martin (14.06.2006, 19:06): http://www.uib.no/herrmann/articles/interview_arnold001/arnold.jpg
Malcolm Arnold - besonders schön und charakterteristisch ist sein Gesicht nicht, aber was solls ...
Malcolm Arnold ist ein englischer Komponist, geboren 1921. Ursprünglich ein Pazifist, ließ er sich dann doch gegen Hitlers Deutschland einberufen - um sich in den Fuß zu schießen und dann letztendlich gegen Deutschland nicht einsatzfähig zu sein. Er war ein Querkopf: So wollte er etwa nicht zur Schule, leistete dagegen erheblichen Widersstand, um dann letztendlich doch nicht zur Schule zur müssen, und privat Unterricht zu bekommen.
Aber das ist alles biogrphische Sülze. Wichtiger ist sicherlich seine Musik zu beschreiben - und die ist konservativ, durchaus konservativ, aber vielleicht dann doch nicht so konservativ? Ja, wenn man die Neutöner zum Maßstab macht, dann ist seine Musik allerdings konservativ, aber für sich genommen vielleicht gar nicht so sehr.
Ich werde im folgenden noch ein paar CDs vorstellen, die ich besonders mag.
Gruß Martin
martin (14.06.2006, 19:12): Da wäre zunächst die 1. und 2. Sinfonie, die ich leider nur mit diesem lächerlichen Cover finde:
martin (14.06.2006, 19:17): http://www.crotchet.co.uk/images/8553526.jpg
Die Cover bleiben klein, aber das ist wirklich eine tolle CD! Fetzige Musik am Anfang, in den englischen Tänzen, aber in den folgenden Tanzsuiten wirds immer schwermütiger, ernsthafter. Wie oft habe ich diese CD gehört ....
martin (14.06.2006, 19:22): Dann Malcom Arnolds 3. und 4. - ich finde schändlicherweise kein Cover - aber diese 4. ist wirklich ein fetziges Werk mit viel Schlagzeugeinsatz und sie macht Freude, viel Freude ...
Mit der 3. müßte ich mich noch mal beschäftigen.
martin (14.06.2006, 19:27): http://www.musicweb-international.com/classrev/2001/July01/Arnold56Naxos.gif
Diese 5. Sinfonie ist ein tolles Werk und im langsamen Satz bietet sie einen echten Evergreen. Die 6. ist spröder, aber durchaus eindrucksvoll.
So - und morgen dann mal etwas über die 7. - 9. und die Kammermusik!
Engelbert (29.06.2006, 06:54): Hallo Martin,
Besonders stimmungsvoll von Malcolm Arnold sind seine Bläserkonzerte. Auf einer EMI-LP von 1985 vereinigt sind:
Klarinettenkonzert (mit Janet Hilton) Oboenkonzert (mit Gordon Hunt) Trompetenkonzert (mit John Wallace) Hornkonzert (mit Alan Civil)
eingespielt mit der Bounemouth Sinfonietta unter Norman del Mar, das bedeutet Galabesetzung. Das Klarinettenkonzert läuft soeben auf meinem Player.
Ich habe bei JPC nachgeschaut, leider noch nicht auf CD erhältlich. Es dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis diese wertvolle Einspielung für die Nachwelt gerettet wird.
:B
Beim Blättern unter Malcolm Arnold habe ich aber für mich und mein Spezialgebiet etwas Interessantes entdeckt: Die Ballettmusik "Rinaldo und Armida" und werde gleich bestellen.
Ansonsten kenne ich nur noch die zweite Sinfonie von ihm, kombiniert mit acht englischen Tänzen.
Aber in Deiner Beurteilung hast Du recht. Die englischen Tonschöpfer komponieren konservativ, aber so konservativ nun auch wieder nicht. Wagemutig ist eigentlich nur der Schotte Oliver Knussen. Harrison Birthwistle kenne ich noch nicht. Englische Komponisten des 20. Jahrhunderts gibt es wie Sand am Meer.
Ich denke, wenn man Malcolm Arnold das Prädikat stimmungsvoll verleiht, ist das auch ein Lob.
Gruß Engelbert :engel
Jürgen (29.06.2006, 12:01): Sag mal Martin,
ist das etwa der Malcolm Arnold, der damals das legendäre Konzert in der Royal Albert Hall mit Deep Purple dirigiert hat ?
