Literatur

Hosenrolle1 (10.11.2016, 10:38):
Ich habe vor ein paar Jahren ein deutsches Hörbuch von Mary Shelleys "Frankenstein" gehört, und habe das Buch, das relativ kurz ist, auf englisch gelesen, und hinterher mit einer deutschen Übersetzung auf spiegel.de, beim Gutenberg, verglichen, zumindest mehrere Passagen.

Dazu muss ich noch sagen, dass ich das Buch irgendwie schwach finde. Es fängt schon mit der Erzählform an, die unrealistisch ist. Ein Wissenschaftler, der zum Nordpol möchte, schreibt seiner Schwester Briefe. Da trifft er auf Frankenstein, der ihm seine Lebensgeschichte erzählt, und Frankenstein erzählt innerhalb seiner Lebensgeschichte wiederum die Lebensgeschichte, die die Kreatur ihm erzählt.

Wie unwahrscheinlich ist es, dass ein sterbender Mann (Frankenstein) noch jeden Satz, jedes Gespräch und jedes Detail auswendig weiß?

Dazu kommt eine Sprache, die mehr als künstlich ist. So ruft Frankenstein der Kreatur ein "Fiend that thou art!" zu. Da kommen mir die Dialoge in "Dracula" wesentlich natürlicher vor.
Ermüdend sind auch die vielen ausführlichen Landschaftsbeschreibungen (auch hier: wieso erzählt ein sterbender, der fühlt, dass er nicht mehr viel Zeit hat, welche Bäume in der Landschaft herumstanden?), die ich ehrlich gesagt nur überflogen habe, weil sie für die Handlung nicht relevant sind, und ich es im Hörbuch schon gehört habe.

Nun aber zur Übersetzung.

Ich war schockiert, als ich die Gutenberg-Version las! Nicht nur wurden Sätze weggelassen, nein, es wurde teilweise gar nicht übersetzt, was im Original gesagt wird, sondern neue Dinge dazugedichtet.

Ein paar Beispiele aus der Schlussszene, wo die Kreatur noch eine letzte Rede hält.



DEUTSCH: Heuchlerischer Teufel! Wenn dieser hier wieder aufstünde, so würde er nur von neuem das Ziel eurer grausamen Rachsucht sein.

ORIGINAL: Hypocritical fiend! If he whom you mourn still lived, still would he be the object, again would he become the prey, of your accursed vengeance.

(Im Original wird gesagt, wenn er noch leben würde, nicht "wenn er wieder aufstünde")



DEUTSCH: Und das Verbrechen hat mich zum Tier gemacht.

ORIGINAL: And now crime has degraded me beneath the meanest animal.

(Im Original sagt die Kreatur, dass das Verbrechen ihn degradiert hat zum gemeinsten Tier - in der dt. Fassung heißt es lediglich "hat mich zum Tier gemacht". Im Original unterscheidet die Kreatur also zwischen "guten" und "gemeinen" Tieren, auf Deutsch verallgemeinert sie nur alle Tiere.)


DEUTSCH: Ich habe ihn verfolgt, bis an die Pforten des Todes.

ORIGINAL: I have pursued him even to that irremediable ruin.

(Aus dem "unausweichlichen Ruin" wird "Pforten des Todes")


DEUTSCH: Hier liegt er nun, bleich und kalt und starr.

ORIGINAL: There he lies, white and cold in death.

("und starr"? Von starr ist keine Rede, das wurde vom Übersetzer dazugedichtet.)


DEUTSCH: Ich werde ihr Schiff verlassen und mich auf meinem Schlitten dahin begeben, wo der Pol ins eisige Weltall hinausragt. Dort will ich mir aus den Trümmern meines Schlittens und aus angespülten Schiffsplanken einen Scheiterhaufen bauen (...)

ORIGINAL: I shall quit your vesel on the ice raft which brought me thither and shall seek the most northern extremity of the globe; I shall collect my funeral pile and consume to ashes this miserable frame (...)

(Extrem verstümmelte Übersetzung! Die Kreatur redet von einem "ice raft", also einer Eisscholle, nicht von einem Schlitten. Die Kreatur sagt weiters, dass sie den nördlichsten Punkt des Globus suchen wird - von einem Weltall ist da keine Rede. Und was soll das mit den "angespülten Schiffsplanken und den Trümmern des Schlittens? Auch das wurde vom Übersetzer hinzugedichtet und hat nichts mit dem Original zu tun.)



DEUTSCH: Jubelnd werde ich meinen Scheiterhaufen besteigen und mich freuen an den lodernden Flammen, die mich umzüngeln.
ORIGINAL: I shall ascend my funeral pile triumphantly and exult in the agony of the torturing flames.

(Hier hat die Übersetzung ebenfalls ordentlich geschlampt. Die "torturing flames" wurden abgemildet in "lodernde Flammen", das "agony" wurde ganz weggelassen.)


Auch der letzte Satz des Buches ist völlig verkehrt:


DEUTSCH: Rasch sprang er aus dem Fenster der Kajüte in den Kahn, der längsseits am Schiffe befestigt war. Die Wogen trugen ihn davon, immer weiter und weiter, bis er in der Dämmerung verschwand.

ORIGINAL: He sprang from the cabin window as he said this, upon the ice raft which lay close to the vessel. He was soon borne away by the waves and lost in darkness and distance.

(Auch hier wurde absolut verfälscht, hinzugedichtet und geschlampt. Die Kreatur springt auf keinen "Kahn, der längsseits des Schiffes befestigt war", sondern auf eine Eisscholle. Und sie verschwindet auch nicht in der Dämmerung, sondern in "darkness and distance". Dämmerung ist etwas völlig anderes als Dunkelheit!)
Und wieder einmal zeigt sich, dass man sich auf Übersetzungen keinesfalls verlassen darf, weil wenn man so eine schlechte erwischt, hat man einen völlig falschen Eindruck.



LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (10.11.2016, 10:43):
Durch eine Rezension bin ich auf die Buchreihe "Opernführer kompakt" aufmerksam geworden; angeblich sind diese Opernführer sehr gut. (Hat vielleicht jemand ein Buch dieser Reihe und kann darüber berichten?).

Also habe ich auf Amazon nachgesehen, ob es auch eines über den Figaro gibt, bin aber auf dieses Buch hier gestoßen.

"Opern einfach erklärt". Dazu habe ich mir die beiden Vorschaubilder angesehen, wo man in das Buch reinlesen kann. Aber ehrlich gesagt, auch wenn es sicher gut gemeint war von den Autoren - diese ganzen Comiczeichnungen, Sprechblasen und Pfeile, die von einer Figur zur anderen gehen, und ähnliche Dinge machen das Ganze nur unnötig kompliziert und unübersichtlich. (Und Cherubino wird auch noch falsch geschrieben.)

Was haltet ihr davon?



LG,
Hosenrolle1
Zefira (10.11.2016, 11:43):
Ich habe eine (nach meiner Erinnerung) recht gute Übersetzung des Frankenstein. Wenn ich sie finde, schaue ich mal nach.
Was die Sprache angeht, wäre ich da mal etwas nachsichtig. Frankenstein ist Dichtung. Gerade dieses Erzählrprinzip mit ineinander geschachtelten Binnenerzählungen beruft sich auf eine alte Tradition. Kennst Du übrigens die Entstehungsgeschichte des Frankenstein?
Hosenrolle1 (10.11.2016, 12:07):
Jep, in meiner englischen Penguin-Ausgabe gibt es zwei Vorworte von Mary Shelley. Eines von 1818, eines von 1831, wo sie ausführlich beschreibt, wie sie dazu kam.

Was die Dichtung angeht: das ist etwas, was ich nicht wirklich mag, weil es so gekünstelt und unrealistisch wirkt. Und diese verschachtelten Erzählungen ... ich weiß nicht.

Man kennt ja Frankenstein hauptsächlich durch die Verfilmungen, besonders natürlich die mit Boris Karloff. Das Buch ist aber irgendwie überhaupt nicht horrormäßig, wie man es glauben mag, vielmehr ist es tragisch und traurig, wenn nach und nach alle Hauptfiguren wegsterben. Darüber, wie Frankenstein die Kreatur erschaffen hat steht im Buch auch kein Wort - also nichts mit komplizierten Apparaturen, Blitzen, oder "Es lebt, es lebt!". Dafür wird die Kreatur im Buch aber viel scheußlicher beschrieben als im Film. Die Karloff-Maske ist eher komisch, mit den Schrauben im Hals und dem Quadratschädel. Die DeNiro-Maske in der 1994er Verfilmung war schon realistischer, mit zig Nähten, die langsam verheilen, aber er sah immer noch menschlich aus. Im Buch wird er aber viel hässlicher beschrieben, und über 2,40m groß. Kein Wunder, Frankenstein schreibt, dass er über Monate sein "Material" sammelt, und da kann man nicht davon ausgehen, dass die Teile alle frisch bleiben. Die Kreatur hat ein "schrumpliges Gesicht" mit "schwarzen Lippen", die Augen sind wäßrig und Weiss, usw.



LG,
Hosenrolle1
Zefira (10.11.2016, 12:34):
Ich kann mich erinnern, dass Frankenstein sich nach eigenen Angaben große Mühe gegeben hat, seine Kreatur schön zu gestalten. Dass sie potthässlich ist, wurde ihm erst klar, als sie zum Leben erwachte - in genau diesem Augenblick. Das fand ich immer sehr interessant ... Ob es Gott ähnlich gegangen ist?
Hosenrolle1 (10.11.2016, 12:38):
Viel eher hätte es dem Übersetzer so gehen müssen, als er die Kreatur auf einen "Kahn, der längsseits des Schiffes befestigt war", hüpfen ließ. Da würde der Spruch aus dem Frankenstein-Film auch passen: "Was hab ich getan! Was hab ich getan!".



LG,
Hosenrolle1
Rachmaninov (14.07.2006, 20:07):
Hallo,

derzeit lese ich die frisch eingetroffene Buch "Dimitri Schostakowitsch - Sein Leben, sein Werk, seine Zeit" Von Krzysztof Meyer.



Die ersten beiden Kapitel habe ich bereits verschlungen :leb

und was lest ihr so derzeit zum Thema "klassische Musik" oder lese nur ich hier im Forum für klassische Musik ?
Cosima (14.07.2006, 21:26):
Hallo,

ich habe im Urlaubsgepäck u.a. dies:

Schwarz und Weiß. Erinnerungen und Gedanken eines Pianisten zwischen Ost und West (von Lazar Berman).

Endlich werde ich Zeit zum Lesen, Musikhören usw. haben. :)

Gruß, Cosima
Rachmaninov (14.07.2006, 23:13):
eigentlich geht es ja um Literatur über klassische Musik :wink :ignore
AcomA (15.07.2006, 00:10):
zuletzt:

heinrich IV. und der gang nach canossa
spanischer bürgerkrieg
behandlungsfehler bei einem fall von hodentorsion (rheinisches ärzteblatt)
interview mit alexandre tharaud (piano news)

gruß, siamak :)
Janina (16.07.2006, 13:08):
eigentlich geht es ja um Literatur über klassische Musik
...dass man hier aber auch kaum unkommentiert vom Thema abkommen darf...

Ich beschränke mich dann wohl auch besser auf Bücher rein musikalischen Inhalts. Schon länger lese ich "Maria Callas" von Stelius Galatopoulos. Ein Riesenschinken, aber unheimlich empfehlenswert. Tolle Bilder und eine sehr persönliche Biographie, die nicht langweilt sondern wirklich in das Leben der Callas entführt und auch dioe vielen anderen Biographien nicht unkommentiert stehenlässt. Es ist meines Wissens die einzige Biographie, die von Maria Callas genehmigt wurde. Was natürlich eine schwierige Sache ist: Steht Sie hinter dieser Biographie, weil sie böse Gerüchte berichtigt oder weil Sie die Callas beschönigt. Ich habe das Buch noch nicht ganz gelesen, aber ich habe nicht das Gefühl, dass Letzteres zutrifft, der Autr scheint zu versuchen recht neutral zu bleiben. Vielleicht hats noch jemand gelesen und kann seinen Senf dazugeben? Würd mich freuen. Vielleicht wäre das auch was für den Callas-Thread...
Rachmaninov (16.07.2006, 13:22):
Original von Janina
eigentlich geht es ja um Literatur über klassische Musik
...dass man hier aber auch kaum unkommentiert vom Thema abkommen darf...


Da war ein :wink hinter !
Engelbert (17.07.2006, 05:15):
@Rachmaninoff

Mein Artikel zu Heinrich Heine hat schon einen Bezug zur Klassischen Musik, nur ich hatte versäumt, ihn zu nennen.

Es gibt eine Reihe Belcanto-Opern, deren Schauplatz Granada ist, in der die maurische Herrschaft durch die allerkatholischen Majestäten abgelöst wurde:

Ich zähle auf: Zoraide de Granata,(Donizetti) Alahor di Granata, (Donizetti) L'Esule di Granata (Meyerbeer) L'Ebreo (Appoloni)

In der letztgenannten Oper hat Bobabdil-el-chic,der letzte Herrscher Granadas, eine kleine Rolle. Zu meinen Gewohnheiten gehört es, bei historischen Persönlichkeiten in Opern geschichtliches und literarisches Quellenstudium zu betreiben. Bei der Gelegenheit bin ich auf Heine gestoßen, indem ich als Stichwort "Boabdil" eingab und "Die Träne des Mohren" mir in Erinnerung war.

:cool

Zu Heine findet man auch, wenn man nach der Sage vom Fliegenden
Holländer forscht. Man denke nur an die vielen Gedichte, die von ihm vertont wurden.

:)

Ich denke schon, dass man ein bisschen über ein Thema hinausschießen darf, bezugnehmend auf den Report über "Fussball" in das-klassikforum.de

ZWEI VORSCHLÄGE:

DerThemenkreis "MYTHOLOGIE" könnte mich sehr interessieren.
Hier sollte jeweils eine Figur nebst Personenkreis (z.B. THESEUS mit Phädra, Hypolytus, Aricie, Ariana) so dargestellt werden, wie die griechische Heldensage ihn überliefert. Danach könnte man untersuchen, welche Komponisten sich das Thema vorgenommen und wie sie es strapaziert haben.

Ein anderer schöner Zwirn wäre: "Die Musik im Spiegel der Literatur."
Hier wäre ein Sprechdrama (z.B. Shakespeares: Romeo und Julia) die Headline und dann wird abgehandelt, welcher Komponist dazu etwas zu sagen hat und welche Form er wählte. Etwa die Oper, das Ballett, die sinfonische Dichtung, die Konzert-Ouvertüre, die Bühnenmusik u.s.w.

Gruß
Engelbert
:engel
Zelenka (17.07.2006, 07:39):
Original von Engelbert

Mein Artikel zu Heinrich Heine hat schon einen Bezug zur Klassischen Musik, nur ich hatte versäumt, ihn zu nennen.

Ich denke schon, dass man ein bisschen über ein Thema hinausschießen darf, bezugnehmend auf den Report über "Fussball" in das-klassikforum.de

ZWEI VORSCHLÄGE:

DerThemenkreis "MYTHOLOGIE" könnte mich sehr interessieren.
Hier sollte jeweils eine Figur nebst Personenkreis (z.B. THESEUS mit Phädra, Hypolytus, Aricie, Ariana) so dargestellt werden, wie die griechische Heldensage ihn überliefert. Danach könnte man untersuchen, welche Komponisten sich das Thema vorgenommen und wie sie es strapaziert haben.

Ein anderer schöner Zwirn wäre: "Die Musik im Spiegel der Literatur."
Hier wäre ein Sprechdrama (z.B. Shakespeares: Romeo und Julia) die Headline und dann wird abgehandelt, welcher Komponist dazu etwas zu sagen hat und welche Form er wählte. Etwa die Oper, das Ballett, die sinfonische Dichtung, die Konzert-Ouvertüre, die Bühnenmusik u.s.w.

Gruß
Engelbert
:engel

Lieber Engelbert:

In diesem Faden bist du sicher nicht der einzige "Sünder" gewesen, der über das vorgegebene Thema hinausgeschossen ist, ich nenne nur die Namen Carola und Siamak. :) Du hättest das Heine-Gedicht (aus Romanzero, 1851) auch noch bis zu seinem Schluß zitieren können und wärst immerhin bei andalusischen Gitarren angekommen:

»Boabdil el Chico,« sprach sie,
»Tröste dich, mein Heißgeliebter,
Aus dem Abgrund deines Elends
Blüht hervor ein schöner Lorbeer.

»Nicht allein der Triumphator,
Nicht allein der sieggekrönte
Günstling jener blinden Göttin,
Auch der blutge Sohn des Unglücks,

»Auch der heldenmütge Kämpfer,
Der dem ungeheuren Schicksal
Unterlag, wird ewig leben
In der Menschen Angedenken.«

»Berg des letzten Mohrenseufzers«
Heißt bis auf den heutgen Tag
Jene Höhe, wo der König
Sah zum letzten Mal Granada.

Lieblich hat die Zeit erfüllet
Seiner Liebsten Prophezeiung,
Und des Mohrenkönigs Name
Ward verherrlicht und gefeiert.

Nimmer wird sein Ruhm verhallen,
Ehe nicht die letzte Saite
Schnarrend losspringt von der letzten
Andalusischen Gitarre.

Sicher schöne Gedanken ... (Abschreiben brauchst Du derlei übrigens nicht, das Heine-Gedicht ist natürlich im digitalen "Projekt Gutenberg" enthalten, durch Googeln gelangt man ganz einfach dorthin).

Fußball: Der hat im "Hinterzimmer" des Forums stattgefunden, Dein Argument will also nicht recht stechen. Etwas mehr "Fadendisziplin" ist schon sehr wünschenswert! Niemand hat andererseits etwas gegen Bemerkungen am Rande, die sehr interessant sein können. Und Deine Themenvorschläge sind natürlich attraktiv, ich freue mich schon.

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (17.07.2006, 10:20):
Original von Engelbert
Ein anderer schöner Zwirn wäre: "Die Musik im Spiegel der Literatur."
Hier wäre ein Sprechdrama (z.B. Shakespeares: Romeo und Julia) die Headline und dann wird abgehandelt, welcher Komponist dazu etwas zu sagen hat und welche Form er wählte. Etwa die Oper, das Ballett, die sinfonische Dichtung, die Konzert-Ouvertüre, die Bühnenmusik u.s.w.


@Engelbert,

diesen Vorschlag finde ich sehr schön.

Schließlich haben immer wieder verschiedenste Vorlagen aus der Literatur oder anderen Künsten die Musik inspiriert. :W
Carola (25.07.2006, 13:36):
Gerade angefangen:

Martin Geck: Ludwig van Beethoven


http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3736081.jpg


Das scheint mir ein erstaunlich gehaltvolles kleines Bändchen zu sein. Rezension folgt,wenn ich es ganz gelesen habe.

Mit Gruß von Carola
ab (17.08.2006, 23:28):
Die Insel des zweiten Gesichts von Albert V. Thelen: Ein Buch das mir bislang auf jeder einzelnen Seite eine unglaublich Freude durch die Sprachkunst bereitet.


und dazu noch: Musical Meaning and Expression von Stephen Davies
cellodil (14.10.2006, 23:49):
Werner Fuld, Paganinis Fluch: Die Geschichte einer Legende, Rowohlt Taschenbuch (Reinbek, 2003)

Nicht gerade eine Neuerscheinung...

Aber ein echter Page-Turner (jedenfalls für mich), der die Entstehung der Legende Paganini dem, was über dessen Leben dokumentiert (oder dokumentierbar) ist, gegenüberstellt.

Unterhaltsame Lektüre.
nikolaus (15.10.2006, 01:17):
Rudyard Kipling: Kim

Bin aber noch am Anfang und muß mich noch reinfinden.

Nikolaus.
cellodil (17.10.2006, 13:54):
Nachdem ich mit riesiger Begeisterung Ortheils aktuelles Mozart-Buch gelesen habe, nun:

Hanns-Josef Ortheil, Mozart im Innern seiner Sprachen, Sammlung Luchterhand (2002)

... wohl mein letztes Mozart-Buch für dieses Jahr

... oder auch nicht :haha
cellodil (23.10.2006, 19:41):
Friedrich Nietzsche, Die Geburt der Tragödie, Kritische Studienausgabe Band 1, Giorgio Colli (ed), Mazzino Monbtinari (ed), de Gruyter, dtv (München)

Darin geht es auch um die Frage, ob man Musik mit dem Mittel der Sprache überhaupt beikommen kann... ?(

Finde ich ziemlich spannend (und Nietzsches Schreibstil ist ohnehin immer wieder ein Genuss!), weil ich - wohl auch aus anderen Gründen als denen, die Nietzsche sieht - doch immer wieder mit meiner Sprache ringe, wenn es um Musik geht.

Denke, das könnte ja vielleicht auch mal ein witziges Thema sein: Können wir über Musik überhaupt reden...

Vielleicht ja demnächst.... :cool

Grüße

Sabine
Gamaheh (25.10.2006, 12:47):
Original von cellodil
Denke, das könnte ja vielleicht auch mal ein witziges Thema sein: Können wir über Musik überhaupt reden...


Nein; aber da wir Menschen sind, und uns die Sprache eigen, können wir nicht aufhören, es - wider besseres Wissen und pace Wittgensteins - immer wieder zu versuchen.

Grüße,
Gamaheh

Entschuldige die lakonische Antwort, Sabine, aber entweder so oder Vom Winde verweht mit Anhang ...
cellodil (25.10.2006, 20:36):
Original von Gamaheh
Original von cellodil
Denke, das könnte ja vielleicht auch mal ein witziges Thema sein: Können wir über Musik überhaupt reden...


Nein; aber da wir Menschen sind, und uns die Sprache eigen, können wir nicht aufhören, es - wider besseres Wissen und pace Wittgensteins - immer wieder zu versuchen.

Grüße,
Gamaheh

Entschuldige die lakonische Antwort, Sabine, aber entweder so oder Vom Winde verweht mit Anhang ...

Liebe Gamaheh,

da gibt es gar nichts zu entschuldigen. Ich hatte das ja auch nur als Überlegung in den Raum gestellt. Ich finde auch die "Vom Winde verweht mit Anhang"-Version spannend, aber vielleicht muss das wirklich nicht sein....

Herzliche Grüße

Sabine
Ganong (28.10.2006, 15:48):
Liebe Janina ,

"Deine" Callas - Biographie ist bekanntlich ein Muss für jeden Callas -Verehrere . Un dauch die Gruppe , die ein sehr distanzierte sverhältnis zu ihr haben .

Für das mitlesend e Auge ein genuss .

Anders als das schaurige Buch von Jürgen Kesting ( u. a. FAZ-Schreiber ) eine wahre Fundgrube .

Da Mmme. Callas s e h r selbstkritisch gewesen ist , ist ihre Mitwirkung immer ein unendlicher Gewinn !!!

ich empfehle Dir , das Buch von MIchel Glotz , ihrem Manger und Freu nd ( sie hatte leider nur sehr wenige Freunde : etwa die Simionato , Franco Corelli , Zaccaria , Jon Vickers , Tullio Serfain , Giulini ) ."La not ebleue . Une vie por la musique" ( Lattès ; paris ; 2002 ) .

Beste Grüsse ,

Frank
cellodil (10.11.2006, 23:22):
Wolf Wondratschek
Mara
Hanser (München, Wien, 2003)

... und hoffe nur, dass mein Cello nie auf die Idee kommt, seine Biografie zu schreiben...
Janina (05.12.2006, 20:33):
Hallo Frank!
danke für Deinen Tipp! Sollte die Uni mich mal mit Pflichtliteratur verschonen, ist das auf jeden Fall auf meiner Wunschliste :)
Gamaheh (05.12.2006, 21:01):
Georges Cziffra. Cannons and Flowers

Autobiographie des Pianisten. Der Titel spielt an auf den Ausspruch Schumanns, Chopins Werke seien "unter Blumen eingesenkte Kanonen".

Die englische Version, die ich gerade gelesen habe, ist eine Übersetzung der französischen Niederschrift von György Cziffra jun. von dem, was ihm sein Vater auf ungarisch erzählt hat.

Cziffra erzählt über seine Kindheit im Armutsghetto von Budapest, seine wundersame Aufnahme in die Liszt-Akademie durch Ernst von Dohnanyi, seine Kriegserlebnisse, seine Zeit als Unterhaltungspianist in mehr oder weniger zweifelhaften Unterhaltungsetablissements im Nachkriegs-Budapest, seine Zwangsarbeit in einer Baukolonne nach einem erfolglosen Fluchtversuch aus dem kommunistischen Ungarn und schließlich über die Zeit danach, insbesondere (aber leider zu kurz) den Wiederaufbau der Kapelle in Senlis, die Arbeit seiner Stiftung und sein Selbstverständnis als Pianist (s. auch den Faden "Konzerterlebnisse").

Das Buch ist im Druck nicht mehr erhältllch (außer bei der Fondation Cziffra in Senlis), aber der englische Übersetzer, John Hornsby, stellt sie als pdf-Datei zur Verfügung, wenn man ihn über seine Internet-Seite http://czifframemoirs.monsite.orange.fr
darum bittet.

Grüße,
Gamaheh
cellodil (11.12.2006, 19:36):
Habe letzte Nacht mit

Peter Härtling, Schumanns Schatten

angefangen und bin mir noch nicht so ganz sicher, ob ich das Buch mag und/oder weiterlesen werde. Ganz interessant finde ich die Passagen, in denen sich Härtling mit Schumanns Zeit in der Heilanstalt beschäftigt. Aber insgesamt fehlt mir ein bisschen der große Bogen. Naja. Mal sehen.

Herzliche Grüße

Sabine
Jürgen (12.12.2006, 07:57):
Gestern Abend, ganz vorzügliche Literatur.
Von der ersten bis zur letzten Seite köstliche Unterhaltung.

http://www.partymucke.de/IMAGES/TROUKLEI.JPG

Asterix auf Korsika
cellodil (13.12.2006, 07:32):
Nachdem mir der Härtling doch zu öde geworden ist versuche ich es jetzt mit:

Richard Powers, Der Klang der Zeit
Fischer Taschenbuch, 6. Auflage (Frankfurt, 2006)

Lässt sich - jedenfalls auf den ersten 60 der insgesamt 750 Seiten - ganz spritzig an. Die Geschichte einer recht ungewöhnlichen und hochmusikalischen jüdisch-schwarzen Familie wird aus der Perspektive des kleinen Bruders eines hochbegabten Sängers erzählt und beginnt in den 40-er/50-er Jahren in den USA.

Mal sehen, wohin das führen wird... Die Chancen stehen jedenfalls besser als bei Härtling.

Grüße

Sabine
Ganong (13.12.2006, 18:36):
Liebe Gamameh ,

besten Dank für diesen wichtigen Hinqweis zu Geogres Cziffra ! .

Beste Grüsse ,

Frank
Ganong (13.12.2006, 18:38):
Liebe Sabine ,

das Buch wird masslos von wenigen überschätzt .

In wichtigsten Teilen fern aller Wirklichkeit !

Schumann hören bringt unendlich viel mehr .

Alles Gute Dir !

Frank
Gamaheh (13.12.2006, 18:58):
Original von cellodil
Peter Härtling, Schumanns Schatten

Liebe Sabine,

da habe ich neulich ein Interview mit Peter Härtling im Radio gehört, das mir zu Anfang interessant erschien; am Schluß jedoch bin ich zu der Überzeugung gekommen, daß das kein Buch für mich ist.

Beste Grüße,
Gamaheh
cellodil (13.12.2006, 19:16):
Original von Gamaheh
Original von cellodil
Peter Härtling, Schumanns SchattenSabine

Liebe Sabine,

da habe ich neulich ein Interview mit Peter Härtling im Radio gehört, das mir zu Anfang interessant erschien; am Schluß jedoch bin ich zu der Überzeugung gekommen, daß das kein Buch für mich ist.

Beste Grüße,
Gamaheh

Liebe Gamaheh,

ich weiß auch nicht mehr, wie ich zu diesem Buch gekommen bin. Irgendwie war ich da wohl selbst ein bisschen umnachtet... Eigentlich mochte ich die Bücher von Härtling nämlich noch nie sonderlich.

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (28.12.2006, 20:46):
Heute in einer Mußestunde gelesen...

Sergiu Celibidache: Leben und Musik des großen Dirigenten mit dem Besten aus der ZEIT
Die Zeit Klassik-Edition: lesen & hören, Band 05
(Hamburg, o.J.)

... ein schmales Bändchen, ziemlich kurzweilig und unterhaltsam geschrieben und außerdem wirklich schöne Fotos.

Grüße

Sabine
cellodil (02.01.2007, 13:27):
Gerade angefangen:

Gerald Moore
Bin ich zu laut? - Erinnerungen eines Begleiters
Bärenreiter Verlag, 11. Auflage (Kassel, 2003)
ISBN 3-7618-1212-4

Die Erstauflage der deutschen Ausgabe der Memoiren von Gerald Moore (1899-1987) ist 1976 erschienen. Ich hatte das Buch zwar schon in der Vergangenheit mehrfach in der Hand, konnte mich aber erst jetzt zu Kauf und Lektüre durchringen. Ein Versäumnis! Denn der Text ist (auch in der deutschen Übersetzung) überaus amüsant und kurzweilig. Der Blick des Autors ist bestimmt von Selbstironie und dem Sich-nicht-zu-wichtig-nehmen... Sehr schön.

Mein vorläufiges Urteil (nach 60 von 268 Seiten): Empfehlenswert...

Grüße

Sabine
nikolaus (02.01.2007, 21:06):
Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es hier nicht nur um musikalische Bücher, oder?

Seit längerem versuche ich, dieses zu lesen:

http://www.jpc.de/image/middle/front/0/3250250007.jpg

Pessoa, Fernando
Das Buch der Unruhe
Hrsg. v. Richard Zenith
Koebel, Inés
Ammann Verlag
2006
2/2006
ISBN: 3-250-25000-7

Ich spüre genau, daß es ein bedeutendes Buch ist, aber ich finde keinen Zugang.
Kennt es jemand?

Nikolaus
cellodil (03.01.2007, 11:41):
Original von nikolaus
Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es hier nicht nur um musikalische Bücher, oder?

Ich glaube, das wird in diesem Faden etwas großzügiger aufgefasst...

Original von nikolaus
Seit längerem versuche ich, dieses zu lesen:

http://www.jpc.de/image/middle/front/0/3250250007.jpg

Pessoa, Fernando
Das Buch der Unruhe
Hrsg. v. Richard Zenith
Koebel, Inés
Ammann Verlag
2006
2/2006
ISBN: 3-250-25000-7

Ich spüre genau, daß es ein bedeutendes Buch ist, aber ich finde keinen Zugang.
Kennt es jemand?

Lieber Nikolaus,

ich kenne dieses Buch von Pessoa nicht und habe selbst so meine Probleme mit diesem Autor...

Bei meiner Privatlektüre habe ich auch wenig Neigung zu Ringkämpfen mit Werken oder Autoren. Und manche Texte haben auch einfach ihre Zeit in meinem Leben (soll heißen, manche Bücher, die ich ermattet zur Seite gelegt hatte, packen mich ein paar Monate oder Jahre später doch noch). Ich quäle mich jedenfalls nicht, gebe einem Buch eine bestimmte Anzahl von Seiten und lasse es im Zweifelsfalle bleiben (wie zum Beispiel bei dem weiter oben erwähnten gnadenlos öden Härtling). Für mich steht da die Freude (die kann allerdings in bestimmten Fällen schon auch in lustvoller Anstrengung und Eroberung unbekannten Terrains bestehen) im Vordergrund.

Vielleicht helfen Dir ja auch die Fragen, die sich mir an dieser Stelle aufdrängen, trotzdem ein bisschen weiter:

- Wie bist Du denn zu dem Buch gekommen? Warum hast Du es gekauft (falls Du es Dir selbst gekauft hast)?

- Wieso möchtest Du das Buch denn unbedingt lesen, obwohl es Dich nicht anspricht?

- Woran liegt es denn, dass Dir das Buch nicht gefällt? Ist es die Sprache (das könnte im Zweifel dann auch die Übersetzung sein)? Der Erzählstil? Interessieren Dich die Figuren nicht? Oder kannst Du sie nicht leiden? Interessiert Dich die Geschichte nicht? Oder das Thema? Was fehlt Dir in dem Buch? Fängst Du mit dem Setting oder der Zeit nichts an (in diesem Falle könnte es, wenn Du den Roman wirklich unbedingt lesen willst, helfen, wenn Du ein bisschen "drumherum" liest)? Fehlen Dir Hintergrundinformationen? Oder ist es einfach gnadenlos langweilig? Spannungslos erzählt? Vielleicht magst Du auch das Tempo, in dem erzählt wird nicht... Vielleicht...

- Wie kommst Du darauf, dass das ein "bedeutendes Buch" sein könnte? Das scheint ja Dein Gefühl zu sein (Dir also nicht von irgendwelchen möchtegernintellektuellen Rezensenten aufgedrängt worden zu sein)... Vielleicht gibt es ja doch etwas, was Dich an dem Text fasziniert... Kannst Du das benennen? Oder ist es "nur" so ein Gefühl?

Es könnte aber auch schlicht an äußeren Bedingungen liegen. Manche Bücher brauchen erst einmal eine Zeit, in der man sich in ihnen einrichtet. Bei denen wird es schwierig, wenn die Lektüre am Anfang zu häufig unterbrochen wird, dann verliert man den Faden und die Lust. Geht zumindest mir so.

Die Ferndiagnose ist nicht so einfach, mögliche Gründe gibt es viele...

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (03.01.2007, 11:54):
Lieber Nikolaus,

was mir gerade noch eingefallen ist: Manchmal lässt sich ein Zugang zu einem Buch auch über das Hörbuch (ich weiß allerdings nicht, ob es zu dem Roman von Pessoa eines gibt) finden. Allerdings nur manchmal...

Wenn Dir das Buch sehr wichtig ist, könntest Du es zumindest mal versuchen.

Herzliche Grüße

Sabine
Gamaheh (03.01.2007, 17:06):
Lieber Nikolaus, liebe Sabine,

an Hörbuch dachte ich auch, denn letzte oder vorletzte Woche wurde das im Radio gelesen - ich wollte es eigentlich hören, habe es aber leider verpaßt, weil man ja auch mal was anderes zu tun hat.

Pessoa interessiert mich auch vage, weil ich mal vor Jahren einen sehr schönen Pessoa-Kalender hatte, der noch immer irgendwo an der Wand hängt. Allerdings stelle ich mir das auch recht schwer zugänglich vor; er soll ja ein ganz und gar eigenbrödlerischer Mensch gewesen sein, der im wirklichen Leben Buchhalter war und den ganzen Abend im Café gesessen hat, um sich seinen Träumen hinzugeben und zu schreiben. Aber vielleicht kriege ich das auch durcheinander - ich habe es, ehrlich gesagt, noch nicht einmal versucht zu lesen, dacht aber wieder daran, als ich kürzlich ein anderes Buch las: Jetzt fällt mir doch der Titel nicht ein, aber der Autor ist ein an der FU Berlin Philosophie lehrender Schweizer, dessen Name mir auch gerade nicht präsent ist. Entschuldigung für diese Vagheit.

Grüße,
Gamaheh
nikolaus (03.01.2007, 23:11):
Zunächst liebe Sabine,

danke für deine ausführliche Antwort, die ich mir, da es heute abend schon spät ist, und ich nicht mehr richtig aufnahmefähig, noch einmal in Ruhe zu Gemüte führen werde.
Du hast ganz wichtige Dinge erwähnt, über die ich nachdenken muß (ist ja schon fast Tiefenpsychologie). Ich werde dann noch mal antworten, wenn ich Klarheit darüber habe.

Dann liebe Sabine und liebe Gamaheh,

er soll ja ein ganz und gar eigenbrödlerischer Mensch gewesen sein, der im wirklichen Leben Buchhalter war und den ganzen Abend im Café gesessen hat, um sich seinen Träumen hinzugeben und zu schreiben.

Das ist durchaus der Kern des Buches (äh, zumindest der ersten 30 Seiten).
Es erinnert mich in seiner Stimmung auch etwas an Kafka, den ich in der Schulzeit lesen "mußte" und damals (lange ist es her) gar nicht verstanden habe. Nun habe ich neulich ein paar seiner Erzählungen gelesen, die ich auf einmal wunderschön fand.
Aber ich muß auch gestehen, daß mir manchmal diese "schwarze" oder "pessimistische" Seite ziemlich an die Nieren geht.
Vielleicht ist das auch ein Grund, weshalb ich Pessoa - in der Grundstimmung auch ziemlich melancholisch - im Moment nicht richtig verdauen kann.
Aber wie oben erwähnt: ich werde nochmal in mich gehen!

Gruß, Nikolaus.
Gamaheh (03.01.2007, 23:16):
Original von Gamaheh
Jetzt fällt mir doch der Titel nicht ein

Ich habe das Buch inzwischen in Augenschein genommen: Der Autor heißt Pascal Mercier, und das Buch Nachtzug nach Lissabon. Ich habe es verschlungen. Falls es noch jemand von Euch gelesen hat, würde mich interessieren, worum es dabei Eurer Meinung nach geht (da scheint es nämlich unterschiedliche Meinungen zu geben).

Grüße,
Gamaheh
nikolaus (03.01.2007, 23:48):
Original von Gamaheh

Ich habe das Buch inzwischen in Augenschein genommen: Der Autor heißt Pascal Mercier, und das Buch Nachtzug nach Lissabon. Ich habe es verschlungen. Falls es noch jemand von Euch gelesen hat, würde mich interessieren, worum es dabei Eurer Meinung nach geht (da scheint es nämlich unterschiedliche Meinungen zu geben).

Grüße,
Gamaheh

Ich habe es verschlungen.

Dito! Nikolaus.
cellodil (04.01.2007, 21:30):
Original von nikolaus
Du hast ganz wichtige Dinge erwähnt, über die ich nachdenken muß (ist ja schon fast Tiefenpsychologie). Ich werde dann noch mal antworten, wenn ich Klarheit darüber habe.

Lieber Nikolaus,

es freut mich, wenn Du die Gedanken als hilfreich empfindest (hat übrigens mehr mit Erfahrung und nur am Rande oder im Hintergrund mit Tiefenpsychologie zu tun, aber ich fand es witzig, dass Du das erwähnt hast, weil mich der tiefenpsychologische Ansatz sicherlich sehr stark geprägt hat).

Ich glaube aber fast, dass Du vielleicht gar nicht mehr so groß darüber nachdenken musst (es sei denn, Du möchtest es), weil Du doch schon einen möglichen Erklärungsansatz gefunden hast:

Original von nikolaus
er soll ja ein ganz und gar eigenbrödlerischer Mensch gewesen sein, der im wirklichen Leben Buchhalter war und den ganzen Abend im Café gesessen hat, um sich seinen Träumen hinzugeben und zu schreiben.

Das ist durchaus der Kern des Buches (äh, zumindest der ersten 30 Seiten).
Es erinnert mich in seiner Stimmung auch etwas an Kafka, den ich in der Schulzeit lesen "mußte" und damals (lange ist es her) gar nicht verstanden habe. Nun habe ich neulich ein paar seiner Erzählungen gelesen, die ich auf einmal wunderschön fand.
Aber ich muß auch gestehen, daß mir manchmal diese "schwarze" oder "pessimistische" Seite ziemlich an die Nieren geht.
Vielleicht ist das auch ein Grund, weshalb ich Pessoa - in der Grundstimmung auch ziemlich melancholisch - im Moment nicht richtig verdauen kann.

Es scheint mir, als wenn dieser Text im Moment einfach nicht passen würde. Vielleicht irgendwann später, vielleicht auch nie (was ja vermutlich auch keine Katastrophe wäre)...

Und es gibt ja zum Glück noch viele andere, schöne Bücher, die wir lesen können...

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (07.01.2007, 13:03):
Gerade mit schnupfen-umnebeltem Kopf angefangen:

http://ec2.images-amazon.com/images/P/3463404192.03._SS500_SCLZZZZZZZ_V1056573931_.jpg

... gefällt mir bislang ganz gut. Sehe "Miss Daisy", mein Klavierle, mit ganz neuen Augen.

Grüße

Sabine
ab (08.01.2007, 20:52):
Original von Gamaheh
Nachtzug nach Lissabon. Ich habe es verschlungen.

Dies ist ein Kriminalroman eines deutschen Philosophen aus der Tradition der Analytischen Philosophie, der Peter Bieri heißt und an der FU in Berlin lehrt oder aber gelehrt hat. Seine Bücher: "Analytische Philosophie des Geistes" und vor allem "Analytische Philosophie der Erkenntnis" haben viel dazu beigetragen, in Deutschland, die Analytische Philosophie zu forcieren.

Ich vermute (ohne je einen seiner drei Romane gelesen zu haben), dass er Ergebnisse dieser Forschungen in seinen Romanen verbraten hat.
cellodil (08.01.2007, 21:06):
Original von ab
Original von Gamaheh
Nachtzug nach Lissabon. Ich habe es verschlungen.

Dies ist ein Kriminalroman eines deutschen Philosophen aus der Tradition der Analytischen Philosophie, der Peter Bieri heißt und an der FU in Berlin lehrt oder aber gelehrt hat. Seine Bücher: "Analytische Philosophie des Geistes" und vor allem "Analytische Philosophie der Erkenntnis" haben viel dazu beigetragen, in Deutschland, die Analytische Philosophie zu forcieren.

Ich vermute (ohne je einen seiner drei Romane gelesen zu haben), dass er Ergebnisse dieser Forschungen in seinen Romanen verbraten hat.

Lieber ab,

habe ich das richtig verstanden: Pascal Mercier ist das Pseudonym von Peter Bieri?

Grüße

Sabine
ab (08.01.2007, 21:18):
Original von cellodil
habe ich das richtig verstanden: Pascal Mercier ist das Pseudonym von Peter Bieri?

Exactement!
Gerion (08.01.2007, 22:00):
Ich lese gerade (in Vorbereitung für meine mündliche Prüfung, aber auch aus generellem Interesse) das Buch "Aus der Waagschale der Justitia" von F. Haft. Das Werk geht in kurzen, gut und (auch für Nicht-Juristen) sehr verständlich geschriebenen Kapiteln auf die Entwicklung des positiven Rechts, der wichtigsten rechtstheoretischen Ideen und Maximen ebenso wie auf berühmte Denker der Rechts- und Staatslehre, wichtige Gerichtsprozesse und mehr ein. Eine sehr interessante Lektüre.

Wenn es denn einmal etwas Zerstreuendes sein soll, greife ich zu U. Ecos Glossen in "Wie man mit einem Lachs verreist". Auf dem Nachttisch wartet noch Stephen L. Carter's "Schachmatt", und den Nachtzug n. Lissabon wollte ich auch bald lesen...
Ganong (11.01.2007, 15:02):
Zunächst die besten Genesungswünsche !

Bei soviel Philosophie eines durchweg sehr wohlwollend besprochenen Buches bitte ich Dich , uns zuz berichten , wie Du das Opuas gelesen hast : Als Krimi oder als einen eher philosophischen Traktat ?

Danke und schnupf - schnupf - weg !

Frank
cellodil (12.01.2007, 00:09):
Original von Ganong
Zunächst die besten Genesungswünsche !

Bei soviel Philosophie eines durchweg sehr wohlwollend besprochenen Buches bitte ich Dich , uns zuz berichten , wie Du das Opuas gelesen hast : Als Krimi oder als einen eher philosophischen Traktat ?

Danke und schnupf - schnupf - weg !

Frank

Lieber Frank,

ich weiß nicht, ob Du mich gemeint hast. Ich hatte die Schnupfennase. Danke für die schamanischen Heilungssprüche. Es geht auch schon wieder besser.

Aber den Mercier, den haben Nikolaus und Gamaheh gelesen. Ich bin gerade auf den letzten Seiten des ganz wunderbaren Klavierbuchs.

Grüße

Sabine
nikolaus (08.02.2007, 22:35):
Brandneu in Deutschland mit sehr unterschiedlicher Resonanz:

Peter Hoeg: Das stille Mädchen

Bisher gefällt es mir gut; es erinntert allerdings vieles an "Fräulein Smillas Gespür für Schnee".
Hier ist die Hauptperson ein Clown, der ein phänomenales Gehör hat und z.B. den "Grundton" eines Menschen hören kann.
Er wird in eine Kindesentführung verwickelt...

Nikolaus.
cellodil (08.02.2007, 23:11):
Original von nikolaus
.... Hauptperson ein Clown, der ein phänomenales Gehör hat und z.B. den "Grundton" eines Menschen hören kann.


Klingt ein bisschen nach Robert Schneiders Schlafes Bruder. Die Kindesentführung dann allerdings schon wieder weniger.

"Fräulein Smilla" fand ich ja etwas fade, nicht so mein Fall. Mal gespannt, was Du über Deine weitere Lektüre berichten wirst.

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (12.02.2007, 15:55):
Gerade auf meinem Schreibtisch gelandet:

http://www.buch24.de/img/g_pid/pid2658217.jpg

Der Klappentext klingt sehr nach Künstlerdramolett:

Die Sopranistin Anna Sutter wird von ihrem Dirigenten Aloys Obrist abgöttisch geliebt. Sie aber hat sich bereits einem anderen zugewandt. Das Eifersuchtsdrama am Stuttgarter Opernhaus nimmt seinen Lauf...

Mal sehen...

Grüße

Sabine
cellodil (21.02.2007, 21:52):
Gestern angefangen und die Lektüre nur sehr ungern unterbrochen:

http://ec1.images-amazon.com/images/P/0201567636.01._SS500_SCLZZZZZZZ_.jpg

John Holt
Never Too Late: My Musical Live Story
Merloyd Lawrence book, Da Capo Press (New York, 1978, 1991), 245 Seiten
ISBN 0-201-56763-6

Bislang ganz amüsanter Bericht eines spätberufenen Amateurcellisten... Mal sehen, wie sich's entwickelt...

Grüße

Sabine
nikolaus (21.02.2007, 23:22):
Habe vorgestern "Das stille Mädchen" zu Ende gebracht.
Fazit: durchaus spannend, aber ziemlich abstrus, es hält nicht das, was es verspricht.

Nikolaus.
cellodil (01.03.2007, 23:16):
... bei mir war's auch nicht so dolle... Den Holt muss man ganz bestimmt nicht gelesen haben.

Not amused.

Sabine
ab (01.03.2007, 23:21):
Kürzlich in meiner Mutters Wohnung hineingelesen:
http://ec1.images-amazon.com/images/P/3596153298.03._AA240_SCLZZZZZZZ_.jpg

Beim nächsten Besuch wird es weiter gehen...
cellodil (02.03.2007, 15:25):
Lieber ab,

das Cover sieht etwas vampiresk aus... Aber, wenn Du weiterlesen möchtest, scheint das Buch ja ganz interessant zu sein...

Grüße

Sabine
ab (02.03.2007, 15:41):
so wenig weit wie ich gekommen bin, schrieb Fritz Busch erst von seiner Jugend, da wird gerne einmal geprügelt, geschlagen und in Wirtshäusern zum Tanz aufgespielt. Etwas befremdlich, was er als aufzeichneswert erachtete. Bin schon gespannt, wann sich endlich etwas musikalisch Interessantes ereignet...

Buschs Beethoven 9. schätze ich (trotz einiger Mängel) sehr (war einst bei der ersten Beethoven-DG-Gesamtedition auf der Historischen Aufnahme-Box drauf). Wie auch seine Geschwister beim Busch-Quartett verstand Fritz es, durch Klangfülle zu gestalten.
Jascha Horenstein (05.03.2007, 23:46):
Lieber ab,

kennst du Buschs großartigen Aufnahmen verschiedener Mozart-Opern? In allen Fällen sehr lohnend, bei "Don Giovanni" für mich sogar als höchste Referenz.
ab (06.03.2007, 00:29):
Original von Jascha Horenstein
Lieber ab,

kennst du Buschs großartigen Aufnahmen verschiedener Mozart-Opern? In allen Fällen sehr lohnend, bei "Don Giovanni" für mich sogar als höchste Referenz.

Leider kenne ich nur Don Giovanni und Cosi fan tute.
Großartig!
:P
cellodil (08.03.2007, 00:19):
http://ec2.images-amazon.com/images/P/3351025718.03._SS500_SCLZZZZZZZ_.jpg

Ein ziemlich interessantes und bewegendes Buch, in dem es allerdings nur am Rande um Musik geht.

Grüße

Sabine
Amadé (08.03.2007, 20:11):
@ab
Hallo ab,

dass Fritz Busch in seinem Werdegang erwähnt, mit Vater und Brüdern rund um seinen Geburtsort Siegen zum Tanz aufgespielt zu haben, finde ich keineswegs befremdlich. Sicher wollte er darauf hinweisen, das er sein Handwerk von der Pike auf lernte, z.B. die Beherrschung mehrerer Instrumente, das Aufeinander-Hören, sich unterordnen an gegebenen Stellen und vieles mehr. Später als arrivierter Dirigent kam ihm diese "Schule" sehr vonstatten: wenn er Orchestermusikern präzise Spielanweisungen geben konnte, verkürzte dies die Proben und wirkte sich nebenbei auch auf Achtung und Wertschätzung bei seinen Musikern aus.
Übrigens befindet er sich mit dieser "Nebenausbildung" in bester Gesellschaft, auch Johannes Brahms und Ferenc Fricsay zogen großen Gewinn aus ihren musikalischen Erfahrungen vor dem eigentlichen Studium.
Gruß Amadé
uhlmann (08.03.2007, 20:31):
hinein gelesen habe ich ja schon, nun aber versuch ich es "im ganzen":

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3765102474.jpg

keine leichte kost, aber ich freu mich schon drauf.
lachenmann ist auch ein großer mann des wortes.
ab (08.03.2007, 21:14):
Original von Amadé
@ab
Hallo ab,

dass Fritz Busch in seinem Werdegang erwähnt, mit Vater und Brüdern rund um seinen Geburtsort Siegen zum Tanz aufgespielt zu haben, finde ich keineswegs befremdlich.

Befremdlich fand ich das andere oben erwähnte Drumherum um diese Abende und sonst zuhause. Dem, was Du schreibst, stimme ich natürlich zu.
ab (08.03.2007, 21:16):
wie dick ist denn dieses Lachenmann-Buch?
Danke! (Ich denke, ich habe in einem überraschend gutem Gedanken-über-Musik-Buch Ausschnitte daraus genossen.)
uhlmann (08.03.2007, 22:08):
Original von ab
wie dick ist denn dieses Lachenmann-Buch?


450 seiten, sehr klein gedruckt.

inhalt sind einführungen zu eigenen werken lachenmanns, analysen und reflexionen über andere komponisten (z.b. mahler, schönberg) sowie betrachtungen über musik im allgemeinen. die artikel sind vielfach in zeitschriften oder sonstigen büchern erschienen.
cellodil (24.03.2007, 23:10):
http://ec1.images-amazon.com/images/P/1871082382.03._SS500_SCLZZZZZZZ_V46890052_.jpg

Taschenbuch: 290 Seiten
Verlag: Kahn & Averill; Auflage: Reprint (Juni 2001)
ISBN-10: 1871082382
ISBN-13: 978-1871082388

Eines meiner Lieblingsbücher, das ich dringend mal wieder lesen muss...

Ja, ich weiß: Meine Cellophilie wird langsam peinlich... :ignore

Grüße

Sabine
nikolaus (26.03.2007, 11:33):
Ja, ich weiß: Meine Cellophilie wird langsam peinlich...

Nee, wieso?

Und überhaupt, was soll ich denn sagen mit Martha Argerich als meine CD-Bibliothek bestimmende Pianistin! Ich traue mich gar nicht, alles was ich höre in den entsprechenden thread zu stellen...

Gruß, Martha - äh, Nikolaus.
cellodil (27.03.2007, 15:20):
Lieber Nikolaus,

da bin ich aber erleichtert...

Liebe Grüße (auch an Martha :D )

Sabine
cellodil (28.03.2007, 23:48):
http://ec1.images-amazon.com/images/P/3476022196.01._SS500_SCLZZZZZZZ_.jpg

Gebundene Ausgabe: 64 Seiten
Verlag: Metzler (2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3476022196
ISBN-13: 978-3476022196

Grüße

Sabine
(jetzt doch wieder bekennend cellophil.... - Danke, Nikolaus! :thanks)
Ganong (13.04.2007, 19:30):
Guten Abend ,

1. Das neue Heft von "International Piano Quarterly" u n d

2. NORMAN LEBRECHTs gerade erschienenenes Buch ( in Deutsch , Schott-Verlag ) .

Bei höchst empfehlenswert !

Grüsse ,

Frank
cellodil (13.04.2007, 20:03):
http://ec1.images-amazon.com/images/P/3476022145.01._SCLZZZZZZZ_SS500_.jpg

... noch ein verspätet angekommenes Geburtstagsgeschenk...

Grüße

Sabine
cellodil (05.05.2007, 00:29):
http://www.perlentaucher.de/grafik/cover/3/23273.jpg
Da Ponte, Lorenzo
Geschichte meines Lebens

Mozarts Librettist erinnert sich
Aus dem Italienischen und herausgegeben von Charlotte Birnbaum. Mit einem Nachwort, einem Werkverzeichnis und Anmerkungen sowie zahlreichen Abbildungen von Jörg Krämer

insel taschenbuch 3091
476 Seiten, Broschur

Euro 12,00 / Euro 12,40 / sFr 22.10
ISBN 978-3-458-34791-0

... bislang ganz spannend und kurzweilig, diese wechselvolle Lebensgeschichte...
daniel5993 (05.05.2007, 11:02):
Hallo,

Ich lese gerade das Buch oder besser gesagt eine Biographie über Claudio Arrau: Leben mit der Musik.



Gruß
daniel
Jürgen (14.05.2007, 15:15):
http://ec1.images-amazon.com/images/I/5172BZJJG8L._SS500_.jpg



Habe gerade erst angefangen. Liest sich aber ganz gut an.

Jürgen
satie (14.05.2007, 17:38):
Oha, dieses Buch dürfte einige "finstere Kapitel" haben...
satie (15.05.2007, 15:25):
Zwar schon vor einiger Zeit gelesen, aber es passt zur Thematik. Es machte großen Eindruck auf mich, wenn auch Eva Weissweiler nicht unumstritten ist:

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/langenacht_alt/img/001105ausgemertz.gif

Dazu eine (wenn auch etwas hemdsärmlige) Leserrezension:
Schon der Titel "Ausgemerzt" wirft einige Fragen auf. Wer wird ausgemerzt? Und von wem? Ausgemerzt werden jüdische Musiker während der NS-Zeit, u.a. durch die faschistische Publikation von 1940 "Lexikon der Juden in der Musik".
Hier sind in alphabetischer Reihenfolge jüdische Musiker aufgelistet und kommentiert. Die Hälfte des Buches "Ausgemerzt" besteht in der Reproduktion des von den Faschisten angelegten Lexikons. In einem abschließenden Abschnitt werden die Todesdaten und Lebensumstände von 259 jüdischen Musikern identifiziert, die in Konzentrationslager deportiert worden sind. Das einführende Essay behandelt in Hinblick auf den Bereich Musik die Berliner Regierung, die das komplette kulturelle Leben Deutschlands während des Faschismus kontrollierte. Besprochen wird auch die Rolle des Direktor's der Abteilung für Musik, Herbert Gerigk, und seine während dem Krieg begonnene Publikation "Musik in Geschichte und Gegenwart".
Wie diese knappe Buchbeschreibung schon zeigt, enthüllen die beiden Damen Weissweiler ein Stück bisher verborgener Musikgeschichte. Dieses Buch ist unverzichtbar für alle, die sich mit jüdischer und faschistischer Kulturgeschichte befassen und bietet auch für weitere Forschungen im Bereich jüdischer Musik reichlich Material. Das Buch bietet also auf der einen Seite Aufklärungsarbeit, auf der anderen Seite ist es als Aufforderung zu betrachten, weiter den Spuren zu folgen, die von den Weissweiler's schon partiell aufgedeckt worden sind. Es ist nach dieser Publikation nur zu hoffen, daß sich die Weissweiler-Kollaboration in dem versprochenen zweiten Band fortsetzt.


Gruß
S A T I E
Poztupimi (23.05.2007, 14:52):
Hallo zusammen,

habe es fast geschafft:

http://ec1.images-amazon.com/images/I/417RCK2VSNL._AA240_.jpg


Uehling, Peter (2006): Karajan - Eine Biographie.- 412 S., 27 Fotos auf Taf.; Reinbek (Rowohlt).
ISBN 3-498-06884-9
ISBN 978-3-498-06884-4

Vielleicht ein Zitat aus dem Vorwort vorweg (S. 8):" An Argumenten gegen den schillernden Karajan kam von der Intelligenz nicht sehr viel mehr und über die Jahre auch immer dasselbe: Glätte, technischer Perfektionismus, Ausdruckslosigkeit. Es blieb bei diesen Klischees, weil von der Gegenseite, wenn überhaupt etwas, dann mindestens genau so klischeehafte Sprachfiguren zu hören waren."

Wie er im Vorwort weiter schreibt, möchte er in dieses "desinteressierte Gegenüberstehen" ein wenig Bewegung zu bringen. Und neben dem Anspruch, auch eine Biographie zu sein, versucht er zu beleuchten, wie Karajan zu seiner Rolle im Musikleben über einen relativ langen Zeitraum kam. Er hat dabei den Anspruch an sich, qua Geburtsdatum die kritische Distanz zu wahren, die andere Biographen nach seiner Auffassung nicht hatten - überwiegend nicht haben konnten -, und erstmalig Karajan an seinen Interpretationen zu messen (stark von mir vereinfacht, keine Frage).

Nun bin ich weder ein großer Karajan-Verehrer, noch zähle ich mich zu den Leuten, die Karajan komplett ignorieren und sich nicht ein Stück für ihn und seine Aufnahmen interessieren (ich besitze mehr Aufnahmen mit ihm als mit anderen Dirigenten - einfach aufgrund der Tatsache, daß meine Sozialisation in Sachen klassischer Musik vielfach mit von Karajan dirigierten Werken erfolgte, soweit es sich nicht um die von meinem Vater besonders geliebten Opern handelte).

Alles in allem finde ich das Buch bisher zwar ganz interessant, ein Biographie im Sinne des Untertitels sehe ich darin eher nicht, biographische Details werden nur kurz beleuchtet. Die Lektüre kann sicher dabei helfen, manches an Karajans Technik zu erkennen oder/und zu verstehen. Uehling vergleicht über weite Strecken Karajans Interpretationsansatz mit dem anderer Dirigenten - insbesondere mit dem Furtwänglers und Toscaninis. Und hier liegt für mich persönlich die Schwierigkeit bei der Lektüre. Ich bringe zwar ein wenig Hörerfahrung und aus längst vergangener Schulzeit etwas theoretisches Rüstzeug mit. Aber es ist doch sehr viel Theorie, sicherlich kompetent dargelegt, aber ohne 1. die entsprechende Partitur/-ausschnitte und 2. die angesprochenen Aufnahmen bleibt so manches für mich doch sehr schwer nachvollziehbare Theorie. Und zumindest für den zweiten Punkt fehlt mir dann eine Kleinigkeit: ich kann damit leben, daß hier nicht versucht wurde, auch nur annähernd die von Uehling mehrfach genannten über 800 Aufnahmen Karajans aufzulisten oder gar in ihrer Verfügbarkeit aufzuführen. Aber zumindest bei den "Hauptwerken", denen er mehr Raum einräumt, hätte ich mir eine Auswahldiskographie der verglichenen Aufnahmen gewünscht, um das gesagte vielleicht doch etwas konkreter nachvollziehen zu können (natürlich, in seiner Danksagung hebt er ausdrücklich hervor, daß dieses Buch " nicht Material herbeischafft, sondern sich der Reflexion widmet "). Nicht alle seine Wertungen - so ich sie denn verstanden habe - sind ohne Widersprüche, und ganz ohne Klischees kommt er auch nicht aus.

Gruß
Wolfgang
Gamaheh (15.06.2007, 14:41):
Liebe Forenser,

gestern hatte ich mir einen Tag frei genommen, da ich viele Dinge erledigen wollte. Leider hatte ich am Abend vorher müßig begonnen, in der Autobiographie von Bruno Walter zu lesen und mich dermaßen daran festgelesen, daß ich gestern nach dem Aufwachen gleich weiterlesen mußte und gar nicht aufhörte, und so kam ich zu nichts, als dieses wunderbare Buch zu lesen.

Nachdem ich vor relativ kurzer Zeit (anläßlich eines ansonsten vergeßbaren Konzerts) für mich formuliert hatte, daß der Unterschied zwischen einem beliebigen Musiker und einem formidablen ist, daß erstere die Musik zu der ihren machen und man bei ihnen an einem lebendigen Prozeß der Nachschöpfung teilhat, während erstere die Musik wie eine fremde, im äußersten Falle tote, Materie spielen (wenn auch korrekt) und einem präsentieren, las ich bei Walter gleich im ersten Absatz des Vorwortes: „Und wenn auch durch den geheimnisvollen Akt der Einswerdung mit dem Werk, der das Kriterium nachschöpferischer Begabung ist, die Musik des andern jedesmal zu meinem eigenen Seelenbekenntnis geworden ist ...“ Da war ich natürlich sofort am Haken. Als ich dann etwas später auch noch erfuhr, daß er von E.T.A. Hoffmann „besessen“ war, konnte ich nur noch weiterlesen.

Walter (Jahrgang 1876) hatte mit siebzehn Jahren seine erste Anstellung an der Kölner Oper, kurz darauf am Hamburger Stadttheater bei Gustav Mahler, wo er Korrepetitor und Chorleiter war und kurz darauf zum Kapellmeister avancierte.

Das Buch ist in einem anmutigen Stil und mit Humor von einem uneitlen und selbstkritischen, kompromißlosen Musiker geschrieben, der viele Größen der Kunst seiner Zeit (nicht nur Musiker) gekannt hat und mit äußerstem Respekt von ihnen schreibt. Als besonders angenehm empfinde ich seine ideologiefreie Einstellung z.B. zu Wagner.

Man erfährt, daß er schon mit dreizehn Jahren beschloß, Dirigent zu werden, nachdem er ursprünglich Pianist hatte werden wollen. (Es gibt nach meiner Kenntnis nur Aufnahmen von ihm als Begleiter von Lotte Lehmann und Kathleen Ferrier, die aber sind Juwelen.) Im übrigen erfahren wir viel über die Theater- (Opern-)praxis seiner Zeit und ihren Wandel im Laufe der Jahrzehnte (er schrieb das Buch 1946). Erstaunlich war für mich z.B., daß die Oper Ende des 19. Jahrhunderts offenbar eine wesentlich weniger elitäre Institution war als heute und daß gerade das Hamburger Publikum (anscheinend aller Gesellschaftsschichten) sehr musikbegeistert war. Und soll es nicht wieder so werden?

Bruno Walter, Thema und Variationen. Frankfurt/Main: S.Fischer Verlag, 1960.

Grüße,
Gamaheh
nikolaus (08.07.2007, 23:10):
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9783855359813.jpg

Klappentext:
Paris: Ein Mann geht spazieren. Auf seinen Streifzügen durch Montparnasse begegnen ihm zwangsläufig Menschen mit Rollschuhen und mit Kopfhörern, aus denen "weltumspannende abscheuliche Musik dröhnt". Da hilft nicht einmal mehr das Schubertlied "Am Bach im Frühling", das der Gepeinigte vor sich hin summt. Er hebt ab in musikalische Parallelwelten, lässt die Gedanken schweifen und denkt an den einzigen Verbündeten in dieser Welt der Banausen: seinen Schweizer Freund Markus Berger, Beinahe-Pianist und Ingenieur mit einem feinen Verständnis für die großen kulturellen Dinge dieser Welt. Dazu gehört der einzigartige deutsche Bariton Hermann Prey, für dessen Musik der Erzähler in schwärmerische Ekstase verfällt und der dem einsamen Flaneur größten Trost bietet. Doch der verehrte Star ist auch schon nicht mehr von dieser Welt. Höhepunkte im Leben des so arg Gebeutelten sind die Treffen mit seinem Freund Berger zu Konzertbesuchen in New York, meistens jedoch in der Brasserie L´´Orfeo in Paris. Einziges Thema: die wahre Musik und die finsteren Mutmaßungen über ihr Verschwinden im Lärm der Welt - einer Welt, in der diese beiden letzten Heroen der kulturellen Erhabenheit keinen Platz mehr zu finden glauben... Ein Buch über die Musik und die Stille, über Freundschaft, Wut und Einsamkeit, gleichzeitig ein Buch der Trauer über den Verlust eines Freundes. Voller Witz und scharfsinniger Ironie mit einem augenzwinkernden Blick auf die Kulturpessimisten unserer Zeit. Ein amokartiger Monolog à la Thomas Bernhard vor der Kulisse Paris.

Der letzte Satz trifft sehr gut. Wenn ihr so etwas mögt, ist es sehr empfehlenswert!!
Ausserdem liegt eine kleine CD mit von H.Prey gesungen Liedern bei.

Gruß, Nikolausl.
Gamaheh (09.07.2007, 16:55):
Original von nikolaus
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9783855359813.jpg

... die großen kulturellen Dinge dieser Welt. Dazu gehört der einzigartige deutsche Bariton Hermann Prey, für dessen Musik der Erzähler in schwärmerische Ekstase verfällt und der dem einsamen Flaneur größten Trost bietet.

Vielen Dank für den Hinweis, Nikolaus. Als alter Fan von Hermann Prey muß ich das sicherlich lesen - schön, daß jemand sowas schreibt. Ist es denn auch gut geschrieben, so daß man es gerne liest?

Grüße,
Gamaheh
nikolaus (09.07.2007, 19:29):
Original von Gamaheh

Vielen Dank für den Hinweis, Nikolaus. Als alter Fan von Hermann Prey muß ich das sicherlich lesen - schön, daß jemand sowas schreibt. Ist es denn auch gut geschrieben, so daß man es gerne liest?

Grüße,
Gamaheh

Ich finde es in der Tat gut geschrieben (und auch gut übersetzt).
Du mußt aber wissen, daß es wirklich ein Monolog ist mit langen Sätzen, in denen er sich bisweilen scheinbar verliert (deshalb der passende Vergleich mit Thomas Bernhardt). Aber der rote Faden ist immer da. Man muß sich darauf einlassen und einfach mit"fliessen"...

:hello Nikolaus.
Gamaheh (12.07.2007, 15:53):
Original von nikolaus
Ich finde es in der Tat gut geschrieben (und auch gut übersetzt).
Du mußt aber wissen, daß es wirklich ein Monolog ist mit langen Sätzen, in denen er sich bisweilen scheinbar verliert (deshalb der passende Vergleich mit Thomas Bernhardt). Aber der rote Faden ist immer da. Man muß sich darauf einlassen und einfach mit"fliessen"...


Hallo Nikolaus,

welches ist denn die Originalsprache - Französisch? Thomas Bernhard mußten wir mal in der Schule lesen, daher kenne ich nichts von ihm; aber mit Cäsar bin ich auch fertig geworden, und dies klingt interessanter. Bei amazon.de habe ich einige sehr untereinander widersprüchliche Kommentare gefunden - sehr amüsant, also habe ich es in der Bücherhalle bestellt.

Grüße,
Gamaheh

Oh, P.S.: Das Gehirn-Buch hatte ich zwischendurch auch mal in Händen. Nach den ersten 30 Seiten oder so kam ich zu der Ansicht, daß ich nicht so im Detail über die Physiologie des Hörens bescheid zu wissen brauche, wenn sich daraus im Endeffekt nichts ableiten läßt. Ich habe also erstmal gegen Ende des Buches weitergelesen, und wenn ich nicht etwas Wichtiges übersehen habe, ist es wirklich so, daß die wissenschaftlichen Auslassungen in den ersten 80% des Buches keine Relevanz für das haben, worüber der Autor eigentlich schreiben möchte - da hat er dann im Endeffekt doch nur wieder "in sich hineingehorcht".
nikolaus (12.07.2007, 23:00):
Original von Gamaheh

Hallo Nikolaus,

welches ist denn die Originalsprache - Französisch?
Grüße,
Gamaheh

Oh, P.S.: Das Gehirn-Buch hatte ich zwischendurch auch mal in Händen. Nach den ersten 30 Seiten oder so kam ich zu der Ansicht, daß ich nicht so im Detail über die Physiologie des Hörens bescheid zu wissen brauche, wenn sich daraus im Endeffekt nichts ableiten läßt. Ich habe also erstmal gegen Ende des Buches weitergelesen, und wenn ich nicht etwas Wichtiges übersehen habe, ist es wirklich so, daß die wissenschaftlichen Auslassungen in den ersten 80% des Buches keine Relevanz für das haben, worüber der Autor eigentlich schreiben möchte - da hat er dann im Endeffekt doch nur wieder "in sich hineingehorcht".

Hallo Gamaheh!

Die Originalsprache ist tatsächlich französisch; der Originaltitel lautet
Récital. Une interprétation und ist erschienen in den Éditions du Rocher (2002); Übersetzung von Regine Herrmannsdörfer.
Vielleicht wäre dir Originalausgabe etwas für dich; du sprichst doch sicher Französisch, oder? :down

Zum Gehirn-Buch: ich glaube, du triffst da den Nagel auf den Kopf. Das wird wohl der Grund sein, daß es bei mir lange in der Versenkung verschwunden ist :ignore

Bonne nuit, Nicolas.
daniel5993 (20.07.2007, 20:10):
Joseph Haydn
Seine Kunst, Seine Zeit, Sein Ruhm

Heinrich Eduard Jacob

Christian Wegner Verlag Hamburg
daniel5993 (13.08.2007, 15:16):
Mozart Sein Leben und seine Zeit

http://ec1.images-amazon.com/images/I/519N8C7T8TL._AA240_.jpg

Brigitte Hamann

Sehr schönes Buch, mit vielen Bildern! Habs schon mal am anfang meiner Klassikzeit gelesen!
cellodil (14.08.2007, 23:16):
http://ec1.images-amazon.com/images/I/5159CNZ8RNL._SS500_.jpg
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Cbj (März 2003)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570127427
ISBN-13: 978-3570127421

Lieber Daniel,

kennst Du diese Mozart-Biografie? Die fand ich ziemlich witzig und unterhaltsam (ist allerdings eigentlich ein Jugendbuch)...

Grüße

Sabine
daniel5993 (15.08.2007, 13:45):
Original von cellodil
http://ec1.images-amazon.com/images/I/5159CNZ8RNL._SS500_.jpg
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Cbj (März 2003)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570127427
ISBN-13: 978-3570127421

Lieber Daniel,

kennst Du diese Mozart-Biografie? Die fand ich ziemlich witzig und unterhaltsam (ist allerdings eigentlich ein Jugendbuch)...

Grüße

Sabine


Hallo Sabine,

Nein, dieses Buch kenne ich noch nicht! Aber ich lese ja auch noch nicht lange! Zum Glück bin ich ja schon einmal auf den Geschmack gekommen und irgentwann werde ich dann bestimmt auch zu diesem Buch kommen.


Gruß
Daniel
:beer
cellodil (15.08.2007, 14:59):
Original von daniel5993
Nein, dieses Buch kenne ich noch nicht! Aber ich lese ja auch noch nicht lange! Zum Glück bin ich ja schon einmal auf den Geschmack gekommen


Lieber Daniel,

dann hast Du ja noch viel Spannendes und Schönes zu entdecken!

Herzliche Grüße

Sabine
Poztupimi (27.08.2007, 21:43):
Hallo zusammen,

nachdem ich keine Gelegenheit hatte, am WE meine Musik zu hören, habe ich wenigstens begonnen, in diesem Buch zu lesen:

http://ec1.images-amazon.com/images/I/41RZ2ET6WVL._AA240_.jpg

Hilmes, Oliver (2007): Herrin des Hügels. Das Leben der Cosima Wagner.- 493 S. m. zahlr. Abb.; Siedler Verlag (München).
ISBN 3-88680-836-X
ISBN 978-3-88680-836-6

Ich bin zwar erst etwa auf Seite 80, finde es aber bisher gut zu lesen und sehr interessant, und eins weiß ich gewiß:
bin ich froh, daß mein Vater nicht Franz Liszt ist :D

Grüße,
Wolfgang
nikolaus (27.08.2007, 22:35):
Hallo Wolfgang!

Gut, daß du mich auf diese Weise an diesen thread erinnnerst.

Ich habe vor ein paar Tagen dieses Buch beendet und wollte schon längst darüber berichtet haben:

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/9783827006936.jpg

Es ist zwar keine weltbewegende Literatur, aber es liesst sich sehr schön.
Echenoz beschreibt - rein fiktiv - die letzten Jahre Ravels (es ist keine Biographie!). Einerseits erzählt er den krankheitsbedingten Verfall Ravels sehr nüchtern, andererseit gelingt es ihm trotzdem irgendwie, den "Zeitgeist" einzufangen, so daß man doch recht mitgenommen ist. Ich glaube, das macht vor allem die Qualität des Buches aus.
Kurz: eine angenehme, aber nicht oberflächliche Lektüre für zwischendurch.

Nikolaus.
cellodil (06.09.2007, 22:29):
Als Bettlektüre...

http://ec1.images-amazon.com/images/I/41NNAFNE8WL._SS500_.jpg

... nachdem ich ihn kürzlich auf dem Podium mit dem IPO erleben durfte, ist die Neugier gewachsen....

Grüße

Sabine
Nordolf (12.09.2007, 17:11):
Original von Rachmaninov
Hallo,

derzeit lese ich die frisch eingetroffene Buch "Dimitri Schostakowitsch - Sein Leben, sein Werk, seine Zeit" Von Krzysztof Meyer.



Die ersten beiden Kapitel habe ich bereits verschlungen :leb



Hallo Rachmaninov,

aufgrund Deiner Empfehlung lese ich das Buch nun auch. Danke für diesen Tip!

Es ist sehr gut geschrieben, informativ und erhebt einen wissenschaftlichen Anspruch. Meyer spielt zudem seine Wertungen (die in jedem sich noch so "objektiv" gebendem Text vorhanden sind) nicht in den Vordergrund.

Eine spannende, aber in vielem sehr düstere Zeit, in der Schostakowitsch wirken musste (Revolution, Stalinismus, 2. Weltkrieg, Kalter Krieg). Seine Musik klingt wie der "Soundtrack" dazu...

Herzliche Grüsse!
Jörg
Rachmaninov (12.09.2007, 17:14):
@Jörg,

ja, sehe ich auch so, wobei mir eine noch intensivere Deutung und Beschreibung der Werke durchaus gefallen hätte!
ab (14.09.2007, 15:40):
Derzeit lese ich ein sehr anregendes Buch von
Jerrold Levinson: Music in the Moment

http://ec1.images-amazon.com/images/I/51SW0451E1L._BO2,204,203,200_PIsitb-dp-500-arrow,TopRight,45,-64_OU01_AA240_SH20_.jpg

What is required for a listener to understand a piece of music? Does aural understanding depend upon reflective awareness of musical architecture or large-scale musical structure? The author of this text thinks not. In contrast to what is commonly assumed, Levinson argues that basic understanding of music only requires properly-grounded, present-focused attention, and that virtually everything in the comprehension of extended pieces of music which suggests explicit architectonic awareness can be explained without positing a conscious grasp of relationships across broad spans. Levinson rejects the notion that keeping music's large-scale form before the mind is somehow essential to fundamental understanding of it. As evidence, he describes in detail the experience of listening to a wide range of music. He defends the views of 19th-century musician and psychologist Edmund Gurney, author of "The Power of Sound", who argued that musical comprehension requires only the attention to the evolution of music from moment to moment. Music theory standardly misapprehends the experience and mindset of most who know and love classical music, concludes Levinson. His book is intended as a defence of the passionate and attentive, though architectonically unconcerned, music listener.
Zelenka (14.09.2007, 16:02):
Original von ab
Derzeit lese ich ein sehr anregendes Buch von
Jerrold Levinson: Music in the Moment

What is required for a listener to understand a piece of music? Does aural understanding depend upon reflective awareness of musical architecture or large-scale musical structure? Jerrold Levinson thinks not. In contrast to what is commonly assumed, Levinson argues that basic understanding of music only requires properly grounded, present-focused attention, and that virtually everything in the comprehension of extended pieces of music that suggests explicit architectonic awareness can be explained without positing conscious grasp of relationships across broad spans.

Das würde ja vieles einfacher machen und das schlechte Gewissen besänftigen. Andererseits würde es offenbar auch nach Levinson nur zu einem "basic understanding" reichen ...

Gruß, Zelenka
cellodil (14.09.2007, 22:10):
Original von ab
Derzeit lese ich ein sehr anregendes Buch von
Jerrold Levinson: Music in the Moment

http://ec1.images-amazon.com/images/I/51SW0451E1L._BO2,204,203,200_PIsitb-dp-500-arrow,TopRight,45,-64_OU01_AA240_SH20_.jpg

What is required for a listener to understand a piece of music? Does aural understanding depend upon reflective awareness of musical architecture or large-scale musical structure? The author of this text thinks not. In contrast to what is commonly assumed, Levinson argues that basic understanding of music only requires properly-grounded, present-focused attention, and that virtually everything in the comprehension of extended pieces of music which suggests explicit architectonic awareness can be explained without positing a conscious grasp of relationships across broad spans. Levinson rejects the notion that keeping music's large-scale form before the mind is somehow essential to fundamental understanding of it. As evidence, he describes in detail the experience of listening to a wide range of music. He defends the views of 19th-century musician and psychologist Edmund Gurney, author of "The Power of Sound", who argued that musical comprehension requires only the attention to the evolution of music from moment to moment. Music theory standardly misapprehends the experience and mindset of most who know and love classical music, concludes Levinson. His book is intended as a defence of the passionate and attentive, though architectonically unconcerned, music listener.

Lieber ab,

das klingt ausgesprochen interessant und weckt meine Neugier. Ist das der Klappentext? Hält das Buch, was hier versprochen wird?

Herzliche Grüße

Sabine

P.S. Gerade fällt mir noch ein Zitat von Yehudi Menuhin ein, das ganz gut dazu passt: music speaks for itself. provided we give it a chance.
cellodil (14.09.2007, 22:13):
Original von Zelenka
Das würde ja vieles einfacher machen und das schlechte Gewissen besänftigen. Andererseits würde es offenbar auch nach Levinson nur zu einem "basic understanding" reichen ...


Was heißt da "nur"? Ein basic understanding ist doch ziemlich viel.

Grüße

Sabine
Zelenka (15.09.2007, 14:20):
Original von cellodil
Original von Zelenka
Das würde ja vieles einfacher machen und das schlechte Gewissen besänftigen. Andererseits würde es offenbar auch nach Levinson nur zu einem "basic understanding" reichen ...


Was heißt da "nur"? Ein basic understanding ist doch ziemlich viel.

Grüße

Sabine

"A little learning is a dangerous thing; ...", wie Alexander Pope weiland dichtete.

Gruß, Zelenka
Cosima (15.09.2007, 16:06):
Ich wandele derzeit auf Schumanns Pfaden und lese seit meiner Schulzeit zum ersten Mal wieder E.T.A. Hoffmann und seinen Kater Murr:

http://g-ec2.images-amazon.com/images/I/21R1CY5NR3L._AA180_.jpg

Sehr hübsch ist das. :tongue:

Gruß, Cosima
cellodil (16.09.2007, 01:19):
Original von Zelenka
Original von cellodil
Original von Zelenka
Das würde ja vieles einfacher machen und das schlechte Gewissen besänftigen. Andererseits würde es offenbar auch nach Levinson nur zu einem "basic understanding" reichen ...


Was heißt da "nur"? Ein basic understanding ist doch ziemlich viel.

Grüße

Sabine

"A little learning is a dangerous thing; ...", wie Alexander Pope weiland dichtete.

Gruß, Zelenka

... zwischen little und basic liegt aber doch ein gewisser Unterschied, denke ich.

Herzliche Grüße

Sabine
Zelenka (16.09.2007, 08:51):
Original von cellodil
Original von Zelenka
Original von cellodil
Original von Zelenka
Das würde ja vieles einfacher machen und das schlechte Gewissen besänftigen. Andererseits würde es offenbar auch nach Levinson nur zu einem "basic understanding" reichen ...


Was heißt da "nur"? Ein basic understanding ist doch ziemlich viel.

Grüße

Sabine

"A little learning is a dangerous thing; ...", wie Alexander Pope weiland dichtete.

Gruß, Zelenka

... zwischen little und basic liegt aber doch ein gewisser Unterschied, denke ich.

Herzliche Grüße

Sabine

Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Am besten wäre es wohl, wenn wir Levinson lesen würden und dann genauer wüßten, was er eigentlich meint.

Gruß, Zelenka
cellodil (16.09.2007, 10:32):
Lieber Zelenka,

gute Idee.

Herzliche Grüße

Sabine
ab (16.09.2007, 20:14):
Original von Zelenka
Das würde ja vieles einfacher machen und das schlechte Gewissen besänftigen. Andererseits würde es offenbar auch nach Levinson nur zu einem "basic understanding" reichen ...


Man muss sich hier schon genau ansehen, was mit "Musik" gemeint ist. Hier geht es um aural experience, also um das, was raumklanglich uns durch die Ohren zugänglich ist. Eine Verständis daraus ist etwas völlig anderes als das, was wir durch ein Studieren eines Notentextes erlangen können. Es ist eigentlich ein Beitrag zur Wahrnehmungsästhetik beim Hören von Musik.

Daher meine ich, dass die Grundthese dieses Buches keinensfalls dazu herangezogen werden könnte, ein angesprochenes "schlechtes Gewissen" zu besänftigen.
ab (16.09.2007, 20:26):
Original von cellodil

Jerrold Levinson: Music in the Moment

http://ec1.images-amazon.com/images/I/51SW0451E1L._BO2,204,203,200_PIsitb-dp-500-arrow,TopRight,45,-64_OU01_AA240_SH20_.jpg


das klingt ausgesprochen interessant und weckt meine Neugier. Hält das Buch, was hier versprochen wird?


Liebe Sabine,

es handelt sich hier um ein Buch zur Philosophy of Music, einem recht jungen Bereich der s.g. Analytischen Philosophie, der sich - so gut wie ausschließlich im englischsprachigem Raum - seit den 1970ern entwickelt hat und nun quasi als eigenständiger Bereich der Ästhetik angesehen werden kann (so wie etwa die Philosophie der Literatur schon seit längerem ). Es ist ein ausgesprochenes Fachbuch und ohne einschägige Fachkenntnisse wird sich wohl der Punkt etlicher Argumente nur schwer erschließen.

Mir kommt dieses Buch sehr gelegen, weil ich etliche Grundintuitionen des Autors unbedingt teile. Ich habe allerdings ein anders akzentuiertes Interesse und in manchen Punkten habe ich Ansichten, die sich sogar noch weiter vom Mainstream entfernen.
:cool
ab (17.09.2007, 10:23):
Original von cellodil

... zwischen little und basic liegt aber doch ein gewisser Unterschied, denke ich.


Levinson unterscheidet zwischen "basic understanding"

When irrespective of any architectonic awareness that may be present a piece of music coheres for a listener from moment to moment and is followed absorbedly and responsively as it unfolds, we can say that the listener has come to know the piece, to basically understand it, by ear. (24f)

im Gegensatz zu zu einen Verständins von "large-scale relations"

Formal awareness of large-scale relations may be required for understanding how a piece is constructed, and perhaps why it is effective as music, but that is different from understanding the piece itself – that is, achieving basic musical understanding of it (27f).
cellodil (17.09.2007, 10:29):
Lieber ab,

ich bekomme immer mehr Lust dieses Buch zu lesen. Ist Levinson ein Brite oder ein Amerikaner oder...?

Hoffe, dass ich hier bald mal wieder Zeit habe, um ein bisschen über meinen Tellerrand hinauszusehen. Werde mir das Buch auf jeden Fall bestellen.

Herzliche Grüße

Sabine
ab (17.09.2007, 11:21):
Original von cellodil
Lieber ab,

ich bekomme immer mehr Lust dieses Buch zu lesen. Ist Levinson ein Brite oder ein Amerikaner oder...?

Hoffe, dass ich hier bald mal wieder Zeit habe, um ein bisschen über meinen Tellerrand hinauszusehen. Werde mir das Buch auf jeden Fall bestellen.

Liebe Sabine,

Jerrold Levinson ist Professor an der University of Maryland. Das Buch von 1997 ist übrigens vergriffen und wird gerade als Book on demand aufgelegt - wenn ich recht informiert bin.

Aber:
Als Einstieg in die Materie würde ich Dir viel mehr ein anderes Buch von einem der führenden Musikphilosophen nahe legen wollen:

Introduction to a Philosophy of Music (Taschenbuch)
von Peter Kivy, Oxford University Press , ISBN 0198250487

http://ec1.images-amazon.com/images/I/41LJFfLYhJL._BO2,204,203,200_PIsitb-dp-500-arrow,TopRight,45,-64_OU03_AA240_SH20_.jpg

Kivy ist Professor an der Rutgers University in New Jersey, USA. Sein Buch The Cordes Shell von 1980 - überarbeitet und erweitert 1989 zu Sound Sentiment) - wird gerne als der Inizialzünder angesehen, dass es heute die Philosophy of Music als eigenständigen Bereich der Ästhetik, im Sinne der Analytischen Phiosophie betrieben, gibt.

Zahlreiche Musikphilosophen der USA, so wurde mir gesagt, halten auf Kongressen gerne Jazz-Jammings ab.
cellodil (17.09.2007, 22:07):
Lieber ab,

der Levinson ist im Moment wirklich nur antiquarisch zu bekommen. Vielleicht starte ich dann wirklich mit Deiner Empfehlung:

Introduction to a Philosophy of Music (Taschenbuch)
von Peter Kivy, Oxford University Press , ISBN 0198250487

:thanks und herzliche Grüße

Sabine
daniel5993 (20.09.2007, 11:55):
Am Stück durchgelesen
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/3992128.jpg

Allerdings für 10 Euro ist diese Reihe recht teuer!
daniel5993 (27.09.2007, 12:04):
http://ec1.images-amazon.com/images/I/71D2XK3CFJL._SS500_.gif
Rachmaninov (11.10.2007, 20:03):
Naja, so richtig "lesen" im eigentlichen Sinne ist das nicht: :D

Komponist

Schostakowitsch, Dmitri
Titel

SINFONIE NR. 11 'DAS JAHR 1905'
Taschenpartitur
cellodil (01.11.2007, 07:23):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41P7DY5QARL._SS500_.jpg

... unlängst gelesen. Eine großartig erzählte, wunderschöne Geschichte (nicht nur) über die Magie der Musik, die ich nur allerwärmstens empfehlen kann.


http://ecx.images-amazon.com/images/I/51mFKs6hEUL._SS500_.jpg

... liest sich spannend, bin dennoch, wegen zu häufiger und langer Unterbrechungen bisher noch nicht richtig in Lesefluss gekommen.

Grüße

Sabine
daniel5993 (09.11.2007, 07:43):
http://www.dra.de/online/hinweisdienste/musik/2000/bilder/bach.jpg

Die Musikerfamilie Bach - Leben und Wirken in drei Jahrhunderten
cellodil (09.11.2007, 08:13):
Original von daniel5993
http://www.dra.de/online/hinweisdienste/musik/2000/bilder/bach.jpg

Die Musikerfamilie Bach - Leben und Wirken in drei Jahrhunderten

Ähem... lieber Daniel,

ich glaube, zumindest ein paar Angaben zu dem Titel wären nicht schlecht (wir hatten es ja neulich auch mal von Quellenangaben), zum Beispiel:

Autor (oder Herausgeber)?
Verlag?
Erscheinungsjahr?

Liebe Grüße

Sabine
daniel5993 (09.11.2007, 08:22):
Guten Morgen Sabine!

Manchmal kommt bei mir der Faulpelz durch!
Noch einmal ganz von vorn:

http://www.dra.de/online/hinweisdienste/musik/2000/bilder/bach.jpg

Die Musikerfamilie Bach - Leben und Wirken in drei Jahrhunderten

Autor: Karl Geiringer
Verlag: C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München
Ausgabe: von 1958
Seiten: 571
Es gibt leider kein Cover im Internet

Es ist ein dickes Buch, an dem ich wohl länger zu knabbern habe!
Hoffentlich werd ich auch satt :wink

Gruß
Daniel
cellodil (09.11.2007, 08:37):
Lieber Daniel,

:thanks für die Angaben.

Original von daniel5993
Manchmal kommt bei mir der Faulpelz durch!

Ich denke mal, damit bist Du nicht alleine. Und: Die meisten Kritiker der Elche waren früher ja bekanntermaßen selber welche....

Original von daniel5993
Es gibt leider kein Cover im Internet

Das braucht es ja auch nicht, wenn Du (zumindest) angibst, wer der Autor ist. Das Erscheinungsjahr finde ich auch immer ganz interessant (ist aber manchmal auch nicht zu ermitteln).

Original von daniel5993
Es ist ein dickes Buch, an dem ich wohl länger zu knabbern habe!

Aber hoffentlich mit Freude!

Manche dieser Werke (und dieses Buch kenne ich persönlich nicht) sind ja auch zäh zu lesen. Da würde ich mich dann lieber nach Alternativen umsehen, bevor ich mich über viele hundert Seiten durchquäle.

Original von daniel5993
Hoffentlich werd ich auch satt :wink

Hoffentlich nicht! Sonst wäre das ja das Ende der Entdeckerfreude!

Herzliche Grüße

Sabine
daniel5993 (13.11.2007, 18:05):
Original von cellodil
Lieber Daniel,

:thanks für die Angaben.

Original von daniel5993
Manchmal kommt bei mir der Faulpelz durch!

Ich denke mal, damit bist Du nicht alleine. Und: Die meisten Kritiker der Elche waren früher ja bekanntermaßen selber welche....

Original von daniel5993
Es gibt leider kein Cover im Internet

Das braucht es ja auch nicht, wenn Du (zumindest) angibst, wer der Autor ist. Das Erscheinungsjahr finde ich auch immer ganz interessant (ist aber manchmal auch nicht zu ermitteln).

Original von daniel5993
Es ist ein dickes Buch, an dem ich wohl länger zu knabbern habe!

Aber hoffentlich mit Freude!

Manche dieser Werke (und dieses Buch kenne ich persönlich nicht) sind ja auch zäh zu lesen. Da würde ich mich dann lieber nach Alternativen umsehen, bevor ich mich über viele hundert Seiten durchquäle.

Original von daniel5993
Hoffentlich werd ich auch satt :wink

Hoffentlich nicht! Sonst wäre das ja das Ende der Entdeckerfreude!

Herzliche Grüße

Sabine

Hallo Sabine!

Die ersten 100 Seiten sind vorbei und ich bin an dieses Buch gefesselt!
Es werde auch die Kompositionen, Lebensumstände, die Geschichte aller Bachs erzählt, auch die, die weit vor Johann Sebastian Bach gelebt haben!
Ein Bach nach dem anderen wird vorgestellt. Auch vor Johann Sebastian, waren die Bachs musikalisch begabt und musikalisch Tätig. Eine wirkliche Familientradition.

Oh und satt werd ich doch auf eine Positive Weise! Der Mensch muss ja auch immer wieder Satt werden und ist letztendlich doch nicht Satt! Wir müssen immer wieder essen und so mein ich das, das ein Buch mich zufriedenstellen, satt machen muss. Immer und immer wieder. Ich muss spühren, das ich mich mit Wissen fülle!

Meine Entdeckerfreude ist voll und tief verankert und sie wird nicht Ruhe geben, bis ich alles weiß und ausgelernt habe :wink Der Hunger nach "Wissen" ist ein angenehmer Hunger!

Gruß
Daniel
:hello
cellodil (14.11.2007, 07:52):
Lieber Daniel,

das klingt doch alles sehr erfreulich. Das Buch scheint Dir ja richtig Spaß zu machen.

Mit dem "alles wissen" wollen, das würde ich mir aber an Deiner Stelle noch einmal gut überlegen. Denk' nur an den Herrn Faust und dessen Eingangsmonolg... Falls also demnächst ein Herr Mephisto bei Dir ins Studierstübchen tritt: Schick' ihn einfach wieder weg...

Herzliche Grüße

Sabine
daniel5993 (14.11.2007, 13:29):
OK :wink


Daniel
:hello
cellodil (18.11.2007, 13:18):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41qyDcYbjhL._SS500_.jpg
(1. Auflage, 2007)

... harrt neben dem Bett entspannteren Zeiten mit weniger Pflichtlektüre, scheint aber, laut demjenigen, der mir das Buch geschenkt hat, gut geschrieben, erhellend und spannend zu sein...

Grüße

Sabine
Gamaheh (19.11.2007, 00:09):
Original von nikolaus
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9783855359813.jpg

Lieber Nikolaus,

nun habe ich dieses Buch endlich in die Finger bekommen und heute abend gelesen.

Beim Lesen der ersten Seiten dachte ich: Das kann er doch nicht ernst meinen! Ein bildungsbürgerlicher, elitärer Kulturpessimist; zugegeben, manchmal habe ich ja auch solche Gedanken, aber ich würde mich scheuen, sie zu äußern, geschweige denn, sie in einem Buch der ahnungslosen Öffentlichkeit zuzumuten. Dieser Verdacht ließ mich lange nicht los, obwohl er zunehmend ins Schwanken geriet.

Des Autors Bewunderung für Hermann Prey habe ich immer geteilt, und auch ich erinnere mich, wie ich von seinem Tod erfuhr: Es war das erste, was ich in den Nachrichten hörte (die Fußballweltmeisterschaft habe ich nicht einmal wahrgenommen, soweit ich mich erinnere), als ich ziemlich krank von einem Italien-Urlaub zurückkam (und meine Reaktion war ähnlich).

Nun gut. (Oder: „Kurzum.“) Der Ich-Erzähler hat diesen romanhaft idealisierten Freund („mein Freund Markus Berger“, der zum Zeitpunkt der Erzählung kürzlich verstorben ist), der regelmäßig entweder bei Champagner und Austern oder bei Bordeaux und Spaghetti Carbonara seine kulturtheoretischen Erkenntnisse in Aphorismen von sich gibt und dessen Autorität der Erzähler ergeben ist („ipse dixit“), nachdem sie völlig indifferente Opern- oder Konzertdarbietungen gehört hatten. Eine Kostprobe: „Seit Mozart geht es der abendländischen Melodik (die einzige natürlich, die uns interessiert, sagte Markus Berger) um die Interpretation von Dichtung (hauptsächlich der deutschen, der poetisch-musikalisch schönsten Sprache).“ (S. 44) Eine weitere: „ Sprache, die schönste, die es je gab ...“ (S. 131)

Der Erzähler selbst reicht aber in seiner Praxis nicht an seine hehren Ideale heran: Auch wenn er Diskothekenmusik (stets kursiv gedruckt), Deppen-Musik verachtet, so hört er „ziemlich oft zerstreut und also auf verachtenswerte Weise Bach, Beethoven und Mozart“, während er Kriminalromane liest., verrät also die Musik durch die Literatur. Er liebt sogar Unterhaltungsmusik und hält Hermann Prey für den „größten Crooner des 20. Jahrhunderts“. Ich war mir bis zum Schluß nicht ganz sicher, ob er sich nicht über Hermann Prey belustigt. (Ich stelle ein Zitat in den Hermann-Prey-Faden.)

Das Buch ist, wie sich herausstellt, durchaus selbstironisch. Der Ich-Erzähler vertritt nicht notwendig die Meinung des Autors (der Kulturwissenschaftler ist, nicht Feuilletonist), nicht einmal seine eigene. Es handelt sich nicht um ein Sachbuch oder einen Essay, sondern um einen „romanhaften Bericht“ (was immer das ist). Es vermischt Einstellungen, wirft sie bunt durcheinander, stellt dar. Während der unerträgliche Lärm der Großstadt um ihn herum die Stille zerstört, lauter wahnsinnige Vertreter der modernen Unreife völlig orientierungslos „Spinner auf Rollschuhen“, Handy am Ohr, Knopf im Ohr, „aus denen in einer Lautstärke für Stocktaube die weltumspannende abscheuliche Musik dröhnte, zu der uns die Technik verdammt, wie mein Freund Markus Berger zu sagen pflegte“ (der Ingenieur ist und selbst Lautsprecher entwickelt hat), hüpft er auf seinen federnden Schuhen durch den Verkehr, lauthals „O du mein holder Abendstern“ singend, dabei versuchend, den Ton auf dem letzen „wer-den“ genauso lange zu halten wie Prey.

Noch-einmal-lesenswert.

Grüße,
Gamaheh
nikolaus (20.11.2007, 21:47):
Liebe Gamaheh!

Vielen Dank für Deinen Bericht!
So gut wie Du interpretieren und dazu noch schön ausdrücken kann ich es leider nicht (ich war in der Schule in Deutsch leider keine Leucht...).

Viele Grüsse, Nikolaus.
cellodil (18.12.2007, 07:33):
Mir unlängst ins Haus geflattert:

http://media.libri.de/shop/coverscans/657/6570306_6570306_xl.jpg

Misha Aster
»Das Reichsorchester«
Die Berliner Philharmoniker und der Nationalsozialismus
400 Seiten mit Abb.
ISBN: 978-3-88680-876-2
€ 21,95 | € 22,60 | SFr 38,90 (UVP)

... mal sehen, ob die Lektüre irgend etwas Neues bringt...

Liebe Grüße

Sabine
cellodil (18.12.2007, 07:34):
uuups kann es sein, dass das N-Wort des Aster-Titels gesperrt ist???
nikolaus (18.12.2007, 23:50):
Gerade mittendrin:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51DvmhAZHdL._SS500_.jpg

Klappentext:
Eine alte Kirche in Reykjavik, ein weltberühmter Dirigent, der sein letztes Konzert vor 52 zufällig ausgewählten Isländern gibt, und ein junger Mann, der alles bis hin zu seinem Leben einsetzt, um bei diesem Konzert dabei sein zu können.

Mit der Klarheit, wie sie die Natur Islands spiegelt, entwirft Nicola Lecca seine Vision vom freien verwegenen Menschen gegen eine alles regelnde, alles verwaltende und absichernde Welt.

Ich werde berichten...

Nikolaus.
cellodil (19.12.2007, 07:58):
Lieber Nikolaus,

das klingt nach nettem weihnachtlichem Schmöker... Aber ich werde mich Weihnachten wahrscheinlich doch eher mal wieder (off-topic) mit den Wahlverwandtschaften vergnügen. Habe mir extra die neueste Kritische Ausgabe besorgt, weil meine alten Exemplare komplett vermalt sind...

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (19.12.2007, 08:02):
Original von cellodil
Mir unlängst ins Haus geflattert:

http://media.libri.de/shop/coverscans/657/6570306_6570306_xl.jpg

Misha Aster
»Das Reichsorchester«
Die Berliner Philharmoniker und der
400 Seiten mit Abb.
ISBN: 978-3-88680-876-2
€ 21,95 | € 22,60 | SFr 38,90 (UVP)

... mal sehen, ob die Lektüre irgend etwas Neues bringt...

Liebe Grüße

Sabine

Inzwischen gelesen und nicht wirklich überzeugt...

"Das Reichsorchester" ist eine historische Studie, die die verschiedenen Aspekte des Zusammenspiels zwischen dem Orchester und der NS-Führung (von Antisemitismus, über Gastspielreisen, Auftritte bei NS-Veranstaltungen, bis hin zum Repertoire) untersucht.

Asters Buch wartet mit vielen Details aus Archivrecherchen auf und versucht, das Phänomen in seinen verschiedenen Facetten und in seiner Gesamtheit zu untersuchen. Dabei fallen zwar viele Namen, die mit diesen Namen verbundenen Persönlichkeiten scheinen jedoch fast nie als lebendige Charaktere, sondern zumeist als Funktionsträger auf. Selbst der prominente Fall Furtwängler, der durchaus dramatisches Potential hat (und filmisch zuletzt im Jahr 2002 von István Szabó mit dem Film "Taking Sides - Der Fall Furtwängler" adaptiert worden ist) spielt in Asters Text eine eher randständige Rolle.

Aster bemüht sich um eine möglichst sachliche und möglichst neutrale Darstellung des Geschehens.

Das ist wissenschaftlich sicherlich korrekt, liest sich insgesamt - auch wegen Asters Neigung zu Redundanz - eher zäh und langweilig.

Nicht viel Neues und nicht sonderlich spannend zu lesen...

Ein Buch, auf das ich hätte gut verzichten können.

Liebe Grüße

Sabine
Gamaheh (19.12.2007, 10:16):
Original von nikolaus
Mit der Klarheit, wie sie die Natur Islands spiegelt, entwirft Nicola Lecca seine Vision vom freien verwegenen Menschen gegen eine alles regelnde, alles verwaltende und absichernde Welt.

Ich werde berichten...

Nikolaus.

Lieber Nikolaus,

ich bitte darum - das klingt interessant. (Hauptsache, es ist gut geschrieben.)

Grüße,
Gamaheh
nikolaus (21.12.2007, 17:19):
Original von Gamaheh
Original von nikolaus
Mit der Klarheit, wie sie die Natur Islands spiegelt, entwirft Nicola Lecca seine Vision vom freien verwegenen Menschen gegen eine alles regelnde, alles verwaltende und absichernde Welt.

Ich werde berichten...

Nikolaus.

Lieber Nikolaus,

ich bitte darum - das klingt interessant. (Hauptsache, es ist gut geschrieben.)

Grüße,
Gamaheh

Ich fürchte, ich muss Dich etwas vertrösten.
Ich habe es zwar heute fertig gelesen, aber das Ende hat mich einigermassen ratlos gelassen (eine Form von offenem Ende, die ich nicht mag). Ich will es daher über die Feiertage nochmal lesen.

Wenigstens das kann ich sagen: das Konzept/die Idee ist sehr gut, die Umsetzung gefällt mir nicht durchgängig (es wird betont, dass die Personen reine Fiktion sind, aber andererseits werden Namen wie Krystian Zimerman... erwähnt). Die Sprache ist eher einfach (will sagen nicht raffiniert oder aussergewöhnlich).

Mehr nach dem zweiten Mal...

Gruß, Nikolaus.
Gamaheh (21.12.2007, 22:38):
Original von nikolaus
Ich fürchte, ich muss Dich etwas vertrösten.
Ich habe es zwar heute fertig gelesen, aber das Ende hat mich einigermassen ratlos gelassen (eine Form von offenem Ende, die ich nicht mag). Ich will es daher über die Feiertage nochmal lesen.

Wenigstens das kann ich sagen: das Konzept/die Idee ist sehr gut, die Umsetzung gefällt mir nicht durchgängig (es wird betont, dass die Personen reine Fiktion sind, aber andererseits werden Namen wie Krystian Zimerman... erwähnt). Die Sprache ist eher einfach (will sagen nicht raffiniert oder aussergewöhnlich).

Mehr nach dem zweiten Mal...


Lieber Nikolaus,

herzlichen Dank für Deine Einschätzung! Aber wenn es um einen "freien verwegenen Menschen gegen eine alles regelnde, alles verwaltende und absichernde Welt" geht, ist es dann nicht konsequent, wenn das Ende offen bleibt? Einfache Sprache, wie Du sie meinst, klingt auch sympathisch, das ist mir immer noch die liebste.

Ich werde mal sehen, ob ich es in der Bücherhalle bekommen kann.

Grüße,
Gamaheh
nikolaus (02.01.2008, 22:26):
Original von Gamaheh

Lieber Nikolaus,

herzlichen Dank für Deine Einschätzung! Aber wenn es um einen "freien verwegenen Menschen gegen eine alles regelnde, alles verwaltende und absichernde Welt" geht, ist es dann nicht konsequent, wenn das Ende offen bleibt? Einfache Sprache, wie Du sie meinst, klingt auch sympathisch, das ist mir immer noch die liebste.

Ich werde mal sehen, ob ich es in der Bücherhalle bekommen kann.

Grüße,
Gamaheh

Hallo Gamaheh (ein gutes neues Jahr!!)!

Leider habe ich Deinen Einwand erst heute gelesen.
Ein offenes Ende finde ich in diesem Fall nicht unbedingt konsequent. Der Roman hat mehrere Erzählstränge, die natürlich miteinander verknüpft sind; aber ich hatte das Gefühl, dass sie alle am Ende irgendwie "ausfransen" und mich ratlos zurücklassen. Mehr will ich eigentlich nicht dazu sagen, um nicht vorzugreifen, falls Du das Buch noch lesen willst.
(Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich es Weihnachten doch nicht ein zweites Mal gelesen habe... :ignore)
Ich wäre Dir aber überaus dankbar, wenn Du mir Deine Meinung über den Roman mitteilen würdest, falls Du ihn tatsächlich liest. :thanks

Herzliche Grüße,

Nikolaus.

P.S.: BTW, ich lese gerade, inspiriert durch den Film "The Hours", der Weihnachten zu späten Stunden lief:

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/9783442735372.jpg

Den Film hatte ich seinerzeit im Kino gesehen, er hat mir damals wie jetzt sehr gut gefallen. Er folgt dem Roman sehr eng.
Ich erwähne ihn hier, weil er über die Filmmusik von Philip Glass auch hierher passt :D
Gamaheh (04.01.2008, 16:21):
Original von nikolaus
Ich wäre Dir aber überaus dankbar, wenn Du mir Deine Meinung über den Roman mitteilen würdest, falls Du ihn tatsächlich liest. :thanks


Lieber Nikolaus,

Dir auch ein gutes Neues Jahr (noch darf man das ja wohl?)!

Das Buch ist bis Ende des Monats ausgeliehen, ich habe schon versucht, es zu bekommen und war ganz stolz, daß mir der Name des Autors so weit einfiel, daß ich es suchen konnte; sobald ich es bekommen kann, werde ich es sicher lesen.

Beste Grüße,
Gamaheh
cellodil (05.01.2008, 12:11):
Gerade gelesen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41j%2BZ6MX06L._SS500_.jpg
Gebundene Ausgabe: 318 Seiten
Verlag: Luchterhand Literaturverlag HC (August 2007)
ISBN-10: 3630872638
ISBN-13: 978-3630872636

In Zürich treffen sich - 18 Jahre nach ihrer Trennung - der Pianist Johannes und die Ausstellungskuratorin und Kunstprofessorin Judith zufällig wieder. Johannes bereitet sich auf einen Abend mit Mozart-Sonaten in der Tonhalle vor. Judith beschäftigt sich mit ihren Assistenten mit der Hängung der Bilder für eine Ausstellung im Kunsthaus. Jeder gibt dem anderen Impulse und Inspiration für dessen jeweilige Arbeit und die beiden werden wieder ein Liebespaar.

Im Vergleich mit anderen Texten dieses von mir doch sehr geschätzten Autors, fand ich diesen Roman etwas halbgar und insgesamt doch recht fade und spannungsarm. Die Grenzgängerei zwischen Musik und Bildender Kunst ist zwar ganz interessant, aber so wie es hier abgehandelt wird, letztlich doch auch etwas banal und nicht dazu in der Lage, mehr als 300 lauwarme Romanseiten aufzuwiegen.

Kein Buch, das ich empfehlen würde.

Liebe Grüße

Sabine
Mime (07.01.2008, 11:02):
Ich befasse mich mit Heines "Buch der Lieder", aus welchem auch der Text des Schumann-Zyklus "Dichterliebe" stammt.

:hello
HenningKolf (08.01.2008, 00:42):
Während meines Kurzurlaubs bzw. der langen Reise habe ich unter anderem dieses Buch gelesen



http://ecx.images-amazon.com/images/I/41K3CD88JZL._SS500_.jpg


Den Film hatte ich schon gesehen; obwohl der Film wirklich gut ist, hat mich das Buch noch mehr berührt. Welch unglaublicher Überlebenswille! Es gibt ein Foto des Autors aus dem Jahre 1946 in dem Buch: ein Gesicht, das nicht etwa von Schmerz und Entbehrung gekennzeichnet ist, sondern ausgeprägte Lachfältchen zeigt und pure Lebenslust ausdrückt. Wahnsinn!
cellodil (08.01.2008, 22:21):
Lieber Henning,

Mein wunderbares Überleben ist wirklich ein großartiges Buch. Mir ging es übrigens genauso, dass mich das Buch fast noch stärker und tiefer berührt hat als der Film.

Herzliche Grüße

Sabine
Poztupimi (09.01.2008, 22:11):
Ich lese zur Zeit dieses Weihnachtsgeschenk:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41L-Y5IMzML._SS500_.jpg

Geschichte einer Stradivari
von Chaudière, Frédéric;
Aus d. Französ. v. Sonja Finck, Salto Bd.147, 140 S.;
2007 (Wagenbach ).

Der Autor ist Geigenbauer, der auf der Grundlage von Fakten, seiner Kenntnisse vom Geigenbau, Artikeln etc. die Geschichte der Gibson ex Huberman-Stradivari, die im Jahr 1936 Bronislaw Huberman gestohlen wurde und die sich jetzt im Besitz von Joshua Bell befindet (soweit ich weiß).

Ganz nett, vieles sicher sehr kenntnisreich - gehen wir mal von einem Druckfehler und nicht von einem der Übersetzerin oder des Autors aus, wenn Heifetz ein Konzert mit einer Parfita (sic!) von Bach beendet -, ob es aber große Literatur ist, mögen andere urteilen. In jedem Fall weckt es bei mir den Wunsch, doch mal ein wenig mehr über die Geschichte des Streichinstrumentenbaus zu lesen. Vorschläge dazu?

Viele Grüße,
Wolfgang
nikolaus (09.01.2008, 22:35):
Original von Poztupimi
Ich lese zur Zeit dieses Weihnachtsgeschenk:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41L-Y5IMzML._SS500_.jpg

Geschichte einer Stradivari
von Chaudière, Frédéric;
Aus d. Französ. v. Sonja Finck, Salto Bd.147, 140 S.;
2007 (Wagenbach ).

Der Autor ist Geigenbauer, der auf der Grundlage von Fakten, seiner Kenntnisse vom Geigenbau, Artikeln etc. die Geschichte der Gibson ex Huberman-Stradivari, die im Jahr 1936 Bronislaw Huberman gestohlen wurde und die sich jetzt im Besitz von Joshua Bell befindet (soweit ich weiß).

Ganz nett, vieles sicher sehr kenntnisreich - gehen wir mal von einem Druckfehler und nicht von einem der Übersetzerin oder des Autors aus, wenn Heifetz ein Konzert mit einer Parfita (sic!) von Bach beendet -, ob es aber große Literatur ist, mögen andere urteilen. In jedem Fall weckt es bei mir den Wunsch, doch mal ein wenig mehr über die Geschichte des Streichinstrumentenbaus zu lesen. Vorschläge dazu?

Viele Grüße,
Wolfgang

So ein Zufall, selbiges hatte ich am Wochenende im Laden in der Hand, habe es dann aber nicht gekauft. Es erschien mir beim Querlesen etwas trocken. Stimmt mein Eindruck?

Leider kann ich dir keine Vorschläge zur von dir gewünschten Literatur machen.

Trotzdem herzliche Grüße, Nikolaus.
Poztupimi (09.01.2008, 23:03):
Hallo Nikolaus,

Original von nikolaus


So ein Zufall, selbiges hatte ich am Wochenende im Laden in der Hand, habe es dann aber nicht gekauft. Es erschien mir beim Querlesen etwas trocken. Stimmt mein Eindruck?

Leider kann ich dir keine Vorschläge zur von dir gewünschten Literatur machen.

Trotzdem herzliche Grüße, Nikolaus.

Wie gesagt, kenntnisreich, aber trocken trifft es schon, es fehlt so etwas der Pfiff. Keine Dokumentation oder Sachbuch, aber auch nicht wirklich eine spannende Erzählung. Nicht Fisch nciht Fleisch, wenn man das so sagen kann.

Viele Grüße,
Wolfgang
Little_Swan (11.01.2008, 16:00):
»Wolf Wondratschek verlässt die ausgetretenen Pfade der Erzählkunst und bringt ein Cello wunderbar zum Klingen. Seine Erzählung ist ein Liebesschwur: für die Kunst.« Fritz J. Raddatz in der ›Zeit‹

Das 1711 von Antonio Stradivari gebaute Instrument ist mehrmals um die Welt gereist. Es hat für Könige und Bürger gespielt, in Kathedralen und Schlössern. Virtuosen und Banker haben sich seiner angenommen und seinen Wert gesteigert. In der Nacht vom 10. auf den 11. Juli 1963 wäre es in Südamerika, im Mündungsgebiet des Rio de la Plata, fast ums Leben gekommen. Es hat dreihundert Jahre auf dem Buckel – und klingt wie am ersten Tag.

Pressestimmen

»Eine Erzählung, die auf knapp 200 Seiten vieles vereint; sie ist Etüde, historischer Bericht, Liebeserklärung an die Kunst und Selbstzeugnis. Das Verfahren ist so einfach wie raffiniert: Wondratscheks ›Held‹ ist ein Gegenstand, das Stradivari-Cello ›The Mara‹ ... Wolf Wondratschek verlässt die ausgetretenen Pfade der Erzählkunst und bringt ein Cello wunderbar zum Klingen. Seine Erzählung ist ein Liebesschwur: für die Kunst.« Fritz J. Raddatz in der ›Zeit‹

»Diese Erzählung ist weich, warm und geduldig wie ein perfekter Liebhaber.« Rose-Maria Gropp in der ›Frankfurter Allgemeinen Zeitung‹

»Wondratschek gibt sich in ›Mara‹ von seiner besten, will sagen, witzig-nachdenklichen Seite, pointenreich bis zum Schluss.« Rüdiger Görner in der ›Presse‹

»Das Buch ist schmal, und dennoch reich: Kultur- und Musikgeschichte wird hier miteinander verwoben.« Klaus Siblewski in der ›Welt‹

http://www.wolf-wondratschek.de/titel.cfm?wohin=3423134070


Lieber Wolfgang!

Wie du inzwischen mitbekommen hast: es gibt noch andere Bücher über den Bau von Streichinstrumenten. Ich selbst habe "Mara" vor einem oder zwei Jahren gelesen und seither sicher fünf mal verschenkt. Aus Zeitgründen habe ich dir einfach eine Inhaltsangabe und ein paar Pressestimmen von Wolf Wondratscheks Seite runtergezogen.
Hoffentlich konnte ich dir damit weiterhelfen. Gegebenenfalls dann viel Spaß beim Lesen.

Liebe Grüße, Lea
Gamaheh (11.01.2008, 16:38):
Original von Little_Swan
Ich selbst habe "Mara" vor einem oder zwei Jahren gelesen und seither sicher fünf mal verschenkt.


Liebe Lea,

ich glaube, Sabine-Cellodil hat weiter oben schon über dieses Buch berichtet, und wenn mich die Erinnerung nicht trügt, auch sehr positiv.

Grüße,
Gamaheh
Little_Swan (11.01.2008, 17:41):
Sorry, wenn ich da was wiederholt habe. Ich habe bloß gesehen, dass Poztupimi auf der Suche nach Literatur über den Bau von Streichinstrumenten war, ohne mir frühere Beiträge anzuschauen. Trotzdem nochmal meine wärmste Empfehlung...
Hast du es auch schon gelesen???

Liebe Grüße, Lea
Little_Swan (11.01.2008, 17:49):
Hallo Gamaheh!

Ja, habe gerade nachgeschaut, du hattest recht. Sie hat aber nur 2. - 3. Zeilen darüber geschrieben!

http://www.das-klassikforum.de/thread.php?threadid=378&threadview=0&hilight=&hilightuser=0&page=2
Gamaheh (14.01.2008, 14:06):
Original von Little_Swan
Sorry, wenn ich da was wiederholt habe.

Liebe Lea,

es lag mir fern, darauf hinzuweisen, daß Du etwas wiederholt hast; ich wollte lediglich Deine Empfehlung dadurch verstärken, daß sie jemand anderes auch ausgesprochen hatte. (Ich selbst habe das Buch nicht gelesen.)

Grüße,
Gamaheh
Poztupimi (14.01.2008, 20:58):
Liebe Lea, liebe Gamaheh,

vielen Dank für den Hinweis, weiter zurück hatte ich garnicht geschaut. Ich werde es mir vormerken, auch wenn mir weniger eine eher belletristische Beschäftigung mit dem Thema vorschwebte als vielmehr ein kleiner kompakter Überblick über die Geschichte des Streichinstrumentenbaus - mit ein wenig gut verständlicher Theorie zu denselben. Ich war nur - gebe ich zu - in letzter Zeit etwas faul, zu suchen. Wenn ich aber mal wieder in nächster Zeit in Berlin bin, werde ich mal eine einschlägige Buch-/Musikalienhandlung aufsuchen.

Viele Grüße,
Wolfgang
cellodil (16.01.2008, 09:37):
Lieber Wolfgang,

ich fürchte fast, dass Du Dich da nicht leicht tun wirst, bei diesem Vorhaben. Ich habe bislang nur (ziemlich teure) Fachbücher zu diesem Thema gefunden.

Falls Du doch fündig werden solltest: Lass' es mich wissen.

Herzliche Grüße

Sabine
Poztupimi (16.01.2008, 20:23):
Liebe Sabine,

Original von cellodil
Lieber Wolfgang,

ich fürchte fast, dass Du Dich da nicht leicht tun wirst, bei diesem Vorhaben. Ich habe bislang nur (ziemlich teure) Fachbücher zu diesem Thema gefunden.

Falls Du doch fündig werden solltest: Lass' es mich wissen.

Herzliche Grüße

Sabine

ich habe jetzt doch mal "Violine" und "Violoncello" bei Wikipedia eingegeben und geschaut, was da so zu finden ist. Und die dort genannte Literatur habe ich versucht bei zvab zu finden.

Die älteren Veröffentlichungen habe ich auf die Schnelle noch nicht gefunden, aber immerhin einige jüngeren Datums, hier eine kleine Zusammenstellung (mit den Preisen, die wenn ich nicht irre Neupreise sind; die Mühe, die ISBN lesefreundlicher zu trennen, habe ich mir gespart):

1.)
Drees, Stefan
Lexikon der Violine Baugeschichte, Spielpraxis, Komponisten und ihre Werke, Interpreten
Laaber Verlag, Januar 2004
ISBN 3890075444
805 S. - Sprache: Deutsch - 95 tls. farb. Abb. - 260x192x61 mm
€ 98,--

2.)
Huber, John
Italienische Violinen des 18. Jahrhunderts 1. Ausgewählte Beispiele 18th Century Italien Violins 1. Selected Reference Examples
PPV Medien GmbH, Juli 2007
ISBN 3923639384
165 S. - Sprache: Deutsch - 240 Farbfotos - 307x215x14 mm
€ 127,--

3.)
Melkus, Eduard
Die Violine Eine Einführung in die Geschichte der Violine und des Violinspiels
Schott Music, Januar 2000
ISBN 3795723590
4. erw. u. überarb. A. - 193 S. - Sprache: Deutsch - Zahlr., tls. farb. Abb. - 215x192x22 mm
€ 22,95

4.)
Nobach, Christiana
Streichinstrumente Reihe: MGGprisma
Metzlersche J.B. Verlagsb / Baerenreiter-Verlag, April 2002
ISBN 3476410439
376 S. - Sprache: Deutsch - 40 Abb. u. zahlr. Notenbsp. - 215x149x22 mm
€ 22,90

5.)
Möckel, Otto
Geigenbaukunst
Nikol Verlagsgesellschaft 2005
378 Seiten, Format: 25*18. Mit Schutzumschlag
€ 36,50 oder als Lizenzausgabe € 13,94

6.)
Prange, Heike
Die Violine Reihe: Mein Instrument
Baerenreiter-Verlag, März 2002
ISBN 3761819005
32 S. - Sprache: Deutsch - 305x235x9 mm
€ 18,95

7.)
Boettcher, Wolfgang / Pape, Winfried
Das Violoncello Geschichte - Bau - Technik - Repertoire
Schott Music, April 2005
ISBN 3795702836
2., überarb. A. - 312 S. - Sprache: Deutsch - 47 Abb. u. Notenbeisp., 11 meist farb. Taf. - 248x179x25 mm
€ 39,95

Ich hoffe, daß ich bei meinem nächsten Besuch in Berlin in der wie ich finde recht gut sortierten Musikalien-Abteilung das eine oder ander Werk davon in die Finger bekomme. Ansonsten werde ich mal hören, was unsere heisige Stadtbibliothek oder die UB zu einer Fernleihe sagen (speziell 1. & 2).

Viele Grüße,
Wolfgang
Little_Swan (17.01.2008, 18:27):
Lieber Poztupimi!

Wenn du nicht etwas ganz trockenes, fachliches willst, wirst du sicher auch mit "Mara" glücklich. Sabine würde dir sicher bestätigen, dass nebenbei auch total viel Fachwissen vermittelt wird - eben auf humorvolle Weise.
Man erfährt sehr viel über die herausragende Arbeitsweise Stradivaris und auch einiges über den Bau von Streichinstrumenten im Allgemeinen.

Probier es doch mal damit, denn erstens ist es sehr viel billiger als die großen Nachschlagewerke und zweitens macht es mehr Spaß.

Falls du dir jetzt aber wirklich eines dieser Monsterfachbücher antun willst, gebe ich dir noch einen Tipp, wo du das vielleicht billiger bekommen könntest.
Nämlich bei "2001". Schau doch mal da nach!

Viele Grüße, Lea
Poztupimi (17.01.2008, 18:37):
Liebe Lea,

Original von Little_Swan


Probier es doch mal damit, denn erstens ist es sehr viel billiger als die großen Nachschlagewerke und zweitens macht es mehr Spaß.

Falls du dir jetzt aber wirklich eines dieser Monsterfachbücher antun willst, gebe ich dir noch einen Tipp, wo du das vielleicht billiger bekommen könntest.
Nämlich bei "2001". Schau doch mal da nach!

Viele Grüße, Lea

mein vorgestriger Besuch in der einen großen Buchhandlung in Braunschweig war hinsichtlich "Mara" nicht von Erfolg gekrönt - und bestellen vor Ort hatte ich gerade keine Lust. Vielleicht statte ich morgen der anderen großen ein Besuch ab.

Und 2001 habe ich immer mal sporadisch auf der Rechnung. Leider - oder manchmal zum Glück - sind die hier in der Gegend nicht vertreten. Ich stöbere halt immer noch gerne (am liebsten genaugenommen) in den Läden, da bin ich altmodisch.

Viele Grüße,
Wolfgang
cellodil (17.01.2008, 20:52):
Lieber Wolfgang,

Danke für Deine Mühe. Von dieser Auswahl hatte ich doch einige Bücher schon mal in der Hand. Gelesen habe ich nur

Original von Poztupimi

Möckel, Otto
Geigenbaukunst
Nikol Verlagsgesellschaft 2005
378 Seiten, Format: 25*18. Mit Schutzumschlag
€ 36,50 oder als Lizenzausgabe € 13,94

und

Original von Poztupimi

Boettcher, Wolfgang / Pape, Winfried
Das Violoncello Geschichte - Bau - Technik - Repertoire
Schott Music, April 2005
ISBN 3795702836
2., überarb. A. - 312 S. - Sprache: Deutsch - 47 Abb. u. Notenbeisp., 11 meist farb. Taf. - 248x179x25 mm
€ 39,95

fand aber beide eher fade und nicht wirklich erhellend. Die anderen Bücher, die ich schon mal durchgeblättert hatte, die waren dann richtige Fachbücher für Geigenbauer - ganz interessant, aber im Detail dann auch wieder ein bisschen - für meine Bedürfnisse und Interessen - zu ausführlich. Das lasse ich mir dann doch lieber direkt von meinem Geigenbauer (bzw. von meinen Geigenbauern) erklären, was welche Auswirkungen hat und was bei alten Geigen vielleicht anders ist als bei neuen.

Ach, ja: Bei Schott gibt es auch noch eine Reihe, in der so eine Art Taschenführer zu Geige und Cello erschienen sind (die gibt es fast in jeder einigermaßen sortierten Buchhandlung). In denen gibt es zwar einige sehr elementare Infos zu den wichtigsten Geigenbauern und zu den verschiedenen Faktoren, die den Klang eines Streichinstruments beeinflussen, ansonsten bieten die aber eher praktische Ratschläge für den Umgang mit dem Instrument.

Zu Mara... Ich finde, dass das Buch zwar - streckenweise - ganz amüsant ist (irgendwann dann aber auch einigermaßen zäh, zumindest ging mir das verquasselte Cello dann auch ganz schön auf den Wecker) und auch einige Informationen über das wechselhafte Schicksal von Mara und seinen Geschwistern bringt. Aber über Geigenbau selbst oder über die Geheimnisse von Stradivaris Kunst (die allerdings auch zu einem Teil immer noch Geheimnisse sind) erfährt man in dem Buch nicht sonderlich viel.

Ob 2001 eine aussichtsreiche Adresse für Fachbücher über Geigenbau ist, das wage ich auch zu bezweifeln, denn die erscheinen normalerweise doch in sehr kleinen (teuren) Auflagen in Spezialverlagen und fallen auch nicht so schnell dem Veralten anheim (wenn man das so sagen kann - wahrscheinlich eher nicht).

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (17.01.2008, 20:58):
Übrigens... Über den (mafiösen) Handel mit Stradivaris war vor ein paar Wochen ein ganz witziger Artikel im Spiegel (vielleicht findest Du den ja in der Bibliothek - oder eventuell, ich habe nicht geschaut, auch im Netz):

Der Stradivari-Wahn, in: Der Spiegel, 50/2007, S. 160ff

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (17.01.2008, 21:07):
P.S.

Über Mara hatte ich hier etwas ausführlicher geschrieben.

Herzliche Grüße

Sabine
Poztupimi (17.01.2008, 21:08):
Liebe Sabine,

Original von cellodil


Ob 2001 eine aussichtsreiche Adresse für Fachbücher über Geigenbau ist, das wage ich auch zu bezweifeln, denn die erscheinen normalerweise doch in sehr kleinen (teuren) Auflagen in Spezialverlagen und fallen auch nicht so schnell dem Veralten anheim (wenn man das so sagen kann - wahrscheinlich eher nicht).

Herzliche Grüße

Sabine

Ich hätte da eher an den Huber (Nr. 2 meiner Liste) gedacht, irgendwann mal. Für Fachbücher bleiben sicher die auf Musikalien spezialisierten Antiquariate - oder die nächstgelegene Uni-Bibliothek. Aber so sehr theoretisch (Hölzer, Lacke, Schallausbreitung etc.) will ich zunächst garnicht.
Ich werde suche.

Viele Grüße,
Wolfgang
cellodil (17.01.2008, 21:10):
Lieber Wolfgang,

Original von Poztupimi
Für Fachbücher bleiben sicher die auf Musikalien spezialisierten Antiquariate - oder die nächstgelegene Uni-Bibliothek. Aber so sehr theoretisch (Hölzer, Lacke, Schallausbreitung etc.) will ich zunächst garnicht.

.... genau das hatte ich gemeint...

Falls Du was Spannendes finden solltest (ich hab's bis jetzt noch nicht): Ich bin immer interessiert.

Herzliche Grüße

Sabine
Little_Swan (19.01.2008, 15:37):
Liebe Sabine!

Natürlich ist das bei 2001 so eine Sache, vor allem weil alles etwas chaotisch und unsortiert ist, aber wenn man dann mal etwas findet, nachdem man wirklich sucht, ist es vor allem wegen der günstigen Preise ein Glücksfall.
Ich gebe zu, dass Mara auch manchmal "quasselt", insgesamt hat mir das Buch trotzdem gefallen.
By the way: der Spiegelartikel war wirklich gut.


Lieber Poztupimi!

Spielst du selbst ein Streich- bzw. überhaupt ein Instrument? Dann wüssten wir vielleicht genauer was du suchst bzw. dir antun willst. Geht es dir um eine bestimmte Streichergattung oder ist dir das egal?

Liebe Grüße, Lea
Poztupimi (19.01.2008, 15:54):
Liebe Lea,

Original von Little_Swan


Lieber Poztupimi!

Spielst du selbst ein Streich- bzw. überhaupt ein Instrument? Dann wüssten wir vielleicht genauer was du suchst bzw. dir antun willst. Geht es dir um eine bestimmte Streichergattung oder ist dir das egal?

Liebe Grüße, Lea

ich habe mit zwölf begonnen, Geige zu lernen, habe dies während der gesamten Schulzeit getan, im Orchester gespielt, brav an den jährlichen Hausmusikabenden - gibt es heute sowas noch? - teilgenommen. Kurz vor dem Abi wurde meine Geige gestohlen - glücklicherweise versichert -, eine geliehene habe ich noch bis zu meinem 25ten Lebensjahr gespielt, dann aber während des Studiums mangels Zeit - zumindest habe ich mir das eingeredet - das Thema ad acta gelegt und seitdem - ich oute mich mal, es sind seither über 20 Jahre vergangen - nicht wieder aufgenommen, sondern über lange Jahre dem Chorgesang den Vorzug gegeben. So, und nun seht Ihr auch, woher meine Vorliebe für Musik diese beiden Genres rührt.

Viele Grüße,
Wolfgang
cellodil (21.01.2008, 23:07):
Liebe Lea,

Original von Little_Swan
By the way: der Spiegelartikel war wirklich gut.


Freut mich. Ich fand den auch ganz witzig...

Herzliche Grüße

Sabine

P.S. Mit 2001 hast Du natürlich recht. Manchmal findet man dort wirklich, was man sucht... Es ging mir lediglich darum, dass ich das in diesem speziellen Fall für recht unwahrscheinlich halte.
Poztupimi (21.01.2008, 23:49):
Liebe Sabine,

Original von cellodil


P.S. Mit 2001 hast Du natürlich recht. Manchmal findet man dort wirklich, was man sucht... Es ging mir lediglich darum, dass ich das in diesem speziellen Fall für recht unwahrscheinlich halte.

Im letzten Merkheft, für € 10,--

Möckel, Otto
Geigenbaukunst
Nikol Verlagsgesellschaft 2005
378 Seiten, Format: 25*18. Mit Schutzumschlag

Für den Preis habe ich es jetzt mal bestellt, trotz der von Dir festgestellten Einschränkungen. Es wird mich sicher nicht dümmer machen :wink

Viele Grüße,
Wolfgang
Little_Swan (22.01.2008, 15:12):
Lieber Wolfgang!

Schön, jetzt hast du doch was gefunden. Wie viel kostet das (zum Vergleich) in einer Buchhandlung? Über einen ersten Eindruck von dir würde ich mich freuen. Vielleicht leg ich mir das dann auch zu.

zu den Hausmusikabenden:
Für meine Family ( Gesang (meine Mutter), Querflöte & Cello (mein Vater), Gitarre (mein Bruder), Gesang & Geige (ich) ) gibt es glücklicherweise nichts zu kaufen. Wenn wir so was mal machen, spiel wir eher Duos oder improvisieren.
Das ganze ist also relativ ungezwungen.
Hast du so sehr darunter gelitten? Übrigens: wir waren uns ja bei der Instrumentenwahl relativ einig! :rofl

Viele Grüße, Lea
Poztupimi (22.01.2008, 20:05):
Liebe Lea,

Original von Little_Swan
Lieber Wolfgang!

Schön, jetzt hast du doch was gefunden. Wie viel kostet das (zum Vergleich) in einer Buchhandlung? Über einen ersten Eindruck von dir würde ich mich freuen. Vielleicht leg ich mir das dann auch zu.

soweit ich gesehen habe ist es im Moment für knapp 30,-- zu haben.


zu den Hausmusikabenden:
Für meine Family ( Gesang (meine Mutter), Querflöte & Cello (mein Vater), Gitarre (mein Bruder), Gesang & Geige (ich) ) gibt es glücklicherweise nichts zu kaufen. Wenn wir so was mal machen, spiel wir eher Duos oder improvisieren.
Das ganze ist also relativ ungezwungen.
Hast du so sehr darunter gelitten?


Ich habe zwei Arten von Hausmusikabenden kennengelernt:
Die bei meiner Geigenlehrerin, die einmal jährlich stattfanden und bei denen ihre Schülerinnen und Schüler das zum Besten gaben, was sie im Laufe des Jahres gelernt hatten.
Und dann jährlich stattfindende Veranstaltungen in unserer Schule, bei denen in irgendeiner Form möglichst viele das präsentierten, was sie so drauf hatten. Alle Altersstufen ab der 5. Klasse bis Abi-Jahrgang. Da konnte man sich freiwillig melden, was ich soweit ich mich erinnere vielleicht zweimal getan habe. Ich muß jetzt mal schwer nachdenken - ist schon ziemlich lange her -, aber für nicht-solistische oder -kammermusikalische Konzerte (Chöre der versch. Jahrgangsstufen, Orchester und Brass-Band) gab es gesonderte Termine. Wäre sonst eine tagfüllende Veranstaltung geworden.
Gelitten? Nein, eigentlich nicht, aufgeregt und nervös halt.


Übrigens: wir waren uns ja bei der Instrumentenwahl relativ einig! :rofl


Schön, aktiv?

Viele Grüße,
Wolfgang
Little_Swan (23.01.2008, 16:35):
Lieber Poztupimi!

ad "Geigenbaukunst":
"2001" ist also wesentlich billiger, sogar mit Versandkosten. Meld dich bitte mal, wenn du angefangen hast zu lesen.

ad "Vorspiele"
Ja, ich singe und spiele Geige. Die Klassenvorspiele bei meiner Geigenlehrerin sind furchtbar. Die Kleinen brauchen sicher 5 Minuten um einen sauberen ersten Finger zu finden und man soll das dann auch noch toll finden, weil sie die Geschwindigkeit im Vergleich zum letzten Mal halbiert haben. :ignore
Gut, jeder fängt so an, aber diese ehrgeizigen Eltern, die ihrem Kind mit gut drei Jahren eine Geige in die Hand drücken, finde ich ätzend.
Vor allem rennen sie dann bei den Vorspielen immer mit Videokameras rum.
Bei uns gibt es in der Schule Vorspielabende der Musik-AGs und wer will, darf sich da auch solistisch austoben. Hatte bisher nicht das Bedürfnis!

Im Chor ist es besser, da sind die meisten Erwachsen und man kann ersnthafter üben, obwohl das bei Musikern ja auch immer so eine Sache ist.

Liebe Grüße, Lea
daniel5993 (30.01.2008, 22:31):
http://ec1.images-amazon.com/images/I/71D2XK3CFJL._SS500_.gif

Immer, wenn ich zu diesem Buch greife, wird der Heißhunger auf Musik immer größer!
cellodil (30.01.2008, 23:24):
Lieber Daniel,

ich kenne das Buch nicht. Ist das eine Sammlung von Aphorismen?

Herzliche Grüße

Sabine
daniel5993 (30.01.2008, 23:45):
Original von cellodil
Lieber Daniel,

ich kenne das Buch nicht. Ist das eine Sammlung von Aphorismen?

Herzliche Grüße

Sabine


Abend Sabine,

Ich muss mich geschlagen geben! Was sind Aphorismen? Ich kann mir denken was du damit meinst, aber . . . .

Das Buch, eher ein "Büchlein" besteht aus einer Sammlung von Sprüchen, Erkentnissen, Kommentaren, Vorträgen von Bernstein, welche er im Laufe seines Lebens ausgesprochen hat.
"Weisheiten" eines Bernsteins :D

Das muss man Ihm lassen, er hatte die Gabe gehabt etwas Gewaltig und direkt, für jeden verständlich...., das auszudrücken was er über die Musik mit allem drum und dran dachte und zu sagen hatte.
So manches mal spricht er einem aus dem Herzen.

Ein Paar Zitate aus diesem Buch hab ich letztes Jahr im Bernstein-Thread ausgestellt, auf Seite 1.


man siehe hier,
Leonard "Lenny" Bernstein (Thread)

Mir machts Freude im Zuzulesen :D :D

Gruß
Daniel
cellodil (30.01.2008, 23:50):
Lieber Daniel,

sorry wegen der "Aphorismen", aber das, was Du schreibst (Danke für die schnelle Aufklärung!), deutet ganz in diese Richtung...

Ich mag Lenny ja auch sehr. Kennst Du die TV-Reihe "Bernstein in Havard"? Das sind aufgezeichnete (und fernsehtauglich aufbereitete) Vorlesungen mit Lenny am Klavier. Ich habe die vor sehr vielen Jahren mal im Nachtprogramm angeschaut und fand sie (jedenfalls damals) faszinierend.

Das, was Du über das Buch schreibst, das macht Lust auf die Lektüre. Scheint so etwas zu sein, in das man immer mal wieder reinschmökern kann...

Herzliche Grüße

Sabine
daniel5993 (31.01.2008, 00:02):
Ich mag Lenny ja auch sehr. Kennst Du die TV-Reihe "Bernstein in Havard"?

Nein, leider kenne ich diese Vorträge nicht.

Ich hab erfahren, dass Lenny von den fünfizer Jahren (bis in die siebziger) an, viele Sendungen im Fernsehen hatte, wo er über Musik, Komponisten und ihre Werke sprach, welche sehr erfolgreich gewesen sein soll.

Ja, interessieren würden mich solche Sendungen sehr!
Es muss nicht nur oder immer Bernstein sein, es dürfen auch Sendungen über andere Musiker sein, aber selbst die gibts nicht mehr

Es wird viel zu wenig über Musik, berühmte Musiker, Werke usw. gesprochen!
Im Fernsehen, wie im Radio. :ignore

Gruß und Gute Nacht,
Daniel

:hello
Gerion (31.01.2008, 09:19):
@Daniel: Ich erinnere mich, einen oder mehrere der Bernstein/Harvard-Vorträge mal auf Youtube entdeckt zu haben. Soch doch dort mal nach Bernstein - vielleicht wirst Du fündig... :hello
daniel5993 (31.01.2008, 18:07):
Original von Gerion
@Daniel: Ich erinnere mich, einen oder mehrere der Bernstein/Harvard-Vorträge mal auf Youtube entdeckt zu haben. Soch doch dort mal nach Bernstein - vielleicht wirst Du fündig... :hello

Danke!
Hab aber nur einen Mittschnitt gefunden.
Gerion (31.01.2008, 19:55):
@daniel: Schade, dann war es wohl nur einer... :(
HenningKolf (11.02.2008, 08:50):
ich lese zur Zeit dieses Buch hier:

Maurice Ravel im Spiegel seiner Zeit


Recht interessant. Ravel war wohl ein recht umgänglicher Zeitgenosse, der nur dann unangenehm wurde, wenn Toscanini sich das Recht herausnahm den Bolero im Eiltempo spielen zu lassen oder Wittgenstein sich anmaßte, das Klavierkonzert für die linke Hand "verbessern" zu wollen.

Immerhin habe ich durch die Lektüre erfahren, dass Vaughan Williams sich drei Monate von Ravel unterrichten ließ (ob ich das aber zum Anlass nehme mich noch einmal mit diesem Komponisten zu befassen, sei dahingestellt, drei Monate sind ja auch gar nicht so viel Lernenszeit :ignore)

Gruß
Henning
Carola (14.07.2006, 21:32):
Ich lese schon seit längerer Zeit immer mal wieder und sehr gerne in diesem schönen Buch mit Prosa von Heinrich Heine:

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/353806959x.jpg

Mit Musik hat es allerdings nichts zu tun. Auch wenn Wilhelm Müller mal kurz auftaucht. Aber die Sprache Heines ist selbst Musik. Und seine Ironie einfach köstlich. Klug ist er auch noch. Nicht zu vergessen seine wunderbaren Naturbeschreibungen.

Zum Beispiel dies hier als Beschreibung des hereinbrechenden Frühlings:

"Endlich kam der Tag, wo alles ganz anders wurde. Die Sonne brach hervor aus dem Himmel und tränkte die Erde, das alte Kind, mit ihrer Strahlenmilch, die Berge schauerten vor Lust und ihre Schneetränen flossen gewaltig, es krachten und brachen die Eisdecken der Seen, die Erde schlug die blauen Augen auf, aus ihrem Busen quollen hervor die liebenden Blumen und die klingenden Wälder, die grünen Paläste der Nachtigallen, die ganze Natur lächelte, und dieses Lächeln hieß Frühling."

Ist das nicht berauschend schön, diese Sprache? Aber ich komme vom Thema ab...

Mit Gruß von Carola
Engelbert (14.07.2006, 22:17):
Hallo Carola,

Heinrich Heine mag ich auch. Er kann satirisch sein, ohne bösartig zu werden. Das gefällt mir an ihm.

Die Geschichte unten habe ich vom Reiseleiter gehört, als ich mal in Granada war. Sie betrifft das Ende der maurischen Herrschaft unter König Boabdil. Damals wusste ich aber nicht, dass Heine die Geschichte in Versen erzählt hat. Kürzlich habe ich es durch Zufall im Internet gefunden und einen Ausschnitt abgeschrieben.

Literarisches Mosaik

Auf der Höhe wo der Blick ins Duero-Tal hinabschweift und die Zinnen von Granada sichtbar sind, zum letzten Male

Dorten steig vom Pferd der König und betrachtete die Stadt,
die im Abendlichte glänzte wie geschmückt mit Gold und Purpur

Aber, Allah, welch ein Anblick. Statt des vielgeliebten Halbmonds prangen Spaniens Kreuz und Fahnen auf den Türmen der Alhambra

Ach bei diesem Anblick brachen aus des Königs Brust die Seufzer,
Tränen überströmten plötzlich wie ein Sturzbach seine Wangen

Düster von dem hohen Zelter schaut herab des Königs Mutter,
schaut auf ihres Sohnes Jammer und sie schalt ihn stolz und bitter

„Boabdil el chico“ sprach sie „wie ein Weib beweinst du jetzo jene
Stadt, die du nicht wusstest zu verteidigen wie ein Mann“

Als des Königs liebste Kebse solche harte Rede hörte, stürzte sie
aus ihrer Sänfte und umhalste den Geliebten

„Boabdil el chico“ sprach sie „Tröste dich mein Heißgeliebter,
aus dem Abgrund deines Elends blickt hervor ein schöner Lorbeer“

„Berg des letzten Mohrenseufzers“ heißt bis auf den heutigen Tag jene Höhe, wo der König sah zum letzten Mal Granada


Gruß
Engelbert
:engel
Rachmaninov (17.07.2006, 10:20):
Original von Engelbert
Ein anderer schöner Zwirn wäre: "Die Musik im Spiegel der Literatur."
Hier wäre ein Sprechdrama (z.B. Shakespeares: Romeo und Julia) die Headline und dann wird abgehandelt, welcher Komponist dazu etwas zu sagen hat und welche Form er wählte. Etwa die Oper, das Ballett, die sinfonische Dichtung, die Konzert-Ouvertüre, die Bühnenmusik u.s.w.


@Engelbert,

diesen Vorschlag finde ich sehr schön.

Schließlich haben immer wieder verschiedenste Vorlagen aus der Literatur oder anderen Künsten die Musik inspiriert. :W
Carola (25.07.2006, 13:36):
Gerade angefangen:

Martin Geck: Ludwig van Beethoven


http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3736081.jpg


Das scheint mir ein erstaunlich gehaltvolles kleines Bändchen zu sein. Rezension folgt,wenn ich es ganz gelesen habe.

Mit Gruß von Carola
ab (17.08.2006, 23:28):
Die Insel des zweiten Gesichts von Albert V. Thelen: Ein Buch das mir bislang auf jeder einzelnen Seite eine unglaublich Freude durch die Sprachkunst bereitet.


und dazu noch: Musical Meaning and Expression von Stephen Davies
cellodil (14.10.2006, 23:49):
Werner Fuld, Paganinis Fluch: Die Geschichte einer Legende, Rowohlt Taschenbuch (Reinbek, 2003)

Nicht gerade eine Neuerscheinung...

Aber ein echter Page-Turner (jedenfalls für mich), der die Entstehung der Legende Paganini dem, was über dessen Leben dokumentiert (oder dokumentierbar) ist, gegenüberstellt.

Unterhaltsame Lektüre.
nikolaus (15.10.2006, 01:17):
Rudyard Kipling: Kim

Bin aber noch am Anfang und muß mich noch reinfinden.

Nikolaus.
cellodil (17.10.2006, 13:54):
Nachdem ich mit riesiger Begeisterung Ortheils aktuelles Mozart-Buch gelesen habe, nun:

Hanns-Josef Ortheil, Mozart im Innern seiner Sprachen, Sammlung Luchterhand (2002)

... wohl mein letztes Mozart-Buch für dieses Jahr

... oder auch nicht :haha
cellodil (23.10.2006, 19:41):
Friedrich Nietzsche, Die Geburt der Tragödie, Kritische Studienausgabe Band 1, Giorgio Colli (ed), Mazzino Monbtinari (ed), de Gruyter, dtv (München)

Darin geht es auch um die Frage, ob man Musik mit dem Mittel der Sprache überhaupt beikommen kann... ?(

Finde ich ziemlich spannend (und Nietzsches Schreibstil ist ohnehin immer wieder ein Genuss!), weil ich - wohl auch aus anderen Gründen als denen, die Nietzsche sieht - doch immer wieder mit meiner Sprache ringe, wenn es um Musik geht.

Denke, das könnte ja vielleicht auch mal ein witziges Thema sein: Können wir über Musik überhaupt reden...

Vielleicht ja demnächst.... :cool

Grüße

Sabine
Gamaheh (25.10.2006, 12:47):
Original von cellodil
Denke, das könnte ja vielleicht auch mal ein witziges Thema sein: Können wir über Musik überhaupt reden...


Nein; aber da wir Menschen sind, und uns die Sprache eigen, können wir nicht aufhören, es - wider besseres Wissen und pace Wittgensteins - immer wieder zu versuchen.

Grüße,
Gamaheh

Entschuldige die lakonische Antwort, Sabine, aber entweder so oder Vom Winde verweht mit Anhang ...
cellodil (25.10.2006, 20:36):
Original von Gamaheh
Original von cellodil
Denke, das könnte ja vielleicht auch mal ein witziges Thema sein: Können wir über Musik überhaupt reden...


Nein; aber da wir Menschen sind, und uns die Sprache eigen, können wir nicht aufhören, es - wider besseres Wissen und pace Wittgensteins - immer wieder zu versuchen.

Grüße,
Gamaheh

Entschuldige die lakonische Antwort, Sabine, aber entweder so oder Vom Winde verweht mit Anhang ...

Liebe Gamaheh,

da gibt es gar nichts zu entschuldigen. Ich hatte das ja auch nur als Überlegung in den Raum gestellt. Ich finde auch die "Vom Winde verweht mit Anhang"-Version spannend, aber vielleicht muss das wirklich nicht sein....

Herzliche Grüße

Sabine
Ganong (28.10.2006, 15:48):
Liebe Janina ,

"Deine" Callas - Biographie ist bekanntlich ein Muss für jeden Callas -Verehrere . Un dauch die Gruppe , die ein sehr distanzierte sverhältnis zu ihr haben .

Für das mitlesend e Auge ein genuss .

Anders als das schaurige Buch von Jürgen Kesting ( u. a. FAZ-Schreiber ) eine wahre Fundgrube .

Da Mmme. Callas s e h r selbstkritisch gewesen ist , ist ihre Mitwirkung immer ein unendlicher Gewinn !!!

ich empfehle Dir , das Buch von MIchel Glotz , ihrem Manger und Freu nd ( sie hatte leider nur sehr wenige Freunde : etwa die Simionato , Franco Corelli , Zaccaria , Jon Vickers , Tullio Serfain , Giulini ) ."La not ebleue . Une vie por la musique" ( Lattès ; paris ; 2002 ) .

Beste Grüsse ,

Frank
cellodil (10.11.2006, 23:22):
Wolf Wondratschek
Mara
Hanser (München, Wien, 2003)

... und hoffe nur, dass mein Cello nie auf die Idee kommt, seine Biografie zu schreiben...
Janina (05.12.2006, 20:33):
Hallo Frank!
danke für Deinen Tipp! Sollte die Uni mich mal mit Pflichtliteratur verschonen, ist das auf jeden Fall auf meiner Wunschliste :)
Gamaheh (05.12.2006, 21:01):
Georges Cziffra. Cannons and Flowers

Autobiographie des Pianisten. Der Titel spielt an auf den Ausspruch Schumanns, Chopins Werke seien "unter Blumen eingesenkte Kanonen".

Die englische Version, die ich gerade gelesen habe, ist eine Übersetzung der französischen Niederschrift von György Cziffra jun. von dem, was ihm sein Vater auf ungarisch erzählt hat.

Cziffra erzählt über seine Kindheit im Armutsghetto von Budapest, seine wundersame Aufnahme in die Liszt-Akademie durch Ernst von Dohnanyi, seine Kriegserlebnisse, seine Zeit als Unterhaltungspianist in mehr oder weniger zweifelhaften Unterhaltungsetablissements im Nachkriegs-Budapest, seine Zwangsarbeit in einer Baukolonne nach einem erfolglosen Fluchtversuch aus dem kommunistischen Ungarn und schließlich über die Zeit danach, insbesondere (aber leider zu kurz) den Wiederaufbau der Kapelle in Senlis, die Arbeit seiner Stiftung und sein Selbstverständnis als Pianist (s. auch den Faden "Konzerterlebnisse").

Das Buch ist im Druck nicht mehr erhältllch (außer bei der Fondation Cziffra in Senlis), aber der englische Übersetzer, John Hornsby, stellt sie als pdf-Datei zur Verfügung, wenn man ihn über seine Internet-Seite http://czifframemoirs.monsite.orange.fr
darum bittet.

Grüße,
Gamaheh
cellodil (11.12.2006, 19:36):
Habe letzte Nacht mit

Peter Härtling, Schumanns Schatten

angefangen und bin mir noch nicht so ganz sicher, ob ich das Buch mag und/oder weiterlesen werde. Ganz interessant finde ich die Passagen, in denen sich Härtling mit Schumanns Zeit in der Heilanstalt beschäftigt. Aber insgesamt fehlt mir ein bisschen der große Bogen. Naja. Mal sehen.

Herzliche Grüße

Sabine
Jürgen (12.12.2006, 07:57):
Gestern Abend, ganz vorzügliche Literatur.
Von der ersten bis zur letzten Seite köstliche Unterhaltung.

http://www.partymucke.de/IMAGES/TROUKLEI.JPG

Asterix auf Korsika
cellodil (13.12.2006, 07:32):
Nachdem mir der Härtling doch zu öde geworden ist versuche ich es jetzt mit:

Richard Powers, Der Klang der Zeit
Fischer Taschenbuch, 6. Auflage (Frankfurt, 2006)

Lässt sich - jedenfalls auf den ersten 60 der insgesamt 750 Seiten - ganz spritzig an. Die Geschichte einer recht ungewöhnlichen und hochmusikalischen jüdisch-schwarzen Familie wird aus der Perspektive des kleinen Bruders eines hochbegabten Sängers erzählt und beginnt in den 40-er/50-er Jahren in den USA.

Mal sehen, wohin das führen wird... Die Chancen stehen jedenfalls besser als bei Härtling.

Grüße

Sabine
Ganong (13.12.2006, 18:36):
Liebe Gamameh ,

besten Dank für diesen wichtigen Hinqweis zu Geogres Cziffra ! .

Beste Grüsse ,

Frank
Ganong (13.12.2006, 18:38):
Liebe Sabine ,

das Buch wird masslos von wenigen überschätzt .

In wichtigsten Teilen fern aller Wirklichkeit !

Schumann hören bringt unendlich viel mehr .

Alles Gute Dir !

Frank
Gamaheh (13.12.2006, 18:58):
Original von cellodil
Peter Härtling, Schumanns Schatten

Liebe Sabine,

da habe ich neulich ein Interview mit Peter Härtling im Radio gehört, das mir zu Anfang interessant erschien; am Schluß jedoch bin ich zu der Überzeugung gekommen, daß das kein Buch für mich ist.

Beste Grüße,
Gamaheh
cellodil (13.12.2006, 19:16):
Original von Gamaheh
Original von cellodil
Peter Härtling, Schumanns SchattenSabine

Liebe Sabine,

da habe ich neulich ein Interview mit Peter Härtling im Radio gehört, das mir zu Anfang interessant erschien; am Schluß jedoch bin ich zu der Überzeugung gekommen, daß das kein Buch für mich ist.

Beste Grüße,
Gamaheh

Liebe Gamaheh,

ich weiß auch nicht mehr, wie ich zu diesem Buch gekommen bin. Irgendwie war ich da wohl selbst ein bisschen umnachtet... Eigentlich mochte ich die Bücher von Härtling nämlich noch nie sonderlich.

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (28.12.2006, 20:46):
Heute in einer Mußestunde gelesen...

Sergiu Celibidache: Leben und Musik des großen Dirigenten mit dem Besten aus der ZEIT
Die Zeit Klassik-Edition: lesen & hören, Band 05
(Hamburg, o.J.)

... ein schmales Bändchen, ziemlich kurzweilig und unterhaltsam geschrieben und außerdem wirklich schöne Fotos.

Grüße

Sabine
cellodil (02.01.2007, 13:27):
Gerade angefangen:

Gerald Moore
Bin ich zu laut? - Erinnerungen eines Begleiters
Bärenreiter Verlag, 11. Auflage (Kassel, 2003)
ISBN 3-7618-1212-4

Die Erstauflage der deutschen Ausgabe der Memoiren von Gerald Moore (1899-1987) ist 1976 erschienen. Ich hatte das Buch zwar schon in der Vergangenheit mehrfach in der Hand, konnte mich aber erst jetzt zu Kauf und Lektüre durchringen. Ein Versäumnis! Denn der Text ist (auch in der deutschen Übersetzung) überaus amüsant und kurzweilig. Der Blick des Autors ist bestimmt von Selbstironie und dem Sich-nicht-zu-wichtig-nehmen... Sehr schön.

Mein vorläufiges Urteil (nach 60 von 268 Seiten): Empfehlenswert...

Grüße

Sabine
nikolaus (02.01.2007, 21:06):
Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es hier nicht nur um musikalische Bücher, oder?

Seit längerem versuche ich, dieses zu lesen:

http://www.jpc.de/image/middle/front/0/3250250007.jpg

Pessoa, Fernando
Das Buch der Unruhe
Hrsg. v. Richard Zenith
Koebel, Inés
Ammann Verlag
2006
2/2006
ISBN: 3-250-25000-7

Ich spüre genau, daß es ein bedeutendes Buch ist, aber ich finde keinen Zugang.
Kennt es jemand?

Nikolaus
cellodil (03.01.2007, 11:41):
Original von nikolaus
Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es hier nicht nur um musikalische Bücher, oder?

Ich glaube, das wird in diesem Faden etwas großzügiger aufgefasst...

Original von nikolaus
Seit längerem versuche ich, dieses zu lesen:

http://www.jpc.de/image/middle/front/0/3250250007.jpg

Pessoa, Fernando
Das Buch der Unruhe
Hrsg. v. Richard Zenith
Koebel, Inés
Ammann Verlag
2006
2/2006
ISBN: 3-250-25000-7

Ich spüre genau, daß es ein bedeutendes Buch ist, aber ich finde keinen Zugang.
Kennt es jemand?

Lieber Nikolaus,

ich kenne dieses Buch von Pessoa nicht und habe selbst so meine Probleme mit diesem Autor...

Bei meiner Privatlektüre habe ich auch wenig Neigung zu Ringkämpfen mit Werken oder Autoren. Und manche Texte haben auch einfach ihre Zeit in meinem Leben (soll heißen, manche Bücher, die ich ermattet zur Seite gelegt hatte, packen mich ein paar Monate oder Jahre später doch noch). Ich quäle mich jedenfalls nicht, gebe einem Buch eine bestimmte Anzahl von Seiten und lasse es im Zweifelsfalle bleiben (wie zum Beispiel bei dem weiter oben erwähnten gnadenlos öden Härtling). Für mich steht da die Freude (die kann allerdings in bestimmten Fällen schon auch in lustvoller Anstrengung und Eroberung unbekannten Terrains bestehen) im Vordergrund.

Vielleicht helfen Dir ja auch die Fragen, die sich mir an dieser Stelle aufdrängen, trotzdem ein bisschen weiter:

- Wie bist Du denn zu dem Buch gekommen? Warum hast Du es gekauft (falls Du es Dir selbst gekauft hast)?

- Wieso möchtest Du das Buch denn unbedingt lesen, obwohl es Dich nicht anspricht?

- Woran liegt es denn, dass Dir das Buch nicht gefällt? Ist es die Sprache (das könnte im Zweifel dann auch die Übersetzung sein)? Der Erzählstil? Interessieren Dich die Figuren nicht? Oder kannst Du sie nicht leiden? Interessiert Dich die Geschichte nicht? Oder das Thema? Was fehlt Dir in dem Buch? Fängst Du mit dem Setting oder der Zeit nichts an (in diesem Falle könnte es, wenn Du den Roman wirklich unbedingt lesen willst, helfen, wenn Du ein bisschen "drumherum" liest)? Fehlen Dir Hintergrundinformationen? Oder ist es einfach gnadenlos langweilig? Spannungslos erzählt? Vielleicht magst Du auch das Tempo, in dem erzählt wird nicht... Vielleicht...

- Wie kommst Du darauf, dass das ein "bedeutendes Buch" sein könnte? Das scheint ja Dein Gefühl zu sein (Dir also nicht von irgendwelchen möchtegernintellektuellen Rezensenten aufgedrängt worden zu sein)... Vielleicht gibt es ja doch etwas, was Dich an dem Text fasziniert... Kannst Du das benennen? Oder ist es "nur" so ein Gefühl?

Es könnte aber auch schlicht an äußeren Bedingungen liegen. Manche Bücher brauchen erst einmal eine Zeit, in der man sich in ihnen einrichtet. Bei denen wird es schwierig, wenn die Lektüre am Anfang zu häufig unterbrochen wird, dann verliert man den Faden und die Lust. Geht zumindest mir so.

Die Ferndiagnose ist nicht so einfach, mögliche Gründe gibt es viele...

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (03.01.2007, 11:54):
Lieber Nikolaus,

was mir gerade noch eingefallen ist: Manchmal lässt sich ein Zugang zu einem Buch auch über das Hörbuch (ich weiß allerdings nicht, ob es zu dem Roman von Pessoa eines gibt) finden. Allerdings nur manchmal...

Wenn Dir das Buch sehr wichtig ist, könntest Du es zumindest mal versuchen.

Herzliche Grüße

Sabine
Gamaheh (03.01.2007, 17:06):
Lieber Nikolaus, liebe Sabine,

an Hörbuch dachte ich auch, denn letzte oder vorletzte Woche wurde das im Radio gelesen - ich wollte es eigentlich hören, habe es aber leider verpaßt, weil man ja auch mal was anderes zu tun hat.

Pessoa interessiert mich auch vage, weil ich mal vor Jahren einen sehr schönen Pessoa-Kalender hatte, der noch immer irgendwo an der Wand hängt. Allerdings stelle ich mir das auch recht schwer zugänglich vor; er soll ja ein ganz und gar eigenbrödlerischer Mensch gewesen sein, der im wirklichen Leben Buchhalter war und den ganzen Abend im Café gesessen hat, um sich seinen Träumen hinzugeben und zu schreiben. Aber vielleicht kriege ich das auch durcheinander - ich habe es, ehrlich gesagt, noch nicht einmal versucht zu lesen, dacht aber wieder daran, als ich kürzlich ein anderes Buch las: Jetzt fällt mir doch der Titel nicht ein, aber der Autor ist ein an der FU Berlin Philosophie lehrender Schweizer, dessen Name mir auch gerade nicht präsent ist. Entschuldigung für diese Vagheit.

Grüße,
Gamaheh
nikolaus (03.01.2007, 23:11):
Zunächst liebe Sabine,

danke für deine ausführliche Antwort, die ich mir, da es heute abend schon spät ist, und ich nicht mehr richtig aufnahmefähig, noch einmal in Ruhe zu Gemüte führen werde.
Du hast ganz wichtige Dinge erwähnt, über die ich nachdenken muß (ist ja schon fast Tiefenpsychologie). Ich werde dann noch mal antworten, wenn ich Klarheit darüber habe.

