Martha Argerich

nikolaus (04.04.2006, 22:28):
Guten Abend allerseits!

Ein neuer thread:

Wie Rachmaninov richtig bemerkt habe, ist der Name Martha Argerich heute häufiger gefallen. Ich muss gestehen, das freut mich ungemein, denn sie ist meine absolute Lieblingspianistin!
Wie sie spielt, berührt mich immer wieder. Dabei sind es nicht nur ihre Virtuosität und ihr Temperament, die mich begeistern, sondern vor allem eine Art von Natürlichkeit im Umgang mit der Musik .
Tja, jetzt bekomme ich direkt wieder Probleme klar zu machen, was ich meine. Ich bin alles andere als ein Experte, was die technische oder interpretatorische Seite der Musik angeht, ich merke nur, ob mir etwas gefällt und - im Idealfall- ob es mich berührt.
Das schafft Martha Argerich immer wieder aufs Neue.
Beispiele:
Rach 3 (Live-Aufnahme unter Chailly: extreme Emotion)
Schumann KlaKo (Live in Lugano: fast schon improvisatorische Leichtigkeit)
Brahms Klavierquartett no. 1 (mit Kremer, Bashmet, Maisky; Finale: fantastische Beschleunigung, Energie hoch 3)
Ravel Klako (unter Abbado; 2. Satz: einfach schön)
und, und, und...
Und wenn sie in Lugano im Konzert seitlich auf der Bühne aus einer Tür lugt (für die Zuschauer sichtbar), um Lilya Zilberstein und Renaud Capucon zuzuhören, ist das doch einfach sympathisch, oder nicht?

Gibt es ähnliche Meinungen oder ganz andere?

Gruss, Nikolaus.
Rachmaninov (04.04.2006, 22:38):
@Nikolaus,

ersteinmal danke für den Start dieses Thread zu einer der größten Künstlerinnen unserer Zeit.
Zunächsteinmal sollten wir uns freuen, daß ihre Lehrer (u.A. Gulda und ABM :down) sie vom Typen her nicht verändert haben.

Weit über ihre grandiosen Aufnahmen hat sie auch erhebliche Verdienste für die klassische Musik. Soweit ich weiss hat sie die Brüder Capucon gefördert bzw. unterstützt. Das Lugano Festival ist glaube ich ebenfalls durch sie entstanden.

Ihr Temprament ist einfach ihre Art und das mag ich an ihr.

Aber sie kann auch ganz anders, wie man z.B. auf ihrer Schumann Aufnahme mit den Kinderszenen bzw. Kreisleriana hören kann. Für mich eine der schönsten Aufnahmen dieses Werks.



Hochinteressant auch wie sie Gabriela Montero "entdeckte"........
aber davon berichte ich morgen! :wink
Rachmaninov (05.04.2006, 10:20):
Gabriela Montero kannte M. Argerich bereits als kleines Kind. Argerich war eine Freundin von Montero's Klavierlehrer Lyl Tiempo.

In Montreal traff man sich wieder un Montero hatte einige Fragen an Martha wie sie ihr Leben als Musikerin und Mutter den so meistert.
Martha sagte darauf:"Ich habe keine Antwort, aber ich würde Dich gerne spielen hören!"

Montero erwiderte sie habe seit 2 Monaten nicht gespielt aber das war natürlich für die Argerich kein Argument.

Am folgenden Tag um Acht war man verabredet. Da aber die Proben von Martha länger dauerten ging Montero mit Freunden in eine Bar.

Gegen 1.30 Uhr erschien Martha Argerich und meinte:"Nun, jetzt habe ich Zeit"

Tja, dannach wohl ein paar Anrufe und schon ging die Karriere von Gabriela Montero los.
Walter (05.04.2006, 17:35):
Original von nikolaus
Tja, jetzt bekomme ich direkt wieder Probleme klar zu machen, was ich meine. Ich bin alles andere als ein Experte, was die technische oder interpretatorische Seite der Musik angeht, ich merke nur, ob mir etwas gefällt und - im Idealfall- ob es mich berührt.

Gruss, Nikolaus.

Danke Nikolaus, für dieses Statement :thanks mir geht es genauso und es fällt mir oft schwer meine Empfindungen hier im Forum zu beschreiben.

