentinien bekannt. 1942 wurde ihm ein Guggenheim-Stipendium für einen Aufenthalt in den USA zuerkannt, das er aber erst 1945 nutzte. Nach längerem Aufenthalt in Nordamerika kehrte er nach Buenos Aires und begann eine Lehrtätigkeit neben den dem Komponieren. (Ein Schüler war Astor Piazzolla.) Ab 1968 war Ginastera noch einmal länger in den USA, 1970 siedelte er nach Europa über, wo er 1983 in Genf starb.

Werk

Verglichen etwa mit Villa-Lobos ist Ginasteras Werk eher überschaubar:

Year Opus Piece/Orchestration
1934/36 1 Panambí ballet
- 1a Suite from ballet Panambí orchestra
1937 2 Danzas Argentinas piano
1938 3 Two songs (Silva Valdés) voice and piano
1938 4 Cantos del Tucumán
(Jijena Sánchez) voice, flute, violin, harp and two Indian "cajas"
1938 5 Salmo CL (Psalm 150) mixed choir, children choir and orchestra
1940 6 Tres piezas (Three pieces) piano
1940 7 Malambo piano
1941 8 Estancia ballet
- 8a Danzas de Estancia orchestra
1943 9 Obertura para el "Fausto" criollo (Creole Fausto overture) orchestra
1943 10 Cinco canciones populares argentinas (Five Argentine popular songs) voice and piano
1943 11 Las horas de una estancia (Ocampo) voice and piano
1944 12 Doce preludios americanos (Twelve American preludes) piano
1945 13 Dúo flute and oboe
1946 14 Hieremiae Prophetae Lamentationes mixed choir a capella
1946 15 Suite de danzas criollas (Suite of Creole dances) piano
1947 16 Pampeana no. 1 violin and piano
1947 17 Ollantay orchestra; band arrangement
1947 18 Toccata, villancico and fuga organ
1947 19 Rondó sobre temas infantiles argentinos piano
1948 20 String quartet no. 1
1950 21 Pampeana no. 2 violoncello and piano
1952 22 Sonata no. 1 piano
1953 23 Variaciones concertantes chamber orchestra
1954 24 Pampeana no. 3 orchestra
1956 25 Concierto for harp and orchestra
1958 26 String quartet no. 2
1960 27 Cantata for magic America soprano and percussion orchestra
1961 28 Concierto no. 1 for piano and orchestra
1963 29 Quintet piano and string quartet
1963 30 Concierto for violin and orchestra
1964 31 Don Rodrigo opera
- 31a Sinfonia "Don Rodrigo" soprano and orchestra
1964 32 Cantata "Bomarzo" narrator, tenor or bariton and chamber orchestra
1965 33 Concerto per corde
1966/7 34 Bomarzo opera
1967 35 Estudios sinfónicos (Symphonic etudes) orchestra
1968 36 Concierto no. 1 for violoncello and orchestra
1971 37 Milena cantata for soprano and orchestra
1971 38 Beatrix Cenci opera
1972 39 Concierto no. 2 for piano and orchestra
1973 40 String quartet 3
1973 41 Puneña no. 1 flute
1974 42 Serenata bariton, violoncello and chamber ensemble
1975 43 Turbae soloist, choir and orchestra
1975 44 Popol Vuh orchestra
1976 45 Puneña no. 2 violoncello
1976 46 Glosses sobre temes de Pau Casals String orchestra and string quintet
1976 47 Sonata for guitarra
1977 48 Glosses sobre temes de Pau Casals orchestra
1979 49 Sonata for violoncello and piano
1980 50 Concierto no. 2 for violoncello and orchestra
1980 51 Iubilum for orchestra
- 51a Fanfarria for four trompets
1980 52 Variazioni e Toccata sopra "Aurora lucis rutilat" organ
1981 53 Sonata no. 2 piano
1982 54 Sonata no. 3* piano


Ginastera selbst hat sein Werk in drei Phasen eingeteilt: eine "objektiv-nationale", eine "subjektiv-nationale" und eine "neo-expressive". Im Frühwerk verwendet er Bausteine aus der argentinischen populären Musik und bearbeitet dieses melodische Material nicht weiter intensiv (einen ähnlichen Weg hat Copland in den USA eingeschlagen). Er steht unter dem Einfluß von Stravinsky, Bartók und de Falla. Sein Ballett Estancia (in dem die Gauchokultur verarbeitet wird) und seine Argentinischen Tänze op. 2 gehören in diese erste Phase. Ab 1948 setzt die zweite Phase ein. Die traditionellen populären Elemente treten etwas in den Hintergrund (oder werden auch nur schwerer erkennbar), bleiben aber wie auch die schon im Frühwerk vorhandenen starken rhythmischen Spannungen. Die Pampeana No. 3 für Orchester, das Streichquartett No. 1 und die erste Klaviersonate gehören z.B. hierhin. Der Vergleich mit dem späten Bartók drängt sich auf. Die dritte Phase führt weiter in die Abstraktion und in Richtung Zwölftonmusik, immer noch verarbeitet Ginastera teils mythische und mystische argentinische Elemente, die allerdings noch schwerer im einzelnen zu benenen sind. Seine (Skandal-) Oper Bomarzo, Popul Vuh für Orchester und sein zweites Cellokonzert gehören hierhin.

