Lieder: Hermann Prey at his best

ab (22.11.2006, 23:46):
Liebe Forianer,

Hermann Prey wird oft als Gegenpol zu Dietrich Fischer Dieskau gennant, nicht selten etwas leicht abwertend. Womöglich geht das auch darauf zurück, sich Musik leichterer Muse angenommen zu haben.

Ich habe nur eine einzige Aufnahme mit ihm, nämlich einen Winterreise Mitschnitt (Aura) mit Irwin Gage, dessen früheren Aufnahmen ich als Liedbegleiter sehr schätze. Sonst kenne ich nur Lieder von Prey aus meiner Kinderzeit, die mich in der Erinnerung stets abgestoßen haben und mir geradezu weinerlich und spannungsarm vorgekommen sind.

Daher , um meine Erinnerungen zu revidieren, nun die Frage an die Prey-Liebhaber: Was sind seine stärksten Liedaufnahmen?

Danke!
Jürgen (23.11.2006, 10:56):
Hallo ab,

ich kenne noch seine Müllerin, auf Denon erschienen.
Dort gefällt er mir sehr gut. Natürlich hat er nicht die Mittel eines Wunderlich, aber er ist stellenweise erwachsener, bewußter und kann das auch ausdrücken.

Bsp: "Wenn ein Jagdhorn erschallt" singt er mit einem leicht Marschartigem Rythmus, um das Martialische herauszustellen. Andere singen an dieser Stelle halt ihre Noten herunter.

Grüße
Jürgen
LazarusLong (23.11.2006, 12:32):
Dies war meine erste OpernDVD überhaupt, deshalb bin ich wohl ein wenig voreingenommen. Für mich eine sehr gelungene Inszenierung, die mir immer wieder viel Spaß macht.


http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3674596.jpg


Und als Kuriosität:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2314305.jpg

Ist sicherlich ein interessantes Tondokument, vor allem wenn man mit der neueren obigen Version vergleicht, aber den Barbiere in deutscher Sprache zu hören, tut richtig weh.
Reim Dich oder ich beiss Dich.
Ich konnte mich nicht damit anfreunden.

Gruß

Frank
ab (23.11.2006, 14:05):
Danke, aber hier soll es auschließlich um Liedgesang & Prey gehen!
LazarusLong (23.11.2006, 14:28):
@ ab

Sorry, die Einschränkung auf Liedgesang ist mir irgendwie entgangen. Ich dachte daß Du Dich für Prey im Allgemeinen interessierst.

Nichts für ungut, werde den Thread aber weiter verfolgen.

Gruß

Frank
Gamaheh (24.11.2006, 01:55):
Lieber ab,

auf Deine Frage kann ich ohne langes Nachdenken antworten: die drei Schubertzyklen mit Philippe Bianconi am Klavier (1984-1985):

http://ec1.images-amazon.com/images/P/B0000034MJ.01._AA240_SCLZZZZZZZ_V34863014_.jpg

Es sind ohne Ausnahme für mich die besten Aufnahmen nicht nur von Prey, sondern auch von diesen Liedern (ich schrieb bereits darüber im Faden "Unbekannte Pianisten" und will mich hier nicht wiederholen). Leider sind diese Platten sehr schwer zu finden; die Winterreise habe ich vor zwei Jahren eigentlich als Kuriosität erworben, die anderen beiden aber nur durch die Freundlichkeit einer Korrespondentin bekommen - niemand, der sie hat, gibt sie wieder her. Prey hat diese Zyklen mehrmals aufgenommen, die Winterreise vielfach, zuletzt wenige Monate vor seinem Tode in einer Orchesterfassung.

Anfang der siebziger Jahre hat er gewissermaßen eine Geschichte des deutschen Liedes aufgenommen, 27 Platten mit über 450 Liedern von Walther von der Vogelweide bis Friedrich Gulda (mit diversen Begleitern, Klavier- und anderen, bei den zeitgenössischen sind es die Komponisten); sechs der Platten sind allein Schubert gewidmet. Dies war zu einer Zeit, als seine Stimme wahrscheinlich auf dem Höhepunkt war, und diese Aufnahmen würde ich alle bedenkenlos empfehlen, ich kenne nichts Vergleichbares. Ebenso gibt es großartige Aufnahmen der Loewe-Balladen, denen sein Sinn für das Erzählende, das Balladeske entgegenkommt, und der brahmsschen und schumannschen Lieder aus den späten siebziger und frühen achtziger Jahren.

Obwohl Du wahrscheinlich diese Art von Liedern nicht meinst, möchte ich auch auf eine wunderschöne Platte mit Weihnachtsliedern hinweisen, die er mit Fritz Wunderlich und Will Quadflieg (der die Weihnachtsgeschichte spricht) aufgenommen hat, sowie auf eine Platte mit Volksliedern aus dem Erk'schen Liederschatz (mit Leonard Hokanson).

Auf Deine Kommentare einzugehen fällt mir schwerer. Auch ich kenne Hermann Prey seit meiner Kinderzeit; er hat ja früh das Medium Fernsehen für sich entdeckt, und ich erinnere mich, daß seine Sendung immer nach "Sport, Spiel, Spannung" lief, wobei ich das eine so spannend wie das andere fand. Für mich strahlten er und seine Stimme Wärme, Herzlichkeit, gute Laune, Optimismus aus, das ganze ohne jede Prätention (obwohl ich das damals wohl nicht so ausgedrückt hätte, aber es faszinierte mich). Wir sollten uns hier darauf einigen, unterschiedlicher Meinung zu sein, wenn es Dir recht ist.

