Max Lorenz

Falstaff (18.02.2017, 01:22):
(* 10. Mai 1901 in Düsseldorf; † 11. Januar 1975 in Salzburg)

Max Lorenz ist wohl der Wagner-Heldentenor des letzten Jahrhunderts neben Lauritz Melchior. Beide hatten übrigens in Berlin den selben Lehrer: Ernst Grenzebach.

1927 debütierte Lorenz in Dresden, sang dort u.a die Uraufführung der 'Ägyptischen Helena' von Strauss und wechselte dann 1933 an die Berliner Staatsoper. Dort füllte er die Lücke aus, die Melchior nach seinem Weggang aus politischen Gründen hinterließ.

Schon 1933 sang er auch in Bayreuth (bis 1954) und zwar erstmalig in der 'berüchtigten' Parsifal-Inszenierung, die Toscanini auch aus politischen Gründen nicht mehr dirigieren wollte. Richard Strauss sprang dann für ihn ein.

Max Lorenz wurde dann in der Zeit des Nationalsozialismus zu dem Wagner-Tenor in Deutschland. Hofiert, bewundert, verehrt und wohl auch Hitlers Lieblingssänger, war er alles andere als ein Nazi. Selber homosexuell und mit einer Jüdin verheiratet, zu der er sich immer bekannte, war er durchaus immer gefährdet.

Dass man nicht nur Helden singen sollte, sondern so auch handeln, war wohl ein Lebensmotto. Es gibt eine ganze Reihe von Geschichten, in denen er, lebensbedrohlich für ihn, gegen Nazinormen verstieß.

Nach 1945 konnte er nicht mehr an seine einstigen Erfolge als Heldentenor anknüpfen. Zwar sang er noch zweimal in Neu-Bayreuth, auch wieder an der Met oder unter Furtwängler den Tristan (u.a. mit der jungen Callas - eine Aufnahme soll existieren), aber letztlich wechselte er doch relativ schnell ins Charakterfach. Palestrina, Ägisth, Herodes oder auch Uraufführungen von von Einem sind hier zu nennen.

1962 hatte er seinen letzten Auftritt als Opernsänger an der Wiener Staatsoper. Danach wirkte er noch als Lehrer, u.a. war James King einer seiner Schüler.

Lorenz verfügte über einen typischen Heldentenor. Auf einem ausgeprägt baritonalen Fundament erhob sich eine strahlende und sichere Höhe. Was ihn aber wohl so einzigartig macht, ist seine unbändige Ausdruckskraft. Lorenz war nie nur Sänger, der eine Partie bewältigte. Er durchlebte sie und verschwendete sich in ihr. Das ist immer Ausdruck pur bis hin zur scheinbaren Selbstvergessenheit. Natürlich machte und macht er sich dadurch angreifbar. Da ging manches auf Kosten der Gesangskultur. Aber das Ergebnis ist, für mich jedenfalls, immer faszinierend.
Falstaff (18.02.2017, 01:33):
Eine meiner liebsten Aufnahmen mit ihm ist diese hier:

https://www.youtube.com/watch?v=NFRaDJdi7Lw

Auch sie harrt noch der Erlösung auf CD. :) Unter Arthur Rother singen 1942 Lorenz, Maria Reining, Margarete Bäumer, Karl Schmitt-Walter und Ludwig Hoffmann. Bei Acanta erschienen einmal Auszüge und ich konnte bis heute nicht in Erfahrung bringen, ob diese Oper jemals vollständig aufgenommen wurde.
Lorenz bietet hier einen Tannhäuser, der mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit durch alle Fährnisse der Partie geht, wie man es wohl nur von Melchior sonst noch kennt. Für mich bietet er aber den weitreichenderen Ausdruck. Da, wo Melchior für mich immer ein wenig zu kalkuliert klingt (das Einzige, was ich ihm vielleiht ankreiden könnte), wirft sich Lorenz total in die Partie. Und meistert sie. :down :down :down

Maria Reinig und Karl Schmitt-Walter sind zudem mehr als exzellent.
Falstaff (18.02.2017, 01:36):
Eine Sammlung aus seiner großen Zeit:
Don Juan d' Austria (18.02.2017, 07:58):
Hallo.

Ich bin zwar kein Wagnerianer, aber Max Lorenz Interpretationen finde ich sehr ansprechend. Besonders gerne höre ich ihn als Tristan ("Das Schiff") oder in der Walküre ("Dich sel'ge Frau)

Max Lorenz ist übrigens am Wiener Zentralfriedhof beerdigt.
Falstaff (19.02.2017, 23:56):
Ich bin zwar kein Wagnerianer, aber Max Lorenz Interpretationen finde ich sehr ansprechend. Besonders gerne höre ich ihn als Tristan ("Das Schiff") oder in der Walküre ("Dich sel'ge Frau)
Das sind auch zwei seiner 'Highlights'. Welche Walkürenaufnahme kennst du mit ihm?
:hello Falstaff
Falstaff (20.02.2017, 00:43):


Max Lorenz in einer seiner großen Altersrollen.
Don Juan d' Austria (20.02.2017, 10:46):
Ich bin zwar kein Wagnerianer, aber Max Lorenz Interpretationen finde ich sehr ansprechend. Besonders gerne höre ich ihn als Tristan ("Das Schiff") oder in der Walküre ("Dich sel'ge Frau)
Das sind auch zwei seiner 'Highlights'. Welche Walkürenaufnahme kennst du mit ihm?
:hello Falstaff
Ich kenne nur Ausschnitte aus der 1942er Walküre mit Maria Reining...