Diskographie und Hörempfehlungen

Ich gebe in einem Anhang einen Überblick über das, was ich von Ginastera auf CD besitze. Vieles war und ist schwer zu beschaffen (die Ginastera-Bestande selbst in besseren Läden sind armselig). Ich habe im einzelnen nicht überprüft, was überhaupt lieferbar ist. Mit dem Konkurs des Dorian-Labels dürfte einiges erst einmal verschwinden, um vielleicht wieder als billige Brilliant-Box wiederaufzustehen. Ich habe leider keine seiner Opern, von denen offenbar keine Aufnahmen lieferbar sind und zu denen ich nichts sagen kann.

Am eingängigsten sind sicher Ginasteras Werke der ersten Phase wie die Ballette Panambí und Estancia, die meist als Suiten eingespielt werden


http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000DIDM1.01.LZZZZZZZ.jpg

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00008KA5X.01.LZZZZZZZ.jpg

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000001QAP.01.LZZZZZZZ.jpg

Komplette Versionen der zwei Ballette gibt es hier:


http://images-eu.amazon.com/images/P/B00000IFOR.01.LZZZZZZZ.jpg

Ein Ohrwurm sind die "Impresiones de la Puna" (Eindrücke vom Anden-Hochland") für Querflöte und Orchester, die Ginastera mit 18 Jahren geschrieben hat. (Vor ein paar Jahren war das Stück einmal live im Funkhaus des WDR in Köln zu hören, und ich erinnere mich noch, wie das Publikum mitging und eine sofortige Zugabe verlangte.)

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000001QAG.01.LZZZZZZZ.jpg

Die Kammermusik und die Klaviermusik wird recht gut von einer Serie von 5 CDs bei ASV abgedeckt. Die Argentinischen Tänze op. 2 gibt es auch gespielt von Martha Argerich (G. Montero hat sie wohl auch eingespielt):

http://images-eu.amazon.com/images/P/B00004LCAR.01.LZZZZZZZ.jpg

Kuriosum am Rande:

Emerson Lake and Palmer haben 1973 mit dem ausdrücklichen Einverständnis des Komponisten den vierten Satz seines ersten Klavierkonzerts arrangiert und auf ihrem Album "Brain Salad Surgery" veröffentlicht.

Und noch etwas am Rande:

In London gibt es ab dem 1. Juni ein bis fast zum Ende des Jahres dauerndes Ginastera-Festival.

Gruß,

Zelenka
Zelenka (30.04.2006, 18:37):
Der oben erwähnte Anhang mit meinen Beständen:

Ginastera, Alberto (1916-1983)

Harp concerto op. 25
Allen, O Filarmónica de la Ciudad de México, Bátiz DDD ASV CDDCA654
Moretti, O national de Lyon, Robertson DDD Naive 4860
Barrera, O Ciudad de Granada, Pons DDD Harmonia Mundi HMC901808

Piano concerto No. 1 op. 28
Tarrago, O Filarmónica de la Ciudad de México, Bátiz DDD ASV CDDCA654
De Marinis, Slovak Radio Symphony O, Malaval DDD Naxos Latin-American Classics 8555283

Piano concerto No. 2 op. 39
De Marinis, Slovak Radio Symphony O, Malaval DDD Naxos Latin-American Classics 8555283

Violin concerto
Accardo, Hopkins Center O, di Bonaventura ADD Dynamic CDS110

Cello concertos No. 1 op. 36, No. 2 op. 50
Nátola-Ginastera, O Sinfónica de Castilla y León, Darman DDD Newport Classics NPD85580

Panambí (Ballet) (1937)
LSO, Ben-Dor DDD Conifer 75605513362

Panambí (Suite de ballet) op. 1b
O national de Lyon, Robertson DDD Naive 4860

Estancia (Complete ballet) (1941)
Gaeta, LSO, Ben-Dor DDD Conifer 75605513362

Estancia op. 8a: Los trabajadores agricolas, Danza del trigo, Los peones de hacienda, Danza final "Malambo"
O Filarmónica de la Ciudad de México, Bátiz DDD ASV CDDCA654
Simón Bolívar Symphony O of Venezuela, Mata DDD Dorian Music of Latin American Masters DOR90211
O national de Lyon, Robertson DDD Naive 4860
Odense Symphony O, Wagner DDD Bridge 9130
O Ciudad de Granada, Pons DDD Harmonia Mundi HMC901808

Danzas del ballet "Estancia" op. 8a
New World Symphony, Tilson Thomas DDD Argo 4367372

Ollantay (Three symphonic movements) op. 17
Odense Symphony O, Wagner DDD Bridge 9130

Concerto for strings op. 33
I Musici de Montreal, Turovsky DDD Chandos CHAN9434
Camerata Bariloche, Hasaj DDD Dorian Music of Latin American Masters DOR90249

Glosses sobre temes de Pau Casals op. 46
LSO, Ben-Dor DDD Koch International Classics 371492H1

Glosses sobre temes de Pau Casals op. 48
LSO, Ben-Dor DDD Koch International Classics 371492H1
O national de Lyon, Robertson DDD Naive 4860