Was das Abwertende angeht, auf das Du ansprichst, so kann ich mir kaum denken, daß das etwas damit zu tun hat, daß er sich auch der sogenannten leichten Muse gewidmet hat. Welcher Opernsänger tut das nicht, wenn er auch nur eine halbe Gelegenheit dazu bekommt? Prey war wirklich ungeheuer populär, im besten Sinne des Wortes: Er hat gerne gesungen, er hat für alle gesungen, und er wurde von vielen Menschen dafür geliebt (ähnlich wie Beniamino Gigli in Italien). Ich glaube, daß das hehre Bildungsbürgertum es nicht ertragen kann, etwas mit dem Pöbel, dem Mob zu teilen. Hier drückt sich für mich dieser ekle Elitarismus aus, den ich auch in der Bemerkung von dem "wahrhaftigen Künstler" (oder so ähnlich) entdecke, von dem neulich berichtet wurde. Ich muß zugeben, daß diese Attitüde mir wirklich so sehr gegen den Strich geht, daß ... (egal).

Es ist schade, daß Du diesen Faden auf Prey als Liedsänger beschränken willst, wo man doch auch zu dem Opernsänger, dem Oratoriensänger so viel sagen könnte (von der Operette ganz zu schweigen).

Ich für mich kann nur sagen, daß ich es immer als großes Glück empfunden habe, seine Musik so früh kennengelernt zu haben und ihn einige Male im Konzert erlebt zu haben, darunter - unvergessen - Silvester 1983 in Covent Garden als Eisenstein in der Fledermaus (auch ein großartiger Komödiant!).

In Erinnerungen schwelgend,
Gamaheh
ab (24.11.2006, 11:51):
Original von Gamaheh
Es ist schade, daß Du diesen Faden auf Prey als Liedsänger beschränken willst, wo man doch auch zu dem Opernsänger, dem Oratoriensänger so viel sagen könnte (von der Operette ganz zu schweigen).


Zunächst: Es steht Dir ja frei, einen entsprechenden anderen thread zur Oper eröffenen.

Ferner: Bei Prokofievs Peter und der Wolf hat er ganz nett den Text gesprochen, auch wenn ich dabei Karlheinz Böhm und insbesondere Peter Wiemann deutlich vorziehe.

Schließlich: Vermutlich gibts auch Medolramen, die von ihm gesprochen werden.(?)

Was die leichte Abwertung betrifft, so verstehe ich Dich nicht ganz: Einerseits sagst Du, dass Du Dir kaum denken kannst, daß das etwas damit zu tun hat, daß er sich auch der sogenannten leichten Muse gewidmet hat.
Dem entgegen meinst Du aber dann doch, dass es "das hehre Bildungsbürgertum" nicht ertragen kann, etwas mit dem Pöbel, dem Mob zu teilen. Gerade diese Anmerkung spricht doch gerade dafür, dass es dieses "leiochte" Programm ist, weshalb er von den "Elitären" für weniger ernst genommen wird. Vermutlich kommt noch eine gehörige Portion Missgunst und Ressentiment hinzu, wegen seiner Popularitiät.

Zu guter Letzt: Wir brauchen uns nicht zu einigen, dass wir unterschieldicher Meinung sind: Ich habe nämlich noch keinen Standpunkt dazu, weil ich nur eine Platte "Leichter" Muse von meiner Kinderzeit kenne sowie die genannte Winterreise mit Irwin Gage.

Schöne Müllerin aufgenommen.]
sennahresor (24.11.2006, 18:15):
Dass ich Hermann Prey sehr gerne mag, habe ich ja schon neulich im Zusammenhang mit der "Dichterliebe" erwähnt. Sicher: ein großer Intelektueller war er nicht, aber das hat er durch seine Instinktsicherheit mehr als ausgeglichen. Besonders lagen ihm wohl fröhliche oder sogar komische Sachen, die bei Fischer-Diekau ja oft etwas verkrampft daher kommen und bei Schreier leicht etwas spitz, ironisch ausfallen (was oft gut ist, siehe Dichterliebe, aber eben nicht immer).
Meine liebste Liedaufnahmen mit Prey ist ein Livemittschnitt von der Schubertiade Hohenems 1977 (Deutsche Grammophon), wo er zusammen mit Peter Schreier, Helen Donath und Marga Schiml mehrstimmige Lieder von Schubert aufgeführt hat. Hier kommt nicht zuletzt sein besonderes Talent für das Komische ideal zum tragen.


Was die drei großen Schubert-Zyklen angeht, so bin ich mit den "klassischen" Philips-Aufnahmen (mit Hokanson, Sawallisch, Moore, 1971-1973) sehr zufrieden. Am besten finde ich dabei den Schwanengesang. Regulär ist der im Moment nicht zu bekommen, glaube ich, aber ohne weiteres gebraucht bei Amazon usw.



http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8741219.jpg

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9741456.jpg
LazarusLong (08.01.2007, 09:55):
Gestern auf ZDF Theaterkanal lief Herrmann Prey mit Liedern von Brahms. Sehr melancholisch aber schön.
Weiß jemand, ob es davon irgendwo eine CD gibt?

Frank
cellodil (08.01.2007, 11:47):
Lieber Frank,

(welcome back & häppi Neujahr) Welche Brahms-Lieder waren das denn? Eine CD von Prey nur mit Brahms-Liedern habe ich nicht gefunden. Aber es gibt verschiedene, auf denen auch Brahms-Lieder drauf sind...

Grüße

Sabine
Gamaheh (08.01.2007, 12:22):
Original von LazarusLong
Gestern auf ZDF Theaterkanal lief Herrmann Prey mit Liedern von Brahms. Sehr melancholisch aber schön.
Weiß jemand, ob es davon irgendwo eine CD gibt?


Lieber Frank,

vielen Dank für den Tip (der Theaterkanal wiederholt ja glücklicherweise alles ein paarmal)!