Dann liebe Sabine und liebe Gamaheh,

er soll ja ein ganz und gar eigenbrödlerischer Mensch gewesen sein, der im wirklichen Leben Buchhalter war und den ganzen Abend im Café gesessen hat, um sich seinen Träumen hinzugeben und zu schreiben.

Das ist durchaus der Kern des Buches (äh, zumindest der ersten 30 Seiten).
Es erinnert mich in seiner Stimmung auch etwas an Kafka, den ich in der Schulzeit lesen "mußte" und damals (lange ist es her) gar nicht verstanden habe. Nun habe ich neulich ein paar seiner Erzählungen gelesen, die ich auf einmal wunderschön fand.
Aber ich muß auch gestehen, daß mir manchmal diese "schwarze" oder "pessimistische" Seite ziemlich an die Nieren geht.
Vielleicht ist das auch ein Grund, weshalb ich Pessoa - in der Grundstimmung auch ziemlich melancholisch - im Moment nicht richtig verdauen kann.
Aber wie oben erwähnt: ich werde nochmal in mich gehen!

Gruß, Nikolaus.
Gamaheh (03.01.2007, 23:16):
Original von Gamaheh
Jetzt fällt mir doch der Titel nicht ein

Ich habe das Buch inzwischen in Augenschein genommen: Der Autor heißt Pascal Mercier, und das Buch Nachtzug nach Lissabon. Ich habe es verschlungen. Falls es noch jemand von Euch gelesen hat, würde mich interessieren, worum es dabei Eurer Meinung nach geht (da scheint es nämlich unterschiedliche Meinungen zu geben).

Grüße,
Gamaheh
nikolaus (03.01.2007, 23:48):
Original von Gamaheh

Ich habe das Buch inzwischen in Augenschein genommen: Der Autor heißt Pascal Mercier, und das Buch Nachtzug nach Lissabon. Ich habe es verschlungen. Falls es noch jemand von Euch gelesen hat, würde mich interessieren, worum es dabei Eurer Meinung nach geht (da scheint es nämlich unterschiedliche Meinungen zu geben).

Grüße,
Gamaheh

Ich habe es verschlungen.

Dito! Nikolaus.
cellodil (04.01.2007, 21:30):
Original von nikolaus
Du hast ganz wichtige Dinge erwähnt, über die ich nachdenken muß (ist ja schon fast Tiefenpsychologie). Ich werde dann noch mal antworten, wenn ich Klarheit darüber habe.

Lieber Nikolaus,

es freut mich, wenn Du die Gedanken als hilfreich empfindest (hat übrigens mehr mit Erfahrung und nur am Rande oder im Hintergrund mit Tiefenpsychologie zu tun, aber ich fand es witzig, dass Du das erwähnt hast, weil mich der tiefenpsychologische Ansatz sicherlich sehr stark geprägt hat).

Ich glaube aber fast, dass Du vielleicht gar nicht mehr so groß darüber nachdenken musst (es sei denn, Du möchtest es), weil Du doch schon einen möglichen Erklärungsansatz gefunden hast:

Original von nikolaus
er soll ja ein ganz und gar eigenbrödlerischer Mensch gewesen sein, der im wirklichen Leben Buchhalter war und den ganzen Abend im Café gesessen hat, um sich seinen Träumen hinzugeben und zu schreiben.

Das ist durchaus der Kern des Buches (äh, zumindest der ersten 30 Seiten).
Es erinnert mich in seiner Stimmung auch etwas an Kafka, den ich in der Schulzeit lesen "mußte" und damals (lange ist es her) gar nicht verstanden habe. Nun habe ich neulich ein paar seiner Erzählungen gelesen, die ich auf einmal wunderschön fand.
Aber ich muß auch gestehen, daß mir manchmal diese "schwarze" oder "pessimistische" Seite ziemlich an die Nieren geht.
Vielleicht ist das auch ein Grund, weshalb ich Pessoa - in der Grundstimmung auch ziemlich melancholisch - im Moment nicht richtig verdauen kann.

Es scheint mir, als wenn dieser Text im Moment einfach nicht passen würde. Vielleicht irgendwann später, vielleicht auch nie (was ja vermutlich auch keine Katastrophe wäre)...

Und es gibt ja zum Glück noch viele andere, schöne Bücher, die wir lesen können...

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (07.01.2007, 13:03):
Gerade mit schnupfen-umnebeltem Kopf angefangen:

http://ec2.images-amazon.com/images/P/3463404192.03._SS500_SCLZZZZZZZ_V1056573931_.jpg

... gefällt mir bislang ganz gut. Sehe "Miss Daisy", mein Klavierle, mit ganz neuen Augen.

Grüße

Sabine
ab (08.01.2007, 20:52):
Original von Gamaheh
Nachtzug nach Lissabon. Ich habe es verschlungen.

Dies ist ein Kriminalroman eines deutschen Philosophen aus der Tradition der Analytischen Philosophie, der Peter Bieri heißt und an der FU in Berlin lehrt oder aber gelehrt hat. Seine Bücher: "Analytische Philosophie des Geistes" und vor allem "Analytische Philosophie der Erkenntnis" haben viel dazu beigetragen, in Deutschland, die Analytische Philosophie zu forcieren.

Ich vermute (ohne je einen seiner drei Romane gelesen zu haben), dass er Ergebnisse dieser Forschungen in seinen Romanen verbraten hat.
cellodil (08.01.2007, 21:06):
Original von ab
Original von Gamaheh
Nachtzug nach Lissabon. Ich habe es verschlungen.

Dies ist ein Kriminalroman eines deutschen Philosophen aus der Tradition der Analytischen Philosophie, der Peter Bieri heißt und an der FU in Berlin lehrt oder aber gelehrt hat. Seine Bücher: "Analytische Philosophie des Geistes" und vor allem "Analytische Philosophie der Erkenntnis" haben viel dazu beigetragen, in Deutschland, die Analytische Philosophie zu forcieren.

Ich vermute (ohne je einen seiner drei Romane gelesen zu haben), dass er Ergebnisse dieser Forschungen in seinen Romanen verbraten hat.

Lieber ab,

habe ich das richtig verstanden: Pascal Mercier ist das Pseudonym von Peter Bieri?

Grüße

Sabine
ab (08.01.2007, 21:18):
Original von cellodil
habe ich das richtig verstanden: Pascal Mercier ist das Pseudonym von Peter Bieri?

Exactement!
Gerion (08.01.2007, 22:00):
Ich lese gerade (in Vorbereitung für meine mündliche Prüfung, aber auch aus generellem Interesse) das Buch "Aus der Waagschale der Justitia" von F. Haft. Das Werk geht in kurzen, gut und (auch für Nicht-Juristen) sehr verständlich geschriebenen Kapiteln auf die Entwicklung des positiven Rechts, der wichtigsten rechtstheoretischen Ideen und Maximen ebenso wie auf berühmte Denker der Rechts- und Staatslehre, wichtige Gerichtsprozesse und mehr ein. Eine sehr interessante Lektüre.

Wenn es denn einmal etwas Zerstreuendes sein soll, greife ich zu U. Ecos Glossen in "Wie man mit einem Lachs verreist". Auf dem Nachttisch wartet noch Stephen L. Carter's "Schachmatt", und den Nachtzug n. Lissabon wollte ich auch bald lesen...
Ganong (11.01.2007, 15:02):
Zunächst die besten Genesungswünsche !

Bei soviel Philosophie eines durchweg sehr wohlwollend besprochenen Buches bitte ich Dich , uns zuz berichten , wie Du das Opuas gelesen hast : Als Krimi oder als einen eher philosophischen Traktat ?

Danke und schnupf - schnupf - weg !

Frank
cellodil (12.01.2007, 00:09):
Original von Ganong
Zunächst die besten Genesungswünsche !

Bei soviel Philosophie eines durchweg sehr wohlwollend besprochenen Buches bitte ich Dich , uns zuz berichten , wie Du das Opuas gelesen hast : Als Krimi oder als einen eher philosophischen Traktat ?

Danke und schnupf - schnupf - weg !

Frank

Lieber Frank,

ich weiß nicht, ob Du mich gemeint hast. Ich hatte die Schnupfennase. Danke für die schamanischen Heilungssprüche. Es geht auch schon wieder besser.

Aber den Mercier, den haben Nikolaus und Gamaheh gelesen. Ich bin gerade auf den letzten Seiten des ganz wunderbaren Klavierbuchs.

Grüße

Sabine
nikolaus (08.02.2007, 22:35):
Brandneu in Deutschland mit sehr unterschiedlicher Resonanz:

Peter Hoeg: Das stille Mädchen

Bisher gefällt es mir gut; es erinntert allerdings vieles an "Fräulein Smillas Gespür für Schnee".
Hier ist die Hauptperson ein Clown, der ein phänomenales Gehör hat und z.B. den "Grundton" eines Menschen hören kann.
Er wird in eine Kindesentführung verwickelt...

Nikolaus.
cellodil (08.02.2007, 23:11):
Original von nikolaus
.... Hauptperson ein Clown, der ein phänomenales Gehör hat und z.B. den "Grundton" eines Menschen hören kann.


Klingt ein bisschen nach Robert Schneiders Schlafes Bruder. Die Kindesentführung dann allerdings schon wieder weniger.

"Fräulein Smilla" fand ich ja etwas fade, nicht so mein Fall. Mal gespannt, was Du über Deine weitere Lektüre berichten wirst.

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (12.02.2007, 15:55):
Gerade auf meinem Schreibtisch gelandet:

http://www.buch24.de/img/g_pid/pid2658217.jpg

Der Klappentext klingt sehr nach Künstlerdramolett:

Die Sopranistin Anna Sutter wird von ihrem Dirigenten Aloys Obrist abgöttisch geliebt. Sie aber hat sich bereits einem anderen zugewandt. Das Eifersuchtsdrama am Stuttgarter Opernhaus nimmt seinen Lauf...

Mal sehen...

Grüße

Sabine
cellodil (21.02.2007, 21:52):
Gestern angefangen und die Lektüre nur sehr ungern unterbrochen:

http://ec1.images-amazon.com/images/P/0201567636.01._SS500_SCLZZZZZZZ_.jpg

John Holt
Never Too Late: My Musical Live Story
Merloyd Lawrence book, Da Capo Press (New York, 1978, 1991), 245 Seiten
ISBN 0-201-56763-6

Bislang ganz amüsanter Bericht eines spätberufenen Amateurcellisten... Mal sehen, wie sich's entwickelt...

Grüße

Sabine
nikolaus (21.02.2007, 23:22):
Habe vorgestern "Das stille Mädchen" zu Ende gebracht.
Fazit: durchaus spannend, aber ziemlich abstrus, es hält nicht das, was es verspricht.

Nikolaus.
cellodil (01.03.2007, 23:16):
... bei mir war's auch nicht so dolle... Den Holt muss man ganz bestimmt nicht gelesen haben.

Not amused.

Sabine
ab (01.03.2007, 23:21):
Kürzlich in meiner Mutters Wohnung hineingelesen:
http://ec1.images-amazon.com/images/P/3596153298.03._AA240_SCLZZZZZZZ_.jpg

Beim nächsten Besuch wird es weiter gehen...
cellodil (02.03.2007, 15:25):
Lieber ab,

das Cover sieht etwas vampiresk aus... Aber, wenn Du weiterlesen möchtest, scheint das Buch ja ganz interessant zu sein...

Grüße

Sabine
ab (02.03.2007, 15:41):
so wenig weit wie ich gekommen bin, schrieb Fritz Busch erst von seiner Jugend, da wird gerne einmal geprügelt, geschlagen und in Wirtshäusern zum Tanz aufgespielt. Etwas befremdlich, was er als aufzeichneswert erachtete. Bin schon gespannt, wann sich endlich etwas musikalisch Interessantes ereignet...

Buschs Beethoven 9. schätze ich (trotz einiger Mängel) sehr (war einst bei der ersten Beethoven-DG-Gesamtedition auf der Historischen Aufnahme-Box drauf). Wie auch seine Geschwister beim Busch-Quartett verstand Fritz es, durch Klangfülle zu gestalten.
Jascha Horenstein (05.03.2007, 23:46):
Lieber ab,

kennst du Buschs großartigen Aufnahmen verschiedener Mozart-Opern? In allen Fällen sehr lohnend, bei "Don Giovanni" für mich sogar als höchste Referenz.
ab (06.03.2007, 00:29):
Original von Jascha Horenstein
Lieber ab,

kennst du Buschs großartigen Aufnahmen verschiedener Mozart-Opern? In allen Fällen sehr lohnend, bei "Don Giovanni" für mich sogar als höchste Referenz.

Leider kenne ich nur Don Giovanni und Cosi fan tute.
Großartig!
:P
cellodil (08.03.2007, 00:19):
http://ec2.images-amazon.com/images/P/3351025718.03._SS500_SCLZZZZZZZ_.jpg

Ein ziemlich interessantes und bewegendes Buch, in dem es allerdings nur am Rande um Musik geht.

Grüße

Sabine
Amadé (08.03.2007, 20:11):
@ab
Hallo ab,

dass Fritz Busch in seinem Werdegang erwähnt, mit Vater und Brüdern rund um seinen Geburtsort Siegen zum Tanz aufgespielt zu haben, finde ich keineswegs befremdlich. Sicher wollte er darauf hinweisen, das er sein Handwerk von der Pike auf lernte, z.B. die Beherrschung mehrerer Instrumente, das Aufeinander-Hören, sich unterordnen an gegebenen Stellen und vieles mehr. Später als arrivierter Dirigent kam ihm diese "Schule" sehr vonstatten: wenn er Orchestermusikern präzise Spielanweisungen geben konnte, verkürzte dies die Proben und wirkte sich nebenbei auch auf Achtung und Wertschätzung bei seinen Musikern aus.
Übrigens befindet er sich mit dieser "Nebenausbildung" in bester Gesellschaft, auch Johannes Brahms und Ferenc Fricsay zogen großen Gewinn aus ihren musikalischen Erfahrungen vor dem eigentlichen Studium.
Gruß Amadé
uhlmann (08.03.2007, 20:31):
hinein gelesen habe ich ja schon, nun aber versuch ich es "im ganzen":

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/3765102474.jpg

keine leichte kost, aber ich freu mich schon drauf.
lachenmann ist auch ein großer mann des wortes.
ab (08.03.2007, 21:14):
Original von Amadé
@ab
Hallo ab,

dass Fritz Busch in seinem Werdegang erwähnt, mit Vater und Brüdern rund um seinen Geburtsort Siegen zum Tanz aufgespielt zu haben, finde ich keineswegs befremdlich.

Befremdlich fand ich das andere oben erwähnte Drumherum um diese Abende und sonst zuhause. Dem, was Du schreibst, stimme ich natürlich zu.
ab (08.03.2007, 21:16):
wie dick ist denn dieses Lachenmann-Buch?
Danke! (Ich denke, ich habe in einem überraschend gutem Gedanken-über-Musik-Buch Ausschnitte daraus genossen.)
uhlmann (08.03.2007, 22:08):
Original von ab
wie dick ist denn dieses Lachenmann-Buch?


450 seiten, sehr klein gedruckt.

inhalt sind einführungen zu eigenen werken lachenmanns, analysen und reflexionen über andere komponisten (z.b. mahler, schönberg) sowie betrachtungen über musik im allgemeinen. die artikel sind vielfach in zeitschriften oder sonstigen büchern erschienen.
cellodil (24.03.2007, 23:10):
http://ec1.images-amazon.com/images/P/1871082382.03._SS500_SCLZZZZZZZ_V46890052_.jpg

Taschenbuch: 290 Seiten
Verlag: Kahn & Averill; Auflage: Reprint (Juni 2001)
ISBN-10: 1871082382
ISBN-13: 978-1871082388

Eines meiner Lieblingsbücher, das ich dringend mal wieder lesen muss...

Ja, ich weiß: Meine Cellophilie wird langsam peinlich... :ignore

Grüße

Sabine
nikolaus (26.03.2007, 11:33):
Ja, ich weiß: Meine Cellophilie wird langsam peinlich...

Nee, wieso?

Und überhaupt, was soll ich denn sagen mit Martha Argerich als meine CD-Bibliothek bestimmende Pianistin! Ich traue mich gar nicht, alles was ich höre in den entsprechenden thread zu stellen...

Gruß, Martha - äh, Nikolaus.
cellodil (27.03.2007, 15:20):
Lieber Nikolaus,

da bin ich aber erleichtert...

Liebe Grüße (auch an Martha :D )

Sabine
cellodil (28.03.2007, 23:48):
http://ec1.images-amazon.com/images/P/3476022196.01._SS500_SCLZZZZZZZ_.jpg

Gebundene Ausgabe: 64 Seiten
Verlag: Metzler (2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3476022196
ISBN-13: 978-3476022196

Grüße

Sabine
(jetzt doch wieder bekennend cellophil.... - Danke, Nikolaus! :thanks)
Ganong (13.04.2007, 19:30):
Guten Abend ,

1. Das neue Heft von "International Piano Quarterly" u n d

2. NORMAN LEBRECHTs gerade erschienenenes Buch ( in Deutsch , Schott-Verlag ) .

Bei höchst empfehlenswert !

Grüsse ,

Frank
cellodil (13.04.2007, 20:03):
http://ec1.images-amazon.com/images/P/3476022145.01._SCLZZZZZZZ_SS500_.jpg

... noch ein verspätet angekommenes Geburtstagsgeschenk...

Grüße

Sabine
cellodil (05.05.2007, 00:29):
http://www.perlentaucher.de/grafik/cover/3/23273.jpg
Da Ponte, Lorenzo
Geschichte meines Lebens

Mozarts Librettist erinnert sich
Aus dem Italienischen und herausgegeben von Charlotte Birnbaum. Mit einem Nachwort, einem Werkverzeichnis und Anmerkungen sowie zahlreichen Abbildungen von Jörg Krämer

insel taschenbuch 3091
476 Seiten, Broschur

Euro 12,00 / Euro 12,40 / sFr 22.10
ISBN 978-3-458-34791-0

... bislang ganz spannend und kurzweilig, diese wechselvolle Lebensgeschichte...
daniel5993 (05.05.2007, 11:02):
Hallo,

Ich lese gerade das Buch oder besser gesagt eine Biographie über Claudio Arrau: Leben mit der Musik.



Gruß
daniel
Jürgen (14.05.2007, 15:15):
http://ec1.images-amazon.com/images/I/5172BZJJG8L._SS500_.jpg



Habe gerade erst angefangen. Liest sich aber ganz gut an.

Jürgen
satie (14.05.2007, 17:38):
Oha, dieses Buch dürfte einige "finstere Kapitel" haben...
satie (15.05.2007, 15:25):
Zwar schon vor einiger Zeit gelesen, aber es passt zur Thematik. Es machte großen Eindruck auf mich, wenn auch Eva Weissweiler nicht unumstritten ist:

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/langenacht_alt/img/001105ausgemertz.gif

Dazu eine (wenn auch etwas hemdsärmlige) Leserrezension:
Schon der Titel "Ausgemerzt" wirft einige Fragen auf. Wer wird ausgemerzt? Und von wem? Ausgemerzt werden jüdische Musiker während der NS-Zeit, u.a. durch die faschistische Publikation von 1940 "Lexikon der Juden in der Musik".
Hier sind in alphabetischer Reihenfolge jüdische Musiker aufgelistet und kommentiert. Die Hälfte des Buches "Ausgemerzt" besteht in der Reproduktion des von den Faschisten angelegten Lexikons. In einem abschließenden Abschnitt werden die Todesdaten und Lebensumstände von 259 jüdischen Musikern identifiziert, die in Konzentrationslager deportiert worden sind. Das einführende Essay behandelt in Hinblick auf den Bereich Musik die Berliner Regierung, die das komplette kulturelle Leben Deutschlands während des Faschismus kontrollierte. Besprochen wird auch die Rolle des Direktor's der Abteilung für Musik, Herbert Gerigk, und seine während dem Krieg begonnene Publikation "Musik in Geschichte und Gegenwart".
Wie diese knappe Buchbeschreibung schon zeigt, enthüllen die beiden Damen Weissweiler ein Stück bisher verborgener Musikgeschichte. Dieses Buch ist unverzichtbar für alle, die sich mit jüdischer und faschistischer Kulturgeschichte befassen und bietet auch für weitere Forschungen im Bereich jüdischer Musik reichlich Material. Das Buch bietet also auf der einen Seite Aufklärungsarbeit, auf der anderen Seite ist es als Aufforderung zu betrachten, weiter den Spuren zu folgen, die von den Weissweiler's schon partiell aufgedeckt worden sind. Es ist nach dieser Publikation nur zu hoffen, daß sich die Weissweiler-Kollaboration in dem versprochenen zweiten Band fortsetzt.


Gruß
S A T I E
Poztupimi (23.05.2007, 14:52):
Hallo zusammen,

habe es fast geschafft:

http://ec1.images-amazon.com/images/I/417RCK2VSNL._AA240_.jpg


Uehling, Peter (2006): Karajan - Eine Biographie.- 412 S., 27 Fotos auf Taf.; Reinbek (Rowohlt).
ISBN 3-498-06884-9
ISBN 978-3-498-06884-4

Vielleicht ein Zitat aus dem Vorwort vorweg (S. 8):" An Argumenten gegen den schillernden Karajan kam von der Intelligenz nicht sehr viel mehr und über die Jahre auch immer dasselbe: Glätte, technischer Perfektionismus, Ausdruckslosigkeit. Es blieb bei diesen Klischees, weil von der Gegenseite, wenn überhaupt etwas, dann mindestens genau so klischeehafte Sprachfiguren zu hören waren."

Wie er im Vorwort weiter schreibt, möchte er in dieses "desinteressierte Gegenüberstehen" ein wenig Bewegung zu bringen. Und neben dem Anspruch, auch eine Biographie zu sein, versucht er zu beleuchten, wie Karajan zu seiner Rolle im Musikleben über einen relativ langen Zeitraum kam. Er hat dabei den Anspruch an sich, qua Geburtsdatum die kritische Distanz zu wahren, die andere Biographen nach seiner Auffassung nicht hatten - überwiegend nicht haben konnten -, und erstmalig Karajan an seinen Interpretationen zu messen (stark von mir vereinfacht, keine Frage).

Nun bin ich weder ein großer Karajan-Verehrer, noch zähle ich mich zu den Leuten, die Karajan komplett ignorieren und sich nicht ein Stück für ihn und seine Aufnahmen interessieren (ich besitze mehr Aufnahmen mit ihm als mit anderen Dirigenten - einfach aufgrund der Tatsache, daß meine Sozialisation in Sachen klassischer Musik vielfach mit von Karajan dirigierten Werken erfolgte, soweit es sich nicht um die von meinem Vater besonders geliebten Opern handelte).

Alles in allem finde ich das Buch bisher zwar ganz interessant, ein Biographie im Sinne des Untertitels sehe ich darin eher nicht, biographische Details werden nur kurz beleuchtet. Die Lektüre kann sicher dabei helfen, manches an Karajans Technik zu erkennen oder/und zu verstehen. Uehling vergleicht über weite Strecken Karajans Interpretationsansatz mit dem anderer Dirigenten - insbesondere mit dem Furtwänglers und Toscaninis. Und hier liegt für mich persönlich die Schwierigkeit bei der Lektüre. Ich bringe zwar ein wenig Hörerfahrung und aus längst vergangener Schulzeit etwas theoretisches Rüstzeug mit. Aber es ist doch sehr viel Theorie, sicherlich kompetent dargelegt, aber ohne 1. die entsprechende Partitur/-ausschnitte und 2. die angesprochenen Aufnahmen bleibt so manches für mich doch sehr schwer nachvollziehbare Theorie. Und zumindest für den zweiten Punkt fehlt mir dann eine Kleinigkeit: ich kann damit leben, daß hier nicht versucht wurde, auch nur annähernd die von Uehling mehrfach genannten über 800 Aufnahmen Karajans aufzulisten oder gar in ihrer Verfügbarkeit aufzuführen. Aber zumindest bei den "Hauptwerken", denen er mehr Raum einräumt, hätte ich mir eine Auswahldiskographie der verglichenen Aufnahmen gewünscht, um das gesagte vielleicht doch etwas konkreter nachvollziehen zu können (natürlich, in seiner Danksagung hebt er ausdrücklich hervor, daß dieses Buch " nicht Material herbeischafft, sondern sich der Reflexion widmet "). Nicht alle seine Wertungen - so ich sie denn verstanden habe - sind ohne Widersprüche, und ganz ohne Klischees kommt er auch nicht aus.

Gruß
Wolfgang
Gamaheh (15.06.2007, 14:41):
Liebe Forenser,

gestern hatte ich mir einen Tag frei genommen, da ich viele Dinge erledigen wollte. Leider hatte ich am Abend vorher müßig begonnen, in der Autobiographie von Bruno Walter zu lesen und mich dermaßen daran festgelesen, daß ich gestern nach dem Aufwachen gleich weiterlesen mußte und gar nicht aufhörte, und so kam ich zu nichts, als dieses wunderbare Buch zu lesen.

Nachdem ich vor relativ kurzer Zeit (anläßlich eines ansonsten vergeßbaren Konzerts) für mich formuliert hatte, daß der Unterschied zwischen einem beliebigen Musiker und einem formidablen ist, daß erstere die Musik zu der ihren machen und man bei ihnen an einem lebendigen Prozeß der Nachschöpfung teilhat, während erstere die Musik wie eine fremde, im äußersten Falle tote, Materie spielen (wenn auch korrekt) und einem präsentieren, las ich bei Walter gleich im ersten Absatz des Vorwortes: „Und wenn auch durch den geheimnisvollen Akt der Einswerdung mit dem Werk, der das Kriterium nachschöpferischer Begabung ist, die Musik des andern jedesmal zu meinem eigenen Seelenbekenntnis geworden ist ...“ Da war ich natürlich sofort am Haken. Als ich dann etwas später auch noch erfuhr, daß er von E.T.A. Hoffmann „besessen“ war, konnte ich nur noch weiterlesen.

Walter (Jahrgang 1876) hatte mit siebzehn Jahren seine erste Anstellung an der Kölner Oper, kurz darauf am Hamburger Stadttheater bei Gustav Mahler, wo er Korrepetitor und Chorleiter war und kurz darauf zum Kapellmeister avancierte.

Das Buch ist in einem anmutigen Stil und mit Humor von einem uneitlen und selbstkritischen, kompromißlosen Musiker geschrieben, der viele Größen der Kunst seiner Zeit (nicht nur Musiker) gekannt hat und mit äußerstem Respekt von ihnen schreibt. Als besonders angenehm empfinde ich seine ideologiefreie Einstellung z.B. zu Wagner.

Man erfährt, daß er schon mit dreizehn Jahren beschloß, Dirigent zu werden, nachdem er ursprünglich Pianist hatte werden wollen. (Es gibt nach meiner Kenntnis nur Aufnahmen von ihm als Begleiter von Lotte Lehmann und Kathleen Ferrier, die aber sind Juwelen.) Im übrigen erfahren wir viel über die Theater- (Opern-)praxis seiner Zeit und ihren Wandel im Laufe der Jahrzehnte (er schrieb das Buch 1946). Erstaunlich war für mich z.B., daß die Oper Ende des 19. Jahrhunderts offenbar eine wesentlich weniger elitäre Institution war als heute und daß gerade das Hamburger Publikum (anscheinend aller Gesellschaftsschichten) sehr musikbegeistert war. Und soll es nicht wieder so werden?

Bruno Walter, Thema und Variationen. Frankfurt/Main: S.Fischer Verlag, 1960.

Grüße,
Gamaheh
nikolaus (08.07.2007, 23:10):
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9783855359813.jpg

Klappentext:
Paris: Ein Mann geht spazieren. Auf seinen Streifzügen durch Montparnasse begegnen ihm zwangsläufig Menschen mit Rollschuhen und mit Kopfhörern, aus denen "weltumspannende abscheuliche Musik dröhnt". Da hilft nicht einmal mehr das Schubertlied "Am Bach im Frühling", das der Gepeinigte vor sich hin summt. Er hebt ab in musikalische Parallelwelten, lässt die Gedanken schweifen und denkt an den einzigen Verbündeten in dieser Welt der Banausen: seinen Schweizer Freund Markus Berger, Beinahe-Pianist und Ingenieur mit einem feinen Verständnis für die großen kulturellen Dinge dieser Welt. Dazu gehört der einzigartige deutsche Bariton Hermann Prey, für dessen Musik der Erzähler in schwärmerische Ekstase verfällt und der dem einsamen Flaneur größten Trost bietet. Doch der verehrte Star ist auch schon nicht mehr von dieser Welt. Höhepunkte im Leben des so arg Gebeutelten sind die Treffen mit seinem Freund Berger zu Konzertbesuchen in New York, meistens jedoch in der Brasserie L´´Orfeo in Paris. Einziges Thema: die wahre Musik und die finsteren Mutmaßungen über ihr Verschwinden im Lärm der Welt - einer Welt, in der diese beiden letzten Heroen der kulturellen Erhabenheit keinen Platz mehr zu finden glauben... Ein Buch über die Musik und die Stille, über Freundschaft, Wut und Einsamkeit, gleichzeitig ein Buch der Trauer über den Verlust eines Freundes. Voller Witz und scharfsinniger Ironie mit einem augenzwinkernden Blick auf die Kulturpessimisten unserer Zeit. Ein amokartiger Monolog à la Thomas Bernhard vor der Kulisse Paris.

Der letzte Satz trifft sehr gut. Wenn ihr so etwas mögt, ist es sehr empfehlenswert!!
Ausserdem liegt eine kleine CD mit von H.Prey gesungen Liedern bei.

Gruß, Nikolausl.
Gamaheh (09.07.2007, 16:55):
Original von nikolaus
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9783855359813.jpg

... die großen kulturellen Dinge dieser Welt. Dazu gehört der einzigartige deutsche Bariton Hermann Prey, für dessen Musik der Erzähler in schwärmerische Ekstase verfällt und der dem einsamen Flaneur größten Trost bietet.

Vielen Dank für den Hinweis, Nikolaus. Als alter Fan von Hermann Prey muß ich das sicherlich lesen - schön, daß jemand sowas schreibt. Ist es denn auch gut geschrieben, so daß man es gerne liest?

Grüße,
Gamaheh
nikolaus (09.07.2007, 19:29):
Original von Gamaheh

Vielen Dank für den Hinweis, Nikolaus. Als alter Fan von Hermann Prey muß ich das sicherlich lesen - schön, daß jemand sowas schreibt. Ist es denn auch gut geschrieben, so daß man es gerne liest?

Grüße,
Gamaheh

Ich finde es in der Tat gut geschrieben (und auch gut übersetzt).
Du mußt aber wissen, daß es wirklich ein Monolog ist mit langen Sätzen, in denen er sich bisweilen scheinbar verliert (deshalb der passende Vergleich mit Thomas Bernhardt). Aber der rote Faden ist immer da. Man muß sich darauf einlassen und einfach mit"fliessen"...

:hello Nikolaus.
Gamaheh (12.07.2007, 15:53):
Original von nikolaus
Ich finde es in der Tat gut geschrieben (und auch gut übersetzt).
Du mußt aber wissen, daß es wirklich ein Monolog ist mit langen Sätzen, in denen er sich bisweilen scheinbar verliert (deshalb der passende Vergleich mit Thomas Bernhardt). Aber der rote Faden ist immer da. Man muß sich darauf einlassen und einfach mit"fliessen"...


Hallo Nikolaus,

welches ist denn die Originalsprache - Französisch? Thomas Bernhard mußten wir mal in der Schule lesen, daher kenne ich nichts von ihm; aber mit Cäsar bin ich auch fertig geworden, und dies klingt interessanter. Bei amazon.de habe ich einige sehr untereinander widersprüchliche Kommentare gefunden - sehr amüsant, also habe ich es in der Bücherhalle bestellt.

Grüße,
Gamaheh

Oh, P.S.: Das Gehirn-Buch hatte ich zwischendurch auch mal in Händen. Nach den ersten 30 Seiten oder so kam ich zu der Ansicht, daß ich nicht so im Detail über die Physiologie des Hörens bescheid zu wissen brauche, wenn sich daraus im Endeffekt nichts ableiten läßt. Ich habe also erstmal gegen Ende des Buches weitergelesen, und wenn ich nicht etwas Wichtiges übersehen habe, ist es wirklich so, daß die wissenschaftlichen Auslassungen in den ersten 80% des Buches keine Relevanz für das haben, worüber der Autor eigentlich schreiben möchte - da hat er dann im Endeffekt doch nur wieder "in sich hineingehorcht".
nikolaus (12.07.2007, 23:00):
Original von Gamaheh

Hallo Nikolaus,

welches ist denn die Originalsprache - Französisch?
Grüße,
Gamaheh

Oh, P.S.: Das Gehirn-Buch hatte ich zwischendurch auch mal in Händen. Nach den ersten 30 Seiten oder so kam ich zu der Ansicht, daß ich nicht so im Detail über die Physiologie des Hörens bescheid zu wissen brauche, wenn sich daraus im Endeffekt nichts ableiten läßt. Ich habe also erstmal gegen Ende des Buches weitergelesen, und wenn ich nicht etwas Wichtiges übersehen habe, ist es wirklich so, daß die wissenschaftlichen Auslassungen in den ersten 80% des Buches keine Relevanz für das haben, worüber der Autor eigentlich schreiben möchte - da hat er dann im Endeffekt doch nur wieder "in sich hineingehorcht".

Hallo Gamaheh!

Die Originalsprache ist tatsächlich französisch; der Originaltitel lautet
Récital. Une interprétation und ist erschienen in den Éditions du Rocher (2002); Übersetzung von Regine Herrmannsdörfer.
Vielleicht wäre dir Originalausgabe etwas für dich; du sprichst doch sicher Französisch, oder? :down

Zum Gehirn-Buch: ich glaube, du triffst da den Nagel auf den Kopf. Das wird wohl der Grund sein, daß es bei mir lange in der Versenkung verschwunden ist :ignore

Bonne nuit, Nicolas.
daniel5993 (20.07.2007, 20:10):
Joseph Haydn
Seine Kunst, Seine Zeit, Sein Ruhm

Heinrich Eduard Jacob

Christian Wegner Verlag Hamburg
daniel5993 (13.08.2007, 15:16):
Mozart Sein Leben und seine Zeit

http://ec1.images-amazon.com/images/I/519N8C7T8TL._AA240_.jpg

Brigitte Hamann

Sehr schönes Buch, mit vielen Bildern! Habs schon mal am anfang meiner Klassikzeit gelesen!
cellodil (14.08.2007, 23:16):
http://ec1.images-amazon.com/images/I/5159CNZ8RNL._SS500_.jpg
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Cbj (März 2003)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570127427
ISBN-13: 978-3570127421

Lieber Daniel,

kennst Du diese Mozart-Biografie? Die fand ich ziemlich witzig und unterhaltsam (ist allerdings eigentlich ein Jugendbuch)...

Grüße

Sabine
daniel5993 (15.08.2007, 13:45):
Original von cellodil
http://ec1.images-amazon.com/images/I/5159CNZ8RNL._SS500_.jpg
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Cbj (März 2003)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570127427
ISBN-13: 978-3570127421

Lieber Daniel,

kennst Du diese Mozart-Biografie? Die fand ich ziemlich witzig und unterhaltsam (ist allerdings eigentlich ein Jugendbuch)...

Grüße

Sabine


Hallo Sabine,

Nein, dieses Buch kenne ich noch nicht! Aber ich lese ja auch noch nicht lange! Zum Glück bin ich ja schon einmal auf den Geschmack gekommen und irgentwann werde ich dann bestimmt auch zu diesem Buch kommen.


Gruß
Daniel
:beer
cellodil (15.08.2007, 14:59):
Original von daniel5993
Nein, dieses Buch kenne ich noch nicht! Aber ich lese ja auch noch nicht lange! Zum Glück bin ich ja schon einmal auf den Geschmack gekommen


Lieber Daniel,

dann hast Du ja noch viel Spannendes und Schönes zu entdecken!

Herzliche Grüße

Sabine
Poztupimi (27.08.2007, 21:43):
Hallo zusammen,

nachdem ich keine Gelegenheit hatte, am WE meine Musik zu hören, habe ich wenigstens begonnen, in diesem Buch zu lesen:

http://ec1.images-amazon.com/images/I/41RZ2ET6WVL._AA240_.jpg

Hilmes, Oliver (2007): Herrin des Hügels. Das Leben der Cosima Wagner.- 493 S. m. zahlr. Abb.; Siedler Verlag (München).
ISBN 3-88680-836-X
ISBN 978-3-88680-836-6

Ich bin zwar erst etwa auf Seite 80, finde es aber bisher gut zu lesen und sehr interessant, und eins weiß ich gewiß:
bin ich froh, daß mein Vater nicht Franz Liszt ist :D

Grüße,
Wolfgang
nikolaus (27.08.2007, 22:35):
Hallo Wolfgang!

Gut, daß du mich auf diese Weise an diesen thread erinnnerst.

Ich habe vor ein paar Tagen dieses Buch beendet und wollte schon längst darüber berichtet haben:

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/9783827006936.jpg

Es ist zwar keine weltbewegende Literatur, aber es liesst sich sehr schön.
Echenoz beschreibt - rein fiktiv - die letzten Jahre Ravels (es ist keine Biographie!). Einerseits erzählt er den krankheitsbedingten Verfall Ravels sehr nüchtern, andererseit gelingt es ihm trotzdem irgendwie, den "Zeitgeist" einzufangen, so daß man doch recht mitgenommen ist. Ich glaube, das macht vor allem die Qualität des Buches aus.
Kurz: eine angenehme, aber nicht oberflächliche Lektüre für zwischendurch.

Nikolaus.
cellodil (06.09.2007, 22:29):
Als Bettlektüre...

http://ec1.images-amazon.com/images/I/41NNAFNE8WL._SS500_.jpg

... nachdem ich ihn kürzlich auf dem Podium mit dem IPO erleben durfte, ist die Neugier gewachsen....

Grüße

Sabine
Nordolf (12.09.2007, 17:11):
Original von Rachmaninov
Hallo,

derzeit lese ich die frisch eingetroffene Buch "Dimitri Schostakowitsch - Sein Leben, sein Werk, seine Zeit" Von Krzysztof Meyer.



Die ersten beiden Kapitel habe ich bereits verschlungen :leb



Hallo Rachmaninov,

aufgrund Deiner Empfehlung lese ich das Buch nun auch. Danke für diesen Tip!

Es ist sehr gut geschrieben, informativ und erhebt einen wissenschaftlichen Anspruch. Meyer spielt zudem seine Wertungen (die in jedem sich noch so "objektiv" gebendem Text vorhanden sind) nicht in den Vordergrund.

Eine spannende, aber in vielem sehr düstere Zeit, in der Schostakowitsch wirken musste (Revolution, Stalinismus, 2. Weltkrieg, Kalter Krieg). Seine Musik klingt wie der "Soundtrack" dazu...

Herzliche Grüsse!
Jörg
Rachmaninov (12.09.2007, 17:14):
@Jörg,

ja, sehe ich auch so, wobei mir eine noch intensivere Deutung und Beschreibung der Werke durchaus gefallen hätte!
ab (14.09.2007, 15:40):
Derzeit lese ich ein sehr anregendes Buch von
Jerrold Levinson: Music in the Moment

http://ec1.images-amazon.com/images/I/51SW0451E1L._BO2,204,203,200_PIsitb-dp-500-arrow,TopRight,45,-64_OU01_AA240_SH20_.jpg

What is required for a listener to understand a piece of music? Does aural understanding depend upon reflective awareness of musical architecture or large-scale musical structure? The author of this text thinks not. In contrast to what is commonly assumed, Levinson argues that basic understanding of music only requires properly-grounded, present-focused attention, and that virtually everything in the comprehension of extended pieces of music which suggests explicit architectonic awareness can be explained without positing a conscious grasp of relationships across broad spans. Levinson rejects the notion that keeping music's large-scale form before the mind is somehow essential to fundamental understanding of it. As evidence, he describes in detail the experience of listening to a wide range of music. He defends the views of 19th-century musician and psychologist Edmund Gurney, author of "The Power of Sound", who argued that musical comprehension requires only the attention to the evolution of music from moment to moment. Music theory standardly misapprehends the experience and mindset of most who know and love classical music, concludes Levinson. His book is intended as a defence of the passionate and attentive, though architectonically unconcerned, music listener.
Zelenka (14.09.2007, 16:02):
Original von ab
Derzeit lese ich ein sehr anregendes Buch von
Jerrold Levinson: Music in the Moment

What is required for a listener to understand a piece of music? Does aural understanding depend upon reflective awareness of musical architecture or large-scale musical structure? Jerrold Levinson thinks not. In contrast to what is commonly assumed, Levinson argues that basic understanding of music only requires properly grounded, present-focused attention, and that virtually everything in the comprehension of extended pieces of music that suggests explicit architectonic awareness can be explained without positing conscious grasp of relationships across broad spans.

Das würde ja vieles einfacher machen und das schlechte Gewissen besänftigen. Andererseits würde es offenbar auch nach Levinson nur zu einem "basic understanding" reichen ...

Gruß, Zelenka
cellodil (14.09.2007, 22:10):
Original von ab
Derzeit lese ich ein sehr anregendes Buch von
Jerrold Levinson: Music in the Moment

http://ec1.images-amazon.com/images/I/51SW0451E1L._BO2,204,203,200_PIsitb-dp-500-arrow,TopRight,45,-64_OU01_AA240_SH20_.jpg

What is required for a listener to understand a piece of music? Does aural understanding depend upon reflective awareness of musical architecture or large-scale musical structure? The author of this text thinks not. In contrast to what is commonly assumed, Levinson argues that basic understanding of music only requires properly-grounded, present-focused attention, and that virtually everything in the comprehension of extended pieces of music which suggests explicit architectonic awareness can be explained without positing a conscious grasp of relationships across broad spans. Levinson rejects the notion that keeping music's large-scale form before the mind is somehow essential to fundamental understanding of it. As evidence, he describes in detail the experience of listening to a wide range of music. He defends the views of 19th-century musician and psychologist Edmund Gurney, author of "The Power of Sound", who argued that musical comprehension requires only the attention to the evolution of music from moment to moment. Music theory standardly misapprehends the experience and mindset of most who know and love classical music, concludes Levinson. His book is intended as a defence of the passionate and attentive, though architectonically unconcerned, music listener.

Lieber ab,

das klingt ausgesprochen interessant und weckt meine Neugier. Ist das der Klappentext? Hält das Buch, was hier versprochen wird?

Herzliche Grüße

Sabine

P.S. Gerade fällt mir noch ein Zitat von Yehudi Menuhin ein, das ganz gut dazu passt: music speaks for itself. provided we give it a chance.
cellodil (14.09.2007, 22:13):
Original von Zelenka
Das würde ja vieles einfacher machen und das schlechte Gewissen besänftigen. Andererseits würde es offenbar auch nach Levinson nur zu einem "basic understanding" reichen ...


Was heißt da "nur"? Ein basic understanding ist doch ziemlich viel.

Grüße

Sabine
Zelenka (15.09.2007, 14:20):
Original von cellodil
Original von Zelenka
Das würde ja vieles einfacher machen und das schlechte Gewissen besänftigen. Andererseits würde es offenbar auch nach Levinson nur zu einem "basic understanding" reichen ...


Was heißt da "nur"? Ein basic understanding ist doch ziemlich viel.

Grüße

Sabine

"A little learning is a dangerous thing; ...", wie Alexander Pope weiland dichtete.

Gruß, Zelenka
Cosima (15.09.2007, 16:06):
Ich wandele derzeit auf Schumanns Pfaden und lese seit meiner Schulzeit zum ersten Mal wieder E.T.A. Hoffmann und seinen Kater Murr:

http://g-ec2.images-amazon.com/images/I/21R1CY5NR3L._AA180_.jpg

Sehr hübsch ist das. :tongue:

Gruß, Cosima
cellodil (16.09.2007, 01:19):
Original von Zelenka
Original von cellodil
Original von Zelenka
Das würde ja vieles einfacher machen und das schlechte Gewissen besänftigen. Andererseits würde es offenbar auch nach Levinson nur zu einem "basic understanding" reichen ...


Was heißt da "nur"? Ein basic understanding ist doch ziemlich viel.

Grüße

Sabine

"A little learning is a dangerous thing; ...", wie Alexander Pope weiland dichtete.

Gruß, Zelenka

... zwischen little und basic liegt aber doch ein gewisser Unterschied, denke ich.

Herzliche Grüße

Sabine
Zelenka (16.09.2007, 08:51):
Original von cellodil
Original von Zelenka
Original von cellodil
Original von Zelenka
Das würde ja vieles einfacher machen und das schlechte Gewissen besänftigen. Andererseits würde es offenbar auch nach Levinson nur zu einem "basic understanding" reichen ...


Was heißt da "nur"? Ein basic understanding ist doch ziemlich viel.

Grüße

Sabine

"A little learning is a dangerous thing; ...", wie Alexander Pope weiland dichtete.

Gruß, Zelenka

... zwischen little und basic liegt aber doch ein gewisser Unterschied, denke ich.

Herzliche Grüße

Sabine

Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Am besten wäre es wohl, wenn wir Levinson lesen würden und dann genauer wüßten, was er eigentlich meint.

Gruß, Zelenka
cellodil (16.09.2007, 10:32):
Lieber Zelenka,

gute Idee.

Herzliche Grüße

Sabine
ab (16.09.2007, 20:14):
Original von Zelenka
Das würde ja vieles einfacher machen und das schlechte Gewissen besänftigen. Andererseits würde es offenbar auch nach Levinson nur zu einem "basic understanding" reichen ...


Man muss sich hier schon genau ansehen, was mit "Musik" gemeint ist. Hier geht es um aural experience, also um das, was raumklanglich uns durch die Ohren zugänglich ist. Eine Verständis daraus ist etwas völlig anderes als das, was wir durch ein Studieren eines Notentextes erlangen können. Es ist eigentlich ein Beitrag zur Wahrnehmungsästhetik beim Hören von Musik.

Daher meine ich, dass die Grundthese dieses Buches keinensfalls dazu herangezogen werden könnte, ein angesprochenes "schlechtes Gewissen" zu besänftigen.
ab (16.09.2007, 20:26):
Original von cellodil

Jerrold Levinson: Music in the Moment

http://ec1.images-amazon.com/images/I/51SW0451E1L._BO2,204,203,200_PIsitb-dp-500-arrow,TopRight,45,-64_OU01_AA240_SH20_.jpg


das klingt ausgesprochen interessant und weckt meine Neugier. Hält das Buch, was hier versprochen wird?


Liebe Sabine,

es handelt sich hier um ein Buch zur Philosophy of Music, einem recht jungen Bereich der s.g. Analytischen Philosophie, der sich - so gut wie ausschließlich im englischsprachigem Raum - seit den 1970ern entwickelt hat und nun quasi als eigenständiger Bereich der Ästhetik angesehen werden kann (so wie etwa die Philosophie der Literatur schon seit längerem ). Es ist ein ausgesprochenes Fachbuch und ohne einschägige Fachkenntnisse wird sich wohl der Punkt etlicher Argumente nur schwer erschließen.

Mir kommt dieses Buch sehr gelegen, weil ich etliche Grundintuitionen des Autors unbedingt teile. Ich habe allerdings ein anders akzentuiertes Interesse und in manchen Punkten habe ich Ansichten, die sich sogar noch weiter vom Mainstream entfernen.
:cool
ab (17.09.2007, 10:23):
Original von cellodil

... zwischen little und basic liegt aber doch ein gewisser Unterschied, denke ich.


Levinson unterscheidet zwischen "basic understanding"

When irrespective of any architectonic awareness that may be present a piece of music coheres for a listener from moment to moment and is followed absorbedly and responsively as it unfolds, we can say that the listener has come to know the piece, to basically understand it, by ear. (24f)

im Gegensatz zu zu einen Verständins von "large-scale relations"

Formal awareness of large-scale relations may be required for understanding how a piece is constructed, and perhaps why it is effective as music, but that is different from understanding the piece itself – that is, achieving basic musical understanding of it (27f).
cellodil (17.09.2007, 10:29):
Lieber ab,

ich bekomme immer mehr Lust dieses Buch zu lesen. Ist Levinson ein Brite oder ein Amerikaner oder...?

Hoffe, dass ich hier bald mal wieder Zeit habe, um ein bisschen über meinen Tellerrand hinauszusehen. Werde mir das Buch auf jeden Fall bestellen.

Herzliche Grüße

Sabine
ab (17.09.2007, 11:21):
Original von cellodil
Lieber ab,

ich bekomme immer mehr Lust dieses Buch zu lesen. Ist Levinson ein Brite oder ein Amerikaner oder...?

Hoffe, dass ich hier bald mal wieder Zeit habe, um ein bisschen über meinen Tellerrand hinauszusehen. Werde mir das Buch auf jeden Fall bestellen.

Liebe Sabine,

Jerrold Levinson ist Professor an der University of Maryland. Das Buch von 1997 ist übrigens vergriffen und wird gerade als Book on demand aufgelegt - wenn ich recht informiert bin.

Aber:
Als Einstieg in die Materie würde ich Dir viel mehr ein anderes Buch von einem der führenden Musikphilosophen nahe legen wollen:

Introduction to a Philosophy of Music (Taschenbuch)
von Peter Kivy, Oxford University Press , ISBN 0198250487

http://ec1.images-amazon.com/images/I/41LJFfLYhJL._BO2,204,203,200_PIsitb-dp-500-arrow,TopRight,45,-64_OU03_AA240_SH20_.jpg

Kivy ist Professor an der Rutgers University in New Jersey, USA. Sein Buch The Cordes Shell von 1980 - überarbeitet und erweitert 1989 zu Sound Sentiment) - wird gerne als der Inizialzünder angesehen, dass es heute die Philosophy of Music als eigenständigen Bereich der Ästhetik, im Sinne der Analytischen Phiosophie betrieben, gibt.

Zahlreiche Musikphilosophen der USA, so wurde mir gesagt, halten auf Kongressen gerne Jazz-Jammings ab.
cellodil (17.09.2007, 22:07):
Lieber ab,

der Levinson ist im Moment wirklich nur antiquarisch zu bekommen. Vielleicht starte ich dann wirklich mit Deiner Empfehlung:

Introduction to a Philosophy of Music (Taschenbuch)
von Peter Kivy, Oxford University Press , ISBN 0198250487

:thanks und herzliche Grüße

Sabine
daniel5993 (20.09.2007, 11:55):
Am Stück durchgelesen
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/3992128.jpg

Allerdings für 10 Euro ist diese Reihe recht teuer!
daniel5993 (27.09.2007, 12:04):
http://ec1.images-amazon.com/images/I/71D2XK3CFJL._SS500_.gif
Rachmaninov (11.10.2007, 20:03):
Naja, so richtig "lesen" im eigentlichen Sinne ist das nicht: :D

Komponist

Schostakowitsch, Dmitri
Titel

SINFONIE NR. 11 'DAS JAHR 1905'
Taschenpartitur
cellodil (01.11.2007, 07:23):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41P7DY5QARL._SS500_.jpg

... unlängst gelesen. Eine großartig erzählte, wunderschöne Geschichte (nicht nur) über die Magie der Musik, die ich nur allerwärmstens empfehlen kann.


http://ecx.images-amazon.com/images/I/51mFKs6hEUL._SS500_.jpg

... liest sich spannend, bin dennoch, wegen zu häufiger und langer Unterbrechungen bisher noch nicht richtig in Lesefluss gekommen.

Grüße

Sabine
daniel5993 (09.11.2007, 07:43):
http://www.dra.de/online/hinweisdienste/musik/2000/bilder/bach.jpg

Die Musikerfamilie Bach - Leben und Wirken in drei Jahrhunderten
cellodil (09.11.2007, 08:13):
Original von daniel5993
http://www.dra.de/online/hinweisdienste/musik/2000/bilder/bach.jpg

Die Musikerfamilie Bach - Leben und Wirken in drei Jahrhunderten

Ähem... lieber Daniel,

ich glaube, zumindest ein paar Angaben zu dem Titel wären nicht schlecht (wir hatten es ja neulich auch mal von Quellenangaben), zum Beispiel:

Autor (oder Herausgeber)?
Verlag?
Erscheinungsjahr?

Liebe Grüße

Sabine
daniel5993 (09.11.2007, 08:22):
Guten Morgen Sabine!

Manchmal kommt bei mir der Faulpelz durch!
Noch einmal ganz von vorn:

http://www.dra.de/online/hinweisdienste/musik/2000/bilder/bach.jpg

Die Musikerfamilie Bach - Leben und Wirken in drei Jahrhunderten

Autor: Karl Geiringer
Verlag: C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München
Ausgabe: von 1958
Seiten: 571
Es gibt leider kein Cover im Internet

Es ist ein dickes Buch, an dem ich wohl länger zu knabbern habe!
Hoffentlich werd ich auch satt :wink

Gruß
Daniel
cellodil (09.11.2007, 08:37):
Lieber Daniel,

:thanks für die Angaben.

Original von daniel5993
Manchmal kommt bei mir der Faulpelz durch!

Ich denke mal, damit bist Du nicht alleine. Und: Die meisten Kritiker der Elche waren früher ja bekanntermaßen selber welche....

Original von daniel5993
Es gibt leider kein Cover im Internet

Das braucht es ja auch nicht, wenn Du (zumindest) angibst, wer der Autor ist. Das Erscheinungsjahr finde ich auch immer ganz interessant (ist aber manchmal auch nicht zu ermitteln).

Original von daniel5993
Es ist ein dickes Buch, an dem ich wohl länger zu knabbern habe!

Aber hoffentlich mit Freude!

Manche dieser Werke (und dieses Buch kenne ich persönlich nicht) sind ja auch zäh zu lesen. Da würde ich mich dann lieber nach Alternativen umsehen, bevor ich mich über viele hundert Seiten durchquäle.

Original von daniel5993
Hoffentlich werd ich auch satt :wink

Hoffentlich nicht! Sonst wäre das ja das Ende der Entdeckerfreude!

Herzliche Grüße

Sabine
daniel5993 (13.11.2007, 18:05):
Original von cellodil
Lieber Daniel,

:thanks für die Angaben.

Original von daniel5993
Manchmal kommt bei mir der Faulpelz durch!

Ich denke mal, damit bist Du nicht alleine. Und: Die meisten Kritiker der Elche waren früher ja bekanntermaßen selber welche....

Original von daniel5993
Es gibt leider kein Cover im Internet

Das braucht es ja auch nicht, wenn Du (zumindest) angibst, wer der Autor ist. Das Erscheinungsjahr finde ich auch immer ganz interessant (ist aber manchmal auch nicht zu ermitteln).

Original von daniel5993
Es ist ein dickes Buch, an dem ich wohl länger zu knabbern habe!

Aber hoffentlich mit Freude!

Manche dieser Werke (und dieses Buch kenne ich persönlich nicht) sind ja auch zäh zu lesen. Da würde ich mich dann lieber nach Alternativen umsehen, bevor ich mich über viele hundert Seiten durchquäle.

Original von daniel5993
Hoffentlich werd ich auch satt :wink

Hoffentlich nicht! Sonst wäre das ja das Ende der Entdeckerfreude!

Herzliche Grüße

Sabine

Hallo Sabine!

Die ersten 100 Seiten sind vorbei und ich bin an dieses Buch gefesselt!
Es werde auch die Kompositionen, Lebensumstände, die Geschichte aller Bachs erzählt, auch die, die weit vor Johann Sebastian Bach gelebt haben!
Ein Bach nach dem anderen wird vorgestellt. Auch vor Johann Sebastian, waren die Bachs musikalisch begabt und musikalisch Tätig. Eine wirkliche Familientradition.

Oh und satt werd ich doch auf eine Positive Weise! Der Mensch muss ja auch immer wieder Satt werden und ist letztendlich doch nicht Satt! Wir müssen immer wieder essen und so mein ich das, das ein Buch mich zufriedenstellen, satt machen muss. Immer und immer wieder. Ich muss spühren, das ich mich mit Wissen fülle!

Meine Entdeckerfreude ist voll und tief verankert und sie wird nicht Ruhe geben, bis ich alles weiß und ausgelernt habe :wink Der Hunger nach "Wissen" ist ein angenehmer Hunger!

Gruß
Daniel
:hello
cellodil (14.11.2007, 07:52):
Lieber Daniel,

das klingt doch alles sehr erfreulich. Das Buch scheint Dir ja richtig Spaß zu machen.

Mit dem "alles wissen" wollen, das würde ich mir aber an Deiner Stelle noch einmal gut überlegen. Denk' nur an den Herrn Faust und dessen Eingangsmonolg... Falls also demnächst ein Herr Mephisto bei Dir ins Studierstübchen tritt: Schick' ihn einfach wieder weg...

Herzliche Grüße

Sabine
daniel5993 (14.11.2007, 13:29):
OK :wink


Daniel
:hello
cellodil (18.11.2007, 13:18):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41qyDcYbjhL._SS500_.jpg
(1. Auflage, 2007)

... harrt neben dem Bett entspannteren Zeiten mit weniger Pflichtlektüre, scheint aber, laut demjenigen, der mir das Buch geschenkt hat, gut geschrieben, erhellend und spannend zu sein...

Grüße

Sabine
Gamaheh (19.11.2007, 00:09):
Original von nikolaus
http://www.jpc.de/image/cover/front/0/9783855359813.jpg

Lieber Nikolaus,

nun habe ich dieses Buch endlich in die Finger bekommen und heute abend gelesen.

Beim Lesen der ersten Seiten dachte ich: Das kann er doch nicht ernst meinen! Ein bildungsbürgerlicher, elitärer Kulturpessimist; zugegeben, manchmal habe ich ja auch solche Gedanken, aber ich würde mich scheuen, sie zu äußern, geschweige denn, sie in einem Buch der ahnungslosen Öffentlichkeit zuzumuten. Dieser Verdacht ließ mich lange nicht los, obwohl er zunehmend ins Schwanken geriet.

Des Autors Bewunderung für Hermann Prey habe ich immer geteilt, und auch ich erinnere mich, wie ich von seinem Tod erfuhr: Es war das erste, was ich in den Nachrichten hörte (die Fußballweltmeisterschaft habe ich nicht einmal wahrgenommen, soweit ich mich erinnere), als ich ziemlich krank von einem Italien-Urlaub zurückkam (und meine Reaktion war ähnlich).

Nun gut. (Oder: „Kurzum.“) Der Ich-Erzähler hat diesen romanhaft idealisierten Freund („mein Freund Markus Berger“, der zum Zeitpunkt der Erzählung kürzlich verstorben ist), der regelmäßig entweder bei Champagner und Austern oder bei Bordeaux und Spaghetti Carbonara seine kulturtheoretischen Erkenntnisse in Aphorismen von sich gibt und dessen Autorität der Erzähler ergeben ist („ipse dixit“), nachdem sie völlig indifferente Opern- oder Konzertdarbietungen gehört hatten. Eine Kostprobe: „Seit Mozart geht es der abendländischen Melodik (die einzige natürlich, die uns interessiert, sagte Markus Berger) um die Interpretation von Dichtung (hauptsächlich der deutschen, der poetisch-musikalisch schönsten Sprache).“ (S. 44) Eine weitere: „ Sprache, die schönste, die es je gab ...“ (S. 131)

Der Erzähler selbst reicht aber in seiner Praxis nicht an seine hehren Ideale heran: Auch wenn er Diskothekenmusik (stets kursiv gedruckt), Deppen-Musik verachtet, so hört er „ziemlich oft zerstreut und also auf verachtenswerte Weise Bach, Beethoven und Mozart“, während er Kriminalromane liest., verrät also die Musik durch die Literatur. Er liebt sogar Unterhaltungsmusik und hält Hermann Prey für den „größten Crooner des 20. Jahrhunderts“. Ich war mir bis zum Schluß nicht ganz sicher, ob er sich nicht über Hermann Prey belustigt. (Ich stelle ein Zitat in den Hermann-Prey-Faden.)

Das Buch ist, wie sich herausstellt, durchaus selbstironisch. Der Ich-Erzähler vertritt nicht notwendig die Meinung des Autors (der Kulturwissenschaftler ist, nicht Feuilletonist), nicht einmal seine eigene. Es handelt sich nicht um ein Sachbuch oder einen Essay, sondern um einen „romanhaften Bericht“ (was immer das ist). Es vermischt Einstellungen, wirft sie bunt durcheinander, stellt dar. Während der unerträgliche Lärm der Großstadt um ihn herum die Stille zerstört, lauter wahnsinnige Vertreter der modernen Unreife völlig orientierungslos „Spinner auf Rollschuhen“, Handy am Ohr, Knopf im Ohr, „aus denen in einer Lautstärke für Stocktaube die weltumspannende abscheuliche Musik dröhnte, zu der uns die Technik verdammt, wie mein Freund Markus Berger zu sagen pflegte“ (der Ingenieur ist und selbst Lautsprecher entwickelt hat), hüpft er auf seinen federnden Schuhen durch den Verkehr, lauthals „O du mein holder Abendstern“ singend, dabei versuchend, den Ton auf dem letzen „wer-den“ genauso lange zu halten wie Prey.

Noch-einmal-lesenswert.

Grüße,
Gamaheh
nikolaus (20.11.2007, 21:47):
Liebe Gamaheh!

Vielen Dank für Deinen Bericht!
So gut wie Du interpretieren und dazu noch schön ausdrücken kann ich es leider nicht (ich war in der Schule in Deutsch leider keine Leucht...).

Viele Grüsse, Nikolaus.
cellodil (18.12.2007, 07:33):
Mir unlängst ins Haus geflattert:

http://media.libri.de/shop/coverscans/657/6570306_6570306_xl.jpg

Misha Aster
»Das Reichsorchester«
Die Berliner Philharmoniker und der Nationalsozialismus
400 Seiten mit Abb.
ISBN: 978-3-88680-876-2
€ 21,95 | € 22,60 | SFr 38,90 (UVP)

... mal sehen, ob die Lektüre irgend etwas Neues bringt...

Liebe Grüße

Sabine
cellodil (18.12.2007, 07:34):
uuups kann es sein, dass das N-Wort des Aster-Titels gesperrt ist???
nikolaus (18.12.2007, 23:50):
Gerade mittendrin:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51DvmhAZHdL._SS500_.jpg

Klappentext:
Eine alte Kirche in Reykjavik, ein weltberühmter Dirigent, der sein letztes Konzert vor 52 zufällig ausgewählten Isländern gibt, und ein junger Mann, der alles bis hin zu seinem Leben einsetzt, um bei diesem Konzert dabei sein zu können.

Mit der Klarheit, wie sie die Natur Islands spiegelt, entwirft Nicola Lecca seine Vision vom freien verwegenen Menschen gegen eine alles regelnde, alles verwaltende und absichernde Welt.

Ich werde berichten...

Nikolaus.
cellodil (19.12.2007, 07:58):
Lieber Nikolaus,

das klingt nach nettem weihnachtlichem Schmöker... Aber ich werde mich Weihnachten wahrscheinlich doch eher mal wieder (off-topic) mit den Wahlverwandtschaften vergnügen. Habe mir extra die neueste Kritische Ausgabe besorgt, weil meine alten Exemplare komplett vermalt sind...

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (19.12.2007, 08:02):
Original von cellodil
Mir unlängst ins Haus geflattert:

http://media.libri.de/shop/coverscans/657/6570306_6570306_xl.jpg

Misha Aster
»Das Reichsorchester«
Die Berliner Philharmoniker und der
400 Seiten mit Abb.
ISBN: 978-3-88680-876-2
€ 21,95 | € 22,60 | SFr 38,90 (UVP)

... mal sehen, ob die Lektüre irgend etwas Neues bringt...

Liebe Grüße

Sabine

Inzwischen gelesen und nicht wirklich überzeugt...

"Das Reichsorchester" ist eine historische Studie, die die verschiedenen Aspekte des Zusammenspiels zwischen dem Orchester und der NS-Führung (von Antisemitismus, über Gastspielreisen, Auftritte bei NS-Veranstaltungen, bis hin zum Repertoire) untersucht.

Asters Buch wartet mit vielen Details aus Archivrecherchen auf und versucht, das Phänomen in seinen verschiedenen Facetten und in seiner Gesamtheit zu untersuchen. Dabei fallen zwar viele Namen, die mit diesen Namen verbundenen Persönlichkeiten scheinen jedoch fast nie als lebendige Charaktere, sondern zumeist als Funktionsträger auf. Selbst der prominente Fall Furtwängler, der durchaus dramatisches Potential hat (und filmisch zuletzt im Jahr 2002 von István Szabó mit dem Film "Taking Sides - Der Fall Furtwängler" adaptiert worden ist) spielt in Asters Text eine eher randständige Rolle.

Aster bemüht sich um eine möglichst sachliche und möglichst neutrale Darstellung des Geschehens.

Das ist wissenschaftlich sicherlich korrekt, liest sich insgesamt - auch wegen Asters Neigung zu Redundanz - eher zäh und langweilig.

Nicht viel Neues und nicht sonderlich spannend zu lesen...

Ein Buch, auf das ich hätte gut verzichten können.

Liebe Grüße

Sabine
Gamaheh (19.12.2007, 10:16):
Original von nikolaus
Mit der Klarheit, wie sie die Natur Islands spiegelt, entwirft Nicola Lecca seine Vision vom freien verwegenen Menschen gegen eine alles regelnde, alles verwaltende und absichernde Welt.

Ich werde berichten...

Nikolaus.

Lieber Nikolaus,

ich bitte darum - das klingt interessant. (Hauptsache, es ist gut geschrieben.)

Grüße,
Gamaheh
nikolaus (21.12.2007, 17:19):
Original von Gamaheh
Original von nikolaus
Mit der Klarheit, wie sie die Natur Islands spiegelt, entwirft Nicola Lecca seine Vision vom freien verwegenen Menschen gegen eine alles regelnde, alles verwaltende und absichernde Welt.

Ich werde berichten...

Nikolaus.

Lieber Nikolaus,

ich bitte darum - das klingt interessant. (Hauptsache, es ist gut geschrieben.)

Grüße,
Gamaheh

Ich fürchte, ich muss Dich etwas vertrösten.
Ich habe es zwar heute fertig gelesen, aber das Ende hat mich einigermassen ratlos gelassen (eine Form von offenem Ende, die ich nicht mag). Ich will es daher über die Feiertage nochmal lesen.

Wenigstens das kann ich sagen: das Konzept/die Idee ist sehr gut, die Umsetzung gefällt mir nicht durchgängig (es wird betont, dass die Personen reine Fiktion sind, aber andererseits werden Namen wie Krystian Zimerman... erwähnt). Die Sprache ist eher einfach (will sagen nicht raffiniert oder aussergewöhnlich).

Mehr nach dem zweiten Mal...

Gruß, Nikolaus.
Gamaheh (21.12.2007, 22:38):
Original von nikolaus
Ich fürchte, ich muss Dich etwas vertrösten.
Ich habe es zwar heute fertig gelesen, aber das Ende hat mich einigermassen ratlos gelassen (eine Form von offenem Ende, die ich nicht mag). Ich will es daher über die Feiertage nochmal lesen.

Wenigstens das kann ich sagen: das Konzept/die Idee ist sehr gut, die Umsetzung gefällt mir nicht durchgängig (es wird betont, dass die Personen reine Fiktion sind, aber andererseits werden Namen wie Krystian Zimerman... erwähnt). Die Sprache ist eher einfach (will sagen nicht raffiniert oder aussergewöhnlich).

Mehr nach dem zweiten Mal...


Lieber Nikolaus,

herzlichen Dank für Deine Einschätzung! Aber wenn es um einen "freien verwegenen Menschen gegen eine alles regelnde, alles verwaltende und absichernde Welt" geht, ist es dann nicht konsequent, wenn das Ende offen bleibt? Einfache Sprache, wie Du sie meinst, klingt auch sympathisch, das ist mir immer noch die liebste.

Ich werde mal sehen, ob ich es in der Bücherhalle bekommen kann.

Grüße,
Gamaheh
nikolaus (02.01.2008, 22:26):
Original von Gamaheh

Lieber Nikolaus,

herzlichen Dank für Deine Einschätzung! Aber wenn es um einen "freien verwegenen Menschen gegen eine alles regelnde, alles verwaltende und absichernde Welt" geht, ist es dann nicht konsequent, wenn das Ende offen bleibt? Einfache Sprache, wie Du sie meinst, klingt auch sympathisch, das ist mir immer noch die liebste.

Ich werde mal sehen, ob ich es in der Bücherhalle bekommen kann.

Grüße,
Gamaheh

Hallo Gamaheh (ein gutes neues Jahr!!)!

Leider habe ich Deinen Einwand erst heute gelesen.
Ein offenes Ende finde ich in diesem Fall nicht unbedingt konsequent. Der Roman hat mehrere Erzählstränge, die natürlich miteinander verknüpft sind; aber ich hatte das Gefühl, dass sie alle am Ende irgendwie "ausfransen" und mich ratlos zurücklassen. Mehr will ich eigentlich nicht dazu sagen, um nicht vorzugreifen, falls Du das Buch noch lesen willst.
(Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich es Weihnachten doch nicht ein zweites Mal gelesen habe... :ignore)
Ich wäre Dir aber überaus dankbar, wenn Du mir Deine Meinung über den Roman mitteilen würdest, falls Du ihn tatsächlich liest. :thanks

Herzliche Grüße,

Nikolaus.

P.S.: BTW, ich lese gerade, inspiriert durch den Film "The Hours", der Weihnachten zu späten Stunden lief:

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/9783442735372.jpg

Den Film hatte ich seinerzeit im Kino gesehen, er hat mir damals wie jetzt sehr gut gefallen. Er folgt dem Roman sehr eng.
Ich erwähne ihn hier, weil er über die Filmmusik von Philip Glass auch hierher passt :D
Gamaheh (04.01.2008, 16:21):
Original von nikolaus
Ich wäre Dir aber überaus dankbar, wenn Du mir Deine Meinung über den Roman mitteilen würdest, falls Du ihn tatsächlich liest. :thanks


Lieber Nikolaus,

Dir auch ein gutes Neues Jahr (noch darf man das ja wohl?)!

Das Buch ist bis Ende des Monats ausgeliehen, ich habe schon versucht, es zu bekommen und war ganz stolz, daß mir der Name des Autors so weit einfiel, daß ich es suchen konnte; sobald ich es bekommen kann, werde ich es sicher lesen.

Beste Grüße,
Gamaheh
cellodil (05.01.2008, 12:11):
Gerade gelesen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41j%2BZ6MX06L._SS500_.jpg
Gebundene Ausgabe: 318 Seiten
Verlag: Luchterhand Literaturverlag HC (August 2007)
ISBN-10: 3630872638
ISBN-13: 978-3630872636

In Zürich treffen sich - 18 Jahre nach ihrer Trennung - der Pianist Johannes und die Ausstellungskuratorin und Kunstprofessorin Judith zufällig wieder. Johannes bereitet sich auf einen Abend mit Mozart-Sonaten in der Tonhalle vor. Judith beschäftigt sich mit ihren Assistenten mit der Hängung der Bilder für eine Ausstellung im Kunsthaus. Jeder gibt dem anderen Impulse und Inspiration für dessen jeweilige Arbeit und die beiden werden wieder ein Liebespaar.

Im Vergleich mit anderen Texten dieses von mir doch sehr geschätzten Autors, fand ich diesen Roman etwas halbgar und insgesamt doch recht fade und spannungsarm. Die Grenzgängerei zwischen Musik und Bildender Kunst ist zwar ganz interessant, aber so wie es hier abgehandelt wird, letztlich doch auch etwas banal und nicht dazu in der Lage, mehr als 300 lauwarme Romanseiten aufzuwiegen.

Kein Buch, das ich empfehlen würde.

Liebe Grüße

Sabine
Mime (07.01.2008, 11:02):
Ich befasse mich mit Heines "Buch der Lieder", aus welchem auch der Text des Schumann-Zyklus "Dichterliebe" stammt.

:hello
HenningKolf (08.01.2008, 00:42):
Während meines Kurzurlaubs bzw. der langen Reise habe ich unter anderem dieses Buch gelesen



http://ecx.images-amazon.com/images/I/41K3CD88JZL._SS500_.jpg


Den Film hatte ich schon gesehen; obwohl der Film wirklich gut ist, hat mich das Buch noch mehr berührt. Welch unglaublicher Überlebenswille! Es gibt ein Foto des Autors aus dem Jahre 1946 in dem Buch: ein Gesicht, das nicht etwa von Schmerz und Entbehrung gekennzeichnet ist, sondern ausgeprägte Lachfältchen zeigt und pure Lebenslust ausdrückt. Wahnsinn!
cellodil (08.01.2008, 22:21):
Lieber Henning,

Mein wunderbares Überleben ist wirklich ein großartiges Buch. Mir ging es übrigens genauso, dass mich das Buch fast noch stärker und tiefer berührt hat als der Film.

Herzliche Grüße

Sabine
Poztupimi (09.01.2008, 22:11):
Ich lese zur Zeit dieses Weihnachtsgeschenk:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41L-Y5IMzML._SS500_.jpg

Geschichte einer Stradivari
von Chaudière, Frédéric;
Aus d. Französ. v. Sonja Finck, Salto Bd.147, 140 S.;
2007 (Wagenbach ).

Der Autor ist Geigenbauer, der auf der Grundlage von Fakten, seiner Kenntnisse vom Geigenbau, Artikeln etc. die Geschichte der Gibson ex Huberman-Stradivari, die im Jahr 1936 Bronislaw Huberman gestohlen wurde und die sich jetzt im Besitz von Joshua Bell befindet (soweit ich weiß).

Ganz nett, vieles sicher sehr kenntnisreich - gehen wir mal von einem Druckfehler und nicht von einem der Übersetzerin oder des Autors aus, wenn Heifetz ein Konzert mit einer Parfita (sic!) von Bach beendet -, ob es aber große Literatur ist, mögen andere urteilen. In jedem Fall weckt es bei mir den Wunsch, doch mal ein wenig mehr über die Geschichte des Streichinstrumentenbaus zu lesen. Vorschläge dazu?

Viele Grüße,
Wolfgang
nikolaus (09.01.2008, 22:35):
Original von Poztupimi
Ich lese zur Zeit dieses Weihnachtsgeschenk:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41L-Y5IMzML._SS500_.jpg

Geschichte einer Stradivari
von Chaudière, Frédéric;
Aus d. Französ. v. Sonja Finck, Salto Bd.147, 140 S.;
2007 (Wagenbach ).

Der Autor ist Geigenbauer, der auf der Grundlage von Fakten, seiner Kenntnisse vom Geigenbau, Artikeln etc. die Geschichte der Gibson ex Huberman-Stradivari, die im Jahr 1936 Bronislaw Huberman gestohlen wurde und die sich jetzt im Besitz von Joshua Bell befindet (soweit ich weiß).

Ganz nett, vieles sicher sehr kenntnisreich - gehen wir mal von einem Druckfehler und nicht von einem der Übersetzerin oder des Autors aus, wenn Heifetz ein Konzert mit einer Parfita (sic!) von Bach beendet -, ob es aber große Literatur ist, mögen andere urteilen. In jedem Fall weckt es bei mir den Wunsch, doch mal ein wenig mehr über die Geschichte des Streichinstrumentenbaus zu lesen. Vorschläge dazu?

Viele Grüße,
Wolfgang

So ein Zufall, selbiges hatte ich am Wochenende im Laden in der Hand, habe es dann aber nicht gekauft. Es erschien mir beim Querlesen etwas trocken. Stimmt mein Eindruck?

Leider kann ich dir keine Vorschläge zur von dir gewünschten Literatur machen.

Trotzdem herzliche Grüße, Nikolaus.
Poztupimi (09.01.2008, 23:03):
Hallo Nikolaus,

Original von nikolaus


So ein Zufall, selbiges hatte ich am Wochenende im Laden in der Hand, habe es dann aber nicht gekauft. Es erschien mir beim Querlesen etwas trocken. Stimmt mein Eindruck?

Leider kann ich dir keine Vorschläge zur von dir gewünschten Literatur machen.

Trotzdem herzliche Grüße, Nikolaus.

Wie gesagt, kenntnisreich, aber trocken trifft es schon, es fehlt so etwas der Pfiff. Keine Dokumentation oder Sachbuch, aber auch nicht wirklich eine spannende Erzählung. Nicht Fisch nciht Fleisch, wenn man das so sagen kann.

Viele Grüße,
Wolfgang
Little_Swan (11.01.2008, 16:00):
»Wolf Wondratschek verlässt die ausgetretenen Pfade der Erzählkunst und bringt ein Cello wunderbar zum Klingen. Seine Erzählung ist ein Liebesschwur: für die Kunst.« Fritz J. Raddatz in der ›Zeit‹

Das 1711 von Antonio Stradivari gebaute Instrument ist mehrmals um die Welt gereist. Es hat für Könige und Bürger gespielt, in Kathedralen und Schlössern. Virtuosen und Banker haben sich seiner angenommen und seinen Wert gesteigert. In der Nacht vom 10. auf den 11. Juli 1963 wäre es in Südamerika, im Mündungsgebiet des Rio de la Plata, fast ums Leben gekommen. Es hat dreihundert Jahre auf dem Buckel – und klingt wie am ersten Tag.

Pressestimmen

»Eine Erzählung, die auf knapp 200 Seiten vieles vereint; sie ist Etüde, historischer Bericht, Liebeserklärung an die Kunst und Selbstzeugnis. Das Verfahren ist so einfach wie raffiniert: Wondratscheks ›Held‹ ist ein Gegenstand, das Stradivari-Cello ›The Mara‹ ... Wolf Wondratschek verlässt die ausgetretenen Pfade der Erzählkunst und bringt ein Cello wunderbar zum Klingen. Seine Erzählung ist ein Liebesschwur: für die Kunst.« Fritz J. Raddatz in der ›Zeit‹

»Diese Erzählung ist weich, warm und geduldig wie ein perfekter Liebhaber.« Rose-Maria Gropp in der ›Frankfurter Allgemeinen Zeitung‹

»Wondratschek gibt sich in ›Mara‹ von seiner besten, will sagen, witzig-nachdenklichen Seite, pointenreich bis zum Schluss.« Rüdiger Görner in der ›Presse‹

»Das Buch ist schmal, und dennoch reich: Kultur- und Musikgeschichte wird hier miteinander verwoben.« Klaus Siblewski in der ›Welt‹

http://www.wolf-wondratschek.de/titel.cfm?wohin=3423134070


Lieber Wolfgang!

Wie du inzwischen mitbekommen hast: es gibt noch andere Bücher über den Bau von Streichinstrumenten. Ich selbst habe "Mara" vor einem oder zwei Jahren gelesen und seither sicher fünf mal verschenkt. Aus Zeitgründen habe ich dir einfach eine Inhaltsangabe und ein paar Pressestimmen von Wolf Wondratscheks Seite runtergezogen.
Hoffentlich konnte ich dir damit weiterhelfen. Gegebenenfalls dann viel Spaß beim Lesen.

Liebe Grüße, Lea
Gamaheh (11.01.2008, 16:38):
Original von Little_Swan
Ich selbst habe "Mara" vor einem oder zwei Jahren gelesen und seither sicher fünf mal verschenkt.


Liebe Lea,

ich glaube, Sabine-Cellodil hat weiter oben schon über dieses Buch berichtet, und wenn mich die Erinnerung nicht trügt, auch sehr positiv.

Grüße,
Gamaheh
Little_Swan (11.01.2008, 17:41):
Sorry, wenn ich da was wiederholt habe. Ich habe bloß gesehen, dass Poztupimi auf der Suche nach Literatur über den Bau von Streichinstrumenten war, ohne mir frühere Beiträge anzuschauen. Trotzdem nochmal meine wärmste Empfehlung...
Hast du es auch schon gelesen???

Liebe Grüße, Lea
Little_Swan (11.01.2008, 17:49):
Hallo Gamaheh!

Ja, habe gerade nachgeschaut, du hattest recht. Sie hat aber nur 2. - 3. Zeilen darüber geschrieben!

http://www.das-klassikforum.de/thread.php?threadid=378&threadview=0&hilight=&hilightuser=0&page=2
Gamaheh (14.01.2008, 14:06):
Original von Little_Swan
Sorry, wenn ich da was wiederholt habe.

Liebe Lea,

es lag mir fern, darauf hinzuweisen, daß Du etwas wiederholt hast; ich wollte lediglich Deine Empfehlung dadurch verstärken, daß sie jemand anderes auch ausgesprochen hatte. (Ich selbst habe das Buch nicht gelesen.)

Grüße,
Gamaheh
Poztupimi (14.01.2008, 20:58):
Liebe Lea, liebe Gamaheh,

vielen Dank für den Hinweis, weiter zurück hatte ich garnicht geschaut. Ich werde es mir vormerken, auch wenn mir weniger eine eher belletristische Beschäftigung mit dem Thema vorschwebte als vielmehr ein kleiner kompakter Überblick über die Geschichte des Streichinstrumentenbaus - mit ein wenig gut verständlicher Theorie zu denselben. Ich war nur - gebe ich zu - in letzter Zeit etwas faul, zu suchen. Wenn ich aber mal wieder in nächster Zeit in Berlin bin, werde ich mal eine einschlägige Buch-/Musikalienhandlung aufsuchen.

Viele Grüße,
Wolfgang
cellodil (16.01.2008, 09:37):
Lieber Wolfgang,

ich fürchte fast, dass Du Dich da nicht leicht tun wirst, bei diesem Vorhaben. Ich habe bislang nur (ziemlich teure) Fachbücher zu diesem Thema gefunden.

Falls Du doch fündig werden solltest: Lass' es mich wissen.

Herzliche Grüße

Sabine
Poztupimi (16.01.2008, 20:23):
Liebe Sabine,

Original von cellodil
Lieber Wolfgang,

ich fürchte fast, dass Du Dich da nicht leicht tun wirst, bei diesem Vorhaben. Ich habe bislang nur (ziemlich teure) Fachbücher zu diesem Thema gefunden.

Falls Du doch fündig werden solltest: Lass' es mich wissen.

Herzliche Grüße

Sabine

ich habe jetzt doch mal "Violine" und "Violoncello" bei Wikipedia eingegeben und geschaut, was da so zu finden ist. Und die dort genannte Literatur habe ich versucht bei zvab zu finden.

Die älteren Veröffentlichungen habe ich auf die Schnelle noch nicht gefunden, aber immerhin einige jüngeren Datums, hier eine kleine Zusammenstellung (mit den Preisen, die wenn ich nicht irre Neupreise sind; die Mühe, die ISBN lesefreundlicher zu trennen, habe ich mir gespart):

1.)
Drees, Stefan
Lexikon der Violine Baugeschichte, Spielpraxis, Komponisten und ihre Werke, Interpreten
Laaber Verlag, Januar 2004
ISBN 3890075444
805 S. - Sprache: Deutsch - 95 tls. farb. Abb. - 260x192x61 mm
€ 98,--

2.)
Huber, John
Italienische Violinen des 18. Jahrhunderts 1. Ausgewählte Beispiele 18th Century Italien Violins 1. Selected Reference Examples
PPV Medien GmbH, Juli 2007
ISBN 3923639384
165 S. - Sprache: Deutsch - 240 Farbfotos - 307x215x14 mm
€ 127,--

3.)
Melkus, Eduard
Die Violine Eine Einführung in die Geschichte der Violine und des Violinspiels
Schott Music, Januar 2000
ISBN 3795723590
4. erw. u. überarb. A. - 193 S. - Sprache: Deutsch - Zahlr., tls. farb. Abb. - 215x192x22 mm
€ 22,95

4.)
Nobach, Christiana
Streichinstrumente Reihe: MGGprisma
Metzlersche J.B. Verlagsb / Baerenreiter-Verlag, April 2002
ISBN 3476410439
376 S. - Sprache: Deutsch - 40 Abb. u. zahlr. Notenbsp. - 215x149x22 mm
€ 22,90

5.)
Möckel, Otto
Geigenbaukunst
Nikol Verlagsgesellschaft 2005
378 Seiten, Format: 25*18. Mit Schutzumschlag
€ 36,50 oder als Lizenzausgabe € 13,94

6.)
Prange, Heike
Die Violine Reihe: Mein Instrument
Baerenreiter-Verlag, März 2002
ISBN 3761819005
32 S. - Sprache: Deutsch - 305x235x9 mm
€ 18,95

7.)
Boettcher, Wolfgang / Pape, Winfried
Das Violoncello Geschichte - Bau - Technik - Repertoire
Schott Music, April 2005
ISBN 3795702836
2., überarb. A. - 312 S. - Sprache: Deutsch - 47 Abb. u. Notenbeisp., 11 meist farb. Taf. - 248x179x25 mm
€ 39,95

Ich hoffe, daß ich bei meinem nächsten Besuch in Berlin in der wie ich finde recht gut sortierten Musikalien-Abteilung das eine oder ander Werk davon in die Finger bekomme. Ansonsten werde ich mal hören, was unsere heisige Stadtbibliothek oder die UB zu einer Fernleihe sagen (speziell 1. & 2).

Viele Grüße,
Wolfgang
Little_Swan (17.01.2008, 18:27):
Lieber Poztupimi!

Wenn du nicht etwas ganz trockenes, fachliches willst, wirst du sicher auch mit "Mara" glücklich. Sabine würde dir sicher bestätigen, dass nebenbei auch total viel Fachwissen vermittelt wird - eben auf humorvolle Weise.
Man erfährt sehr viel über die herausragende Arbeitsweise Stradivaris und auch einiges über den Bau von Streichinstrumenten im Allgemeinen.

Probier es doch mal damit, denn erstens ist es sehr viel billiger als die großen Nachschlagewerke und zweitens macht es mehr Spaß.

Falls du dir jetzt aber wirklich eines dieser Monsterfachbücher antun willst, gebe ich dir noch einen Tipp, wo du das vielleicht billiger bekommen könntest.
Nämlich bei "2001". Schau doch mal da nach!

Viele Grüße, Lea
Poztupimi (17.01.2008, 18:37):
Liebe Lea,

Original von Little_Swan


Probier es doch mal damit, denn erstens ist es sehr viel billiger als die großen Nachschlagewerke und zweitens macht es mehr Spaß.

Falls du dir jetzt aber wirklich eines dieser Monsterfachbücher antun willst, gebe ich dir noch einen Tipp, wo du das vielleicht billiger bekommen könntest.
Nämlich bei "2001". Schau doch mal da nach!

Viele Grüße, Lea

mein vorgestriger Besuch in der einen großen Buchhandlung in Braunschweig war hinsichtlich "Mara" nicht von Erfolg gekrönt - und bestellen vor Ort hatte ich gerade keine Lust. Vielleicht statte ich morgen der anderen großen ein Besuch ab.

Und 2001 habe ich immer mal sporadisch auf der Rechnung. Leider - oder manchmal zum Glück - sind die hier in der Gegend nicht vertreten. Ich stöbere halt immer noch gerne (am liebsten genaugenommen) in den Läden, da bin ich altmodisch.

Viele Grüße,
Wolfgang
cellodil (17.01.2008, 20:52):
Lieber Wolfgang,

Danke für Deine Mühe. Von dieser Auswahl hatte ich doch einige Bücher schon mal in der Hand. Gelesen habe ich nur

Original von Poztupimi

Möckel, Otto
Geigenbaukunst
Nikol Verlagsgesellschaft 2005
378 Seiten, Format: 25*18. Mit Schutzumschlag
€ 36,50 oder als Lizenzausgabe € 13,94

und

Original von Poztupimi

Boettcher, Wolfgang / Pape, Winfried
Das Violoncello Geschichte - Bau - Technik - Repertoire
Schott Music, April 2005
ISBN 3795702836
2., überarb. A. - 312 S. - Sprache: Deutsch - 47 Abb. u. Notenbeisp., 11 meist farb. Taf. - 248x179x25 mm
€ 39,95

fand aber beide eher fade und nicht wirklich erhellend. Die anderen Bücher, die ich schon mal durchgeblättert hatte, die waren dann richtige Fachbücher für Geigenbauer - ganz interessant, aber im Detail dann auch wieder ein bisschen - für meine Bedürfnisse und Interessen - zu ausführlich. Das lasse ich mir dann doch lieber direkt von meinem Geigenbauer (bzw. von meinen Geigenbauern) erklären, was welche Auswirkungen hat und was bei alten Geigen vielleicht anders ist als bei neuen.

Ach, ja: Bei Schott gibt es auch noch eine Reihe, in der so eine Art Taschenführer zu Geige und Cello erschienen sind (die gibt es fast in jeder einigermaßen sortierten Buchhandlung). In denen gibt es zwar einige sehr elementare Infos zu den wichtigsten Geigenbauern und zu den verschiedenen Faktoren, die den Klang eines Streichinstruments beeinflussen, ansonsten bieten die aber eher praktische Ratschläge für den Umgang mit dem Instrument.

Zu Mara... Ich finde, dass das Buch zwar - streckenweise - ganz amüsant ist (irgendwann dann aber auch einigermaßen zäh, zumindest ging mir das verquasselte Cello dann auch ganz schön auf den Wecker) und auch einige Informationen über das wechselhafte Schicksal von Mara und seinen Geschwistern bringt. Aber über Geigenbau selbst oder über die Geheimnisse von Stradivaris Kunst (die allerdings auch zu einem Teil immer noch Geheimnisse sind) erfährt man in dem Buch nicht sonderlich viel.

Ob 2001 eine aussichtsreiche Adresse für Fachbücher über Geigenbau ist, das wage ich auch zu bezweifeln, denn die erscheinen normalerweise doch in sehr kleinen (teuren) Auflagen in Spezialverlagen und fallen auch nicht so schnell dem Veralten anheim (wenn man das so sagen kann - wahrscheinlich eher nicht).

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (17.01.2008, 20:58):
Übrigens... Über den (mafiösen) Handel mit Stradivaris war vor ein paar Wochen ein ganz witziger Artikel im Spiegel (vielleicht findest Du den ja in der Bibliothek - oder eventuell, ich habe nicht geschaut, auch im Netz):

Der Stradivari-Wahn, in: Der Spiegel, 50/2007, S. 160ff

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (17.01.2008, 21:07):
P.S.

Über Mara hatte ich hier etwas ausführlicher geschrieben.

Herzliche Grüße

Sabine
Poztupimi (17.01.2008, 21:08):
Liebe Sabine,

Original von cellodil


Ob 2001 eine aussichtsreiche Adresse für Fachbücher über Geigenbau ist, das wage ich auch zu bezweifeln, denn die erscheinen normalerweise doch in sehr kleinen (teuren) Auflagen in Spezialverlagen und fallen auch nicht so schnell dem Veralten anheim (wenn man das so sagen kann - wahrscheinlich eher nicht).

Herzliche Grüße

Sabine

Ich hätte da eher an den Huber (Nr. 2 meiner Liste) gedacht, irgendwann mal. Für Fachbücher bleiben sicher die auf Musikalien spezialisierten Antiquariate - oder die nächstgelegene Uni-Bibliothek. Aber so sehr theoretisch (Hölzer, Lacke, Schallausbreitung etc.) will ich zunächst garnicht.
Ich werde suche.

Viele Grüße,
Wolfgang
cellodil (17.01.2008, 21:10):
Lieber Wolfgang,

Original von Poztupimi
Für Fachbücher bleiben sicher die auf Musikalien spezialisierten Antiquariate - oder die nächstgelegene Uni-Bibliothek. Aber so sehr theoretisch (Hölzer, Lacke, Schallausbreitung etc.) will ich zunächst garnicht.

.... genau das hatte ich gemeint...

Falls Du was Spannendes finden solltest (ich hab's bis jetzt noch nicht): Ich bin immer interessiert.

Herzliche Grüße

Sabine
Little_Swan (19.01.2008, 15:37):
Liebe Sabine!

Natürlich ist das bei 2001 so eine Sache, vor allem weil alles etwas chaotisch und unsortiert ist, aber wenn man dann mal etwas findet, nachdem man wirklich sucht, ist es vor allem wegen der günstigen Preise ein Glücksfall.
Ich gebe zu, dass Mara auch manchmal "quasselt", insgesamt hat mir das Buch trotzdem gefallen.
By the way: der Spiegelartikel war wirklich gut.


Lieber Poztupimi!

Spielst du selbst ein Streich- bzw. überhaupt ein Instrument? Dann wüssten wir vielleicht genauer was du suchst bzw. dir antun willst. Geht es dir um eine bestimmte Streichergattung oder ist dir das egal?

Liebe Grüße, Lea
Poztupimi (19.01.2008, 15:54):
Liebe Lea,

Original von Little_Swan


Lieber Poztupimi!

Spielst du selbst ein Streich- bzw. überhaupt ein Instrument? Dann wüssten wir vielleicht genauer was du suchst bzw. dir antun willst. Geht es dir um eine bestimmte Streichergattung oder ist dir das egal?

Liebe Grüße, Lea

ich habe mit zwölf begonnen, Geige zu lernen, habe dies während der gesamten Schulzeit getan, im Orchester gespielt, brav an den jährlichen Hausmusikabenden - gibt es heute sowas noch? - teilgenommen. Kurz vor dem Abi wurde meine Geige gestohlen - glücklicherweise versichert -, eine geliehene habe ich noch bis zu meinem 25ten Lebensjahr gespielt, dann aber während des Studiums mangels Zeit - zumindest habe ich mir das eingeredet - das Thema ad acta gelegt und seitdem - ich oute mich mal, es sind seither über 20 Jahre vergangen - nicht wieder aufgenommen, sondern über lange Jahre dem Chorgesang den Vorzug gegeben. So, und nun seht Ihr auch, woher meine Vorliebe für Musik diese beiden Genres rührt.

Viele Grüße,
Wolfgang
cellodil (21.01.2008, 23:07):
Liebe Lea,

Original von Little_Swan
By the way: der Spiegelartikel war wirklich gut.


Freut mich. Ich fand den auch ganz witzig...

Herzliche Grüße

Sabine

P.S. Mit 2001 hast Du natürlich recht. Manchmal findet man dort wirklich, was man sucht... Es ging mir lediglich darum, dass ich das in diesem speziellen Fall für recht unwahrscheinlich halte.
Poztupimi (21.01.2008, 23:49):
Liebe Sabine,

Original von cellodil


P.S. Mit 2001 hast Du natürlich recht. Manchmal findet man dort wirklich, was man sucht... Es ging mir lediglich darum, dass ich das in diesem speziellen Fall für recht unwahrscheinlich halte.

Im letzten Merkheft, für € 10,--

Möckel, Otto
Geigenbaukunst
Nikol Verlagsgesellschaft 2005
378 Seiten, Format: 25*18. Mit Schutzumschlag

Für den Preis habe ich es jetzt mal bestellt, trotz der von Dir festgestellten Einschränkungen. Es wird mich sicher nicht dümmer machen :wink

Viele Grüße,
Wolfgang
Little_Swan (22.01.2008, 15:12):
Lieber Wolfgang!

Schön, jetzt hast du doch was gefunden. Wie viel kostet das (zum Vergleich) in einer Buchhandlung? Über einen ersten Eindruck von dir würde ich mich freuen. Vielleicht leg ich mir das dann auch zu.

zu den Hausmusikabenden:
Für meine Family ( Gesang (meine Mutter), Querflöte & Cello (mein Vater), Gitarre (mein Bruder), Gesang & Geige (ich) ) gibt es glücklicherweise nichts zu kaufen. Wenn wir so was mal machen, spiel wir eher Duos oder improvisieren.
Das ganze ist also relativ ungezwungen.
Hast du so sehr darunter gelitten? Übrigens: wir waren uns ja bei der Instrumentenwahl relativ einig! :rofl

Viele Grüße, Lea
Poztupimi (22.01.2008, 20:05):
Liebe Lea,

Original von Little_Swan
Lieber Wolfgang!

Schön, jetzt hast du doch was gefunden. Wie viel kostet das (zum Vergleich) in einer Buchhandlung? Über einen ersten Eindruck von dir würde ich mich freuen. Vielleicht leg ich mir das dann auch zu.

soweit ich gesehen habe ist es im Moment für knapp 30,-- zu haben.


zu den Hausmusikabenden:
Für meine Family ( Gesang (meine Mutter), Querflöte & Cello (mein Vater), Gitarre (mein Bruder), Gesang & Geige (ich) ) gibt es glücklicherweise nichts zu kaufen. Wenn wir so was mal machen, spiel wir eher Duos oder improvisieren.
Das ganze ist also relativ ungezwungen.
Hast du so sehr darunter gelitten?


Ich habe zwei Arten von Hausmusikabenden kennengelernt:
Die bei meiner Geigenlehrerin, die einmal jährlich stattfanden und bei denen ihre Schülerinnen und Schüler das zum Besten gaben, was sie im Laufe des Jahres gelernt hatten.
Und dann jährlich stattfindende Veranstaltungen in unserer Schule, bei denen in irgendeiner Form möglichst viele das präsentierten, was sie so drauf hatten. Alle Altersstufen ab der 5. Klasse bis Abi-Jahrgang. Da konnte man sich freiwillig melden, was ich soweit ich mich erinnere vielleicht zweimal getan habe. Ich muß jetzt mal schwer nachdenken - ist schon ziemlich lange her -, aber für nicht-solistische oder -kammermusikalische Konzerte (Chöre der versch. Jahrgangsstufen, Orchester und Brass-Band) gab es gesonderte Termine. Wäre sonst eine tagfüllende Veranstaltung geworden.
Gelitten? Nein, eigentlich nicht, aufgeregt und nervös halt.


Übrigens: wir waren uns ja bei der Instrumentenwahl relativ einig! :rofl


Schön, aktiv?

Viele Grüße,
Wolfgang
Little_Swan (23.01.2008, 16:35):
Lieber Poztupimi!

ad "Geigenbaukunst":
"2001" ist also wesentlich billiger, sogar mit Versandkosten. Meld dich bitte mal, wenn du angefangen hast zu lesen.

ad "Vorspiele"
Ja, ich singe und spiele Geige. Die Klassenvorspiele bei meiner Geigenlehrerin sind furchtbar. Die Kleinen brauchen sicher 5 Minuten um einen sauberen ersten Finger zu finden und man soll das dann auch noch toll finden, weil sie die Geschwindigkeit im Vergleich zum letzten Mal halbiert haben. :ignore
Gut, jeder fängt so an, aber diese ehrgeizigen Eltern, die ihrem Kind mit gut drei Jahren eine Geige in die Hand drücken, finde ich ätzend.
Vor allem rennen sie dann bei den Vorspielen immer mit Videokameras rum.
Bei uns gibt es in der Schule Vorspielabende der Musik-AGs und wer will, darf sich da auch solistisch austoben. Hatte bisher nicht das Bedürfnis!

Im Chor ist es besser, da sind die meisten Erwachsen und man kann ersnthafter üben, obwohl das bei Musikern ja auch immer so eine Sache ist.

Liebe Grüße, Lea
daniel5993 (30.01.2008, 22:31):
http://ec1.images-amazon.com/images/I/71D2XK3CFJL._SS500_.gif

Immer, wenn ich zu diesem Buch greife, wird der Heißhunger auf Musik immer größer!
cellodil (30.01.2008, 23:24):
Lieber Daniel,

ich kenne das Buch nicht. Ist das eine Sammlung von Aphorismen?

Herzliche Grüße

Sabine
daniel5993 (30.01.2008, 23:45):
Original von cellodil
Lieber Daniel,

ich kenne das Buch nicht. Ist das eine Sammlung von Aphorismen?

Herzliche Grüße

Sabine


Abend Sabine,

Ich muss mich geschlagen geben! Was sind Aphorismen? Ich kann mir denken was du damit meinst, aber . . . .

Das Buch, eher ein "Büchlein" besteht aus einer Sammlung von Sprüchen, Erkentnissen, Kommentaren, Vorträgen von Bernstein, welche er im Laufe seines Lebens ausgesprochen hat.
"Weisheiten" eines Bernsteins :D

Das muss man Ihm lassen, er hatte die Gabe gehabt etwas Gewaltig und direkt, für jeden verständlich...., das auszudrücken was er über die Musik mit allem drum und dran dachte und zu sagen hatte.
So manches mal spricht er einem aus dem Herzen.

Ein Paar Zitate aus diesem Buch hab ich letztes Jahr im Bernstein-Thread ausgestellt, auf Seite 1.


man siehe hier,
Leonard "Lenny" Bernstein (Thread)

Mir machts Freude im Zuzulesen :D :D

Gruß
Daniel
cellodil (30.01.2008, 23:50):
Lieber Daniel,

sorry wegen der "Aphorismen", aber das, was Du schreibst (Danke für die schnelle Aufklärung!), deutet ganz in diese Richtung...

Ich mag Lenny ja auch sehr. Kennst Du die TV-Reihe "Bernstein in Havard"? Das sind aufgezeichnete (und fernsehtauglich aufbereitete) Vorlesungen mit Lenny am Klavier. Ich habe die vor sehr vielen Jahren mal im Nachtprogramm angeschaut und fand sie (jedenfalls damals) faszinierend.

Das, was Du über das Buch schreibst, das macht Lust auf die Lektüre. Scheint so etwas zu sein, in das man immer mal wieder reinschmökern kann...

Herzliche Grüße

Sabine
daniel5993 (31.01.2008, 00:02):
Ich mag Lenny ja auch sehr. Kennst Du die TV-Reihe "Bernstein in Havard"?

Nein, leider kenne ich diese Vorträge nicht.

Ich hab erfahren, dass Lenny von den fünfizer Jahren (bis in die siebziger) an, viele Sendungen im Fernsehen hatte, wo er über Musik, Komponisten und ihre Werke sprach, welche sehr erfolgreich gewesen sein soll.

Ja, interessieren würden mich solche Sendungen sehr!
Es muss nicht nur oder immer Bernstein sein, es dürfen auch Sendungen über andere Musiker sein, aber selbst die gibts nicht mehr

Es wird viel zu wenig über Musik, berühmte Musiker, Werke usw. gesprochen!
Im Fernsehen, wie im Radio. :ignore

Gruß und Gute Nacht,
Daniel

:hello
Gerion (31.01.2008, 09:19):
@Daniel: Ich erinnere mich, einen oder mehrere der Bernstein/Harvard-Vorträge mal auf Youtube entdeckt zu haben. Soch doch dort mal nach Bernstein - vielleicht wirst Du fündig... :hello
daniel5993 (31.01.2008, 18:07):
Original von Gerion
@Daniel: Ich erinnere mich, einen oder mehrere der Bernstein/Harvard-Vorträge mal auf Youtube entdeckt zu haben. Soch doch dort mal nach Bernstein - vielleicht wirst Du fündig... :hello

Danke!
Hab aber nur einen Mittschnitt gefunden.
Gerion (31.01.2008, 19:55):
@daniel: Schade, dann war es wohl nur einer... :(
HenningKolf (11.02.2008, 08:50):
ich lese zur Zeit dieses Buch hier:

Maurice Ravel im Spiegel seiner Zeit


Recht interessant. Ravel war wohl ein recht umgänglicher Zeitgenosse, der nur dann unangenehm wurde, wenn Toscanini sich das Recht herausnahm den Bolero im Eiltempo spielen zu lassen oder Wittgenstein sich anmaßte, das Klavierkonzert für die linke Hand "verbessern" zu wollen.

Immerhin habe ich durch die Lektüre erfahren, dass Vaughan Williams sich drei Monate von Ravel unterrichten ließ (ob ich das aber zum Anlass nehme mich noch einmal mit diesem Komponisten zu befassen, sei dahingestellt, drei Monate sind ja auch gar nicht so viel Lernenszeit :ignore)

Gruß
Henning
Jürgen (14.02.2008, 10:10):
Umberto Eco: Baudolino (Hörspiel auf 5 CDs)

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51E37B164WL._AA240_.jpg

Dieses Hörspiel habe ich letzte Woche im Auto auf dem Weg von und zur Arbeit gehört. Ich habe mich richtig gefreut auf diese Fahrten, bin sogar bewusst gemächlich gefahren, um noch etwas weiter zu kommen.

Das Buch habe ich vor etwa drei Jahren gelesen und fand es etwas hölzern. Der Name der Rose und Das Foucaultsche Pendel empfand ich als interessanter, wenn auch nicht leichter.

Dieses Hörspiel jedoch hat mir die Geschichte wieder nähergebracht.

Grüße
Jürgen
Rachmaninov (14.02.2008, 10:17):
Original von Jürgen
Umberto Eco: Baudolino (Hörspiel auf 5 CDs)

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51E37B164WL._AA240_.jpg

Dieses Hörspiel habe ich letzte Woche im Auto auf dem Weg von und zur Arbeit gehört. Ich habe mich richtig gefreut auf diese Fahrten, bin sogar bewusst gemächlich gefahren, um noch etwas weiter zu kommen.

Das Buch habe ich vor etwa drei Jahren gelesen und fand es etwas hölzern. Der Name der Rose und Das Foucaultsche Pendel empfand ich als interessanter, wenn auch nicht leichter.

Dieses Hörspiel jedoch hat mir die Geschichte wieder nähergebracht.

Grüße
Jürgen

@Jürgen

freut mich zu lesen, daß es noch andere begeisterte Hörbuch-Freunde gibt.
Das Foucaultsche Pendel ist natürlich schon harter Stoff, vor allem da viele Begriffe verwendet werden, die man nicht einmal im Fremdwörter Duden finden kann.

Falls Du interesse an Hörbüchern hast kann ich Dir als Krimi

"Chemie des Todes"
und den Nachfolger
"Kalte Asche" empfehlen.

Bei historischen Romanen die von Rebecka Gable.

Allerdings sind die im vergleich zu Eco sehr leicht zu verstehen :D
nikolaus (14.02.2008, 10:41):
Original von Jürgen
Umberto Eco: Baudolino (Hörspiel auf 5 CDs)

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51E37B164WL._AA240_.jpg

Dieses Hörspiel habe ich letzte Woche im Auto auf dem Weg von und zur Arbeit gehört. Ich habe mich richtig gefreut auf diese Fahrten, bin sogar bewusst gemächlich gefahren, um noch etwas weiter zu kommen.

Das Buch habe ich vor etwa drei Jahren gelesen und fand es etwas hölzern. Der Name der Rose und Das Foucaultsche Pendel empfand ich als interessanter, wenn auch nicht leichter.

Dieses Hörspiel jedoch hat mir die Geschichte wieder nähergebracht.

Grüße
Jürgen

Das ist ja interessant!
Ich habe das Buch seinerzeit auch gelesen, und mir ging es wie Dir.
Vielleicht sollte ich es mir als Hörbuch nocheinmal zu Gemüte führen...

Nikolaus.
Jürgen (14.02.2008, 11:45):
@Rachmaninov: Eigentlich ist das mein erstes Hörspiel abgesehen von einigen Karl May LPs in meiner Kindheit. Aber ich glaube, ich habe Blut geleckt. Auf dieses Hörspiel bin ich auch nur zufällig gestoßen, weil ein Freund es sich in der Bibliothek ausgeliehen hatte. Nicht der einzige Grund, mal wieder dorthin zu gehen.

@Nikolaus: Ich kann Dir nur raten, es zu tun. Beim Suchen nach dem Image habe ich gesehen, dass es bei amazon marketplace nicht teuer ist.

Grüße
Jürgen
Mime (17.02.2008, 13:45):
Derzeit studiere ich:

Richard Wagner: Die Musikdramen, insbes. die Anhänge zu den einzelnen Werken.

dtv-Bibliothek
Gerion (19.02.2008, 06:49):
Hallo zusammen,

ich habe mir von Reclam einmal die Kreisleriana von E.T.A. Hoffmann bestellt. Bin mal gespannt.

Weiß jemand von Euch, ob es ein Buch gibt, in dem Statements berühmter Persönlichkeiten über Komponisten abgedruckt sind, wie z.B. Adorno/Mahler, wenn ich mich recht entsinne?

Herzlichst,
Gerion
Amadé (19.02.2008, 18:04):
Hallo Gerion,

das gibt es gewiss, habe auch einiges irgendwann gelesen, kann aber im Augenblick keine genauen Angaben machen, werde aber mal recherchieren.

Gruß Amadé
Gamaheh (11.03.2008, 23:44):
Normalerweise schreibe ich lieber über Dinge, die ich mag oder die mich beeindrucken usw. Aber ich muß hier kurz (!) meinem Verdruß Luft machen über ein Buch, das ich gerade gelesen habe (es hat nicht lange gedauert):

Matthias Kornemann. Johannes Brahms. Hamburg: Ellert & Richter, 2006.

Wenn ich das Buch gekauft hätte, wäre es vielleicht das erste, das ich in meinem Leben zum Altpapiercontainer tragen würde. Es ist widerlich zynisch und herablassend im Stil, den ich unerträglich finde, kommt sich dabei offenbar noch ganz geistreich vor. Nur als Kostprobe: Er schreibt über Brahms’ Mutter, die „unscheinbare Näherin aus der Hamburger Unterschicht“, ihr „weitgehend fehlendes Gebiß“, und moquiert sich über die mangelhafte Rechschreibung des „alten Mädchens“.

Er weist nicht nur unablässig auf Brahms’ und Clara Schumanns „Selbstinszenierung“ hin – als ob wir uns nicht alle auf die eine oder andere Weise selbst inszenieren würden! – sondern bezichtigt sie der durchgängigen Lüge, alles unterbaut von einer selbstgebastelten, naiven Laien-Psychologie.

Er will mit Mythen aufräumen und erzählt einfach seine eigenen Märchen, beschwört die heute „gehobenen philologischen Ansprüchen“, ohne ein einziges seiner Zitate (z.T. aus unbekannten oder „heute verlorenen“ Briefen) zu referenzieren. Das Buch entspricht nicht nur nicht ganz einfachen philologischen Ansprüchen, sein Stil würde selbst in keinem Schüleraufsatz durchgehen – nur ein Beispiel: „Brahms wird eine feste Stelle ergattern.“ (S.138)
Brahms wird dargestellt als kleiner Biedermann, der in antiquierten Formen verhaftet war.

Zu allem Überfluß wurde das Buch von der ZEIT-Stiftung in der Reihe „Hamburger Köpfe“ herausgegeben. Hat es jemand von denen gelesen?

Genug! Das hat Brahms nicht verdient, die Schumanns haben es auch nicht. Erspart es Euch!

Ernsthaft erbost,
Gamaheh
Gamaheh (11.03.2008, 23:49):
Original von Gerion
Hallo zusammen,

ich habe mir von Reclam einmal die Kreisleriana von E.T.A. Hoffmann bestellt. Bin mal gespannt.

Weiß jemand von Euch, ob es ein Buch gibt, in dem Statements berühmter Persönlichkeiten über Komponisten abgedruckt sind, wie z.B. Adorno/Mahler, wenn ich mich recht entsinne?

Herzlichst,
Gerion

Hallo Gerion,

viel Spaß bei den "Kreisleriana"! (Nur die "Kreisleriana"?)

Es gibt oder gab bei Reclam eine Reihe "Über ...": "Über Brahms", "Über Bach", "Über Beethoven" usw. Daneben gibt es natürlich solche Sachen wie G.B. Shaw über Musik und Komponisten (namentlich Brahms und Wagner). Ob es ein Buch gibt, in dem Äußerungen verschiedener berühmter Persönlichkeiten über verschiedene Komponisten zusammengetragen sind (falls Du das meinst), weiß ich nicht.

Grüße,
Gamaheh
ab (12.03.2008, 10:03):
Danke für die Warnung!
:hello
Tranquillo (25.03.2008, 14:00):
Die Karajan-Biografie von Peter Uehling ist jetzt als Taschenbuch erhältlich:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51asp2ybP1L._AA240_.jpg

Uehling will laut Vorwort die künstlerische Entwicklung Karajans beschreiben - das Leben des Menschen Karajan sei "nur insofern interessant, als es diese künstlerische Entwicklung erklären hilft". Es geht also in erster Linie um den Musiker, und darum habe ich dieses Buch gekauft.

Das Karajan-Buch von Eleonore Büning - mit ähnlicher Zielsetzung - erscheint erst im nächsten Monat.

Viele Grüsse
Andreas
Rachmaninov (25.03.2008, 14:56):
Ich lese derzeit

Shostakovich Symphonies - BBC guide - Hugh Ottaway
Tranquillo (01.04.2008, 20:38):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41iZCKhu8dL._SS500_.jpg

Herzlichen Dank an Sarastro für den Hinweis auf dieses wirklich sehr lesenswerte Buch!
cellodil (01.04.2008, 23:10):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51elTOx2u4L._SS500_.jpg

Weil ich seit meinem Studium ein etwas getrübtes Verhältnis zur Romantik hatte, habe ich mich vor dem Safranski-Buch bislang gedrückt. Von der gekürzten und vom Autor selbst gelesenen Hörbuch-Version bin ich bis jetzt (3 von 5 CDs) aber sehr angetan. Das liegt sicherlich an Safranskis sehr leichtfüßigem Schreibstil, aber auch daran, dass es ihm in meinen Augen sehr gut gelingt, Romantik und das Romantische in ihren/seinen verschiedenen Ausprägungen und Facetten zu beleuchten und das ganze dann noch mit zum Teil recht amüsanten, zum Teil recht kuriosen Anekdoten zu illustrieren.

Vielleicht werde ich dann doch noch das Buch lesen...


Parallel zum Hörvergnügen "Romantik" noch die schiere Unterhaltungslektüre:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51yPHn5GqUL._SS500_.jpg

Eine literarische (sehr pointierte und witzige) Soap-Opera aus einer Zeit bevor dieselben erfunden wurden... Kurzweilig, amüsant, aber mit Suchtpotential.

Grüße

Sabine
nikolaus (01.04.2008, 23:33):
Hat zwar auch nicht wirklich mit Musik zu tun (obwohl: irgendeine Assoziation lässt sich immer herstellen, z.B. über Napoleon zu Beethoven :ignore):

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783446209350.jpg

Leider bin ich schon seit Monaten immer mit den Gedanken woanders und kann mich nur schlecht konzentieren, daher lege ich es immer wieder weg... :I

Nikolaus.
Solitaire (02.04.2008, 09:22):
Okay, wenn hier auch nicht-musikalische Bücher genannt werden dürfen:
Zur Zeit mal wieder "Die Kameliendame". Letze Woche: "Manon Lescaut".
Ich bin hier eben für's kitschig-ordinäre zuständig :D
Rachmaninov (02.04.2008, 09:25):
Bei mir sind die beiden Wolkow Bücher eingetroffen.

Ich beginne mit diesem

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783548603353.jpg
ab (02.04.2008, 09:58):
In den letzten Zügen. Was für ein moderner Roman!

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51XYBZW6GTL._SS500_.jpg
Rachmaninov (02.04.2008, 11:30):
Original von Rachmaninov
Bei mir sind die beiden Wolkow Bücher eingetroffen.

Ich beginne mit diesem

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783548603353.jpg

Damit verschiebt sich übrigends der Thread zur 4. Sinfonie bis ich dieses Buch gelesen habe sowie "Stalin und Schostakowitsch" :I
cellodil (02.04.2008, 20:30):
Heute (nicht ganz freiwillig) gelesen: Eines aus der Reihe "Bücher, die die Welt nicht wirklich braucht"...

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41FiYEdw7dL._SS500_.jpg

Taschenbuch: 203 Seiten
Verlag: Suhrkamp; Auflage: 13., Aufl. (Januar 1983)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3518373900
ISBN-13: 978-3518373903

Im Mittelpunkt von Hermann Hesses 1910 entstandenem Roman Gertrud steht der körperlich behinderte Komponist Kuhn, dessen Männerfreundschaft zu dem Sänger und Frauenhelden Muoth und Kuhns schwärmerische Liebe zu der Fabrikantentochter Gertrud, die er Muoth vorstellt, woraus erst eine leidenschaftliche Liebesbeziehung und dann eine unglückliche Ehe wird.

Zwei Männerfreunde lieben dieselbe Frau: Ein Stoff, der eigentlich dramatisch sein könnte. Eigentlich. Denn in Hermann Hesses Roman liegt der wirkliche Konflikt nicht außen, sondern in der ich-erzählenden Hauptfigur, die nach außen stumm vor sich hin leidet.

Kuhn ist der introvertierte Zauderer, der nicht daran glaubt, dass sich seine Wünsche erfüllen könnten und es deshalb nicht einmal ernsthaft versucht. Kuhns Antagonist ist nicht außen, sondern innen: Er steht sich selbst im Wege. Doch selbst mit diesem "inneren Antagonisten" findet keine wirkliche Auseinandersetzung statt.

Und leider ist Kuhn (trotz seiner Schüchternheit) auch keine wirklich sympathische Figur. Er schwankt zwischen narzisstischer Selbsterhöhung und -überschätzung, Gekränktsein und Larmoyanz.

Hesse spinnt um seine Hauptfigur herum allerlei Motive und Handlungsstränge. Hier ein bisschen Ringen um die Kunst. Da ein bisschen Selbstfindung und Inspiration in der Natur. Hier ein bisschen Ödipus (der beinbehinderte Held, der Tod des Vaters, das Werben um die Gunst der Mutter). Da ein bisschen Werther kurz vor dem Suizid. Und dann noch ein bisschen vom Meister eingeträufelte Lehre vom Karma und dem Gefühl, allein und Fremd in der Welt zu sein. Dazu noch ein bisschen eheliches Unglück und der Künstler, der sich mit seinem exzessiven Leben selbst ruiniert. Und am Ende dann die heitere Gelassenheit (die freilich auch ein bisschen etwas von einer Friedhofsruhe hat) dessen, der sich von seinen weltlichen Begierden nicht mehr anfeinden lässt...

Alles in allem wirkt der Text dadurch doch ein wenig überfrachtet und verzettelt, findet keine erzählerische Spannung, keinen wirklichen Schwerpunkt. Vieles steht neben- oder hintereinander. Der Text wirkt eher wie Stückwerk und nicht wie ein organisches Insgesamt. Die Geschichte hat auch nichts Zwingendes. Es fehlt die treibende Kraft. Hesse erzählt viel, aber dadurch auch nichts wirklich.

Liebe Grüße

Sabine
ab (02.04.2008, 20:58):
Wunderbares Cover!
cellodil (02.04.2008, 22:56):
Original von ab
Wunderbares Cover!

... gibt's womöglich auch ohne Buch...

Raoul Dufy, Die rote Violine, 1926

Herzliche Grüße

Sabine
ab (03.04.2008, 10:15):
Original von cellodil
Original von ab
Wunderbares Cover!

... gibt's womöglich auch ohne Buch...

Raoul Dufy, Die rote Violine, 1926

Herzliche Grüße

Sabine

wo, bei Ebay? :J
cellodil (06.04.2008, 09:13):
Ein amüsantes Hörbuch zwischendurch:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/31ZXC2623BL._SL500_AA201_.jpg

... in Hackes Texten geht es um die Kunst des Verhörens bei gesungenen Texten und die damit einhergehende kreative Neuschöpfung... Da steiget dann eben aus den Wiesen der weiße Neger Wumbaba... Finde die vom Autor selbst gelesene Hörbuchversion noch deutlich amüsanter als das zugehörige Druckwerk.

Einfach wumbaba....

Liebe Grüße

Sabine
cellodil (08.04.2008, 09:14):
Auf der Suche nach einem Geschenk für die Jugend...

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51yxSz1rQjL._SS500_.jpg

Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: Wiley-VCH; Auflage: 1 (Februar 2003)
ISBN-10: 3527700986
ISBN-13: 978-3527700981

Denke, dass das gut für einen Vierzehnjährigen (der sich grundsätzlich für Musik interessiert) passen könnte. Recht witzig und unterhaltsam geschrieben. Überschaubare Artikellänge. Und doch auch ein gewisser Informationswert.

Liebe Grüße

Sabine
daniel5993 (13.04.2008, 11:03):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0094637407127.jpg

Heut nehm ich mir mal wieder Zeit für dieses Büchlein


Euch allen einen schönen Sonntag!

Gruß
Daniel
Nordolf (14.04.2008, 14:19):
In Vorbereitung auf die Eröffnung des Threads im Forum:

http://www.haef.gr/gre/libraries/suggestions/2006-07/sept06/xenakis.jpg

Da ich im Netz kein Bild der deutschen Ausgabe finden konnte, habe ich das Cover der griechischen Ausgabe gewählt.

Balint Andras Varga:
Gespräche mit Iannis Xenakis
Übersetzung aus dem Englischen: Peter Hoffmann
Atlantis-Musikbuchverlag Zürich und Mainz 1995

Der Komponist Iannis Xenakis erzählt über die grundlegenden Ideen, die hinter seiner ungewöhnlichen Musik stehen (Verknüpfung von moderner Naturwissenschaft und Mathematik mit altgriechischer Philosophie und Gesellschaft).
HenningKolf (14.04.2008, 14:47):
Ich lese zur Zeit:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/415TYlpC0rL._SS500_.jpg

Bis jetzt ein wenig quer gelesen...die Frage der Akzeptanz Sibelius´scher Musik in verschiedenen Kultur- und Hörerkreisen nimmt recht breiten Raum ein.....ich würde gerne mehr zur Musik als solcher erfahren, Adornos Schmähschriften scheinen mir heute nun doch nicht mehr so viel praktische Bedeutung zu haben wie ehedem.



und


http://ecx.images-amazon.com/images/I/41Q4AYC4FCL._SS500_.jpg

Büchereiausleihe, recht interessant, könnte mir denken dass die Taschenbuchausgabe den Weg in mein Bücherregal finden wird


außerdem schaue ich gelegentlich in die Partitur der 2. Sinfonie von Sibelius...lustig, wenn man - wie ich - Noten nicht wirklich lesen kann


Gruß
Henning
Fuff (18.04.2008, 17:07):
http://www.jpc.de/image/w183/front/0/9783499622878.jpg

Uehling's musikalische Biographie liest sich fliessend, und erscheint mir erfrischend objektiv, da er weder pro- noch kontra-Karajan ist. Hier schreibt ein junger kompetenter Musikinteressierter, ohne Vorbehalte, über ein musikalisches Phänomen des letzten Jahrhunderts...

Als Kontrast gönne ich mir trotzdem folgende sehr kompakte und trotzdem tiefgreifende Gedanken eines meiner Favoriten :

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/9783795702700.jpg

Dieses Büchlein ist ideal für jeden, der besser verstehen will, weshalb ihn verschiedene alte Furtwängler Interpretationen auch heute noch faszinieren, und dies trotz aller Surround oder "was auch immer"-Konkurrenz!

Schönes Wochenende,

Patrick Leclerc.
Nordolf (18.04.2008, 18:34):
Original von Fuff.

Als Kontrast gönne ich mir trotzdem folgende sehr kompakte und trotzdem tiefgreifende Gedanken eines meiner Favoriten :

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/9783795702700.jpg

Dieses Büchlein ist ideal für jeden, der besser verstehen will, weshalb ihn verschiedene alte Furtwängler Interpretationen auch heute noch faszinieren, und dies trotz aller Surround oder "was auch immer"-Konkurrenz!

Schönes Wochenende,

Patrick Leclerc.

:beer
Ich weiß nicht, wie oft ich diese kleine Büchlein nun schon gelesen habe. Insbesondere Furtwänglers Betonung des improvisatorischen Aspektes bei der Interpretation gefällt mir sehr. Auch seine Gedanken zur Musikgeschichte und zur Neuen Musik - die er überhaupt nicht abgelehnt hat, wie man manchmal liest - sind sehr differenziert und bedenkenswert.

:hello
Jörg
Gerion (19.04.2008, 14:30):
@Cellodil: Die "Für Dummies"-Bücher sind gar nicht schlecht. Leg' doch bei Bedarf noch das "Oper für Dummies" dazu...
Tranquillo (19.04.2008, 19:38):
Original von Fuff
http://www.jpc.de/image/w183/front/0/9783499622878.jpg

Uehling's musikalische Biographie liest sich fliessend, und erscheint mir erfrischend objektiv, da er weder pro- noch kontra-Karajan ist. Hier schreibt ein junger kompetenter Musikinteressierter, ohne Vorbehalte, über ein musikalisches Phänomen des letzten Jahrhunderts...
:beer

Was mir an diesem Buch besonders gefällt: Es geht in erster Linie um den Musiker Karajan, und hier bemüht sich Uehling wirklich um eine differenzierte Beurteilung, die nicht von den gängigen Karajan-Klischees beeinflusst ist - weder im positiven noch im negativen Sinn.

Viele Grüsse
Andreas
cellodil (20.04.2008, 08:25):
Original von Gerion
@Cellodil: Die "Für Dummies"-Bücher sind gar nicht schlecht. Leg' doch bei Bedarf noch das "Oper für Dummies" dazu...

... da hast Du recht. Sind ziemlich kurzweilig zu lesen. Dem Jüngling habe ich jetzt aber doch was ganz anderes geschenkt (zumal der Titel durchaus in den falschen Hals geraten könnte)...

Was Oper betrifft, da hab' ich schon "The Bluffers Guide to...", den ich mir vor ca. hundert Jahren mal aus den USA mitgebracht habe... Und - immer noch gut - Körners "Der einzig wahre Opernführer"...

Herzliche Grüße

Sabine
Gerion (20.04.2008, 11:26):
Original von cellodil

... da hast Du recht. Sind ziemlich kurzweilig zu lesen. Dem Jüngling habe ich jetzt aber doch was ganz anderes geschenkt (zumal der Titel durchaus in den falschen Hals geraten könnte)...

Da hast Du recht, die Reihe ist eher was zum Sich-Selbst-Schenken. Ich bin da ganz uneitel und gebe unumwunden zu, dass ich beide Büchlein seit langer Zeit besitze und ab und an gerne drin schmökere. Nicht zu verachten ist auch "Kunst für Dummies", das von einem ehemaligen Leiter des Metropolitan Museum of Modern Art (glaube ich aus der Erinnerung) geschrieben wurde. Es ist aber auch deutlich "erwachsener" geschrieben. "Philosophie für Dummies" soll auch gut sein, ebenfalls von einem renommierten Wissenschaftler geschrieben.


Original von cellodil

Was Oper betrifft, da hab' ich schon "The Bluffers Guide to...", den ich mir vor ca. hundert Jahren mal aus den USA mitgebracht habe...

Wow, das hast Du auf der transatlantischen Überfahrt dann sicher verschlungen... :D
cellodil (20.04.2008, 20:53):
Original von Gerion
Original von cellodil

Was Oper betrifft, da hab' ich schon "The Bluffers Guide to...", den ich mir vor ca. hundert Jahren mal aus den USA mitgebracht habe...

Wow, das hast Du auf der transatlantischen Überfahrt dann sicher verschlungen... :D

... naja... Der Einbaum schaukelt halt schon ziemlich...

Grinsige Grüße

Sabine
Gamaheh (03.05.2008, 22:20):
Ich lese gerade nach Jahren (?) mal wieder Oscar Wilde „The Critic as Artist“ – als ich es das erste Mal las, ging ich noch zur Schule ...

Jahrelang habe ich mich gefragt, woher ich meine eigentümlichen Ideen über Kunst habe – jetzt weiß ich es. Oscar Wilde, den ich seinerzeit rauf- und runtergelesen habe, noch mehr als E.T.A. Hoffmann, der erst später kam. Zwar schreibt er in erster Linie über Literatur, aber mutandis mutatis läßt sich das auch – explizit – auf die Musik anwenden : Der Interpret ist der Kritiker. Wie sagt Hamlet so schön: „Why should I weep for Hecuba, or Hecuba for me?“ (oder so ähnlich). (Natürlich darf man nicht alles, was Wilde schreibt, ganz ernst (bzw. wörtlich) nehmen – gut ist, was gut klingt! Eigentlich ein Thema für den Faden „Über Musik reden“.)

Grüße,
Gamaheh
Solitaire (07.05.2008, 10:54):
Guy de Maupassant: Novellen.
Aus "Der Horla" hätte man eine wunderbare Gruseloper im Stile von "Hoffmanns Erzählungen" machen können.
Heike (20.05.2008, 21:36):
Ich lese grade eine wunderbare Paganini-Biographie.
Das Buch ist ein beeindruckendes Zeugnis der Musikgeschichte und es beschreibt die Tragik dieses Menschen in berührender Weise.
Spannend wie ein Schmöker!
Heike (20.05.2008, 22:07):
Die "Für Dummies"-Bücher sind gar nicht schlecht.
Ich finde das "Klassik für Dummies"- Buch wirklich unterhaltsam und auch informativ. Dummie heißt ja auch auf Neu-amerikanisch "Einsteiger", "Anfänger", (und nicht Dummer). Der Titel ist insoweit bestimmt unglücklich, aber das Buch ist wirklich klasse. Für Klassik-Neulinge sowieso, aber auch für Kenner ist es nett zu lesen und keinerswegs trivial schnelle Blödel-Lektüre. Ich fand es richtig witzig.

Ich hab schon überlegt, mir noch andere Bücher aus der Reihe zu kaufen, vielleicht mache ich das mal. Danke für die Empfehlungen! "Kunst für Dummies" wird dann wohl die nächste Anschaffung werden!
Hebre
Solitaire (27.05.2008, 16:45):
Ich lese zur Zeit wieder einmal „Jane Eyre“ von Charlotte Bronte und frage mich (und darum erwähne ich das buch hier) warum das nie ein Komponist veropert hat.
Die Geschichte ist 1847 erschienen und wäre doch eigentlich ein gefundenes Fressen für Giuseppe Verdi gewesen (eigentlich mehr noch für Donizetti, aber der ist ja nun leider 1848 verstorben). Das Stück hat alles, was das Komponistenherz begehrt: eine tugendhafte, von Schicksalsschlägen gebeutelte Heldin, einen dämonischen, gleichwohl (oder gerade deshalb) hocherotischen Helden mit dunklem Geheimnis (und bitte keinen Tenor: Mr. Rochester kann niemand anders sein als der in der Blüte seiner Jahre und seines Könnens stehende Ruggero Raimondi), die durchgeknallte erste Ehefrau auf dem Dachboden, die dramatische, kurz vor dem Jawort vereitelte Trauung zwischen Rochester und Jane, Janes verzweifelte Flucht durchs Moor und überhaupt jede Menge knarrende Dielen, wehende Vorhänge und seltsame Stimmen in der Nacht.
Herrlichster Lore-Roman auf hohem Niveau.
Ich versteh’ es wirklich nicht, daß sich da keiner drüber hergemacht hat. Aber vermutlich hat dem Verdi nicht gepasst, daß es ein Happy End gibt. Da hätte er keine nervenzerfetzende Sterbeszene schreiben können, und das hat er doch so gern getan.
Gamaheh (28.05.2008, 10:27):
Original von Solitaire
Ich lese zur Zeit wieder einmal „Jane Eyre“ von Charlotte Bronte und frage mich (und darum erwähne ich das buch hier) warum das nie ein Komponist veropert hat.


Ich glaube, es gibt nicht einmal eine Oper von "Wuthering Heights", obwohl das noch viel opernhafter ist (soweit ich mich erinnere) - dafür gibt es eine Veroperung von "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte", was ich nicht unbedingt als prädestiniert angesehen hätte ...

Die Komponisten machen - wie auch andere Leute, selbst aus der nächsten Familie! - nicht immer das, was man von ihnen erwartet!!! (Aber es gibt ja Hollywood und das Fernsehen, und die verarbeiten ja wirklich alles.)

Grüße,
Gamaheh
ab (28.05.2008, 10:40):
Original von Gamaheh
- dafür gibt es eine Veroperung von "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte", was ich nicht unbedingt als prädestiniert angesehen hätte ...


Na ja, mit Nymans Musik kann man alle Texte der Welt untermalen :W
Travi (28.05.2008, 11:18):
Original von Solitaire
Ich lese zur Zeit wieder einmal „Jane Eyre“ von Charlotte Bronte und frage mich (und darum erwähne ich das buch hier) warum das nie ein Komponist veropert hat.
...
Ich versteh’ es wirklich nicht, daß sich da keiner drüber hergemacht hat. Aber vermutlich hat dem Verdi nicht gepasst, daß es ein Happy End gibt.

Liebe Solitaire, Du rennst offene Türen ein; ist nämlich doch veropert worden!!! Und zwar von dem britischen Komponisten Michael Berkeley, Jahrgang 1948; er hat gerade seinen sechzigsten gefeiert. Der Mann ist zwar nicht Verdi - ja, nicht mal Italiener :wink, hat aber einen Komponisten als Vater vorzuweisen und außerdem einen gewissen Benjamin Britten als Patenonkel. Jane Eyre (Premiere 2000) war übrigens bereits seine zweite Oper. Das Libretto stammt auch nicht von völlig schlechten Eltern, nämlich von dem australischen Schriftsteller David Malouf.

Herzliche Grüße,
Travi
Travi (28.05.2008, 11:53):
Original von Gamaheh

Ich glaube, es gibt nicht einmal eine Oper von "Wuthering Heights", obwohl das noch viel opernhafter ist (soweit ich mich erinnere)
...
Die Komponisten machen - wie auch andere Leute, selbst aus der nächsten Familie! - nicht immer das, was man von ihnen erwartet!!! (Aber es gibt ja Hollywood und das Fernsehen, und die verarbeiten ja wirklich alles.)

Grüße,
Gamaheh

Liebe Gamaheh,

ich könnte jetzt schreiben (und tus natürlich auch :wink), "doch, die Komponisten, oder jedenfalls manche, machen ganz genau das, was man von ihnen erwartet" - denn es gibt nicht nur Jane Eyre, sondern auch Wuthering Heights als Oper, und das nicht nur einmal.

1951 schrieb der von mir sehr geschätzte Amerikaner Bernard Herrmann (*1911) seine Version. (Ich schätze ihn übrigens u.a. deshalb, weil er zu der Reihe der von mir sehr verehrten "alten" Hollywoodkomponisten gehört, der auch Korngold angehört; über letzteren schrieb ich schon. U.a. schrieb Hermann die Musik zu vielen berühmten Filmen wie Psycho, Vertigo, Citizen Kane, Cape Fear, Taxi Driver etc. etc. etc.). Erst 1966 wurde Herrmanns Werk in London (konzertant) zum ersten Mal aufgeführt. Die Bühnenversion erlebte schließlich 1982 in Portland, Oregon ihre Weltpremiere; da war Herrmann schon sieben Jahre tot.

Ein weiterer Amerikaner, der mir ansonsten unbekannt ist, nämlich Carlisle Floyd (*1926) schuf ebenfalls eine Partitur. Sie hatte 1958 Premiere und sie wird bis heute aufgeführt.

Gruß,
Travi
Solitaire (28.05.2008, 17:52):
Hallo Travi!
Danke für den Hinweis. Jetzt bin ich natürlich neugierig geworden, kennst du die Oper?
Naja, es gibt in „Jane Eyre“ zwar all die genannten romantischen Zutaten, aber eben auch seitenweise Dialog, vor allem die Beziehung Jane-Rochester entwickelt sich in langen Gesprächen und basiert keineswegs auf spontaner Leidenschaft aufgrund engelhafter Schönheit der einen oder verteufelt guten Aussehens des anderen. Wer weiß, ob Verdi das mit seinen musikalischen Mitteln hätte umsetzen können.
Obwohl, vermutlich schon, alter Zauberer der er war.

In Hermanns „Wuthering Heights“ ist der düstere Heathcliff ebenfalls kein Tenor, sondern Bariton. (sagt Yahoo)
Da dürfte Anna dann mal nicht Rolando anhimmeln, sondern wohl eher ihren Erwin Schrott. :engel
Travi (30.05.2008, 09:44):
Hallo Solitaire,

na, würde doch wunderbar passen, die Anna als Jane und der Erwin als düsterer Rochester!!! ;-)

Nein, ich kenne die Oper nicht; ich kenne ja eh erbärmlich wenig :(

Ich weiß nur, dass die ersten britischen RezentInnen Natasha Marsh in der Titelrolle, Emily Bauer-Jones als (eine sehr präsente) Mrs Rochester, aber vor allem den Bass-Bariton Andrew Slater als Rochester überaus gelobt haben. Nicht zuletzt bestaunte man die Leistung Maloufs, dem es wohl gelungen ist, ein episches Werk wie den zugrundeliegenden Roman auf 80 Minuten reinsten Psycho-Dramas zu verknappen, und das trotz kleinsten Büdgets.

Bei Youtube und Google scheint nichts zum Schnuppern zu sein, aber für die ganz wild Entschlossenen ist eine CD in der Premierenbesetzung erschienen. Soll sehr gut sein lt.

http://www.musicweb-international.com/classRev/2002/Dec02/JaneEyre.htm

Gruß,
Travi

P.S. Wenn das der Verdi wüsste...
Solitaire (30.05.2008, 18:24):
Ja, der gute alte Verdi. Was hätte er wohl aus Sätzen wie diesem gemacht:

„Catherine Earnshaw, may you not rest, as long as I am living. You said I killed you - haunt me, then! (...) Be with me always - take any form - only do not leave me in this abyss where I cannot find you!“ :I
Schade, schade, schade.
Sturmhöhe ist auch ein sehr geniales Buch.
Danke für den Link!
ab (04.06.2008, 11:56):
Im Radio gerade gehört:
"Unter Dampf gesetzt". Von Siegfried Lenz. Es las Wolfram Berger

Beschrieben wird ein Besuch in einer Finnischen Sauna
:rofl
cellodil (04.06.2008, 12:21):
Original von ab
Im Radio gerade gehört:
"Unter Dampf gesetzt". Von Siegfried Lenz. Es las Wolfram Berger

Beschrieben wird ein Besuch in einer Finnischen Sauna
:rofl

Wollen wir wirklich mit Siegfried Lenz in die Sauna???

Liebe Grüße

Sabine

P.S. Gerade ausgelesen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41wE08JBy1L._SS500_.jpg
Pascal Mercier, Lea: Novelle
Hanser; Auflage: 1 (11. Mai 2007)
ISBN-10: 3446209158
ISBN-13: 978-3446209152

Garantiert ganz saunafrei.

Eigentlich ein ereignisarmes, aber doch eindringliches und faszinierendes (und sehr schön geschriebenes) Buch.

Zwei Männer treffen sich in Südfrankreich und fahren in die Schweiz. Der eine erzählt dem anderen sein Leben, beziehungsweise das seiner Tochter Lea. Lea, das Geigenwunderkind, das durch das Instrument nach dem Tod der Mutter selbst wieder ins Leben gefunden hatte, dann aber gewissermaßen selbst durch die Geige den Tod findet. Naja. Vielleicht etwas überspitzt ausgedrückt...
Carola (06.07.2008, 21:07):
Ich quäle mich gerade mehr oder weniger durch diesen Roman von Charles Dickens:

http://www.jokers.de/media/ab/2/012/117/012.117.263.jpg

Da ich erstens in der englischen Literatur des 19. Jahrhunderts komplett unterbelichtet bin und zweitens dachte, was in der blauen Reihe bei Winkler Weltliteratur erscheint, kann so schlecht nicht sein, habe ich mir dieses Buch günstig bei Jokers zugelegt.

Mein Fazit nach gut 800 Seiten: Wenn das bereits "Weltliteratur" ist, welches Wort soll man dann noch für zum Beispiel Krieg und Frieden finden?

Mit anderen Worten: Dies wird das erste und letzte Buch sein, was ich von Charles Dickens gelesen habe.

Mit Gruß von Carola
Solitaire (08.07.2008, 10:55):
Aus aktuellem Anlaß gerade wieder: "Don Carlos". Sooo ein geniales Stück :down
Gott sei gepriesen, ich bin in der Schule nie damit gepestet worden, habe also keine unguten Erinnerungen, sondern kann mich völlig unbelastet dafür begeistern. Wenn nämlich die Schule etwas schafft, dann ihren Schülern die Freude an den Klassikern zu nehmen, und das ein- für allemal. DAS wäre ein Fall für die Inquisition.
LadyMacbeth (09.07.2008, 12:46):
Original von Carola

Mein Fazit nach gut 800 Seiten: Wenn das bereits "Weltliteratur" ist, welches Wort soll man dann noch für zum Beispiel Krieg und Frieden finden?

Mit anderen Worten: Dies wird das erste und letzte Buch sein, was ich von Charles Dickens gelesen habe.

Mit Gruß von Carola

Wäre schade. Dickens hat auch kürzeres geschrieben. Mein Lieblingsbuch von ihm ist und bleibt "A christmas charol", gerne auch in dieser wundervollen Verfilmung mit Patrick Steward als Ebenezer Scrooge :rofl

Ich lese zur Zeit (völlig untypisch für mich) "Brideshead revisited". Eigentlich mag ich's ja eher blutig, aber mich hatte als Jugendliche diese Fernsehserie fasziniert. Und das Buch schafft es heute noch.
Solitaire (09.07.2008, 13:53):
Charles dickens war, so heißt es, bei der Versteigerung der Hinterlassenschaft von Marie Duplessis hingegen und soll sich mit dem Gedanken getragen haben, dieses Ereignis zu einem Roman zu verarbeiten. Er hat es dann aber doch gelasssen, stattdessen hat dann Dumas Junior seine "Kameliendame" geschrieben. Wer weiß, wie "La Traviata" heute aussähe, hätte Dickens sich des Themas angenommen.
Carola (09.07.2008, 14:04):
Mir geht in dem Roman von Dickens (Nicholas Nickleby) einfach das holzschnittartige der Figuren auf die Nerven. Sie sind entweder schön und gutherzig oder hässlich und bösartig. Dies alles durch und durch und ganz und gar. Es gibt weder Ambivalenzen noch eine Entwicklung bei diesen Romafiguren. Fast schon überflüssig zu erwähnen, dass die Guten am Ende belohnt und die Bösen bestraft werden. Passt so etwas nicht eher in ein Kinderbuch (wenn überhaupt)?

Und wenn ich das zum Beispiel mit Krieg und Frieden vergleiche, das nur 30 Jahre später erschienen ist (1868/69; Dickens 1838/39), so finde ich bei Tolstoi die Menschen und ihre Geschichte eben sehr viel komplexer dargestellt und feiner gezeichnet.

Gruß, Carola
Carola (10.07.2008, 14:08):
Seit einigen Tagen besitze ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Brockhaus - digital allerdings und von 2007:

http://www.zweitausendeins.de/www_articles_images/large/180811.jpg

Bei 2001 bekommt man ihn für knapp 15 €.

Noch interessanter als die aktuelle Ausgabe finde ich allerdings den Brockhaus aus dem Jahre 1906 (!), der ebenfalls auf der DVD mit dabei ist. Das ist wirklich spannend, auch im Hinblick auf unterschiedliche Komponisten und ihre damalige Rezeption. Dass J.S. Bach damals nur mit ein paar kärglichen Zeilen bedacht wurde, hätte ich zum Beispiel nicht gedacht. Sehr nett auch der kurze Eintrag zu Johannes Brahms, in dem seine Musik so charakterisiert wird:

Tief innerliche Natur, Meister im Aufbau und originell in der Erfindung.

Da bin ich doch ganz einverstanden!

Gruß, Carola
ab (10.07.2008, 16:19):
Original von Carola
Ich quäle mich gerade mehr oder weniger durch diesen Roman von Charles Dickens:

Da ich erstens in der englischen Literatur des 19. Jahrhunderts komplett unterbelichtet bin und zweitens dachte, was in der blauen Reihe bei Winkler Weltliteratur erscheint, kann so schlecht nicht sein, habe ich mir dieses Buch günstig bei Jokers zugelegt.


Lies lieber aus dem Viktorianischen Zeitalter den anderen namhaften Vertreter Thackeray - und im Vergleich der Weiterentwicklung (dann schon 20. Jhrdt.) Galsworthy, den ersten brittischen Nobelpreisträger für Literatur.

Das sind wohl die Vorbilder von Th. Mann gewesen... :D
Solitaire (10.07.2008, 16:57):
Und wenn's mal so richtig kitschig und wildromantisch sein soll, kann ich "Sturmhöhe" von Emily Bronte empfehlen. Wir hatten es hier ja schonmal erwähnt.
ab (10.07.2008, 17:23):
Ich lese gerade Oblomov von Iwan Alexandrowitsch Gontscharow, einem der großen Klassiker der Russischen Literatur, von 1859-69 erschienen.

Der Ausdruck der Oblomowerei ist ja nicht nur zum gefügelten Wort geworden, sondern, wie ich jüngts gegoogelt habe, sogar auch ein Terminus der Psychiatrie, nämlich zur Beschreibung "der Persönlichkeitsstruktur eines willensschwachen Neurotikers, geprägt von Apathie, Faulheit und Parasitismus".

(Die größte literarische Ausformung der Oblomowerei zeigt sich wohl in Tschechows Dramen.)

Ich habe von diesem Werk des russischen Realismus eine schön leserliche Übersetzung von H.W. Röhl, eine Ausgabe noch vom leider nicht mehr existierenden Könemann Verlag, sozusagen dem preislichen Pendant im Verlagswesen zum Documents- oder Brilliant-Classics-Label.
:W
Carola (10.07.2008, 17:46):
Original von Solitaire
Und wenn's mal so richtig kitschig und wildromantisch sein soll, kann ich "Sturmhöhe" von Emily Bronte empfehlen. Wir hatten es hier ja schonmal erwähnt.

Danke für die Vorwarnung! Wieder eine Autorin, die ich mir sparen kann. :D

Ich glaube, ich lasse die englische Literatur für´s Erste mal wieder beiseite.

Mit Gruß von Carola
Solitaire (10.07.2008, 18:08):
Ja, man muß sie mögen die Brontes, stimmt schon :D
Mir kann's ja manchmal nicht kitschig genug sein: Kameliendame, Manon Lescaut, Jane Eyre, ich hab sie alle durch :rofl
Carola (10.07.2008, 19:44):
Original von Solitaire

Mir kann's ja manchmal nicht kitschig genug sein: Kameliendame, Manon Lescaut, Jane Eyre, ich hab sie alle durch :rofl

Wie wäre es mit einer kleinen Abkühlung, um nicht zu sagen einer kalten Dusche?

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41ED8KDNYYL._SL500_AA240_.jpg

Gruß, Carola
nikolaus (10.07.2008, 20:56):
Original von Carola
Original von Solitaire

Mir kann's ja manchmal nicht kitschig genug sein: Kameliendame, Manon Lescaut, Jane Eyre, ich hab sie alle durch :rofl

Wie wäre es mit einer kleinen Abkühlung, um nicht zu sagen einer kalten Dusche?

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41ED8KDNYYL._SL500_AA240_.jpg

Gruß, Carola

Oh ja, sehr beeindruckend bis beängstigend!!
Solitaire (11.07.2008, 19:02):
Habe mir eben mal die Inhaltsangabe angesehen, klingt interessant!

Ich lese gerade ein Buch , das ist so gnadenlos schlecht, daß man es nicht für möglich halten würde. Gedacht als Badewannenlektüre ist es mir gestern in die Hände gefallen, ich wollte nach dem „Don Carlos“ was seichtes zum abschalten, werde aber wohl wieder reumütig zu Schiller fliehen. („Die Räuber“ wären mal fällig) Normalerweise hätte ich das Ding nach zwei Seiten in die Ecke gepfeffert (und das will was heißen, wie gesagt: Kitsch fasziniert mich, aber was zuviel ist, ist zuviel), aber die Faszination des Schreckens ist größer. Außerdem möchte ich wissen, wie weit die Autorin es wohl noch treiben wird...
Der Plot: todkranke Journalistin (Krebs, was sonst, und nebenbei noch diverse Traumata durch Vergewaltigung, Misshandlung in der Ehe, und was einem noch so alles widerfahren kann) soll blinden Startenor für ihr Blatt portraitieren. Beide entbrennen in heißer Liebe, der Krebs zieht sich zurück, die Traumata auch, aber dann wird ein Attentat auf den Sangeskünstler verübt. Um zu zeigen, daß die Autorin hochmusikalisch ist, werden „Che gelida manina“ und „La solita storia del pastore“ erwähnt, ein bisschen Esoterik gibt’s als kostenlose Zugabe auch noch. Es ist in Worte nicht zu kleiden... :rofl :rofl :rofl
Wenn man „Konsalik“ als Maßeinheit für die Schlechtigkeit und Trivialität eines Buches einführen würde, dann läge dieses Epos wohl bei 20 Konsalik. Ich glaube, es ist das schlechteste Buch, daß ich je gelesen habe, aber ich werde durchhalten. :D
Heike (11.07.2008, 19:11):


Karen Duve
Regenroman

Das ist das böseste und zugleich tragikkomisch-klügste Buch, was ich seit langem gelesen habe.
Unterhaltsam, intelligent, witzig, morbide, psychologisch faszinierend, oft widerlich und absolut schräg.
Hebre
Cosima (15.07.2008, 18:48):
Nachdem ich die interessanten und sehr amüsanten Berlioz-Memoiren heute zu Ende gelesen habe, folgt nun dieses Buch:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41P2FZ1470L._SL500_AA240_.jpg
Gamaheh (15.07.2008, 21:20):
Original von Cosima
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41P2FZ1470L._SL500_AA240_.jpg
Jürgen Kesting mag ich nicht, nachdem er in seinem Buch über "Die großen Sänger unseres Jahrhunderts" Hermann Prey in einem Halbsatz abgeferkelt hat - so weit darf man persönliche Abneigungen nicht treiben, wenn man so ein prätentiöses Buch schreibt.

Grüße,
Gamaheh
Gamaheh (15.07.2008, 22:57):
Heute morgen brachte die Briefträgerin die zwei Bände der Memoiren der exzentrischen englischen Komponistin und Suffragette Ethel Smyth (1858-1944), Impressions that Remained.

Dame Ethel (wie sie sich später nennen durfte) ist populär wohl am besten dafür bekannt, daß sie ihren "March of the Women" einst vom Fenster ihrer Zelle im Holloway Prison for Women mit einer Zahnbürste dirigierte.

Sie kam 1876 nach Leipzig, um dort Musik zu studieren, und lernte die einheimische gute Gesellschaft ("burghers") kennen, die sie mit Beobachtungsgabe und Humor beschreibt: die Röntgens, die Brockhaus, Tauchnitz, von Herzogenbergs, und nicht zuletzt Clara Schumann und Brahms, der sie - eher ungalant - eine Weile die "Schmeißfliege" nannte.

Ich habe bisher nur "gesnackt", aber es verspricht ein hochgradig unterhaltsames Leseerlebnis zu werden !

Grüße,
Gamaheh
Carola (15.07.2008, 23:40):
Original von Gamaheh

Dame Ethel (wie sie sich später nennen durfte) ist populär wohl am besten dafür bekannt, daß sie ihren "March of the Women" einst vom Fenster ihrer Zelle im Holloway Prison for Women mit einer Zahnbürste dirigierte.

Grüße,
Gamaheh

Das klingt ja äußerst spannend! :J

Schade, dass es diese Memoiren nicht auch auf Deutsch gibt. Amazon zeigt an, dass 1988 bei Bärenreiter ein Band unter dem Titel Ein stürmischer Winter. Erinnerungen einer streitbaren englischen Komponistin erschienen ist. Leider inzwischen vergriffen.

Gruß, Carola
Gamaheh (16.07.2008, 19:49):
Liebe Carola,

das ist in der Tat die deutsche Übersetzung - es gibt sie - aber ich weiß nicht, ob das die vollständige ist, da ich sie nicht kenne.

Es gab vor nicht allzu langer Zeit diverse Exemplare bei booklooker.de, wo es sich lohnt, immer mal wieder reinzugucken (dort auch Musik: Disclooker).

Grüße,
Gamaheh
Carola (16.07.2008, 23:07):
Original von Gamaheh
Liebe Carola,

das ist in der Tat die deutsche Übersetzung - es gibt sie - aber ich weiß nicht, ob das die vollständige ist, da ich sie nicht kenne.

Es gab vor nicht allzu langer Zeit diverse Exemplare bei booklooker.de, wo es sich lohnt, immer mal wieder reinzugucken (dort auch Musik: Disclooker).

Grüße,
Gamaheh

Liebe Gamaheh,

danke für den Hinweis auf booklooker.de - den Anbieter kannte ich noch nicht.

Gruß, Carola
Solitaire (17.07.2008, 10:56):
@Carola und nikolaus
Ihr habt mich angefixt, lese gerade "Die Wand". Bin noch ganz am Anfang, aber es hat mich schon in seinen Bann gezogen...
Carola (17.07.2008, 11:27):
Original von Solitaire
@Carola und nikolaus
Ihr habt mich angefixt, lese gerade "Die Wand". Bin noch ganz am Anfang, aber es hat mich schon in seinen Bann gezogen...

Liebe Solitaire,

man sollte dieses Buch eigentlich nur mit einem Beipackzettel verkaufen dürfen, in welchem über Risiken und Nebenwirkungen informiert wird....

Ich habe den Roman als junge Frau zum ersten Mal gelesen und mich dann jahrelang nicht getraut, es ein zweites Mal zu tun. Vergessen habe ich ihn allerdings nie.

Auch finde ich interessant, wie unterschiedlich der Roman offenbar aufgefasst wird - das kann man bei den zahlreichen Amazon-Rezensionen gut verfolgen. Offenbar wurde und wird hier in vielfältiger, aber immer existenzieller Weise ein Nerv getroffen.

Gruß, Carola
Gamaheh (17.07.2008, 13:03):
Original von Carola
Original von Solitaire
@Carola und nikolaus
Ihr habt mich angefixt, lese gerade "Die Wand". Bin noch ganz am Anfang, aber es hat mich schon in seinen Bann gezogen...

Liebe Solitaire,

man sollte dieses Buch eigentlich nur mit einem Beipackzettel verkaufen dürfen, in welchem über Risiken und Nebenwirkungen informiert wird....

Ich habe den Roman als junge Frau zum ersten Mal gelesen und mich dann jahrelang nicht getraut, es ein zweites Mal zu tun. Vergessen habe ich ihn allerdings nie.

Auch finde ich interessant, wie unterschiedlich der Roman offenbar aufgefasst wird - das kann man bei den zahlreichen Amazon-Rezensionen gut verfolgen. Offenbar wurde und wird hier in vielfältiger, aber immer existenzieller Weise ein Nerv getroffen.

Gruß, Carola

Kann vielleicht mal jemand kurz schreiben, worum es in diesem Roman geht, von dem ich vorher noch nie gehört habe?

Danke.
Gamaheh
Solitaire (17.07.2008, 14:03):
Eien Frau wacht morgens in einem Jagdhaus alleine auf, ihre Gastgeber sind von einen Ausflug ins Dorf nicht zurückgekehrt. Als sie nicht wieder auftauchen, macht sie sich auf die Suche, und stößt nach einiger Zeit auf eine unsichtbare, aber undurchdringliche "Wand", hinter der alles menschliche und tierische Leben vernichtet zu sein scheint. Sie scheint allein auf der Welt zu sein, lediglich ein Hund eine zugelaufene Kuh leisten ihr Gesellschaft, um nicht den Verstand zu verlieren führt sie ein Tagebuch.
Bis jetzt weiß ich noch nicht genau, in welche Richtung das alles gehen wird, aber ich fürchte, in eine ziemlich schreckliche. Jedenfalls ist es sehr faszinierend zu lesen und ich kann es kaum aus der Hand legen...
Gamaheh (17.07.2008, 14:33):
Danke, Solitaire ! Ich weiß nicht, ob ich mich auf sowas einlassen möchte ...

Grüße,
Gamaheh
Solitaire (17.07.2008, 16:31):
Ja, im Moment kommt mir gestreßtem Stadtmenschen mit 10-Stunden-Arbeitstag das alles noch ein bißchen vor, wie eine paradiesische Idylle, mit Ruhe, Hund, Kuh und (mittlerweile) Katze. Aber im Hintergrund lauert das Grauen...
Das macht sich schon ganz am Anfang bemerkbar, mit dem Bild kleiner blutiger Vogelleichen, die aus vollem Flug gegen die unsichtbare Wand gedonnert sind.
Bis jetzt hat mir auf dieser Welt allerdings erst ein einziges Buch den Schlaf geraubt, das war Katherine Kressmann Taylors "Adressat unbekannt", daß ich hiermit jedem an's Herz lege.
Carola (17.07.2008, 20:45):
Original von Solitaire
Ja, im Moment kommt mir gestreßtem Stadtmenschen mit 10-Stunden-Arbeitstag das alles noch ein bißchen vor, wie eine paradiesische Idylle, mit Ruhe, Hund, Kuh und (mittlerweile) Katze. Aber im Hintergrund lauert das Grauen...



Keine Angst, das Grauen (jedenfalls das äußerliche, spektakuläre Grauen) hält sich in Grenzen. Es passiert auch sonst nicht viel hinter der Wand. Es geht aber zum Beispiel um die Frage, welchen Sinn es hat, "für Mäuse zu schreiben". Denen unbeschriebenes Papier vermutlich ebenso gut schmeckt wie beschriebenes. Trotzdem schreibt die Frau hinter (oder vor?) der Wand Jahr um Jahr weiter. Mit großer Ehrlichkeit und Lakonie. Es ist ein großes "Trotz allem" in dem Buch, das mir sehr gefällt.

Ich bin gespannt, was Du nach der Lektüre sagen wirst.

Gruß, Carola
Gamaheh (18.07.2008, 00:18):
Das klingt schon wieder spannend: Als wenn der Duktus des Buches vom Leser abhängt. Vielleicht doch mal etwas für die lange Liste ...

Grüße,
Gamaheh
Solitaire (18.07.2008, 06:42):
Ich merke in der Tat jetzt schon, daß man es, wie Carola gesagt hat, auf vielen Ebenen lesen kann. Sie könnte auch eine Psychiatriepatientin sein, die ihre Umwelt in ihrer Depression wie hinter Glas erlebt...

@Gamaheh
Das Kesting-Buch über Callas habe ich auch schon gelesen, es ist wirklich sehr informativ, ich mag es nur nicht, wie "schlau" der Onkel Jürgen manchmal daherkommt. Stellenweise ist es gespickt mit Fremdwörtern. Ich bin nicht so doof, daß ich die nicht verstehen würde oder zumindest wüßte wo ich sie nachschlagen kann, aber es nervt auf Dauer trotzdem etwas...
Als er mit Adorno kam habe ich es zum erstenmal in die Ecke gepfeffert :rofl Oder war das jetzt in seinem Pavarotti-Buch? Egal, ist schon eien Weile her, daß ich beide in der Hand hatte.
Immerhin war es angenehm, mal ein Callas-Buch zu lesen, in dem es nicht ständig um Onassis geht.
Cosima (18.07.2008, 13:30):
Demnächst:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41CM0MRZT9L._SL500_AA240_.jpg

Hector Berlioz Schriften: Bekenntnisse eines Enthusiasten

Enthält Texte des Musikkritikers Hector Berlioz aus verschiedenen Zeitschriften.
Nach den umwerfenden Memoiren freue ich mich auf diese Lektüre ganz besonders!
Zelenka (18.07.2008, 13:35):
Original von Cosima
Demnächst:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41CM0MRZT9L._SL500_AA240_.jpg

Hector Berlioz Schriften: Bekenntnisse eines Enthusiasten

Enthält Texte des Musikkritikers Hector Berlioz aus verschiedenen Zeitschriften.
Nach den umwerfenden Memoiren freue ich mich auf diese Lektüre ganz besonders!

Das sieht sehr interessant aus!!! :I

Gruss, Zelenka
uhlmann (18.07.2008, 15:19):
Original von Cosima
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41CM0MRZT9L._SL500_AA240_.jpg

Hector Berlioz Schriften: Bekenntnisse eines Enthusiasten

Enthält Texte des Musikkritikers Hector Berlioz aus verschiedenen Zeitschriften.

ich habe dieses buch letztes jahr gelesen, war aber wenig begeistert. zu schulmeisterlich und großteils polemisch sind mir diese schriften. häufig schwingt die verbitterung über die fehlende anerkennung mit, das ermüdet auf dauer.
Cosima (18.07.2008, 16:30):
Original von uhlmann
Original von Cosima
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41CM0MRZT9L._SL500_AA240_.jpg

Hector Berlioz Schriften: Bekenntnisse eines Enthusiasten

Enthält Texte des Musikkritikers Hector Berlioz aus verschiedenen Zeitschriften.

ich habe dieses buch letztes jahr gelesen, war aber wenig begeistert. zu schulmeisterlich und großteils polemisch sind mir diese schriften. häufig schwingt die verbitterung über die fehlende anerkennung mit, das ermüdet auf dauer.

