Lateinamerikanische Komponisten: Francisco Ernani Braga

Engelbert (18.07.2006, 04:12):
Francisco Ernani Braga (15.4.1868 – 14.03.1945)

Der Brasilianer, geb. am 15.04.1868 in Rio de Janeiro, bekam von der Regierung seines Landes ein Stipendium und es bot sich ihm die Chance, nach Europa zu reisen. Ende des 18, Jahrhunderts war Paris der Mittelpunkt der musikalischen Welt. Claude Debussy hatte in Anlehnung an die Malerei in der Tonkunst den Impressionismus eingeläutet, was aber keinen Abgesang auf Romantik und Klassizismus bedeutete. In erprobten lyrisch getöntem süßlich-sinnlichen Stil und schwelgerischen Farben komponierte Jules Massenet eine Oper auf die andere.

Francisco Ernani Braga hatte das außerordentliche Glück, vier Jahre am Pariser Konservatorium der Schüler von Jules Massenet zu sein. Weitaus mehr als die Franzosen, prägte ihn die Musik Richard Wagners, mit dessen Stil und Philosophie er sich während seines Aufenthaltes in Deutschland zwangsläufig auseinander zu setzten hatte. Seine einzige Oper „Jupira“ schuf er in Italien, seinem nächsten Europa-Aufenthalt. Entstanden 1899, wurde sie erst nach seiner Rückkehr in die Heimat uraufgeführt. Einige Jahre früher entstand die Sinfonische Dichtung „Cauchemar“ für Orchester (1895)



Aus der Ferne zurückkehrende Söhne haben in der Heimat fast immer einen guten Start. Ihnen fällt die Aufgabe zu, als Komponist und Interpret das Musikleben in der Hauptstadt zu organisieren und der Nation Glanz zu verleihen. Als Gegenleistungen bekommen die Heimkehrer zur Sicherung des Lebensstandards Position und Professur. Francisco Ernani Braga war zunächst Lehrer am Instituto National de Musica in Rio und bekam dann zwischen 1908 und 1933 die Leitung der Orchester in Sao Paulo und seiner Heimatstadt übertragen.


Die Vitalität und die nationale musikalische Mentalität in seinen Kompositionen ist nicht so elementar wie bei seinem Schüler Heitor Villa-Lobos, weil spätromantisches Empfinden, womit er in Europa konfrontiert wurde, den ungehemmten Zugang zu den eigenen Wurzeln blockierte. Trotzdem entwickelte Braga eine Affinität für die Weisen und den Rhythmus der afro-brasilianischen Volksgruppen seiner Heimat und bringt diese in seinen Liedern voll zum Ausdruck. Es sind oftmals nur Silben und Laute, welche in den Liedtext eingestreut sind oder diesen einläuten. Sie machen den besonderen Reiz dieser kleinen Vokalwerke aus. Die Brasilianerin Bidu Sayao, MET-Star der dreißiger Jahre, war eine leidenschaftliche Anwältin für die Verbreitung des Liedgutes ihres Landsmannes. In heutiger Zeit sind es Teresa Berganza und vor allem die Argentinierin Alicia Nafé, die sich mit ihrem strahlenden Mezzosopran vorbildlich auch der lateinamerikanischer Komponisten wie Carlos Guastavino, Alberto Ginastera und Pompeyo Camps annehmen.
Zelenka (18.07.2006, 16:07):
Lieber Engelbert:

Herzlichen Dank für Deine schöne Einführung in Leben und Werk von Braga! Bislang kannte ich nur den Namen ... Nach der BIS-CD werde ich Ausschau halten.

Gruß,

Zelenka
Engelbert (18.07.2006, 04:12):
Francisco Ernani Braga (15.4.1868 – 14.03.1945)

Der Brasilianer, geb. am 15.04.1868 in Rio de Janeiro, bekam von der Regierung seines Landes ein Stipendium und es bot sich ihm die Chance, nach Europa zu reisen. Ende des 18, Jahrhunderts war Paris der Mittelpunkt der musikalischen Welt. Claude Debussy hatte in Anlehnung an die Malerei in der Tonkunst den Impressionismus eingeläutet, was aber keinen Abgesang auf Romantik und Klassizismus bedeutete. In erprobten lyrisch getöntem süßlich-sinnlichen Stil und schwelgerischen Farben komponierte Jules Massenet eine Oper auf die andere.

Francisco Ernani Braga hatte das außerordentliche Glück, vier Jahre am Pariser Konservatorium der Schüler von Jules Massenet zu sein. Weitaus mehr als die Franzosen, prägte ihn die Musik Richard Wagners, mit dessen Stil und Philosophie er sich während seines Aufenthaltes in Deutschland zwangsläufig auseinander zu setzten hatte. Seine einzige Oper „Jupira“ schuf er in Italien, seinem nächsten Europa-Aufenthalt. Entstanden 1899, wurde sie erst nach seiner Rückkehr in die Heimat uraufgeführt. Einige Jahre früher entstand die Sinfonische Dichtung „Cauchemar“ für Orchester (1895)



Aus der Ferne zurückkehrende Söhne haben in der Heimat fast immer einen guten Start. Ihnen fällt die Aufgabe zu, als Komponist und Interpret das Musikleben in der Hauptstadt zu organisieren und der Nation Glanz zu verleihen. Als Gegenleistungen bekommen die Heimkehrer zur Sicherung des Lebensstandards Position und Professur. Francisco Ernani Braga war zunächst Lehrer am Instituto National de Musica in Rio und bekam dann zwischen 1908 und 1933 die Leitung der Orchester in Sao Paulo und seiner Heimatstadt übertragen.


Die Vitalität und die nationale musikalische Mentalität in seinen Kompositionen ist nicht so elementar wie bei seinem Schüler Heitor Villa-Lobos, weil spätromantisches Empfinden, womit er in Europa konfrontiert wurde, den ungehemmten Zugang zu den eigenen Wurzeln blockierte. Trotzdem entwickelte Braga eine Affinität für die Weisen und den Rhythmus der afro-brasilianischen Volksgruppen seiner Heimat und bringt diese in seinen Liedern voll zum Ausdruck. Es sind oftmals nur Silben und Laute, welche in den Liedtext eingestreut sind oder diesen einläuten. Sie machen den besonderen Reiz dieser kleinen Vokalwerke aus. Die Brasilianerin Bidu Sayao, MET-Star der dreißiger Jahre, war eine leidenschaftliche Anwältin für die Verbreitung des Liedgutes ihres Landsmannes. In heutiger Zeit sind es Teresa Berganza und vor allem die Argentinierin Alicia Nafé, die sich mit ihrem strahlenden Mezzosopran vorbildlich auch der lateinamerikanischer Komponisten wie Carlos Guastavino, Alberto Ginastera und Pompeyo Camps annehmen.
Zelenka (18.07.2006, 16:07):
Lieber Engelbert:

Herzlichen Dank für Deine schöne Einführung in Leben und Werk von Braga! Bislang kannte ich nur den Namen ... Nach der BIS-CD werde ich Ausschau halten.

Gruß,

Zelenka