CDs hat es sicher mal gegeben, aber erfahrungsgemäß sind diese nur noch bei ebay zu finden. Ich selbst habe nur einige ältere Schallplatten. In der dritten Kassette der oben erwähnten Lied-Edition ("Die Romantiker von Schumann bis Wolf") sind zwei Platten mit Brahms-Liedern enthalten (Lieder mit Leonard Hokanson und "Vier ernste Gesänge" sowie "Die schöne Magelone" mit Gerald Moore); die gab es auch mal als CDs. Das einfachste, was Du machen kannst, ist, bei einer der Wiederholungen die Lieder vom Theaterkanal aufzunehmen.

Beste Grüße,
Gamaheh
LazarusLong (08.01.2007, 12:43):
Original von Gamaheh
Original von LazarusLong
Gestern auf ZDF Theaterkanal lief Herrmann Prey mit Liedern von Brahms. Sehr melancholisch aber schön.
Weiß jemand, ob es davon irgendwo eine CD gibt?


Lieber Frank,

vielen Dank für den Tip (der Theaterkanal wiederholt ja glücklicherweise alles ein paarmal)!

CDs hat es sicher mal gegeben, aber erfahrungsgemäß sind diese nur noch bei ebay zu finden. Ich selbst habe nur einige ältere Schallplatten. In der dritten Kassette der oben erwähnten Lied-Edition ("Die Romantiker von Schumann bis Wolf") sind zwei Platten mit Brahms-Liedern enthalten (Lieder mit Leonard Hokanson und "Vier ernste Gesänge" sowie "Die schöne Magelone" mit Gerald Moore); die gab es auch mal als CDs. Das einfachste, was Du machen kannst, ist, bei einer der Wiederholungen die Lieder vom Theaterkanal aufzunehmen.

Beste Grüße,
Gamaheh

Das mit dem Aufnehmen habe ich fest vor, leider steht der Festplattenrecorder, den ich uns zu Weihnachten geschenkt habe noch beim Händler im Regal. In dieser Hinsicht bin ich noch echter Schwabe, nach den Feiertagen ist hier tatsächlich alles um bis zu 30% billiger.
Haben wir eigentlich einen Thread, in dem wir uns gegenseitig Fernseh- und Radiosendungen empfehlen künnen. Ich hätte da hin und wieder ein paar Empfehlungen im Bereich des polnischen Fernsehens via Eutelsat insbesondere im Bereich kirchliche Musik und Nachwuchskünstler.

Gruß

Frank
Gamaheh (08.01.2007, 12:48):
Original von LazarusLong
Haben wir eigentlich einen Thread, in dem wir uns gegenseitig Fernseh- und Radiosendungen empfehlen künnen.

Ja; er heißt "Nicht verpassen" und befindet sich in "Allgemeine Klassikthemen".

Grüße,
Gamaheh
LazarusLong (08.01.2007, 12:48):
Original von cellodil
Lieber Frank,

(welcome back & häppi Neujahr) Welche Brahms-Lieder waren das denn? Eine CD von Prey nur mit Brahms-Liedern habe ich nicht gefunden. Aber es gibt verschiedene, auf denen auch Brahms-Lieder drauf sind...

Grüße

Sabine

Auch Dir und selbstverständlich allen Forianern ein frohes Neues, möge es besser anfangen als bei mir :I

An die Titel kann ich mich nicht erinnern, ich bin zufällig reingestolpert und hatte nichts zu Schreiben, dafür aber 2 aufgedrehte Bengels, die mitsingen wollten. Hat aber trotzdem Spa0 gemacht, insbesondere weil wir danach noch die Hochzeit des Figaro auf 3Sat?? angesehen und mitgesungen haben. Seid bloß froh, daß ihr das nicht hören musstet. :leb

Viele Grüsse

Frank
LazarusLong (09.01.2007, 08:16):
Original von Gamaheh


Lieber Frank,

vielen Dank für den Tip (der Theaterkanal wiederholt ja glücklicherweise alles ein paarmal)!



Beste Grüße,
Gamaheh

Wiederholung:

We, Jan 10 | 14:25 | ZDFtheaterkanal
Fr, Jan 12 | 9:25 | ZDFtheaterkanal
Hermann Prey singt Lieder von Johannes Brahms
Am Klavier: Leonard Hokanson - BR Deutschland 1974 - Konzert – Klassik
35min
"Meine kleinen Lieder sind mir lieber als meine großen", hat Johannes Brahms einmal gesagt. Seine kleinen Lieder sind einfache Gebilde, die anmuten wie Volkslieder, wie ein Stück Natur in Brahmsischen Farben. "Meine kleinen Lieder sind mir lieber als meine großen", hat Johannes Brahmseinmal gesagt. Seine kleinen Lieder sind einfache, strophische Gebilde, die anmuten wie Volkslieder, wie ein Stück Natur in Brahmsischen Farben. Brahms meinte, der beste Weg, einen Einfall zu haben und reifen zu lassen, sei der Spaziergang hinaus in die Natur. Er liebte die Natur, und konsequenterweise spiegelte er die menschlichen Gefühle durchweg auf dem Hintergrund der Tageszeiten, von Nacht und Sturm, Sonne und blauem Himmel. Sein leidenschaftlichstes Lied "Von ewiger Liebe" wächst z. B. aus einem Bild abendlichen Dunkels heraus. Im Unterschied zu Schubert, Schumann oder Wolf hat Brahms nicht sehr viel "Weltliteratur" vertont. Er wollte Lieder schreiben, keine komplizierten Gesänge nach anspruchsvollen Texten. Schon gar nicht war es ihm darum zu tun, tiefsinnige Gedankenlyrik musikalisch zu kolorieren. Ihn fesselten Stimmungswert und Sanglichkeit, nicht unbedingt aber der literarische Wert.


