Maarten´t Hart: Mozart und ich

Carola (04.05.2006, 18:41):
Maarten´t Hart, der 1944 geborene niederländische Autor von Kriminalromanen, liebt „klassische“ Musik über alles. Wie diese Liebe entstand, welche Rolle sie in seiner Kindheit spielte und wie viel er der Musik verdankt, das kann man zum Beispiel in seinem 1993 erschienenen, autobiographisch gefärbten Roman "Das Wüten der ganzen Welt" nachlesen.

Einige Jahre später versuchte sich der Autor dann erstmalig an einem populärwissenschaftlichen Musikbuch. Unter dem Titel "Bach und ich", legte Maarten´Hart dem Thomaskantor seine Liebe "mit ganzem Herzen, ganzer Seele ganzem Verstand" zu Füßen - und dies auf durchaus gelungene Weise.

Nun also, rechtzeitig zum Mozartjahr, erklärt Hart: "Bach bewundere ich, Mozart liebe ich" und veröffentlicht mit "Mozart und ich" sein zweites Buch dieses Genres.


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Auf gut 180 Seiten und in Kapiteln wie "Mozart und mein Köchelwecker" oder "Sein Vater, sein Gott" beschreibt oder besser skizziert Hart seine Erlebnisse, Erfahrungen, Erkenntnisse rund um Mozart und seine Musik.

Diese Erfahrungen und Erkenntnisse können streckenweise durchaus amüsant und teilweise auch lehrreich sein, etwa, wenn Hart seine erste Begegnung mit der Musik Mozarts oder sein Faible für die "langsamen Einleitungen" beschreibt. Diese gelungenen Passagen ändern aber nichts an dem letztlich wenig überzeugenden Eindruck, den Harts Versuch über Mozart hinterlässt.

Dem Buch haftet etwas Zusammengestückeltes und Zerfasertes an, das über weite Strecken irritiert und langweilt. Da wird ein Kapitel mit "Der Dämpfer am Klavier" überschrieben, in dem es zwar auch kurz um die Klaviersonaten, dann aber plötzlich um Constanze, Mozarts Ehefrau, um die Briefe, um den Amadeus-Film und am Ende um die Violinsonaten geht. Da werden über Seiten hinweg kleinwüchsige, als jüngste Geschwister aufgewachsene, zu früh gestorbene Komponisten langatmig aneinander gereiht, ohne dass sich der Sinn und innere Zusammenhang des Ganzen recht erschließen will.

Ein weiteres Problem: Die stellenweise fast schon religiös anmutende Verehrung, die schon bei „Bach und ich“ befremdete, das Schwelgen in Superlativen, das auf Dauer eher ermüdend als überzeugend wirkt und von der Sache her wenig ergiebig ist. Hinzu kommt, dass Hart auch in seiner Ablehnung äußerst undifferenziert mit dem sprachlichen Holzhammer zuschlagen kann. Da ist die Musik der Beatles und Rolling Stones "abscheuerregend, ein blödes Geblöke und rohes Geröchel", während der Amadeus - Film schlichtweg als „zusammengepfuschtes Machwerk und "widerlicher Mistfilm“ eingestuft wird. Begründung: Keine.

Positiv ist die ästhetisch ansprechende Aufmachung des Buches sowie die beiliegende CD zu vermerken, der ich immerhin den Hinweis auf Mozarts Kyrie d-moll KV 341 und einen Ausschnitt aus der Serenade B-Dur Nr. 10 "Gran Partita" KV 361 verdanke. Beides sehr schöne Stücke, die ich bisher nicht kannte - immerhin. Aber ob das ausreicht für eine Empfehlung?

Maarten´t Hart: Mozart und ich, Piper Verlag, München, Zürich 2006, 19,90 €
Rachmaninov (04.05.2006, 21:15):
@Carola,

danke für die Vorstellung der Bücher!

Maarten´t Hart nimmt wohl den Titel "Mozart und ich" doch recht wörtlich wenn ich Deinen Text genauer lesen.

Werde bei Stöbern in der Buchhandlung einmal nach seinen Büchern schaun und mir eine Leseprobe "gönnen" :)