Dem Ring als Gesamtes hab ich bisher nichts abgewinnen können - darum beschränke ich mich auf Ausschnitte (wenngleich ich zwei Komplettboxen des Ringes daheim hab...)

Bzgl. Tristan: Hier besitze ich die 1943er Aufnahme unter Heger - der 1949er unter Schmidt-Isserstedt steht auf der To-Do-List :D

LG
Falstaff (20.02.2017, 23:10):
Ich kenne nur Ausschnitte aus der 1942er Walküre mit Maria Reining...
Lieber Don, ich weiß gar nicht, ob von Lorenz-Reining der I. Akt vollständig vorhanden ist. Den gibt es zwei Jahre später aufgenommen mit Teschemacher und Böhme.

Bzgl. Tristan: Hier besitze ich die 1943er Aufnahme unter Heger - der 1949er unter Schmidt-Isserstedt steht auf der To-Do-List
Die 1943iger Aufnahme ist, was ihn angeht sensationell. Fantastisch ist dagegen aber auch die 1951iger aus der Scala. Hier ist er nicht mehr in so bestechender Form. Dafür erhält man aber die von der Plattenindustrie völlig vernachlässigte Grob-Prandl mit ihrer Riesenstimme und v.a. den fantastischen de Sabata am Pult.



LG Falstaff
palestrina (14.03.2017, 11:40):
Hallo Falstaff, ich habe mit heute diesen Mitschnitt der Walküre von 1954 angehört



(sehr spät für Lorenz), aber was mir wieder äußerst unangenehm aufgefallen ist, er legt sich ja die Noten so zurecht wie es ihm gefällt :D , habe mir dann auch noch den mit der Teschemacher angehört ist in jeder Hinsicht besser, in Bezug auf die Noten ein klein wenig auch! :ignore

Also, Notengetreu war er in keiner Aufnahme, sowie auch des öfteren seine Vokalverfärbungen, bevorzugen möchte ich auf jeden Fall für mich den Tristan mit Paula Büchner (ein Traum :down ) und die Ariadne mit Maria Reining! :)
Suggestiv waren seine Interpretationen aber schon!
War also früher alles besser?, in der Hinsicht nein, heute würde man so etwas nicht mehr durchgehen lassen!
Dem entgegenhalten möchte ich, dass in der heutigen Zeit nur noch wenige der Sänger/innen wirklich dieses Charisma aufbieten!

LG palestrina
Falstaff (14.03.2017, 22:59):
Lieber Palestrina, in der 1954iger Walküre ist er wirklich nicht gut. Nach 1945 hatte er in seinem ehemaligen Repertoire sowieso nur noch selten große Momente. Ich denke ja immer, dass die ungeheure Spannung, unter der er in der Nazizeit gesungen und gelebt hat, wohl auch dazu geführt hat, dass er solche intensiven und vokal starken Leistungen erbringen konnte. Danach, durch den nun fehlenden Druck, sah es ganz anders aus.
War also früher alles besser?, in der Hinsicht nein, heute würde man so etwas nicht mehr durchgehen lassen!
Natürlich hat er sich Partituren auch zurechtgelegt. Genauso wie Melchior. Oder wie die meisten anderen auch. Da waren sie noch ziemlich hemmungslos und durch Dirigenten kaum gestört. Aber ich denke immer, das in diesem Fall das Ergebnis auch die Mittel rechtfertigt. Und sieht es heute wirklich so anders aus? Welche Brünnhilde singt denn heutzutage den Triller in der Walküre oder welcher Trovatore den in der Arie? Man legt es sich immer noch zurecht. Das ist auch ok. Nur sollte dann das Ergebnis stimmen.

LG Falstaff
Falstaff (14.03.2017, 23:21):


Sehr sehenswerte Dokumentation über Max Lorenz mit Beiträgen von Fischer-Dieskau, René Kollo, Hilde Zadek und Waldemar Kmentt. Zudem gibt es auf einer Extra-CD die einzig erhalten Ausschnitte mit ihm als Siegfried (1938), hier zusammen mit Erich Witte aus dem Colon unter Erich Kleiber. Sehr hörenswert auch wenn die technische Qualität unterirdisch ist.

LG Falstaff
palestrina (15.03.2017, 00:00):


Sehr sehenswerte Dokumentation über Max Lorenz mit Beiträgen von Fischer-Dieskau, René Kollo, Hilde Zadek und Waldemar Kmentt. Zudem gibt es auf einer Extra-CD die einzig erhalten Ausschnitte mit ihm als Siegfried (1938), hier zusammen mit Erich Witte aus dem Colon unter Erich Kleiber. Sehr hörenswert auch wenn die technische Qualität unterirdisch ist.

LG Falstaff
Ja ja, lieber Falstaff, ich habe die DVD auch und den Titel halb abgeklebt! :D Aber beim Anschauen habe ich manchesmal gedacht, das ist ganz schön Verklärung der ..... alten Zeit!

LG palestrina