Viel Spaß

Frank
Ganong (11.01.2007, 14:48):
Lieber ab ,

endlich fällt der Name eines grossen Liedbegleiters : Irwin Gage !

In späteren Jahren hat Prey mit Alexis Weissenberg bei EMI Lieder von Franz Liszt aufgenommen . S e h r empfehlenswert !

Viele Grüsse ,

Frank
ab (11.01.2007, 21:52):
Original von Ganong
Lieber ab ,

endlich fällt der Name eines grossen Liedbegleiters : Irwin Gage !


wie wahr! Meine Lieblingsaufnahme mit ihm: Schönbergs Hängenden Gärten (Orfeo) mit Julie Kaufmann. Außerdem eine ganz, ganz phantastische Komposition!
Gamaheh (19.11.2007, 00:04):
Liebe Forenser,

hier einige Zitate zum Thema aus einem Buch, das Nikolaus vor einiger Zeit vorstellte und das ich gerade gelesen habe:

„Hermann Prey sang nicht mit dem Körper, er sang nicht mit den Stimmbändern, nicht mit der Lunge, nicht mit der Luftröhre, nicht mit dem Bauch, er sang mit der Leere des Körpers, er wußte, daß der Gesang, wie das gesprochene Wort, dem er entstammt, nichts anderes ist als unsichtbares Licht. Nur ganz wenige Interpreten sind in der Lage, mit etwas anderem als dem Mund zu singen, nur ganz wenigen gelingt es, aus der Leere des Seins das leuchtendere als leuchtende Dunkel des Gesangs hervorzuholen.“ (S. 23)

Hermann Prey gebrauchte sein ganz eigenes, tiefes und gleichzeitig gemütliches Timbre, wie unsichtbarer Samt, dunkel und heiter zugleich, das wie von selbst und mühelos zu den Sternen stieg, auf genau dieselbe Weise, wenn er Im Café de la Paix in Paris sang, wie er es benutzte, wenn er Schuberts Liebesbotschaft interpretierte., er ziselierte jede Silbe mit der immer gleichen Perfektion, er brachte alle Träume Mitteleuropas mit, er sang mit der größten Einfachheit (und der höchsten Kunstfertigkeit) die einfachste Musik, indem er sie mit Unschuld interpretierte, denn das Wunder Hermann Prey lag in der Unschuld des Gesangs, die er sich bewahrt hatte und die durch die technologischen Welten verloren geht, erniedrigt und korrumpiert wird. Wenn Hermann Prey „Ich liebe dich“ säuselte – und ohne Mikro ihn die Sterne hörten -, dann wurde man, viel mehr noch, als wenn Elvis Presley oder Frank Sinatra an ihrem Mikrofon lutschend „I love you“ sagten, von der sentimentalen Essenz des populären Liedes überflutet. Hermann Prey sang diese Melodien natürlich immer mit einem Lächeln in der Stimme, und vielleicht war es dieses sublime Lächeln, das bei meinen Untersuchungen am Anfang stand , dieses stete Lächeln hinter der Empfindung wurde für Augenblicke sogar zu einem direkt hörbaren Lächeln ein menschliches musikalisches Lächeln als Huldigung an das Leben und an die Götter, ganz ruhig, verständnisinniger Humor begleitete das sentimentale Gefühl“ (S. 116f.)

„Noch besser als die Helden Minnellis konnte er lächeln und dabei singen, und er tanzte auch wie sie, aber er tanzte, ohne sich dabei zu bewegen.“ (S. 119)

Aus: Ariel Denis, Stille in Montparnasse. Zürich: Atrium-Verlag, 2007.

Grüße,
Gamaheh
Mime (19.11.2007, 09:53):
Original von ab
Daher , um meine Erinnerungen zu revidieren, nun die Frage an die Prey-Liebhaber: Was sind seine stärksten Liedaufnahmen?
Danke!

Für mich steht seine Winterreise mit (L.Hokansson am Klavier) ganz oben. Da erreicht ihn an Gefühlstiefe kaum Jemand.
:engel
ab (22.11.2006, 23:46):
Liebe Forianer,

Hermann Prey wird oft als Gegenpol zu Dietrich Fischer Dieskau gennant, nicht selten etwas leicht abwertend. Womöglich geht das auch darauf zurück, sich Musik leichterer Muse angenommen zu haben.

Ich habe nur eine einzige Aufnahme mit ihm, nämlich einen Winterreise Mitschnitt (Aura) mit Irwin Gage, dessen früheren Aufnahmen ich als Liedbegleiter sehr schätze. Sonst kenne ich nur Lieder von Prey aus meiner Kinderzeit, die mich in der Erinnerung stets abgestoßen haben und mir geradezu weinerlich und spannungsarm vorgekommen sind.

Daher , um meine Erinnerungen zu revidieren, nun die Frage an die Prey-Liebhaber: Was sind seine stärksten Liedaufnahmen?

Danke!
Jürgen (23.11.2006, 10:56):
Hallo ab,

ich kenne noch seine Müllerin, auf Denon erschienen.
Dort gefällt er mir sehr gut. Natürlich hat er nicht die Mittel eines Wunderlich, aber er ist stellenweise erwachsener, bewußter und kann das auch ausdrücken.

Bsp: "Wenn ein Jagdhorn erschallt" singt er mit einem leicht Marschartigem Rythmus, um das Martialische herauszustellen. Andere singen an dieser Stelle halt ihre Noten herunter.

Grüße
Jürgen
LazarusLong (23.11.2006, 12:32):
Dies war meine erste OpernDVD überhaupt, deshalb bin ich wohl ein wenig voreingenommen. Für mich eine sehr gelungene Inszenierung, die mir immer wieder viel Spaß macht.


http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3674596.jpg


Und als Kuriosität:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/2314305.jpg

Ist sicherlich ein interessantes Tondokument, vor allem wenn man mit der neueren obigen Version vergleicht, aber den Barbiere in deutscher Sprache zu hören, tut richtig weh.
Reim Dich oder ich beiss Dich.
Ich konnte mich nicht damit anfreunden.