Aber wir versuchen es trotzdem weiter :haha

Walter
Ganong (07.04.2006, 16:51):
Lieber Nikolau s,
man muss Martha ( Argerich ) geradezu ( fast ) hautnah einige Zeit erlebt haben , um sie auch nurannähernd einschätzen zu können .
Ihren sehr gewinnenden Charme ( ist bei ihr durchaus vorhanden ) , ihre geradezu katzenhaften beschützerinstinkte ( hab eich bei einem ihr ebenbürtigen , eng befreundeten Kollen live erlebt und fast zu spüren bekommen ) , ihre Leichtigkeit der manuellen Beherrschung auch schwierigster Notentexte ( ist unvermindert so geblieben ) . Si ekann Kolleginnen und Kollegen brillinat imitieren . Aber sie ist auch ein sehr zerrissener Mensch .
Ihr Schumann ist höchst hörenswert !
ihr Debut-recital ( 1965 ; EMI ) ist alleine wegender Chopinschen Mazurken absolut ein Muss !
Ihr "Rach-3" ist rein pianistisch gerdezu erdrückend .
Ihre Klavierkonzerte von Bartok und Prokoviec haben jhur in den Aufnahmen mit Alexis Weissenberg ( mit Ozawa als Dirigent ) eine wirkliche Konkurrenz .
Weniger beeindruckt mich ihr "swingender" ( Argerich über ihren bach ) Bach .
das Lugano-Festival ist gut bei EMi festgehalten worden .
Um ihre Interpretation der "Kinderszenen" zu nhemen : Sie spielt sie , jedes Stück , wie Minidramen . So ist auch Martha ( Argerich ) .
Viele Grüsse , Frank
W e r b u n g :
Schau doch mal in "Klaviermusik" hier im Forum rein . Dort beginnen Siamak ( = AcomA ) und ich gerade mit unsere Besprechung der Klaviermusik von Schumann . F.
Rachmaninov (22.04.2006, 14:35):
Gerade habe ich mir nochmals die Aufnahme des 1. Klavierkonzerts von Tchaikovsky angehört.



IMO sehr überzeugende pianistische Leistung von Frau Argerich. Allerdings fand ich meine Erinnerung bestätigt. Den unglaublichem Tempo und "Vortrieb" kann das Orchester leider teilweise nicht folgen (insb. 3 Satz) und wird dadurch oftmals undifferenziert und "schwammig".

Kennt jemand ihre Aufnahme mit den Berlinern unter Abbado?
Zelenka (22.04.2006, 14:57):
http://images-eu.amazon.com/images/P/B000001GS4.01.LZZZZZZZ.jpg

Derlei Probleme sind mir bei Argerichs Tschaikowsky unter Abbado nicht so sehr aufgefallen (auch nicht in ihrer ersten Version mit Dutoit, die ja kein Live-Mitschnitt ist). Ihre beste Version ist wohl die hier abgebildete, aber ich habe die mit Kondrashin nur einmal gehört und besitze sie nicht. (Kondrashins Bayern sind vielleicht etwas zu behäbig ...)

Gruß,

Zelenka
nikolaus (22.04.2006, 15:01):
Hallo Rachmaninov!

Mir gefällt gerade an dieser Live-Aufnahme, daß es offenbar an allen Ecken und Enden "brennt". Es wirkt einfach spontan, denn ich kann mir nicht vorstellen, daß M.A. mit Absicht dem Orchester davonspielt; und ich glaube, ein Großteil der Wirkung wäre verlorengegangen, wenn sie sich gebremst hätte.
Im übrigen zeigen gerade ihre kammermusikalischen Einspielungen, daß sie ungeheuer sensibel auf ihre Partner eingehen kann.

Die Aufnahme unter Abbado kenne ich auch, habe sie aber nur wenige Male gehört. Sie wird dir sicher besser gefallen: es geht etwas "koordinierter" zu und ist trotzdem leidenschaftlich.

Herzliche Grüsse,

Nikolaus.
Rachmaninov (22.04.2006, 15:04):
Original von nikolaus
Hallo Rachmaninov!

Mir gefällt gerade an dieser Live-Aufnahme, daß es offenbar an allen Ecken und Enden "brennt". Es wirkt einfach spontan, denn ich kann mir nicht vorstellen, daß M.A. mit Absicht dem Orchester davonspielt; und ich glaube, ein Großteil der Wirkung wäre verlorengegangen, wenn sie sich gebremst hätte.
Im übrigen zeigen gerade ihre kammermusikalischen Einspielungen, daß sie ungeheuer sensibel auf ihre Partner eingehen kann.


Martha spielt großartig, das Orchster müßte nur ebenfalls so agil sein wie sie! :beer
nikolaus (22.04.2006, 15:31):
Martha spielt großartig, das Orchster müßte nur ebenfalls so agil sein wie sie!

Ja, da habe ich dich durchaus richtig verstanden!!

Vielleicht hat Zelenka recht:

(Kondrashins Bayern sind vielleicht etwas zu behäbig ...) :beer :beer
Ganong (22.04.2006, 17:18):
Lieb Forumsmitgleider ,
die Argerich - Aufnbahme mit Kondrashin ist ihrre leidenschaftlichste .
Die mit Abbado ist glatter durch Abbados Dirigat . Abbado und Argerich sind übrigens ein Traumpaar bei Konzertaufnahmen . Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht .
Als ganz einfach : B e i d e Aufnahmen !
Viele Grüsse , Frank
Rachmaninov (04.05.2006, 21:19):
Was hier noch gar nicht geschrieben wurde ist ein Hinweis auf ihre Aufnahme
mit Werken von J.S. BAch (Toccata, Partita, Englische Suite No.2)