Hast Du Berlioz’ Memoiren vorab gelesen? – Ich bin sicher, dass man sie gelesen haben sollte, um seine Schriften richtig einordnen zu können. Berlioz schreibt darin immer wieder, dass er im Grunde gezwungen war und wie sehr er es verabscheut hat, Feuilletons zu schreiben, um seinen Unterhalt zu verdienen. Als Komponist – zumindest in Frankreich (in Deutschland und England z.B. war es anders) – ist ihm die Anerkennung nicht nur versagt geblieben, er und seine Musik wurden in seinem Heimatland sogar teilweise auf übelste Art und Weise verunglimpft. (Ich glaube, es war nach der Uraufführung der Symphonie fantastique, als geschrieben wurde „er hätte nicht einmal den Mut, sich eine Kugel in den Kopf zu jagen“. Natürlich müssen derlei Reaktionen entsetzlich niederschmetternd sein für einen Komponisten.)

Gleichwohl hat er sich sehr für Beethoven beispielsweise eingesetzt (überhaupt für die Musik eingesetzt, die ihm wichtig und wertvoll erschien), auch dafür gesorgt, dass die seinerzeit üblichen „Verbesserungen“ an dessen Werken unterblieben – sich also letztlich für „Werktreue“ eingesetzt. Auf der anderen Seite hat er dann jene Musik harsch verurteilt, die eben nicht seinen hohen Qualitäts-Anforderungen entsprach.

Für mich sind die Berlioz-Memoiren eines der besten Bücher, das ich in Sachen Musik kenne. Ich habe darin diesen Komponisten als wahrlich enthusiastischen, hellsichtigen, sensiblen, gleichwohl scharfzüngigen und witzigen Menschen kennengelernt. Die durch ihn gewonnen Einblicke in das Musikleben seiner Zeit sind von großem Wert für mich. (Allein diese herrliche Rom-Preis-Episode! Ganz fantastisch und ungeheuer witzig!) Deshalb sind seine Schriften nun natürlich ein Muss für mich!

Ich werde berichten, wie sie auf mich gewirkt haben...

Gruß, Cosima
uhlmann (18.07.2008, 17:32):
hallo cosima

nein, die memoiren habe ich nicht gelesen, aber einiges andere über berlioz (den ich als komponist sehr schätze).

ich kann ja seinen unmut über die fehlende anerkennung in frankreich verstehen und auch sein einsatz für manche stücke, den freischütz etwa, sind aller ehren wert, aber in diesen schriften ist mir das zu sehr schwarz-weiss gezeichnet. auf der einen seite stehen immer wieder die gleichen gutmenschen (weber, wagner, liszt, beethoven) - alles andere wird gnadenlos abqualifiziert. dabei bekommen nicht nur komponistenkollegen ihr fett ab, sondern auch sänger, instrumentalisten und dirigenten, denen er im grunde jegliche qualfikation abspricht.

typische sätze: "eine moderne italienische oper wird gespielt - ziemlich seicht." und 2 seiten weiter: "eine moderne französische oper wird gespielt - sehr seicht." nur wenn fidelio gespielt wird, dann "strahlen die augen aller künstler, die der einfachen musiker bleiben offen, die der dummen fallen von zeit zu zeit zu."
na ja, ich muss sowas nicht unbedingt lesen. viellleicht hast du den spaß mit dem buch, den ich nicht hatte.
daniel5993 (27.07.2008, 11:22):
Bin zur Zeit in dieses Buch versunken

http://www.antikbuch24.de/uploads/300/images/1204T819129.jpg

Die Bernsteins
Carola (15.08.2008, 19:43):
Ich habe heute mit diesem Buch angefangen:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783462034622.jpg

Von Joseph Roth kenne ich peinlicherweise bisher gar nichts. Danach wird es dann wohl endlich mal Zeit hierfür

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783518067901.jpg

Hoffentlich keine verlorene Zeit...

Gruß, Carola
Heike (16.08.2008, 07:55):
"Ich möchte jetzt schließen".
Eine Sammlung von Abschiedsbriefen vor dem Suizid, aus Deutschland Ost und West (sehr persönlich und auch manchmal ein bedrückendes Zeitzeugnis)
daniel5993 (16.08.2008, 15:24):
Ich lese zur Zeit zum x-ten mal das Buch MOZART - Sein Leben und seine Zeit. Es ist mein Liebstes unter den mir bekannten Büchern! Danach fühlt man sich, als hätte man neben Mozart hergelebt und würde sein Leben kennen. Es ist eine wunderbare Reise, immer und immerwieder!

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783800071326.jpg

Kurzbeschreibung von JPC

Star-Autorin Brigitte Hamann präsentiert ein überraschendes und vielschichtiges Buch zum Mozartjahr. Sie zeigt das Genie Wolfgang Amadeus Mozart in all seinen Facetten und für jedermann verständlich. Und nicht nur Mozart ist das Thema: Um diesen großartigen Musiker kennen und verstehen zu lernen, ist es wichtig, in seine Zeit und seine Welt einzutauchen. Mit zahlreichen bisher unveröffentlichten Abbildungen gelingt es der Autorin, die Welt von damals vom Alltagsleben bis zu den Festen und ihren Moden auf atemberaubende Weise zu dokumentieren. Das Leben Mozarts wird anhand seiner Opern aufgerollt und ist so für den Leser ein perfekter Einstieg in sein Werk. Eine durchgängig vierfärbige und lebendige Gestaltung gibt den richtigen Rahmen für das Duo: Autorin Brigitte Hamann und Jahrtausendgenie Wolfgang Amadeus Mozart.
Cosima (16.08.2008, 18:29):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41S5KG58CZL._SL500_AA240_.jpg

"Vom musikalisch Schönen: Ein Beitrag zur Revision der Ästhetik der Tonkunst" - Eduard Hanslick (erstmals erschienen 1854)
ab (18.08.2008, 12:13):
Original von Carola
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783518067901.jpg

Hoffentlich keine verlorene Zeit...

Gruß, Carola
sicher nicht! - es wird sogar immer noch besser nach hinten hin! Wahrlich ein Meisterwerk, das man gar nicht oft genug lesen kann!
ab (18.08.2008, 12:14):
Original von Cosima
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41S5KG58CZL._SL500_AA240_.jpg

"Vom musikalisch Schönen: Ein Beitrag zur Revision der Ästhetik der Tonkunst" - Eduard Hanslick (erstmals erschienen 1854)

Möge Dich der "Formalismus" nicht erschrecken!
Carola (24.08.2008, 16:18):
Der Radetzkymarsch hat mir sehr gut gefallen, auch wenn alles in allem vielleicht ein bisschen viel Schnaps getrunken wurde. Ähnlich wie Thomas Mann scheint auch Joseph Roth ein Meister des Abgesangs zu sein - allerdings klingt es bei ihm ganz anders, wärmer vor allem.

Ich habe mir nun auch noch die Erzählungen besorgt, die es inzwischen in gebundener Form für 10 € gibt.

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/9783462039719.jpg

Danach geht es dann aber ohne weiteren Umweg der verlorenen Zeit entgegen...

Gruß, Carola
ab (24.08.2008, 22:42):
Original von Carola
Ähnlich wie Thomas Mann scheint auch Joseph Roth ein Meister des Abgesangs zu sein - allerdings klingt es bei ihm ganz anders, wärmer vor allem.


Eines der wenige richtig großen Meisterwerke der Deutschen Literatur überhaupt und im Besonderen um den Themenkreis des "Zerfalls der Werte" und des Zeitenwandels ist sicherlich von Hermann Broch: Die Schlafwandler (Suhrkamp)
:down

(nicht zu verwechseln und zu vergleichen mit seinem oft sehr abschreckenden durch James Joyce inspirierten experimentellen, epischen Roman Der Tod des Vergil, dessen durchschnittliche Satzlänge 96 Wörter betragen soll.)
Nordolf (24.08.2008, 23:33):
Hallo!

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41AH8EJH7PL._SL500_AA240_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/41YBHQ1MK1L._SL500_AA240_.jpg

Vor kurzem habe ich zwei Werke des Kieler Philosophen Kurt Hübner gelesen, die mich aufgrund der stringenten Argumentation sehr begeistert haben: "Die Wahrheit des Mythos" und "Die zweite Schöpfung. Das Wirkliche in Musik und Kunst" (beide Beck Verlag).

Hübner stellt die mythische und die wissenschaftliche Welterkenntnis einander gegenüber. Als Beispiel für die mythische Erkenntnis dient ihm das archaische griechische Zeitalter (Homer). Anhand akribisch durchgeführter Kategorienvergleiche (die selbstverständlich der wissenschaftlichen Denkweise entstammen) weist er nach, das mythische und wissenschaftliche Modelle völlig gleichberechtigt absolut konsistente, funktionierende und Tatsachen-angepasste Zugänge bereitstellen, die es dem Menschen erlauben, sich in der Welt zu orientieren und sich weiterzuentwickeln. Zudem geht er darauf ein, in welcher Weise mythische Denkweisen noch heute in Literatur, Malerei, Musik, Familie und Politik nachwirken. Es ist wenig erstaunlich, dass Hölderlin und Wagner gesonderte Kapitel erhalten.

Im zweiten Buch überträgt er diese Ergebnisse auf die bildende Kunst und auf die Musik. Er macht deutlich, das sie eine eigene Realität schöpfen, die genauso wirksam wie die der Naturwissenschaft ist. Insbesondere die Musik weist zudem starke Affinitäten zum mythischen Weltzugang auf.

Beide Bücher haben mir neue Perspektiven auf mein eigenes Interesse an Kunst eröffnet.

Herzliche Grüsse!
Jörg
ab (25.08.2008, 09:42):
Original von Nordolf
Insbesondere die Musik weist zudem starke Affinitäten zum mythischen Weltzugang auf.


Darunter kann ich mir leider gar nichts vorstellen. Könntest Du vielleicht ein, zwei Sätze länger versuchen, ein paar Andeutungen zu machen, was damit gemeint sein könnte?

Danke! :hello
satie (25.08.2008, 10:11):
Ich habe folgendes Inhaltsverzeichnis bei Amazon entdeckt. Sieht durchaus sehr interessant aus. Die Parallele zwischen Schöpfungsmythen und der künstlerischen Schöpfung allerdings ist nichts wirklich neues, aber es wäre sicher interessant zu lesen, was der Philosoph dazu meint.

Kurzbeschreibung
Was sind Kunst und Musik? Produkte bloser Phantasie? Nachahmung oder Spiegelung einer äußeren oder inneren Welt? Oder ist das Wirkliche in Kunst und Musik eine neue, eine 'zweite Schöpfung'? Worin besteht sie? Wie wird sie erkannt und erfahren? Welche Wirkungen gehen von ihr aus? Welche Bedeutung hat sie für den einzelnen und für die Menschheit?
I. Kunst und Musik als Wirklichkeit
1. Natrugegebene und geschichtliche Bedingungen von Kunst und Musik
2. Zwei Hauptgrundsätze der Allgemeinen Erkenntnistheorie und ihre
Bedeutung für die Kunst und die Musik
3. Der Gegenstand der Kunst:
Der Wirklichkeitsaspekt des Sichtbaren
als solchem
4. Der Gegenstand der Musik: Der Wirklichkeitsaspekt des in
der menschlichen Stimme entspringenden Hörbaren als solchem
5. Zum Versuch der Deutung von Musik und Kunst im Lichte
semiotischer und semantischer Kategorien
6. Das Geschichtliche in Kunst und Musik
II. Kunst und Musik als Erkenntnis
7. Die Struktur der künstlerischen und musikalischen Erkenntnis
8. Das ästhetische Urteil
9. Kritik an den ästhetischen Begriffen 'Stoff' und 'Form'
III. Vom Grunde der in der Kunst und Musik liegenden Entrückung
10. Das mythische Wesen von Kunst und Musik
11. Das Mythische in Kunst und Musik als Quell der Entrückung
12. Die Mythen von Pygmalion und Orpheus
Nordolf (25.08.2008, 20:08):
Original von ab
Original von Nordolf
Insbesondere die Musik weist zudem starke Affinitäten zum mythischen Weltzugang auf.


Darunter kann ich mir leider gar nichts vorstellen. Könntest Du vielleicht ein, zwei Sätze länger versuchen, ein paar Andeutungen zu machen, was damit gemeint sein könnte?

Danke! :hello

Lieber ab,

der mythische Weltzugang ist das Orientierungssystem, das bespw. Ägypter oder Griechen für die Beschreibung ihrer Realität genutzt haben. Für die "mythischen" Völker gibt es z.B. keine kausalen Ursache-Wirkungszusammenhänge oder gar Zufälle. Hinter jedem Geschehnis steht ein Gott - und wenn es wie Zufall wirkt, ist es eben ein Gott, den man noch nicht kennt. Mythische Weltzugänge haben auch keine deutlich verortbaren Raum- und Zeitvorstellungen. Ein Ort wie der Olymp befindet sich nicht irgendwo auf einem Berg und auch nicht im Himmel, sondern er stellt eine besondere "Ortsqualität" dar. Die Schöpfungsmythen sind ständig in der Zeit wirksam - und nicht etwa vergangen. Neben der profanen linearen Zeit existiert eine heilige Zeit, die die profane Zeit durchdringt. Subjekt und Objekt sind nicht deutlich voneinander getrennt: - Bild und Gottheit können zusammenfallen.

Die Musik führt Hübner auf die Sprachmelodik zurück, auf die Wiedergabe von Gestimmtheiten - ein umfassender Begriff, der Stimmung, Gefühl, Empfindung usw. unter sich fassen soll, die jeweils historisch gewachsen sind. In der Musik erscheinen mythische Elemente: - es gibt z.B. ein Äquvivalent zur heiligen Zeit, denn die Musik entrückt völlig aus dem normalen Zeitablauf. Wenn man sich intensiv auf Musik einlässt, kann auch die Subjekt-Objekt-Trennung zumindest durchlässig gemacht werden. Sie erzeugt eine Vertrautheit mit den Dingen der Welt - seinen sie noch so grausam und schrecklich: "So ist die Musik der Triumph des Menschlichen über das rein Kognitiv-Objektive als das dem Menschen gegenüber Gleichgültige." Die Musik entzieht sich den "Erklärungszusammenhängen profaner Wirklichkeit" - es gibt keine einzelnen Kausalursachen, sondern das Ganze, die Einheit wird wahrgenohmen. Hübner macht dabei im übrigen keinen Unterschied etwa zwischen Bach, Wagner und der aleatorischen Musik.

Für die genaue Argumentation muss ich auf die zwei Bücher verweisen. Ich empfehle sie beide zu lesen und genau in der Abfolge "Wahrheit des Mythos" und danach "Zweite Schöpfung".

Herzliche Grüsse!
Jörg
ab (25.08.2008, 21:34):
Danke für die Andeutungen. So ins Blaue hinein scheint mir, dass das, was Du da sagst, gar nicht spezifisch für die Musik, sondern für alle jene Künste gilt, die durch die Sinne gegeben sind.

:hello
Nordolf (25.08.2008, 21:41):
Original von ab
So ins Blaue hinein scheint mir, dass das, was Du da sagst, gar nicht spezifisch für die Musik, sondern für alle jene Künste gilt, die durch die Sinne gegeben sind.

:hello

Ja - Hübner würde diese Aussage mit großer Wahrscheinlichkeit unterschreiben. Er behandelt unter denselben Vorzeichen so unterschiedliche Künstler wie den Dichter Hölderlin, den Maler Klee oder den Komponisten Wagner.

:hello
Jörg
ab (25.08.2008, 22:14):
Wobei es zwei verschiedene paar Stiefel sind, ob man sich mit der Schöpfungsästhetik auseinandersetzt, wo es um die Tätigkeit wie des Dichters Hölderlin, des Malers Klee oder des Komponisten Wagner geht: oder aber um Wahrnehmungsästhetik, wo es um zB "Hyperion", der "Nymphe im Gemüsegarten" oder "Reingold" geht, also dem Erschaffenen, jenem, das uns Lesern, Betrachtern oder Hörern zur Verfügung steht.

Ich dachte, es gehe mehr um die Musik, also das Erschaffene, als um das erschaffende Komponieren. :A
Nordolf (25.08.2008, 22:34):
Original von ab
Wobei es zwei verschiedene paar Stiefel sind, ob man sich mit der Schöpfungsästhetik auseinandersetzt, wo es um die Tätigkeit wie des Dichters Hölderlin, des Malers Klee oder des Komponisten Wagner geht: oder aber um Wahrnehmungsästhetik, wo es um zB "Hyperion", der "Nymphe im Gemüsegarten" oder "Reingold" geht, also dem Erschaffenen, jenem, das uns Lesern, Betrachtern oder Hörern zur Verfügung steht.

Ich dachte, es gehe mehr um die Musik, also das Erschaffene, als um das erschaffende Komponieren. :A

?(
Die Differenz zwischen Schöpfungs- und Wahrnehmungsästhetik spielt bei Hübner überhaupt keine Rolle. Hmmm... Schöpfungsästhetik klingt ein wenig nach Nietzsche (in gewissen Phasen): - der Schaffensprozess ist wichtiger als das Werk. Hübner beschäftigt aber eindeutig die Wirkung von Kunst auf den Menschen - ihre "entrückende", ins mythische bringende Qualität, die eigene Realität, welche die Werke hervorbringen. Das mag eine Statue, ein Gemälde, ein Gedicht oder eine Komposition sein... gleichviel...

:hello
Jörg
cellodil (02.09.2008, 07:36):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/21Dv%2BUQLwVL._SL500_AA180_.jpg
Oliver Sacks
Der einarmige Pianist. Über Musik und das Gehirn
OT: Musicophilia: Tales of Music and the Brain
Verlag: Rowohlt Verlag GmbH; Auflage: 6 (2. Juni 2008)
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
ISBN-10: 3498063766
ISBN-13: 978-3498063764

Gestern mal reingelesen... Wie immer bei Sacks: Hübsch und unterhaltsam geschriebene Fallgeschichten. Zum Beispiel von einem Orthopäden, der sich nie für Musik interessiert hatte, plötzlich, nachdem er vom Blitz getroffen wurde, das dringende Bedürfnis hat, Klaviermusik zu hören, dann selbst anfängt, Klavier zu spielen, von Musik träumt, dann auch tags immer Musik im Kopf hat, die er dringend aufschreiben will.... Mein erster Eindruckl: Nette Unterhaltung, aber bisher nichts, was mich wirklich vom Hocker reißen würde.

Liebe Grüße

Sabine
nikolaus (10.09.2008, 23:08):
Ich lese zur Zeit diesen schönen Roman:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783446209923.jpg

Wilbur, gerade mal 1,50 Meter groß, ist wirklich kein Glückskind: Seine irische Mutter stirbt bei der Geburt, sein schwedischer Vater macht sich aus dem Staub, und sein erstes Zuhause ist der Brutkasten. Erst als seine Großeltern ihn nach Irland holen, erfährt er, was Heimat ist. Doch das Glück währt nicht lang: Sein bester Freund kommt in die Erziehungsanstalt, und seine Großmutter Orla stirbt bei einem Unfall. Auch wenn er gern so stark wäre wie Bruce Willis: Er ist und bleibt ein Verlierer. Erst die charmante Aimee bringt ihm etwas anderes bei: Wilbur muss endlich lernen, zu leben - ob er will oder nicht. Rolf Lappert hat einen großen Roman über das Erwachsenwerden eines kleinen, an der Welt verzweifelnden Jungen geschrieben, der durch seine bezwingende Komik mitreißt.

Auch ein Cello bzw. Cello-Spielen spielt eine wichtige Rolle!
(hallo Sabine :wink)

Nikolaus.
Cetay (inaktiv) (13.09.2008, 13:14):
Original von cellodil

Nette Unterhaltung, aber bisher nichts, was mich wirklich vom Hocker reißen würde.

Liebe Grüße

Sabine

Das würde ich genau so unterschreiben. Eine reine Aneinanderreihung von Kuriositäten, bei der ich nicht dahinter komme, was der Autor letzlich damit sagen will.
Jürgen (13.09.2008, 20:39):
Als Hörbuch höre ich zur Zeit immer im Auto von und zur Arbeit gelesen vom Autor selbst, die Blechtrommel.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/21MJTZY804L._SL500_AA140_.jpg

Sprachgwealtig, wunderbar.
Poztupimi (15.09.2008, 17:09):
Original von cellodil
http://ecx.images-amazon.com/images/I/21Dv%2BUQLwVL._SL500_AA180_.jpg
Oliver Sacks
Der einarmige Pianist. Über Musik und das Gehirn

Mein erster Eindruckl: Nette Unterhaltung, aber bisher nichts, was mich wirklich vom Hocker reißen würde.


Original von Dox Orkh
Das würde ich genau so unterschreiben. Eine reine Aneinanderreihung von Kuriositäten, bei der ich nicht dahinter komme, was der Autor letzlich damit sagen will.


Ich habe das Buch vor einigen Monate zum Geburtstag geschenkt bekommen und jetzt endlich mal begonnen, es zu lesen. Zur Hälfte durch, und danach stimme ich Euch voll und ganz zu. Nett zu lesen, eine Aneinanderreihung von Fällen aus seiner Praxis als Neurologe oder aus der Fachliteratur aus dem weiten Umfeld des Hörens – soweit irgendwie die Musik eine Rolle dabei spielt. Für den Laien wie mich einige interessante Informationen zur Physiologie und Psychologie des Hörens. Aber alles in allem nicht wirklich das fesselnde Sachbuch.

Viele Grüße,
Wolfgang
cellodil (16.09.2008, 06:28):
Original von nikolaus
Ich lese zur Zeit diesen schönen Roman:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783446209923.jpg

Wilbur, gerade mal 1,50 Meter groß, ist wirklich kein Glückskind: Seine irische Mutter stirbt bei der Geburt, sein schwedischer Vater macht sich aus dem Staub, und sein erstes Zuhause ist der Brutkasten. Erst als seine Großeltern ihn nach Irland holen, erfährt er, was Heimat ist. Doch das Glück währt nicht lang: Sein bester Freund kommt in die Erziehungsanstalt, und seine Großmutter Orla stirbt bei einem Unfall. Auch wenn er gern so stark wäre wie Bruce Willis: Er ist und bleibt ein Verlierer. Erst die charmante Aimee bringt ihm etwas anderes bei: Wilbur muss endlich lernen, zu leben - ob er will oder nicht. Rolf Lappert hat einen großen Roman über das Erwachsenwerden eines kleinen, an der Welt verzweifelnden Jungen geschrieben, der durch seine bezwingende Komik mitreißt.

Auch ein Cello bzw. Cello-Spielen spielt eine wichtige Rolle!
(hallo Sabine :wink)

Nikolaus.

Lieber Nikolaus,

selbstverständlich habe ich dieses Buch schon gelesen. Ich fand es schlicht wunderbar. Und das nicht nur, weil ein Cello vorkommt...

Wünsche Dir noch viel Vergnügen mit Wilbur!

:hello Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (16.09.2008, 06:31):
Original von Dox Orkh
Original von cellodil

Nette Unterhaltung, aber bisher nichts, was mich wirklich vom Hocker reißen würde.

Liebe Grüße

Sabine

Das würde ich genau so unterschreiben. Eine reine Aneinanderreihung von Kuriositäten, bei der ich nicht dahinter komme, was der Autor letzlich damit sagen will.

... Ich habe das Gefühl, dass es nicht viel mehr sein kann, als ein: Was es nicht alles gibt! Mit mindestens drei Ausrufezeichen, selbstverständlich...habe es inzwischen zur Seite gelegt und lasse es auf einen interessierten Zweitverwerter warten...

Liebe Grüße

Sabine
cellodil (16.09.2008, 06:49):
Gerade mit einigem Vergnügen gelesen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/11k8O1FvkTL._SL500_AA180_.jpg
Alan Bennett, Die souveräne Leserin
OT: The Uncommon Reader
Verlag Klaus Wagenbach (Berlin, August 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3803112540
ISBN-13: 978-3803112545

Beim Ausführen ihrer Hunde gerät die Queen zufällig in einen Büchereibus in einem Nebenhof des Palastes. Aus schierer Höflichkeit entleiht sie ein Buch. Nicht nur der Beginn einer wunderbaren Leser-Biographie, die Hofstaat, Staatsgästen und Premierminister zu schaffen machen wird, sondern auch der Beginn der Bekanntschaft mit dem Küchenjungen Norman, der eine ausgeprägte Neigung zu Literatur von oder über Homosexuellen hat und von der Queen - sehr zum Leidwesen ihres australischen Privatsekretärs Sir Kevin - zum Pagen und Lesegefährten und Bücherbeschaffer befördert wird.

Ein kluges und witziges Buch. Eine Liebeserklärung an die Queen und an die Literatur, der hier eine lebensverändernde Kraft zugeschrieben wird.

Einziger Pferdefuß: Mit etwas mehr als 100 Seiten viel zu kurz!

Aber es gibt ja von Bennett noch andere Bücher, zum Beispiel Così fan tutte (mindestens ebenso geistreich und witzig und eine wunderbar-schräge Geschichte).

Auf jeden Fall: Ein wunderbarer Autor und ein unbedingt lesenswertes Buch - nicht nur für Royalisten und Anglophile.

Liebe Grüße

Sabine
Rachmaninov (16.09.2008, 06:53):
Mein nächstes Buch wird wohl dieses hier sein, liegt schon bereit:

http://images.buch.de/images-adb/d3/bc/d3bc8ff2-cad6-48c5-a392-57b438a61542.jpg
Poztupimi (16.09.2008, 10:28):
Original von cellodil
Gerade mit einigem Vergnügen gelesen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/11k8O1FvkTL._SL500_AA180_.jpg
Alan Bennett, Die souveräne Leserin
OT: The Uncommon Reader
Verlag Klaus Wagenbach (Berlin, August 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3803112540
ISBN-13: 978-3803112545


Beim Ausführen ihrer Hunde gerät die Queen zufällig in einen Büchereibus in einem Nebenhof des Palastes. Aus schierer Höflichkeit entleiht sie ein Buch. Nicht nur der Beginn einer wunderbaren Leser-Biographie, die Hofstaat, Staatsgästen und Premierminister zu schaffen machen wird, sondern auch der Beginn der Bekanntschaft mit dem Küchenjungen Norman, der eine ausgeprägte Neigung zu Literatur von oder über Homosexuellen hat und von der Queen - sehr zum Leidwesen ihres australischen Privatsekretärs Sir Kevin - zum Pagen und Lesegefährten und Bücherbeschaffer befördert wird.

Ein kluges und witziges Buch. Eine Liebeserklärung an die Queen und an die Literatur, der hier eine lebensverändernde Kraft zugeschrieben wird.

Einziger Pferdefuß: Mit etwas mehr als 100 Seiten viel zu kurz!

Aber es gibt ja von Bennett noch andere Bücher, zum Beispiel Così fan tutte (mindestens ebenso geistreich und witzig und eine wunderbar-schräge Geschichte).

Auf jeden Fall: Ein wunderbarer Autor und ein unbedingt lesenswertes Buch - nicht nur für Royalisten und Anglophile.

Liebe Grüße

Sabine

Liebe Sabine,

volle Zustimmung! Ich habe es letzte Woche auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk in die Finger bekommen – nachdem ich bereits einige Tage vorher bei meiner Lieblingsliteratursendung diese Empfehlung gesehen hatte – und in kürzester Zeit durchgelesen – womit dann der von Dir treffend aufgezeigte Pferdefuß zum Vorteil wird: die Kürze.

Viele Grüße,
Wolfgang
cellodil (16.09.2008, 11:41):
Original von Poztupimi
Liebe Sabine,

volle Zustimmung! Ich habe es letzte Woche auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk in die Finger bekommen – nachdem ich bereits einige Tage vorher bei meiner Lieblingsliteratursendung diese Empfehlung gesehen hatte – und in kürzester Zeit durchgelesen – womit dann der von Dir treffend aufgezeigte Pferdefuß zum Vorteil wird: die Kürze.

Viele Grüße,
Wolfgang

... ich glaube, da haben wir noch eine Gemeinsamkeit... Das ist auch meine Lieblingsliteratursendung. Ich hatte übrigens letzte Woche noch das Vergnügen, Denis Scheck live zu erleben - und zwar bei der Präsentation des neuen Krimis von Heinrich Steinfest (Mariaschwarz - übrigens auch ein durchaus lesenswertes und schräg-amüsantes Buch, wenn ich Zeit habe, schreibe ich hier noch kurz was dazu).

Liebe Grüße

Sabine
Bellini (16.09.2008, 19:52):
Oh man hier wird ja schwere Kost gelesen (zumindestens hört es sich so an)
Also ich lese zur Zeit http://www.amazon.de/Die-Liebe-den-Zeiten-Cholera/dp/3596162513/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=books&qid=1221587333&sr=8-2 .
Es gefällt mir ser gut. Ist aber für mich nicht nachvollziehbar, wie man 50 Jahre einer Frau "hinterschmachten" kann, die für einen unerreichbar ist. Mal sehen, wie es ausgeht, bin noch nicht ganz durch. Aber, auch wenn der Traum von Florentino Ariza in Erfüllung gehen sollte (schließlich ist der Konkurrent auf natürlichem Wege ausgeräumt worden) jetzt ist er doch alt und seine Fermina Daza natürlich auch.
Poztupimi (16.09.2008, 20:35):
Original von Bellini
Oh man hier wird ja schwere Kost gelesen (zumindestens hört es sich so an)
Also ich lese zur Zeit http://www.amazon.de/Die-Liebe-den-Zeiten-Cholera/dp/3596162513/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=books&qid=1221587333&sr=8-2 .
Es gefällt mir ser gut. Ist aber für mich nicht nachvollziehbar, wie man 50 Jahre einer Frau "hinterschmachten" kann, die für einen unerreichbar ist. Mal sehen, wie es ausgeht, bin noch nicht ganz durch. Aber, auch wenn der Traum von Florentino Ariza in Erfüllung gehen sollte (schließlich ist der Konkurrent auf natürlichem Wege ausgeräumt worden) jetzt ist er doch alt und seine Fermina Daza natürlich auch.

Liebe Bellini,

willkommen hier im Forum! :hello

Also Sacks ist nach meinem Empfinden jetzt nicht unbedingt schwere Kost.

Marquez' "Die Liebe in den Zeiten der Cholera" habe ich direkt nach Erscheinen in Deutschland gelesen, für mich – neben "Hundert Jahre Einsamkeit" – eines der großartigsten Bücher in meinen Regalen, da sieht es so aus:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51W3VQMD95L._SL500_AA240_.jpg

:down

Grüße,
Wolfgang
nikolaus (16.09.2008, 21:06):
Original von cellodil

Lieber Nikolaus,

selbstverständlich habe ich dieses Buch schon gelesen. Ich fand es schlicht wunderbar. Und das nicht nur, weil ein Cello vorkommt...

Wünsche Dir noch viel Vergnügen mit Wilbur!

:hello Herzliche Grüße

Sabine

Besten Dank!
Schön, daß Du meinen Eindruck bestätigst.
Ich geniesse es wirklich!

Noch herzlichere Grüße zurück,

Nikolaus.
nikolaus (16.09.2008, 21:07):
Original von cellodil
http://ecx.images-amazon.com/images/I/11k8O1FvkTL._SL500_AA180_.jpg
Alan Bennett, Die souveräne Leserin
OT: The Uncommon Reader
Verlag Klaus Wagenbach (Berlin, August 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3803112540
ISBN-13: 978-3803112545


Liebe Grüße

Sabine

Danke für den Tipp, werde ich mir merken!!

Nikolaus. :thanks
Bellini (16.09.2008, 21:49):
Original von Poztupimi
Original von Bellini
Oh man hier wird ja schwere Kost gelesen (zumindestens hört es sich so an)
Also ich lese zur Zeit http://www.amazon.de/Die-Liebe-den-Zeiten-Cholera/dp/3596162513/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=books&qid=1221587333&sr=8-2 .
Es gefällt mir ser gut. Ist aber für mich nicht nachvollziehbar, wie man 50 Jahre einer Frau "hinterschmachten" kann, die für einen unerreichbar ist. Mal sehen, wie es ausgeht, bin noch nicht ganz durch. Aber, auch wenn der Traum von Florentino Ariza in Erfüllung gehen sollte (schließlich ist der Konkurrent auf natürlichem Wege ausgeräumt worden) jetzt ist er doch alt und seine Fermina Daza natürlich auch.

Liebe Bellini,

willkommen hier im Forum! :hello

Also Sacks ist nach meinem Empfinden jetzt nicht unbedingt schwere Kost.

Marquez' "Die Liebe in den Zeiten der Cholera" habe ich direkt nach Erscheinen in Deutschland gelesen, für mich – neben "Hundert Jahre Einsamkeit" – eines der großartigsten Bücher in meinen Regalen, da sieht es so aus:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51W3VQMD95L._SL500_AA240_.jpg

:down

Grüße,
Wolfgang

Danke für Deinen Willkommensgruß.

Tja und den Namen Sacks kannte ich bisher gar nicht. Werde ich mir mal genauer ansehen und vielleicht auch mal lesen.
Mit meinem Buch bin ich gerade so 50 Seiten vor Schluss. Ja das Buch gefällt mir wirklich sehr. Es sind soviele Lebensweisheiten darin enthalten. Mal sehen wie es ausgeht. Vielleicht bekommt er ja im Alter von fast 80 Jahren seine Fermina doch noch. Obwohl sie es ja nicht verdient hat.
So und jetzt muss ich wieder Fussball gucken gehen und Tschüs
Cosima (27.09.2008, 19:47):
Fast zu Ende gelesen habe ich Fischer-Dieskaus Autobiographie „Nachklang – Ansichten und Erinnerungen“ (1987). Es handelt sich eher um autobiographische Aufzeichnungen, fragmentarisch werden Betrachtungen und Erinnerungen über Musik, Interpretationen und Musiker aneinandergereiht. Bescheiden, fast scheu spricht er über sich selber, erzählt aber sehr schöne und interessante Anekdoten über all jene großen Persönlichkeiten, mit denen er im Laufe seines Lebens zusammentraf.

Ein großer Schriftsteller ist Fischer-Dieskau sicher nicht. Sein Stil wirkt recht gestelzt und bemüht. Große Literatur darf man also nicht erwarten… sei’s drum. :)

Als nächstes liegen bereit:

Gerald Moore – „Bin ich zu laut?“ (Daraus habe ich nur das Kapitel über Fischer-Dieskau gleich vorab gelesen.)

Hans A. Neunzig – „Dietrich Fischer-Dieskau – Eine Biographie“

Fischer-Dieskau - "Musik im Gespräch"

Danach werde ich erst einmal eine Pause einlegen, aber irgendwann werde ich noch Fischer-Dieskaus Bücher über die Schubert- und Brahms-Lieder lesen.

Gruß, Cosima
Tranquillo (27.09.2008, 20:09):
Original von Cosima
Gerald Moore – „Bin ich zu laut?“ (Daraus habe ich nur das Kapitel über Fischer-Dieskau gleich vorab gelesen.)
Liebe Cosima,

es gibt auch ein sehr interessantes Buch von Gerald Moore mit dem Titel "Schuberts Liederzyklen - Gedanken zu ihrer Aufführung" mit vielen Notenbeispielen, das allerdings nur noch antiquarisch verfügbar zu sein scheint.

Viele Grüsse
Andreas
Cosima (27.09.2008, 20:15):
Lieber Andreas,

danke für diesen Hinweis. Ich habe gleich nachgeschaut... die Preise sind mir derzeit etwas zu hoch, aber ich habe das Buch auf meine Wunschliste gesetzt.

Gruß, Cosima
Poztupimi (28.09.2008, 18:54):
Original von Cosima
Lieber Andreas,

danke für diesen Hinweis. Ich habe gleich nachgeschaut... die Preise sind mir derzeit etwas zu hoch, aber ich habe das Buch auf meine Wunschliste gesetzt.

Gruß, Cosima

Liebe Cosima,

ich weiß natürlich nicht, wo Deine Schmerzgrenze angesichts der vielen neuen Fischer-Dieskau-CDs liegt, aber ich finde die knapp €10,--, für die man das Bändchen zur Zeit bei zvab finden kann, noch ganz erträglich. Allerdings muß man dann wohl ein paar Abstrich bein Zustand machen.

Viele Grüße,
Wolfgang
Cosima (28.09.2008, 19:58):
Lieber Wolfgang,

die anderen o.g. Bücher habe ich zu deutlich geringeren Preisen (0,80 bis max. 3 Euro) als Mängelexemplare, aber in neuwertigem Zustand bekommen können. Insofern finde ich 10 Euro für ein gebrauchtes (Taschen-?) Buch, das für mich ob der anderen ungelesenen Bücher nicht oberste Priorität hat, momentan zu viel. :W

(In irgendeinem Interview hat sich Fischer-Dieskau etwas traurig darüber geäußert, dass seine Bücher kurz nach Erscheinen schon so verramscht wurden. Sei's drum...er war halt ein großer Sänger, kein großer Schreiberling.)

Gruß, Cosima
Poztupimi (28.09.2008, 20:30):
Original von Cosima
Lieber Wolfgang,

die anderen o.g. Bücher habe ich zu deutlich geringeren Preisen (0,80 bis max. 3 Euro) als Mängelexemplare, aber in neuwertigem Zustand bekommen können. Insofern finde ich 10 Euro für ein gebrauchtes (Taschen-?) Buch, das für mich ob der anderen ungelesenen Bücher nicht oberste Priorität hat, momentan zu viel. :W

(In irgendeinem Interview hat sich Fischer-Dieskau etwas traurig darüber geäußert, dass seine Bücher kurz nach Erscheinen schon so verramscht wurden. Sei's drum...er war halt ein großer Sänger, kein großer Schreiberling.)

Gruß, Cosima

Liebe Cosima,

bei einem Preis von € 3,-- oder weniger für neuwertige Mängelexemplare – deren Mangel nach meiner Erfahrung häufig einzig und allein im entsprechenden Stempel zu bestehen scheint – gebe ich Dir natürlich vollkommen Recht, daß € 10,-- für gebrauchte, teilweise bestoßenen Exemplare mit Verfärbungen etc. schon ziemlich teuer sind. Wenn ich es richtig sehe, scheint die letzte Auflage des Moore von 1978 (Bärenreiter/dtv) zu sein, ich fürchte, da sind die Chancen auf eine Mängelexemplar eher gering. Bleibt noch der Gang in die lokalen Antiquariate oder doch erst einmal die nächstgelegene Bibliothek – da habt Ihr in Göttingen ja doch auch eine etwas größere :D

Viele Grüße,
Wolfgang
nikolaus (30.09.2008, 22:39):
Original von nikolaus
Original von cellodil
http://ecx.images-amazon.com/images/I/11k8O1FvkTL._SL500_AA180_.jpg
Alan Bennett, Die souveräne Leserin
OT: The Uncommon Reader
Verlag Klaus Wagenbach (Berlin, August 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3803112540
ISBN-13: 978-3803112545


Liebe Grüße

Sabine

Danke für den Tipp, werde ich mir merken!!

Nikolaus. :thanks

Habe ich mir gemerkt und lese es gerade mit Vergnügen und einem stetigen Schmunzeln im Gesicht

Nikolaus http://www.smilies.4-user.de/include/Froehlich/smilie_happy_298.gif
cellodil (30.09.2008, 23:30):
Original von nikolaus
http://ecx.images-amazon.com/images/I/11k8O1FvkTL._SL500_AA180_.jpg
Alan Bennett, Die souveräne Leserin
OT: The Uncommon Reader
Verlag Klaus Wagenbach (Berlin, August 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3803112540
ISBN-13: 978-3803112545

Habe ich mir gemerkt und lese es gerade mit Vergnügen und einem stetigen Schmunzeln im Gesicht

Nikolaus http://www.smilies.4-user.de/include/Froehlich/smilie_happy_298.gif

... das freut mich! :D

Sehr schön und ziemlich schräg auch:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41VqZ8H8LML._SL500_AA240_.jpg
Alan Bennett, Così fan tutte
Verlag: Wagenbach (März 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3803125693
ISBN-13: 978-3803125699

Liebe Grüße

Sabine
ab (01.10.2008, 10:40):
Bin gerade beim Fischen in ganz anderen Gewässern:

Franz Josef Czernin
Der Himmel ist blau
Aufsätze zur Dichtung

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783938767238.jpg
ab (01.10.2008, 10:42):
Original von Cosima
Fast zu Ende gelesen habe ich Fischer-Dieskaus Autobiographie „Nachklang – Ansichten und Erinnerungen“ (1987).

Und wann kommt sein Schubert-Buch zu seinen sämtlichen Liedern dran?
cellodil (01.10.2008, 18:12):
Original von ab
Bin gerade beim Fischen in ganz anderen Gewässern:

Franz Josef Czernin
Der Himmel ist blau
Aufsätze zur Dichtung

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783938767238.jpg

Lieber ab,

dem Titel nach dazu passen würde vielleicht:

Alfred Andersch
empört euch der himmel ist blau: Gedichte und Nachdichtungen 1946-1977
Diogenes Verlag, Zürich, 1977
ISBN 3 257 01549 6

... immer wieder und immer noch sehr lesenswert und bisweilen sogar heiter (naja, was bei Andersch so heiter ist) gibt's aber wohl nur noch antiquarisch...

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (04.10.2008, 08:40):
Bei mir ist gerade mal wieder crime-time...

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51F4NMAQNML._SL500_BO2,204,203,200_AA219_PIsitb-sticker-dp-bottom,BottomLeft,25,43_SH20_OU03_.jpg
Stieg Larsson
Verblendung
688 Seiten
Verlag: Heyne (Juni 2007)
ISBN-10: 3453432452
ISBN-13: 978-3453432451


Der schwedische Großindustrielle Henrik Vanger engagiert den investigativen Wirtschaftsjournalisten Mikael Blomkvist. Mikael soll das rätselhafte Verschwinden von Henriks Großnichte Harriet aufzuklären, die vor 36 Jahren spurlos und unter ungeklärten Umständen während eines Familientreffens verschwunden ist. Henrik ist davon überzeugt, dass Harriet ermordet wurde, wahrscheinlich von einem Familienmitglied. Ihre Leiche wurde allerdings nie gefunden.

Im Laufe der Recherchen bekommt Mikael eine Co-Ermittlerin: Lisbeth Salander. Lisbeth ist 24 und arbeitet für eine Sicherheitsfirma in Stockholm. Sie ist eine begnadete Hackerin und die eigentlich interessanteste Figur in Larssons Roman. Lisbeth leidet (vermutlich) unter einer abgeschwächten Form von Autismus (dem sogenannten "Asperger-Syndrom") und hat seit ihrer Kindheit wegen ihrer Neigung zu Gewalttätigkeit viel Zeit auf geschlossenen Stationen psychiatrischer Einrichtungen verbracht.

Stieg Larsson erweist sich in seinem Romaerstling Verblendung als ausschweifender Erzähler, der sich viel Zeit lässt mit seiner Geschichte und der Entwicklung der verschiedenen Handlungsstränge. Die eigentliche Haupthandlung des Krimis (die Aufklärung von Harriets Verschwinden, das, wie sich herausstellt in Zusammenhang mit einer Mordserie steht) beginnt überhaupt erst nach einem guten Drittel oder knapp der Hälfte des Buches.

Eingangs ist die Lektüre von Larssons Buch eher mühsam, weil Larsson seinen Leser im Unklaren darüber lässt, worum es überhaupt geht, was die eigentliche Geschichte ist, wo die Reise hingehen könnte. Der Einstieg ist einigermaßen schwerfällig und umständlich und wird auch durch das vielzählige Personal, das in der Gegenwartshandlung und in den Recherchen eine Rolle spielt, und die eher unübersichtlichen familiären und sonstigen Beziehungen der Figuren zueinander nicht eben leichter. Doch dann nimmt die Geschichte allmählich Fahrt auf, bekommt etwas Tempo und mehr Druck, nimmt einige überraschende Wendungen und wird gegen Ende wirklich spannend.

Trotz der Schwerfälligkeit hat der "offene Anfang" des Buches einiges für sich. Dieser diffuse Einstieg versetzt den Leser fast in dieselbe Situation wie Larssons Hauptfigur Mikael Blomkvist, dem sich die wahre Dimension dieser Familiengeschichte auch erst allmählich (und fast zu spät) enthüllt.


Nachdem mir Lisbeth dann so ans Herz gewachsen war, musste ich selbstverständlich auch den zweiten Band von Larssons Trilogie lesen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51siWETKN4L._SS500_.jpg
Stieg Larsson
Verdammnis
751 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (August 2008)
ISBN-10: 3453433173
ISBN-13: 978-3453433175

In Larssons zweitem Roman gerät Lisbeth Salander selbst unter Verdacht, eine psychopathische Serienmörderin zu sein. Mikael Blomkvist glaubt - trotz allem - nicht an ihre Schuld und versucht, Indizien, die Lisbeth entlasten könnten zu finden.

Das zweite Buch von Larsson, in dem auch Lisbeths backstory teilweise enthüllt wird, liest sich von Anfang an äußerst spannend und hat mich ein paar schlaflose Lektürenächte gekostet. Raffinierterweise hat dieser zweite Band ein Ende, an dem eine entscheidende Frage offen bleibt, so dass ich nun unbedingt auch noch den dritte Band lesen muss...

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51vYt3Uif3L._SS500_.jpg
Stieg Larsson
Vergebung
848 Seiten
Verlag: Heyne (März 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453013808
ISBN-13: 978-3453013803

Bin doch sehr gespannt, wie das alles weitergehen wird...

Liebe Grüße

Sabine
Jeremias (04.10.2008, 09:24):
Mich hat im Moment Dan Brown mit seinem "Meteor" gefangen genommen....
Heike (09.10.2008, 22:32):
Peter Esterhazy: "Verbesserte Ausgabe"

Die Esterhazy-Familie kennen wir ja vermutlich alle mehr oder weniger (über Haydn). Jetzt lese ich, dass der berühmte Vater des Verfassers im Ungarn des Kadar- Regimes zum Agenten wurde und wie der Sohn dies verspätet erfuhr und diese tragische Geschichte aufarbeitete. Ein bewegendes Zeitzeugnis aus dem Nachkriegsungarn (interessiert mich besonders als Halbungarin).
Hebre
cellodil (09.10.2008, 23:13):
Heute mal wieder ein Buch aus der Reihe: "Bücher, die die Welt nicht braucht und auf die sie auch nicht gewartet hatte..."

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51A0RH9FPTL._SS500_.jpg

Marc Buhl, Das Billardzimmer
Verlag: Eichborn; Auflage: 1 (Juli 2006)
ISBN-10: 3821857811
ISBN-13: 978-3821857817

Liebereizend und ansprechend an diesem Buch ist allein das Bodensee-Setting. Ansonsten ist die Geschichte über den Lokalredaktionsmitarbeiter Gero von Nohlen (schon allein der Name!!!), der einen Artikel über seinen Großvater für eine Festschrift schreiben soll und bei den Recherchen feststellt, dass Großvater nicht nur der Held und Judenretter während des Dritten Reichs war und damit seinen Bruder Dietmar, der für das Amt des Oberbürgermeisters kandidiert, gegen sich aufbringt, leider ziemlich abgedroschen, vorhersehbar, spannungsarm und fade.

Tauglich allenfalls als Einschlafhilfe. Und da ist wahrscheinlich warme Milch mit Honig die bessere Wahl...

Liebe Grüße

Sabine
nikolaus (10.10.2008, 20:56):
Hallo cellodil!

Vielleicht ist das ja erbaulicher:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783550087424.jpg

Boston in den 60er Jahren. Im schäbigen Keller der Buchhandlung am Scollay Square wird Rattenjunge Firmin geboren. Er ist der Kleinste im Wurf und kommt immer zu kurz. Als der Hunger eines Tages zu schlimm wird, knabbert er die in den Regalen lagernden Bücher an. Eines nach dem anderen wird gefressen, bis Firmin entdeckt, dass auf dem Papier etwas steht, was ihn sein Elend vergessen lässt: Ob Lolita oder Ford Madox Ford, ob Moby Dick oder Cervantes, die Welt der Menschen verspricht Abenteuer und Liebe, Krieg und Frieden, kurz: alles, was eine Ratte nicht hat. Voller Neugier sucht Firmin die Freundschaft zu Buchhändler Norman. Als dieser einen Giftanschlag auf ihn verübt, muss Firmin einsehen, dass er in den Augen der Menschen wohl doch nichts weiter ist als ein lästiges Tier. Wie so oft im Leben zeigt sich aber gerade in den dunkelsten Stunden ein Licht am Ende des Tunnels. Sam Savages Roman erzählt von den Hoffnungen und Idealen der Beat-Generation und von der Fähigkeit, immer wieder aufzustehen, möge es noch so hart kommen

Ich habe es gerade erst angefangen, bisher sehr nett!

Nikolaus.
cellodil (10.10.2008, 21:18):
:hello nikolaus!

Das klingt hübsch, die Geschichte erinnert mich ein bisschen an Ratatouile. Nehme es mal auf meine persönliche Leseliste.

Vielleicht würde Dir

http://ecx.images-amazon.com/images/I/219P33AE7RL._SL500_AA140_.jpg

William Kotzwinkle
The Bear Went Over The Mountain

auch gefallen. Das ist eines meiner Lieblingsbücher. Darin wird ein Bär zum Shootingstar der Literaturszene (und keiner merkt, dass er ein Bär ist). Eine großartige Satire auf die Verlagswelt und nicht nur auf die... Der deutsche Titel ist übrigens einigermaßen grauenhaft: "Ein Bär will nach oben". Ob die Übersetzung insgesamt fürchterlich ist, das weiß ich leider nicht (habe das bislang nur verschenkt und selbst nicht auf Deutsch gelesen).

Liebe Grüße

Sabine
ab (15.10.2008, 10:30):
Endlich in der Hand!

rororo Monographien, Nr.92, Claude Debussy: In Selbstzeugnissen und Bilddokumenten von Jean Barraque (seines Zeichens selbst Komponist)

http://ecx.images-amazon.com/images/I/517R71CFQPL._SS500_.jpg
jünter (15.10.2008, 11:23):
Mit wunderbar menschlicher Perspektive und ohne jegliches falsche Pathos zum Thema Ostpreußen 1945:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783442737567.jpg

Unerklärlich, dass dies mein erster Kempowski ist! Jedenfalls steht bei mir als nächstes seine komplette "Deutsche Chronik":

Aus großer Zeit
Schöne Aussicht
Tadellöser & Wolff
Uns gehts ja noch gold
Ein Kapitel für sich
Herzlich willkommen

auf dem Leseprogramm.

Grüße, jünter
cellodil (15.10.2008, 18:38):
Lieber jünter,

ganz spannend fand ich auch das "kollektive Tagebuch" von 1941.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51XPF2FARNL._SS500_.jpg
Walter Kempowski
Das Echolot-Projekt: Das Echolot: Barbarossa '41. Ein kollektives Tagebuch
729 Seiten
Verlag: Btb (April 2004)
ISBN-10: 3442731755
ISBN-13: 978-3442731756

Ich fand die Vielstimmigkeit dieses Textes doch sehr anregend und zum Teil auch beklemmend, aber der Text macht auch klar, dass es nicht "eine Geschichte" gibt, sondern, dass das eine Fiktion ist, bei der viele Geschichten zwingend unter den Tisch fallen müssen.

Allerdings hat mich die Lektüre doch auch einigermaßen auf- und angefressen, so dass ich dann einstweilen keine Energie mehr für die nachfolgenden Bände aufbringen konnte.

Bin deshalb sehr gespannt, ob Du Dein Kempowski-Projekt so glatt durchziehen wirst.

Liebe Grüße

Sabine
jünter (16.10.2008, 19:05):
Original von cellodil
Bin deshalb sehr gespannt, ob Du Dein Kempowski-Projekt so glatt durchziehen wirst.

Ich auch! Ggf. schiebe ich einen guten Krimi dazwischen. Danke für den Tipp zum "kollektiven Tagebuch"!

Schönen Gruß, Wolfgang
Gamaheh (26.10.2008, 10:10):
Original von nikolaus
Gerade mittendrin:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51DvmhAZHdL._SS500_.jpg

Klappentext:
Eine alte Kirche in Reykjavik, ein weltberühmter Dirigent, der sein letztes Konzert vor 52 zufällig ausgewählten Isländern gibt, und ein junger Mann, der alles bis hin zu seinem Leben einsetzt, um bei diesem Konzert dabei sein zu können.

Mit der Klarheit, wie sie die Natur Islands spiegelt, entwirft Nicola Lecca seine Vision vom freien verwegenen Menschen gegen eine alles regelnde, alles verwaltende und absichernde Welt.

Ich werde berichten...

Nikolaus.

Lieber Nikolaus,

nun habe ich das Buch endlich - nach fast einem Jahr - in die Hände bekommen, bin aber noch nicht sehr weit vorgedrungen, da ich immer wieder über Merkwürdigkeiten in der Übersetzung stolpere. Da hilft nur noch das Original - vielleich nächstes Jahr ?

Frühmorgendliche Grüße (habe gerade festgestellt - nachdem ich mich wunderte, daß meine Rechneruhr plötzlich nachgeht - daß letzte Nacht die Uhren umgestellt wurden),
Gamaheh

P.S.: Die Suchfunktion in diesem Forum ist nicht gerade sehr hilfreich!
nikolaus (26.10.2008, 10:19):
Original von Gamaheh
Original von nikolaus
Gerade mittendrin:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51DvmhAZHdL._SS500_.jpg

Klappentext:
Eine alte Kirche in Reykjavik, ein weltberühmter Dirigent, der sein letztes Konzert vor 52 zufällig ausgewählten Isländern gibt, und ein junger Mann, der alles bis hin zu seinem Leben einsetzt, um bei diesem Konzert dabei sein zu können.

Mit der Klarheit, wie sie die Natur Islands spiegelt, entwirft Nicola Lecca seine Vision vom freien verwegenen Menschen gegen eine alles regelnde, alles verwaltende und absichernde Welt.

Ich werde berichten...

Nikolaus.

Lieber Nikolaus,

nun habe ich das Buch endlich - nach fast einem Jahr - in die Hände bekommen, bin aber noch nicht sehr weit vorgedrungen, da ich immer wieder über Merkwürdigkeiten in der Übersetzung stolpere....


Hast Du ein Beispiel?

Ich wollte es ja auch immer noch mal lesen, ist mir aber entfallen...

Schön, von Dir zu lesen!

Herzliche Grüße, Nikolaus.
Gamaheh (26.10.2008, 10:45):
Original von nikolaus
Original von Gamaheh
Original von nikolaus
Gerade mittendrin:

Nikolaus.

Lieber Nikolaus,

nun habe ich das Buch endlich - nach fast einem Jahr - in die Hände bekommen, bin aber noch nicht sehr weit vorgedrungen, da ich immer wieder über Merkwürdigkeiten in der Übersetzung stolpere....


Hast Du ein Beispiel?

Ich wollte es ja auch immer noch mal lesen, ist mir aber entfallen...

Schön, von Dir zu lesen!

Herzliche Grüße, Nikolaus.

Lieber Nikolaus,

das macht auf mich den Eindruck, als hätte hier jemand mit dem Lexikon (und ziemlich wörtlich) übersetzt, ohne immer eine glückliche Wahl zu treffen oder groß auf den Sinn zu achten. Z.B. S. 15: "...die Hühnchen lagen auf dem Gehsteig vor den Geschäften herum" - auch in Peckham werfen die Schlachter ihre Ware nicht einfach auf den Gehsteig, auch in England würde das Amt für Hygiene das beanstanden.

Gleich im nächsten Absatz: "... daß Oscar, sobald er in London war, im Laufe eines Tages..." ; gemeint ist "seit er in London war" (it. vermutlich "dal momento che"), usw. usw.

Das stört meinen Lesefluß ganz ungemein, denn ich fange dann an zu überlegen, was gemeint sein könnte, oder (in solchen Fällen), wie es im Original wohl heißt.

Dir auch herzliche Grüße,
Gamaheh
jünter (26.10.2008, 18:28):
Ich starte meine Lesung "Kempowskis Deutsche Chronik chronologisch" mit Teil I:

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/9783442720156.jpg
nikolaus (26.10.2008, 21:52):
Liebe Gamaheh!

Mich beschleicht jetzt langsam der Verdacht, dass Du ein Sprachgenie bist:
Offenbar sprichst Du neben Französisch auch Italienisch!

Hochachtung! :down

Mein Französisch habe ich wohl inzwischen verlernt und Italienisch nie angefangen...

Buona notte, Nicola
ab (27.10.2008, 09:24):
Original von nikolaus
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51DvmhAZHdL._SS500_.jpg

Klappentext:
Eine alte Kirche in Reykjavik,

Wieso ist dann aber auf dem Klappentext nicht die Kathedrale Christus König aus Reykjavík abgebildet, sondern das berühmte Teatro Farnese, sofern ich das richtige erkenne, aus Parma?
?(
LazarusLong (27.10.2008, 15:21):
Hat sich eigentlich jemals ein klassischer Komponist hiermit auseinandergesetzt?

http://bilder.buecher.de/produkte/06/06471/06471487z.jpg

http://bilder.buecher.de/produkte/06/06471/06471498z.jpg

Das müsste vom Umfang her locker wagnerianische Dimensionen erreichen.

Ich hoffe nur, ich bleibe bis zum Schluss dran.

Frank
cellodil (27.10.2008, 17:28):
Original von LazarusLong
Hat sich eigentlich jemals ein klassischer Komponist hiermit auseinandergesetzt?

http://bilder.buecher.de/produkte/06/06471/06471487z.jpg

http://bilder.buecher.de/produkte/06/06471/06471498z.jpg

Das müsste vom Umfang her locker wagnerianische Dimensionen erreichen.

Ich hoffe nur, ich bleibe bis zum Schluss dran.

Frank

Lieber Frank,

Wagner hat sich da meines Wissens nicht dran versucht (wahrscheinlich zu unnordisch...)

Aber dafür gibt es von Richard Strauss einen "Don Quixote" (Du ahnst schon, wenn ich so etwas weiß, dann hat das was mit Cello zu tun, was auch wirklich so ist, Don Quichote ist das Cello und Sancho Pansa ist die Bratsche). In der Version mit Jan Vogler gibt es das Werk im Moment zum Beispiel hier relativ günstig.

Liest Du das tatsächlich auf Spanisch? Respekt! Aber vielleicht ist es da auch kurzweiliger als in der deutschen Übersetzung (bei der ich immer wieder an derselben Stelle abbreche).

Außerdem gibt es noch ein zeitgenössisches Stück für Cello von Aulis Sallinen, das "The Nocturnal Dances of Donjuanquixote" heißt (wieder was mit Cello), was auch ziemlich witzig ist. Das habe ich bisher allerdings nur im Konzert gehört.

Viel Spaß bei Deiner Lektüre und
liebe Grüße

Sabine
ab (27.10.2008, 20:14):
Original von LazarusLong
Ich hoffe nur, ich bleibe bis zum Schluss dran.


Das war bei mir einer jener ganz wenige Werke, die ich nicht bis zum Ende hin zu lesen geschafft habe. Womöglich, weil ich es auf Deutsch gelesen habe :P
Sarastro (27.10.2008, 21:47):
Original von LazarusLong
Hat sich eigentlich jemals ein klassischer Komponist hiermit auseinandergesetzt?

http://bilder.buecher.de/produkte/06/06471/06471487z.jpg

http://bilder.buecher.de/produkte/06/06471/06471498z.jpg

Das müsste vom Umfang her locker wagnerianische Dimensionen erreichen.

Ich hoffe nur, ich bleibe bis zum Schluss dran.

Frank

Lieber Frank,
es gibt ja noch Telemanns Suite "Don Quixote" - da hört man in einem Satz richtig, wie der Held auf seiner Rosinante reitet (oder ist es eher Sancho Pansa auf seinem Esel ...?)!
Ich finde meine alte Schallplattenaufnahme gerade nicht und kann ersatzweise nur dieses Cover hierherstellen:

http://www.naxos.com/SharedFiles/Images/cds/554019.gif


Schöne Grüße,
ab (27.10.2008, 22:23):
nicht zu vergessen die Oper:

Francesco Conti: „Don Chisciotte in Sierra Morena“
daniel5993 (27.10.2008, 23:00):
Meine Büchersammlung zur "Klassischen Musik" wächst ständig, ohne dass ich Zeit finde alles zu lesen! Unsere Bücherei in Celle ist groß am Aussortieren (welch verachtung dieser Schätze) der Klassiksparte..........ähhh........für umsonst. Für die nächsten Tage hab ich großes vor:

http://www.prolibri.de/giaqdata/hd1740/pic/30389.jpg

Töne sprechen, Worte klingen / Dietrich Fischer Dieskau
nikolaus (27.10.2008, 23:37):
Original von ab
Original von nikolaus
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51DvmhAZHdL._SS500_.jpg

Klappentext:
Eine alte Kirche in Reykjavik,

Wieso ist dann aber auf dem Klappentext nicht die Kathedrale Christus König aus Reykjavík abgebildet, sondern das berühmte Teatro Farnese, sofern ich das richtige erkenne, aus Parma?
?(

Gute Frage - keine Antwort :ignore
LazarusLong (28.10.2008, 08:09):
@sabine
@ab

Ich kannte bisher nur die jugendfreie Fassung und dachte daher, ich könnte hier relativ einfach meine Spanischkenntnisse reaktivieren. Irrtum. Im Internet habe ich eine Übersetzung gefunden und nach mehrmaligem Querlesen habe ich eine Gemeinsamkeit zwischen Cervantes und einigen russischen Autoren festgestellt. Die Werke gewinnen in der Übersetzung.
Aber ich gebe nicht auf.

Die hier habe ich schliesslich auch geschafft.

http://www.dtv.de/_images/cover192/13000.jpg

Gibts die auch als Oper? ?(

Und die hier ist als nächstes dran. Wenn ich mich aus meiner Schulzeit richtig erinnere, ist das vom Aufbau nahe an der Illias, behandelt die Entdeckung Südamerikas.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/0d/Os_Lus%C3%ADadas.jpg/386px-Os_Lus%C3%ADadas.jpg

Wäre mit Sicherheit Stoff für eine Mammutoper. (Satie, wie wärs? Mal einen Versuch wagen??)

Frank

PS. Nein ich spreche kein russisch. Dostojewski und Co. habe ich in der polnischen Übersetzung gelesen, die sehr nah am russischen Original ist. Und ich wiederhole es gerne noch mal: Die Übersetzung ins Deutsche ist besser als das Original, beide eignen sich hervorragend als Einschlaflektüre.
Poztupimi (28.10.2008, 20:55):
Original von LazarusLong
@sabine
@ab

Ich kannte bisher nur die jugendfreie Fassung und dachte daher, ich könnte hier relativ einfach meine Spanischkenntnisse reaktivieren. Irrtum. Im Internet habe ich eine Übersetzung gefunden und nach mehrmaligem Querlesen habe ich eine Gemeinsamkeit zwischen Cervantes und einigen russischen Autoren festgestellt. Die Werke gewinnen in der Übersetzung.
Aber ich gebe nicht auf.

Die hier habe ich schliesslich auch geschafft.

http://www.dtv.de/_images/cover192/13000.jpg

Gibts die auch als Oper? ?(


Lieber Frank,

wie wäre es mit diesen hier zum Themenkomplex Odysseus:

Il ritorno d'Ulisse in patria von C. Monteverdi (1641; Text: G. Badoar)
Ulisse errante nel isola di Circe von G. Zamponi (1650)
Ulysses von R. Keiser (1702; Text: Bressand)
Ulysses von J. C. Vogler (1721)
Télégone von Lacoste (1725; Text: Pellegrin)
Ulysses von J. Chr. Smith (1733; Text: Humphrey)
Der Königssohn aus Ithaka von F. A. Hoffmeister (1795; Text: Schikaneder)
Ulysses und Circe von B. Romberg (1807; Text: Calderon)
Ulysse von C. Gounod (1852; Text: Ponsard)
Odysseus Heimkehr von A. Bungert (1896; 1. Teil der Tetralogie "Die Homerische Welt")
Odysseus Tod von A. Bungert (1903; 4. Teil der Tetralogie "Die Homerische Welt")
Odysseus von S. Butler & H. F. Jones (1904)
Odysseus Heimkehr von H. Cesek (1907; Text: Sterk; Operette)
Ulysses von J. Brandts-Buys (1937)
Odysseus bei Circe von H. Trantow (1938)
Odysseus von H. Reuter (1942; Text: R. Bach)
Penelope von R. Liebermann (1954; Text: Strobl)

Dazu ein Chorwerk:
Odysseus von M. Bruch (1873; Text: W. P. Graff)

Eine Kantate:
Ulysses von M. Seiber

Und zwei Ballette:
Ulysses und Circe von F. Hilverding (1752/53)
Die Irrfahrten des Odysseus von H. Eder (1965)

aus:
Hunger, Herbert (1974): Lexikon der grichischen und römischen Myythologie – mit Hinweisen auf das Fortwirken antiker Stoffe und Motive in der bildenden Kunst, Literatur und Musik des Abendlandes bis zur Gegenwart; 2. Auflage, XI+444 S.; Reinbek bei Hamburg (Rowohlt Taschenbuch Verlag).


Zu Achilles werden über 20 Titel genannt (Cavalli, Draghi, (2x), Lully, Scarlatti, Lotti, Campra, Caldera, Jommelli (2x), Hasse, Gaßmann, Naumann, Anfosi, Paisiello, Pugnani, Händel, Cimarosa, de Rillé, Barbier, Maréchal, Marti), zu Paris 12 (Bontempi, Cesti, Heinichen, Destouches, Caldera, Galuppi, Gluck, Winter, Cassella, Kalkbrenner, de Rille, Bresgen), Helena ist mit 6 Nennungen vertreten (Pucitelli, Keiser, Gluck, Offenbach, Saint-Saens, Strauss). Inwieweit da immer genau Ilias oder Odyssee thematisiert werden, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber es lassen sich sicher noch weitere Opern in dem genannten Buch finden.

Viel Spaß bei der Suche nach Aufnahmen :D

Grüße,
Wolfgang
cellodil (29.10.2008, 11:13):
Lieber Frank,

... und wenn Du dann die ganzen von Wolfgang erwähnten Musikstücke gehört, die Odyssee gelesen hast, dann machst Du Dich an Joyces Ulysses ran? Übrigens auch ein Buch, an dem ich immer wieder gescheitert bin... :D

Liebe Grüße

Sabine

P.S. Noch eine Frage: Wählst Du Deinen Lesestoff derzeit nach Gewicht? Das sind ja alles ziemliche Wälzer...
ab (29.10.2008, 11:21):
Original von LazarusLong
Die Werke gewinnen in der Übersetzung.


Was zählt denn bei Cervantes als geglückte Übersetzung ins Deutsche?
LazarusLong (29.10.2008, 15:02):
Original von cellodil
Lieber Frank,

... und wenn Du dann die ganzen von Wolfgang erwähnten Musikstücke gehört, die Odyssee gelesen hast, dann machst Du Dich an Joyces Ulysses ran? Übrigens auch ein Buch, an dem ich immer wieder gescheitert bin... :D

Liebe Grüße

Sabine

P.S. Noch eine Frage: Wählst Du Deinen Lesestoff derzeit nach Gewicht? Das sind ja alles ziemliche Wälzer...

Passend zum aktuellen Bauchumfang :I

Da ich zur Zeit nur am Wochenende in Familie mache, die Abende einsam und verlassen im Hotelzimmer verbringe, das Fernsehprogramm :S :S, bleibt mir sehr viel Zeit zum Lesen. Allerdings reichen mir dann so schmalbrüstige Heftchen mit 100 oder 200 Seiten gerade mal für einen Abend. Um also die Kosten im Rahmen zu halten, habe ich mir die ganzen Schwarten, die zu Hause im Regal stehen und die ich schon lange mal gelesen haben wollte (sollte), eingepackt und kämpfe mich jetzt durch. Da auch noch Ecos Baudolino und das Foucaultsche Pendel u.a. Wälzer auf die Gnade meiner Aufmerksamkeit warten, habe ich noch einiges zu tun (Selbst wenn ich es schaffe 2x die Woche Sport zu treiben).

@ab:
Kann ich Dir so nicht sagen. Über die Google Büchersuche habe ich online in eine Übersetzung reingelesen und die war für mein Empfinden etwas leichter lesbar. Liegt wahrscheinlich daran, daß Deutsch meine Muttersprache ist und ich Spanisch erst im zarten Alter von 10Jahren gelernt und seit beinahe 20 Jahren nicht mehr gesprochen habe. Letztendlich ist der Unterschied marginal, ich muss sowohl bei der deutschen, als auch bei der spanischen Version schwer kämpfen.

Frank
nikolaus (29.10.2008, 20:02):
Original von cellodil
Lieber Frank,

... und wenn Du dann die ganzen von Wolfgang erwähnten Musikstücke gehört, die Odyssee gelesen hast, dann machst Du Dich an Joyces Ulysses ran? Übrigens auch ein Buch, an dem ich immer wieder gescheitert bin... :D

...

Geht mir auch so, ich habe es vor zwei Jahren mal bis ungefähr zur Hälfte geschafft, seitdem steht es im Regal unter der Abteilung Muss ich noch lesen ... (gleiches gilt übrigens auch für Stendhals "Die Kartause von Parma"...) und hat den letzten Umzug so mitgemacht.

:hello Nikolaus.
Poztupimi (29.10.2008, 21:03):
Original von nikolaus
Original von cellodil
Lieber Frank,

... und wenn Du dann die ganzen von Wolfgang erwähnten Musikstücke gehört, die Odyssee gelesen hast, dann machst Du Dich an Joyces Ulysses ran? Übrigens auch ein Buch, an dem ich immer wieder gescheitert bin... :D

...

Geht mir auch so, ich habe es vor zwei Jahren mal bis ungefähr zur Hälfte geschafft, seitdem steht es im Regal unter der Abteilung Muss ich noch lesen ... (gleiches gilt übrigens auch für Stendhals "Die Kartause von Parma"...) und hat den letzten Umzug so mitgemacht.

:hello Nikolaus.

Ihr Lieben,

ich habe das Buch in der Übersetzung von Hans Wollschläger Anfang der 80er Jahre tatsächlich durchgelesen – mehr oder minder in einem Rutsch. Vielfach habe ich aber wenn mich meine Erinnerung nicht trügt nur deswegen weitergelesen, weil ich mich – warum auch immer, ich weiß es nicht mehr – einfach geärgert habe und dann den Ehrgeiz entwickelt habe, das Buch nun erst Recht zu schaffen (ein Ehrgeiz, den ich inzwischen abgelegt habe, sodaß ich C. Roches Werk schnell wieder zur Seite gelegt habe und es bei nächster Gelegenheit meiner Schwägerin zurückgeben werde – die mich gewarnt hatte).

Und natürlich lese ich zur Zeit auch was, nämlich dieses höchst musikalische Buch:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41My6MN1utL._SS500_.jpg

Rohan Kriwaczek (2008): Eine unvollständige Geschichte der Begräbnis-Violine – aus dem Englischen von Isabell Lorenz (1. Auflage, 1.-7 . Tausend).—
Die Andere Bibliothek, Band 278: 306 S.; Frankfurt am Main (Eichborn Verlag).
ISBN: 978-3-8218-4591-3

Grüße,
Wolfgang
cellodil (29.10.2008, 21:15):
Original von Poztupimi
Original von nikolaus
Original von cellodil
Lieber Frank,

... und wenn Du dann die ganzen von Wolfgang erwähnten Musikstücke gehört, die Odyssee gelesen hast, dann machst Du Dich an Joyces Ulysses ran? Übrigens auch ein Buch, an dem ich immer wieder gescheitert bin... :D

...

Geht mir auch so, ich habe es vor zwei Jahren mal bis ungefähr zur Hälfte geschafft, seitdem steht es im Regal unter der Abteilung Muss ich noch lesen ... (gleiches gilt übrigens auch für Stendhals "Die Kartause von Parma"...) und hat den letzten Umzug so mitgemacht.

:hello Nikolaus.

Ihr Lieben,

ich habe das Buch in der Übersetzung von Hans Wollschläger Anfang der 80er Jahre tatsächlich durchgelesen – mehr oder minder in einem Rutsch. Vielfach habe ich aber wenn mich meine Erinnerung nicht trügt nur deswegen weitergelesen, weil ich mich – warum auch immer, ich weiß es nicht mehr – einfach geärgert habe und dann den Ehrgeiz entwickelt habe, das Buch nun erst Recht zu schaffen (ein Ehrgeiz, den ich inzwischen abgelegt habe, sodaß ich C. Roches Werk schnell wieder zur Seite gelegt habe und es bei nächster Gelegenheit meiner Schwägerin zurückgeben werde – die mich gewarnt hatte).

Weiterlesen aus Ärger und Trotz... Auch eine Variante, die ich allerdings nur aus meiner Jugend kenne, wo ich zunächst aus Verliebtheit in einen Hobbit-Fan, dann mit wachsendem Ärger und am Ende nur noch aus Trotz drei Bände Tolkien gelesen habe. Es war für mich eine einzige Quälerei, die mir so nachhaltig in Erinnerung geblieben ist, dass ich das freiwillig seither nie mehr gemacht habe.

Original von Poztupimi
Und natürlich lese ich zur Zeit auch was, nämlich dieses höchst musikalische Buch:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41My6MN1utL._SS500_.jpg

Rohan Kriwaczek (2008): Eine unvollständige Geschichte der Begräbnis-Violine – aus dem Englischen von Isabell Lorenz (1. Auflage, 1.-7 . Tausend).—
Die Andere Bibliothek, Band 278: 306 S.; Frankfurt am Main (Eichborn Verlag).
ISBN: 978-3-8218-4591-3


Lieber Wolfgang,

das ist doch Fiktion, oder? Ich habe vor längerer Zeit mal in einem Radiobeitrag von dem Buch gehört, das klang ganz witzig.

Liebe Grüße

Sabine
Poztupimi (29.10.2008, 21:54):
Original von cellodil

Original von Poztupimi
Und natürlich lese ich zur Zeit auch was, nämlich dieses höchst musikalische Buch:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41My6MN1utL._SS500_.jpg

Rohan Kriwaczek (2008): Eine unvollständige Geschichte der Begräbnis-Violine – aus dem Englischen von Isabell Lorenz (1. Auflage, 1.-7 . Tausend).—
Die Andere Bibliothek, Band 278: 306 S.; Frankfurt am Main (Eichborn Verlag).
ISBN: 978-3-8218-4591-3


Lieber Wolfgang,

das ist doch Fiktion, oder? Ich habe vor längerer Zeit mal in einem Radiobeitrag von dem Buch gehört, das klang ganz witzig.

Liebe Grüße

Sabine

Liebe Sabine,

ich bin noch nicht über die ersten 60 Seiten hinaus, was aber eher an meinem momentanen Leseverhalten liegt.

Kriwaczek breitet hier die Geschichte einer vermeintlichen alten Tradition aus, die irgendwann im Mittelalter begann und im weiteren Verlauf der Geschichte sehr erfolgreich verlief, bis ihr Säuberungsaktionen des Vatikans den Garaus bereiteten und die Aktiven – organisiert in der geheimnisvollen "Guild of Funerary Violinists" (deren derzeitig amtierender Präsident er ist) – in den "Untergrund" trieben. Manchmal vielleicht etwas spröde geschrieben, aber dafür mit vielen Details, neben vielen Photos von Trauerviolinisten fügt Kriwaczek im Anhang sogar auf gut 40 Seiten eine Auswahl aus den erhalten gebliebenen und bisher entdeckten Partituren – zu denen er zunächst als Schriftführer und später als Präsident der Zunft Zugang hatte und hat – bei.
Es gibt ein Kapitel "Kurze Zusammenfassung früher Trauermusik – Alte Flöten, frühe Christen und die erste große Säuberung der Trauermusik", weitere betitelt mit "George Babcotte – Der erste aller Trauervilinisten", "Die Geburt einer Tradition – Wie sich die Kunst der Trauerviolinemusik rasant in Europa verbreitete" oder "Pierre Dubuisson – "Großmeister des Trauermusikduells".

Alles wohl Fiktion. Und alles in einem wie ich finde – und wie bei der Anderen Bibliothek üblich – sehr schön aufgemachten Band (das Cover zeigt übrigens einen Holzschnitt aus der Folge "Der doten dantz mit figuren", Heidelberg um 1490).

Grüße,
Wolfgang
Travi (30.10.2008, 18:16):
Seit einigen Monaten lese ich immer wieder in The Rest Is Noise, dem Klassischen-Musik-Blog von Alex Ross, Musik-Kritiker beim New Yorker. Er schreibt dort seit dem 9. Mai 2004, und zwar, so meine ich jedenfalls, brilliant. Ich stieß darauf, weil ich mir im Frühjahr das gerade erschienene Buch gleichen Titels gekauft hatte (das ich inzwischen an Amazon zurückgeschickt habe, weil es, obwohl wunderschön gedruckt und gebunden, nach fast 200 Seiten in der Mitte auseinanderbrach - soviel zum Thema "amerikanische Buchkultur"... die ich eigentlich sehr schätze!).

Für ein gestandenes Magazin wie den New Yorker macht es sich sicher gut, sich "modern" zu zeigen. Ross meint sogar, dass das Internet die klassische Musik "gerettet" habe, nachdem sie in den USA zwischen 1980 und 2000 aus den Medien praktisch verschwunden sei.

Sein Blog enthält in lockerer Folge aktuelle Infos und Kommentare, oft angereichert mit Audiodateien, Fotos und/oder Videos und anderen Links. Das Aktuelle bezieht sich natürlich vor allem auf New-Yorkerisches und allgemein auf US-Amerikanisches, aber nicht nur (und da sich, wie wir wissen, die Programmzettel dieser Welt eh ähneln wie ein Ei dem andern, wäre das eh kein Problem...). Der Blog enthält außerdem ein reiches Archiv sorgfältig ausgearbeiteter Aufsätze sowie eine Auswahl an Artikeln aus seiner New Yorker Kolumne seit 1996. Da Buch und Blog in den letzten drei Jahren vor der Veröffentlichung des Buches parallel in Arbeit waren, findet man vieles zur Geschichte der Musik des 20. Jahrhunderts. Ross ist nach eigenem Bekunden mit klassischer Musik aufgewachsen und hat erst später begonnen, sich auch mit Jazz, Pop und vor allem zeitgenössischer Musik zu befassen. Was ihn interessiert, sind unter anderem wechselseitige Einflüsse und Bezüge. Dieses die Grenzen sprengende Interesse zeigt sich auch in seiner Methode. Er schreibt über klassische Musik, als sei sie Pop, und umgekehrt über Pop, als handle es sich um klassische Musik.

Eine Suchfunktion ist natürlich integriert; ich erhielt bei meinen am 29. Oktober aus reiner Neugier gestarteten, eher willkürlichen Versuchen 6 Einträge für Revueltas, 17 für Korngold, etwa 30 für Takemitsu, 38 für Schumann, 42 für Arvo Pärt, 43 für Puccini, 94 für Schubert, 134 für Boulez, 146 für Cage, 164 für Sibelius, 193 für Schostakowitsch, 233 für Schoenberg, 257 für Mahler, 258 für Mozart, 266 für Beethoven. Ein hübsches Glossar mit Hörbeispielen ist auch vorhanden und es gibt die in Internetkreisen offenbar besonders beliebten Hitparaden, aber Ross hat diese nach eigenem Bekunden wohl hauptsächlich angefügt, um nicht als Spielverderber zu gelten.

Ich entdecke in The Rest Is Noise immer wieder Erfrischendes. So schreibt er unter dem Titel Listen to this u.a. darüber, was er von etablierten Bezeichnungen wie "klassische" oder "ernste" oder "schöne" Musik hält, nämlich nicht viel, da sie potentielle HörerInnen automatisch vergraulten, und wie ihm das Stöhnen über das Sterben der klassischen Musik (oder "ernsten" oder "schönen") auf die Nerven gehe. (Leider ist es aber auch für ihn nicht so ganz einfach, zündende Alternativen zu bieten...)

Zum Schluss noch einige wenige, unsortierte Beispiele für Beiträge, die mich bisher besonders interessiert haben:

über Film-Musik anlässlich der Oscarverleihung an James Horner
http://www.therestisnoise.com/2004/05/oscar_scores.html mit einem sehr schönen Herrmann-Zitat am Ende (die Film-Musik als die weiße Stelle auf alten Landkarten; H. starb zwar schon 1975, aber die Lage scheint heute nicht wesentlich anders)

über das Hören der späten Korngold-Symphonie in F-sharp als einem von mehreren "life-altering moments"
http://www.therestisnoise.com/2004/10/epiphany_11_kor.html

über die besonders gelungene Verwendung von klassischer Musik (hier: Webern's "exquisitely dissonant Variations for Piano") in einer Fernsehserie wie den Sopranos
http://www.therestisnoise.com/blog_spring_04/page/2/

Ich könnte die Liste fortsetzen.

Ich habe mir das Buch noch nicht wieder bestellt, obwohl ich es verschlungen hatte und obwohl die aktualisierte Neuauflage gerade erschienen ist. Mal sehen...

Gruß,
Travi
Gamaheh (30.10.2008, 23:13):
Original von nikolaus
Liebe Gamaheh!

Mich beschleicht jetzt langsam der Verdacht, dass Du ein Sprachgenie bist:
Offenbar sprichst Du neben Französisch auch Italienisch!

Hochachtung! :down

Mein Französisch habe ich wohl inzwischen verlernt und Italienisch nie angefangen...

Buona notte, Nicola

Lieber Nikolaus,

vielen Dank für Deinen Spott! Wenn Du nur wüßtest, daß ich auch noch Vierländisch kann - das macht bereits sechs!

Herzliche Grüße,
Gamaheh
Gamaheh (30.10.2008, 23:15):
Original von LazarusLong

Die hier habe ich schliesslich auch geschafft.

http://www.dtv.de/_images/cover192/13000.jpg



Die aber sollte man unbedingt im Original lesen !

Grüße,
Gamaheh
Heike (30.10.2008, 23:34):
Ja, ich habs mir jetzt gekauft und hab grad gestern angefangen:
J. Kaiser: "Ich bin der letzte Mohikaner"



Ich bin erst auf Seite 59, aber bisher finde ich es sehr unterhaltsam. Gerade hat Kaiser z.B. über die Gattung Streichquartette geschrieben, die "nach Meinung vieler Musikfreunde"... "reichste und substanziellste Gattung schöner Musik". Ich liebe Streichquartette, und ich finde es sehr interessant zu lesen, was Kaiser besonders mag und warum - und auch, wie er die einzelnen Komponisten beschreibt. Mal ein Beispiel: "Beethovens Kunst sagt: Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Schubert winkt ab: Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst."
Ich freu mich aufs Weiterlesen :-)
Hebre

P.s der hat geschieben, dass er eine Vortragsreihe über Streichquartette gehalten hat - das gibts wohl nicht als Buch, oder? Nee, leider bestimmt nicht :-(
LazarusLong (31.10.2008, 08:53):
Original von Gamaheh
Original von LazarusLong

Die hier habe ich schliesslich auch geschafft.

http://www.dtv.de/_images/cover192/13000.jpg



Die aber sollte man unbedingt im Original lesen !

Grüße,
Gamaheh

Griechisch??

Dafür hats bei mir nicht mehr gereicht.

Wenn Du die Hexameterform meinst, dann kann ich voller Stolz verkünden: Jawohl, habe ich in dieser Form gelesen. War gar nicht so schwer, wenn man sich erst an den Diktus gewöhnt hat, liest sich das wie ein ganz normaler Roman. (Zumindest ging das mir so).

Hast Du die Illias im Original gelesen?


Wenn ja,
neidische Grüsse

Frank
cellodil (31.10.2008, 13:36):
Original von Hebre
Ja, ich habs mir jetzt gekauft und hab grad gestern angefangen:
J. Kaiser: "Ich bin der letzte Mohikaner"



Ich bin erst auf Seite 59, aber bisher finde ich es sehr unterhaltsam. Gerade hat Kaiser z.B. über die Gattung Streichquartette geschrieben, die "nach Meinung vieler Musikfreunde"... "reichste und substanziellste Gattung schöner Musik". Ich liebe Streichquartette, und ich finde es sehr interessant zu lesen, was Kaiser besonders mag und warum - und auch, wie er die einzelnen Komponisten beschreibt. Mal ein Beispiel: "Beethovens Kunst sagt: Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Schubert winkt ab: Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst."
Ich freu mich aufs Weiterlesen :-)
Hebre

P.s der hat geschieben, dass er eine Vortragsreihe über Streichquartette gehalten hat - das gibts wohl nicht als Buch, oder? Nee, leider bestimmt nicht :-(

Liebe Hebre,

ich hatte mir auch schon überlegt, ob ich mir dieses Buch anschaffen soll, hatte es aber leider noch nicht in der Hand. Ist das eigentlich ein langes Interview? So etwas hatte ich zumindest gehört.

Deine Frage kann ich leider nicht beantworten.

Liebe Grüße

Sabine
Sarastro (31.10.2008, 22:02):
Original von Gamaheh
Original von LazarusLong

Die hier habe ich schliesslich auch geschafft.

http://www.dtv.de/_images/cover192/13000.jpg



Die aber sollte man unbedingt im Original lesen !

Grüße,
Gamaheh

Liebe Gamaheh,
hast Du denn Ilias und Odyssee tatsächlich auf Griechisch gelesen?
(Ich habe vor ein paar Jahren die Odyssee zweimal hintereinander im Original gelesen, über mehrere Monate hinweg täglich ein paar Verse, war alles in allem sehr schön - bis auf bestimmte grausige Stellen wie die Poyphemgeschichte.
Auch die Abrechnung des heimgekehrten Odysseus mit den Freiern ist nicht gerade erbaulich zu lesen. Das psychologische Geschick im Aufbau des Ganzen ist aber für so ein frühes Literaturwerk schon ungemein faszinierend, finde ich.

Die Ilias habe ich allerdings nur teilweise gelesen. Vielleicht schaff´ ich´s ja nochmal ganz).

Herzliche Grüße,
Sarastro
daniel5993 (01.11.2008, 00:22):
Zu später Stunde angefangen:

http://www.antiquariaten.be/img/fotos/183594_1.jpg
cellodil (01.11.2008, 06:12):
Ich lese gerade mit einigem Vergnügen die Kindheits- und Jugendbiografie des britischen Autors und Schauspielers Stephen Fry.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51boK0a%2B4LL._SS500_.jpg

Stephen Fry, Columbus war ein Engländer
OT: Moab Is My Washpot
Ü: Georg Deggerich
Aufbau Taschenbuch
Berlin, 1. Auflage 2008
ISBN 978-3-7466-2488-4

Ein kluges, witziges und mutiges Buch, das eine Sogwirkung hat, das ich gar nicht mehr aus der Hand legen mag.

Und über die Kraft der Musik und/oder die eigene Unfähigkeit, Musik zu machen, äußert sich Fry übrigens auch auf höchst amüsante Weise...

Liebe Grüße

Sabine
Heike (01.11.2008, 09:04):
Hallo Sabine,
ich hatte mir auch schon überlegt, ob ich mir dieses Buch anschaffen soll, hatte es aber leider noch nicht in der Hand. Ist das eigentlich ein langes Interview? So etwas hatte ich zumindest gehört.
Jein. Es sind Fragmente aus dem Leben von J. Kaiser, teilweise als Interview. Andererseits sind es vielmehr Erinnerungen, Berichte, Fotos von ihm selbst sowie auch von seiner Tochter über ihn und die Familie. Die Antworten sind nämlich meist viel zu ausführlich, um noch als Gespräch durchzugehen ;-)
Hebre
Rachmaninov (01.11.2008, 09:59):
Original von Hebre
Ja, ich habs mir jetzt gekauft und hab grad gestern angefangen:
J. Kaiser: "Ich bin der letzte Mohikaner"



Sorry, aber den Titel finde ich albern, da Kaiser sich damit mit Größen auf eine Stufe stellt, mit denen er nicht auf eine Stufe ist und so tut als wäre er der letzte einer "Art", die es "bedauerlicherweise" nicht mehr gibt. Ich finde den Titel gelinde gesagt "geistig rückständig".
Heike (01.11.2008, 11:21):
Ich fand den Titel auch merkwürdig, allerdings kenne ich Kaiser bisher als jemanden, dem Starallüren bzw. Kritik um des eignen Egos willen eher fremd sind.

Ob er das wirklich selbst so wollte oder ob der Verlag ihn dabei ein wenig nötigte, wer weiß. Und, wenn ichs mir recht überlege, so viele Universalgebildete bzw. so viele Kritiker mit breiter humanistischer Bildung wachsen ja nun heute gerade nicht nach :( Aber egal, ich hab mir das Buch ja nicht wegen des Titels gekauft, sondern weil ich Kaisers Kritiken immer recht gerne mag; und mir ein paar unterhaltsame Lesestunden über die Kunst, Musik und Literatur und ein paar interessante Anregungen zum Weiterlesen und Weiterhören erhoffe :-) (ist bis jetzt alles eingetreten, also nehm ich mal die komische Überschrift in Kauf)

Hebre
cellodil (01.11.2008, 22:16):
Original von Hebre
Hallo Sabine,
ich hatte mir auch schon überlegt, ob ich mir dieses Buch anschaffen soll, hatte es aber leider noch nicht in der Hand. Ist das eigentlich ein langes Interview? So etwas hatte ich zumindest gehört.
Jein. Es sind Fragmente aus dem Leben von J. Kaiser, teilweise als Interview. Andererseits sind es vielmehr Erinnerungen, Berichte, Fotos von ihm selbst sowie auch von seiner Tochter über ihn und die Familie. Die Antworten sind nämlich meist viel zu ausführlich, um noch als Gespräch durchzugehen ;-)
Hebre

Liebe Hebre,

Danke für Deine Antwort. Dann scheint das eher so eine Art Gesprächsfiktion zu sein... Wahrscheinlich schaue ich am besten mal rein, wenn ich es beim Buchhändler sehen sollte.

Wie gefällt Dir das Buch denn jenseits von Seite 59?

Herzliche Grüße

Sabine
Heike (01.11.2008, 23:21):
Hallo Sabine,
ich hatte noch nicht allzuviel Zeit zum weiterlesen, aber auch die nächsten 42 Seiten waren kurzweilig und interessant. Wobei es natürlich besonders interessante und mich weniger interessierende Passagen gibt.

Ich lese sowieso gern Biographien, insofern macht mir das Buch Spaß. Zudem es noch mit kleinen Essays, alten Kritiken und Berichten über Zeitgenossen angereichert ist, welche mich auch interessieren. Gerade gab es z.B. eine längere Passage über Adorno und sein Buch zur neuen Musik. Insofern ist das nicht immer ganz leichte Kost und manches muss man auch zweimal lesen, aber ich finde es grade in dieser bunten Mischung spannend.
Heike
cellodil (02.11.2008, 09:03):
Liebe Heike,

:thanks . Das klingt nach einer abwechslungsreichen und anregenden Lektüre. Kein endloses, selbst- oder vaterbeweihräucherndes Gelaber (das hatte ich nämlich ein wenig befürchtet bei der Vorstellung "Interview Vater und Tochter").

Dir einen schönen Sonntag und
liebe Grüße

Sabine
Travi (07.11.2008, 22:26):
Frisch eingetroffen: Die erste deutschsprachige Korngold-Biographie seit 1922, Korngold. Musik ist Musik, von Guy Wagner, erschienen bei Matthes & Seitz, Berlin.

Der Klappentext verspricht "die Reichhaltigkeit und Komplexität eines der vielseitigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts neu zu entdecken". Wäre ja schön... denn selbst die Korngold-Biographie von Jessica Duchen (einem Korngold-Fan!), die im englischsprachigen Bereich bereits 1996 erschien und die ich vergangenen Winter gelesen habe, hinterließ bei mir einen etwas merkwürdigen Nachgeschmack - Korngold als das ewige, unter der Fuchtel des allmächtigen Vaters stehende Wunderkind... na ja...

Mir gefällt das Buch von Wagner so gut, dass ich es schon nicht mehr aus der Hand legen kann. Ein paar Stücke, von denen bisher schon die Rede war, habe ich auch nochmal aufgelegt - wunderschön anzuhören wie immer.

Der Verfasser ist offenbar auf Musikerbiographien spezialisiert und hat interessanterweise bereits eine Biographie Theodorakis' und einen biographischen Schubert-Roman veröffentlicht, scheint also auch mal über den Tellerrand zu gucken.

Ein ausführlicherer Bericht folgt.

Travi
jünter (13.11.2008, 19:30):
Bei mir gehts mit dem 2. Teil von Kempowskis Deutscher Chronik weiter:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783442721030.jpg

@cellodil: Hallo Sabine, ich halte durch!
Leif Erikson (18.11.2008, 18:00):
Weil mir Frank Martin's Musik sehr gut gefällt lese ich dies:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783795700171.jpg

Das Kapitel "Zur Einführung ins Werk" ist allerdings eine professionelle Analyse von Martin's Stil an einem Notenbeispiel und ist mir zu hoch.
Es beschreibt Martin's Verwendung einer 12-Ton Reihe aber auch mit Terz-Harmonik und teilweise modal und einer sog. "gleitenden Tonalität". Es muß äußerst raffiniert sein, wie er komponiert. Wahrscheinlich muß man sich auch ans Klavier setzen um es nachzuvollziehen.

Derselbe Autor hat auch eine Promotion über Martin geschrieben mit ausgedehnten Analysen ganzer Werke.

Das wäre was für unsere Profis.

Gruß, Leif.
cellodil (20.11.2008, 08:05):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41w0lL8AxOL._SS500_.jpg

Sonia Simmenauer
Muss es sein? Leben im Quartett
Gebundene Ausgabe: 131 Seiten
Verlag: Berenberg; Auflage: 1 (5. März 2008)
ISBN-10: 3937834249
ISBN-13: 978-3937834245

Ein wunderschönes, kurzweiliges Buch, in dem die Hamburger Konzertagentin Sonia Simmenauer über ihre langjährigen Erfahrungen mit Streichquartettensembles plaudert. Vielleicht nicht unbedingt viel Neues, aber auf jeden Fall amüsante Unterhaltung.
cellodil (21.11.2008, 15:42):
Gerade ausgelesen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/21ssOxnOf6L._SL500_AA180_.jpg

Siegfried Lenz
Schweigeminute: Novelle
Hoffmann und Campe, Hamburg
128 Seiten
6. Auflage, 2008
ISBN 978-3-455-04284-9

Der 18jährige Christian liebt seine Englischlehrerin Stella. Die beiden werden ein Paar. Doch schon zu Beginn der Novelle ist Stella tot. Christian steht zusammen mit seinen Mitschülern bei der "Gedenkstunde" für die tote Lehrerin vor deren Foto in der Aula der Schule und erinnert sich an ihre Liebe.

Lenz erzählt eine Liebesgeschichte, die alle Voraussetzungen hätte, im Klischee zu ersticken, was sie erfreulicherweise aber nicht tut. Im Gegenteil. Lenz erzählt, obwohl er konsequent Christians Perspektive benutzt, verhalten, subtil und ohne falsches Pathos, aber doch mit großer Eindringlichkeit.

Ein durchaus lesenswertes Buch für einen regnerisch-kalten Novembernachmittag.
cellodil (21.11.2008, 16:38):
Original von jünter
Bei mir gehts mit dem 2. Teil von Kempowskis Deutscher Chronik weiter:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783442721030.jpg

@cellodil: Hallo Sabine, ich halte durch!

Lieber Jünter,

da bleibt mir nur die Ehrfurcht und :down :down :down

Liebe Grüße

Sabine
Travi (22.11.2008, 19:47):
Ich wies bereits kurz darauf hin: Seit 1922 ist zum ersten Mal, wenn auch mit Verzögerung, eine deutschsprachige Korngold-Biographie erschienen. Das Buch umfasst über 400 Seiten zum eigentlichen Gegenstand sowie einen 15-seitigen Anhang zum älteren Bruder, Han(n)s Robert Korngold. Es ist gut gesetzt, wenn auch nicht fehlerlos; ein paar Anglizismen haben mich beim Lesen gestört (ich mag da empfindlicher sein als andere). Wirklich bedauerlich aber ist die Tatsache, dass bei der Ausstattung mit den vielen Bildern, darunter Fotos von schriftlichen Dokumenten, eine echte Chance vertan wurde. Die Abbildungen sind viel zu klein und kämen auf dem rauhen Papier auch in größerem Format wohl kaum zur Geltung. Wer die zum Teil identischen Fotos in Großformat und auf Kunstdruckpapier sehen will, sollte sich weiterhin an die englischsprachige, meines Wissens leider nicht übersetzte Biographie von Jessica Duchen halten. Was mich zu der interessanten Frage bringt, inwieweit sich der Kauf lohnt und inwieweit die Versprechungen des Verlags eingelöst werden.

Wagner teilt sein Werk in knappe, kategorische Überschriften ein wie "Der Vater", "Die Stadt", "Das Wunderkind" und später "Der Vereinsamte" bis hin zu "Die Renaissance". In den ersten Kapiteln führt das dazu, dass Korngold aus dem Wunderkindalter nicht herauszukommen scheint, denn die Chronologie springt immer wieder vor und zurück. Genau das aber wurde dem Komponisten ohnehin immer vorgeworfen.

Die Figur des übermächtigen Vaters wird in diesem Buch noch schärfer gezeichnet, als ich es vorher gewohnt war. Nach der Lektüre der Biographie von Jessica Duchen hatte ich schon ein unangenehmes Gefühl im Magen (Carrolls Werk kenne ich nur "häppchenweise" aus dem Internet), aber Wagners Darstellung ist ein Albtraum. Julius Korngold schrieb seinem Sohn täglich, auch als man sich jeden Tag sah; Konzepte gingen der endgültigen Fassung voraus. Der Abdruck (mit Transkription) von Briefen des Vaters wäre mir persönlich interessant erschienen, aber vielleicht ist da ja etwas in Vorbereitung, wovon ich nichts weiß. Kostproben seiner Kritiken hätten mich ebenfalls interessiert und ein Anhang über die geistige Struktur des Familien- wie Kritikerdespoten. Schlimm ist es auch, E.W. Korngolds eigene späte Äußerungen zur zeitgenössischen Musik zu lesen: Da scheint sich der Sohn, der die Musikwelt nicht mehr versteht, buchstäblich in den Vater (dem möglicherweise eine eigene Wunderkindkarriere versagt wurde) verwandelt zu haben, und Wagner muss zugeben, dass mancher Satz genauso gut aus der Feder des Vaters hätte stammen können.

Die Offenbarungen über den Teil der Familie Korngolds, von dem früher nie die Rede war und der in den Konzentrationslagern umkam, sind nicht so groß wie erwartet. Welche Schlüsse der Autor aus der Tatsache ziehen will, dass von etlichen Familienmitgliedern vorher gar nichts bekannt war, wird nicht klar. Das durchaus widersprüchliche Porträt des Vaters aber, das Wagner zeichnet, ist nicht nur durch den Umfang, den es im Buch einnimmt, bestürzend und aufschlussreich. Da ist die beruflich-distanzierte Haltung des Musikkritikers, auch schon des Juristen (der den Beruf des Anwalts bei der ersten Gelegenheit an den Nagel hängt), da ist der Musikenthusiast und Möchtegern-Musiker, der sich mit dem jüngeren Sohn, dem genialen Künstler, identifiziert (ohne dies, aus begreiflichen Gründen, allzu deutlich werden zu lassen), und da ist der bürgerliche Familientyrann, der den älteren Sohn, eine nicht-bürgerliche Existenz, ablehnt genau wie, lebenslang, die Schwiegertochter Luzi, weil sie Schauspielerin war.

Was mir gefallen hat, ist die gründliche Auseinandersetzung Wagners mit den Quellen und Werken und die intensive Darstellung der Filmmusik und deren Verflechtungen mit der Musik, die Korngold vor allem wichtig war: mit der "reinen" Musik. Das Korngold-Archiv in Hamburg scheint hier besonders hilfreich gewesen zu sein. Die Bibliographie ist beachtlich und ich habe mich gefreut zu sehen, wieviele WissenschaftlerInnen sich mit diesem Komponisten mittlerweile beschäftigen. Es ist schön, so ein umfangreiches und zudem gut geschriebenes Werk über Korngold nun endlich auch für den deutschsprachigen Raum zu haben. Nach der langen Pause sollten bei uns erstaunlicherweise sogar gleich zwei Biographien erscheinen, aber die Übersetzung von Brendan G. Carrolls The Last Prodigy ist trotz langer Vorankündigung immer noch nicht verfügbar. Es wird anregend sein, die beiden Ansätze zu vergleichen und sich von hier aus weiter mit Korngold zu befassen.

Alles in allem war die Lektüre ein spannendes Unterfangen. Eine Frage bleibt allerdings: Kann man den Mann nicht "einfach" mal als erwachsenen Menschen darstellen...?

Eine Anzahl (positiver) Rezensionen hat der Autor auf seiner eigenen Website versammelt; nachzulesen hier: http://www.guywagner.net/critique18.htm

Gruß,
Travi
cellodil (24.11.2008, 21:25):
Meine nächtlichen Lesestunden verbringe ich gerade mit:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41a6MOnC%2BYL._SS500_.jpg
David Safier
Jesus liebt mich
Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Kindler (29. Oktober 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3463405520
ISBN-13: 978-3463405520

Safiers zweiter Roman ist nicht ganz so amüsant wie sein überaus empfehlenswerter Erstling Mieses Karma, aber dennoch nette, unangestrengte Unterhaltungslektüre, die ihre wirklich witzigen und guten Momente hat.

Der Teufel sieht aus wie George Clooney. Und Jesus nennt sich Joshua und will vor dem Jüngsten Gericht, das kurz bevorsteht, noch einmal als Zimmermann arbeiten. Dabei lernt er Marie kennen, die gerade vor dem Altar das "Neinwort" gegeben hat und nun nach geplatzter Hochzeit wieder bei ihrem Vater lebt, der sich nächtens lautstark mit seiner aus Weißrussland importierten Freundin vergnügt. Maries Mutter ist Psychotherapeutin und hat eine Affäre mit Pastor Gabriel, einem Erzengel, der sich wegen der Liebe aus dem Himmel auf die Erde hat versetzen lassen. Als Joshua Marie seine wahre Identität enthüllt, glaubt diese erst einmal, einen psychiatrischen Fall vor sich zu haben und macht sich im Internet über Heilungschancen kundig. Doch Maries Vorschlag, Joshua solle doch von der Garage springen, will dieser partout nicht Folge leisten.

Ich gebe zu: So etwas muss man mögen.

Liebe Grüße

Sabine
LazarusLong (25.11.2008, 07:56):
Original von cellodil
Meine nächtlichen Lesestunden verbringe ich gerade mit:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41a6MOnC%2BYL._SS500_.jpg
David Safier
Jesus liebt mich
Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Kindler (29. Oktober 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3463405520
ISBN-13: 978-3463405520

Safiers zweiter Roman ist nicht ganz so amüsant wie sein überaus empfehlenswerter Erstling Mieses Karma, aber dennoch nette, unangestrengte Unterhaltungslektüre, die ihre wirklich witzigen und guten Momente hat.

Der Teufel sieht aus wie George Clooney. Und Jesus nennt sich Joshua und will vor dem Jüngsten Gericht, das kurz bevorsteht, noch einmal als Zimmermann arbeiten. Dabei lernt er Marie kennen, die gerade vor dem Altar das "Neinwort" gegeben hat und nun nach geplatzter Hochzeit wieder bei ihrem Vater lebt, der sich nächtens lautstark mit seiner aus Weißrussland importierten Freundin vergnügt. Maries Mutter ist Psychotherapeutin und hat eine Affäre mit Pastor Gabriel, einem Erzengel, der sich wegen der Liebe aus dem Himmel auf die Erde hat versetzen lassen. Als Joshua Marie seine wahre Identität enthüllt, glaubt diese erst einmal, einen psychiatrischen Fall vor sich zu haben und macht sich im Internet über Heilungschancen kundig. Doch Maries Vorschlag, Joshua solle doch von der Garage springen, will dieser partout nicht Folge leisten.

Ich gebe zu: So etwas muss man mögen.

Liebe Grüße

Sabine


Ich habs gerade bestellt, das klingt wirklich als wäre das meine Kragenweite

Danke für den Tip

frank
cellodil (25.11.2008, 16:20):
Lieber Frank,

falls Du an dem Gefallen finden solltest, dann könntest Du Dich im Anschluss (falls Du das nicht kennst) mit Safiers Erstling vergnügen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/31T%2BIjeb53L._SS500_.jpg
David Safier
Mieses Karma
288 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb.; Auflage: 11., Aufl. (2. Mai 2008)
ISBN-10: 3499244551
ISBN-13: 978-3499244551

Ich habe das vor einiger Zeit gelesen und war schlicht hingerissen. Das ist mindestens so witzig und vielleicht noch ein bisschen schräger als die Jesus-Geschichte.

In Mieses Karma wird die Hauptfigur, die Fernsehmoderatorin Kim Lange, kurz nach der Verleihung des Fernsehpreises und eines Seitensprunges mit ihrem attraktiven Konkurrenten auf der Dachterrasse ihres Hotels vom Waschbecken einer desolaten Raumstation erschlagen und kurz darauf als Ameise wiedergeboren. Nun hat Kim nicht nur diverse Koordinationsprobleme mit ihren Beinen, sondern muss auch mitansehen, dass sich ihre beste Freundin aus Menschenzeiten an ihren Witwer und an die kleine Tochter heranmacht. Auch Giacomo Casanova (gleichfalls Ameise) ist da nur bedingt hilfreich...

Herzliche Grüße

Sabine
HenningKolf (25.11.2008, 18:21):
Gerade fertig gelesen habe ich:

Otto Klemperer, Anwalt gter Musik, Henschel 1993

(aus hiesiger Bücherei geliehen)

Eine Sammlung von Zeitungsinterviews, von Klemperer verfasster (Leser)Briefe, Reden und sonstiger schriftlich festgehaltener Äußerungen des Dirigenten und Komponisten.

Sehr deutlich wird die Verehrung Mahlers (Telegramm an den "Spiegel": "In dem Artikel über das hundertjährige Bestehen der Wiener Staatsoper wurde der Name Gustav Mahler nicht erwähnt. Man fühlt sich in die Jahre 1933 bis 1945 zurückversetzt. Ich verlange eine Richtigstellung dieser Ohrfeige ins Gesicht aller Musiker und des gesamten Publikums.")und Beethovens, aber auch dass Klemperer Schoenberg und Strawinski sehr schätzte.

Ein Mann mit festen Ansichten.

Kostprobe: "Oft erlebe ich folgendes: Ein Dirigent leitet ein zeitgenössisches Werk (wie mir scheint) ganz vorzüglich, dann aber ein klassisches oder romantisches Werk völlig eindruckslos. Wie ist das möglich, fragte ich mich selbst? Die Antwort, die ich mir selber gab, war nicht schwer. Die Wiedergabe des modernen Werkes war natürlich auch schlecht, nur verhüllte der komplizierte Klang, die Virtuosität des Orchesters, das Unkontrollierbare des Ganzen die "Leere" des Dirigenten. Es gibt keine Spezialisten auf dem Gebiete der Musik. "Alles oder Nichts", heißt auch hier die Losung"

Klemperer ist einer meiner Lieblingsdirigenten. Irgendwie sind es die eher strengen Herrn (Szell, Mrawinski neben Klemperer), die die Orchester zu Interpretationen treiben, die meinen Geschmack am besten treffen.

Klemperer spricht sich übrigens sehr eindeutig gegen Dirigate aus, die sich vollständig auf das auswendig Gelernte stützen und auf die Partitur während des Dirigierens verzichten. Er hält Kollegen, die es anders halten, schlicht für eitel. Die Partitur sei sowohl Hilfe als auch guter Freund, der zu vollkommener freiheit führe. Der Dirigent dürfe auf keinen Fall Sklave seines Gedächtnisses werden.

Gruß
Henning
cellodil (29.11.2008, 13:35):
Nachdem ich es jetzt endlich geschafft habe, den Film zu sehen, jetzt auch die literarische Vorlage:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/21MqwSWU89L._SL500_AA180_.jpg
Cormac Mc Carthy
Kein Land für alte Männer (OT: No Country for Old Men)
Ü: Nikolaus Stingl
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Rowohlt Verlag GmbH (10. März 2008)
ISBN-10: 3498045024
ISBN-13: 978-3498045029

... mein erster Eindruck: Geschriebenes Kino. Oder anders gesagt: Die filmische Adaptation hält sich sehr genau an die Romanvorlage. Das Buch ist vielleicht noch etwas eindringlicher und eingängiger als der Film (wird allerdings, da ich den Film zuerst gesehen habe, auch ständig von den Filmbildern überlagert).
Gerion (04.12.2008, 11:48):
Bei mir gibt es derzeit "unmusikalisches" Lesefutter (bzw. nur am Rande musikalisches - der Protagonist selbst hat ja eine musikalische Ader):

http://www.jpc.de/image/w150/front/0/9783886808632.jpg
cellodil (04.12.2008, 13:53):
Original von Gerion
Bei mir gibt es derzeit "unmusikalisches" Lesefutter (bzw. nur am Rande musikalisches - der Protagonist selbst hat ja eine musikalische Ader):

http://www.jpc.de/image/w150/front/0/9783886808632.jpg

Lieber Gerion,

berichte doch darüber. Ich hatte mir auch schon überlegt, ob ich das mal lesen soll.

Musikalisches gibt's vom Altkanzler aber derzeit übrigens auch:

http://media.libri.de/shop/coverscans/770/7702830_7702830_xl.jpg

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (06.12.2008, 13:05):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51DX8diMYBL._SS500_.jpg
Peter Wehle
Haydn, Haydn über alles
Gebundene Ausgabe: 221 Seiten
Verlag: Kremayr & Scheriau; Auflage: 1 (29. September 2008)
ISBN-10: 3218007887
ISBN-13: 978-3218007887

Gestern angefangen und bislang wenig davon angetan. Der Witz ist etwas zu gewollt und aufgesetzt und meistens leider nicht mal komisch. Und sehr erhellend fand ich das Werk bislang auch nicht.

Liebe Grüße

Sabine
Sarastro (06.12.2008, 14:24):
Liebe Sabine,
ist das mehr eine Biographie, oder steht auch was zum Werk drin? Und inwiefern ist das ein "Lesebuch zum Nachschlagen"? Weil es vielleicht einen ordentlichen Index hat? Sind auch Notenbeispiele drin?
Na ja, ich ahne es schon, ich bin da mit meinem Finscher offenbar besser bedient ...

Herzliche Grüße,
Sarastro
cellodil (06.12.2008, 18:03):
Original von Sarastro
Liebe Sabine,
ist das mehr eine Biographie, oder steht auch was zum Werk drin? Und inwiefern ist das ein "Lesebuch zum Nachschlagen"? Weil es vielleicht einen ordentlichen Index hat? Sind auch Notenbeispiele drin?
Na ja, ich ahne es schon, ich bin da mit meinem Finscher offenbar besser bedient ...

Herzliche Grüße,
Sarastro

Lieber Sarastro,

das Buch hat zwei Teile. Der erste Teil erzählt die Biografie, der zweite Teil ist ein alphabetisches Lexikon (Titel: Haydn von A bis Z) mit kurzen Artikeln zu Stichwörtern wie "Kaiserhymne" oder "Trauersymphonie".

Da steht dann zum Beispiel:

Trauersymphonie; Symphonie in e-Moll, Hob. I:44, um 1771
Traurig? Nein, eher düster, mit einem Schuss Aggression. Angeblich soll sich Haydn das Adagio dieser Symphonie als Totenmusik auf seinem Begräbnis gewünscht haben, eine etwas eigenwillige Interpretation des Begriffs "Vorsorge".

Wie gesagt: Eine ziemliche Luftnummer. Nicht gerade erhellend und zu gewollt und zu wenig geistvoll, um witzig zu sein.

Liebe Grüße

Sabine
Solitaire (15.12.2008, 09:53):
Aus gegebenem Anlaß: E.T.A. Hoffmann.
Habe gestern "Nußknacker und Mausekönig" gelesen und mache mich heute an "Klein Zaches genannt Zinober".
cellodil (17.12.2008, 20:27):
Gerade gelesen...

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41eG46e689L._SS500_.jpg
Edelgard Spaude
Mord im Kurpark
Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2. Auflage (2008)
SBN-10: 3499245507
ISBN-13: 978-3499245503

Der Naturfotograf Silvio Gerstenbach liegt tot in seinem Tarnzelt im Badenweiler Kurpark. Die Leiche wird von "Würschtle-Herbert" Fehringer gefunden. Fehringer, der sich nach Jahrzehnten als Bratwurstverkäufer auf dem Freiburger Münstermarkt zur Ruhe gesetzt hat, weilt mit seiner Frau Gundi wegen der Bandscheiben zur Kur in Badenweiler und kann sich mit der Eintönigkeit des Rentner- und Kurgastlebens nicht so recht anfreunden. Als sich herausstellt, dass Silvio, der zu Lebzeiten ein ziemliches Ekelpaket war, keines natürlichen Todes gestorben ist, sondern in seinem Zelt ermordet wurde, ist das für den leutseligen und geschwätzigen Herbert erst einmal eine willkommene Abwechslung.

Weniger willkommen ist der aufdringliche Hobby-Ermittler Fehringer den beiden Kriminalbeamten aus Freiburg, die den Mord an Gerstenbach aufklären sollen. Zumal Reinhold Lorenz, der unlängst von seiner Frau verlassen wurde, derzeit ohnehin keine sonderlich gute Laune hat, was auch dessen Assistent deutlich zu spüren bekommt. Assistent Thiele wiederum ist verzückt von der Wirtstochter Sonja und fortan ist ihm jeder Vorwand recht, um in deren Nähe zu sein, was seinen Chef bisweilen irritiert, denn der ahnt von Thieles Gefühlen nichts.

Lorenz und Thiele tun sich mit dem Fall des toten Fotografen schwer. Zu viele hätten ein Motiv gehabt, den fotografierenden Widerling, der wahrscheinlich mit Erpressung ein üppiges Zubrot verdient hat, ins Jenseits zu befördern. Und die Alibis sind alle mehr als wackelig...

Die Krimihandlung ist - wie auch der Mikrokosmos Kurort - letztlich nur die Plattform für Spaudes liebevoll und mit Empathie gezeichnete Hauptfigur, den Freiburger Kriminaler Lorenz, der sich nicht nur mit seinem heimlich verliebten Assistenten Thiele zusammenraufen und den aufdringlichen und geschwätzigen Hobby-Detektiv "Würschtle-Herbert" Fehringer in Zaum halten muss, sondern der mit dem Abgang seiner langjährigen Ehefrau zurecht kommen muss. Dieser Verlust der Lebensgefährtin beschäftigt Lorenz nämlich deutlich mehr als die Aufklärung des Mordfalles. Fast alles, was ihm während seiner Ermittlungen begegnet, verbindet er mit Grübeleien über seine Beziehung, beziehungsweise darüber, was zu deren Ende geführt haben könnte. Lorenz ist ein Ermittler in einer Lebenskrise, die sein ganzes Denken (vielleicht sogar sein ganzes Sein) bestimmt, die er aber nicht (oder kaum) nach außen kommuniziert, sondern sie vor seinem Umfeld möglichst zu verbergen und mit sich alleine abzumachen versucht.

Ein sehr schwacher und spannungsarmer Krimi, aber eine witzige und schön entwickelte Hauptfigur und deshalb ein durchaus unterhaltsames Buch.
cellodil (17.12.2008, 20:42):
Ein Buch, auf das die Welt getrost verzichten kann, hingegen der zweite Krimi mit (vor allem) süddeutschem Lokalkolorit:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41TE29T7S1L._SS500_.jpg
Wolfgang Schorlau
Die blaue Liste - Denglers erster Fall
Verlag: Kiepenheuer & Witsch; Auflage: 1 (15. März 2005)
ISBN-10: 3462034790
ISBN-13: 978-3462034790

Schorlaus Krimi ist eine Aneinanderreihung von Versatzstücken, die mal pseudowitzig, mal pseudoaufgeregt daherkommen. Mich hat das Buch und die mangelnden erzählerischen Fähigkeiten des Autors so gelangweilt, dass ich es nach der Hälfte dem Papiermüll überantwortet habe.
nikolaus (17.12.2008, 20:56):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783462039733.jpg

Erik Fosnes Hansen erzählt mit großem Einfühlungsvermögen und beeindruckender poetischer Kraft von einer Außenseiterin, die sich gegen Vorurteile und Ausgrenzung durchsetzt. Ein Roman, geschrieben in einer Sprache, die sich sofort in Bilder und Gefühle verwandelt.
Am 13.12.1912 kommt in einem kleinen Dorf in Norwegen ein Kind zur Welt, das über und über mit feinem, hellblondem Haar bedeckt ist. Die Mutter stirbt bei der Geburt, und der Vater, Stationsmeister Arctander, ein harter und pflichtbewusster Mann, will zunächst nichts von seiner Tochter wissen.
Eva, die der Leser sofort ins Herz schließt, leidet an einer seltenen Krankheit, einem Gendefekt, durch den ihr ganzer Körper behaart ist. Ein interessanter Fall für die Wissenschaft, doch zunächst ein Problem für Stationsmeister Arctander und eine Handvoll Eingeweihter, die sich um das Baby sorgen. Arctander, in tiefer Trauer um seine geliebte Frau, ekelt und schämt sich, und das Kind wird versteckt. Gleichwohl verbreitet sich die Kunde des seltsamen Mädchens wie ein Lauffeuer im Dorf. Eine Amme wird gefunden, die sich liebevoll kümmert, und auch Apothekerin Birgerson und der Arzt Dr. Levin stehen dem Kind zur Seite. So wächst Eva heran: Abgeschottet von den neugierigen Blicken der Dorfbewohner und ohne Kontakt nach draußen schafft sie sich eine eigene Welt, bis sie, zunächst schüchtern, doch dann mit großer Durchsetzungskraft, der Enge ihres Zimmers immer mehr zu entfliehen beginnt.

Ungefähr Halbzeit, bisheriger Eindruck:
Ein Buch, das ich sehr gerne lese.
Sehr bildhafte Sprache, gut konstruiert und irgendwie "herzerwärmend".

Nikolaus.
cellodil (20.12.2008, 19:27):
Gerade gelesen: Der zweite "Schwarzwald-Krimi" von Edelgard Spaude
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41oPh2JMtyL._SS500_.jpg
Edelgard Spaude
Spießgesellen - Ein Schwarzwald-Krimi
Rowohlt Taschenbuch, Reinbek bei Hamburg (Juni 2008)
ISBN-10: 3499247038
ISBN-13: 978-3499247033

"Würschtle-Herbert", ehemaliger Besitzer eines Bratwurststandes auf dem Freiburger Münstermarkt, stolpert beim traditionellen "Lorenzemärt", einem mehrtägigen Dorffest in Ehrenstetten im Markgräfler Land, beim Pinkeln hinter dem Schuppen des Anglervereins über die Leiche des Freiburger Juraprofessors Türheim. Im Rücken des Toten steckt ein Grillspieß. Herbert, der leidenschaftliche Hobbyermittler verständigt die Freiburger Mordkommission.

Dort halten Kommissar Lorenz und dessen Assistent Matthias Thiele Herberts Anruf zunächst für einen schlechten Scherz, machen sich dann aber doch auf den Weg ins Markgräfler Land.

Die Ermittlungen von Lorenz, Thiele und Fehringer fördern allerlei Zwielichtiges zu Tage. Nicht nur, dass Professorengattin Helga diverse Liebhaber zu haben scheint und zusammen mit Bauunternehmer Jünger, Türheims angeblich besten Freund, im Visier des Betrugsdezernats ist, sondern Türheim selbst scheint eine maßgebliche Rolle im illegalen Handel mit antikem (gestohlenem) Kulturgut gespielt zu haben. Außerdem hatte er ein Verhältnis mit der rumänischen Hausangestellten Hanna. Die einzige, die nichts Negatives über das Mordopfer zu berichten hat, ist dessen treuergebene Sekretärin...

Die Mordermittlungen bringt das alles freilich nicht so recht voran. Lorenz fühlt sich wie der Depp in einem Schmierentheaterstück...

Spaudes zweiter Kriminalroman fehlt nicht nur die Spannung, sondern er ist leider nicht einmal unterhaltsam, sondern nur noch zäh, geschwätzig, unfokussiert und langweilig.

Kein Buch, das man gelesen haben müsste...
cellodil (28.12.2008, 09:53):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51dn49uMT2L._SS500_.jpg
Gebundene Ausgabe: 720 Seiten
Verlag: S. Fischer; Auflage: 1., Aufl.
ISBN-10: 3100954009
ISBN-13: 978-3100954008

Carlos Ruiz Zafóns Debutroman Der Schatten des Windes hatte ich vor ein paar Jahren an einem einzigen Tag verschlungen und seither sehnsüchtig auf das Erscheinen des damals noch ungeschriebenen zweiten Romans gewartet. Letze Nacht habe ich angefangen, Das Spiel des Engels zu lesen. Und jetzt muss ich schnell weiterlesen...

Liebe Grüße

Sabine
nikolaus (28.12.2008, 21:11):
Original von cellodil

Carlos Ruiz Zafóns Debutroman Der Schatten des Windes hatte ich vor ein paar Jahren an einem einzigen Tag verschlungen

:D :beer

Bitte berichte über den neuen!!! :thanks

Ich habe gerade dieses angefangen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/11AJ6t0kIUL._SL500_AA180_.jpg

Anna Enquist: Kontrapunkt

Hörte sie nicht den Schmerz in dieser schlichten Melodie? Eine Mutter will die Erinnerung an ihre tragisch verstorbene Tochter lebendig erhalten. Sie stemmt sich gegen die verstreichende Zeit - und verzweifelt fast daran. Erst als sie, die ausgebildete Pianistin, wieder beginnt, Bachs Goldberg-Variationen am Klavier einzustudieren, erkennt sie, dass ihr die intensive Auseinandersetzung mit der Musik eine Brücke zu ihrer Tochter sein kann. Nichts ist schmerzlicher als der Verlust eines geliebten Menschen. Und nichts ist schrecklicher als das allmähliche Verblassen der Erinnerung an ihn. Nach dem tragischen Tod ihrer Tochter will sich die Mutter nicht damit abfinden, dass ihr die verstreichende Zeit die Erinnerungen nimmt oder verfälscht, dass sie mit der Vergangenheit abschließen und in die Zukunft blicken soll. Nein, sie will die Vergangenheit, in allen Einzelheiten will sie ihre geliebte Tochter sehen, lebendig, als Baby, als Mädchen, als junge Frau. Dann nimmt sie sich zum ersten Mal seit ihrer Zeit am Konservatorium die Goldberg-Variationen von Bach wieder vor, kauft Partituren, schreibt Fingersätze, beschäftigt sich mit Bachs Leben. Spielt und interpretiert. Dreißig Variationen, eine Aria am Anfang und am Schluss. Und das Wunder geschieht: Die Harmonie, die Vielstimmigkeit, die verschiedenen Formen und Klänge von Bachs Musik evozieren und begleiten Szenen aus dem Leben mit ihrer Tochter, von der Geburt bis zum Studienabschlussfest, Familienferien zu viert mit Mann und Sohn, Meinungsverschiedenheiten und Augenblicke größter Nähe. Selten wurden bisher so intensiv und klar Leben und Musik in eins gesetzt, und selten berührte ein Buch so tief.
cellodil (29.12.2008, 22:30):
Original von nikolaus
Original von cellodil

Carlos Ruiz Zafóns Debutroman Der Schatten des Windes hatte ich vor ein paar Jahren an einem einzigen Tag verschlungen

:D :beer

Bitte berichte über den neuen!!! :thanks

Lieber Nikolaus,

ich hatte zunächst befürchtet, dass der neue Zafón ein Abklatsch oder Aufguss des ersten sein könnte. Und es gibt tatsächlich einige Parallelen zwischen den Büchern. Wieder geht es um Literatur und Realität und um das verschwimmen der Grenze zwischen beidem. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass Zafón einfach auf die Schnelle nichts Neues eingefallen ist und er deshalb seine alte Geschichte nur unwesentlich variiert. Auf mich hat Das Spiel des Engels bislang zumindest eine ebenso starke Sogwirkung wie Zafóns Erstling. Versuche, mir die Lektüre einzuteilen, um das Buch länger genießen zu können.

Zwischenbilanz: Unbedingt lesen! :times10

Original von nikolaus
Ich habe gerade dieses angefangen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/11AJ6t0kIUL._SL500_AA180_.jpg

Anna Enquist: Kontrapunkt

... das, was Du über das Buch schreibst, macht mich neugierig (zumal ich das gerade bei den Goldberg-Variationen auch gut nachvollziehen kann). Werde mal schauen, ob mein Buchhändler das vorrätig hat, damit ich mal reinschauen kann.

Liebe Grüße

Sabine :hello
cellodil (03.01.2009, 16:06):
Original von nikolaus
Original von cellodil

Carlos Ruiz Zafóns Debutroman Der Schatten des Windes hatte ich vor ein paar Jahren an einem einzigen Tag verschlungen

:D :beer

Bitte berichte über den neuen!!! :thanks

Noch ein Nachtrag, nachdem ich Das Spiel des Engels nun ganz gelesen habe: So spannend und packend das Buch, so befremdlich der Schluss, der mich leider nicht so recht überzeugen konnte.

Trotzdem ein Lesegenuss.

Liebe Grüße

Sabine
ab (07.01.2009, 10:35):
Mit Feuereifer dabei:

Bruno Monsaingeon
Swjatoslaw Richter
Mein Leben, meine Musik

http://www.staccato-verlag.de/images/stories/covers/richter.jpg

Danke für den Tipp! :thanks
cellodil (07.01.2009, 22:16):
Original von nikolaus
Ich habe gerade dieses angefangen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/11AJ6t0kIUL._SL500_AA180_.jpg

Anna Enquist: Kontrapunkt

Hörte sie nicht den Schmerz in dieser schlichten Melodie? Eine Mutter will die Erinnerung an ihre tragisch verstorbene Tochter lebendig erhalten. Sie stemmt sich gegen die verstreichende Zeit - und verzweifelt fast daran. Erst als sie, die ausgebildete Pianistin, wieder beginnt, Bachs Goldberg-Variationen am Klavier einzustudieren, erkennt sie, dass ihr die intensive Auseinandersetzung mit der Musik eine Brücke zu ihrer Tochter sein kann. Nichts ist schmerzlicher als der Verlust eines geliebten Menschen. Und nichts ist schrecklicher als das allmähliche Verblassen der Erinnerung an ihn. Nach dem tragischen Tod ihrer Tochter will sich die Mutter nicht damit abfinden, dass ihr die verstreichende Zeit die Erinnerungen nimmt oder verfälscht, dass sie mit der Vergangenheit abschließen und in die Zukunft blicken soll. Nein, sie will die Vergangenheit, in allen Einzelheiten will sie ihre geliebte Tochter sehen, lebendig, als Baby, als Mädchen, als junge Frau. Dann nimmt sie sich zum ersten Mal seit ihrer Zeit am Konservatorium die Goldberg-Variationen von Bach wieder vor, kauft Partituren, schreibt Fingersätze, beschäftigt sich mit Bachs Leben. Spielt und interpretiert. Dreißig Variationen, eine Aria am Anfang und am Schluss. Und das Wunder geschieht: Die Harmonie, die Vielstimmigkeit, die verschiedenen Formen und Klänge von Bachs Musik evozieren und begleiten Szenen aus dem Leben mit ihrer Tochter, von der Geburt bis zum Studienabschlussfest, Familienferien zu viert mit Mann und Sohn, Meinungsverschiedenheiten und Augenblicke größter Nähe. Selten wurden bisher so intensiv und klar Leben und Musik in eins gesetzt, und selten berührte ein Buch so tief.

Lieber Nikolaus,

ich habe das Buch ja inzwischen geschenkt bekommen und auch zum Teil gelesen. Ich finde den Ansatz ganz spannend und der Stil ist auch eindringlich, zumindest die Sprache in der deutschen Übersetzung hat fast schon etwas Bach'sches. Habe das Buch jetzt dennoch nach einem Drittel abgebrochen, weil mir diese Geschichte im Moment einfach zu heftig ist.

Liebe Grüße

Sabine
nikolaus (07.01.2009, 23:32):
Liebe Sabine!

Danke für diese Einschätzung.
Das bestätigt meinen Entschluss, es auch erstmal "reifen" zu lassen. Die Zeit wird kommen...

Gruß, Nikolaus.
cellodil (08.01.2009, 20:46):
Letzte Nacht angefangen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41zlOQQipLL._SS500_.jpg
Denis Guedj, Das Theorem des Papageis
Übersetzung: Bernd Wilczek
Broschiert: 752 Seiten
Lübbe; Auflage: 1 (11. Dezember 2007)
ISBN-10: 3404922743
ISBN-13: 978-3404922741

Habe erst knapp 50 Seiten gelesen und deshalb ist es schwer zu sagen, wo die Reise hingehen wird. Es scheint, als wenn der taube Junge Max und ein vor finsteren Häschern geretteter und von Max adoptierter Papagei, der behauptet, nichts ohne seinen Advokaten sagen zu wollen (wobei er freilich nicht an Rechtsbeistand denkt, sondern Avocados meint), im Zentrum (vielleicht nicht des ganzen Romans, aber doch zumindest) eines Handlungsstranges stehen würden. Wichtig scheint auch eine dem alten und behinderten Buchhändler Monsieur Ruche angekündigte Sendung einer mathematischen Bibliothek (Autor Guedj ist Mathematiker und Professor für Wissenschaftsgeschichte in Paris) zu sein, die allerdings vielleicht schon auf dem Transport von Brasilien nach Europa im Meer versunken sein könnte...

Bislang auf jeden Fall eine recht amüsante und kurzweilige Lektüre und ein Einstieg der neugierig macht, wo das alles hinführen wird.

Liebe Grüße

Sabine
Gerion (09.01.2009, 08:02):
Bei mir derzeit (nach krankheitsbedingter Abstinenz und neben meiner Schmidt-Lektüre):

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783499506451.jpg

Martin Geck: Ludwig von Beethoven.

Die Kurzbiographie ist recht anschaulich geschrieben. Ich glaube, ich mag Geck's Schreibstil. Seine Bach-Biographie liegt noch im "Wartestapel".

Natürlich ist das kein unglaublich umfangreiches Werk, aber auf ~190 Seiten werden gute Basisinformationen geliefert, und ein guter Anhang erschließt weitere Literaturquellen. Ein Mini-Werkverzeichnis verweist auf die Stellen des Buchs, an denen das Werk behandelt wird. Insgesamt ein für den ersten Zugriff und die Erlangung von Basisinformationen ideales Buch.
cellodil (13.01.2009, 18:48):
Original von cellodil
Letzte Nacht angefangen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41zlOQQipLL._SS500_.jpg
Denis Guedj, Das Theorem des Papageis
Übersetzung: Bernd Wilczek
Broschiert: 752 Seiten
Lübbe; Auflage: 1 (11. Dezember 2007)
ISBN-10: 3404922743
ISBN-13: 978-3404922741

Habe erst knapp 50 Seiten gelesen und deshalb ist es schwer zu sagen, wo die Reise hingehen wird. Es scheint, als wenn der taube Junge Max und ein vor finsteren Häschern geretteter und von Max adoptierter Papagei, der behauptet, nichts ohne seinen Advokaten sagen zu wollen (wobei er freilich nicht an Rechtsbeistand denkt, sondern Avocados meint), im Zentrum (vielleicht nicht des ganzen Romans, aber doch zumindest) eines Handlungsstranges stehen würden. Wichtig scheint auch eine dem alten und behinderten Buchhändler Monsieur Ruche angekündigte Sendung einer mathematischen Bibliothek (Autor Guedj ist Mathematiker und Professor für Wissenschaftsgeschichte in Paris) zu sein, die allerdings vielleicht schon auf dem Transport von Brasilien nach Europa im Meer versunken sein könnte...

Bislang auf jeden Fall eine recht amüsante und kurzweilige Lektüre und ein Einstieg der neugierig macht, wo das alles hinführen wird....

... inzwischen ist meine Lektüre weiter fortgeschritten. Im Grunde ist Guedjs Roman eine äußerst amüsant und kurzweilig erzählte (und auch für Laien verständlich aufbereitete) Wissenschaftsgeschichte der Mathematik, um die herum sich eine eher spärliche Romanhandlung schlängelt. Mir macht das Buch trotzdem Spaß, weil mich Mathematik und Wissenschaftsgeschichte interessieren, aber ein Roman ist das eher nicht.

Liebe Grüße

Sabine
ab (29.01.2009, 21:53):
Glenn Gould:
Von Bach bis Boulez
Schriften zur Musik 1
Hrsg. und mit einer Einleitung von Tim Page, Deutsch von Hans-Joachim Metzger
Frankfurt am Main, Zweitausendeins 2003.

Wie ich an den Ziffern ober erkennen muss, vor gut fünf Jahren gekauft und erst jetzt aus der Verschweißung herausgelöst.
Oh Jahre, wohin seid ihr entschwunden...

http://ecx.images-amazon.com/images/I/21TY4Z2246L._SL500_AA152_.jpg
kreisler (29.01.2009, 23:12):
Ich habe einmal verschiedene Texte aus seinem zweiten Buch "Vom Konzertsaal zum Tonstudio" gelesen. Als ganzes war mir das damals zu viel, ich mochte damals auch Gould noch nicht so gerne und teilte seine Ansichten nicht wirklich. Das ist auch jetzt noch so, obwohl ich ihn mittlerweile als Mensch und natürlich Pianist sehr schätze.

Erzählt er in "Von Bach bis Boulez" seine Eindrücke von verschiedenen Komponisten, gewissermaßen als "Lexikon", oder ist das ein richtiger Roman?


Ach, ich lese gerade (und bin schon ganz schön lange damit beschäftigt!:)) ganz "klassisch" Dostojewski: Die Brüder Karamasow

Grüße Kreisler
cellodil (29.01.2009, 23:40):
Im Moment gibt es bei 2001 im Ramsch gerade das hier:

http://www.zweitausendeins.de/www_articles_images/large/106333.jpg

Kazdin, Andrew
Glenn Gould
"Eine fesselnde und ergreifende Biografie" (Newsday). 15 Jahre lang betreute Andrew Kazdin als Produzent bei CBS Masterworks sämtliche Schallplattenaufnahmen Goulds. In diesem feinsinnigen, faktenreichen und außergewöhnlichen Porträt, erzählt Kazdin, wie Gould im Studio arbeitet, wie er übt, seinen Flügel präpariert, von Goulds Überspanntheit, seine Rücksichtslosigkeit und Naivität, der unglaublichen Diskrepanz zwischen höchstentwickeltem Intellekt und unkontrollierbarer Emotionalität. "Ein fesselndes und ergreifendes Buch über einen Musiker, dessen Genie durch ein bisschen Menschlichkeit keinerlei Abbruch getan werden kann" (Newsday). "Hut ab, Gentlemen" (Der Spiegel). 210 Seiten.

Kennt das jemand von Euch? Ist das lohnend?

Liebe Grüße

Sabine
ab (29.01.2009, 23:48):
Original von Amadeus Kreisler
Erzählt er in "Von Bach bis Boulez" seine Eindrücke von verschiedenen Komponisten, gewissermaßen als "Lexikon", oder ist das ein richtiger Roman?


Nein, weder noch, das sind überwiegend seine Plattenbeiheft-Texte...
ab (29.01.2009, 23:49):
Stegemanns Buch ist lohnend. Dieses hier kenne ich nicht.
cellodil (31.01.2009, 09:46):
Gerade angefangen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/21xWRgIVGkL._SL500_AA180_.jpg

Hans-Ulrich Treichel
Der Papst, den ich gekannt habe
Suhrkamp Taschenbuch; Auflage: 1 (3. Dezember 2008)
118 Seiten
ISBN-10: 3518460420
ISBN-13: 978-3518460429

Der passendere Titel wäre wohl "Notizen eines Hochstaplers", denn es gibt gewissermaßen nichts, was Treichels Ich-Erzähler nicht kann. Er spricht zahllose Sprachen (selbstverständlich hervorragend, Italienisch gar besser als die Italiener) und Dialekte, spielt wunderbar Klavier, hat mal einen milchtrinkenden Mafiaboss an der Hotelbar in Palermo und den Papst in dessen Sommerresidenz im Aufzug getroffen, außerdem hat er diverse Fächer an diversen Hochschulen unterrichtet, war Kunsthändler in Rom und Dogwalker in New York City. Moment... äh??? Dogwalker??? Wie passt das denn? Tja...

Obwohl man dem Ich-Erzähler von Anfang an kein Wort von dem, was er einem da erzählt glaubt, lässt man sich von dessen Geplauder doch verführen. Ein bisschen Münchhausen, ein bisschen Schelm...

Mein vorläufiges Urteil: Kurz und kurzweilig, schön geschrieben, witzig und - obwohl es eigentlich keine Handlung gibt - doch spannend.

Mal sehen, wie's weitergeht. Die Hälfte habe ich noch vor mir.

Liebe Grüße

Sabine
Heike (31.01.2009, 20:31):
Gefangen in Hohenschönhausen: Stasi-Häftlinge berichten



Ganz grauenhafte Zeitzeugnisse, ohne billige Betroffenheitslektüre zu sein.
Ehemalige Insassen (darunter einige so bekannte wie Janka und Fuchs) berichten über ihre Verhaftung und die Haftbedingungen von nach dem Krieg bis zum Mauerfall.
Ich wünsche diesem Buch viele Leser.
Heike


P.s ich weiß immer nicht genau. ob es hier nur um musik-assoziiierte Lektüre gehn soll oder nicht, also falls doch, parallel lese ich zur Zeit immer mal wieder ein Kapitel aus:



Die Krankheiten großer Komponisten, Bd.1,
Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven, Vincenzo Bellini, Felix Mendelssohn Bartholdy, Frederic Chopin. Robert Schumann:

Interessant, aber wirklich vor allem für das medizinische, man sollte keine sorgfältige Biographierecherche darüber hinaus erwarten. Was die Krankheiten angeht, ist es aber wirklich lesenwert und auch kurzweilig.
cellodil (01.02.2009, 13:10):
Original von Hebre
P.s ich weiß immer nicht genau. ob es hier nur um musik-assoziiierte Lektüre gehn soll oder nicht

Liebe Heike,

ich finde das bisherige "Querbeet" in dem Fall ganz in Ordnung und wüsste auch nicht, wieso wir das trennen sollten. Der Andrang hier ist ohnehin - so scheint es mir jedenfalls - nicht so groß. Und für spezifische Themen gibt es ja extra Threads...

Liebe Grüße

Sabine
rejo (05.02.2009, 22:29):
ich lese gerade 2 Bücher um das Klavier besser kennenzulernen, um die Kultur, den Anfang , die Entstehung, den Bau des Instrumentes und alles daürber kennenzulernen und mich in die Zeit hineinzuversetzten.
Und dann kann es wieterführend werden :wink
cellodil (05.02.2009, 22:36):
Beschert mir derzeit kurze Nächte:

http://www.zweitausendeins.de/www_articles_images/large/106530.jpg
Catherine Gildiner, Verführung: Ein Freud-Krimi
OT: Seduction
Ü: Margarete Längsfeld, Sabine Maier-Längsfeld
Kindler/Rowohlt, 1. Auflage, März 2006
ISBN 13: 978 3 463 40497 4
ISBN 10: 3 463 40497 4
508 Seiten

"Es ist mir wirklich peinlich, aber ich kann mich nicht erinner, warum ich meinen Mann umgebracht habe".

Mit diesem schönen Satz beginnt Catherine Gildiners Buch Verführung, das der Verlag mit dem Untertitel "Freud-Krimi" versehen hat.

Tatsächlich recherchiert die verurteilte Gattenmörderin Kate, die sich in ihrer Gefängniszeit am kanadischen Ende der Welt zur Freud-Expertin herangebildet hat, im Umfeld der diversen nationalen und internationalen psychoanalytischen Vereinigungen. Ihr Partner bei den Ermittlungen ist der attraktiv-ungehobelte Detektiv Jackie Lawton, der selbst den Großteil seines Lebens hinter Gittern zugebracht hat und ebenso ungern mit anderen zusammenarbeitet wie Kate selbst.

Es geht um einen potentiellen Nestbeschmutzer, der sich medienwirksam mit angeblich neuen Erkenntnissen über den Altvater der Psychoanalyse in Szene setzt. Doch kaum ist die attraktive Kate ihrer Zielperson in Wien ein Stück näher gekommen, liegt der auch schon mit durchgeschnittener Kehle in seiner Wohnung. Ist der Auftrag eine Falle? Soll Kate der Mord an dem umstrittenen Analytiker in die Schuhe geschoben werden? Ist Jackie Teil des Komplotts?

Zwischenbilanz: Unterhaltsam, leidlich spannend und bisweilen ziemlich witzig.
cellodil (05.02.2009, 22:49):
P.S. Verführung ist übrigens der erste Roman der spätberufenen Autorin Catherine Gildiner (* 1948), die promovierte Psychologin ist und sich mit Freud und den Gepflogenheiten psychoanalytischer Gesellschaften gut auszukennen scheint...
nikolaus (07.02.2009, 10:17):
Original von nikolaus

http://ecx.images-amazon.com/images/I/11AJ6t0kIUL._SL500_AA180_.jpg

Anna Enquist: Kontrapunkt

Hörte sie nicht den Schmerz in dieser schlichten Melodie? Eine Mutter will die Erinnerung an ihre tragisch verstorbene Tochter lebendig erhalten. Sie stemmt sich gegen die verstreichende Zeit - und verzweifelt fast daran. Erst als sie, die ausgebildete Pianistin, wieder beginnt, Bachs Goldberg-Variationen am Klavier einzustudieren, erkennt sie, dass ihr die intensive Auseinandersetzung mit der Musik eine Brücke zu ihrer Tochter sein kann. Nichts ist schmerzlicher als der Verlust eines geliebten Menschen. Und nichts ist schrecklicher als das allmähliche Verblassen der Erinnerung an ihn. Nach dem tragischen Tod ihrer Tochter will sich die Mutter nicht damit abfinden, dass ihr die verstreichende Zeit die Erinnerungen nimmt oder verfälscht, dass sie mit der Vergangenheit abschließen und in die Zukunft blicken soll. Nein, sie will die Vergangenheit, in allen Einzelheiten will sie ihre geliebte Tochter sehen, lebendig, als Baby, als Mädchen, als junge Frau. Dann nimmt sie sich zum ersten Mal seit ihrer Zeit am Konservatorium die Goldberg-Variationen von Bach wieder vor, kauft Partituren, schreibt Fingersätze, beschäftigt sich mit Bachs Leben. Spielt und interpretiert. Dreißig Variationen, eine Aria am Anfang und am Schluss. Und das Wunder geschieht: Die Harmonie, die Vielstimmigkeit, die verschiedenen Formen und Klänge von Bachs Musik evozieren und begleiten Szenen aus dem Leben mit ihrer Tochter, von der Geburt bis zum Studienabschlussfest, Familienferien zu viert mit Mann und Sohn, Meinungsverschiedenheiten und Augenblicke größter Nähe. Selten wurden bisher so intensiv und klar Leben und Musik in eins gesetzt, und selten berührte ein Buch so tief.

Inzwischen habe ich es ganz gelesen:
Mein Eindruck ist danach jedoch zwiespältig, und richtig berührt hat mich dieses Buch nicht.
Die Konstruktion (die Mutter erinnert sich beim Üben der Goldbergvariationen ihrer Tochter; jede Variation ist dabei mit einer Episode aus dem Leben der beiden verbunden - nicht chronologisch) ist sicherlich interessant und durchaus spannend.
Die Autorin, selbst ausgebildete Pianistin und Psychoanalytikerin, weiss, wovon sie schreibt. Allerdings überwiegt, sowohl was das Musikalische als auch das "Seelische" betrifft, der analytische Blick. Richtige Emotionen kommen bei mir daher nicht an, und das finde ich etwas schade.
Seltsamerweise habe ich manchmal den Eindruck, es könnte autobiographisch sein, weil das, was Anna Enquist schreibt, oft so einsichtig ist. Dann irritiert mich die von mir empfundeneDistanz umso mehr...

Was ich an einem ruhigen Abend sicher noch machen werde, ist:
Die Goldbergvariationen (natürlich Gould '81) hören und dabei lesen, was Enquist über das Einstudieren schreibt.

Gruß, Nikolaus.
cellodil (07.02.2009, 12:27):
Original von nikolaus

http://ecx.images-amazon.com/images/I/11AJ6t0kIUL._SL500_AA180_.jpg

Anna Enquist: Kontrapunkt

(....)
Inzwischen habe ich es ganz gelesen:
Mein Eindruck ist danach jedoch zwiespältig, und richtig berührt hat mich dieses Buch nicht.
Die Konstruktion (die Mutter erinnert sich beim Üben der Goldbergvariationen ihrer Tochter; jede Variation ist dabei mit einer Episode aus dem Leben der beiden verbunden - nicht chronologisch) ist sicherlich interessant und durchaus spannend.

Lieber Nikolaus,

mir ging es ähnlich, zumal ich auch den Eindruck hatte, dass die Konstruktion nicht nur sehr verkopft ist, sondern auch in sich oft nicht ganz plausibel und/oder willkürlich, dass die beiden Ebenen nicht konsequent genug miteinander verzahnt sind, dass sie letztlich nur an manchen Stellen überzeugend ineinandergreifen.

Original von nikolaus
Allerdings überwiegt, sowohl was das Musikalische als auch das "Seelische" betrifft, der analytische Blick. Richtige Emotionen kommen bei mir daher nicht an, und das finde ich etwas schade.

Das ging mir ganz genauso. Die Geschichte hat mich nicht wirklich berührt. Sie wirkt nicht "wahrhaftig", sondern hat eine gewisse unaufrichtige Manieriertheit, hinter der sich vielleicht etwas oder auch nichts verbirgt.

Original von nikolaus
Seltsamerweise habe ich manchmal den Eindruck, es könnte autobiographisch sein, weil das, was Anna Enquist schreibt, oft so einsichtig ist. Dann irritiert mich die von mir empfundeneDistanz umso mehr...

Ein interessanter Gedanke. Dann könnte ich das vielleicht doch nachvollziehen, wieso das Buch so ist, wie es ist, dann wäre die Distanziertheit gewissermaßen eine Art von Abwehr.

Original von nikolaus
Was ich an einem ruhigen Abend sicher noch machen werde, ist:
Die Goldbergvariationen (natürlich Gould '81) hören und dabei lesen, was Enquist über das Einstudieren schreibt.


Das wollte ich nach der Lektüre auch tun, hab's aber bislang noch nicht geschafft...

Liebe Grüße

Sabine
Rachmaninov (07.02.2009, 14:09):
zur erheiterung meiner täglichen autofahrten folgendes geliehen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51BDB8EM93L._SS500_.jpg

Der Spieler / Der Großinquisitor / Die Sanfte / Helle Nächte
cellodil (07.02.2009, 15:07):
Lieber Admin,

für Autofahrten finde ich Hörbücher auch ideal. Wer liest denn die Dostojewski-Bücher? Sind das "richtige Hörbücher" oder eher "Hörspiele"?

Liebe Grüße

Sabine
ab (07.02.2009, 22:32):
Original von cellodil
Wer liest denn die Dostojewski-Bücher?

?(
Das kommt mir so absurd vor, wie wenn Du behaupten würdest, Kompositionen müsste man in der Partitur lesen, nicht aber anhören:
à la "Wer hört denn noch Musik?"

:A
ab (07.02.2009, 22:38):
à propos Bücher mit Musikbezug (im weilteren Sinne) hat jemand von euch von Richard Powers Der Klang der Zeit gelesen? Ist das wirklich so gut, wie zu hören ist?

Danke!
cellodil (07.02.2009, 23:30):
Original von ab
Original von cellodil
Wer liest denn die Dostojewski-Bücher?

?(
Das kommt mir so absurd vor, wie wenn Du behaupten würdest, Kompositionen müsste man in der Partitur lesen, nicht aber anhören:
à la "Wer hört denn noch Musik?"

:A

Lieber ab,

war das so missverständlich? Uuups... Ich wollte einfach nur wissen, von wem die Texte auf den CDs, die oben abgebildet sind, gelesen werden. Also: Welcher Schauspieler und/oder Sprecher liest, bzw. ob einer liest oder das eine Hörspielfassung ist. Ich finde, dass das einen ziemlichen Unterschied machen kann (gewissermaßen wie bei Interpretationen in der Musik).

Liebe Grüße

Sabine
kreisler (07.02.2009, 23:34):
Also ich lese zum Beispiel zur Zeit "die Dotojewski-bücher" :D

edit: Und wollte auch gerade das Missverständnis aufklären, doch da bist du mir wohl um Sekunden zuvorgekommen. :)

Ich mag Hörbücher auch sehr gerne,
Kreisler
cellodil (07.02.2009, 23:40):
Original von ab
à propos Bücher mit Musikbezug (im weilteren Sinne) hat jemand von euch von Richard Powers Der Klang der Zeit gelesen? Ist das wirklich so gut, wie zu hören ist?

Danke!

Lieber ab,

ja, das habe ich vor längerer Zeit gelesen. Es war kein Buch, das mich damals ganz und gar begeistert hätte, dazu gibt es in der erzählerischen Struktur zu viele Durchhänger. Aber im Rückblick erinnere ich mich vor allem an die guten und starken Momente und an das, was dem Text etwas "Wahrhaftiges" gibt, und nicht an die Schwächen, so dass ich heute eine deutlich positivere Haltung zu dem Text habe als unmittelbar nach der Lektüre. Ich würde es aus dem zeitlichen Abstand heraus - im Gegensatz zu meiner damaligen Meinung - als durchaus lesenswert einstufen.

Liebe Grüße

Sabine
ab (08.02.2009, 00:19):
Original von cellodil
Ich wollte einfach nur wissen, von wem die Texte auf den CDs, die oben abgebildet sind, gelesen werden.

Uuups... :ignore

Tatsächlich ein Missverstädnis ins fette Fettnäpfchen
cellodil (08.02.2009, 00:29):
Original von ab
Original von cellodil
Ich wollte einfach nur wissen, von wem die Texte auf den CDs, die oben abgebildet sind, gelesen werden.

Uuups... :ignore

Tatsächlich ein Missverstädnis ins fette Fettnäpfchen

... dann kann ich jetzt ja beruhigt schlafen gehen.

Gute Nacht! und liebe Grüße

Sabine
cellodil (08.02.2009, 05:50):
Original von Amadeus Kreisler
Also ich lese zum Beispiel zur Zeit "die Dotojewski-bücher" :D


:hello Kreisler!

... was liest Du denn von Dostojewski?

Original von Amadeus Kreisler
Ich mag Hörbücher auch sehr gerne

... welche? Da bin ich für Empfehlungen immer zu haben.

Liebe Grüße

Sabine
Rachmaninov (08.02.2009, 09:51):
Original von cellodil
Original von ab
Original von cellodil
Wer liest denn die Dostojewski-Bücher?

?(
Das kommt mir so absurd vor, wie wenn Du behaupten würdest, Kompositionen müsste man in der Partitur lesen, nicht aber anhören:
à la "Wer hört denn noch Musik?"

:A

Lieber ab,

war das so missverständlich? Uuups... Ich wollte einfach nur wissen, von wem die Texte auf den CDs, die oben abgebildet sind, gelesen werden. Also: Welcher Schauspieler und/oder Sprecher liest, bzw. ob einer liest oder das eine Hörspielfassung ist. Ich finde, dass das einen ziemlichen Unterschied machen kann (gewissermaßen wie bei Interpretationen in der Musik).

Liebe Grüße

Sabine

Sabine,

habe noch nicht angefangen, da bei mir noch Moby Dick läuft mit seiner eigentümlichen Sprache.

Die FD Aufnahmen sind vollständige Lesungen, wobei ich Zweifel hege, dass diese Werke als Hörbuch wirklich taugliuch sind. Manches muss man wohl wirklich als Buch lesen.

Aber mal schauen.

Der Idiot wird jedenfalls "richtig" gelesen irgendwann.
Heike (08.02.2009, 10:13):
Hallo Sabine,
... welche? Da bin ich für Empfehlungen immer zu haben.
Ich höre im Auto auch relativ oft Hörbücher (kaufe und verkaufe ich wiede bei ebay, das klappt fast verlustfrei). Ein paar Empfehlungen des aus meinem letzten Hörjahr:

Elias Canetti: Die Blendung. 3 CDs.
Ein ganz großartiges Hörspiel zu einem Weltklassebuch. Ich glaube, das ist überhaupt das gelungenste Hörspiel zu einem Klassiker, das ich jemals gehört habe.



Karen Duve: Der Regenroman. 6 CDs
Ein ganz ganz böses Buch, sehr komisch und zugleich tragisch-skuril, mit einer gehörigen Portion Psychologie, stellenweise ziemlich eklig. Ungekürzte Lesung.



Die Kinder der Manns. Feature 6 CDs:
Hier ist jede CD anders, und wenn du Thomas Mann gern liest und dich ein wenig für seine Familie interessierst, dann ist das ein kleines Goldstück.



Mein Lieblingshörbuch seit ewigen Zeiten ist übrigens das von Gert Westphal gelesene Buddenbrooks auf 22 CDs - ein Meisterwerk, meisterlich vorgelesen und auch wenn man das Buch kennt keine Minute langweilig.
Heike
kreisler (08.02.2009, 10:26):
Original von cellodil
... was liest Du denn von Dostojewski?

Also im Moment schon eine ganze Weile (obwohl ich gerade erst mit dem ersten Band fertiggeworden bin) Die Brüder Karamasow,
und habe vor längerer Zeit auch Schuld und Sühne und Der Spieler gelesen.
Gerade bei den "Karamaswows" hab ich schon eine Weile gebraucht, bis ich mich da "eingelesen" hatte. Aber natürlich absolut grandios!

Original von Amadeus Kreisler
Ich mag Hörbücher auch sehr gerne

... welche? Da bin ich für Empfehlungen immer zu haben.

Also das bezog sich jetzt eher darauf, dass ich früher immer sehr gerne Hörspiele (Krimis oder so) gehört habe. Das mache ich jetzt fast nie mehr, höchstens wenn mein Bruder mal so etwas anhört, aber mein Vater hat immer ein zwei richtiger Hörbücher im Auto, die er zu Weihnachten geschenkt bekommen hat oder so, einfach quer durch die Weltliteratur. Ich selber höre dann fast nie ein Buch zu Ende (weil er öfter alleine fährt), aber das macht nichts. es ist trotzdem interessant und man bekommt Lust, das Buch richtig zu lesen. Das ist dann natürlich schon noch mal besser.
Ich behaupte mal, dass das letzte mal Kurzgeschichten von Anton Tschechow (ist das die richtige Schreibweise?) dran waren. Ich glaube, die meisten Hörbücher die wir haben sind vom Diogenes-Verlag, aber vielleicht irre ich mich da auch und es war der Hörverlag.

ach ja: Von Thomas Mann haben wir auch Teile von den Buddenbrooks angehört- aber das habe ich auch schon "richtig" gelesen - und von seinem Sohn Golo Mann ein Buch über das 19. Jahrhundert.

Viele Grüße,
Kreisler
Heike (08.02.2009, 10:57):
Mein Lieblingsbuch von Dostojewski ist "Schuld und Sühne" bzw. "Verbrechen und Strafe", wie es jetzt viel treffender in der neuen Übersetzung heißt, die rundum viel gelungener ist als die alte.


Um mal wieder selbst was zum Threadtitel beizutragen: Gerade lese ich zur abendlichen Unterhaltung "Letzte Instanz" - einen Roman über absurde Prozesse und die allgegenwärtige Klagewut in den USA. Bisher gefällt es mir recht gut, es ist originell geschrieben (besteht fast nur aus Dialogen) und liefert etliche skurile Bilder aus dem Milieu. Mal sehen, ob mich das ganze am Ende nicht langweilt, denn die Inhalte der Rechtsstreite und die Begründungen sind im wesentlichen so stumpfsinig banal, dass jetzt noch das Groteske interessant ist, aber das Buch hat über 700 Seiten ....



Heike
cellodil (08.02.2009, 15:15):
Liebe Heike,

merci vielmals und :thanks für die Hörbuchvorschläge!

Herzliche Grüße

Sabine
Leif Erikson (08.02.2009, 16:13):
Zur Zeit lese ich "Geschichte der modernen Musik" von Paul Collaer.
Es deckt den Zeitraum von 1905 - 55 ab und damit meine heißgeliebten "klassischen Modernen".
Der Autor traut sich noch Stellung zu beziehen und hat ähnliche Ansichten wie ich. Auch sind viele Erläuterungen der Kompositionstechniken für einen Laien fast bzw. gerade noch verständlich. Es ärgert mich - wie immer - daß ich die zahlreichen Notenbeispiele nicht nachzuvollziehen kann. Gibt es moderne Bücher mit Beispielen auf CD/CDrom?
Außerdem ist es eine Fundgrube für neue Kaufideen und wird bei mir ungeheuere Folgekosten verursachen.

Gruß, Leif.

Link zum Buch (antiquarisch)
cellodil (11.02.2009, 16:29):
Gestern angefangen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41EWRA39C5L._SS500_.jpg

Anita Lasker-Wallfisch
Ihr sollt die Wahrheit erben: Die Cellistin von Auschwitz
252 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb.; Auflage: 8 (März 2000)
ISBN-10: 3499226707
ISBN-13: 978-3499226700

Die Autobiographie der Cellistin Anita Lasker-Wallfisch (* 1925) ist ein bewegendes zeithistorisches Dokument eines jüdischen Schicksals während der NS-Zeit. Aber es ist auch ein sehr persönlicher Text, den die Autorin ursprünglich für ihre Nachkommen geschrieben hatte. Das Erinnern der Autorin wird durchbrochen von Auszügen aus der Korrespondenz der Familie. Ein Wechselbad aus Hoffnungen und Enttäuschungen. Vor allem die Briefe ihres Vaters, eines Breslauer Anwalts, in denen dieser sich um eine Emigration der Familie bemüht, und auch die Korrespondenz mit Anitas ältester Schwester, die seit 1939 in England lebte, gehen einem sehr unter die Haut.
kreisler (11.02.2009, 18:17):
Vielleicht etwas unpassend zum Thema von Ihr sollt die Wahrheit erben: Die Cellistin von Auschwitz, , aber ich dachte á propos Cellisten(auto)biographie:

Dieses Buch wurde doch sicherlich schonmal hier irgendwo erwähnt, ich habe es vor kurzem mit Freude gelesen:

http://www.jpc.de/image/w300/front/0/8379304.jpg

Gregor Piatigorsky - Mein Cello und ich und unsere Begegnugen

Umbedingt lesenswert!


Piatigorsky erzählt hier über seine Cellisten-Karriere, über berühmte Musiker mit denen er bekannt war und besonders über seine Jugendzeit, wie er mit 15 mehr oder weniger seine Eltern verliess und in Russland -und nach der Flucht aus der Sowjetunion auch im Westen - selber "ums überleben kämpfen" musste.