Gruß

Frank
ab (23.11.2006, 14:05):
Danke, aber hier soll es auschließlich um Liedgesang & Prey gehen!
LazarusLong (23.11.2006, 14:28):
@ ab

Sorry, die Einschränkung auf Liedgesang ist mir irgendwie entgangen. Ich dachte daß Du Dich für Prey im Allgemeinen interessierst.

Nichts für ungut, werde den Thread aber weiter verfolgen.

Gruß

Frank
Gamaheh (24.11.2006, 01:55):
Lieber ab,

auf Deine Frage kann ich ohne langes Nachdenken antworten: die drei Schubertzyklen mit Philippe Bianconi am Klavier (1984-1985):

http://ec1.images-amazon.com/images/P/B0000034MJ.01._AA240_SCLZZZZZZZ_V34863014_.jpg

Es sind ohne Ausnahme für mich die besten Aufnahmen nicht nur von Prey, sondern auch von diesen Liedern (ich schrieb bereits darüber im Faden "Unbekannte Pianisten" und will mich hier nicht wiederholen). Leider sind diese Platten sehr schwer zu finden; die Winterreise habe ich vor zwei Jahren eigentlich als Kuriosität erworben, die anderen beiden aber nur durch die Freundlichkeit einer Korrespondentin bekommen - niemand, der sie hat, gibt sie wieder her. Prey hat diese Zyklen mehrmals aufgenommen, die Winterreise vielfach, zuletzt wenige Monate vor seinem Tode in einer Orchesterfassung.

Anfang der siebziger Jahre hat er gewissermaßen eine Geschichte des deutschen Liedes aufgenommen, 27 Platten mit über 450 Liedern von Walther von der Vogelweide bis Friedrich Gulda (mit diversen Begleitern, Klavier- und anderen, bei den zeitgenössischen sind es die Komponisten); sechs der Platten sind allein Schubert gewidmet. Dies war zu einer Zeit, als seine Stimme wahrscheinlich auf dem Höhepunkt war, und diese Aufnahmen würde ich alle bedenkenlos empfehlen, ich kenne nichts Vergleichbares. Ebenso gibt es großartige Aufnahmen der Loewe-Balladen, denen sein Sinn für das Erzählende, das Balladeske entgegenkommt, und der brahmsschen und schumannschen Lieder aus den späten siebziger und frühen achtziger Jahren.

Obwohl Du wahrscheinlich diese Art von Liedern nicht meinst, möchte ich auch auf eine wunderschöne Platte mit Weihnachtsliedern hinweisen, die er mit Fritz Wunderlich und Will Quadflieg (der die Weihnachtsgeschichte spricht) aufgenommen hat, sowie auf eine Platte mit Volksliedern aus dem Erk'schen Liederschatz (mit Leonard Hokanson).

Auf Deine Kommentare einzugehen fällt mir schwerer. Auch ich kenne Hermann Prey seit meiner Kinderzeit; er hat ja früh das Medium Fernsehen für sich entdeckt, und ich erinnere mich, daß seine Sendung immer nach "Sport, Spiel, Spannung" lief, wobei ich das eine so spannend wie das andere fand. Für mich strahlten er und seine Stimme Wärme, Herzlichkeit, gute Laune, Optimismus aus, das ganze ohne jede Prätention (obwohl ich das damals wohl nicht so ausgedrückt hätte, aber es faszinierte mich). Wir sollten uns hier darauf einigen, unterschiedlicher Meinung zu sein, wenn es Dir recht ist.

Was das Abwertende angeht, auf das Du ansprichst, so kann ich mir kaum denken, daß das etwas damit zu tun hat, daß er sich auch der sogenannten leichten Muse gewidmet hat. Welcher Opernsänger tut das nicht, wenn er auch nur eine halbe Gelegenheit dazu bekommt? Prey war wirklich ungeheuer populär, im besten Sinne des Wortes: Er hat gerne gesungen, er hat für alle gesungen, und er wurde von vielen Menschen dafür geliebt (ähnlich wie Beniamino Gigli in Italien). Ich glaube, daß das hehre Bildungsbürgertum es nicht ertragen kann, etwas mit dem Pöbel, dem Mob zu teilen. Hier drückt sich für mich dieser ekle Elitarismus aus, den ich auch in der Bemerkung von dem "wahrhaftigen Künstler" (oder so ähnlich) entdecke, von dem neulich berichtet wurde. Ich muß zugeben, daß diese Attitüde mir wirklich so sehr gegen den Strich geht, daß ... (egal).

Es ist schade, daß Du diesen Faden auf Prey als Liedsänger beschränken willst, wo man doch auch zu dem Opernsänger, dem Oratoriensänger so viel sagen könnte (von der Operette ganz zu schweigen).

Ich für mich kann nur sagen, daß ich es immer als großes Glück empfunden habe, seine Musik so früh kennengelernt zu haben und ihn einige Male im Konzert erlebt zu haben, darunter - unvergessen - Silvester 1983 in Covent Garden als Eisenstein in der Fledermaus (auch ein großartiger Komödiant!).

In Erinnerungen schwelgend,
Gamaheh
ab (24.11.2006, 11:51):
Original von Gamaheh
Es ist schade, daß Du diesen Faden auf Prey als Liedsänger beschränken willst, wo man doch auch zu dem Opernsänger, dem Oratoriensänger so viel sagen könnte (von der Operette ganz zu schweigen).


Zunächst: Es steht Dir ja frei, einen entsprechenden anderen thread zur Oper eröffenen.

