Schweizer (05.02.2013, 07:15): In der Wiederaufnahme Tannhäuser in der Inszenierung von Harry Kupfer und der Bühne von Hans Schavernoch gab es am Opernhaus Zürich einige Umbesetzungen gegenüber der Aufführungsserie der Neuproduktion und die Absage von Thomas Hampson als Wolfram. Er wurde zweimal durch den bayreutherprobten Michael Nagy und zweimal mit Markus Eiche ersetzt. In der von mir besuchten Vorstellung vom 2. Februar lernte ich letzteren Künstler kennen und seine Interpretation hat mich tief berührt und überzeugt. "Blick ich umher in diesem edlen Kreise" und "O du mein holder Abendstern" wurden mit klarer Diktion und herrlichem Legato liedhaft vorgetragen; Seine ebenmässig geführte Stimme ist aber auch der Expansion fähig, was Markus Eiche beim finalen Auftauchen der Venus von Vesselina Kasarova (mit glanzvollen, dramatischen Höhen, aber nicht mehr ganz verblendeten Registerübergängen zur tiefen Lage hin) und neben Peter Seiffert (als erneut die Monsterpartie souverän meisternden/gestaltenden Tannhäuser) im 3. Akt bewies. Herr Eiche hat mich sowohl stimmlich wie darstellerisch als Wolfram begeistert. Dazu gab es mit Anja Harteros eine in jeder Beziehung hinreissende Elisabeth und dem Münchner Urgestein Jan-Hendrik Rootering einen Landgrafen, der auf mich eher onkelhaft denn als Chef des Sängerkriegs wirkte. Die musikalische Leitung der Vorstellung unter Marc Albrecht war von zwei-drei allzu knallig-lauten Passagen abgesehen überzeugend.
Zurück zu Markus Eiche: der Mittvierziger (Diplomingenieur der Elektronik) war von 2001-07 Ensemblemitglied in Mannheim; es folgte als nächste Station von 2007-10 die Wiener Staatsoper, jetzt ist er an der Bayerischen Staatsoper in München sesshaft. Ich würde mich über weitere Eindrücke von Forumsmitgliedern freuen. Gruss vom Schweizer
Ingrid (05.02.2013, 18:24): Lieber Schweizer,
in dieser Aufführung wäre ich ja auch liebend gerne gewesen. Eine wirklich tolle Besetzung. Ich finde es auch super, dass Du Deine Rezension so formuliert hast, dass man ganz besonders auf Markus Eiche aufmerksam wurde. Ich habe auch gleich nachgeforscht und festgestellt, dass er schon ganz fest im Sattel sitzt und an vielen großen Häusern singt.
Ganz besonders schön ist natürlich für uns Münchner, dass er jetzt in unserem Ensemble ist. Ich habe ihn leider erst einmal als Ping erlebt, aber im Gegensatz zur Besetzung davor, war das Trio jetzt sehr harmonisch und wohlklingend, was wirklich an Herrn Eiche lag. Als Dr. Falk soll er auch super gewesen sein, auch wenn die Rollen nicht unterschiedlicher hätten sein können. Demnächst wird er bei uns den Andrej in Boris Gudonow singen und wenn mich nicht alles täuscht, auch den Peter, obwohl noch eine andere Besetzung im Programm steht. Der Kurwenal und der Harlekin sind in München ebenfalls vorgesehen. Er scheint auch ein sehr guter Schauspieler zu sein und optisch sowieso nicht zu verachten :wink
Werde ihn auf jeden Fall ganz besonders im Auge behalten. Also nochmals ganz herzlichen Dank für Deine Rezension.
Noch schnell zu Herrn Rootering. Es freut mich ja, dass er noch aktiv ist, auch wenn er vielleicht nicht die Idealbesetzung war. Bei uns sind jetzt doch einige Sängerinnen und Sänger von der Besetzungsliste verschwunden, ohne die man früher kaum auskam.
Liebe Grüße Ingrid
PS. Bei den Nachforschungen stieß ich auch auf die komplette Turandot aus München. Herrn Eiche könnte man da dann als Ping erleben (ab der 36. Min.)
Severina (05.02.2013, 19:36): Lieber Schweizer,
Deine positive Einschätzung von Markus Eiche teile ich voll und ganz, er hat mich in den drei Jahren im Ensemble der WSO in jeder Partie begeistert. Sein geschmeidiger, warm timbrierter Bariton, sein kultivierter Stil ebenso wie seine schauspielerischen Qualitäten! Dass Dominique Meyer für diesen großartigen Singschauspieler keine Verwendung mehr hatte und ihn ziehen ließ, ist ein weiterer Beweis für seine Unfähigkeit, das Niveau an der WSO zu halten.
Die Münchner sind auf jeden Fall um dieses Ensemblemitglied zu beneiden!