Auch wenn ich ihm nicht immer so ganz glaube, dass er das alles in Wirklichkeit erlebt hat, war es wohl einer der unterhaltsamsten, lustigsten und auch interessantesten Musik-Bücher die ich je gelesen habe.
Nicht nur für Cellisten/innen, (aber für die Pflichtlektüre :J)

Grüße
Kreisler
ab (11.02.2009, 21:23):
Original von cellodil
Anita Lasker-Wallfisch


Ist der Cellist Raphael Wallfisch mit ihr verwandt?
cellodil (11.02.2009, 23:36):
Original von ab
Original von cellodil
Anita Lasker-Wallfisch


Ist der Cellist Raphael Wallfisch mit ihr verwandt?

Lieber ab,

das weiß ich leider nicht, falls ich es im Laufe der Lektüre noch herausfinden sollte, dann werde ich es Dich wissen lassen.

Liebe Grüße

Sabine
cellodil (11.02.2009, 23:39):
Lieber Kreisler,

ist schon länger her, dass ich Piatigorsky gelesen habe, fand das aber auch sehr vergnüglich. Und, Du hast recht: Vieles mag man kaum glauben. Wirklich ein must. Sollte ich vielleicht mal wieder lesen.

Wenn wir schon bei den Cellisten-Autobiographien sind... Kennst Du von Pablo Casals Licht und Schatten auf einem langen Weg? Auch ein schönes, lesenswertes Buch.

Liebe Grüße

Sabine
kreisler (12.02.2009, 09:19):
Original von cellodil
Kennst Du von Pablo Casals Licht und Schatten auf einem langen Weg?

Nein, leider noch nicht, aber ich mag Casals Aufnahmen sehr gerne und sollte das wohl auch mal lesen,
danke für den Hinweis,

Kreisler
cellodil (12.02.2009, 09:49):
Lieber Kreisler,

die Casals-Autobiographie gibt's - recht günstig - als Tachenbuch:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51H06KA3WQL._SS500_.jpg

Pablo Casals, Licht und Schatten auf einem langen Weg: Erinnerungen
Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 24., Aufl. (Oktober 2005)
ISBN-10: 3596214211
ISBN-13: 978-3596214211

Herzliche Grüße

Sabine
Gamaheh (12.02.2009, 21:03):
Original von cellodil
Lieber Kreisler,
die Casals-Autobiographie gibt's - recht günstig - als Tachenbuch:


... z.B. ab 25 Zent bei booklooker.de

Grüße,
Gamaheh
cellodil (14.02.2009, 08:20):
Original von cellodil
Original von ab
Original von cellodil
Anita Lasker-Wallfisch


Ist der Cellist Raphael Wallfisch mit ihr verwandt?

das weiß ich leider nicht, falls ich es im Laufe der Lektüre noch herausfinden sollte, dann werde ich es Dich wissen lassen.

Lieber ab,

Raphael Wallfisch ist der Sohn von Anita Lasker-Wallfisch.

Liebe Grüße

Sabine
Heike (14.02.2009, 08:36):
Ich habe inzwischen übrigens (das bei der Angst-Choroper zugrundeliegende) Buch von dem Bergsteiger Joe Simpson gelesen, ich kann euch sagen, das ist ein echter Schmöker im besten Sinne, den man in einem Tag wegliest, so spannend und dramatisch ist das.



Wenn man sich vorstellt, dass das wirklich alles so passiert ist! Unglaublich.
Heike
cellodil (17.02.2009, 15:46):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/21EDCB77BML._SL500_AA180_.jpg
Richard Yates, Zeiten des Aufruhrs
(OT: Revolutionary Road)
Ü: Hans Wolf
dtv, 7. Auflage (München, März, 2009)
374 Seiten

Richard Yates Romanerstling (erstmals 1961 erschienen) spielt Mitte der 50er Jahre. Im Mittelpunkt stehen Frank und April Wheeler, beide um die dreißig und seit einigen Jahren verheiratet. Die Liebe im Vorstadtalltag und tradierten Rollenmodellen erstickt, klammern sich die beiden an den Traum, zusammen nach Europa zu gehen. Ob das was hilft?

Yates Buch, das unlängst mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet von Sam Mendes verfilmt wurde, ist eine reichlich bittere Bestandsaufnahme einer Beziehung zwischen aufkeimenden Momenten der Hoffnung, dass doch alles noch anders und gut wird, und der puren Verzweiflung.

Vielleicht wird der Film diesem zumindest hierzulande eher unbekannten (oder vergessenen Autor) zu mehr Bekanntheit verhelfen. Lesenswert ist der Roman auf jeden Fall (auch, wenn er gänzlich "Gute-Laune-Faktor"-frei ist).
cellodil (19.02.2009, 15:58):
Zwischendurch mal wieder was Leichtes:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41hj-NsPoWL._SS500_.jpg
Tommy Jaud, Vollidiot: Der Roman
Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main, 19. Auflage September 2008
284 Seiten
ISBN-10: 3596163609
ISBN-13: 978-3596163601

Beim samstäglichen Shopping bei Ikea befällt Simon die Single-Depression. Doch das Rasierklingenset "Suizöd" sucht er ebenso vergeblich wie den Strick "Hängan". Stattdessen: Überall Paare, Paare, Paare mit und ohne Nachwuchs. Und die Regalnummer, aus der er seinen Single-Sessel mit dem schlüpfrigen Namen "Jennylund" wuchtet, kann er leider nicht mehr vergessen. Zu allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten geht ihm die "30C" durch den Kopf.

Tommy Jauds Geschichte über die Nöte und den sexuellen Notstand von T-Punkt-Verkäufer Simon ist per se nicht gerade originell oder neu, aber witzig und pointiert geschrieben. Nette Unterhaltung - nicht mehr und nicht weniger.
Solitaire (19.02.2009, 18:53):
Ich lese gerade was ganz peinliches:
"Die Braut von Lammemoor" von Walter Scott.
Jesses, was für ein Schund. Aber schöööööön. :D
cellodil (19.02.2009, 21:42):
Original von Solitaire
Ich lese gerade was ganz peinliches:
"Die Braut von Lammemoor" von Walter Scott.
Jesses, was für ein Schund. Aber schöööööön. :D

... ist doch gut. Das braucht Dir doch nicht peinlich sein. Hauptsache, es macht Spaß.

Liebe Grüße

Sabine
cellodil (19.02.2009, 22:15):
Für unsere Mediziner-Fraktion ein Sci-Fi-Thriller von Juli Zeh:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41FmTtTHgYL._SS500_.jpg

Juli Zeh, Corpus Delicti: Ein Prozess
Gebundene Ausgabe: 264 Seiten
Verlag: Schöffling; 1. Auflage (Februar 2009)
ISBN-10: 3895614343
ISBN-13: 978-3895614347

Mitte des 21. Jahrhunderts. Im keimfreien, mit 19,5 °C etwas kühl temperierten Sitzungssaal des Amtsgerichts wird eine Reihe von Strafsachen verhandelt. Darunter Straftatbestände wie "einmaliges Überschreiten der Blutwerte im Bereich Koffein" oder der "Verstoß gegen das Gesetz über die Krankheitsfrüherkennung bei Säuglingen". Manche der Angeklagten sind schon mehrfach vorbestraft wegen "Missbrauchs toxischer Substanzen im Bereich Nikotin und Ethanol". Gesundheit ist alles. Wer nicht nach Gesundheit strebt, der gilt in dem totalitären Gesundheitsüberwachungsstaat als krank. Die Methode beruft sich auf die Maxime der Vernunft.

Gesundheitliche Risiken sind weitestgehend auszuschalten. Jeder ist dazu verpflichtet, regelmäßig seinen Gesundheits- und Hygienepflichten nachzukommen. Ernährung gibt es aus der Tube. Getrunken wird nur warmes Wasser. Haustiere und Pflanzen sind als Infektionsrisiken tabu. Regelmäßige Schlaf- und Ernährungsberichte sind Pflicht. Man trägt draußen Mundschutz. Gegrüßt wird mit "Santé". Und das Volksblatt heißt Der gesunde Menschenverstand. Und für den richtigen Partner ist die ZPV (Zentrale Partnerschaftsvermittlung) zuständig, die Geschlechtspartner unter immunologischen Gesichtspunkten zusammenführt.

Doch diese scheinbare Vernunft des Systems will nicht allen einleuchten. So gibt es die sogenannte RAK, die das "Recht auf Krankheit" fordert. Diese Individuen gelten der Methode selbstverständlich als Terroristen.

Eine Frau, die bis zum Tod ihres Bruders systemtreue Biologin Mia, gerät durch eine Verkettung von Ereignissen in die Mühlen dieses totalitären Systems, das sich in Corpus delicti: Ein Prozess dadurch auszeichnet, dass es - scheinbar vernünftig - die Menschen zur Gesunderhaltung ihres Körpers zwingt und gesundheitsschädliches Verhalten aller Art strafrechtlich und unerbittlich verfolgt.

Juli Zehs Roman Corpus delicti: Ein Prozess basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück der Autorin, das im Rahmen der Ruhr Triennale im September 2007 uraufgeführt wurde. Diese "dramatische Herkunft" ist dem Prosatext recht deutlich anzumerken. Denn die Kapitel des Romans wirken wie Bilder eines Films (oder eben eines Theaterstücks) und die Erzählweise hat eine ausgeprägt szenisch-dialogische Komponente.

Zeh entwirft in ihrem Buch ein beklemmendes Zukunftsszenario, das in vieler Hinsicht an George Orwells 1984, aber auch an Franz Kafka erinnert; eine finstere, futuristische Thrillerkonstruktion, die durchaus spannend ist, die aber doch nur (oder vor allem) eine Plattform ist.

Eine Plattform für ein intellektuelles Denkspiel der Autorin, in dem nicht nur die Maxime des erstrebenswerten gesunden Körpers und Gesundheit als Wert an und für sich und die unbedingte Wissenschafts- und Fortschrittsgläubigkeit in Frage gestellt und die möglichen Auswirkungen eines maroden Gesundheitssystems und eines allgemeinen Werteverlusts ad absurdum geführt werden; sondern in dem auch munter (und häufig explizit) herumphilosophiert wird über Freiheit, über Verantwortung, über Selbstbestimmung, über das, was den Mensch zum Menschen macht, über die Begrenztheit des Verstands, über Macht und Ohnmacht, über ...

Corpus delicti: Ein Prozess greift zwar ganz eindeutig gesellschaftlich relevante Themen auf, aber doch auf eine etwas kopflastige Art und Weise (was gewissermaßen paradox ist, weil die Hauptfigur in Zehs Buch damit ringt, ihre Rationalisierungen, die als Abwehr gegen die Erkenntnis funktionieren, hinter sich zu lassen und ihren Gefühlen zu vertrauen). Obwohl die Geschichte spannend gemacht ist (vor allem auch durch die mephistophelische Figur des Antagonisten, der ein teuflischer Verführer ist), berührt sie emotional wegen dieser Neigung zum Intellektualisieren letztlich doch nur wenig, bleibt doch zu einem erheblichen Teil ein bloßes Denkspiel (wenn auch ein - zugegeben - beklemmendes).
nikolaus (19.02.2009, 22:50):
Wie schrecklich. Ich glaube, das möchte ich nicht lesen, eben weil ich der Mediziner-Fraktion angehöre...

Viele Sci-Fi-Themen sind ja inzwischen Realität. Ich mag gar nicht darüber nachdenken...

Nikolaus
cellodil (20.02.2009, 12:32):
Original von nikolaus
Wie schrecklich. Ich glaube, das möchte ich nicht lesen, eben weil ich der Mediziner-Fraktion angehöre...

Viele Sci-Fi-Themen sind ja inzwischen Realität. Ich mag gar nicht darüber nachdenken...

Nikolaus

Lieber Nikolaus,

das kann ich gut verstehen. Corpus delicti ist keine erheiternde Lektüre. Und ich teile Deinen Widerwillen gegen solche Art von Geschichten zu 100 % (nix, was ich freiwillig lesen würde). Ich habe mich auch gefragt, was die Autorin wohl für ein Mensch sein muss, sich mit so einer finsteren Vision über eine vermutlich relativ lange Zeit intensiv (und anders geht das mit dem Schreiben von Geschichten ja nicht) zu beschäftigen.

Liebe Grüße

Sabine
satie (21.02.2009, 08:17):
Endlich habe ich mich entschlossen, wichtige Quellen zur Musikgeschichte zu lesen, die ich dann, wenn ich sie durch habe, in Einzelfäden hier in der Bibliothek besprechen werde. Angefangen habe ich jetzt parallel mit folgenden zwei Klassikern:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783761814130.jpg
Johann Mattheson:
Der vollkommene Capellmeister
Neusatz des Textes und der Noten
Mitarbeiter: Ramm, Friederike
Baerenreiter-Verlag, 12/1999

Dieses Buch ist für mich ein absoluter Hochgenuss (ich habe gerade mal ein Fünftel gelesen bisher). Matthesons Buch gilt zu Recht als eines der wichtigsten, denn hier wird ein ganzes Panorama der Barockmusik aufgezeigt, von der kompositorischen Haltung über die Theorie, Affekte etc. bis hin zu hochinteressanten musikhistorischen Überlegungen (Mattheson war überaus belesen, kannte alle antiken Quellen ebenso gut wie neueste wissenschaftliche Schriften. Aber wie gesagt: das alles werde ich im Detail beschreiben. Für Laien dürfte es allerdings weit zu kompliziert sein, da man Matthesons Terminologie oft nur versteht, wenn man bereits weiß, was gemeint sein muss.

Das zweite, nicht minder berühmte:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783765101793.jpg
Carl Philipp Emanuel Bach:
Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielenErster und zweiter Teil
Herausgeber/Redaktion: Hoffmann-Erbrecht, Lothar
Breitkopf & Härtel, 01/1992
Einband: Leinen, Beilage: 6 Tabellen auf 3 Bl., in Deckellasche.

Diese "Klavierschule" des berühmtesten Bach-Sohnes ist weit mehr als bloßes Instrumental-Lehrwerk. Zwar sind hier alle Ausführungen primär auf das Clavier (was alles, vom Clavichord bis hin zum Fortepiano sein kann) bezogen, doch zeigt auch dieses Buch die ganze Spannbreite barocker Ästhetik. Wer etwas über die "Manieren", also Verzierungen wissen will, der wird hier wie nirgends sonst fündig (mindestens ein Drittel des ganzen Buches handelt nur davon.
Auch hier wird ein Laie wenig Spaß dran haben, weil der eigentliche Genuss im Vergleich von Bachs Ausführungen und den Notenbeispielen besteht, die im Anhang als separate Tafeln (wunderschön gedruckt!) beigefügt sind. Da Bach oft einfach nur schreibt: "In diesem Beispiel bietet sich nach einem Triller ein Nachschlag von unten an" oder ähnliches, dieses aber im Beispiel selber nicht ausnotiert ist, muss man schon eine genaue Vorstellung haben, wie das Resultat mit Verzierung aussehen würde. Daher ist auch dieses Buch in erster Linie etwas für Musiker. Übrigens liest es sich aber sehr gut, Bachs Sprache ist sogar einfacher als jene von Mattheson. Nur die Frakturschrift ist mitunter in diesem Reprint der Erstausgabe etwas gewöhnungsbedürftig...

Meine Idee ist aber, diese wichtigen Werke zu lesen und dann das nötigste in relativ einfachen Worten zusammen zu fassen, bzw. einfach zu erklären, worum es eigentlich geht und weshalb diese Quellen so wichtig sind. Aber das alles dann in jeweils einzelnen Threads.

Auf meiner Wunschliste steht dann als nächstes:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783761815274.jpg

Michael Praetorius:
Syntagma musicum
Zum Tl. in latein. Sprache
Mitarbeiter: Forchert, Arno
Baerenreiter-Verlag, 03/2001

Auflage: Reprint der Originalausgaben von 1614/15 und 1619.

Das wird allerdings dauern: es sind drei dicke Bände, die zwar für rund 70 Euro nicht zu teuer sind, mir momentan aber doch noch ein Loch in die Geldbörse brennen würden. Das Werk ist älter und noch weit umfassender als jenes von Mattheson. Unter anderem findet sich hier ein Atlas der damals existierenden Instrumente in maßstabsgetreuen Stichen. Allein diese sind die Anschaffung wert (man kann einige sehen bei Wikipedia, wenn man nach dem Syntagma sucht).

Herzlich,
S A T I E
cellodil (21.02.2009, 15:30):
Original von Satie
Endlich habe ich mich entschlossen, wichtige Quellen zur Musikgeschichte zu lesen, die ich dann, wenn ich sie durch habe, in Einzelfäden hier in der Bibliothek besprechen werde.
(...)
Meine Idee ist aber, diese wichtigen Werke zu lesen und dann das nötigste in relativ einfachen Worten zusammen zu fassen, bzw. einfach zu erklären, worum es eigentlich geht und weshalb diese Quellen so wichtig sind. Aber das alles dann in jeweils einzelnen Threads.


:hello lieber Satie,

das finde ich großartig, dass Du das machen willst und freu' mich schon mal vor...

:thanks und herzliche Grüße

Sabine
cellodil (21.02.2009, 15:41):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41koZGSNWFL._SS500_.jpg

Martin Geck, Felix Mendelssohn Bartholdy
Broschiert: 160 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb. (2. Januar 2009)
ISBN-10: 3499507099
ISBN-13: 978-3499507090

Zum Aufwärmen sind diese dünnen Rowohlt-Bändchen einfach ideal. Sie verschaffen einen gewissen Überblick und machen im Idealfall neugierig auf mehr.

In diesem Falle war der Kauf des Buchs aber eher ein Trostpflaster, weil ich eigentlich den Briefwechsel zwischen Fanny und Felix lesen wollte

http://ecx.images-amazon.com/images/I/11G910885CL._SL500_AA140_.jpg

Die Musik will gar nicht rutschen ohne dich: Briefwechsel 1821 bis 1846
Gebundene Ausgabe: 494 Seiten
Verlag: Propyläen (1997)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3549055285
ISBN-13: 978-3549055281

... aus dem auf SWR 2 zum Mendelssohn-Jahr gelesen wurde. Doch das Buch ist derzeit vergriffen und auch antiquarisch nicht zu bekommen. Und leider habe ich auch nichts Vergleichbares gefunden.
Glarean (23.02.2009, 11:02):
.

Eben habe ich mit der Lektüre von Lutz Jänckes neuem, zurzeit in der Musikwelt heiss diskutiertem
"Macht Musik schlau?" begonnen.

Nach dem ersten flüchtig-breiten Querlesen dieses neuen neurowissenschaftlichen bzw.
kognitiv-psychologischen Sachbuches des "Hirn-Professors" kristallisieren sich mir
vorläufig drei wissenschaftlich untermauerte Hauptaussagen heraus:

- Musik verändert (wie nichts anderes) das Gehirn positiv - sogar messbar räumlich!
- Die Wichtigkeit des alten Diktums: "Use ist or lose it!"
- Die "Transferfähigkeit" des Musizierens auf andere intellektuelle Sektoren ist enorm!

Bei solchen Befunden dämmert's einem immer heller, warum z.B. bei Schwerst-Demenz
(wie vom Pflegepersonal immer wieder berichtet) auf praktisch nichts mehr reagiert wird -
ausser auf Musik...

Ich bin mal gespannt, wie lange Jänckes Untersuchungen von der Schulpolitik (aller Stufen)
nicht zur Kenntnis genommen bzw. nicht im Stoff-Kanon berücksichtigt wird...

Für Musiker muss man dieses Buch - soweit ich's momentan überblicke -
definitiv in den Stand der Pflichtlektüre erheben.
Denn die wissenschaftlichen Ergebnisse scheinen mir unmittelbar in den
Musiker-Alltag einzugreifen - vom "Wie üben?" bis zum "Angstfrei konzertieren".

Gruss: Glarean

.
cellodil (25.02.2009, 22:24):
Fast ausgelesen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41KXZvw4QRL._SS500_.jpg

Bodo Kirchhoff, Erinnerungen an meinen Porsche
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Hoffmann und Campe; Auflage: 1. (16. Februar 2009)
ISBN-10: 3455401848
ISBN-13: 978-3455401844

Während seines Aufenthalts in einer Nobelkurklinik "Waldhaus" im Südschwarzwald beschließt der junge Exbankier Daniel Deserno, sein Leben aufzuschreiben. Was soll er auch sonst dort tun zwischen all den abgetakelten Prominenten? Daniel leidet, seit seine Freundin Selma seinen Penis ("mein Porsche") an Weihnachten mit einem Alessi-Korkenzieher traktiert hat, an einer hysterischen Lähmung und sitzt im Rollstuhl. Und eher unbeweglich auch der kleine Porsche... Doch dann kündigen Selma, mit der Daniel seit dem Korkenziehervorfall nur noch über seine Anwälte kommuniziert, und Daniels Hippie-Mutter Ursel für dasselbe Wochenende ihren Besuch an. Und auch Neuankömmling Helene, die einen autobiographischen Bestseller analfixierten Einschlags geschrieben hat, erweckt Daniels Interesse...

Das kurios-groteske Kurklinik-Szenario von Bodo Kirchhoffs neuem Roman erinnert ein wenig an Thomas Manns Zauberberg. Und man kann Kirchhoffs Einfall, einen quasi-kastrierten Banker zum Helden seines Buchs, das in Zeiten der Finanzkrise spielt, zu machen, wenn man mag, durchaus einen gewissen Witz abgewinnen. Doch im Vergleich zu anderen Texten von Bodo Kirchhoff wirkt der "neue Schundroman", wie die Verlagswerbung und der Klappentext das Buch labelt, eher wie etwas lauwarm, als wenn der Autor halt schnell ein Buch zu einen aktuellen Thema schreiben hätte wollen...

Fazit: Nicht wirklich ärgerlich, aber leider auch bei weitem nicht so gut wie etwa Parlando oder Infanta oder auch der erste Schundroman. Kann man lesen, muss man aber nicht.
nikolaus (25.02.2009, 23:03):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783446232655.jpg

Der Arbeitsmarkt kennt keine Gnade, erst recht nicht für Philosophen. Daher tritt Dr. phil. Gerhard Warlich eine Stelle als Wäscheausfahrer an und richtet sich ein in dieser nicht allzu aufregenden, aber sicheren Existenz. Doch als seine Freundin Traudel sich ein Kind wünscht, bringt das Warlich, der eigentlich nur "halbtags leben" möchte, vollkommen aus dem Gleis. Wilhelm Genazino erzählt diese Geschichte eines traurigen Helden und seiner viel weniger traurigen Freundin mit verblüffender Lakonie. Keiner beschreibt die menschliche Verzweiflung an Leben und Liebe so ironisch und brillant wie er.

Mitten drin...

Nikolaus.
cellodil (25.02.2009, 23:22):
Lieber Nikolaus,

das klingt gut - nicht so präpotent wie die "Porsche"-Geschichte. Genazino hat auch eine - fand zumindest ich immer - eine sehr eindringliche und klare Sprache.

Weiterhin viel Vergnügen!

Und liebe Grüße

Sabine
nikolaus (26.02.2009, 22:32):
Original von cellodil
Lieber Nikolaus,

das klingt gut - nicht so präpotent wie die "Porsche"-Geschichte. Genazino hat auch eine - fand zumindest ich immer - eine sehr eindringliche und klare Sprache.

Weiterhin viel Vergnügen!

Und liebe Grüße

Sabine

Danke, habe ich einerseits.
Andererseits zieht mich seine Lakonie bisweilen arg runter, kenne ich sonst gar nicht.
Thomas Bernhard wartet eigentlich auch noch auf mich, aber ich glaube, in meiner jetzigen Verfassung muss er noch warten...

Nikolaus.
cellodil (27.02.2009, 05:15):
Original von nikolaus
Andererseits zieht mich seine Lakonie bisweilen arg runter, kenne ich sonst gar nicht.
Thomas Bernhard wartet eigentlich auch noch auf mich, aber ich glaube, in meiner jetzigen Verfassung muss er noch warten...

Nikolaus.

Lieber Nikolaus,

was denn von Bernhard? Das Kalkwerk? Beton? oder...? Bei den Theaterstücken gibt's ja durchaus auch Heiteres (naja: Halbwegsheiteres). Sehr hübsch grotesk finde ich diese Geschichte mit Peymanns Hose. Oder auch Die Macht der Gewohnheit, in dem das Forellenquintett geprobt werden soll - kennst Du das? Das ist wirklich lesenswert und recht amüsant.

Liebe Grüße

Sabine

P.S. Ich habe gerade übrigens auch eine Lektüre abgebrochen. Und zwar: John Katzenbach, Das Opfer. Ein - nicht sonderlich gut geschriebener - Stalking-Thriller.
nikolaus (27.02.2009, 22:53):
Liebe Sabine,

gelesen habe ich von Bernhard bisher Holzfällen, Der Untergeher (natürlich) und Beton.
Es warten im Regal noch auf mich Ja, Der Italiener und die posthum Veröffentlichung Meine Preise.
Gerade letzteres soll auch sehr witzig sein...

Mal sehen...

Herzliche und mitfühlende Grüße wegen der vielen Arbeit!
Und: halte durch bis zum Bodensee!!

Nikolaus.
Heike (28.02.2009, 09:19):
gerade angefangen (übrigens eine Anregung von cellodil hier aus diesem Thread)



Catherine Gildiner, Verführung: Ein Freud-Krimi
Heike
cellodil (28.02.2009, 09:20):
Original von nikolaus
Herzliche und mitfühlende Grüße wegen der vielen Arbeit!
Und: halte durch bis zum Bodensee!!


Lieber Nikolaus,

Du bist wirklich ein http://www.smiliegifs.de/SMILIES/Engel/171.gif

Original von nikolaus
die posthum Veröffentlichung Meine Preise.
Gerade letzteres soll auch sehr witzig sein...

Mal sehen...

das kenne ich nicht. Schreib' doch was drüber, falls Du es lesen solltest.

Dir ein wunderschönes Wochenende und
herzliche Grüße

Sabine
cellodil (06.03.2009, 15:44):
Nach einem kurzen Intermezzo mit Millionär, der Fortsetzung von Tommy Jauds Erstling Vollidiot, der mich nicht sonderlich vom Hocker gerissen hat, weil er eher ein müder Abklatsch des Erfolgsbuchs war, jetzt mal wieder crime-time...

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41M74PDY4DL._SS500_.jpg

Frank Schätzing, Mordshunger
448 Seiten
Goldmann; Auflage: 8 (Oktober 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442459249
ISBN-13: 978-3442459247

Keine Ahnung, was den Verlag dazu bewogen hat, diesem überaus amüsanten Kriminalroman von Frank Schätzing so ein nicht nur grauenvolles, sondern gänzlich irreführendes Cover zu geben, das einen eigentlich vom Erwerb des Buches nur zurückschrecken lassen kann...

Ich hatte den Erfolgsautor Schätzing bislang nur mit finsteren Meerestiefen, in denen irgendwelche unbekannten Lebensformen was für Pläne auch immer verfolgen, in Verbindung gebracht, weshalb ich auch kein größeres Bedürfnis hatte, etwas von ihm zu lesen. Jetzt ist mir Mordshunger, Schätzings allererstes Buch, in die Hände gefallen und ich war beim Reinblättern angenehm überrascht.

Denn das Buch, ein klassischer whodunit-Krimi, hat einigen Witz. Ermittler Romanus Cüpper wird gleich zu Beginn des Buches von seiner Freundin verlassen, was ihn indes nicht allzu sehr aus der Ruhe zu bringen scheint. Die Wohnung ist zwar leergeräumt, aber die gut ausgestattete Küche ist noch da. Und Cüpper ist vor allem leidenschaftlicher Esser und Koch, ein Genussmensch. So tauscht er sich mit dem homosexuellen Gerichtsmediziner auch lieber über neue Kochrezepte aus als über dessen Befunde. Zudem ist es für Cüpper gewissermaßen das Merkmal eines fähigen Polizisten, dass diesem die Freundin davonläuft. "Würde er der Idee verfallen", so fragt sich Cüpper, "hinter Wahnsinnigen und Mördern herzulaufen, wenn man ihn nicht verlassen hätte?". Viel Zeit, weiter diesen Gedanken nachzuhängen, bleibt Cüpper dann freilich nicht, denn er und sein Kollege Rabenhorst werden an einen Tatort gerufen. Denn Unternehmersgattin Inka von Barneck, die wie es sich herausstellt zu Lebzeiten ein ziemliches Biest war und so ziemlich von allen, die sie kannten, gehasst wurde, liegt mit durchschnittener Kehle in ihrem Blut.

Obwohl es in Schätzings Roman bisweilen durchaus blutig zugeht, hat das Buch doch vor allem komödiantische Qualitäten. Romanus Cüpper ist ein wenig eine Kölsche Antwort auf Andrea Camilieris sizilianischen Commissario Montalbano. Leider scheint er im Gegensatz zu seinem italienischen Kollegen jedoch nicht in Serie gegangen zu sein...
Jürgen (07.03.2009, 21:23):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41ATQGWVH3L._SL500_AA240_.jpg

Original von Amazon
Duane Fitzgerald ist ein zutiefst einsamer Mann, und das hat gute Gründe: Jahrelang gehörte er einer militärischen Spezialeinheit an, deren Mitglieder in einem Geheimprojekt der US-Regierung zu Supersoldaten aufgerüstet werden sollten. Duane weiß selbst nicht mehr, wie vielen Operationen er sich unterziehen musste, um das zu werden, wovon andere nur träumen -- mehr als ein Mensch. Er und seine Mitstreiter sollten im ersten Golfkrieg die Entscheidung bringen, doch etwas ging schief, und jetzt lebt er von seinen Freunden und von seiner Vergangenheit abgeschnitten, im Haus seiner verstorbenen Großmutter an der Westküste Irlands.

Ich habe die Hörbuchausgabe, sie ist gut gelesen das Thema interessant und Spannung ist auch vorhanden. Lediglich der Schluss ist etwas dröge.


Die Woche zuvor hatte ich folgende Lesung:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/619eIL1iFXL._SL500_AA240_.jpg

Peter Berling: Die Kinder des Gral

Original von Amazon
Im Jahre des Herrn 1244. Vom fernen Sizilien aus herrscht Friedrich II., der Staufer, über das Heilige Römische Reich. Im ewigen Rom regiert Innozenz IV. eine Kirche, die sich immer mehr in weltliche Politik verstrickt. In dieser Lage folgt Ludwig IX. von Frankreich dem Ruf des Papstes und sendet ein Heer gegen den Montségur, die unbezwingbare Ketzerburg im Languedoc. In einer dunklen und stürmischen Nacht werden zwei Kinder an Seilen an der Mauerkrone herabgelassen. Sie sind die Erben des Gral. Ihr Königtum könnte die Weltreligionen vereinen - doch können zwei Kinder eine solche Krone tragen, ohne davon erdrückt zu werden? Einen Schutzengel indes haben sie: William von Roebruk, ein dralles Bauernschlitzohr. Als Held wider Willen gerät der kleine Franziskaner in eine tödliche Auseinandersetzung zwischen Kaiser und Kurie, zwischen christlichen Rittern und islamischen Assassinen um imperiale Machtinteressen und einen großen Plan ...

Tempelritter, Stauferkaiser, der Gral und Assasinen. Das sind interessante Zutaten, aus denen Eco oder Brown so unterschiedliche wie gute Bücher geschrieben haben. Bei Berling zieht sich aber alles so unmotiviert und lanweilig hin. Als Hörbuch hat es noch die zusätzliche Schwäche, dass man schlecht innehalten kann, um im Personenregister oder auf der Landkarte nachzuschlagen.

Grüße
Jürgen
cellodil (08.03.2009, 09:27):
Original von Hebre
gerade angefangen (übrigens eine Anregung von cellodil hier aus diesem Thread)



Catherine Gildiner, Verführung: Ein Freud-Krimi
Heike

Liebe Heike,

ich hatte das damals ganz überlesen... Asche auf mein müdes Haupt.... Gefällt es Dir?

Liebe Grüße

Sabine
cellodil (08.03.2009, 10:00):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/519CA26ROOL._SS500_.jpg

Axel Hacke, Michael Sowa: Wumbabas Vermächtnis - Drittes Handbuch des Verhörens
Gebundene Ausgabe: 80 Seiten
Verlag: Kunstmann, Antje, Verlag (4. März 2009)
ISBN-10: 3888975557
ISBN-13: 978-3888975554

In seinem Vorwort zum dritten und (glaubhaft versichert) letzten Band des Handbuchs des Verhörens, Wumbabas Vermächtnis bekennt Axel Hacke, dass ihn in den vergangenen Jahren bisweilen gegenüber Matthias Claudius ein schlechtes Gewissen befallen hätte. Werde, so Hacke, Claudius' Lied Der Mond ist aufgegangen nun in vielen Familien nicht mehr - wie bislang - nur falsch verstanden, sondern schon gar nicht mehr richtig gesungen: Statt des "weißen Nebels wunderbar" steiget aus den Wiesen der "weiße Neger Wumbaba".

Wie in den beiden vorangegangenen Bänden Der weiße Neger Wumbaba und Der weiße Neger Wumbaba kehrt zurück geht es auch im dritten - und (glaubwürdig versichert) letzten - Band um die Poesie des Verhörens. Denn der falsch verstandene Text, so Hacke, sei oft interessanter und bisweilen auch besser als das Original. Wenn Howard Carpendale von "Schweinespuren im Sand" singt oder im Weihnachtslied Leise rieselt der Schnee "Kurt, der Engel, erwacht". Freilich werfen die falsch verstandenen Texte häufig auch Fragen auf. Wo, zum Beispiel, ist "Griechisch Hawaii", von dem Udo Jürgens ("Griechischer Wein") singt? Warum fühlt Erdbeere für immer ("Strawberry Fields forever")? Manche Interpreten, so unterstellt Hacke, würden es gar willentlich darauf anlegen, durch vorsätzliches Genuschel falsch verstanden zu werden. Wie zum Beispiel Herbert Grönemeyer, bei dem aus "Alles tut weh/Hab' Flugzeuge in meinem Bauch/Kann nichts mehr essen" nur allzu leicht "Alles tut weh/Hab' Fruchtzwerge in meinem Bauch/Kann nichts mehr essen" wird.

Sehr schön sind übrigens - wie immer - die Illustrationen von Michael Sowa, die das Buch - trotz des mittlerweile ein bisschen abgenudelten Zugangs zum Thema - auf jeden Fall lohnenswert machen.
Heike (08.03.2009, 11:26):
Hallo Sabine,
ich hatte das damals ganz überlesen... Asche auf mein müdes Haupt.... Gefällt es Dir?
Ich bin noch nicht viel weiter gekommen (weil ich zwischendrin ein Fachbuch gelesen habe), aber den Anfang fand ich richtig gut.
Ich freu mich aufs Weiterlesen, vermutlich nächste Woche.
Heike
cellodil (10.03.2009, 08:35):
Original von Hebre
Hallo Sabine,
ich hatte das damals ganz überlesen... Asche auf mein müdes Haupt.... Gefällt es Dir?
Ich bin noch nicht viel weiter gekommen (weil ich zwischendrin ein Fachbuch gelesen habe), aber den Anfang fand ich richtig gut.
Ich freu mich aufs Weiterlesen, vermutlich nächste Woche.
Heike

Liebe Heike,

das freut mich, dass es Dir bislang Vergnügen gemacht hat.

Liebe Grüße

Sabine
nikolaus (10.03.2009, 19:55):
Original von nikolaus
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783446232655.jpg

Der Arbeitsmarkt kennt keine Gnade, erst recht nicht für Philosophen. Daher tritt Dr. phil. Gerhard Warlich eine Stelle als Wäscheausfahrer an und richtet sich ein in dieser nicht allzu aufregenden, aber sicheren Existenz. Doch als seine Freundin Traudel sich ein Kind wünscht, bringt das Warlich, der eigentlich nur "halbtags leben" möchte, vollkommen aus dem Gleis. Wilhelm Genazino erzählt diese Geschichte eines traurigen Helden und seiner viel weniger traurigen Freundin mit verblüffender Lakonie. Keiner beschreibt die menschliche Verzweiflung an Leben und Liebe so ironisch und brillant wie er.

Mitten drin...

Nikolaus.

Zu Ende.
Irgendwie schon sehr gut, ein richtiger Genazino, aber doch sehr desillusionierend... :I

Nikolaus.
Gamaheh (10.03.2009, 19:57):
Original von nikolaus
Zu Ende.
Irgendwie schon sehr gut, ein richtiger Genazino, aber doch sehr desillusionierend... :I

Lieber Nikolaus,

wenn Dich das Leben nicht desillusioniert, brauchst Du Dich doch von Büchern nicht desillusionieren zu lassen!

Grüße,
Gamaheh
Jürgen (11.03.2009, 08:34):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41qHHC3aNUL._SL500_AA240_.jpg

Otfried Preußler: Krabat, als Hörbuch (Autorenlesung)

Gefällt mir ganz gut, ziemlich düster. Kein Kinder- bestenfalls ein Jugendbuch.

Grüße
Jürgen
cellodil (13.03.2009, 08:52):
Lieber Jürgen,

ist nur das Cover neu oder ist das ein neu erschienenes Hörbuch?

Liebe Grüße

Sabine
Jürgen (13.03.2009, 10:20):
Hallo Sabine,


ich habe das Hörbuch von einem Freund ausgeliehen bekommen.
Es hat genau dieses Cover.

Ich habe mal geschaut: Der Audio Verlag, Auflage: 1 (Februar 2007)


Es gibt aber noch ein Original-Hörspiel zum Film. Es erschien 2008. Vielleicht meinst Du das:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51bRuSox3cL._SL500_AA240_.jpg

Original von Amazon
In dem Filmhörspiel mit den Originalstimmen der Darsteller verbinden sich die Dialoge, Geräusche und die Musik des Films mit erzählenden Passagen zu einem Gesamthörerlebnis.

Bei meiner Ausgabe ließt Preußler selbst.

Grüße
Jürgen
cellodil (13.03.2009, 16:17):
Lieber Jürgen,

vielen Dank für die Antwort. Mich interessieren eher die Hörbücher als Hörspielbearbeitungen (die sind mir meistens doch zu anstrengend). Dann scheint die von Preußler selbst gelesene Variante aber doch auch eine neuere Aufnahme (oder vielleicht auch eine Lizenzausgabe) zu sein. Gefällt sie Dir (abgesehen von der Düsternis)?

Liebe Grüße

Sabine
nikolaus (13.03.2009, 20:46):
Lässt sich ganz amüsant an:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783518420553.jpg

Nach Thomas Bernhard kann die Kunst der Übertreibung auch die Form der Untertreibung annehmen. Im Sinne einer solchen Untertreibung muß die Publikation von Meine Preise als Sensation gelten: Zum 20. Todestag im Februar 2009 wird diese Prosaarbeit erstmals veröffentlicht. Bernhard hat sie 1980 fertiggestellt, zu Lebzeiten aber nie publiziert. Der Text gliedert sich in neun Kapitel und einen Anhang. Zornig Rückschau haltend, zieht Bernhard darin eine Bilanz der ihm verliehenen Literaturpreise. Detailliert schildert der begnadete Komiker die Tragödien, zu denen sich die Überreichung seiner Literaturpreise jeweils entwickelte. Ob Bremer Literaturpreis, ob Staatspreis für Roman, ob Grillparzer-Preis, ob Georg-Büchner-Preis: Als Auslöser von Skandalen dienten sie dem Geehrten allemal. Für den Autor sind die mit den Preisen verbundenen Geldbeträge aber auch ein Anlaß, sich in Abenteuer zu stürzen. Auf die gesamte Menschheit schimpfend und über sich selbst den Kopf schüttelnd, entwirft Thomas Bernhard ein Selbstporträt des Autors als Preis- und Preisgeldempfänger. Diese Selbstdarstellung setzt da ein, wo die bisher in Buchform erschienene Autobiographie endet – bei seiner frühen Anerkennung nach dem ersten Roman – , und schließt mit dem Austritt aus der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Diese bisher unveröffentlichte komödiantische Prosa zeigt Bernhard auf dem allerhöchsten Stand seiner Kunst: Schimpfend, staunend, verfluchend-verlachend hadert Thomas Bernhard mit der Welt im allgemeinen, dem Kulturbetrieb im besonderen und ganz speziell mit sich selbst mittendrin.

Nikolaus.
cellodil (13.03.2009, 21:56):
Lieber Nikolaus,

das klingt zumindest originell. Und Du scheinst bislang ja auch ganz angetan. Bin mal gespannt, wie Du das Buch insgesamt dann finden wirst.

Ich habe gestern noch von Alan Bennetts "Kurzroman" Handauflegen angefangen, habe aber erst ein paar Seiten gelesen und kann deshalb noch nicht viel zu dem Buch sagen. Scheint aber ein "klassischer Bennett" zu sein: wie immer leicht schräg und britisch-(schwarz)humorig. Demnächst - vielleicht - noch mehr dazu.

Liebe Grüße

Sabine
ab (17.03.2009, 11:55):
Endlich komme ich dazu:


Music Alone: Philosophical Reflections on the Purley Musical Experience:
von Peter Kivy, Cornell Univ Press

http://images.barnesandnoble.com/images/1480000/1485270.gif

Aufgebaut um folgendes Zitat von E.M. Forster.

Köstlich, Beethovens 5. als "ausgeklügeltstes Geräusch, das je auf das Ohr der Menschheit getroffen ist" zu bezeichnen.
:rofl


Im Buch gehts um folgendes:
What makes a musical work profound? What is it about pure instrumental music that the listener finds attractive and rewarding? In addressing these questions, Peter Kivy continues his highly regarded exploration of the philosophy of musical aesthetics. He considers here what he believes to be the most difficult subject of all--"just plain music; music unaccompanied by text, title, subject, program, or plot; in other words, music alone."
cellodil (17.03.2009, 11:59):
Lieber ab,

das klingt interessant. Würde mich freuen, wenn Du über Deine Lektüre berichten würdest.

:thanks und liebe Grüße

Sabine

P.S. Der Link zu dem Foster-Zitat hat bei mir leider nicht funktioniert...
ab (18.03.2009, 12:08):
Original von ab
Endlich komme ich dazu:


Music Alone: Philosophical Reflections on the Purley Musical Experience:
von Peter Kivy, Cornell Univ Press

http://images.barnesandnoble.com/images/1480000/1485270.gif

Aufgebaut um folgendes Zitat von E.M. Forster.


It will be generally admitted that Beethoven's Fifth Symphony is the most sublime noise that has ever penetrated into the ear of man. All sorts and conditions are satisfied by it. Whether you are like Mrs. Munt, and tap surreptitiously when the tunes come-of course, not so as to disturb the others-; or like Helen, who can see heroes and shipwrecks in the music's flood; or like Margaret, who can only see the music; or like Tibby, who is profoundly versed in counterpoint, and holds the full score open on his knee... .
E. M. Forster, Howards End


Das Buch gibts auch auf Deutsch:
Edward Morgan Forster: Wiedersehen in Howards End
und gibts bei Fischer TB

Forster gilt als ein Klassiker des 20.Jhdts. Kennt das wer?
Gamaheh (18.03.2009, 12:36):
Original von ab

Das Buch gibts auch auf Deutsch:
Edward Morgan Forster: Wiedersehen in Howards End
und gibts bei Fischer TB

Forster gilt als ein Klassiker des 20.Jhdts. Kennt das wer?

Ja, ist aber lange her ... Ich glaube, A Room with a View ist das einzige, das ich zuende gelesen habe, es ist alles etwas zähflüssig, sehr kontemplativ, wenig Handlung: Sittengemälde der englischen (etwas) besseren Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts, auch gerne auf Reisen (Passage to India, Room with a View). Die sind auch alle verfilmt worden, und die Filme sind wirklich sehenswert (soweit ich mich erinnere). Sein Roman Maurice (den ich nicht gelesen habe) läuft - glaube ich - etwas unter "special interest". Das Zitat, das ich mit ihm verbinde, ist "I don't like little girls."

Grüße,
Gamaheh

P.S.: Ich wußte übrigens bis eben nicht, wofür "E.M." steht!
cellodil (18.03.2009, 14:21):
Lieber ab,

bei Howard's End geht's mir wie Gamaheh: Hat keine bleibenden Erinnerungen (oder nur nebulöse) hinterlassen. Und bei A Room with A View erinnere ich mich auch eher an die pudrigen Töne des Films als an das Buch (vielleicht sind die aber auch im Rückblick verpudert...). In Erinnerung gelieben ist mir nur Maurice. Und gibt's dann nicht noch die Passage to India???

Wenn ich Zeit habe, hole ich die Bücher mal wieder raus, vielleicht kommt dann auch die Erinnerung wieder.

Liebe Grüße

Sabine
nikolaus (18.03.2009, 21:49):
Die Reise nach Indien habe ich (auf deutsch) und auch gelesen, ist aber schon Jahrzehnte her, in meiner Jugend - passenderweise im Urlaub in Dänemark...

Zähflüssig trifft schon zu, aber wenn man sich Mühe gibt, kann man durchaus darin versinken.
Die Handlung ist - soweit ich mich erinnere - bisweilen zum Verzweifeln (naive junge Engländerin gerät zwischen die "Rassenfronten"), aber irgendwie mutig.

Nikolaus.
cellodil (19.03.2009, 08:59):
Original von nikolaus
Die Reise nach Indien habe ich (auf deutsch) und auch gelesen, ist aber schon Jahrzehnte her, in meiner Jugend - passenderweise im Urlaub in Dänemark...

:rofl
cellodil (19.03.2009, 09:31):
Original von Gamaheh
Sein Roman Maurice (den ich nicht gelesen habe) läuft - glaube ich - etwas unter "special interest". Das Zitat, das ich mit ihm verbinde, ist "I don't like little girls."


:D Special interest trifft's wohl schon, den Roman haben damals vorwiegend meine männlichen Kommilitonen (so isses halt, wenn man kunsthysterikerische Studien betreibt - grins) im Umfeld einer England-Exkursion verschlungen. Ich fand das Buch damals ein wenig, naja... pathetisch vielleicht (was aber auch sicherlich der Entstehungszeit geschuldet sein mag), habe es aber trotzdem gerne gelesen.

Liebe Grüße

Sabine
Rachmaninov (19.03.2009, 11:45):
Original von Rachmaninov
zur erheiterung meiner täglichen autofahrten folgendes geliehen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51BDB8EM93L._SS500_.jpg

Der Spieler / Der Großinquisitor / Die Sanfte / Helle Nächte

Der Spieler war sehr interessant, ein ganz intelligenter Kopf und Menschenkenner dieser Dostojewski. Nicht nur die Charaktere im Buch sondern auch der Leser sind sein "Spielzeug" :D

Glaube aber seine Bücher ließt man besser selber, statt sie sich vorlesen zu lassen....
cellodil (19.03.2009, 11:58):
Original von Rachmaninov
Original von Rachmaninov
zur erheiterung meiner täglichen autofahrten folgendes geliehen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51BDB8EM93L._SS500_.jpg

Der Spieler / Der Großinquisitor / Die Sanfte / Helle Nächte

Der Spieler war sehr interessant, ein ganz intelligenter Kopf und Menschenkenner dieser Dostojewski. Nicht nur die Charaktere im Buch sondern auch der Leser sind sein "Spielzeug" :D

Glaube aber seine Bücher ließt man besser selber, statt sie sich vorlesen zu lassen....

Lieber R.,

ich kann mir Dostojewski als Hörbuch auch eher schwer vorstellen. Allerdings kommt's bei Hörbüchern meiner Erfahrung nach auch immer sehr darauf an, wer liest. Von wem sind denn die Dostojewskis eingelesen?

Ich habe gerade ein paar Hörbücher mit englischen "Klassikern" von Eva Mattes gelesen gehört und war von ihr als Sprecherin sehr angetan. Allerdings sind Austen und Co. auch mit Dostojewski nicht wirklich zu vergleichen.

Autofahrtauglich sind für mich auch eher "leichtere" Hörbücher (Hape Kerkeling, Tommi Jaud, Max Goldt oder Axel Hacke), bei Texten, die man eigentlich ganz mitbekommen sollte, wird's meiner Erfahrung nach anstrengend, weil man ja, so bald im Verkehr was ist, automatisch weghört und dann immer Lücken hat, zurückspringen muss und langsam aber sicher dem Wahnsinn anheimzufallen droht... Das ging mir zum Beispiel bei dem eigentlich ganz wunderbaren "Romantik"-Hörbuch von Rüdiger Safranski so, das funktioniert nicht, wenn man nur ein halbes Ohr hat und nicht durchgängig konzentriert zuhören kann.

Liebe Grüße

Sabine
cellodil (21.03.2009, 00:13):
Original von nikolaus
Hallo cellodil!

Vielleicht ist das ja erbaulicher:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783550087424.jpg

Boston in den 60er Jahren. Im schäbigen Keller der Buchhandlung am Scollay Square wird Rattenjunge Firmin geboren. Er ist der Kleinste im Wurf und kommt immer zu kurz. Als der Hunger eines Tages zu schlimm wird, knabbert er die in den Regalen lagernden Bücher an. Eines nach dem anderen wird gefressen, bis Firmin entdeckt, dass auf dem Papier etwas steht, was ihn sein Elend vergessen lässt: Ob Lolita oder Ford Madox Ford, ob Moby Dick oder Cervantes, die Welt der Menschen verspricht Abenteuer und Liebe, Krieg und Frieden, kurz: alles, was eine Ratte nicht hat. Voller Neugier sucht Firmin die Freundschaft zu Buchhändler Norman. Als dieser einen Giftanschlag auf ihn verübt, muss Firmin einsehen, dass er in den Augen der Menschen wohl doch nichts weiter ist als ein lästiges Tier. Wie so oft im Leben zeigt sich aber gerade in den dunkelsten Stunden ein Licht am Ende des Tunnels. Sam Savages Roman erzählt von den Hoffnungen und Idealen der Beat-Generation und von der Fähigkeit, immer wieder aufzustehen, möge es noch so hart kommen

Ich habe es gerade erst angefangen, bisher sehr nett!

Nikolaus.

Lieber Nikolaus,

was lange währt... Heute ist mir Sam Savages Firmin: Ein Rattenleben in der von Gustav Peter Wöhler gelesenen Hörbuchversion in die Hände gefallen.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/31ZLEMzGedL._SL500_AA200_.jpg

Sam Savage, Firmin: Ein Rattenleben
gelesen von Gustav Peter Wöhler
Verlag: Hörbuch Hamburg (November 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3899036433
ISBN-13: 978-3899036435

Und da habe ich mich an Deine Empfehlung erinnert und zugegriffen. Habe mir gerade die erste von vier CDs angehört und bin überaus angetan - vom Text und von Wöhlers Lesung. Das macht wirklich Spaß (schon alleine das Nachdenken über "erste Sätze" in der Literatur). Schön formuliert, viel Witz und ziemlich intelligent.

:thanks für den Tipp!

Und allerherzlichste Grüße

Sabine
nikolaus (21.03.2009, 11:01):
Original von cellodil
... Heute ist mir Sam Savages Firmin: Ein Rattenleben in der von Gustav Peter Wöhler gelesenen Hörbuchversion in die Hände gefallen.



Heute???!!!
Wo kannst Du denn um diese Uhrzeit einkaufen?

Nikolaus :wink
cellodil (21.03.2009, 12:16):
Original von nikolaus
Original von cellodil
... Heute ist mir Sam Savages Firmin: Ein Rattenleben in der von Gustav Peter Wöhler gelesenen Hörbuchversion in die Hände gefallen.



Heute???!!!
Wo kannst Du denn um diese Uhrzeit einkaufen?

Nikolaus :wink

... jetzt hätte ich gerne den Smiley, der sich die Tüte über den Kopf stülpt...

Nicht nur dem Glücklichen, sondern auch dem Überarbeiteten schlägt wohl keine Stunde...

Liebe Grüße

Sabine
Rachmaninov (22.03.2009, 08:27):
Original von cellodil
Original von Rachmaninov

Glaube aber seine Bücher ließt man besser selber, statt sie sich vorlesen zu lassen....

Lieber R.,

ich kann mir Dostojewski als Hörbuch auch eher schwer vorstellen. Allerdings kommt's bei Hörbüchern meiner Erfahrung nach auch immer sehr darauf an, wer liest. Von wem sind denn die Dostojewskis eingelesen?

Sabine

Hallo Sabine,
ich kann auch durchaus "anspruchsvolle" Bücher hören bei der Fahrt, jedoch denke ich das man bei FD die psychologischen Aspekte und Falltüren, die er auch dem Leser stellt in dem er seine Gedanken verleitet, besser erlebt als gelesene Version.
cellodil (22.03.2009, 21:59):
Original von Rachmaninov
Original von cellodil
Original von Rachmaninov

Glaube aber seine Bücher ließt man besser selber, statt sie sich vorlesen zu lassen....

Lieber R.,

ich kann mir Dostojewski als Hörbuch auch eher schwer vorstellen. Allerdings kommt's bei Hörbüchern meiner Erfahrung nach auch immer sehr darauf an, wer liest. Von wem sind denn die Dostojewskis eingelesen?

Sabine

Hallo Sabine,
ich kann auch durchaus "anspruchsvolle" Bücher hören bei der Fahrt, jedoch denke ich das man bei FD die psychologischen Aspekte und Falltüren, die er auch dem Leser stellt in dem er seine Gedanken verleitet, besser erlebt als gelesene Version.

Du meinst, weil im Hörbuch Tempo und Rhythmus gewissermaßen durch den Sprecher und dessen Gestaltung des Textes vorgegeben sind? Oder, weil einfach manche Details beim gesprochenen Text untergehen?

Auf jeden Fall ist im Hörbuch - auch, wenn es nicht noch zusätzlich eingekürzt ist (was ja bei manchen Texten auch noch der Fall ist) - im Vergleich zur Lektüre noch eine zusätzliche Interpretationsinstanz zwischengeschaltet... Meiner Erfahrung nach ist das manchmal positiv, manchmal auch nicht...

Liebe Grüße

Sabine
Rachmaninov (23.03.2009, 14:37):
Original von cellodil
Original von Rachmaninov
Original von cellodil
Original von Rachmaninov

Glaube aber seine Bücher ließt man besser selber, statt sie sich vorlesen zu lassen....

Lieber R.,

ich kann mir Dostojewski als Hörbuch auch eher schwer vorstellen. Allerdings kommt's bei Hörbüchern meiner Erfahrung nach auch immer sehr darauf an, wer liest. Von wem sind denn die Dostojewskis eingelesen?

Sabine

Hallo Sabine,
ich kann auch durchaus "anspruchsvolle" Bücher hören bei der Fahrt, jedoch denke ich das man bei FD die psychologischen Aspekte und Falltüren, die er auch dem Leser stellt in dem er seine Gedanken verleitet, besser erlebt als gelesene Version.

Du meinst, weil im Hörbuch Tempo und Rhythmus gewissermaßen durch den Sprecher und dessen Gestaltung des Textes vorgegeben sind? Oder, weil einfach manche Details beim gesprochenen Text untergehen?


Weil man eher nicht das Hörbuch beiseite legt um eine Passage, Stelle erneut zu lesen und zu hinterfragen....
Pollux (23.03.2009, 14:51):
Ich lese zurzeit - mal wieder - in Eckhard Henscheids gesammelten musikalischen Schriften "Musik"; der Band ist Teil der großen Henscheid-Werkausgabe, die bei Zweitausendeins erschienen ist. Enthalten sind
"Verdi ist der Mozart Wagners - ein Opernführer für Versierte und Versehrte", "Warum Frau Grimhild Alberich außerehelich Gunst gewährte" sowie gesammelte Essays, Kolumnen, Glossen und Kritiken.
Henscheid ist einer meiner Lieblingsschriftsteller, ein wortmächtiger Sprachvirtuose, fabelhafter Stilist und begnadeter Humorist. Und von Musik versteht er ebenfalls allerhand.

http://www.zweitausendeins.de/www_articles_images/large/200253.jpg
nikolaus (29.03.2009, 21:11):
Original von nikolaus

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783518420553.jpg



Das war wirklich sehr nette Lektüre für zwischendurch.

Zwar wiederholt sich das Prinzip (B. wird ein Preis verliehen, was ihm eigentlich bis auf wenige Ausnahmen zuwider ist; er nimmt ihn meist aus finanziellen Gründen doch an), aber wie er das beschreibt, ist klasse.

Wirklich interessant sind dann die beigefügten Dankesreden, die erst klar machen, als was für ein sonderbarer Mensch Bernhard damals wahrgenommen werden musste.
Ehrlicherweise habe ich teilweise nicht verstanden, was er in diesen Reden sagen will...

Nikolaus.
nikolaus (29.03.2009, 21:22):
Jetzt wage ich mich mal an Elfriede Jelinek:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783499155192.jpg

Kurzbeschreibung:

'Die Ausgesperrten' erzählt von jungen Leuten, die aus dem Schatten der älteren Generation herauskommen möchten. Sie schließen sich (ein authentischer Fall) zu einer Bande zusammen, um im Schutz der Dunkelheit und ihres schülerhaft-harmlosen Aussehens Passanten zu überfallen, auszurauben und zu mißhandeln. Ihr geistiger Anführer ist Rainer, zugleich ihr größter Versager, ob es um ein Verbrechen oder um die Liebe geht.

Rezension:

"Es ist bemerkenswert, mit welchem Detailreichtum Elfriede Jelinek die Spielarten kleinbürgerlichen Verhaltens aufzeigt, präzise eingeschrieben in die Zeitgeschichte des österreichischen Wirtschaftswunders." (Frankfurter Allgemeine Zeitung)


Eigenltich ist das ja nicht so mein Fall, aber ich habe es geschenkt und sehr empfohlen bekommen.

Bisher (S. 62 von 265) finde ich es richtig faszinierend:
Jedes Wort scheint mit Bedacht ausgewählt. Stilistisch gefällt mir das ausserordentlich gut.
Die obige Rezension trifft recht gut zu.
Ergänzen würde ich noch, mit welcher Schonungslosigkeit in alle Richtungen Jelinek zu Werke geht. Das verursacht bei mir zwar eine gewisse Übelkeit, aber andererseits ist es einfach bemerkenswert, wie zielgenau sie trifft...

Nikolaus.
Rachmaninov (08.04.2009, 11:42):
bei mir gibt es als Hörbuch dann heute im Auto

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783938956144.jpg

:W
Heike (08.04.2009, 21:02):


Karen Duve - Taxi

Ich könnte mich schieflachen über soviel Situationskomik und Tragik zugleich! Grandios beobachtet und brilliant geschrieben.
Bin erst bis zur Hälfte, freue mich aber auf jede einzelne dieser so fast sezierend geschriebenen Seiten, das ist so richtig was zum nebenher lesen, nicht anspruchsvoll, aber mit diesem Galgenhumor fernab jeder Trivialität. Kollossale Menschenkenntnis hat diese Frau und sie nimmt sich als Ich-Erzählerin von ihren unbarmherzigen Analysen ganz und gar nicht aus!

Heike
Solitaire (08.04.2009, 22:30):
Paul Auster: Brooklyn Revue.

Nachdem mich "Nacht des Orakels" von ihm begeistert hat, bin ich sehr gespannt auf dieses Buch. Habe gerade erst angefangen.
jünter (09.04.2009, 19:30):
Original von Pollux
Henscheid ist einer meiner Lieblingsschriftsteller, ein wortmächtiger Sprachvirtuose, fabelhafter Stilist und begnadeter Humorist. Und von Musik versteht er ebenfalls allerhand.

Da erlaube ich mir mal zu widersprechen, was den "Lieblingsschriftsteller" angeht:
Die Art und Weise, wie Henscheid sich immer wieder in seiner Rolle des (selbstverständlich links-alternativen) Bildungsbürgers darstellt und "sonnt", finde ich unangemessen bis widerlich, zumal ich dabei keine Spur von Selbstironie erkennen kann.

Gruß, jünter
cellodil (15.04.2009, 00:18):
Gerade gelesen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41z5c-dk8HL._SS500_.jpg

Karl-Heinz Ott, Tumult und Grazie: Über Georg Friedrich Händel
317 Seiten
Verlag: Hoffmann und Campe (November 2008)
ISBN-10: 3455500919
ISBN-13: 978-3455500912

Hatte das Buch nach einer sehr positiven Besprechung gekauft und war am Anfang auch ganz angetan. Allerdings hat es mich dann auf die Dauer doch sehr gestört, dass der Autor seine Leser doch recht wenig bei der Hand nimmt, dass dem Buch ein wenig die Struktur fehlt (oder sich mir zumindest nicht vermittelt) und zugleich allzu viel voraussetzt. Habe die zweite Hälfte dann nur noch überflogen.

Nach dieser insgesamt doch eher frustrierenden Lektüre über Händel, jetzt ein zweiter Versuch:

http://images.buch.de/images-adb/ab/1d/ab1d69c6-c148-4839-8c1e-167b84c5b350.jpg

Franz Binder, Georg Friedrich Händel: Sein Leben und seine Zeit
Broschiert: 240 Seiten
Dtv (Februar 2009)
ISBN-10: 342324710X
ISBN-13: 978-3423247108

Bin etwa auf der Hälfte des Buches und von dieser Händel-Biografie sehr angetan. Ein informatives, klar und durchaus spannend geschriebenes Buch, das die eher spärlich überlieferte Biografie Händels mit viel interessantem Wissen über Zeit, Geschichte und Zeitgenossen anreichert. Ein Buch, das ich bislang unbedingt empfehlen kann.

Liebe Grüße

Sabine
EinTon (15.04.2009, 00:32):
Gestern grad fertiggelesen:

György Ligeti: "Entscheidung und Automatik in der Structure 1a ".

Harter Stoff, aber jetzt weiss ich endlich, wie dieses Stück (Hardcore-Serialismus aus den frühen 50ern) "funktioniert"!
cellodil (16.04.2009, 23:18):
Lasse mir zur Abwechslung gerade vorlesen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/418GY%2BWIVcL._SS400_.jpg

Daniel Barenboim, Klang ist Leben: Die Macht der Musik
gelesen von Daniel Barenboim
4 Audio CDs
Random House, 2008
ASIN: B001BNRX4G

... finde Barenboims Gedanken über Musik und Leben überaus spannend und erhellend. Bin sehr fasziniert und werde wahrscheinlich doch noch das "Buch-Buch" kaufen, um noch einmal gründlicher nachzulesen.

Liebe Grüße

Sabine
cellodil (21.04.2009, 22:56):
Gerade gelesen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51EddszzE3L._SS500_.jpg

Milan Turkovic, Was Musiker tagsüber tun: Wissenswertes und Amüsantes aus der Welt der Musik
Gebundene Ausgabe: 189 Seiten
Verlag: Kremayr & Scheriau; Auflage: Überarb. u. erw. Neuaufl. (19. September 2007)
ISBN-10: 3218007771
ISBN-13: 978-3218007771

... wieder einmal ein Werk aus der Reihe "Bücher, die die Welt nicht braucht"...

Autor Milan Turkovic (im Hauptberuf spielt er Fagott und dirigiert) scheint seinen ganzen Humor mit dem Haupttitel seines Werkes aufgebraucht zu haben. Denn der Rest ist weder geistreich, noch witzig, noch in irgendeiner Weise informativ, dafür aber in einem sauertöpfisch-oberlehrerhaften Ton gehalten.

Ganz bestimmt nichts, was man gelesen haben müsste.

Liebe Grüße

Sabine
nikolaus (21.04.2009, 23:28):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783546004176.jpg

Klappentext:
Im Februar 1942 begegnen sich in einer südfranzösischen Stadt ein kleiner, nicht besonders ansehnlicher polnischer Mann und eine hübsche junge Französin. Sie verlieben sich heftig ineinander - Andrée, die früh verwitwete Mutter eines vierjährigen Jungen, und Stéphane, der Charmeur, der Draufgänger, der mit allen Wassern gewaschene Gauner. Ganz verrückt sind sie nacheinander, und Andrée liebt ihren Hansdampf, wie er ist: exzessiv, egoistisch und lebenslustig. Sein Geld verdient er auf dem Schwarzmarkt, er kollaboriert mit den deutschen Besatzern. Nach dem Krieg entwickelt er sich zu einem skrupellosen Geschäftsmann, der nach und nach immer reicher wird. Stets in dunkle Geschäfte verwickelt, kann nur seine Liebe zu Andrée und den gemeinsamen Kindern ihn manchmal noch zur Vernunft bringen - bis es zur Katastrophe kommt. Jahrzehnte nach ihrem Tod erzählt der jüngste Sohn von Stéphane und Andrée die Geschichte der amour fou seiner Eltern. Dabei versucht er herauszufinden, welche Leidenschaft und Kraft den lebenshungrigen Schurken antrieb und was seine Mutter seit der ersten Begegnung in ihm gesehen hat - der Blick eines Sohnes in den mal heiteren, mal wolkigen, ewigen Himmel der Liebe.

Rezension:
»Wegen dieses Buches verpassen Sie zwanzig Métro-Stationen, vergessen Verabredungen, sogar die allerwichtigsten, sogar dann, wenn Sie verliebt sind. Wegen dieses Buches schalten Sie Ihr Telefon ab. Und das Schöne daran: Es ist Ihnen vollkommen egal, denn Sie lesen ein Meisterwerk!« (Elle)

»Ein mutiges, ein atemloses Buch, erschütternd, anspruchsvoll, authentisch.« (Le Monde)


Gerde erst angefangen...

Nikolaus.
Rachmaninov (22.04.2009, 07:30):
letztes Wochenende durchgehört:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783866105942.jpg

das war nun das dritte buch, nach chemie des todes und kalte asche, von Simon Beckett mit dem Forensiker David Hunter als Hauptperson.
Und es ist definitiv das schwächste Buch.
Zu offensichtlich wer der Täte sein muss, einige unlogische Handlungen (z.B. warum geht die Polizei deutlichen Hinweisen nicht nach bzw. ermittelt mal was einige Personen die letzten 3-5 Jahre so getan haben bzw. wo sie lebten. Bzw. zeigten auch mal potentiellen Zeugen einige Foto's?)
Die Grundidee war gut, die Story zu dünn, da half auch kein Massenmord und die Forensik geriet dieses mal deutlicher in den Hintergrund als in den Büchern zuvor.
uhlmann (22.04.2009, 08:42):
am wochendende zu lesen begonnen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/71C5AMZ7NKL._SL500_AA240_.gif

michio kaku: im hyperraum - eine reise durch zeittunnel und paralleluniversen
eine sehr kurzweilige und anschauliche reise durch die welt der modernen physik. das buch gibt einblicke in die entstehung und auswirkungen der superstringtheorie, des aktuellsten versuchs, alle elementarkräfte der physik auf einen gemeinsamen nenner zu bringen. gefällt mir ganz ausgezeichnet!

auch schon bestellt (quasi als fortsetzung):

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41r6YMWUfmL._SL500_AA240_.jpg

michio kaku: im paralleluniversum: eine kosmologische reise vom big bang in die 11. dimension
ähnliches thema, aber etwa 10 jahre aktueller als das obige werk.
Rachmaninov (22.04.2009, 08:53):
Original von uhlmann
das buch gibt einblicke in die entstehung und auswirkungen der superstringtheorie, des aktuellsten versuchs, alle elementarkräfte der physik auf einen gemeinsamen nenner zu bringen. gefällt mir ganz ausgezeichnet!


Jaja, davon Träumen sie seit langem. Aber Heisenberg meets Einstein gelingt bisher einfach nicht. Der Mikrokosmos und das Universum beringen sie nicht zusammen. Hätte Physiker werden sollen, aber leider fehlen mir die "Mittel" :engel
Cetay (inaktiv) (22.04.2009, 08:57):
Original von uhlmann
michio kaku: im paralleluniversum: eine kosmologische reise vom big bang in die 11. dimension
ähnliches thema, aber etwa 10 jahre aktueller als das obige werk.
Und ganz ausgezeichnet geschrieben. Kaku versteht es wie kaum ein anderer, den aktuellen Stand der Forschung nach der "Theorie von Allem", spannend und allgemeinverständlich darzustellen und trotzdem einen Einblick in die tieferen Denkprozesse zu erlauben.
Als "dritten Teil", der noch etwas aktueller ist, will ich unbedingt das Buch von Lisa Randall empfehlen. Sie schafft es, nicht nur einen Einblick in die Denkprozesse zu geben, sondern den gewillten Leser unmittelbar daran teilhaben zu lassen.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/518RGQG88EL._SL500_AA240_.jpg
uhlmann (22.04.2009, 11:08):
Original von Dox Orkh
Und ganz ausgezeichnet geschrieben. Kaku versteht es wie kaum ein anderer, den aktuellen Stand der Forschung nach der "Theorie von Allem", spannend und allgemeinverständlich darzustellen und trotzdem einen Einblick in die tieferen Denkprozesse zu erlauben.


stimmt, er (be)schreibt sehr anschaulich.

seinerzeit habe ich das interesse an (astro)physik v.a. durch die bücher stephen hawkings gewonnen, die ich hier auch als einstieg empfehlen möchte. etwa den klassiker "eine kurze geschichte der zeit".

während hawking eher die entwicklung der physikalischen theorien vom altertum bis zur relativitätstheorie und quantenmechanik beschreibt, geht kaku mehr auf die moderneren theorien ein, die auf oben genannten basieren bzw. sich aus ihnen entwickelt haben. ein gewisser kenntnisstand ist imo bei der lektüre von kakus büchern zum besseren verständnis ganz hilfreich, wenn auch keine voraussetzung.

genanntes buch von lisa randall kenne ich zwar, habe es aber noch nicht gelesen - werde ich mir wohl mal besorgen.
cellodil (26.04.2009, 01:31):
Zur Abwechslung in schlaflosen Nächten mal wieder ein bisschen Verbrechensliteratur...

http://ecx.images-amazon.com/images/I/31bx40gAPKL._SL500_AA180_.jpg
Stella Rimington, Stille Gefahr
OT: At Risk
Übersetzung: Martin Richter
Diana Verlag, München (09/2008)
ISBN-10: 3453353153
ISBN-13: 978-3453353152

Autorin Stella Rimington weiß, wovon sie schreibt. Denn die Autorin arbeitete selbst jahrelang für den englischen Geheimdienst und war Chefin des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5.

Stille Gefahr ist 2004 erschienen und Rimingtons erster Roman. Obwohl ihre Hauptfigur Liz Carlyle für den MI5 arbeitet, hat sie mit dem prominenten literarischen Kollegen "Bond, James Bond" so gut wie nichts gemein. Neben Alltagssorgen wie Wasserflecken auf den edlen Designerschuhen oder einem Liebhaber, der sich plötzlich von seiner Ehefrau trennen und mit Liz leben will, hat Liz damit zu tun, genaueres über einen möglichen Anschlag islamistischer Fundamentalisten herauszufinden.

In Rimingtons Roman gibt es (zumindest bislang, ich habe erst etwa ein Drittel des Buches gelesen) weder Wunderwaffen, noch sonstige spektakuläre Agentenausrüstungsgegenstände. Und auch die Geheimdienstarbeit selbst gestaltet sich weit weniger aufregend als in üblichen Agenten-Thrillern. Spannend ist das Buch, das wohl ein relativ realistisches Bild von geheimdienstlicher Arbeit zeichnet, trotzdem und recht unterhaltsam zu lesen.
cellodil (29.04.2009, 22:13):
Zwischendurch der ironisch-lüsterne Kurzkrimi Teamwork von Tatjana Kruse

http://ecx.images-amazon.com/images/I/31fy5Gmob%2BL._SS400_.jpg

in:
Liebe, Lust & Lösegeld: Mörderische Höhepunkte
ed. Ingrid Schmitz
gelesen von Lisa Kreuzer
Audio CD
Verlag: LangenMueller; Auflage: 1 (31. Juli 2008)
ISBN-10: 3784441696
ISBN-13: 978-3784441696

... ein nettes, heiteres Schmankerl zwischendurch. Schade nur, dass die Autorin nicht selbst liest, denn die kann's noch besser...

Grüße

Sabine
ab (11.05.2009, 23:48):
Nachdem es für nicht einmal 4 EUR schön gebunden und neu verscherbelt wird, habe ich heute zugeschlagen und lese nun endlich einmal die Mozart Biographie von Martin Geck, die zum Jubiläumsjahr erschienen und eher überraschend einheiltich recht positiv aufgenommen worden ist.
(Nach der fast durchwegs überflüssigen Auswahl aus dem Briefwechsel von Glenn Gould hoffe ich, nun mit diesem Buch mehr Nutzen daraus ziehen zu können...)

http://ecx.images-amazon.com/images/I/21EEMZA7FHL._SL500_AA180_.jpg
cellodil (14.05.2009, 12:35):
Original von ab
Nachdem es für nicht einmal 4 EUR schön gebunden und neu verscherbelt wird, habe ich heute zugeschlagen und lese nun endlich einmal die Mozart Biographie von Martin Geck, die zum Jubiläumsjahr erschienen und eher überraschend einheiltich recht positiv aufgenommen worden ist.
(Nach der fast durchwegs überflüssigen Auswahl aus dem Briefwechsel von Glenn Gould hoffe ich, nun mit diesem Buch mehr Nutzen daraus ziehen zu können...)

http://ecx.images-amazon.com/images/I/21EEMZA7FHL._SL500_AA180_.jpg

Lieber ab,

gib' doch bitte kurz Rückmeldung über Deinen Eindruck von dem Buch, wenn Du das gelesen hast. Falls es Dir gefällt, wäre ich vielleicht auch bereit (nach dem eher drögen Mendelssohn-Buch von Geck), dem Autor eine neue Chance zu geben...

Liebe Grüße

Sabine
ab (14.05.2009, 14:43):
Original von cellodil
gib' doch bitte kurz Rückmeldung über Deinen Eindruck von dem Buch, wenn Du das gelesen hast. Falls es Dir gefällt, wäre ich vielleicht auch bereit (nach dem eher drögen Mendelssohn-Buch von Geck), dem Autor eine neue Chance zu geben...

Liebe Grüße

Sabine

wird gemacht! Eine Rückmeldung ist schon hier zu finden, wie ich nach dem Kauf gesehen habe. Amadé war offensichtlich mehr angetan als so macher Leser bei Amazon kundgetan hat. Hätte ich diese Rezensionen dort vor dem Kauf gelesen, hätte ich wohl eher die Finger von dem Buch gelassen, so aber habe ich dank Amadé Hoffung, dass die kritiserten Passagen bloß aus dem Zusammehang gerissen dargestellt worden sind.

:hello
cellodil (14.05.2009, 22:10):
Lieber ab,

:thanks für den Hinweis auf Amadés Empfehlung.

Trotzdem sehr gespannt auf Deine Meinung.

Liebe Grüße

Sabine
Rachmaninov (15.05.2009, 19:06):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783785737002.jpg
mein 2. fitzek

spannend
Jürgen (24.06.2009, 10:21):
Letzte Woche musste ich in den Rheingau.
Daher konnte ich folgendes Hörspiel an einem Tag durchhören:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51AKD254YQL._SL500_AA240_.jpg

Jostein Gaarder: Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort

Aus der Amazon.de-Redaktion
Die Fans von Jostein Gaarder, und nach seinem Bestseller-Erfolg mit Sophies Welt hat er davon eine ganze Menge, können sich auf neue, abenteuerliche Ausflüge in das Spezialgebiet des Autors freuen, die Philosophie. Denn auch in seinem dritten Buch, das 1993 in Oslo erschienen ist, bleibt er seiner Vorliebe treu.
Zugegeben, der im Deutschen sehr sperrige Titel Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort hätte besser gewählt werden können, doch das sind Äußerlichkeiten, die dem Ganzen keinen Abbruch tun. In seinem Roman wendet sich Jostein Gaarder wieder vor allem an junge Leser, die er mit seiner weiblichen, jungen Protagonistin unmittelbar anspricht.

Für die krebskranke Cecilie ist es ziemlich langweilig, die Tage im Bett zu verbringen und das auch noch ausgerechnet an Weihnachten. Glücklicherweise besucht sie seit einiger Zeit ein netter Engel namens Ariel. So genau weiß die Kleine auch nicht, ob sie an Engel glaubt, doch mit Ariel kann man ungestört nachdenken und bereden, was einem in den langen Stunden im Krankenbett so durch den Sinn geht. Und es sind die schwierigen Fragen, die das kleine Mädchen beschäftigen: Wer bin ich? Woraus besteht die Seele? Gibt es Gott?

Das Gespräch zwischen Cecilie und Ariel führt zu einer wunderbaren Begegnung zwischen Himmel und Erde und Cecilie versucht, Ariel einige seiner himmlischen Geheimnisse abzuluchsen. Für Ariel sind im Gegenzug dazu alle menschlichen Empfindungen fremd. Er kann sich Schmerzen oder Kälte partout nicht vorstellen. Mühsam macht sich Cecilie ans Erklären, und zusammen gelingen den beiden ganz treffliche Vergleiche: "Aber das muß doch ein typisch 'kaltes' Gefühl sein, vor allem, wenn ihr in den Schnee fallt. Habt ihr dann nicht am ganzen Körper so einen Gänsehautgeschmack wie starke Pfefferminze?"

Die beiden erkunden auf sehr unterhaltsame Weise das Terrain des anderen, ohne daß sie sich mit Unklarheiten lange aufhalten, "denn wenn es stimmt, daß die Schöpfung ein großes Rätsel ist, und wenn etwas ein Rätsel ist, dann ist Raten erlaubt."

Wie jeder gute Philosoph schon seit der Antike weiß, lassen sich die großen, tiefen Fragen des Universums am besten im Gespräch erforschen. Jostein Gaarder beweist in diesem ergreifend schönen Buch, daß er, wie schon in Sophies Welt, sein Metier meisterhaft beherrscht. Am liebsten würde man Cecilie und Ariel stundenlang, nein, besser seitenlang, zuhören. "Die ganze Schöpfung ist ein Spiegel, Cecilie. Und die ganze Welt ist ein dunkles Wort." Schöner läßt sich die Essenz des Buches nicht ausdrücken. --Manuela Haselberger -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .


Das Stück hat mich sehr ergriffen, am Schluss habe ich geheult wie ein Schlosshund.
Der Effekt war deutlich stärker als bei den Kindertotenliedern. Dafür werde ich die wenigstens noch mal hören, dieses Hörspiel definitiv nicht.

Grüße
Jürgen
daniel5993 (16.07.2009, 20:49):
Dieses Buch macht echt Freude!

http://www.booklooker.de/images/cover/user/0349/8461/Ym4wMDA3.jpg

Die Wiener Philharmoniker. Wesen, Werden, Wirken eines grossen Orchesters
Jürgen (17.07.2009, 01:15):
Ich bin momentan bei diesem Hörbuch bei der letzten von 6 CDs:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61HRCALISaL._SL500_AA240_.jpg

Ugo Riccarelli: "Der vollkommene Schmerz"

Eine nicht unpolitische Familiensaga, bei der die Helden der Geschichte unter der Willkür von Monarchie, Seuchen und Diktatur zu leiden haben und regelmäßig dadurch sterben und ihre zurückgelassenen Frauen das Elend auszulöffeln haben.
Sehr ergreifend.

Nun beginne ich mit dem Prolog zu:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51GQPMD4Z2L._SL500_AA240_.jpg

Oliver Hilmes: Witwe im Wahn: Das Leben der Alma Mahler-Werfel

Diesmal als reales Buch. Ich bin gespannt.


Grüße
Jürgen
Heike (17.07.2009, 06:23):
Hallo Jürgen,
Oliver Hilmes: Witwe im Wahn: Das Leben der Alma Mahler-Werfel
Da bin ich sehr gespannt auf deine Eindrücke! Ich habe dieses Buch schon im Regal stehen (nachdem ich ein sehr interessantes Hörbuch über Alma gehört hatte und noch mehr wissen wollte). Bisher kam ich aber nicht zum lesen.
Heike
ab (17.07.2009, 19:45):
Original von Hebre
Hallo Jürgen,
Oliver Hilmes: Witwe im Wahn: Das Leben der Alma Mahler-Werfel
Da bin ich sehr gespannt auf deine Eindrücke! Ich habe dieses Buch schon im Regal stehen (nachdem ich ein sehr interessantes Hörbuch über Alma gehört hatte und noch mehr wissen wollte). Bisher kam ich aber nicht zum lesen.
Heike

Dann solltest Du wohl das hier lesen:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783596205455.jpg
nikolaus (17.07.2009, 19:59):
Das werde ich heute anfangen:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783499505386.jpg

Nikolaus mit besonderen Grüßen an Gamaheh!
Gamaheh (18.07.2009, 00:34):
Original von nikolaus
Das werde ich heute anfangen:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783499505386.jpg

Nikolaus mit besonderen Grüßen an Gamaheh!

Oh, super, Nikolaus - ich werde mir Dich zum Vorbild nehmen!

Grüße,
Gamaheh
nikolaus (18.07.2009, 09:43):
Liebe Gamaheh,

es kommt noch besser! Ich habe das hier bestellt:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783406448102.jpg

Da bist Du platt, was?

Ein schönes Wochenende, Nikolaus.
Rachmaninov (18.07.2009, 10:41):
Original von nikolaus
Liebe Gamaheh,

es kommt noch besser! Ich habe das hier bestellt:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783406448102.jpg

Da bist Du platt, was?

Ein schönes Wochenende, Nikolaus.

Hoffe Du läßt dieses Wissen hier einfließen!
nikolaus (18.07.2009, 15:43):
Ich will's versuchen...
ab (19.07.2009, 13:28):
Auch über eine Bewertung der Bücher Deinerseits wäre ich dankbar!
:hello
cellodil (19.07.2009, 15:01):
Anna Katharina Hahn, Kürzere Tage
Gebundene Ausgabe: 223 Seiten
Verlag: Suhrkamp; Auflage: 3 (5. Juni 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3518420577
ISBN-13: 978-3518420577

Anna Katharina Hahns Roman Kürzere Tage ist episodisch strukturiert. Die einzelnen Stränge, die jeweils aus der Perspektive einer Figur erzählt werden (zwei Frauen mittleren Alters, eine alte Dame, ein Jugendlicher), verbindet der Ort, an dem diese Figuren zum Zeitpunkt der Gegenwart des Romans leben: Das Stuttgarter Lehenviertel (wobei das, was Hahn in ihrem Roman als Lehenviertel bezeichnet, tatsächlich eher das Stuttgarter Heusteigviertel sein dürfte). Die verschiedenen Figuren begegnen sich zwar hin und wieder, doch sind sie allesamt so sehr in der Reflexion ihrer jeweiligen Vergangenheit und ihrem derzeitigen Lebensentwurf gefangen, dass es zwischen den erzählenden Figuren des Romans keine echten Beziehungen gibt.

Dominierend in Hahns Roman sind die Perspektiven der beiden Frauen um die 30 (Judith, die eigentlich Jutta heißt, und Leonie). Zwischen beiden gibt es zahlreiche Gemeinsamkeiten, wiewohl der Lebensstil der beiden gewisse Unterschiede aufweist (die eine im Waldorf-Stil, die andere - trotz Familie - bemüht darum, ein "Business-Babe" zu sein). Beide haben zwei Kinder im Kindergartenalter und einen Ehemann mit geregeltem Einkommen. Beide haben sich mit ihrem jeweiligen Leben arrangiert, sind weder richtig unzufrieden, noch ganz glücklich. Glück und Unglück scheinen in ihrem Leben nicht einmal als Kategorien vorzukommen. Schon die Frage nach dem Glück scheint sich zu verbieten. Dennoch schwelt etwas im Untergrund des geregelten Lebens, der scheinbaren Saturiertheit und/oder Beschaulichkeit. Denn beide scheinen (zumindest unbewusst) auf eine gewisse Art und Weise darauf zu hoffen, dass eines Tages Prince Prettyman daherkommen und sie aus ihrem eingefahrenen Alltag erlösen werde. Tatsächlich haben dann auch beide eine Begegnung mit einem Mann, die jedoch keine Erfüllung bringt. Im einen Fall, weil der Mut zum Seitensprung fehlt und die Situation ohnehin keine Erlösung verheißen würde. Im anderen Fall, weil der Exliebhaber aus vorehelicher Zeit an dem verwaldorften Muttertier kein Interesse hat.

In beiden Strängen herrscht eine Atmosphäre einer nicht wirklich greifbaren Tristesse, einer Resignation, die von verlorenen oder vielleicht auch niemals geträumten Träumen herrührt.

Auch die beiden anderen Figuren, aus deren Perspektive erzählt wird, die Greisin Luise und der Teenager Marco, haben wenig Grund zum Jubeln. Luise leidet unter dem Alter. Marco unter dem sadistischen Lebensgefährten seiner gleichgültigen Mutter, den er nur "Pornostar" nennt. Im Vergleich mit Judith und Leonie schneiden beide jedoch ganz gut ab, sind gewissermaßen die positiven Helden von Hahns Roman, die einen doch zumindest zu interessieren vermögen, die einen mitunter auch berühren.

Teenager Marco hat immerhin eine Vorstellung von einem besseren Leben und versucht zumindest, aus seiner bedrückenden Realität zu entkommen. Marcos Vorstellung seiner Flucht nach Estland zum ehemaligen Lebensgefährten seiner Mutter mag zwar naiv sein, und sie ist vermutlich nicht realisierbar, aber doch scheint er zumindest noch daran zu glauben, dass es etwas anderes für ihn geben könnte als sein Leben unter bedrückenden Umständen. Und Luise hat immerhin ein paar gute Erinnerungen und (jedenfalls zunächst noch) einen Mann, mit dem sie ihr Leben geteilt hat und mit dem sie nach einem langen gemeinsamen Lebensweg noch immer wirkliche Zuneigung und nicht nur Gewohnheit verbindet.

Die Gegenwartshandlung in Hahns Roman ist insgesamt eher dürftig und eher undramatisch. Die einzelnen Stränge berühren sich koinzidentiell; sie laufen nicht zwingend auf etwas zu, sondern plätschern in Alltäglichkeit dahin. Hahns Text wird dominiert von der Introspektion der Figuren, bei der Erinnerungen und Reflexion eine wesentliche Rolle spielen.

Fazit: Mit wenigen Ausnahmen ein Sumpf an Tristesse. Wieso dieses Buch für Furore gesorgt hat, bleibt - zumindest mir - ein Rätsel.
Gamaheh (19.07.2009, 22:08):
Original von ab
Auch über eine Bewertung der Bücher Deinerseits wäre ich dankbar!
:hello

Ohne Nikolaus vorgreifen zu wollen – ich kenne die Bücher ja schon – kann ich mitteilen, daß ich beide empfehlen würde (und tue das auch). Nikolaus kann ja später seinen Senf oder gegebenenfalls abweichende Meinung dazutun.

Schmalzriedts Büchlein (100 Seiten) ist – wie der Untertitel sagt – ein musikalischer Werkführer, und zwar komplett. Alle Original-Werke für Solo-Klavier werden separat behandelt, darüberhinaus Werke für ein Klavier zu vier Händen, Werke für zwei Klaviere und die beiden Klavierkonzerte. Da Ravel reichlich seiner Musik für verschiedene Formationen transkribiert hat, fehlen gewisse Werke, die es auch unter anderem für Klavier solo gibt, z.B. La Valse.

Das Büchlein ist konzis und gibt bei jedem Werk die wichtigsten Hintergründe und Zusatzinformationen und ist als erste Einführung für informierte Laien meiner Meinung nach hervorragend geeignet.

Darüberhinaus gibt es einführende Kapitel(chen) zur „Welt des Maurice Ravel“, „Ravels musikalische Ästhetik“, „Kompositionstechnik und Stil“. Naturgemäß behandelt es hier keine kontroversen Diskussionen mit philologischer Hingabe. Insbesondere in der (meiner Meinung nach unnötigen) Diskussion, wer von wem abgeschrieben habe, entpuppt sich der Autor als „Ravelist“. Insofern muß man Aussagen wie Jeux d’eau sei das „Gründungswerk der impresionistischen Klaviermusik“, Le Tombeau de Couperin „das Gründungswerk des französischen Neoklassizismus“, daß „die historischen Fakten eindeutig Hans Heinz Stuckenschmidts 1966 formulierten Satz erhärten: „Wir können heute nicht zweifeln, daß Debussy der Nachahmer und Ravel der Erfinder gewesen ist.““ einfach erstmal hinnehmen. Nur darf man sich nach der Lektüre dieses Opusculum nicht für erschöpfend informiert halten.

Wer etwas mehr wissen will, dem sei die (relativ: nach Jankelevich) neue Rowohlt-Monographie (im bewährten Format) von Michael Stegemann ans Herz gelegt. Hier geht es – wie wir es aus der Reihe kennen – natürlich nicht nur um die Klaviermusik, sondern um Ravel, seine Geschichte und sein Oeuvre. Hier hat der Autor Raum, Fragen der gegenseitigen Abhängigkeit breiter zu erörtern. Allerdings werden hier auch im wesentlichen die Abhängigkeiten Debussys von Ravel aufgezeigt (es ist ja auch ein Buch über Ravel). Wer eine ausgewogene Diskussion dieses Themas sucht, dem seien die Bücher über Debussy des englischen Pianisten (mir allerdings als solcher unbekannt) Paul Roberts empfohlen – dazu vielleicht bei Gelegenheit mehr.

Grüße,
Gamaheh
ab (20.07.2009, 09:27):
Original von Gamaheh

Wer etwas mehr wissen will, dem sei die (relativ: nach Jankelevich) neue Rowohlt-Monographie (im bewährten Format) von Michael Stegemann ans Herz gelegt.

Kennst Du auch das Vorgängerbuch aus dieser Reihe von Vladimir Jankelevitch? Oder das Buch von Arbie Orenstein bei Reclam?

Danke für Deine empfehlenden Worte!
:thanks
Gamaheh (21.07.2009, 23:45):
Original von ab
Original von Gamaheh

Wer etwas mehr wissen will, dem sei die (relativ: nach Jankelevich) neue Rowohlt-Monographie (im bewährten Format) von Michael Stegemann ans Herz gelegt.

Kennst Du auch das Vorgängerbuch aus dieser Reihe von Vladimir Jankelevitch? Oder das Buch von Arbie Orenstein bei Reclam?

Danke für Deine empfehlenden Worte!
:thanks

Ja, das Buch von Jankélévitch kenne ich auch. Es ist vierzig Jahre älter als das von Stegemann, und das macht sich vor allem im Stil sehr bemerkbar: Er ist blumiger, exaltierter, persönlicher, und somit subjektiver.

Stegemanns Stil ist modern und hat fast einen wissenschaftlich-distanzierten Charakter; sein Buch ist systematischer aufgebaut und rankt sich um Zitate von Ravel selbst und seinen Zeitgenossen, die alle mit Endnoten wunderbar belegt sind (für die, die weiter gehen wollen). Es profitiert hierfür von den Errungenschaften der modernen Technik, denn mit der elektronischen Textverarbeitung ist dies wie auch die Erstellung eines alphabetischen Index (für den eine gewohnheitsmäßige "Snackerin" wie ich immer sehr dankbar ist) eine Aufgabe, der jedes Kind gewachsen wäre.

Jankélévitch ist anekdotisch und essayistisch, er stellt Ravel in einen weiteren Rahmen und geht in größerem Maße auf die diversen Vorbilder Ravels und die, die er mit Debussy gemeinsam hatte, ein, ohne dies im einzelnen an Beispielen zu belegen; dies ist ein Thema, das Stegemann auch leider wieder nur streift und lediglich bei Satie ein wenig länger verweilt.

Wer den expansiven Stil des Älteren mag (wie ich), hat hier eine kurzweilige und verständnisfördernde Lektüre; wer schnell Fakten oder eine sachliche Aussage zu einem bestimmten Thema sucht, sollte zu Stegemann greifen. Keines ersetzt meiner Meinung nach das andere, aber man muß sie vielleicht nicht unbedingt beide lesen.

Das sind meine Eindrücke, soweit ich mich daran erinnere - ich hoffe, das hilft ...

Das Buch von Arbie Orenstein hatte ich auch in der Hand, habe es aber seinerzeit aus Gründen, die ich nicht mehr weiß, nach einigen kurzen Stichproben in die Bücherhalle zurückgebracht.

Beste Grüße,
Gamaheh
ab (22.07.2009, 10:17):
Original von Gamaheh
Ja, das Buch von Jankélévitch kenne ich auch. Es ist vierzig Jahre älter als das von Stegemann, und das macht sich vor allem im Stil sehr bemerkbar: Er ist blumiger, exaltierter, persönlicher, und somit subjektiver.

Stegemanns Stil ist modern und hat fast einen wissenschaftlich-distanzierten Charakter; sein Buch ist systematischer aufgebaut und rankt sich um Zitate von Ravel selbst und seinen Zeitgenossen, die alle mit Endnoten wunderbar belegt sind (für die, die weiter gehen wollen). Es profitiert hierfür von den Errungenschaften der modernen Technik, denn mit der elektronischen Textverarbeitung ist dies wie auch die Erstellung eines alphabetischen Index (für den eine gewohnheitsmäßige "Snackerin" wie ich immer sehr dankbar ist) eine Aufgabe, der jedes Kind gewachsen wäre.

Jankélévitch ist anekdotisch und essayistisch, er stellt Ravel in einen weiteren Rahmen und geht in größerem Maße auf die diversen Vorbilder Ravels und die, die er mit Debussy gemeinsam hatte, ein, ohne dies im einzelnen an Beispielen zu belegen; dies ist ein Thema, das Stegemann auch leider wieder nur streift und lediglich bei Satie ein wenig länger verweilt.

Wer den expansiven Stil des Älteren mag (wie ich), hat hier eine kurzweilige und verständnisfördernde Lektüre; wer schnell Fakten oder eine sachliche Aussage zu einem bestimmten Thema sucht, sollte zu Stegemann greifen. Keines ersetzt meiner Meinung nach das andere, aber man muß sie vielleicht nicht unbedingt beide lesen.

Das sind meine Eindrücke, soweit ich mich daran erinnere - ich hoffe, das hilft ...

Das Buch von Arbie Orenstein hatte ich auch in der Hand, habe es aber seinerzeit aus Gründen, die ich nicht mehr weiß, nach einigen kurzen Stichproben in die Bücherhalle zurückgebracht.

Beste Grüße,
Gamaheh

Vielen herzlichen Dank für die ausführliche Charakterisierung! Das über Jankélévitch klingt allemal besser als die Debussy-Ausgabe bei rororo von Jean Barraque, dessen verbissen polemischer Übereinsatz für Debussy, als müsse er ihn stets verteidigen und die vermeintlichen Gegner diskreditieren, mir eher unangenehm aufgestoßen ist.

:thanks
Gamaheh (22.07.2009, 14:05):
Original von ab
... die Debussy-Ausgabe bei rororo von Jean Barraque, dessen verbissen polemischer Übereinsatz für Debussy, als müsse er ihn stets verteidigen und die vermeintlichen Gegner diskreditieren, mir eher unangenehm aufgestoßen ist.

Über dieses Buch sind wir uns völlig einig, ich finde es ebenfalls sehr unangenehm, wie der Autor insbesondere über Debussys Lehrer mit einer Abfälligkeit schreibt, die mich eigentlich nur in bezug auf das ganze Buch skeptisch werden läßt.

Wie gesagt würde ich die Bücher von Paul Roberts sehr empfehlen (genauere Angaben muß ich nachsehen, wenn ich zuhause bin). Beide wirken auf mich sehr gut und mit großer Hingabe recherchiert, der Stil ist persönlich, aber nicht störend subjektiv; Urteile werden sehr ausgewogen begründet, und - der Autor ist Engländer - auch vermeintliche oder wirkliche Gegner von Debussy werden mit Respekt behandelt, wie auch Debussy nicht kritiklos glorifiziert wird.

Der Autor ist ebenfalls Pianist und - natürlich - Debussy-Interpret, was der Lektüre einen besonders interessanten Aspekt gibt; denn auch der Leser ohne praktisch-pianistische oder musiktheoretische Kenntnisse kann das durchaus mit Gewinn lesen, ohne sich zu verlaufen. Letzteres gilt vor allem natürlich für das Buch über Debussys Klaviermusik (der Titel ist Images, vor nicht mehr als zwei Jahren herausgekommen, wenn ich mich nicht irre), muß mich hier aber ein wenig entschuldigen, weil ich die beiden Bücher durcheinander gelesen habe bzw. noch lese, so daß dies alles etwas vage klingt... Das andere Buch ist vielleicht zehn Jahre älter und eine Biographie mit dem unoriginellen aber treffenden Titel Debussy, der Verlag ist Phaedon (wenn ich mich recht erinnere), und beide sind sehr schön produziert.

Beide Bücher stellen Debussy und sein Werk in den geschichtlichen Zusammenhang, in eine geistes- und kunstgeschichtliche Entwicklung, und sowohl "Impressionismus" wie Symbolismus werden in genügender Breite behandelt.

Das muß erstmal genügen; vielleicht noch ein paar Worte, wenn ich die Bücher in der Hand habe ...

Grüße,
Gamaheh
ab (22.07.2009, 15:12):
Original von Gamaheh
Das muß erstmal genügen; vielleicht noch ein paar Worte, wenn ich die Bücher in der Hand habe ...

Grüße,
Gamaheh

herzlichen Dank!
:hello
Gamaheh (23.07.2009, 13:53):
Hier noch als Nachtrag die korrekten Angaben zu den Debussy-Büchern; das allgemeinere ist natürlich das jüngere, nicht umgekehrt (hätte ich mir eigentlich denken können):

http://www.paulrobertspiano.com/images/Debussybiogthumb.jpg

Paul Roberts, Claude Debussy. Phaidon Press 2008

http://www.paulrobertspiano.com/images/book.jpg

Paul Roberts, Images. The Piano Music of Claude Debussy. Amadeus Press, 1996

Grüße,
Gamaheh
daniel5993 (30.07.2009, 14:17):
Faszinierend !!

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41mzuNsDmKL._SS500_.jpg

"Meine Fans, das breite Publikum, sie haben keine Ahnung, wer ich bin. Die Callas! Und dabei wissen sie nicht, wer Maria ist. Ich möchte, dass jemand es ihnen sagt."
Gamaheh (11.08.2009, 22:38):
Am Wochenende habe ich einen Teil eines Buches gelesen, das mich sehr fasziniert hat:

Roy Howat. Debussy in Proportion. Cambridge Univ. Press, 1983.

Leider bin ich nicht allzu weit gekommen, denn das Buch ist für mich als Nicht-Musikerin und Nicht-Musikwissenschaftlerin recht schwierig zu verstehen, und ich mußte es am Montag Morgen in die Bibliothek zurückbringen (Präsenzbestand). Das Prinzip ist jedoch nicht schwierig, und die Arithmetik ist im Prinzip sehr zugänglich.

Der Autor untersucht einige Kompositionen Debussys, wobei La Mer im Mittelpunkt steht. Zum Aufwärmen nimmt er sich einige Klavierkompositionen vor, darunter Reflets dans l'eau, Clair de lune, L'Isle joyeuse, auf welche letztere ich mich konzentriert habe, nachdem ich die einleitenden Kapitel bewältigt hatte (und wo ich dies fortsetzen werde).

Der Autor sucht nachzuweisen - und er geht dabei sehr vorsichtig vor, schließlich ist er Engländer - daß Debussy bewußt oder instinktiv (er legt sich nicht fest) einige seiner Werke nach dem Prinzip des Goldenen Schnitts konstruiert hat, d.h. daß alle musikalischen Höhepunkte oder für die Dramaturgie wichtigen Stellen des Stücks an Stellen eines Goldenen Schnitts liegen. Die Kalkulation ist bei vielen Stücken recht einfach, da man nur die Anzahl der Takte mit 0,618034 (ich hoffe, ich habe das richtig in Erinnerung) multiplizieren muß.

Grüße,
Gamaheh
nikolaus (11.08.2009, 22:51):
Hm, ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, es ist 0,6180341...

Mal im Ernst: glaubst Du daran?
Man kann ja vieles durch Zahlenspiele und Statistiken belegen, aber das erscheint mir doch sehr konstruiert.
Und ich oute mich jetzt mal: mir ist der Goldene Schnitt eigentlich eher in Architektur, Malerei usw. geläufig, aber nicht in der Musik :(

Nicht, dass Du im nächsten Konzert mitrechnest und -zählst!

Wie schreibst Du häufig so schön: nocturne Grüße!

Nikolaus.
Gamaheh (11.08.2009, 23:37):
Lieber Nikolaus,

schön, daß Du nicht auf irgendeiner Insel - wenn womöglich auch der Glückseligkeit - verschollen bist!

Ja, der Gedanke war mir in der Tat auch gekommen, daß man, wenn man lange genug weiterrechnet und geschickt genug ist, auf jeden Punkt kommen kann (und habe das auch an anderer Stelle geschrieben). Aber das ist in diesem Zusammenhang schon sehr verblüffend; es erinnert mich an sog. "Kryptogramme" in der Dichtung, die mich auch immer etwas skeptisch gemacht haben ...

Der Goldene Schnitt ist ganz einfach eine Proportion, die durch den griech. Buchstaben Phi ausgedrückt wird. Sicher am bekanntesten aus der Architektur, aber Du kannst das anwenden, wo immer Du Proportionen finden willst. Wenn man das z.B. auf ein Konzert anwendet, sollte die erste Hälfte - vor der Pause - entsprechend länger sein (ich denke, etwa 55 Minuten bei einem 90minütigen Programm), und das ist auch häufig so. Eine Reise (etwa zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Auto oder der Kutsche) sollte man auch etwa so einteilen, denn die zweite Hälfte erscheint immer länger als die erste. Wenn man sich jetzt einen Phi-Fanatiker vorstellt, könnte man sich alle möglichen Geschichten ausdenken, wie der sein tägliches Leben in solchen Proportionen einteilt; lieber mache ich jetzt Schluß ...

Debussy hatte viel Einfluß von den Symbolisten, die sich nicht nur der Synästhesie und der Verschmelzung der verschiedenen Künste verschrieben hatten, sondern sich auch intensiv eben für den Goldenen Schnitt interessierten. (Jochen - sein nom de plume ist mir gerade entfallen - könnte sicher mehr dazu sagen). Man kann das in der Musik auch auf Stücke anderer Komponisten anwenden und zu interessanten Ergebnissen kommen (und das habe ich auch gleich gemacht, da ich gerade mit jemandem den Höhepunkt eines Werkes diskutierte - aber davon vielleicht anderswo).

Nicht zuletzt kann man das auch auf das Verhältnis der Töne einer Tonleiter untereinander anwenden (ich will mich jetzt aber nicht blamieren und das näher erläutern; Satie könnte das aus dem Stehgreif, aber der ist ja leider auch abgetaucht ...), und im Grunde ist das die Fibonacci-Reihe, die Du auch in der Natur allenthalben siehst: in Sonnenblumen beispielsweise oder Tannenzapfen ... Möglicherweise eine esoterische Größe, die irgendwie der Natur innewohnt, mithin auch dem Bewußtsein des Menschen.

Nocturne Grüße,
Gamaheh
ab (11.08.2009, 23:41):
Original von nikolaus

Und ich oute mich jetzt mal: mir ist der Goldene Schnitt eigentlich eher in Architektur, Malerei usw. geläufig, aber nicht in der Musik :(


keineswegs: Ich kenne gleich zwei zeitgenössische Komponisten persönlich, denen die Proportion des Goldenen Schnitts entscheiden ist für ihre Kompositionsverfahren. (Beide übrigens keine "Neutöner", sonder durchaus der Tonalität sowie des motivischen Verarbeitens fest verhaftet).

:hello
Cetay (inaktiv) (12.08.2009, 09:47):
Original von nikolaus
Hm, ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, es ist 0,6180341...

Mal im Ernst: glaubst Du daran?
Man kann ja vieles durch Zahlenspiele und Statistiken belegen, aber das erscheint mir doch sehr konstruiert.
Und ich oute mich jetzt mal: mir ist der Goldene Schnitt eigentlich eher in Architektur, Malerei usw. geläufig, aber nicht in der Musik :(

Nicht, dass Du im nächsten Konzert mitrechnest und -zählst!

Nikolaus.

Noch geläufiger ist der Goldene Schnitt in der Natur (Spiralgalaxien; Blüten; das Ohr). Ich glaube nicht, dass man zählen muss, sondern dass das Geheimnis des Goldenen Schnitts in der Musik vielleicht gerade darin liegt, dass er sich unterbewußt mitteilt (man muss bei Gebäuden auch nicht nachmessen, um ihn zu sehen). Es gibt Stücke, die sind allein von der Architektur her so bewingend, dass sich bei jedem Hören ein "so-und-nicht-anders-müssen-die-Proportionen-sein" Gefühl einstellt. Ein Musikstück wie Xenakis' La legende d'eer besteht streng genommen nur aus Krach und wird dennoch (von mir) als absolut Formvollendet wahrgenommen.
satie (12.08.2009, 17:36):
Damit ich wenigstens auf den Vorwurf des Abtauches mal reagiere...

Es ist durchaus richtig, dass der Goldene Schnitt auch intuitiv angewandt wird. Natürlich muss man aber stark relativieren, denn mathematisch genau wird er in den seltensten Fällen benutzt werden. Sehr nahe kommt man ihm aber durchaus. Es gab ja auch Versuche, wo man etliche Probanden eine Strecke gefühlsmäßig harmonisch teilen ließ, und da war das Ergebnis verblüffend oft dem Goldenen Schnitt sehr nahe.
Man kann angeblich auch bei Beethoven viele Beispiele für diese harmonische Teilung finden und sicherlich auch bei vielen anderen. Mir persönlich genügt es, zu wissen, dass man dieses Prinzip oft antrifft und es ggf. auch genauer untersuchen kann. Wie wichtig es ist (vor allem in mathematisch exakter Form) weiß ich nicht, und ich fürchte mich immer vor Leuten, die das alles unbedingt untersuchen und nachweisen müssen. Manche Musikwissenschaftler sind da einfach nur noch Erbsenzähler, die aber mit ihren Untersuchungen letztlich zum ästhetischen Genuss und auch zur eigentlichen Kenntnis des Werks nicht viel beitragen. Sicherlich ist diese Allergie meine persönliche, aber ich kenne einfach genügend langweilige Abhandlungen, in denen seitenweise Tabellen mit Taktzahlen stehen, die uns zu verstehen geben sollen, dass der Autor seine Erbsen gründlich gezählt hat und nicht viel mehr. Gekostet hat er seine Erbsen in der Regel nicht, zubereiten könnte er sie schon gar nicht.
Aber es gibt rühmliche Ausnahmen, die das alles kurz und knackig aufzeigen und sich dann aber auch wesentlicheren Dingen zuwenden.
Wichtig scheint mir die Erkenntnis, dass diese Ordnungsprinzipien - bewusst geschaffen oder nicht - existieren und sicherlich ihren Teil zu der Wirkung eines Kunstwerks beitragen.

Genug Gold geschnippelt. Was das Abtauchen betrifft: es geschieht nicht freiwillig, das muss ich vielleicht hier wieder mal betonen. Aber parallel zu einer kreativen Superkrise stellt sich bei mir gerne ein Schreibstau und wie jetzt, wenn gekoppelt mit sonstigem Stress, sogar eine allgemeine Unfähigkeit zu jedweden Tätigkeiten jenseits der alltäglichen Verpflichtungen ein. Ich muss mal schauen, wie lange das noch andauert, hoffe aber, dass esbesser wird, ansonsten muss ich mir hier mal überlegen, wie es weitergeht. Ich schaue natürlich ab und an hier herein und kann jetzt nur darum bitten, dass mir mein Schweigen nicht übel genommen wird.

Herzlich,

S A T I E
Gamaheh (12.08.2009, 23:15):
Lieber Satie,

meine Bemerkung war mitnichten als Vorwurf gemeint, sondern vielmehr als Ausdruck des Bedauerns, gekoppelt mit einem Versuch der Provokation (der ja auch erfolgreich war - schön, mal wieder von Dir zu hören! )

Das, worüber ich meinte, von Dir Auskunft bekommen zu können, ist das hier, und mir schwebte besonders das vor, was im dritten Satz unter der Tabelle steht : "Pluck a string on a guitar ..."

Hier gibt es noch mehr zu Phi (bonacci) und dem Goldenen Schnitt in den Künsten usw.

Ich bin völlig Deiner Meinung, aber ich glaube, dieser Autor will schon beweisen, daß Debussy das ganz bewußt gemacht hat (auch wenn er es explizit leugnet, jedenfalls, soweit ich das Buch gelesen habe), und handelt es sich meiner Meinung nach um eine Faszination, die einen verführt, Schreckensbilder anzuschauen, romantische Vorstellungen abzuschütteln, nämlich daß dem Künstler als solchem nicht direkt von Gottheiten (z.B. Musen) inspiriert seine Schöpfungen aus der Feder fließen, sondern daß der künstlerische Prozeß ganz bewußte und möglicherweise sogar penible Arbeit sein kann oder meistens ist. Ich denke da z.B. an einen literarischen Essay, den ich vor vielen Jahren gelesen habe, in dem der Autor (wer, ist mir entfallen) seinem Horror und seiner Enttäuschung beim Anblick eines Manuskripts eines Gedichts (ich glaube, es war Wordsworths Gedicht, das beginnt „I wandered lonely as a cloud ...“) Ausdruck verleiht, weil es voller Streichungen, Verbesserungen usw. war. Wenn es nun der Komponist ist, der Erbsen zählt – unvorstellbar!!! Daß dabei dann trotzdem etwas Wunderbares herauskommen kann, wie etwa bei diesen Kompositionen oder bei diesen Gedichten, ist aber jenseits aller Zählerei – Erbsen oder Takte – und aller Worte dann doch wieder sehr beglückend.

Das genannte Buch ist sicherlich mehr als Erbsenzählerei (und die Cambridge U.P. hat eigentlich einen relativ seriösen Ruf), und ich bin mir relativ sicher, daß Du es interessant finden würdest, wenn Du Dich für Debussy begeistern kannst. Der Autor ist übrigens selbst Pianist, wenn mir auch als solcher nicht bekannt, und insofern weiß ich nicht, wie er seine Erbsen zubereitet.

Im übrigen hoffe ich und wünsche Dir, daß Du recht bald aus diesem Loch auftauchst!

Beste Grüße,
Gamaheh
satie (13.08.2009, 06:47):
Liebe Gamaheh,

ich habe Dich da durchaus richtig verstanden, und es ist ja nicht falsch, mal nachzufragen, wenn da einer einfach so lange weg vom Fenster ist.

Was die Fibonacci-Zahlen betrifft: die verlinkte Seite finde ich nicht so toll (die mit dem "Pluck a string..."). Der erste Abschnitt ist dermaßen naiv, dass ich nicht recht weiß, ob er ernst gemeint ist oder nicht. Dann kommt der eigentlich interessante Teil mit den Frequenzen, allerdings ist das genau so eine Sache, die man aus praktisch allen erdenklichen Zahlen konstruieren kann, weil die Obertöne sich unendlich fortsetzen. Es ist kein Problem, sich die Fibonacci-Zahlen zu nehmen und dann einfach die entsprechenden Obertöne gegenüber zu stellen. Auf besagter Seite nimmt der Autor einfach die Zahlen 1-8 und bildet dann alle möglichen Verhältnisse dieser Zahlen zueinander. Der Satz: "Notes in the scale of western music are based on natural harmonics that are created by ratios of frequencies." ist so nicht richtig, zumindest ungenau, denn schon bei den Griechen gibt es vollkommen verschiedene Ansätze, solche, die das Tonsystem aus den Zahlen und ihren Verhältnissen konstruieren, aber auch beispielsweise Aristoxenos, der die Meinung vertrat, dass die Praxis auch andere Prinzipien nutzt.
Nichts desto trotz: die Obertöne haben ganz einfach die Verhältnisse 1:2:3:4:5:6:7.......und bilden sicherlich den natürlichen Klangvorrat, der die Grundlage aller Tonsysteme darstellt. Wenn man da nur die Fibonacci-Zahlen herauspickt, also 1,2,3,5,8, dann erhalten wir einen Dur-Akkord (wenn 1 = c wäre: c - c - g - e - c). Der Zusammenhang ist schon reizvoll. Bei der 13 wäre dann aber schon Schluss...

Herzlich,
S A T I E
kreisler (15.08.2009, 16:59):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41qYXMusqhL._SS500_.jpg

- Soma Morgenstern: Alban Berg und seine Idole -

Morgenstern schreibt sehr "sympathisch".
Ich würde das Buch besonders denen empfehlen, die sich schon etwas mit der Musik und Person von Alban Berg vertraut gemacht haben.

Grüße,
Kreisler
Heike (15.08.2009, 20:53):


Ein wirklich ganz heftiger Krimi, der mit dem Alptraum einer brutalen Vergewaltigung beginnt und mit dem Horror des amerikanischen Rechtssystems fortsetzt. Ein abscheuliches Buch, nichts für schwache Nerven, aber eindrücklich erzählt und genau das Richtige für lange Urlaubs- Sommernächte.
Heike
Agravain (17.08.2009, 15:44):
Ich brauche mal wieder etwas Amüsantes. Darum der Griff zu meinem liebsten Opernführer:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41QEpd%2BIQPL._SS500_.jpg

Allein der Beginn der Zusammenfassung des "Tannhäuser" (den ich gerade höre):

"Es geht da um einen Berufssänger namens Heinrich, der aus dem anderen Teil Deutschlands in den Westen verzog, um sich dort zügellosem Wohlleben hinzugeben,..."

Ich meine: Ist das nicht einfach herrlich?
EinTon (22.08.2009, 13:15):
Original von Satie
L
Nichts desto trotz: die Obertöne haben ganz einfach die Verhältnisse 1:2:3:4:5:6:7.......und bilden sicherlich den natürlichen Klangvorrat, der die Grundlage aller Tonsysteme darstellt.

Stimmt das wirklich in dieser Ausschließlichkeit?

Bei Gamelanmusik höre ich zB oft ziemlich "schräge" Intervalle, also keine reinen Terzen, Quinten etc., die sich (wie ich vermute) nicht so leicht auf Obertonverhältnisse zurückführen lassen wie im westlichen 12-Ton-System.

Auch bei Einzelklängen gibts bei bei manchen Instrumenten schon Abweichungen der Partialtonstruktur (dh der Sinuswellen, aus dem sich der Einzelton zusammensetzt) von der harmonischen Obertonreihe, z. B. bei Glocken und generell bei allem, was sich metallisch anhört.
satie (22.08.2009, 22:27):
Original von EinTon
Original von Satie
L
Nichts desto trotz: die Obertöne haben ganz einfach die Verhältnisse 1:2:3:4:5:6:7.......und bilden sicherlich den natürlichen Klangvorrat, der die Grundlage aller Tonsysteme darstellt.

Stimmt das wirklich in dieser Ausschließlichkeit?

Bei Gamelanmusik höre ich zB oft ziemlich "schräge" Intervalle, also keine reinen Terzen, Quinten etc., die sich (wie ich vermute) nicht so leicht auf Obertonverhältnisse zurückführen lassen wie im westlichen 12-Ton-System.

Auch bei Einzelklängen gibts bei bei manchen Instrumenten schon Abweichungen der Partialtonstruktur (dh der Sinuswellen, aus dem sich der Einzelton zusammensetzt) von der harmonischen Obertonreihe, z. B. bei Glocken und generell bei allem, was sich metallisch anhört.

Richtig. Da gibt es gewisse Ausnahmen oder zumindest Systeme, die komplexere Intervalle nutzen. Beim Gamelan ist es extrem schwierig, weil Pelog und Slendro rein theoretische Systeme sind, die in der Praxis nicht vorkommen, und zwar gar nicht. Dazu kommen regionale Unterschiede (keine zwei Gamelan-Ensembles stimmen identisch). Es gibt auch andere Tonsysteme, die nicht bewusst auf den einfachen Intervallen aufbauen, und sogar solche, die die Tonhöhe selber als unwichtig werten (ein großteil afrikanischer Musik).
Wenn wir von Kunstmusik sprechen, können wir aber bei den Tonsystemen weitgehend von den einfachen Verhältnissen ausgehen. Dass das alles im Detail viel komplizierter ist, versteht sich von selbst, bei Klangcharakteristika kann es in der Tat sehr komplex sein. Allein das Prinzip Oktave beispielsweise ist aber meines Wissens allen Tonsystemen gemein, sprich: es gibt kein traditionelles Tonsystem, das nicht in der Oktave geschlossen wäre, und fast allen Formen der primitiven (merke: das bedeutet erstlingshaft und nicht etwa banal oder sonst was abschätziges) Mehrstimmigkeit sind es in aller Regel Oktav- und Quint-Klänge, die benutzt werden/ wurden (s. a. frühes Organum). Und das sind die Verhältnisse 1:2 und 2:3. Letzteres wird dann noch umgekehrt bei 3:4, und das sind dann bereits die Verhältnisse, die den Griechen genügten, um das gesamte Tonsystem zu konstruieren, ebenso den Chinesen. Dieses pythagoreische Prinzip wurde übrigens in China bis hin zu einer 360-stufigen Skala getrieben. Das sind dann derart kleine Intervalle, dass man damit zwar hochgradig komplexe Klänge erzeugen kann, sie lassen sich aber alle immer noch auf das simple System der Quintenspirale zurückführen, ein Prinzip, das bekanntlich die erste Korrektur erfordert: die reine Oktave in der Skala, die bei der Quintenspirale eben nicht erreicht wird (pythagoreisches Komma). Im Grunde fuhr man also zweigleisig: die Teiltonreihe ist die Grundlage, aber durch Beschränkung auf Quinte und ihr Komplementärintervall Quarte schert man ungewollt aus der "natürlichen" Ordnung aus und muss dann wieder zurechtbiegen. Genau solche Dinge sind es, die etwa Aristoxenos ein alternatives System kreieren ließ, das mehr mit reiner Stimmung und dem Gehör zu tun hat.
Agravain (29.08.2009, 11:56):
Bin bei Amazon vor ein paar Tagen über den folgenden Roman gestolpert:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/512HKNAPW4L._SS500_.jpg

Klappentext:

Die Melodien der Flüsse und der Meere haben ihn zu seinen schönsten Kompositionen inspiriert: Sir Edward Elgar. Nun, mit 66 Jahren, ausgebrannt, seine internationale Karriere längst hinter sich, bucht er eine Kreuzfahrt nach Brasilien. An einem stürmischen Novembertag des Jahres 1923 besteigt der englische Nationalkomponist in Liverpool die Hildebrand. Er will den Atlantik überqueren und den Amazonas befahren, bis zum berühmten Opernhaus von Manaos. Er hofft, so seine verlorene Inspiration wiederzufinden, die Schicksalsschläge der letzten Jahre hinter sich zu lassen. Auf der Überfahrt gibt sich der ungesellige, immer etwas geckenhaft gekleidete Greis mit dem zynischen Humor des vom Leben Enttäuschten wieder seiner einsamen Passion hin, dem Meer. Es scheint eine unhörbare Musik zu verströmen, die er vergebens auf Notenpapier festzuhalten versucht...

Ich bin - als bekennender Elgarianer - sehr gespannt.
Kennt jemand den Roman? Gibt es Leseeindrücke?
Jeremias (02.09.2009, 18:05):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51hroNzvQkL._SL500_AA240_.jpg

Bislang ein nettes Büchlein, viel Klugscheisserei wenn man Ahnung von Musik hat. Mal schauen was noch so kommt...
Jürgen (28.09.2009, 17:56):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/514lwTU9iUL._SL500_AA240_.jpg

Rebecca Gablé: Das zweite Königreich

Als Hörbuch.

Klappentext:
England 1064: Ein Piratenüberfall setzt der unbeschwerten Kindheit des jungen Cædmon of Helmsby ein jähes Ende - ein Pfeil verletzt ihn so schwer, dass er zum Krüppel wird. Sein Vater schiebt ihn ab und schickt ihn in die normannische Heimat seiner Mutter. Zwei Jahre später kehrt Cædmon mit Herzog William und dessen Eroberungsheer zurück. Nach der Schlacht von Hastings und Williams Krönung gerät Cædmon in eine Schlüsselposition, die er niemals wollte: Er wird zum Mittler zwischen Eroberern und Besiegten. In dieser Rolle schafft er sich erbitterte Feinde, doch er hat das Ohr des despotischen, oft grausamen Königs. Bis zu dem Tag, an dem William erfährt, wer die normannische Dame ist, die Cædmon liebt

Nicht übermäßig spannend, aber die Rahmenhandlung bringt einem ein Stück Geschichte näher.

Grüße
Jürgen
Heike (28.09.2009, 18:40):
Gerade ausgelesen:



Eine weiße junge Südafrikanerin wird von 3 Schwarzen brutal überfallen, vergewaltigt. Ihr Vater (Literaturprofessor) kann die Schande, ihr keinen Schutz gegeben haben zu können, kaum verwinden. Noch unerträglicher die Resignation des Opfers, das aus Scham und Angst eine Anzeige scheut und den Alptraum weitergehen lässt.

Ein verstörendes, erschütterndes Meisterwerk: über das kaum auszuhaltende, individuelle Leid von Opfern und über ihre hilflosen Bewältigungsstrategien; über die sinnlosen, oft kollektiven Hypotheken der Apartheid; und parallel auch über das unsägliche Leid von Hunden.

Der gleichnamige Film nach dem Buch läuft gerade in den Kinos an.
Heike
EinTon (28.09.2009, 19:09):
@Satie: Ich wollte mich im Nachhinein nochmal für Deine ausführliche Tonsystem-Aufklärung bedanken, ich fand das sehr erhellend, zumal solche Argumente ja gerne in ideologischen Diskussionen über Atonalität und Tonalität benutzt werden...

Gruß,

Normann

(morgen auf der Durchfahrt nach Rügen ca. 4 Stunden in Berlin... :) )
ab (29.09.2009, 08:27):
Noch dabei: Handbuch der Malerei und Kalligraphie von José Saramago, ein Buch, dessen Inhalt mich interessiert hat, weil es angeblich um Reflexion über die Tätigkeit des Schreibens und Malens geht. Dem entgegen aber ist es ein Roman eines alternden Malers, der zu Schreiben beginnt, und wohl beides, so wie auch sein machoides Leben, mehr schlecht als recht macht. Entgegen der Ankündigung der "originellen Meditation über den künstlerischen Prozeß, über die Probleme des Schreiben" konnte ich bsislang keine einzige interessante Anmerkung ausmachen. Auch eine "untergründige Ebene" finde ich nicht.

Das mich Irritierende Saramagos sind seine eigenwilligen sprachlichen Gleichungen, oft mit sexuellen Anspielungen, die aber in ihrem Zusammenhang so gut wie nie einen Sinn ergeben. Sprachlich frage ich mich sehr oft, ob dies so schlecht geschrieben ist, oder aber nur an der Übersetzung liegt.

Das wird der letzte Saramago gewesen sein, den ich zur Hand nehme. (Sein Das Evangelium nach Jesus Christus habe ich nach wenigen Seiten ob seiner manierierten Gestelztheit beiseite legen müssen und seine Die Stadt der Blinden fand ich wohl vor vielen Jahren besser als es mir heute wohl vorkommen würde. Zum Glück entwickelt man sich weiter...)

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51J34PNME9L._SL500_AA240_.jpg
Rachmaninov (29.09.2009, 12:57):
Original von Jürgen
http://ecx.images-amazon.com/images/I/514lwTU9iUL._SL500_AA240_.jpg

Rebecca Gablé: Das zweite Königreich

Als Hörbuch.

Klappentext:
England 1064: Ein Piratenüberfall setzt der unbeschwerten Kindheit des jungen Cædmon of Helmsby ein jähes Ende - ein Pfeil verletzt ihn so schwer, dass er zum Krüppel wird. Sein Vater schiebt ihn ab und schickt ihn in die normannische Heimat seiner Mutter. Zwei Jahre später kehrt Cædmon mit Herzog William und dessen Eroberungsheer zurück. Nach der Schlacht von Hastings und Williams Krönung gerät Cædmon in eine Schlüsselposition, die er niemals wollte: Er wird zum Mittler zwischen Eroberern und Besiegten. In dieser Rolle schafft er sich erbitterte Feinde, doch er hat das Ohr des despotischen, oft grausamen Königs. Bis zu dem Tag, an dem William erfährt, wer die normannische Dame ist, die Cædmon liebt

Nicht übermäßig spannend, aber die Rahmenhandlung bringt einem ein Stück Geschichte näher.

Grüße
Jürgen

Ich fand das Buch ganz gut! Eigentlich eins der guten Gable Bücher.
Rachmaninov (29.09.2009, 12:58):
für den anstehenden Urlaub beschafft:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41MYirpodhL._SS500_.jpg
Jürgen (29.09.2009, 13:36):
Original von Rachmaninov
für den anstehenden Urlaub beschafft:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41MYirpodhL._SS500_.jpg


Und wie fandest Du Teil 1: Das letzte Königreich ?
cellodil (01.10.2009, 21:34):
Ich bin im Moment gerade etwas im Blutrausch mit ein paar ganz netten Krimis der Amerikanerin Tess Gerritsen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/516PSW42T6L._SS500_.jpg

Tess Gerritsen, Die Chirurgin
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (1. Juni 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442360676
ISBN-13: 978-3442360673
Originaltitel: The Surgeon

Obwohl ich Serienmördergeschichten, in denen viel Blut fließt, eigentlich nicht mag, hat mir diese hier ausgesprochen gut gefallen. Sehr spannend geschrieben. Und, vor allem: Die Perspektive der Opfer spielt doch eine recht große Rolle.

... und weil's so schön war, gleich noch einen Roman derselben Autorin:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41RB5KR6F9L._SS500_.jpg

Tess Gerritsen, Todsünde
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (15. Mai 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442364590
ISBN-13: 978-3442364596
Originaltitel: The Sinner


Zwischendurch habe ich noch den neuen Roman von Heinrich Steinfest, Gewitter über Pluto,

http://ecx.images-amazon.com/images/I/415i7LjXLdL._SS500_.jpg

gelesen, der zwar einen ganz hübschen Einstieg hat (Pornostar beschließt, sein Leben zu ändern und einen Handarbeitsladen zu eröffnen), dann aber doch eher zäh und ermüdend wird.
Rachmaninov (02.10.2009, 06:52):
Original von Jürgen
Original von Rachmaninov
für den anstehenden Urlaub beschafft:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41MYirpodhL._SS500_.jpg


Und wie fandest Du Teil 1: Das letzte Königreich ?

Sorry, habe das falsche Cover gepostet.
Habe für den Urlaub "Das letzte Königreich" bestellt.

:A
ab (02.10.2009, 09:02):
Contemplating Art: Essays in Aesthetics von Jerrold Levinson

Levinson ist einer der bekannten Philosophen des englichsprachigen Raums für Ästhetik und hat sich sich vornehmlich mit Philosophie der Musik befasst. Hier liegt ein dritter Sammelband vor, in dem Aufsätzen, die über die Jahre hinweg in verschiedenen Fachzeitschriften erschienen sind, zusammengefasst sind. Ich finde seine Bücher immer recht anregend, insbesondere weil ich zwar gewisse Intuitionen mit ihm teile, oft nicht jedoch seine theoretischen Erklärungsversuche. Sprachlich lese ich ihn deutlich weniger gerne als seine Mitstreiter wie Peter Kivy oder Stephen Davies, weil ich hier Trockenes mehr schätze.

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/9780199206179.jpg
Heike (02.10.2009, 09:09):
Passend zum bevorstehenden Jahrestag des Mauerfalls fange ich jetzt an:



Das scheint sehr ordentlich rechierchiert zu sein und liest sich wie ein Krimi! Solche Bücher sollte man zur Pflichtlektüre bei gewissen Ostalgie- Romantikern machen.
Heike
cellodil (02.10.2009, 11:03):
Jetzt erst einmal genug mit dem Blutrausch...

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41rDA5pWXhL._SS500_.jpg

Willaim Irwin (ed.), Mark T. Conrad (ed.), Aeon J. Skoble (ed.)
Die Simpsons und die Philosophie
Broschiert: 256 Seiten
Verlag: Piper; Auflage: 4 (Juli 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492252397
ISBN-13: 978-3492252393
Originaltitel: The Simpsons and Philosophy

Mal sehen, wie's ist mit den Gelben und den Denkern.

Liebe Grüße

Sabine
Gerion (03.10.2009, 12:47):
Liebe Sabine,

bitte berichte doch mal, wie es Dir gefällt.

:hello
cellodil (03.10.2009, 21:08):
:hello Lieber Gerion,

das mache ich gerne. Musste die Lektüre von Die Simpsons und die Philosophie allerdings etwas aufschieben, weil mir etwas dazwischengekommen ist. Aber, wenn ich's gelesen haben werde, dann werde ich darüber berichten.

Liebe Grüße

Sabine
Heike (06.10.2009, 19:37):
"Faszination Freiheit" (siehe oben) habe ich in wenigen Tagen ausgelesen - ein großartiges Buch, schade, dass es schon zu Ende ist. Sehr beeindruckend wird auch jeweils geschildert, welche Folgen die Fluchtgeschichten hatten (also wie die DDR vorsorgte, dass sich ähnliches nicht wiederholt). Bedrückend auch die persönlichen Schicksale; einfach irre, welches Risiko manche auf sich nahmen. Übrigens sind die Geschchten sehr anschaulich illustriert, so dass man auch Einzelheiten der örtlichen oder technischen Gegebenheiten gut nachvollziehen konnte. Lesenswert wie ein Schmöker und doch Teil unserer Geschichte.

Und was lese ich jetzt? Ich glaube einen Krimi, nur weiß ich noch nicht welchen.
Heike
ab (12.10.2009, 09:48):
Endlich komme ich dazu (ihr Nobelpreis liegt auch schon drei Jahre zurück...):

https://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783455400595.jpg
cellodil (12.10.2009, 11:47):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41rDA5pWXhL._SS500_.jpg

Willaim Irwin (ed.), Mark T. Conrad (ed.), Aeon J. Skoble (ed.)
Die Simpsons und die Philosophie
Broschiert: 256 Seiten
Verlag: Piper; Auflage: 4 (Juli 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492252397
ISBN-13: 978-3492252393
Originaltitel: The Simpsons and Philosophy

Inzwischen hab' ich das Buch (zu einem guten Teil diagonal) gelesen. Hier, wie versprochen, ein paar Worte zu meiner Lektüre-Erfahrung.

Das Buch ist eine Sammlung von Aufsätzen von recht unterschiedlicher Qualität. Recht hübsch fand ich den Aufsatz von Aeon J. Skoble Lisa und der amerikanische Antiintellektualismus. Eher enttäuschend hingegen Homer und Aristoteles von Raja Halwani, in dem die Frage, ob Homer Simpson einer ethischen Beurteilung standhalten kann, diskutiert wird. Und auch der Aufsatz über Barth Simpson und Friedrich Nietzsche ist eher mau... Bei vielen Aufsätzen fand ich die Aneinanderreihung von Zitaten aus den Simpsons etwas ermüdend, meiner Meinung nach hätte ein treffendes Zitat für den Beleg einer These eigentlich ausgereicht.

Vielleicht war ich auch einfach nicht die Zielgruppe dieses Buchs... Denn ich könnte mir vorstellen, dass echte Simpsons-Fans vielleicht etwas mehr Vergnügen an dem Buch finden könnten.

Alles in allem: Ein netter Versuch, aber auch nicht mehr. Oder, wie Homer Simpson sagt: "Versuchen ist der erste Schritt zum Versagen". Naja, ganz so schlimm ist es vielleicht doch nicht.
nikolaus (12.10.2009, 21:59):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783518460931.jpg

Als der junge Metzgermeister Fidelis Waldvogel aus dem Ersten Weltkrieg heimkehrt, heiratet er Eva, die schwangere Verlobte seines gefallenen Freundes. Armut lässt ihn und seine junge Familie Anfang der zwanziger Jahre nach Amerika auswandern - im Gepäck einen Koffer voller Würste und die Messer seines Vaters. Mit Verkauf der Würste finanziert Fidelis die Reise in die neue Welt - und reist so weit, wie die Würste reichen. Als er in Argus, North Dakota, aus dem Zug steigt, weiß er, daß er an dem Ort angekommen ist, an dem er die Schrecken des Krieges hinter sich lassen kann. Während Fidelis dem Handwerk und dem Gesang seiner Väter alle Ehre macht, sorgt Eva mit Geschick und Energie dafür, daß die Metzgerei Waldvogel ihrer immer größer werdenden Familie ein sicheres Auskommen schafft. Unterstützt wird sie von Delphine Watzka, einer jungen Artistin, die ihrem Vater Roy zuliebe nach Argus zurückgekehrt ist. Aus den verwandten Seelen Delphine und Eva werden schnell Freundinnen - bis Eva eines Tages schwer erkrankt.
Aufbruch und Heimkehr, Hingabe und Treue, Liebe und Verantwortung, Trauer und Schmerz: Louise Erdrich entwirft das vielschichtige Panorama einer Generation deutscher Auswanderer - und schafft zugleich eine Hommage an das Leben selbst.

Klingt zugegenermassen etwas trivial bis kitschig, ist es aber aufgrund der schönen Sprache/Übersetzung gar nicht.
Sehr angenehme, heiter-traurige, entspannende Lektüre...

Nikolaus.
cellodil (13.10.2009, 06:23):
Lieber Nikolaus,

das klingt doch ganz hübsch, die Geschichte vom singenden Metzger... Und: Wer will schon immer die Bücher unserer neuen Nobelpreisträgerin lesen...???

Ist Louise Erdrich eine amerikanische Autorin? Der Name klingt ja eher deutsch...

Liebe Grüße

Sabine
nikolaus (13.10.2009, 20:25):
Original von cellodil

Ist Louise Erdrich eine amerikanische Autorin? Der Name klingt ja eher deutsch...

Liebe Grüße

Sabine

Wie klug Du doch bist!

Louise Erdrich, 1954 in Little Fall, Minnesota, als Tochter einer Indianierin und eines Deutschamerikaners geboren...

So steht's im Klappentext.

Beste Grüße zurück, Nikolaus :hello
cellodil (13.10.2009, 20:48):
:hello Nikolaus,

... und der Vater des Deutschamerikaners war vermutlich Metzger, oder?

:D grinsige Grüße

Sabine
nikolaus (13.10.2009, 21:01):
Original von cellodil
:hello Nikolaus,

... und der Vater des Deutschamerikaners war vermutlich Metzger, oder?

:D grinsige Grüße

Sabine

:J Und die Mutter der Indianierin bestimmt Sopranistin (vielleicht FFJ?)
ab (14.10.2009, 08:43):
Original von cellodil
das klingt doch ganz hübsch, die Geschichte vom singenden Metzger... Und: Wer will schon immer die Bücher unserer neuen Nobelpreisträgerin lesen...???


Warum sollte man das nicht immer wollen? Ich habe noch gar nichts von ihr gelesen, wäre dem abzuraten?
:hello
cellodil (14.10.2009, 09:52):
Original von ab
Original von cellodil
das klingt doch ganz hübsch, die Geschichte vom singenden Metzger... Und: Wer will schon immer die Bücher unserer neuen Nobelpreisträgerin lesen...???


Warum sollte man das nicht immer wollen? Ich habe noch gar nichts von ihr gelesen, wäre dem abzuraten?
:hello

Lieber ab,

ich meinte "immer" im Sinne von "nur". Ich habe bislang nur einen kürzeren Text von ihr gelesen, den ich zwar durchaus interessant fand, der in mir aber nicht das Bedürfnis wachsen ließ, mehr von ihr zu lesen. Hat aber mehr mit ihren Sujets als mit ihrem Stil zu tun.

Liebe Grüße

Sabine
cellodil (14.10.2009, 09:55):
Original von nikolaus
Original von cellodil
:hello Nikolaus,

... und der Vater des Deutschamerikaners war vermutlich Metzger, oder?

:D grinsige Grüße

Sabine

:J Und die Mutter der Indianierin bestimmt Sopranistin (vielleicht FFJ?)

... und eine Cousine dritten Grades von Winnetou...

:D liebe Grüße

Sabine
ab (14.10.2009, 10:06):
Original von cellodil
Hat aber mehr mit ihren Sujets als mit ihrem Stil zu tun.


Wirkt das alles sehr düster oder gar deprimierend, oder ist es mehr intellektualisiernd kühle Prosa?
cellodil (14.10.2009, 11:26):
Original von ab
Original von cellodil
Hat aber mehr mit ihren Sujets als mit ihrem Stil zu tun.


Wirkt das alles sehr düster oder gar deprimierend, oder ist es mehr intellektualisiernd kühle Prosa?

Ist wohl ein bisschen von beidem was, aber "deprimierend" trifft es auf jeden Fall.

Liebe Grüße

Sabine
Agravain (16.10.2009, 19:00):
Dunkle Jahreszeit = (Post-) Viktorianischer Grusel. Darum jetzt:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41HZX980KFL._SS500_.jpg
cellodil (16.10.2009, 21:57):
Weil ich meinen liebsten Steinfest verliehen und nicht mehr wiederbekommen habe, jetzt die Hörbuchversion von Ein dickes Fell - gelesen von Dietmar Mues:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51O2DSGW1JL._SS500_.jpg

Heinrich Steinfest, Ein dickes Fell
Gelesen von Dietmar Mues
Verlag: Hörbuch Hamburg; Auflage: gekürzte Lesung. (August 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3899038134
ISBN-13: 978-3899038132


Und, wenn ich mir gerade nicht vorlesen lasse, dann lese ich gerade den ersten Krimi der Irin Tana French (den zweiten Band, Totengleich, der - zumindest auf gewisse Art und Weise - eine Fortsetzung des ersten ist, habe ich schon gelesen):

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51%2B02RMPMML._SS500_.jpg

Tana French, Grabesgrün
Broschiert: 704 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 3 (21. August 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596175429
ISBN-13: 978-3596175420
Originaltitel: In the Woods

Liebe Grüße

Sabine
Papageno (17.10.2009, 11:19):
Hallo, meine Lieben!

Zur Zeit bin ich völlig in das wunderbare Buch "Wir singen Bach - Der Thomanerchor und sein Kantor", verfasst von Lenka von Koerber, vernarrt. Im Fokus dieser Betrachtungen steht der Thomaner-Anwärter Roland, der seit seinen jüngsten Lenzen gänzlich von Musik erfüllt und beseelt ist. Für ihn steht fest, dass er sich unbedingt mit zu dem grandiosen Leipziger Thomanerchor zählen möchte, was er aufgrund seiner hervorragenden Musikalität ebenfalls ohne Weiteres fertig bringt. Als einer der Jüngsten wird er nun dort Mitglied und kommt sich wie in einer total anderen Welt vor. Jeden Tag singen: Davon hat er seit je her geträumt...
Indem Rolands Werdegang von der Autorin mit viel Liebe und Humor nachgezeichnet wird, erfährt der interessierte Leser nebenbei auch zwangsläufig Wissenswertes über die hierachische Struktur dieses Ausnahmechores mit all seinen Ämtern und Charakteristika. Für mich eine sehr empfehlenswerte Lektüre für alle, die eine nähere Beschäftigung mit diesem Chor anstreben und suchen.
Bevor mir vor kurzem dieses Buch in die Hände fiel, war mir über die Thomaner eigentlich nur herzlich wenig bekannt. Nachdem ich einmal einen etwas längeren Zeitungsartikel über den Thomanerchor gelesen hatte, suchte ich nach einer weiterführenden Quelle und fand sie in diesem, fast romanhaft aufgebauten Buch.

Meine Ausgabe ist eine Erstauflage aus dem Jahre 1954 und stammt noch aus der ehemaligen DDR. Ich weiß leider nicht, wie es um modernere Neuauflagen bestellt ist bzw., ob das Buch über den Buchhandel überhaupt noch zu beschaffen ist, da ich das Buch in einem Second-Hand-Shop für wenig Geld erstanden habe.

Es würde mich freuen, den/die einen/eine oder anderen/andere für diese Thematik ein wenig interessiert haben zu können.

Ganz liebe Grüße, euer Jan! :)
cellodil (28.10.2009, 14:21):
Hat mir gerade mein Krankenlager ( :A ) versüßt:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41GtFnV9lBL._SS500_.jpg

David Nicholls, Zwei an einem Tag
OT: One Day
Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Verlag: Kein & Aber; Auflage: 1 (3. August 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3036955429
ISBN-13: 978-3036955421

Boy meets girl. Nicht eben eine neue Geschichte, die Autor David Nicholls in seinem neuesten Buch erzählt. Witzig allerdings, dass Nicholls immer wieder denselben Tag, den 15. Juli, über einen Zeitraum von (fast) zwanzig Jahren herausgreift, um die Geschichte von Emma und Dexter, die in der Nacht nach ihrer College-Abschlussfeier mehr oder weniger versehentlich in Emmas Bett landen und dann doch nicht miteinander schlafen, zu erzählen.

Nicholls Buch ist eine unterhaltsame Liebes- und Freundschaftsgeschichte, aber doch mehr als bloß eine Neuauflage von "Harry und Sally": Ein schönes, lesenswertes und durchaus kluges Buch.
cellodil (30.10.2009, 06:02):
Das lange Warten auf das neue Buch von John Irving hat endlich ein Ende... Gerade angefangen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41TE08dmkxL._SS500_.jpg

John Irving, Last Night in Twisted River
Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
Verlag: Bloomsbury Publishing (19. Oktober 2009)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 1408801841
ISBN-13: 978-1408801840

Der letzte Irving-Roman, Until I Find You, war neben A Widow for One Year eines der jüngeren Irving-Bücher, die es in die Runde meiner liebsten Irvings geschafft hat. Mal sehen, ob dieser jetzt auch das Zeug dazu hat.
ab (30.10.2009, 09:14):
A propos amerikanische Nobelpreisanwärter: Was ist eigentlich von den Schriften John Updikes zu halten? Ist das lesenswert oder doch mehr Belletristik als interessante Literatur? Was wäre denn ggf. empfehlenswert?

Danke! :hello
cellodil (30.10.2009, 11:18):
Original von ab
A propos amerikanische Nobelpreisanwärter: Was ist eigentlich von den Schriften John Updikes zu halten? Ist das lesenswert oder doch mehr Belletristik als interessante Literatur? Was wäre denn ggf. empfehlenswert?

Danke! :hello

Ich fühle mich jetzt einfach mal angesprochen... Und muss auch gleich nachfragen: Was verstehst Du denn unter interessanter Literatur?

Für mein Gefühl sind es bei Updike mehr die Sujets als die sprachlich-literarische Ebene, die interessant sind. Ich kann mich aber zu diesem Autor nur mit Vorbehalt äußern, weil ich ihn nicht sonderlich mag und deshalb auch nicht viel von ihm gelesen habe (und nichts davon freiwillig).

Ich kenne nur eineinhalb von Updikes Rabbit-Texten, was halt so eine typische amerikansiche Middle-Class-Nummer ist... kann man mögen oder auch nicht. Mich hat das nicht sonderlich begeistert (aber vielleicht wäre das heute anders, weil es tatsächlich fast zwanzig Jahre her ist, dass ich das gelesen habe). Und dann habe ich auch irgendwann die Witches of Eastwick gelesen, da ist der Lektüre-Eindruck allerdings von der Verfilmung überlagert, so dass ich da nicht viel sagen kann. Für mich kein Autor, der mir fehlen würde, wenn ich seinem Werk nie begegnet wäre.

Ich denke, wenn Du unbedingt was von Updike lesen möchtest, dann solltest Du vielleicht trotzdem zu einem der Rabbit-Romane greifen, weil die Updikes Ruhm begründet haben; am besten zum ersten, Rabbit, Run, weil die Romane ja aufeinander aufbauen und Du dann bei Gefallen einfach weiterlesen könntest.

Liebe Grüße

Sabine
ab (30.10.2009, 11:28):
Original von cellodil
Original von ab
A propos amerikanische Nobelpreisanwärter: Was ist eigentlich von den Schriften John Updikes zu halten? Ist das lesenswert oder doch mehr Belletristik als interessante Literatur? Was wäre denn ggf. empfehlenswert?

Danke! :hello

Ich fühle mich jetzt einfach mal angesprochen... Und muss auch gleich nachfragen: Was verstehst Du denn unter interessanter Literatur?

Für mein Gefühl sind es bei Updike mehr die Sujets als die sprachlich-literarische Ebene, die interessant sind.

Ja, ich meinte mit interessanter Literatur nicht solche, die durch die Stoffhuberei für sich einzunehmen versteht, sondern viel mehr durch die spezifische sprachliche Form.

Danke für die Hinweise. Wozu also Rabbit, wenn ich schon mit Babbit (Sinclair Lewis) nicht warm werden konnte. Da halte ich mich also lieber an solche Autoren wie Thomas Wolfe.
cellodil (30.10.2009, 12:39):
Original von ab
Wozu also Rabbit, wenn ich schon mit Babbit (Sinclair Lewis) nicht warm werden konnte.

:hello ab,

da liegst Du, finde ich, schon richtig, wenn Du die beiden in einen Topf wirfst...

Original von ab
Da halte ich mich also lieber an solche Autoren wie Thomas Wolfe.

Keine schlechte Wahl! Wer mir in letzter Lektürezeit von den noch lebenden Amerikanern übrigens auch ganz gut gefallen hat, das war Cormack McCarthy.

Liebe Grüße

Sabine
cellodil (12.11.2009, 22:33):
Gerade zwischendurch gehört (obwohl ich die CD eigentlich für eine längere Autofahrt morgen gekauft hatte...)

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41CqRyEOBXL._SL500_AA240_.jpg

John Irving: Die Pension Grillparzer - Eine Bärengeschichte
gelesen von Klaus Löwitsch
Diogenes Hörbuch (Zürich, 2007)
ISBN 978-3-257-80071-5

Die Pension Grillparzer: Eine Bärengeschichte war ursprünglich zwar ein eigenständiger Text (erstmals 1976 in der amerikanischen Zeitschrift "Antaeus" veröffentlicht), wurde dann jedoch von John Irving in seinen Roman The World According to Garp integriert; und zwar als erste Erzählung des jungen Schriftstellers Garp.

Die Geschichte erzählt von der Familie eines Hotel- und Restauranttesters, der im Auftrag des österreichischen Tourismusverbandes und stets begleitet von seiner Familie Hotels, Pensionen und Restaurants klassifiziert. Eines Tages landet die reisende Dreigenerationenfamilie in der recht seltsamen Pension Grillparzer, die in eine höhere Kategorie eingestuft werden will. Doch angesichts von Männern, die auf Händen gehen, einradfahrenden Bären und anderen merkwürdigen Gestalten, scheint der Aufstieg des Hauses einigermaßen fragwürdig.

Hübsch, schräg und mit viel Herz. Ein typischer Irving, eben. Und hinreißend gelesen von Klaus Löwitsch.

Ein empfehlenswertes Hörbuch.
Agravain (13.11.2009, 09:55):
Alle Moers-Romane gelesen, den ersten allerding noch nicht. Kürzlich auf einem Bücherflohmarkt für 'n schlappen Euro gekauft und wieder mitten in Zamonien. Großartig. Für mich wird immer deutlicher: Moers' wildwuchernde Phantasie macht ihn zum Hoffmann des 20./21. Jahrhunderts:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51V42BYF1QL._SS500_.jpg
cellodil (14.11.2009, 21:11):
Heute beim Autofahren angehört:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/519cjjrK2CL._SS400_.jpg

John Irving liest live
Audio CD: 68 Minuten
Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (Mai 2006)
Sprache: Englisch, Deutsch
ISBN-10: 3257800118
ISBN-13: 978-3257800111
Originaltitel: Until I Find You

Eigentlich kein Hörbuch, sondern ein Mitschnitt von Irvings Lesereise zu seinem vorletzten Buch Until I Find You. Ein Autor, der wirklich gut lesen kann. Und ich kam nicht umhin, mir vorzustellen, wie schön es wäre, wenn Irving seine Bücher selbst als Hörbücher gelesen hätte... Wirklich interessant und aufschlussreich fand ich das recht ausführliche und auch sehr persönliche Interview mit dem Autor.

Für Irving-Fans auf jeden Fall ein lohnenswertes Hörbuch.
Heike (14.11.2009, 23:39):
Ich lese gerade "Atemschaukel" von Herta Müller.
Zwar interessiert mich das Thema brennend, aber ich bin nicht sicher, ob ich das Buch jetzt am Stück zu Ende lesen werde. Die Sprache liegt mir nicht, es mangelt dem Buch völlig an Dialogen, die langen Beschreibungen sind voll mit Bildern, Überzeichungen und sprachlichen Spitzfindigkeiten. Ich finde es sehr anstrengend zu lesen und durch diese mir fremde, alltagsuntaugliche Sprache distanziere ich mich auch mehr von den Emotionen; also ich fühle mich eher wie ein Voyeur als wie ein Betroffener beim Lesen.

Immer mal wieder begegnet einem ein unglaublich eindruckvoller Satz, aber dazwischen braucht es mit diesen ganzen gewaltigen Sprachmetaphern ungeheure Konzentration. Ich habe bisher aber erst 50 Seiten gelesen, mal sehen, ob es noch etwas besser lesbar wird. Ansonsten werde ich wohl dazu übergehen, täglich nur ein Kapitel zu lesen - das geht mir selten so bei Büchern, dass ich das Gefühl habe, ich sollte es rationierter lesen.
Heike
Jürgen (16.11.2009, 08:48):
Original von Agravain
Alle Moers-Romane gelesen, den ersten allerding noch nicht. Kürzlich auf einem Bücherflohmarkt für 'n schlappen Euro gekauft und wieder mitten in Zamonien. Großartig. Für mich wird immer deutlicher: Moers' wildwuchernde Phantasie macht ihn zum Hoffmann des 20./21. Jahrhunderts:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51V42BYF1QL._SS500_.jpg


http://ecx.images-amazon.com/images/I/61S3z9IrauL._SL500_AA240_.jpg
Moers: Ensel und Krete. 6 CDs: Ein Märchen aus Zamonien, Dirk Bach

Habe ich vorletzte Woche als Hörbuch gehört. Es war mein erster Moers (abgesehen von einem Käptn Blaubär Film). Nachdem ich so viel Positives über ihn gehört habe, war ich dann schon etwas enttäuscht. Für meinen Geschmack war in diesem phantastischen Märchen zuviel erzählerische Willkür enthalten, auch wenn der Autor (in der Geschichte) betont, dass es genau das ist. So etwas wie Spannung wollte nicht wirklich aufkommen.
Ich habe durchgehalten, hauptsächlich, weil Dirk Bach genial gelesen hat. Wesentlich besser, als seine TV-Präsenz :D.

@Agravain: Sind die anderen Moers-Romane besser?


Grüße
Jürgen
nikolaus (16.11.2009, 15:57):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783293004092.jpg

Mauricio Botero
Don Ottos Klassikkabinett
Ausgezeichnet mit dem Premio Nacional de Cuento 2001
Originaltitel: El vendedor de música
Übersetzung: Kultzen, Peter
Unionsverlag, 07/2009

Don Otto betreibt einen kleinen Musikladen in Bogotá. Ob Punker, Partygirl, Politiker, ins Zivilleben zurückgekehrter Guerillero, ja selbst erklärter Musikhasser: Für jeden legt Don Otto die richtige Musik auf, serviert dazu eine Tasse duftenden kolumbianischen Kaffee und lässt sich bereitwillig auf ein Gespräch ein, das nicht selten zum sokratischen Dialog gerät. Don Otto, als Kenner und Liebender, bringt dabei funkelnde Anekdoten und Erkenntnisse aus dem Leben und Werk der Komponisten an den Tag - von Bach, Bartók und Beethoven bis Prokofjew, Strauss oder Telemann. So erweist sich Don Ottos Klassikkabinett als vielstimmig klingende Schatztruhe, aus der sich jeder schmunzelnd sein Lieblingsstück heraussuchen kann.

Biografie (Botero, Mauricio):
Mauricio Botero, geboren 1948 in Bogotá, arbeitete als Kulturattaché in Buenos Aires, wo er Freundschaft mit Jorge Luís Borges schloss. Für den Essayband Cóncavo y convexo erhielt er 1994 den Premio Nacional de Ensayo, für Don Ottos Klassikkabinett wurde er 2001 mit dem Premio Nacional de Cuento ausgezeichnet.

Das ist ganz nette Lektüre für zwischendurch.
Die Musik dient ein bisschen als Aufhänger für Don Ottos (Boteros?) Gedanken zu allen möglichen Themen des Lebens. Die Konstruktion wiederholt sich, wirkt dadurch manchmal etwas platt/gewollt, aber egal, amüsant zu lesen ist es allemal.

Nikolaus.
Agravain (18.11.2009, 10:16):
Original von Jürgen

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61S3z9IrauL._SL500_AA240_.jpg
Moers: Ensel und Krete. 6 CDs: Ein Märchen aus Zamonien, Dirk Bach

Habe ich vorletzte Woche als Hörbuch gehört. Es war mein erster Moers (abgesehen von einem Käptn Blaubär Film). Nachdem ich so viel Positives über ihn gehört habe, war ich dann schon etwas enttäuscht. Für meinen Geschmack war in diesem phantastischen Märchen zuviel erzählerische Willkür enthalten, auch wenn der Autor (in der Geschichte) betont, dass es genau das ist. So etwas wie Spannung wollte nicht wirklich aufkommen.
Ich habe durchgehalten, hauptsächlich, weil Dirk Bach genial gelesen hat. Wesentlich besser, als seine TV-Präsenz :D.

@Agravain: Sind die anderen Moers-Romane besser?


Grüße
Jürgen

Die Romane sind unterschiedlicher Qualität. Ensel und Krete gehört auch meines Erachtens zu den Schwächeren.
Sicher, es gibt kaum einen allmächtigeren, willkürlicheren Erzähler als bei Moers, aber ich finde, dass es eben diese Unabsehbarkeit des Erzählens ist, die die Romane spannend macht. Fasziniert bin ich grundsätzlich von der wild wuchernden Phantasie und dem Sprachwitz Moers', der besonders im - wie ich meine - bisher besten der Zamonien-Romane witzigste Formen annimmt. Es handelt sich dabei um den folgenden Roman des Hildegunst von Mythenmetz, einem Lindwurm, der als der größte Erzähler Zamoniens gilt, und dessen Roman Moers legiglich in unsere Sprache übertragen hat. :D

Also:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51PB66ZC5XL._SS500_.jpg

Ich finde: ein "must read".

Grüße
Agravain
Agravain (20.11.2009, 16:17):
Original von Jürgen
Original von Agravain
Alle Moers-Romane gelesen, den ersten allerding noch nicht. Kürzlich auf einem Bücherflohmarkt für 'n schlappen Euro gekauft und wieder mitten in Zamonien. Großartig. Für mich wird immer deutlicher: Moers' wildwuchernde Phantasie macht ihn zum Hoffmann des 20./21. Jahrhunderts:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51V42BYF1QL._SS500_.jpg

@Agravain: Sind die anderen Moers-Romane besser?


Grüße
Jürgen

@Jürgen:

"Käptn Blaubär" eingangs gut, gegen Ende immer schwächer, leider. Viele Variationen weniger Einfälle, bisweilen wenig ersprießliche Längen. Wenig ersprießlich besonders, da die Längen wirklich LANG sind...
Mit den ersten paar hundert Seiten ratz fatz durch gewesen, jetzt auf den letzten 80 kann ich mich kaum noch motivieren. Sollte ja im Grunde auch schon längst fertig sein, kann mich aber nicht so recht aufraffen...

VG
Agravain
cellodil (21.11.2009, 01:52):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51TAG9cuoCL._SS400_.jpg

Raymond Chandler, Der lange Abschied
Gelesen von Gert Heidenreich
13 Audio CDs
Verlag: Diogenes Verlag; Auflage: Ungekürzte Lesung. (1. April 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257802471
ISBN-13: 978-3257802474
Originaltitel: The Long Good-Bye


Der Stil, in dem Gert Heidenreich liest, passt für mich hervorragend zu dem typischen Chandler-Stil. Ein wirklicher Hörbuch-Genuss!
jünter (25.11.2009, 19:14):
Vor kurzem von meiner Frau geschenkt bekommen:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783492223768.jpg

Sicher wird auch der/die eine oder andere von euch das Buch kennen.

Die Sorgfalt und Sprachgewandtheit, mit der Kaiser die Eigenheiten und Interpretationen der großen Pianisten offenlegt, ist höchst bewundernswert.

Sehr interessant, mir persönlich allerdings "zu hoch" (ich denke wer das Buch kennt weiss was ich meine).
cellodil (29.11.2009, 01:55):
Original von jünter
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783492223768.jpg

(...)

Sehr interessant, mir persönlich allerdings "zu hoch" (ich denke wer das Buch kennt weiss was ich meine).

Ich kenne das Buch leider nicht, deshalb frage ich nach: Was meinst Du denn mit "zu hoch"?

Danke und liebe Grüße

Sabine
jünter (29.11.2009, 14:49):
Original von cellodil
Ich kenne das Buch leider nicht, deshalb frage ich nach: Was meinst Du denn mit "zu hoch"?

Hallo Sabine, vielleicht hilft Dir folgendes kleine Zitat aus dem Buch weiter:

"Am entschiedensten haben wohl seine Beethoven-Interpretationen kritische Einschränkungen herausgefordert. Wenn Benedetti Michelangeli Beethoven spielt, fragt er mit erlauchter Geschmackskultur, mit einer unbegreiflichen Fülle von Klangfarben, die er manchmal sogar entschieden zurückhält, um einer Tonqualität, einer strengen Monotonie willen: Wieviel Schönheit steckt in dieser Musik? Was bleibt übrig, wenn da kein militanter Wille mehr sein darf, wenn keine Psychologie des Ablaufs mehr direkte Wirkungen erzwingt, wenn kein Keuchen der Seele mehr den Verlauf der Bewegungen belädt? Es ist ein Moment von betörender, unirdischer, ja eigentlich sogar hysterischer Ruhe in Benedetti Michelangelis Beethoven. Die Leidenslinien, die Ausprägungen eines wüsten Komponistenwillens scheinen erstarrt zur Vollendung in Marmor. Nie hätte man geahnt, dass der erste Satz der Es-Dur-Sonate op. 7 (auch) so viel Linienzauber enthält, (auch) so viel Bewegungssymmetrik, so viel reines Licht."

Mir persönlich ist das insofern "zu hoch", als dass ich auf einem derartigen Niveau der Interpretationsexegese wohl niemals auch nur annähernd werde mitreden können.

Gruß, Wolfgang
cellodil (29.11.2009, 15:28):
... "hoch", aber auch ein wenig albern vielleicht...

http://www.smiliegifs.de/SMILIES/Lachen/390.gif

... das sind so Texte, die auch so typisch deutsch sind, finde ich, und denke da immer mit Wehmut an angelsächsische Fachliteratur



Liebe Grüße

Sabine
Agravain (29.11.2009, 15:38):
Original von cellodil
... "hoch", aber auch ein wenig albern vielleicht...

http://www.smiliegifs.de/SMILIES/Lachen/390.gif

... das sind so Texte, die auch so typisch deutsch sind, finde ich, und denke da immer mit Wehmut an angelsächsische Fachliteratur



Liebe Grüße

Sabine

Yes indeed! Ich kann mir nicht helfen, aber kaum, dass ich so einen Text lese, geht mir - Kaiser hin Kaiser her - sofort das despektierliche Wort "Geschwaller" durch den Kopf...

http://www.world-of-smilies.com/wos_ugly/l047.gif
Wooster (29.11.2009, 22:22):
Über derlei stilistische Dinge kann man ja geteilter Meinung sein.

Das Beispiel ist aber in anderer Hinsicht bezeichnend...

Ich habe nämlich den Eindruck, daß Kaiser sehr wenig brauchbare Information vermittelt. Er findet an fast allen Interpretationen irgendwas gutes, aber das wird alles sehr schwammig dargestellt. Vielleicht sehe ich das naiv, aber m.E. muß man für Interpretationsvergleiche, besonders wenn man sie mit der Autorität eines Kritikerpapstes anstellt, eine Konzeption des jeweiligen Stücks haben (die hat Kaiser ganz sicher), idealerweise aufgrund einer eigenen Analyse und die sollte man zuerst kurz skizzieren und dann erklären, wie das Spiel der jeweiligen Pianisten bestimmte Strukturen oder meinetwegen auch Emotionen, Affekte deutlich macht oder ob ein Pianist eben eine andere Konzeption zu haben scheint und inwiefern die plausibel ist.