IMO eine ganz vorzügliche Aufnahme und wirklich schade das sie nicht viel mehr Werke Bach's eingespielt hat :I
nikolaus (05.05.2006, 20:09):
Original von Rachmaninov
Was hier noch gar nicht geschrieben wurde ist ein Hinweis auf ihre Aufnahme
mit Werken von J.S. BAch (Toccata, Partita, Englische Suite No.2)



IMO eine ganz vorzügliche Aufnahme und wirklich schade das sie nicht viel mehr Werke Bach's eingespielt hat :I

Jaaaa, finde ich auch. Ihr Bach hat immer etwas sehr lebendiges, sie beschreibt ihn selber als "swingend" :leb. Ich denke, das steht ihm gut, insbesondere als Kontrast zu Aufnahmen, die die pure Schönheit der Musik betonen.

Gruß, Nikolaus.
Zelenka (08.05.2006, 12:41):
Zwischendurch gestern abend geschaut: Ein Video mit Martha und Eduardo Delgado, aufgenommen 2001 in Rosario (Argentinien). Die beiden spielen an zwei Klavieren etwa 6 Min. lang nette "Salonmusik" des Argentiniers Carlos Guastavino. Vorher ist auch Marthas Stimme zu hören. Zu finden auf Delgados Website "www.eduardodelgado.com".

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (01.03.2007, 12:49):
Im Zusammenhang mit dem Geburtstag von G. Kremer kam mir der M. Argerich Thread wieder in Erinnerung.

Bisher wurde hier als Schwerpunkt die Solo- bzw. Konzertaufnahmen von M. Argerich besprochen.

Zwei weitere Aspekte ihrer Karriere finde ich aber diskussionswürdig:

1. Ihre Aufnahmen mit ihren bekannten Partnern: Kremer, Maisky, Pletnev, Zilberstein ... usw.

und

2. Das Luganofestival
Ganong (01.03.2007, 17:39):
Lieber Nikolaus ,

wer Martha Argerich über einen längeren Zeitraum und näher erlebt hat , der wird Dir einfach bestätigen : So ist sie .

Man darf sich allerdimngs nicht vertun . Sie ist kein Mensch "zum Anfassen" . Distanz ist s e h r angesagt . Ausser man kennt sie näher .

Ihre diversen Interpretationen spalten natürlich die Hörergemeinschaft erheblich .

Ihre Entwicklung im Schumannkonzert ist sehr beachtlich - positiv !

Als Solistin ist sie schon über 20 Jahre verstummt . Dies ist auch ihr Wille neben wohl anderen Faktoren .

Eiegntlich ist hier im Forum alles über sie , die übrigens sehr gut Deutsch spricht , geschrieben worden . Was fehlt , das ist ein Interview mit ihr .
Beste Grüsse ,

Frank
nikolaus (01.03.2007, 23:04):
Original von Rachmaninov
Im Zusammenhang mit dem Geburtstag von G. Kremer kam mir der M. Argerich Thread wieder in Erinnerung.

Bisher wurde hier als Schwerpunkt die Solo- bzw. Konzertaufnahmen von M. Argerich besprochen.

Zwei weitere Aspekte ihrer Karriere finde ich aber diskussionswürdig:

1. Ihre Aufnahmen mit ihren bekannten Partnern: Kremer, Maisky, Pletnev, Zilberstein ... usw.

und

2. Das Luganofestival

Da kann ich ja mal mitreden :wink, vorerst ad 2.:

Das Luganofestival, genauer Progetto Martha Argerich, findet dieses Jahr vom 9.6. bis zum 26.6. statt.

Ich habe war 2004 und 2005 dort und habe sehr, sehr schöne Erinnerungen daran.
Es ist ein kleines Festival, was die Besucherzahlen (bedingt durch die Größe der Säle) angeht, aber musikalisch ist es sehr reichhaltig.
Es gibt jeden abend ein Konzert oder Recital.
Orchesterkonzerte (meistens drei, an den Samstagen) finden in einem Kongreßsaal statt mit leider schlechter Akkustik, die Kammermusikabende in einem Saal der Radiostation der italienischen Schweiz. Für die Klavierrecitals (oft mit eingigen Kammermusik-Stücken) nutzt man eine kleine Kirche. Ein Abend wird für die Sponsoren in einem der "Grand-Hotels" ausgerichtet, da ist das Kartenangebot sehr eingeschränkt. Auch die Orchester- und Kammerkonzerte sind schnell ausverkauft.
Was die Programme angeht: es gibt wohl eine Schwerpunkt, der aber eigentlich nicht streng eingehalten wird - nach dem Motto: gespielt wird, was Spaß macht.
Und der Spaß der Musiker steht denn auch im Vordergrund, wodurch eine angenehm entspannte Atmosphäre entsteht, die Freude der Musiker überträgt sich sofort auf das Publikum.
Zum "Stammpersonal" des Progetto zählen u.a. die Capucon-Brüder (Geige und Cello), Gabriela Montero, Lilya Zilberstein, Sergio Tiempo u. seine Schwester Karin Lechner, Nicholas Angelich, Polina Leshenko (Klavier), Dora Schwarzberg (Geige, Dozentin in Wien) u. ihre Tochter Nora Romanow-Schwarzberg (Viola), Martha Argerichs Tochter Lida Chen (Viola) ...
Aufgestockt werden sie durch bekannte Größen wie natürlich Gidon Kremer, Misha Maisky sowie Piotr Anderszewski (dieses Jahr das zweite Mal), Stephen Kovacevic, Truls Mork, Mikhail Pletnev, Yefim Bronfman, Maxim Vengerov... Die Abende sind daher wirklich abwechslungsreich.