Wotan (29.06.2006, 17:50): Malcolm Arnold hat ja auch die Filmmusik zu David Leans "The Bridge on the River Kwai" komponiert. Ein großartiges Stück Filmmusik, ohne Zweifel!
MfG
Wotan
nubar (04.07.2006, 12:08): Hallo,
am vergangenen Wochende habe ich per SecondHand die Naxosaufnahme der neun Symphonien recht preiswert erstanden. Nach estmaligen Durchhören bleibt ein mäßiger Eindruck. Dier ersten sechs ganz hübsch, sieben und acht besser und neun nur langweilig, als versucht der Komponist mit seinen Mitteln, eine viel teifsinnigere Ebene zu erreichen. Es klingt wie Resignation und Melancholie und scheint mir doch sehr an Mahler orientiert zu sein (inhaltlicher Bezug zu dessen 9.). Die Orchestersprache spricht mich auch nicht so an, was an dem etwas trivialeren Inhalten liegen kann, ich denke aber, dass mir der Klang in angloamerikanischer Tradition missfällt (dei Benutzung der Streicher und Blechbläser, gezungen wirkende rhythmische Variabilität).
So weit erst einmal, aber vielleicht kommt bei mir ja noch ein Sinneswechsel nach mehrmaligen Hören.
Grüße nubar
martin (14.06.2006, 19:06): http://www.uib.no/herrmann/articles/interview_arnold001/arnold.jpg
Malcolm Arnold - besonders schön und charakterteristisch ist sein Gesicht nicht, aber was solls ...
Malcolm Arnold ist ein englischer Komponist, geboren 1921. Ursprünglich ein Pazifist, ließ er sich dann doch gegen Hitlers Deutschland einberufen - um sich in den Fuß zu schießen und dann letztendlich gegen Deutschland nicht einsatzfähig zu sein. Er war ein Querkopf: So wollte er etwa nicht zur Schule, leistete dagegen erheblichen Widersstand, um dann letztendlich doch nicht zur Schule zur müssen, und privat Unterricht zu bekommen.
Aber das ist alles biogrphische Sülze. Wichtiger ist sicherlich seine Musik zu beschreiben - und die ist konservativ, durchaus konservativ, aber vielleicht dann doch nicht so konservativ? Ja, wenn man die Neutöner zum Maßstab macht, dann ist seine Musik allerdings konservativ, aber für sich genommen vielleicht gar nicht so sehr.
Ich werde im folgenden noch ein paar CDs vorstellen, die ich besonders mag.
Gruß Martin
martin (14.06.2006, 19:12): Da wäre zunächst die 1. und 2. Sinfonie, die ich leider nur mit diesem lächerlichen Cover finde:
martin (14.06.2006, 19:17): http://www.crotchet.co.uk/images/8553526.jpg
Die Cover bleiben klein, aber das ist wirklich eine tolle CD! Fetzige Musik am Anfang, in den englischen Tänzen, aber in den folgenden Tanzsuiten wirds immer schwermütiger, ernsthafter. Wie oft habe ich diese CD gehört ....
martin (14.06.2006, 19:22): Dann Malcom Arnolds 3. und 4. - ich finde schändlicherweise kein Cover - aber diese 4. ist wirklich ein fetziges Werk mit viel Schlagzeugeinsatz und sie macht Freude, viel Freude ...
Mit der 3. müßte ich mich noch mal beschäftigen.
martin (14.06.2006, 19:27): http://www.musicweb-international.com/classrev/2001/July01/Arnold56Naxos.gif
Diese 5. Sinfonie ist ein tolles Werk und im langsamen Satz bietet sie einen echten Evergreen. Die 6. ist spröder, aber durchaus eindrucksvoll.
So - und morgen dann mal etwas über die 7. - 9. und die Kammermusik!
Engelbert (29.06.2006, 06:54): Hallo Martin,
Besonders stimmungsvoll von Malcolm Arnold sind seine Bläserkonzerte. Auf einer EMI-LP von 1985 vereinigt sind:
Klarinettenkonzert (mit Janet Hilton) Oboenkonzert (mit Gordon Hunt) Trompetenkonzert (mit John Wallace) Hornkonzert (mit Alan Civil)
eingespielt mit der Bounemouth Sinfonietta unter Norman del Mar, das bedeutet Galabesetzung. Das Klarinettenkonzert läuft soeben auf meinem Player.