Ich mag dem Kaiser schwer unrecht tun, da es auch ewig her ist, daß ich das Buch gelesen habe, aber m.E. schwadroniert er blumig und oft recht beliebig über die Interpretationen, ohne dem Leser irgendwas über die Konzeption der Sonate, anhand derer eine gelungene oder weniger gelungene Darstellung gemessen werden soll, mitzuteilen. Er scheint irgendwie davon auszugehen, daß der Leser bereits selbst eine Konzeption besitzt (und dieselbe wie der Autor?!).

Mir fehlt hier das (gemeinsame) Fundament zur Einordnung einer Interpretation. Stattdessen eben hochgestochenes und blumiges, aber sehr weit vom musikalischen Geschehen entferntes Geschwafel wie in dem Bsp.
"Bewegungssymmetrik" ist einfach Quatsch, sorry. Was meint er damit? Eine Fusion von "Symmetrie" und "Metrik"? Was bedeutet das in musikalischen Begriffen von Rhythmus, Metrum, "Puls" einerseits und symmetrischen/asymmetrischen Phrasen und Perioden andererseits? Ich fürchte, er meint garnix. Da er den Leser nicht mit musikalischen Fachtermini verprellen will, wählt er eine blumige Sprache, die, sofern man die jeweilige Interpretation nicht kennt, allerdings sehr wenig vermittelt.

Das einzige, was ich (in Unkenntnis der Interpretation Michelangelis) aus dem Zitat erahnen kann, ist, daß es sich um eine unkonventionelle Interpretation handelt, die ungewöhnliche Seiten des Satzes aufdeckt. Oder ihn vielleicht völlig verfehlt, aber dennoch fasziniert? Oder was?

?(

Wooster
jünter (30.11.2009, 17:08):
Original von Wooster
Das einzige, was ich (in Unkenntnis der Interpretation Michelangelis) aus dem Zitat erahnen kann, ist, daß es sich um eine unkonventionelle Interpretation handelt, die ungewöhnliche Seiten des Satzes aufdeckt. Oder ihn vielleicht völlig verfehlt, aber dennoch fasziniert? Oder was?

Tja, das weiss ich auch nicht.

Im übrigen kann ich mich Deinen Ausführungen zur Bewertung des Buchs ohne Einschränkung anschliessen.

Das "Schwesterwerk" "Grosse Geiger" von Harald Eggebrecht liegt noch auf Vorrat bei mir und wartet auf seine Lektüre. Bin gespannt, ob ich damit mehr anfangen kann.

Gruß, jünter
kreisler (30.11.2009, 23:01):
Original von jünter
Was bleibt übrig, wenn da kein militanter Wille mehr sein darf, wenn keine Psychologie des Ablaufs mehr direkte Wirkungen erzwingt, wenn kein Keuchen der Seele mehr den Verlauf der Bewegungen belädt?

So freilich bin auch ich kein uneingeschränkter "Kaiser-Jünger" aber ich muss doch sagen, so ganz ohne finde ich diese zeile doch nicht :D

also freilich mag das etwas geschwollen, überladen oder sonst was sein, aber letztendlich trifft er für mich dann doch den kern: Nämlich dass Michelangeli hier eher nicht beethoven´s "Werkidee" wiedergibt sondern eben ganz anders an diese Musik herangeht.

Letztendlich sind mir solche Kritiker lieber, die so blumig daherreden, als die, die das ewig gleiche Fachjargon verwenden, da man bei ersteren zuweilen doch noch einen neuen Gedanken findet...

lg kreisler
Wooster (01.12.2009, 13:31):
Aber was ist denn "Beethovens Werkidee" bzw. Kaisers eigene und/oder dem Hörer unterstellte Idee dieser Idee?
Wird sie durch den Beinamen "Die Verliebte", den man der Sonate manchmal beigelegt hat, ausgedrückt? Wie paßt dazu "militanter Wille"?
Und inwiefern ist Michelangeli anders (daß er anders ist, ist ja tatsächlich das Einzige, was man recht problemlos aus den Zeilen herausbringen kann)?

Natürlich kann man die Anmerkungen irgendwie mit der Musik und mit der diskutierten Interpretation verknüpfen. Aber doch viel zu vage. Ich will doch nach der Lektüre einer Rezension u.a. wissen, ob es sich für mich lohnt, z.B. eine CD dieser Interpretation zu kaufen und auch ungefähr, was mich erwartet. Was mich, soweit ich das in Erinnerung habe und wozu das Zitat gut paßt, an Kaisers Zugang am meisten stört, ist gar nicht mal die blumige Sprache (wiewohl ich die ebenfalls aufgesetzt finde), sondern daß die Basis für eine Beurteilung der Interpretation nicht klar ist.
Er kann doch nicht so tun, als ob es eine unstrittige gemeinsame Sichtweise des Werks gäbe, dessen Interpretationen er diskutiert und dem Leser/Hörer nahebringen will.

Wooster
ab (01.12.2009, 14:06):
Ist eigentlich Kaisers Beethoven-Buch inzwischen wieder greifbar? Ich habe gehört, es sei deutlich besser als das über die großen Pianisten.

Danke! :hello
kreisler (01.12.2009, 17:54):
Original von Wooster
Aber was ist denn "Beethovens Werkidee" bzw. Kaisers eigene und/oder dem Hörer unterstellte Idee dieser Idee?
Wird sie durch den Beinamen "Die Verliebte", den man der Sonate manchmal beigelegt hat, ausgedrückt? Wie paßt dazu "militanter Wille"?
Und inwiefern ist Michelangeli anders (daß er anders ist, ist ja tatsächlich das Einzige, was man recht problemlos aus den Zeilen herausbringen kann)?

Natürlich kann man die Anmerkungen irgendwie mit der Musik und mit der diskutierten Interpretation verknüpfen. Aber doch viel zu vage. Ich will doch nach der Lektüre einer Rezension u.a. wissen, ob es sich für mich lohnt, z.B. eine CD dieser Interpretation zu kaufen und auch ungefähr, was mich erwartet. Was mich, soweit ich das in Erinnerung habe und wozu das Zitat gut paßt, an Kaisers Zugang am meisten stört, ist gar nicht mal die blumige Sprache (wiewohl ich die ebenfalls aufgesetzt finde), sondern daß die Basis für eine Beurteilung der Interpretation nicht klar ist.
Er kann doch nicht so tun, als ob es eine unstrittige gemeinsame Sichtweise des Werks gäbe, dessen Interpretationen er diskutiert und dem Leser/Hörer nahebringen will.

Wooster

Freilich empfindet jeder die Musik anders, aber man kann doch auch nicht vollkommen abstreiten, dass jede Beethovensonate eine doch alles in allem recht eindeutige Form und "Komposintionswillen" aufweist. Op. 7 zeichnet sich bsp. im ersten Satz durch die vielen fließenden Bewegungen aus (6/8 takt! ect.) oder etwas durch die sehr lange Schlussgruppe, was einen lyrisch-entwickelnden Charakter geradezu indiziert (so meine ich, ich lasse mich aber auch gern eines besseren belehren!)
Alles in allem sticht aber deutlich dass klassische Sonatenprinzip heraus. Das wäre hier wohl so ein Aspekt den Kaiser für sehr beethoven´sch hält (und der es ja auch ist!).
Michelangeli spielt das ganze aber in einem langsamen tempo bei dem kaum Formwille erkennbar ist sondern viel mehr - durchaus passend ausgedrückt - "marmorhaft".

Ich denke von solch Grundlegenden dingen muss ein Kritiker ausgehen können und das tut Kaiser meines erachtens ja auch, deswegen verstehe ich deine Kritik, dass eine Basis fehlt, nicht so ganz vollkommen :)

Ich denke halt Kaise will - und das Unterstelle ich ihm ja eine gewisse Arroganz - eben nicht nur kurz vor dem CD-Kauf gelesen werden :wink

Grüße,
Kreisler
Agravain (02.12.2009, 09:07):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51630CJD73L._SS500_.jpg
Jeremias (02.12.2009, 09:49):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41WcLE3Uq7L._SL500_AA240_.jpg
Gerion (06.12.2009, 11:06):
Original von ab
Ist eigentlich Kaisers Beethoven-Buch inzwischen wieder greifbar? Ich habe gehört, es sei deutlich besser als das über die großen Pianisten.

Danke! :hello

Lieber ab,

meinst Du "Beethovens Klaviersonaten und ihre Interpreten"? Das sah ich nur einige Male auf dem Marketplace zu doch eher unattraktiven Preisen.

Grüße
Gerion
cellodil (06.12.2009, 22:14):
Original von cellodil
Das lange Warten auf das neue Buch von John Irving hat endlich ein Ende... Gerade angefangen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41TE08dmkxL._SS500_.jpg

John Irving, Last Night in Twisted River
Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
Verlag: Bloomsbury Publishing (19. Oktober 2009)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 1408801841
ISBN-13: 978-1408801840

Der letzte Irving-Roman, Until I Find You, war neben A Widow for One Year eines der jüngeren Irving-Bücher, die es in die Runde meiner liebsten Irvings geschafft hat. Mal sehen, ob dieser jetzt auch das Zeug dazu hat.

... nachdem ich das Buch inzwischen zu Ende gelesen habe, würde ich Last Night in Twisted River nicht unbedingt in die Runde meiner Lieblingsbücher von John Irving aufnehmen.

Ein wenig mag das daran liegen, dass ich den Roman nicht "in einem Rutsch" lesen konnte, dass ich nicht dranbleiben konnte, sondern bei der Lektüre längere Pausen machen musste. Allerdings war es nie schwer, wieder in den insgesamt etwas trägen Fluss dieses Buches hineinzufinden.

Die zentrale Figur in Irvings Roman ist - ähnlich wie in The World according to Garp - ein Schriftsteller, dessen Familiengeschichte und -verhältnisse diverse Besonderheiten aufweisen. Wie Garp ist auch Last Night in Twisted River (zumindest in meinen Augen) ein Buch über das Schreiben von Büchern, über das Verhältnis von (autobiographischer) Realität und Fiktion. Die Konstruktion ist dabei durchaus raffiniert und hat einen gewissen Witz, weil Irvings Hauptfigur Danny am Ende dabei ist, das Buch, das wir gerade lesen (und fast zu Ende gelesen haben) zu entwickeln und zu schreiben. Insofern ist die Konstruktion (mit einem "Engel" am Anfang und am Ende der Geschichte) durchaus rund und sehr durchdacht und stimmig.

Die äußere Handlung ist dafür eher dürftig und lässt sich in knappen Worten fassen: Weil der Junge Danny die Geliebte seines Vaters mit einem Bären verwechselt und diese während des Beischlafs mit dem Vater erschlägt, müssen Vater und Sohn aus "Twisted River", einer Holzfällersiedlung im Norden der USA, über Nacht flüchten und untertauchen. Es beginnt ein (fast) lebenslanges Versteckspiel an diversen Orten in den USA und Kanada, das am Ende nur Danny, der inzwischen zum Bestsellerautor avanciert ist, überlebt.
Agravain (06.12.2009, 22:17):
Als Vorbereitung auf ein Seminar, das ich im Februar zu halten habe, mal wieder:

http://www.booksofwonder.com/images/140087.dd.jpg
Heike (07.12.2009, 23:02):
sehr unpassend zu Weihnachten:



Stephan Harbort: Das Serienmörder-Prinzip: Was zwingt Menschen zum Bösen?
Stephan Harbort, bekanntester Serienmord-Experte Deutschlands, hat mit mehr als 50 Serienmördern gesprochen und schildert die spektakulärsten Fälle der vergangenen Jahre. Dabei zeigt sich, dass kein idealtypisches Täterprofil existiert. Und doch gibt es Gemeinsamkeiten. Nach fünfzehnjähriger Forschungsarbeit ist es Stephan Harbort gelungen, den Code des Bösen zu entschlüsseln. Er deckt Ursache und Wirkung des Phänomens Serienmord auf. (Quelle: amazon.de)

Sehr fesselnd, mitunter grausam und beklemmend, aber nicht reißerisch.
Gerion (07.12.2009, 23:33):
Sagt mal, hat jemand von Euch sich schon an "Unendlicher Spaß" von David Foster Wallace gewagt? Wenn ja, im Original oder in der (angeblich ja hervorragenden) Übersetzung?

Abendliche Grüße
Gerion
cellodil (08.12.2009, 10:32):
Nachdem ich von Nicholls neuem Roman Zwei an einem Tag und von Ewig Zweiter ziemlich angetan war (gut gemachte Unterhaltung), jetzt zum Entspannen vom Jahresendspurt:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51ifLuzWgNL._SS500_.jpg

David Nicholls, Keine weiteren Fragen
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453810546
ISBN-13: 978-3453810549
Originaltitel: Starter For Ten

... habe letzte Nacht die ersten 30 Seiten gelesen und bis jetzt scheint das Buch meine Erwartungen recht gut zu erfüllen
cellodil (13.12.2009, 08:31):
Nebenbei derzeit:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/31qsbeIdcaL._SS400_.jpg

Louis Begley, Schmidt
Gelesen von Mario Adorf
Verlag: Random House Audio Editionen (27. September 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866047509
ISBN-13: 978-3866047501
Größe und/oder Gewicht: 14 x 12,6 x 2,4 cm

Adorfs Genuschel ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich mal eingehört hat, dann zieht einen Begleys Text doch sehr in Bann.
Armin70 (15.12.2009, 07:12):


Herrlich komische und z. T. skurrile Geschichten und Anekdoten über berühmte Komponisten und Solisten.

Z. B.:
"Wilhelm Furtwängler, der für seine eigenartigen Dirigierbewegungen bekannt und gefürchtet war, dirigierte zum ersten Mal als Gastdirigent ein fremdes Orchester. Bei der ersten Probe wollte schon der 1. Einsatz nicht klappen. Zaghaft flüsterte der 1. Konzertmeister zu Furtwängler..."Maestro entschuldigen sie aber bei welchem Zacken von ihrem Blitz sollen wir einsetzen....???"

oder

"Ein Cellist war mal bei reichen Leuten zum Diner eingeladen. Normalerweise war es üblich, dass nach dem üppigen Essen dann eine Kostprobe des Könnens gegeben wird. Als der Cellist gebeten wurde, auch etwas zu spielen sagte er trocken "entschuldigen sie aber mein Cello habe ich zu Hause gelassen....es hatte keinen Hunger..."

einen hab ich noch:

"Ein junger Komponist schaffte es, dass sich Johannes Brahms eine seiner Kompositionen anschaut. Brahms studierte ausgiebig die Komposition und sagte kein Wort. Der junge Mann wurde immer nervöser und rutschte auf dem Sessel hin und her. Schliesslich sagte Brahms zu dem jungen Mann: Menschenskinder, wo haben sie denn nur dieses schöne Notenpapier her ?"


Verlag: Bechtle, 7. Auflage
bei amazon: ASIN B002AY9HAS
cellodil (21.12.2009, 00:15):
Nachdem ich Mario Adorfs Genuschel nun doch leid war, versuch ich's jetzt mal mit Daniel Brühl und Stephen Frys "Lügner":

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51dJg9ezuuL._SS500_.jpg

Stephen Fry, Der Lügner
gelesen von Daniel Brühl
4 Audio CDs
Verlag: Random House Audio Editionen
ISBN-10: 3866047606
ISBN-13: 978-3866047600

... klingt bis jetzt ganz gut. Mal sehen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt.
cellodil (25.12.2009, 10:24):
Fiel mir vorgestern noch in meinem Buchladen in die Hände:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41WtDolLBPL._SS500_.jpg

Armistead Maupin, Michael Tolliver lebt: Die neuesten Stadtgeschichten
OT: Michael Tolliver Lives
320 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb. (2. Januar 2010)
ISBN-10: 3499247062
ISBN-13: 978-3499247064

Die legendären Stadtgeschichten von Armistead Maupin, eine schräge Soap-Opera der literarischen Sorte, erschienen zuerst als Fortsetzungsroman im San Francisco Chronicle, später dann auch in Buchform. Mit Michael Tolliver lebt: Die neuesten Stadtgeschichten lässt Maupin nun seinen Helden, den HIV-positiven Gärtner Michael Tolliver und andere Helden der Stadtgeschichten wiederauferstehen.

Tolliver, der inzwischen den deutlich jüngeren Ben geheiratert hat, ist immer noch Gärtner, aber ein paar Pfunde schwerer als vor zwanzig Jahren. Tollivers mütterliche Freundin Anna, die in ihrem früheren Leben ein Mann war, erholt sich gerade von einem Schlaganfall und ist immer noch die lebenskluge grande dame der Szene. Und Brian, der Tollivers Baumschule übernommen hat, träumt inzwischen vom Ruhestand und vom eigenen Wohnmobil. Brians Tochter Shawna ist derzeit als investigative Journalistin im Milieu gewerkschaftlich organisierter Peepshowgirls unterwegs, die mit dem Slogan "zahlt uns mehr weil's geiler macht" Mindestlöhne im voyeuristischen Sexgewerbe durchsetzen konnten. Nach der Woche als Wallraff der Peepshow wird sich Shawna dann mit Männern, die gerne Frauenunterwäsche tragen beschäftigen. Und für Tolliver und seinen Mann Ben steht eine Reise zu Tollivers ultrakonservativer Familie in die Südstaaten an, die das Jahrzehnte zurückliegende Outing von Michael nach Kräften zu ignorieren versucht...
cellodil (26.12.2009, 10:26):
Original von cellodil
Nachdem ich Mario Adorfs Genuschel nun doch leid war, versuch ich's jetzt mal mit Daniel Brühl und Stephen Frys "Lügner":

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51dJg9ezuuL._SS500_.jpg

Stephen Fry, Der Lügner
gelesen von Daniel Brühl
4 Audio CDs
Verlag: Random House Audio Editionen
ISBN-10: 3866047606
ISBN-13: 978-3866047600

... klingt bis jetzt ganz gut. Mal sehen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt.

Gut gelesen, aber leider richtig schlecht gekürzt und deshalb nicht empfehlenswert.
cellodil (28.12.2009, 14:17):
Letzte Nacht angefangen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51N6YN68BXL._SS500_.jpg

Vikram Seth, Verwandte Stimmen
OT: An Equal Music
Taschenbuch: 477 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb.; Auflage: 4., Aufl. (November 2006)
ISBN-10: 3499229994
ISBN-13: 978-3499229992

Michael (ca. Ende 30/Anfang 40), der Ich-Erzähler von Seths Roman, ist Sohn eines Metzgers und zweiter Geiger des Londoner Maggioer Quartetts. Sein Leben scheint in geordneten Bahnen zu verlaufen: Proben mit dem Quartett, eine leidenschaftslose Affäre mit seiner jungen Geigenschülerin Virginie, Besuch bei seinem verwitweten Vater im Norden Englands, eine eigene Wohnung in der Londonder City... Wäre da nicht Julia, eine Pianistin, mit der Michael eine leidenschaftliche Liebe zu seinen Studienzeiten verbunden hatte. Eine Liebe, die ein nicht näher bezeichnetes desaströses Ende nahm. Julia ist in Michaels Gedanken ständig präsent. Dann sieht er sie nach fast zwanzig Jahren zufällig in einem Bus in London. Oder besser: Er glaubt, sie gesehen zu haben...

Zwischenbilanz nach ca. 100 Seiten Lektüre: Ein schöner, gut geschriebener, zugleich amüsanter, aber auch geheimnisvoll berührender Musikerroman.
cellodil (03.01.2010, 00:15):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51SIqjiuKoL._SS500_.jpg

Jane Austen, Stolz und Vorurteil
gelesen von Eva Mattes
11 Audio CDs
Verlag: Argon Verlag GmbH; Auflage: 1 (14. Juli 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866108265
ISBN-13: 978-3866108264
Originaltitel: Pride and Prejudice

... Eva Mattes als Tatort-Kommissarin ist wohl Geschmackssache, aber lesen kann sie ganz wunderbar. Austens Verstand und Gefühl war ein ausgesprochenes Vergnügen. Und jetzt freue ich mich auf ein Wiederhören mit Mister Darcy und Co.
Fairy Queen (04.01.2010, 07:13):
Ich habe gerade - per Hörbuch-
Puschkin "Pique Dame"
gelesen.
Die Vorlage der gleichnamigen Oper von Peter Tschaikowsky ist eine spannende kurze "Grusel-"Geschichte, die an schwarze Romantik erinnert.Sie erzählt von den fatalen Folgen der Kartenspielsucht bzw der Gier nach Geld im romantischen Russland.
Pique Dame ist zusammen mit anderne Erzählungen ruissischer Meister in einer Hörbuch-Box, die hier mit Bild einzustellen mir hoffentlich noch gelingen wird- bisher schaffe ich das leider trotz PN von ab noch nicht.
Wenn mir jermand für Dummies erklärt, was eine URL Nummer ist und wie man die kopieren muss... ?(

Euphonia
Armin70 (04.01.2010, 08:05):
Original von Euphonia
Wenn mir jermand für Dummies erklärt, was eine URL Nummer ist und wie man die kopieren muss... ?(

Euphonia

Hallo Euphonia,

die URL-Nummer ist vereinfacht ausgedrückt die Web-Adresse einer Internetseite bzw. eines Bildes, das auf einer Internetseite abgebildet ist.

Am einfachsten ist es, wenn Du z. B. bei amazon oder woanders ein CD- bzw. Buchcover zum vergrößern anklickst, so dass es sich in einem neuen Fenster öffnet. Dann gehst Du mit dem Cursor auf das vergrößerte Cover und klickst auf die rechte Maustaste und dann auf "Eigenschaften". Das steht ganz unten. Dann öffnet sich ein Extrafenster mit den Eigenschaften des Bildes und u. a. steht da auch die Adresse (URL). Die kopierst du komplett.

Das Hineinkopieren hier in dem Beitrag geschieht dann folgendermassen:

Als erstes muss folgendes eingegeben werden:
- wichtig sind die eckigen Klammern, keine runden Klammern !
- direkt dahinter kommt dann die kopierte Internetadresse des Bildes
- dahinter kommt dann folgende Eingabe: auch hier müssen wieder eckige und keine runden Klammern benutzt werden.

So könnte das dann z. B. aussehen:



Zur Verdeutlichung sieht das so aus

Ich hoffe, dass ich mich einigermassen verständlich ausgedrückt habe. Ansonsten steht das auch noch mal detaillierter hier im "Hinterzimmer" unter "Tools".

Gruß
Armin :hello
Fairy Queen (04.01.2010, 11:04):
Danke, lieber Armin, das ist sehr nett von Dir, werde es gleich mit der CD versuchen, die ich gerade höre! :thanks
Agravain (06.01.2010, 18:52):
Wieder einmal für mein Tolkien-Seminar, diesmal die aus dem Silmarillion bereits bekannte, hier deutlich elaborierte Darstellung der durchaus tragischen Ereignisse um Húrin und seine Kinder Túrin und Nienor:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51R-A5DRbWL._SS500_.jpg
Fairy Queen (07.01.2010, 08:38):
Ich habe gerade als Hörbuch gehört, auch wenn ich hier das preisiwerte Buch einstelle:

Wilhelm Raabe: Die Holunderblüte





Ein altgewordener Arzt erinnert sich angesichts des Tods einer jungen Patientin an eine prängede Begegnung mit einem geheimnisvollen jüdischen Mädchen in Prag in seiner Studentenzeit.
Sehr schön erzählt und mit dem Schimmer von Melancholie, Wehmut und Lebensweisheit, den nur eine lange Lebenserfahrung haben kann.

Euphonia
ab (07.01.2010, 14:54):
Seit Jahren schon möchte ich gerne "Der Schüdderump" von Wilhelm Raabe lesen, aber derzeit ist es nicht lieferbar und in meinem geerbten Buch leider nicht enthalten....

So habe ich über den Jahreswechsel zu einem Weihnachtsgeschenk, das meine Frau bekommen hat, gegriffen:

Atemschaukel von Herta Müller

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/9783446233911.jpg
Agravain (07.01.2010, 16:17):
Original von ab
Seit Jahren schon möchte ich gerne "Der Schüdderump" von Wilhelm Raabe lesen, aber derzeit ist es nicht lieferbar und in meinem geerbten Buch leider nicht enthalten....

So habe ich über den Jahreswechsel zu einem Weihnachtsgeschenk, das meine Frau bekommen hat, gegriffen:

Atemschaukel von Herta Müller

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/9783446233911.jpg

Schau in Punkto Schüdderump doch mal HIER.
ab (08.01.2010, 08:39):
Ja, zvab ist mir schon öfters eine nützliche Web-Seite gewesen! :hello
cellodil (08.01.2010, 08:50):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/519lRO%2BesRL._SL500_AA240_.jpg

Steffen Möller, Vita classica: Bekenntnisse eines Andershörenden
Broschiert: 478 Seiten
Verlag: Scherz; Auflage: 2 (2. September 2009)
ISBN-10: 3502151687
ISBN-13: 978-3502151685

Gestern abend angefangen und bis jetzt recht amüsant, dieses Outing eines Andershörenden.
Gerion (08.01.2010, 12:14):
Liebe Sabine,

das Buch lese ich auch gerade. Bin gespannt auf Deine Einschätzung. Bin bald durch und werde dann hier posten.

Grüße
Gerion
Jeremias (08.01.2010, 14:32):
Original von Agravain
Original von ab
Seit Jahren schon möchte ich gerne "Der Schüdderump" von Wilhelm Raabe lesen, aber derzeit ist es nicht lieferbar und in meinem geerbten Buch leider nicht enthalten....

So habe ich über den Jahreswechsel zu einem Weihnachtsgeschenk, das meine Frau bekommen hat, gegriffen:

Atemschaukel von Herta Müller

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/9783446233911.jpg

Schau in Punkto Schüdderump doch mal HIER.

Oder wie wäre es mit Ebay?

http://shop.ebay.de/i.html?_nkw=Sch%C3%BCdderump&_sacat=0&_trksid=p3286.m270.l1313&_odkw=Sch%C3%BCdderrump&_osacat=0
cellodil (08.01.2010, 19:00):
Original von Gerion
Liebe Sabine,

das Buch lese ich auch gerade. Bin gespannt auf Deine Einschätzung. Bin bald durch und werde dann hier posten.

Grüße
Gerion

:hello Gerion,

das ist ja witzig. Bei mir war's ein Weihnachtsgeschenk. Bei Dir auch?

Bin auch gespannt, was Du davon hältst.

Liebe Grüße

Sabine
nikolaus (08.01.2010, 22:51):
So, gerade zu Ende gelesen:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783100448118.jpg

Beschreibung:
T. S. Spivet ist zwölf Jahre alt und ein genialer Kartograph. Denn er weiß genau, dass nichts von Dauer ist. Der Whiskykonsum seines Vaters wird ebenso in Diagrammen festgehalten wie die Anatomie von Glühwürmchen. Inmitten seiner merkwürdigen Familie lebt er auf einer Ranch in einem flachen Tal in Montana. Und eines Nachts begibt sich T.S. auf die Reise nach Washington und damit in ein unglaubliches Abenteuer.
Reif Larsens Debüt ist ein Juwel: Ein mit vielen Karten und wundervollen Zeichnungen versehener Roman über Freundschaft, Kindheit, Schuld und über Zuhausesein. Ergreifend, geheimnisvoll und verspielt, ein wahres Feuerwerk von Gefühlen und Ideen.

Ich bin ganz begeistert von diesem Buch: es steckt voller Phantasie und ist gleichzeitig voller Wahrheit.
Es hat mir ungeheuer viel Spaß gemacht, es zu lesen. Die Geschichte ist eigentlich abstrus, aber so liebevoll und detailreich erzählt, das macht einfach Freude!

Und wenn man bedenkt, dass der Autor 80er Jahrgang ist und er es als Student geschrieben hat... :down

Nikolaus.
cellodil (09.01.2010, 10:55):
Lieber Nikolaus,

das kling so verführerisch, dass ich das Buch umgehend bestellen musste.

Liebe Grüße

Sabine
Severina (13.01.2010, 18:01):
Daniel Kehlmann, Ruhm

10 scheinbar eigenständige Geschichten, die aber auf eine raffinierte Weise miteinander in Beziehung stehen (oft nur durch einen gemeinsamen Buchtitel) und alle um das Problem der Identität kreisen: Was definiert mich als der, der ich bin? Was kann meine Identität gefährden? Kann man zwei Leben führen? Besonders faszinierend finde ich die Geschichte eines Internetfreaks, für den die Grenzen zwischen realer und fiktiver Welt immer mehr verschwimmen und in der Kehlmann sehr gelungen die verstümmelte Kunstsprache der Chatter imitiert.
lg Severina :hello

PS: Bin leider zu doof zum Covereinstellen :S
ab (13.01.2010, 18:10):
Original von Jeremias
Original von Agravain
Original von ab
Seit Jahren schon möchte ich gerne "Der Schüdderump" von Wilhelm Raabe lesen, aber derzeit ist es nicht lieferbar und in meinem geerbten Buch leider nicht enthalten....


Schau in Punkto Schüdderump doch mal HIER.

Oder wie wäre es mit Ebay?

http://shop.ebay.de/i.html?_nkw=Sch%C3%BCdderump&_sacat=0&_trksid=p3286.m270.l1313&_odkw=Sch%C3%BCdderrump&_osacat=0

Danke: Ich habe eine zweibändige Ausgabe, "Die Werke" betitelt, zuhause (leider ungelesen) stehen, in der aber dem zutrotz dieser Roman nicht enthalten ist. Bislang habe ich noch nichts von Raabe gelesen, und will ich auch nicht die Katze im Sack kaufen
:D

Mich interessiert der Schüdderump bloß deshalb, weil es ein frühes Buch sein soll, in dem es um Hässlichkeit geht, etwas was einst ja in der Kunst zuvor als skandalös galt, weil Schönheit nachzubilden gewesen wäre.
:hello
Fairy Queen (14.01.2010, 10:52):
Liebe Sevi, ich habe das Buch auch gelesen oder besser verschlungen und war ziemlich beeindruckt.
Am meisten aufgewühlt hat mich die Geschichte von der Schriftstellerin, die in den URSS Staaten verschollen ist und der kranken Frau, die zum Sterben fuhr. Was ich nciht so ganz verstanden habe, waren die Zusammenhänge und der rote Faden, aber ich habe das Buch nciht selbst sondern gelesen, als ich zu Besuch war und das musste sehr schnell gehen.
Die Story mit dem Internetjunkie war der Hammer, denn ich habe sofort etlche Parallelen zu mir serh bekannten Dingen und Menschen entdeckt...
Unser deutsch ist gortseidank noch deutlich besser und unser reales Leben findet gottseidank noch intensiv statt, aber ansonsten..... :ignore

Euphonia
Jürgen (14.01.2010, 14:16):
Bin soeben mit folgendem Hörbuch fertig geworden:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61hrIZoQZ9L._SL500_AA240_.jpg

Richard Montanari: Heptagon


Nur soviel sei verraten: Der gesuchte Mörder inszeniert den Tötungsakt mitunter dadurch, dass er dabei klassische Musik (ab)spielt. Am liebsten die von mir z.Zt. so geschätzte Bach-Kantate BWV 140 "Wachet auf".

Da hätte er schon was passenderes nehmen können. Z.B. "Der Tod und das Mädchen".


Abgesehen davon ist es gute Unterhaltung, schön spannend.

Grüße
Jürgen
Severina (14.01.2010, 15:45):
Original von Euphonia
Liebe Sevi, ich habe das Buch auch gelesen oder besser verschlungen und war ziemlich beeindruckt.
Am meisten aufgewühlt hat mich die Geschichte von der Schriftstellerin, die in den URSS Staaten verschollen ist und der kranken Frau, die zum Sterben fuhr. Was ich nciht so ganz verstanden habe, waren die Zusammenhänge und der rote Faden, aber ich habe das Buch nciht selbst sondern gelesen, als ich zu Besuch war und das musste sehr schnell gehen.
Die Story mit dem Internetjunkie war der Hammer, denn ich habe sofort etlche Parallelen zu mir serh bekannten Dingen und Menschen entdeckt...
Unser deutsch ist gortseidank noch deutlich besser und unser reales Leben findet gottseidank noch intensiv statt, aber ansonsten..... :ignore

Euphonia

Liebe Euphonia,
das Buch ist äußerst raffiniert gebaut, (Ich liebe solche Bücher!), denn schon in der Eingangsgeschichte werden die Spuren gelegt, die sich durch alle folgenden 9 Kapitel ziehen. Beinahe jede Figur steht mit den anderen in irgendeiner Beziehung, und sei es nur durch den immer wieder auftauchenden Titel eines Lebensratgebers, von dem man bis zum Schluss nicht genau erfährt, was eigentlich drin steht. Manchmal sind die Konnexe sehr stark (Gerd von der ersten Geschichte zu dem Schauspieler Ralf Tanner z.B. oder eben zwischen dem Internetfreak und dem Schriftsteller), manchmal muss man detektivisch suchen. Aber bei jedem Lesen entdecke ich neue Ansätze, es ist wie ein Vexierspiegel.
Ich finde auch die erste Geschichte köstlich, weil ich einmal ähnliches erlebt habe: Auch ich erhielt den Anruf von einem jungen Mann, der sich nur mühsam überzeugen ließ, dass ich nicht die hübsche Blondine bin, die er tags zuvor in einem Lokal kennen gelernt hatte. Die wollte wohl - sehr im Gegensatz zu ihm offensichtlich - die Bekanntschaft nicht vertiefen und gab ihm irgendeine Phantasienummer, unglückseligerweise meine. Was, wenn ich damals aus Jux mitgespielt hätte so wie dieser Gerd? Es macht einen schon nachdenklich, welche Macht einem die neue Technologie in gewisser Hinsicht verleiht und wie ohnmächtig sie auf der anderen Seite auch macht , das sieht man ja auch sehr gut in Internetforen, wo die Gefahr der Schizophrenie bei echten Junkies wohl groß ist.
lg Sevi :hello
cellodil (20.01.2010, 15:30):
Original von cellodil
http://ecx.images-amazon.com/images/I/519lRO%2BesRL._SL500_AA240_.jpg

Steffen Möller, Vita classica: Bekenntnisse eines Andershörenden
Broschiert: 478 Seiten
Verlag: Scherz; Auflage: 2 (2. September 2009)
ISBN-10: 3502151687
ISBN-13: 978-3502151685

Gestern abend angefangen und bis jetzt recht amüsant, dieses Outing eines Andershörenden.

Inzwischen habe ich das Buch zu Ende gelesen. Finde es insgesamt ganz witzig. Sehr schön vor allem der Einstieg, in dem der Autor von seiner Kindheit und Jugend und dem Erwachen seiner scheinbar abnormalen und deshalb zu versteckenden Liebe zur Klassik erzählt. Gegen Ende hätte ich mir allerdings einen etwas beherzteren Lektor gewünscht, da wird der Text dann doch ein bisschen schwerfällig (wenn man von dem im Buch abgedruckten Wortlautinterview Martin Stadtfeld - Stefan Raab einmal absieht, das ist recht kurzweilig, wie Stefan Raab ins Leere läuft) und ein paar Kürzungen hätten dem Buch gut getan. Trotzdem: Durchaus empfehlenswert, wenn man ein bisschen nette Unterhaltungslektüre sucht.
Gerion (20.01.2010, 16:59):
Ich bin noch nicht ganz durch. Was micht stört, ist die Tatsache, dass es in der zweiten Hälfte des Buches (gefühlt) immer weniger um Musik und immer Mehr um die "allgemeine Lebensgeschichte" des Herren geht. Das ist ein bisschen schade. Aber Sabines Empfehlung kann ich mich anschließen.
cellodil (20.01.2010, 21:47):
Original von Gerion
Ich bin noch nicht ganz durch. Was micht stört, ist die Tatsache, dass es in der zweiten Hälfte des Buches (gefühlt) immer weniger um Musik und immer Mehr um die "allgemeine Lebensgeschichte" des Herren geht.

Lieber Gerion,

genau so ging es mir auch.

Liebe Grüße

Sabine
cellodil (20.01.2010, 23:46):
Original von nikolaus
So, gerade zu Ende gelesen:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783100448118.jpg

Beschreibung:
T. S. Spivet ist zwölf Jahre alt und ein genialer Kartograph. Denn er weiß genau, dass nichts von Dauer ist. Der Whiskykonsum seines Vaters wird ebenso in Diagrammen festgehalten wie die Anatomie von Glühwürmchen. Inmitten seiner merkwürdigen Familie lebt er auf einer Ranch in einem flachen Tal in Montana. Und eines Nachts begibt sich T.S. auf die Reise nach Washington und damit in ein unglaubliches Abenteuer.
Reif Larsens Debüt ist ein Juwel: Ein mit vielen Karten und wundervollen Zeichnungen versehener Roman über Freundschaft, Kindheit, Schuld und über Zuhausesein. Ergreifend, geheimnisvoll und verspielt, ein wahres Feuerwerk von Gefühlen und Ideen.

Ich bin ganz begeistert von diesem Buch: es steckt voller Phantasie und ist gleichzeitig voller Wahrheit.
Es hat mir ungeheuer viel Spaß gemacht, es zu lesen. Die Geschichte ist eigentlich abstrus, aber so liebevoll und detailreich erzählt, das macht einfach Freude!

Und wenn man bedenkt, dass der Autor 80er Jahrgang ist und er es als Student geschrieben hat... :down

Nikolaus.

Lieber Nikolaus,

ich habe gestern mit der Lektüre begonnen. Macht wirklich Freude. Und es ist nicht nur ein schön geschriebenes, sondern mit den ganzen Zeichnungen auch ein überaus liebevoll gemachtes, besonderes Buch.

:thanks für die tolle Empfehlung

und liebe Grüße

Sabine
Severina (21.01.2010, 17:02):
Gleich zwei begeisterte Stimmen - da muss dieses Buch nun ganz nach oben auf meiner Wunschliste! Danke Euch für diesen Tipp!
lg Severina :hello
cellodil (22.01.2010, 12:51):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51W-NYqFfIL._SS500_.jpg

Reif Larsen, Die Karte meiner Träume
Gebundene Ausgabe: 435 Seiten
Verlag: Fischer (S.), Frankfurt; Auflage: 3 (21. September 2009)
ISBN-10: 3100448111
ISBN-13: 978-3100448118
Originaltitel: The Selected Works of T.S. Spivet

Inzwischen bin ich bei meiner Lektüre etwas weiter fortgeschritten. Und ich komme zu dem Schluss, dass man dieses Buch vermutlich mehrmals lesen sollte, weil es auch viele Annäherungsmöglichkeiten zulässt.

Da ist einerseits der Fließtext des Romans, der durchgängig weitererzählt wird. Und dann sind da die vielen Schmankerl am (sehr breiten) Seitenrand. Das sind einerseits Zeichnungen, andererseits aber auch gar nicht so kurze Texte, die als assoziative Ergänzung, als Kommentar zur eigentlichen Romanhandlung verstanden werden können, die auch durch Pfeile immer mit bestimmten Stellen im Fließtext verlinkt sind.

Der Leser befindet sich dadurch in einem dauernden Entscheidungskonflikt, entweder der Romanhandlung zu folgen und die Randbemerkungen weitgehend zu ignorieren oder immer wieder vom Hauptstrang abzuschweifen, um sich dann wieder (wo waren wir gerade?) - bis zur nächsten Unterbrechung - in die Romangeschichte hineinzulesen. Folgt man den Nebenpfaden, dann kommt die Geschichte nicht richtig in Fluss, stockt immer wieder. Liest man eher "geradeaus", dann hat man immer unterschwellig das Gefühl, etwas (womöglich doch Wesentliches) verpasst zu haben.

Ich glaube, es wäre am besten, den Roman einmal einfach durchzulesen (so lang ist er ja nicht) und dann in einem zweiten Anlauf die Randbemerkungen mit hineinzunehmen.

P.S. :hello Liebe Severina,

da tust Du gut damit, das Buch auf den Wunschzettel zu schreiben. Ist wirklich schön und spannend zu lesen.
Fairy Queen (01.02.2010, 08:15):


Zum Geburtstag bekommen und serh angetan von dieser Reise durch de Philosophie!

Alte, immergültige und auch ganz neue Fragen werden verständlich, aber serh klug beleuchtetund von verschiedenen Standpunkten aus betrachtet. Man lernt serh viel über den neuesten Stand der Hirnforschung und deren Wirkungen auf die Anthropologie, Erkenntnisthoerie, Moralpholosophie etc.

Überraschend, wie einfach man komplizierteste Zusammenhänge auch für philosophische Nicht-Schwimmer erklären kann.
Und nebenbei macht man einen unterhaltsamen Lehrgang durch die Philosophiegeschichte und erfährt eine ganze Menge über Descartes, Kant, Nietzsche, Wittgenstein, Schopenhauer usw usw.
cellodil (01.02.2010, 09:25):
Nach Buch, wunderbar trashig-schräger BBC-TV-Serie und mäßigem Kinofilm jetzt für mich die vierte Variante von Douglas Adams' "Per Anhalter durch die Galaxis":

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51GwFwu9QkL._SS500_.jpg

Douglas Adams, Per Anhalter durch die Galaxis
Übersetzung: Benjamin Schwarz
Gelesen von Christian Ulmen
Der Hörverlag DHV (20. Februar 2009), Vollständige Lesung, 5 CDs
ISBN-10: 3867173699
ISBN-13: 978-3867173698

Sehr schön gelesen und der Text ist einfach immer wieder gut... Freue mich schon auf die Wiederbegegnung mit dem depressiven Roboter Marvin...
cellodil (01.02.2010, 09:38):
Original von Fairy Queen


Zum Geburtstag bekommen und serh angetan von dieser Reise durch de Philosophie!

Alte, immergültige und auch ganz neue Fragen werden verständlich, aber serh klug beleuchtetund von verschiedenen Standpunkten aus betrachtet. Man lernt serh viel über den neuesten Stand der Hirnforschung und deren Wirkungen auf die Anthropologie, Erkenntnisthoerie, Moralpholosophie etc.

Überraschend, wie einfach man komplizierteste Zusammenhänge auch für philosophische Nicht-Schwimmer erklären kann.
Und nebenbei macht man einen unterhaltsamen Lehrgang durch die Philosophiegeschichte und erfährt eine ganze Menge über Descartes, Kant, Nietzsche, Wittgenstein, Schopenhauer usw usw.

Liebe Fairy Queen,

kennst Du auch das andere Buch von Precht? Ich meine dieses:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41-zZNsuvmL._SS500_.jpg
Richard David Precht, Liebe ein unordentliches Gefühl
Verlag: Goldmann Verlag (6. März 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442311845
ISBN-13: 978-3442311842

Das habe ich letztes Jahr im Sommer geschenkt bekommen und durchaus mit einigem Vergnügen gelesen. Finde der Autor schreibt unterhaltsam und spielt ganz virtuos auf der Klaviatur der Wissenschaftskritik, auch wenn sich der Erkenntnisgewinn insgesamt eher in Grenzen hält.

Liebe Grüße

Sabine
Fairy Queen (01.02.2010, 11:59):
Liebe Sabine, nein, das kenne ich noch nicht. Da ich aber unordentliche Gefühle gerne ordne(eher bei Adneren als bei mir selbst.....) wäre das evtl genau richtig für mich. :wink Danke für den Tipp.
F.Q.
cellodil (01.02.2010, 12:02):
Original von Fairy Queen
Da ich aber unordentliche Gefühle gerne ordne(eher bei Adneren als bei mir selbst.....) wäre das evtl genau richtig für mich.

Liebe Fairy Queen,

ich fürchte, dass Dir das Buch dabei vielleicht doch so keine große Hilfe sein wird. Aber die Lektüre ist, wie gesagt, ganz unterhaltsam.

Liebe Grüße

Sabine
cellodil (01.02.2010, 12:23):
http://www.kiwi-verlag.de/files/buch_web_gross/9783462041323_gr.jpg

Wolfgang Schorlau, Das München-Komplott: Denglers fünfter Fall
Verlag: Kiepenheuer & Witsch, 2. Auflage (2009)
334 Seiten
ISBN-10: 3462041320
ISBN-13: 978-3462041323

Der Stuttgarter Privatermittler und Ex-BKA-Mann Georg Dengler soll im Auftrag des BKA das Attentat auf das Münchner Oktoberfest vom September 1980 erneut untersuchen. Dengler nimmt den Auftrag wegen der Aussicht auf einen gemütlichen Akten-Job an, gerät dann jedoch in ein finsteres Gestrüpp geheimdienstlicher Machenschaften und Intrigen, das ihn fast das Leben kostet.

Ein düsteres Szenario, das Schorlaus Hauptfigur nicht für möglich gehalten hatte, das Detektiv Dengler fast an seinem Fall und der Welt verzweifeln lässt und an das zu glauben auch Autor Wolfgang Schorlau, der seine erfundene Geschichte auf Tatsachen stützt, laut eigenem Bekunden im Nachwort schwerfällt.

Als reines Denkspiel, als fiktionales Werk ist Schorlaus Roman in der Tradition einschlägiger Geheimdienst- und Politthriller seiner Logik zwar weitgehend plausibel. Da Schorlau jedoch (vermutlich wegen der zu erwartenden Aufmerksamkeit) darauf verzichtet, auch den Kontext seiner Romanhandlung zu fiktionalisieren, einen fiktiven Ermittler "echte Fälle" aufklären lässt, entsteht eine im Ergebnis zwar spannend zu lesende, aber auch ungute und (wie ich finde) problematische Vermischung von Realität und Fiktion, in der das eine vom anderen nicht mehr zu trennen ist.

Abgesehen von dieser Problematik ist Schorlaus vorliegender Roman im großen Ganzen ziemlich gelungen. Denglers fünfter Fall ist konzentrierter und weniger ab- und ausschweifend als frühere Kriminalromane des Autors. Die verschiedenen Handlungsstränge greifen alles in allem ganz gut ineinander und der erzählerische Spannungsaufbau wirkt insgesamt recht stimmig.

Fazit: Recht spannend und faszinierend, aber auch etwas fragwürdig.
etrawgew (02.02.2010, 15:45):
"Meine Wege durch Himmel und Höllen", von Alexandra David Néel, eine Reisebeschreibung der besonderen Art!
Eine Junge Französin hat sich kurz nach dem ersten Weltkrieg einen Lebenstraum erfüllt. Sie durchquerte Tibet zu Fuß, in Begleitung eines Rotmützenmönchs, um in die heilige Stadt Lhasa zu gelangen, die für alle Fremden bei Todesstrafe verboten war.
Eine faszinierende Frau und ein spannendes Buch!
Mit lieben Grüßen
Etrawgew.
Heike (03.02.2010, 18:58):


Malte Korff
Johannes Brahms - Leben und Werk

Eine gut lesbare, populäre Biographie, fast ein Schmöker. Der Autor verzichtet auf wissenschaftlichen Anspruch, informiert aber recht umfangreich und amüsant über Brahms' Leben und Werk. Ich glaube, es ist eher als Einstieg zu Brahms gedacht, es gibt weder Quellenangaben noch Notenbeispiele, auch die Werkbeschreibungen sind so verständlich gehalten, dass man sie auch als musikalischer Laie noch nachvollziehen kann.

Ich habs gern gelesen und einen guten Gesamtüberblick zum Lebenslauf bekommen, es wird mich wohl anregen, einige Brahms-Werke nochmal auf den Plattenteller zu legen. Manches wie die Lieder habe ich auch bisher arg vernachlässigt, also da wird man schon neugierig.
Heike
etrawgew (06.02.2010, 19:10):
Peter Härtling gibt mit seinem Roman Schumanns Schatten sehr detailierte Einblicke in Schumanns Leben, privat wie auch in der Psychiatrie.
Schumanns Familie hielt bis vor wenigen Jahren seine Krankenakte fest unter Verschluß. Doch Peter Härtling gelang es, nach sehr sensiblen und auch geschickten Gesprächen die jetzigen Nachkommen Schumanns davon zu überzeugen, dass sein Buch über Robert S. auch die "Schattenseiten" seines Lebens dokumetieren sollte.

Das Buch gestaltet sich derart, das Peter Härtling im Wechsel zwischen der Psychatrie - in der Robert S. untergebracht war - und Robert Schumanns Zuhause sein Leben schildert.
Das Buch hat mich sehr tief und sehr nachhaltig bewegt! :down
Wenn ich jetzt noch genau wüßte, wie ich das Buchcover bei JPC copieren kann, so dass ich es in meinem Beitrag einstellen kann, wäre ich rundum zufrieden. :thanks

Mit lieben Grüßen,
Etrawgew. :hello
etrawgew (08.02.2010, 15:17):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/4025796004038.jpg
Schumanns-Schatten
Dank Amadés und Hebres Hilfe :thanks hoffe ich jetzt auch das Coverbild des o.g. Buches von P. Härtling hier einstellen zu können!

Mit lieben Grüßen,
Etrawgew. :hello
etrawgew (08.02.2010, 15:22):
Da ich nun auch in der Lage bin, zu einem genannten Buch das Coverbild einstellen zu können, füge ich natürlich auch umgehend das Bild zu dem Buch: Mein Weg durch Himmel und Höllen, von Alexandra David Néel, hier ein.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783596164585.jpg

Mit lieben Grüßen,
Etrawgew. :hello
cellodil (08.02.2010, 17:26):
Original von etrawgew
Peter Härtling gibt mit seinem Roman Schumanns Schatten sehr detailierte Einblicke in Schumanns Leben, privat wie auch in der Psychiatrie.
Schumanns Familie hielt bis vor wenigen Jahren seine Krankenakte fest unter Verschluß. Doch Peter Härtling gelang es, nach sehr sensiblen und auch geschickten Gesprächen die jetzigen Nachkommen Schumanns davon zu überzeugen, dass sein Buch über Robert S. auch die "Schattenseiten" seines Lebens dokumetieren sollte.

Das Buch gestaltet sich derart, das Peter Härtling im Wechsel zwischen der Psychatrie - in der Robert S. untergebracht war - und Robert Schumanns Zuhause sein Leben schildert.
Das Buch hat mich sehr tief und sehr nachhaltig bewegt! :down

Liebe etrawgew (verknoten sich Dir da nicht die Finger auf der Tastatur, bei diesem Namen?),

mich würde interessieren, was Dich denn an dem Buch so tief bewegt hat.

Ich habe das Buch vor längerer Zeit gelesen und bin nicht so richtig warm geworden mit dem Text. Mir fehlte damals einfach der große erzählerische Bogen. Ganz interessant, aber auch nicht wirklich tragfähig fand ich die Passagen aus der Heilanstalt. Allerdings muss ich zugeben, dass ich auch andere Werke dieses Autors nicht sonderlich schätze.

Liebe Grüße

Sabine
etrawgew (08.02.2010, 18:39):
Original: cellodil

Liebe etrawgew (verknoten sich Dir da nicht die Finger auf der Tastatur, bei diesem Namen?)

Nein, Liebe Sabine, ganz und gar nicht, denn ich spiele Geige! :rofl
Dass Dich das Buch "Schumanns Schatten" nicht sonderlich berührt hat mag tatsächlich daran liegen, dass Dir Härtlings Werke allgemein nicht zusagen!
Ich mag ein paar seiner Werke, so z.B. "Hölderlin - ein Roman", "Waiblingers Augen", dann seine z. T. autobiographischen Erzählungen, "Bozena", "Nachgetragene Liebe", "Niembsch oder der Stillstand" oder "Herzwand":
An dem Buch "Schumanns Schatten" hat mich Schumanns Leben zwischen Genialität und Wahnsinn sehr tief bewegt. Sehr ähnlich erging es mir beim Lesen des Buches "Hölderlin - ein Roamn".
Aber so hat nun mal ein jeder seine eigenen Vorlieben und Abneigungen, und das ist auch gut so. :wink
Mit lieben Grüßen,
Etrawgew - Brigitte. :hello
cellodil (08.02.2010, 19:34):
Original von etrawgew
Original: cellodil

Liebe etrawgew (verknoten sich Dir da nicht die Finger auf der Tastatur, bei diesem Namen?)

Nein, Liebe Sabine, ganz und gar nicht, denn ich spiele Geige! :rofl

:hello liebe Brigitte,

vielleicht sollte ich mir dann auch mal die Tastatur unters Kinn klemmen??? :D

Danke für Deine Antwort zu dem Härtling-Buch. Wahrscheinlich liegt es in dem Fall tatsächlich daran, dass mir der Autor nicht liegt. Manchmal tut sich ja aber in der Begeisterung anderer doch noch ein Türchen oder ein Aufhänger auf, der einen neuen Blick auf den Text eröffnet.

Auf jeden Fall schön, dass Du unsere Lese-Ecke bereicherst.

Liebe Grüße

Sabine
cellodil (08.02.2010, 19:37):
P.S. Wenn Du magst, dann kannst Du Dich ja im Mitgliederbereich mal vorstellen.

Liebe Grüße

Sabine
cellodil (08.02.2010, 19:53):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41nW1%2Bkg6JL._SS500_.jpg

Christian Schünemann, Der Frisör
252 Seiten
Diogenes-Taschenbuch; Auflage: 1., Aufl. (März 2006)
ISBN-10: 3257235097
ISBN-13: 978-3257235098


http://ecx.images-amazon.com/images/I/41ZP7mti8bL._SS500_.jpg

Christian Schünemann, Der Bruder: Ein Fall für den Frisör
273 Seiten
Diogenes-Taschenbuch; Auflage: 1 (Mai 2008)
ISBN-10: 3257237235
ISBN-13: 978-3257237238

Hauptfigur der beiden Krimis von Christian Schünemann ist der Münchner Edelfigaro Tomas Prinz. Weil Prinz immer wieder über Leichen stolpert - mal stirbt eine Kundin, mal ein angeblicher Halbbruder aus einer außerehelichen Beziehung seines verstorbenen Vaters - mutiert er nolens volens und nicht unbedingt zur Freude der ermittelnden Kommissarin zum Hobbyermittler.

Die beiden Fälle sind weder sonderlich aufregend, noch tatsächlich überraschend. Was mir persönlich an den Büchern sehr gut gefällt, das ist Schünemanns Fähigkeit, sich konsequent in die bisweilen etwas haar- und frisurlastige (aber durchaus amüsante und nicht einfältige) Perspektive seines erzählenden Helden Tomas hineinzuversetzen.

Fazit: Nett geschriebene Unterhaltung, die einem ganz bestimmt keine Alpträume macht.
cellodil (08.02.2010, 23:01):
Mal wieder lesen lassen...

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41EZBSJCH7L._SL500_AA240_.jpg

Hugo Bettauer, Der Frauenmörder
gelesen von Ulrich Tukur
3 Audio CDs (25. März 2002)
Label: Tacheles (Indigo)
ASIN: B000063TCW
etrawgew (09.02.2010, 19:49):
Ich habe gerade das Buch - Eine Liebesgeschichte, von Carl Zuckmayer - begonnen.

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783596127061.jpg

Wer hats gelesen und wie ist die Bewertung? Ich bin schon gespannt!

Mit lieben Grüßen,
Etrawgew. :hello
Jürgen (10.02.2010, 09:32):
Gestern abends beendet:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51XY290DZ4L._SL500_AA240_.jpg


Original von Amazon
Unbarmherzig und Schritt für Schritt zeichnet der Roman ein erschreckendes Untergangsszenario. Die Götterdämmerung umschreibt, wohin eine Gesellschaft treiben kann, die die Gefahren des skrupellosen Umgangs mit den Möglichkeiten der Gentechnologie unterschätzt, die im Sumpf der undurchschaubaren Verflechtung von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik gefangen ist. Die Frage, wer nach dem 11. September „über die Wächter wacht“, zieht sich wie ein roter Faden durch diese spannende, sehr nachdenklich stimmende Story. In der Lesung dominieren die zwei Perspektiven der beiden Hauptfiguren Neil und Beatrice. Frank Arnold, der Sprecher, versetzt sich mit viel Feingefühl in die beiden Figuren. Es gelingt ihm ausgesprochen gut, die Atmosphäre, die unterschiedlichen Stimmungen und Gefühle transparent und hörbar zu machen. Neil LaHaye ist ein Journalist, ausgezeichnet mit dem Pulitzer-Preis, der zuletzt über die Taliban-Gefangenen auf Guantanamo publiziert hat: Kein Wunder, dass er als Nestbeschmutzer und Terroristenfreund abgestempelt ist. Darüber hinaus hat er zwei Kinder, ist geschieden. Durch einen Zufall beginnt er sich für Aids zu interessieren. Im Zuge seiner Recherchen stößt er auf Victor Sanchez, einen genialen Wissenschaftler, der Anfang der 80er einige der ersten Aids-Kranken behandelt hat, seitdem jedoch spurlos verschwunden ist. Im Internet findet Neil nun Kontakt zu Sanchez’ Tochter Beatrice. Jetzt folgt der erste dramatische Höhepunkt: Die Lichtallergie, unter der die junge Frau seit ihrer Geburt leidet, ist eine Erfindung, ein unglaublicher Vorwand, sie an die Laborräume in Alaska, wo sie mit ihrem Vater lebt und arbeitet, zu binden. Beatrice ist auch nicht im natürlichen Sinn die Tochter Sanchez’; sie ist das Ergebnis der Genmanipulation. Zweiter dramatischer Höhepunkt ist der tödliche Unfall von Neils Sohn. Man hatte ihn gewarnt. Sollte er nicht aufhören, dem mächtigen Pharmakonzern, für den auch das Labor in Alaska arbeitet, Schwierigkeiten zu machen, würde seinen Kindern etwas passieren. In panikerzeugender Weise sind jetzt alle, der Konzern und die Politik, hinter Neil her. Dieser weiß mittlerweile, dass in Alaska auch an Schutzstoffen gegen Bio-Terrorismus gearbeitet wird. „Wir befinden uns im Krieg“ -- diese Überzeugung rechtfertigt das Unternehmen „Pandora“ und alle schrecklichen, unaufhaltbaren Folgen. Frank Arnold hält die Spannung 435 Minuten lang durch. Sein Einfühlungsvermögen für die unterschiedlichen Figuren, vor allem für Neil und Beatrice“, ist beachtlich. Der Schauspieler wurde in Berlin geboren und hatte nach seinem Schauspielstudium Engagements an verschiedenen Theatern. Arnold arbeitet auch als Regisseur bei Theater- und Opernaufführungen. Tanja Kinkel ist eine erfolgreiche Autorin von historischen Romanen. Die promovierte Germanistin recherchierte für diesen Thriller in Harvard, Yale, Washington, sie führte mit Politikern Gespräche. Tanja Kinkel wurde 1969 in Bamberg geboren, heute lebt sie in München. Fazit: Ein außerordentlich spannendes und beunruhigendes Thema, sehr gut recherchiert und vom Sprecher vorzüglich vorgetragen. Sollte man sich anhören, und sich gleich gefasst machen auf die Verstörung, die am Ende mit Sicherheit nicht ausbleiben wird!
Autorisierte Lesung, Spieldauer: ca. 435 Minuten. 6 CD. -- culture.text
Das war wirklich spannend, vom Thema interessant und darüber hinaus anspruchsvoll.

Grüße
Jürgen
ab (10.02.2010, 11:36):
Wirklich rein zufällig ist das nun das dritte Buch in Reihenfolge, welches ich lese und von einer Nobelpreisträgerin stammt

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41NYYNMR4EL._SL500_AA240_.jpg
cellodil (10.02.2010, 12:38):
Was Dir, lieber ab, die Nobelpreisträgerinnen, sind mir derzeit mal wieder die Krimis...

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41EZBSJCH7L._SL500_AA240_.jpg

Hugo Bettauer, Der Frauenmörder
gelesen von Ulrich Tukur
3 Audio CDs (25. März 2002)
Label: Tacheles (Indigo)
ASIN: B000063TCW

Inzwischen habe ich das von Ulrich Tukur eingelesene Hörbuch "Der Frauenmörder" fast durch. Der Krimi aus den 20er Jahren spielt in Berlin und erzählt vom scheinbar mysteriösen Verschwinden mehrerer junger, lediger Frauen. Der Verdacht fällt auf einen talentierten, bislang jedoch verkannten Romanautor, der als mutmaßlicher Frauenmörder dann zum Shootingstar der Kulturszene avanciert.

Für mich ist das die erste Begegnung mit dem Autor Hugo Bettauer (1872-1925). Ein interessanter Autor, der das Genre beherrscht und es zudem für ein Sittengemälde mit recht deutlichen satirischen Anklängen nutzt.

Bettauer war Journalist, ist mehrfach in die USA emigriert, hat gesellschaftskritische Zeitschriften gegründet und wurde vor allem für seinen satirischen Roman "Die Stadt ohne Juden" bekannt. 1925 wurde Hugo Bettauer von einem fanatischen Nationalsozialisten in den Redaktionsräumen seiner Zeitschrift erschossen.
cellodil (11.02.2010, 09:56):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41XT-6IlBJL._SS500_.jpg

Frank Schirrmacher, Payback: Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Karl Blessing Verlag (November 2009)
ISBN-10: 389667336X
ISBN-13: 978-3896673367

Ein vielversprechender Titel und ein derzeit mit seinem Buch (zumindest gefühlt) medial omnipräsenter Autor.

Mein erster Leseeindruck nach etwa 60 Seiten ist eher durchwachsen. Klar, das ist kein wissenschaftliches Werk, dennoch hätte ich mir ein bisschen mehr Substanz oder klarer herausgearbeitete Gedankengänge gewünscht.

So ein bisschen macht der Text, in dem FAZ-Mitherausgeber Schirrmacher herauszuarbeiten versucht, welchen Einfluss das Internet auf unser Denken und unser Gehirn hat, den Eindruck, als wenn er schon eine Art Produkt dieser vom Autor doch einigermaßen kritisch betrachteten Veränderungen wäre. Für mich hat Schirrmachers Text (zumindest bislang) ein bisschen was von zu Papier gebrachter Internet-Recherche. Er reiht vieles - zum Teil durchaus Interessantes - aneinander, alles hat irgendwie schon miteinander zu tun, aber es fehlt eine klare Struktur. Hier ein Verweis auf eine Untersuchung, da ein Zitat. Das könnte man sicherlich als formale Raffinesse werten, auf mich wirkt das aber doch eher halbgar. Allerdings, das muss man Schirrmacher sicher zugute halten: Ganz auf der Höhe der Zeit. Weitere Talkshow- und sonstige Auftritte dürften dem Autor sicher sein.
Agravain (11.02.2010, 15:59):
In der Regel lese ich - dem ein oder anderen hier wird es sicher ganz ähnlich gehen - mehrere Bücher parallel.
Gegenwärtig sind es drei Re-Reads, nämlich:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41MKTHNV7YL._SS500_.jpg

sowie

http://ecx.images-amazon.com/images/I/4128Y71E3KL._SS500_.jpg

und schließlich

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51xn-ALPgoL._SS500_.jpg
cellodil (12.02.2010, 22:18):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/31OMgEK1wLL._SS500_.jpg

T.C. Boyle, Talk Talk
Gelesen von Jan Josef Liefers
Übersetzung: Dirk van Gunsteren
Gekürzte Lesung
4 Audio CDs
Der Hörverlag Gmbh (edel)
ASIN: B0018D2HCM

Bislang habe ich um den Autor eher einen Bogen gemacht (vielleicht, weil ich mit denen, die mir die Boyle-Lektüre in der Vergangenheit empfohlen hatten, sonst nie einer Meinung über Bücher war), jetzt also ein Hörbuch-Selbstversuch... Der Anfang ganz vielversprechend: Viele dramatische Fragen und - wie es scheint - ganz originelle Figuren. Mal sehen, wie's weitergeht.

Liebe Grüße

Sabine
cellodil (14.02.2010, 16:08):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/419TSQ3YYCL._SS500_.jpg

Oliver Bottini, Mord im Zeichen des Zen
384 Seiten
Fischer (Tb.), Frankfurt
ISBN-10: 3596165458
ISBN-13: 978-3596165452

Eigentlich wollte ich gestern nur noch ein paar Seiten vor dem Einschlafen lesen, doch dann konnte ich den vielfach preisgekrönten Erstling von Oliver Botttini, der damit anfängt, dass in einer kleinen Schwarzwaldgemeinde plötzlich und scheinbar aus dem Nichts ein japanischer Zen-Mönch auftaucht, gar nicht mehr aus der Hand legen. Die Geschichte mit ihren eindringlichen, zum Teil surrealen Bildern hat eine richtige Sogwirkung.

Mal sehen, ob ich mir heute mit der zweiten Hälfte des Buchs noch eine weitgehend schlaflose Nacht gönnen werde...
Cetay (inaktiv) (14.02.2010, 16:45):
Original von cellodil

Oliver Bottini, Mord im Zeichen des Zen
384 Seiten
Fischer (Tb.), Frankfurt
ISBN-10: 3596165458
ISBN-13: 978-3596165452

Eigentlich wollte ich gestern nur noch ein paar Seiten vor dem Einschlafen lesen, doch dann konnte ich den vielfach preisgekrönten Erstling von Oliver Botttini, der damit anfängt, dass in einer kleinen Schwarzwaldgemeinde plötzlich und scheinbar aus dem Nichts ein japanischer Zen-Mönch auftaucht, gar nicht mehr aus der Hand legen. Die Geschichte mit ihren eindringlichen, zum Teil surrealen Bildern hat eine richtige Sogwirkung.

Mal sehen, ob ich mir heute mit der zweiten Hälfte des Buchs noch eine weitgehend schlaflose Nacht gönnen werde...

Ah, interessant klingt das.

Witzig, dass ich zuerst Mond im Zeichen des Zen gelesen habe. Der Erdtrabant kommt in Zen-Texten sehr häufig vor, Mord eher selten; also hat das Hirn erst mal die naheliegende Assoziation herausgefiltert.
Severina (14.02.2010, 19:48):
Heute in einem Zug durchgelesen:
Daniel Glattauer, Gut gegen Nordwind

Emmi Rothen will ein Zeitschriftenabo stornieren und landet irrtümlich in der Mailbox von Leo Leike. Die anfängliche Flachserei geht allmählich in einen intensiven virtuellen Flirt über, der speziell die sich glücklich verheiratet wähnende Frau auf eine Achterbahn der Gefühle katapultiert, aus der es scheinbar kein Entrinnen mehr gibt.
Ein witziges, aber auch erschreckendes Buch, das zeigt, wie die virtuelle Welt von einem Menschen Besitz ergreifen, aber auch Brüche in seinem nach außen hin harmonischen Leben aufzeigen kann.

Ich würde diesen Dialogroman jetzt nicht als große Literatur bezeichnen, habe ihn aber trotzdem mit Gewinn gelesen und wieder etliche Denkanstöße erhalten, die den Umgang mit dem Medium Internet betreffen.

lg Severina :hello
etrawgew (14.02.2010, 21:45):
Ja, liebe Severina,
ich denke auch, dass die Gefahr für manchen gegeben ist, sich in der virtuellen Welt zu verlieren, sich beeinflussen zu lassen" Das kann aber ebenso auch in der realen Welt passieren.
Du hast mich jedenfalls neugierig auf das Buch gemacht. :wink
Mit lieben Grüßen,
Etrawgew. :hello
cellodil (15.02.2010, 21:35):
Mal wieder etwas aus der Reihe "Bücher, die die Welt nicht braucht"...

http://ecx.images-amazon.com/images/I/21a67whTZmL._SL500_AA180_.jpg

Dörthe Binkert, Weit übers Meer
Taschenbuch: 340 Seiten
Deutscher Taschenbuch Verlag (2008)
ISBN-10: 3423246936
ISBN-13: 978-3423246934

Der Verlag bewirbt Dörthe Binkerts historischen Roman Weit übers Meer, der im wesentlichen die Schiffsreise einer Gruppe von Passagieren der Ersten Klasse eines Ozeandampfers von Antwerpen nach New York Anfang des 20. Jahrhunderts erzählt, mit einem Zitat aus einer Rezension der Frauenzeitschrift Für Sie. Man mag von dieser Zeitschrift halten, was man will, doch das Etikett, das der Artikel dem Buch anheftet, trifft Dörthe Binkerts Text ziemlich gut: Traumschiff zum Lesen.

Denn Binkerts Roman, der mit einer recht vielversprechenden, geheimnisvollen Szene im Hafen von Antwerpen beginnt, in der eine schöne Frau in weißer Abendrobe in letzter Minute und ohne jedes Gepäck das Schiff nach New York besteigt, verläuft sich dann recht schnell in einer Art Sittengemälde; wobei die verschiedenen, miteinander mehr oder weniger eng verwobenen Handlungsstränge um diverse Frauen- und/oder Beziehungsschicksale kreisen, deren Konflikte jedoch eher unterspielt als dramatisch herausgearbeitet und zugespitzt werden.

In Binkerts Buch löst sich fast alles auf wundersame Weise von alleine, ohne dass die Figuren größere Erkenntnisse oder Entwicklungen durchlaufen oder wirklich aktiv werden müssten. Den Figuren fallen die Lösungen ihrer Problemchen und Konflikte gewissermaßen ohne eigenes Zutun vor die Füße.

Selbst der blinden Passagierin Valentina, die eine Überfahrt in der Ersten Klasse bekommt und nicht etwa ins Auswandererdeck gesteckt wird oder in der Bordküche Kartoffeln schälen muss, kann im Grunde nicht viel mehr passieren, als dass sie von den amerikanischen Behörden abgewiesen wird, was dann ja auch passiert, aber letztlich auch nicht wirklich schlimm ist, denn sie muss zwar zurück nach Antwerpen, aber dort nicht in ihre unerträglich gewordene Ehe zurückkehren, kann sich scheiden lassen und ist finanziell durch das Vermögen ihrer Großmutter abgesichert. Als Sahnehäubchen gibt's dann noch die große Liebe auf den ersten Blick in Gestalt eines Geologen, dessen sein bisheriges Leben eifersüchtig dominierende morphinsüchtige Schwester nach einem überlebten Suizidversuch nicht nur ein Einsehen hat, sondern gleichfalls erste zarte amouröse Bande mit dem Schiffsarzt geknüpft hat.

Zu schön - nicht nur, um wahr, sondern leider auch um spannend oder wenigstens interessant zu sein.

Die Geschichte ist eher vom Zufall bestimmt als von einer zwingenden, spannungsvoll konstruierten Entwicklung. Alles, was passiert, passiert eben irgendwie und bekommt - vielleicht auch wegen der Atmosphäre der Eintönigkeit und Langeweile der Schiffspassage - eine etwas überhitzte Scheindramatik, die dann jedoch, weil nicht wirklich substantiell und tragfähig, schnell verpufft.

Fazit: Ein Sittengemälde, dem der Biss fehlt, das zahm ist und wenig originell. Ein Traumschiff-Geplänkel in historischem Gewand.
Fairy Queen (16.02.2010, 06:25):
Liebe Sevi, ich habe den Glattauer vor längerer Zeit auch gelesen und dann gleich auch den zweiten Band, der leider ziemlich abgefallen ist und dessen Happy End einen etwas schalen Beigeschmack hinterlâsst.
Ich fand das rein literarisch auch keinen grossen Wurf, aber doch ausgesprochen interessant für Menschen, die viele Kontakte im Internet geschlossen haben- so wie ich selbst.
Mir hat dieses Buch serh viele Fragen gestellt und teilweise auch beantwortet und ich fand es deshalb wirklich wichtig.
Ich habe auch viel darüber diskutiert und es mehrfach verschenkt.
Das Medium Internet verändert Beziehungsstrukturen und es ist ganz wichtig, sich darüber klar zu werden oder zu sein.
Die Gefahren sind genauso virulent wie die Gewinne.
Solange das bewusst abläuft, hat man schon halb gewonnen.

F.Q.
cellodil (16.02.2010, 09:24):
Original von Cetay
Original von cellodil

Oliver Bottini, Mord im Zeichen des Zen
384 Seiten
Fischer (Tb.), Frankfurt
ISBN-10: 3596165458
ISBN-13: 978-3596165452

Eigentlich wollte ich gestern nur noch ein paar Seiten vor dem Einschlafen lesen, doch dann konnte ich den vielfach preisgekrönten Erstling von Oliver Botttini, der damit anfängt, dass in einer kleinen Schwarzwaldgemeinde plötzlich und scheinbar aus dem Nichts ein japanischer Zen-Mönch auftaucht, gar nicht mehr aus der Hand legen. Die Geschichte mit ihren eindringlichen, zum Teil surrealen Bildern hat eine richtige Sogwirkung.

Mal sehen, ob ich mir heute mit der zweiten Hälfte des Buchs noch eine weitgehend schlaflose Nacht gönnen werde...

Ah, interessant klingt das.

Witzig, dass ich zuerst Mond im Zeichen des Zen gelesen habe. Der Erdtrabant kommt in Zen-Texten sehr häufig vor, Mord eher selten; also hat das Hirn erst mal die naheliegende Assoziation herausgefiltert.

:hello

ein naheliegender, aber hübscher Verleser.

Leider muss ich berichten, dass die zweite Hälfte des Buches nicht einlöst, was der Anfang verspricht. Das ganze mutiert dann doch zu einer verhältnismäßig konventionellen Kriminalgeschichte über Kinderhandel mit einer alkoholabhängigen und temporär suspendierten Kommissarin als Ermittlerin.

Ein bisschen enttäuschend, aber wohl doch ein Autor, der Potential hat.

Liebe Grüße

Sabine
cellodil (16.02.2010, 09:35):
In den allgemeinen Jubel über Glattauer mag ich nicht so recht einstimmen. Im Gegenteil. Ich fand diesen elektrifizierten Briefroman schlicht banal. Die Figuren fand ich nervig und die Geschichte einfach langweilig. Weder inhaltlich, noch stilistisch originell. Und den Erkenntnisgewinn fand ich doch auch eher dürftig. Zumal es Projektionen - und das ist (meiner Meinung nach) das, was Glattauer beschreibt, ebenso in ganz realen Begegnungen gibt wie im virtuellen Raum. Vielleicht lädt das Internet ein bisschen mehr dazu ein. Es liegt gewissermaßen in der Natur der Sache, ist aber doch im Prinzip auch durchschaubarer als bei Projektionen und Übertragungen in alltäglichen Beziehungen und Begegnungen in der Echtwelt.

Liebe Grüße

Sabine
etrawgew (16.02.2010, 10:30):
Nach langer Zeit habe ich mir mal wieder von Joseph v. Eichendorff - sämtliche Erzählungen vorgenommen! :down :down :down :down :down

http://www.jpc.de/image/w183/front/0/9783150023525.jpg


Mit lieben Grüßen,
Etrawgew. :hello
Fairy Queen (16.02.2010, 10:41):
Liebe Sabine, einen Grund zum Jubeln habe ich bei Glattauer zwar auch nicht gesehen, aber ich finde die Unterschiede zwischen realen und rein virtuellen Beziehungen im Hinblick auf die Projektionen doch ziemlich gross.
Auch wenn man glaubt einen Menschen aus seinen geschriebenen Worten und dem dazwischen schon recht gut einschâtzen zu können, fehlt ein ganz entscheidender Teil menschlicher Kommunikation. Die gesamte nonverbale Kommunikation und die Chemie, die sich nur aus direktem persönlichem Kontakt erschliessen, sind im Internet entweder gar nicht vermittelbar oder zumindest serh verzerrbar.
Besonders wenn es um Liebesgeschichten geht, ist das aber oft DER ausschlaggebende Faktor.
Ich kann mich mit jemandem rein ideenmässig noch so gut verstehen, wenn die physische Chemie nicht stimmt, geht überhaupt nichts.
Die Projejktionen die von rein virtuellen Kontakten erzeugt werden, halten der Realitât insofern allzuoft nicht stand. Es gibt ja die sehr beliebte Partnersuche per Internet. Selbst wenn rein virtuell die schönste Übereinstimmung herrscht- beim ersten Treffen kann sich Alles sofort in Luft auflôsen.
Die Angst vor einem realen Treffen, die in dem Glattauer-Roman so stark beschrieben wird, hängt ja nciht zuletzt genau damit zusammen.
F.Q.
cellodil (16.02.2010, 10:54):
Liebe Fairy Queen,

es ging mir nur darum, dass Projektion kein reines Internet-Phänomen ist. Dass es Unterschiede gibt, wie Du schreibst, ist in meinen Augen völlig naheliegend und gerade auch deshalb finde ich den Glattauer-Roman ziemlich flau.

Ich denke schon, dass man aus dem Thema auch ein interessantes Buch hätte machen können. Gerade über die bewusste Verweigerung der Realtitätsprüfung, das hätte vielleicht witzig sein können und geistreich. Aber Glattauers Buch hat weder Witz, noch Geist.

Liebe Grüße

Sabine
cellodil (17.02.2010, 12:47):
Gestern abend angefangen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/515WNj18aOL._SS500_.jpg

Tatjana Kurse, Kreuzstich, Bienenstich, Herzstich: Kommissar Seifferheld ermittelt
318 Seiten
Droemer/Knaur (9. Dezember 2009)
ISBN-10: 3426503670
ISBN-13: 978-3426503676

Tatjana Kurses neuer Ermittler Seifferheld (Nachfolger von Kruses legendärer "Wuchtbrumme", einer übergewichtigen Möchtegerndetektivin mit leichter Kriminalfallparanoia) lebt nicht nur in einer etwas anstrengenden Frauen-WG, hat einen sabbernden Hovawarth, sondern er hat auch ein ungewöhnliches Hobby: Er stickt Zierkissen, wenn auch - ein harter Kerl halt doch - ohne Fingerhut.

Kruses Krimi, in dem alleinstehende Männer serienweise sterben, spielt in der süddeutschen Provinzstadt Schwäbisch Hall (bekannt für ihre Schweine und die Bausparkasse), ist jedoch gänzlich unbetulich und hat - wie alle Kruse-Krimis - Tempo, reichlich szenischen und sprachlichen Witz und schräges Personal.

Bislang ausgesprochen vergnügliche Lektüre.
Severina (17.02.2010, 16:39):
Original von cellodil
In den allgemeinen Jubel über Glattauer mag ich nicht so recht einstimmen. Im Gegenteil. Ich fand diesen elektrifizierten Briefroman schlicht banal. Die Figuren fand ich nervig und die Geschichte einfach langweilig. Weder inhaltlich, noch stilistisch originell. Und den Erkenntnisgewinn fand ich doch auch eher dürftig. Zumal es Projektionen - und das ist (meiner Meinung nach) das, was Glattauer beschreibt, ebenso in ganz realen Begegnungen gibt wie im virtuellen Raum. Vielleicht lädt das Internet ein bisschen mehr dazu ein. Es liegt gewissermaßen in der Natur der Sache, ist aber doch im Prinzip auch durchschaubarer als bei Projektionen und Übertragungen in alltäglichen Beziehungen und Begegnungen in der Echtwelt.

Liebe Grüße

Sabine

Liebe Sabine,
nun, von Jubel kann bei mir auch keine Rede sein, ich habe auch sehr lange gezögert, bis ich mir das Buch aus der Bibliothek geholt habe, weil mir Werke, die in allen Medien breit getreten werden und in aller Munde sind, immer ein wenig suspekt sind. Aber im Unterschied zu Dir fand ich "Gut gegen Nordwind" weder uninteressant, noch langweilig, sondern durchaus zum Nachdenken anregend. Vielleicht auch deshalb, weil ich kein sonderlich technolgieaffiner Mensch bin und mir das Medium Internet, je länger ich mich damit beschäftige, immer unheimlicher wird. Ich sehe die Hauptthematik auch nicht unbedingt in Projektionen, sondern im Aufbau einer Parallelwelt, und dafür habe ich in meiner näheren Umgebung leider einiger Beispiele. Flucht aus der Realität in Scheinwelten zu Menschen, von denen man "verstanden" wird im Unterschied zu den Echtmenschen, die immer nur Forderungen stellen und so schrecklich unsensibel sind - das kommt mir leider bekannt vor, wenn auch nicht aus eigenem Erleben. Durchschaubar sind solche Mechanismen natürlich, aber immer nur für die Außenstehenden, dieser Vorwurf trifft also nicht das Buch, sondern die Thematik an sich.
Was meinen Erkenntnisgewinn betrifft, so ist der ehrlich gesagt auch bei Goethes Briefroman nicht größer, womit ich jetzt weder Glattauer mit Goethe, noch "Gut gegen Nordwind" mit "Werther" vergleichen will (Gott bewahre!!!), sondern nur sagen will, dass es nicht unbedingt der Erkenntnisgewinn ist, der ein Buch für mich lesenswert macht. Es muss mich ansprechen, etwas in mir zum Klingen bringen, egal ob Kopf oder Bauch, und das erfüllt Glattauer durchaus.
lg Severina :hello
cellodil (18.02.2010, 22:09):
Ihr Lieben,

in Sachen nordwindigem Glattauer bleibt hier wohl ein gewisser Dissens. Ich fand das sehr interessant, wie Ihr den Text interpretiert, was Ihr an diesem Buch interessant fandet, was ihr aus dem Text für Euch mitgenommen habt. Das ist ja das spannende, dass es ganz unterschiedliche Zugänge gibt.

Liebe Grüße

Sabine
Severina (18.02.2010, 22:41):
Original von cellodil
Ihr Lieben,

in Sachen nordwindigem Glattauer bleibt hier wohl ein gewisser Dissens. Ich fand das sehr interessant, wie Ihr den Text interpretiert, was Ihr an diesem Buch interessant fandet, was ihr aus dem Text für Euch mitgenommen habt. Das ist ja das spannende, dass es ganz unterschiedliche Zugänge gibt.
Liebe Grüße

Sabine

Liebe Sabine,
vollkommen d'accord! Und in diesem Sinne hoffe ich noch auf viele interessante und kontroverse Diskussionen! :W
lg Severina :hello
Heike (18.02.2010, 22:46):
.... in Sachen nordwindigem Glattauer ....

Ich liebe kontroverse Diskussionen (u.a. deshalb war ich ein großer Fan vom literarischen Quartett damals) und habe mir jetzt mal das ungekürzte Hörbuch bestellt. Lange Autofahrten können also kommen...
Heike
cellodil (18.02.2010, 23:30):
Original von Severina
Und in diesem Sinne hoffe ich noch auf viele interessante und kontroverse Diskussionen! :W
lg Severina :hello

Original von Heike
Ich liebe kontroverse Diskussionen (u.a. deshalb war ich ein großer Fan vom literarischen Quartett damals) und habe mir jetzt mal das ungekürzte Hörbuch bestellt. Lange Autofahrten können also kommen...
Heike

:hello Ihr Lieben,

genauso geht es mir auch!!!

Herzliche Grüße

Sabine

P.S. Wer liest denn das Hörbuch?
Heike (18.02.2010, 23:33):
P.S. Wer liest denn das Hörbuch?

Andrea Sawatzki und Christian Berkel - ich habs noch nicht, aber es wird sicher morgen, spätestens übermorgen kommen.
Heike
cellodil (18.02.2010, 23:44):
Original von Heike
P.S. Wer liest denn das Hörbuch?

Andrea Sawatzki und Christian Berkel - ich habs noch nicht, aber es wird sicher morgen, spätestens übermorgen kommen.
Heike

Liebe Heike,

die Sprecher klingen ganz vielversprechend. Berichtest Du darüber, wenn Du es gehört hast?

Liebe Grüße

Sabine
Heike (19.02.2010, 08:11):
Ja klar werde ich berichten - mal sehen, wann ich Zeit zum Anhören habe, danach melde ich mich aber bestimmt.
Heiie
cellodil (19.02.2010, 17:07):
Schön!!!

Liebe Grüße

Sabine
Cetay (inaktiv) (20.02.2010, 07:40):
Original von cellodil
Original von cellodil
Original von Cetay
(...) Den Elektrischen Mönch habe ich jetzt gelesen, weil er in einem Essay von Robert Anton Wilson (das ist für mich der wahre Adams :cool) empfohlen wurde, um einen Sachverhalt (die Auflösung von Zeitreiseparadoxa) zu illustrieren, was ja auch vorzüglich gelungen ist. (...)

(...) Robert Anton Wilson kenne ich gar nicht (werde ihn aber nachher gleich mal googeln)


... habe ich inzwischen gemacht. Auf jeden Fall eine ziemlich spannende Biografie. Manche der Werktitel kamen mir auch vage bekannt vor. Kannst Du da was empfehlen?

:thanks und liebe Grüße

Sabine

Das Romanhauptwerk sind die Trilogien Illuminatus! (gemeinsam mit Robert Shea geschrieben und erschienen lange bevor Verschwörungstheorien in Mode kamen) und Schrödingers Katze, beide jeweils in einer Ausgabe mit allen drei Bänden erhältlich (kaum billiger als die drei Einzelbände zusammen, aber bibliophiler, weil gebunden).

Wenn ich Empfehlungen geben soll, dann halte ich wie es Wilson, der in Das Universum nebenan (ein Teil der Katzentrilogie) schreibt. Das Buch kann vor zwischen oder nach den anderen Teilen gelesen werden, ebenso vor oder nach der Illuminatus!-Trilogie. Das klingt widersinnig, weil bestimmte Charaktere und Handlungsstränge in allen 6 Büchern vorkommen, so dass man annehmen könnte, man müsste chronologisch lesen. Doch wenn man bei Wilson etwas annimmt oder voraussetzt, hat man schon halb verloren. Wilsons Welt ist die der Quantenphysik, in der alles mit allem zusammenhängt, alternative Realitäten gleichzeitig existieren und der lineare Fluss der Zeit nur eine Illusion darstellt.

Ich habe Illuminatus! gelesen wie im Rausch, das ist allerdings eine ganze Weile her (15-20 Jahre, keine Ahnung) und weiß nicht, ob ich das aus heutiger Sicht noch empfehle. Das ist schon ziemlicher Punk, daneben sieht Douglas Adams für mich konventionell, leicht und langsam aus.
Ich stehe heute eher auf Wilsons Spätwerk, in dem der die Romanform durch Sammlungen von Essays ersetze. Hier kommt mehr zum Tragen, was ich für den zentralen Aspekt seines Werkes halte:

Wiki: Eines seiner Mittel war die Erschütterung vertrauter Weltbilder.* Vieles in seinen Büchern dient der Verunsicherung des Lesers. Er versuchte, seinen Lesern ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber allen vermeintlichen Autoritäten, seine eigenen Ideen eingeschlossen, nahezubringen.
Auch hier gibt es wieder eine Trilogie, Cosmic Trigger, ich liebe jedoch die Einzelwerke Coincidance und vor allem sein letzes Buch, Email ans Universum, noch mehr. Das enthält allerdings zum Teil sehr speziellen Stoff und vielleicht als Einstieg doch nicht ganz so geeignet?!

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51Vw4YRzitL._SL500_AA240_.jpg

* Die Paradoxie dabei ist, dass Wilson die Träger von normierten konservativen, geistesblinden und festgefahrenen Weltbildern gar nicht erreichen kann. Die lehnen seine Bücher ab, weil sie nicht der Norm entsprechen. :D
cellodil (20.02.2010, 10:59):
:hello Cetay,

das scheint tatsächlich schwierig mit den Empfehlungen, lieb, dass Du Dir trotzdem die Mühe gemacht hast. Mir scheint auch, dass die Essays vermutlich nicht so ganz für das "Mal-eben-Reinschnuppern" geeignet sind. Vielleicht versuche ich es tatsächlich mit dem Universum nebenan-Teil aus Schrödingers Katze (der Titel ist mir irgendwann in grauerer Vorzeit auch schon mal untergekommen, zumindest kommt er mir bekannt vor)... Dass Du schreibst, Du hättest das "wie im Rausch" gelesen, ist ja bei diesem Autor gewissermaßen passend, weil er ja - wie viele dieser Generation - ein Freund der Rauschdrogen gewesen zu sein scheint...

Auf jeden Fall :thanks :thanks :thanks für Deine ausführliche Antwort
und liebe Grüße

Sabine
(die jetzt gleich bei der Buchhandlung ihres Vertrauens anrufen wird)
cellodil (20.02.2010, 11:05):
P.S. Nicht-antiquarisch ist Schrödingers Katze derzeit ohnehin nur als Gesamtausgabe mit allen drei Bänden lieferbar... Der Neuentdeckung ist also Tür und Tor geöffnet...
Fairy Queen (22.02.2010, 07:47):



Aus gegebenem Anlass -das Buch wird heute abend in Wien preisgekrönt werden- stelle ich euch ein Wisschenschaftsbuch vor, das auch für physikalische Laien sehr gut und verständlich zu lesen ist, dabei aber hochinterssant und alles Andere als verflachend daherkommt. Erzählt wird- aus einem bis dato kaum oder gar nciht beachteten Blickwinkel- die Geschichte zweier sehr bedeutender Pysiker und Astronomen- Galileo Galilei und Johannes Kepler. Thomas de Padova hat den Briefwechsel der Beiden zur Grundlage seiner Doppelbiographie, die auch eine Biographie der umwälzenden und für breite Teile der Bevölkerung furchtbaren Zeit vor und während des 30jährigen Kriegs ist,gemacht.
Das Image, das Galileo nach seinem Tod für die Nachwelt hatte und hat wird dabei genauso angekratzt wie das von Kepler, der in der öffentlichen Meinung immer im Schatten des Italieners stand, aufgewertet wird.

Die Frage , wie sich Wissenschaft unter sehr verschiedenen Lebens- und Schaffensbedingungen entwickeln kann und welchen Einfluss die Persönlichkeit eines Wissenschaftler auf die Rezeption und Wirkung seiner Forschung hat, wird aufgeworfen.
Der Autor hat durch seine eigenen deutsch-italienischen Wurzeln eine besondere Affinität zu diesem deutsch-italiensichen- leider meist sehr einseitigen- Briefwechsel und der dazugehördenden intensiven Quellenforschung.
F.Q.
etrawgew (22.02.2010, 09:17):
Yehudi Menuhins Musikführer - Violine und Viola von Yehudi Menuhin und William Primrose
Das Buch ist, wenn überhaupt, nur noch über ein Atiquariat zu bekommen!
Ich bekam den Tipp von einem guten Freund. :thanks
Yehudi Menuhin zeigt allen angehenden Geigenspieler(inn)en Schritt für Schritt Übungen auf, die zu einem erfolgreichen Violinstudium führen können, wenn man sie denn auch beherzigt! :wink

Mit lieben Grüßen,
Etrawgew - Brigitte. :hello
cellodil (24.02.2010, 14:27):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/31ETcuhTYDL._SS500_.jpg

Nick Hornby, Juliet, Naked
gelesen von Helmut Zierl
Der Hörverlag (16. Oktober 2009)
ISBN-10: 3867175071
ISBN-13: 978-3867175074

War mit mir am Ringen, ob ich den neuesten Roman von Nick Hornby lesen oder lesen lassen soll. Habe mich dann fürs Hörbuch mit Helmut Zierl entschieden und das nach dem ersten Reinhören nicht bereut.

Duncan und Annie bereisen die USA, dabei klappern die beiden Briten nicht die üblichen Sehenswürdigkeiten ab, sondern wandeln auf den Spuren des von Duncan verehrten Rockstars Tucker Crowe. Der Star selbst hat sich vor Jahren aus dem Geschäft zurückgezogen, doch das Pissoir, wo - so die Vermutung der Fans - das Karriere-Ende seinen Anfang nahm, das ist noch zu besichtigen. Und vieles andere auch.

Eine typische Hornby-Geschichte, die Helmut Zierl stimmig und ohne Effekthascherei umsetzt.
cellodil (24.02.2010, 14:42):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41OmvPwz5iL._SS500_.jpg

Hugo Bettauer, Hemmungslos
Gebundene Ausgabe, 174 Seiten
Milena Verlag (September 2009)
ISBN-10: 3852861845
ISBN-13: 978-3852861845

Nach meiner Erstbegegnung mit dem Autor Hugo Bettauer durch das von Ulrich Tukur gelesene Hörbuch Der Frauenmörder, über das ich schon kurz geschrieben hatte, jetzt ein weiterer Roman des 1872 in Baden bei Wien geborenen Autors.

Auch hier nutzt Bettauer die Form des Unterhaltungsromans, der ein bisschen etwas von Patricia Highsmiths Ripley-Romanen hat, für ein gesellschaftskritisches Sittengemälde. Im Mittelpunkt der Geschichte, die nach dem Ersten Weltkrieg in Wien spielt, steht der Kriegsheimkehrer Kolomann "Kolo" Isbaregg (eigentlich ein Freiherr von Isbaregg, aber der Adel wurde ja unlängst abgeschafft). Der ehemalige Offizier findet nach Kriegsende kein Auskommen, wird obdachlos. Aus Hunger begeht er seine erste Straftat, ein simpler Taschendiebstahl mit üppiger Beute, der ihm vorläufig ein gewisses Wohlleben ermöglicht. Doch bald schon wird Kolomann zum Mörder, Hochstapler und Heiratsschwindler. Und er scheint, durch den Krieg kaltblütig, um nicht zu sagen gefühllos geworden, mit alledem davonzukommen, doch dann wird Kolomann - ausgerechnet von der reichen Witwe, der er am Anfang den Geldbeutel aus der Handtasche geklaut hatte - im Theater erkannt.
nikolaus (24.02.2010, 19:53):
Heute angefangen:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783552054721.jpg

Nach einem Sanatoriumsaufenthalt ist Donatey in seine Zürcher Wohnung zurückgekehrt. Es quält ihn nicht nur die Stange im Rückgrat, die seine Wirbelsäule stabilisieren soll, sondern auch die Befürchtung, von Seraphine, seiner jüngeren Freundin, verlassen zu werden. Er trinkt Kaffee, raucht, blickt aus dem Fenster und erinnert sich: an die Jahrzehnte, die er als Assistent eines berühmten Regisseurs im Theater verbrachte; an die Großeltern, Offenbacher Juden, denen einst im letzten Moment die Emigration gelang; an Mathild, seine Mutter, die sich bis zu ihrem Tod weigerte, über die genauen Umstände der Flucht zu berichten; an Freunde wie den für seine zierlichen Gegenstände berühmten Bildhauer Ingo Licht oder an Piotr, den Pariser Anwalt kaukasischer Herkunft. Der berühmte Regisseur Luc Bondy hat seinen ersten Roman geschrieben, ein charmantes Capriccio, dessen Lektüre sinnliches Vergnügen bereitet.

Der Anfang ist schon vielversprechend.
Ich glaube, um diesem "Roman" (eigentlich ist es eher ein Monolog, eine geschickt verknüpfte Aneinanderreihung von Erinnerungen, Gedanken, Assoziationen...) gerecht zu werden, darf man ihn nicht nebenher lesen und muss sich auf ihn einlassen. Es sind ein paar bemerkenswerte Sätze und Gedanken darin...

Nikolaus.
cellodil (24.02.2010, 22:47):
:hello lieber Nikolaus,

das klingt schön, was Du über den Bondy schreibst. Eher melancholisch in der Grundstimmung, aber doch wohl auch kraftvoll.

Berichtest Du uns, wenn Du das Buch gelesen hast?

:thanks und liebe Grüße

Sabine
nikolaus (24.02.2010, 22:54):
Original von cellodil

Berichtest Du uns, wenn Du das Buch gelesen hast?

:thanks und liebe Grüße

Sabine

Wird gemacht! :hello
nikolaus (24.02.2010, 22:54):
Original von cellodil

Berichtest Du uns, wenn Du das Buch gelesen hast?

:thanks und liebe Grüße

Sabine

Wird gemacht! :hello
cellodil (25.02.2010, 14:38):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/31hZqkMRc0L._SL500_AA180_.jpg

Hugo Bettauer, Die Stadt ohne Juden: Ein Roman von übermorgen
Gebundene Ausgabe: 157 Seiten
Metro-Verlag Wien; Auflage: 1., Aufl. (März 2008)
ISBN-10: 3902517727
ISBN-13: 978-3902517722

Der Roman von Hugo Bettauer (1872-1925) ist 1922 erstmals erschienen und lässt einen frösteln. Denn Bettauer erzählt in seinem episodisch strukturierten "Roman von übermorgen" von der systematischen Ausweisung der Juden aus Österreich. Eine bissige Gesellschaftssatire, deren visionäre Qualität beängstigend ist.
Fairy Queen (25.02.2010, 14:44):
Hier ist ein Link zu einem Interview in der österrecihischen Zeitung "Der Standard" zum Wissenschaftbuch des Jahres 2010 in der Kategorie Physik und Naturwissenschaften "Das Weltgeheimnis".
Der Autor ist mein Bruder, ich mache also Werbung in Familiensache. Wobei das Buch auch aus ganz neutraler Sicht sehr empfehlenswert und gut für Laien zu lesen ist. Die Idee eines erzählenden Wissenschaftsjournalismus, der den Menschen Themen aus den Naturwissenschaften nahe bringen kann, ist serh gut umgesetzt. Bester Beweis: ich verstehe fast Alles! :wink

F.Q.


Das mit dem Link klappt leider nicht, ich bin zu blöd.....

Der Standard von gestern "Es geht nicht nur um richtig und falsch"
Jürgen (25.02.2010, 19:40):
Original von Fairy Queen
Hier ist ein Link zu einem Interview in der österrecihischen Zeitung "Der Standard" zum Wissenschaftbuch des Jahres 2010 in der Kategorie Physik und Naturwissenschaften "Das Weltgeheimnis".
Der Autor ist mein Bruder, ich mache also Werbung in Familiensache. Wobei das Buch auch aus ganz neutraler Sicht sehr empfehlenswert und gut für Laien zu lesen ist. Die Idee eines erzählenden Wissenschaftsjournalismus, der den Menschen Themen aus den Naturwissenschaften nahe bringen kann, ist serh gut umgesetzt. Bester Beweis: ich verstehe fast Alles! :wink

F.Q.


Das mit dem Link klappt leider nicht.....

Der Standard von gestern "Es geht nicht nur um richtig und falsch"

Darf ich helfen, der Autor ist immerhin Physiker und damit Kollege.

"Es geht nicht nur um richtig und falsch"

Thomas De Padova erzählt im Buch "Das Weltgeheimnis" die Biografien von Kepler und Galilei

Grüße
Jürgen
Fairy Queen (25.02.2010, 20:23):
Danke, lieber Jürgen! Ich werde es irgendwann auch lernen, in unserer Familie sind die technischen Begabungen leider arg verschieden ausgefallen. :wink
F.Q.
cellodil (26.02.2010, 00:06):
Mal wieder zwischendurch was Erbauliches...

http://ecx.images-amazon.com/images/I/21JBAZPE9JL._SL500_AA180_.jpg

Friedrich Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches, I und II.
Herausgegeben von G. Colli und M. Montinari
Taschenbuch: 720 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag; Auflage: Neuausg. (1. Juni 1999)
ISBN-10: 342330152X
ISBN-13: 978-3423301527
Heike (26.02.2010, 08:37):
Das scheint mir interessant mit dem Weltgeheimnis, also ich habe das mal auf den Merkzettel gelegt, bis im August das Tschenbuch erscheint!

Liebe Sabine,
ich weiß nicht, ob es aus diesem Buch ist, aber mein (sehr erbauliches) Lieblings-Zitat von Nietsche ist "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf."
oder, im Hinblick auf das neue Spielzimmer auch ein schöner Klassiker von dem Herrn, den man immer mit der Peitsche in Verbindung bringt: "Im echten Manne ist ein Kind versteckt: das will spielen."
Heike
cellodil (26.02.2010, 09:37):
Liebe Heike,

Nietzsche macht mir bei jedem Lesen immer wieder Freude. Und Menschliches, Allzumenschliches ist eines meiner Lieblingsbücher, das ich immer mal wieder zwischendurch (auch auszugweise) wiederlesen muss. Ein Lieblingszitat habe ich nicht. Aber für Dich hier eine hübsche Stelle aus dem Zarathustra: "Und verloren sei uns der Tag, wo nicht Ein Mal getanzt wurde! Und falsch heisse uns jede Wahrheit, bei der es nicht Ein Gelächter gab."

Herzliche Grüße

Sabine

P.S. Manchmal frage ich mich schon, wieso ausgerechnet das Zitat mit der Peitsche (das ja eigentlich in einen ganz bestimmten Kontext gehört), das ist, was die allermeisten Menschen mit Nietzsche verbinden.
nikolaus (27.02.2010, 22:13):
Original von cellodil
:hello lieber Nikolaus,

das klingt schön, was Du über den Bondy schreibst. Eher melancholisch in der Grundstimmung, aber doch wohl auch kraftvoll.

Berichtest Du uns, wenn Du das Buch gelesen hast?

:thanks und liebe Grüße

Sabine

So, Dein Wunsch ist mir also Befehl:

Ich halte dieses Buch wirklich für lesenswert, allerdings muss ich den letzten Satz des Klappentextes relativieren.
Ein sinnliches Vergnügen ist es sicherlich. Bondy hat einen angenehmen Stil und entwirft einige sehr schöne "sprachliche" Bilder.
Trotz vieler zeitlicher und thematischer Sprünge verliert Bondy nie die Spannung, der Leser nie das Interesse. Die Konstruktion ist auf den ersten Blick simpel, da der Erzähler sich in seinen Gedanken und Assoziationen einfach treiben lässt. Und trotzdem verliert Bondy und damit auch der Leser nie den roten Faden (wenn man einen solchen denn erkennen möchte). Das ist wirklich geschickt gemacht.
Als charmant würde ich dieses Capriccio (das trifft es durchaus) allerdings nicht bezeichnen. Dazu ist mir die Thematik viel zu melancholisch, desillusioniert. Es handelt durchgängig vom Altern und vom Tod, von Einsamkeit, von Selbstaufgabe.
Das klingt jetzt äusserst deprimierend, ist es wohl auch, und es sind einige Dinge dabei, die ich eigentlich gar nicht gerne lese, aber durch eine gewisse Leichtigkeit in der Sprache und im Umgang mit diesen Themen (vielleicht ist das mit charmant gemeint) bleibt man nicht zutiefst betrübt sitzen (so zumindest bei mir...).

Wenn jemand anderes dieses Buch schon gelesen hat oder noch lesen wird: weitere Meinungen würden mich sehr interessieren...

Nikolaus :hello
nikolaus (27.02.2010, 22:18):
Der nächste Gedanken-Assoziationen-Roman:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41smELKS88L._SS500_.jpg

Mit vier Äpfeln fängt alles an. Ein Mann, der weniger zu tun hat als ihm lieb ist, erlebt an der Obst- und Gemüsewaage seines Supermarkts einen magischen Moment: die grüne Leuchtanzeige zeigt 1-0-0-0.
Vier Äpfel, die zusammen genau tausend Gramm wiegen - er ist, er weiß selbst nicht genau wieso, gerührt, klebt das Etikett mit der Strichcodezeichnung vorsichtig auf die Tüte und schiebt seinen Wagen durch eine ihm plötzlich fremd gewordene Welt.
Seine Gedanken schweifen ab in in eine Zeit, als man noch in kleineren Läden andere Dinge kaufte, zu Frühergerüchen , zum Konsumverhalten überhaupt, und er erinnert sich an L., die Frau, die ihn verlassen hat. Vier Äpfel erzählt von tieftraurigen Produkten und ihren Konsumenten, erzählt die Geschichte einer alten Liebe, einer Gegenwart, die immer schon vergangen ist. David Wagner hat ein Buch geschrieben, das Wahrnehmungsweisen schärft, sie vielleicht sogar verändert. Darin liegt seine große Kunst.

Mal sehen...

Nikolaus.
cellodil (28.02.2010, 08:00):
Original von nikolaus
Ich halte dieses Buch wirklich für lesenswert, allerdings muss ich den letzten Satz des Klappentextes relativieren.
Ein sinnliches Vergnügen ist es sicherlich. Bondy hat einen angenehmen Stil und entwirft einige sehr schöne "sprachliche" Bilder.
Trotz vieler zeitlicher und thematischer Sprünge verliert Bondy nie die Spannung, der Leser nie das Interesse. Die Konstruktion ist auf den ersten Blick simpel, da der Erzähler sich in seinen Gedanken und Assoziationen einfach treiben lässt. Und trotzdem verliert Bondy und damit auch der Leser nie den roten Faden (wenn man einen solchen denn erkennen möchte). Das ist wirklich geschickt gemacht.
Als charmant würde ich dieses Capriccio (das trifft es durchaus) allerdings nicht bezeichnen. Dazu ist mir die Thematik viel zu melancholisch, desillusioniert. Es handelt durchgängig vom Altern und vom Tod, von Einsamkeit, von Selbstaufgabe.
Das klingt jetzt äusserst deprimierend, ist es wohl auch, und es sind einige Dinge dabei, die ich eigentlich gar nicht gerne lese, aber durch eine gewisse Leichtigkeit in der Sprache und im Umgang mit diesen Themen (vielleicht ist das mit charmant gemeint) bleibt man nicht zutiefst betrübt sitzen (so zumindest bei mir...).

:hello liebe Nikolaus,

habe ich das richtig verstanden, dass die "Klammer", also das, was die Einzelteile zusammenhält, eine thematische ist, dass das sozusagen einzelne (eigentlich in sich abgeschlossene?) Gedankenskizzen sind, die sich auf unterschiedliche Art und Weise mit "Altern, Tod, Einsamkeit" beschäftigen (Du merkst, dass ich den Begriff "Selbstaufgabe" weggelassen habe, denn ich verstehe nicht ganz, wie der gemeint sein könnte).

Klingt auf jeden Fall nach einem schönen, lesenswerten Buch. Und gegen Melancholie ist ja nichts einzuwenden, das kann durchaus auch seinen Charme haben.

Dir einen schönen Sonntag und
herzliche Grüße

Sabine
cellodil (28.02.2010, 08:05):
Lieber Nikolaus,

lustig klingt der Wagner-Text auch nicht gerade, auch nicht "charmant", aber doch ganz interessant.

Ich habe bei solchen Texten häufig die Erfahrung gemacht, dass mich die Ausgangssituation anspringt, dass sich anfänglich eine gewisse Sogwirkung ergibt, dass aber in vielen Fällen die Spannung dann verplätschert. Bin mal gespannt, was Du über diesen Text schreiben wirst.

Herzliche Grüße

Sabine
nikolaus (28.02.2010, 22:29):
Original von cellodil

:hello liebe Nikolaus,

habe ich das richtig verstanden, dass die "Klammer", also das, was die Einzelteile zusammenhält, eine thematische ist, dass das sozusagen einzelne (eigentlich in sich abgeschlossene?) Gedankenskizzen sind, die sich auf unterschiedliche Art und Weise mit "Altern, Tod, Einsamkeit" beschäftigen (Du merkst, dass ich den Begriff "Selbstaufgabe" weggelassen habe, denn ich verstehe nicht ganz, wie der gemeint sein könnte).

Klingt auf jeden Fall nach einem schönen, lesenswerten Buch. Und gegen Melancholie ist ja nichts einzuwenden, das kann durchaus auch seinen Charme haben.

Dir einen schönen Sonntag und
herzliche Grüße

Sabine

Liebe Sabine!

Entschuldige, dass ich mich nicht sehr präzise ausgedrückt habe.
Ausserdem entsteht bei mir der Eindruck, dass man dieses Buch offenbar aus mehreren Richtungen angehen kann.
Als die "Klammer" würde ich eher die Lebensgeschichte des Erzählers selbst sehen, und zwar von den Wurzeln (d.h. auch die Zeit vor seiner Geburt mit dem Schicksal seiner jüdischen Grosseltern und seiner Mutter) bis zur Gegenwart, in der er sich mit seinen etwas über 60 Jahren offenbar am "Lebensabend" angekommen sieht.
Er hält sich viel am Fenster in seiner Wohnung auf (deshalb der Titel des Romans...) und sinniert vor sich hin. Dabei lenkt er sich selbst ab oder wird durch Kleinigkeiten abgelenkt, was zu diesen Gedankenskizzen und Zeitsprüngen führt; wohlgemerkt nimmt er diese abgebrochenen Gedanken später wieder auf.
Die vorherrschenden "Themen" Einsamkeit, Altern, Tod... entstehen in dieser rückblickenden Perspektive wie von selbst und bilden sozusagen die Kernaussage (oh, oh, ich glaube ich verrenne mich gerade und weiss gar nicht mehr, was ich eigentlich sagen will...).
"Selbstaufgabe" ist vielleicht etwas hart ausgedrückt; zum einen meine ich eine Art von "Schicksalsergebenheit", und in anderem Zusammenhang so etwas wie "sich dem Einfluss eines anderen fast widerstandslos ergebend" als sozusagen Charaktereigenschaften ?(.

In der Hoffnung, nicht zu viel Verwirrung gestiftet zu haben,

Nikolaus.
nikolaus (28.02.2010, 22:31):
Original von cellodil
Lieber Nikolaus,

lustig klingt der Wagner-Text auch nicht gerade, auch nicht "charmant", aber doch ganz interessant.

Ich habe bei solchen Texten häufig die Erfahrung gemacht, dass mich die Ausgangssituation anspringt, dass sich anfänglich eine gewisse Sogwirkung ergibt, dass aber in vielen Fällen die Spannung dann verplätschert. Bin mal gespannt, was Du über diesen Text schreiben wirst.

Herzliche Grüße

Sabine

Richtig lustig ist es am Anfang zumindest wirklich nicht, aber ich muss immer wieder schmunzeln wegen einer Art von Nostalgie, die er entstehen lässt.

Ich werde Dich auf dem Laufenden halten...

Nikolaus :hello
cellodil (01.03.2010, 06:51):
Original von nikolaus

Ich werde Dich auf dem Laufenden halten...

Nikolaus :hello

Merci vielmals! Darauf hatte ich gehofft :D

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (01.03.2010, 06:58):
P.S. :thanks für den Nachschlag in Sachen Bondy! Das war erhellend. Ich glaube, ich werde doch mal im Buchladen reinschauen, wenn ich die Gelegenheit dazu habe.

Herzliche Grüße

Sabine
cellodil (04.03.2010, 07:39):
Gestern angefangen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/21dLglAFYEL._SL500_AA198_.jpg

Max Frisch, Homo Faber
gelesen von Felix von Manteuffel
7 Audio CDs
vollständige Lesung
Der Hörverlag Gmbh (edel)
ASIN: 3867172943

und

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41eb4Yp7dWL._SS500_.jpg

Robert Anton Wilson, Schrödingers Katze: Das Universum nebenan - Der Zauberhut - Die Brieftauben OT: The Schrödingers Cat
768 Seiten
Kailash; 1. Auflage: 1 (1. Februar 2003)
ISBN-10: 3720523837
ISBN-13: 978-3720523837


Bei beidem wegen Übermüdung nicht sehr weit gekommen... Aber beides, die Lesung des allzu Vertrauten und das neue Buch, fängt recht vielversprechend an.

Liebe Grüße

Sabine
cellodil (07.03.2010, 16:11):
Weil ich für den Robert Anton Wilson gerade keinen Kopf habe (ich glaube, das ist was für die Ferien, wenn man sich ganz auf die zunächst einmal etwas verwirrend anmutende Konstruktion einlassen kann), habe ich jetzt zu dem neu erschienenen Kurzkrimi-Band von Tatjana Kruse gegriffen:

http://www.kbv-verlag.de/shop/images/978-3-940077-82-0.jpg
Tatjana Kurse, Klappe zu, Gatte tot
Taschenbuch, 250 Seiten
KBV-Verlag (2010)
ISBN 978-3-940077-82-0

Kurzweilig, heiter und mit einem ausgeprägten Händchen für Typen und Situationskomik.

Wenn's schon nicht Frühling wird, dann wenigstens lachen...

Liebe Grüße

Sabine
Jürgen (10.03.2010, 08:54):
Da ich ein sehr langsamer Leser bin, konsumiere ich die meiste Literatur als Hörbuch (manchmal auch Hörspiel).
Hauptsächlich im Auto im Berufsverkehr (täglich eine gute Stunde) und auf dem Hometrainer (zu wenig sagt mein Gewisssen), weil es dort sonst zu langweilig ist.

Bis gestern hörte ich:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/418333RGCZL._SL500_AA300_.jpg
Steven King: The green Mile, David Nathan (12 CDs)

12 CDs sind lang, zu lang eigentlich. Die erste Hälfte schleppt sich dahin, die Zweite versöhnt aber, spannend - ergreifend.

Und nun:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/4195VSWPDWL._SL500_AA300_.jpg

Tracy Chevalier: Das Mädchen mit dem Perlenohrring, Stefanie Stappenbeck (5 CDs)

Vor einiger Zeit sah ich die Verfilmung im TV und fand sie sehr unspektakulär und einfühlsam.
Das Hörbuch läuft ganz gut an.
Zumindest habe ich schon mal meinen Desktophintergrund gewechselt.

http://instead-of-a-cigarette.com/wp-content/uploads/2007/04/vermeer_girlwithapearlearring.jpg


Grüße
Jürgen
Cetay (inaktiv) (10.03.2010, 13:51):
Original von cellodil
Weil ich für den Robert Anton Wilson gerade keinen Kopf habe (ich glaube, das ist was für die Ferien, wenn man sich ganz auf die zunächst einmal etwas verwirrend anmutende Konstruktion einlassen kann),

Ich glaube, da reichen keine Rentnerferien aus, um die Konstruktion rational zu entwirren, deswegen hilft in der Tat nur Einlassen. Der Roman springt desöfteren mal unvermittelt in einen "anderen Eigenzustand"; Dafür hättest du das Wort Bilokation nicht erst hier im Forum lernen müssen. :D
Fairy Queen (10.03.2010, 17:10):
Lieber Jurgen allein das Bild anzusehen ist ein Hochgenuss und gehört zu "heute gefreut"! Merci.
Ich fand den Film auch sehr schön und einfühlsam.
F.Q.
cellodil (10.03.2010, 21:20):
Original von Cetay
Original von cellodil
Weil ich für den Robert Anton Wilson gerade keinen Kopf habe (ich glaube, das ist was für die Ferien, wenn man sich ganz auf die zunächst einmal etwas verwirrend anmutende Konstruktion einlassen kann),

Ich glaube, da reichen keine Rentnerferien aus, um die Konstruktion rational zu entwirren, deswegen hilft in der Tat nur Einlassen. Der Roman springt desöfteren mal unvermittelt in einen "anderen Eigenzustand"; Dafür hättest du das Wort Bilokation nicht erst hier im Forum lernen müssen. :D

Rentnerferien???? Wie bitte??? Ich glaube, da verwechselst Du was, nicht ich war es, die mit 80 geblitzt worden ist... Auch, wenn mein Fühlalter derzeit irgendwo jenseits der hundert liegt. :A

Ich denke, dass der Wilson richtig Spaß machen kann, wenn man einen halbwegs freien Kopf hat. Aber den braucht es glaube ich auf jeden Fall. Schon alleine wegen der vielen Bezüge, die er herstellt (und zugleich auch wieder in etwas anderes ummodelt), der verschiedenen Schauplätze und Ebenen. Ziemlich komplex. Ich habe das Gefühl, dass man zumindest einigermaßen entspannt da rangehen sollte.

Auf jeden Fall ein interessanter Text, der auch weiterhin oben auf meinem Stapel liegt (vielleicht kommen ja bald doch wieder entspanntere Zeiten...).

Noch einmal :thanks für die Empfehlung
und herzliche Grüße

Sabine
cellodil (10.03.2010, 21:24):
Original von Jürgen
Da ich ein sehr langsamer Leser bin, konsumiere ich die meiste Literatur als Hörbuch (manchmal auch Hörspiel).
Hauptsächlich im Auto im Berufsverkehr (täglich eine gute Stunde) und auf dem Hometrainer (zu wenig sagt mein Gewisssen), weil es dort sonst zu langweilig ist.

Bis gestern hörte ich:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/418333RGCZL._SL500_AA300_.jpg
Steven King: The green Mile, David Nathan (12 CDs)

12 CDs sind lang, zu lang eigentlich. Die erste Hälfte schleppt sich dahin, die Zweite versöhnt aber, spannend - ergreifend.

Ich glaube, Stephen King als Hörbuch, das wäre gar nichts für meine Nerven. Obwohl ich ihn früher (wenn auch mit Gänsehaut und schlaflosen Nächten) gerne gelesen habe und solche alten Hits heute gerne vorgelesen bekomme, habe ich um dieses Genre als Hörbuch bislang einen großen Bogen gemacht. Aber vielleicht probier' ich es jetzt doch mal aus...

Liebe Grüße

Sabine
Severina (12.03.2010, 22:49):
Ich liege eben in den letzten Zügen mit Thomas de Padovas "Weltgeheimnis" und bin äußerst angetan davon, denn der Autor versteht es wirklich, selbst einem mathematischen Trottel wie mir physikalische Berechnungen und Phänomene verständlich zu vermitteln. Darüber hinaus bietet das Buch ein eindrucksvolles Porträt des 17.Jhdts und einen Einblick in wissenschaftliches Denken anno dazumal. Wie sehr einander die Forschungsarbeiten von Tycho Brahe, Johannes Kepler und Galileo Galilei bedingten und ergänzten, wird mir erst durch dieses Buch klar, weil ich sie bisher immer völlig isoliert betrachtet und speziell Galilei eher im Fokus "Opfer der Inquisition" wahrgenommen habe.
lg Severina :hello

PS: Frage an Fairy: Bezieht sich der Untertitel "Die Vemessung des Himmels" auf Michael Kehlmanns "Die Vermessung der Welt", oder ist das reiner Zufall?
Fairy Queen (13.03.2010, 02:31):
Liebe Sevi, nein das ist kein Zufall. Das ist eine "Marketingstrategie" des Verlags. Solche Titel werden zwar in enger Absprache mit dem Autor gemacht, aber die Interessen des Verlags stehen natürlch ganz oben.
Die Komplimente gebe ich mit grössstem Vergnügen weiter- denn mir gings genauso: ich hab fast Alles verstanden und eine grössere Null in Mathe und Physik als mich gabs in meiner Klasse nicht....
Mir hat auch das lebendige Zeitporträt besonders gut gefallen und wenn man sich die Welt des frühen 17 JH in Europa so ausmalt, kann man nur froh sein, 350 Jahre spâter das Licht derWelt erblickt zu haben.

F.Q, schlaflos, aber nciht in Seattle
Agravain (13.03.2010, 08:01):
http://www.rowohlt.de/fm/501/thumbnails/3-499-50416-2.jpg.234669.jpg
Fairy Queen (13.03.2010, 14:45):


Ich bin restlos begeistert von diesem Diskurs über die Liebe. Das Werk ist ja keinesfalls neu, aber irgendwie leider bisher an mir vorbeigegangen- Alles hat eben seine Zeit.
Barthes bedauert, dass es in unserer Zeit keine ernsthafte philosophische, gesellschaftlich relevante Diskussion mehr über die Liebe gibt, so wie z.B. einst in Platons Symposion.
Er benutzt in seinem Werk alphabetisch angeordnete Begriffe, dei er Figuren nennt und die er im Hinblick auf ihre Bezdeutung für einen im liebesgefühl gefangenen Menschen erläutert. seien Gedanken sindausgesprochen faszinierend udn jeder , der schon selbst Erfahrungen leidenschaftlicher Liebe hinter sich hat, kommt von einem Dejà-Vu Erlebnis zum Nächsten. Ich bin bereits beim zweiten Durchgang und das wird nciht der Letzte sein, denn das werk ist so reich, dass erstmal die Hälfte vorbeirauscht, ohne dass man in die Tiefendimension eingestiegen ist.
Zum Buchstaben A gibt es z.B.:
Abhängigkeit, Abwesenheit, Allein, anbetungswürdig, Angst, Auswege

Ganz viele Beispiele aus der literatur, aber auch der Oper oder dem Lied. Werther ist ein roter Faden, der sich durch das ganze Buch zieht.

Die Liebe als Ausnahmezustand, aber auch als eine Krankheit, von der man am liebsten nicht geheilt werden möchte.

Jedem der das Liebesgefühl als solches liebt und der viele sym- und empathische Momente erleben möchte, allerwärmstens ans Herz gelegt. Ob als Hörbuch oder als Buch.

F.Q.
Heike (14.03.2010, 20:46):


Eine der spannendsten Biographien, die ich je gelesen habe. Der Autor versteht es auf wundersam anschauliche Weise, Einsteins Gedankengänge und Theorien auch für mich als kompletten Laien einigermaßen nachvollziehbar zu machen. Aber das ist nicht der Hauptgrund, der das Buch so lesenswert macht, wissenschaftliche Exaktheit in allen Punkten will ich von so einem Schmöker auch gar nicht erwarten. Ich bin Einstein als Mensch näher gekommen (und habe nebenbei mit großer Freude noch einiges in Mathe und Physik gelernt). Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

Neffe beschrebt unglaublich nachvollziehbar, anschaulich und beeindruckend, was dieses Genie Einstein doch für ein emotionaler Analphabet war. Bei allem physikalischem und auch politischem Engagement, der Mensch Einstein muss ein komplettes Ekel gewesen sein.
Lesenswert!
Heike
Heike (14.03.2010, 20:49):
@Fairy
"Fragmente einer Sprache der Liebe" ist mir vor Jahren schon mal empfohlen worden, irgendwie bin ich dann wieder davon abgekommen. Dank deines Beitrages habe ich mich jetzt wieder dran erinnert; ich glaube, ich werde es mir jetzt aber wirklich mal anschaffen.
Heike
Fairy Queen (14.03.2010, 21:29):
Liebne Heike, ich übernehme die volle Verantwortung dafür: du wirst begeistert sein!!!!
Das ist ganz grosse literarische Psychologie der Liebe, und frei von jeder Doktrin oder Klischeehaftigkeit. Ich bin sicher, dass Jeder, der die Liebe selbst erlebt hat, von diesem Buch tief berührt werden muss .
F.Q.
Severina (14.03.2010, 22:03):
Original von Heike


Eine der spannendsten Biographien, die ich je gelesen habe. Der Autor versteht es auf wundersam anschauliche Weise, Einsteins Gedankengänge und Theorien auch für mich als kompletten Laien einigermaßen nachvollziehbar zu machen. Aber das ist nicht der Hauptgrund, der das Buch so lesenswert macht, wissenschaftliche Exaktheit in allen Punkten will ich von so einem Schmöker auch gar nicht erwarten. Ich bin Einstein als Mensch näher gekommen (und habe nebenbei mit großer Freude noch einiges in Mathe und Physik gelernt). Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

Neffe beschrebt unglaublich nachvollziehbar, anschaulich und beeindruckend, was dieses Genie Einstein doch für ein emotionaler Analphabet war. Bei allem physikalischem und auch politischem Engagement, der Mensch Einstein muss ein komplettes Ekel gewesen sein.
Lesenswert!
Heike

Liebe Heike,
danke für diesen Tipp! Mir hat schon die Darwinbiografie von Neffe ausgezeichnet gefallen, also schafft er es vielleicht auch, mir Einstein deppensicher :wink zu erklären!
lg Severina :hello
Heike (17.03.2010, 19:10):
3 von 4 CDs schon gehört von:



Ich übernehme mal Emmis Numerierungsmania:
1. es ist gaaaaanz großartig gelesen.
2. ich finde es unterhaltsam.
3. der Wortwitz des Autors ist erfrischend (z.B. die einleitende Sache mit dem Abo, die-20 Fotos-Auswahl, der "ich habe eine Schwester"-Tipp oder die Möbel inclusive Weinregal sind köstlich),
4. Leo ist weitaus vielschichtiger und interessanter gezeichnet als Emmi - der Autor ist unverkennbar männlich,
5. die Projektionsdinge sind mir natürlich bekannt, aber ich habe mich trotzdem besonders in der ersten Zeit gut amüsiert,
6. der Esprit lässt ab Mitte (ab Mias Auftreten) etwas nach,
7. ich fürchte, dass das Ende doof ist ;-)

Fazit: keine große Kunst, aber gute und spritzige Unterhaltung.
Morgen werde ich es zu Ende hören.
Heike
Heike (17.03.2010, 19:23):
Da Barthes nioch nicht da ist, habe ich gestern erst mal dieses Buch angefangen (das Hörbuch höre ich im Auto, das Papierbuch lese ich zu Hause):



Ich kenne schon zwei der vorherigen Bücher von N. Kelek:
"Die fremde Braut: Ein Bericht aus dem Inneren des türkischen Lebens in Deutschland"
sowie
"Die verlorenen Söhne: Plädoyer für die Befreiung des türkisch-muslimischen Mannes "
Das beides gemeinsam ist unzweifelhaft das beste, was ich über türkische Migranten in Deutschland bisher gelesen habe. Die Frau schreibt spannend, klug und vor allem: sie bleibt nicht bei der Beschreibung stehen, sondern bezieht Position und zieht Schlussfolgerungen, die ich fast allesamt unterschreiben würde.

Das neue Buch nun befasst sich mit dem politischen und religiösen System der Türkei (Geschichte und Gegenwart). Ich freue mich aufs Weiterlesen!
Heike
Erna (17.03.2010, 22:09):
Bei mir zur Zeit als E-Book auf dem Netbook und dem E-Book-Reader und sehr interessant. Lg. Erni
Fairy Queen (18.03.2010, 05:56):
Liebe Heike, ist bei dem Glattauer Band zwei auch mit drin?
Den fand ich im nachhinein gesehen überflüssig......

Unterhaltsam war das wirklich, aber auch ein bisschen mehr, finde ich. Wir hatten die Diskussion ja neulich schon.
Das türkische Thema klngt sehr interessant. Bei uns hier sind die Nordafrikaner in einer ähnlichen Situation, ich habe da aber noch ncihts Gleichwertiges gelesen.
Schönen, hoffentlich frühlingshaften Tag (hier gestern 16 Grad, man kann jetzt ohne Mantel mit Strickjacke gehen!!!!!)

F.Q.
Heike (18.03.2010, 08:45):
Liebe Heike, ist bei dem Glattauer Band zwei auch mit drin?
Nein, das ist nur Band 1 - aber ungekürzt (ich hasse gekürzte Hörbücher, aber davon gibt es leider massenhaft).
Ich fand es insoweit nicht nur unterhaltsam, sondern auch lehrreich für Leute, die virtuelle Beziehungen verklären. Man weiß das ja mehr oder weniger alles, aber es ist recht gelungen umgesetzt; jedenfalls anfangs. Mittlerweile wird mir der erhobene Zeigefinger etwas zu dick und die Botschaft zu offensichtlich.

Was Band 2 angeht, den werde ich sicher nicht lesen, aber dann kann ich dich ja mal fragen, wie das ausgeht! Schickst du mir 3 Sätze dazu (vielleicht per PN, um anderen potentiellen Lesern die Vorfreude nicht zu verderben???
Heike
Fairy Queen (18.03.2010, 19:45):
Mach ich, sag nur Bescheid wann, will dir ja auch ncihts zu früh verraten.
F.Q.
cellodil (19.03.2010, 00:51):
Original von Heike
es ist recht gelungen umgesetzt; jedenfalls anfangs. Mittlerweile wird mir der erhobene Zeigefinger etwas zu dick und die Botschaft zu offensichtlich.


:beer da kann ich Dir nur zustimmen.

Liebe Grüße

Sabine
Heike (21.03.2010, 18:07):
Mach ich, sag nur Bescheid wann, will dir ja auch ncihts zu früh verraten. F.Q.
Kann losgehen, Hörbuch ist ausgehört.
Wider Erwarten fand ich den Schluss dann doch wieder witzig.
Heike
Fairy Queen (21.03.2010, 20:13):
Lieb Heike; im zweiten Band kriegen sich die Beiden schliesslich, was ich ziemlich doof fand weil es m.E. nur eine Anbiederung an den Publikumswunsch/Erfolg war und eigentlch nciht dem Aufbau des Ganzen im 1. Teil entspricht. Emmy trennt sich von Bernhard, Leo kommt aus Amerika zurück und trennt sich auch von seiner Verlobten. Happy End!

Bin serh gespannt wie Dir der Roland Barthes gefällt.

Lieben Gruss
F.Q.
Heike (21.03.2010, 21:50):
Danke! Das war ja zu vermuten, dass er ein Schnulz- Fortsetzungs- Ende herbeischreibt. Armer Bernhard ;-)
Barthes werde ich im Laufe der Woche anfangen, ich werde berichten.
Heike
nikolaus (21.03.2010, 21:55):
Original von nikolaus
Der nächste Gedanken-Assoziationen-Roman:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41ZUmv9Oa2L._SL500_AA300_.jpg

Mit vier Äpfeln fängt alles an. Ein Mann, der weniger zu tun hat als ihm lieb ist, erlebt an der Obst- und Gemüsewaage seines Supermarkts einen magischen Moment: die grüne Leuchtanzeige zeigt 1-0-0-0.
Vier Äpfel, die zusammen genau tausend Gramm wiegen - er ist, er weiß selbst nicht genau wieso, gerührt, klebt das Etikett mit der Strichcodezeichnung vorsichtig auf die Tüte und schiebt seinen Wagen durch eine ihm plötzlich fremd gewordene Welt.
Seine Gedanken schweifen ab in in eine Zeit, als man noch in kleineren Läden andere Dinge kaufte, zu Frühergerüchen , zum Konsumverhalten überhaupt, und er erinnert sich an L., die Frau, die ihn verlassen hat. Vier Äpfel erzählt von tieftraurigen Produkten und ihren Konsumenten, erzählt die Geschichte einer alten Liebe, einer Gegenwart, die immer schon vergangen ist. David Wagner hat ein Buch geschrieben, das Wahrnehmungsweisen schärft, sie vielleicht sogar verändert. Darin liegt seine große Kunst.

Mal sehen...

Nikolaus.

So, fertig.

Das ist ganz nette Lektüre für nebenher.
In seiner augenscheinlichen Banalität ist es schon wieder amüsant und erschreckend normal. Die Beobachtungen und Assoziationen, die sich daraus ergeben, kann wohl jeder nachvollziehen oder hat sie sogar selbst schon gemacht.
Wagner hat sein Konzept konsequent umgesetzt mit sehr kurzen Kapiteln/Abschnitten und zahlreichen Fussnoten (das ist wohl Mode im Moment, hat Reif Larsen in "Die Reise meiner Träume" auch gemacht).
Er schreibt lakonisch, ab und an blitzt ein trockener Humor hervor. Bisweilen ist es auch anrührend, wenn auch sicher nicht tief bewegend.

Nikolaus.
Erna (22.03.2010, 09:52):
Bei mir wieder als E-Book auf dem Netbook und dem E-Book-Reader und auch sehr interessant. Lg. Erni
ab (22.03.2010, 11:20):
Auch sehr interessant, hoffe ich:
Martin Kemp: Leonardo

Nachdem ich von ihm schon "Der Blick hinter die Bilder" kennen, bin ich sehr gespannt.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/5118F54BNFL._SL500_AA300_.jpg
ab (22.03.2010, 11:27):
Original von Fairy Queen


Ich bin restlos begeistert von diesem Diskurs über die Liebe.
Jedem der das Liebesgefühl als solches liebt und der viele sym- und empathische Momente erleben möchte, allerwärmstens ans Herz gelegt.

Auch " Über die Liebe" von Stendhal gelesen?
Fairy Queen (22.03.2010, 12:10):
Lieber ab, ja, ist aber lange her und muss dringend aufgefrischt werden. Die Franzosen halten die Liebe ohnehin für eine universelle Krankheit, aber gottseidank eine, von der niemand ernsthaft genesen möchte. Im Gegenteill, wer hier nciht krank ist, ist richtig krank.. Paradox aber wahr. Nur Michel Houellebecq ist eine Ausnahme....- zumindest tut er so.... :wink.
Stendhal ist für mich einer der Grössten überhaupt. "Rot und schwarz" und "Die Karthause von Parma" gehören szu meinen Büchern für die Insel.
Liebe Grüsse aus dem "Kranken-Exil"
F.Q.
Heike (28.03.2010, 12:02):
Ich wollte nur mal Bescheid geben, dass ich seit einigen Tagen begeistert in:

Roland Barthes - "Fragmente einer Sprache der Liebe" lese!

Das ist intelligent, detailreich, poetisch, spannend und unheimlich bereichernd für jeden Liebenden und für Kunstfreunde sowieso. Es ist ein sehr gut durchdachtes, philosophisches Buch. Eines der Bücher, das man sicher immer mal wieder in die Hand nimmt.
Heike
Fairy Queen (28.03.2010, 12:37):
:times10 :engel
Bin shcon, beim dritten Durchgang!
Ein Satz hat mich besonders verfolgt: "Bedeutet es Ihnen denn gar ncihts jemandes Fest zu sein?"

Für alle nciht erwidert Geliebten wahrlich bedenkenswert.....
Wie man überhaupt die ganze Sache mal von der anderen Seite betrachtet. auch Geliebte, die nicht wiederlieben, habens nicht so ganz leicht im Leben und es sind nciht nur die unglûcklich Liebenden die immer alleine leiden.

F.Q.
Jürgen (31.03.2010, 10:52):
Ich bin ein wenig hinterher. Letzte Woche gabs dieses Hörbuch:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/518XE0PFSVL._SL500_AA300_.jpg

Andrea Camilleri: Die sizilianische Oper (6 CDs)
Gelesen von Frank Arnold.
Original von Amazon
Eigentlich sollten sich die Bürger des sizilianischen Nestes Vigàta freuen, dass auch ihr Dorf ein Opernhaus vorweisen kann. Das Gegenteil ist der Fall. Denn Initiator des Opernprojekts ist der neue Präfekt aus Montelusa. Und der stammt erstens aus der Toscana, was an sich schon ein Fehler ist, und zweitens werden Vorschläge aus Montelusa in Vigàta aus Prinzip abgelehnt. Und so geht es bereits bei der Theaterpremiere drunter und drüber und die Oper zu guter Letzt in Flammen auf.

Mir hat es gut gefallen, insbesondere die Opernaufführung war schon grandios.

Einziger Makel ist, dass der Sprecher versucht der Vielzahl an Charakteren eine eigene Stimme zu geben und dabei allzu oft diesen weinerlich-dämlichen Tonfall zu wählen, der mir dann nach einiger Zeit auf den Keks ging.


Seit Vorgestern höre ich:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51W4RRB7M8L._SL500_AA300_.jpg
Dan Brown: Meteor (6 CDs)
Gelesen von Anne Moll.

Bin etwa in der Mitte und es ist recht packend.

Grüße
Jürgen
Fairy Queen (12.04.2010, 15:11):
Bin gerade voll auf dem Martin Suter-Trip. Angefangen habe ich mit "Der Koch", das mich so fszinierte, dass ich gleich noch "Small world" nachschob und noch begeisterter war. Nicht sonderlich gefallen haben mir dann aber "Die andere Seite des Mondes" und ein anderes Werk, desen Titel mir gerade nicht einfällt (es geht um ein Bild von Felix Valloton) .




Im Koch und der Small World gelingt es glaubhaft, die Schweizer Schicki-Micki-Geld Society in den Dienst eines serh interessanten Themas zu stellen.
Suters detailierte Kenntnisse über tamilische Asylanten, asiatische Küche und insbesodnere der Alzheimer Krankheit haben mich wirklich verblüfft. Und die megaspannende Erzählweise ebenso. "Small world" hat mich so gefesselt, dass ich die halbe Nacht durchgelesen habe und um meinen Schlaf gekommen bin, was sich dann tagsdrauf ûbel rächte.

Nach der Lektüre von "Der Koch" kauft man sich automatisch gleich alle Zutaten der beschreibenen Köstlichkeiten ein, auch wenn die raffinierten Methoden und gerâte der Molekularküche leider fûr Normalsterbliche kaum greifbar sein dürften.
Ein Menü mit Verführungsgarantie scheint gar zu reizvoll.

Guten Appetit :engel
Heike (12.04.2010, 19:15):
Hallo Fairy,
ich fand "Small world" auch klasse und mir hat ebenso gut "Die dunkle Seite des Mondes gefallen". Da fand ich es total schräg, wie eindrücklich Suter diesen Drogentrip geschildert hat und noch besser eingefangen fand ich die beängstigende Vorstellung eines Mannes ohne Gewissen.

Jetzt hab ich gerade ausgelesen (das war auch irgendwie hier eine Forenanregung):



Das hat mich recht gut unterhalten, es liest sich so in ein zwei Tagen weg
aber der Schluss stimmt ja ganz und gar nicht: in der Oper muss der Sopran am Schluss sterben!!!!
Heike
nikolaus (12.04.2010, 19:16):
Bei Suter kann ich den Kinofilm "Giulias Verschwinden" (mit Corinna Harfouch, Bruno Ganz , Sunyi Melles u.a.) empfehlen.

Ich habe ihn im November in Zürich gesehen, er scheint erst jetzt hier zu laufen.

Nikolaus :hello
Agravain (12.04.2010, 19:28):
Trotz der eher mäßigen Kritiken seit Jahren mal wieder einen Pratchett. Nachdem mich die jüngeren Scheibenwelt-Romane eher kalt gelassen haben, so war ich ein großer Freund der frühen Werke, was liebte ich Pratchetts Charaktere, zB. Granny Weatherwax, Nanny Ogg (die unnachahmliche Verfasserin des Standardwerkes "The Joy of Snacks") - oder, die Hitliste anführend - DEATH und DEATH of Rats. Auch "the world of academia" der Scheibenwelt hatte es mir in den alten Tagen wahrlich angetan. Wer erinnert sich nicht an die wundersame Wiederauferstehung des Windle Poons? Vielleicht kann mich Pratchett nun doch noch einmal mitreißen mit:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/513H6D8PKaL._SL500_AA300_.jpg
RmalouguR (19.04.2010, 15:03):
Stell für die Matura gerade eine Leseliste zusammen....momentan bin ich an diesen Büchern dran....

Ilse Aichinger - Erzählungen
Mascha Kalèko - Mein Lied geht weiter (Gedichte)
Albert Camus - der fremde

und zum 1000. Mal:
Friedrich Torberg - Die Tante Jolesch :) (immer wieder incomparabile)
ab (19.04.2010, 15:52):
Die Klavierspielerin von Elfriede Jelinek

Zum Glück kann ich das vom Haneke-Film, den ich ausschnittsweise gesehen haben, völlig unbeeinflusst lesen. Im Vergleich zu "Lust" kommt mir es bedeutend weniger interessant vor. Es liest sich auch deutlich leichter. Auf mich wirkt es wie eine Farce, und ich muss viel lachen.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/513RDA2VP5L._SL500_AA300_.jpg

Ich hätte wohl lieber zu "Die Kinder der Toten" greifen sollen, das mir wiederholt als ihr bestes Wek empfohlen wurde. (Stimmt das?)
Heike (22.04.2010, 18:13):
Hallo ab,
Ich hätte wohl lieber zu "Die Kinder der Toten" greifen sollen, das mir wiederholt als ihr bestes Wek empfohlen wurde. (Stimmt das?)
"Die Kinder der Toten" habe ich vor etlichen Jahren gelesen und es war überhaupt das einizige Buch von ihr, mit dem ich überhaupt was anfangen konnte. Ich kann mich nicht mehr im Detail erinnern, aber fand es in Bezug auf Vergangenheitsbewältigung sehr gelungen, wenn auch sehr verstörend gemacht. Ich habe weiterhin, (allerdings danach) genau wie du, "Lust" und natürlich "Die Klavierspielerin" gelesen, beides fand ich eher doof und ich hab mich v.a. immer gefragt, ob die total kaputt ist, wenn sie so krudes Zeug schreibt und ob ich das überhaupt lesen will.
Heike
ab (22.04.2010, 20:52):
:thanks
cellodil (28.04.2010, 11:33):
Original von Heike



(...) aber der Schluss stimmt ja ganz und gar nicht: in der Oper muss der Sopran am Schluss sterben!!!!
Heike

Muss mir ganz entgangen sein, dass das eine Oper ist... :D

Liebe Grüße aus der Galaxis

Sabine
nikolaus (28.04.2010, 21:08):
Original von cellodil

Liebe Grüße aus der Galaxis

Sabine

Juchuuu! Ein Lebenszeichen!! http://www.smilies.4-user.de/include/Huepfen/smilie_hops_064.gif
Agravain (03.05.2010, 20:31):
Seit langer Abstinenz bin ich wieder einmal bei dem größten Dichter der britischen Inseln, und zwar bei Chaucer. Herrlich, wieder die "Canterbury Tales! zu lesen. Meiner Ausgabe ganz ähnlich (sowohl in Cover als auch in Zustand):

http://www.openlettersmonthly.com/stevereads/wp-content/uploads/2010/01/penguin-coghill-chaucer.jpg
Honoria Lucasta (22.05.2010, 10:02):
Ich wurde neulich auf meiner Reise an die Canterbury Tales erinnert, als wir in Santiago de Compostela waren: spricht nicht auch die Frau aus Bath davon, daß sie da schon gewesen sei?

Jedenfalls habe ich die nämliche Ausgabe dieses Werks, danke für die Anregung, da auch wieder einmal hinein zu schauen. Das Wetter läßt heute nur solche Art von Aktivität zu.

Grüße!

Honoria
Jeremias (22.05.2010, 13:11):
Original von Jürgen
Ich bin ein wenig hinterher. Letzte Woche gabs dieses Hörbuch:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/518XE0PFSVL._SL500_AA300_.jpg

Andrea Camilleri: Die sizilianische Oper (6 CDs)
Gelesen von Frank Arnold.
Original von Amazon
Eigentlich sollten sich die Bürger des sizilianischen Nestes Vigàta freuen, dass auch ihr Dorf ein Opernhaus vorweisen kann. Das Gegenteil ist der Fall. Denn Initiator des Opernprojekts ist der neue Präfekt aus Montelusa. Und der stammt erstens aus der Toscana, was an sich schon ein Fehler ist, und zweitens werden Vorschläge aus Montelusa in Vigàta aus Prinzip abgelehnt. Und so geht es bereits bei der Theaterpremiere drunter und drüber und die Oper zu guter Letzt in Flammen auf.

Mir hat es gut gefallen, insbesondere die Opernaufführung war schon grandios.

Einziger Makel ist, dass der Sprecher versucht der Vielzahl an Charakteren eine eigene Stimme zu geben und dabei allzu oft diesen weinerlich-dämlichen Tonfall zu wählen, der mir dann nach einiger Zeit auf den Keks ging.


Seit Vorgestern höre ich:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51W4RRB7M8L._SL500_AA300_.jpg
Dan Brown: Meteor (6 CDs)
Gelesen von Anne Moll.

Bin etwa in der Mitte und es ist recht packend.

Grüße
Jürgen

Meteor ist einfach klasse!!!
nikolaus (03.06.2010, 15:48):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783492053747.jpg

Das Leben ein Ausnahmezustand: In sechs klugen, berührenden Erzählungen richtet Annette Pehnt ihren Blick auf kurze Momente großer Intensität: wie zum Beispiel auf die Ohnmacht einer Tochter angesichts des Todes ihrer Mutter oder die Traurigkeit einer jungen Frau über den Verlust ihrer Schönheit.
Da ist die vermeintlich glückliche junge Frau, die von der Feststellung einer alten Chinesin verblüfft wird: »Ihre Schönheit schlummert in Ihrem Gesicht. Sie haben nur vergessen, wo sie ist.« Da ist die verzweifelt fantasievolle Zugbegleiterin, die sich wünscht, neben ihren Reisenden einzuschlafen. Oder die Verzagtheit zweier Kinder, deren Mutter eines Tages einfach ins Krankenhaus verschwindet. Ob alles wieder gut wird? Ob sie wieder zu sich zurück finden? - Trauer, Liebe, Schmerz und Nähe: Tiefenscharf und mit großer Empathie leuchtet Annette Pehnt unseren Alltag aus und entdeckt den Ausnahmezustand im Normalen. Jede ihrer Erzählungen sucht Worte für unsere Sprachlosigkeit und erzählt von den Momenten unseres Lebens, die uns zu Menschen machen.


Ganz wundervoll und berührend!

Nikolaus.
Cetay (inaktiv) (04.06.2010, 11:44):
http://img517.imageshack.us/img517/5733/gabbm.jpg
Uploaded with ImageShack.us

Noch lese ich das nicht, aber die Bestellung ist schon mal raus.
daniel5993 (09.06.2010, 21:01):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783417208177.jpg
Jürgen (10.06.2010, 10:42):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/517FXH0NP0L._SL500_AA300_.jpg


Michael Köhlmeier: Kalypso. 11 CDs. Autorenlesung

Bis zum letzten WE habe ich mich mehr als zwei Wochen lang durch diese 11 langen und leider auch langweiligen CDs gequält.
Die Geschichte von Odysseus neunjährigem Aufenthalt auf der Insel und in den sanften Fängen der Nymphe Kalypso kommt recht zäh daher.
Die Handlung soll durch zahlreiche Rückblicke aufgelockert werden, denn der eigentliche Aufenthalt bei Kalypso gibt außer zahlreichem GV nicht viel her. Aber diese Rückblicke sind nicht wirklich spannend, erweitern meinen Horizont lediglich in der Richtung, dass Odysseus neben Schlaumeier, versuchtem Kriegsdienstverweigerer und kriegsentscheidendem Ideengeber auch ein Opportunist und Sausack war, was ich in meiner Jugend bei Gustav Schwab so nicht gelesen habe. Oder ist das künstlerische Freiheit?
Der Transfer der Handlung in die Gegenwart (oder zumindest 20.Jahrhundert) gelingt nicht ganz reibungslos. So geht unser Held z.B. mehrmals in die nahe gelegene Stadt zum Einkaufen. Dennoch gelingt es ihm nicht herauszufinden, wo sich die Insel der Kalypso eigentlich befindet.

Zuguterletzt wird vom Autor auch noch schlecht gelesen. Man hätte doch die Kapitel, in denen er ins Stocken geraten ist, noch einmal aufnehmen können. Es passierte nur ein paar mal, aber was bleibt ist der amateurhafte Eindruck.

Von mir bekommt er kein Foto. :haha

Grüße
Jürgen
Solitaire (25.06.2010, 18:05):



Eva Baronsky: Herr Mozart wacht auf.

Wien, 5. Dezember 1791. Wolfgang Amadé Mozart liegt im Sterben.
Als er am nächsten Morgen erwacht, findet er sich in einer neuen Welt wieder die er nicht versteht, und die ihn zugleich ängstigt und fasziniert. Es muß wohl der Himmel sein. Oder die Hölle? Oder ein Zwischenreich?
Eine Welt, in der es hauchdünne, in allen Regenbogenfarben schimmernde Scheiben gibt, die voller Musik sind. Musik die er geschrieben hat ,Musik die Freunde und Kollegen geschrieben haben, Musik die Leute geschrieben haben von denen er noch nie etwas gehört hat. Eine Welt, in der es Kutschen ohne Pferde gibt, in der die Frauen halbnackt rumlaufen, was niemanden zu stören und niemanden zu begeistern scheint. Eine Welt, in der es diese wunderbare Sache mit Namen „Jazz“ gibt...es dauert eine Weile ehe er es glauben kann, aber dann trifft es ihn wie ein Schlag: offenbar ist er an jenem Winterabend gestorben und jetzt, 200 Jahre später, zurück auf die Erde gesandt worden. Um was zu tun? Um sein letztes Werk, sein Requiem zu vollenden, denn was dieser Stümper Süßmayr da fabriziert hat kann ja wohl sein Ernst nicht gewesen sein. Herr Mozart schiebt den Gedanken an das Requiem beiseite, es macht ihm Angst und er will damit nichts zu tun haben. Nach dem der erste Schock überwunden ist, beginnt er, seine neue Zeit, (denn die Umgebung ist die gleiche, er ist immer noch in Wien, auch wenn er es kaum wiedererkennt) , zu erkunden. Er findet einen Freund, einen Musikus: den Geiger Piotr der als illegaler polnischer Einwanderer sein Brot mit Straßenmusik verdient, er macht Bekanntschaft mit dem Regietheater und stellt fest, daß seine Opern szenisch kaum wiederzuerkennen sind, aber in einer musikalischen Perfektion gespielt werden, von der zu seiner Zeit nicht einmal zu träumen gewagt hätte („Diese Leute müssen wochen-, monatelang geprobt haben...“). Er stellt aber auch fest, daß das Publikum zu seiner Zeit viel neugieriger und aufgeschlossener war als heute, stets wollten sie neue Opern, neue Konzerte hören, während heute fast nur tote Komponisten gespielt werden. („Ich möchte eine Musique à la mode hören!“ „In der STAATSOPER????“)
Doch kann er den Gedanken an das Requiem nicht ewig verdrängen, denn es lauert und wartet auf ihn, aber er verbringt seine Abende lieber im Jazzkeller wo er auf Teufel komm raus am Klavier improvisiert.
Und er verliebt sich. Wieder einmal.

Eva Baronsky verwendet in ihrem Buch einige gängige Mozart-Klischees (z.B. das vom unzuverlässigen Genie, das nicht mit Geld umgehen kann und ein Vermögen für schöne Kleidung ausgibt), dennoch ist ihr ein wunderbarer kleiner Roman gelungen in dem aus jeder Zeile die Liebe zur Musik spricht, und in dem es um mehr geht als darum, einen berühmten Mann der Vergangenheit in eine Zeitmaschine zu stecken und in mehr oder minder amüsante Situationen zu bringen. Ein Roman, in dem dankenswerterweise am Ende nicht alle Geheimnisse gelüftet werden.
Ich habe ihn vor einigen Monaten gelesen, aber da ich gerade wieder viel Mozart höre, ist mir eingefallen, daß ich ihn hier eigentlich mal erwähnen könnte.
Kennt jemand von euch das Buch?
Zefira (25.06.2010, 23:17):
Ich kenne es nicht, habe es aber eben auf meine Wunschliste gesetzt. Danke für die tolle Rezi!
Gruß von Zefira
Fairy Queen (26.06.2010, 11:15):
Ich kenne es leider auch noch nciht- aber was fuer eine tolle Urlaubslektuere scheint das zu sein!!!!
Vor der naechsten Redsie gebe ich mal gleich eine groessere Bestellung in Auftrag: in der Muttersprache und ueber geliebte Dinge/Personen zu lesen, erhoeht doch nochmal den Urlaubseffekt.
Weitere gute Lesefutter-Urlaubs tipps werden noch gerne entgegengenommen :thanks
Solitaire (27.06.2010, 11:01):
Wie schön, daß ich euch neugierig machen konnte! Ich habe das buch auch im Urlaub gelesen, allerdings in den Weihnachtsferien auf dem heimischen Sofa und unterm Christbaum.

Ein anderes sehr interessantes Buch kennt Fairy vielleicht, da es doch ebenso ihr Thema wie meins sien dürfte: "Catherine Clèment: Die Frau in der Oper". Frau Clèment hat einen sehr feministischen Ansazt an die Sache ranzugehen, und ich stimme ihr auch nciht in allem zu was sie sagt, außerdem ist ihr Schreibstil m.E. doch manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, dennoch habe ich das Buch mit großem Interesse gelesen. Es geht um die großen weiblichen Opernfiguren (und zwar im gängigen Standartrepertoire): Carmen, Violetta, Butterfly, Lucia etc. und darum, wie sie in der Männerwelt in der sie leben und singen "Besiegt, verraten und verkauft" werden wie es im Untertitel heißt.
Ich weiß, daß es mit Zitaten aus Werken von noch lebenden Autoren wg. des Urheberrechts schwierig ist, dennoch hier ein längeres Zitat aus ihrem Lucia-Kapitel, damit ihr sehen könnt, ob es was für euch wäre oder euch schon der Stil auf die Nerven geht:

Sie ist es. Sie schreitet herab; ein wichtiger Weg. Wie eine Braut auf den Stufen der Kirche...wie eine Königin schreitet sie zu den Untertanen herab die sie nicht sieht.
Sie geht ganz weich, wie in Trance, sie schwankt Stufe für Stufe herunter, Note für Note. Eine Flöte lenkt zärtlich ihre Schritte, begleitet ihre Melodie, wacht über sie.
Adagio. Lucia geht zum erwarteten Treffen. So lange hat sie auf diese Minute gewartet. Alles ist so, wie sie es wollte, glücklich, versöhnt.
Er kommt zurück, wie das Zeichen ihres Glücks, der Liebesgesang, den sie am Rande eines Brunnens ausgetauscht hatten. Bruch: es stimmt nicht mehr. Lucia schwankt. Einen Moment lang hat sie beinahe den Ariadnefaden verloren. Aber er ist nicht gerissen, die Stimme sucht ihn, ganz oben, und findet ihn endlich, den Faden, der ihre Träume leitet. Ihre Träume sind wahrhaftig. Wenn sie um sich schauen würde, wenn sie diese Menge sehen würde, die sie anstarrt, wenn sie das Bewußtsein wiedererlangen würde, wäre alles verloren.
So fliegt Lucia in einem wundersamen Aufschwung zu Edgar, empfängt ihn, spricht zu ihm, drückt in ihren leeren Armen einen abwesenden, eingebildeten Geliebten. Die Leidenschaft verstärkt sich, die verliebte Stimme singt mit mehr Festigkeit. Das großartige Duett, dem der Partner fehlt; das Phantomduett. Es ist ein langsamer und süßer, glücklicher und zärtlicher Walze. Lucia tanzt mit ihrer entleerten Liebe Walzer.
"Alfin son tua" sagt sie zu ihm. Endlich, endlich bin ich Dein und du bist mein..."Alfin sei mio..." Endlich bist du mein...So lange mußte ich warten!
Aber Schluß jetzt mit den Tränen und dem Jammer und der velorenen Liebe. Alles ist gut.
Um sie herum, die so mächtig die Begierde nach jenem Mann auslebt, den ihr Gesang anwesend macht, um sie herum beendet ein entsetztes Gemurmel die Wirklichkeit ihres Traums.
Lucia, die verliebte Wahnsinnige setzt ihren Walzer fort, gefolgt von der sie umschlingenden, umfangenden Flöte; die Gespensterflöte ersetzt den abwesenden Edgar. Lucias Stimme dialogisiert mit der Flöte, Antworten, Echos. Lucia ist nicht mehr alleine, sie wird nie wieder alleine sein.
Die Stimme erhebt sich, verliert die Worte, singt ganz hell, ruht schließlich aus; Sie hebt wieder an, in einer heiteren, fast kindlichen Bewegung. Lucia tanzt mit ihrer Begierde: hör Dir an, wie fröhlich, leicht, beruhigt das ist.
Wer spricht denn von Unglück?
Die Stimme der Wahnsinnigen singt vom vollkommenen Glück und gelangt zur philosophischen Wahrheit Rousseaus: "Mein vollkommenstes Glück war im Traum."
Gedankenverloren, verträumt, blutüberströmt, findet die Mörderin die Kindheit des Gesangs und seine begehrenswerte Freiheit wieder. Kein Geräusch um sie herum könnte sie noch erreichen; jedesmal, wenn der Chor der immer noch unbeweglichen Zuschauer dazwischensingt, setzt sie höher wieder ein, jedesmal höher, leichter, und weist alle in die Dunkelheit der unglücklichen Welt zurück, jene, die auf ewig von ihr getrennt sind und die die vollkommene Totalität ihrer Freude nicht verstehen.
Als sie sich noch weiter emporhebt, fällt der Vorhang über dem befreiten Jubel Lucias.
Quelle: Cathèrine Clement: Die Frau in der Oper.


Bei amazon ist es für so kleines Geld zu haben, daß man kein Risiko eingeht, selbst wenn man dann doch nichts damit anfangen kann.

Und noch was für den Liegestuhl:


Steffen Möller: Vita Classica
Der Autor ist übrigens ein Freund des Ehemannes einer Freundin von mir, und ihr Mann, ein Pfarrer und leidenschaflticher Klassikfan, kommt im Buch vor. Allein deshalb schon mußte ich es natürlich lesen. Ich mußte ja wissen, ob ich ihn trotz Pseudonym erkenne. Was ich getan habe :)
Aber es lohnt sich bestimmt für jeden von uns, denn zumindest ich weiß sehr gut, wie einsam Klassikhören machen kann wenn man 15 ist und alle anderen von Limahl und George Michael schwärmen. :B :cool
Allerdings hat Herr Möller einen schweren Chakarterfehler: er liebt die Oper nicht.
Also wirklich... :S :rofl
Gibt's auch bei amazon.
Jürgen (19.07.2010, 16:01):
Hörbuch.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/415jQscbn%2BL._SL500_AA300_.jpg


J.R.R. Tolkien: Die Kinder Hurins, Gert Heidenreich 7 CDs


Gefällt mir sehr gut.
Heike (19.07.2010, 18:42):


Seit einer Woche höre ich auf meinen täglichen Fahrten zur Arbeit diese CDs, auf die ich dank des Forums aufmerksam wurde. Heute habe ich CD Nr. 7 eingelegt, langsam nähern wir uns dem Finale.

Das ist wirklich ein Genuss, dem Sprecher Peter Wapnewski zuzuhören. Der ist wirklich ein Glücksfall - er kann fesselnd lesen, hat eine angenehme Stimme und er liefert immer an genau der richtigen Stelle einen Kommentar oder eine Erklärung. So macht das Spaß.

Gerade habe ich die Geschichte gehört, als Isolde erst Brangäne an ihrer Statt zur Hochzeitsnacht mit König Marke überredet und sie dann zum Dank im Wald heimtückisch ermorden lassen will. Böse! Wenn ich jetzt Wagner höre, werde ich bestimmt immer an die CDs denken!
Heike
Fairy Queen (19.07.2010, 21:51):
Liebe Heike, ich bin ganz begeistert, dass Du dir diese Cd-Version zugelegt hast und dass sie Dir offenbar gefällt! Für mich war das eiens der gran,diosesten Aha-Erlebnisse in Sachen Literatur und neben der Divina Commedia ist dieser Tristan mein Highlight des letzten Jahres gewesen.
Apropos:ich habe mir nun die Neuübersetzung mit grossem literaturwissenschaftlcihem/ motivhistorischem Apparat der Divina Commedia geschenkt und werde mich im Urlaub ins Inferno begeben. Purgatorio und Paradiso sind noch ferne Zukunft, Herr Köhler ist bei der Arbeit!
F.Q.
Heike (19.07.2010, 22:21):
Hallo Fairy,
hach, die Göttliche Komödie steht schon auf Jahren auf meiner "muss ich unbedingt lesen-Liste". Seit ich einmal in einer Dali -Ausstellung seine unbeschreiblichen Illustrationen dazu gesehen habe, bin ich von der Geschichte fasziniert - habe sie aber nie im Ganzen gelesen!
Irgendwann tu ich es!
Heike
nikolaus (19.07.2010, 22:28):
Oh, da kann ich überhaupt nicht mithalten.

Ich habe gerade ganz nette Geschichten ums Kochen gelesen: sehr amüsant, flockig leicht, aber auch nachdenklich...
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783938539125.jpg
Mairisch Verlag, 09/2009

Wie fühlt es sich eigentlich an, für Deutschlands prominentesten Restaurantkritiker zu kochen und dabei grandios zu scheitern? Erzählt Paul Bocuse gute Witze? Wie schmeckt Kartoffelsalat aus der Friteuse? Und warum können die Deutschen nicht grillen?
Von verzweifelten Köchen, unberechenbaren Lebensmitteln, Kellnern mit Schwimmflügeln, einem Pralinen fressenden Hund, dem Fischmenschen, dem Hummerflüsterer, Elvis Presley, den sinnlichen Freuden der Sprossenzucht und dem Siegeszug der gesamtdeutschen Bratwurstpalme erzählt dieses Buch, komisch, unterhaltsam und anregend. Und weil die Lektüre auch Appetit macht, gibt es zu jeder Erzählung das passende Rezept.

Nikolaus.
ab (20.07.2010, 10:00):
Vom Stilistischen her sehr schön zu lesen. Inhaltlich für mich überraschend schwärmerisch.