Einen Einblick geben die von der EMI veröffentlichten Mitschnitte:

http://www.jpc.de/image/middle/front/0/7264847.jpg http://www.jpc.de/image/middle/front/0/2166595.jpg http://www.jpc.de/image/middle/front/0/3634783.jpg

Sowie weiter CDs. Ich kann sie jedem empfehlen, man bekommt einen recht guten Eindruck von der Spontaneität und Freude. Daß die Konzerte von den Musikern nicht auf die leichte Schulter genommen werden, belegen Highlights wie z.B. das Klaviertrio No. 2 von Shostakovich (Argerich, Vengerov, Capucon) oder Schumanns Klavierquintett.

Wenn ihr mehr wissen wollt, einfach fragen!!

Nikolaus.
Rachmaninov (02.03.2007, 07:39):
@Nikoluas,

was das Lugano-Festival angeht besitzte ich auch eine sehr schöne Aufnahme mit Argerich und Zilberstein und der Brahms Sonate für 2 Klaviere.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6546948.jpg

Die Aufnahme finde ich richtig gut :)
YJ (25.12.2007, 16:09):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41Z47SW285L._AA240_.jpg

Diese Aufnahme finde ich sehr beeindruckend. Die Prokoview-Toccata und die 6.Ungarische Rhapsodie spielt Argerich mit so einer "Leichtigkeit" und doch so brillant, sie verdient meinen absoluten Respekt. Die h-moll-Sonate ist sehr reif gespielt und musikalisch stelle ich mir das Werk genauso vor wie ihre Interpretation.
HenningKolf (17.01.2008, 18:03):
Original von Ganong

Als Solistin ist sie schon über 20 Jahre verstummt . Dies ist auch ihr Wille neben wohl anderen Faktoren .



Frank


Schade....besonders von Bach würde ich gerne mehr mit ihr hören. Weiß jemand um die Gründe, warum es keine Soloaufnahmen mehr gibt? Würde mich schon interessieren. Ich überlege gerade, bei welchen Pianisten/-innen es eine ähnliche Entwicklung gegeben haben mag..so spontan fällt mir jetzt niemand ein...liegt aber vielleicht daran, dass ich mich in der Solopianowelt erst gerade "akklimatisiere"...................


Gruß
Henning
nikolaus (04.04.2006, 22:28):
Guten Abend allerseits!

Ein neuer thread:

Wie Rachmaninov richtig bemerkt habe, ist der Name Martha Argerich heute häufiger gefallen. Ich muss gestehen, das freut mich ungemein, denn sie ist meine absolute Lieblingspianistin!
Wie sie spielt, berührt mich immer wieder. Dabei sind es nicht nur ihre Virtuosität und ihr Temperament, die mich begeistern, sondern vor allem eine Art von Natürlichkeit im Umgang mit der Musik .
Tja, jetzt bekomme ich direkt wieder Probleme klar zu machen, was ich meine. Ich bin alles andere als ein Experte, was die technische oder interpretatorische Seite der Musik angeht, ich merke nur, ob mir etwas gefällt und - im Idealfall- ob es mich berührt.
Das schafft Martha Argerich immer wieder aufs Neue.
Beispiele:
Rach 3 (Live-Aufnahme unter Chailly: extreme Emotion)
Schumann KlaKo (Live in Lugano: fast schon improvisatorische Leichtigkeit)
Brahms Klavierquartett no. 1 (mit Kremer, Bashmet, Maisky; Finale: fantastische Beschleunigung, Energie hoch 3)
Ravel Klako (unter Abbado; 2. Satz: einfach schön)
und, und, und...
Und wenn sie in Lugano im Konzert seitlich auf der Bühne aus einer Tür lugt (für die Zuschauer sichtbar), um Lilya Zilberstein und Renaud Capucon zuzuhören, ist das doch einfach sympathisch, oder nicht?

Gibt es ähnliche Meinungen oder ganz andere?

Gruss, Nikolaus.
Rachmaninov (04.04.2006, 22:38):
@Nikolaus,

ersteinmal danke für den Start dieses Thread zu einer der größten Künstlerinnen unserer Zeit.
Zunächsteinmal sollten wir uns freuen, daß ihre Lehrer (u.A. Gulda und ABM :down) sie vom Typen her nicht verändert haben.

