Leyla Gencer

Falstaff (16.02.2017, 23:55):
(*10. Oktober 1928 in Istanbul, † 9. Mai 2008 in Mailand)

Zwischen 1950 und 1985 sang die Gencer auf der Opernbühne und gab bis 1992 noch Konzerte. Dabei deckte sie ein sehr großes und divergierendes Repertoire ab. Uraufführungen, russische und deutsche Partien, Verismo und Verdi, Donizetti und Belcanto bis hin zu Rollen im klassischen Bereich.

Irgendwie war sie immer eine Sängerin aus der 'zweiten Reihe'. Damit ist nicht gemeint, dass sie zweitklassig war, sondern, dass sie nie so richtig in das Bewusstsein der Öffentlichkeit in diesen Jahren drang. So gibt es z.B. von ihr keine offizielle Studiogesamtaufnahme einer Oper. Überliefert sind nur Live-Aufnahmen aus den unterschiedlichsten Bereichen.

Gesangsunterricht erhielt sie u.a. bei Elvira de Hidalgo, der berühmten 'Callas-Lehrerin' und bei Apollo Granforte. Relativ früh orientierte sie sich nach Italien und hatte dort ihre größten Erfolge, obwohl sie auch international gastierte. Trotzdem konnte sie bei den großen und kleinen Plattenlabel der damaligen Zeit keinen Fuß in die Tür bekommen.

Dabei deckte sie ein sehr unterschiedliches Repertoire ab, dass sie mit Verve und technischer Sicherheit bewältigte. Ich habe keine Ahnung, warum die Plattenlabels an ihr kein Interesse hatten. Heutzutage wäre sie mit Sicherheit ein Superstar. Aber vielleicht gab es in den 50iger und 60iger Jahren zu viele gleichwertige Sängerinnen.

Die Gencer, obwohl z.B. in der Anna Bolena in Mailand zweite Besetzung nach der Callas,verfügte bei weitem nicht über die technischen und ausdrucksmäßigen Qualitäten ihrer großen 'Nebenbuhlerin', die ihr Repertoire zu der Zeit besetzte. Stets klingt sie hier ein bisschen wie eine ein wenig schlichtere Version der Callas.

Aber jeder Vergleich mit der Callas ist unfair. Sie war eine eigenständige Künstlerin, die sich zufällig im selben Repertoire bewegte. Hört man sie unabhängig davon, hört man eine durchaus faszinierende, ausdrucksvolle und auch virtuose Passagen beherrschende und meisternde Stimme.

Die Gencer ist stets eine Entdeckung wert. Und sie ist ein Beispiel dafür, wie ungerecht das (Künstler-) Schicksal sein kann.

Eine ihrer großen Aufnahmen, in der sie endlich auch einmal nicht mit der Callas verglichen werden kann, da diese die Rolle nie gesungen hat:
Falstaff (17.02.2017, 00:01):


Hier kann man einen Überblick über das enorme Spektrum dieser außergewöhnlichen Sängerin erleben.
palestrina (17.02.2017, 10:27):
Hallo Falstaff, technisch war die Gencer aber sehr gut, sonst hätte sie nicht so lange gesungen, sie hat ja leider erst den ihr gebührenden Ruhm erlangt nachdem die Callas nicht mehr gut bei Stimme wahr.
Ausdrucksmässig?, wer erreichte bis Heute diese Intensität einer Callas!
Was noch besonders erwähnenswert ist, Gencer war die Madama Lidoine 1957 in der Uraufführung der Oper
„Les Dialogfenster des Carmélites" an der Scala, dabei trat sie das erstmal an der Scala auf!
In der Uraufführung von Pizzetis „ Assassinio nella cattedrale " verkörperte sie 1958 an der Scala die erste Koryphäe.
Aber dafür ist und bleibt Leyla Gencer „ Die Königin der Piratenaufnahmen " von ihren Fans „ The Queen " genannt, ich möchte fast behaupten das es von keiner Sängerin soviel Raubkopien gibt, ich selbst kenne einen dieser Gencer Fanatiker!!!, unglaublich was der alles zusammengetragen hat. :D

OT.Max Lippert
Die große Gefolgschaft deren sich die türkische Sopranistin erfreute, ist eines der großen Mysterien des Oper-Kultes!

Bleibt die Frage, warum wurde Gencer von den Plattenfirmen ignoriert?, es bleibt ein Rätsel und eines der bedauerlichsten Versäumnisse in der Geschichte der Plattenindustrie!!


Hier sind die beiden ei zigen Studio Recital Aufnahmen darauf,


Links die Wiederauflage bei Warner, rechts noch das Cover der Cetra Ausgabe.
1.Orchestra Sinfonica di Torino della RAI, Arturo Basilio 1956
2.Orchestra Sinfonica di Torino della RAI, Gianandrea Gavezzeni 1974

Nur die Aufnahmen unter Gavazzeni von '74 gab es so Als LP ...

unter dem Titel „Omaggio a Leyla Gencer“

LG palestrina
Don Juan d' Austria (17.02.2017, 10:34):
Ich kenne die Gencer hauptsächlich als Donizetti Interpretin.
Hier ist sie mir vor allem als Queen Elizabeth im Roberto Devereux in Erinnerung...
https://www.amazon.com/Donizetti-Roberto-Devereux-Gaetano/dp/B00000AFP6

Eine hochinteressante Aufnahme möchte ich hier auch noch empfehlen:

Wer kennt Johannes Simon Mayr? Wer kennt dessen bekannteste Oper?

Medea in Corinto - Neapel 15. März 1977
https://www.youtube.com/watch?v=I6-BhBlvUQs

Intressant das Werk einmal kennenzulernen, wenngleich ich die Opera Rara Aufnahme unter David Parry bevorzuge.


Dem Herrn Mayr sollte generell mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden...;)
Waldi (17.02.2017, 12:04):


Leyla Gencer gehört für mich, ähnlich wie Bidu Sayao, in die absolute Spitzengruppe, innerhalb derer es oft müßig ist, über besser oder weniger gut nachzudenken. Eine von mir überaus geschätzte Aufnahme sind die "Puritani" unter der Leitung von Argeo Quadri. Glücklicherweise tauchen , wie es scheint, doch immer noch weitere Mitschnitte von Opernvorstellungen auf, die eine Vorstellung vom außerordentlichen Rang dieser Künstlerin vermitteln können.