Arnold Schönberg
Stil und Gedanke
Fischer

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51BPXQZTVWL._SL500_AA300_.jpg
Fairy Queen (20.07.2010, 10:28):
Liebe Heike, ich empfehle Dir auch hier dringend das Hörbuch, das ist superspannend wie ein Krimi und viel leichter nachzuvollziehen. Das ganze Werk zu lesen ist selbst für Italiener und ausgewachsene Theologen und Geisteswissenschaftler zeimlcih schwierig- da es von Anspielungen und uns heute sehr fremden Gedanken, Dingen und Namen nur so wimmelt. In der szenischen Hörspielfassung mit phantastischen Schauspielern (z.B. B.Minetti, M. Hoppe etc etc) und viel Musik wird es dagegen zum Kopfkino und man kann gar nciht mehr aufhören! Mir hat das diese Welt ganz neu erschlossen und obschon ich schon vorher Dante-Fan war, bin ich erst danach wieder so richtigi motiviert, auch lesenderweise diese Universum, das wirklich das gesamte Weltbild (und noch viel mehr) seiner Zeit in sich trägt, neu zu durchwandern.
So wie Dante erst in seinem 40igsten Jahr zu dieser Reise durch Inferno, Purgatorio und Paradiso zu sich selbst reif ist, muss der Leser es auch werden, scheint mir.
Von einer heutigen Warte betrachtet, steckt natürlich auch serh viel Entwicklings-Psychologisches darinnen, aber das war seinerzeit noch ganz eng mit dem Gedanken der Seele auf dem Weg zu Gott verknüpft. Was ich bei fortschreitender Reflektion auch viel entlastender und humaner finde- aber das ist nun ein anderes Thema......
Erstmal noch viel Freude mit dem Tristan. Diese Beiden müssten sich nach Dante ja sofort in den zweiten Höllenkreis zu Francesca da Rimini und Paolo Malatesta gesellen. Wobei die Mordgelüste der Isolde dann noch mal eoin anderes Kaliber sind- davon gibt es bei Wagner nichts zu sehen! Das passt nciht in sein Frauenbild, schient mir.....

F.Q.
Severina (20.07.2010, 10:58):
Allmählich bin ich wirklich reif für ein Hörbuch, wenn ich mir Eure Begeisterung vor Augen führe! Es verträgt sich halt so gar nicht mit meiner Art des Lesens: Ich blättere immer wieder gerne zurück, um mir einzelne Passagen noch einmal auf der Zunge zergehen zu lassen oder in vertiefende Verbindung zu später Gelesenem zu bringen, schreibe gerne auch besonders gelungene Sätze ab bzw. markiere und kommentiere gerne direkt auf den Seiten, sofern es sich um Taschenbücher handelt. Die sind für mich so eine Art "Arbeitsbuch", in einem gebundenen Exemplar würde ich nie herumkritzeln.

Ich lese übrigens gerade mit Gewinn Laurence Schifano, "Luchino Visconti. Fürst des Films" Es unterscheidet sich angenehm von den leider so häufigen Klatschbiografien, wo man außer "Wer mit wem" nicht viel erfährt. Schifano zeichnet ein sehr genaues Bild vom Mailand um die Jahrhundertwende, gibt Einblick in das Leben einer Adelsfamilie, zeigt Viscontis Abkehr von seinem Stand und seine Hinwendung zum Kommunismus und legt die autobiographischen Bezüge in seinen Filmen bloß, die mir bisher in dieser Deutlichkeit nie bewusst gewesen sind.

lg Sevi :hello
Heike (20.07.2010, 16:19):
Liebe Sevi,
du wirst sehen, dass Hören etwas ganz anderes als Lesen ist - aber genauso Spaß macht! Ich lese auch ganz viel und bin auch so eine "Anstreicherin" - aber seit ich Hörbücher für mich entdeckt habe, lässt mich das nicht mehr los.Im auto finde ich das einfach genial, da höre ich fast nur Hörbücher (oder features, die ich vorher im Radio aufgenommen habe).
Das ganze steht und fällt aber mit dem Sprecher, also Empfehlungen sind in dem Genre immer gut! So wie Sevi mag ich auch ganz besonders gelungene Hörspielbearbeitungen - einer meiner Favoriten ist da "Die Blendung" von E. Canetti.


Liebe Fairy,
welche CDs hast du denn gehört? Könntest du mal das Cover verlinken? Ich finde die Fassung bei amazon nicht.
Von einer heutigen Warte betrachtet, steckt natürlich auch serh viel Entwicklings-Psychologisches darinnen, aber das war seinerzeit noch ganz eng mit dem Gedanken der Seele auf dem Weg zu Gott verknüpft. Was ich bei fortschreitender Reflektion auch viel entlastender und humaner finde- aber das ist nun ein anderes Thema......
Wenn du mal nach Berlin kommst, gehen wir zusammen die Deutungen von Dali angucken :-) Ich finde die Psychologie in der Geschichte auch super spannend, aber da fehlt mir bisher die Detailkenntnis, um das weitergehend zu diskutieren. Das Thema fesselt mich jedoch enorm und ich bin sicher, dass sie CDs demnächst bald hier auftauchen werden, falls sie erhältlich sind
:beer

Was den Tristan_Stoff angeht - das ist wahrlich interessant, was und vor allem warum Wagner da Veränderungen vorgenommen hat. Ich bin schon sehr gespannt, wie es bei Gottfried weitergeht.
Heike
Fairy Queen (20.07.2010, 17:23):
Liebe Heike; hier ist sie, gibt's bei Audible! Ich habe die Cds nicht, aber ein lieber Freund hat sie mir auf meinen IPOD geladen.


Nach Berlin würde ich zu gerne wieder kommen, schliesslich wohnt ja auch mein Bruder dort, aber derzeit ist ncihts in Aussicht. Meine Familie ist leider leider dermassen verstreut in allen Himmelsrichtungen, dass die Tochter in München Vorrang hat.
Aber wenn ich komme, dann ist unser Rendezvous gewiss! Gesprächsstoff haben wir ja wahrlich reichlich!

F.Q.
Heike (20.07.2010, 17:59):
Danke Fairy! Das habe ich gleich auf meinen Wunschzettel geklickt!
Heike
Heike (27.07.2010, 17:20):
Original von Fairy Queen
Liebe Heike; hier ist sie, gibt's bei Audible! Ich habe die Cds nicht, aber ein lieber Freund hat sie mir auf meinen IPOD geladen.


F.Q.

Liebe Fairy,
ich habe doch tatsächlich bei ebay für sagenhafte 3,50 Euro incl. Porto genau diese CDs gekauft, unglaublich!!! Heute lagen sie im Briefkasten und demnächst liegen sie in meinem Autoradio :-)

:leb

Heike
ab (30.07.2010, 14:07):
Letzte Jahr hatte ich im Urlaub Anna Karenina gelesen, nun nehme ich mir das andere Buch vor:

Lev N. Tolstoi: Krieg und Frieden. Übersetzt 1925 durch Michael Grusemann (*1877)

Ich habe eine alte Ausgabe von 1957 bei Goldmann.
Jürgen (30.07.2010, 14:46):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51orSmfeJOL._SL500_AA300_.jpg

Ilkka Remes: Das Erbe des Bösen

Gelesen von Ulrike Johannson

Soeben beendet. Sehr gut.
ab (31.07.2010, 11:07):
Original von ab
Letzte Jahr hatte ich im Urlaub Anna Karenina gelesen, nun nehme ich mir das andere Buch vor:

Lev N. Tolstoi: Krieg und Frieden. Übersetzt 1925 durch Michael Grusemann (*1877)

Ich habe eine alte Ausgabe von 1957 bei Goldmann.

Habe beschlosse, nun doch statt dessen Th. Manns Dr. Faustus mitzunehmen.
Erna (07.08.2010, 22:06):
Hallo zusammen!

Momentan lese ich dieses interessante, aber nicht leicht zu lesende Buch. Lg. Erni
Fairy Queen (08.08.2010, 09:07):
Liebe Heike, was für ein Schnäppchen!!!! Bitte unbedingt berichten, wie es dir gefällt- ich habe im Urlaub 6 Bücher gelesen aber den Dante für später aufgehoben, er passte nicht. Meien Empfehlungen kommen noch , ich hatte tolle Lese-Erlebnisse. Lieber AB, was sagst du denn zu Anna Karenina?????
Für mich war das ein Schlüsselerlebnis (vor langer zeit) und ist seither auf ienem der obersten Plätze meines Literatur-Olymps geblieben. Vor allem wegen Levin und seienr Welt aber auch wegen des grossen einfûhlungsvermögens mit dem Tolstoi an das Thema herangeht. ich musste in der Uni mal Effi Briest, Madame Bovary und Anna Karenina in einer Hausarbeit vergleichen. Das Genie Tolstois ist mir in diesem Vergleich ganz besonders deutlich geworden.
Krieg und Freiden fand ich persönlich schwieriger und langatmiger zu lesen, aber ebenfalls eine geniale studie der menschlichen Natur und der Geschichte. Das beste von Tolstoi ist allerdings "Der Tod des Ivan Ilytsch"- da sitzt man nach der Lektüre nur noch vollkommen erschlagen und mit offenem Mund da. die Russen sind in Sachen Kenntnis der menschlichen Tiefen und Abgründe für mich aber überhaupt die grössten Schriftsteller des 19.Jh. :down :down :down
F.Q.
ab (15.08.2010, 22:05):
Original von ab

Habe beschlosse, nun doch statt dessen Th. Manns Dr. Faustus mitzunehmen.

Es war ein Fehler, gerade dieses Buch mitzunehmen: Ich habe es als ausnehmend matt empfunden. Die Ausführungen über Musik fand ich wenig erhellend, den Erzähler mit zunehmenden Maße immer unangenehmer und bis zur Widerwärtigkeit unsympathisch; vom Aufbau wenig zusammenhängend, die philosophischen Erörterungen flach; sprachlich öd; sein eigener Kunstanspruch, dass nur mehr Satire möglich sei, selbst nicht eingelöst, usw.usf. X(

Das Lügenhaus von Anne B. Ragde.]

Jetzt brauche ich zur Erholung vorzügliches und habe entdeckt, dass endlich im vergangenen Jahr ein Buch bei Sammlung Luchterhand wieder veröffentlicht worden ist, das ich schon seit bald 15 Jahren immer wieder und wieder verschenken wollten, und nicht nur an angehende Mediziner.
:leb
Ich habe es noch in einer alten DDR-Ausgabe bei Volk und Welt unter dem Titel Aufzeichungen eines jungen Arztes, deren Übersetzung von Thomas Reschke übernommen scheint.


Michail Bulgakow: Arztgeschichten :times10

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61pz2h19L%2BL._SL500_AA300_.jpg
Zefira (17.08.2010, 23:59):
Ein Nachtrag zu Dante: Dalis Zeichnungen dazu sind phantastisch (ich hatte das Glück, die Originale in Cadaques sehen zu können, und war begeistert), aber Gustave Dorés Stiche dazu sind auch nicht zu verachten! Ich habe mir mal eine Dante-Ausgabe mit Dorés Bildern gekauft - nie ganz gelesen, aber die Bilder unzählige Male angeguckt. (Übrigens tauchen sie auch oft in Genrefilmen auf, z.B. "Jacobs Ladder".)

Schönen Gruß von Zefira
ab (18.08.2010, 15:23):
Original von Zefira
Ein Nachtrag zu Dante: Dalis Zeichnungen dazu sind phantastisch (ich hatte das Glück, die Originale in Cadaques sehen zu können, und war begeistert), aber Gustave Dorés Stiche dazu sind auch nicht zu verachten! Ich habe mir mal eine Dante-Ausgabe mit Dorés Bildern gekauft - nie ganz gelesen, aber die Bilder unzählige Male angeguckt. (Übrigens tauchen sie auch oft in Genrefilmen auf, z.B. "Jacobs Ladder".)

Schönen Gruß von Zefira

Welche gilt eigentlich als die beste Übersetzung ins Deutsche?

:thanks
Zefira (18.08.2010, 15:43):
Ich kann mich erinnern, dass damals, als ich meine Übersetzung kaufte, im gleichen Sinn nachgeforscht zu haben. Jetzt besitze ich die von Emil Gildemeister. Die hat dann wohl als die beste gegolten (ist auch mit einem sehr ausführlichen Kommentar versehen, der die Bezüge erläutert).

Wie es gegenwärtig aussieht, weiß ich nicht. Es gibt wohl auch recht achtbare Übertragungen in Prosaform.

Gruß von Zefira
Fairy Queen (18.08.2010, 16:40):
Die neue Dante-Übersetzung in Prosa, die gerade bei Reclam erscheint und mit sehr ausgiebigen Kommentaren versehen ist,ist vorzüglich. Leider gibt es bisher erst Band 1 "Inferno". Der Übersetzer Horst Köhler ist aber fleissig bei der Arbeit und Purgatorio sowie Paradiso werden in den kommenden Jahren nachgeliefert.
Ich finde dieses Projekt ausgezeichnet, denn gerade für Dante-Einsteiger ist eine Vers-Übersetzung oft in so befremdlicher Sprache verfasst, dass man gleiuch abgeschreckt ist und nciht mehr weiterliest. ausserdem sind all die Anspielungen kaum zu verstehen, wenn man nicht diesen hervoragenden Kommentar-Apparat direkt im Text zur Hand hat. Meine allerwärmste Empfehlung! :down Lieber ab, magst du mir nicht verraten, wie Dir Anna Karenina gefallen hat?
F.Q.
Zefira (18.08.2010, 17:03):
Ein offtopic-Kuriosum dazu: Als hier in Fulda Landesgartenschau war, wurden im Schlossgarten ein paar hübsche neue Sachen installiert, darunter auch eine "Klangallee", ein Heckenlabyrinth und anderes mehr. Im Mittelpunkt dieses Heckenlabyrinths gab es einen kleinen Zickzack-Plattenweg, auf dem man, wenn man ihn richtig abschritt, diesen Ausschnitt aus dem Siebzehnten Gesang lesen konnte:

"Von Antlitz glich es einem Biedermann
Und ließ von außen Mild’ und Huld gewahren,
Doch dann fing die Gestalt des Drachen an.
Mit zweien Tatzen, die bedeckt mit Haaren,
Und Rücken, Brust und Seiten, die bemalt
Mit Knoten und mit kleinen Schnörkeln waren;
Vielfarbig, wie kein Werk Arachnes strahlt,
Wie, was auch Türk und Tatar je gewoben,
So bunt doch nichts an Grund und Muster prahlt.
Wie man den Kahn, im Wasser halb, halb oben,
Am Lande sieht an unsrer Flüsse Strand,
Und wie, zum Kampf den Vorderleib erhoben.
Der Biber in der deutschen Fresser Land;
So sah ich jetzt das Ungeheuer, ragend
Und vorgestreckt auf unsers Dammes Rand."

Wie ich später erfahren habe, war dieser Plattenweg mit dem eingeritzten Zitat ein Geschenk an die Stadt Fulda von ihrer Partnerstadt Como. Was sich die Einwohner von Como - wie nennt man die eigentlich? Comasken? - wohl dabei gedacht haben? Dass sie einen Vers aussuchen müssten, in dem Deutsche vorkommen, auch wenn es in äußerst negativem Sinn ist? Hab ich nie verstanden ...

Schönen Gruß von Zefira
ab (20.08.2010, 10:53):
Original von Fairy QueenLieber ab, magst du mir nicht verraten, wie Dir Anna Karenina gefallen hat?
F.Q.

Ganz ausgesprochen gut! Überhaupt ziehe ich persönlich Tolstoi bei weitem Dostojewski vor (wobei ich Tschechow noch mehr schätze).

Allein die Beschreibung, wie der Gutsherr Lewin bei der Feldarbeit mithilft, ist für mich die wunderschönste Stelle Literatur des Realismus, die ich bislang gelesen habe. Ich mag sehr Tolstois unaufdringliche und sparsame Art, wie er Verhaltensweisen mit Charakterzügen kennzeichnet. Was mir allerdings etwas blaß geblieben ist, ist der Charakter der Protagonistin selbst, die ja überhaupt im Laufe ders Romans immer nebensächlicher wird.

Das war im vergangenen Jahr ein genüssliches Urlaubsschmakerl; ganz im Gegensatz zu Th. Manns widerlichem Dr. Faustus diesen Sommer.

:hello
Agravain (20.08.2010, 16:55):
Vor einiger Zeit habe ich nach langem Warten die ZDF-Verfilmung des Lebens Wallensteins mit dem grandiosen Rolf Boysen in der Titelrolle auf DVD gekauft und gesehen. Sofort passierte es: der dreißigjährige Krieg hat mich (wieder einmal) angefixt. Also lese ich jetzt endlich einmal Dame Ciciely Veronica Wedgewoods großartiges Buch zum Thema:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/71ZZ631X0RL._SS500_.gif

:hello Agravain
Fairy Queen (21.08.2010, 11:37):
Lieber ab, was Tolstoi angeht, bin ich ganz und gar deiner Meinung! Für mich eines der grössten Romanwerke aller Zeiten :down :down :down Ich finde die Titelheldin als solche auch viel blasser als Levin- was aber daran liegen kann, dass sich Tolstoi in Levin als evtl selbst portraitieren wollte? Jedenfalls ist das Paar Kitty/Levin ein eklatanter Kontrast zu Wronski und Anna und mindestens genauso im Mittelpunkt des Romans.
Was den "widerlichen Doktor Faustus" angeht(widerlich finde ich übrigens Anna Kareninas Ehemann!), verstehe ich zwar,dass jemand den larmoyant allwissenden Oberlehrerton nicht ertragen kann, aber gleich "widerlich"? Da gibt es doch sicher einige Germanisten und Thomas Mann-Fans, die Dir vehementest widersprechen werden. :D
F.Q.
ab (24.08.2010, 11:55):
Original von Fairy Queen
Was den "widerlichen Doktor Faustus" angeht(widerlich finde ich übrigens Anna Kareninas Ehemann!), verstehe ich zwar,dass jemand den larmoyant allwissenden Oberlehrerton nicht ertragen kann, aber gleich "widerlich"? Da gibt es doch sicher einige Germanisten und Thomas Mann-Fans, die Dir vehementest widersprechen werden. :D
F.Q.

Hoffentlich :wink

..aber eine Person wie Zeitblom, die von sich behauptet, das eigene Leben völlig uninteressant zu finden und nur Interesse daran hat, einer anderen Person Entwicklung nachgehen zu wollen, und dies in fast stasi-mäßiger Manier tut, die kann ich einfach nur wiederwärtig finden, vom seichten Oberlehrerton einmal ganz abgesehen. Irgendwie wäre es mir passender vorgekommen, wenn Mann lieber Zeitblom, und nicht Leverkühn als Dr. Faustus gezeichnet hätte.

Eigentlich habe ich nicht mehr als zwei Stellen halbwegs gut gefunden, die eine, wenn er in alttestamentarischer Manier der genialogischen Aufzählungen (die übrigens inhaltlich und formal dort gar keinen Sinn ergibt und reiner Manierismus bleibt) die ganzen Instrumente des Onkelschen Geschäfts aufreiht, dabei das Xylophon als knochenähnlichem Klang charakterisiert - und dann auch tatsächlich ein paar Absätze später die Assozaiation einlöst und auf Berlioz Sinfonie phantastique zu sprechen kommt. Sonst fehlen solche literaturwertvollen stilistischen Merkmale im Text.

Das andere, was mir durchaus gefallen hat, war die Szene, zwischen Zeitblom und den deutschnationalen Konzertgänger Gilgen Holzschuher, als Dürer=Mann eingeführt, aus München beschreibt : Dieser wettert gegen die politsiche Geschmacklosigkeit, den Deutschen Wagner mit dem Franzosen Berlioz aufzuführen. In kommenden Absatz geht es dann mit der wohl als typisch deutsch gedachten Eigenschaft des Ablenkungsmanövers, nur ja nichts anzusprechen, und nichts beim Namen zu nennen, weiter:
Ich sagte nicht, daß er es sei, der die Dinge politisiere, und daß das Wort "deutsch" heute keineswegs gleichsinnig mit geistiger Reinheit, sondern eine Partei=Parole sei. Ich machte nur geltend, daß eine gute Menge Virtuosentums, welsch oder nicht, doch auch in Wagners international so wohlgelittener Kunst einschlägig sei - und lenkte ihn dann wohltätig ab, indem ich auf einen Artikel über Proportionalitätsprobleme der gotischen Architektur zu sprechen kam, den er kürzlich in der Zeitschrift >Kunst und Künstler< veröffentlicht hatte. Die Höflichkeit, die ich ihm darüber sagte, machte ihn ganz glücklich, weich, unpolitisch und heiter, und ich benutzte diesen seinen gebesserten Zustand, um nicht von ihm zu trennen und meinen Weg nach rechts einzuschlagen, während er links ging.(unmittelbar vor der öden Beschreibung des Eifersuchtsmordes in der Straßenbahn in Kapitel XLII)
Diese Anspielung auf die eigene Kälte gegenüber der Person mit ihrer "rechten" Gesinnung, im Gegensatz zu dem "glücklich, weich, unpolitisch und heiter" mit "links", sind solche feinen literarischen Rafinessen, derer ich gerne mehr im Buch gelesen hätte.

(Derartige rein historischen Anspielungen und zeitgeschichtliche Metaphorik wie, dass dieses Gespräch und der anschließende Mord gerade um den Ort der Feldherrenhalle, dem Siegestor und der Universität stattfindet, wo Hitler sich Jahre später bekanntlich als "Größter Feldherr aller Zeiten" ausrufen lassen wird, finde ich nur lächerliche Stoffhuberei; gute Literatur muss etwas mit der Sprache selbst zu tun haben, nicht nur mit dem Bezeichneten. Genauso finde ich es lächerlich, wenn in platten Philosophemen eine Figur bereits im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts in heideggerschem Jargon schwafeln gelassen wird, wo "Sein und Zeit" doch erst 1927 veröffentlich worden ist. Auch diese Namenskreationen, wohl als ironisch indendiert, sind mir auf die Dauer doch recht aufgestoßen.)

Stilistisch bleibt mir auch unerklärlich, wie man inhaltlich das Kunstprinzip, von Schönberg übernommen, proklamieren kann, die Variation so hochzuhalten, dann selbst aber nichts als unzusammenhängenden rhapsodisch formalen Aufbau zu verwenden.

Wenn mir also "einige Germanisten und Thomas Mann-Fans mir vehementest widersprechen" wollen, dann bin ich durchaus auf deren Argumente gespannt, was ich nun an diesem Buch wahrlich gut finden soll.

Was für ein Aufbau hingegen bei Tolstoys Anna Karenina!
:hello
ab (08.09.2010, 09:34):
Bei der Beschäftigung mit Paul Cézanne durch Zufall auf folgendes Buch aufmerksam gemacht worden, lese ich nach Jahrzehnte erstmals einmal wieder ein paar Seitchen Handke:

Peter Handke
Die Lehre der Sainte-Victoire
Suhrkamp

http://ecx.images-amazon.com/images/I/71HCYWHWADL._SL500_AA300_.gif
Rachmaninov (09.09.2010, 08:23):
Buch eins habe ich nun durchgehört:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51F4NMAQNML._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Die teilweise doch extrem überschwenglichen Kritiken kann ich nicht in gänze nachvollziehen!
nikolaus (09.09.2010, 09:39):
Ein Detektivroman der anderen Art:
Die eine oder andere Leiche, ein bisschen Momo, ein bisschen Witz und ganz viel surreale Traumwelten...

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783406605154.jpg

Charles Unwin plagt sich als kleiner Angestellter in einer weit verzweigten und mächtigen Detektivagentur ab, deren labyrinthisches Gebäude in einer namenlosen, immer verregneten Stadt aufragt. Als der berühmteste Detektiv der Agentur, Travis Sivart, plötzlich vermisst wird, macht man Unwin selbst zum Detektiv, und er muss sich nun um die Aufklärung von Sivarts Verschwinden kümmern. Unwin begibt sich auf eine bizarre Suche nach dem großen Detektiv, die ihn in die dunkelsten Ecken der ewig feuchten, schläfrigen Großstadt führt und mit den seltsamsten Gestalten und Machenschaften konfrontiert. Ein Zusammenstoß mit dem gefürchteten Boss der Unterwelt, Enoch Hoffmann, scheint unausweichlich. Mit Hilfe des "Handbuchs für Detektive" und unterstützt von Emily Doppel muss Unwin vielen Gefahren trotzen und manches Rätsel entwirren, wozu auch gehört, in die Träume eines Mordopfers einzudringen. Unwin gerät in eine schlafwandlerische Welt, in der Bösewichte per Gedankenkontrolle Macht ausüben. Und wer ist die geheimnisvolle junge Frau im karierten Mantel, in die Unwin unsterblich verliebt ist?
Spannend, komisch, unterhaltsam und doppelbödig erzählt Jedediah Berry in seinem Debütroman einen Krimi aus einer Traumwelt, als hätte man Kafka und Borges gebeten, gemeinsam einen Detektivroman zu schreiben. Eine Art Fantasy Noir, ein Buch im Buch, eine Traumreise und ein intelligentes Lesevergnügen voller Anspielungen und Verweise.


Nikolaus
Jeremias (09.09.2010, 09:58):
Original von Rachmaninov
Buch eins habe ich nun durchgehört:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51F4NMAQNML._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Die teilweise doch extrem überschwenglichen Kritiken kann ich nicht in gänze nachvollziehen!

Ich habe das Buch verschlungen, Teil 2 und 3 hinterher... die Filme sind auch toll!
Rachmaninov (09.09.2010, 11:47):
Original von Jeremias
Original von Rachmaninov
Buch eins habe ich nun durchgehört:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51F4NMAQNML._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Die teilweise doch extrem überschwenglichen Kritiken kann ich nicht in gänze nachvollziehen!

Ich habe das Buch verschlungen, Teil 2 und 3 hinterher... die Filme sind auch toll!

Ziemlich viel Werbung,. teilweise Charaktere, die zu Superhelden in ihren Fähigkeiten dargestellt werden und sogar noch das "In den Tod" treiben von Bösewichten durchaus als "heroischen" Akt darzustellen empfinde ich dann durchaus als bedenklich.
Die genaue Beschreibung von brutaler Gewalt ist sicherlich Geschmacksach.
Das aber eine Erklärung zu den eigendlichen Gründen bzgl. Vormundschaft bei der Ermittlerin ausbleibt, wo dies doch durch das gesamte Buch thematisiert wird erscheint mir einfach nur mäßig.
Die Auflösung des Falls in Band eins war doch recht früh offensichtlich und dann doch so einfach, dass man sich wundern musste über die angebliche mühevolle Untersuichung eines Kommissars, der fast 40 Jahre am Fall arbeitete ..... Aber okay, das war halt der Stoff für den Roman!
Jeremias (09.09.2010, 16:21):
Dann lies mal oder hör mal Band 2 ;)
Rachmaninov (10.09.2010, 07:53):
Original von Jeremias
Dann lies mal oder hör mal Band 2 ;)

Bin ich dabei! Mir ist auch schon klar wer anstelle von L. Salander entführt wird. *gähn*

Bin übrigends überrascht das Du als Jurist Büche toll findest in dem doch recht drastische Formen von SELBSTJUSTIZ und ein hohes Maß an Kriminellenhandlungen doch ihr Verhalten prägt.
ab (10.09.2010, 19:10):
Original von Fairy Queen
Lieber ab, was Tolstoi angeht, bin ich ganz und gar deiner Meinung!

F.Q.

Kennst Du bereits Für alle Tage, das dieses Jahr erstmals als definitive Fassung des letzten großen Werkes von Tolstoi von der Slavistin Christiane Körner in einer deutschen Ausgabe bei Beck aufgelegt worden ist?

In Russland konnte das Werk in der letzten unzensierten Fassung Tolstois von 1908 erstmals 1991 erscheinen.

Im Radio höre ich eine begeisterte Rezension. Ich hoffe, es kommt bald eine handliche Ausgabe heraus, denn das Riesenformat der Ausgabe jetzt finde ich unbefriedigend.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41F48OIz0gL._SL500_AA300_.jpg
Fairy Queen (11.09.2010, 08:35):
Lieber ab, nein kenne ich noch nicht und bin dir sehr dankbar für diesen Hinweis! das kommt auf meine Weihnachtswunschliste- ist doch sicher ein Riesen-Schmöker für den Winter- oder? Dass es ein grosses noch nciht gelesenes Werk von Tolstoi für mich gibt, welche wonne, welche Lust! :leb :thanks
Rachmaninov (11.09.2010, 15:02):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51eFuBl677L._SL500_AA300_.jpg

Mondschein
Severina (11.09.2010, 18:49):
Original von Rachmaninov
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51eFuBl677L._SL500_AA300_.jpg

Mondschein

Äh, ist Osborne jetzt von Klavier auf Lesebrille umgestiegen???? :D

verwirrte Grüße, Severina :hello
Rachmaninov (12.09.2010, 08:32):
Original von Severina
Original von Rachmaninov
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51eFuBl677L._SL500_AA300_.jpg

Mondschein

Äh, ist Osborne jetzt von Klavier auf Lesebrille umgestiegen???? :D

verwirrte Grüße, Severina :hello

?(
Rachmaninov (12.09.2010, 08:32):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0090266174829.jpg
Severina (12.09.2010, 11:25):
Original von Rachmaninov
Original von Severina
Original von Rachmaninov
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51eFuBl677L._SL500_AA300_.jpg

Mondschein

Äh, ist Osborne jetzt von Klavier auf Lesebrille umgestiegen???? :D

verwirrte Grüße, Severina :hello

?(

Lieber Rachmaninov,

ich frage mich halt nur, ob man die Mondscheinsonate nicht lieber hören als lesen sollte :wink :D -schau mal auf den Threadtitel!
lg Severina :hello
Fairy Queen (12.09.2010, 13:57):
Liebe Sevi, er liest evtl die Cover-Inlets udn will uns die nun auf diese Weise empfehlen :haha
Agravain (13.09.2010, 17:31):
Wie eigentlich immer, so lese ich auch im Moment verschiedene Bücher parallel. Das ist zwar nichts frisch Erschienenes dabei, dafür allerdings reichlich Erhellendes:

http://g-ecx.images-amazon.com/images/G/03/ciu/a3/5e/dd0c017b42a0d56a54240210.L._SL500_AA300_.jpg

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51Zae9eRCmL._SL500_AA300_.jpg

und erneut

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51KYJZRYXZL._SS500_.jpg

:hello Agravain
ab (15.09.2010, 09:27):
Ausgeliehen, weil seit bald 10 Jahren vergriffen :S

Claude Debussy: Monsieur Croche. Sämtliche Schriften und Interviews.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/71W8YTWS27L._SL500_AA300_.gif
Holger (01.10.2010, 10:40):
Und icke:


http://ecx.images-amazon.com/images/I/41rp-GDwlYL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg


Mein Hintergedanke: Wenn man von einer Materie wirklich NULL Ahnung hat, sollte man unbedingt mit einem Werk beginnen, das ausdrücklich "für Fortgeschrittene" gedacht ist. :D

Hat sich gelohnt, das Lesen macht richtig Spaß und stimmt neugierig. Zack, schon finde ich mich hier wieder:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51S434K9ETL._SL500_AA300_.jpg


Wenn ich so weitermache, werde ich mich unweigerlich zum Fachmann in Sachen Wagner entwickeln. Und eines Tages vielleicht sogar seine Musik hören! :D

Liebe Grüße

Holger
Heike (06.10.2010, 15:46):
"So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!: Tagebuch einer Krebserkrankung" von Christoph Schlingensief



Ich wollte das eigentlich nicht lesen. Ich mag keine Betroffenheitsberichte. Nachdem mir eine Freundin aber das Buch so nachdrücklich empfohlen hat, habe ich es jetzt doch gelesen. Und das keineswegs bereut.

Schlingensief beschreibt nur das Jahr 2008, von der Diagnose bis zum Wiederkommen des Krebses. Es gibt eher wenig Reportage über äußere Begebenheiten, medizinische Details werden sparsam geschildert. Demgegenüber lebt das Buch von der beeindruckend tiefsinnigen und doch naiven Innenschau Schlingensiefs im Umgang mit Diagnose, Behandlung und Prognose. Er hadert mit Gott, blickt auf seine Eltern, reflektiert die Betroffenheit seiner Lebenspartnerin und teilt uns seine Gefühle, Ängste und Hoffnungen fast ungefiltert mit. Mich hat es sehr berührt, und es ist ein typisches grundehrliches Schlingensief-Werk. Ein schwer zu ertragendes, sehr trauriges Buch.
Heike
Severina (06.10.2010, 17:16):
Liebe Heike,
mir ging es genauso. Vor allem habe ich durch dieses Buch völlig unerwartete Seiten an Schlingensief entdeckt, und diese übergroße Sensibilität hätte ich ihm ehrlich gesagt auch nicht zugetraut.

lg Sevi :hello
Heike (08.10.2010, 17:41):
Dem Tod auf der Spur: Dreizehn spektakuläre Fälle aus der Rechtsmedizin von Michael Tsokos



Nachdem ich nun die ersten 4 Fälle gelesen habe, schreibe ich bereits ein Lob über dieses Buch. Der Rechtsmediziner Tsokos beschreibt Fälle aus seiner Arbeit. Und nein, er ist kein Pathologe, sondern ein
> Rechtsmediziner - das habe ich gerade gelernt - das müsste man bei den Tipps zur Münster-Frage von Rideamus' Rätsel genaugenommen korrigieren!

Die Geschichten kommen meinen morbiden Vorlieben sehr entgegen, das ist außergewöhnlich interessant und stellenweise schon recht drastisch beschrieben. Somit sehr realitätsnah und nachvollziehbar. Dabei allerdings auch gekonnt erzählt (was ja bei derartigen Schmökern nicht selbstverständlich ist). Zudem ist es auch lehrreich, ich erfahre mit Begeisterung spannende Neuigkeiten aus der Welt des Sterbens bzw. der dazu führenden Verletzungen und wie die Ermittler dazu nach Spuren suchen. Tsokos kann gut erklären. Es ist ein bissel Krimi, ein bissel Rätsel, ein bissel Sachbuch, ein bissel Biographie. Gefälklt mir und vermutlich werde ich den Folgeband auch bald hier eintrudeln lassen.

Heike
Rachmaninov (12.10.2010, 16:44):
Original von Rachmaninov
Buch eins habe ich nun durchgehört:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51F4NMAQNML._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Die teilweise doch extrem überschwenglichen Kritiken kann ich nicht in gänze nachvollziehen!

Mittlerweile bin ich durch alle drei Teile durch.



Band 2 und 3 haben mich deutlich mehr begeistert!
Rachmaninov (12.10.2010, 16:46):
Nach Krimi der neuzeit jetzt wieder mal ein historisches Thema.



band 1 bereits durchgehört

Band 2 im Player:
Fairy Queen (12.10.2010, 19:28):


Ein serh serh dickes und hochinteressantes Buch, an dem ich schon seit Wochen lese. Man lernt nicht nur Mahler, die Menschen, die ihm nahe standen und sein Werk kennen, sondern bekommt gratis dazu tiefe Einblicke in die politische und geistige Geschichte seiner Lebenszeit und-welt.
Faszinierend und sehr einfühlsam finde ich Fischers Analyse der skandalumwitterten Alma Mahler, die ja in der Mahlerliteratur stark polarisiert.
Sehr zu empfehlende Lektüre im Mahler-Jahr.

F.Q.
Severina (12.10.2010, 23:11):
Hallo Fairy,
danke, genau das habe ich gebraucht! Ich habe diese Schwarte nämlich vor einigen Tagen in der Hand gehabt - um einen Spottpreis beim Buchdiscounter - mich aber dann nicht entscheiden können und statt dessen "Herrin des Hügels" von Oliver Hilmes genommen. Nachdem mir seine Alma-Mahler-Bio sehr gut gefällt, hoffe ich, dass das bei Cosima auch der Fall ist.

lg Sevi :hello
Fairy Queen (13.10.2010, 07:55):
Liebe Sevi, die beiden Hilmes-Biographien habe ich auch und mit grossem Gewinn gelesen. Was für unsympathische monströse Schreckschrauben! :ignore :ignore :ignore
Insbesondere Cosima Wagner ist für mich wirklich ein rotes Tuch. Ohne ihren widerwärtigen Antisemitismus wäre Wagners an sich schon problematisches Erbe wahrscheinlich doch etwas weniger beschmutzt. Alma hat wenigstens nicht in dieser Weise destruktiv auf die Rezeptionsgeschichte von Mahlers Musik eingewirkt. Sie hatte es aber auch nicht nötig, ihre Existenz nur über die Tatsache, Frau Mahler gewesen zu sein, zu rechtfertigen und aufzuwerten. Als "Witwe der Künste" konnte sie ja immerhin noch Gropius, Kokoschka, Werfel etc pp anführen...... :D
Fischer ist ziemlich nüchtern und objektiv, was Alma Mahler angeht, zumindest bringt er auch Verständnis dafür auf, dass Mahler sie und ihre Bedürfnisse nur wenig verstanden und respektiert hat. Dass diese Beiden niemals hâtten heiraten dürfen, darin sind sich alle von mir bisher gelesenen Autoren einig.
Gerade für dich als Wienerin und Opernfan lohnt der Kauf doppelt, denn es wird sehr viel von der Wiener Oper erzählt. Die Sänger kommen auch nicht zu kurz. Der Herr Operndirektor hatte ja auch einige Techtelmechtel mit Selbigen. Besonders interessant sind aber die Werkbesprechungen. Da ich grosser Fan von Mahlers Musik bin, lerne ich nochmal serh viel mit diesem Buch. Es ist glänzend geschreiben und ich kann es wirklich nur empfehlen- es ist allerdings ein Riesen-Wälzer!
Viel Spass beim Schmökern und bitte Austausch der Eindrücke, wenn wir beide irgendwann durch sind.

F.Q. :hello
Heike (15.10.2010, 20:50):


Nach der ganzen Sarrazin-Debatte lese ich dieses Buch, weil ich mich informieren möchte bzw. weil ich dieses Thema nicht auf Stammtisch- Niveau diskutieren möchte, wenn ich es schon diskutiere (und dem kann man zumindest hier in Berlin kaum aus dem Weg gehen). Alice Schwarzer schätze ich sehr, ich habe schon mehrere Bücher von ihr mit großem Interesse gelesen, allen voran lobe ich mal "Eine tödliche Liebe – Petra Kelly + Gert Bastian.".

Sie gibt hier in diesem Buch lesenswerte Artikel zur Islamismus-Debatte heraus, die in den letzten Jahren in der Emma erschienen sind. auch von anderen Autoren.
Sehr lesenswert!
Heike
Bert (15.10.2010, 23:56):
"Jacqueline du Pré: Ein Genie in der Familie" von ihren Geschwistern Hilary und Piers du Pré.



Tja, wo Licht ist, da ist auch (und manchmal sehr viel) Schatten...

Nichtsdestotrotz, ihr Spiel (insbesondere Elgars Cellokoncert in e-moll Op. 85) mag ich sehr gern und lasse es mir durch nichts madig machen...

Gruß, Bert

P.S. Mit der 7. Korrektur habe ich das Bild doch noch hingekriegt...
Holger (29.10.2010, 12:49):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41EQ8dgTFSL._SL500_AA300_.jpg

Hallo,

würdet Ihr glauben, daß Keith Richards eine klassische Ausbildung als Cellist genoß und nur aufgrund einer Verwechslung mit Herbert von Karajan Schlagzeuger der WHO wurde?

Wer die Wahrheit erfahren will, muß dieses Buch lesen! Überraschend gut geschrieben (jedenfalls um Welten besser als die Autobiographie von Clapton). Und man lernt, daß es Diven nicht nur unter Frauen gibt. :)

Liebe Grüße

Holger
Heike (31.10.2010, 14:53):


Selbstdenken!: 20 Praktiken der Philosophie von Jens Soentgen
Der Autor vermittelt die wirkungsvollsten Praktiken, derer sich viele klassische Philosophen, aber auch kluge Köpfe in späteren Generationen zum Wohl oder Unheil der Menschen bedienten: nicht abstrakt, sondern anhand von Beispielen, Fällen, Geschichten, Anekdoten.
Unterhaltsam und lehrreich zugleich.

Das Buch ist in 20 Kapitel gegliedert, die völlig unabhängig voneinander sind und daher in beliebiger Reihenfolge gelesen werden können: Die einzelnen Praktiken, die er jeweils vorstellt, sind: Provozieren - Fakten, Zitate und Wabuwabu - Indizien - Autoritäten - Hinsehen - Beispiele - Präzisieren und Definieren - Bilder - Sammeln - Logik - Demontage - Gedankenexperimente - Warten - Umkehren - Parodieren, Serienschaltung - Orakel - Kombinieren - Ursachen - Große Gesten. Meist nimmt er sich einen Philosophen vor, der diese Praktik besonders gern anwendete; und dann kommt er auf aktuelle Beispiele bzw. schickt den Leser in Gedankenexperimente dazu. So kann man Denken lernen ;-)

Zu jedem Kapitel gibt es Literaturhinweise zum weiterlesen. Ein kluges Buch, das zudem richtig Spaß macht.
Heike
Annika (31.10.2010, 15:20):
von Alexander Werner

die neue Biografie über Carlos Kleiber, mein Hausgott !


Gruß Annika
Severina (05.11.2010, 17:47):
Die letzte Woche stand lektüremäßig ganz im Zeichen von Uwe Tellkamps DDR-Roman "Der Turm" (immerhin beinahe 1000 Seiten). Ich durchlief dabei ein Wechselbad der Gefühle, von absoluter Faszination über leichte Ungeduld bis wieder zurück zu a), genauso erging es mir mit Tellkamps Stil: Über weite Strecken erlag ich völlig der Sogwirkung dieser unglaublich bildhaften Sprache, eine Metaphorik, für die ich kaum Vergleichbares finde, dann wieder ermüdete mich exakt diese ständige sprachliche Durchmischung und Durchdringung aller Sinneseindrücke.

Mich würde vor allem interessieren, was Ihr inhaltlich von diesem Roman haltet, denn als Ösi stehe ich dieser Welt natürlich ferner als Ihr und frage mich, wie real diese Parallelgesellschaft im elfenbeinernen Turm ist.

lg Severina :hello
Holger (06.11.2010, 14:29):
Liebe Severina,

leider vermag ich zu Tellkampf nichts zu sagen. Allein der Umfang des Buchs stößt mich zurück. Aufgrund der enthusiastischen Besprechungen habe ich darin geblättert, jedoch keinen Anlaß gefunden, es zu lesen.

Immer mehr komme ich zu der Auffassung, daß das Credo "Fasse dich kurz!", das früher in Telefonzellen aushing, auch in der Belletristik eine gewisse Berechtigung hat. (Just my two pence!) Aus diesem Grund stehe ich gewissen Monumentalwerken, von denen ich früher annahm, "man" müsse sie großartig finden, heute eher reserviert gegenüber. (Beispiel: Thomas Mann, "Doktor Faustus" - auch wenn jetzt alle aufschreien!) Anders gesagt: Ich mag es, wenn Literatur auf den Punkt kommt. Ein Roman von tausend Seiten erweckt in mir unwillkürlich den Verdacht, daß da jemand hemmungslos sein ungeheuerliches Ego ausbreitet und darüber hinaus letztlich nichts zu sagen hat. (Abermals: Just my two pence!) Thomas Mann schreibt ja explizit, man müsse den "Doktor Faustus" mindestens zweimal lesen. Besser hätte er ihn so gestaltet, daß man von selbst das Verlangen danach verspüren würde. (Just my two pence, aber das sagte ich wohl schon.)

Um aber nicht meinerseits in einen Egotrip zu verfallen und wenigstens ansatzweise auf Deinen Beitrag einzugehen: Das beste Buch zum Thema "Elfenbeinturm in der DDR" (und zugleich das vielleicht beste Buch schlechthin, das ich kenne) ist "Die Kette an deinem Hals" von Ute Erb (Schwester der bekannten Lyrikerin Elke Erb) - heute längst vergessen. Bei Amazon wird es für einen Cent (!!!) verramscht, nicht einmal das Cover ist abgebildet. Die denkbar tragischste Mißachtung eines wahren Meisterwerks; mir blutet das Herz.

So, und jetzt steinigt mich - aber hier stehe ich, ich kann nicht anders!

Liebe Grüße von Holger
Severina (06.11.2010, 16:23):
Lieber Holger,

ich steinige prinzipiell niemanden für seine Meinung, sofern sie einem ethischen Grundkonsens entspricht :wink. Als Leseratte habe ich an sich kein Problem mit Wälzern, aber bei Tellkamp hatte ich manchmal durchaus das Gefühl, dass weniger mehr wäre.
Vielleicht meldet sich ja noch jemand, der den Roman gelesen hat!

Vielen Dank für Deinen Buchtip, werde gleich einmal danach googeln!

lg Severina :hello
peter337 (14.11.2010, 12:19):
Lieber Holger!

Ich gebe mich zur öffentlichen Steinigung frei -

aber ich habe es nicht fertig gebracht, Robert Musils "Der Mann ohne Eigenschaften", weiter als bis zur Seite 200 und noch etwas, zu lesen,

das ist derart fad, dazu hat er fast 1.000 Seiten gebraucht, dass er keine Eigenschaften fand.

Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien. :hello
Holger (14.11.2010, 14:20):
Lieber Peter,

ich kann mich erinnern, daß ich Thackerays "Jahrmarkt der Eitelkeiten", ebenfalls ein dickleibiges Buch, mit großem Vergnügen las. Schon deshalb ist meine oben kundgetane Meinungsäußerung natürlich viel zu pauschal, zu emotional und tut manch einem Werk womöglich unrecht.

Dennoch halte ich - sehr frei nach Franz Josef Degenhardt - zusehends weniger vom "DRUMHERUMGEREDE , DRUMHERUMGELABER, DRUMHERUMGEQUATSCHE". Irgendwie ist mir das Motto von "Ton Steine Scherben" näher:

"Was dir auf der Zunge liegt, spuck's aus.
Was dir im Magen liegt, kotz's raus."

Ganz herzliche Grüße zurück

Holger
Fairy Queen (14.11.2010, 17:42):
Liebes streiferl, als ich den Musil vor Jahrzehnten lesen sollte, fand ich ihn ebenfalls so anödend, dass ich niemals zum Ende kam Seither hat mich nichts mehr verlockt, das versäumte nachzuholen, Weltliteratur hin oder her. Aber alle Bücher haben ihre Zeit, diese kommt evtl noch?
Ich lese gerade einen Roman von Henry James:" Was Maisie wusste" (so müsste er theoretisch in deutsch heissen)

Aus der Perspektive eines klienen Mâdchen wird eine grossbürgerliche Londoner Scheidungstragödie zweier sehr unreifer Eltern, wie es sie heute noch zuhauf gibt erzählt, die ihre unverarbeitenen Probleme und unbeglichenen Rechnungen auf dem Rücken des (am Ende gar nciht mehr!) unschuldigen Kindes austragen. Ich weiss nciht ob ich das bucgh empfehlen soll. Die Perspektive ist sehr interessant, aber das Problem ist, dass ich sie James, den ich eigentlich ausgesprochen schâtze, nicht abnehmen kann. Unentschieden. ?(

F.Q.
Davor habe ich ein hochspannendes buch des bekannten frz. Ägyptologen Christian Jacq "La reine du soleil" gelesen. ein Roman mit wissenschaftlich recherchiertem Hintergrund, der das Leben und die kurze Regentschaft der Tochter des Echnaton und Frau des Toutenchamon beschreibt. Das hat mich serh gefesselt. :down
Rachmaninov (14.11.2010, 17:57):
bei mir derzeit als Audiobuch

http://ecx.images-amazon.com/images/I/414VdZifPVL._SL500_AA300_.jpg
Jeremias (15.11.2010, 08:00):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51K8P1V31HL._SL500_AA300_.jpg

Saukomisch.... kommt man nach dem Lesen eines solchen Buches in die Hölle???
Heike (15.11.2010, 08:06):
Original von Heike
Dem Tod auf der Spur: Dreizehn spektakuläre Fälle aus der Rechtsmedizin von Michael Tsokos



Nachdem ich nun die ersten 4 Fälle gelesen habe, schreibe ich bereits ein Lob über dieses Buch. Der Rechtsmediziner Tsokos beschreibt Fälle aus seiner Arbeit. Und nein, er ist kein Pathologe, sondern ein
> Rechtsmediziner - das habe ich gerade gelernt - das müsste man bei den Tipps zur Münster-Frage von Rideamus' Rätsel genaugenommen korrigieren!

Die Geschichten kommen meinen morbiden Vorlieben sehr entgegen, das ist außergewöhnlich interessant und stellenweise schon recht drastisch beschrieben. Somit sehr realitätsnah und nachvollziehbar. Dabei allerdings auch gekonnt erzählt (was ja bei derartigen Schmökern nicht selbstverständlich ist). Zudem ist es auch lehrreich, ich erfahre mit Begeisterung spannende Neuigkeiten aus der Welt des Sterbens bzw. der dazu führenden Verletzungen und wie die Ermittler dazu nach Spuren suchen. Tsokos kann gut erklären. Es ist ein bissel Krimi, ein bissel Rätsel, ein bissel Sachbuch, ein bissel Biographie. Gefälklt mir und vermutlich werde ich den Folgeband auch bald hier eintrudeln lassen.

Heike

Ich habe jetzt (binnen 2 Tagen) auch das zweite Buch ausgelesen und kann es uneingeschränkt empfehlen. Das sind richtig interessante Schmöker, die man kaum aus der Hand legen kann, kurzweilig, spannend und klasse geschrieben.
Rachmaninov (15.11.2010, 08:57):
Original von Heike
Original von Heike
Dem Tod auf der Spur: Dreizehn spektakuläre Fälle aus der Rechtsmedizin von Michael Tsokos



Nachdem ich nun die ersten 4 Fälle gelesen habe, schreibe ich bereits ein Lob über dieses Buch. Der Rechtsmediziner Tsokos beschreibt Fälle aus seiner Arbeit. Und nein, er ist kein Pathologe, sondern ein
> Rechtsmediziner - das habe ich gerade gelernt - das müsste man bei den Tipps zur Münster-Frage von Rideamus' Rätsel genaugenommen korrigieren!

Die Geschichten kommen meinen morbiden Vorlieben sehr entgegen, das ist außergewöhnlich interessant und stellenweise schon recht drastisch beschrieben. Somit sehr realitätsnah und nachvollziehbar. Dabei allerdings auch gekonnt erzählt (was ja bei derartigen Schmökern nicht selbstverständlich ist). Zudem ist es auch lehrreich, ich erfahre mit Begeisterung spannende Neuigkeiten aus der Welt des Sterbens bzw. der dazu führenden Verletzungen und wie die Ermittler dazu nach Spuren suchen. Tsokos kann gut erklären. Es ist ein bissel Krimi, ein bissel Rätsel, ein bissel Sachbuch, ein bissel Biographie. Gefälklt mir und vermutlich werde ich den Folgeband auch bald hier eintrudeln lassen.

Heike

Ich habe jetzt (binnen 2 Tagen) auch das zweite Buch ausgelesen und kann es uneingeschränkt empfehlen. Das sind richtig interessante Schmöker, die man kaum aus der Hand legen kann, kurzweilig, spannend und klasse geschrieben.


Mag sein, aber mir scheint TV und Buchszene beschäftigt sich nahezu nur noch mit derartigen "Themen"!
ab (15.11.2010, 09:37):
Original von ab
Ausgeliehen, weil seit bald 10 Jahren vergriffen :S

Claude Debussy: Monsieur Croche. Sämtliche Schriften und Interviews.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/71W8YTWS27L._SL500_AA300_.gif

Soben entdeckt, weshalb es bloß irrtümlich vermeintlich nicht greifbar war: Es ist seit bereits Februar dieses Jahres, aber unter anderem Namen wieder aufgelegt worden: Warum nur hat man den "Monsieur Croche" aus dem Titel gestrichen?! D.....

http://www.reclam.de/data/cover/978-3-15-018713-5.jpg

Unbedingt lesen! :times10
Holger (15.11.2010, 18:13):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41NDMEAHECL._SL500_AA300_.jpg

Michael Tetzlaff: Ostblöckchen.

Interims-Urteil:

Bislang ganz nett. Tetzlaff erzählt in Episoden von seiner Kindheit und Jugend in der DDR (Thüringen). Wenngleich nicht herausragend, so doch humorvoll und gut zu lesen. Und vor allem: Schön kurz! :leb

Besser gefallen hatte mir zum selben Thema

Lutz Dettmann: Wer die Beatles nicht kennt. Flegeljahre im Arbeiter- und Bauernstaat.



http://ecx.images-amazon.com/images/I/514QH24Q5ZL._SL500_AA300_.jpg



Liebe Grüße von Holger
nikolaus (15.11.2010, 19:42):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783716026342.jpg

"Das Elend hinderte mich zu glauben, dass alles unter der Sonne und in der Geschichte gut sei; die Sonne lehrte mich, dass die Geschichte nicht alles ist." Albert Camus Albert Camus, der große Philosoph, Schriftsteller und Nobelpreisträger, der vor 50 Jahren, am 4. Januar 1960, auf tragische Weise ums Leben kam, hat der Nachwelt ein umfangreiches Werk von bleibender Gültigkeit hinterlassen. Die in diesem Band versammelten Texte Hochzeit des Lichts und Heimkehr nach Tipasa, die 1936 und 1938 erstmals erschienen sind, nehmen darin eine Ausnahmestellung ein. Camus selbst dazu: "Mein Herz und mein Gefühl haben diese Bücher geschrieben, nicht mein Verstand." So sind Camus' Impressionen vom Rande der Wüste nicht nur eine zeitlose Liebeserklärung an seine Heimat Algerien, sondern auch eine erhebende Hymne auf die Sonne, das Licht und den Himmel dieser einzigartigen Landschaft am Mittelmeer. Wer Camus noch nicht näher kennt, dem bietet dieses Buch den besten Einstieg in sein Werk. Und wer glaubt, Camus zu kennen, wird hier neue, ungeahnte Seiten des wunderbaren Erzählers entdecken, der sich nirgends so wohlfühlte, wie unter der Sonne Algeriens: "Alles hier lässt mich gelten, wie ich bin; ich gebe nichts auf und brauche keine Maske."

Seit der Pest und dem Fremden in der Schule die erste Begegnung mit Camus.
Es fällt mir bisweilen schwer, seinen Gedanken zu folgen.
Die Sprache ist - natürlich - etwas altmodisch, aber ich bin mir nicht sicher, ob die Übersetzung (Peter Gan, Monique Lang) wirklich geglückt ist...

Nikolaus.
Holger (16.11.2010, 21:50):
Original von Holger
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41NDMEAHECL._SL500_AA300_.jpg

Michael Tetzlaff: Ostblöckchen.

Interims-Urteil:

Bislang ganz nett. Tetzlaff erzählt in Episoden von seiner Kindheit und Jugend in der DDR (Thüringen). Wenngleich nicht herausragend, so doch humorvoll und gut zu lesen.




Mittlerweile ausgelesen. Das Buch gewinnt mit der Pubertät des Protagonisten deutlich an Fahrt - um abrupt zu enden.

Schade.

Liebe Grüße von Holger
Heike (18.11.2010, 20:20):


"Moritz von Uslar geht in eine Kleinstadt im Osten Deutschlands, er bleibt drei Monate und kehrt mit dieser großen Erzählung, einer Geschichte der Gegenwart, die gleichzeitig Reportage und Abenteuerroman ist, zurück. Willkommen in jenem unbekannten Land, das Deutschland heißt."

Ja und das ist hier in meinem schönen Landkreis Oberhavel, am nördlichen Berliner Stadtrand, nur noch ein paar Kilometer weiter nach oben: Zehdenick. Da bin ich oft, genau in dieser Kleinstadt, die kenne ich total gut, das ist nur 30 min weg von hier. Spannendes Buch.

Das ist so nah dran und mir doch so fern, was der da beschreibt. Eine Welt, die nicht meine Welt ist, Leute, mit denen ich quasi nichts zu tun habe, Orte, die ich praktisch nie aufsuche, Gespräche, die ich real nicht führe. Am Anfang ist das alles extrem weit weg und ich hab Mühe, mich einzulesen - aber jetzt bin ich fast durch und ganz begeistert. Faszinierend, wie der Autor das beobachtet und langsam Stück für Stück selbst in diesen Sog von Trägheit und Geschehenlassen reinkommt und den Blick für anderes verliert. Ein einerseits sehr sympathisches Bild zeichnet er von dieser Stadt und ihren Menschen, aber doch auch gleichzeitig ein ganz erschreckendes, wenn man ein Kulturmensch ist wie ich. Immerhin hat er mit einigen Klischees aufgeräumt, aber andre, ganz neue Gruseligkeiten sind mir bewusst geworden.
Heike
Holger (18.11.2010, 20:57):
Original von Heike


"Moritz von Uslar geht in eine Kleinstadt im Osten Deutschlands, er bleibt drei Monate und kehrt mit dieser großen Erzählung, einer Geschichte der Gegenwart, die gleichzeitig Reportage und Abenteuerroman ist, zurück. Willkommen in jenem unbekannten Land, das Deutschland heißt."

Ja und das ist hier in meinem schönen Landkreis Oberhavel, am nördlichen Berliner Stadtrand, nur noch ein paar Kilometer weiter nach oben: Zehdenick. Da bin ich oft, genau in dieser Kleinstadt, die kenne ich total gut, das ist nur 30 min weg von hier. Spannendes Buch.

Das ist so nah dran und mir doch so fern, was der da beschreibt. Eine Welt, die nicht meine Welt ist, Leute, mit denen ich quasi nichts zu tun habe, Orte, die ich praktisch nie aufsuche, Gespräche, die ich real nicht führe. Am Anfang ist das alles extrem weit weg und ich hab Mühe, mich einzulesen - aber jetzt bin ich fast durch und ganz begeistert. Faszinierend, wie der Autor das beobachtet und langsam Stück für Stück selbst in diesen Sog von Trägheit und Geschehenlassen reinkommt und den Blick für anderes verliert. Ein einerseits sehr sympathisches Bild zeichnet er von dieser Stadt und ihren Menschen, aber doch auch gleichzeitig ein ganz erschreckendes, wenn man ein Kulturmensch ist wie ich. Immerhin hat er mit einigen Klischees aufgeräumt, aber andre, ganz neue Gruseligkeiten sind mir bewusst geworden.
Heike


Liebe Heike,

danke für Deine Rezension - sie hat mich sehr neugierig gemacht und dazu veranlaßt, das Buch in der Bibliothek vorzumerken.

Viele Grüße

Holger
nikolaus (18.11.2010, 22:40):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783895611858.jpg


Beschreibung
Begeisterte Reaktionen bei Lesern und Kritikern lösten die Gedichtbücher von Ulrike Almut Sandig aus, und so wird es auch mit ihren Geschichten sein, die nunmehr im Buch Flamingos erscheinen.
Es ist nichts weniger als die Stimme einer neuen, ganz außergewöhnlichen Prosaautorin, die in der Welt der Lyrik bereits einen großen Namen besitzt und mit zahlreichen Preisen geehrt wurde, zuletzt 2009 mit dem Leonce-und-Lena-Preis. Ulrike Almut Sandigs Prosa ist so neu, so frisch, so außergewöhnlich und so außergewöhnlich gut. Mit bewundernswerter Sicherheit und Präzision setzt sie auf zweierlei: das Spiel mit der Erinnerung und die Gestaltungskraft der Phantasie, durchaus mit märchenhaften Zügen. Eine großartige neue Stimme, von der wir gewiss in den kommenden Jahren noch sehr viel zu erwarten haben: die Geburt einer Erzählerin.

"Flamingos stehen in Gruppen, aber jeder Einzelne ist allein. Sie halten Abstand. Sie sind wachsam. Wir finden sie hässlich. Wir finden sie schön. Sie sehen aus, als würden sie brennen, aber das ist nicht wahr. Sie sehen aus, als wären sie nicht kaputt zu machen, aber auch das ist nicht wahr. Sie erwecken den Anschein, als wären sie gar nicht da. Sie sind aber da. Sie stehen mitten unter uns, und sie sind schwer. Doch auf der Oberfläche der seichten Gewässer laufen sie uns davon. Und dann fliegen sie auf."

Biografie:
Ulrike Almut Sandig, 1979 in Großenhain geboren, schloss nach längeren Aufenthalten in Frankreich und Indien ein Studium der Religionswissenschaft und Indologie an der Universität Leipzig ab. Seit 2004 studiert sie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und veröffentlicht in Zeitschriften und Anthologien. Sie ist Mitgründerin des Straßenliteraturprojektes augen::post (2001 - 2005), gemeinsam mit Marlen Pelny steht sie seit 2001 mit einem literarisch-musikalischen Programm auf der Bühne, im Mai 2006 wurde sie mit dem Lyrikpreis Meran ausgezeichnet.

Die ersten beiden Erzählungen sind sehr vielversprechend, kreativ und ideenreich. In der Tat eine frische Prosa...

Nikolaus.
Bert (20.11.2010, 10:15):
Eine ganz besondere Biographie...



Klaus Mann: Symphonie Pathétique: Ein Tschaikowsky-Roman

Gruß, Bert
Maria-Anna (20.11.2010, 13:34):
Hab mir grad mal ein paar Rezensionen dazu durchgelesen… Die sind von euphorisch bis total begeistert fast durchweg positiv! :) Klingt nach einem guten Weihnachtsgeschenk für mich selbst…. :D
Bert (22.11.2010, 18:39):


Thomas Mann: "Doktor Faustus: Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde"

Biographie eines deutschen Komponisten auf höchstem sprachlichem Niveau, in der nicht nur Musikfreunde auf ihre Kosten kommen - beim Lesen der durchaus fruchtbarer Versuche, Musik mit literarischer Sprache zu beschreiben; Manns ehrzählerische Virtuosität gepaart mit Adornos fachlicher Beratung zu einem Meisterwerk der deutschen Literatur.

Nun weiß ich nicht, ob der Begriff "Biographie" von mir korrekt gewählt wurde, denn der Komponist Adrian Leverkühn ist "nur" eine literarische (also keine wirklich lebende) Person, doch werde ich den Verdacht nicht los, daß Thomas Mann auch hier eine lebende Person porträtierte ...

Gruß, Bert
ab (22.11.2010, 20:30):
Zu Doktor Faustus schrieb ich weiter oben schon; Argumente für oder wider sowie weitere Aspekte, die ein anderes Licht darauf werfen könnten, wären mir willkommen!
:hello
Bert (23.11.2010, 00:14):
Hallo ab,

der Link, den du da angabst, führt leider zu Dostojewski; glücklicherweise funktioniert die Suchfunktion, so daß ich mich doch zu deinem negativ-kritischen Beitrag über das Buch Doktor Faustus durchgearbeitet habe ...

Nun, was soll man da sagen? Das Buch gefällt dir nicht - damit ist alles gesagt.
Die meisten Bücher, die auf den deutschen Markt kommen und die ich in die Hand kriege, gefallen mir nicht.
Vielleicht auch darum lese ich (mit Genuß!) Thomas Mann.

Das Buch lese ich im Kontext Manns Werke; einerseits genieße ich seine Sprache und ehrzählerischen Stil, andererseits beobachte ich seine literarische "Entwicklung".
Man kann jedes Buch verreißen, auch die Werke von Thomas Mann, aber das ist nicht meine Intention; so bräuchte ich doch keine Bücher zu lesen!

Beim Lesen deines Kommentars
..aber eine Person wie Zeitblom, die von sich behauptet, das eigene Leben völlig uninteressant zu finden und nur Interesse daran hat, einer anderen Person Entwicklung nachgehen zu wollen, und dies in fast stasi-mäßiger Manier tut, die kann ich einfach nur wiederwärtig finden ...
frage ich mich, ob wir beide dasselbe Buch meinen?

Solche Menschen, die das Leben anderer Menschen interessanter finden als ihr eigenes, begegnen mir täglich, aber das sehe ich in Zeitblom nicht; ebensowenig sehe die von dir erwähnte "stasi-mäßiger Manier" (mag wohl daran liegen, daß mir Stazi-Manieren nicht vertraut sind).
Im Gegenteil, Zeitblom profiliert sich in einer sehr eitlen Manier (wie es nur Thomas Mann, der auf sich selbst und sein eigenes literarisches Können große Stücke hielt, tun konnte).

Zeitbloms Tragik liegt jedoch woanders: Er trägt in sich eine tiefe Liebe zu Leverkühn, die nicht mal in Andeutung erwidert wird; mehr noch - Leverkühn darf nicht lieben. (Hier trägt Zeitblom Manns Schicksal.)

Das vorliegende Buch ist kein Sachbuch, es ist ein Roman, ein literarisches Werk. Prinzipiell kann es keine neue Geschichte geben (zumindest ich erwarte keine, denn alle Grundmodule, von denen es keine 50 Stück gibt, sind bereits "tausendfach" beschrieben worden), so genieße ich Manns Ideenreichtum, Dinge, von denen er kaum etwas versteht, sprachlich so anziehend darzustellen, daß ich mir schon wieder die Nacht um die Ohren schlagen werde ...

Gruß, Bert

P.S. Beim Lesen dieses Buches über Leverkühn erfahre ich mehr über mich selbst als über ihn.
ab (23.11.2010, 11:33):
Hallo Bert,

es ging mir in meinen Zeilen oben nicht darum, ein Gefallen oder Missfallen auszudrücken - de gustibus non disputandum est -, noch viel weniger geht es mir um einen Verriss, sondern um Gründe, warum ich der Ansicht bin, dieses Buch als kein besondes gutes zu bewerten. (Was natürlich gar nichts über die Güte anderer Bücher am Markt aussagt.) Damit hängen natürlich immer mehr oder weniger implizit Bewertungsprinzipien zusammen, die damit auf den Prüfstand gestellt werden, die man ja selbst nur in Frage zu stellen kommt, wenn dagegen Einwände von anderen vorgebracht werden.

Ein Nicht-Gefallen war noch nie ein Grund, mich nicht dennoch mit einem Buch auseinanderzusetzten, und so, wie man auch aus schlechten Aufführungen eines Musikwerks oftmals viel mehr lernen kann als von guten, kann man auch oftmals aus Büchern, die einem nicht gefallen, viel mehr über Literatur lernen als auf solchen, die einem nahe liegen. (Über sich selbst kann man hüben wie drüben vieles lernen...)

Danke jedenfalls für Deinen Interpretationszugang, dass Zeitbloms Tragik darin liege, in sich eine tiefe Liebe zu Leverkühn zu tragen, die nicht mal in Andeutung erwidert wird. Das ist genau ein solcher Perspektivenwechsel, über den ich dankbar bin, denn mir scheint gerade, darüber nachdenkend, dass das tatsächlich eine plausible Deutung ist! Ich habe beim Lesen nur aus keinen Ausführungen eine solche Liebe entnommen, was womöglich daran liegen mag, dass mir solches hamburgerisch-norddeutsch-bürgerliches Empfinden nicht vertraut ist.

So habe ich das Buch in dem ausgeführten ganz anderen Interpretationsansatz gelesen, der mir im Lichte der NS-Problematik des Buches unmittelbar plausibel schien - und immer noch zu sein scheint! Vermutlich kommt beides zusammen, was mir die Figur Zeitblom auch nicht sympathischer macht; aber vermutlich von Th. Mann auch so intendiert sein dürfte.

Der Ausdruck des "stasi-mäßigen" ist mir bloß unbedachte unterlaufen und hätte natürlich "Gestapo-mäßig" heißen müssen. Als mir das aufgefallen ist, war es bereits zu spät, um es forentechnisch noch ändern zu könnne.
:hello


A propos Erfahrungen in der DDR und off topic, mich irritiert, dass hier im Forum nicht Mitglieder aus den jungen Bundesländern vertreten sind (oder zu sein scheinen). Das wäre auch einmal einen Faden wert, warum das so ist...
Severina (23.11.2010, 12:58):
Original von ab
A propos Erfahrungen in der DDR und off topic, mich irritiert, dass hier im Forum nicht Mitglieder aus den jungen Bundesländern vertreten sind (oder zu sein scheinen). Das wäre auch einmal einen Faden wert, warum das so ist...

Lieber ab,

das finde ich auch sehr schade, erstens grundsätzlich und dann weil es mich, wie weiter oben angeführt, brennend interessieren würde, wie jemand aus der ehemaligen DDR Uwe Tellkamps "Turm" bewertet.

lg Severina :hello
Heike (23.11.2010, 16:40):
A propos Erfahrungen in der DDR und off topic, mich irritiert, dass hier im Forum nicht Mitglieder aus den jungen Bundesländern vertreten sind (oder zu sein scheinen).
Also ich bin zumindest eine :-)
Aber ich habe das Buch von Tellkamp (bisher) nicht gelesen, also konnte ich dazu auch nichts sagen.
Heike
Bert (23.11.2010, 19:20):
Original von ab
Ich habe beim Lesen nur aus keinen Ausführungen eine solche Liebe entnommen, was womöglich daran liegen mag, dass mir solches hamburgerisch-norddeutsch-bürgerliches Empfinden nicht vertraut ist.


Hallo ab,

obgleich ich Thomas Mann gegenüber recht kritisch stehe, so bin ich gleichzeitig ein großer Genießer (und Liebhaber) seiner sprachlich hochwertigen Werke (für mich ein wahrer Schatz der deutschen Kultur); insbesondere schätze ich ihn als herausragenden Porträtisten von einer ungewöhnlichen Beobachtungsgabe (in diesem Punkt für mich vergleichbar mit Leonardo da Vinci).

Mit Doktor Faustus wollte Mann ein Mammutwerk schaffen (so etwas wie Wagners Ring), und ich könnte (wenn ich ein Schriftsteller wäre) mehrere Bücher über dieses Buch schreiben ...

Zeitbloms Liebe zu Leverkühn zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch, doch wähle ich eine Stelle aus (Kapitel VIII), in der die Tragik dieser Liebe unverhüllt zum Ausdruck kommt:

und da ich ihn liebte, liebte ich seinen Hochmut mit - vielleicht liebte ich ihn um seinetwillen. Ja, es wird schon so sein, daß diese Hoffart das Hauptmotiv der erschrockenen Liebe war, die ich Zeit meines Lebens für ihn im Herzen hegte.
Auf die (übrigens sehr gut) eingeflochtenen Kriegsbeschreibungen und Kommentare zu diesem historischen Begleiter möchte ich mich nicht äußern, weil es ein Thema für sich wäre; eines jedoch sollte ich hervorheben: Manns Trauer über das Flächenbombardement durch die Alliierten, dem auch zahlreiche deutsche Kulturgüter zum Opfer fielen.

Zurückkehrend zum musikalischen Thema dieses Werkes beschäftigt mich die Frage, wen, welchen realen Komponisten, hat Thomas Mann mit Adrian Leverkühn porträtiert/porträtieren wollen?
(Spekuliert wird zwar Mahler, doch der will in mein Bild nicht passen ...)

Gruß, Bert
ab (23.11.2010, 21:53):
Original von Bert
Zeitbloms Liebe zu Leverkühnzieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch, doch wähle ich eine Stelle aus (Kapitel VIII), in der die Tragik dieser Liebe unverhüllt zum Ausdruck kommt:

und da ich ihn liebte, liebte ich seinen Hochmut mit - vielleicht liebte ich ihn um seinetwillen. Ja, es wird schon so sein, daß diese Hoffart das Hauptmotiv der erschrockenen Liebe war, die ich Zeit meines Lebens für ihn im Herzen hegte.


Ich habe Zeilen wie diese nicht anders aufgefasst als Worte, reiner Schall und Rauch. Ich habe sie nicht wirklich ernst genommen, weil sich mir in den sonstigen Beschreibungen nichts von dieser Liebe gezeigt hat. Als Schullehrer liebt er ja auch die Geometrie....

(Manchmal aber fragte ich mich während des Lesens, ob da verborgene Homoerotik im Spiel sei; aber mehr wegen der biographischer Kenntnisse von Th. Mann bedingt. Ich konnte keine Indizien dafür erkennen, aber das mag auch darauf zurückgehen, dass mir allfällige damalige Codes dafür nicht bekannt wären.)

Mir schiene es seltsam, wenn es eine bestimmte Person gewesen wäre, die er da hätte porträtieren wollte. (Ja, nicht einmal Schönberg, dessen Reihengedanken er hier verwertet.) Es wird wohl sein wie bei fast jeder Belletristik: man hat Erfahrungen mit vielerlei Personen gemacht und bastelt sich eine mögliche zusammen. Hier wird wohl besonders viel Autobiographisches von Th. Mann selbst vorhanden sein, wenn man den Forschungen der Komentatoren Glauben schenken darf.

By the way: Ich stehe dem Werk Th. Manns nicht allgemein ablehnend gegenüber: Den Zauberberg und Felix Krull habe ich mit großem Genuss gelesen; die Buddenbroks oder den Tod in Venedig aber schon kaum und Doktor Faustus gar nicht. Gespannt bin ich noch auf die Josef-Romane. Th. Mann als Person ist mir völlig gleichgültig, mich interessieren nicht Biographien, sondern deren Kunstwerke für sich.

:hello
Nightrider (23.11.2010, 22:48):
Hallo Bert,

die Figur des Adrian Leverkühn bezieht sich nicht auf eine bestimmte Person, sondern ist wie so oft eine Montage aus vielen Vorlagen. Nietzsche spielt eine wichtige Rolle (die Syphilis und sein Dahindämmern am Lebensende). Hugo Wolff (der ebenfalls an Syphilis erkrankt war) lieferte vermutlich Material für Leverkühns Zusammenbruch. Der musiktheoretische Teil bezieht sich, ganz klar, auf Schönberg (hat sich Mann von Adorno erläutern lassen). Schönberg nahm ihm das übrigens sehr übel.
Und nicht zuletzt werden auch authobiographische Momente mit rein spielen, wie Du ja schon selbst erwähnt hast: jemand, der nicht lieben darf. Das ist ein sehr schlüssiger Gedanke, finde ich.

Als Vorlage für Echo diente Manns eigener Enkel Frido. Und in der Münchner Gesellschaft der 20er Jahre gibt es mit Sicherheit viele reale Vorbilder, die ich aber nicht entschlüsseln kann. Ich habe das Buch vor vielen Jahren gelesen, und längst nicht alles verstanden. Wäre vielleicht an der Zeit für einen zweiten Durchgang...

Mahler kann ich in dem Buch nicht finden, wohl aber im Tod in Venedig (Gustav von Aschenbach). Visconti hat das in seinem Film aufgegriffen.

Schöne Grüße,
Peter
Holger (23.11.2010, 22:49):
Petra Morsbach: Opernroman

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41CNA539DJL._SS500_.jpg

Ein großartiges Buch! Siehe hier

Liebe Grüße von Holger
Bert (23.11.2010, 23:08):
Original von ab

(Manchmal aber fragte ich mich während des Lesens, ob da verborgene Homoerotik im Spiel sei;

Ob die Homoerotik bei der Beschreibung der Beziehung Zeitbloms zu Leverkühn federführend war, wage ich nicht zu beurteilen bzw. ist für meine Betrachtung nebensächlich; vordergründig sehe ich Zeitbloms Tragik darin, daß er in sich eine tiefe Zuneigung zu einem Menschen trägt, der diese Zuneigung nicht erwidern kann; mehr noch - Leverkühn ist es ausdrücklich verboten, einen Menschen zu lieben.

Auch wenn die Faust-Geschichte uralt ist und mehrfach literarisch verarbeitet wurde, möchte ich einen Punkt, der für meine Betrachtungen von Bedeutung ist, herauspicken und simplifizierend verallgemeinern (jetzt meine ich reale Personen):

Ein hochbegabter Mensch, ein Genie eben, kann unglaubliches (er)schaffen, aber seine Begabung hat auch Schattenseiten; ein solches Genie ist häufig teamunfähig, fühlt sich in seiner Schaffenskraft durch andere Menschen (die nur durchschnittlich begabt sind) behindert und fällt über kurze Zeit in eine totale soziale Isolation, die es selbst auch sucht, weil sie zum Motor seiner Schaffenskraft wird und seine (Ausnahme)leistungen ins unermeßliche treibt.
Menschen an sich interessieren ihn gar nicht (mehr) - außer als Nutzobjekte.
Solche Genies werden häufig bewundert und geliebt, sie selbst aber haben die Fähigkeit, andere Menschen zu lieben, verloren (oder nie erworben); im Mittelpunkt ihres Lebens steht nur ihr Werk (und ggf. Ruhm).

An dieser Stelle finde ich es interessant zu beobachten, wie die liebenden (Fans, Publikum, Ehefrauen, Kinder, ein treuer Freund ... - in diesem Roman eben Zeitblom) mit ihrer nicht erwiderten Zuneigung umgehen.

Daß Thomas Mann keine reale Person beschrieben haben will, ist mir bekannt, doch weiß ich, daß jeder seiner Figur jemand Modell gestanden haben muß - Thomas Mann war ein hervorragender Beobachter ...

Gruß, Bert

P.S.
Ja, der Zauberberg und Felix Krull gehören auch zu meinen Favoriten, allerdings zählen dazu auch der Tod in Venedig, den ich immer wieder gern lese; Buddenbrooks fand ich gerade wegen der Porträtierung der einzelnen Personen faszinierend. Ja, und den Joseph plane ich auch schon seit einigen Monaten - kaufe ich mir zu Weihnachten, weil ich noch meinen Geburtstagsstapel "abarbeiten" muß ...

Edit:
Hallo Peter,

die (veröffentlichen) Hintergründe zu diesem Roman sind mir bekannt - ich hatte mich im Laufe der Zeit mit der ganzen Familie Mann beschäftigt, so auch mit den erwähnten Vorlagen für seine literarischen Figuren.

Die Syphilis wird bei Nietzsche bestritten (oder zumindest gilt als umstritten), andererseits dürfte sie anderen Kandidaten zum Schicksal werden (z. B. Schubert), doch vermute ich, daß diese Krankheit nur symbolisch gewählt wurde und daß sie mit dem Schicksal des wahren Modells nicht verbunden sein muß. Von daher könnte Nietzsche als Kandidat dienen; bloß - wo bleibt die Musik?

Bei der Suche nach dem real existierenden Modell dachte ich eher an charakteristische gemeinsame Züge, die Manns Behauptung, es gäbe keine reale Person als Modell für Leverkühn, "widerlegen" könnten.

Gruß, Bert
Rachmaninov (26.11.2010, 10:06):
bei mir der 5. und letzte Teil der Saxon Sage von B. Cornwell.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/31oZyj4O8RL._SL500_AA300_.jpg
Waldi (28.11.2010, 12:03):
Derzeit wieder einmal (ausgelöst durch den Konsum der DVD der deutschen Verfilmung):

Wilkie COLLINS: THE WOMAN IN WHITE


Sprachkunst und psychologische Raffinesse vom Feinsten!
Zefira (28.11.2010, 16:55):
"The Woman in White" hat dem englischen Autoren James Wilson so gut gefallen, dass er einen historischen Detektivroman mit den Hauptpersonen Walter Hartright und Marian Halcombe geschrieben hat. Es geht um ein dunkles Geheimnis im Leben des Malers William Turner. Leider lange nicht so gut wie Wilkie Collins' Roman, ein wenig zuviel triviale Küchenpsychologie, aber ganz unterhaltsam, vor allem natürlich, wenn man Turners Bilder mag. Titel: "Der Schatten des Malers".

Gruß von Zefira
Holger (29.11.2010, 00:29):
Original von Zefira

vor allem natürlich, wenn man Turners Bilder mag




Die mag man! :wink
Fairy Queen (29.11.2010, 08:38):
Ich werde den Wilkie Collins bei nâchster gelegenheit aus der Bibliothek leihen, denn mir hat neulich ein anderer Roman von ihm "Poor Miss Finch" sehr gut gefallen. Darin geht es um eine blinde junge Frau, dei auf wundersame weise gehilt wird, aber dann am ende feststellt, dass sie als Blinde viel glücklicher und "reicher" war. Mit viel Witz und Ironie und grosserpsychologischer einfühlsgabe geschrieben. den Autor sollte man sich wirklich merken!

Was Turner angeht: wer diese Himmel-Bilder live erleben will, sollte an den Strand zwischen Ostende und de Haan in Belgien kommen. Ich marschiere dort regelmässig (ist eine Autostunde von hier) und zu allen Jahreszeiten und man glaubt wirklich, dass Turner dort Mass gen,ommen haben muss. die Farben, die wolken.. manchmal ist das 1 zu 1. Man kann natürlich auch nach Venedig fahren.......

F.Q.
Zefira (29.11.2010, 12:55):
Ich kann auch "Der rote Schal" von Collins sehr empfehlen!
Den habe ich mir als "ersten Collins" gekauft, nachdem ich - noch als Teenager - die wunderbare Verfilmung mit Ellen Schwiers als rothaarigem Luder gesehen habe, und es war der Beginn eines Collins-Sucht, die jahrelang angehalten hat ... :down

Gruß von Zefira
Waldi (30.11.2010, 11:16):
Nicht zu vergessen: "The Moonstone", der fast so gut ist wie "The Woman in White".Bei den Verfilmungen durch Wilhelm Semmelroth schneidet der "Mondstein" sogar noch besser ab als die "Frau in Weiß". Alle sind übrigens vor nicht allzulanger Zeit endlich als DVD erschienen, freilich in den Farben doch nicht so wie früher.
Wann wird sich die BBC einmal zu einer Neuverfilmung bereitfinden? Müßte natürlich auf Jane-Austen-Niveau sein (kann die neueste "Emma" mit Romola Garai übrigens nachdrücklich empfehlen!).

Liebe Grüße
Waldi
Rachmaninov (12.12.2010, 16:14):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783898138529.jpg
artemis (13.12.2010, 20:24):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41ICI4eb7uL._SL500_AA300_.jpg

Zwischenmenschliches in einer untergehenden Tageszeitung.
Liest sich locker leicht und ist dennoch nicht trivial.

@Rachmaninov
Dein Buchtipp klingt interessant.
Kennst Du "Spektrum" von Sergej Lukianenko? Ich kenne es selbst nicht, da ich kein Science-Fiction-Leser bin, habe es aber empfohlen bekommen und ich mag die Filme "Wächter der Nacht" und "Wächter des Tages"

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41fwk4dee2L._SL500_AA300_.jpg
Rachmaninov (13.12.2010, 21:00):
Original von artemis

@Rachmaninov
Dein Buchtipp klingt interessant.
Kennst Du "Spektrum" von Sergej Lukianenko? Ich kenne es selbst nicht, da ich kein Science-Fiction-Leser bin, habe es aber empfohlen bekommen und ich mag die Filme "Wächter der Nacht" und "Wächter des Tages"

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41fwk4dee2L._SL500_AA300_.jpg

@Artemis,

das Buch hat mich letzendlich nur wenig begeistert. War okay, aber mehr auch nicht. Hätte man mehr draus machen können aus der an sich guten idee!

"Spektrum" von Sergej Lukianenko kenn ich leider nicht!
Fairy Queen (14.12.2010, 09:35):
Ich lese gerade ein literaturwissenschaftliches Buch, das ich beim Aufräumen in einer alten Kiste wiedergefunden habe und das auch für Opernliebhaber eine wahre Schatztruhe ist:



Ich bin noch nicht serh weit gekommen, aber das ist in jeder Hinsicht fesselnde Lektüre!
Die angebliche Unvereinbarkeit von Liebe und Ehe in der Kulturgeschichte des Abendlandes und die Thematik des Treuebruchs und Verrats wird von der griechischen Antike und ihren Mythen bis zur Gegenwart unter heuristischen hochinterezssanten Gesichtspunkten behandelt. Dabei sind z.B. Klytämnestra, Francesca da Rimini und Dido Schlüsselfiguren für die je verschiedenen Reaktionen der Frauen. Frau wird aktiv und mordet selbst, Frau fällt der Liebe anheim und wird ermordet, Frau ermordet sich aus Verzweiflung selbst.
Der Tristan Mythos wird als ganz entscheidenes Element, dessen
Einfluss nciht überschâtzt werden kann, dargestellt. Seit Tristan ist angeblich die Trennung von Ehe und Liebe in der europâischen Hoch-Kultur festgeschrieben. (Fussnote meinerseits: Protest!!!!)

Ich bin sehr gespannt, wie das weitergeht und begegne natürlich auch sämtlichen Opernfiguren.... um was geht es denn sonst in der Oper wenn nicht um Verrat, Treuebruch und Liebestragödien/komödien?
Das Verschmelzen von Lâcherlichkeit-Komik und Rache-Schrecken in Gestalt des betrogenen Ehemanns ( Ur-Szene Aphrodite, Mars und Hephaistos) ist auch so ein ewiges Thema

Ganz besonders interessant finde ich von Matts Blick auf Bocaccios Decamerone, denn dort werden ganz neue, anarchistisch anmutende und "utopische" Lösungen angeboten.
Eine Frau wird vom Gericht trotz in flagranti Ehebruch, den sie auch eingesteht, aufgrund ihrer flammenden Verteidigungsrede freigesprochen und die Gesetze werden geändert. Zwei andere betrogene Paare entscheiden sich fûr eine menage à 4 um ihre Freundschaft nciht zu gefährden.

Das kommt leider in keiner Oper seria vor. :D

F.Q.
artemis (14.12.2010, 09:49):
Original von Fairy Queen



F.Q.

interessant, ich kenne von ihm bisher nur das vielgepriesene

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41cF6UezEVL._SL160_PIsitb-sticker-arrow-dp,TopRight,12,-18_SH30_OU03_AA115_.jpg

LG artemis
ab (14.12.2010, 10:01):
Gestern die Chance ergriffen, im Kino bei einer großarigen Kopie wieder einmal einen Tarkowski-Film zu sehen: Andrej Rubljow.
Das ist Kino als Kunst!
:down :down :down :down :down
Heute fühle ich mich wie ein anderer Mensch und greife endlich einmal zum Buch, das mir einst aus den jungen Bundesländern mitgebracht wurde:

Andrej A. Tarkovski - Die versiegelte Zeit : Gedanken zur Kunst, zur Ästhetik und Poetik des Films

http://ecx.images-amazon.com/images/I/519-7Dk%2B7gL._SL500_AA300_.jpg
Fairy Queen (14.12.2010, 12:02):
Lieber ab, ich habe den Film vor langer Zeit auch gesehen und bin von Tarkowskis Kunst ebenfalls serh beeindruckt. :down Mich hat aber Nostalghia noch mehr ergriffen, so sehr, dass ich am Drehort war, in Bagno Vignoni bei San Quirico d'Orcia in der tiefsten Toscana. Der Zauber des Ortes war unglaublich, ich hoffe, er ist es heute immer noch.
F.Q.
ab (14.12.2010, 14:17):
Original von Fairy Queen
Lieber ab, ich habe den Film vor langer Zeit auch gesehen und bin von Tarkowskis Kunst ebenfalls serh beeindruckt. :down Mich hat aber Nostalghia noch mehr ergriffen, so sehr, dass ich am Drehort war, in Bagno Vignoni bei San Quirico d'Orcia in der tiefsten Toscana. Der Zauber des Ortes war unglaublich, ich hoffe, er ist es heute immer noch.
F.Q.
:beer

Tja, ein Jahr ohne in der Toscana gewesen zu sein, ist ein verlorenes Jahr; und ebenso eines, ohne zumindest einen Tarkowski-Film erlebt (im buchstäblichen Sinne) zu haben.

Das Tropfen in die Bäder in Nostalghia hat auch mich zutiefs berührt... :hello
miranda (14.12.2010, 21:00):
Ich bin auch ein großer Bewunderer von Tarkowskis Filmkunst - ich weiß noch, wie mir die Tränen kamen, als am Ende von Andrei Rubljow das strenge Schwarzweiß in die Farbenpracht der Ikonen explodierte. Auch Nostalghia mit seiner Schwermut und der unvergesslichen Szenerie der antiken Bäder fand ich wunderbar. Aber den tiefsten Eindruck hat in mir Iwans Kindheit hinterlassen. Die Traumszene mit den Kindern im Regen auf dem Apfeltransporter und dem Strand mit den Pferden steht mir seit Jahrzehnten als die ultimative Visualisierung von Glück (das im nächsten Moment im Kriegsgetöse untergeht)vor Augen. Gibt es das Buch denn noch im Handel?
ab (15.12.2010, 09:46):
Neu nun als erweiterte und bearbeitete Ausgabe im Alexander Verlag Berlin, 04/2009

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783895812002.jpg

die karge (womöglich gekürzte oder zensurierte?) DDR-Ausgabe (mit dem besseren Papier!) findet man wohl noch hie und da in Antiquariaten und die letzte Westausgabe als Taschenbuch, die ich einmal verschenkt hatte, war zusätzlich mit vielen Bildern aus den Filmen versehen.

:hello

Kennt ihr sonst noch Filmkünstler ähnlicher optischer Ausdruckskraft?!
miranda (15.12.2010, 21:28):
Was die Magie der Bilder betrifft, müsste man wohl an erster Stelle Fellini nennen, obwohl seine Themen mir nicht immer zusagen. Aber auch er kann unauslöschbare Szenen erschaffen: Den Beginn von Casanova auf der Lagune, oder die Afrika-Episode aus Satyricon zum Beispiel.
Ein kleiner Magier war auch der junge Peter Weir, bevor ihn Hollywood auf sein Format brachte. Picknick at Hanging Rock bringt die Gewalt und das Geheimnis einer vom Menschen noch ungezähmten Natur gleichnishaft ins Bild.

Danke, ab, für den Buchtipp.
ab (16.12.2010, 11:23):
Original von miranda
Was die Magie der Bilder betrifft, müsste man wohl an erster Stelle Fellini nennen, obwohl seine Themen mir nicht immer zusagen. Aber auch er kann unauslöschbare Szenen erschaffen: Den Beginn von Casanova auf der Lagune, oder die Afrika-Episode aus Satyricon zum Beispiel.
Ein kleiner Magier war auch der junge Peter Weir, bevor ihn Hollywood auf sein Format brachte. Picknick at Hanging Rock bringt die Gewalt und das Geheimnis einer vom Menschen noch ungezähmten Natur gleichnishaft ins Bild.

Danke, ab, für den Buchtipp.
Danke für die Hinweise! Wenn Du Fellini dazuzählst, dann wohl auch Peter Greenaway. Fasziniert haben mich auch die Bilder von Michelangelo Antonioni in Blow up.

Aber in Hinsicht auf Magie im engeren Sinne fällt mir abseits von Tarkowski gar nichts ein. Aber gerade erinnere ich mich doch an eine einzige Szene, die ich in einer Kionovorschau-Fernsehsendung am frühen Beginn meiner Jugend gesehen habe: Das war ein Film zur Tragödie Oedipus, ungewöhnlich ein Schwarzweißfilm, ich glaube sogar, eines griechischen Regisseurs. Ich weiß bis heute nicht, wer dieser Regisseur war und habe den Film nicht gesehen. Aber dieses minutenlange Lamento des Oedipus, der sich gerade die Augen ausgestochen hatte bei ganz ruhiger, gleichmäßiger Kammererfahrt hat mich bis ins Mark und Bein erschüttert. Hättest Du eine Ahnung, welcher Film das gewesen sein könnte!?

(By the way: Als kompletter Antipode zu Tarkowski muss Michael Haneke in Funny Games gesehen werden: jede einzelne Einstellung völlig anit-ästhetisch und abstoßend. Auch einer dieser seltenen Filme, in denen Inhalt und Form vollständig übereinstimmen. Entzaubernd in jeder Hinsicht...)
:hello
miranda (16.12.2010, 23:41):
Leider gibt es zu diesem Stoff so viele Versionen, dass mir im Augenblick keine zu deiner Erinnerung passende einfällt. Auch Google hatte hier nichts zu bieten.
ab (17.12.2010, 08:55):
Original von miranda
Leider gibt es zu diesem Stoff so viele Versionen, dass mir im Augenblick keine zu deiner Erinnerung passende einfällt. Auch Google hatte hier nichts zu bieten.


eben, ich habe auch nichts gefunden... X(
Severina (17.12.2010, 14:50):
Original von ab
Original von miranda

Aber in Hinsicht auf Magie im engeren Sinne fällt mir abseits von Tarkowski gar nichts ein. Aber gerade erinnere ich mich doch an eine einzige Szene, die ich in einer Kionovorschau-Fernsehsendung am frühen Beginn meiner Jugend gesehen habe: Das war ein Film zur Tragödie Oedipus, ungewöhnlich ein Schwarzweißfilm, ich glaube sogar, eines griechischen Regisseurs. Ich weiß bis heute nicht, wer dieser Regisseur war und habe den Film nicht gesehen. Aber dieses minutenlange Lamento des Oedipus, der sich gerade die Augen ausgestochen hatte bei ganz ruhiger, gleichmäßiger Kammererfahrt hat mich bis ins Mark und Bein erschüttert. Hättest Du eine Ahnung, welcher Film das gewesen sein könnte!?

( :hello

Lieber ab,

das Einzige, was mir dazu einfällt, ist Pasolinis "Edipo re" mit Silvana Mangano. Ob das allerdings eine Jugenderinnerung von Dir sein könnte, weiß ich natürlich nicht :D

lg Severina :hello
Fairy Queen (17.12.2010, 17:09):
Die Pasolini-Version hat mich auch nie losgelassen und der blinde Teiresias darinnen war besonders beeindruckend. Ich erinnere aber eine öde archaische sandige Landschaft in Farbe und kein Schwarzweiss, kann mich allerdings irren ?(
Allein die Geschichte ist so magisch und tragisch, dass man als Regisseur kaum etwas falsch machen kann, am besten macht man so wenig wie môglich und hat einfach nur hervorragende Darsteller. Ich lese übrigens immer noch Peter von Matt und bin da gerade bei Stifters Nachsommer und einer Ballade von einer schmählich entehrten und sich selbst und ihr Kind entleibenden Pfarrerstochter von G.A. Bürger. Da stehen einem die Haare zu Berge!!!!

F.Q.
Heike (18.12.2010, 12:31):
Gerade ausgelesen:
Ein Roman über einen Kongress hoch spezialisierter Übersetzer.



Ein "sprachphilosophischer Thriller" sollte das sein, ehrlich gesagt, mich hat es stellenweise doch gelangweilt. Zwar gefällt mir der Schreibstil, De Santis kann stark und fesselnd erzählen. Aber die Geschichte erscheint mir dann doch als so konstruiert, dass es mich nicht wirklich interessiert hat. Am ehesten packten mich noch die Beziehungssplitter darin. Kein schlechtes Buch, aber ich kann mich den allgemeinen Lobeshymnen eher nicht anschließen.

Ich bleibe beim Thema Wissenschaft im Roman und werde jetzt folgendes Buch anfangen (das hat irgendwer mal hier im Forum empfohlen:



Heike
ab (18.12.2010, 14:03):
Original von Severina
das Einzige, was mir dazu einfällt, ist Pasolinis "Edipo re" mit Silvana Mangano. Ob das allerdings eine Jugenderinnerung von Dir sein könnte, weiß ich natürlich nicht :D

lg Severina :hello

Natürlich nicht, das ist ja ein Farbfilm...
Der Schwarzweißfilm war sogar ins deutsche synchronisiert...
:hello
ab (18.12.2010, 14:09):
Original von ab
Original von Severina
das Einzige, was mir dazu einfällt, ist Pasolinis "Edipo re" mit Silvana Mangano. Ob das allerdings eine Jugenderinnerung von Dir sein könnte, weiß ich natürlich nicht :D

lg Severina :hello


:hello

Natürlich nicht, das ist ja ein Farbfilm...
Der Schwarzweißfilm war sogar ins Deutsche synchronisiert und ich meine mich zu erinnern, dass er damals neu ins Kino kam und das war in den frühen 80er, als ca. 15 Jahren nach dem Film Pasolinis.... Ich meine mich im Hintergrund an Griechische Berglandschaft zu erinnern, nicht an Wüste Nordafrikas.

(Jedefalls habe ich Lust bekommen, mir den Pasolini-Film einmal anzusehen...)
Fairy Queen (18.12.2010, 14:15):
Liebe Heike, das war ich,der Autor ist nämlcih mein Bruder..... :engel
Aber ganz abgesehen von der stolz geschwellten Schwesternbrust: es ist wirklich hervorragend geschrieben und recherchiert und hat nicht umsonst den Preis des östereichischen Wiissenschaftsministeriums gewonnen. Selbst ich als Nichtschwimmerin in Sachen Kepler und Galilei und (Astro-) Physik habe alles verstanden und sehr sehr viel gelernt über Geschichte, Philosophie und Wissenschaft der frühen Neuzeit. und es räumt mit einigen Mythen hinsichtlcih Galileis anhand des erstmals in dieser Form ausgewerteten Briefwechsels zwischen Kepler und Galilei ordentlich auf. Viel Freude bei der Lektüre und sag unbedingt, wie es dir gefallen hat (wenn du es schrecklich findest, besser per PN..... :D)
F.Q.
Heike (18.12.2010, 14:19):
und sag unbedingt, wie es dir gefallen hat
Mach ich!
Heike
artemis (18.12.2010, 18:54):
Dann werde ich es mir auch dieses Buch

http://ecx.images-amazon.com/images/I/516idb2qo-L._AA115_.jpg

zulegen, zumal es so gute Kritiken bei amazon bekommen hat, da darf man ruhig stolz sein, liebe F.Q. :wink

LG artemis
Agravain (18.12.2010, 20:03):
Für das Kind im Manne ( :D): John Bellairs.
Gerade habe ich mir einen Stoß von Romanen aus seiner zweiten Kinderbuch-Serie (klassische gothic fiction à la M.R. James, aber für Jugendliche) um Johnny Dixon bestellt und verschlinge sie nun. Im Moment ist dieser page-turner dran:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51b-kN9-Y1L._SS500_.jpg

:hello Agravain
Erna (21.12.2010, 21:33):
Dann werde ich es mir auch dieses Buch



zulegen, zumal es so gute Kritiken bei amazon bekommen hat, da darf man ruhig stolz sein, liebe F.Q.

Liebe Heike, liebe Artemis!

Eine gute Wahl. Ich habe dieses Buch bereits gelesen und kann es nur empfehlen. Auf für Laien leicht verständliche Weise wird hier der Briefwechsel und die Lebensumstände von Galilei und Kepler, samt den physikalischen und geschichtlichen Aspekten dieser Zeit abgehandelt.

Lg. Erni
Holger (25.12.2010, 18:26):
http://www.suter-meggen.ch/maerklin/katalog/maerklin_11_gr.jpg
Rachmaninov (27.12.2010, 18:26):
Original von Holger
http://www.suter-meggen.ch/maerklin/katalog/maerklin_11_gr.jpg

Zum glück offensichtlich geretter vor der Insolvenz!
nikolaus (27.12.2010, 21:19):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783446235755.jpg

Ja, ich habe es bisher noch nie gelesen...

Ja, ich habe diese neue Übersetzung (durch Barbara Conrad) zu Weihnachten geschenkt bekommen...

Und ja, ich bin schon mittendrin und kann es kaum weglegen...

Nikolaus.
Jürgen (27.12.2010, 22:56):
An Krieg & Frieden beiße ich mir schon seit Wochen die Zähne aus.

Als Bestandteil eines Speicherfundes (ein laufender Meter russische Literatur) komme ich nicht in den Genuss einer neuen Übersetzung. An der Meinigen stört mich, dass der französische Text (und der russische Adel sprach damals viel Französisch) nicht übersetzt ist.

Schade finde ich auch, dass der Roman Weltgeschichte beschreibt, ohne dabei interessant oder spannend zu sein.
Bin aber auch erst auf Seite 250.

Grüße
Jürgen
nikolaus (27.12.2010, 23:12):
Auch in dieser neuen Überstetzung sind die französischen Passagen - meist sind es ja nur einzelne Sätze - nicht übersetzt.
Mich stört das nicht besonders, denn Sinn erfasse ich meistens, ohne die Fußnote mit der Übersetzung zu bemühen.

Interessant finde ich die "Milieu-Beschreibung" durchaus, spannend im "dramatischen" Sinn ist es tatsächlich (noch) nicht.

Mit mittendrin meinte ich oben auch mehr die Atmosphäre und nicht die Seitenanzahl. Von S. 250 bin ich noch ein gutes Stück weg... :W

Nikolaus (vielleicht ab jetzt Nikolai?)
Zefira (28.12.2010, 17:27):
Ich habe eine Übersetzung, bei der die französischen Teile im Anhang in Deutsch stehen. Habe auch ein schönes Stück weit gelesen und fand es interessant, aber als es dann richtig in Kriegsverwicklungen (Stellungswechsel, Brüclenkämpfe etc.) hineinging, konnte ich nicht mehr richtig folgen.

Ist schon ein paar Jahre her, vielleicht starte ich demnächst mal einen neuen Versuch.

lG Anna
ab (29.12.2010, 10:45):
Welche Übersetzung gilt denn von "Krieg und Frieden" als die beste?


Ernst Strenge, 1885.
Hermann Röhl, 1916
Michael Grusemann, 1925.
Erich Böhme, 1928.
Julius Paulsen und Reinhold von Walter, vor 1929.
Werner Bergengruen, 1954.
Marianne Kegel, 1956
Hertha Lorenz, 1978
Barbara Conrad, 2010


Kegel, Marianne; Stucken, Mila
Röhl, Hermann; Kasack, Wolfgang


Was ist von der Ursprungsfassung von 1867 (ca. 600 Seiten kürzer als die Erstausgabe von 1869, mit grundlegenden Unterschieden in der Handlung) zu halten, die von Dorothea Trottenberg, 2003, übersetzt wurde?

:thanks
Rachmaninov (29.12.2010, 13:11):



gestern angefangen zu lesen. Der Stoff ist IMHO als Hörbuch nicht geeignet!
Heike (29.12.2010, 13:21):
Zu Schuld und Sühne: Die Neuübersetzung ist eine Offenbarung! Schuld und Sühne ist ein absolut großartiges Buch und natürlich auch von einer mittelmäßigen Übersetzung überhaupt nicht kleinzukriegen - aber wenn man das dann in einer glänzenden Übersetzung neu liest, dann ist das ein großes Wunder. Also, falls sich jemand das Buch neu anschaffen sollte, dann empfehle ich dieses:
ab (29.12.2010, 16:21):
Jüngst wurde mir von einem Autor berichtet, auf einer internationalen Tagung zu Problemen der Übersetzung, noch vor dem Ableben Svetlana Geiers im November dieses Jahres, sei über ihre Übersetzungen diskutiert worden. Übersetzer slawischer Muttersprachen, so wurde mir berichtet, sehen dabei ihre Übersetzungsleistung deutlich skeptischer als es das einhellige Lob, das ihr hierzulande entgegenschlägt, vermuten lassen sollte. Der Grund läge keineswegs in Fehlern, sondern viel mehr darin, dass das so deutlich der frischen Alltagssprache nahe stehende Idiom des Originals Dostojewskis in ihrer Übersetzung zu kurz geraten würde. Diese Übersetzer vermuteten als Ursache ihren völlig zurückgezogenen Lebensstil in Freiburg im Breisgau, der sie von der gesprochenen Sprache weg und hin zu einem mehr kunstvollen Idiom gebracht hätte. (Nichtsdestotrotz empfänden sie ihre Übersetzungsleistung als die gründlichste.)

:hello
Zefira (30.12.2010, 13:43):
Lieber ab, nur der Klärung halber:
Wenn ich das richtig verstehe, dann gilt Frau Geiers Übersetzung als "artifizieller", elaborierter oder kunstvoller als die bisher erhältlichen Übersetzungen?
Ich kenne den Raskolnikov in der Übersetzung von Richard Hoffmann und bin gerade am Überlegen, ob ich mir zusätzlich die Übersetzung von Svetlana Geier leisten soll - schwanke allerdings noch, ob ich mit dem Raskolnikov oder lieber mit den Karamasovs beginnen soll (die ich gleichfalls bisher nur in der Hoffmann-Übersetzung kenne). Gibt es vielleicht irgendwo eine Leseprobe online?

Gruß von Zefira
ab (30.12.2010, 15:44):
Original von Zefira
Lieber ab, nur der Klärung halber:
Wenn ich das richtig verstehe, dann gilt Frau Geiers Übersetzung als "artifizieller", elaborierter oder kunstvoller als die bisher erhältlichen Übersetzungen?



Nein, diese Übersetzer meinten bloß, dass Frau Geier weniger Gespür für die frischen Alltagssprache Dostojewskis gehabt habe; das sagt gar nichts darüber aus, wie die älteren Übersetzungen klingen.

Ich habe durch die mir bekannten Überstzungen (überwiegend DDR-Ausgaben) hochartifizielle Sprache in Erinnerung. Ich war daher überrascht, zu erfahren, dass die Sprache Dostojewskis eigentlich ganz anders sein soll...

:hello
Zefira (30.12.2010, 19:47):
Ebenso geht es mir auch.
Ich werde mal versuchen, bei Bilandia ein paar Leseproben zu finden ...

lG und guten Rutsch
Zefira
Heike (31.12.2010, 10:35):
"Verbrechen und Strafe" (Ü: Swetlana Geier) gibt es neuerdings auch bezahlbar bei JOKERS als Hörbuch (21 CDs) für 39,90 Euro (heute sogar noch portofrei)


Heike
Holger (31.12.2010, 11:23):
Original von Rachmaninov
Original von Holger
http://www.suter-meggen.ch/maerklin/katalog/maerklin_11_gr.jpg

Zum glück offensichtlich geretter vor der Insolvenz!

Hey, bist etwa auch Du so ein Verrückter? :beer

Liebe Grüße von Holger
Fairy Queen (31.12.2010, 17:18):
Ich lese gerade ein Weihnachtsgeschenk von einer Freundin, die mir mit schlafwandlerischer Sicherheit immer die richtigen Bücher zur richtigen Zeit geschenkt hat und bin sehr gespannt!

Sorgen für die Seele, jenseits psychologischer Konzepte und Schulen und in direktem Bezug zu den grossen Philosophen/Humanisten der Renaissance und der Antike.
Der Autor schreibt im original englisch und der unterschied zwishcen cure udn care wird erstmal hervorgehoben.
Ich glaube, das wird ein gutes Buch zum Jahreswechsel!



F.Q.
Rachmaninov (31.12.2010, 17:50):
Original von Holger
Original von Rachmaninov
Original von Holger
http://www.suter-meggen.ch/maerklin/katalog/maerklin_11_gr.jpg

Zum glück offensichtlich geretter vor der Insolvenz!

Hey, bist etwa auch Du so ein Verrückter? :beer

Liebe Grüße von Holger

nein
aber bei so einem traditionsunternehmen freut es mich von seiner rettung zu hoeren
auch wenn viele euros von den mitarbeitern kommen.
Holger (01.01.2011, 01:23):
Original von Rachmaninovaber bei so einem traditionsunternehmen freut es mich von seiner rettung zu hoeren
auch wenn viele euros von den mitarbeitern kommen.

Hallo,

im eigentlichen Sinne "gerettet" (zumindest so, wie ich als Laie diesen Begriff interpretiere) ist das Unternehmen wohl nicht. Die Insolvenz dauert an, aber immerhin konnte man sich wohl mit den Gläubigern einigen. Das, was zu einer echten "Rettung" noch immer fehlt, ist ein seriöser Käufer, und der will sich partout nicht finden.

Aber ich fürchte, das gehört nicht hierher, obgleich die Firma ja ein "Klassiker" ist. :wink

Liebe Grüße von Holger
Heike (01.01.2011, 19:15):
Hallo Fairy,
ich hab's zwar noch nicht ganz ausgelesen (um die Feiertage ist so wenig Zeit zum Schmökern), aber ich kann das Buch auf jeden Fall jetzt schon loben:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/516idb2qo-L._AA115_.jpg
Das kannst du deinem Bruder ausrichten, dass mir das Lesen wirklich Spaß macht!! Im Klappentext steht, dass er mal beim Berliner Tagesspiegel war, früher, da hab ich dann sicher dazumal schon mal was von ihm gelesen, ohne es zu wissen ;-)

Also, das Buch ist wahrlich zugleich lehrreich und unterhaltsam. Ich hab ja null Ahnung von Astronomie und sowas, aber es ist richtig spannend und interessant und man versteht auch alles. Ich kann mir die beiden Wissenschaftler so richtig vorstellen, fast bildlich. Auch die vielen kleinen Exkurse in gesellschaftliche Bereiche, die immer wieder eingestreut sind, gefallen mir ausnehmend gut. Zudem ist es flüssig und sprachlich versiert geschrieben, was ja bei Naturwissenschaftlern nicht selbstverständlich ist! Danke für den Tipp, ich empfehle es gern weiter! Sag' Bescheid, wenn er das nächste Buch fertig geschrieben hat!
Heike
Fairy Queen (02.01.2011, 08:30):
Liebe Heike, ich strahle mal :engel im Namen meines Bruders beim Lesen deiner Zeilen und gebe sie als Ermutigung zum Jahr 2011 sofort weiter!
Das nâchste Projekt fängt gerade an und wird erst in zwei Jahren fertig sein. Aber es gibt noch die Sammlungen der Glossen mit wissenschaftlichen Erklârungen von Alltagsphänomenen aus dem Tagesspiegel. Neulich ist "Schlau nach Acht" erschienen, das zwei Vorgänger hat. Alles um Piper -Verlag.

F.Q.

Ich habe wieder einen IPod voller Hörbücher, im Moment vieles von Joseph Roth, weil mich der Radetzkymarsch so begeistert hatte. Vorfreude!!!!! :leb
EinTon (02.01.2011, 13:39):
Original von Fairy Queen
Aber es gibt noch die Sammlungen der Glossen mit wissenschaftlichen Erklârungen von Alltagsphänomenen aus dem Tagesspiegel.

An Dich hat Dein Bruder dabei ja auch gedacht:

Artikel...

:D


Frohes neues Jahr Dir nachträglich! :)
Fairy Queen (02.01.2011, 17:52):
Very charming indeed......du hast ja ein gutes Gedächtnis! :wink
Irgendwo habe ich wohl mal gestanden , dass ich trotz 83 Fahrstunden etc..... :ignore
Aber ich glaube, er hat eher bei den Ohrwürmern und anderen Klang-Themen an mich gedacht, denn gut erzogene Herren wie mein Bruder erinnern Damen niemals an ihre Unfähigkeiten sondern nur an die Sternstunden...... :haha :hello
Trotzdem ein besonders gutes neues Jahr, lieber Einton :engel
EinTon (02.01.2011, 18:05):
Danke Dir, Fairy!

Ich hab's übrigens auch erst bei der insgesamt fünften Prüfung... http://www.smiliemania.de/smilie132/00000511.gif
ab (04.01.2011, 13:46):
Nach meiner groß gewachsenen Begeisterung beim Buch Die Lehre der Saint Victoire über dessen grandiosen Aufbau und der mich staunend machenden Einheitlichkeit von Form und Inhalt, versuche mich erneut an Peter Handke:

Mein Jahr in der Niemandsbucht
Suhrkamp

http://ecx.images-amazon.com/images/I/4132QJE6XKL._SL500_AA300_.jpg
Cantus Arcticus (06.01.2011, 16:31):
So, das habe ich gerade fertig gelesen und finde es ein gelungenes Buch:

Alban Berg: Zeitumstände-Lebenslinien
Residenz-Verlag 2009
ISBN-10: 3-7017-3109-8

http://ecx.images-amazon.com/images/I/31MOJHtlBHL._SL160_.jpg

Gruss
Stefan
Peter Brixius (12.01.2011, 10:21):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/5141QH00AQL._SL500_AA300_.jpg

Dietrich Fischer-Dieskau: Weil nicht alle Blütenträume reiften. Johann Friedrich Reichardt - Hofkapellmeister dreier Preußenkönige
Stuttgart 1992

Ein schön ausgestattetes Buch, auf dessen Lektüre ich mich freue.

Liebe Grüße Peter
Cantus Arcticus (26.01.2011, 12:27):
Hallo liebe Forianer

Ich habe gerade wieder ein Buch angefangen, welches mich sehr erfreut:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41F00ZEVTTL._SS500_.jpg

Grüsse
Stefan
Fairy Queen (26.01.2011, 17:59):
Ich bin seit ich Radetzkymarsch und Kapuzinergruft per Hörbuch kennengelernt habe zum gazn grossen Joseph Roth-Fan geworden. Dieser wahrscheinlich unterschätzte grosse Chronist der untergehenden KUK Monarchie beherrscht nicht nur die Dramaturgie des Geschichtenerzählens bis zur Perfektion sondern auch die Personencharakterisierung, dass es eine Wonne ist. Am meisten begeistert hat mich aber nicht sein Bestseller sondern zwei Werke, von denen ich noch nie gehört hatte:


Die Geschcihte eines Ostjuden, den es nach Amerika verschlägt und der alle Höhen und Tiefen menschlicher Existenz durchleidet. Eines der ganz wenigen Bücher, die mch zu Tränen rührten, normalerweise besitzt das gelesene Wort diese Macht bei mir nicht.
Unbedingte Leseempfehlung!
Und weil es so wunderbar war, habe ich dann gleich noch einen Roth nachgeschoben und es keinsfalls bereut. Genauso gut, wenn auch ien ganz anderes Thema.




Joseph Roth: Die 1002. Nacht

http://ecx.images-amazon.com/images
/I/31PEt019UaL._SL500_AA300_.jpg

Hier wird von einer märchenhaften, orientalischen Affâre und dem damit verbundenen Niedergang eines Rittmeisters/Barons im KUK Reich erzählt. Der Schah von Persien besucht Wien, möchte die Liebesgunst einer europäischen Gräfin geniessen und wird stattdessen mit einem Freuden-Mädchen aus dem Volke "abgespeist". Selbiges wird mit kostbaren Perlen beschenkt und plötzlich steinreich, was sich aber nciht als Segen sondern als Fluch für alle Beteiligten erweist.

Roths Geschichten sind furchtbar melanchloisch und deprimierend, abzr so fasznierend, dass man nciht mehr aufhören kann und trotz aller pessimistischen Schmäh alle Wiener glühend beneidet...
F.Q..
Jürgen (26.01.2011, 22:51):
Ich höre gerade von Kate Mosse: Das verlorene Labyrinth

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51U9b3FSKJL._SL500_AA300_.jpg

Julia Fischer liest ungekürzt. Das heißt auf 20 CDs.

Die ersten 4 CDs lassen sich gut an.

Original von Amazon:
Bei Ausgrabungen in einer Höhle im Herzen des Languedoc entdeckt Alice Tanner zwei Skelette und darüber eine Wandmalerei, die ein Labyrinth darstellt. Trotz aller Begeisterung für ihren Fund fröstelt es Alice beim Anblick der Toten. Zu offensichtlich ist es, dass sie auf unnatürliche Weise gestorben sind. Ihre unguten Gefühle werden verstärkt durch den Ring, den einer der Toten trägt und auf dessen Innenseite sich die Labyrinthzeichnung wiederholt. Der Hauch des Bösen scheint über der Stätte zu liegen.
Als sich die Polizei einschaltet, ahnt Alice, dass an dem rätselhaften Ort etwas geschehen ist, das im Verborgenen hätte bleiben sollen. Etwas, das weit in die Vergangenheit zurückreicht. Alice beschließt, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen - und es stoßen ihr immer merkwürdigere Dinge zu ...
Achthundert Jahre zuvor erhält die junge Ala?s am gleichen Ort ein Buch mit fremdartigen Zeichen und Diagrammen, deren schicksalhafte Bedeutung sie kennt. Sie weiß, dass sie das Geheimnis des Buches hüten muss - um jeden Preis. Das verspricht sie ihrem Vater, als sie dessen Erbe als Hüterin des Heiligen Grals antritt. Verlust, Intrige, Gewalt und Leidenschaft prägen fortan ihr Leben. Doch wie Alice, die Jahrhunderte später ihre Spur aufnimmt, kämpft sie mit ungebrochener Kraft gegen ihre Gegener an. Bis das Schicksal sie, genau wie Alice, in jene Höhle führt, in der sich alles entscheidet ..."Das verlorene Labyrinth"ist ein fesselnder Roman über das größte Rätsel der Menschheit: die Unsterblichkeit. Nie zuvor gab es ein perfekteres Zusammenspiel von Mystery-Thriller und historischem Roman.


Grüße
Jürgen
Fairy Queen (27.01.2011, 05:06):
Lieber Jürgen, ich fand das superspannend und konnte nciht mehr aufhören. So habe ich gleich "Die achte Karte" vo nderselben Autorin nachgeschoben. Bon plaisir! :hello
Severina (27.01.2011, 11:49):
Original von Fairy Queen
Ich bin seit ich Radetzkymarsch und Kapuzinergruft per Hörbuch kennengelernt habe zum gazn grossen Joseph Roth-Fan geworden. Dieser wahrscheinlich unterschätzte grosse Chronist der untergehenden KUK Monarchie beherrscht nicht nur die Dramaturgie des Geschichtenerzählens bis zur Perfektion sondern auch die Personencharakterisierung, dass es eine Wonne ist. Am meisten begeistert hat mich aber nicht sein Bestseller sondern zwei Werke, von denen ich noch nie gehört hatte:


Die Geschcihte eines Ostjuden, den es nach Amerika verschlägt und der alle Höhen und Tiefen menschlicher Existenz durchleidet. Eines der ganz wenigen Bücher, die mch zu Tränen rührten, normalerweise besitzt das gelesene Wort diese Macht bei mir nicht.
Unbedingte Leseempfehlung!
F.Q..

Liebe Fairy,

"Hiob" gibt es auch in seiner sehr stimmigen Verfilmung von Michael Kehlmann, auf DVD erhältlich! (Ebenso wie "Radetzkymarsch")

lg Sevi :hello
Heike (31.01.2011, 16:12):
Ich brauch zwischendurch mal was total leichtes, bin zur Zeit rundum mit Arbeit eingedeckt und hab nur Zeit für kleine Häppchen Lesestoff. und da ist folgendes gerade richtig:



Der Ig-Nobelpreis (englisch-/französischsprachiges Wortspiel: ignoble – unwürdig, schmachvoll, schändlich), ist eine satirische Auszeichnung, die von der Harvard-Uni für unnütze, unwichtige oder skurrile wissenschaftliche Arbeiten verliehen wird.

Da finden sich unter den Preisträgern:
# Psychologie: Shigeru Watanabe, Junko Sakamoto und Masumi Wakita der KeiM-Universität für deren Erfolg beim Trainieren von Tauben, so dass sie zwischen den Gemälden von Picasso und Monet unterscheiden können.
#Literatur: Die British Standards Institution für ihre sechs Seiten umfassende Norm BS-6008 über das korrekte Aufbrühen einer Tasse Tee.
# Frieden: Für die Schweizerische Ethikkommission über Biotechnologie und die Bürgerinnen und Bürger der Schweiz für die Entwicklung eines Rechtsprinzips, welches besagt, dass Pflanzen Würde haben
usw. siehe auch Liste der Träger des lg-Nobelpreises
Jürgen (31.01.2011, 21:06):
Original von Heike
#Literatur: Die British Standards Institution für ihre sechs Seiten umfassende Norm BS-6008 über das korrekte Aufbrühen einer Tasse Tee.


Ja, eine unnütze, unwichtige oder skurrile wissenschaftliche Arbeite ist das sicherlich. Zumindest aus der Sicht der Japaner. Die sind nämlich der Überzeugung, dass man jahrelang üben muss, bis man eine traditionelle japanische Teezeremonie auch nur halbwegs richtig zelebrieren kann. Ein wahrer Meister schmeckt dann immer noch heraus, ob bei der Zubereitung im Vorgarten der Rasen gemäht war oder nicht.
Und das wollen die Briten auf 6 Seiten komprimiert haben? Naja, sie sind auch eher dafür bekannt, dass sie ihren Tee pünktlich trinken.

Mein Halbwissen bezgl. der Teezeremonie habe ich aus diesem Buch gewonnen:

http://g-ecx.images-amazon.com/images/G/03/ciu/f4/03/9676e10e22a016e2503bf110.L._AA300_.jpg

Eiji Yoshikawa: Musashi

Grüße
Jürgen
Cantus Arcticus (05.02.2011, 23:05):
Hallo liebe Forianer

Thomas Mann ist bei mir das Thema und zwar eine antiquarische Ausgabe des Buches "Meisternovellen". Ich schätze einmal aus den 60zigern oder so.

Wie auch immer: Nach Tonio Kröger bin ich bei Gustav Aschenbach in Venedig hängengeblieben...

(*)
"...Nun lenkte Tag für Tag der Gott mit den hitzigen Wangen nackend sein gluthauchendes Viergespann durch die Räume des Himmels, und sein gelbes Gelock flatterte im zugleich ausstürmenden Ostwind......"
(*)

Ich kann nur sagen: Was für eine Sprache :down :down :down

(*) Zitat: Der Tod in Venedig (1912), Beginn des 4. Kapitels, S. 223; S. Fischer Verlag, Ffm, ohne Jahresangabe oder Auflagennummer, Lizenzausgabe der Ex Libris Zürich)

Grüsse
Stefan
Fairy Queen (06.02.2011, 08:25):
Ja ja, der "raunende Beschwörer des Imperfekts."... entweder man liebt ihn oder man hasst ihn oder man hassliebt ihn, denn diese Sprache ist zwar ohne Zweifel hohe Kunst, aber halt nicht jeder-manns Geschmack. Ich bleibe, nicht zuletzt auch wegen der sprache, weiter an Joseph Roth hängen- seine Geschichten faszinieren mich ungemein und die im Vergleich zu Mann unprätenziöse aber sehr tiefgehende Art und Weise sie zu erzählen noch mehr. Im moment bin ich bei
"Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht"




:down :down :down
ab (17.02.2011, 10:06):
Sehen Hören Lesen von Claude Lévi- Strauss

http://ecx.images-amazon.com/images/I/71M14YGEPVL._SL500_AA300_.gif
Heike (17.02.2011, 18:59):
Gerade ausgelesen:



Ich kaufe ja seit Jahren nur Neuland-Fleisch, aber nach der Lektüre dieses Buches habe ich gerade eine vegetarische Phase. Das, was man da liest, bringt vermutlich jeden zum Nachdenken. Vieles habe ich gewusst, aber lange nicht alles. Es geht nicht nur um die plakativen Dinge in der Massentierhaltung, die immer wieder kritisiert werden. Sondern um viele Fragen darüber hinaus: von Ethik bis Klima, von neuen Viren bis zur neuen Essenskultur. Das Buch enthält mehr Fragen als Antworten und regt gerade dadurch an, sich mit den Dingen auseinanderzusetzen, die wir alle so gern verdrängen: Tierrechte und Tierschutz für Tiere als Lebensmittel und diverse Folgen für die Welt, die sich aus der menschlichen Gier nach Fleisch ergeben.
Heike
Jeremias (28.02.2011, 18:45):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51WVgPUaJ5L._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg
Heike (01.03.2011, 08:04):


"Die Keats-Forscherin Clarissa und der Wissenschaftsjournalist Joe waren ein glückliches Paar - bis zu dem Tag, an dem Joe den tödlichen Ausgang eines Ballonunfalls mitverschuldet. Nicht nur durch Schuldgefühle gerät sein Leben aus der Bahn, sondern auch durch den Mitwisser und Mittäter Jed Parry. Denn dieser entwickelt Joe gegenüber eine extreme Form der Liebe, einen wahren Liebeswahn. Joe versucht verzweifelt, sich gegen diese Obsession zur Wehr zu setzen. Meisterhaft und spannend schildert der erfolgreiche englische Autor, wie ein Psychopath eine Ehe zu zerstören droht." (Quelle amazon.de)

Ich liebe McEwan, habe schon mehrere seiner Bücher gelesen (das bekannteste Buch ist wahrscheinlich "Abbitte"). Bei ihm kriegt man immer Unterhaltung auf höchstem Niveau. McEwan ist ein Meister der psychologischen Personenzeichnung, ein grandioser Erzähler und er hat eiin Faible für böse, skurile Situationen und das Dunkle in der Seele.

Auch dieses ist wiedermal ein ganz tolles Buch!
Heike
Cantus Arcticus (20.03.2011, 18:32):
Bei mir halt wieder ein biographisches Werk:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/415TYlpC0rL._SS500_.jpg

Ein gelungenes Buch, wenn auch teilweise schwierig zu lesen. Die jeweiligen Fussnoten sind genauso interessant wie der Buchinhalt als solches. Die meisten Publikationen zu Sibelius sind in finnischer Sprache vorliegend, deutsche Übersetzungen sind hier eher die Ausnahme.

Wer sich mit Sibelius ernsthaft auseinandersetzen will / muss, dem sei dieses Buch sehr empfohlen.

Grüsse
Stefan
artemis (24.03.2011, 18:26):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41oAbE8TWZL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Philip Roth bürgt m.E. immer für Qualität.

LG artemis
nikolaus (15.04.2011, 21:07):
Bereits gelesen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41d2VEGPDUL._SS500_.jpg

Inzwischen gibt es diese Biographie auch auf deutsch.
Ich habe sie in der französischen Originalausgabe und habe trotz meiner bescheidenen Französischkenntnisse doch im Großen und Ganzen das Wichtigste verstehen können.

Vieles kennt man sicher, wenn man Martha Argerichs Karriere verfolgt hat. Einiges findet man bereits in dem Dokumentarfilm über sie ("Nachtgespräche" von Georges Gachot).
Aber gerade Einzelheiten aus ihrer Kindheit und Jugend sowie zu ihren familiären Hintergründen und zu ihren Beziehungen ist doch sehr aufschlussreich und interessant.

Literarisch gesehen ist es zwar keine "Perle", lässt sich aber gut lesen.

Nikolaus.
ab (16.04.2011, 13:37):
Tröpfchenweise komme ich wöchentlich zu ein paar Seiten Hildesheimer Mozart, Suhrkamp, 1977.

Irgendwie nicht wirklich equicklich zu lesen dieser gestelzte Stil. Ich weiß nicht, ob ich Hildesheimer unrecht tue, aber irgendwie scheint mir da auf jeder Seite so eine Eitelkeit durchzuschimmern.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51%2BOYeVl%2ByL._SL500_AA300_.jpg
nikolaus (16.04.2011, 23:03):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783518461297.jpg


Anna und Edo sind glücklich. Sie haben eine kleine Buchhandlung im Süden Italiens, zwei wunderschöne Töchter, ihre Leidenschaft für die Poesie, und sie haben sich. Doch als Edo eines Morgens erwacht, hat er alles vergessen: seine Kinder, ihr gemeinsames Leben und sie, Anna. Als er dann auch noch spurlos verschwindet, zieht Anna sich immer tiefer in ihre eigene Welt der Erinnerungen zurück. Dreiundzwanzig lange Jahre widmet sie dieser verlorenen, aber für sie gerade deshalb so realen - und glücklichen - Liebe. Aber wie auch im wahren Leben ist am Ende alles ganz anders, als man denkt. Ein ergreifendes und kluges Buch und ein wunderschöner Roman über die Macht der Liebe und die Kraft der Poesie.

Wirklich ein wunderschönes Stück Literatur.

Nikolaus.
Zefira (18.04.2011, 00:12):
@ ab: Mich hat es aufgeregt, wie Hildesheimer immer wieder ein "wir" in Anspruch nimmt, dem ich nicht folgen kann. Wenn er zum Beispiel schreibt (ich zitiere aus dem Gedächtnis), es scheine "uns heute unverständlich", wie man die Koloraturarien im Lucio Silla einst mit Genuss hätte anhören können. Ich höre das gerne und will nicht zu Hildesheimers Wir mitgezählt werden.

Trotz allem das intelligenteste Buch über Mozart, das ich bisher gelesen habe (ich habe so ca. vier bis fünf gelesen).

Gruß von Zefira
Fairy Queen (30.04.2011, 17:08):


Autobiographische Reflektionen einer irischen Jornalistin und Schriftstellerin, die an der Schwelle des Alters und nach einem in ihren eigenen Augen ziemlich verpfuschten Leben einen Neuanfang wagt und zu einer Weisheit findet, die das Leben mit all seinen Facetten einschliesst. Die jahre zwischen 50 udn 60 sind für sie die am wenigsten beachteste Lebensphase und dabei doch eine der aufregednsten, eine Art zweite Adoleszenz am anderen Ende des Erwachsenenalters.
Man erfährt nebenbei auch sehr vfiel über Irland und das Schicksal seiner Bewohner und über "alte Liebe" udn Alkoholsucht.

F.Q.
Zefira (01.05.2011, 00:43):
Ich habe mir vor ein paar Tagen mit meinen Töchtern wieder mal die "Wüstenplanet"-DVD angesehen und bin nun eisern entschlossen, sämtliche Bände zu lesen, und wenn es unter Schweiß und Tränen sein sollte.

Es ist mein mindestens dritter Anlauf. Den ersten habe ich nach ca. 50 Seiten abgebrochen, im zweiten Anlauf habe ich es immerhin bis in den zweiten Band hinein geschafft, dann aber das Handtuch geworfen. Eben habe ich nach ca. 10 Jahren Abstinenz mal wieder in den ersten Band geblättert und könnte mir vom Gefühl her vorstellen, dass es diemal endlich klappt. Na denn.

Gruß von Zefira
Fairy Queen (01.05.2011, 13:47):


Es war gar nciht so einfach , die deutsche Ausgabe dieses Buchs zu finden, denn hier heisst der Autor Romain Gary (Pseudonym) und in Deutschland ist er wahrscheinlich am ehesten bekannt für den Bestseller Monsieur Ibrahim, der auch verfilmt wurde.
Der obige Roman ist eine unbedingte Empfehlung fûr alle, die keine Angst vor einer zurtiefst ergreifenden Geschichte aus der untersten sozialen Schicht haben:
Momo ist der Sohn einer arabischen Prostituierten die in Paris von ihrem psychopathischen Zuhälter ermordet wurde. Er erzählt die Geschichte seiner Kindheit und vom Tod seiner jüdischen Pflegemutter Madame Rosa. Mit drei Jahren wird er von seinem Vater dort in Pflege gegeben: Madame Rosa ist eine 67jährige Jüdin, Ex-Prostituierte, die nun die unerwünschten Kinder ihrer Kolleginnen aufnimmt, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Madame Rosa wird schwer krank und leidet zudem an Altersdemenz und ihr einziger Wunsch ist, in ruhe und selbstbestimmt sterben zu dürfen und nicht im Krankenhaus lebensverlängernde Massnahmen zu erdulden und als "Gemüse" zu enden. Sie hat das KZ überlebt und ein Bild von Hitler unter ihrem Kopfkissen, das sie immer dann ansieht, wenn sie "Belebung" braucht.
Momo schafft es schliesslich unter Aufbietung aller Kräfte, mit einer massiven Lüge und trotz erheblicher Widerstände, dass seine Madame Rosa zu Hause sterben kann- das Ende des Romans ist nciht erzählbar, grässlich und wunderbar zugleich.

Das Milieu, in dem die Figuren leben, wird so gut geschildert, das man am ende ihre Sprache versteht( ein Argot, der für mich im frz. Original trotz allgemein sehr guter Sprachkenntnisse nicht leicht zu verstehen war) und selbst als totaler Gegner der Euthanasie schliesslich etwas abgewinnen kann. Ein Roman der Weltbilder ändert und sehr unter die Haut geht.

F.Q.
Severina (01.05.2011, 20:05):
Liebe Fairy,
jetzt verwirrst du mich aber: "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" ist doch von Eric-Emmanuel Schmitt, zumindest heißt er auf meinem Buchdeckel so.
Das von Dir vorgestellte Buch ist bereits notiert, das klingt wirklich sehr berührend.
lg Sevi :hello
Fairy Queen (01.05.2011, 22:29):
Liebe Sevi, shame on me! Das ist eine Verwechslung, ich lese zuviel durcheinander. Es gibt in dem Buch einen Monsieur Halim, der den kleinen Momo unter seine Fittiche nimmt, ihm aber weniger vom Koran als von Victor Hugo erzâhlt.
Du wirst die Lektüre gewiss nciht bereuen, leg dir aber Tashcentûcher bereit, das geht wirklcih sehr nah!
F.Q.
ab (05.05.2011, 21:44):
Original von Fairy Queen




Vielfach ein Lieblingsbuch im weiteren Kreis meiner Verwandtschft! Ich habe mir bislang nie die Zeit dafür genommen...
:hello
Fairy Queen (06.05.2011, 12:10):
Solltest du aber, es lohnt sich! :hello
Heike (06.05.2011, 19:15):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51WrzDC%2BWBL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Nachdem die Diskussionen um das Buch und um Sarrazin nun schon eine Weile her sind, habe ich den Wälzer nun fast durchgelesen. Ehrlich gesagt verstehe ich die ganze Aufregung nicht. Es stehen ziemlich viele durchaus interessante und auch belegte Wahrheiten drin. Anderes spitzt er (in der Art, die man von ihm gewohnt ist) zu. Und natürlich muss man nicht mit allen seinen Schlussfolgeringen übereinstimmen, aber etliches halte ich durchaus für diskussionswürdig. Sarazzin wegen dieses Buches aber quasi als total unsozial oder Hetzer hinzustellen finde ich lächerlich. Wenn wir solche Themen/ Thesen in einem Land mit Meinungsfreiheit nicht aushalten und sachlich/ konstruktiv damit umgehen können, na dann gute Nacht.
Heike
Rachmaninov (07.05.2011, 08:55):
Original von Heike
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51WrzDC%2BWBL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Nachdem die Diskussionen um das Buch und um Sarrazin nun schon eine Weile her sind, habe ich den Wälzer nun fast durchgelesen. Ehrlich gesagt verstehe ich die ganze Aufregung nicht. Es stehen ziemlich viele durchaus interessante und auch belegte Wahrheiten drin. Anderes spitzt er (in der Art, die man von ihm gewohnt ist) zu. Und natürlich muss man nicht mit allen seinen Schlussfolgeringen übereinstimmen, aber etliches halte ich durchaus für diskussionswürdig. Sarazzin wegen dieses Buches aber quasi als total unsozial oder Hetzer hinzustellen finde ich lächerlich. Wenn wir solche Themen/ Thesen in einem Land mit Meinungsfreiheit nicht aushalten und sachlich/ konstruktiv damit umgehen können, na dann gute Nacht.
Heike

Die Kritik wendet sich nicht gegen die Inhalte seines Buches sondern sonstiger Äußerungen bzw. im wesentlich Nebensätze die eine erschreclende D***heit offenbaren!
Parteipolitisch Jobs bekommt man einfach ....
Heike (07.05.2011, 09:04):
Ja, da ist sicher auch etliches berechtigt an der Kritik - aber wenn wir da die Herren Seehofer, Koch oder sonstige ansehen, da gäbe es nicht viel weniger kritikwürdiges oder d***liches zu finden .... Und Sarazzin ist ja uns Berlinern sowieso bekannt für seine drastischen Äußerungen. Jedenfalls, ich habe das Buch mit Interesse gelesen.
Heike
Cantus Arcticus (30.05.2011, 11:03):
Bei mir ist Robert Schumann das Thma:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51TKB5yK-cL._SS500_.jpg

Weiteres, wenn ich fertig bin damit :hello

Grüsse
Stefan
Heike (01.06.2011, 00:21):


Nach einer Radiorezension angeschafft und begeistert in 2 Tagen fast ausgelesen.

Vater und 13jähriger Sohn sind auf einer einsamen Insel vor Alaska. Der (getrennt lebende) Vater hat den Sohn überredet, dort ein Jahr mit ihm in der Einsamkeit zu verbringen. Aber schnell stellt sich heraus, der Vater ist nicht gut vorbereitet auf das Leben dort und außerdem scheint er diverse Probleme mit sich und der Welt zu haben: Die erzählt er dem Jungen, der davon eigentlich nichts wissen will und der den jammernden, heulenden Vater kaum erträgt, eigentlich nur nach Hause will und doch dort bleibt.
Nach der Hälfte des Textes (der bis dahin die Vorahnungen schon keimen lässt) kommt es zur Katastrophe.

Ein sehr gut geschriebenes Buch, spannend, verstörend, sehr klug und perspektivreich erzählt. Ich bin schon sehr neugierig auf das Ende.

Der Autor verarbeitet hier sicherlich auch eigene Erlebnisse, und das macht es auch psychologisch hochinteressant: Sein eigener Vater hatte ihn mit 13 Jahren gefragt, ob er mit ihm für einige Zeit auf eine einsame Insel gehen wolle, und er, David Vann, hatte damals als Kind nein gesagt. Und 14 Tage später hat sich der Vater das Leben genommen.

Heike
Agravain (05.06.2011, 22:00):
Gerade habe ich einen der aktuelleren Pratchetts fertig:

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/3/3a/Unseen.jpg

Was soll ich sagen? Der Herrscher über die Scheibenwelt hat nachgelassen. Obschon die Handlung durchaus amüsant ist, so ist Pratchetts Witz doch oft nicht mehr so überraschend, treffend, messerscharf wie er es einst einmal war.
Gleichzeitig wird er dem moralischen Auftrag des Satirikers nicht mehr gerecht, da gibt es auch im Spätwerk deutlich hellsichtigere Romane (z.B. I shall wear midnight"). Dieser hier hat leider oft eher etwas ganz deutlich Platitüdenhaftes.
Auch die Handlung ist denkbar simpel, quasi eine doppelte Boy-Meets-Girl-Begebenheit, deren Ausgang, ja deren Verlauf sogar oft ganz fürchterlich vorhersehbar ist. Das ist einer jener Romane, die man eher der Vollständigkeit halber liest.

In den nächsten Tage widme mich mich meiner Leidenschaft für den klassischen Abenteurroman. Ein mir noch unbekannter Gerstäcker soll es sein. Ich bin gespannt:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41sIX5gFmPL._SL500_.jpg

:hello Agravain
Heike (07.07.2011, 18:03):
Soeben mit größtem Vergnügen ausgelesen:



Ein ganz wunderbares Buch, bestehend aus 9 Geschichten vonMenschen, die auf kunstvollste Weise miteinander zu tun haben. Kehlmann erzählt hier mit einer faszinierenden Leichtigkeit und doch verbergen sich hinter diesen Zeilen unheimlich aufregende Dimensionen von Fiktion, Spiegelung und Projektion. Ein originelles kleines Buch, das sich wie im Flug wegliest ... und man hat gleich Lust, nochmal von vorn anzufangen, weil sich die Tiefe und Doppelbödigkeit erst Stück für Stück erschließt.
Heike
Severina (07.07.2011, 18:16):
Liebe Heike,
geht mir genauso! Ich finde den Aufbau dieses Buches äußerst raffiniert, und mit jedem Mal Lesen habe ich neue Aha-Erlebnisse, enthüllen sich mir neue Bezüge und Verweise. Ich mag solche Bücher (ebenso wie Inszenierungen), die ihre Geheimnisse nicht sofort preis geben.

lg Sevi :hello
nikolaus (07.07.2011, 22:10):
Mir ging es ähnlich.
Gute Idee, es noch einmal zu lesen.

In den letzten Wochen lese ich recht viel, nicht alles ist empfehlenswert, aber dieses unbedingt:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783446236301.jpg

Zwei junge Leute verlieben sich, aber der Krieg bringt sie auseinander: Das ist die Geschichte von Léon und Louise. Sie beginnt mit ihrer Begegnung im Ersten Weltkrieg in Frankreich an der Atlantikküste, doch dann trennt sie ein Fliegerangriff mit Gewalt. Sie halten einander für tot, Léon heiratet, Louise geht ihren eigenen Weg - bis sie sich 1928 zufällig in der Pariser Métro wiederbegegnen. Alex Capus erzählt mit wunderbarer Leichtigkeit und großer Intensität von der Liebe in einem Jahrhundert der Kriege, von diesem Paar, das gegen alle Konventionen an seiner Liebe festhält und ein eigensinniges, manchmal unerhört komisches Doppelleben führt. Die Geschichte einer großen Liebe, gelebt gegen die ganze Welt.


Und wer es etwas deprimierender, gröber aber umso berührender (so geht es mir zumindest) mag, dem seien die Bücher von Olivier Adam empfohlen, das letzte:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783608938876.jpg

Plötzlich ist Paul Anderen mit seinem neunjährigen Sohn und der siebenjährigen Tochter allein - von seiner Frau fehlt jede Spur. Die kleine Familie ist erschüttert und ratlos. Irgendwann ziehen die drei aus der Stadt an die bretonische Küste, wo Paul aufgewachsen ist und wo er Arbeit in der Fahrschule seines Bruders findet. In der rauen, sturmgepeitschten Landschaft versuchen sie, ein neues Leben zu beginnen. Doch in ihrem Schwanken zwischen Hoffnung und Verzweiflung kommen sie zu keiner dauerhaften Ruhe. Und eines Tages zeigt sich, was wirklich hinter dem rätselhaften Verschwinden ihrer Frau und Mutter steckt ... Sensibel und einfühlsam erzählt "Gegenwinde" von kleinen und großen Menschen, die sich in einem schweren Ausnahmezustand einrichten müssen.


Nikolaus.
Fairy Queen (08.07.2011, 06:08):
Liebe Heike ich fand diesen Kehlmann auch phantastsich und enige der Geschcihten regelrecht erschütternd! Die in den URSS Staaten verschollene Schriftstellerin ging mir total unter die Haut und was den Internet-Junkie angeht... aus dem Leben gegriffen..... :ignore

Lieber Nikolaus, danke fûr diese Tipps! Da ich die bratagne liebe und ab morgen wieder dort sein werde, hoffe ich das Buch von Adams schnell aufzustöbern und mit dem entsrpechenden Genuis loci lesen zu kônnen.

Liebe Grûsse an alle Urlauber und zu Hause Bleibenden
F.Q.
Heike (16.07.2011, 21:56):
Weil mir Kehlmanns "Ruhm" so gut gefallen hatte, habe ich nun heute in der Sonne gleich den nächsten Schmöker von ihm in einem Zug ausgelesen:



Ein köstlicher Roman über narzisstische Männer! Man oh man, was kann dieser Kehlmann intelligent schreiben; es macht so einen Spaß, das zu lesen. Herrliche Dialoge, eine irrwitzige Handlung und doch so viel tiefer Sinn auch hier.
Heike
Heike (16.08.2011, 08:02):
gerade ausgelesen:



Die Mitleidsindustrie: Hinter den Kulissen internationaler Hilfsorganisationen
Die Autorin beschreibt in ihrem topaktuellen Buch nicht nur die Strukturen und Funktionsweisen der großen und kleinen Hilfsorganisationen: Sie setzt sich v.a. auch sehr konkret (und immer mit Quellenangaben) mit den Folgen der Hilfaktionen für die Empfänger und deren Umfeld auseinander und beleuchtet Zwecke sowie Erfolge/ Misserfolge der Aktionen (von denen man sich an viele große weltweite Kampagnen noch erinnert).

Ein absolut wichtiges und richtiges Buch, das mich sehr nachdenklich gemacht hat und an etlichen Stellen eine Neubewertung bewirkte. So einfach ist das mit der Ethik des Spendens nämlich nicht, Neutralität ist wahrlich nicht immer so humanitär wie angenommen und Unabhängigkeit ist oft nur eine leere Worthülse. Über die realen Folgen einiger Aktionen war ich regelrecht entsetzt.

Gerade weil die Autorin mehr Fragen stellte als Antworten liefern konnte, ist das Buch zu empfehlen, macht aber auch ziemlich ratlos.
Heike
ab (23.08.2011, 22:37):
Dank Urlaub endlich dazugekommen:

Tolstoi, Leo N.: Krieg und Frieden Roman in 4 Büchern
München, Wilhelm Goldmann Verlag, 1957
Übersetzt durch Michael Grusemann

Ein grandioser Roman! Mich hat besonders begeistert, dass die Abschnitte der Friedenszeiten genau so wirken, als handle es sich um gezielte militärische Manöver: Schwer zu ertragen diese russichen Zustände, ständig sowohl seine eigenen wahren Interessen zu verletzen als auch die Bedürfnisse der anderen...

Leider ist dem Vorwort zu entnehmen, dass die Stellen von Tolstois Geschichtstheorie herausgekürzt worden sind. Begründet wird dies damit, dass diese den Fluss der Erzählung unterbrechen würden und zudem "geradezu unter den Niveau der eigentlichen Handlung" bleiben würden. Bewertet werden diese Stellen als "geschichtsphilosophische Ressentiments" und "überspitzt". Aber genau darüber hätte ich mir gerne ein eigenes Urteil gebildet... :S

Irgendwie kommt mir dieser Roman sehr viel moderner vor als Anna Karenina, aber auch stingenter.

Irgendwie möchte ich irgendwann einmal auch noch Auferstehung, den dritten und letzten Roman von Leo Tolstoi lesen....
Wesen Übersetzung lohnt denn: Vera Hirschfeld, Marie von Pezold, Ilse Frapan, Hermann Asemissen, Adolf Heß, E. Kaiser, Wadim Tronin oder August Scholz?
Cantus Arcticus (29.08.2011, 15:54):
Hallo
passend zum Thread "Was höre ich gerade 2011" die Monographie:
http://www.booklooker.de/images/cover/user/0345/2184/NDE5.jpg

Gruss :hello
Stefan
Agravain (30.08.2011, 09:37):
Original von Cantus Arcticus
Hallo
passend zum Thread "Was höre ich gerade 2011" die Monographie:
http://www.booklooker.de/images/cover/user/0345/2184/NDE5.jpg

Gruss :hello
Stefan

Wenn schon Tschai-Bio, dann unbedingt aber auch:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/71NW6EGS5QL._SS500_.gif

:hello Agravain
Heike (30.08.2011, 23:31):
Wenn schon Tschai-Bio, dann unbedingt aber auch:
.... und auch:



Wobei ich nicht sicher bin, ob das mehr über Tschaikowsky oder über Klaus Mann aussagt!
Heike
Agravain (31.08.2011, 07:53):
Original von Heike
Wenn schon Tschai-Bio, dann unbedingt aber auch:
.... und auch:





:D Unbedingt.

:hello Agravain
Rachmaninov (02.09.2011, 12:51):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51cy6sIyp3L._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

gerade durch als Hörbuch.
Aus der Idee hätte man noch mehr machen können. Hier und das Handlungsstränge die, in diesem Band jedenfalls, ins leere liefen.
Und für einen anfangs derart genialen Kriminellen dann doch sehr dumme Fehler!

R
Jürgen (05.09.2011, 09:59):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51sgTnUmv2L._SS500_.jpg



Brian D'Armato: 2012 Das Ende aller Zeiten

In der Ausgabe als Hörbuch.

Den negativen Besprechungen bei Amazon, die sich auf die gedruckte Ausgabe beziehen, kann ich beim Hörbuch nicht folgen. Die Kürzungen des Textes für das Hörbuch haben sich hier wohl positiv ausgewirkt und dem Buch einige Längen genommen. Die erstklassige Interpretation von Volker Lechtenbrink hilft einem, so manche Hürde von schwer auszusprechenden und wohl auch zu lesnden Wörtern zu überwinden.

Zur Handlung:

Original von Amazon
Eine Mischung von Go und Mensch-ärgere-dich-nicht, so ähnlich ist das Brettspiel, das Jed DeLanda von seiner Mutter geerbt hat. Jed benutzt es dazu, um an der Börse zu spekulieren, und dies mit beträchtlichem Erfolg. Bis eines Tages die reiche, exzentrische Marena Park, TV-Moderatorin und Computerspiel-Designerin, in sein Leben tritt. Sie zeigt ihm Bilder von einem alten Maya-Codex, der mit modernsten technischen Mitteln lesbar gemacht werden konnte. Die Maya waren besessen von Zahlen. Sie spielten das gleiche Spiel wie Jed, aber in einer unvorstellbar größeren Komplexität. Sie hatten ihren eigenen Untergang vorausgesehen. Sie berechneten die großen Katastrophen der Menschheit voraus, bis zu dem Tag, an dem alles endet. Dem 21. Dezember 2012. Die Endzeit wirft ihre Schatten voraus. Eine Seuche sucht Amerika heim. Während die USA in Chaos und Anarchie versinken, macht sich Joe auf eine fantastische Reise. Er muss den Schritt zurück in die Zeit wagen, als die Hochkultur der Maya noch blühte. Er muss selbst das große Spiel spielen, um zu sehen, ob die Menschheit noch eine Chance hat.

Mich hat die Geschichte von der ersten CD an gepackt und bis zum Ende auch nicht mehr losgelassen. Das mag aber auch daran liegen, dass ich eine Schwäche für versunkene Kulturen habe.

Grüße
Jürgen
Jürgen (14.09.2011, 15:09):
http://g-ecx.images-amazon.com/images/G/03/ciu/13/23/a905012912a0faf474261210.L._AA300_.jpg

Cornelia Funke: Tintenherz, Gelesen von Rainer Strecker auf 16 CDs

Ich bin aber erst bei der 4. CD.

Grüße
Jürgen
Cantus Arcticus (15.09.2011, 20:57):
Original von Agravain
Original von Heike
Wenn schon Tschai-Bio, dann unbedingt aber auch:
.... und auch:





:D Unbedingt.

:hello Agravain

Liebe Heike, lieber Agravain
vielen Dank für eure Empfehlungen :thanks
Ich denke, da kommt noch etwas auf mich zu..... :)

Grüsse an euch :hello
Stefan
artemis (17.09.2011, 19:42):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41P64QZ6TAL._SL500_AA300_.jpg

Eines meiner Lieblings-Sachbücher, weil es aufzeigt, wie unwichtig doch eigentlich Status, Geld etc. ist.

Leider dreht sich in unserer Überfluss-Gesellschaft alles darum und man muss sich schon damit beschäftigen, um die "Bodenhaftung" nicht zu verlieren.

LG artemis
nikolaus (17.09.2011, 20:52):
Diese Miniaturen sind grossartig:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61KElY1C3IL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Hinreißende Miniaturen über Dinge, die verschwinden: vom »Palast der Republik« über »Käse und Socken« bis hin zum »einfachen Leben«

Sperrmüll. Jugend. Öfen und Kohle. Männer. Jahre. Freundinnen. Socken. Vielfältig und zahlreich sind die Dinge, die verschwinden können. Jenny Erpenbeck hat einunddreißig davon in kleinen, hinreißenden Miniaturen des Alltags versammelt. Mal betrauert sie das Abhandenkommen, manchmal belächelt sie es, manchmal nimmt sie es mit Erleichterung zur Kenntnis. Zusammen ergeben die verschwundenen Dinge ein subtiles Porträt des Lebens von heute, in Deutschland.

Nikolaus
Solitaire (30.09.2011, 11:36):
Äh..."Die Nebel von Avalon".
Ja ich weiß...aber es gefällt mir trotzdem. :D

"Dinge die verschwinden" klingt interssant, habe es soeben in der Bibliothek vorgemerkt!
nikolaus (30.09.2011, 19:31):
Original von Solitaire
Äh..."Die Nebel von Avalon".


Äh... habe ich vor bestimmt über zwanzig Jahren im Urlaub verschlungen...

:beer Nikolaus
Jürgen (01.10.2011, 00:44):
Original von Solitaire
Äh..."Die Nebel von Avalon".


Äh... ich habe mich vor etwa 15 Jahren, vor allem weil meine Frau und auch manch andere es so gelobt haben, durch die gefühlten 2000 Seiten gebissen.

Tja, Frauenliteratur eben. (Sorry, Nikolaus. Ausnahmen bestätigen die Regel.)

Grüße
Jürgen
nikolaus (03.10.2011, 09:31):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783446237322.jpg

Das älteste Epos des Abendlandes in einer neuen und ungewöhnlichen Bearbeitung: In Alessandro Bariccos Nacherzählung der "Ilias" soll nicht die Muse "den Zorn des Achilles" singen, sondern die Figuren selbst kommen zu Wort. Der edle Hektor, der listenreiche Odysseus, der rachsüchtige Achilles und der göttergleiche Paris schildern die blutigen Schlachten der Antike zwischen Griechen und Troianern aus ihrer ganz persönlichen Perspektive. Baricco, Italiens wichtigster Autor seiner Generation, erzählt uns die "Ilias" als äußerst menschliche Geschichte und schafft eine anregende Lektüre für alle, die die "Ilias" schon kennen oder kennenlernen möchten.

Anfangs etwas befremdlich, aber durchaus spannend und bildreich nacherzählt...

Nikolaus.
Fairy Queen (07.10.2011, 05:39):


Vikram Seth "Verwandte Stimmen"

Der Roman schlechthin für romantische Kammermusikliebhaber! Ich habe erst einen Teil gelesen, bin aber so gefesselt, dass ich morgens um 5 Uhr weiterschmôkern muss- Lesefutter mit Suchtfaktor.
Der Roman wird aus der Perpektive des zweiten Geigers eines in London ansâssigen Streichquartetts erzählt. Eigentlich soll es um eine traurig-romantische Liebesgeschichte gehen, aber für mich liegt der Fokus auf dem Innenleben des Streichquartetts, den Beziehungen der Musiker untereinander und der Beziehung zur Musik und dem jeweiligen Instrument, der Suche nach dem passenden Repertoire, den Ausgrabungen ungewöhnlicher Werke, den Proben.
Ich kann diesen Roman Musikfreunden und solchen die immer schon mal wissen wollten, wie eine Kammermusikformation von innen aussieht, uneingeschränkt empfehlen. In Sachen lLebesgeschichte ist mir der Autor ein bisschen wenig differenziert, da könnte man noch viele Tiefendimensionen reinbringen. Das ist zwar schön, aber die Charaktere des lLebespaars bleiben mir zu undeutlich und ich kann ihren Wegen nciht immer folgen.
Vielleicht wird das in der zweiten Hälfte ja noch anders?

Frohes Schmökern allen Klassikfreuden, ich les jetzt weiter, der frühe Morgen ist eine magische Zeit, noch will niemand was von mir......

F.Q.

P.S. Danke für dei Empfehlung des Baricco! Wir sind grosse Fans seiner italiensichen Originale udn ich werde verscuhen auch dieses in Originalsprache zu bekommen. Bariccos Markenzeichen war immer die Kürze und die Originalität und da kann man sich dann auch in einer Fremdsprache rantrauen.
nikolaus (07.10.2011, 22:35):
Original von Fairy Queen

P.S. Danke für dei Empfehlung des Baricco! Wir sind grosse Fans seiner italiensichen Originale udn ich werde verscuhen auch dieses in Originalsprache zu bekommen. Bariccos Markenzeichen war immer die Kürze und die Originalität und da kann man sich dann auch in einer Fremdsprache rantrauen.

Ja, ich schätze Baricco auch ungemein (allerdings auf deutsch, ich beherrsche das Italienische leider gar nicht).
Sehr aufschlussreich sind seine Eräuterungen zu Beginn und am Schluss seiner Nacherzählung.
Wirklich ein intelligenter und einfühlsamer Autor.

Nikolaus.
artemis (16.10.2011, 14:57):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41mDtla4hGL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Christoph Hein schreibt einfach unglaublich klar und dennoch anspruchsvoll von den Befindlichkeiten heutiger Menschen, verschlungen habe ich auch sein vorheriges Buch:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41clQA7d1HL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Viele Grüße
artemis
nikolaus (16.10.2011, 18:42):
Bin noch mittendrin, aber bisher sehr empfehlenswert, vor allem auch der Sprache wegen:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783423134729.jpg

Beschreibung
In allerletzter Sekunde kann Captain Gault einen Brandanschlag auf sein Gut in Lahardane vereiteln. Dennoch kommen er und seine englische Frau Heloise zu dem Schluss, dass es höchste Zeit ist, das unsichere Irland zu verlassen. Ganz anderer Meinung ist ihre achtjährige Tochter Lucy. Sie liebt ihr Zuhause und kann sich ein Leben jenseits der Wälder, Felder und langen Strände von Lahardane nicht vorstellen. Nachdem all ihre Proteste nicht fruchten, greift Lucy zum letzten Mittel: Am Vorabend der unwiderruflich beschlossenen Abfahrt reißt sie aus, um das Unabänderliche doch noch zu verhindern. Ein Ereignis, dessen Folgen die Gaults in eine Katastrophe stürzen und ihr Leben von nun an schicksalhaft bestimmen.
In seinem Roman spiegelt der große irische Schriftsteller Trevor nicht nur das Irland der 1920er Jahre wider, in dem ein Ende der feindlichen Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken, zwischen Arm und Reich nicht abzusehen ist. Er erzählt auch eine tief melancholische Geschichte von verpassten Gelegenheiten und Missverständnissen, die das Leben der Lucy Gault zu einer Tragödie machen. Ein Roman wie ein Requiem.

Nikolaus.
Heike (28.10.2011, 09:06):
Ein desillusionierendes Buch, seit einer Weile beschäftige ich mich mit dem Thema Not in Afrika und warum die so beliebten Spendenaktionen und Entwicklungshilfeprogramme nichts bringen. Noch ein Buch dazu, das wütend macht:



17 Jahre war der deutsche Diplomat Volker Seitz auf Posten in Afrika, zuletzt als Botschafter in Kamerun. Er hat die Ergebnisse der Entwicklungspolitik sehr genau vor Ort beobachten können. Er plädiert für eine radikale Veränderung dieser Politik. Er plädiert dafür, auf bombastische Konferenzen, Workshops, Tagungen zu verzichten und statt dessen auf die Gedanken der Afrikaner und Afrikanerinnen zu hören, die wissen, was für ihre Länder gut ist: Das Business der Barmherzigkeit muss gestoppt werden, den Herrschafftscliquen muss die Kontrolle über den Geldfluss entzogen werden.

»Es gibt viele Bücher über das Scheitern dessen, was wir mit einem falschen Wort Entwicklungshilfe nannten. Dieses Buch gibt dem Gebäude den letzten Stoß. Nach seiner Zerstörung muss etwas ganz Anderes aufgebaut werden.« Rupert Neudeck
(Quelle amazon.de)
artemis (31.10.2011, 15:10):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41BIJHIxpVL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Meine Zwillinge schlafen noch recht brav, aber das ändert sich ja bald und dann will ich gewappnet sein. :rofl

Viele Grüße - artemis
Heike (31.10.2011, 19:05):
Liebe artemis,
das Buch kenne ich, es ist manchmal ein wenig polemisch, aber trotzdem goldrichtig und topaktuell. Ich bin ja Psychologin und würde das manchmal gern zur Pflichtlektüre machen, vor allem für das Bildungsbürgertum und alle Kindergärtnerinnen dieser Welt :beer
Aber wer das freiwillig liest, der braucht es meistens gar nicht!
Heike
artemis (02.11.2011, 13:30):
Liebe Heike,
ja - wenn die Kinder, wie schon ab und zu beobachtet, beginnen, die Eltern zu treten, ist das schon sehr bedenklich.

Ein Kind ist eben ein Kind und kein Partnerersatz bzw. auch eben noch keine entwickelte Persönlichkeit, das wird sehr oft falsch gesehen.

Im Bekannten/Verwandtenkreis stelle ich auch häufig fest, das schon die elementaren Grundregeln von den Kindern nicht beherrscht werden, wie z.B. "Guten Tag" "Bitte und Danke", fehlender Respekt kommt hinzu.
Ein weites Feld für Psychologen. Bist Du in diesem Bereich tätig?

Aber in der Theorie ist das natürlich im Vorfeld immer leicht gesagt, mal schauen, ob ich später auch wirklich Grenzen setzen kann und Werte vermitteln,
wenn die Kinder mich mit ihren zuckersüssen Äuglein anschauen und mich manipulieren wollen. :J

Winterhoff ist leider kein guter Schreiber (viele Wiederholungen und das Buch liest sich auch etwas schleppend).

Besser gefallen haben mir diese:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/311QHUiqi0L._SL500_AA300_.jpg

http://ecx.images-amazon.com/images/I/21Lz1Ggf2fL._AA160_.jpg

Aus dem Klapptext "Die Verwöhnungsfalle" von Albert Wunsch
"Wer jeden Wunsch erfüllt - am besten jetzt und sofort und Aufgaben oder Konflikte für andere löst, der verwöhnt.
Und wer sämtliche Unannämlichkeiten von Kindern fern hält und meint, ihnen damit Gutes zu tun,
nimmt ihnen die Chance, die später notwendige Konfliktfähigkeit zu erlernen und eine eigene Persönlichkeit zu werden ..."