Variaciones concertantes
Richmond Sinfonia, Manahan DDD Élan Echo Series CD2222
Israel Chamber O, Ben-Dor DDD Koch International Classics 371492H1
O Ciudad de Granada, Pons DDD Harmonia Mundi HMC901808

Pampeana No.1
Camerata Bariloche, Hasaj DDD Dorian Music of Latin American Masters DOR90249

Pampeana No. 3 op. 24
Simón Bolívar Symphony O of Venezuela, Mata DDD Dorian Music of Latin American Masters DOR90178
Odense Symphony O, Wagner DDD Bridge 9130

Impresiones de la Puna
Camerata Bariloche DDD Dorian Music of Latin American Masters DOR90202

Obertura para el "Fausto" Criollo
Simón Bolívar Symphony O of Venezuela, Valdes DDD Dorian Music of Latin American Masters DOR90227
Odense Symphony O, Wagner DDD Bridge 9130
O Ciudad de Granada, Pons DDD Harmonia Mundi HMC901808

Quintet op. 29 (1963)
Portugheis, Bingham String Quartet DDD ASV CDDCA902

Impresiones de la Puna for flute and string quartet (1942)
Noakes, Lyric String Quartet DDD ASV CDDCA1103

String quartet No. 1 op. 20
Lyric Quartet DDD ASV CDDCA944

String quartet No. 2 op. 26
Lyric Quartet DDD ASV CDDCA944

String quartet No. 3 op. 40
Blackburn, Lyric Quartet DDD ASV CDDCA944

Pampeana No. 1 op. 16 (1947) (Rhapsody for violin and piano)
Lupu, Portugheis DDD ASV CDDCA902

Pampeana No. 2 op. 21 (1950) (Rhapsody for cello and piano), Sonata for cello and piano op. 49 (1979), Triste (1943) (transcr. Pierre Fournier from "Cinco Canciones Populares Argentinas" op. 10, No. 2)
Nátola-Ginastera, Portugheis DDD ASV CDDCA865

Triste
Meneses, Wyss DDD Pan Classics Prestige 510138

Duo for flute and oboe op. 13 (1945)
Noakes, Anderson DDD ASV CDDCA1103

Danzas argentinas op. 2 (1937)
Argerich ADD EMI CDC5569752
Portugheis DDD ASV CDDCA865

12 American Preludes op. 12 (1944), Piano sonata No. 1 op. 22 (1952)
Portugheis DDD ASV CDDCA865

Piezas infantiles (1934), Milonga (1943) (from Dos canciones op. 3) (Canción al árbol del olvido), Tres piezas op. 6 (1940), Malambo op. 7 (1940), Suite de danzas criollas op. 15 (1946), Rondo sobre temas infantiles argentinos op. 19 (1947), Piano sonata No. 2 op. 53 (1981), Toccata (1970) (Recreation for piano of Toccata per organo by Domenico Zipoli ), Piano sonata No. 3 op. 55 (1982)
Portugheis DDD ASV CDDCA880

Milonga, Danzas Argentinas (Danza del viejo boyero, Danza de la moza donosa, Danza del gaucho matrero)
Piazzini DDD Arte Nova 74321563432

Estancia: Danza del trigo (transcr. Zárate) (1943)
Gintoli DDD ASV CDDCA1103

Punena No. 2 for solo cello op. 45 (1976)
Van Kampen DDD ASV CDDCA1103

Estancia: Triste Pampeano (transcr. Salomón de Font) (1943), Guitar sonata op. 47 (1976), Danza criolla op. 15, No. 1 (arr. Barbosa-Lima), Milonga (arr. Mercado)
Siewers DDD ASV CDDCA1103

Cantos del Tucumán for voice, flute, violin, harp and caja grande (1938)
Blackburn, Noakes, Emanuel, Tingay, Kettel DDD ASV CDDCA1103

Dos canciones op. 3 (1938), Cinco canciones populares argentinas op. 10 (1943), Las horas de una estancia op. 11 (1943)
Blackburn, Portugheis DDD ASV CDDCA902

Canción del árbol del olvido
Cura, Bitetti DDD Erato 3984231382

Gruß,

Zelenka
Cosima (30.04.2006, 19:00):
Lieber Zelenka,

ich bin noch ganz erschlagen von Deinen beiden Einführungsbeiträgen – alle Achtung! :)

Außerdem hatte ich eben ein Aha-Erlebnis. Während ich Deinen Text las, hätte ich schwören können, dass ich von Ginastera noch keinen Ton gehört habe. Gerade wollte ich das auch schreiben und Dich um nähere Informationen zu den beiden Klavierkonzerten bitten, weil diese Musikgattung mich immer besonders interessiert. Zur Sicherheit schaute ich noch einmal in meiner Datenbank nach. Und siehe da: Ich besitze tatsächlich das 1. und 2. Klavierkonzert mit Dora De Marinis unter Julio Malaval (Naxos). Gerade höre ich die Aufnahmen, mir kommt das alles sehr fremd vor. Bestimmt habe ich die CD noch nie oder nur beiläufig gehört.

Schön, dass Dein Thread jetzt dazu verhalf, sie aus dem Regal zu nehmen. Eindrücke folgen - auch wenn lateinamerikanische Klassik nicht so mein Lieblingsgebiet ist.