Weit über ihre grandiosen Aufnahmen hat sie auch erhebliche Verdienste für die klassische Musik. Soweit ich weiss hat sie die Brüder Capucon gefördert bzw. unterstützt. Das Lugano Festival ist glaube ich ebenfalls durch sie entstanden.

Ihr Temprament ist einfach ihre Art und das mag ich an ihr.

Aber sie kann auch ganz anders, wie man z.B. auf ihrer Schumann Aufnahme mit den Kinderszenen bzw. Kreisleriana hören kann. Für mich eine der schönsten Aufnahmen dieses Werks.



Hochinteressant auch wie sie Gabriela Montero "entdeckte"........
aber davon berichte ich morgen! :wink
Rachmaninov (05.04.2006, 10:20):
Gabriela Montero kannte M. Argerich bereits als kleines Kind. Argerich war eine Freundin von Montero's Klavierlehrer Lyl Tiempo.

In Montreal traff man sich wieder un Montero hatte einige Fragen an Martha wie sie ihr Leben als Musikerin und Mutter den so meistert.
Martha sagte darauf:"Ich habe keine Antwort, aber ich würde Dich gerne spielen hören!"

Montero erwiderte sie habe seit 2 Monaten nicht gespielt aber das war natürlich für die Argerich kein Argument.

Am folgenden Tag um Acht war man verabredet. Da aber die Proben von Martha länger dauerten ging Montero mit Freunden in eine Bar.

Gegen 1.30 Uhr erschien Martha Argerich und meinte:"Nun, jetzt habe ich Zeit"

Tja, dannach wohl ein paar Anrufe und schon ging die Karriere von Gabriela Montero los.
Walter (05.04.2006, 17:35):
Original von nikolaus
Tja, jetzt bekomme ich direkt wieder Probleme klar zu machen, was ich meine. Ich bin alles andere als ein Experte, was die technische oder interpretatorische Seite der Musik angeht, ich merke nur, ob mir etwas gefällt und - im Idealfall- ob es mich berührt.

Gruss, Nikolaus.

Danke Nikolaus, für dieses Statement :thanks mir geht es genauso und es fällt mir oft schwer meine Empfindungen hier im Forum zu beschreiben.

Aber wir versuchen es trotzdem weiter :haha

Walter
Ganong (07.04.2006, 16:51):
Lieber Nikolau s,
man muss Martha ( Argerich ) geradezu ( fast ) hautnah einige Zeit erlebt haben , um sie auch nurannähernd einschätzen zu können .
Ihren sehr gewinnenden Charme ( ist bei ihr durchaus vorhanden ) , ihre geradezu katzenhaften beschützerinstinkte ( hab eich bei einem ihr ebenbürtigen , eng befreundeten Kollen live erlebt und fast zu spüren bekommen ) , ihre Leichtigkeit der manuellen Beherrschung auch schwierigster Notentexte ( ist unvermindert so geblieben ) . Si ekann Kolleginnen und Kollegen brillinat imitieren . Aber sie ist auch ein sehr zerrissener Mensch .
Ihr Schumann ist höchst hörenswert !
ihr Debut-recital ( 1965 ; EMI ) ist alleine wegender Chopinschen Mazurken absolut ein Muss !
Ihr "Rach-3" ist rein pianistisch gerdezu erdrückend .
Ihre Klavierkonzerte von Bartok und Prokoviec haben jhur in den Aufnahmen mit Alexis Weissenberg ( mit Ozawa als Dirigent ) eine wirkliche Konkurrenz .
Weniger beeindruckt mich ihr "swingender" ( Argerich über ihren bach ) Bach .
das Lugano-Festival ist gut bei EMi festgehalten worden .
Um ihre Interpretation der "Kinderszenen" zu nhemen : Sie spielt sie , jedes Stück , wie Minidramen . So ist auch Martha ( Argerich ) .
Viele Grüsse , Frank
W e r b u n g :
Schau doch mal in "Klaviermusik" hier im Forum rein . Dort beginnen Siamak ( = AcomA ) und ich gerade mit unsere Besprechung der Klaviermusik von Schumann . F.
Rachmaninov (04.05.2006, 21:19):
Was hier noch gar nicht geschrieben wurde ist ein Hinweis auf ihre Aufnahme
mit Werken von J.S. BAch (Toccata, Partita, Englische Suite No.2)



IMO eine ganz vorzügliche Aufnahme und wirklich schade das sie nicht viel mehr Werke Bach's eingespielt hat :I
nikolaus (05.05.2006, 20:09):
Original von Rachmaninov
Was hier noch gar nicht geschrieben wurde ist ein Hinweis auf ihre Aufnahme
mit Werken von J.S. BAch (Toccata, Partita, Englische Suite No.2)



IMO eine ganz vorzügliche Aufnahme und wirklich schade das sie nicht viel mehr Werke Bach's eingespielt hat :I

Jaaaa, finde ich auch. Ihr Bach hat immer etwas sehr lebendiges, sie beschreibt ihn selber als "swingend" :leb. Ich denke, das steht ihm gut, insbesondere als Kontrast zu Aufnahmen, die die pure Schönheit der Musik betonen.