Ferner: Bei Prokofievs Peter und der Wolf hat er ganz nett den Text gesprochen, auch wenn ich dabei Karlheinz Böhm und insbesondere Peter Wiemann deutlich vorziehe.

Schließlich: Vermutlich gibts auch Medolramen, die von ihm gesprochen werden.(?)

Was die leichte Abwertung betrifft, so verstehe ich Dich nicht ganz: Einerseits sagst Du, dass Du Dir kaum denken kannst, daß das etwas damit zu tun hat, daß er sich auch der sogenannten leichten Muse gewidmet hat.
Dem entgegen meinst Du aber dann doch, dass es "das hehre Bildungsbürgertum" nicht ertragen kann, etwas mit dem Pöbel, dem Mob zu teilen. Gerade diese Anmerkung spricht doch gerade dafür, dass es dieses "leiochte" Programm ist, weshalb er von den "Elitären" für weniger ernst genommen wird. Vermutlich kommt noch eine gehörige Portion Missgunst und Ressentiment hinzu, wegen seiner Popularitiät.

Zu guter Letzt: Wir brauchen uns nicht zu einigen, dass wir unterschieldicher Meinung sind: Ich habe nämlich noch keinen Standpunkt dazu, weil ich nur eine Platte "Leichter" Muse von meiner Kinderzeit kenne sowie die genannte Winterreise mit Irwin Gage.

Schöne Müllerin aufgenommen.]
sennahresor (24.11.2006, 18:15):
Dass ich Hermann Prey sehr gerne mag, habe ich ja schon neulich im Zusammenhang mit der "Dichterliebe" erwähnt. Sicher: ein großer Intelektueller war er nicht, aber das hat er durch seine Instinktsicherheit mehr als ausgeglichen. Besonders lagen ihm wohl fröhliche oder sogar komische Sachen, die bei Fischer-Diekau ja oft etwas verkrampft daher kommen und bei Schreier leicht etwas spitz, ironisch ausfallen (was oft gut ist, siehe Dichterliebe, aber eben nicht immer).
Meine liebste Liedaufnahmen mit Prey ist ein Livemittschnitt von der Schubertiade Hohenems 1977 (Deutsche Grammophon), wo er zusammen mit Peter Schreier, Helen Donath und Marga Schiml mehrstimmige Lieder von Schubert aufgeführt hat. Hier kommt nicht zuletzt sein besonderes Talent für das Komische ideal zum tragen.


Was die drei großen Schubert-Zyklen angeht, so bin ich mit den "klassischen" Philips-Aufnahmen (mit Hokanson, Sawallisch, Moore, 1971-1973) sehr zufrieden. Am besten finde ich dabei den Schwanengesang. Regulär ist der im Moment nicht zu bekommen, glaube ich, aber ohne weiteres gebraucht bei Amazon usw.



http://www.jpc.de/image/cover/front/0/8741219.jpg

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9741456.jpg
LazarusLong (08.01.2007, 09:55):
Gestern auf ZDF Theaterkanal lief Herrmann Prey mit Liedern von Brahms. Sehr melancholisch aber schön.
Weiß jemand, ob es davon irgendwo eine CD gibt?

Frank
cellodil (08.01.2007, 11:47):
Lieber Frank,

(welcome back & häppi Neujahr) Welche Brahms-Lieder waren das denn? Eine CD von Prey nur mit Brahms-Liedern habe ich nicht gefunden. Aber es gibt verschiedene, auf denen auch Brahms-Lieder drauf sind...

Grüße

Sabine
Gamaheh (08.01.2007, 12:22):
Original von LazarusLong
Gestern auf ZDF Theaterkanal lief Herrmann Prey mit Liedern von Brahms. Sehr melancholisch aber schön.
Weiß jemand, ob es davon irgendwo eine CD gibt?


Lieber Frank,

vielen Dank für den Tip (der Theaterkanal wiederholt ja glücklicherweise alles ein paarmal)!

CDs hat es sicher mal gegeben, aber erfahrungsgemäß sind diese nur noch bei ebay zu finden. Ich selbst habe nur einige ältere Schallplatten. In der dritten Kassette der oben erwähnten Lied-Edition ("Die Romantiker von Schumann bis Wolf") sind zwei Platten mit Brahms-Liedern enthalten (Lieder mit Leonard Hokanson und "Vier ernste Gesänge" sowie "Die schöne Magelone" mit Gerald Moore); die gab es auch mal als CDs. Das einfachste, was Du machen kannst, ist, bei einer der Wiederholungen die Lieder vom Theaterkanal aufzunehmen.

Beste Grüße,
Gamaheh
LazarusLong (08.01.2007, 12:43):
Original von Gamaheh
Original von LazarusLong
Gestern auf ZDF Theaterkanal lief Herrmann Prey mit Liedern von Brahms. Sehr melancholisch aber schön.
Weiß jemand, ob es davon irgendwo eine CD gibt?


Lieber Frank,

vielen Dank für den Tip (der Theaterkanal wiederholt ja glücklicherweise alles ein paarmal)!

CDs hat es sicher mal gegeben, aber erfahrungsgemäß sind diese nur noch bei ebay zu finden. Ich selbst habe nur einige ältere Schallplatten. In der dritten Kassette der oben erwähnten Lied-Edition ("Die Romantiker von Schumann bis Wolf") sind zwei Platten mit Brahms-Liedern enthalten (Lieder mit Leonard Hokanson und "Vier ernste Gesänge" sowie "Die schöne Magelone" mit Gerald Moore); die gab es auch mal als CDs. Das einfachste, was Du machen kannst, ist, bei einer der Wiederholungen die Lieder vom Theaterkanal aufzunehmen.