Gruß, Cosima
Rachmaninov (30.04.2006, 19:21):
Original von Cosima

ich bin noch ganz erschlagen von Deinen beiden Einführungsbeiträgen – alle Achtung! :)



Dem schließe ich mich an! :down


Ich besitze tatsächlich das 1. und 2. Klavierkonzert mit Dora De Marinis unter Julio Malaval (Naxos). Gerade höre ich die Aufnahmen, mir kommt das alles sehr fremd vor. Bestimmt habe ich die CD noch nie oder nur beiläufig gehört.



@Cosima,

bitte berichte über die Konzerte!


R
Cosima (30.04.2006, 19:39):
Original von Rachmaninov
@Cosima,

bitte berichte über die Konzerte!


Das wird schwierig, Richard. Ich versuche gerade, Zusammenhänge zu erkennen. Das sind völlig neue Eindrücke für mein Ohr. Im Booklet suche ich nach Hilfe. Dort steht etwas von magischen, mysteriösen Klängen und Neo-Expressionismus. Ziemliches Neuland für mich. Aber die „Zeitgenössische-Musik-Fraktion“ müsste sich hier auskennen.

Gruß, Cosima
Zelenka (30.04.2006, 20:02):
Original von Cosima
Original von Rachmaninov
@Cosima,

bitte berichte über die Konzerte!


Das wird schwierig, Richard. Ich versuche gerade, Zusammenhänge zu erkennen. Das sind völlig neue Eindrücke für mein Ohr. Im Booklet suche ich nach Hilfe. Dort steht etwas von magischen, mysteriösen Klängen und Neo-Expressionismus. Ziemliches Neuland für mich. Aber die „Zeitgenössische-Musik-Fraktion“ müsste sich hier auskennen.

Gruß, Cosima

Am besten die Naxos-Aufnahme "in die Tonne treten", die Aufnahme des ersten Klavierkonzerts dei ASV (Tarrago), die ich in meinem zweiten Beitrag erwähne, ist um Längen vorzuziehen. Und hier noch eine Selbstaussage Ginasteras zum ersten Konzert: "I think such a work of art must produce a feeling of comprehension, a flow of attraction between public and artist, independent of its structural implications. I this ... is not established, then no explanation will help the average public to fathom the inner meaning of the work." Dem wäre ja wohl nicht hinzuzufügen. Der Booklet-Autor der ASV-Version ist trotzdem so freundlich, etwas Hilfestellung zu geben: "The first movement is derived fron the serial chord with which it opens, a cadenza, with violent alternations between piano and orchestra, is followed by ten "varianti" and a coda, an extended variation that harks back to the cadenza. The pointilistic secon movement, whose three middle sections are framed by an introduction and coda, has overtones of the (hallucinatory) 'magic' that is as trong element in Argentine folk-culture. The ternary-form slow movement rises to a passionate climax before tapering away with a 12-note chord, played pianissimo by divided strings; five quiet notes from the piano emphasise a final sense of 'distance'. Strong rhythm, bravura writing and furious dialogue between orchestra and soloist mark the final, rondo-form Toccata concertata, the product of a composer who was also a virtuoso pianist."

In der Hoffnung, alle Unklarheiten beseitigt zu haben, verbleibe ich

Zelenka
Zelenka (30.04.2006, 20:29):
Es ist schwer über Musik zu reden, ohne wenigstens Beispiele auch hören zu können, deswegen hier noch ein Hinweis in Sachen Ginasteras Solo-Klaviermusik: Auf der Website des Progetto Martha Argerich kann man völlig kostenlos ein paar Stücke hören, z.B. drei argentinische Tänze (Sergio Tiempo):

"http://www.rtsi.ch/trasm/argerich/welcome.cfm?lng=0&ids=493&idc=3152"

Und Suite de danzas criollas (Eduardo Delgado):

"http://www.rtsi.ch/trasm/argerich/welcome.cfm?lng=0&ids=493&idc=2211"

Gruß,

Zelenka
Cosima (30.04.2006, 20:36):
Original von Zelenka
Am besten die Naxos-Aufnahme "in die Tonne treten",

Das nenne ich mal einen Tipp! :D

Danke für die Links. Allzu viel Musik für Soloklavier hat Ginastera hat nicht geschrieben, ich las gerade, dass es nur 12 Stücke sind.

Gruß, Cosima
Zelenka (30.04.2006, 20:50):
Original von Cosima
Original von Zelenka
Am besten die Naxos-Aufnahme "in die Tonne treten",

Das nenne ich mal einen Tipp! :D

Danke für die Links. Allzu viel Musik für Soloklavier hat Ginastera hat nicht geschrieben, ich las gerade, dass es nur 12 Stücke sind.

Gruß, Cosima

Mehr ist es wohl tatsächlich nicht. Aber der Meister hat nun mal nicht Hunderte von Opusnummern geschafft wie ein gewisser Milhaud z.B.

Gruß,

Zelenka
Engelbert (30.04.2006, 21:39):
Hallo Zelenka

Ich bin heute auf Deinen Beitrag über Alberto Ginastera gestoßen
und bin überrascht, dass der Argentinier auch Ballettmusiken komponiert hat.

Nachgeschaut bei JPC finde ich folgende Einspielung, die mich lockt.

.