Ich habe bei JPC nachgeschaut, leider noch nicht auf CD erhältlich. Es dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis diese wertvolle Einspielung für die Nachwelt gerettet wird.
:B
Beim Blättern unter Malcolm Arnold habe ich aber für mich und mein Spezialgebiet etwas Interessantes entdeckt: Die Ballettmusik "Rinaldo und Armida" und werde gleich bestellen.
Ansonsten kenne ich nur noch die zweite Sinfonie von ihm, kombiniert mit acht englischen Tänzen.
Aber in Deiner Beurteilung hast Du recht. Die englischen Tonschöpfer komponieren konservativ, aber so konservativ nun auch wieder nicht. Wagemutig ist eigentlich nur der Schotte Oliver Knussen. Harrison Birthwistle kenne ich noch nicht. Englische Komponisten des 20. Jahrhunderts gibt es wie Sand am Meer.
Ich denke, wenn man Malcolm Arnold das Prädikat stimmungsvoll verleiht, ist das auch ein Lob.
Gruß Engelbert :engel
Jürgen (29.06.2006, 12:01): Sag mal Martin,
ist das etwa der Malcolm Arnold, der damals das legendäre Konzert in der Royal Albert Hall mit Deep Purple dirigiert hat ?
Wotan (29.06.2006, 17:50): Malcolm Arnold hat ja auch die Filmmusik zu David Leans "The Bridge on the River Kwai" komponiert. Ein großartiges Stück Filmmusik, ohne Zweifel!
MfG
Wotan
nubar (04.07.2006, 12:08): Hallo,
am vergangenen Wochende habe ich per SecondHand die Naxosaufnahme der neun Symphonien recht preiswert erstanden. Nach estmaligen Durchhören bleibt ein mäßiger Eindruck. Dier ersten sechs ganz hübsch, sieben und acht besser und neun nur langweilig, als versucht der Komponist mit seinen Mitteln, eine viel teifsinnigere Ebene zu erreichen. Es klingt wie Resignation und Melancholie und scheint mir doch sehr an Mahler orientiert zu sein (inhaltlicher Bezug zu dessen 9.). Die Orchestersprache spricht mich auch nicht so an, was an dem etwas trivialeren Inhalten liegen kann, ich denke aber, dass mir der Klang in angloamerikanischer Tradition missfällt (dei Benutzung der Streicher und Blechbläser, gezungen wirkende rhythmische Variabilität).
So weit erst einmal, aber vielleicht kommt bei mir ja noch ein Sinneswechsel nach mehrmaligen Hören.
Grüße nubar
Andréjo (05.09.2013, 14:46): Da der Thread sicher erweiterbar ist, fange ich quasi noch einmal von vorne an: :beer
Arnold, Malcolm - ein volkstümlicher Neoklassizist aus EnglandSir Malcom Arnold, 1921 in Northampton geboren und 2006 in Norfolk gestorben, gehört zu den bekanntesten englischen Komponisten des letzten Jahrhunderts.
9 Sinfonien, eine große Zahl durchwegs in Länge und Anspruch überschaubarer Solokonzerte für ganz unterschiedliche Instrumente, Tanzsuiten im englischen, walisischen und schottischen Stil und eher witzig-charmante denn pathetische Ouvertüren stehen neben kammermusikalischen Werken und vor allem Kompositionen für Blasorchester.
Vieles von Arnold bewegt sich auf einem schmalen Grad zwischen Gebrauchsmusik unterschiedlicher Motivierung, die einen nicht geringen Teil seines Werks ausmacht, und ganz aus der Persönlichkeit und inneren Erfahrungswelt ihres Schöpfers heraus entstandenen Kompositionen.
Malcolm Arnold erfuhr in seinem Leben diverse auch landestypische Ehrungen - dies ist im Netz bequem nachzulesen; ich möchte hier auf Einzelheiten verzichten. Doch obwohl er ein hohes Alter erreichte, hatte er in seinen letzten drei, vier Lebensjahrzehnten mit gravierenden gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, und dies nahm zweifellos Einfluss auf seine Musik.
Je nach Interessenslage denke ich, dass man in diesem Thread vor allem über seine Sinfonien srepchen könnte. Vorerst möchte ich auf CD-Erfahrungen meinerseits verzichten; vielleicht ist dann der Anreiz, den Thread zu bereichern, größer. :P :)
Was gefällt mir an Arnold, von dem ich mittlerweile sicher über 50 Kompositionen kenne?