Beste Grüße,
Gamaheh

Das mit dem Aufnehmen habe ich fest vor, leider steht der Festplattenrecorder, den ich uns zu Weihnachten geschenkt habe noch beim Händler im Regal. In dieser Hinsicht bin ich noch echter Schwabe, nach den Feiertagen ist hier tatsächlich alles um bis zu 30% billiger.
Haben wir eigentlich einen Thread, in dem wir uns gegenseitig Fernseh- und Radiosendungen empfehlen künnen. Ich hätte da hin und wieder ein paar Empfehlungen im Bereich des polnischen Fernsehens via Eutelsat insbesondere im Bereich kirchliche Musik und Nachwuchskünstler.

Gruß

Frank
Gamaheh (08.01.2007, 12:48):
Original von LazarusLong
Haben wir eigentlich einen Thread, in dem wir uns gegenseitig Fernseh- und Radiosendungen empfehlen künnen.

Ja; er heißt "Nicht verpassen" und befindet sich in "Allgemeine Klassikthemen".

Grüße,
Gamaheh
LazarusLong (08.01.2007, 12:48):
Original von cellodil
Lieber Frank,

(welcome back & häppi Neujahr) Welche Brahms-Lieder waren das denn? Eine CD von Prey nur mit Brahms-Liedern habe ich nicht gefunden. Aber es gibt verschiedene, auf denen auch Brahms-Lieder drauf sind...

Grüße

Sabine

Auch Dir und selbstverständlich allen Forianern ein frohes Neues, möge es besser anfangen als bei mir :I

An die Titel kann ich mich nicht erinnern, ich bin zufällig reingestolpert und hatte nichts zu Schreiben, dafür aber 2 aufgedrehte Bengels, die mitsingen wollten. Hat aber trotzdem Spa0 gemacht, insbesondere weil wir danach noch die Hochzeit des Figaro auf 3Sat?? angesehen und mitgesungen haben. Seid bloß froh, daß ihr das nicht hören musstet. :leb

Viele Grüsse

Frank
LazarusLong (09.01.2007, 08:16):
Original von Gamaheh


Lieber Frank,

vielen Dank für den Tip (der Theaterkanal wiederholt ja glücklicherweise alles ein paarmal)!



Beste Grüße,
Gamaheh

Wiederholung:

We, Jan 10 | 14:25 | ZDFtheaterkanal
Fr, Jan 12 | 9:25 | ZDFtheaterkanal
Hermann Prey singt Lieder von Johannes Brahms
Am Klavier: Leonard Hokanson - BR Deutschland 1974 - Konzert – Klassik
35min
"Meine kleinen Lieder sind mir lieber als meine großen", hat Johannes Brahms einmal gesagt. Seine kleinen Lieder sind einfache Gebilde, die anmuten wie Volkslieder, wie ein Stück Natur in Brahmsischen Farben. "Meine kleinen Lieder sind mir lieber als meine großen", hat Johannes Brahmseinmal gesagt. Seine kleinen Lieder sind einfache, strophische Gebilde, die anmuten wie Volkslieder, wie ein Stück Natur in Brahmsischen Farben. Brahms meinte, der beste Weg, einen Einfall zu haben und reifen zu lassen, sei der Spaziergang hinaus in die Natur. Er liebte die Natur, und konsequenterweise spiegelte er die menschlichen Gefühle durchweg auf dem Hintergrund der Tageszeiten, von Nacht und Sturm, Sonne und blauem Himmel. Sein leidenschaftlichstes Lied "Von ewiger Liebe" wächst z. B. aus einem Bild abendlichen Dunkels heraus. Im Unterschied zu Schubert, Schumann oder Wolf hat Brahms nicht sehr viel "Weltliteratur" vertont. Er wollte Lieder schreiben, keine komplizierten Gesänge nach anspruchsvollen Texten. Schon gar nicht war es ihm darum zu tun, tiefsinnige Gedankenlyrik musikalisch zu kolorieren. Ihn fesselten Stimmungswert und Sanglichkeit, nicht unbedingt aber der literarische Wert.


Viel Spaß

Frank
Ganong (11.01.2007, 14:48):
Lieber ab ,

endlich fällt der Name eines grossen Liedbegleiters : Irwin Gage !

In späteren Jahren hat Prey mit Alexis Weissenberg bei EMI Lieder von Franz Liszt aufgenommen . S e h r empfehlenswert !

Viele Grüsse ,

Frank
ab (11.01.2007, 21:52):
Original von Ganong
Lieber ab ,

endlich fällt der Name eines grossen Liedbegleiters : Irwin Gage !


wie wahr! Meine Lieblingsaufnahme mit ihm: Schönbergs Hängenden Gärten (Orfeo) mit Julie Kaufmann. Außerdem eine ganz, ganz phantastische Komposition!
Gamaheh (19.11.2007, 00:04):
Liebe Forenser,

hier einige Zitate zum Thema aus einem Buch, das Nikolaus vor einiger Zeit vorstellte und das ich gerade gelesen habe:

„Hermann Prey sang nicht mit dem Körper, er sang nicht mit den Stimmbändern, nicht mit der Lunge, nicht mit der Luftröhre, nicht mit dem Bauch, er sang mit der Leere des Körpers, er wußte, daß der Gesang, wie das gesprochene Wort, dem er entstammt, nichts anderes ist als unsichtbares Licht. Nur ganz wenige Interpreten sind in der Lage, mit etwas anderem als dem Mund zu singen, nur ganz wenigen gelingt es, aus der Leere des Seins das leuchtendere als leuchtende Dunkel des Gesangs hervorzuholen.“ (S. 23)