Ansonsten habe ich meine eigenen LP-Bestände durchgeschaut, was ich von dem Komponisten besitze.

Da ist zunächst auch die Klaviersonate Nr. 1 von 1952 mit dem Pianisten Adrian Ruiz (Label: Genesis).

Ergänzt wird die Klaviermusik noch mit den 12 American Preludes

Stolz bin ich auf eine Einspielung der Cinco Canciones populares argentinas mit der großartigen Alicia Nafé (Label Bellaphon 1981)
Die Lieder von Carlos Gustavino finde ich aber fast noch schöner.

Die Nafé war öfters in Hamburg. Man konnte sie als Carmen erleben.

Nun warte ich auf Deine weiteren Beiträge lateinamerikanischer Komponisten und klinke mich dann ein.

Besitzest Du auch die Ballettmusiken von Ernesto Halffter?
z.B. Don Lindo de Almería?

Gruß
Engelbert
:engel
Zelenka (01.05.2006, 10:16):
Lieber Engelbert:

Besten Dank für Dein Interesse! Beneidenswert natürliche Deine CD-Bestände an Ginastera, offenbar Material, das auf CD nicht erhältlich ist. - Zu der bei Largo erschienenen CD, die Du abbildest, kann ich leider nichts sagen, ich kenne sie nicht. Die Ballette werden auch dort in Suitenform gespielt werden, also nicht vollständig sein.

Der Argentinier Carlos Guastavino (1912-2000) würde vielleicht seinen eigenen kleinen Thread verdienen, er ist im Ganzen sicher eingängiger als Ginastera und hat sich von Ausflügen in die Zwölftonmusik z.B. ferngehalten.

Um noch weiter abzuschweifen: Recht neu ist eine überall gelobte Lieder-CD mit der Argentinierin B. Fink:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000ETQSAI.01.LZZZZZZZ.jpg

Don Lindo de Almería ist von Rodolfo Halffter, dem "mexikanischen" Halffter, nicht von seinem Bruder Ernesto. Ich habe bislang keine Ballette von ihm, ich weiß aber von einer billigen und wohl guten Möglichkeit, sie kennenzulernen:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B000675OI0.02.LZZZZZZZ.jpg

Gruß,

Zelenka
Cosima (01.05.2006, 19:15):
Original von Zelenka
Auf der Website des Progetto Martha Argerich kann man völlig kostenlos ein paar Stücke hören, z.B. drei argentinische Tänze (Sergio Tiempo):
...
Und Suite de danzas criollas (Eduardo Delgado):


Die Solo-Klaviermusik gefällt mir deutlich besser als die Klavierkonzerte. Der 2. argentinische Tanz ist wirklich schön. Aber richtig gut gefällt mir die Suite de danzas criollas! Die hat was – ich bin ganz überrascht! Damit ich nicht wieder reinfalle: Kannst Du eine CD empfehlen, auf der dieses Werk drauf ist, am besten natürlich gekoppelt mit anderen Stücken für Solo-Klavier von Ginastera?

Gruß, Cosima
Zelenka (01.05.2006, 19:27):
Original von Cosima
Original von Zelenka
Auf der Website des Progetto Martha Argerich kann man völlig kostenlos ein paar Stücke hören, z.B. drei argentinische Tänze (Sergio Tiempo):
...
Und Suite de danzas criollas (Eduardo Delgado):


Die Solo-Klaviermusik gefällt mir deutlich besser als die Klavierkonzerte. Der 2. argentinische Tanz ist wirklich schön. Aber richtig gut gefällt mir die Suite de danzas criollas! Die hat was – ich bin ganz überrascht! Damit ich nicht wieder reinfalle: Kannst Du eine CD empfehlen, auf der dieses Werk drauf ist, am besten natürlich gekoppelt mit anderen Stücken für Solo-Klavier von Ginastera?

Gruß, Cosima

Yippee! Ich bin erleichtert, daß es doch etwas von Ginastera gibt, das gefallen kann. Empfehlenswert ist sicher diese CD:

http://images-eu.amazon.com/images/P/B0000030UF.01.LZZZZZZZ.jpg

Werke von 1934 bis 1982, ASV DCA 880, die Einzelwerke notfalls nachschaubar in meiner Bestandsliste weiter oben. Bei caiman derzeit für schlappe 13.12 incl. Porto zu haben.

Wirklich erleichtert,

Zelenka
Cosima (01.05.2006, 19:35):
Gibt es von Delgado nichts auf CD? Ich kann das zwar nur über PC-Lautsprecher hören, aber der klingt mir sehr gut – tolles Temperament! Spielt Alberto Portugheis ähnlich zupackend? Ich glaube, das braucht diese Musik, sie muss sehr expressiv dargeboten werden.

Ich höre diese Suite jetzt schon zum wiederholten Male. Die ist richtig klasse! So eine Mischung aus… und …. !? Ich weiß derzeit nicht genau, wie ich es beschreiben soll. Aber sie hat etwas Berauschendes.

Gruß, Cosima
Zelenka (01.05.2006, 19:53):
Original von Cosima
Gibt es von Delgado nichts auf CD? Ich kann das zwar nur über PC-Lautsprecher hören, aber der klingt mir sehr gut – tolles Temperament! Spielt Alberto Portugheis ähnlich zupackend? Ich glaube, das braucht diese Musik, sie muss sehr expressiv dargeboten werden.