LG - artemis
Heike (02.11.2011, 14:36):
Liebe Artemis,
Im Bekannten/Verwandtenkreis stelle ich auch häufig fest, das schon die elementaren Grundregeln von den Kindern nicht beherrscht werden, wie z.B. "Guten Tag" "Bitte und Danke", fehlender Respekt kommt hinzu.Ein weites Feld für Psychologen. Bist Du in diesem Bereich tätig?
Ich bin klinische Psychologin für Erwachsene, habe aber auch eine abgeschliossene Kinderpsychologieausbildung und arbeite auch in beiden Bereichen.

Winterhoff beschreibt ganz richtig, dass Kinder eine gewisse Frustrationstoleranz, Anstrengungsbereitschaft und Empathie erwerben müssen. Auch soziale und emotionale Kompetenz muss man lernen. Und zwar die Grundlagen spätestens bis zum Alter <4 oder 5 Jahren, sonst wird das nix mehr. Wer als Kind nie frustriert wird, weil er der kleine Prinz/ die kleine Prinzessin mit Narrenfreiheit bleibt, der lernt nie, nicht selbst der Mittelpunkt der Welt zu sein. Der erwartet lebenslang, jedes Bedürfnis erfüllt zu kriegen, und zwar sofort und ohne große Eigenbemühung. Und wird sich später schwer tun mit den Tugenden, die man von seinen Mitmenschen so erwartet.

Heike *klugscheißermodus wieder off*
Heike (02.11.2011, 15:27):
Nach einer Menge deprimierender Afrika-Literatur werde ich nun heute mal wieder eine Biographie beginnen, natürlich MUSS im Kleistjahr noch dieser Schmöker dran:



Leider ist auch hier ein tragisches Ende bereits bekannt ;-)
Heike
Jürgen (02.11.2011, 16:48):
Ich bin vorgestern fertig geworden mit diesem Buch:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/513BRHMBNYL._SL500_AA300_.jpg

Mario Vargas Llosa: Das Fest des Ziegenbocks

Dieses Buch beschreibt den Diktator der Dominikanischen Republik (und sein System), Rafael Leónidas Trujillo, der von 1930-61 das Land beherrschte.

Aus der Jetztzeit (ca.1996) beleuchtet es in Rückblenden hauptsächlich die letzten Monate des Diktators, der 1961 einem Attentat zum Opfer fiel.

Trujillo wurde auch als Ziegenbock bezeichnet, was keine Beleidigung war, sondern seine sexuelle Potenz unterstreichen sollte. Dies lebte er bis ins Alter von 70 Jahren aus, indem er sich regelmäßig junge Frauen/Mädchen (Jungfrauen) rekrutierte oder diese ihm sogar angedient wurden.
Das Volk schien das nicht nur zu billigen, sondern gar von ihm zu erwarten.
Warum muß ich dabei unweigerlich an Berlusconi denken?

Das Buch hat unglaubliches thematisches Potential. Vor meinem inneren Auge erschien das Bild eines Hitlerstaates, der bis in die Mitte der 60er Jahre existiert hätte. Gruselig.
Die Art und Weise, wie Trujillo sein Regime über mehr als 30 Jahre zusammengehalten hat, wird schlüssig geschildert.

Allerdings ist der Roman nicht ganz so spannend geschrieben, wie ich nach der Lektüre einiger Rezensionen erwartet hatte.
Die Schilderungen von Folterszenen gehen aber schon durch Mark und Bein.

Grüße
Jürgen
KlassischerNeuling (03.11.2011, 15:26):
Der Funke des Chronos von Thomas Finn

Kurzbeschreibung:
Den Zeitreisenden Tobias verschlägt es aus dem 21. Jahrhundert ins Jahr
1842. Im alten Hamburg kommt er einer teuflischen Verschwörung auf die
Spur. Ein unheimlicher Serienkiller schleicht durch die dunklen Gassen der
Hafenstadt. Freimaurer, Alchimisten und Erfinder knüpfen ein bedrohliches
Netz um den jungen Mann aus der Zukunft. Tobias' Suche nach seiner
verlorenen Zeitmaschine wird zu einer Achterbahnfahrt voll tödlicher
Überraschungen - bis sich mit einem gewaltigen Feuer die Pforten der Hölle
öffnen. Wird Tobias den Verlauf der Geschichte ändern können?

http://dl.dropbox.com/u/4043251/DFChronos-Cover.jpg
Cantus Arcticus (15.11.2011, 11:45):
Bei mir Richard David Precht:

http://www.exlibris.ch/images_covers/9783/4423/1218/4/9783442312184xxl.jpg

Fazit folgt bald :)

Grüsse :hello
Stefan
jünter (15.11.2011, 13:48):
Vor kurzem auch als Taschenbuch erschienen und genau so unterhaltsam und originell wie "Glennkill":

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783442473595.jpg
Stonie (15.11.2011, 19:11):
Furtwängler - Autor: Herbert Haffner
http://ecx.images-amazon.com/images/I/21E637Z01EL._SL500_AA240_.jpg

Kurzbeschreibung (Amazon.de):

Die biografische Auseinandersetzung mit Wilhelm Furtwängler geschieht oft in Extremen: Je nach dem Standpunkt des Autors wir er moralisierend als politischer Opportunist, ja Parteigänger der Nazis dargestellt oder bewundernd als Retter der Verfolgten eines Gewaltregimes.
Herbert Haffner setzt Furtwänglers Fama mit der Realität in Beziehung und entdeckt den Menschen hinter dem Mythos.
Da der Autor die zeitgeschichtlichen Hintergründe einbezieht, entsteht nicht nur ein Musiker-Buch, sondern eine deutsche Biografie verknüpft mit vier politischen Systemen.
Cantus Arcticus (16.11.2011, 10:12):
Original von Stonie
Furtwängler - Autor: Herbert Haffner
http://ecx.images-amazon.com/images/I/21E637Z01EL._SL500_AA240_.jpg

Kurzbeschreibung (Amazon.de):

Die biografische Auseinandersetzung mit Wilhelm Furtwängler geschieht oft in Extremen: Je nach dem Standpunkt des Autors wir er moralisierend als politischer Opportunist, ja Parteigänger der Nazis dargestellt oder bewundernd als Retter der Verfolgten eines Gewaltregimes.
Herbert Haffner setzt Furtwänglers Fama mit der Realität in Beziehung und entdeckt den Menschen hinter dem Mythos.
Da der Autor die zeitgeschichtlichen Hintergründe einbezieht, entsteht nicht nur ein Musiker-Buch, sondern eine deutsche Biografie verknüpft mit vier politischen Systemen.

Hallo Stonie
Aus meiner Sicht ein sehr gutes Buch, Deine Meinung dazu würde mich dann interessieren.

Gruss :hello
Stefan
Stonie (16.11.2011, 13:42):
Hallo Stefan,

ich bin zwar noch nicht durch, aber ich kann bestätigen, dass es ein sehr gutes Buch ist!
Anhand der eingebauten Zitate seiner Zeitgenossen kann man sich ein sehr gutes Bild über die Persönlichkeit Furtwänglers machen!

Gruß Stonie
Maria-Anna (16.11.2011, 15:35):
Ich lese zur Zeit von Helmut Krausser "Die kleinen Gärten des Maestro Puccini" - derzeit auf S. 138

Das Buch liegt schon 'was länger in meinem Bücherregal rum, aber wie das immer so ist, bin ich erst jetzt dazu gekommen..... und mir im Moment noch nicht ganz sicher, wie ich das Buch finde:

schlecht: nein, auf keinen Fall

langweilig: nein, irgendwie auch nicht

informativ: ja, schon durchaus

wortgewandt: so mittel: hab mir bisher eher wenig Stellen angestrichen (schöne Formulierungen z.B. "....mit aller angesparter Höflichkeit", "Club La Bohème. Mehr Behauptung als Club", "Die begeisterten jungen Damen möchten intim signiert werden?", "Schneller, Guido! Ah, ich bin glücklich! Meine Oper ist gerettet. Eigentlich wars ganz einfach: Geschwindigkeit! Verdichtung durch Geschwindigkeit. Nicht die Stringenz zählt, nur die Situation. Wie in der Erinnerung einmal vom Leben nur Situationen bleiben, Momente! Wie Perlen aufgereiht auf einer Kette. Der Rosenkranz der Momente!")

bewegend: irgendwie nur passagenweise..... es ist zwar generell meistens eine gute Idee einen Roman aus Tatsachen zu schreiben, aber an manchen Stellen nimmt das irgendwie dem (Schreib)Fluss den Wind aus den Segeln.... Es plätschert mehr so vor sich hin....
Rachmaninov (01.12.2011, 08:14):


So, auch der 4. Warringham Band ist geschafft.

Entweder Verschleisserscheinungen bei mir oder der Autorin, jedenfalls gerade noch gut im Gegensatz zu den ersten 3 Bänden.
artemis (02.12.2011, 18:10):
Original von Jürgen
Ich bin vorgestern fertig geworden mit diesem Buch:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/513BRHMBNYL._SL500_AA300_.jpg

Mario Vargas Llosa: Das Fest des Ziegenbocks



Lieber Jürgen,

lese gerade dieses Buch. Es ist sehr gut geschrieben, danke für den Tipp.
--
Ich habe mir im Urlaub (Kinderhotel in Südtirol) dieses Buch zur Gemüte geführt:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41d0L5wXmdL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Überall ist jetzt über Burn-out zu lesen und zu hören. Wer dieses Buch liest und hier einige Dinge befolgt, ist sicherlich davor gefeit.
--
Ein schöner Link zum Thema von Gerhard Polt hier:

http://szmstat.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/36659/Ich-sinnlose-vor-mich-hin-und-das-mit-Begeisterung

Und übrigens: Mein Urlaub war anschließend passé, da ich mir eine Magendarminfektion von irgendeinem ansteckenden kleinen Monsterkind zu gezogen hab, :haha
ergo: man sollte doch lieber zu Hause bleiben und die Muße dort zelebrieren.

Viele Grüße
artemis
Cantus Arcticus (13.12.2011, 12:23):
Hallo Zusammen
bei mir zur Zeit Feinkost der gröberen Sorte:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51JEE8X8JZL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Nun ja, sehr explizite Ausdrucksweisen in allen Variationen, Substanzen und Stellungen.... :ignore :ignore :ignore

Wenn das alles so war, wie es beschrieben ist, dann gute nacht Kollegen.... :D

Gruss :hello
Stefan
Jürgen (16.12.2011, 08:51):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51gDjBoEU6L._SL500_AA300_.jpg
Eckart von Hirschhausen: Glück kommt selten allein

Das Buch habe ich vor einem Jahr von meinem Schwiegervater geschenkt bekommen. Vorgestern habe ich endlich angefangen, es zu lesen. Und nach zehn Seiten legte ich es wieder weg. So ein theoretisches Geschwafel über Glück hat mich überhaupt nicht interessiert.


Da griff ich lieber zu einem Buch, was ich direkt nach meiner Schulzeit schon einmal gelesen hatte:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/31U1MXcdVGL._SL500_AA300_.jpg

Gerhard Hauptmann: Der Narr in Christo Emanuel Quint

Vor etwa 100 Jahren, oder auch etwas früher, wandelt der etwas einfältige Emanuel Quint auf Christus Spuren durch die Gegend. Er predigt, sammelt Anhänger (Jünger) um sich und vollbringt sogenannte Wunder.
Und selbstverständlich eckt er an bei Kirche und Obrigkeit.

Original von G.Hauptmann
Der Amtsvorsteher, ein durchgefallener Jurist und Mann von Adel, .....

Das ist Hauptmanns Art, das System zu hinterfragen. Trocken, in einem kleinen Nebensatz. So gefällt mir das.
Aber ich habe ja gerade erst angefangen.

Na ja, der Hirschhausen, der landet wohl in der Bucht.

Grüße
Jürgen
jünter (02.01.2012, 18:55):
Bin gerade bei der Alma Mahler-Werfel Biographie "Witwe im Wahn" von Oliver Hilmes

http://www.jpc.de/image/w220/front/0/9783442734115.jpg

Die sehr sorgfältig anhand der Tagebücher der "Dame" recherchierte Biographie fördert ein wahres menschliches Monster zutage:

Selbstsüchtig, arrogant, hinter der Bohemien-Fassade offenbar nicht sonderlich gebildet, kühl berechnend bei der Wahl ihrer (Ehe-)Männer und mitunter von fast fanatischem Antisemitismus.
artemis (05.01.2012, 17:54):
Original von jünter
Bin gerade bei der Alma Mahler-Werfel Biographie "Witwe im Wahn" von Oliver Hilmes

http://www.jpc.de/image/w220/front/0/9783442734115.jpg

Die sehr sorgfältig anhand der Tagebücher der "Dame" recherchierte Biographie fördert ein wahres menschliches Monster zutage:

Selbstsüchtig, arrogant, hinter der Bohemien-Fassade offenbar nicht sonderlich gebildet, kühl berechnend bei der Wahl ihrer (Ehe-)Männer und mitunter von fast fanatischem Antisemitismus.

interssant, dieses Buch muss ich mir auch besorgen.

Eigenartig, dass Franz Werfel diese Frau mochte. Seine Bücher finde ich klasse und einer meiner Lieblingssprüche ist von ihm:

"Der sicherste Reichtum ist die Armut an Bedürfnissen."

LG - artemis
ab (09.01.2012, 22:50):
Mir als Musikliebhaber geschenkt und hymnisch ans Herz gelegt worden.

Ein recht guter Erzähler. Das fällt für mich, weil zu wenig sprachinteressant, in die Rubrik "Belletristik" (Unterhaltung), nicht aber "Literatur" (Kunst). Wenn Dichtung von "dicht" kommt, dann schafft Ortheil das Gegenteil: extrem ausgedünnt.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41qwTl9ou1L._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Für Die Erfindung des Lebens hat der Kölner Autor Hanns-Josef Ortheil eigentlich nicht viel erfinden müssen. Denn die Eckdaten des Romans sind seinem eigenen Lebensweg entsprungen. Hierzu gehört vor allem der Umstand, dass seine Mutter, die zwei Totgeburten hatte und zwei ihrer Kinder im Zweiten Weltkrieg verlor, nach dem Tod eines der beiden im Granathagel ihre Stimme verlor. Ortheil, nunmehr Einzelkind, konnte nach eigenen Angaben erst mit sieben Jahren sprechen und kommunizierte mit der Welt nur mit Hilfe des Klaviers, das er schon als Vierjähriger zu spielen lernte; sein erster Satz soll "Gib mal her" gewesen sein. Und genau darum geht es im autobiografischen Roman Die Erfindung des Lebens: um die Aneignung – Erfindung – einer Welt und eines Daseins, die sich vor allem der (spät gewonnenen) Sprache verdankt. Wie sein Autor, so bleibt auch dessen Alter Ego Johannes im Roman nach dem Verlust der Sprache durch die Mutter stumm. Ausgeschlossen von der Welt der Anderen, erfindet er sich einen Freund, stets bedacht darauf, alles weitere Unglück von der Mutter fernzuhalten. Durch die Macht der Musik und dank eines bedingungslos liebenden Vaters eröffnet sich dem Helden das Universum der Dinge dennoch, zuletzt, als Schriftsteller, vor allem in Rom, wohin auch Ortheil einst in seiner Jugend ging. Und am Ende – wie selten in der deutschen Literatur, und wie schön deshalb einmal davon zu lesen! – gibt es ein Happyend und alles, oder doch das meiste wird gut. Die Erfindung des Lebens ist eine Art nachbürgerlicher Bildungsroman, die Entwicklungsgeschichte eines Antibürgers, der durch Liebe, Schreiben und Musik zu sich selbst finden kann. Ein bewegendes, ein wichtiges Buch. Wenn es den Lebensweg Ortheils nicht gegeben hätte, so müsste man ihn auf diese Weise für die Literatur erfinden. -- Stefan Kellerer
ab (13.01.2012, 22:31):
Elfriede Hammerl - Kleingeldaffäre: Roman

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41lp%2BwsPoWL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Wenn jemand so hymnisch sich für ein Buch einsetzt und sich so ungewöhnlich weit dabei aus dem Fenster lehnt (wie ich es etwa für die Symphonien von Michael F.P. Huber tue), dann interessiert mich das doch, dies zu überprüfen.

Eine Elfriede Jelinek'sche Wortgewandtheit, die ihr dort attestiert wird, kann ich nicht entdecken. "Schonungslose Ehrlichkeit" tut aber immer zu Lesen wohl...
Fairy Queen (21.01.2012, 21:41):
Ich habe gerade (per Hörbuch allerdings) Wilhelm Raabe entdeckt. Zuerst "Horacker" und jetzt aktuell "Das Odfeld"
Dass mir derart in östlcihen Provinzen und abgelegenen Zeiten spielende Geschcihte eine so grosse Freude machen kônnten, habe ich kaum für möglich gehalten. Neben der Sprachkunst, die mit all den lateinischen Zitaten fast an Montaigne erinnert, ist es vor allen Dingen diese Liebe zu seinen Personen und seine grosse Menschenfreundlchkeit die mich fasznieren. Ich habe ganz grosse Lust mit dem Konrektor Eckerbusch udn seiner Gattin mal einen Tee zu trinken und den Herrn Magister Buchius in seiner Zelle zu besuchen. Seltsam dass mir raabe abgesehen von seiner Holunderblüte nie untergekommen ist. aber die wichtigen Dinge kommen halt dann, wenn sie reif sind. :engel

Lieber ab, ich werde mir den Ortheil Roman trotzdem besorgen, ich finde das Thema Stumm sein und Sprache verlieren bzw finden sehr interessant. ausserdem bin ich ein Fan von Ortheils Roman "die grosse Liebe" Natürlich ist das Belletristik, aber warum nicht? Allein die Tatsache, dass es ganz in der Nähe des Geburtsorts meines Vaters spielt, dass die Callas und die perlenfischer vorkommen und dass es ein Happy end gibt (wer traut sich heutzutage das noch????) haben mich überzeugt. Ich finde seine Art zu erzählen in diesem Buch nicht banal oder ausgedünnt, das neue Buch muss ich ja erst noch lesen, danke fûr deinen Hinweis.
Agravain (22.01.2012, 09:58):
Original von Fairy Queen
Ich habe gerade (per Hörbuch allerdings) Wilhelm Raabe entdeckt. Zuerst "Horacker" und jetzt aktuell "Das Odfeld"
Dass mir derart in östlcihen Provinzen und abgelegenen Zeiten spielende Geschcihte eine so grosse Freude machen kônnten, habe ich kaum für möglich gehalten. Neben der Sprachkunst, die mit all den lateinischen Zitaten fast an Montaigne erinnert, ist es vor allen Dingen diese Liebe zu seinen Personen und seine grosse Menschenfreundlchkeit die mich fasznieren. Ich habe ganz grosse Lust mit dem Konrektor Eckerbusch udn seiner Gattin mal einen Tee zu trinken und den Herrn Magister Buchius in seiner Zelle zu besuchen. Seltsam dass mir raabe abgesehen von seiner Holunderblüte nie untergekommen ist. aber die wichtigen Dinge kommen halt dann, wenn sie reif sind. :engel


Liebe Fairy,

das ist ja schön. Als Absolvent der Braunschweiger Germanistik ist mir Raabe natürlich ein ganz besonderes Anliegen.
Gerade diese beiden Romane des späten Raabe werde ja nicht allzu breit rezipiert, darum freut es mich besonders, dass Raabe den Weg zu Dir gefunden hat.
In Punkto weiterer Lektüre empfehle ich Dir zusätzlich "Pfisters Mühle", "Stopfkuchen" und ganz besonders das ganz erschütternde Fragment "Altershausen".

:hello Agravain
Fairy Queen (23.01.2012, 10:31):
Lieber Agravain, danke für diese Rückmeldung! Ich bin mit dem Odfeld noch nicht fertig und ständig neu erstaunt über deise sprachkunst. Obschon ich gut Latein gelernt habe, verstehe ich lange nciht Alles und es gbt auch deutsche Worte die mir vollkommen fremd sind. Aber das ist nciht unangenehm sondern eher ein Ansporn. Das solche abgelegenen Themen mir so lebendig und spannend werden können, ist allein der Kunst raabes zu verdanken. Normalerweise wûrde mich diese Story aus dem 7 jâhrigen Krieg ja nicht die Bohne interssiert haben und am Anfang war ich shcon versucht zu sagen: nee, was soll das denn jetzt ???? Aber um es mit dem Konrektor Eckerbusch zu sagen: Er versteht es einfach! :down
Ich bin bisher nur hörenderweise dan der Dauerweiterbildungsmission eines Freundes via Ipod bei Raabe gelandet; wie es mir lesenderweise mit ihm ergehen wird, weiss ich noch gar nciht. Die von Dir empfohlenen Werke sind jedenfalls auf der Liste. Danke. Und an deinen niedersächsisch germanistischen und Anderer Gedanken zu diesem Autor (ich weiss nichts über ihn, habe noch nciht nachgeschlagen) bin ich sehr interessiert.
F.Q.
Heike (05.02.2012, 00:04):
Ich lese mal wieder was unterhaltsames, Berichte des Kriminalisten Stephan Harbort über spektakuläre Kriminalfälle. Die Fälle (an die man sich z.T noch erinnert, wie z.B. an die 9fache Babymörderin in Brieskow) werden genau rekonstruiert, Harbort hat mit etlichen der Mörderinnen gesprochen und versucht ihre Motivation und Psyche zu erklären. Sehr spannend und interessant, ideale S-Bahn-Lektüre.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/31qBZU0G09L._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg
Cantus Arcticus (23.02.2012, 08:55):
Bei mir wieder einmal ein Klassiker:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61ZfLIQpKXL._AA300_.jpg

Gruss :hello
Stefan
nikolaus (23.02.2012, 21:08):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783446237360.jpg

Furchtbar schwer reinzufinden für mich...

Nikolaus.
Severina (23.02.2012, 23:16):
O je, ich schleiche schon einige Zeit um diesen Eco herum, habe aber bisher eher Negatives gehört. Dein Kommentar ermutigt mich auch nicht eben.....

Ich habe mir wieder einmal einen Marquez vorgenommen, "Die Liebe in den Zeiten der Cholera", aber irgendwie fasziniert mich der Roman nicht mehr so wie vor 15 Jahren. Nettes Lesefutter, ja, aber ohne besonderen Tiefgang. Komisch, das habe ich bei der Erstbegegnung ganz anders empfunden - bin ich inzwischen abgebrühter, oder ist das einfach ein Roman mit Ablaufdatum???

lg Severina :hello
Heike (25.02.2012, 00:04):
Eugen Ruge: "In Zeiten des abnehmenden Lichts"



Noch nicht ganz ausgelesen, aber mit riesiger Begeisterung bisher! Eines der besten Bücher über den Osten und über das verquere Denken, Funktionieren und Untergehen dieser kommunistischen Strukturen und der sie tragenden Menschen. Zudem eine packende Familiengeschichte. Sprachlich meisterhaft - da ist ein sehr fesselnder Schreiber und guter Beobachter am Werk gewesen. Inhaltlich spannend, tragisch, humorvoll und manchmal szenisch total bitterböse und grotesk. Durch eine trickreiche Verschachtelung der Zeitebenen ist die den alltag so wunderbar widerspiegelnde Geschichte der Generationen auch überhaupt nicht trivial, sondern auf subtile Weise perspektivisch gebrochen. Völlig zurecht 2011 mit dem deutschen Buchpreis ausgezeichnet, meine ich.

In der Begründung der Jury des Deutschen Buchpreises heißt es: „Eugen Ruge spiegelt ostdeutsche Geschichte in einem Familienroman. Es gelingt ihm, die Erfahrungen von vier Generationen über fünfzig Jahre hinweg in einer dramaturgisch raffinierten Komposition zu bändigen. Sein Buch erzählt von der Utopie des Sozialismus, dem Preis, den sie dem Einzelnen abverlangt, und ihrem allmählichen Verlöschen. Zugleich zeichnet sich sein Roman durch große Unterhaltsamkeit und einen starken Sinn für Komik aus.“

Heike
Zefira (25.02.2012, 01:16):
Ich besitze bzw. besaß zwei Bücher, die mich seit über zehn Jahren mit stummem Vorwurf begleiten, weil ich sie trotz mehrfacher Anläufe (bis zu fünfmal) nicht auslesen konnte.
Wolf v. Niebelschütz' "Die Kinder der Finsternis" habe ich im Januar bis etwa zur Hälfte gelesen. Es war mindestens der fünfte Anlauf. Dann habe ich das Buch in einem Wutanfall ins Feuer geschoben.
Das andere Buch, "Ein Nashorn für den Papst" von Lawrence Norfolk, habe ich - nach ebenfalls so um die fünf Anläufen - eben zu Ende gelesen. Es ist mir überraschend leicht gefallen, und das Buch ist wirklich gut.

Nachtgrüße ...
Zefira
Solitaire (05.03.2012, 18:43):
Johanna Spyri: Heidi :D
Vor nahezu 35 Jahren war es mein erstes Lesererlebnis von Bdeutung. Ich habe das Buch geliebt und liebe es noch.
Ich finde, jedes Kind sollte "Heidi" gelesen haben, und die Erwachsenen sowieso. Bei der Stelle an der die Heldin nach ihrem Frankfurter Intermezzo heimwehkrank in die Berge zurückkehrt und zum erstenmal wieder das Alpenglühen erlebt kommen mir immer noch die Tränen. Memme, die ich bin :J
Jetzt bin ich beim zweiten Teil angekommen: "Heidi kann brauchen was es (!) gelernt hat".
Zefira (05.03.2012, 21:48):
In unserer Schreibgruppe haben wir kürzlich über "Heidi" gesprochen. Dabei habe ich mich erinnert, dass ich dieses Buch schon ganz früh gelesen habe; ich war noch nicht zehn. Später, als Erwachsene, habe ich es wiedergelesen (da war ich schon weit über 40) und einige Stellen haben mir die Tränen in die Augen getrieben. Besonders wenn Heidi in dem Frankfurter Haus in der Ecke sitzt und das Gesicht in den Händen vergräbt, weil sie nicht weinen darf - das ist einfach furchtbar. Als Kind habe ich das einfach überlesen. Die furchtbare Tragik, dass ein so kleines Kind aus der gewohnten Umgebung und von allen geliebten Menschen so weggerissen wird, ging mir gar nicht richtig auf.

In unserer Schreibgruppe hat ein Teilnehmer gesagt, es hätte sich inzwischen herausgestellt, dass Frau Spyri große Teile des Romans plagiiert hätte, oder, wie man neuerdings sagt, geguttenbergt.

Ich habe bei Wiki nachgelesen, aber außer Andeutungen nichts finden können. Vielleicht weiß jemand genauer Bescheid?

Grüße von Zefira, die Heidi sehr liebt
Severina (05.03.2012, 22:46):
Original von Zefira
Ich besitze bzw. besaß zwei Bücher, die mich seit über zehn Jahren mit stummem Vorwurf begleiten, weil ich sie trotz mehrfacher Anläufe (bis zu fünfmal) nicht auslesen konnte.
Wolf v. Niebelschütz' "Die Kinder der Finsternis" habe ich im Januar bis etwa zur Hälfte gelesen. Es war mindestens der fünfte Anlauf. Dann habe ich das Buch in einem Wutanfall ins Feuer geschoben.
Das andere Buch, "Ein Nashorn für den Papst" von Lawrence Norfolk, habe ich - nach ebenfalls so um die fünf Anläufen - eben zu Ende gelesen. Es ist mir überraschend leicht gefallen, und das Buch ist wirklich gut.

Nachtgrüße ...
Zefira

Hm, vielleicht hätte ich dem Norfolk doch noch eine Chance geben sollen! Ich habe mich bis Seite 100 durchgequält und dann befunden, dass mir meine Lebenszeit doch zu kostbar ist, um sie an Bücher zu verschwenden, deren Sinn sich mir einfach nicht erschließt.

lg Severina :hello
Severina (05.03.2012, 23:15):
Original von Zefira
In unserer Schreibgruppe hat ein Teilnehmer gesagt, es hätte sich inzwischen herausgestellt, dass Frau Spyri große Teile des Romans plagiiert hätte, oder, wie man neuerdings sagt, geguttenbergt.

Ich habe bei Wiki nachgelesen, aber außer Andeutungen nichts finden können. Vielleicht weiß jemand genauer Bescheid?

Grüße von Zefira, die Heidi sehr liebt

Hallo Zefira,
ich habe auch grad ein bisschen gegoogelt und bin auf den Eintrag gestoßen, dass sich Spyri möglicherweise von Hermann Adam von Kamps "Adelaide - das Mädchen vom Alpengebirge" inspirieren ließ. Da ich weder den Autor noch den Roman kenne, kann ich das natürlich nicht verifizieren.
Aber ich werde bei meinem nächsten Zürichaufenthalt im Mai einmal meine Schweizer Freunde befragen! Ich wohne dort quasi ums Eck von einem der Spyriwohnsitze in Zürich, natürlich habe ich auch schon ihr Grab am Sihlfriedhof besucht. Was ich von meinen Freunden weiß, dass Spyris Leben keinesfalls so idyllisch verlaufen ist, wie dies "Heidi" vermuten lässt, sie scheint eine für ihre Zeit sehr emanzipierte Dame gewesen zu sein und angeblich auch eine der Musen Richard Wagners während seines Schweizer Exils.

"Heidi" war übrigens auch eines meiner Lebensbücher in meiner Kindheit. Da ich so um mein 10. Lebensjahr herum in der Großstadt kreuzunglücklich war, viel lieber am Land leben wollte mit vielen Tieren, identifizierte ich mich so sehr mit Heidi (obwohl unsere Situation natürlich überhaupt nichts gemein hatte), dass ich ganze Passagen des Romans in meine Schulaufsätze einbaute, sie aber durchaus als "meine" Geschichte, "meine" Gedanken empfand, was zu wilden Diskussionen mit meiner Deutschlehrerin führte, die das Buch natürlich auch kannte.
Meine "Heulstelle" war übrigens die, wo Heidi sich nach dem Raunen der Tannen sehnt, denn da stellte ich mir immer meinen geliebten Wald bei meiner Großmutter vor und steigerte mich exzessiv in meinen Weltschmerz hinein. (Eine ähnliche Reaktion löste regelmäßig der Satz "Der Wald, der Wald, meine verlorene Heimat!" in Felix Saltens "Bambi" aus - mein zweites "Lebensbuch" in früher Kindheit!)

lg Severina :hello
Solitaire (06.03.2012, 11:38):
Noch mehr Heidi-Fans, wie schön!
Ich habe auch gelesen, daß Johanna Spyri abgekupfert haben soll, aber selbst wenn es so wäre: „Heidi“ ist weltberühmt geworden und begeistert bis heute, „Adelaide“ nicht. Irgendwas muß Spyri also anders und vermutlich richtiger gemacht haben.
Mir gefällt im Übrigen nicht alles von dieser Autorin, „Ein Blatt auf Vronys Grab“ kann einen geradezu wütend machen: da gibt es da die Szene in der die von ihrem Mann schwer misshandelte Heldin beim Pfarrer Rat und Hilfe sucht:

Er sah mich so mitleidig an, dann sagte er: »Geh nun heim zu Deinem Mann, und wenn der Zorn bei ihm losbricht, so falte Deine Hände und bete immerfort in Deinem Herzen: Führe uns nicht in Versuchung! Nimm auch Deine Bibel wieder hervor und geh' am Sonntag zur Kirche, Du weißt nicht, was Du da gewinnen kannst.« Dann sagte er mir noch, wenn es mir schwer sei, so solle ich zu ihm kommen, er meine es gut mit mir.

Tja. Was sagt man dazu.
Severina (06.03.2012, 14:09):
Ich muss gestehen, dass ich außer "Heidi" nie etwas von der Spyri gelesen habe, aber das ist natürlich starker Tobak. (Wenn auch zeitgeistiger, nur dass es aus der Feder einer Autorin noch unfassbarer klingt!) Auf jeden Fall verspüre ich nun wenig Lust, meine Bildungslücke bezüglich des Oevres von Frau Spyri zu füllen.

lg Sevi :hello
Peter Brixius (12.03.2012, 16:23):
Als Lied ohne Worte ein Leserkommentar bei Amazon zu Heidis Lehr- und Wanderjahre

"Heidi" und ihre Autorin Johanna Spyri haben den Ruf der Kitschigkeit. Zu Unrecht, wie ich finde. Ich halte "Heidi" für erbauliche, aufbauende Literatur im besten Sinne. Da geht um ein einfaches, natürliches Leben, um tröstliche und unverstellte Religiösität, fernab von Normen und Konfessionen, um hilfreiches Tätigsein und um Wandelbarkeit bis ins hohe Alter.
Erstaunlicherweise war mein damals 6-jähriger Sohn kein bißchen gelangweilt von den Schilderungen der herumspringenden Ziegen, der bunten Blumenwiesen und der schneebedeckten Berge, sondern lauschte mit strahlenden Augen.

Liebe Grüße Peter
(sich schüttelnd)
Zefira (12.03.2012, 20:36):
Ich mehrere Bücher von Frau Spyri gelesen, zum Beispiel "Gritlis Kinder" und eine weitere Geschichtensammlung mit dem Titel "Peppino". Allen diesen Geschichten ist gemeinsam, dass der Glaube und das Vertrauen auf Gott irgendwann alles zum Guten wendet. In manchen von Spyris Texten wird dieser Aspekt für meinen Geschmack entschieden überbetont.

"Heidi" ist insoweit fast eine Ausnahme zu nennen, ist auch in der Charakterzeichnung und Beobachtung der meiner Meinung nach mit Abstand beste Text von Frau Spyri.

Grüße von Zefira
Heike (12.03.2012, 21:23):
Die Heidi- Bücher gab es im Osten nicht, aber die Verfilmungen habe ich als kleines Mädchen mit Begeisterung im Fernsehen gesehen, als Spielfilm und auch als Trickfilmserie. Ganz besonders schrecklich fand ich immer das "Fräulein Rottenmeier" - dass da zwei mutterlose kleine Mädchen so einem Drachen ausgesetzt waren, schrecklich - das ist wohl der Alptraum aller Kinderphantasien....

Naja, im Vergleich zu so manchem Murks, der so heute über die Mattscheibe flimmert, war das damals zwar wohl kaum pädagogisch wertvoll, aber immer noch harmlos.
Heike
Arturo (21.03.2012, 11:42):
Ich lese gerade:
"Ein Abend mit Vivaldi" - ein Krimi, der in Venedig spielt und in dem es zunächst um ein gestohlenes historisches Fagott geht. Auch die Geschichte des Waisenhauses, in dem Vivaldi als Musiklehrer arbeitete und ein Mädchenorchester dirigierte, wird beleuchtet.
Zefira (22.03.2012, 01:11):
Ich lese gerade "Die Augen eines Mörders" von Antonio Muñoz Molina.

Ich mag spanische Autoren, besonders katalanische, unter denen es auch einige gute Krimiautoren gibt. Muñoz Molina stammt aus Andalusien, und dort spielt auch der Roman; die Hauptfigur - ein Kommissar, der einen Kindermörder zu fassen sucht - ist hingegen aus Bilbao nach Andalusien versetzt worden. Leider enthält das Buch sehr wenig Lokalkolorit, aber es ist ja wohl auch nicht für Deutsche geschrieben worden, die irgendwann mal Andalusien bereist haben.
Ich bin mir noch unsicher, was ich davon halten soll. Leider war das Buch in dem Laden, wo ich es gekauft habe, unter Krimis eingeordnet (auch das Titelbild weist irgendwie in diese Richtung, erinnert jedenfalls sehr an Nesbø-Krimis) und irgendwie komme ich jetzt in meiner Leseerwartung nicht von dieser Schiene weg. Muñoz Molina schreibt ähnlich wie Javier Marias; mit Bandwurmsätzen, die sich oft über eine halbe Seite und mehr hinziehen, und Leitmotiven, die immer wieder auftauchen. Seine Schilderungen sind sehr intensiv (vor allem diejenigen Kapitel, die aus der Sicht des Mörders geschrieben sind), aber die Krimihandlung tritt auf der Stelle. Mir geht vor allem die quälend scharfe Beobachtung des getöteten Kindes an die Nieren - quälend deshalb, weil das Kind zu dem Zeitpunkt, als der Roman beginnt, schon tot ist.

Wenn ich das Buch durch habe, werde ich mir mal wieder einen Katalanen gönnen.

Gruß von Zefira
Heike (18.04.2012, 18:39):


LTI: Lingua Tertii Imperii. Notizbuch eines Philologen
Wiedergelesen - und wieder hat mich die unglaublich nahe Verwandschaft der Sprache des Dritten Reiches zur Sprache des DDR- Regimes erschreckt.
Ich habe vor einigen Jahren auch Klemperers Tagebücher verschlungen. Dieses Buch über die LTI ist in der geballten Menge von Sprachanalyse mindestens genauso beklemmend wie die schrecklichen persönlichen Erlebnisse, die Klemperer in den Tagebüchern schilderte.
Heike
Zefira (18.04.2012, 23:46):
Ja, die Klemperer-Tagebücher habe ich auch gelesen bzw. begonnen und nach ungefähr einem Drittel "vertröpfelte" die Lektüre, weil ich sie entschieden quälend fand.

Vielleicht nehme ich mir die Bücher später noch einmal vor, mich interessiert das Thema eigentlich sehr.

Besonders gerührt hat mich immer Klemperers Bemühen um seine verzweifelte, der Schilderung nach offenbar psychisch kranke Frau. Wenn ich es richtig verstanden und behalten habe, hat er ihr zum Beispiel in den Abendstunden ganze Romane vorgelesen, einen nach dem anderen.

Grüße von Zefira

ps. Ich lese gerade einen Stapel Abiturarbeiten in LK Biologie.

Gestern habe ich mich sehr amüsiert, weil ein Schüler in einem langen Absatz die besonderes Eigenschaften des Amazonas-Krallenfroschs abhandelte, von dem ich noch nie gehört hatte. Ich las: Der Krallenfrosch dies ... der Krallenfrosch das ... und dachte jedesmal: irgendwann steht das Falsche da ... und richtig, auf der dritten Seite stand dann "der Knallfrosch"!

Mir wäre das schon viel früher passiert!
artemis (25.04.2012, 20:48):
... das Leben ist tödlich, aber es muss nicht sterbenslangweilig sein.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51IBEqHf9dL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Beschreibt schön die German-Angst. Man versucht sich gegen alles abzusichern, was aber schier unmöglich ist.
Letztendlich passieren die meisten Unfälle im Haushalt oder auf der Straße.
Das Buch macht Lust, mal wieder was zu risikieren.

LG - artemis
Jeremias (27.04.2012, 18:44):
Bei mir derzeitige Lektüre:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51840PEPYXL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Unglaublich realistisch und beängstigend... der beste Thriller, den ich je gelesen habe, glaube ich.... schlägt sogar Illuminati und das Sakrileg....
Jade (04.05.2012, 14:28):
Ich lese gerade "Die Klavierspielerin"... Nich richtig vorteilhaft für die Musik und die Kunst, aber ziemlich interessant :)
http://www.cineclub.de/images/2001/die_klavierspielerin_4.jpg
Jade (04.05.2012, 14:30):
Ich lese gerade "Die Klavierspielerin"... Nich richtig vorteilhaft für die Musik und die Kunst, aber ziemlich interessant :)
nikolaus (04.05.2012, 23:24):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783570580349.jpg

"Eine literarische Sensation: Der Komponist Sergej Prokofjev als begnadeter Erzähler!

In der Wohnung Sergej Eisensteins fand der Gitarrist Lucian Plessner in einer vergilbten Zeitschrift Erzählungen des großen Komponisten Sergej Prokofjev und landete damit eine literarische Sensation: Lange war nicht bekannt, dass der Komponist auch schriftstellerisch tätig war. Auf seinen unzähligen Reisen schrieb er humorvoll-skurrile Geschichten, die die gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit aufs Korn nehmen: Da begibt sich der Eiffelturm aus Sehnsucht nach dem Turm der Türme auf Wanderschaft nach Babylon, ein eitler Offizier und ein verliebter Maler wetteifern um eine Frau und legen sich dafür mit Schopenhauer an, oder ein Ingenieur verliert seine Frau und den Verstand. In seinem erzählerischen Werk, das hier vollständig vorliegt, spiegeln sich Prokofjevs Vorliebe für märchenhafte Stoffe, Zeiteinflüsse wie Dada und Surrealismus, aber auch die russische Erzähltradition eines Dostojewski, Gogol oder Tschechow."


Ja, tatsächlich, Prokofiev hat nicht nur komponiert, sondern auch diese Erzählungen geschrieben.
Als "literarische Sensation" würde ich die stilistisch doch eher simpel verfassten Erzählungen nicht sehen, aber lesenswert - weil abwechslungsreich, nett ausgedacht und charmant - sind sie durchaus.

Nikolaus.
coolblue74 (05.05.2012, 16:35):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51odyN85JXL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg
Jürgen (23.05.2012, 15:18):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51MvrCTOB0L._SL500_AA300_.jpg

Joseph Gelinek: Die 10. Symphonie

Dieser Roman ist weder aus musikhistorischer Sicht interessant, noch ist er spannend geschrieben, obwohl er als Thriller bezeichnet wird.

Einen Stern gibt es von mir dafür, dass er wenigstens einfach zu lesen ist.

Grüße
Jürgen
coolblue74 (23.05.2012, 20:27):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51Lxeu2HjcL._SL500_AA300_.jpg
Heike (23.06.2012, 15:03):
Im Urlaub gelesen, nein, verschlungen:



Nichts für schwache Nerven, die realistischen und teilweise sehr detaillierten Schilderungen gehen unter die Haut. Vorsicht, sie dürften auch Leser(innen) stark triggern, die selbst Gewalterfahrungen hatten. Wer wird Opfer eines Serienmörders? Wo und wie passiert die Tat? Gibt es ein typisches Opferprofil? Oder ist jeder von uns gefährdet? Diesen Fragen geht der Autor nach, indem er (sehr penibel) Ermittlungsakten zitiert und vor allem überlebende Opfer selbst befragte. Harbort schreibt außerordetlich gut lesbar, flüssig, fesselnd. Einerseits bemerkt man sein Mitgefühl mit den Opfern deutlich, andererseits bemüht er sich doch sehr um eine objektive Distanz, so dass nie Sentimentalität oder Sensationsgier herauslesbar ist. Als Fachfrau finde ich, dass er nicht so übel versucht, die Psyche von Opfern und Tätern zu erfassen und die grundlegenden Dynamiken zu beschreiben.

Aber, Harbort ist Kriminalist, er hat vor allem den Anspruch, fallübergreifende Erkenntnisse aus seinen Untersuchungen zu gewinnen. 107 Opfer von Serientätern haben die Angriffe überlebt, diese Taten hat er genauer untersucht und sie denen mit ermordeten Opfern gegenübergestellt, bzw auch Serienmörder dazu befragt, warum sie die einen töteten und andere am Leben ließen. Am Ende des Buches finden sich umfangreiche Statistiken zu den Tatmerkmalen und zum Opferverhalten vor und während des Tatgeschehens und wie dieses die Überlebenswahrscheinlichket beeinflusst oder auch nicht.

Ich habe schon mehrere Bücher von Harbort gelesen und finde auch dieses empfehlenswert für diejenigen, die Interesse amThema haben. Es ist spannender als jeder Krimi zu lesen.
Heike
coolblue74 (23.06.2012, 15:06):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/412Nu19DKjL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

http://ecx.images-amazon.com/images/I/615KrrStbnL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg
Jürgen (23.06.2012, 18:35):
Hörbuch:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41Q1CM2ECVL._SL500_AA300_.jpg
Noah Gordon: DerSchamane

Hat mir nicht richtig gut gefallen. Fing leicht vielversprechend an, baute keine weitere Spannung auf und das Bisschen Spannung verebbte dann nach etwa der Hälfte. Hinten raus blieb das Buch flach.

Nun aber ein Hörbuch, das ich in der Druckform schon mehrfach gelesen und in zwei Verfilmungen schon gesehen habe: Der Wüstenplanet von Frank Herbert.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51szNieViWL._SL500_AA300_.jpg

Inklusive der Fortsetzungen ist das m.E. SF vom Feinsten.
Manch einer mag es nicht, ich liebe es.

Grüße
Jürgen
uhlmann (25.06.2012, 11:26):
lese gerade die 2011 erschienene biographie von georg tintner:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41gTDpBoeyL._SL500_AA300_.jpg

out of time - the vexed life of georg tintner, geschrieben von seiner dritten und letzten frau tanya.

der typ war recht schräg drauf (strikter veganer, schäbigste kleidung, sehr "spleenig", kompliziert im umgang, etc.). passte irgendwie nicht in diese welt (zumindest nicht nach neuseeland und australien, wohin er vor den nazis flüchten mußte). erinnert mich diesbezüglich an anton bruckner, zu dem er ein ganz inniges verhältnis hatte.

obwohl er ein großartiger musiker war, mußte er sich jahrzehntelang mit mittelmäßigen engagements durchschlagen, lebte immer von der hand im mund. der gebührende erfolg kam erst sehr spät - mit seinem bei naxos erschienenen bruckner-zyklus. leider konnte er ihn nicht mehr genießen - er war schon schwer krank und nahm sich 1999 das leben, um nicht jämmerlich zu enden.
Fairy Queen (27.06.2012, 13:16):
Ich lese gerade Meister Eckart " Vom Adel der menschlichen Seele"- ein Mystiker des Mittelalters, dessen Werke kurz vor seinem Tod von der offiziellen damaligen Kirche als Ketzerei deklariert wurden. Wenn man sich klarmacht, welch unglaubliche Modernitât und Radikalität diese Gedanken haben, versteht man warum. Die Idee dass Gott, in der Seele eines jeden Menschen geboren werden muss und dass es in jeder Seele eine Essenz (ein göttliches Fünklein) gibt, die nur durch einen inneren Weg aufgeschlossen werden kann, gibt alle Entscheidungsgewalt für oder gegen das eigene Seelenheil und die Einigung mit dem Göttlichen dem Individuum. Die allein seligmachende Institution Kirche und ihre Macht wird quasi überflüssig- obschon sich Eckart als Dominikanermönch fest auf dem Boden katholischer Botschaft wähnte.
Eckart hat sehr viele Gemeinsamkeiten mit orientalischen Weisheitslehren und dass ich seine Gedanken heute wieder so aktuell empfinde hângt wahrscheinlich auch damit zusammen.




F.Q.
ab (18.07.2012, 14:05):
In der Not im Urlaub gelesen:

Das böse Mädchen von Mario Vargas Llosa
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51vCq%2Bpeg6L._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Die Einsamkeit der Primzahlen von Paolo Giordano
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51Do6dbncyL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Wie hieß es doch in einer Gast-Rezension eines deutschen Journalisten in der Züricher Zeitung zum zeitgenössischen Teil des Luzerner Festspiels gleich erfrischend wie polemisch unmöglich: "Auch eines jener Werke, die wir lieben nicht gehört hätten." :D
Beide Bücher hätte ich mir nicht zum Lesen ausgesucht und kann sie allenfalls als leichte Urlaubslektüre empfehlen. Weder literarisch noch sprachlich finde ich sie interessant. Wem das Sujet zerstörter Prsönlichkeiten packt, sollte statt zu Giordano lieber gleich zu Jelinek greifen. Und des Nobellpreisträgers Buch hat mich nicht motiviert, zu anderen Büchern von Llosa greifen zu wollen.


Jezt erwarte ich wirkliche und langanhaltende Lesefreuden:
Der schwarze Herr Bahssetup: Ein Spiegel. von Albert Vigoleis Thelen
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51SRJFEVBAL._SL500_AA300_.jpg

Thelen ist jedefalls einer der größten Sprachkünstler, die mir im Deutschen bislang untergekommen sind; zumindest.
coolblue74 (18.07.2012, 20:39):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41DjzusAZFL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg
ab (24.08.2012, 00:15):
Balzak - Tolldreiste Geschichten
übersetzt von Nora Urban
Eduard Kaiser Verlag
http://home.arcor.de/frank.weidemann/gal11.jpg
Zefira (24.08.2012, 00:45):
Die sind phantastisch! Ich habe sie schon als Kind gelesen - zwar vieles nicht verstanden, aber ich war fasziniert. Meine Eltern hatten eine Dünndruckausgabe mit den Illustrationen von Gustave Doré, die ich inzwischen geerbt habe. Ich erinnere mich noch genau an meine wohligen Schauder beim Betrachten dieser finsteren Bilder ...

Grüße von Zefira
ab (24.08.2012, 09:34):
Original von Zefira
Die sind phantastisch! Ich habe sie schon als Kind gelesen - zwar vieles nicht verstanden, aber ich war fasziniert.
Grüße von Zefira

In der Tat ganz phantastisch: nach Vargas Llosa und Giordano ein wahres Vergnügen der Sprachlichkeit. Und wieder einmal zeigt sich: es kommt nicht so sehr auf den Inhalt an, der behandelt wird, als viel mehr, was eine oder einer daraus zu machen versteht. In der Musik ist das ja ganz gleich - und in der Kunst wohl überhaupt. Die Philosphen nannten das einst: Einheit von Form und Inhalt; auch wenn es niemanden gelungen ist, zu explizieren, was genau darunter zuverstehen sein soll :wink
Lucanuscervus (24.08.2012, 11:34):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51RS7Tq-gtL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg



:hello
Heike (14.10.2012, 11:48):
http://www.jpc.de/image/w220/front/0/9783550080111.jpg

Für Berliner und Berlinbesucher natürlich fast Pflichtlektüre, aber nicht nur dort.
Ein gutes und wichtiges Buch; viel besser als Sarrazin. Buschkowsky beobachtet sehr genau, kritisiert fair und konkret und macht sinnvolle Lösungsvorschläge. Ob ich es noch erlebe, dass diese längst überfällige Diskussion zu den beschriebenen Missständen endlich mal überall ohne Zensur im Kopf stattfinden kann? An eine gezielte, politikgesteuerte Veränderung glaube ich ja schon fast nicht mehr.
Heike
Heike (08.11.2012, 20:52):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41%2Bwmt00pDL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Ein Buch von der Scharia in Deutschland, das ich nicht nur erschreckend, sondern geradezu angsterregend finde. Es ist nicht sonderlich gekonnt geschrieben (man hätte es besser lektorieren sollen, einiges wiederholt sich überflüssigerweise). Aber es ist ganz sauber mit Quellen versehen und es ist inhaltlich so spannend wie ein Krimi.

Islamische Paralleljustiz im Strafrecht ist ein Unding in einem modernen Rechtsstaat. Im Familienrecht ist sie vor allem eine totale Bankrotterklärung bezüglich der Gleichberechtigung der Frau. Da ich selbst seit 20 Jahren viel im Gerichtswesen als Gutachterin tätig bin und auch schon einige Erfahrungen mit Leuten machen musste, die von demokratisch organisierten Rechtssystemen nichts halten, könnte ich an jede dritte Seite einen Haken machen und laut Hilfe schreien vor Wut, dass es noch kein wirklich planmäßiges, konsequenes Vorgehen gegen diese Entwicklungen gibt.
Heike
Holger (17.11.2012, 11:04):
Hallo!

Ich lese gerade

Michael Heatlley: "Das Mädchen aus dem Song"

Nette Unterhaltuingslektüre für Fans von Rock, Pop und Punk, die trotz dritter Zähne, künstlicher Hüfte und schlohweißer Haare noch immer zu rebellisch sind, um die "Gala" zu lesen. Und natürlich bei weitem zu linksintellektuell, um sich für schnöden Klatsch zu interessieren. Hier bekommen sie endlich das Kompendium an die Hand, das sich unter der Maske dringend nötiger wissenschaftlicher Aufarbeitung zeitgeschichtlicher Hintergründe lesen läßt und trotzdem nicht langweilt. Jeweils drei, vier bebilderte Seiten für Legenden wie "Diana", "Angie" oder "Lola".

Sowas sollte es mal für klassische Musik geben. Dann wüßte man gleich, wer "Kundry" ist. So aber wird man das leider nie erfahren.

Liebe Grüße

Holger


http://ecx.images-amazon.com/images/I/51WQzmtiyFL._SL500_.jpg
Sfantu (20.11.2012, 10:50):
Hallo Holger,

danke für den Tip! Eine originelles Thema. &, wenn's so, wie Du sagst, mit Freude zu lesen ist, für einen Freund von mir die Faust-aufs-Auge-Geschenkidee, die mir noch fehlte.

:hello Sfantu
Holger (20.11.2012, 11:17):
Lieber Sfantu,

das freut mich sehr! Gern geschehen!

Liest sich total leicht & locker. Pro Song bzw. "Mädchen" vielleicht drei, vier unterhaltsame Seiten, obendrein mit Bildern. Geradezu ideal für Legastheniker und solche, die es werden wollen. :wink

Viele Grüße

Holger
ab (11.01.2013, 09:41):
Nachdem mich über die Weihnachtsfeiertage ein Buch des hoch gelobten Russen Vladimir Sorokin sehr gelangweilt hat, nun endlich - seit Jahren will ich schon Werke von ihm lesen - einmal Erzählungen von Jorge Luis Borges.


http://www.fischerverlage.de/media/fs/15/U1_978-3-596-10581-6.5076249.jpg

Borges' Literatur wird unter das Label "Magischer Realismus" gereiht, laut Wiki:

Der magische Realismus vermischt die Grenzen zwischen Realität und Phantasie. Volkskultur, Mythologie, Religion, Geschichte und Geographie verschmelzen in den Texten und sind immer erkennbar. Er kombiniert zwei Konzepte, die in den Industrienationen als gegensätzlich gelten: Realität und Mythologie/Phantasie/Magie – doch der Gedanke ist, dass diese beiden im Sinne eines Balanceakts sehr wohl nebeneinander existieren können und nicht zwangsweise im Konflikt stehen.

Ich bekomme aber bei diesen frühen Erzählungen den Eindruck, dass hier viel mehr die alltägliche Konzeption von "Realität" kritisch in Frage gestellt werden soll, indem sie mit philosophischen Konzepten aufgemischt wird. Mir scheint, "Volkskultur, Mythologie, Religion, Geschichte und Geographie" sind hier eher als Metaphern zu verstehen, welche die philosophischen Theorien veranschaulichen sollen.

Angeblich wird Borges literaturtheoretischer und -historischer Wert genauso hoch geschätzt, wie er wenig gelesen wird. Solche Art Literatur empfiehlt sich wohl weniger für Menschen, die sich von Literatur wie durch einen inneren Film gefangen nehmen lassen wollen, anstatt viel nach-, vor- und herumdenken zu müssen. Jedenfalls sehr anregend und literarisch delikat. Und wunderbar Zitierbrauchbares lässt sich auch finden. Etwa:
Mit dererlei Abenteuer habe ich mein Leben verschleudert und verzehrt.
Köstlich!

:hello
Severina (23.01.2013, 22:27):


In den letzten zwei Tagen mit großer Begeisterung in einem Zug verschlungen! (Nach langer Zeit wieder ein Buch, das mich bis 3 Uhr in der Früh wach gehalten hat!)

Jahrelang bin ich die Haupttreppe zur Uni hinaufgeschritten, ohne mir je Gedanken zu machen, wem das prächtige Palais auf der anderen Seite des Rings (Sitz der Casinos Austria) einmal gehört haben mag. Jetzt weiß ich es: Der Bankiersfamilie Ephrussi, deren Familiengeschichte in besagtem Buch erzählt wird, aber nicht auf die übliche 0815-Art von Familiensagas.
Edmund de Waal spürt der Herkunft von 264 Netsuke nach, die er von seinem Onkel Iggi in Tokio geerbt hat, und taucht dabei immer tiefer ein in die faszinierende Geschichte der Ephrussis, die von Odessa aus die Finanzwelt erobert haben. Die wesentlichen Stationen sind dabei Paris, wo De Waals Urururgroßvater Charles als Kunstmäzen in Erscheinung tritt, als einer der ersten die Impressionisten versteht und fördert und sich mit japanischer Kunst beschäftigt. Die 264 Netsuke übersiedeln später nach Wien und überstehen auf wundersame Weise die Plünderung des Palais durch die Nationalsozialisten. De Waal verwebt auf faszinierende Weise Familien- und Kunstgeschichte, macht vor allem anhand der Netsuke deutlich, dass Kunst nicht Besitzen, sondern Begreifen im wahrsten Sinn des Wortes heißt und dass es bei Restitutionsverfahren um mehr geht als um materielle Entschädigung.

lg Severina :hello
AcomA (23.01.2013, 23:13):
Liebe Severina,

ich hatte dieses Buch unter meinen Top-Ereignissen gelistet.

LG, Siamak
Severina (24.01.2013, 00:17):
Freut mich, dass ich mit meiner Begeisterung nicht alleine bin! :D
lg Severina :hello
satie (19.02.2013, 12:02):
Eben begonnen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/81eHX-p7TiL._AA1500_.jpg

Kay Larson:
Where the Heart Beats: John Cage, Zen Buddhism, and the Inner Life of Artists


Hier hat endlich einmal jemand den Versuch unternommen, den ganzen Zen-Einfluss bei Cage und seinem Umfeld umfassend (fast 500 Seiten) zu untersuchen. Man erfährt schon auf den ersten Seiten interessante Details zu Leuten, die mit Daisetz Teitaro Suzuki zu tun hatten (er gilt als Pionier in der Vermittlung des Zen im Westen). Witzig ist ja auch, dass Suzukis Erscheinen in den USA genau mit dem Beginn der Beat-Ära zusammenfällt, was dann zu dem bereits mehrfach kritisch beleuchteten Beat-Zen führte.

Ich habe das Buch nicht nur aufgrund der geradezu überwältigend positiven Rezensionen, sondern vor allem im Hinblick auf einen Essay bestellt, den ich für die Zeitschrift positionen schreiben werde (eine Art Essay/ Rezensionssammlung, die Cages 100. Geburtstag abrunden soll). Das wird mich zeitlich total auffressen, denn mein Essay muss drei komplette Druckseiten füllen, ich rezensiere 10 (!) CDs, zwei Bücher und eine filmische Dokumentation... und da das Heft als Thema "Oberfläche" hat, muss mein Text daran gespiegelt sein. Das geht natürlich am besten im Verständnis des Zen, wo sich die Oberfläche ja quasi auflöst, wie schon im Herz-Sutra beschrieben: "Form ist Leere, Leere ist Form". Da meine intensive Zen-Zeit schon etwas zurückliegt, wird hier also noch einmal die Lektüre Huang-Pos und einiger Bücher von Suzuki folgen.

Obiges Buch kann ich aber schon jetzt all jenen empfehlen, die gerade diesen Aspekt in Cages Leben und Werk besser verstehen möchten. Das Buch hat übrigens einen interessanten dreiteiligen Aufbau:

1. Mountains are mountains
2. Mountains are no longer mountains
3. Mountains are again mountains

Damit bezieht sich die Autorin auf folgende bekannte Geschichte von Seigen Ishin:
Before I had studied Zen for thirty years, I saw mountains as mountains, and waters as waters. When I arrived at a more intimate knowledge, I came to the point where I saw that mountains are not mountains, and waters are not waters. But now that I have got its very substance I am at rest. For it's just that I see mountains once again as mountains, and waters once again as waters.

Eine Entwicklung, die man durchmachen muss auf dem Weg zur Erleuchtung.

Leider befindet sich das Buch offenbar gerade in der Neuauflage, so dass man es momentan nur gebraucht oder als E-Book bekommen kann (letzteres habe ich). Man kann es aber bereits günstig vorbestellen, Mitte des Jahres ist es wieder in gedruckter Form erhältlich.

Herzlich,
S A T I E
Fairy Queen (19.02.2013, 17:00):
Lieber Satie, das klingt sehr interessant und ich wusste noch gar nicht, dass John Cages Werk vom Zen-Buddhismus geprägt ist. Aber eigentlcih logisch wenn man 4 33 unter diesem Gesichtspunkt hört Alles Gute und viel Erfolg für Deine Projekte. Wenn es zu stressig wird, bleib einfach ZEN :cool
Ich kenne aus eigener Praxis den Zen-Buddhismus von Thich Nhat Hanh, der auch ein gesellschaftspolitisches Engagement einschliesst, aber ohne die Grundsätze des Zen zu verlassen. Dein eigenes Feng Shui Stück ist immer noch auf meiner musicbox und ich fidne es nach wie vor toll.
Liebe Grûsse von Fairy Queen
Zefira (20.02.2013, 23:19):
Ich habe manchmal Leseerlebnisse, die man nur mit einem großen "Ahhhh" charakterisieren kann. Leider sind sie selten (liegt wohl auch am Viellesen), aber mein erstes in 2013 habe ich jetzt gehabt: "Die Tarnkappe" von Markus Orths.
Herr Orths verneigt sich wohl vor Tolkien, wenn er über einen Gegenstand schreibt, der zwar unsichtbar macht, aber seinen Träger psychisch angreift bis zur Selbstvernichtung, und der einen Eigenwillen zu entwickeln scheint. Aber es geht nicht um Hobbits und Orks, sondern um unsere ganz gewöhnliche Welt, obwohl Orth schon mal von der "Kappe der Macht" spricht (er tut es nur ein einziges Mal ;o)

Ich mag sehr gerne Geschichten, die zwar in unserer Welt spielen, aber ein Fenster in die Phantastik öffnen (es gibt ein eigenes Subgenre dazu, ich glaube, man spricht von Realphantastik). Orth nimmt das alte Tarnkappenmotiv als Anlass zu sehr aktuellen Überlegungen zu der Grenze zwischen Leben und Tod. Was mir vor allem an dem Buch aufgefallen ist, ist aber die Erzählweise. Der Autor sprudelt nur so. Man merkt aus jeder Zeile, dass sich hier jemand unbedingt mitteilen muss, nicht um den Bestsellertisch zu füllen oder das umpfzigste Abenteuer des Kommissars Dingsbums vom Stapel zu lassen, sondern weil er wirklich ein Geschichtenerzähler reinsten Wassers ist. Unbedingte Leseempfehlung.

Grüße von Zefira
Jürgen (20.02.2013, 23:31):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41VDzg1loLL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg


Mo Hayder: Tokio. Hörbuch

Mein Fazit zur Hälfte: Spannend und historisch interessant.

Zuvor hörte ich:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51P1wJ%2BSiiL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Umberto Eco: Der Friedhof in Prag

Nicht ganz so spannend, aber dafür historisch noch interessanter.

Grüße
Jürgen
Zefira (20.02.2013, 23:54):
"Tokio" ist ein großartiges Buch, sehr bildhaft und sehr gruselig. Mo Hayder hat eine einmalige Fähigkeit, Schauplätze (besonders Häuser) als verwunschene Zentren von Höllenkreisen zu schildern. Besonders in "Tokio" gefiel mir ihre Schilderung des Hauses, in dem die Hauptpersonen wohnen.

Es ist allerdings ein Buch, für das man starke Nerven braucht, voll grässlicher Bilder, die den Leser noch lange verfolgen.
palestrina (21.02.2013, 00:14):
Der "Der Friedhof in Prag" von Eco ist ein tolles Buch, äußerst empfehlenswert!

Ich lese zur Zeit den 2.Band von Mario Giordano

"APOCALYPSIS "

Klappentext : APOCALYPSIS ist bis zur letzten Seite eine Sensation.
Das Werk eines Profis - teuflisch gut!
Sebastian Fitzek
Dem ist nichts hinzuzufügen!

LG palestrina
Jürgen (01.03.2013, 16:56):
Original von Zefira
"Tokio" ist ein großartiges Buch, sehr bildhaft und sehr gruselig. Mo Hayder hat eine einmalige Fähigkeit, Schauplätze (besonders Häuser) als verwunschene Zentren von Höllenkreisen zu schildern. Besonders in "Tokio" gefiel mir ihre Schilderung des Hauses, in dem die Hauptpersonen wohnen.

Es ist allerdings ein Buch, für das man starke Nerven braucht, voll grässlicher Bilder, die den Leser noch lange verfolgen.

Ich bin jetzt fertig.

Nach der ersten CD etwa, habe ich auf Wikipedia den Artikel: Das Massaker von Nanking gelesen. Auch das sollte man nur tun, wenn man starke Nerven hat.

Diese Geschehnisse werden im Buch gar nicht so stark beleuchtet. Viel schlimmer, Mo Hayder macht am Ende ein ganz anderes Fass auf.

Am schlimmsten war für mich die Szene als der Vater der Bestie seine neugeborene Tochter übergibt. Da zerreissts einen innerlich.

Gestern habe ich folgendes Hörbuch begonnen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41Tp%2BV9l4kL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Marc Elsberg: BLACKOUT - Morgen ist es zu spät

Grüße
Jürgen
Amonasro (02.03.2013, 00:12):
Ich lese gerade:

http://images.buch.de/images-adb/a7/68/a7686b5a-0ad0-4b3d-b41b-db8506405d4b.jpg

Gruß Amonasro
Jeremias (02.03.2013, 13:54):
Original von palestrina
D

Ich lese zur Zeit den 2.Band von Mario Giordano

"APOCALYPSIS "

Klappentext : APOCALYPSIS ist bis zur letzten Seite eine Sensation.
Das Werk eines Profis - teuflisch gut!
Sebastian Fitzek
Dem ist nichts hinzuzufügen!

LG palestrina


Ich habe den ersten Teil gelesen, fand ihn sehr gut. Aber der zweite soll nicht so gut sein... was sagst Du?
Jeremias (02.03.2013, 13:56):
Ich lese derzeit mit Begeisterung:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51wuY9GCebL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg

Selten war mir teilweise so schlecht und übel beim Lesen eines Buchs. Mord, Terror, Weltuntergang, alles schon gelesen. Aber das hier hat mir wirklich die Sprache verschlagen! Ende offen....

:times10
palestrina (02.03.2013, 21:56):
Hallo Jeremias!

Aller Unkenrufe zum Trotz, ich finde den beiden2. Band genauso klasse wie den ersten!!
Das Szenario ist super und geht noch mehr in die Tiefe, bin ganz begeistert !

LG palestrina
Cantus Arcticus (03.03.2013, 20:48):
Bei mir gerade:
Norman Lebrecht: Ausgespielt - Aufstieg und Fall der Klassikindustrie

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51O4CXD-BhL._SL500_.jpg

Gruss :hello
Stefan
palestrina (04.03.2013, 16:42):
In den Tiefen des Wagner Universums!

Freispruch für Richard Wagner ?
Eine Historische Rekonstruktion

Bernd Weikl , Peter Bendixen
Leipziger Universitaetsverlag

und

Richard Wagner und seine Wirkung

Jens Malte Fischer
Zsolnay Verlag

Beide Bücher sind äußerst gut gelungen und sehr Aufschlussreich!
Und dazu noch, die neue Biographie von Martin Geck im Siedler Verlag!
Diese Biographie ist so ganz anders , immer verbunden mit dem dazugehörigen Werk ,
von den Feen bis Parsifal !

LG palestrina
Agravain (14.03.2013, 18:27):
Bei mir gibt es im sich nahenden Urlaub Fantastisches aus unterschiedlichen Perspektiven:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41LSrWIDwnL._SL500_AA300_.jpg

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51ChHiqtAYL._SL500_AA300_.jpg http://cover.bock-seip.de/9783423252812.jpg

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41xTMhZo2uL._SL500_AA300_.jpg http://3.bp.blogspot.com/-zuVAziBXMLg/UEJrm-UPsNI/AAAAAAAAAKQ/gj-dpuQMRbg/s320/a-game-of-thrones-new-hc.jpg

:hello Agravain
ab (14.03.2013, 19:23):
Bereits vor Jahren geerbt, komme ich leider erst jetzt endlich dazu, es im Vergleich zum jüngeren, 1950 erstmals erschienenem berühmten Buch von Ernst H. Gombrich zu lesen:

Hamann, Richard
Geschichte der Kunst . Von der altchristlichen Zeit bis zur Gegenwart .
(Erstausgabe 1932)
Deutsche Buch - Gemeinschaft 1956

http://img.zvab.com/member/d04904/40261630.jpg

:hello
Amonasro (14.03.2013, 20:49):
https://dksw3hw5iu1be.cloudfront.net/3010719/thumbs/205.gif

https://dksw3hw5iu1be.cloudfront.net/1316655/thumbs/205.gif

http://media.libri.de/shop/coverscans/359/3590136_null_xl.jpg

Gruß Amonasro
Zefira (14.03.2013, 22:13):
"Game of Thrones" habe ich gerade begonnen, obwohl ich seit Tolkien keine Fantasy mehr lese, aber ich habe es mir mal probeweise aus der Onleihe auf den Ebook-Reader gezogen.

Bin erstaunt, es gefällt mir. Mir hat schon der Film recht gut gefallen, das Buch ist wirklich nicht schlecht. Sogar der Handlungsstrang, der mir im Film am wenigsten gefallen hat, gefällt mir im Buch.

Ich überlege mir jetzt, ob ich mir die Bücher im Original kaufe. In den nächsten Wochen werde ich von der deutschen Übersetzung noch ein paar Ebooks aus der Onleihe bekommen. Aber wenn man ein bisschen hin und her blättern könnte, hätte man es leichter mit all den Adelshäusern ... Wenn die Bücher nur nicht so hässlich wären.

Grüße von Zefira
palestrina (21.03.2013, 20:47):
Noch spannender als der erste Teil !

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783404167173.jpg

Liest jemand noch dieses Buch, oder hat es gelesen ?

LG palestrina
Maurice inaktiv (21.03.2013, 21:04):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51QdJwoNwFL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA300_SH20_OU03_.jpg
Cantus Arcticus (22.03.2013, 14:03):
Klemperer zum zweiten Mal:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61aTc4zUInL._AA1500_.jpg

Als ich es vor ca. 2 Jahren zum ersten Mal gelesen hatte, war ich nicht sicher, ob sich damit die Person Otto Klemperer für mich erschlossen hatte. Nun, heute erscheint mir diese Biographie als ein gut gemachtes, genau recherchiertes Werk, welches auf die Zeit bis zum Kriegsende fokussiert. Eva Weissweiler beschreibt Klemperer, ohne die ganzen Klatschgeschichten breitzutreten, die sein Leben konstant begleitet haben. Er war weiss Gott kein einfacher Zeitgenosse, aber seine Verdienste für die zeitgenössische Musik damals sind unbestritten. Er war ein grosser Dirigent und ein -vielleicht - verkannter Komponist. Es lohnt sich, dieses Buch zu lesen.
Grüsse :hello
Stefan
Zefira (22.03.2013, 16:04):
@ palestrina: Da ich nächste Woche in Urlaub fahre und spannende Lektüre brauche, habe ich es mir mal bei der Onleihe bestellt. Das heißt, den ersten Teil. Morgen kann ich ihn runterladen.
Bin sehr gespannt. Mein Mann hat mir schon mehrmals von der "Papstliste" erzählt.

Grüße von Zefira, die auf Game Of Thrones lange warten muss :leb
palestrina (24.03.2013, 23:32):
Heute gekauft am Bahnhof, werde gleich mal anfangen, scheint recht interessant zu sein!

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783492301893.jpg

LG palestrina
Allegra (25.03.2013, 20:39):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/71rJbWW-5vL._AA1500_.jpg

Sehr aufschlussreich und kurzweilig zu lesen. :)
nikolaus (25.03.2013, 20:53):
Wunderschön und bibliophil:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783847713364.jpg

Ein Gesellschaftsroman über den Untergang des bürgerlich-jüdischen Odessa zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Eine Wiederentdeckung Die "Buddenbrooks" am Schwarzen Meer
Im Jahr 1935 unternimmt Vladimir Jabotinsky, streitbarer Mitbegründer der zionistischen Bewegung und brillanter Feuilletonist, eine imaginär-romanhafte Reise in das alte Odessa, in dem er 1880 geboren wurde, seine Kindheit und jungen Jahre verbrachte.
Die Fünf: eine elegische Erinnerung an eine vergehende Welt, verkörpert in den fünf Geschwistern der Familie Milgrom, die in den politisch-kulturellen Wirren ihrer Zeit, zwischen revolutionärer Gewalt und Assimilation, heranwachsen.
Das damalige Odessa ist noch eine kosmopolitisch tolerante Stadt am Schwarzen Meer, ein Vielvölkergemisch, in dem das Ukrainische und das Russische, das Jüdische und das Deutsche, das Armenische und das Griechische nebeneinander existieren. Durchdrungen vom Parfüm dieser sinnlichen, vitalen und polyglotten Prosa, begegnet uns in Vladimir Jabotinskys Roman vom Verfall einer Familie ein intimes Odessa mit seinen Plätzen, Straßen und Cafés ein theatralisches, tragisches Menschenschauspiel. Es sind die letzten Tage von Odessa.

Der Autor Vladimir Jabotinsky (1880-1940), in Odessa in einer jüdisch assimilierten Familie geboren, war als Politiker von der Sorge umgetrieben, die jüdische Bevölkerung zwischen Hitler und Stalin zu retten. Ein gelehrter und vielsprachiger Hebraist, verfasste er Gedichte, übersetzte Dante und schrieb Theaterstücke und Novellen.

Ich habe es wirklich mit Genuss gelesen: Jabotinsky ist ein Meister der Andeutungen; vieles spricht er nicht aus und doch entsteht vor dem Auge des Lesers ein lebendiges Bild...

Nikolaus.
palestrina (31.03.2013, 23:18):
Der 2te Teil von Sanctus , bin ganz gespannt !

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783404167760.jpg

LG palestrina
Florestan (03.06.2013, 19:26):
Hallo zusammen

Ich kaufe ab und wann mal Biografien antiquarisch. Momentan lese ich eine ältere Biografie über Weber vom britischen Autor John Warrack. Es ist für den interessierten Laien und sehr kundig geschrieben. Der Autor geht sehr auf die Werke Webers ein, und bespricht sie ausführlich mit entsprechenden Notenbeispielen.
Davor habe ich eine Biografie über Martha Argerich von Olliver Bellamy gelesen, die ich geradezu verschlungen habe. Das Buch ist flott geschrieben, und man trifft so viele Bekannte ..
Dann steht hier noch ungelesen eine Autobiografie von Michael Gielen, die ich vor einigen Jahren mal im Urlaub meinem Freund weggenommen und selber gelesen habe. Ein interessantes Leben eines bedeutenden Musikers.
Vielleicht findet Ihr das etwas einseitig, nur Biografien zu lesen, aber für mich ist das Lesen von Belletristik in der Regel Zeitverschwendung, weil es mich vom Musik hören abhält. Da lese ich dann schon lieber eine Partitur.

Gruß Florestan
ab (05.06.2013, 22:01):
Ein Prosajuwel :leb

Thomas Wolfe (1900-1938): Die Party bei den Jacks

Geschrieben in den 1930ern, aus dem Nachlass erstmals 1995 veröffentlicht, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Manesse, übersetzt von Susanne Höbel

http://www.jpc.de/image/w220/front/0/9783717522348.jpg
Amonasro (06.06.2013, 09:37):
http://kreuzer-leipzig.de/rezensionsbilder/tolstoi_kriegfrieden.jpg

Gruß Amonasro
Zefira (07.06.2013, 13:57):
@ ab: Ich sehe jetzt erst, dass Du ein Buch von Thomas Wolfe liest; ist das etwa vergleichbar mit "Schau heimwärts Engel"? Ich liebe dieses Buch ganz besonders. In einem Second-hand-Buchladen habe ich mir noch zwei andere Bücher von Wolfe gekauft, die waren aber - verglichen mit dem Engel - ziemlich unschlüssig und hausbacken erzählt.

Grüße von Zefira
palestrina (10.06.2013, 17:33):
Immer wieder gerne lese ich in diesem Buch !

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783492301893.jpg

Heute gelesen , Kapitel 5, Erscheinung aus den Wäldern-Die Einsamkeit des Jean Sibelius.
Und , Kapitel 7, Die Kunst der Angst-Musik in Stalins Sowjetunion.

Ein sehr Empfehlenswertes Buch !
LG palestrina
Rachmaninov (28.06.2013, 19:20):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51QPEL-%2B%2BGL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_SX385_SY500_CR,0,0,385,500_SH20_OU03_.jpg
Jeremias (29.06.2013, 09:38):
Original von palestrina
Der 2te Teil von Sanctus , bin ganz gespannt !

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783404167760.jpg

LG palestrina

Ich habe das Gefühl wir lesen in etwa dieselben Bücher! Allerdings hat mir der erste Teil nicht gefallen, daher lese ich den zweiten nicht mehr. Nun bei mir, gestern angefangen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51JquIAG%2BpL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_SX385_SY500_CR,0,0,385,500_SH20_OU03_.jpg

Wenn Du noch gute Vatikan Thriller suchst, dann empfehle ich Dir ganz ganz dringend "Urbi et orbi" von Steve Berry oder auch von Michael Cordy "Das Nazareth Gen"
Viola (01.07.2013, 11:31):
Diese umfassende, äußerst fundierte und flüssig, ja, unterhaltsam geschriebene Biografie Otto Klemperers kann ich nur wärmstens empfehlen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41CwurXhtGL._SY445_.jpg

Sie beleuchtet erstaunlich viele Facetten des Dirigenten und seiner Persönlichkeit.

Hier eine kleine Kostprobe:

„Bis dahin hatte er sich kaum mit Bach befasst, der immer noch selten in Konzerten auftauchte. Straßburg besaß jedoch eine blühende Bachtradition. In der Wilhelmskirche hatte Ernst Münch .. regelmäßig die Passionen und Kantaten aufgeführt. Der von ihm und Albert Schweitzer bevorzugte Stil war für Klemperers Geschmack jedoch zu altväterlich. Die Musik als solche dagegen begann von seinem Leben Besitz zu ergreifen. Oft klopfte er noch spät abends an Hofmüllers Tür, warf sich in ein Sofa und verlangte Kompott. Sobald das verzehrt war und die Lichter ausgegangen waren – es musste Dunkelheit herrschen -, setzte er sich ans Klavier und spielte Sonaten und ganze Symphonien von Beethoven oder seine eigene Paraphrase über Themen aus ‚Don Giovanni’. Vor allem aber spielte er Bach.
Erst in Straßburg wurde die Musik des 18. Jahrhunderts aus einer bloßen Kindheitserinnerung zum ... ‚Erlebnis einer gegenwärtigen, täglich fortschreitenden Erkenntnis’ für Klemperer.“ (Seite 127)
abendroth (01.07.2013, 18:40):
Liebe Viola,
den hab ich auch im Schrank und gelesen. Es ist aber eine Schande, dass der zweite Band nie ins Deutsche übersetzt wurde. Und die englische Ausgabe ist, glaube ich, auch vergriffen.
herzliche grüsse
abendroth
Viola (01.07.2013, 22:34):
Lieber abendroth,
siehst Du - deshalb. Dann kann ich auch lange nach dem zweiten Band suchen. Wie schade.
Die englische Fassung würde mir leider auch nicht helfen - dazu reicht's nicht mit meinen Sprachkenntnissen.
Auf jeden Fall: danke für die Aufklärung

und herzliche Grüße
Viola
ab (02.07.2013, 22:05):
Original von Zefira
@ ab: Ich sehe jetzt erst, dass Du ein Buch von Thomas Wolfe liest; ist das etwa vergleichbar mit "Schau heimwärts Engel"? Ich liebe dieses Buch ganz besonders. In einem Second-hand-Buchladen habe ich mir noch zwei andere Bücher von Wolfe gekauft, die waren aber - verglichen mit dem Engel - ziemlich unschlüssig und hausbacken erzählt.

Grüße von Zefira

Um erhrlich zu sein habe ich Vorfreude seit bereits vier Jahren auf die Neuübersetzung von "Von Zeit und Strom", seinen zweiten Roman. Angeblich soll er bei Manesse 2014 erscheinen, hieß es einst, als der hoch dotierte Übersetzungspreis vergeben wurde. Nur mehr ein Jahr!
:leb

Diese Buch "Die Party bei den Jacks" ist aus dem Nachlass und unvollendet. Es findet sich viel Ironie, subtile Anspielungen, meist sagenhaft treffliche Adjektivkaskaden, formal die gewohnten Wiederholungen, die dem Normalleser auf die Nerven gehen könnten, wohingegen mit Verständnis gelesen sie viel zu verstehen geben. Die Anmerkungen sind mau, das Nachwort aber lesenswert.

Einen Vergleich mit "Schau heimwärts Engel" kann ich nicht ziehen, weil die Lektüre viel zu lange zurück liegt und ich es in keiner persönlich gedeihlichen Zeit gelesen habe. Ich habe aber vor, dieses Buch gleich danach mir ein zweites Mal vorzunehmen und freu' mich schon sehr darauf!
palestrina (02.07.2013, 22:20):
Meine 2 neuen !
Das erste ist ein Kastraten Roman , aber , Frau als Mann mit Original Frauenstimme, oder so !?!?!?
Und noch der Neue Donna Krimi !
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783257068580.jpg
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783426512876.jpg

LG palestrina
Heike (12.07.2013, 19:59):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51bA3oqdFWL._SY445_.jpg


Ein kleines Buch, aber was für eins!
So müsste man schreiben können, und sowas.
nikolaus (12.07.2013, 20:47):
Etwas grösser, aber auch sehr gut, sehr berührend:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51pt8qLngTL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_SX385_SY500_CR,0,0,385,500_SH20_OU03_.jpg

Nikolaus.
Fairy Queen (15.07.2013, 16:32):


Ich habe in Berlin in der Frankfurter Allee das Café Tasso entdeckt, ein Ort an dem ich ganze Tage verbringen kônnte. Neben guter, phantasievoller Bio-Kûche und einem Austellungs-und Konzertprogramm gibt es dort ein Antiquariat, in dem jedes Buch 1 Euro kostet und man entweder nur lesen oder kaufen kann. obschon ich wie üblich bei Deutschland-Besuchen bereits vollbeladen wie ein Esel war, habe ich mich nicht enthalten kônnen und etlcihe Bücher gekauft. U.A. obige Goethe-Biographie, ein Klassiker, den ich aber bisher nie gelesen habe. Bin gespannt, es lâsst sich interessant an und ist jedenfalls alle andere als eine Beweihrâucherung des Dichterfürsten.
F.Q.
Amadé (16.07.2013, 09:58):
Friedenthal-Goethe habe ich bereits vor 40 Jahren gelesen, müsste ich mir jedoch nochmal vorknöpfen, heute liest man das mit anderen Augen als damals.

Gruß Amadé
Fairy Queen (16.07.2013, 14:51):
Lieber Amadé, ich habe heute das Werther Kapitel gelesen und bin sehr interessiert was Andere zu dieser Biographie denken- auch wenn es 40 Jahre her ist. Friedenthal räumt ja mit etlichen Goethe-Klischees die auch in meinem Kopf noch irgendwo (warum???) herumspukten, ordentlich auf. Wenn man z.B. die Werther-Oper sieht und daneben die ziemlich profane "Real-" Story liest......da wird auch der arme Albert gleich viel sympathischer! :D
Amadé (19.07.2013, 09:33):
Liebe Fairy,

ich kann Deine Erwartungen im Augenblick aus Zeitmangel leider nicht erfüllen, da ich ein wissenschaftliches Werk verfasse, das mich voll in Anspruchung nimmt. Daneben bediene ich noch meine Homepage und Haus und Garten .... Ich bitte Dich um Verständnis. Aufgegeben habe ich den Friedenthal-Goethe jedoch noch nicht.

Herzliche Grüße
Amadé
Fairy Queen (29.07.2013, 21:02):
Lieber Amadé, worüber schreibst du denn???? Mein Bruder ist auch Wissenschaftsautor und ich bin da sehr interessiert. was den Friedenthal angeht: ich war gerade in der Bretagne(noch nie so schônes Wetter dort gehabt!) und habe das Buch hâppchenweise weitergelesen- leichte Ferienlektüre ist es wahrlich nicht und ich bin auch nicht immer ganz angetan von seiner Schreibe. Ich wüsste gerne, ob es eine gute moderne Goethe-Biographie gibt, die man zum Vergleich lesen klann. Ich habe noch zwei Kapitel vor mir und fühle dich in keiner wiese gedrängt. Wenn irgendwann mal jemand was dazu sagen mag, umso besser, wenn nicht, auch nicht schlimm. Das Gute hier ist ja, dass die Threads eine sehr lange Halbwertzeit haben und auch nach Monaten wieder vorgekramt werden kônnen, ohne dass man ein schlechtes Gefûhl haben muss, nicht gleich zu antworten bzw keine Antworten zu bekommen. Allen die Ferien haben wünsche ich allerschônste Urlaubslektüre, es gibt ja kaum etwas Schôneres als mal einfach tagelang lesen zu kônnen. Liebe Grüsse F.Q.
artemis (05.08.2013, 19:26):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41wzDg7pZ9L._.jpg

Nur wenige Seiten, aber so unendlich viel Wahrhaftiges. Regt zum Nachdenken an, unbedingt lesen!

Schade, dass dieser geniale amerikanische Schriftsteller sich das Leben genommen hat. :I
ab (20.08.2013, 16:48):
keine wirkliche Urlaubslektüre und somit auch nicht fertig geworden, lese ich immer noch eine quasi phänomenalistisch-idealistische Prosa.


Fernando Pessoa - Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares Ammann, "Revidierte und definitive Neuausgabe", 2003

http://ecx.images-amazon.com/images/I/412VTQ063VL._.jpg
Jürgen (20.08.2013, 17:55):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/417Gmd9qKmL._.jpg

Andromeda Romano-Lax: Der Bogen des Cellisten
Jussi (09.10.2013, 09:35):
Für Krimi-Freunde

http://www7.pic-upload.de/09.10.13/fjxo2f7pd4ow.jpg

Auch die anderen Krimis von Gert Heidenreich ("Das Fest dwr Fliegen" und "Mein ist der Tod") ragen wohltuend aus dem Krimi-Einerlei heraus! :wink

LG Jussi
Heike (09.10.2013, 21:25):
Ich lese gerade zum wiederholten Mal hier:
Arbeit und Struktur
Jussi (26.11.2013, 17:59):
http://www7.pic-upload.de/26.11.13/v19tiu2e2ub.jpg

Heute ist der wunderbare Peter Kurzeck 70jährig gestorben.

http://www.zeit.de/kultur/literatur/2013-11/peter-kurzeck-nachruf
coolblue74 (29.11.2013, 21:35):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41WyQhnAUGL._.jpg
miclibs (01.12.2013, 21:09):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41gNukk6afL._SY445_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/51VB%2Bsbn5cL._SY445_.jpg
Amonasro (01.12.2013, 23:07):
http://cover.archinform.net/m/9783499450556.jpg

Gruß Amonasro
palestrina (01.12.2013, 23:20):
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783552056497.jpg
http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783426510384.jpg

LG palestrina
Jussi (03.12.2013, 17:19):
Original von palestrina

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783426510384.jpg

LG palestrina

Das ist ja lustig! Der Geiger liegt auch auf meinem Nachttisch! :D
Wie findest Du es?
Habe neulich dieses Buch von der Borrmann gelesen, war ganz angetan!

http://www7.pic-upload.de/03.12.13/s2uqanebwi6.jpg

Aber derzeit bin ich am neuesten Krimi von Nesbo dran ... :cool

http://www7.pic-upload.de/03.12.13/d8pspj2sg4d.jpg
coolblue74 (03.12.2013, 17:34):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/514edTqSAuL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_SX385_SY500_CR,0,0,385,500_SH20_OU03_.jpg


http://ecx.images-amazon.com/images/I/51-sTQp9uiL._.jpg
palestrina (03.12.2013, 22:09):
Original von Jussi
Original von palestrina

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783426510384.jpg

LG palestrina

Das ist ja lustig! Der Geiger liegt auch auf meinem Nachttisch! :D
Wie findest Du es?

Hallo Jussi,
kann ich noch nicht sagen, liegt noch auf dem Nachttisch ! ?(
Aber vom Hörensagen soll es sehr gut sein !?!?!?!?

LG palestrina
nikolaus (04.12.2013, 21:24):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41UnpGsHwSL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_SX342_SY445_CR,0,0,342,445_SH20_OU03_.jpg

Pierre Michon ist einer der bedeutendsten französischen Gegenwartsschriftsteller. Im Mittelpunkt seiner neuen Erzählung »Die Elf«, einer meisterhaft vertrackten historischer Novelle, steht das berühmteste Gemälde der Französischen Revolution, das im Louvre hinter Panzerglas hängt und elf Direktoriumsmitglieder im Jahr II der Schreckensherrschaft porträtiert. Michon erzählt von dem Maler und dessen Familiengeschichte, von den elf Porträtierten und davon, wie und warum der Künstler den Auftrag zu diesem Bild erhielt - evozierend, akribisch, mit essayistischen Bemerkungen und Ausführungen. Dieses besondere Bild, »Die Elf«, schreibt Michon, bilde Geschichte nicht ab, sondern »sei« Geschichte, ihr Schrecken. Seine ebenso knappe wie virtuose Erzählung baut eine ganz eigene Spannung auf und hält sie, bis zum überraschenden Schluß.

Sehr, sehr reizvoll, aber nicht ganz leicht zu lesen.

Nikolaus.
Jussi (15.12.2013, 18:14):
Liegt auf dem Nachttisch bereit ... :wink

http://www7.pic-upload.de/15.12.13/92s3eq3cj1zk.jpg
palestrina (15.12.2013, 23:26):
Original von Jussi
Liegt auf dem Nachttisch bereit ... :wink

http://www7.pic-upload.de/15.12.13/92s3eq3cj1zk.jpg

Das hat mir sehr gut gefallen !

Mit dem GEIGER , bin ich durch ! Top Empfehlung ! :)

LG palestrina
Jussi (16.12.2013, 09:26):
Original von palestrina
Original von Jussi
Liegt auf dem Nachttisch bereit ... :wink

http://www7.pic-upload.de/15.12.13/92s3eq3cj1zk.jpg

Das hat mir sehr gut gefallen !

Mit dem GEIGER , bin ich durch ! Top Empfehlung ! :)

LG palestrina

Mit dem GEIGER bin ich auch durch ... ich hab mir mehr versprochen.

Einen schönen Wochenanfang ALLEN!

LG Jussi
Jussi (17.12.2013, 12:35):
Kennt jemand von Euch dieses Buch oder den Opernkomponisten Franchetti?

http://www7.pic-upload.de/17.12.13/4slkl7yr39um.jpg

Liebe Grüße Jussi
miclibs (17.12.2013, 20:02):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51LFv6ZMXML._SY445_.jpg

Es sind wirklich Streifzüge, sie bleiben aber an wichtigen Stationen
wie Schönberg, Berg, Ligeti oder Webern stehen.
Angerissen werden die wichtigsten Strömungen in der neuen Musik.
Auch wenn ich das Gefühl habe der Autor kann mehr mit Stravinsky
und Ligeti anfangen wie mit abstrakterer Musik, so ist ein Großteil des
Buches objektiv und informativ geschrieben.

Seine Einschätzungen zur neuen Musik teile ich aber nicht.
Ein Liebhaber der Musik von Lachenmann, Ferneyhough ode Xenakis
wird er sicherlich nicht mehr werden. :)
miclibs (20.12.2013, 18:45):
704 Seiten Musikgeschichte - ein Mammutwerk für den
Nachttisch, aber lohnenswert :)
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41eUO6SGYoL._.jpg

»In seinem Streifzug durch die Neue Musik schildert er Stockhausen, Glass,
Cage & Co. als in ihrer Zeit verwurzelte Künstler so anschaulich und spannend,
dass sogar Skeptiker Lust bekommen, sich diesen ungewöhnlichen Hörerfahrungen
auszusetzen.«, SonntagsZeitung (CH), 17.01.2010

...auch wenn mein Regal vor Bukowski-Büchern überquillt, das musste
ich noch haben... :D
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51AFDjz%2B%2BXL._BO2,204,203,arrow-,35,-76_SX385_SY500_CR,0,0,385,500_SH20_OU03_.jpg
palestrina (20.12.2013, 21:58):
Original von miclibs
704 Seiten Musikgeschichte - ein Mammutwerk für den
Nachttisch, aber lohnenswert :)
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41eUO6SGYoL._.jpg

»In seinem Streifzug durch die Neue Musik schildert er Stockhausen, Glass,
Cage & Co. als in ihrer Zeit verwurzelte Künstler so anschaulich und spannend,
dass sogar Skeptiker Lust bekommen, sich diesen ungewöhnlichen Hörerfahrungen
auszusetzen.«, SonntagsZeitung (CH), 17.01.2010


Dem ist nichts hinzuzufügen, ein ganz hervorragendes Buch , sei jedem EMPFOHLEN !

LG palestrina
Viola (23.01.2014, 22:04):
Mich überrascht gerade dieses Buch:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51BlvSpLbEL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_SX385_SY500_CR,0,0,385,500_SH20_OU03_.jpg

Direkt, unverblümt, so ähnlich wie Gidon Kremers "Obertöne".
Ein scharfer Denker und Beurteiler. Bedeutet in diesem Falle: Klartext. Und Humor.
Herrlich. Bin begeistert.

Viola
palestrina (23.01.2014, 22:42):
Hallo Viola,

habe das Buch regelrecht verschlungen als es erschienen ist 2005 !
Habe ja sämtliche Inszenierungen gesehen (siehe auch die Bilder in der Mitte des Buches)und ein gutes 3/4 der Orchesterkonzerte ! :down
Auch ein sehr liebenswerter Mensch !

LG palestrina
ab (23.01.2014, 22:46):
Jürgen Otten
Die großen Pianisten der Gegenwart
Henschel Verlag, 2009

Ich habe zugegriffen, weil ich dereinst eine sehr lobende Kritik gelesen hatte und die Hardcover-Ausgabe gerade um ein Drittel des ursprünglichen Preises verramscht wird. Bin gespannt...

http://www.jpc.de/image/w220/front/0/9783894875305.jpg
Viola (24.01.2014, 14:02):
Original von palestrina
Hallo Viola,

habe das Buch regelrecht verschlungen als es erschienen ist 2005 !
Habe ja sämtliche Inszenierungen gesehen (siehe auch die Bilder in der Mitte des Buches)und ein gutes 3/4 der Orchesterkonzerte ! :down
Auch ein sehr liebenswerter Mensch !

LG palestrina

Hallo Palestrina,
freut mich sehr, das zu lesen - wo ich auch gerade am Verschlingen dieses Buches bin :)
Dass Du ihn schon derart oft live erlebt hast, darum kann ich Dich natürlich nur beneiden. Habe nicht einmal ordentlich Aufnahmen von ihm. Hole das aber garantiert nach.
Eines allerdings finde ich bemerkenswert: bevor ich mich intensiv mit klassischer Musik befasst habe, gab es - ich vergesse das nie, kurz vor Weihnachten - beim Durchhören einer Beethoven-Gesamtausgabe zwei CDs, nämlich die mit der Missa solemnis, die mich begeisterten. So sehr, dass ich dieses Stück auf der Stelle als Krönung der Box ansah und mehrmals nacheinander hörte. Die Beteiligten sagten mir seinerzeit - natürlich - überhaupt nichts. Erst kürzlich, noch gar nicht so lange her, wollte ich beim Thema Missa solemnis dieser ersten Liebe noch mal nachgehen - und siehe ...
Es war Michael Gielen.
So schließen sich manche Kreise.
Herzliche Grüße
Viola

@ ab: Berichtest Du, wenn Du das Buch gelesen hast? Mich interessiert es auch schon eine Weile ...
Amonasro (24.01.2014, 19:00):
Ich lese mal wieder in Goethes Faust:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/31D-5PbFgsL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_SX385_SY500_CR,0,0,385,500_SH20_OU03_.jpg

Gruß Amonasro
Allegra (26.01.2014, 21:39):
Sehr gut, Amonasro! Das tue ich (zu meiner eigenen Überraschung) auch immer mal wieder. Und es ist schön! :wink
Florestan (27.01.2014, 12:45):
Original von palestrina

habe das Buch regelrecht verschlungen als es erschienen ist 2005 !
Habe ja sämtliche Inszenierungen gesehen (siehe auch die Bilder in der Mitte des Buches)und ein gutes 3/4 der Orchesterkonzerte ! :down
Auch ein sehr liebenswerter Mensch !

LG palestrina

So erging es mir auch, und ich habe das Buch bereits 2 Mal gelesen (das erste Mal war ich mit Freunden in einer Ferienwohnung, und mein Freund hatte sich dieses Buch gerade gekauft um es zu lesen. Dazu kam es aber nicht, weil ich es gelesen habe :rofl)

Die Ära Gielen in Frankfurt ist ja legendär, und ich beneide Dich um diese Zeit. Im April wird Gielen das NDR Sinfonieorchester mit Mahlers 7. dirigieren. Wir freuen uns schon sehr auf das Konzert. Eines meiner stärksten Erlebnisse mit diesem Dirigenten waren die Gurre Lieder (besetzungsgleich auf CD bei Hänssler erschienen).
Im Buch fand ich seinen Kommentar zu Karajan sehr amüsant (ich konnte den Kerl nie ausstehen, und Gielen wohl auch nicht, was ihn mir nur um so sympathischer macht).

Herzliche Grüße Florestan
miclibs (27.01.2014, 21:39):
Über 700 Zitate zum Religions-(Aber-)Glauben, in denen ich
meist in der Mittagspause schmökere... :)
http://ecx.images-amazon.com/images/I/418mOm5-ZZL._BO2,204,203,35,-76_SX342_SY445_CR,0,0,342,445_SH20_OU03_.jpg
Viola (02.02.2014, 10:41):
Obwohl ich gerade (bestimmt zum tausendsten Male)
in diesem Buch lese ...

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51bH0%2B1mDeL.jpg

... möchte ich aus (sehr freudigem) aktuellem Anlass
gleichzeitig dieses Buch empfehlen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41F001ENXZL._.jpg

(Ebenso natürlich alle anderen Werke dieses Autors, so man dessen Art zu schreiben mag :))

Der eine (Harnoncourt) hat ihn schon, der andere (Peter Gülke) bekommt ihn demnächst -
den Siemens-Musikpreis.

http://images.zeit.de/kultur/musik/2014-01/peter-guelke-siemens-musikpreis/peter-guelke-siemens-musikpreis-540x304.jpg
(Foto-Quelle: ZEIT online)

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH -
einem großen Musikwissenschaftler, Musiker, Schreiber, Menschen - und einem Künstler der freien Rede (nicht nur nebenbei) auch.

Viola
Cantus Arcticus (05.02.2014, 11:14):
Bei mir ist es zur Zeit recht brachial:

http://www.books.ch/annot/4B56696D677C7C33383633343132367C7C434F50.jpg

Gruss :hello
Stefan
miclibs (05.02.2014, 20:49):
...nach den sehr guten Rezensionen bin ich mal gespannt... :)
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51glTyvQrRL._SY445_.jpg
AdrianTuttisolo (06.02.2014, 16:19):
http://www.buecher-zur-musik.de/images/gratzer1.gif

Herausgegeben von Wolfgang Gratzer.
Schön ist, dass einerseits die Komponisten selbst zu Wort kommen und man so ihre Denkweise aus erster Quelle nachvollziehen kann, andererseits die Eigenanalysen durch Fremdanalysen bereichert werden.
Man kann hier viel lernen; dass so diametral entgegengesetzte Komponisten wie Ferneyhough und Avo Pärt gleichermaßen vertreten sind, ist, wie ich finde, ebenfalls eine Stärke des Buches.
Allegra (13.02.2014, 18:18):
Original von miclibs
...nach den sehr guten Rezensionen bin ich mal gespannt... :)
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51glTyvQrRL._SY445_.jpg

Klingt sehr interessant. Berichte doch mal, wenn du durch bist.
abendroth (13.02.2014, 20:55):
Den Titel finde ich etwas merkwürdig. Wenn jemand ein Buch schreiben würde mit dem Titel "Warum ich kein Alkoholiker SEIN WILL", dann würde jedermann das so verstehen, dass der Autor Alkoholiker ist, aber es nicht bleiben will, oder dass er es nie gewesen ist. Aber hier verrät der Autor uns schon gleich auf dem Titelblatt, dass er es mal war, aber nun nicht mehr ist.
Der gute alte Russell hat ja auch mal ein Buch geschrieben "Warum ich kein Christ bin". Wer an solcher Lektüre Gefallen findet, kann auch zu dem Buch des Philosophen Kurt Flasch greifen, der, nachdem er jahrzehntelang Lehrstühle für katholische Religionsphilosophie bekleidet hat, verständlicherweise erst nach seiner Pensionierung gemerkt hat, dass er gar kein Christ ist.
miclibs (13.02.2014, 22:35):
Original von abendroth
Den Titel finde ich etwas merkwürdig..

Da gebe ich dir recht. Das klingt etwas reißerisch.
Jedoch ist bisher das erste Drittel des Buchs sehr wissenschaftlich
geschrieben und entspricht so gar nicht dem Titel.
Streifzüge durch die Entstehung der Erde , der Neuro-Biologie,
evolutionären Erkenntnistheorie, und, und, und...

Die Argumentationsketten sind sehr klar und nachvollziehbar.
Als Techniker für mich gut zu lesen. :)
coolblue74 (12.03.2014, 19:29):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/515SgmAteXL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_SX385_SY500_CR,0,0,385,500_SH20_OU03_.jpg
ab (12.03.2014, 22:47):
Original von ab
Jürgen Otten
Die großen Pianisten der Gegenwart
Henschel Verlag, 2009

Ich habe zugegriffen, weil ich dereinst eine sehr lobende Kritik gelesen hatte und die Hardcover-Ausgabe gerade um ein Drittel des ursprünglichen Preises verramscht wird. Bin gespannt...

http://www.jpc.de/image/w220/front/0/9783894875305.jpg

Ich möchte doch noch nachtragen, dass mir dieses Buch, gespickt von stereotypen Gemeinplätzen und seltsam anmutenden Werteinschätzung sowie geradezu grotesk einseitiger Behauptungen mir nicht einen einzigen neuen Blick auf die bekannten Pianisten (und auch hier weitgehend fehlenden Pianistinnen) hätte bieten können. Sehr enttäuschend...
:A
Lucanuscervus (13.03.2014, 10:51):
http://www.newbooks-services.de/CustomerLiterature/Cover/8/9783883776088_cover.jpg


...als Einstimmung darauf, seine E-dur Sinfonie bald live erleben zu können...


:hello
Viola (15.03.2014, 10:05):
Kann es nur (wärmstens!!) empfehlen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/516ucG-GALL.jpg

Einblicke in Hülle und Fülle. Nicht alle Vorurteile beseitigt, aber einige doch ...
Danke, Christian Köhn :)


Viola
Zefira (17.03.2014, 00:59):
Ich habe ein wunderbares Buch aus dem Offenen Bücherschrank in Fulda gezogen: "Der Tänzer" von Colum McCann. Thema: Rudolf Nurejew, aber keine Biographie, sondern eine Annäherung im Wege eines Romans.

Bin ungefähr in der Mitte und finde es wunderschön. Leider weiß ich sehr wenig über Nurejew und kann nicht beurteilen, ob es ihm gerecht wird, aber jedenfalls ist der Mensch, von dem es handelt, in jeder Weise sympathisch, vielschichtig, humorvoll, schroff und ungeduldig - ich mag ihn.
Jussi (17.03.2014, 19:23):
Original von Zefira
Ich habe ein wunderbares Buch aus dem Offenen Bücherschrank in Fulda gezogen: "Der Tänzer" von Colum McCann. Thema: Rudolf Nurejew, aber keine Biographie, sondern eine Annäherung im Wege eines Romans.

Bin ungefähr in der Mitte und finde es wunderschön. Leider weiß ich sehr wenig über Nurejew und kann nicht beurteilen, ob es ihm gerecht wird, aber jedenfalls ist der Mensch, von dem es handelt, in jeder Weise sympathisch, vielschichtig, humorvoll, schroff und ungeduldig - ich mag ihn.

Zefira, ich mochte das Buch auch sehr!!! Viel Spaß weiterhin!

Ich beginne gerade

http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/510rz5azm5lymoalsfxcn.jpg

Kennt das jemand?

LG Jussi
palestrina (17.03.2014, 22:39):
Original von Jussi
Kennt das jemand?
LG Jussi

Ja, ich kenne das Buch über Tauber, habe es in guter Erinnerung , vielleicht etwas Schmalzig ! :wink

Ich fahre im Moment zwei Gleisig ...wie so oft...!

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51JQF97NSHL._SL500_.jpg
http://ecx.images-amazon.com/images/I/21C0PXZRXFL._SL500_.jpg
Das Farinelli Buch ist etwas klein geraten ?( !
LG palestrina
Viola (28.05.2014, 17:03):
Leider erst jetzt drauf gestoßen, verschlinge ich gerade Schuberts Briefe und ausgewählte Schriften,
herausgegeben von Otto Erich Deutsch (Verlag Brüder Hollinek, Wien 1954):

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41QakQRWVFL.jpg

Seine Worte korrespondieren auf's Trefflichste mit seiner Musik, scheint mir ... :down


Kleine Leseprobe:

Lieber Schober!
Ich höre, Du bist nicht glücklich? mußt den Taumel Deiner Verzweiflung ausschlafen? So schrieb mir Swind. Obwohl mich dieß außerordentlich betrübt, so wundert's mich doch gar nicht, da dieß beynahe das Los jedes verständigen Menschen ist in dieser miserablen Welt.
(...)
Nun sitz ich allein hier im tiefen Ungarlande in das ich mich leider zum 2ten Mahle locken ließ, ohne auch nur e i n e n Menschen zu haben, mit dem ich ein gescheidtes Wort reden könnte.
(...)
21. September 1824


Meine Erzeugnisse sind durch den Verstand für Musik und durch meinen Schmerz vorhanden; jene, welche der Schmerz allein erzeugt hat, scheinen am wenigsten die Welt zu erfreuen.
(Tagebucheintrag vom 27. März 1824)


Viola
miclibs (10.06.2014, 22:28):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41xUXUJvViL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-v3-big,0,-55_SX278_SY278_PIkin4,22_AA300_SH20_OU03_.jpg
Das Buch als Liszt-Einstieg ist sicherlich lohneswert, wenn
man es wie ich aus der Bibliothek ausgeliehen hat. :D
Das Buch verschafft einen guten Überblick über die Stationen
und Menschen, die sein Leben bestimmten.
Leider fehlen der Biographie ein bisschen die Bezüge zu seiner Zeit
wie auch sein musikhistorisches Wirken kaum vorkommt.

Nach der Liszt-Biographie wollte ich etwas mit mehr Gehalt und
bin über folgendes Buch gestolpert ....
http://ecx.images-amazon.com/images/I/415s-MVZgUL._.jpg
Der Komponist (und Maler) Schönberg und der Maler Kandinsky geben
durch ihre Briefe Einblick in ihr Denken über Kunst und ihren gemeinsamen
Ansatz Kunst zu realisieren.
Zwischen den Zeilen kann man herauslesen wie schwierig es für beide
war Anerkennung zu finden.
Da mein Schwiegervater wie auch meine Frau Künstler sind/waren, kann
ich das sehr gut nachvollziehen.

Das Buch ist absolut empfehlenswert !!!
ab (11.06.2014, 23:11):
überzeugt mich sprachlich leider gar nicht und fällt bei mir nicht in die Rubrik "Literatur", sondern "Belletristik" im Sinne von reiner Unterhaltungsliteratur :(

http://www.jpc.de/image/w220/front/0/9783423141543.jpg
miclibs (16.06.2014, 21:40):
Aus der Bibliothek schon ausgelesen, da sehr viele Bilder und sehr wenig Text.
Aber die Bilder sind wirklich interessant und stimmungsvoll... :)
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51J2ABN482L._SX342_.jpg
Amonasro (17.06.2014, 13:57):
Abtauchen in die Weimarer Klassik:

http://bilder.buecher.de/produkte/25/25553/25553125z.jpg

Gruß Amonasro
miclibs (17.06.2014, 21:16):
Heute mit der Post gekommen..... :)
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41ORcJlToCL._BO2,204,203,0,-55_SX600_SY600_PIkin4,1.jpg
Helmuth Oehring - Mit anderen Augen
Vom Kind gehörloser Eltern zum Komponisten

Kenne den Autor nur von den CDs der Donaueschinger Musiktagen 2008 und
1998 (hier in einem Gemeinschaftsprojekt mit seiner Partnerin Iris ter Shiphorst),
sonst auch als Interviewpartner bei den Donauschinger Musiktagen (->Youtube).
Dann bin ich mal darauf gespannt, wie ich in die Welt der Gebärdensprache
eintauchen werde... :)
Jussi (22.06.2014, 15:32):
Wie haben wir sie in den 80ern geliebt und bewundert! :engel

http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/41seiss6lltoycgjp6va.jpg

Dieses Buch macht Lust, mal wieder ihre genialen Chansons zu hören:

http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/41ohqeay0lsy0niq6tgsyc.jpg

LG Jussi
artemis (22.06.2014, 23:10):
Original von miclibs
Aus der Bibliothek schon ausgelesen, da sehr viele Bilder und sehr wenig Text.
Aber die Bilder sind wirklich interessant und stimmungsvoll... :)
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51J2ABN482L._SX342_.jpg

muss ich haben :-) danke für den Beitrag :W

Gruß - artemis
palestrina (23.06.2014, 17:55):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51hKPhcB4kL._SX350_.jpg

Macht mir sehr viel Freude beim lesen !

LG palestrina
nikolaus (23.06.2014, 21:44):
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/9783462307894.jpg

Kurzbeschreibung

Igor ist ein merkwürdiges Kind. Er berührt Dinge, um sie zu verstehen, malt Kreise auf Hauswände und sortiert Schachteln in Schachteln ein. Während er älter wird, übt er das Schmelzen, entdeckt das Nichts und bezweifelt die Endlichkeit. Er verliebt sich und trägt eine Last, die zu schwer ist, er trifft auf den Tod und versucht schließlich, hundert Tage ohne Licht und Geräusche zu verbringen. Seine Reise führt ihn an die Grenzen der Vernunft und verändert seine Wahrnehmung der Welt für immer. Robert Gwisdek schreibt in seinem Debütroman mit einer solchen Sprachmacht und Fantasie über Wahrheit, Wahnsinn und Liebe, dass man das Leben danach mit anderen Augen sieht.

Robert Gwisdek, geb. 1984, hat die Schule abgebrochen und als Schauspieler gearbeitet, er ist Sänger und Texter der Band Käptn Peng und die Tentakel von Delphi, filmt, schreibt und schneidet Musikvideos und Kurzfilme, baut Möbel und übt das Üben. Er kommt aus Berlin, wandert aber viel.

Ich find's genial.
Es lässt mich zwar etwas ratlos zurück, dennoch habe ich selten so etwas surreales, fantastisches und doch so tiefes gelesen. Insbesondere erstes und letztes Drittel haben mir atemlose Stunden beschert.
Wie man sich so etwas (der Klappentext deutet die Phantasmagorien nicht mal andeutungsweise an) ausdenken kann, ist mir ein Rätsel.

Nikolaus.
Gamaheh (03.07.2014, 22:01):
Original von nikolaus
Wie man sich so etwas (der Klappentext deutet die Phantasmagorien nicht mal andeutungsweise an) ausdenken kann, ist mir ein Rätsel.


Leihst Du mir das mal ?
Viele Grüße, Gamaheh
nikolaus (03.07.2014, 22:13):
Original von Gamaheh
Original von nikolaus
Wie man sich so etwas (der Klappentext deutet die Phantasmagorien nicht mal andeutungsweise an) ausdenken kann, ist mir ein Rätsel.


Leihst Du mir das mal ?
Viele Grüße, Gamaheh

Ja, gerne!
Ich melde mich bei Dir...
Viele Grüße, Nikolaus.
miclibs (06.07.2014, 19:58):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41hv33aKoXL._SL500_SY445_.jpg

Glenn Gould ist wirklich ein brillianten Lästermaul mit der Gabe, sich selber
auch nicht so ernst zu nehmen.
Seine Schreibe finde ich witzig und originell.
Seine unkonventionellen Denkansätze über Musik gefallen mir.
Aber klar, einer meiner Lieblingsbücher über Musik ist Lachenmanns
'Musik als existentielle Erfahrung'.

Der bekennende Schönbergianer, dessen Buch ich jetzt
zum dritten Mal lese ohne mich zu langweilen, haut solche
Beiträge raus wie
"Glenn Gould interviewt sich selbst über Beethoven" oder
"Glenn Gould interviewt Glenn Gould über Glenn Gould" :D

Wer in Beethoven oder Mozart seine Halbgötter hat, sollte von dem
Buch die Finger lassen.
Zur Zeit ist das Taschenbuch sehr günstig gebraucht (1-2 EUR) zu bekommen.
Von meiner Seite klare Kaufempfehlung, weil es unterhaltsam ist und auch
Tiefe hat. :)
miclibs (06.08.2014, 21:58):
http://s3-eu-west-1.amazonaws.com/cover.allsize.lovelybooks.de/schriften_zur_musik___vom_konzertsaal_zum_tonstudio-9783492236157_xxl.jpg
Eine Sammlung von Gould-Artikeln über musikalische Themen.
Es stehen jedoch nicht wie im ersten Band 'Von Bach bis Boulez'
die Komponisten im Fokus.

Der Artikel "Glenn Gould interviewt Glenn Gould über Glenn Gould"
ist so schräg, erinnert irgendwie an Monty Python.
Auch die Kloake, die er über die 'Liverpudel' (Beatles) schüttet
ist lesenswert.
Halt Gould - sein 'eigener' Charackter gepaart mit durchaus kausalen
Argumentationsketten zwingen mich als Leser vieles aus der Musik
auch mal anders zu betrachten.
Auf alle Fälle - sehr sehr unterhaltsam... :)
miclibs (20.08.2014, 20:02):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41PSoQVmDXL.jpg

Aus dem Klappentext :
Im vorliegenden Band wird der Handlungsfaden des "Zarathustra" verfolgt,
und neben einer Einführung werden die wichtigsten Themen in eingehender
Analyse vorgeführt:
Wille zur Macht, Umwertung aller Werte, Übermensch und ewige Wiederkehr
des Gleichen.

...wobei der Begriff Übermensch im Sinne Nietzsches die nächste Stufe des
Menschsein charakterisiert, die sich dadurch auszeichnet, dass der Mensch
die Ketten der Illusion wie z.B. den Glauben an Gott oder das Anbeten von Götzen
abgelegt hat.
Leider wird Nietzsches Begriff des Übermenschen oft mit 'Herrenmensch' assoziert.
Das ist aber absoluter Stuss.

Für mich als Nicht-Germanen (oder Germanisten ) manchmal harte Kost. :)
Agravain (26.08.2014, 16:44):
Vor ein paar Tagen beendet:

https://www.alexander-verlag.com/images/verlag/cover/mittel/9783895813207.jpg

Wer sich diesen Roman beschafft und ein tiefschürfendes Traktat zum Thema Bach oder eine stilistische Glanzleistung erwartet, der wird das Buch sicher beim nächsten Flohmarkt verhökern. Denn Johler will in erster Linie unterhalten und dies gelingt - finde ich - durchaus. Das Ganze ist rundum solide recherchiert, die Szenerie ist lebendig gestaltet und die Zeichnung des Bach gefällt mir gut. Da begegnet der Leser nicht dem fünften Evangelisten, sondern einem in vielen Dingen ganz normalen Menschen, den eine überdurchschnittliche Begabung für Musik auszeichnet. Davon ab hat er aber ganz durchschnittliche Wünsche, Bedürfnisse, Ängste, Hoffnungen. Seine Kunst betreffend treibt ihn schon seit der Schule das Problem des "pythagoreischen Kommas" um und vor allem die Frage danach, wie man es bloß hinbekommen könnte, eine Temperierung zu finden, in der alle Tonarten spielbar sind. Dies ist der Aufhänger des Romans und Johler schafft es, diesen Problemkreis für den Laien in einfacher Weise nachvollziehbar darzustellen. Tatsächlich sind es besonders die Kapitel, die dieses Problem erläutern - Bachs Begegnung mit Werckmeister bei Buxtehude; Bach und Erdmann nach der Fertigstellung des "Wohltemperierten Claviers" - die mich am meisten überzeugen. Ein Musikwisenschaftler wird Johlers Ausführungen vielleicht als zu stark simplifizierend empfinden, aber um höhere Ansprüche an diesen Themenkreis zu befriedigen, ist das Buch wohl nicht unbedingt geschrieben. Das Ende finde ich irgendwie bemüht, verrate aber den Grund nicht. :wink Da muss der Interessierte dann selbst ran.

:hello Agravain
Viola (28.08.2014, 10:33):
Sehr berührend, ...

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41fEqJN2LvL.jpg

.... der Briefwechsel zwischen Clara und Robert Schumann.

(In dieser Ausgabe vollständig herausgegeben, in der Form anaolg den drei Bänden,
die Marie Schumann, Tochter der beiden, so lange hütete, bis sie sie wegen akutem
Geldmangel an die Stiftung Preußischer Kulturbesutz verkaufen musste.)

Ein Juwel. Wärmste Empfehlung, nicht nur für Schumann-Liebhaber.


Viola
miclibs (02.09.2014, 23:10):
https://www.jpc.de/image/w355/front/0/9783765103261.jpg
Der Gang durch die Klippen
Autor Rainer Nonnenmann

Helmut Lachenmanns Begegnungen mit Luigi Nono anhand
ihres Briefwechsels und anderer Quellen 1957-1990


Ich habe die Nietzsche-Analyen mal beiseite gelegt und lese seit ein paar
Tagen dieses Buch. Lange habe ich überlegt, ob ich es mir kaufen soll,
da es mehr als 50 Eur kostet.
Aber Lachenmann ist in seinen Büchern und Aufsätzen rhetorisch so gut,
dass ich das Buch auf Verdacht gekauft habe.

Bis jetzt bereue ich den Kauf nicht. Lachenmanns Briefe sind sehr ausführlich.
Thematisch handeln sie bisher vom 'Avantgarde'-Betrieb in Darmstadt, von der
Vorstellung was Musik zur Kunst macht. von seinem Studium bei seinem Lehrer
Johann Nepomuk David, von seiner Einschätzungen zur Arbeit anderer Komponisten uvm.
Hinsichtlich der Musik kommem Nono und Stockhausen am besten weg.
Ähnliche Gedanken zur Kunst hat er aber nur mit Nono, der auch 1960 sein nächster
Lehrer wurde.....
Zefira (03.09.2014, 15:46):
Ich traue mich kaum, dieses Buch hier vorzustellen, so rotzfrech ist es:

https://farm4.staticflickr.com/3920/14940249260_267b63213b_o.jpg

Kenton berichtet über Beethovens Krankheit und Tod, und zwar in Form fiktiver Originaldokumente (hauptsächlich von Beethovens Arzt Wawruch), die dem Ich-Erzähler Michael, einem Journalisten der Jetztzeit, zugespielt werden. Der Roman ist sehr breit und wimmelt von überflüssigen Längen, aber jedenfalls läuft die Geschichte darauf hinaus, dass Beethovens Sekretär Anton Schindler in den Diensten einer von den "Illuminaten" abgespaltenen Vereinigung stand. Seine Aufgabe war, Beethoven dazu zu überreden, dass er Musik zur gezielten Manipulation der Zuhörer schriebe - natürlich mit dem Ziel, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Eine Anzahl wörtlich wiedergegebener Diskussionen an Beethovens Krankenbett, an denen u.a. Schindler und der Geiger Holz beteiligt sind, beschäftigen sich mit der Frage, ob der Durchschnittsmensch in der Lage sei, ohne "geistige Führung" auszukommen.

Die brisanten Dokumente, in denen diese Debatten niedergelegt sind, gelangen auf Umwegen in die Hände der Gandhi-Begleiterin Madeleine Slade (Mirabehn), die sie - warum auch immer - an den ziemlich trockenen, zynischen Ich-Erzähler Michael weitergibt.

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Frechheit Kenton reale historische Persönlichkeiten wie Schindler, Beethovens Schwägerin Johanna (die eine wichtige Rolle spielt), Madeleine Slade (die tatsächlich von Beethoven fasziniert war), den Bildhauer Bourdelle und andere mit Beschlag belegt, um ihnen eine Rolle in einer an den Haaren herbeigezogenen Kolportage-Geschichte zuzuweisen. Ich schwankte zwischen Lachen und Kopfschütteln, fühlte mich aber - von den wie gesagt überflüssigen Längen abgesehen - ganz gut unterhalten. Das Buch erschien m.W. erstmals 1996, man merkt die geistige Verwandtschaft zu den Matrix-Filmen und anderen damals bekannten Blüten der Weltverschwörungstheorie.
Jussi (16.09.2014, 10:29):
Hab das neueste Buch von Richard Powers ganz frisch auf dem Nachttisch!

http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/51fmdwzrdmlboqocta2lbfw.jpg

Hat das schon jemand gelesen?

LG und einen schönen Sommertag!

Jussi
Zefira (23.10.2014, 19:45):
Späte Antwort - ich hab's gekauft, aber noch nicht gelesen. Es liegt gerade neben mir auf der Tischkante, wo ich den "fang ich demnächst an"-Stapel plaziere.
Hast Du es inzwischen gelesen? Es scheint ja keine leichte Kost zu sein.
Jussi (26.10.2014, 12:24):
Ja, ich hab 150 Seiten gelesen, es dann aber zugeklappt. Der Beginn war vielversprechend, aber konnte sonst nicht viel damit anfangen. Vielleicht geht es Dir ja anders! Die Begeisterung für sein "Klang der Zeit" konnte ich damals auch ganz nicht teilen. Ist eben alles Geschmacksache! :wink

LG Jussi
Zefira (26.10.2014, 14:49):
Habe ich eigentlich dieses Buch hier schon empfohlen? Ich habe es gebraucht für ein paar Groschen gekauft und fand es unglaublich gut geschrieben. Krausser beschreibt, in fiktiven Briefen und Tagebüchern, wie mehrere Generationen von Musikern versuchen, "die" Melodien zu finden, mit denen man bestimmte Effekte erzielt (Ausgangspunkt ist natürlich wieder mal Orpheus, der Steine rühren konnte). Wie gut recherchiert das Buch ist, kann ich nicht beurteilen, aber einige der beteiligten Musiker habe ich ergoogelt und hatte den Eindruck, dass Krausser die tatsächliche Historie intelligent genutzt hat.

http://www.readme.cc/uploads/tx_readmecc_thumbs/rcc_9591c0d6cb5b2844b4859d08308cd5.jpg

Helmut Krausser: Melodien oder Nachträge zum quecksilbernen Zeitalter.
Jussi (26.10.2014, 16:38):
Oh jaaaa! das ist ein wundervolles Buch!! wie viele von Kraussers Büchern!
palestrina (26.10.2014, 17:02):
Hallo Zefira, ich denke er hat sehr gut recherchiert !
Besonder gut hat mir gefallen, "Das Leben des Marc Antonio Paqualini" das ist wunderschön erzählt!

Woher der Sturm auch kam
er blies mir Klänge zu
Dort weht noch eine Brise
die findet keine Ruh
Dort haucht ein ferner Atem
ersterbender Akkord
und bebt wie tiefe Saiten
in Ewigkeit fort

Grabinschrift des Giovanni Girolamo Tedesco della Tiorba (1575-1661)
Lautenist und Komponist am Hof Pabst Urbans des Vlll.

Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch, wie übrigens viel andere von Krausser!

LG palestrina

Na Jussi, das hat sich überschnitten , aber wir sind der gleichen Meinung ! :)
Zefira (26.10.2014, 22:30):
Danke für den Tipp! Ich muss erst mal "Thanatos" lesen, das habe ich mir ebenfalls gebraucht ergattert ... dann schaun wir weiter :beer
Jussi (27.10.2014, 17:32):
Unbedingt lesen!! Thanatos und UC haben mich am meisten beeindruckt!

LG Jussi
Zefira (27.10.2014, 22:32):
Immer im Herbst lege ich mir einen Amazonwunschzettel an. Ich stricke nämlich im Herbst und Winter sehr gerne bunt gemusterte Handschuhe, und die verticke ich dann auf Facebook, im Tausch gegen Bücher u.a. von meiner Wunschliste. :rofl

Jetzt hab ich "UC" noch draufgesetzt, es scheint zwar etwas umstritten zu sein, aber ich bin doch neugierig.
Agravain (31.10.2014, 16:48):
Nach längerer Zeit wieder einmal

http://ecx.images-amazon.com/images/I/5121XZJHNBL.jpg

:hello Agravain
palestrina (05.12.2014, 12:12):
Gert Jonke ...

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41LBARGqrzL._SL500_SY350_.jpg

war ein großer Wortkünstler, ähnlich Thomas Bernhard, schrieb Prosa u.Theaterstücke.
Die Personen der Theatersonate :
L.v.Beethoven
Anton Schindler, sein Adlatus
Ferdinand Waldmüller , Maler

Es geht um die Hammerklavier Sonate op.106

LG palestrina
Jürgen (06.12.2014, 00:43):
Nachdem ich die Lektüre des Buches schon zweimal abgebrochen habe, versuche ich es mit dem Hörbuch:


http://ecx.images-amazon.com/images/I/61H8yNHKekL.jpg

Bin schon zu 30% durch.
nikolaus (06.12.2014, 10:26):
Ist das Hörbuch gut?
Macht es die Sache leichter?

Ich habe das Buch seit einigen Jahren "angebrochen" bei mir liegen; obwohl ich es faszinierend finde, habe ich es nicht durchgehalten...

Nikolaus.
Jürgen (06.12.2014, 14:39):
Original von nikolaus
Ist das Hörbuch gut?
Macht es die Sache leichter?

Ich habe das Buch seit einigen Jahren "angebrochen" bei mir liegen; obwohl ich es faszinierend finde, habe ich es nicht durchgehalten...

Nikolaus.

Zuerst muss ich richtigstellen: Es ist ein Hörspiel, mehrere Personen sprechen, es gibt Musik und Hintergrundgeräusche. Das unterstützt das Verständnis, nervt manchmal aber auch.

Ich bin immerhin hörend deutlich weiter gekommen als jemals lesend.

Dennoch bleibt es schwere Kost. Die Krimis, die ich meist höre, sind da schon eine andere Liga.

Zur Unterstützung lese ich kapitelweise die Erläuterungen auf Wikipedia. Das sind dann zwar Spoiler, was aber bei dieser Art von Literatur nichts ausmacht. Es gibt schliesslich keine Spannungsbögen. Es sind die zu Papier gebrachten Gedanken und Erlebnisse eines Tages im Leben eines Dubliners der Jahrhundertwende.

Grüße
Jürgen
Viola (09.12.2014, 21:42):
Lese mit großem Vergnügen:

http://www.booklooker.de/images/cover/user/0409/5427/Ym4wMzc3.jpg

Werner Schneyder inszenierte in Meiningen Schnitzlers "Das weite Land",
in diesem Buch beschreibt er die Probenarbeit - vor allem aber schreibt er
eine Art Kammerspiel über das schöne Feld des zwischenmenschlichen
"Arrangements". (Oder: Lügens.)
In der Liebe, der Ehe, ... ...

Die Liebe und das Theater.
Köstlich. :engel

Viola
Jussi (18.01.2015, 17:25):
Über eine übrigens sehr interessante Sendereihe über Beethoven im Kulturradio vom rbb (20 Teile, jeweils So 15 -17 Uhr, http://www.kulturradio.de/programm/sendungen/150118/ludwig_van_beethoven_1504.html ) bin ich auf folgende - zugegebenermaßen nicht mehr ganz taufrische - Bücher über Beethoven gestoßen, die mir interessant erscheinen:

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/51hrof0tahl635mk4rw1z.jpg

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/71q89kzhg1l6dxhu1w7mc.gif


Kennt sie jemand von Euch?

LG Jussi
Amonasro (18.01.2015, 22:16):
Ich lese zurzeit:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51%2BznsTm4IL._SY344_BO1,204,203,200_.jpg

Gruß Amonasro :hello
palestrina (20.01.2015, 12:51):
Bin am lesen dran...

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41Ze9AjerxL._SY350_.jpghttp://ecx.images-amazon.com/images/I/51dn6sjG%2B5L._SY3500_.jpg

beide Bücher kann man neben einander lesen, ein Kapitel da, ein Kapitel hier! :D

LG palestrina
Cantus Arcticus (22.01.2015, 15:41):
Gerade fertig geworden mit:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/91GFKccu5dL.jpg

Nur zu empfehlen :times10

Gruss :hello
Stefan
coolblue74 (23.01.2015, 19:03):
https://dolomitengeistblog.files.wordpress.com/2014/10/ulfkotte.jpg


http://i1.weltbild.de/asset/vgw/geld-macht-politik-101668422.jpg
nikolaus (23.01.2015, 22:15):
Oha, da kann ich nicht mithalten:

https://www.jpc.de/image/w1000/front/0/9783446244719.jpg

Gaito Gasdanow

Ein Abend bei Claire


Sehr gefühlvoll!

Nikolaus.
Cantus Arcticus (24.01.2015, 10:28):
Fange gerade damit an:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51VxwTWbaaL.jpg

Gruss :hello
Stefan
Jussi (26.01.2015, 18:51):
Unbedingt lesenswert!!! :down :down Ausnahmsweise wirklich mal ein gutes Buch auf der Spiegel-Bestsellerliste! :P :)

http://img3.fotos-hochladen.net/uploads/index8v0yrax5dn.jpg

LG Jussi
Jussi (05.04.2015, 20:52):
Gerade begonnen:

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/indexhu9wrmgqcb.jpg

LG Jussi
Hosenrolle1 (05.04.2015, 21:14):
Original von Jussi
Gerade begonnen:

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/indexhu9wrmgqcb.jpg

LG Jussi


Bitte darüber berichten! Das klingt ja mal interessant :)

Was gibt es denn für Kapitel?



LG,
Hosenrolle1
Viola (08.04.2015, 10:42):
Original von Jussi
Gerade begonnen:

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/indexhu9wrmgqcb.jpg

LG Jussi

Liebe Jussi,

ist das die Autorin, die als Lea Singer das "Konzert für die linke Hand" geschrieben hat?
Kennst Du dieses Buch zufällig? Habe es schon ziemlich lange im Einkaufswagen liegen und bin unschlüssig ...

Vielleicht hast Du auch schon erste Eindrücke über ihre Mozart-Sicht?

Herzliche Grüße
Viola
abendroth (08.04.2015, 12:59):
ab hat sich vor einigen Jahren hier auf diesem Forum zu dieser Autorin (Lea Singer aka Eva Gesine Baur) sehr negativ geäussert. Insoweit es das Wittgensteinbuch betrifft zu Unrecht. Ich halte zwar Biographien in Romanform für ein problematisches Genre, aber das Paul Wittgensteinbuch (Konzert für die linke Hand) ist vorzüglich recherchiert und gut geschrieben. Die oft aussergewöhnlichen und interessanten Fakten, die in dem Roman verarbeitet wurden, sind nicht phantasiert. Sie werden alle durch die später erschienene "wissenschaftliche" Biographie der Wittgensteinfamilie von Alexander Waughs bestätigt. Dass der Bruder Ludwig W., also der berühmte Philosoph, recht lieblos und negativ charakterisiert wird, ist entschuldbar, wenn man weiss, dass die beiden Brüder einander nicht mochten. Nach dem 2. Weltkrieg haben sie sich nicht mehr gesehen, obwohl Paul W. in London auftrat und Ludwig Amerika besuchte.

Die Autorin, promovierte Kunsthistorikerin und ausgebildete Sängerin, hat besorgniserregend viel geschrieben: u.a. auch eine Romanbiographie Constanze Mozarts ('Das nackte Leben') und "Wahnsinns Liebe" (¨Über das Verhältnis von Schönbergs Frau mit einem exzentrischen Maler"). Bücher über Verdi, Freud, Chopin, ....auch Kochbücher. Romane unter dem Pseudonym Lea Singer, Sachbücher als Eva Gesine Bauer. Sogar der meist kritiksüchtige SPIEGEL ist voll Lob:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-91675539.html
Hosenrolle1 (08.04.2015, 16:06):
Danke für deine Beschreibung :)

Ich habe bisher noch nie eine Biographie in Romanform gelesen, ich stelle mir das auch irgendwie ungewöhnlich vor.



LG,
Hosenrolle1
Jussi (08.04.2015, 17:53):
Daß E. Baur schon viel und quer durch den Garten geschrieben hat, hat mich erst auch etwas "erschreckt". :wink

Ich hatte bisher nichts von ihr vorher gelesen.
Bei dieser Biografie (kein biografischer Roman!) finde ich ihren Ansatz interessant,
den Vergleich Mozarts mit dem mythologischen Eros,
der sich, selbst nicht schön, nach dem Schönen sehnt und geliebt werden will,
ein Zauberer und Intrigant gleichermaßen, getrieben von unstillbarer Sehnsucht.

Habe bisher erst ein Drittel gelesen und finde, daß E.B. sehr gut und fundiert Mozarts dunkle
Tiefen auslotet und spannend schreiben kann. Und Mozart hat seine dunklen Seiten
weiß Gott nicht verhüllt, seine Briefe sprechen Bände. "Was Mozart in den Briefen von sich preisgab,
zerrte ihn aus dem mythischen Dunkel, das Shakespeare bis heute vergönnt ist", schreibt E.B.

Weiteres und die Kapitelübersicht findet ihr unter

http://www.amazon.de/Mozart-Genius-Eva-Gesine-Baur/dp/3406661327/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1428508364&sr=8-1&keywords=eva+baur+mozart

LG Jussi
Viola (08.04.2015, 19:43):
Original von abendroth
ab hat sich vor einigen Jahren hier auf diesem Forum zu dieser Autorin (Lea Singer aka Eva Gesine Baur) sehr negativ geäussert. Insoweit es das Wittgensteinbuch betrifft zu Unrecht. Ich halte zwar Biographien in Romanform für ein problematisches Genre, aber das Paul Wittgensteinbuch (Konzert für die linke Hand) ist vorzüglich recherchiert und gut geschrieben. Die oft aussergewöhnlichen und interessanten Fakten, die in dem Roman verarbeitet wurden, sind nicht phantasiert. Sie werden alle durch die später erschienene "wissenschaftliche" Biographie der Wittgensteinfamilie von Alexander Waughs bestätigt.


Danke, abendroth, wenn Du das sagst, ... Kann ich das Buch also getrost kaufen.
Klingt interessant.


Liebe Jussi,
danke auch Dir! :)

Herzliche Grüße
Viola
palestrina (08.04.2015, 23:47):
Habe fertig .....

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51jR2ilKWgL._SY350_.jpg

mir haben die Fortführungen gefallen ! Naja, als Kaufmann Fan !? :wink

Das habe ich auf dem Marketplace ergattert für 1cent :D

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41ICF24wCAL._SY350_.jpg

LG palestrina
Viola (09.04.2015, 09:42):
Sehr empfehlenswert:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51yy6rbT4-L.jpg

Auf je einer Seite ist ein großes Foto und ein mittelgroßer Text zu den verschiedensten
bekannten und weniger bekannten musikalischen Themen im 19. Jahrhundert Leipzigs.

Mal blind herausgenommen:

- Deutsche Erstaufführung von Carl Maria von Webers "Oberon", 1826
- Christian August Pohlenz, Gewandhausmusikdirektor 1827 bis 1835
- Robert Schumann, erste Aufführung im Gewandhaus, 1833
- Niels W. Gade, Leiter der Gewandhauskonzerte 1844-1848
- Die Begründung der Edition Peters, 1867
- "Genauso dumm" wie zuvor - der Student Edvard Grieg, 1858 bis 1862

Insgesamt hat das schön gestaltete Buch 223 Seiten.

Carl Reinecke hat mich schon zur Anschaffung mindestens einer CD angeregt.


Viola
miclibs (09.04.2015, 21:28):
Dieses Buch begleitet meinen Einstieg ins historische Fechten.
EIne sehr gute Arbeit des Autors Dirk Hagedorn.... :)
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41X0oDSIupL.jpg
Peter von Danzig: Transkription und Übersetzung der Handschrift 44 A 8
(Beschreibung bei amazon)
Das Fechtbuch des Peter von Danzig stammt aus dem Jahr 1452 und ist eine
der umfangreichsten und bedeutendsten Sammlungen mittelalterlicher Kampfkünste.
Es enthält unter anderem Techniken zum langen Schwert mit und ohne Rüstung, zum
Kampf mit Schwert und Buckler sowie zum Ringen und zum Dolchkampf. Das Buch
richtet sich an jeden, der an mittelalterlicher Gebrauchsprosa interessiert ist und
selbstverständlich besonders an die modernen Adepten Meister Liechtenauers,
die sich heutzutage bemühen, die alten europäischen Kampfkünste unserer Vorfahren
wieder zum Leben zu erwecken.
Viola (14.04.2015, 10:20):
Bin mittendrin:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/81VUH-huSbL.jpg

Das liest sich wirklich wunderbar - habe den Kauf nicht bereut.

Vor allem gefällt mir der "schwebende" Ton, der belastende Dinge nicht anklagend,
nicht sarkastisch oder zynisch verächtlich macht, sondern mit freundlichem Humor
köstlich (und anschaulich) beschreibt.
Man fühlt sich mittendrin.

Es ist vom Gestus her, finde ich, auch eher eine biografische Erzählung, als ein Roman.

Jedenfalls: Spannend und die Wittgensteins (unter dem Kassiopeia :D) erhellend.


Viola
Jussi (14.04.2015, 10:32):
Sehr schön, liebe Viola!! :down :down

Das Buch stand schon auf meine Haben-Wollen-Liste! :D

Übrigens auch ihr neuestes über die Begegnung zwischen Goethe und Caspar David Friedrich!

http://www11.pic-upload.de/14.04.15/5xe6bnf21qa.jpg

LG

Jussi
Zefira (14.04.2015, 12:47):
Falls Jussi hier mitliest: Ich habe den Thread eine Weile nicht verfolgt und daher übersehen, dass Du Dieter Kühns "Beethoven und der schwarze Geiger" angesprochen hast.
Hast Du das Buch schon gelesen? Ich habe es bisher zweimal angefangen und abgebrochen, das zweite Mal ist allerdings schon ein paar Jahre her und meine Lesevorlieben ändern sich immer wieder. Vielleicht mache ich jetzt noch mal einen Anlauf?

Seltsam übrigens, dass mir das Buch vorhin beim Staubwischen wieder mal in die Hände fiel und ich dachte, ich könnte es nochmal damit probieren.
Solche Zusammentreffen gibt es manchmal, ich finde das immer eigenartig:
Vorhin recherchierte ich über einen Autor von Gruselgeschichten und drehte, während ich einen Artikel am Bildschirm las, gewohnheitsmäßig die Ringe am Ringfinger der Linken (mache ich jedes Mal beim Lesen). Dabei schob ich die Ringe aufs mittlere Fingerglied, guckte mir das Ergebnis an und dachte flüchtig, dass man Ringe eigentlich auch mal so tragen könnte, vielleicht würde ich ja Trendsetter.
Eine Minute später hatte ich es wieder vergessen, wechselte die Seite, entdeckte ein Foto von Hanns Heinz Ewers und stellte fest, dass er seinen Ehering auf dem Foto ganz genau so trägt - am Mittelglied!
Schon komisch und lustig ...
Das nur am Rand.
Grüße von Zefira
Jussi (14.04.2015, 19:20):
Original von Zefira
Falls Jussi hier mitliest: Ich habe den Thread eine Weile nicht verfolgt und daher übersehen, dass Du Dieter Kühns "Beethoven und der schwarze Geiger" angesprochen hast.
Hast Du das Buch schon gelesen? Ich habe es bisher zweimal angefangen und abgebrochen, das zweite Mal ist allerdings schon ein paar Jahre her und meine Lesevorlieben ändern sich immer wieder. Vielleicht mache ich jetzt noch mal einen Anlauf?

Seltsam übrigens, dass mir das Buch vorhin beim Staubwischen wieder mal in die Hände fiel und ich dachte, ich könnte es nochmal damit probieren.
Solche Zusammentreffen gibt es manchmal, ich finde das immer eigenartig:
Vorhin recherchierte ich über einen Autor von Gruselgeschichten und drehte, während ich einen Artikel am Bildschirm las, gewohnheitsmäßig die Ringe am Ringfinger der Linken (mache ich jedes Mal beim Lesen). Dabei schob ich die Ringe aufs mittlere Fingerglied, guckte mir das Ergebnis an und dachte flüchtig, dass man Ringe eigentlich auch mal so tragen könnte, vielleicht würde ich ja Trendsetter.
Eine Minute später hatte ich es wieder vergessen, wechselte die Seite, entdeckte ein Foto von Hanns Heinz Ewers und stellte fest, dass er seinen Ehering auf dem Foto ganz genau so trägt - am Mittelglied!
Schon komisch und lustig ...
Das nur am Rand.
Grüße von Zefira

Liebe Zefira, leider hab ich das Buch nicht mehr weiter verfolgt ... ?(
Büchertechnisch kommt mir immer gerne was "dazwischen" ... ich komm ja kaum nach mit dem, was ich unbedingt lesen will und muß ... und immer kommen wieder neue interessante Bücher auf den Markt ...

Aber wenn Du es bei deinem dritten Anlauf schaffst - vielleicht erzählst Du mal davon, wie es Dir gefallen hat? :)

LG Jussi
Zefira (14.04.2015, 20:10):
Büchertechnisch kommt mir immer gerne was "dazwischen"

Geht mir genauso. Ich plane meine nächsten drei Bücher, lege sie bereit, und dann komme ich zufällig am Offenen Bücherschrank vorbei oder finde beim Aufräumen einen fast vergessenen Klassiker wieder, oder oder ...
Zur Zeit lese ich aber, muss ich gestehen, Schund. Muss auch mal sein. Zwischendurch drei Wochen Schund, und dann muss es wieder ein vernünftiges Buch sein.

Ich hatte während eineinhalb Wochen Wanderurlaub dieses hier mit, das mich seit zwanzig Jahren begleitet. In einem früheren Leben wäre der Dichter Artmann sicher Zauberer und Schamane geworden. Er beherrscht die Kunst, magische Worte zu finden.

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41vCgs4keZL.jpg
Viola (23.04.2015, 15:14):
Nach einer ausgezeichneten Liszt-Biografie (Wolfgang Dömling)
endlich wieder Briefe - Dostojewskis:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41QGLO0B9lL._AA160_.jpg

Für mich auch Musik.
:engel


„Ich danke Dir, mein guter Bruder, von Herzen für Deinen lieben Brief. Nein! ich bin anders als Du; Du wirst nicht glauben, welch wohliger Schauer mein Herz bewegt, wenn man mir einen Brief von Dir bringt; und ich habe eine – äußerst seltsame – Art des Genusses entwickelt: mich selbst zu peinigen. – Ich nehme Deinen Brief, wende ihn einige Minuten hin und her, befühle seinen Inhalt, und habe ich mich dann an dem versiegelten Kuvert genug erfreut und satt gesehen, stecke ich ihn in die Tasche ... Du wirst nicht für möglich halten, was das für ein angenehm sinnlicher Zustand der Seele, der Gefühle und des Herzens ist! Und so lasse ich zuweilen ¼ Stunde vergehen; falle schließlich über Dein Schreiben her, breche das Siegel und verschlinge Deine Zeilen, die lieben Zeilen. Oh, was das Herz nicht alles empfindet beim Lesen! (...)“
(St. Petersburg, 1. Januar 1840)

Viola
Jeremias (27.04.2015, 16:41):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/512B0583npL._SY344_BO1,204,203,200_.jpg

Ganz großes Kino, es geht um die einzige Überlebende eines Massenvernichtungslagers im Bosnienkrieg, die ihren Bruder finden und ihre Peiniger rächen möchte....
Rotkäppchen (27.04.2015, 17:43):
Original von Viola
endlich wieder Briefe - Dostojewskis:

Für mich auch Musik.
:engel

„Ich danke Dir, mein guter Bruder, von Herzen für Deinen lieben Brief. Nein! ich bin anders als Du; Du wirst nicht glauben, welch wohliger Schauer mein Herz bewegt, wenn man mir einen Brief von Dir bringt; und ich habe eine – äußerst seltsame – Art des Genusses entwickelt: mich selbst zu peinigen. – Ich nehme Deinen Brief, wende ihn einige Minuten hin und her, befühle seinen Inhalt, und habe ich mich dann an dem versiegelten Kuvert genug erfreut und satt gesehen, stecke ich ihn in die Tasche ... Du wirst nicht für möglich halten, was das für ein angenehm sinnlicher Zustand der Seele, der Gefühle und des Herzens ist! Und so lasse ich zuweilen ¼ Stunde vergehen; falle schließlich über Dein Schreiben her, breche das Siegel und verschlinge Deine Zeilen, die lieben Zeilen. Oh, was das Herz nicht alles empfindet beim Lesen! (...)“
(St. Petersburg, 1. Januar 1840)


Liebe Viola, das ist ja ein wunderbares Zitat ... gerade war ich auf der Suche nach einem (Bücher-)Geschenk für einen lieben Menschen. Ich glaube, jetzt weiß ich, was es sein könnte.

LG, Rk :hello
palestrina (18.05.2015, 21:55):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41qTqqD87rL._SY350_.jpg

Ein sehr lesenswertes Buch !
Gibt es im Moment auf dem Marketplace sehr preiswert !

LG palestrina
Rotkäppchen (08.06.2015, 13:37):
... hatte ich mir schon lange vorgenommen: die literarische Vorlage zu Tschaikowskis gleichnamiger Oper zu lesen. Überraschend kurz ist diese Erzählung, mit herrlich bösartiger Beschreibung der bedauernswerten Charaktere :D, so dass ich manchmal nicht wusste, ob ich lachen oder weinen soll.

Die urheberrechtsfreie Ebook-Version aus dem Amazonas kann ich empfehlen -- es sind, verglichen mit anderen kostenlosen Klassikern, nur wenige Fehler drin.

LG, Rk :hello

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51dzm-HIxZL._SL300_.jpg
palestrina (09.06.2015, 13:08):
Durch meine Recherchen über die Opernführer , kam ich gestern Abend auf Berlioz.....

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51lNlFqIXqL._SY350_.jpg

Memoiren I/ II: Mit einer Beschreibung seiner Reisen in Italien, Deutschland, Rußland und England



http://1.1.1.1/bmi/buchantiquariat.com/pix/170/138131.jpg

Wolfgang. Dömling

Hector Berlioz. Die symphonisch-dramtischen Werke.Mit 15 Notenbeispielen sowie den Libretti und Programmem in französich und deutsch.



Die Memoiren sind von ihm selbst geschrieben, ist sehr interessant und kurzweilig zu lesen!
Und in dem anderen , kann man dann immer mal nachschlagen .(Gibt es leider nur noch antiquarisch )

LG palestrina
Jussi (16.06.2015, 13:18):
Gerade auf meinem Nachttisch! :cool

http://www11.pic-upload.de/16.06.15/4s8v6315eb3w.jpg

Es fängt ja schon mal gut an:

"Es gibt ein Geheimnis, das mehr beglückt als alle anderen:
zu wissen, daß diejenigen, die einen für verrückt halten,
arme Irre sind."

Verspricht, amüsant zu werden! :D

LG Jussi
Hosenrolle1 (19.06.2015, 14:33):
Ich habe heute das Hörbuch von Stephen Kings "Stand by me" auf YouTube fertig gehört, parallel dazu die Geschichte auf englisch im Internet mitgelesen, quasi zum Vergleichen.

In der Kurzgeschichte geht es um 4 Jungen, die auf der Suche nach der Leiche eines anderen Jungen, Ray Brower, aus der Nachbarstadt ist, der beim Beerenpflücken von einem Zug erfasst wurde. Im Grunde geht es nicht um die Leiche selbst (obwohl die Kurzgeschichte "Die Leiche" heißt) sondern um den Weg dorthin.

Aber eine Stelle hat mir Rätsel aufgegeben.

Als die Jungen die Leiche das erste Mal sehen, steht folgendes:


Es wäre besser gewesen wenn wir sofort die ganze Leiche gesehen hätten, stattdessen sahen wir nur die hochgereckte, schlaffe Hand, grauenhaft weiss, die Finger gespreizt, wie die Hand eines ertrunkenen Kindes. Sie erzählte uns die ganze Wahrheit. Sie erklärte alle Friedhöfe der Welt. Irgendwo an dieser Hand hingen die Überreste von Ray Brower.


Wie ist dieser vorletzte Satz gemeint? Wieso erklärt die tote Hand alle Friedhöfe der Welt?

Ist das so gemeint, dass man Verstorbene deswegen begräbt, weil es ansonsten ein scheusslicher Anblick wäre? Das wäre meine Idee dazu. Bin ehrlich gesagt ratlos.




LG,
Hosenrolle1
Zefira (19.06.2015, 14:39):
Ich vermute, es handelt sich einfach um eine extrem subjektive (und daher unlogische) Wahrnehmung, so wie man manchmal das Gefühl hat, "alles" zu verstehen.
Würde er im Ernst behaupten, die Hand hätte ihm alle Friedhöfe der Welt erklärt, müsste er ja erst mal ein paar mehr kennen.
Ich kenne die Geschichte auch, es ist aber mindestens 20 Jahren her, dass ich sie gelesen habe ...

Ich erlebe den typischen "Kater", nachdem ich ein großartiges Buch ("Christian Wahnschaffe" von Jakob Wassermann) gelesen habe: Mir kommt alles andere banal und platt vor.
Habe gerade Hakan Nesser auf dem Reader, "Barins Dreieck". Es gibt auch von Nesser Besseres.
Hosenrolle1 (19.06.2015, 15:35):
Das subjektive kann ich auf jeden Fall bestätigen, das kommt bei King sehr oft vor.

Ich habe mich halt nur gefragt, wie das mit den Friedhöfen gemeint ist.


Die Geschichte ist ja an sich keine Gruselgeschichte, es gibt keine Horrorelemente darin, aber trotzdem schafft King es, einen an dieser Stelle, bzw. kurz danach zu gruseln.

Und zwar interessanterweise NICHT durch die genaue Beschreibung der Leiche, sondern eher das drumherum.

Etwa, wenn er schreibt, dass der Regen in die Augen des toten Kindes fällt und an seinen Wangen herunterläuft, als "ob er über seine groteske Position weinen würde".

Besonders gruselig fand ich aber, wie die Jungen wieder nach Hause gehen, und der Ich-Erzähler über den toten Jungen und den Unfall sinniert.

Was, wenn der Zug ihn gar nicht getötet hat, und er da noch lange lebendig lag? Hier beschreibt King sehr genau mehrere Möglichkeiten, die zwar nur Theorien sind, aber in der Art und Weise, wie sie erzählt werden, ziemlich eindringlich wirken.

Eine Sache, mit der man MICH gruseln kann, sind Dinge, die mit der Vergangenheit zu tun haben. Und das tut King auch hier; der Ich-Erzähler schreibt darüber, dass es damals hieß, der tote Junge habe einen Korb dabei gehabt, sie hätten aber keinen gefunden.
Und er denkt jetzt, als erwachsener Mann, oft darüber nach, dort hin zu fahren wo sie die Leiche fanden und nach dem Korb, oder dem Kübel zu suchen.
Und wie King das beschreibt! Er malt sich einfach nur verschiedene Möglichkeiten aus ... er fragt sich, ob an der Stelle, wo die Leiche lag, nun gelbes Gras wächst. Oder wie er reagieren würde, wenn er den Korb tatsächlich findet, mit einem Zettel darin, auf dem steht "Bitte helft mir, bin verloren!".

Das sind alles nur Fantasien, Theorien, aber sowas finde ICH gruselig, eben weil hier die Vergangenheit wieder lebendig wird, in gewisser Weise, weil hier die Fantasie sich alle möglichen Dinge ausmalt, was passiert sein könnte.





LG,
Hosenrolle1
miclibs (24.07.2015, 21:26):
https://media3.jpc.de/image/w600/front/0/9783869163932.jpg
Zum Musikkonzept einer meiner Lieblingskomponisten.
Die Latte liegt aufgrund der Lachenmann-Bücher zu dessen eigenen Musikkonzepten,
die ich besitze, sprachlich sehr hoch. Lachenmann ist ein scharfer Rhetoriker.
Mal sehen, wie sich das Buch liest... :)

reinkopiert :
Der Komponist Mark Andre wurde 1964 in Paris geboren. Bekannt wurde er v. a. mit seiner
Instrumentalmusik, 2014 wurde seine Oper "wunderzaichen" in Stuttgart uraufgeführt. Mark Andre lebt in
Berlin und lehrt an der HfM "Carl Maria von Weber" Dresden. Vor einigen Monaten erklärte Mark Andre in
der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" den Dreh- und Angelpunkt seiner schöpferischen
Tätigkeit: "Mir ist das Wichtigste der Selbsterschöpfungsprozess des musikalischenMaterials - Einerseits is
t das Werk eine Schöpfung des Künstlers, doch der Künstler ist auch eine Schöpfung seines Werks, das
ihn irreversibel verändert und in eine andere Situation versetzt. Die Erschöpfung eines Werks schaff t neue
Möglichkeiten, sie 'schöpft' die Mega-Herausforderung für mich. Wenn Andre sich als dialektisch
denkenden Komponist versteht, dann meint er vor allem den dialektischen Prozess des Denkens von
Tönen und Klängen selbst, der ihn künstlerisch interessiert. Dieses "Dazwischensein" des
kompositorischen Denkens und Handelns von Mark Andre steht im Fokus des Heftes. Die Beiträger:
Mark Andre, Patrick Hahn, Jörn Peter Hiekel, Lydia Jeschke, Helmut Lachenmann und Martin Zenck
Zefira (25.07.2015, 17:35):
Da ich "Shining" von Stephen King früher mal toll fand, hat mir eine alte Freundin aus diesen Tagen jetzt dringend "Doctor Sleep" empfohlen, das ist quasi eine Fortsetzung von "Shining".

Ich kann Stephen King nicht mehr so richtig genießen, hab zu vieles daran auszusetzen. Die ersten 50 Seiten gefielen mir überhaupt nicht, aber meine Freundin meinte, dass es später besser würde. Jetzt habe ich ca. die Hälfte gelesen und finde es jedenfalls leidlich spannend. Was mich aber nervt, ist die schlechte Übersetzung. Der Übersetzer scheint den Genitiv nicht zu kennen, es wimmelt von Ausdrücken wie "der Mantel von Jack" oder "kam wegen dem Regen zu spät" ... Letzteres ist ja, wie ich hörte, laut Duden inzwischen nicht mehr falsch, aber für mich immer noch schlechtes Deutsch.
Hosenrolle1 (25.07.2015, 17:42):
Original von Zefira
Da ich "Shining" von Stephen King früher mal toll fand, hat mir eine alte Freundin aus diesen Tagen jetzt dringend "Doctor Sleep" empfohlen, das ist quasi eine Fortsetzung von "Shining".

Auweh, von dem Buch habe ich auch gehört. Auf Amazon bekommt es viele schlechte Kritiken. Ich fand Shining auch toll, aber solche Bücher sind für mich ein Versuch von King, Geld zu verdienen mit Geschichten, die auf berühmten Originalen aufbauen.


Was mich aber nervt, ist die schlechte Übersetzung. Der Übersetzer scheint den Genitiv nicht zu kennen, es wimmelt von Ausdrücken wie "der Mantel von Jack" oder "kam wegen dem Regen zu spät" ... Letzteres ist ja, wie ich hörte, laut Duden inzwischen nicht mehr falsch, aber für mich immer noch schlechtes Deutsch.

Wer ist denn der Übersetzer? Mein "Shining" hat nämlich auch ein furchtbares Deutsch.

Hoffentlich wird es doch noch besser, bin gespannt was du zu erzählen hast hinterher :)




LG,
Hosenrolle1
Zefira (25.07.2015, 18:14):
Wer ist denn der Übersetzer? Mein "Shining" hat nämlich auch ein furchtbares Deutsch.

Als Übersetzer steht da ein Herr Bernhard Kleinschmidt. An die Qualität der "Shining"-Übersetzung kann ich mich nicht erinnern. Es ist mehr als dreißig Jahre her, dass ich es gelesen habe.
Meine alte Freundin hat mir das Buch - via Chat - quasi aus Sentimentalität empfohlen, schrieb aber dazu, es sei seit langem das erste Buch von King, das ihr gefallen hätte - "kein Wunder, ist ja auch die Fortsetzung von Shining"! Um ihr eine Freude zu machen, habe ich das Buch auf der Stelle aus der Onleihe runtergeladen und noch am gleichen Abend mit dem Lesen begonnen. Gekauft hätte ich es nicht, mit dem Kauf von Büchern bin ich sehr vorsichtig geworden, weil ich platterdings keinen Platz mehr in den Regalen habe.

Heute abend lese ich weiter.
Hosenrolle1 (25.07.2015, 20:36):
Gerade nachgesehen, nein, mein Übersetzer ist ein anderer. Aber in der Fassung fiel besonders auf, dass statt dem Wort "das" meistens "dies" verwendet wurde.




LG,
Hosenrolle1
Jussi (26.07.2015, 10:11):
http://fs1.directupload.net/images/150726/ylcjcq3g.jpg

Das spannende Lebensdrama eines Musikers in einer ganz eigenwilligen kraftvollen und lakonischen Sprache -
als Hörbuch, gelesen von Burghardt Klaußner, für mich eine absolute Entdeckung! :down :down

LG Jussi
Zefira (27.07.2015, 00:22):
@ Hosenrolle1: Da Du gespannt warst, was ich hinterher zu erzählen hätte, eine abschließende Einschätzung: Das war nix, der Showdown oder Endkampf (oder wie ich das bezeichnen soll) war eine Nullnummer.

Dass die Guten gewinnen, war natürlich klar, aber das Ungleichgewicht der Kräfte war von Anfang an derart deutlich, dass es ungefähr so spannend wirkte wie ein Tennismatch zwischen Roger Federer und mir, zum Beispiel ... :A

Es ist sehr lange her, dass ich etwas von Stephen King gelesen habe. Ich kann mich erinnern, dass mir "Tommyknockers" gefallen hat, weil eine ganze Fülle an witzigen und originellen Ideen darin vorkam, und "Shining" wegen der introspektiven Hauptperson. Verglichen damit ist "Doctor Sleep" platt, eindimensional und stellenweise unangenehm moralisierend.

Ich kehre mal wieder zu europäischen Autoren zurück.

Grüße von Zefira
Hosenrolle1 (27.07.2015, 00:50):
Original von Zefira
@ Hosenrolle1: Da Du gespannt warst, was ich hinterher zu erzählen hätte, eine abschließende Einschätzung: Das war nix, der Showdown oder Endkampf (oder wie ich das bezeichnen soll) war eine Nullnummer.

Dass die Guten gewinnen, war natürlich klar, aber das Ungleichgewicht der Kräfte war von Anfang an derart deutlich, dass es ungefähr so spannend wirkte wie ein Tennismatch zwischen Roger Federer und mir, zum Beispiel ... :A

Na schade :(

King baut ja übrigens in seine Geschichten immer wieder Verknüpfungen zu anderen Büchern von ihm ein. Eine Liste der Verknüpfungen findest du hier: http://wiki.stephen-king.de/index.php/Doctor_Sleep


Es ist sehr lange her, dass ich etwas von Stephen King gelesen habe. Ich kann mich erinnern, dass mir "Tommyknockers" gefallen hat, weil eine ganze Fülle an witzigen und originellen Ideen darin vorkam, und "Shining" wegen der introspektiven Hauptperson. Verglichen damit ist "Doctor Sleep" platt, eindimensional und stellenweise unangenehm moralisierend.

Ich selbst habe "Sie", "Es", "Shining" gelesen, und "Die Verurteilten" sowie "Die Leiche" als Hörbuch gehört.

Wirklich empfehlen würde ich "Sie", das ist extrem spannend, und eben "Shining", das du aber eh schon kennst.

Was mich bei Kings meisten Büchern so stört sind ständig wiederkehrende Elemente, aber "Shining" finde ich toll, weil sich die Spannung aufbaut und sich die Situation immer mehr zuspitzt. Außerdem kommen darin (neben den eher oberflächlichen Horroreffekten wie der toten Frau, die aus der Badewanne kommt) viele Sachen vor, in der die lebendig werdende Vergangenheit eine Rolle spielt - sowas finde ich persönlich extrem gruselig.