Gruß, Nikolaus.
Zelenka (08.05.2006, 12:41):
Zwischendurch gestern abend geschaut: Ein Video mit Martha und Eduardo Delgado, aufgenommen 2001 in Rosario (Argentinien). Die beiden spielen an zwei Klavieren etwa 6 Min. lang nette "Salonmusik" des Argentiniers Carlos Guastavino. Vorher ist auch Marthas Stimme zu hören. Zu finden auf Delgados Website "www.eduardodelgado.com".

Gruß,

Zelenka
Rachmaninov (01.03.2007, 12:49):
Im Zusammenhang mit dem Geburtstag von G. Kremer kam mir der M. Argerich Thread wieder in Erinnerung.

Bisher wurde hier als Schwerpunkt die Solo- bzw. Konzertaufnahmen von M. Argerich besprochen.

Zwei weitere Aspekte ihrer Karriere finde ich aber diskussionswürdig:

1. Ihre Aufnahmen mit ihren bekannten Partnern: Kremer, Maisky, Pletnev, Zilberstein ... usw.

und

2. Das Luganofestival
Ganong (01.03.2007, 17:39):
Lieber Nikolaus ,

wer Martha Argerich über einen längeren Zeitraum und näher erlebt hat , der wird Dir einfach bestätigen : So ist sie .

Man darf sich allerdimngs nicht vertun . Sie ist kein Mensch "zum Anfassen" . Distanz ist s e h r angesagt . Ausser man kennt sie näher .

Ihre diversen Interpretationen spalten natürlich die Hörergemeinschaft erheblich .

Ihre Entwicklung im Schumannkonzert ist sehr beachtlich - positiv !

Als Solistin ist sie schon über 20 Jahre verstummt . Dies ist auch ihr Wille neben wohl anderen Faktoren .

Eiegntlich ist hier im Forum alles über sie , die übrigens sehr gut Deutsch spricht , geschrieben worden . Was fehlt , das ist ein Interview mit ihr .
Beste Grüsse ,

Frank
nikolaus (01.03.2007, 23:04):
Original von Rachmaninov
Im Zusammenhang mit dem Geburtstag von G. Kremer kam mir der M. Argerich Thread wieder in Erinnerung.

Bisher wurde hier als Schwerpunkt die Solo- bzw. Konzertaufnahmen von M. Argerich besprochen.

Zwei weitere Aspekte ihrer Karriere finde ich aber diskussionswürdig:

1. Ihre Aufnahmen mit ihren bekannten Partnern: Kremer, Maisky, Pletnev, Zilberstein ... usw.

und

2. Das Luganofestival

Da kann ich ja mal mitreden :wink, vorerst ad 2.:

Das Luganofestival, genauer Progetto Martha Argerich, findet dieses Jahr vom 9.6. bis zum 26.6. statt.

Ich habe war 2004 und 2005 dort und habe sehr, sehr schöne Erinnerungen daran.
Es ist ein kleines Festival, was die Besucherzahlen (bedingt durch die Größe der Säle) angeht, aber musikalisch ist es sehr reichhaltig.
Es gibt jeden abend ein Konzert oder Recital.
Orchesterkonzerte (meistens drei, an den Samstagen) finden in einem Kongreßsaal statt mit leider schlechter Akkustik, die Kammermusikabende in einem Saal der Radiostation der italienischen Schweiz. Für die Klavierrecitals (oft mit eingigen Kammermusik-Stücken) nutzt man eine kleine Kirche. Ein Abend wird für die Sponsoren in einem der "Grand-Hotels" ausgerichtet, da ist das Kartenangebot sehr eingeschränkt. Auch die Orchester- und Kammerkonzerte sind schnell ausverkauft.
Was die Programme angeht: es gibt wohl eine Schwerpunkt, der aber eigentlich nicht streng eingehalten wird - nach dem Motto: gespielt wird, was Spaß macht.
Und der Spaß der Musiker steht denn auch im Vordergrund, wodurch eine angenehm entspannte Atmosphäre entsteht, die Freude der Musiker überträgt sich sofort auf das Publikum.
Zum "Stammpersonal" des Progetto zählen u.a. die Capucon-Brüder (Geige und Cello), Gabriela Montero, Lilya Zilberstein, Sergio Tiempo u. seine Schwester Karin Lechner, Nicholas Angelich, Polina Leshenko (Klavier), Dora Schwarzberg (Geige, Dozentin in Wien) u. ihre Tochter Nora Romanow-Schwarzberg (Viola), Martha Argerichs Tochter Lida Chen (Viola) ...
Aufgestockt werden sie durch bekannte Größen wie natürlich Gidon Kremer, Misha Maisky sowie Piotr Anderszewski (dieses Jahr das zweite Mal), Stephen Kovacevic, Truls Mork, Mikhail Pletnev, Yefim Bronfman, Maxim Vengerov... Die Abende sind daher wirklich abwechslungsreich.