Es ist der bisweilen sehr schräge Humor, wie er sich etwa in der Grand Grand Overture für diverse Gerätschaften und Sinfonieorchester von 1956 überdeutlich äußert, eher aber die ironische Leichtigkeit, mit der ernste und halb ernste Anlässe und Stimmungsgehalte herausgearbeitet, aufgelockert, kontrastiert oder auch parodiert werden. Vielfach bezieht sich Arnold auf alte Formen, häufiger noch auf die Unterhaltungsmusik seiner Zeit, nicht selten gelingen ihm big tunes, die er wie in der fünften Sinfonie zerbricht oder im Sande verlaufen lässt. Die Orchestermusik ist betont durchsichtig und farblich originell gestaltet; das Schlagwerk, besonders Mallet-Instrumente schaffen in nicht geringem Maße Atmosphäre. Das rhythmische Element steht neben dem melodischen im Zentrum, weniger wohl das harmonische. Markante Dissonanzen schaffen Klangreiz, sind aber nur selten struktur- oder melodieprägend - Arnold bleibt letztlich ein Konservativer.
Ich bin kein Musikologe, habe aber den Eindruck, dass gewisse Intervallfolgen, insbesondere Vorhalte, die kleine Sekunde, oder Quarten, stilprägend sind. Man erkennt Malcolm Arnold recht schnell, vielleicht nicht so eindeutig wie beispielsweise Jean Francaix - dafür schreibt er allerdings meines Erachtens auch abwechslungsreicher als der Franzose.
:wink: Wolfgang
Cantus Arcticus (07.09.2013, 15:50): Original von Jürgen Sag mal Martin,
ist das etwa der Malcolm Arnold, der damals das legendäre Konzert in der Royal Albert Hall mit Deep Purple dirigiert hat ?
Hallo Jürgen Es ist in der Tat der Sir Malcolm Arnold, der das Konzert dirigiert hat :hello.
Grüsse Stefan
Andréjo (07.09.2013, 20:24): Die Deep-Purple-CD habe ich mir jetzt auch bestellt.
Außerdem darf man in der Tat den Filmmusik-Komponisten nicht vergessen. Berühmt ist vor allem der River-Quai-Marsch - da ist die Entstehungsgeschichte jedoch komplex und - zu meiner Überraschung - gar nicht primär an den Namen Arnold gebunden.
:helloWolfgang
Cantus Arcticus (16.09.2013, 09:49): Hallo Zusammen Was vielleicht nicht so im Vordergund steht, ist die Kammermusik, die Arnold geschrieben hat. Dieser Werkbereich umfasst Sonaten für Violine, Viola, Flöte, Oboe und Fagott ebenso wie Fantasien für Horn oder Klarinette, Divertimentos und Trios für die verschiedenensten Zusammensetzungen, Quartette und Quintette.
Hierbei hat das Nash Ensemble auf Hyperion eine umfassende Ausgabe geliefert auf 3 CDs:
Seine Kammermusik ist mehr als nur hörenswert, sie fesselt den Zuhörer und entführt ihn in die Gefühlswelt Arnolds. Sie offenbart seinen immensen musikalischen Einfallsreichtum, welcher seinen Ruf als einer der wichtigsten englischen Komponisten des 20. Jahrhunderts mehr als nur rechtfertigt.
Gruss :hello Stefan
Maurice inaktiv (27.09.2013, 20:27): Ich kann hier vor allem die Einspielungen von Naxos sehr empfehlen. Hier war der Komponist auch selbst vor Ort, so dass man eine gewisse Authenzität kann man hier (es betrifft die Sinfonien) also durchaus erwarten.
Ebenfalls interessant, sind die Einspielungen von Chandos unter Richard Hickox.
Die CDs dürften doch alle bei dem großen Anbieter mit dem A am Anfang zu erwerben sein.
Seine Musik halte ich persönlich für gemäßigt modern, man kann ihr folgen, was sicher nicht so unwichtig ist für eine gewisse Anzahl an Interessenten.
Sein Einfluss als Filmkomponist ist sicher nicht größer oder kleiner auf seine Kompositionen wie dies bei anderen großen Komponisten beider Lager der Fall ist. Hier sei einmal Erich Wolfgang Korngold oder der Zeitgenosse Sir André Previn gennant meinerseits.