Ich höre diese Suite jetzt schon zum wiederholten Male. Die ist richtig klasse! So eine Mischung aus… und …. !? Ich weiß derzeit nicht genau, wie ich es beschreiben soll. Aber sie hat etwas Berauschendes.

Gruß, Cosima

Ich fürchte, es gibt keine Aunahme der Suite de Danzas Criollas von Delgado, es gibt allerdings eine reine Ginastera-CD von 1999 (hoffnungsvoll vol. 1 genannt) mit ihm, auf der ist die Suite leider, leider nicht enthalten (bei dvdlegacy für EUR 13.13 incl. Porto zu haben). Ich kenne die CD leider nicht, was sich ändern wird. Portugheis kann übrigens schon zupacken und ist immerhin Brasilianer.

Vielleicht eben doch Bartók, wenn er nach Argentinien ausgewandert wäre.

Gruß,

Zelenka
Cosima (01.05.2006, 20:02):
Danke Dir, Zelenka! Mit dem Herrn Portugheis werde ich mich noch genauer befassen.

Übrigens weiß ich jetzt, was für eine Mischung hier vorliegt: Folklore, Tango und Jazz. :rofl

Gruß, Cosima
Jürgen (02.05.2006, 10:17):
Original von Zelenka
Emerson Lake and Palmer haben 1973 mit dem ausdrücklichen Einverständnis des Komponisten den vierten Satz seines ersten Klavierkonzerts arrangiert und auf ihrem Album "Brain Salad Surgery" veröffentlicht.
Zelenka

Das ist auch das Einzige, was ich von ihm kenne, ELP sei Dank.

Klingt sehr interessant, ist aber weißgott kein Easylistening.


Jürgen
Zelenka (02.05.2006, 12:18):
Original von Jürgen
Original von Zelenka
Emerson Lake and Palmer haben 1973 mit dem ausdrücklichen Einverständnis des Komponisten den vierten Satz seines ersten Klavierkonzerts arrangiert und auf ihrem Album "Brain Salad Surgery" veröffentlicht.
Zelenka

Das ist auch das Einzige, was ich von ihm kenne, ELP sei Dank.

Klingt sehr interessant, ist aber weißgott kein Easylistening.


Jürgen

Ein bißchen Herausforderung muß auch sein. Ich kenne leider die Emerson Lake und Palmer-Version nicht :I.

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (05.05.2006, 15:49):
Gestern habe ich mir das Klavierkonzert #1 angehört.
Und zwar in der Naxos-Aufnahme



Die Aufnahme empfand ich eher als mittelmäßig aber das Konzert an sich durchaus interessant!

Denke ich werde mir mal Zeit nehmen um mir weitere Proben seiner Kunst anzuhören :hello
Rachmaninov (05.05.2006, 15:50):
@Zelenka,

kennst Du diese Aufnahme?
Zelenka (05.05.2006, 16:12):
Original von Rachmaninov
@Zelenka,

kennst Du diese Aufnahme?



Lieber Rachmaninov:

Leider kenne ich die Aufnahme nicht. Habe die (hörenswerte) Sonate von Ginastera in einer anderen Aufnahme. Wo gibts denn noch Denon? Ebay? Japan?

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (05.05.2006, 16:20):
Original von Zelenka
Wo gibts denn noch Denon? Ebay? Japan?

Gruß,

Zelenka

via Amazon Händler :beer
Zelenka (05.05.2006, 16:33):
Original von Rachmaninov
Original von Zelenka
Wo gibts denn noch Denon? Ebay? Japan?

Gruß,

Zelenka

via Amazon Händler :beer

Ich schau mal rein bei Amazon.

:beer.

Zelenka
Zelenka (05.05.2006, 16:41):
Original von Zelenka
Original von Rachmaninov
Original von Zelenka
Wo gibts denn noch Denon? Ebay? Japan?

Gruß,

Zelenka

via Amazon Händler :beer

Ich schau mal rein bei Amazon.

:beer.

Zelenka

Ab EUR 7.28, das ist fast gestohlen. Die Kundenbesprechung bei amazon.com flößt allerdings kaum Zuversicht ein:

0 of 3 people found the following review helpful:

HELL YEAH!!!!!!!!!!!!, August 1, 2004
Reviewer: AaLii "AaLii" (Seattle) - See all my reviews
THIS CD IS THE BEST EVER!! THE GUITAR SONATA BY GINASTERA IS SUCH A GREAT AND EVOCATIVE PIECE. I MEAN, IT SOUNDS VERY GOOD. ESPECIALLY THE FOURTH MOVEMENT, PRESTO E FOGOSO, WHICH IS MY FAVORITE MUSIC EVER. THE VILLA LOBOS ETUDES ARE ALSO TIGHT BUT THERE'S NO REASON TO LISTEN TO THEM (OR ANY OTHER MUSIC, FOR THAT MATTER) WHEN YOU CAN JUST PUT PRESTO E FOGOSO ON LOOP AND LISTEN TO IT ALL DAY. I CAN NO LONGER IMAGINE HOW HORRID LIFE MUST HAVE BEEN WITHOUT PRESTO E FOGOSO!! BUY THIS CD, YOU WON'T REGRET IT!