Einen Einblick geben die von der EMI veröffentlichten Mitschnitte:

http://www.jpc.de/image/middle/front/0/7264847.jpg http://www.jpc.de/image/middle/front/0/2166595.jpg http://www.jpc.de/image/middle/front/0/3634783.jpg

Sowie weiter CDs. Ich kann sie jedem empfehlen, man bekommt einen recht guten Eindruck von der Spontaneität und Freude. Daß die Konzerte von den Musikern nicht auf die leichte Schulter genommen werden, belegen Highlights wie z.B. das Klaviertrio No. 2 von Shostakovich (Argerich, Vengerov, Capucon) oder Schumanns Klavierquintett.

Wenn ihr mehr wissen wollt, einfach fragen!!

Nikolaus.
Rachmaninov (02.03.2007, 07:39):
@Nikoluas,

was das Lugano-Festival angeht besitzte ich auch eine sehr schöne Aufnahme mit Argerich und Zilberstein und der Brahms Sonate für 2 Klaviere.

http://www.jpc.de/image/cover/front/0/6546948.jpg

Die Aufnahme finde ich richtig gut :)
YJ (25.12.2007, 16:09):
http://ecx.images-amazon.com/images/I/41Z47SW285L._AA240_.jpg

Diese Aufnahme finde ich sehr beeindruckend. Die Prokoview-Toccata und die 6.Ungarische Rhapsodie spielt Argerich mit so einer "Leichtigkeit" und doch so brillant, sie verdient meinen absoluten Respekt. Die h-moll-Sonate ist sehr reif gespielt und musikalisch stelle ich mir das Werk genauso vor wie ihre Interpretation.
HenningKolf (17.01.2008, 18:03):
Original von Ganong

Als Solistin ist sie schon über 20 Jahre verstummt . Dies ist auch ihr Wille neben wohl anderen Faktoren .



Frank


Schade....besonders von Bach würde ich gerne mehr mit ihr hören. Weiß jemand um die Gründe, warum es keine Soloaufnahmen mehr gibt? Würde mich schon interessieren. Ich überlege gerade, bei welchen Pianisten/-innen es eine ähnliche Entwicklung gegeben haben mag..so spontan fällt mir jetzt niemand ein...liegt aber vielleicht daran, dass ich mich in der Solopianowelt erst gerade "akklimatisiere"...................


Gruß
Henning
nikolaus (05.06.2010, 17:27):
http://www.smilies.4-user.de/include/Geburtstag/smilie_geb_101.gif

Heute wird sie 69 Jahre jung!

Möge sie uns noch lange mit ihrem intensiven, lebendigen Klavierspiel erfreuen!

Nikolaus :down
E. Morricone (16.06.2010, 19:24):
Original von HenningKolf
Weiß jemand um die Gründe, warum es keine Soloaufnahmen mehr gibt?

Sie ist der Ansicht, dass sie sonst einen Tunnelblick bekommt und sich isoliert. Sagt sie jedenfalls in ihrem Film "Private Momente" odes so ähnlich.
nikolaus (05.06.2011, 09:14):
Und schon wieder ein Jahr vorbei:

Martha Argerich zum 70. Geburtstag!

Alles Gute und ein langes Leben!
Amadé (05.06.2011, 11:40):
Gerade lief im WdR ihre fulminante Aufnahme der Klaviersonate D-dur op.10 Nr.3, die sie im September 1960, also mit 19 Jahren im Funkhaus am Wallraffplatz einspielte.

:times10

Den Beethoven-Sonaten hat sich Martha, ihren Aufnahmen nach zu urteilen, wenig zugewandt, schade. Kamen sie ihrem Temperament, ihrer Auffassung nicht entgegen?
Auch von den Konzerten spielte sie m.W. nur Nr.1 und 2.

Ich freue mich auf ihr Konzert in Dortmund in 5 Wochen.

Grüße Amadé
nikolaus (05.06.2011, 19:28):
Original von Amadé
Gerade lief im WdR ihre fulminante Aufnahme der Klaviersonate D-dur op.10 Nr.3, die sie im September 1960, also mit 19 Jahren im Funkhaus am Wallraffplatz einspielte.

:times10

Den Beethoven-Sonaten hat sich Martha, ihren Aufnahmen nach zu urteilen, wenig zugewandt, schade. Kamen sie ihrem Temperament, ihrer Auffassung nicht entgegen?
Auch von den Konzerten spielte sie m.W. nur Nr.1 und 2.

Ich freue mich auf ihr Konzert in Dortmund in 5 Wochen.

Grüße Amadé

Mist, die habe ich verpasst. Sie ist - glaube ich - nie veröffentlicht worden, oder?

Von den Klavierkonzerten hat sie auch das 3. einige wenige Male gespielt, u.a. 2/2004 in Ferrara. Die DG hat das Konzert mitgeschnitten und zusammen mit dem 2. (ebenfalls in Ferrara, 2000) veröffentlicht. Beide Male dirigierte Abbado das Mahler Chamber Orchestra.