LG,
Hosenrolle1
Zefira (27.07.2015, 09:29):
Oh, ich habe früher alles von Stephen King gelesen: "Sie", "Es", "Langoliers", "Frühling, Sommer, Herbst und Tod", "Christine", "Cujo" usw. ...
So bis ungefähr Mitte 20 mochte ich das, damals habe ich auch Fantasy gelesen.
Ich kann mich erinnern, dass mir auch die Geschichte mit dem Schriftsteller, der sich von seinem Pseudonym verabschiedet - zeitgleich hat King auch Richard Bachman begraben ;o) - gut gefallen hat.
Ich will King nicht Unrecht tun. Oft ist es auch einfach die amerikanische Atmosphäre, die mir nicht mehr gefällt - das Familien-, speziell das Vaterbild, das spezielle Heimatgefühl ... es ist schwer auf den Punkt zu bringen. In "Doctor Sleep" gab es überdies eine ewig lange Passage über die technischen und nostalgischen Aspekte einer Modelleisenbahn, die mich fürchterlich genervt hat, aber vermutlich in ihrer Art sehr typisch für King war.

/edit: "Stark" hieß der Roman mit dem Pseudonym, ist mir gerade wieder eingefallen.
Hosenrolle1 (27.07.2015, 09:49):
Oh, ich habe früher alles von Stephen King gelesen: "Sie", "Es", "Langoliers", "Frühling, Sommer, Herbst und Tod", "Christine", "Cujo" usw. ...

Viele mögen ja die späteren Bücher von King nicht mehr, weil er da schon berühmt war und man meint, dass sich sein Schreibstil da sehr verändert hat, während Bücher wie Carrie und auch noch Shining "purer King" seien.

Ich kann mich erinnern, dass mir auch die Geschichte mit dem Schriftsteller, der sich von seinem Pseudonym verabschiedet - zeitgleich hat King auch Richard Bachman begraben ;o) - gut gefallen hat.

Wollte gerade "Stark" schreiben, aber du hast es schon editiert :)

Ich will King nicht Unrecht tun. Oft ist es auch einfach die amerikanische Atmosphäre, die mir nicht mehr gefällt - das Familien-, speziell das Vaterbild, das spezielle Heimatgefühl ... es ist schwer auf den Punkt zu bringen.

Da kommt für mich vieles zusammen, einschließlich der Punkte, die du schon erwähnt hast. Vieles ist einfach profan, die Figuren ähneln sich schon sehr oft, böse Menschen sind dann gleich übertrieben böse, alles spielt immer in Maine, usw.

Shining ist da eine Ausnahme z.B., das spielt in den Bergen, in einem einsamen Hotel.




LG,
Hosenrolle1
Peter Brixius (27.07.2015, 10:03):
Ich lese gerne vor, ich lasse mir auch gerne vorlesen. Im Moment liest mir der Autor vor

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51GtM-PPxcL._SX307_BO1,204,203,200_.jpg

Günter Grass: Beim Häuten der Zwiebel

Teil des ARD-Sommerfestivalprogramms ist die Lesung durch Günter Grass. Inzwischen haben sich ja die Wogen etwas geglättet, die damals bei der Veröffentlichung des Buches entstanden waren.

Das Buch wie sein Autor lassen mich nicht los. Vieles ist fern, fremd, aber doch auch wieder nahe durch die warmherzige Darstellung. Mit den wohlgemuten Ratschlägen, wie man sich damals, wie später hätte verhalten müssen, habe ich nichts zu tun. Das beobachte ich auch anderswo mit Abscheu, wie man anderen Verhaltensvorschriften macht.

Ich sitze also aufmerksam zu Füßen des Autors, höre zu, lasse die Geschichte vor mir entstehen, träume sie fort, verlasse mich auf die Sprachkraft von Grass. Die Wahrheit ist immer noch konkreter als die Überzeugungen.

Liebe Grüße Peter
Hosenrolle1 (28.07.2015, 15:18):
Was lest ihr zur Zeit NICHT?

Zur Zeit lese ich leider nicht eine komplette, ungekürzte deutsche Ausgabe von Bram Stokers Dracula.

Ich habe eine deutsche Version, die ich 3x gelesen habe, und von der ich später erfahren habe, dass sie gekürzt ist.

Vor wenigen Jahren hörte ich im Radio einen Bericht darüber, dass irgendein Verlag Dracula komplett ungekürzt neu rausgebracht hat, aber leider konnte ich mir damals nichts notieren, um danach zu suchen.

Weiß vielleicht jemand von einer ungekürzten Ausgabe? Habe sehr großes Interesse daran, auch natürlich zum Vergleichen.




LG,
Hosenrolle1
Zefira (28.07.2015, 22:08):
Das ist doch nicht schwer? Eine simple Google-Anfrage führt zu der Ausgabe von Arena.

Ich habe meine TB-Ausgabe zur Zeit verliehen, bezweifle aber, dass sie ungekürzt ist. Sie ist uralt (und, wie ich finde, auch in gekürztem Zustand langatmig genug ...).

Was ich zur Zeit leider nicht lese: "Butcher's Crossing" von John Williams. Nachdem mir "Stoner" ausgezeichnet gefallen hat, habe ich mir den Roman, der im Klappentext mit "Stoner umgekehrt" beworben wird, bei der Onleihe reserviert, kann ihn aber erst im September bekommen - und kaufen will ich mir das Buch nicht, ich verreise übermorgen und mag mich nicht auf der Reise mit einem Hardcover-Band belasten.

Vielleicht lese ich inzwischen "Stoner" nochmal (was das dritte Mal wäre).
Hosenrolle1 (29.07.2015, 04:38):
Hmm, das sieht ja nicht schlecht aus, danke für den Hinweis :)

Bei Amazon bin ich halt unsicher, ob diese Angaben wirklich stimmen. Bei denen kann auch manchmal stehen, dass eine DVD in PAL ist, obwohl es in Wirklichkeit NTSC ist, usw.

In der Radiosendung war auch die Rede davon, dass, glaube ich, erstmals eine wirklich ungekürzte Ausgabe vorliegt, die neu übersetzt wurde, was natürlich zusätzlich verunsichert.

Aber ich glaube, ich werde die Ausgabe mal ausprobieren.




LG,
Hosenrolle1
Jussi (29.07.2015, 13:06):
Original von Zefira


Was ich zur Zeit leider nicht lese: "Butcher's Crossing" von John Williams. Nachdem mir "Stoner" ausgezeichnet gefallen hat, habe ich mir den Roman, der im Klappentext mit "Stoner umgekehrt" beworben wird, bei der Onleihe reserviert, kann ihn aber erst im September bekommen - und kaufen will ich mir das Buch nicht, ich verreise übermorgen und mag mich nicht auf der Reise mit einem Hardcover-Band belasten.

Vielleicht lese ich inzwischen "Stoner" nochmal (was das dritte Mal wäre).

Zefira, beides sind grandiose Bücher von John Williams! :down :down Einen Tick besser hat mir allerdings Stoner gefallen! :wink :P

Ich hoffe sehr, von diesem Autor noch mehr entdecken zu können!

LG Jussi
Cantus Arcticus (12.08.2015, 07:56):
Bei mir dieses Buch, da Teil meines Geschichts-Hobbys:

Albert Speer: Erinnerungen

Grüsse
Stefan
Hosenrolle1 (12.08.2015, 12:04):
Mich hat interessiert, wie kritische Ausgaben von Partituren eigentlich aussehen, das heißt, mich haben vor allem die Anmerkungen interessiert.

Also habe ich gesucht und ein paar Gratis-Kostproben des Henle-Verlags gefunden, u.a. diese hier zu Beethovens Klavierwerken: http://www.henle.de/media/review/1182.pdf


Äußerst interessant! Gleichzeitig merkt man, was für eine Detailarbeit das sein muss, Note für Note, Zeichen für Zeichen zu analysieren und zu vergleichen.

Überraschend auch, dass Beethoven, um den es hier ja geht, offenbar auch Fehler in seinen Manuskripten gemacht hat, etwa vergessene Auflösungszeichen, oder falsche Pausenwerte.

Sogar ohne die dazugehörigen Noten lese ich das mit großem Interesse.




LG,
Hosenrolle1
Viola (10.11.2015, 09:15):
Bisher las ich nur "Wellen" von ihm, die mich schon begeisterten -
er hat aber noch einige solcher Sachen mehr geschrieben:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/71g-SFzB2KL.jpg

Eduard von Keyserling
Abendliche Häuser. Ausgewählte Erzählungen.
Rütten & Loening Berlin

Wenn jemand vielleicht "Dumala" kennt und mag - er weiß, was ich meine ...

:engel

Viola
Hosenrolle1 (11.11.2015, 21:48):
Hat jemand von euch vielleicht eines oder mehrere dieser drei Bücher von Woody allen, aus den 70er bzw. 80er Jahren?

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51PRGMYMHAL._SX276_BO1,204,203,200_.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/81B9O2HTzQL.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/5192VBX8ADL.jpg


Ich habe alle drei, und auch das vergleichsweise neue Buch "Pure Anarchie" von ihm, von dem bin ich aber nicht begeistert.

Diese drei Bücher jedoch liebe ich, herrlicher, skurriler Humor!




LG,
Hosenrolle1
Jussi (13.11.2015, 08:43):
Großes Vergnügen bereitet mir derzeit dieses Buch! :leb :down

Als Hörbuch, gelesen von Ulrich Noethen, ein Leckerbissen! :D

http://www2.pic-upload.de/img/28840772/61AE09fJTDL._SX304_BO1204203200_.jpg

LG Jussi
Zefira (13.11.2015, 12:38):
Ich habe zu meiner großen Freude in einem Leipziger Antiquariat einen alten Roman von Sigrid Undset gefunden, den ich noch nicht kannte: "Madame Dorothe". Eine Ehegeschichte bzw. die Geschichte einer "Verwitwung" aus Norwegen. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wo der Roman zeitlich zu verorten wäre. Die Männer tragen Spangenschuhe und Haarzopf, die Frauen frisieren ihr Haar über ein "Untergestell" auf. Perücken gibt's aber keine.

Hochinteressant finde ich, wie immer bei Undset, die Schilderung erotischer Verstrickungen. Bei Undset sind Frauen Menschen, die an ihre Partner Ansprüche stellen.
Obwohl die Undset in einer Zeit geschrieben hat, in der es unmöglich war, Sexszenen explizit zu schildern, beherrscht sie die Kunst, genau zum Ausdruck zu bringen, worum es geht. In diesem Punkt ähnelt sie Thomas Hardy (wenn auch das Sexuelle bei ihr um einiges mehr Raum einnimmt als bei Hardy).
Und ich mag die Schilderungen alltäglicher Verrichtungen in einem Haushalt in der alten Zeit: das Ein- und Ausspannen eines Pferdes, Weben, Zubereiten einer Suppe und wie Fieber behandelt wird.

Seltsam sind übrigens z.T. die Frauennamen: Dorothe (nicht Dorothee!), Christence (wie spricht man das aus?), Aleth ...
Viola (22.11.2015, 10:39):
Und wenn diese Briefe keine Musik sind ...

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41X1NtU55XL._SX358_BO1,204,203,200_.jpg

Wärmend. Tröstend.
Unendlich schön das Sprachgefühl.

:engel
Viola
Hosenrolle1 (26.11.2015, 19:20):
Otto Schenk, der wohl allen bekannt sein wird, hat seine Auftritte immer mit einem Gedicht von Ringelnatz beendet, das ich gerade nachgelesen habe.

Es heißt "Bumerang".


War einmal ein Bumerang;
War ein weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stück,
Aber kam nicht mehr zurück.
Publikum — noch stundenlang —
Wartete auf Bumerang.

Ich muss gestehen, völlig verstehe ich es noch nicht. Es soll wohl darum gehen, dass man eine gute Show auch mal beenden muss, statt zu versuchen, es immer noch besser, und noch besser und noch länger werden zu lassen.

Der Bumerang wäre sozusagen der Auftritt, der zu lang gerät. Das Publikum wartet noch stundenlang darauf, dass er zurückkommt, dass also etwas ganz Großes, Tolles kommt. So verstehe ich es halt.

Was bedeutet dann aber, dass er ein Stück flog, aber nicht mehr zurückkam? Wofür soll das stehen?



LG,
Hosenrolle1
Zefira (27.11.2015, 12:44):
Ich kenne das Gedicht. Es geht darin allgemein ums Warten. Eine weitere Strophe lautet (ich zitiere aus dem Gedächtnis):

War einmal ein Omnibus,
auf den man lange warten muss.
Publikum war sehr verdrießlich,
daher endlich kam er schließlich.
Doch wenn man wo schnell hin muss,
geht man besser gleich zu Fuß.

Ich glaube, es gab auch eine dritte Strophe, aber an die erinnere ich mich nicht mehr.
Grüße von Zefira
Jussi (29.11.2015, 09:41):
Ein sehr kluger Künstlerroman, der das "Rilke-Bild" etwas geraderückt :wink , und der mich auch köstlich amüsiert hat: :down :down :down

http://fs5.directupload.net/images/151129/cjqmmvx7.jpg

LG Jussi
Viola (04.12.2015, 10:23):
Verspricht spannend zu werden:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/514uqc5EtGL._SX322_BO1,204,203,200_.jpg


Habe den Autor gestern bei einem höchst interessanten Vortrag erlebt -
dabei spielte er zwischendurch Bach. Und zwar hervorragend, wie ich fand.

Ein studierter Psychologe, der auch studierter Musiker ist, schöne Kombination.

Seine Forschungen zu Bach machen einen sehr fundierten Eindruck.
Teilweise - für mich jedenfalls - völlig neue Blickwinkel, zum Beispiel auf die Fugen,
die h-Moll-Messe, die Sache mit den Zahlen (Kepler :)) und und und ...
Nicht vordergründig psychologisierend. Sonst hätte ich das Buch nicht gekauft.


Viola
Zefira (21.12.2015, 17:21):
Auf Empfehlung mehrerer Bekannter, denen ich einen guten Geschmack zutraue, habe ich "Finstere Orte" von Gillian Flynn gelesen.
Ich war angenehm überrascht. Ist zwar weiß Gott kein Thriller, aber ein recht guter Roman über eine gescheiterte Existenz (sowas lese ich gerne :A )

Beim Lesen dachte ich ein paarmal, Gillian Flynns Art zu schreiben hat Ähnlichkeit mit der von Tana French, einer irischen Autorin, die auch gern als Thriller- oder gar Krimiautorin bezeichnet wird, obwohl ihre Bücher über das Genre weit hinausgehen.

Die Ähnlichkeit reicht bis in die äußere Optik ... Zufall?

https://c1.staticflickr.com/1/654/23261999194_213e5945d5.jpg
Jussi (21.12.2015, 19:28):
Zefira, nimms mir nicht übel, aber ich finde ja, diese beiden Bücher/ Autorinnen kann man nicht in einen Topf werfen!
Tana French finde ich einfach grandios, alle ihre Bücher haben mich begeistert. Aber die rotzige Sprache und die abgewrackten brutalen Typen in "Finstere Orte" sind mir mächtig auf die Nerven gegangen. Den Film "Gone girl" fand ich übrigens auch schrecklich langweilig und "amerikanisch".
die allgemeine Begeisterung für Gillian Flynn kann ich leider so gar nicht teilen.

Alles wie schon gesagt: Geschmackssache!

lg jussi
Zefira (21.12.2015, 19:53):
"In einen Topf werfen" würde ich die beiden Autorinnen auf keinen Fall. Erstmal haben sie unterschiedliche Erzählansätze - Tana Frenchs Romane haben das Handlungsgerüst eines Polizeiromans, Gillian Flynn schreibt aus Opferposition - und vor allem beschreiben sie vollkommen unterschiedliche Milieus.
Aber gerade die Genauigkeit des Milieustudiums finde ich durchaus vergleichbar. Mein Lieblingsbuch unter Tana Frenchs Romanen ist übrigens "Schattenstill" - glaube ich, die dämlichen Titelübersetzungen machen es schwer, ihre Bücher vom Titel her auseinanderzuhalten -, also, es geht um diese gescheiterte Siedlung im ländlichen Irland.
Ihr m.W. letztes, das im Mädcheninternat spielt, hat mir nicht gefallen, dies nur nebenbei.
Ich mochte "Finstere Orte", auch die Erzählperson war mir durchaus sympathisch, nur gegen Ende hat die Autorin anscheinend die Kontrolle verloren, jedenfalls ist da plötzlich alles auseinandergefasert.
Hosenrolle1 (23.01.2016, 13:53):
http://www.zaglossus.eu/Carmilla-Web-Schlagschatten.png


Ich habe soeben den Roman "Carmilla" von Sheridan Le Fanu zu Ende gelesen.

Der Vampirroman wurde bereits 1872, also ca. 25 Jahre VOR Stokers "Dracula" geschrieben, und beeinflusste das spätere Werk auch. Unter anderem auch deswegen interessierte es mich.

Auch wurde es von den HAMMER-Studios 1970 verfilmt, unter dem eigenartigen Titel "The Vampire Lovers" (dt. "Gruft der Vampire").


Ich kann es kurz machen: ich fand es großteils mehr als enttäuschend. Es hat Logiklücken, unbeantwortete Fragen, und dumme Figuren, auf der Seite der Guten so wie der Bösen.

Es ist aus der Perspektive einer jungen Frau geschrieben, die wohl irgendwann um 1790 mit ihrem Vater in einem abgelegenen Schloss in der Steiermark lebt. Eines Tages kommt scheinbar zufällig die junge Carmilla dazu und wirbt ziemlich offensiv um Laura, die Ich-Erzählerin, während sich gleichzeitig Todesfälle in der Umgebung häufen. Bald wird auch Laura von Tag zu Tag schwächer. Man kommt drauf was los ist und macht mit Carmilla kurzen Prozess.

Im Grunde war es das auch schon. Wie schon erwähnt, ist es voller Lücken, unbeantworteter Fragen und dramaturgisch auch nicht immer gelungen, das Ende kommt viel zu plötzlich und zu rasch daher.

Bemerkenswert ist es aber wegen seiner für die damalige Zeit ziemlich "expliziten Darstellung lesbischen Begehrens", wie auf der Rückseite steht, wobei das "explizite" nicht falsch verstanden werden sollte; die Dinge, die da gesagt und gemacht werden, sind aus heutiger Sicht sehr romantisch geschrieben, ähnlich wie in gewöhnlichen Liebesromanen. Der Unterschied ist freilich, zwischen WEM diese Romantik stattfindet.
(Interessant auch, dass es im Gegensatz zur Verfilmung von 1970 KEINEN männlichen Freund der Ich-Erzählerin gibt, der sie rettet oder sie am Ende bekommt. Hier ist die HAMMER-Version ungewöhnlich bieder).

Am Ende erfährt man leider, dass das romantische Getue nur eine Taktik der Vampirin war. Im Film scheint es so, als ob Carmilla tatsächlich Interesse an ihr hätte und sie nicht nur eines von vielen Opfern sein soll.
Dinge wie Nacktszenen oder ähnlich Oberflächliches kommen zum Glück nicht vor, aber natürlich geizt die HAMMER-Version nicht damit, wenngleich auch aus heutiger Sicht geschmackvoll gefilmt.



Das Buch ist relativ kurz, die Geschichte umfasst in der Version des Zaglossus-Verlag ungefähr 120 Seiten, was aber wohl daran liegt, dass sie ursprünglich in einer Literaturzeitschrift in drei Teilen herausgegeben wurde.

Ich habe mir die Geschichte ausgeborgt, einmal vom noch jungen Zaglossus-Verlag, der damit wirbt, dass es die erste vollständige deutsche Version ist, und einmal von Diogenes, aus den 90er Jahren.
Ich werde die beiden Versionen noch mit dem Original vergleichen, um zu sehen, ob eine Version um ein paar Stellen erleichtert wurde.

Tatsächlich aber fehlt bei Diogenes die gesamte Einleitung, die in der oben gezeigten Version vorhanden ist. Darüber hinaus gibt es ein informatives Nachtwort in der Zaglossus-Version. Angenehm ist die Übersetzung, der Druck ist sauber und ich habe keinen Druck- oder Tippfehler gefunden.

Wie gesagt, es ist eine interessante Geschichte, jedoch eher deswegen, weil es als Inspiration für Dracula diente und eine frühe Vampirgeschichte ist - allerdings natürlich nicht die Erste, davor etwa gab es den kommerziell ausgerichteten Fortsetzungsroman "Varney the Vampire" aus den 1840er Jahren und natürlich Polidoris "The Vampyre" von 1812 (oder so).

Aber sie hat m.E. zu viele Makel, um wirklich zu überzeugen. Da hat Dracula eindeutig die Nase vorn. Schaurige Szenen habe ich vergeblich gesucht, die Romantik entpuppt sich am Ende als bloßes Kalkül, und die anderen Probleme habe ich oben eh schon genannt. Ich würde mir das Buch höchstens ausborgen, aber nicht kaufen.




LG,
Hosenrolle1
Zefira (23.01.2016, 23:46):
Lieber Andreas,
ich kenne das Buch auch, allerdings kann ich mich kaum noch daran erinnnern, die Lektüre liegt Jahre zurück. Sheridan Le Fanu als Autor von Gruselgeschichten schätze ich im allgemeinen aber sehr.
Wenn Du ein wirklich gutes Buch von ihm lesen willst, versuche es mit "Onkel Silas". Das ist ein Psychothriller, der viele moderne Schreiberlinge wie Fitzek & Co. locker in den Schatten stellt. Ich habe das Buch vor ca. zwei Jahren wiedergelesen und erinnere mich, dass ich damals in Facebook schrieb, ich hätte beim Lesen richtige Anwandlungen von Entsetzen gehabt - und ich bin speziell mit Thrillern nicht mehr leicht zu beeindrucken.

Grüße von Zefira
Hosenrolle1 (24.01.2016, 02:02):
Lieber Andreas,ich kenne das Buch auch, allerdings kann ich mich kaum noch daran erinnnern,

Das kann ich gut verstehen :D

Es hat wirklich so viele Lücken, die alle aufzuzählen hier gar kein Platz wäre.
Er schrieb das Buch ein Jahr vor seinem Tod, es ist also kein frühes Werk von ihm.


Sheridan Le Fanu als Autor von Gruselgeschichten schätze ich im allgemeinen aber sehr.Wenn Du ein wirklich gutes Buch von ihm lesen willst, versuche es mit "Onkel Silas". Das ist ein Psychothriller, der viele moderne Schreiberlinge wie Fitzek & Co. locker in den Schatten stellt. Ich habe das Buch vor ca. zwei Jahren wiedergelesen und erinnere mich, dass ich damals in Facebook schrieb, ich hätte beim Lesen richtige Anwandlungen von Entsetzen gehabt - und ich bin speziell mit Thrillern nicht mehr leicht zu beeindrucken.

Werd ich mal schauen ob sie das haben. Wobei ich sagen muss, dass ich das Buch nicht wegen des Autors las, sondern weil mich die Dracula-Vorgänger interessiert haben. Ich werde auch schauen, ob es "Varney the Vampire" aus den 1840er Jahren irgendwo gibt.




LG,
Hosenrolle1
Cantus Arcticus (09.02.2016, 13:11):
Bei mir dies:

http://www.klassikinfo.de/uploads/pics/schreiber.jpg

Eine gelungene Einführung in die Lebensgeschichten aller grossen Pultstars von Hans v. Bülow und Arthur Nikisch über Toscannini, Kleiber, Busch, Walter und Karajan bis in die neueste Gegenwart zu Rattle, Abbado, Metzmacher sowie Simone Young, Marin Alsop und Graziella Contratto.

LG :hello
Stefan
Jürgen (10.02.2016, 08:12):
Ich bin ein Langsam- und Wenigleser. Täglich vor dem Einschlafen 5 - 10 Minuten, benötige ich für ein etwas dickeres Buch schonmal mehrere Monate.
Daher habe ich mir nun ein dünneres Büchlein, ein Weihnachtsgeschenk, vorgenommen:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41XXGckSpxL._SX321_BO1,204,203,200_.jpg

André Link: König und Komponist (Gustav III. von Schweden und Joseph Martin Kraus)

Parallel dazu verbringe ich täglich etwa eine Stunde im Auto, die ich mir durch Hörbücher angenehm gestalte. Bis letzte Woche hörte ich:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61zIcoGpJ9L._SY498_BO1,204,203,200_.jpg

Martina André: Flamme von Jamaika

Ich hatte vor einiger Zeit Das Geheimnis des Templers dieser Autorin gehört und fand es originell und spannend.
Einzig die Neigung, ihre Protagonisten übermäßig zu idealisieren, stieß etwas auf.
Diese Neigung behält sie auch bei Flamme von Jamaika bei, ohne aber in Originalität und Spannung mithalten zu können. Daher verkommt das ganze zu einem 700 Seiten (bzw. 23 Stunden) Groschenroman.
Schlimm war es trotzdem nicht, da mich anspruchsvolle Lektüre beim Autofahren zu sehr beanspruchen würde.

Dennoch brauchte ich danach etwas anderes:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/61j4Mm3rO5L._AA300_.jpg

Martin Gregor-Dellin: Richard Wagner - Sein Leben, sein Werk, sein Jahrhundert

Ich bin erst bei der dritten von 15 CDs. Aber das fängt sehr gut an. Sehr detailliert und das Zeitgeschehen miterklärend, aber nicht verklärend.

Grüße
Jürgen
Hosenrolle1 (12.02.2016, 22:14):
Hat jemand dieses neue Buch des Sängers Bernd Weikl, bzw. plant es sich zu kaufen?

http://ecx.images-amazon.com/images/I/51Rxz9ofTVL.jpg




LG,
Hosenrolle1
Viola (13.03.2016, 11:13):
Großartig:

https://images.booklooker.de/bilder/003u14/Tschechow+Geschichten-vom-Alltag.jpg


Anton Tschechow: Geschichten vom Alltag

Eines der wenigen Bücher, die ich ganz bestimmt ein zweites Mal lesen werde.


Viola
Cantus Arcticus (28.03.2016, 15:03):
Bei mir ein Sachbuch meines zweiten grossen Hobbies:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/5193iNu9rrL._SX319_BO1,204,203,200_.jpg


Deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts, die beschäftigt mich seit 30 Jahren.


Grüsse :hello
Stefan
Keith M. C. (11.04.2016, 18:06):
Original von Cantus Arcticus
Bei mir dies:

http://www.klassikinfo.de/uploads/pics/schreiber.jpg

Eine gelungene Einführung in die Lebensgeschichten aller grossen Pultstars von Hans v. Bülow und Arthur Nikisch über Toscannini, Kleiber, Busch, Walter und Karajan bis in die neueste Gegenwart zu Rattle, Abbado, Metzmacher sowie Simone Young, Marin Alsop und Graziella Contratto.

LG :hello
Stefan

Lieber Stefan,

danke für den Willkommensgruß an anderer Stelle. Sorry, bzgl. des Buchs von Schreiber habe ich einen anderen Eindruck erhalten (vgl. wiederum anderen Orts hier im Forum).

Bis dann.
Cantus Arcticus (15.04.2016, 16:37):
Original von Keith M. C.
Original von Cantus Arcticus
Bei mir dies:

http://www.klassikinfo.de/uploads/pics/schreiber.jpg

Eine gelungene Einführung in die Lebensgeschichten aller grossen Pultstars von Hans v. Bülow und Arthur Nikisch über Toscannini, Kleiber, Busch, Walter und Karajan bis in die neueste Gegenwart zu Rattle, Abbado, Metzmacher sowie Simone Young, Marin Alsop und Graziella Contratto.

LG :hello
Stefan

Lieber Stefan,

danke für den Willkommensgruß an anderer Stelle. Sorry, bzgl. des Buchs von Schreiber habe ich einen anderen Eindruck erhalten (vgl. wiederum anderen Orts hier im Forum).

Bis dann.

Lieber Keith

Kein Problem, ich habe das Buch zwischenzeitlich nochmals gelesen und mein Eindruck heute ist auch ein wenig anders als damals: Manchmal sind die Beschreibungen ein wenig oberflächlich geraten und die Attribute, welche der Autor für die jeweiligen Maestros verwendet sind ein wenig allgemein gehalten. Zudem sind wichtige Personen - zumindest meiner Meinung nach - der Vollständigkeit halber zwar erwähnt worden, aber nicht mehr. Vielleicht gibt es da bessere Literatur, ich weiss es nicht. Andererseits will ich nicht meine Regale mit gefühlten 100 Biographien von Dirigenten füllen. Als Überblick aber erfüllt dieses Werk seinen Zweck, glaube ich.

Viele Grüsse :hello
Stefan
Hosenrolle1 (26.04.2016, 21:10):
Ich habe in diesem Thread vor ein paar Monaten (HIER zu sehen) berichtet, dass ich den Vampirroman "Carmilla" von Sheridan Le Fanu gelesen habe.

Nun habe ich mir den Spaß gemacht, viele Stellen zu vergleichen, das Original mit der Fassung von Diogenes sowie dem Zaglossus-Verlag.

Und ich denke, dass die Zaglossus-Version die Nase vorn hat, was die Texttreue angeht.

Verglichen habe ich diese beiden Ausgaben:

http://ecx.images-amazon.com/images/I/41x6PKCJv%2BL._SL450_.jpg http://ecx.images-amazon.com/images/I/6174-xEVNRL._SL450.jpg
-

Ein schönes Beispiel ist das hier:

Original:

How they escape from their graves and return to them for certain hours every day, without displacing the clay or leaving any trace of disturbance in the state of the coffin or the cerements, has always been admitted to be utterly inexplicable.

Zaglossus:

Auf welche Weise sie jeden Tag für manche Stunden aus ihren Gräbern entkommen und dorthin wieder zurückkehren, ohne die Erde aufzuwühlen oder ein Zeichen der Beeinträchtigung des Sarges oder der Leichengewänder zu hinterlassen, ist zugegeben seit jeher völlig unerklärbar.

Diogenes:

Auf welche Weise sie täglich zu gewissen Stunden aus ihren Gräbern steigen und in sie zurückkehren, ohne die Erde aufzuwühlen und ohne den Zustand ihres Sarges oder Leichenhemdes zu verändern, scheint bis heute völlig unerklärlich.


Besonders fällt auf, dass das "zugegeben" bei Diogenes fehlt, auch ist da nur vom "Zustand ihres Sarges" die Rede, während Zaglossus sich mehr ans Original hält und von einem "Zeichen der Beeinträchtigung" ("trace of disturbance").
Oder diese Stelle hier:

Original:

In pursuit of these it will exercise inexhaustible patience and stratagem, for access to a particular object may be obstructed in a hundred ways.

Zaglossus:

Sie zu umwerben, wird er unerschöpfliche Geduld und List üben, denn der Zugang zu einem bestimmten Objekt mag ihm auf hunderte Weisen versperrt sein.

Diogenes:

Um diese zu gewinnen, üben sie unendliche Geduld und manche Listen.


Eigentlich selbsterklärend - bei Dio fehlt die Hälfte.
-


Besonders krass ist dieser Fehler hier:

Original:

"I am sure, Carmilla, you have been in love; that there is, at this moment, an affair of the heart going on."

Zaglossus:

„Ich bin sicher, Carmilla, dass du verliebt warst; dass dich jetzt, in diesem Moment, eine Angelegenheit des Herzens begleitet.“

Diogenes:

„Ich bin sicher, Carmilla, du bist verliebt, und was du mir verschweigst, ist eine Herzensaffäre.“


Die "Herzensaffäre" mag zwar in diesem Fall direkter übersetzt sein, aber im Original heißt es, wie bei Zaglossus, dass sie sicher verliebt WAR, und nicht IST. Da ist ein großer Unterschied. Und von "was du mir verschweigst" ist im Original überhaupt keine Rede.



Das sind nur ein paar Beispiele. Ich empfehle auf jeden Fall die Zaglossus-Version! Bei Diogenes hätte ich mir schon eine bessere Übersetzung erwartet.




LG,
Hosenrolle1
Keith M. C. (29.04.2016, 11:02):
Original von Cantus Arcticus
...
Lieber Keith

Kein Problem, ich habe das Buch zwischenzeitlich nochmals gelesen und mein Eindruck heute ist auch ein wenig anders als damals: Manchmal sind die Beschreibungen ein wenig oberflächlich geraten und die Attribute, welche der Autor für die jeweiligen Maestros verwendet sind ein wenig allgemein gehalten. Zudem sind wichtige Personen - zumindest meiner Meinung nach - der Vollständigkeit halber zwar erwähnt worden, aber nicht mehr. Vielleicht gibt es da bessere Literatur, ich weiss es nicht. Andererseits will ich nicht meine Regale mit gefühlten 100 Biographien von Dirigenten füllen. Als Überblick aber erfüllt dieses Werk seinen Zweck, glaube ich.

Viele Grüsse :hello
Stefan

Lieber Stefan,

obwohl ich das Buch von Schreiber selbst nicht so besonders gut bewerte, habe ich es auch. Wie Du besitze ich keine gefühlten 100 Dirigentenbiographien, aber ich kann Dir für einen umfassenderen Überblick, als es Schreiber zeigt, das "Atlantisbuch der Dirigenten" empfehlen. Zumindest 'gebraucht' sollte es noch erhältlich sein.

Bis dann.
Hosenrolle1 (25.06.2016, 22:49):
"Vorgeschichte":

Ich bin ja ein großer Freund musikalischer Analysen, egal in welche Richtung. Es gibt aber Dinge, die sogar mir schon zu viel sind.

So las ich jetzt wieder ein paar Rezensionen und Kommentare zu irgendeinem weiteren Mozart-Buch, wo es nicht um seine Werke, seine Musik geht, sondern um irgendwelche winzigen Details aus seinem Leben. Da wird munter gestritten, ob irgendein Musikschüler von Mozart wirklich sein Schüler war, weil laut der Quelle XY und YX besagter Schüler ja kein Klavier besessen hat. Es wird aufgeklärt, dass Mozart nicht am Gründonnerstag, sondern einen Tag davor die Sixtinische Kapelle besucht hat, und überhaupt liegen zu Mozarts Mietkosten gar keine Zahlen vor, usw. usf.


Dazu habe ich mir jetzt die Kurzgeschichte "Die Metterling-Listen" aus Woody Allens "Wie du dir, so ich mir" (ISBN 3 499 14574 x) durchgelesen, die mich genau an das erinnert.

https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51PRGMYMHAL._SX276_BO1,204,203,200_.jpg

Darin geht es um einen fiktiven Künstler namens Metterling, über den ein neuer fiktiver wissenschaftlicher Band erschiedenen ist, der von einem fiktiven Kritiker besprochen wird.

In diesem Werk geht es um nichts anderes als die Wäschelisten, die Metterling schrieb, und die da analysiert werden, wie schon die Einleitung verrät:

Der Verlag Feil & Söhne hat endlich den lang erwarteten ersten Band der Wäschelisten Metterlings (Die gesammelten Wäschelisten Hans Metterlings, Band I, 437 Seiten, XXXII Seiten Einleitung, Register, DM 39, 50) mit dem fundierten Kommentar des bekannten Metterling-Schülers Günther Eisenbud veröffentlicht. Die Entscheidung, dieses Werk getrennt und vor Abschluß des gewaltigen Oevres herauszubringen, ist so erfreulich wie vernünftig, wird doch dieses eigensinnige und schillernde Buch im Nu die ekelhaften Gerüchte aus der Welt schaffen, Feil & Söhne wollten, nachdem sie mit den Romanen, dem Theaterstück und den Notizen, Tagebüchern und Briefen Metterlings guten Gewinn gemacht hätten, bloß versuchen, weiter Gold aus derselben Ader zu schlagen.

Ein winziges Beispiel für eine solche Liste:


Das offenbare Rätsel der zweiten Liste

Liste Nr. 2

7 Unterhosen
5 Unterhemden
7 Paar schwarze Socken
6 blaue Oberhemden
6 Taschentücher
Bitte nicht stärken!

sind die sieben Paar schwarzer Socken, denn es war seit langem bekannt, daß Metterling von Blau zutiefst angetan war. Tatsächlich brachte ihn jahrelang die Erwähnung irgendeiner anderen Farbe in Wut, und einmal stippte er Rilke in den Honig, weil der Dichter geäußert hatte, er bevorzuge Frauen mit braunen Augen. Anna Freud zufolge ("Metterlings Socken als Ausdruck der phallischen Mutter", Psychoanalytische Rundschau, Nov. 1935) hat sein plötzlicher Wechsel zu dunklerer Fußbekleidung mit seiner Niedergeschlagenheit über den sogenannten "Bayreuther Vorfall" zu tun. Dort nämlich passierte ihm, daß er während des ersten Akts des Tristan niesen mußte und einem der reichsten Gönner der Oper das Toupet vom Kopf pustete.

usw. usw.

Schön überspitzt beschreibt Allen diese Analysen irgendwelcher Kleinigkeiten, noch über den letzten Schnipsel des Künstlers schreibt man Fachliteratur und versucht, sie irgendwie in Bezug zu seinem Schaffen zu setzen.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (05.07.2016, 00:01):
Erfreut habe ich vorhin festgestellt, dass es das o.g. Buch von Woody Allen im Original im Internet gibt, was mir einen genauen Vergleich jedes Satzes ermöglicht.

Besonders interessiert hat mich, wie diese Stelle:



Kam pünktlich um 10 Uhr morgens bei Helmholtz an, wo mir das Dienstmädchen sagte, der Doktor sei in seinem Zimmer und sichte Adressen. In meiner Ängstlichkeit meinte ich, sie hätte gesagt, der Doktor sei in seinem Zimmer und sichte das Essen. Wie sich herausstellte, hatte ich richtig gehört, und Helmholtz sichtete tatsächlich das Essen. Beide Hände hatte er voll Haferflocken, die er zu beliebigen Häufchen ordnete. Als ich ihn darüber befragte, sagte er: "Ach - wollten doch nur mehr Menschen das Essen sichten!".

im Original lautet. "Das Essen sichten" und "Adressen sichten". Was schreibt Allen hier?


Arrived at the Helmholtz house at precisely 10:00 A.M. and was told by the maid that the doctor was in his room sorting some mail. In my anxiety, I thought she said the doctor was in his room sorting some meal. As it turned out, I had heard correctly and Helmholtz was sorting some meal. He had large fistfuls of grain in each hand and was arranging it in random piles. When queried about this he said, "Ach—if only more people sorted meal."

Sowas ist aber auch schwer zu übersetzen. Natürlich geht in der dt. Version der Grund, warum Helmholtz Hafterflocken zu Häufchen ordnet, verloren, aber ich finde, dass die dt. Version auch lesbar ist.


Es gibt aber, wie ich gesehen habe, auch ein paar ärgerliche Fehler, die man hätte vermeiden können.

Im Original heißt es etwa in der Kurzgeschichte "Viva Vargas!":

Outraged and disgusted at the exploitation of our little country by the corrupt Arroyo regime, we sent Julio to the palace (...)

In der dt. Version wird daraus aber

Von der Ausbeutung unseres kleinen Landes durch das korrupte Arroyo-Regime empört und angewidert, hatten wir Julio mit einer Liste unserer Beschwerden und Forderungen in die Stadt geschickt (...)

Aus "palace" wird auf einmal "Stadt". Warum?


Bin gespannt, die Geschichten genauer zu vergleichen!




LG,
Hosenrolle1
Zefira (11.07.2016, 14:39):
Ich sehe mit leisem Erschrecken, dass ich vor ca. anderthalb Jahren angekündigt habe, dass ich demnächst "Orfeo" von Richard Powers lesen möchte ... :haha

Also, gestern habe ich es angefangen und seitdem kaum aus der Hand gelegt .... und wandere zwischendurch immer wieder mal an den Rechner, um bei Wikipedia weiterzusuchen. Ich bin betrüblich ungebildet, was Musik nach Mahler betrifft (nicht dass ich besonders gebildet wäre, was diejenige vor und während Mahler betrifft ;o). Powers beschreibt in einem langen Kapitel die Entstehungsgeschichte von Messiaens "Quartett für das Ende der Zeit" - einie faszinierende Geschichte, wenn sie denn stimmt. Auf Youtube gibt es eine Einspielung, bei der man die Partitur mitlesen kann; jetzt bin ich fest entschlossen, mich eingehend damit zu beschäftigen. Den ersten Satz habe ich gestern abend spät noch gehört - die Art, wie der Komponist Vogelrufe eingearbeitet hat, gefällt mir.

Tja, von dem Buch weiß ich nicht so recht, wo es hinwill. Die Abschnitte über musikalische Themen finde ich spannend, aber es geht ja auch um Versuche mit der DNA von Bakterien und um das Thema Überwachungsstaat. Und das Setting ist, hm, sehr amerikanisch. Aber bis jetzt wirklich gut zu lesen.
Hosenrolle1 (18.07.2016, 21:03):
In Woody Allens Geschichte "Graf Dracula" geht es um ebenjenen, der, als es Nacht wird, den Bäcker und seine Frau aufsucht, um sie zu beißen. Dort angekommen stellt er fest, dass es nicht Nacht ist, sondern eine Sonnenfinsternis herrscht, die in Kürze vorbei ist.

Voller Panik schließt er sich auf dem Klo ein, der Bäcker und der später hinzukommende Bürgermeister denken, dass Dracula Scherze macht, aber irgendwann reicht es dem Bürgermeister, und er reißt die Türe auf, worauf Dracula verbrennt.

Ja, in der deutschen Fassung ist es das Klo, im Original jedoch das "closet", das eben KEIN Klo ist (das wäre das "water closet", kurz WC).

Er schließt sich also im Kleiderschrank bzw. Wandschrank ein, was viel mehr Sinn macht und auch witziger ist, weil er immer wieder sagt, dass er das gerne tut und da drin "a good time" hat.




LG,
Hosenrolle1
Zefira (19.07.2016, 00:27):
Naja, "a good time" kann man auch im Klo haben ... :beer
Hosenrolle1 (19.07.2016, 00:31):
In einem anderen Stück haben sie aus dem originalen "M&M´s" einfach "Gummibärchen" gemacht. Waren M&M´s 1980 in Deutschland so unbekannt?

Ich finde die Übersetzung auch schlecht, weil zwischen Nüssen und Gummirbärchen doch ein Unterschied ist, vor allem, wenn gefragt wird, ob man etwas zu knabbern hat.

Es ist immer gut, sich das Original anzusehen, und sich nicht auf Übersetzungen zu verlassen - ein Grundsatz, der nicht nur für Bücher gilt ;)





LG,
Hosenrolle1
Zefira (19.07.2016, 00:51):
Falsche Übersetzungen nerven natürlich - ich las mal in einer Übersetzung aus dem Englischen den Begriff "Töpferacker", gemeint war natürlich der Armenfriedhof, der im Englischen "potter's field" genannt wird.

Aber ehrlich gesagt nerven mich krasse Grammatik- und Bezugsfehler oder schlicht sachliche Fehler in deutschsprachigen Büchern viel mehr.

Ich erinnere mich da speziell an einen deutschen Krimi, den ich im letzten oder vorletzten Jahr gelesen habe. Die Heldin entschloss sich, einen Pullover für ihren Mann zu stricken, und suchte ein Wollgeschäft auf. Die eingehende Schilderung des Wollekaufs hat mich auf die Palme getrieben. Man sollte nicht über Dinge schreiben, von denen man einfach keine Ahnung hat.
Hosenrolle1 (19.07.2016, 01:00):
Überhaupt bei Filmtiteln hat scih der deutsche Verleih oft sehr kreativ hervorgetan.

Ich denke etwa an den Christopher Lee-Dracula Film "Dracula A.D. ’72", der in der deutschen Fassung "Dracula jagt Minimädchen" heißt.


Oder der Film "Paura nella città dei morti viventi" (dt. "Stadt der lebenden Toten"), der den deutschen Titel "Ein Zombie hing am Glockenseil" trägt.

Oder auch der 1971 erschienene Film "Les frisson des Vampires" (dt. Das Erschaudern der Vampire), der auf deutsch tatsächlich "Sexual-Terror der entfesselten Vampire" heißt.


Schlimm auch solche Titel, die das Ende verraten, etwa Woody Allens "Love and Death", der den deutschen Titel "Die letzte Nacht des Boris Gruschenko" hat. Titel wie "Der Stadtneurotiker" sind auch irgendwie eigenartig.


Peinliche Filmtitel wären fast einen eigenen Thread wert, oder? :D Ich bin sicher, jeder kennt da ein paar Beispiele.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (25.07.2016, 00:59):
Um wieder zum Lesen zurückzukommen: ich las gerade Woody Allens Kurzgeschichte "Ein bisschen lauter, bitte!", und darin kam folgender Satz vor:


Gleich neben mir stand eine nervenzermürbende Blondinge, die unter ihrem schwarzen Hemdchen dermaßen herausfordernd Ebbe und Sturmflut machte, daß selbst einem Pfadfinder der Wahn kommen mußte, ein Vampir zu sein.

Eigentlich wollte ich wissen, was Allen hier im Original bei der "Ebbe und Sturmflut" schreibt, und bin dann auf diesen Fehler gestoßen:

Standing next to me was a nerve-shattering blonde, who waxed and waned under a black chemise with enough provocation to induce lycanthropy into a Boy Scout.


Das mit Ebbe und Sturmflut stimmt soweit, jedoch:

Lycanthropie gehört zu Werwölfen, nicht zu Vampiren -> Fehler Nr. 1

"induce" heißt soviel wie "einleiten", "herbeiführen", "erzeugen"; das hat nichts mit einem "Wahn" zu tun, der irgendjemandem kommen musste. -> Fehler Nr. 2


Ich bin mir zwar nicht sicher, aber Ebbe und Flut werden ja durch den Mond verursacht, und auch Werwölfe verwandeln sich in ebensolche durch den Mond - ob dieser Zusammenhang beabsichtigt ist oder nicht weiß ich nicht, falls ja, dann machen "Vampire" an dieser Stelle auch keinen Sinn.

Ich kann hier einen Rezensenten auf Amazon nicht ganz verstehen, der meint, dass die Übersetzung der alten Bücher (also auch diesem hier) wesentlich besser war, angesichts solcher Fehler.
_____

Auch ein anderer Gag ist viel lustiger im Original:

Kalt und ausgehungert wurde der Rebbe heimgebracht, wo er mit dampfender Suppe und Hammellendchen kuriert wurde. Dann bekam er erst mal was zu essen. Nach dem Essen erzählte er seine Geschichte: (...)

Cold and starving, the Rev was taken back to his home, where he was revived with steaming soup and flanken. Following that, he was given something to eat. After dinner, he told this story: (...)

Hier stoße ich mich an der Formulierung des Gags: aus dem schlichten, eher beiläufigen "he was given something to eat", das richtig nach Woody Allen klingt, wird ein umständliches "bekam er erst mal was zu essen", als wollte der Übersetzer noch betonen, dass das hier gerade ein Gag war.


Und dann heißt es noch "erzählte er SEINE Geschichte", im Original heißt es aber "DIESE Geschichte", was auch mehr Sinn macht, weil dann eben die folgende Geschichte abgedruckt wird.

Vorsicht mit deutschen Übersetzungen!



LG,
Hosenrolle1
Zefira (07.09.2016, 20:51):
Es hat zwar nichts mit Lesen zu tun, aber da wir gerade beim Thema Übersetzungen waren ...

Vor kurzem war wieder mal "Shine" im Fernsehen (der Film über den Pianisten David Helfgott).

Helfgott hat jahrelang nicht Klavier spielen dürfen (Arzt hat es verboten) und kann sich, als er in einer Bar ein Klavier stehen sieht, nicht mehr bremsen. Im Hintergrund steht ein Klotzkopf, der ironisch ruft: "Spiel uns was, Beethoven!"
Im Original sagt er, wie ich gerade erst gesehen habe, nicht "Beethoven", sondern "Liberace", was ja weiß Helfgott nicht dasselbe ist, nicht mal annähernd!

Was wäre denn nun eine halbwegs korrekte Übersetzung gewesen? Clayderman ...?

Hier die Szene. Man beachte den souveränen Umgang mit der brennenden Zigarette!
Hosenrolle1 (07.09.2016, 21:15):
Ich finde, in der heutigen Zeit ist sowas nicht mehr notwendig, weil jeder, der es nicht weiß, sofort im Internet nachschauen kann, was gemeint ist. Das war vor 30 Jahren nicht möglich, da war das noch notwendig.


Ich selbst hatte erst gestern so einen Fall. Ich habe mir "Back to the Future 3" angeschaut, wo Marty eine Untertasse oder so hält und sagt "Frisbee! Far out!" worauf seine Verwandten von 1885 sagen "Far out? It was right in front of him".

Im Deutschen haben sie daraus sowas gemacht wie "Frisbee! Scharf!" und als Antwort "Das hat doch keinen scharfen Rand". Ich weiß den Wortlaut nicht mehr.

Aber heute kann ich sofort schauen, was "Far out" bedeutet; ein kurzer Blick in die urban dictionary genügt, um zu sehen, dass das ein Ausspruch des Erstaunens ist, eine Redewendung. Ich habe den Satz nicht verstanden, mich hat aber interessiert was damit gemeint ist, also habe ich recherchiert und jetzt weiß ich es.

Deswegen gabs auch noch bis in die 90er Jahre hinein diese furchtbaren Übersetzungen, wo in der "Schrecklich netten Familie" von Klausjürgen Wussow und Karl Dall die Rede ist. Heute kann man jederzeit schauen, um wen es im Original geht. Darum meine ich, sind solche Versuche, irgendwelche deutschen Entsprechungen zu finden, unnötig geworden. Das ist eine der Dinge, die früher NICHT besser waren :D




LG,
Hosenrolle1
Zefira (10.09.2016, 00:36):
"Martin Eden" von Jack London, eines seiner weniger bekannten Bücher.

Martin Eden, der nicht mal die Volksschule abgeschlossen hat und seinen Lebensunterhalt selbst verdient, seit er elf ist, versucht als Mittzwanziger sich nach Kräften Bildung anzueignen, weil seine Geliebte standesmäßig weit über ihm steht.

In der Mitte des Romans gehen die beiden zusammen in die Oper.
Sein Kommentar: "Die Ouvertüre gefiel mir gut, die war großartig."
"Ja, aber die Oper selbst?"
"Auch großartig - das heißt, das Orchester, obwohl ich mehr Genuß davon gehabt hätte, wenn die Hampelmänner auf der Bühne den Mund gehalten hätten oder verschwunden wären."
(...)
"Wenn Barillo mit seiner Engelsstimme eine Liebesarie singt und die Tetralani wie ein Engel antwortet, und das mit einr Begleitung, die eine wahre Orgie von flammender, farbengesättigter Musik ist, so ist das herrlich - ganz herrlich, das steht fest. Aber die ganze Wirkung wird verdorben, wenn ich die Tetralani mit ihren fünf Fuß zehn Zoll in Strümpfen und ihren hundertneunzig Pfund Gewicht sehe und dazu Barillo, der mindestens sechs Zoll kleiner ist, eine fettige, unreine Haut und eine Brust wie ein vierschrötiger Grobschmied hat, und wenn sich die beiden dann aufstellen, sich an die Brust schlagen und wie Tollhäusler mit den Armen in der Luft herumrudern!

(...) Bäume, die auf flache Pappe gemalt und zu beiden Seiten der Bühne aufgestellt sind, nehmen wir für einen Wald hin. Dagegen würden wir ein Seebild nicht als Wald anerkennen. Wir können es nicht. Es beleidigt unseren gesunden Menschenverstand. Und ebensowenig würde man die Faseleien und Windungen und gequälten Verrenkungen der beiden Tollhäusler, die wir heute abend sahen, als überzeigende Darstellung einer Liebesszene hinnehmen."

Seine Geliebte, ziemlich entsetzt: "Du willst dich doch nicht über alle Musikkenner erheben?"

"Nein, nein, nicht einen Augenblick. Ich behaupte nur mein Recht als Individuum. Ich habe dir ja nur erzählt, was ich denke, um dir zu erklären, warum Madame Tetralanis elefantenhaftes Gehüpfe mir die Freude am Orchester verdirbt. (...) Eine Illusion, die einen ncht überzeugt, ist offenbar Lüge, und das wird eben die große Oper für mich, wenn der kleine Barillo in einem Wahnsinnsanfall die riesige Tetralani, die ebenso wahnsinnig ist, in seine Arme schließt und ihr erzählt, wie leidenschaftlich er se anbetet."


Mir ist nicht ganz klar, was ihn eigentlich aufregt - das Aussehen der Sänger oder ihre schauspielerische Darstellung. Klar ist jedenfalls, dass er immer wieder auf das Aussehen zurückkommt. Martin Eden ist ein Riesenkerl mit strahlend blauen Augen, jeder Menge Muskeln und vollem, lockigem Haar. Eine Freundin von mir, die sich sehr eingehend mit Jack London beschäftigt hat, erzählte mir heute, dass "Martin Eden" in gewisser Weise ein Selbstporträt des Autors darstellt.
Ich, anstelle seiner Geliebten, hätte ihm eine geklebt.

In diesem Sinne,
Grüße von Zefira
Hosenrolle1 (10.09.2016, 01:37):
Original von Zefira
In der Mitte des Romans gehen die beiden zusammen in die Oper.
Sein Kommentar: "Die Ouvertüre gefiel mir gut, die war großartig."
"Ja, aber die Oper selbst?"
"Auch großartig - das heißt, das Orchester, obwohl ich mehr Genuß davon gehabt hätte, wenn die Hampelmänner auf der Bühne den Mund gehalten hätten oder verschwunden wären."
(...)
"Wenn Barillo mit seiner Engelsstimme eine Liebesarie singt und die Tetralani wie ein Engel antwortet, und das mit einr Begleitung, die eine wahre Orgie von flammender, farbengesättigter Musik ist, so ist das herrlich - ganz herrlich, das steht fest. Aber die ganze Wirkung wird verdorben, wenn ich die Tetralani mit ihren fünf Fuß zehn Zoll in Strümpfen und ihren hundertneunzig Pfund Gewicht sehe und dazu Barillo, der mindestens sechs Zoll kleiner ist, eine fettige, unreine Haut und eine Brust wie ein vierschrötiger Grobschmied hat, und wenn sich die beiden dann aufstellen, sich an die Brust schlagen und wie Tollhäusler mit den Armen in der Luft herumrudern!

Das erinnert mich an einen Brief Mozarts an seine Schwester vom 26. Jänner 1770, wo er nach einer Opernaufführung schreibt:

Die opera zu mantua ist hübsch gewesen, sie haben den Demetrio5 gespillet, die prima Dona singt gut, aber still, und wenn man sie nicht agiren sehte, sondern singen nur allein, so meinete man, sie singe nicht, dan den mund kan sie nicht erönfen, sonder winselt alles her, welches uns aber nichts neues ist, zu hören.

prima Dona, nicht übel, schon alt glaub ich, wie ein Hund


(...) Bäume, die auf flache Pappe gemalt und zu beiden Seiten der Bühne aufgestellt sind, nehmen wir für einen Wald hin. Dagegen würden wir ein Seebild nicht als Wald anerkennen. Wir können es nicht. Es beleidigt unseren gesunden Menschenverstand. Und ebensowenig würde man die Faseleien und Windungen und gequälten Verrenkungen der beiden Tollhäusler, die wir heute abend sahen, als überzeigende Darstellung einer Liebesszene hinnehmen."

Seine Geliebte, ziemlich entsetzt: "Du willst dich doch nicht über alle Musikkenner erheben?"

Ich verstehe viel weniger die Geliebte, denn er hat eigentlich nur die Kulisse und die Sänger mit ihren Gesten bekritelt, nicht die Musik. Wieso redet sie dann von "Musikkenner"?

Der Mann ist ehrlich, das gefällt mir.

Dazu fällt mir wiederum ein Zitat von John Lennon ein:

Immer die Wahrheit sagen bringt einem wahrscheinlich nicht viele Freunde, aber dafür die Richtigen.


"Nein, nein, nicht einen Augenblick. Ich behaupte nur mein Recht als Individuum. Ich habe dir ja nur erzählt, was ich denke, um dir zu erklären, warum Madame Tetralanis elefantenhaftes Gehüpfe mir die Freude am Orchester verdirbt. (...) Eine Illusion, die einen ncht überzeugt, ist offenbar Lüge, und das wird eben die große Oper für mich, wenn der kleine Barillo in einem Wahnsinnsanfall die riesige Tetralani, die ebenso wahnsinnig ist, in seine Arme schließt und ihr erzählt, wie leidenschaftlich er se anbetet."

Da wäre die Frage, welche Illusion ihn überzeugt hätte. Die gezeigten Kulissen waren offenbar sehr schlecht (gemalte Bäume auf Pappe), und das Schauspiel besonders übertrieben theatralisch.

Nicht klar wird mir aus dem Text, ob er sich über das Aussehen generell aufregt, oder ob er meint, dass die Darsteller nicht zu den Figuren passen, die sie darstellen sollen.


Ich, anstelle seiner Geliebten, hätte ihm eine geklebt.

Ich hätte nachgefragt :D




LG,
Hosenrolle1
Zefira (10.09.2016, 09:18):
Nun, sie fragt ja nach. Der Dialog ist in Wirklichkeit noch viel länger, was ich durch die eingestreuten Pünktchen angedeutet habe (und ich hätte noch weit mehr einstreuen können).

Mit "Musikkenner" meint die junge Dame vermutlich, dass die beiden Sänger, die Martin Eden so kritisiert, zu den Besten gehören. Barillo zum Beispiel "kommt gleich nach Caruso".

Ich frage mich, was Martin Eden etwa zu Johan Botha als Parsifal oder Kalaf gesagt hätte ...

R.I.P Botha.

Grüße von Zefira
Hosenrolle1 (11.09.2016, 01:02):
Naja, er mochte halt deren Gesang nicht.

Die Callas gilt auch als ganz große Sängerin, aber ich halte sie nicht aus, und höre lieber Bonney oder Grümmer - reine Geschmackssache :)




LG,
Hosenrolle1
Zefira (11.09.2016, 14:18):
Gegen den Gesang als solchen sagt er nie was, nur gegen das Aussehen und die Gestik der Sänger.
Ich habe das Buch inzwischen ausgelesen und weiß jetzt, dass die Hauptfigur Nietzsche-Anhänger im Sinne der "Herrenmoral" ist. Martin Eden hat zumindest theoretisch eine erbarmungslose Abneigung gegen alles, was Zeichen von Schwäche oder Hässlichkeit zeigt. Er schafft es zwar, sich - nachdem er nicht mal die Volksschule abgeschlossen hat - sich etwa von seinem zwanzigsten Lebensjahr mithilfe geliehener Sachbücher aus der Bibliothek eine umfassende Bildung anzueignen, er kann mit Biologen, Philosophen, Politologen etc. auf ihrem Level diksutieren. Aber er ist und bleibt der lebende Beweis für die These aus dem "Zauberberg": "Es gibt so viele verschiedene Arten von Dummheit, und die Gescheitheit ist nicht die beste davon."
Interessant, wie Martin Eden am Anfang ganz nett erscheint. Je mehr Bildung er sich anliest, um so unsympathischer wird er, bis man am Schluss direkt froh ist, dass er sich das Leben nimmt.
Hosenrolle1 (11.09.2016, 15:05):
Naja, den Gesang erwähnt er hier:

obwohl ich mehr Genuß davon gehabt hätte, wenn die Hampelmänner auf der Bühne den Mund gehalten hätten

Vielleicht war die Aufführung wirklich schrecklich, dann fände ich die Kritik - unabhängig von seinem Charakter - berechtigt.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (29.09.2016, 07:31):
Weil es mir gereicht hat mit den scheußlichen Übersetzungen, habe ich vor einiger Zeit beschlossen, Bram Stokers Dracula im Original zu lesen, und zwar in der Ausgabe der Penguin Popular Classics aus den 90er Jahren.

http://images.bookcrossing.com/images/journalpics/746/20/cover/300_7465820.jpg


Diese Reihe erinnert mich an die Partituren von Dover: billig, schön hergerichtet, aber ohne jede Erklärung. Es gibt auch Editionen, wo etwa am Ende bestimmte Begriffe oder Personen erklärt werden, die im Text vorkommen, damit man besser versteht, was gemeint ist. Etwa, wenn auf Personen Bezug genommen wird, die man im 19. Jahrhundert gut kannte, heute aber gar nicht mehr. Hier ist lediglich der Text abgedruckt, und das war´s. Wichtig war mir aber der Hinweis auf der Rückseite auf jedem Buch der Reihe: Complete and Unabridged.

Natürlich verstehe ich nicht jedes Wort, da ich aber meine deutsche Version schon 3x gelesen habe und die Geschichte ganz gut kenne, kann ich mir das meiste davon herleiten. Schwierig wird es nur, wenn manche Figuren starken Dialekt reden und sich dann Wörter wie "’Twarn’t" finden. Und es ist herrlich, das Gefühl zu haben, das ungeschnittene Original zu lesen, und dabei ständig Sätze zu entdecken, die man vorher nicht kannte, weil man sie einfach weggekürzt hat.

Und da finde ich auf Seite 229, ganz unten, folgenden Satz von Van Helsing (der in meiner dt. Version auch fehlt):

But yet we see around us every day the growth of new beliefs, which think themselves new; and which are yet but the old, which pretend to be young—like the fine ladies at the opera.


Und der Satz stammt aber aus den 1890er Jahren :D :D


(Kann mir vielleicht jemand sagen, wie man "and which are yet but the old" übersetzen kann? Ich verstehe schon den Sinn, aber wie schreibt man das auf Deutsch? "Und die doch nichts anderes sind als die alten"? "Und die trotzdem die alten sind"? Mich irritiert hier das Wort "but", für das ich nur die dt. Übersetzung "aber" und "sondern" kenne.")
Zefira (29.09.2016, 09:57):
n welchem Kapitel steht das? Dann schau ich mal nach, ob der Satz bei mir vorkommt.
Hosenrolle1 (29.09.2016, 10:07):
Das ist aus Dr. Sewards Tagebuch, Eintrag vom 26. September.


Danke für´s Nachschauen, bin schon gespannt :)



LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (29.09.2016, 10:19):
Ich habe jetzt aus meinem dt. Buch sowie aus dem englischen die betreffende Passage abgeschrieben. Die Passagen, die ident sind, habe ich fett markiert.


“You are clever man, friend John; you reason well, and your wit is bold; but you are too prejudiced. You do not let your eyes see nor your ears hear, and that which is outside your daily life is not of account to you. Do you not think that there are things which you cannot understand, and yet which are; that some people see things that others cannot? But there are things old and new which must not be contemplate by men’s eyes, because they know—or think they know—some things which other men have told them. Ah, it is the fault of our science that it wants to explain all; and if it explain not, then it says there is nothing to explain. But yet we see around us every day the growth of new beliefs, which think themselves new; and which are yet but the old, which pretend to be young—like the fine ladies at the opera. I suppose now you do not believe in corporeal transference. No? Nor in materialisation. No? Nor in astral bodies. No? Nor in the reading of thought. No? Nor in hypnotism -”


"Du bist ein kluger Mann, John, aber du bist zu voreingenommen. Du lässt deine Augen nicht sehen und deine Ohren nicht hören. Was außerhalb deiner täglichen Routine liegt, kümmert dich nicht. Kannst du dir nicht vorstellen, daß es Dinge gibt, die du nicht verstehst und die trotzdem existieren? Es ist der Fehler unserer Wissenschaft, daß sie alles zu erklären sucht; und wenn sie keine Erklärung findet, behauptet sie, es gäbe nichts zu erklären. Ich nehme an, du glaubst nicht an die Versetzung von Körpern? Nicht an Materialisierung und nicht an Astralkörper? Auch nicht an Hypnose ..."

Also da wurde heftigst gekürzt.




LG,
Hosenrolle1
Zefira (29.09.2016, 10:22):
Der Satz fehlt auch in meiner Ausgabe.
Hosenrolle1 (29.09.2016, 10:29):
Ärgerlich ist das!

Aus welchem Verlag stammt deine?

Meine stammt aus dem Tosa-Verlag. Ich habe das Buch Ende der 90er bekommen:

https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51VhBMv3ILL._SX342_BO1,204,203,200_.jpg

Auf der Rückseite steht eh schon "Hier liegt nun eine modernisierte Version des berühmten Originals vor". Damals habe ich mir nichts dabei gedacht ...





LG,
Hosenrolle1
Zefira (29.09.2016, 11:20):
Hab ich Dir, glaube ich, schon mal geschrieben; Heyne 13. Auflage 1976, Übersetzung von Wulf Bergner. "Der dieser Ausgabe zugrunde liegende Originaltext wurde im Interesse der besseren Lesbarkeit leicht gekürzt und bearbeitet."

Leicht ketzerische Bemerkung: Gerade in diesem Kapitel, unmittelbar auf den fehlenden Satz folgend, schwallt van Helsing derart viel Unsinn, dass ich die Kürzung nicht bedaure. ;o)

Edit, ich sehe erst jetzt, was Du oben abgeschrieben hast.

Die Stelle lautet bei mir: "Sie sind ein kluger Mann, Freund John, Sie besitzen einen scharfen Verstand und denken logisch - aber Sie sind voreingenommen. Sie trauen Ihren Augen und Ohren nicht, wenn es sich um Dinge außerhalb des gewöhnlichen Lebensbereiches handelt. Das ist der große Fehler unserer Wissenschaft - sie will alles erklären, und wenn sie das nicht kann, behauptet sie, es gäbe eben nichts zu erklären. Ich glaube zu wissen, dass Sie nicht an die Möglichkeit einer Transportation glauben. Oder an Gedankenleserei. Oder an Hypnose und ..."

Abgesehen von den inhaltlichen Änderungen halte ich es für einen Übersetzungsfehler, dass in Deiner Ausgabe van Helsing seinen Freund John duzt. Das passt überhaupt nicht zum Ton der Erzählung.
Kommen denn in Deiner Ausgabe anschließend die Räuberpistolen vor über die Riesenspinne, die aus Öllampen trinkt, und dass vergleichende Anatomie über den Grund eines grausamen oder hinterhältigen Charakters Aufschluss geben könnte?
Hosenrolle1 (29.09.2016, 12:03):
Original von Zefira
Hab ich Dir, glaube ich, schon mal geschrieben; Heyne 13. Auflage 1976, Übersetzung von Wulf Bergner. "Der dieser Ausgabe zugrunde liegende Originaltext wurde im Interesse der besseren Lesbarkeit leicht gekürzt und bearbeitet."

Auweh … da könnte ja jeder Verlag sagen „Aufgrund der besseren Lesbarkeit haben wir das Original, das rund 900 Seiten hat, auf 5 Seiten runtergekürzt.“ :D



Original von Zefira
Leicht ketzerische Bemerkung: Gerade in diesem Kapitel, unmittelbar auf den fehlenden Satz folgend, schwallt van Helsing derart viel Unsinn, dass ich die Kürzung nicht bedaure. ;o)

Van Helsing ist auch ein bisschen ein schrulliger Charakter, aber natürlich muss man das auch aus der Zeit heraus lesen. So meint er an anderer Stelle, dass Mina „den Verstand eines Mannes, und das Herz einer Frau“ hat – was damals wohl als Kompliment gedacht war, klingt heute ziemlich sexistisch.

Ich finde die Figuren in diesem Buch sowieso allesamt unsympathisch. Der Roman ist natürlich weltberühmt und Grundlage zahlreicher Verfilmungen usw., er ist sehr spannend zu lesen, aber gut gezeichnet sind die Figuren nicht, manche Szenen schrammen schon sehr stark am Kitsch.



"Du bist ein kluger Mann, John, aber du bist zu voreingenommen. Du lässt deine Augen nicht sehen und deine Ohren nicht hören. Was außerhalb deiner täglichen Routine liegt, kümmert dich nicht. Kannst du dir nicht vorstellen, daß es Dinge gibt, die du nicht verstehst und die trotzdem existieren? Es ist der Fehler unserer Wissenschaft, daß sie alles zu erklären sucht; und wenn sie keine Erklärung findet, behauptet sie, es gäbe nichts zu erklären. Ich nehme an, du glaubst nicht an die Versetzung von Körpern? Nicht an Materialisierung und nicht an Astralkörper? Auch nicht an Hypnose ..."

"Sie sind ein kluger Mann, Freund John, Sie besitzen einen scharfen Verstand und denken logisch - aber Sie sind voreingenommen. Sie trauen Ihren Augen und Ohren nicht, wenn es sich um Dinge außerhalb des gewöhnlichen Lebensbereiches handelt. Das ist der große Fehler unserer Wissenschaft - sie will alles erklären, und wenn sie das nicht kann, behauptet sie, es gäbe eben nichts zu erklären. Ich glaube zu wissen, dass Sie nicht an die Möglichkeit einer Transportation glauben. Oder an Gedankenleserei. Oder an Hypnose und ..."

Bei dir sagt er korrekterweise „Freund John“, und der scharfe Verstand und das logische Denken, das bei mir fehlt, ist bei dir vorhanden; dafür fehlt der Teil mit den Dingen, die man nicht versteht und die trotzdem existieren. Unsere dt. Versionen Versionen sind ziemlich ident, aber trotzdem drastisch gekürzt :(



Original von Zefira
Abgesehen von den inhaltlichen Änderungen halte ich es für einen Übersetzungsfehler, dass in Deiner Ausgabe van Helsing seinen Freund John duzt. Das passt überhaupt nicht zum Ton der Erzählung.

Stimmt, das ist mir gar nicht aufgefallen! Interessant ist, dass er in meiner Ausgabe andere Figuren, wie etwa Mina und Jonathan, siezt.

Jedoch muss man dazu sagen, dass Van Helsing bei seinem ersten „Auftritt“, seinem Brief an Seward, erzählt, dass Seward ihm damals Wundbrandgift aus einer Wunde gesaugt hat, nachdem er von einem Kollegen mit dem Skalpell verletzt wurde. Vielleicht duzt er ihn auch deswegen.



Original von Zefira
Kommen denn in Deiner Ausgabe anschließend die Räuberpistolen vor über die Riesenspinne, die aus Öllampen trinkt, und dass vergleichende Anatomie über den Grund eines grausamen oder hinterhältigen Charakters Aufschluss geben könnte?

Jep, das steht auch bei mir:

Kennst du die ganze vergleichende Anatomie und kannst du erklären, weshalb manche Menschen die Eigenschaften von Ungeheuern in sich tragen und andere nicht? Kannst du mir sagen, wieso eine bestimmte große Spinne jahrhundertelang im Turm einer alten spanischen Kirche lebte und wuchs und wuchs, bis sie schließlich hinabstieg und das Öl aus allen Kirchenlampen soff, während andere Spinnen klein bleiben und kurzlebig sind?

(Do you know the altogether of comparative anatomy, and can say wherefore the qualities of brutes are in some men, and not in others? Can you tell me why, when other spiders die small and soon, that one great spider lived for centuries in the tower of the old Spanish church and grew and grew, till, on descending, he could drink the oil of all the church lamps?)

Wie wurde der eine Satz mit der Anatomie bei dir übersetzt?


Kurz darauf erzählt er auch von einem “Indian fakir”:

Can you tell me how the Indian fakir can make himself to die and have been buried, and his grave sealed and corn sowed on it, and the corn reaped and be cut and sown and reaped and cut again, and then men come and take away the unbroken seal, and that there lie the Indian fakir, not dead, but that rise up and walk amongst them as before?”

Diese Passage fehlt völlig bei mir.




LG,
Hosenrolle1
Zefira (29.09.2016, 12:25):
Der Satz mit der Anatomie:

"Verstehen Sie genug von vergleichender Anatomie, um sagen zu können, weshalb dieser Mensch grausam, jener hingegen friedfertig veranlagt ist?"

Die Aufzählung irrwitziger Dinge und Begebenheiten beginnt mit Lucy, die vier Bluttransfusionen bekommen hat, dann folgt die Anatomie und danach erst die Riesenspinne, dann Fledermäuse, die in der Pampa Kühe angreifen, dann weitere Fledermäuse, die in Westindien Seeleute töten. Im nächsten Absatz ist die Rede von uralten Schildkröten, Elefanten und Papageien, unsterblichen Menschen, Kröten, die kein Futter brauchen, und schließlich Fakiren, die sich lebendig begraben lassen.

Am Ende zitiert er einen Amerikaner, der den Glauben so definierte: "Die Eigenschaft, die es uns ermöglicht, Dinge zu sehen, die wir als unwahr erkannt haben." Das gefällt mir.
Hosenrolle1 (29.09.2016, 12:54):
Jep, das ist bei mir auch dabei, allerdings ebenfalls teilweise gekürzt.

Könntest du mir zum Schluss vielleicht noch zwei kleine Dinge nachsehen, ob die bei dir enthalten sind?

Gegen Anfang, Jonathans Harkers Tagebuch vom 29. Juni, ziemlich am Beginn des Abschnitts, sagt Dracula:

“To-morrow, my friend, we must part. You return to your beautiful England, I to some work which may have such an end that we may never meet. Your letter home has been despatched; to-morrow I shall not be here, but all shall be ready for your journey. In the morning come the Szgany, who have some labours of their own here, and also come some Slovaks. When they have gone, my carriage shall come for you, and shall bear you to the Borgo Pass to meet the diligence from Bukovina to Bistritz. But I am in hopes that I shall see more of you at Castle Dracula.” I suspected him, and determined to test his sincerity. Sincerity! It seems like a profanation of the word to write it in connection with such a monster, so I asked him point-blank:—

Der fett marktierte Satz fehlt bei mir; ist er bei dir enthalten?


Und die Eintragung vom 16. Mai, wo er die drei Vampirfrauen trifft. Da gibt es diese Passage:

Lower and lower went her head as the lips went below the range of my mouth and chin and seemed about to fasten on my throat.

Dieses "went below the range of my mouth" wurde bei mir mit "streifte meinen Mund" übersetzt. Was steht da bei dir?
Ich habe leider keine Ahnung, was "below the range" bedeutet.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (29.09.2016, 13:05):
Ich wollte noch ergänzen, ich finde diese Vergleiche sehr spannend! Danke dir, dass du da mitmachst :)




LG,
Hosenrolle1
Zefira (29.09.2016, 13:26):
Zur ersten Frage: Bei mir lautet die Stelle:
"Aufrichtigkeit! In Verbindung mit diesem Unugeheuer wird dieses Wort entweiht, deshalb fragte ich geradeheraus ..."

Zur zweiten Frage:
"... die scharfein weißen Zähne senkten sich herab, berührten aber meine Lippen nicht, sondern sanken tiefer und tiefer ..."
"Streiften meinen Mund" halte ich für fehlerhaft, die Pointe der Szene ist ja, dass er einen Kuss erwartet und einen Biss bekommt.
Hosenrolle1 (29.09.2016, 14:29):
Original von Zefira
Zur ersten Frage: Bei mir lautet die Stelle:
"Aufrichtigkeit! In Verbindung mit diesem Ungeheuer wird dieses Wort entweiht, deshalb fragte ich geradeheraus ..."

Ja, das fehlt bei mir, bei dir ist es da :)
Bei mir heißt es nur:

Ich traute ihm nicht und beschloß, seine Aufrichtigkeit zu prüfen. "Weshalb kann ich nicht noch heute abend reisen?"

Keine Spur von "point-blank", oder von dem fehlenden Satz.



Original von Zefira
Zur zweiten Frage:
"... die scharfen weißen Zähne senkten sich herab, berührten aber meine Lippen nicht, sondern sanken tiefer und tiefer ..."

"Streiften meinen Mund" halte ich für fehlerhaft, die Pointe der Szene ist ja, dass er einen Kuss erwartet und einen Biss bekommt.

Hier muss ich mich korrigieren, weil ich etwas durcheinandergebracht habe.
In meinem Buch steht

Tiefer und tiefer neigte sich ihr Kopf. Ihre Lippen gingen an meinem Mund und meinem Kinn vorbei und schienen über meiner Kehle zu verharren.

Das "streifte" habe ich aus einer Leseprobe von Google Books

Immer tiefer beugte sie sich hinab, streifte meinen Mund und das Kinn, um sich meinem Hals zu nähern, an dem ich gleich darauf ihren heißen Atem verspürte.

Dafür wollen die allen Ernstes 8,99 Euro.


Aber trotzdem bin ich mir bei "below the range" nicht ganz sicher. Below heißt ja unterhalb, unter, darunter. "Unterhalb des Bereichs"? "Unterhalb der Reichweite"?
Das Wörterbuch sagt mir, dass "außerhalb der Reichweite" "out of range" heißt.

Aber witzig: im Original heißt es "Lower and lower went her head", bei dir machen sie aus dem Kopf plötzlich "scharfe Zähne", und bei Google Books machen sie einfach nur "sie".




LG,
Hosenrolle1
Zefira (29.09.2016, 14:40):
Stimmt, erst jetzt fällt mir auf:
"... die scharfen weißen Zähne senkten sich herab, berührten aber meine Lippen nicht, sondern sanken tiefer und tiefer ..."
Das "berührten meine Lippen nicht" deutet ja darauf hin, dass er selbst oder zumindest der Leser einen Kuss erwartet hätte. Das wäre aber keine Berührung mit den Zähnen, sondern mit ihren Lippen.

Was soll's. Ehrlich gesagt ist mir das Werk literarisch zu unbedeutend, als dass ich Lust hätte, mir über die korrekte Wortwahl den Kopf zu zerbrechen :leb
Hosenrolle1 (29.09.2016, 15:30):
Zum Englisch-lernen finde ich es ganz praktisch, das kann man immer brauchen, nicht nur für den Dracula :)



LG,
Hosenrolle1
Zefira (29.09.2016, 16:33):
Ich habe gerade - zum zweiten Mal übrigens - "Sturm" von Miguel Angel Asturias gelesen.

Asturias ist Guatemalteke und einer der wichtigsten Vertreter des lateinamerikanischen "magischen Realismus". Das Thema in "Sturm" ist die Ausbeutung der Landarbeiter durch eine übermächtige nordamerikanische Bananengesellschaft. Um diese Bananengesellschaft geht es auch in den zwei Folgebänden "Der grüne Papst" und "Die Augen der Begrabenen".

Nachdem mir "Sturm" so gut gefallen hat, habe ich mir nun auch die zwei Folgebände schicken lassen - antiquarisch und für 70 Cent pro Buch. Neu gibt es die Bücher nicht mehr.

Typisch für "Sturm" ist das Nebeneinander von nüchternem Bericht und einem hymnischen, fast ekstatischen Erzählton. Beliebig herausgegriffenes Beispiel:

"Die Erde in Andersons Hosentaschen hat also gewissermaßen eine Metamorphose durchgemacht und sich in grüne Falter verwandelt. Sie sind aus seinen Taschen hervorgekrochen wie die Falter aus den Kokons an den Zweigen der Mangobäume, wie die zarten Blätter junger Bananenstauden, durch die ein Licht sickert, dem ständigen Flattern grüner Schmetterlinge gleich.Meiner Meinung nach ist aber das Wichtigste, was Anderson uns hinterlassen hat, seine Klimakunde. Neben den topographischen Untersuchungen hat er Klimastudien betrieben ..."

Das ist übrigens die Wiedergabe eines Gesprächs; also etwas, was die Leute in dem Buch zueinander sagen.

Ich habe heute morgen mit dem zweiten Band "Der grüne Papst" angefangen.

https://c1.staticflickr.com/9/8224/29377517244_6342897003.jpg

Asturias hatte es als Autor nicht leicht. Unter dem Diktator Ubico durfte er bis 1944 nicht schreiben; nach dem Putsch 1954 musste er ins Exil auswandern. Die Banenentrilogie schrieb er in der Zeit dazwischen. Erst seit 1966 hatte er die Freiheit, ins Land zurückzukehren (er wurde dann aber Botschafter in Paris). Für die Banentrilogie erhielt er den Nobelpreis für Literatur.
Hosenrolle1 (02.10.2016, 21:28):
@ Zefira:

Ein letztes Mal muss ich dich noch um zwei kleine Vergleiche bitten!

Kapitel 12, der Eintrag vom 20. September

Report from Patrick Hennessey, M. D., M. R. C. S. L. K. Q. C. P. I., etc., etc., to John Seward, M. D.

Das ist die Überschrift des Berichts.
Der gesamte Eintrag fehlt komplett in meiner dt. Version. Ist der Bericht bei dir enthalten?
Geschildert wird ein Ausbruch von Renfield.

Kapitel 4, Eintrag vom 30. Juni, Morgen

Hier kommt ziemlich am Ende des Eintrags die Stelle, wo Jonathan Harker den Grafen in seiner Kiste liegend findet, und ihm mit einer Schaufel ins Gesicht schlagen möchte. Im Original lautet die Stelle so:


But as I did so the head turned, and the eyes fell full upon me, with all their blaze of basilisk horror. The sight seemed to paralyse me, and the shovel turned in my hand and glanced from the face, merely making a deep gash above the forehead. The shovel fell from my hand across the box, and as I pulled it away the flange of the blade caught the edge of the lid which fell over again, and hid the horrid thing from my sight.
The last glimpse I had was of the bloated face, blood-stained and fixed with a grin of malice which would have held its own in the nethermost hell.

In meiner deutschen Übersetzung wurde nur ein Teil übernommen:

(...) doch in dem Moment drehte der Graf den Kopf und richtete seine lodernen Augen auf mich. Dieser Anblick schien mich zu lähmen, die Schaufel drehte sich mir in der Hand, verfehlte das Gesicht und schlug lediglich quer über die Stirn eine tiefe Wunde. Dann fiel sie mir aus der Hand und quer über den Kasten, und als ich sie zu mir ziehen wollte, blieb das Schaufelblatt am Kastendeckel hängen, der Deckel fiel wieder über den Kasten und verbarg das gräßliche Wesen meinen Blicken.

Bei mir fehlt der Teil, wo Jonathan noch einen Blick erhaschen kann auf das aufgedunsene, grinsende, blutige Gesicht des Grafen, bevor der Deckel zufällt. War den Übersetzern wohl zu gruselig :D
(Das mit dem "basilisk" haben sie auch nicht erwähnt).

Haben sie das bei dir stehen lassen?




LG,
Hosenrolle1
Zefira (03.10.2016, 11:29):
Ich habe in meiner Ausgabe einen Bericht von einem Patrick Hennessey an Dr. Seward vom 20. September. Er befindet sich allerdings in Kapitel 11, nicht 12.
Geschildert wird ein Ausbruchsversuch von Renfield, wobei ausdrücklich vermerkt wird, dass sich ein Wärter namens Hardy den rechten Zeigefinger brach (was mein Vertrauen in die Wahrhaftigkeit und Genauigkeit dieses Berichts sehr gesteigert hat).

Zur zweiten Frage:
""Während ich zuschlug, wandte Graf Dracula den Kopf zur Seite, so daß die schrecklichen Augen mich anstarrten. Dieser Anblick schien mich förmlich zu lähmen. De Schaufel glitt mir aus der Hand, verfehlte das Gesicht und fügte dem Ungeheuer nur eine blutende Wunde über der Stirn zu. Als ich entsetzt nach der Schaufel griff, verhakte sie sich am unteren Rand des Deckels, der krachend zufiel und das schreckliche Wesen vor meinen Augen verbarg. Mein letzter Blick hatte mir ein aufgedunsenes, blutiges Gesicht gezeigt, auf dem ein diabolisches Lächeln stand, das im tiefsten Höllenpfuhl am Platz gewesen wäre."

Ich habe das Gefühl, dass die Übersetzung hier noch "aufgedunsener" ist als das Original. :A

Woher die Autoren wohl immer so genau wissen, was im "tiefsten Höllenpfuhl" am Platz ist?

Grüße von Zefira
Hosenrolle1 (03.10.2016, 14:53):
Danke dir für´s Nachschauen!

Original von Zefira
Ich habe in meiner Ausgabe einen Bericht von einem Patrick Hennessey an Dr. Seward vom 20. September. Er befindet sich allerdings in Kapitel 11, nicht 12.
Geschildert wird ein Ausbruchsversuch von Renfield, wobei ausdrücklich vermerkt wird, dass sich ein Wärter namens Hardy den rechten Zeigefinger brach (was mein Vertrauen in die Wahrhaftigkeit und Genauigkeit dieses Berichts sehr gesteigert hat).

Dann ist deine Übersetzung zumindest vollständiger als meine. Ich meine, einzelne Sätze kürzen ist eine Sache, aber gleich komplette Einträge!

Interessant aber, im Original heißt es nur:

One of the attendants, Hardy, had a finger broken. However, I set it all right; and he is going on well.

Von einem rechten Zeigefinger war da keine Rede.



Zur zweiten Frage:

""Während ich zuschlug, wandte Graf Dracula den Kopf zur Seite, so daß die schrecklichen Augen mich anstarrten. Dieser Anblick schien mich förmlich zu lähmen. De Schaufel glitt mir aus der Hand, verfehlte das Gesicht und fügte dem Ungeheuer nur eine blutende Wunde über der Stirn zu. Als ich entsetzt nach der Schaufel griff, verhakte sie sich am unteren Rand des Deckels, der krachend zufiel und das schreckliche Wesen vor meinen Augen verbarg. Mein letzter Blick hatte mir ein aufgedunsenes, blutiges Gesicht gezeigt, auf dem ein diabolisches Lächeln stand, das im tiefsten Höllenpfuhl am Platz gewesen wäre."

Also ist das auch bei dir enthalten. Wenn ich bedenke, dass ich diese deutsche Version gleich dreimal gelesen habe ... :S :S :S

Nur das "wandte den Kopf zur Seite" finde ich nicht gut übersetzt, weil die Szene eigentlich eine Art Schockmoment ist, und "wandte" klingt viel zu elegant, für meinen Geschmack.
Und dass er ihn auch beim Namen nennt: "wandte Graf Dracula den Kopf".
Auch hinzugefügt wurde "entsetzt nach der Schaufel griff". Von "entsetzt" ist gar keine Rede.


Woher die Autoren wohl immer so genau wissen, was im "tiefsten Höllenpfuhl" am Platz ist?

Ja, die hatten es mit der Hölle, damals ^^

Aber im ganzen Buch geht es um "abergläubische" Sachen. Teufelsaustreibungen, Gebete, blaue Flammen, die vergrabene Schätze markieren, Bauern, die sich beim Namen Dracula bekreuzigen, usw. usf.

Die Frage ist auch, warum ein Vampir vor der Miniaturnachbildung eines uralten Folter- bzw. Tötungswerkzeuges (also ein Kruzifix) zurückweichen sollte.
Ich mag die Vampirbücher von Anne Rice überhaupt nicht, aber in "Interview mit einem Vampir" sagt einer der Vampire, dass ihm Kruzifixe nichts ausmachen, er sie sich auch gerne ansieht. Ich glaube, im Film kommt das auch vor. Einer der wenigen moderneren Ansätze, die ich gut finde.

Ein paar humorige Szenen, die das Ganze ein klein wenig auflockern, gibt es aber auch (vor allem im ungeschnittenen Original, wie ich feststellen musste).


Danke noch einmal für´s nachschauen :)




LG,
Hosenrolle1
Zefira (03.10.2016, 16:20):
Es gab mal eine Ausgabe von Akte X, in der es um Vampire ging und über die ich damals sehr gelacht habe.
Vampire, hieß es da, leiden unter gewissen Zwängen. Sie leiden beim Anblick zugeschnürter Schuhe und können nicht anders, als die Schnürsenkel sofort aufzuknoten. Außerdem stehen sie unter Zählzwang. Mulder schützte sich einmal vor einem angreifenden Vampir, indem er eine Schachtel Zündhölzer geöffnet auf den Boden warf. Der Vampir machte sich fluchend ans Zählen, und bis er fertig war, war Mulder natürlich über alle Berge.

In Ajvide Lindqvists modernem Vampir-Roman können Vampire nur durch die Tür, wenn sie ausdrücklich eingeladen werden, und irgendwo habe ich auch mal gelesen, dass sie fließende Wasser nicht überqueren können.

Eigentlich haben es die armen Vampire doch verdammt schwer. (Das mit dem Kreuz funktioniert allerdings bei jüdischen Vampiren nicht, wie wir seit Polanski wissen.)
Hosenrolle1 (03.10.2016, 16:32):
Original von Zefira
Es gab mal eine Ausgabe von Akte X, in der es um Vampire ging und über die ich damals sehr gelacht habe.
Vampire, hieß es da, leiden unter gewissen Zwängen. Sie leiden beim Anblick zugeschnürter Schuhe und können nicht anders, als die Schnürsenkel sofort aufzuknoten. Außerdem stehen sie unter Zählzwang. Mulder schützte sich einmal vor einem angreifenden Vampir, indem er eine Schachtel Zündhölzer geöffnet auf den Boden warf. Der Vampir machte sich fluchend ans Zählen, und bis er fertig war, war Mulder natürlich über alle Berge.

Haha, das klingt fast ein bisschen nach Mr. Monk ... oder Rain Man.


Original von Zefira
In Ajvide Lindqvists modernem Vampir-Roman können Vampire nur durch die Tür, wenn sie ausdrücklich eingeladen werden, und irgendwo habe ich auch mal gelesen, dass sie fließende Wasser nicht überqueren können.

Diese Regeln finden sich schon in Bram Stokers Dracula.


He can do all these things, yet he is not free. Nay; he is even more prisoner than the slave of the galley, than the madman in his cell. He cannot go where he lists; he who is not of nature has yet to obey some of nature’s laws—why we know not. He may not enter anywhere at the first, unless there be some one of the household who bid him to come; though afterwards he can come as he please. (...)

It is said, too, that he can only pass running water at the slack or the flood of the tide.



Original von Zefira
Eigentlich haben es die armen Vampire doch verdammt schwer. (Das mit dem Kreuz funktioniert allerdings bei jüdischen Vampiren nicht, wie wir seit Polanski wissen.)

Was ja auch falsch übersetzt wurde mit "Das hilft nur bei alten Vampiren". Am besten Filme nur mehr im Original schauen, wenn man die Sprache halbwegs kann.

Mir sind Vampire aber auf jeden Fall lieber als andere Filmmonster wie der Werwolf, das Frankenstein-Monster oder Zombies. Sind alle gut, aber Vampire finde ich am interessantesten. Die ganze Atmosphäre alter Vampirfilme, nebelverhangene Friedhöfe, alte Spukschlösser und all das.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (09.10.2016, 20:19):
Ich muss mich korrigieren.

Ich schrieb kürzlich, dass die Bücher aus der Reihe "Penguin Popular Classics" aus den frühen bis mittleren 90er Jahren schön hergerichtet sind, jedoch keine Informationen bieten.

Das trifft für den "Dracula" zu, wo es bis auf einen kurzen, einleitenden Text (eine Bio des Autors) nichts weiter gibt, jedoch nicht auf ein paar andere Werke aus der Reihe.

Ich habe Ende der 90er einen ganzen Haufen davon in einem Abverkauf bekommen, zum Schnäppchenpreis.

Habe schnell mit dem Handy jetzt ein Foto gemacht, natürlich keine gute Quali:




Ich habe diese Werke:

Austen: Pride And Prejudice
Baum: The Wonderful Wizard Of Oz
Bronté: Wuthering Heights (leider doppelt!)
Defoe: Robinson Crusoe
Defoe: Moll Flanders
Dickens: Oliver Twist
Melville: Moby Dick
Poe: Selected Tales
Scott: Ivanhoe
Shakespeare: Macbeth
Shakespeare: The Tempest
Shakespeare: As You Like It
Shakespeare: Much Ado About Nothing
Shakespeare: King Lear
Shelley: Frankenstein
Stevenson: Dr. Jekyll and Mr. Hyde
Stevenson: Treasure Island
Swift: Gullivers Travels
Verne: Around The World In Eighty Days
Wilde: The Picture Of Dorian Gray

Bei manchen findet sich ein Glossar am Ende, etwa bei "Ivanhoe", wo auf mehreren Seiten alle möglichen Personen und Gegenstände erklärt werden, die in der Geschichte auftauchen.

(Der Dracula steht nicht dabei, der steht auf dem Nachtkästchen, wo er hingehört :D)

So, und jetzt schau ich mir den Freischütz an im Livestream ... jetzt erklärt Barbara Rhett schon wieder Bedeutendes ... naja. Bin gespannt auf das Dirigat!




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (11.10.2016, 13:00):
Ich bitte dich jetzt nicht nachzusehen, wie es bei dir bzw. OB es bei dir überhaupt übersetzt ist, sondern möchte nur etwas bemerken.

Ich bin jetzt relativ am Schluss von Dracula angelangt, und was mir auffällt ist, wie häufig Figuren Bezug auf Shakespeare nehmen.


Beispiele:

Hamlet

Jonathan Harkers Journal, 8 May - Midnight

(Mem., this diary seems horribly like the beginning of the “Arabian Nights,” for everything has to break off at cockcrow—or like the ghost of Hamlet’s father.)


Hamlet

Jonathan Harkers Journal, Later; the morning of 16 May

I begin to get new lights on certain things which have puzzled me. Up to now I never quite knew what Shakespeare meant when he made Hamlet say:—

“My tablets! quick, my tablets!
’Tis meet that I put it down,” etc.,

for now, feeling as though my own brain were unhinged or as if the shock had come which must end in its undoing, I turn to my diary for repose.


King Lear:

Dr Sewards Diary, 1 October

“I don’t take any stock at all in such matters. ‘Rats and mice and such small deer,’ as Shakespeare has it, ‘chicken-feed of the larder’ they might be called. I’m past all that sort of nonsense.

(In King Lear sagt Edgar: "But mice and rats and such small deer Have been Tom’s food for seven long year.")


Othello

Letter, Lucy Westenra to Mina Murray, 24 May

I sympathise with poor Desdemona when she had such a dangerous stream poured in her ear, even by a black man.


Witzig ist für mich auch, dass drei unterschiedliche Figuren auf Shakespeare Bezug nehmen - sehr wahrscheinlich, oder? ^^


Dass die englische Fassung jeder Deutschen vorzuziehen ist zeigt mir auch die Stelle, wo Quincey Morris, ein Texaner, einmal für Lucy im amerikanischen Slang redet. Sie sagt, dass er das sonst nie tut, weil er wohlerzogen ist, aber weil es sie amüsiert, ihn so reden zu hören, tut er das einmal. In meiner dt. Übersetzung redet er wie sonst auch, da geht das völlig verloren.




LG,
Hosenrolle1
Zefira (11.10.2016, 13:28):
Die Anspielungen auf Shakespeare kommen in meiner Ausgabe auch vor, daran kann ich mich gut erinnern. Speziell die Stelle mit Desdemona ist allerdings bei mir unverständlich, zumindest mir kommt sie entweder unlogisch oder komplett sinnlos vor.
Hosenrolle1 (11.10.2016, 13:46):
Ich glaube, dass es bei der Desdemona-Stelle darum ging, dass Lucy sich ärgert, weil sie gleich drei Heiratsanträge bekommt und nicht weiß, wen sie nehmen soll. Sie sagt auch so etwas wie "Warum kann ich nicht alle drei heiraten" oder so.


Was mir auch aufgefallen ist: Van Helsing und Dracula haben sprachlich ein paar Ähnlichkeiten, ob gewollt oder nicht.

So sagen beide öfter mal "Is it not so?".

Und da gibt es diese "Rede" von Dracula, die auch in Filmen übernommen wurde, u.a. in "Bram Stokers Dracula" und die Mel Brooks Parodie "Dracula - Dead and loving it":

Whilst they played wits against me—against me who commanded nations, and intrigued for them, and fought for them, hundreds of years before they were born—I was countermining them.

Dazu habe ich eine vergleichbare Stelle gefunden, wo Van Helsing von sich selbst spricht; nicht exakt so wie Dracula, aber dennoch:

Not know you—I, who am old, and who have studied all my life men and women; I, who have made my specialty the brain and all that belongs to him and all that follow from him! And I have read your diary that you have so goodly written for me, and which breathes out truth in every line. I, who have read your so sweet letter to poor Lucy of your marriage and your trust, not know you!

Das Prinzip ist in beiden Fällen das Gleiche: beide sprechen von sich selbst und zählen dabei verschiedene Dinge auf. "Ich, der dies gemacht hat, ich, der das gemacht hat".

Überhaupt hat man im ganzen Buch das Gefühl, dass Van Helsing und Dracula die Hauptfiguren sind, und sich gegenseitig das Handwerk legen wollen, sich übertrumpfen wollen, wer gescheiter ist. Er nennt Dracula auch einmal "unser alter Fuchs", und sagt "Er ist gescheit, aber ich bin auch gescheit".

Im 1931er Film mit Bela Lugosi sagt Dracula seinerseits zu Van Helsing: "For one who has not lived even a single lifetime ... you are a wise man, Van Helsing."


Coppola hat diese Gemeinsamkeiten zwischen den beiden in seinem Film noch etwas stärker herausgehoben, denke ich.




LG,
Hosenrolle1
Zefira (11.10.2016, 14:20):
Ich glaube, dass es bei der Desdemona-Stelle darum ging, dass Lucy sich ärgert, weil sie gleich drei Heiratsanträge bekommt und nicht weiß, wen sie nehmen soll. Sie sagt auch so etwas wie "Warum kann ich nicht alle drei heiraten" oder so.

Erinnert mich an den Mozart-Film, wo er sich nicht zwischen drei Perücken entscheiden konnte und sich wünschte, er hätte drei Köpfe.
Aber so ist es nicht gemeint. Ich zitiere Lucy:

Er (Morris) sieht noch si jung aus, daß man kaum glauben kann, wie viele Länder er schon bereist und welche Abenteuer er dort erlebt hat. Ich habe fast Mitleid mit der armen Desdemona, die so gefährlichen Einflüsterungen ausgesetzt war, selbst wenn sie von einem Schwarzen kamen. Wahrscheinlich sind wir Frauen so ängstlich und feig, daß wir glauben, ein Mann könnte uns vor dieser Angst bewahren - und deshalb heiraten wir ihn.

Was bedeutet das? Die "gefährlichen Einflüsterungen", die ihr Angst machen, kommen doch gerade von einem Mann. Wieso will sie dann heiraten, damit der Mann sie dann vor dieser Angst bewahrt? Oder soll uns hier vorgeführt werden, wie charmant unlogisch und kapriziös die arme Lucy ist?
Hosenrolle1 (11.10.2016, 14:46):
Oh, dann habe ich das falsch gedeutet; ich dachte, dass mit dem "pouring" und "ear" gemeint ist, dass Desdemona durch Schierling ins Ohr (Hamlet!) umgekommen sei.
Habe erst jetzt auf Wiki gelesen, wie sie gestorben ist.

(Bei mir fehlen sämtliche Shakespeare-Stellen übrigens komplett ...)

Nun bin ich auch ziemlich ratlos, was das bedeuten soll. Ich kenne aber das Stück nicht. Überhaupt, 19 jährige junge verwöhnte Frauen, die Shakespeare lesen? Ich höre da immer den Autor sprechen, der offenbar eine Vorliebe für Shakespeare hat.


He is such a nice fellow, an American from Texas, and he looks so young and so fresh that it seems almost impossible that he has been to so many places and has had such adventures. I sympathise with poor Desdemona when she had such a dangerous stream poured in her ear, even by a black man. I suppose that we women are such cowards that we think a man will save us from fears, and we marry him.

Sie sagt hier "from fears", nicht "vor DIESEN Ängsten".




LG,
Hosenrolle1
Zefira (11.10.2016, 15:00):
Nach dem Lesen des Originals neige ich zu einer anderen Deutung. Lucy empfindet beim Anhören dieser Abenteuer- und Räuberstücke Neugier und angenehmes Gruseln. "Fears" wäre hier das falsche Wort. In Wahrheit hat sie Spaß dabei und denkt deshalb, Frauen sollten heiraten, damit sie ihr Leben lang in den Genuss solcher Unterhaltungen kommen (da eigene Abenteuerfahrten für sie als bürgerliche Dämchen undenkbar wären).

Warum sollte Lucy nicht Shakespeare gelesen haben? Sie hat ja sonst nichts zu tun. Junge Damen des Bürgertums taten doch zu dieser Zeit nichts anderes als lesen, sticken, Blumen malen und Klavierstückchen spielen.
Vermutlich hatte sie eine bereinigte Shakespeare-Ausgabe ohne anzügliche Stellen.



ps. Ähm, was bringt es eigentlich, im Interesse der größeren Textgenauigkeit das Original zu lesen, wenn man den Sinn nicht oder nicht richtig versteht ...? :ignore :ignore
Hosenrolle1 (11.10.2016, 15:42):
Original von Zefira
Nach dem Lesen des Originals neige ich zu einer anderen Deutung. Lucy empfindet beim Anhören dieser Abenteuer- und Räuberstücke Neugier und angenehmes Gruseln. "Fears" wäre hier das falsche Wort. In Wahrheit hat sie Spaß dabei und denkt deshalb, Frauen sollten heiraten, damit sie ihr Leben lang in den Genuss solcher Unterhaltungen kommen (da eigene Abenteuerfahrten für sie als bürgerliche Dämchen undenkbar wären).

Du meinst, dass sie der Bedeutung nach meint, dass Desdemonia es gut hatte, dass man ihr alle möglichen Dinge erzählt hat? Wie gesagt, ich kenne Othello nicht, ich weiß nicht was ihr gesagt wurde.

"Sympathise" kann man mit "verstehen" und "nachempfinden" sowie mit "sympathisieren" und "mitfühlen" übersetzen.


Warum sollte Lucy nicht Shakespeare gelesen haben? Sie hat ja sonst nichts zu tun. Junge Damen des Bürgertums taten doch zu dieser Zeit nichts anderes als lesen, sticken, Blumen malen und Klavierstückchen spielen.

Stimmt auch wieder, und doch habe ich das Gefühl, dass hier vor allem der Autor redet, eben weil es auffällig ist, dass drei Personen unabhängig voneinander von Shakespeare reden. Gegen Ende des Buches erwähnt Van Helsing die Geschichte "´The ugly duck´ from my friend Hans Andersen".




LG,
Hosenrolle1
Amonasro (11.10.2016, 17:53):
He is such a nice fellow, an American from Texas, and he looks so young and so fresh that it seems almost impossible that he has been to so many places and has had such adventures. I sympathise with poor Desdemona when she had such a dangerous stream poured in her ear, even by a black man. I suppose that we women are such cowards that we think a man will save us from fears, and we marry him.

Kurzer Einwurf von mir: Ich lese das als Anspielung auf Akt I, Szene 3, in der Otello vor dem Dogen erzählt, dass Desdemona sich bei der Erzählung seiner Abenteuer in ihn verliebt hat:

She wish'd she had not heard it, yet she wish'd
That heaven had made her such a man: she thank'd me,
And bade me, if I had a friend that loved her,
I should but teach him how to tell my story.
And that would woo her. Upon this hint I spake:
She loved me for the dangers I had pass'd,
And I loved her that she did pity them.

Gruß Amonasro :hello
Hosenrolle1 (11.10.2016, 19:12):
Danke dir erstmal für deine Anmerkung :)

Ich habe mir die Stelle, die du zitiert hast, auf Deutsch rausgesucht jetzt:

Sie wünschte, sie hätte nichts davon gehört und doch wünschte sie, der Himmel hätte einen solchen Mann für sie gemacht und endlich dankte sie mir, und sagte, wenn ich einen Freund hätte, der in sie verliebt wäre, so möcht' ich ihn nur meine Geschichte erzählen lehren, und er würde sie damit gewinnen.
Auf diesen Wink fieng' ich dann an zu reden, und so verlohren wir beyde unsre Herzen. Sie liebte mich aus Mitleiden mit den Gefahren die ich ausgestanden, und ich liebte sie um dieses Mitleidens willen: Das ist die ganze Zauberey die ich gebraucht habe.

Dieser zitierten Passage voraus geht noch das hier:


Ihr Vater liebte mich, lud mich oft ein, fragte mich immer nach der Geschichte meines Lebens, von Jahr zu Jahr, und ließ mich alle Schlachten, Belagerungen und Abentheuer, durch die ich passiert bin, erzählen. Das that ich nun, und durchlief mein ganzes Leben, von meinen kindischen Tagen an bis auf den nemlichen Augenblik, worinn er mich erzählen hieß: Und da sprach ich ihm also von den verschiedenen seltsamen Glüks-Wechseln, die ich erfahren, von hunderterley tragischen und herzbrechenden Unfällen, die mir zu Wasser und Land aufgestossen, und wie oft ich kaum noch auf der Breite eines Haars dem eindringenden Tod entgangen; und wie ich in die Hände grausamer Feinde gefallen, und zum Sclaven verkauft worden; und wie ich wieder in Freyheit gekommen, und dann die ganze Geschichte meiner irrenden Ritterschaft, als von ungeheuern Grotten, und unterirdischen Gewölben, einöden Inseln, Steinbrüchen, Felsen und Gebürgen, die mit dem Kopf am Himmel anstossen, und von Cannibalen die einander aufessen und von Anthropophagen, und von Leuten, die die Köpfe unter den Schultern tragen, und was der Dinge mehr war, womit ich ihn zu unterhalten pflegte. Allem diesem hörte dann Desdemona mit grosser Aufmerksamkeit zu; und obgleich die Hausgeschäfte sie von Zeit zu Zeit wegrieffen, so machte sie sich doch so schnell als sie konnte, davon los, kam wieder zurük und verschlang meine Erzählung mit gierigem Ohr.

Ich erkenne die Parallelen, irgendwie: Desdemona mag es, wenn ihr diese Geschichten erzählt werden, und Lucy redet von etwas ähnlichem.

Was sie nun GENAU meint weiß ich nicht, aber momentan glaube ich, dass sie ihre Situation mit einer ähnlichen Situation aus einem Stück von Shakespeare vergleicht, was die anderen Figuren auch tun, auf ihre jeweilige Situation bezogen.





LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (11.10.2016, 19:17):
Ergänzung:

Ich glaube, ich weiß jetzt, wie es gemeint ist!


Lucy erzählt, dass ihr Quincy Morris allerlei Geschichten erzählt, und ihr diese so gefallen (aus der besagten Neugier und dem Nervenkitzel), dass sie Desdemona gut verstehen kann, die ihrerseits solche Abenteuergeschichten erzählt bekam und dadurch verführt wurde.

Ich glaube, dass "sympathise" in diesem Fall mit "verstehen" bzw. "sympathisieren", vor allem aber "verstehen" übersetzt werden kann.


Frei übersetzt: "Ich verstehe Desdemona, dass sie von diesen Geschichten verführt wurde, weil mir geht es auch so, wenn Quincy mir diese Sachen erzählt".




LG,
Hosenrolle1
Zefira (11.10.2016, 23:10):
Sagte ich doch schon weiter oben :o)
Hosenrolle1 (11.10.2016, 23:12):
So lernt man immer etwas Neues dazu!



LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (12.10.2016, 18:51):
Original von Zefira
Woher die Autoren wohl immer so genau wissen, was im "tiefsten Höllenpfuhl" am Platz ist?

Ich habe ja schon geantwortet, dass die es damals offenbar sehr hatten mit der Hölle.

Dazu habe ich aus der Dracula-Doku ein weiteres beeindruckendes Bild gefunden, das als Inspiration für den Film diente.

Alfred Kubin
"Der Weg zur Hölle"
1904

http://67.media.tumblr.com/08eb9e1930227d0d2a09c5f102620db8/tumblr_mss4dwkfDx1sb4urwo1_1280.jpg



(Sorry für das OT)

LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (20.10.2016, 00:56):
Mal eine oder zwei ganz allgemeine Fragen, die ein klein wenig OT sind, aber dennoch: mögt ihr bei Romanen (also keinen Bildbänden, Coffee-Table-Books und dergleichen) eigentlich das Hardcover-Format oder das Taschenbuch-Format?

Und wie wichtig ist es euch, dass ein Buch, das ihr besitzt, möglichst keine Gebrauchsspuren aufweist? Damit meine ich jetzt, dass der Buchrücken vielleicht ein paar leichte Knicke hat, dass an den Ecken ganz kleine Schrammen sind, dass die Seiten von außen nicht mehr strahlend weiss sind, etc.

Achtet ihr da sehr darauf, oder mögt ihr es, wenn ein Buch sozusagen "in Würde altert"?

Ich für meinen Teil mag generell keine Hardcover-Ausgaben, weil ich sie unbequem finde, wenn ich sie in der Hand halte, besonders, wenn es relativ große Bücher sind. Sie sehen zwar sicher "edler" aus im Regal, speziell in einem eventuellen Schuber, aber mir persönlich ist es nicht wirklich wichtig, wie die Sachen im Regal aussehen.

Und ich mag es, wenn ein Buch Spuren der Zeit aufweist und benutzt aussieht, das hat, so seltsam das vielleicht klingen mag, für mich irgendwie mehr Charme, als so ein fast neuwertiges, "klinisch sauberes" Buch.

Ich vergleiche das gerne mit einer E-Gitarre. Wenn man sie neu kauft, ist es noch ein fremdes Stück ohne "Persönlichkeit". Nach und nach kommen leichte Gebrauchsspuren. Die erste Schramme, der erste Kratzer tut natürlich besonders weh, aber im Laufe der Zeit bekommt das Instrument einen ganz eigenen Charme, mit einer eigenen Geschichte, quasi. Die Gitarre hat schon eine ganze Zeit durchlebt und ist eben auch gealtert. Es ist echt etwas völlig anderes, ob man mit einer brandneuen Gitarre da sitzt und jammt, oder ob man eine 15 Jahre alte Gitarre mit Schrammen und Kratzern spielt. (Viele Firmen bieten, weil dieser gebrauchte Look so beliebt ist, künstlich gealterte neue Gitarren an; da werden weiße Plastikteile leicht gelblich gefärbt, da wird der Lack an manchen Stellen zerkratzt, da gibt es sogar Brandflecken von Zigaretten).

Ja, und bei Büchern mag ich das auch. Man nimmt so ein Buch aus dem Regal, wo man sieht, dass es Jahre hinter sich hat und auch gelesen wurde.

Bei meinen Partituren ging es mir auch so. Am Anfang waren sie völlig weiss, und ohne Knicke etc., und mir war total wichtig, dass sie weiterhin so aussehen. Weil die Dinger aber über 10 Jahre extrem viel benutzt wurden, sehen sie auch entsprechend aus, aber auch das mag ich irgendwie. Keine Schmuckstücke, sondern hilfreiche Gebrauchsgegenstände, die ebenfalls eine Geschichte haben.




LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (22.10.2016, 03:02):
Original von Zefira
ps. Ähm, was bringt es eigentlich, im Interesse der größeren Textgenauigkeit das Original zu lesen, wenn man den Sinn nicht oder nicht richtig versteht ...?

Da nichts mehr dazu gesagt wurde, nehme ich an, dass das völlig ernst gemeint war, deswegen möchte ich auch darauf antworten.
In diesem konkreten Fall (Othello, Desdemona) hätte ich den Sinn von Lucys Aussage auch in einer deutschen Übersetzung nicht verstanden, was aber nichts mit der englischen Sprache zu tun hat, sondern damit, dass ich den Othello einfach nicht kenne.
Generell bringt es aber auch einiges. Man übt sich in einer fremden Sprache, was schon einmal sehr gut ist. Der „Dracula“ ist dabei, mit Ausnahme von diversen Slangwörtern an bestimmten Stellen, ziemlich leicht zu lesen, er hat ein schönes Englisch, und keine kunstvollen Schachtelsätze voller superkomplizierter Wörter. Wenn ich das Original lese, dann lese ich das, was Stoker selbst geschrieben hat, ohne Zusätze, ohne etwas wegzulassen.


https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/41ff9ctwHbL.jpg

Nun habe ich mir eine neue Version von „Dracula“ in Buchform geholt, und mich gleich ans Vergleichen gemacht. Das Vergleichen macht einen unheimlichen Spaß, gleichzeitig ist es aber immer bedauerlich, dass man nicht tatsächlich JEDEN Satz überprüfen kann, sondern nur Stichproben. Im Grunde fast wie bei einer Partitur – man wird es nie schaffen, alle Details zu finden.

Das hier soll auch keine Rezension sein, denn um eine brauchbare zu schreiben, müsste ich tatsächlich jeden Satz verglichen haben. Ich meine, alleine die vielen lateinischen Sprüche, die da vorkommen, verdienen es, dass man nachsieht, ob sie übernommen, und wenn ja, übersetzt wurden.

Besonders erfreulich ist, dass es am Ende Fußnoten gibt, die viele Begriffe, Namen, Orte, etc. erklären, die im Text vorkommen. Das ist auch etwas, was der Penguin Popular Classics-Ausgabe leider fehlt, obwohl sie das etwa bei „Ivanhoe“ gemacht haben.
Davon abgesehen gibt es eine Erklärung zur Übersetzung, die ich sehr interessant fand.

So heißt es da etwa:

Die erste deutsche Übersetzung besorgte Heinz Widtmann, und sie erschien 1908 als von Stoker „autorisierte Übersetzung aus dem Englischen“. Aufgrund des damit verbundenen Geltungsanspruches ist sie bis heute die wohl am häufigsten gedruckte deutsche Version sowie – obwohl man Widtmanns Text getrost problematisch nennen darf – der Ausgangspunkt der vorliegenden Textfassung.

Das hat mich schon ein bisschen erschreckt, weil ich davon vorher nichts wusste.


Ganz besonders interessant ist aber dieses:

Ende der 1960er Jahre erschienen drei neue Übersetzungen, von denen eine nichts anderes als den Widtmann-text mit kaum aufzufindenen Änderungen präsentierte; Anfang der 1990er Jahre gab es dann noch einmal drei Übersetzungen bzw. Bearbeitungen. Eine englischen Ausgaben vergleichbare Erschließung des Romans über Anmerkungen und Kommentare sowie die Thematisierung bzw. Korrektur eklatanter Fehler des Originals wurde bislang nicht geleistet.

Was das bedeuten soll wird kurz darauf klar:

Schon bei Stoker gehen vier Personen in ein Zimmer, um es zu fünft wieder zu verlassen, wechselt der Name von van Helsings Hotel oder es passen Daten und Tageszeiten auf vielfältige Weise nicht zueinander. Geben derartige textologische Schwächen und Fehler heute den Aficionados zwar anlass zu den verschiedensten Verschwörungstheorien, um die realität des Berichteten zu beweisen, so sind sie dennoch in originalsprachigen Ausgaben getilgt bzw. nicht unkommentiert belassen.

Na ist das arg? Mir sind diese Dinge leider nie aufgefallen, und alleine die hier benannten Beispiele für Stokers Fehler wären schon interessant genug, um den Umgang mit ihnen in verschiedenen Ausgaben zu untersuchen.

Mit einem Schmunzeln zustimmen muss ich auch dieser Stelle:

Der spätviktorianische Roman ist dem Zeitgeschmack entsprechend voller Sentimentalität, Pathos und Frömmelei – eine Gefühligkeit, die vom ersten deutschen Übersetzer nicht gemildert, sondern eher noch verstärkt worden ist. Zur Illustration weiterer Schwächen des bis heute nachgedruckten Widtmann´schen Textes mögen einige Beispiele genügen: Es gibt zahlreiche Verwechslungen des Personals, insbesondere geraten John und Jonathan durcheinander. Kapitelüberschriften sind falsch, und die Handhabung der Anredeformen „Sie“ und „Du“ – eine Gewissensfrage jeder Übersetzung aus dem Englischen – ist situativ-sprunghaft. (…) Neben offenkundigen Übersetzungsfehlern und unglücklichen Übertragungen („bloofer Lady“ wird zu „blutige Dame“) gibt es sogar Fehlstellen, durch deren Ergänzung der hier vorliegende Text gegenüber Widtmann um ca. fünf Prozent an Umfang gewonnen hat.

Das Buch ist leider tatsächlich voller Pathos und Frömmelei, und die Sentimentalität und Figurenzeichnung … aber lassen wir das.

Besonders interessant ist, dass hier gesagt wird, dass Fehlstellen für diese Ausgabe ergänzt wurden – umso mehr wäre es nun interessant, JEDEN Satz zu vergleichen. Und diese Dinge („Du“ und „Sie“, Fehlstellen, etc.) bestärken mich nur umso mehr darin, das Original zu bevorzugen. Manchmal redet Van Helsing im englischen Original Deutsch, so ruft er etwa an einer Stelle „Gott in Himmel“(sic!). Das geht natürlich ebenfalls verloren, wenn jeder Deutsch redet.
Irgendwie verhält es sich da ein bisschen wie mit einer Partitur und einer Inszenierung. Man kann die Partitur (den Originalroman) lesen, und sich ansehen, was der Komponist geschrieben hat. Und man kann sich eine Interpretation (eine Übersetzung) ansehen, müsste sich aber ZUSÄTZLICH noch mit den neuen Ideen, mit der Frage der Werktreue etc. beschäftigen.
Der Text ist also, wie gesagt, leider keine neue deutsche Übersetzung.



Was mir am Text auffällt ist, dass er oft ziemlich gestelzt wirkt, wo das Original vergleichsweise einfach gehalten war.
Etwa hier fällt mir das auf:

I found my smattering of German very useful here; indeed, I don’t know how I should be able to get on without it.

Meine spärlichen Deutschkenntnisse kamen mir sehr zustatten; ich wüsste wirklich nicht, wie ich hier ohne sie weiterkommen sollte.

Bei einer Stelle, als Harker dem Grafen die Schaufel ins Gesicht schlagen möchte, und die Zefira und ich schon miteinander verglichen haben, meine ich einen Übersetzungsfehler ausgemacht zu haben.


The last glimpse I had was of the bloated face, blood-stained and fixed with a grin of malice which would have held its own in the nethermost hell.

Das Letzte, was ich sah, war das aufgedunsene, blutunterlaufene Gesicht und ein starres, höhnisches Lächeln, welches selbst bei den Teufeln der untersten Hölle nicht seinesgleichen finden könnte.

Hier fallen mir zwei Fehler auf: zum einen halte ich „blutunterlaufen“ für falsch, denn das Gesicht ist blutig von der Wunde, die ihm die Schaufel geschlagen hat. Blutbefleckt oder so würde es wohl besser treffen.
Zum anderen schreibt Stoker hier, dass ein Grinsen auf dem Gesicht des Grafen lag, in der dt. Version ist es ein Lächeln. Kurz zuvor schreibt Harker, als er den reglosen Grafen untersucht, dass dieser ein „mocking smile“ auf seinem Gesicht hat. Als der Deckel dann zufällt, hat sich das Gesicht verändert, denn nun grinst der Graf. Das ist ziemlich gruselig, aber in dieser Übersetzung bleibt es ein Lächeln.
Und die Teufel kommen bei Stoker gleich gar nicht vor ^^



I sympathise with poor Desdemona when she had such a dangerous stream poured in her ear, even by a black man.

Ich kann nun der armen Desdemona nachfühlen, die gleichfalls einen solchen Wortschwall zu hören bekam, wenn auch von einem Schwarzen.

Soweit ich das sehen konnte, sind alle Shakespeare-Erwähnungen enthalten – in meiner anderen dt. Ausgabe fehlen sie völlig. Diese Übersetzung ist sicher auch nicht ganz am Original, macht aber besser verständlich, was Lucy meint.



“ ‘Miss Lucy, I know I ain’t good enough to regulate the fixin’s of your little shoes, but I guess if you wait till you find a man that is you will go join them seven young women with the lamps when you quit. Won’t you just hitch up alongside of me and let us go down the long road together, driving in double harness?’

“Miss Lucy, ich weiß wohl, dass ich nicht gut genug bin, auch nur die Bänder Ihrer kleinen Schuhe zu binden, aber ich schätze, wenn Sie auf einen Mann warten wollen, der Ihrer würdig ist, werden Sie sich den sieben Jungfrauen mit den Lampen zugesellen müssen. Wollen Sie da nicht lieber neben mir anspannen, auf dass wir die lange Straße gemeinsam als Zweispänner hinunterrollen?“

Das hier ist so ein Fall, der überhaupt problematisch zu übersetzen ist. Quincy, ein Texaner, redet hier für Lucy im Slang, was man auch gut erkennen kann. In der deutschen Version merkt man davon nichts, im Gegenteil, das Ganze klingt viel zu kultiviert.




To use an Americanism, he had “taken no chances,” and the absolute accuracy with which his instructions were fulfilled, was simply the logical result of his care.

Um einen Amerikanismus zu gebrauchen, “he had taken no chances”, und die absolute Genauigkeit, mit der seine Aufträge ausgeführt worden waren, war die logische Folge der von ihm aufgewandten Sorgfalt.


Ich vermute stark, dass diese Stelle hier in der Ausgabe von 1908 gefehlt haben wird, denn neben dem Amerikanismus ist eine Fußnote, die erklärt, was „had taken no chances“ bedeutet.




his manner was that of a man commanding destiny. He was, in fact, commanding destiny—subjectively.

Er trug die Miene eines Mannes zur Schau, der dem Schicksal gebietet. Und in der Tat gebot er – wenigstens subjektiv – dem Schicksal.

Auch das fehlt in meiner alten dt. Ausgabe, aber mit dieser Übersetzung bin ich gar nicht einverstanden. Im Original klingt die Stelle, wo Dr. Seward über Renfield redet, witziger, erinnert mich fast ein bisschen an Woody Allens Schreibstil. Hier löst der Übersetzer schon mitten im Satz auf, dass es „subjektiv“ gesehen so ist – und von „wenigstens“ ist bei Stoker überhaupt keine Rede.
Und "his manner" wird mit "er trug die Miene zur Schau". übersetzt.




Then she paused, and I could hear the churning sound of her tongue as it licked her teeth and lips, and could feel the hot breath on my neck. Then the skin of my throat began to tingle as one’s flesh does when the hand that is to tickle it approaches nearer—nearer.

Dann hielt sie inne, und ich konnte buchstäblich hören, wie ihre Zunge über ihre Lippen und ihre Zähne strich. Ich spürte, dass ich eine Gänsehaut bekam, ganz wie es passiert, wenn eine Hand, die einen kitzeln will, näher kommt, und immer näher …

Hier sieht man, dass das mit der Vollständigkeit leider doch nicht ganz stimmt, denn es fehlt der heiße Atem auf dem Hals.
Aus dem im Original ganz klar beschriebenen „churning sound“ wird ein, wie ich finde, unfreiwillig komisches „buchstäblich hören“.
Und: im Original schreibt Harker, dass die Haut auf seinem Hals oder seiner Kehle zu prickeln begann – in der dt. Version bekommt er einfach nur allgemein Gänsehaut. Das ist etwas völlig anderes!




Das nächste Beispiel ist eine ziemlich harte Nuss! Ein alter Mann erzählt Lucy und Mina, wer in dem Grab liegt, auf dem sie gerne sitzen. Es handelte sich um einen verküppelten Mann, dessen Mutter eine Lebensversicherung abgeschlossen hat. „Das kommt daher, weil Sie nicht wissen, dass die Mutter eine richtige Höllenkatze war, die ihn hasste, weil er krumm war – ein richtiger Krüppel war der! Und er hasste sie so sehr, dass er sich umbrachte, nur damit sie nich´ die Versicherungssumme bekam, die sie auf sein Leben abgeschlossen hatte“, erzählt er den beiden Damen.

He blew nigh the top of his head off with an old musket that they had for scarin’ the crows with. ’Twarn’t for crows then, for it brought the clegs and the dowps to him. That’s the way he fell off the rocks.

Er hat sich nämlich die Schädeldecke mit ´ner alten Muskete weggeschossen, die sie zu Hause hatten, um die Krähen damit zu erschrecken. Auf diese Weise is´ er vom Felsen gepurzelt.

Hier habe ich schon ganz schlechte Übersetzungen gelesen; die Leseprobe bei Google Books etwa sagt, dass er sich den KOPF weggeschossen hätte, was Unsinn ist.
Hier ist die Schädeldecke korrekt, ABER: wieder eine Fehlstelle („`Twarn´t for crows then …) und eine erneut absolut unpassende Übersetzung. Im Original FÄLLT er, im Deutschen jedoch purzelt er?

Was nun dieser Satz mit denn „clegs“ und den „dowps“ bedeutet ist mir ein Rätsel.

Auf der Suche danach bin ich auf ein englisches Forum gestoßen, wo man viele Begriffe selbst nicht versteht und darüber diskutiert. Dort schreibt einer: „The following information comes from the notes to an edition of Dracula edited by Marjorie Howes and published by Everyman. Stoker got the dialect from an 1876 book by F. K. Robinson called A Glossary of Words Used in the Neighborhood of Witby.”

“The clegs and the dowps” soll offenbar “the flies and the crows” bedeuten, was ich aber eigenartig finde.
Das urban-dictionary sagt mir, dass “cleg” eine britische Slangbezeichnung für “slut”, also “Schlampe” ist, das Wiktionary sagt mir, dass “dowp” eine andere Form von “doup” ist, was “buttocks” bzw. „arse“, also „Arsch“ bedeutet. Beides macht aber für mich in dem Zusammenhang keinen Sinn – was meint er mit „it brought“? Die Versicherung? Dass da lauter Schmarotzer – „Schlampen“ und „Ärsche“ – gekommen sind, um irgendwie an das Geld zu kommen, und er sich ihrer mit der Muskete erwehren musste?

ODER ABER: er bezieht das "then" auf die Zeit nach seinem Selbstmord, und will damit sagen, dass die Fliegen und Krähen oder was auch immer zu seiner Leiche gekommen sind. Dann würde ich den Satz so verstehen: "Als er sich erschossen hat, wurde die Muskete nicht für Krähen verwendet, und gebracht hat es auch nichts, denn die Tiere sind dann erst recht zu ihm gekommen".


Aber davon einmal abgesehen kommen in diesen kurzen Berichten massenweise Slangwörter vor, die sehr regional und zeitbedingt sind. Ich habe diese Stellen beim Lesen nur überflogen, denn diese Wörter muss man nicht wissen, und jedes einzeln zu recherchieren ist zu mühselig. Ein Amerikaner, der Deutsch lernt und Texte liest, muss auch nicht wissen, wie irgendein Gegenstand vor 120 Jahren in einem bestimmten Wiener Bezirk einmal genannt wurde. Wenn das stimmt, was da gesagt wird, dann wusste nicht einmal Stoker selbst von diesen Wörtern, und musste sie nachschlagen.




But yet we see around us every day the growth of new beliefs, which think themselves new; and which are yet but the old, which pretend to be young—like the fine ladies at the opera.

Jetzt sehen wir jeden Tag um uns herum Ideen auftauchen, die sich selbst für neu halten und dies lautstark verkünden, die aber in Wirklichkeit schon uralt sind. Sie sind wie die „schönen Frauen“ auf der Opernbühne.

„und dies lautstark verkünden“??

Und die in Anführungsstriche gesetzten „schönen Frauen“ halte ich für ganz falsch, denn es verfälscht Van Helsings Aussage. Zudem: es wird nur gesagt „at the opera“. Das schließt doch auch die Frauen im Publikum ein, nehme ich einmal stark an. In der deutschen Übersetzung wird aber klar gesagt, dass es sich nur um die auf der Bühne handelt.



Alles in allem also eine interessante Ausgabe, leider nicht vollständig und eben nicht neu übersetzt. Die Fußnoten sowie der kurze Bericht über diverse Fehler etc. sind lesenswerter :wink





LG,
Hosenrolle1
satie (14.11.2016, 23:20):
Hinweis: Die Beiträge aus dem Übergangsthread "Literatur" wurden hierhin verschoben.
Zefira (15.11.2016, 00:03):
In meiner Frankenstein-Ausgabe heißt es im letzten Absatz: "Mit diesen Worten sprang er aus dem Kajütenfenster auf eine Eisscholle hinab, die neben dem Schiff trieb." Den Kahn würde ich ganz klar für sinnentstellend halten. Der Punkt ist ja (nach meiner Erinnerung) der, dass das Monster aus der Welt der Menschen verschwinden will, am liebsten den Tod finden.
Hosenrolle1 (15.11.2016, 09:38):
Danke für´s Nachsehen :)

Ja, das ist gut, dass die Eisscholle bei dir eine Eisscholle bleiben durfte. Die Kreatur meint, dass sie sich verbrennen wird (wie sie Feuer machen möchte im Eis, das erklärt sie nicht), damit kein Mensch die Überreste finden kann, um auf dumme Ideen zu kommen.



LG,
Hosenrolle1
Hosenrolle1 (17.11.2016, 16:44):
Was haltet ihr eigentlich davon, den Thread umzubenennen in "Literatur" oder "Literarisches" oder so? Ich finde, der Titel "Was lest ihr zur Zeit" schränkt zu sehr ein, man könnte meinen, dass hier in erster Linie nur Auflistungen von Werken erwünscht sind, die man gerade liest, und Diskussionen über Bücher generell nicht erwünscht.



LG,
Hosenrolle1
palestrina (17.11.2016, 20:09):
Ich würde das so belassen, denn es soll doch eine Anregung sein, das andere das vorgestellte Buch kennenlernen können, sollen, wollen, die es nicht kennen.
Lieber dann einen „ Literarischen Diskussionsthread " eröffnen ist mM dazu.

LG palestrina
Rotkäppchen (17.11.2016, 20:56):
Ich würde das so belassen
Würde ich auch. Der Faden hat ja in dieser Form seit 2006 eine gewisse Tradition.

Im Übrigen ist das hier so ein Fall, wo bis zu diesem Beitrag alle Postings doppelt sind. Vielleicht erbarmt sich ein freundlicher Admin?

Grüße – Rk
Hosenrolle1 (17.11.2016, 21:07):
Dass sich dann aber keiner beschwert, wenn ich hier über Bücher schreibe, die ich gerade NICHT lese ;)

Generell finde ich allgemeinere Titel besser; "Was ... ich gerade jetzt"-Threads gibt´s sowieso wie Sand am Meer, in jedem Forum.



LG,
Hosenrolle1
Rotkäppchen (17.11.2016, 21:59):
Dass sich dann aber keiner beschwert, wenn ich hier über Bücher schreibe, die ich gerade NICHT lese ;)
Das ist selbstverständlich nicht auszuschließen. Deshalb brauchen wir dafür einen gesonderten Faden "Was lest ihr zur Zeit nicht?". Soll ich den schonmal anlegen? Kann sein, dass das DER Renner wird. Ich hätte da ziemlich viel reinzuschreiben, alle anderen bestimmt auch :haha .

Nee, jetzt im Ernst, wenn du schon weißt, dass du über ein Buch etwas mehr schreiben willst und auf eine längere Diskussion hoffst, dann spendiere dem Werk doch einen eigenen Faden. Warum nicht ein Frankenstein-Thread oder ..........
Cantus Arcticus (18.11.2016, 16:19):
Hallo Zusammen
Wir haben nach kurzer Absprache im Team den Thread umbenannt in "Literatur", so wird die zeitliche Einschränkung aufgehoben. Grundsätzlich sollen hier Bücher beschrieben, diskutiert, vorgestellt oder empfohlen werden.

Wie immer gilt: Meinungen sind gefragt, man kann es auch wieder rückgängig machen :thumbup:

Grüsse :hello
Stefan
Hosenrolle1 (27.11.2016, 20:06):
Zwei Überlegungen:

In "Dracula" von Bram Stoker kommen des öfteren Verweise auf Shakespeares Werke vor, auch Hamlet ist darunter. Nun heißt das Schloss oder die Burg dort "Helsingör", der Doktor aus Dracula "van Helsing". Ob das Absicht war?

Ich habe mit dem Lesen von "Gullivers Travels" auf Englisch begonnen, und auf den ersten Seiten berichtet Gulliver von einem Mr. James Bates, und dann findet sich folgender Satz: "But my good master Bates dying in two years after (...)". Die Hervorhebung ist von mir. Ob das ebenfalls mit Absicht so geschrieben wurde?



LG,
Hosenrolle1
Janus (27.11.2016, 20:53):
Schon lange ist es her, dass ich mich mit Abraham Stokers Dracula beschäftigt habe.

Kurz recherchiert:


As for the surname “Van Helsing,” a number of possibilities have been suggested. It may derive from Dr Hesselius, the fictional narrator of Sheridan Le Fanu’s famous vampire tale “Carmilla” (1872). Given Stoker’s familiarity with Shakespearean plays as manager of the Lyceum Theatre, the origin is possibly “Helsingor the Danish town in which Hamlets’ castle is located. A third consideration is Van Helmont, an ancient alchemist mentioned briefly in T J Pettigrew’s On Superstitions Connected with the History and Nature of Medicine and Surgery (1844), one of Stokers known source-texts for Dracula.

http://www.ucs.mun.ca/~emiller/van_helsing.html
Hosenrolle1 (27.11.2016, 21:18):
Ah, das ist interessant! Da war ich doch nicht der Einzige, der diesen Zusammenhang hergestellt hat, wenn auch ziemlich spät leider. (Zu meiner Ehrenrettung, in meiner deutschen Ausgabe von Dracula sind alle Shakespeare-Verweise herausgestrichen worden, erst als ich das Original auf Englisch las, fiel mir das auf).

Danke dir auf jeden Fall für den Hinweis :)
(Hast du den Film von 1992 auch gesehen? Hab eine Besprechung dazu geschrieben im Plauderbrett, falls es dich interessiert)


LG,
Hosenrolle1
Janus (27.11.2016, 21:23):
in meiner deutschen Ausgabe von Dracula sind alle Shakespeare-Verweise herausgestrichen worden
Über welche Üb. verfügst Du denn?
Hosenrolle1 (27.11.2016, 21:46):
Ich habe diese Version hier, von 1995:



Die habe ich irgendwann Ende der 90er gekauft, wo ich noch nichts über diese Dinge wusste, und weil mir das Buch so gefiel, habe ich es 3x gelesen (nicht hintereinander natürlich, schon mit ein paar Jahren Abstand dazwischen). Dann habe ich vor kurzer Zeit erst das englische Original gelesen, und war erschüttert, wieviele Szenen, Dialoge, Details da vorkamen, von denen ich bislang nichts wusste - es war, als würde ich ein völlig anderes Buch lesen!

Ich habe mir kürzlich auch diese Version besorgt, allerdings nur zu Vergleichszwecken:



Tatsächlich handelt es sich hier um eine Uralt-Übersetzung von 1908 oder so, am Ende gibt es eine Liste, in der manche Dinge erklärt werden. Diese Übersetzung ist etwas besser, weil etwa die Shakespeare-Verweise und viele andere Stellen enthalten sind, aber dennoch ist - entgegen der im Buch enthaltenten Aussage, das Buch sei um fehlende Stellen ergänzt worden - definitiv nicht vollständig übersetzt, weil immer noch einiges fehlt.

Ich bin, was deutsche Ausgaben betrifft, nun immer skeptisch und bevorzuge das Original.

Gerade ein paar Postings zuvor habe ich das Ende von "Frankenstein" von Mary Shelley mit einer dt. Übersetzung verglichen. Da heißt es im Original, dass die Kreatur am Ende aus dem Fenster des Schiffes auf eine Eisscholle springt, die schnell von den Wellen davon getragen wird. In der deutschen Übersetzung heißt es allen Ernstes, dass die Kreatur auf ein Boot springt, das "längsseits des Schiffes" befestigt war! Aus einer Eisscholle wird plötzlich ein am Schiff befestigtes Boot. usw. usw. usw.



LG,
Hosenrolle1
palestrina (01.03.2017, 23:43):
Die letzten Tage habe ich mir mal wieder diese beiden Bücher hervor geholt ...


Inhalt: Dieter Zöchling spinnt bekannte Opern ansatzweise in Form von Strafprozessen weiter. Enthalten sind:

Rocco und seine Gefangenen (Fidelio)Mord auf Bestellung (Rigoletto)Königsmord (Ein Maskenball)Die Zigeunerin und die Liebe (Carmen)Is black beautiful? (Othello)Vendetta (Cavalleria Rusticana)Blutiger Ferragosto (Der Bajazzo)Floria lebt! (Tosca)Les fleurs du mal - les fleurs de la mauvaise? (Adriana Lecouvreur)Von Wölfen und Menschen (Tiefland)Verräterisches Tauwetter (Jenufa)Die Gezeichneten von Florenz (Gianni Schicchi)
Wie meist bei solchen Zusammenstellungen sind manche Texte besser, manche schwächer. Allerdings kann man Zöchling zugute halten, daß er eine durchaus interessante Form der »Nacherzählung« dieser Opern gefunden hat. Üblicherweise leitet er mit einigen historischen Hintergründen ein, bevor er die »Angeklagten« vor Gericht stellt. Dies in Verbindung mit der Darstellung aus Sicht teils mehrerer Protagonisten vor diesen fiktiven Gerichten eröffnet manch neue Dimension.

Nach Freispruch für Tosca - Jago soll hängen präsentiert
der Wiener Staatsanwalt und erfolgreiche Musikschriftsteller Dieter
Zöchling zwölf neue erdachte Opern- Fälle : Ob Beziehungsdrama oder
kriminelles Geschehen - was wäre, wenn Opernfiguren, die sich auf die
eine oder andere Art schuldig gemacht haben, vor ein fiktives
Gerichtgestellt würden?
Präzise im historischen Detail, kenntnis- und anspielungsreich,
unbekannte Zusammenhänge aufdeckend, durchsetzt mit ironischen
Untertönen -eine faszinierende, bestens unterhaltende Lektüre vor dem
Hintergrundspannenden Musiktheaters.

Also für mich waren und sind diese beiden Bücher, immer wieder spannend zu lesen!
In dem zweiten vorallem Elektra, Pelléas et Mélisande, Eugen Onegin und Wozzeck!

Gibt es leider nur noch Antiquarisch!

LG palestrina
Falstaff (09.03.2017, 01:39):
Habe mich mal wieder an das hier herangemacht:



Karl Mays großes Alterswerk Ardistan und Dschinnistan. Das ist weit, sehr weit entfernt von dem Anschleichen-Belauschen-Umzingeln-Bezwingen-Karl May der klassischen Abenteuerbücher wie 'Schatz im Silbersee'. Winnetou I-III' oder dem 'Orientzyklus'. Natürlich ist hier immer auch noch das Abenteuer vorhanden. Aber eigentlich ist es eine hochsymbolische Reise durch Zeit und Raum, ist es Fantasy, Entwicklungsroman, Philosophie, wirkliche Hochliteratur. Und in dieser Mischung ziemlich einmalig in der deutschen Literatur.
Zefira (09.03.2017, 08:53):
Ich habe eben mal auf der Karl-May-Autorenseite des Projekts Gutenberg nachgeschaut, welche Bücher es von ihm da zum Runterladen gibt.
Die üblichen "Indianerbücher" mag ich nicht mehr lesen, aber in das Spätwerk werde ich mal hineinschauen.
Was ich aber fragen wollte, ich sehe dort zu meinem Staunen "Winnetou IV". Was hat es damit auf sich? Nie davon gehört ...
Falstaff (09.03.2017, 22:47):
Was ich aber fragen wollte, ich sehe dort zu meinem Staunen "Winnetou IV". Was hat es damit auf sich? Nie davon gehört ...
Winnetou IV heißt in der Ausgabe des Karl-May-Verlages 'Winnetous Erben' und ist ebenfalls ein Roman aus seinem Spätwerk. Der alte Karl May begibt sich mit seiner Frau Klara noch einmal in die USA, weil dort Winnetou ein Denkmal errichtet werden soll, gegen das er sich vehement ausspricht.

Dies ist vielleicht das Buch, in dem sich Realität und Fiktion am stärksten mischen und der Autor auch am gelungensten damit spielt. Aber auch hier geht es nicht mehr um Abenteuer, sondern um Versöhnung und Frieden. May findet noch einmal sehr starke symbolische Bilder, die allerdings nicht an 'Ardistan' oder an den 'Silberlöwen III und IV' heranreichen.

Trotzdem ist es durchaus lesenswert, weil es ganz stark die Vision Mays darstellt. Allerdings müsste man sich in den Abenteuerromanen auskennen, damit man alle Anspielungen und Bilder auch verstehen kann.

:hello Falstaff
Falstaff (09.03.2018, 23:56):


Eine absolute Entdeckung. 1933 hat übrigens nichts mit 'unserem' 1933 zu tun. Die Geschichte eines Heranwachsenden, der davon träumt, sein ärmliches Zuhause zugunsten einer großen Karriere verlassen zu können. Das ist so witzig, so gut beobachtet, so leidvoll, sprachlich gut. Und man möchte dem Helden immer entweder kräftig in den Hintern treten oder ihn in den Arm nehmen. Großartig!

:hello Falstaff
Falstaff (27.03.2018, 00:26):


Ab und an muss es mal wieder Jules Verne sein. In diesem Fall 'Die Schule der Robinsons'. Verne war ja nicht nur ein großartiger Abenteuerschriftsteller, sondern auch ein grandioser Satiriker. (Und daneben ja noch vieles mehr.) Auch hier funkelt in jedem Satz eine unendliche Ironie, ein wunderbarer Humor, so dass man eigentlich immer denkt, Verne müsste eigentlich Engländer gewesen sein.

:hello Falstaff
Nicolas_Aine (28.03.2018, 23:51):
habe vor einiger Zeit "Die Leiden eines jungen Chinesen in China" von Verne gelesen. Köstlich!
Falstaff (29.03.2018, 00:43):
Witzig. Genau das traf heute bei mir ein. Bin sehr gespannt.



LG Falstaff
Nicolas_Aine (29.03.2018, 12:10):
viel Vergnügen!
Falstaff (29.03.2018, 23:30):
Danke. Ich werde berichten.

LG Falstaff
Falstaff (24.05.2018, 01:29):
Hab nun Jules Vernes Chinesen-Story gelesen und muss gestehen, ganz so angetan bin ich nicht. Streckenweise fand ich es schon sehr gelungen, hätte mir aber noch mehr pointierten Witz gewünscht. Den kann er ja durchaus recht gut. Aber es war insgesamt unterhaltsam und auch durchaus überraschend in manchen Wendungen.

:hello Falstaff
Falstaff (24.05.2018, 01:41):
Im Moment einer meiner Lieblingsschriftsteller (man ist halt nicht ungestraft Hamburger ^^ ):



Eine Sammlung kurzer Erzählungen. Witzig, skurril, berührend, melancholisch. Vom ersten Puffbesuch auf St. Pauli bis hin zu Chopin und Mallorca. Das ist nicht immer unbedingt große Kunst, aber stets berührend und sprachlich ungemein faszinierend. Halt typischer Hans Leip. Irgendwie so eine Mischung von Nebenbei und Tiefsinn. Halt ganz Hanseatisch.

("...und zu Hause war der Flieder aufgebrochen, durch dessen Duft das Gemüt gleichsam mit frischer Wäsche versehen wird.")

:hello Falstaff
MaJu1997 (24.05.2018, 12:43):
Bin gerade von "Unter Leuten" von Juli Zeh begeistert. Wer das Landleben kennt wird sich köstlich amüsieren. :)
satie (24.05.2018, 13:12):
Hallo MaJu,

ich heiße Dich an dieser Stelle herzlich willkommen im Forum!

Herzliche Grüße
Satie
Nicolas_Aine (26.05.2018, 15:19):
Bin gerade von "Unter Leuten" von Juli Zeh begeistert. Wer das Landleben kennt wird sich köstlich amüsieren. :)
wer nicht, auch :D

habe gerade "Die 3 Musketiere" und "Der Graf von Monte Christo" fertig gelesen, als nächtes kommt jetzt der Folgeband zu den Musketieren, "20 Jahre später" und anschließend "Gullivers Reisen". Dumas Sprache gefällt mir äußerst gut, das ist einfach sehr unterhaltsam formuliert.
Falstaff (02.06.2018, 00:53):
Im Moment dieses hier:



Auch wenn manches sehr verklausuliert geschrieben ist, sind doch trotzdem sehr viele hochinteressante Passagen zu finden. Er war halt ein Weltbürger in Sachen Kunst. Insgesamt schon ein Genuss.

:hello Falstaff
Guenther (02.06.2018, 12:11):
Zum Geburtstag schenkte meine Tochter mir diesen Sonderdruck:

http://www.historische-daten.de/h-d/buchpublikat/ibachbuch2.htm



Das Buch erschien 2006 im Mozart-Jahr und 240. Geburtstag des Firmengründers. Leider mußte Ibach bereits ein Jahr später seine Produktion einstellen, da man mit Fernost nicht preislich konkurrieren konnte.


http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/sieg-der-billigen-ware-1489966.html


Das Büchlein beschreibt in kurzen Texten die wichtigsten historischen Abschnitte der Fa. Ibach und der Familienmitglieder. Viele Fotos zeigen die Menschen und Produktionsstätten dieser bekannten Klavierbau-Firma, die z.T. sogar Betten und Schallplatten verkaufte...
Guenther (02.06.2018, 12:15):
Weiter arbeite ich gerade noch mit Genuß dieses Buch durch:




https://www.amazon.de/Das-Buch-vom-Klavier-Ostholstein/dp/3487084724


Hier werden sehr viele Ausstellungstücke der Sammlung Beurmann in Fotos gezeigt sowie textlich in aller Kürze, aber detailliert beschrieben.


Empfehlung für Klavierliebhaber!
Falstaff (20.07.2018, 22:27):
Umgeben von Nazi-Denkmälern in der Eifel griff ich unbewusst (oder doch vielleicht bewusst) zu diesem Buch:



Julian Barnes psychologische Studie über Schostakowitsch in der UdSSR. Sehr faszinierend, einerseits als Psychogramm dieses Komponisten, aber auch wohl exemplarisch für Künstler, bzw. Menschen im Fokus der Macht in allen diktatorischen Systemen. So leicht für uns aus unserer heutigen gesicherten Lebenslage bestimmte Personen und ihre Handlungsweisen zu verurteilen. Aber was bedeutet es eigentlich, wenn man unter beständiger, immerwährender Angst leben und arbeiten muss und Mensch bleiben soll?

:hello Falstaff
Jan Van Karajan (15.11.2020, 22:05):
Im Moment mein Dauerbrenner:

250 Maestros aus Vergangenheit und Gegenwart werden hier in Einzelporträts etwas näher beleuchtet. Dazu Kurzbiografien, Essays und kleine Kataloge mit bis zu 20 Aufnahmen pro Dirigent. Ein ideales Nachschlagwerk.
Grüße
Jan :hello
Philidor (15.11.2020, 23:06):
kleine Kataloge mit bis zu 20 Aufnahmen pro Dirigent. Ein ideales Nachschlagwerk.
Ui je, Bücher mit Empfehlungen zu Aufnahmen? Die Bücher sind oft nicht so teuer, aber die Folgekosten ...

Norman Lebrecht zeichnet die Geschichte der Tonaufzeichnung mit Akzent auf betriebswirtschaftliche Aspekte nach und benennt am Ende "100 Meilensteine der Aufnahmegeschichte" sowie "20 Aufnahmen, die nie hätten gemacht werden sollen". Ganz vergnüglich.



Passend zu Deinem Nickname - Peter Uehling war der wohl erste Karajan-Biograph, der den Maestro nicht mehr persönlich kennenlernen konnte. Dafür kommentiert er dessen Aufnahmen für meine Begriffe äußerst fachkundig , vergleicht insbesondere auch mehrere Aufnahmen ein- und desselben Werkes, teilweise auch mit anderen Dirigenten. Sehr erhellend fand ich die Worte zu Aufnahmen von Strauss' "Don Juan" sowie zu Beethoven-Aufnahmen im Vergleich zu Toscanini und Furtwängler. Man bekommt eine Idee, warum Bemerkungen wie "zu schnell", "zu langsam", "zu aggressiv", "zu wenig Pauken", ... eventuell der Sache nicht in vielen Aspekten gerecht werden.



Peter Ruzicka fragte über 60 Prominente, welche Aufnahmen sie mit auf die einsame INsel mitnähmen, darunter Dietrich Fischer-Dieskau, Constantin Floros, Nikolaus Harnoncourt, Mauricio Kagel, Jürgen Kesting, György Ligeti, Marcel Reich-Ranicki, Wolfgang Rihm. Ebenfalls mMn sehr vergnüglich, wie meistens, sind die Begründungen das Spannende.




Viel Vergnügen ...

Gruß
Philidor

:hello
Jan Van Karajan (16.11.2020, 07:56):
Hier wird der Wunschzettel auch wirklich länger und länger :D . Danke für die Tipps :thumbsup: .
Grüße
Jan :hello
michael74 (16.12.2020, 20:56):
Hallo Zusammen

ich bin auf der Suche nach eine Art Bücherserie wo die Werke erklärt werden. Zb welche Bedeutung hat dieses Werk und zu welchem Zeitpunkt wurde es komponiert. Meine Schwerpunkte wäre zb Sinfonien von Beethoven Mahler..

Renate Ulm ist mir aufgefallen hat jemand noch andere Tipps oder Ideen

gruss Michael
Jan Van Karajan (16.12.2020, 22:38):
Wenn du etwas über verschiedene Komponisten wissen möchtest, ist dieses Buch zu Beginn sehr gut geeignet:

Hier werden sehr viele verschiedene Komponisten in Porträts vorgestellt, auch auf einzelne Werke wird kurz eingegangen. Für den Anfang sehr gut geeignet.
Ich möchte dir allerdings auch den musikwissenschaftlich tätigen Martin Geck empfehlen, der eine ganze Reihe von Biografien und anderen Werken zu verschiedenen Komponisten vorgelegt hat.
Grüße
Jan :hello
Maurice inaktiv (16.12.2020, 22:45):
Hier mal die direkten Links zu den Büchern:

https://smile.amazon.de/Gustav-Mahlers-Symphonien-Entstehung-B%C3%A4renreiter-Werkeinf%C3%BChrungen/dp/3761818203/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=JBTBDLJ5XWRH&dchild=1&keywords=gustav+mahler+sinfonien&qid=1608154864&s=books&sprefix=gustav+mahler+%2Cclassical%2C167&sr=1-1

https://smile.amazon.de/Gustav-Mahlers-Sinfonien-Paul-Bekker/dp/3958014526/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=JBTBDLJ5XWRH&dchild=1&keywords=gustav+mahler+sinfonien&qid=1608154903&s=books&sprefix=gustav+mahler+%2Cclassical%2C167&sr=1-2

https://smile.amazon.de/Mahlers-Sinfonien-Ein-musikalischer-Werkf%C3%BChrer/dp/3406747329/ref=sr_1_9?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=JBTBDLJ5XWRH&dchild=1&keywords=gustav+mahler+sinfonien&qid=1608154903&s=books&sprefix=gustav+mahler+%2Cclassical%2C167&sr=1-9

https://smile.amazon.de/Die-Symphonien-von-Gustav-Mahler/dp/3876760259/ref=sr_1_16?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=JBTBDLJ5XWRH&dchild=1&keywords=gustav+mahler+sinfonien&qid=1608154903&s=books&sprefix=gustav+mahler+%2Cclassical%2C167&sr=1-16

Das gibt es zu Gustav Mahler

https://smile.amazon.de/Die-Symphonien-Beethovens-Entstehung-B%C3%A4renreiter-Werkeinf%C3%BChrungen/dp/3761812418/ref=sr_1_10?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&dchild=1&keywords=ludwig+van+beethoven+sinfonien+1-9&qid=1608155006&s=books&sr=1-10

https://smile.amazon.de/Beethoven-Handbuch-Sven-Hiemke/dp/3476056368/ref=sr_1_11?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&dchild=1&keywords=ludwig+van+beethoven+sinfonien+1-9&qid=1608155035&s=books&sr=1-11

https://smile.amazon.de/Rausch-Stille-Beethovens-Karl-Heinz-Ott/dp/3455003966/ref=sr_1_9?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&dchild=1&keywords=ludwig+van+beethoven+sinfonien+1-9&qid=1608155035&s=books&sr=1-9

Und Beethoven.

Letzten Endes musst Du entscheiden, was für DICH entscheidend ist. Viel Erfolg dabei.
Philidor (16.12.2020, 22:46):
Meine Schwerpunkte wäre zb Sinfonien von Beethoven Mahler..
In Sachen Mahler fand ich die dreibändige Studie zu Leben und Werk von Constantin Floros sehr informativ.



NIcht ganz billig, aber Stoff für Jahre.

Mahlers Sinfonien ohne seine Lieder verstehen zu wollen, kann man sich vornehmen. Man könnte bösartig sagen, dass man ebenso gut einen Hausbau mit dem Dach beginnen könne ... ;) Floros berücksichtigt das freilich.

Die Bedeutung eines Werkes ... was meinst Du damit? Bedeutung für wen? Oder meinst Du eine Rangfolge: "Das ist die bedeutendste Sinfonie, das ist die zweitbedeutendste, ..."? Oder meinst Du die stilistische Stellung einer Sinfonie im Gesamtwerk oder im Kontext der Zeitgenossen? Oder meinst Du eine Entschlüsselung eines Werkes - was könnte der Komponist eventuell auf einer semantischen Ebene haben sagen wollen? Lässt sich bei Mahler teilweise dechiffrieren ... z. B. bei Floros.

Gruß
Philidor

:hello
Philidor (16.12.2020, 22:53):
Das Buch zu den Sinfonien Bruckners von Renate Ulm fand ich inhaltlich ziemlich leichtgewichtig.

Zu jeder Sinfonie gibt es einen Essay eines anderen Autors und einen Aufsatz von Frau Ulm selbst. Eher feuilletonistische Schreibe, geht kaum über das hinaus, was ein CD-Beiheft auch liefert. Als Klolektüre ganz nett.

Das muss nicht heißen, dass ihre Bücher zu den Sinfonien Beethovens und Mahlers auch nicht besser sind - ich kenne sie nicht.

Zu Bruckner findest Du in manchem Klassikforum bessere Artikel als im Buch von Frau Ulm.

Gruß
Philidor

:hello
palestrina (17.12.2020, 10:39):
Als Klolektüre ganz nett.
Lieber Philidor, das finde ich nicht gerade hilfreich von dir, denn du darfst nicht immer von dir ausgehen, es gibt auch Anfänger auf einem Gebiet und für diese sind solche Lektüren sehr hilfreich, du hättest das auch etwas freundlicher und netter formulieren können!
Es lesen auch div.Laien mit!


Mahlers Sinfonien ohne seine Lieder verstehen zu wollen, kann man sich vornehmen. Man könnte bösartig sagen, dass man ebenso gut einen Hausbau mit dem Dach beginnen könne ... Floros berücksichtigt das freilich.
Liege ich da richtig, dass in keinem der Bände es auch um die Mahler Lieder geht?


Ui je, Bücher mit Empfehlungen zu Aufnahmen? Die Bücher sind oft nicht so teuer, aber die Folgekosten .
Da muss ich dir Recht geben, deswegen lese ich zwar nur Rezensionen, aber gebe nichts drauf!? :P

LG palestrina
Philidor (17.12.2020, 11:00):
es gibt auch Anfänger auf einem Gebiet und für diese sind solche Lektüren sehr hilfreich, du hättest das auch etwas freundlicher und netter formulieren können!
Ich lese auf dem Klo auch FiDis "Nachklang". Also bitte. Bin ja selber ein Laie.
Liege ich da richtig, dass in keinem der Bände es auch um die Mahler Lieder geht?
Leider gibt es keine expliziten Kapitel dazu, schon richtig. Die Bezüge werden freilich aufgezeigt.

Gruß
Philidor

:hello
michael74 (17.12.2020, 11:29):
Als Klolektüre ganz nett.
Lieber Philidor, das finde ich nicht gerade hilfreich von dir, denn du darfst nicht immer von dir ausgehen, es gibt auch Anfänger auf einem Gebiet und für diese sind solche Lektüren sehr hilfreich, du hättest das auch etwas freundlicher und netter formulieren können!Es lesen auch div.Laien mit!
Hallo Zusammen

ja ich muss mich als Laien bezeichnen. Dennoch würde ich Euch bitten nicht zu streiten und ich kann schon den Post von Philidor einordnen, einem der gut 1000 Beiträge erstellt hat.
ich benötige natürlich keine Analyse der Musikwissenschaften dennoch ein Überblick und wenn ich weitere Details benötige kann man sich immer noch an andere Literatur heranwagen

Gruß Michael
Marcie (17.12.2020, 18:38):
Hallo @michael74

ich habe für Dich DEN Buchtipp. :times10
Ein herrlicher Schmöker, ebenso für Neulinge wie für alte Hasen geeignet. Hier erhältst Du einen tollen Überblick über Epochen, Stile, Komponisten, ihr Umfeld und wichtigste Werke und noch so viel mehr. Toll zusammengetragen und geschrieben, reich bebildert und Anekdoten gesättigt.
Ich habe mir das vor ein paar Monaten gekauft und schaue seither immer gerne rein, sei es um gezielt etwas nachzuschlagen, sei es um einfach darin rumzuschmökern. Es macht Spass und man bekommt nebenher auch eine Menge Hörimpulse!
Maurice inaktiv (17.12.2020, 19:30):
Ich habe mir das vor ein paar Monaten gekauft und schaue seither immer gerne rein, sei es um gezielt etwas nachzuschlagen, sei es um einfach darin rumzuschmökern. Es macht Spass und man bekommt nebenher auch eine Menge Hörimpulse!
Das Buch ist blöd. :D Da ist keine Trompete drauf. :S Das kaufe ich nicht. :thumbdown:

:rofl :rofl :rofl

:hello
Marcie (17.12.2020, 19:33):
Ich habe mir das vor ein paar Monaten gekauft und schaue seither immer gerne rein, sei es um gezielt etwas nachzuschlagen, sei es um einfach darin rumzuschmökern. Es macht Spass und man bekommt nebenher auch eine Menge Hörimpulse!
Da ist keine Trompete drauf.
Nun ja, da geht es ja auch um Musik! :P
Jan Van Karajan (28.12.2020, 20:11):
Hier heute Abend:

Ein sehr beeindruckendes Buch. Viele verschiedene Facetten aus Bruckners Leben und Werk werden anschaulich beleuchtet. Wenn ich damit durch bin, folgt morgen die Mahler-Biografie von Kurt Blaukopf. Und eine Wagner-Biografie von Martin Gregor-Dellin wartet auch noch im Regal :D .
Grüße
Jan :hello
Philidor (28.12.2020, 21:14):
Wenn ich damit durch bin, folgt morgen die Mahler-Biografie von Kurt Blaukopf.Gute Wahl ... :thumbup:
Und eine Wagner-Biografie von Martin Gregor-Dellin wartet auch noch im Regal .Dito! Ist ungefähr so dick wie ein später Harry-Potter-Band, nur kann ich den Gregor-Dellin irgendwie nicht so schnell lesen ... ;)

Gruß
Philidor

:hello
Jan Van Karajan (28.12.2020, 21:36):
In diesen Zeiten ist für mich genug Zeit, um zu lesen ;) . An guten Tagen schaffe ich ein dickes Buch pro Tag :D . Und dazu natürlich Musik.
Grüße
Jan :hello
Jan Van Karajan (03.01.2021, 19:27):
Nun eine weitere Geschichtsstunde:

Zum Menschen Wagner kann ich nur sagen: Eine höchst wunderliche, menschlich teilweise verachtenswerte Figur. Bei seinem Antisemitismus schauderts mich in jeder Hinsicht. Aber irgendwie fasziniert mich dennoch das Leben dieses Mannes.
Grüße
jan :hello
tapeesa (30.01.2021, 10:41):
"Sofia Gubaidulina. Eine Biographie." von Michael Kurtz
mit einem Vorwort von Mstislav Rostropovich

Lässt sich gut an. Mit einigen interessanten Photographien. Geschichte rund um ihre Herkunft.
constantin (23.05.2023, 12:23):
Habe neulich das Buch "Verrisse" geschenkt bekommen und es vor ein paar Tagen angefangen. Super Perspektive darauf, was Klassikkritik eigentlich tun sollte. Zudem natürlich interessant zu lesen, wie die Werke von bestimmten Komponisten während der Lebzeiten noch zerrissen, bzw. bepriesen wurden.

https://www.br-klassik.de/aktuell/br-klassik-empfiehlt/buecher/verrisse-thomas-leibnitz-buchtipp-100.html