Hermann Prey gebrauchte sein ganz eigenes, tiefes und gleichzeitig gemütliches Timbre, wie unsichtbarer Samt, dunkel und heiter zugleich, das wie von selbst und mühelos zu den Sternen stieg, auf genau dieselbe Weise, wenn er Im Café de la Paix in Paris sang, wie er es benutzte, wenn er Schuberts Liebesbotschaft interpretierte., er ziselierte jede Silbe mit der immer gleichen Perfektion, er brachte alle Träume Mitteleuropas mit, er sang mit der größten Einfachheit (und der höchsten Kunstfertigkeit) die einfachste Musik, indem er sie mit Unschuld interpretierte, denn das Wunder Hermann Prey lag in der Unschuld des Gesangs, die er sich bewahrt hatte und die durch die technologischen Welten verloren geht, erniedrigt und korrumpiert wird. Wenn Hermann Prey „Ich liebe dich“ säuselte – und ohne Mikro ihn die Sterne hörten -, dann wurde man, viel mehr noch, als wenn Elvis Presley oder Frank Sinatra an ihrem Mikrofon lutschend „I love you“ sagten, von der sentimentalen Essenz des populären Liedes überflutet. Hermann Prey sang diese Melodien natürlich immer mit einem Lächeln in der Stimme, und vielleicht war es dieses sublime Lächeln, das bei meinen Untersuchungen am Anfang stand , dieses stete Lächeln hinter der Empfindung wurde für Augenblicke sogar zu einem direkt hörbaren Lächeln ein menschliches musikalisches Lächeln als Huldigung an das Leben und an die Götter, ganz ruhig, verständnisinniger Humor begleitete das sentimentale Gefühl“ (S. 116f.)

„Noch besser als die Helden Minnellis konnte er lächeln und dabei singen, und er tanzte auch wie sie, aber er tanzte, ohne sich dabei zu bewegen.“ (S. 119)

Aus: Ariel Denis, Stille in Montparnasse. Zürich: Atrium-Verlag, 2007.

Grüße,
Gamaheh
Mime (19.11.2007, 09:53):
Original von ab
Daher , um meine Erinnerungen zu revidieren, nun die Frage an die Prey-Liebhaber: Was sind seine stärksten Liedaufnahmen?
Danke!

Für mich steht seine Winterreise mit (L.Hokansson am Klavier) ganz oben. Da erreicht ihn an Gefühlstiefe kaum Jemand.
:engel
Gamaheh (27.07.2008, 18:08):
Liebe Forenser,

ich komme auf diesen Faden zurück, da ich heute ein Interview-Porträt von Philippe Bianconi auf Radio France Musique gehört habe, in dem er u.a. auch über die Aufnahmen der Schubert-Zyklen mit Hermann Prey spricht.

Bianconi berichtet, wie er durch Vermittlung einer gemeinsamen Bekannten mit Anfang 20 Hermann Prey kennengelernt hat. (Ich bitte zu beachten, daß es sich um einen Gesprächsausschnitt handelt und nicht um einen geschriebenen Text.)

„Er hat mich ein wenig getestet – sicher, er kannte mich ja überhaupt nicht. Als wir uns das erstemal begegnet waren, hatte er mir gesagt, ich solle gewisse Sachen vorbereiten, naja, und dann haben wir uns im folgenden Sommer in Bayreuth wiedergesehen. Einen Tag hat er mich in sein Künstlerzimmer mitgenommen – dort stand ein Klavier – und ich habe ihm ganz einfach vorgespielt – man kann sich leicht vorstellen, in was für einem Zustand ich war ! Danach hat er mir gesagt „ich glaube, wir könnten was zusammen machen“ – gut, so sind wir verblieben. Und drei Monate später hat er angerufen und vorgeschlagen, gemeinsam Konzerte in Deutschland zu geben, die Schöne Magelone von Brahms. Ich habe angefangen, Konzerte mit ihm zu geben, und eine Weile später hat er mir vorgeschlagen, die drei großen Schubert-Zyklen aufzunehmen: Die Schöne Müllerin, Winterreise und Schwanengesang. Er sagte „gut, ich habe das alles schon aufgenommen, insbesondere zweimal die Winterreise“ „ich möchte sie noch ein letztes Mal machen“. Das war dann für mich absolut unglaublich: Er hat mir alles beigebracht, mir alles ... fast Note für Note, also ... Er hat wirklich etwas weitergegeben, und ... und ich hatte manchmal den Eindruck, daß das, was er wollte – er war sehr, sehr genau, was das betraf - was er vom Klavier hören wollte. Also beispielsweise alle diese Strophenlieder von Schubert, wo man mehrmals wiederholt – mit jeweils einem anderen Text – aber man wiederholt dieselbe musikalische Sequenz, dort also wollte er jedesmal andere Farben, manchmal die linke Hand stärker hervorgehoben, manchmal – auf jeden Fall war das alles extrem genau, und ich hatte das Gefühl, daß, wenn er gleichzeitig hätte Klavier spielen und singen können, daß er es gewesen wäre, der das gemacht hätte. Aber deshalbl hat er mir das alles übergeben, und das war für mich etwas absolut Fantastisches ! Ich bin sehr ergriffen, wenn ich daran denke – wie jetzt – denn es kam mir vor, als würde ich wie ein Säugling genährt, dem man ... den man füttert, damit er groß und stark wird ... so kam es mir damals vor. Und alles das, was er mir gegeben hat, ist mir hinterher sehr, sehr wertvoll gewesen, auch wenn ich Werke von Schubert für Solo-Klavier oder seine Kammermusik spiele. Ich kann nicht vergessen, was er mir alles beigebracht hat.“

Grüße,
Gamaheh

Nachtrag:

Hermann Prey ist gerade vor zehn Jahren gestorben.

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Leif Erikson (27.07.2008, 18:48):
Hallo Gamaheh,

diese Art beruflicher Zusammenarbeit war für beide Seiten ideal.

Wer wünschte sich sowas nicht selbst ?


Gruß, Leif.