Vor Dortmund höre und sehe ich sie noch in Lugano (ab Sonntag :D)

Nikolaus.
Amadé (05.06.2011, 20:11):
Original von Nikolaus
Von den Klavierkonzerten hat sie auch das 3. einige wenige Male gespielt, u.a. 2/2004 in Ferrara. Die DG hat das Konzert mitgeschnitten und zusammen mit dem 2. (ebenfalls in Ferrara, 2000) veröffentlicht. Beide Male dirigierte Abbado das Mahler Chamber Orchestra.

Stimmt, die hatte ich ganz vergessen, obwohl ich sie im Klassik-Prisma mit 4-5 bewertet habe. :down


Die WdR-Aufnahme ist mir auch auf dem grauen Markt nie begegnet. Ich bin durch Joachim Kaiser, der in den 70er Jahren eine Sendereihe über sämtliche Klaviersonaten brachte, auf diese Aufnahme aufmerksam gemacht worden, er lobte vor allem das Finale.

Grüße Amadé
Heike (21.08.2011, 13:42):
Olivier Bellamy hat eine (authorisierte) Biographie veröffentlicht, hier berichtet die ZEIT darüber.

Olivier Bellamy: Martha Argerich – die Löwin am Klavier
Edition E. Heidenreich bei C. Bertelsmann, Gütersloh 2011; 287 S., 19,95 €
Rachmaninov (29.02.2012, 12:30):
Original von nikolaus
Gerade zu Ende:

http://www.jpc.de/image/w600/front/0/8021945002500.jpg

Chopin: Klavierkonzert Nr. 1 (Orchestre de la Suisse Romande, Louis Martin; 1959)
Ravel: Klavierkonzert G-Dur (Orchestre de Chambre de Lausann, Charles Dutoit; 1959)
Liszt: Etude de concert Nr. 2 "La legierezza"

Ich kann wirklich nachvollziehen, welches Aufsehen Martha Argerich damals mit ihrem Klavierspiel erregte. Ich glaube aber, dass mir die "ältere" besser gefällt.


Empfinde ich anders.
Letztlich auch "the young martha Argerich" mit Ravel gehört.
war ich sehr pos. überrascht.
Mir erscheint sie heute teilweise sehr aufgesetzt, übertrieben auf Effekt spielen mit einigen "Manierismen".
nikolaus (29.02.2012, 23:06):
Original von Rachmaninov

Empfinde ich anders.
Letztlich auch "the young martha Argerich" mit Ravel gehört.
war ich sehr pos. überrascht.
Mir erscheint sie heute teilweise sehr aufgesetzt, übertrieben auf Effekt spielen mit einigen "Manierismen".

Manierismen - ja, das ist sicher richtig. Aber ich empfinde diese nicht als aufgesetzt, sondern aus einer Spontaneität und Freiheit heraus. Gerade in den langsamen Sätzen finde ich sie heute bisweilen "beseelter", sicher auch durch ihre Lebenserfahrungen.
Um nicht missverstanden zu werden: auch ihre frühen Aufnahmen begeistern mich!

Nikolaus.
nikolaus (24.09.2012, 21:39):
Einen für mich fantastischen Querschnitt durch die "späte Argerich" bietet diese jetzt bei der DG neu erschienene Sammlung bisher nicht veröffentlichter live-Mitschnitte vom Progetto Martha Argerich in Lugano (von 2004 bis 2010):

http://www.jpc.de/image/w220/front/0/0028947798842.jpg

Mit ihren selbst in den früheren Aufnahmen immerhin schon über 60 Lebensjahren stürzt sie sich mit ungebremster Energie, vollem Risiko und kompromisslos in diese Konzerte.
Manchmal mag man denken, es sei zu viel des Guten, aber im nächsten Moment nimmt sie sich zurück und entschädigt mit zarten, innigen langsamen Sätzen oder perlenden Läufen.
Da ist viel Spontaneität und Freiheit im Spiel, für mich ein Grund, die "späte" Argerich zu bevorzugen.

Einige Konzerte habe ich damals live miterlebt, und ich bin froh, dass die Tonmeister vom Mastering doch einiges an Details herausgearbeitet haben.
So ist das Konzert für zwei Klavier von Francis Poulenc für mich eine (Neu-)Entdeckung; so gut hatte ich es nicht in Erinnerung.
Sehr hübsch, fast schlicht gelingt Mozarts Konzert für drei Klaviere KV 242 mit den Brüdern Rico und Paul Gulda.
An das 1. Klavierkonzert von Prokofiev kann ich mich noch erinnern: es war der letzte Programmpunkt, und beim Abtritt von der Bühne stritten sich Argerich und der Dirigent Rabinovitch regelrecht; als Zugabe spielte sie das ganze Konzert noch einmal, und ich glaube, diese "Zugabe" wurde hier veröffentlich. Man hört direkt die Wut...

Nikolaus.