Was this review helpful to you? (Report this)

No, the review wasn`t exactly helpful ...

Gruß,

Zelenka
Cosima (16.11.2007, 22:17):
Original von Zelenka
I CAN NO LONGER IMAGINE HOW HORRID LIFE MUST HAVE BEEN WITHOUT PRESTO E FOGOSO!!

Lieber Zelenka,

sehr hübsch die Rezension. Auch nach 3 Jahren hat sich keine weitere Kritik dazu gesellt. Hast Du Dir die CD seinerzeit gekauft? – Das berühmt-berüchtigte Presto e fogoso musste ich mir daraufhin unbedingt anhören. Gitarrenmusik! :S (Wie kann man das den ganzen Tag lang hören, ohne durchzudrehen… so wie der Rezensent anscheinend? :rofl)

Na dann: Gute Nacht! :engel

Gruß, Cosima
ab (17.11.2007, 12:45):
von Alberto Ginastera hatten dereinst die Geschwister des Henschel Quartetts die Streichquartette Nr. 1 & 2 höchst gelobt eigenspielt.
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/2232384.jpg

A. Beaujean in Scala 9 / 00: "Das Henschel Quartett stürzt sich gerade in die temperamentvoll entfesselte Ausdruckswelt dieser Musik. Man geht aufs Ganze und scheut keine Risiken. Eine Produktion, zu der man Arte Nova gratulieren kann."
Zelenka (17.11.2007, 15:34):
Original von Cosima
Original von Zelenka
I CAN NO LONGER IMAGINE HOW HORRID LIFE MUST HAVE BEEN WITHOUT PRESTO E FOGOSO!!

Lieber Zelenka,

sehr hübsch die Rezension. Auch nach 3 Jahren hat sich keine weitere Kritik dazu gesellt. Hast Du Dir die CD seinerzeit gekauft? – Das berühmt-berüchtigte Presto e fogoso musste ich mir daraufhin unbedingt anhören. Gitarrenmusik! :S (Wie kann man das den ganzen Tag lang hören, ohne durchzudrehen… so wie der Rezensent anscheinend? :rofl)

Na dann: Gute Nacht! :engel

Gruß, Cosima

Liebe Cosima:

Ich staune immer noch, daß dieser versunkene Faden plötzlich und wahrscheinlich nur kurz zum Leben wiedererwacht ist. Ich habe die CD nicht gekauft, ich besitze die Sonate mit dem berüchtigten Presto e fugoso in einer anderen Aufnahme (Siewers, ASV), meine Ginastera-Abteilung ist seit der Fadeneröffnung nicht mehr weitergewachsen. Jedenfalls würde es mir nicht gut gehen, wenn ich den ganzen Tag Gitarrenmusik hören müßte ... :D

Gruß, Zelenka
ab (17.11.2007, 20:17):
Original von Zelenka
Ich staune immer noch, daß dieser versunkene Faden plötzlich und wahrscheinlich nur kurz zum Leben wiedererwacht ist.

Das neue Interessen hängt womöglich auch damit zusammen, dass sich urplötzlich die ASV-Aufnahmen billigst in einer Brilliant-Box vereinigt finden. Zumindest bei mir ist das so, denn einzeln war mir die Reihe, zu der ich immer etwas sehnsüchtig geblickt hatte, stets zu teuer. Nun hoffe ich, sie bald in Händen zu bekommen, um hineinzuhören und dann eine Kaufentscheidung zu treffen.

Ich kennt ja fast nichts aus Lateinamerika, sehe ich einmal vom Salsa ab...
Zelenka (19.11.2007, 18:10):
Original von ab
Original von Zelenka
Ich staune immer noch, daß dieser versunkene Faden plötzlich und wahrscheinlich nur kurz zum Leben wiedererwacht ist.

Das neue Interessen hängt womöglich auch damit zusammen, dass sich urplötzlich die ASV-Aufnahmen billigst in einer Brilliant-Box vereinigt finden. Zumindest bei mir ist das so, denn einzeln war mir die Reihe, zu der ich immer etwas sehnsüchtig geblickt hatte, stets zu teuer. Nun hoffe ich, sie bald in Händen zu bekommen, um hineinzuhören und dann eine Kaufentscheidung zu treffen.

Ich kennt ja fast nichts aus Lateinamerika, sehe ich einmal vom Salsa ab...

Ich hoffe, daß sich das dann bald ändern möge!

Gruß, Zelenka
edwin (18.11.2010, 15:10):
Schock muß sein. Nicht nur, wenn er Rudolf heißt.
Ich verrate ein offenes Geheimnis: Es hat keinen Sinn, beim frühen Ginastera einzusteigen in der Hoffnung, zum späten zu finden. Die beiden Richtungen liegen, trotz vermittelnder Übergangswerke, zu weit auseinander.

Das Frühwerk ist süffig-folkloristisch, und wenn Ginastera auf die Tempo-Tube drückt, ist der Rhythmus meistens 6/8, wobei mehrere Takte mit sechs Achteln in einen Takt mit zwei punktierten Vierteln münden. Diese Rhythmusformel ist charakteristisch für die argentinische Folklore. (Und wenn man solch einen Satz gehört hat, bitte unterbrechen und Bernsteins "I like to be in America" aus der "West Side Story" dazwischenschieben - verblüffend, nicht wahr?)

In die scheinbar folkloristische "Pampeana 3" schleichen sich freilich bereits Zwölftonreihen ein. Die häufigen Quartschritte lassen sie "ungefährlich" scheinen, und ganz konsequent gearbeitet wird mit ihnen ja auch nioch nicht. Das ändert sich im Ersten Klavierkonzert. Es ist sinnlos, dieses Werk in einer anderen Aufnahme zu hören als in dieser:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/619VATnFhfL._SL500_AA300_.jpg
Tatsächlich, ja: Dieser argentinische Bartók mit seiner Rhythmus-Explosion im letzten Satz ist tatsächlich konsequente Zwölftonmusik! Ich verwende den letzten Satz gerne, wenn mir jemand erklärt, mit der Zwölftontechnik könne man nur Kopfgeburten fabrizieren, aber nichts, was Klang, Duft und Tempo hat.

Einen Schock (jetzt sind wir dort) verpaßt Ginastera vielleicht dem erstmaligen Hörer der "Cantata para Americá magica":
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51R1zgTX-bL._SL500_AA300_.jpg
Weg ist die Gaucho-Hemdsärmeligkeit, jetzt geht es um magische Texte der südamerikanischen Indianer. Zum Solosopran gesellen sich zwei Klaviere, eine Celesta und ein Arsenal von Schlagzeugen, das von 10 Musikern gespielt wird. Das Ganze besteht jedoch nicht nur aus Rhythmus, sondern auch aus raunenden Flächen, seltsamen, nie zuvor gehörten Klängen und rituellen Zeichensetzungen. Dem Zuhörer eröffnet sich eine tatsächlich magische Welt - aber keine rein koloristische. Es ist eine Umformung der alten Magie in eine neue Sprache, in der alle Kraft, alles Geheimnis bewahrt bleibt.

Den Schock Nummer zwei, den ich so gerne verordnen würde, gibt's nicht zu einem menschlichen Preis: "Bomarzo". Diese Oper ist inhaltlich wesentlich weniger skandalös als ihr Ruf - Sex and Crime in der italienischen Renaissance, so arg ist das doch nicht, und der bizarre Figurengarten des Schlosses Bomarzo spielt auch eine gewisse Rolle.
Das wirklich Sensationelle ist die Musik: Ginastera entwickelt sie auf der Basis der Zwölftontechnik, aber vielfach basiert sie auf begrenzt aleatorischen Flächen (die Tonhöhen sind festgelegt, nicht aber die vertikalen Stimmkongruenzen). Die Singstimmen sind dabei unglaublich melodiös geführt, da bleibt sogar manches im Ohr. Und die KLangräume, die Ginastera schafft, sind von bestürzender Eindringlichkeit: Ein verstörender, bunter Alptraum in verführerischen, aber auch in ihrem Überquellen krank-üppigen Farben.

Unbedingt hinzuweisen ist auf ein derzeit ebenfalls nicht erhältliches Werk, nämlich "Turbae ad Passionem", eine Passionsmusik von visionärer Kraft und Schönheit. Die erzählenden Teile werden in Gregorianischen Melodien ausgeführt, die Chorteile - eben die "Turbae" - kontrastieren dazu in verwegenen Akkordsäulen und granitenen Klangblöcken. Auch diese Musik mag beim ersten Hören schockierend sein, doch spätestens beim zweiten Mal kann man sich ihrer Magie nicht mehr entziehen.

Übrigens: Ginastera hat eine Oper namens "Don Rodrigo" geschrieben. In ihr absolvierte 1966 ein junger Tenor sein höchst erfolgreiches New-York-Debüt. Sein Name: Placido Domingo.
:hello
ab (18.11.2010, 16:58):
Original von edwin
Das ändert sich im Ersten Klavierkonzert. Es ist sinnlos, dieses Werk in einer anderen Aufnahme zu hören als in dieser:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/619VATnFhfL._SL500_AA300_.jpg


In einem anderen Forum las ich von Hilde Somer, piano; Vienna Philharmonia Orchestra; Ernst Maerzendorfer. Dort soll die Pianistin, angeblich früh verstorben, phänomenal sein. Stimmt das?
:hello

Viel zu entdecken gäbe es noch....
edwin (18.11.2010, 17:08):
Hilde Somer ist grandios, Märzendorfer und das Orchester sind's leider weniger. Man spürt allzu sehr die Mühe mit dieser Musik, und zwar weniger im (viel zu schwerfällig gespielten) schnellen Schlußsatz als im langsamen Satz, der sich einfach nicht entfalten will. Wegen Somer hörenswert, aber als Gesamtleistung leider nicht.
:hello
Jürgen (18.11.2010, 17:15):
Original von edwin
......
Ginastera
........
Ersten Klavierkonzert.
.........
Ich verwende den letzten Satz gerne,
.........



Da stehst Du nicht alleine da. Vor 36 Jahren haben das Emerson, Lake & Palmer auch schon gemacht. Und nicht schlecht, wie ich finde.
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51OuYUC8RFL._AA115_.jpg

Grüße
Jürgen

P.S: Herzlich willkommen im Forum.
ab (18.11.2010, 17:17):
:thanks