Billy Budd (29.05.2012, 21:25): Vorweg: Mir liegt es völlig fern, irgendjemanden „bekehren“ zu wollen. Der erste man Verdi und Puccini, der zweite schwelgt am liebsten in Belcanto, der dritte favorisiert Opern von Wagner und Strauss, während der vierte gerne atonale Musik hört. Das alles ist vollkommen legitim und so lange niemand seinen Musikgeschmack über den anderer setzt, ist alles in bester Ordnung. Nur kann man – meiner Ansicht nach – erst über einen Komponisten urteilen, wenn man einige seiner Werke gehört hat.
Folgende Zitate waren für die Entstehung dieses Threads ausschlaggebend: selbst so herausragende Libretti wie die diverser Strauss-Opern ändern nichts daran, dass mich die Musik zu Tode langweilt und von wenigen Stellen abgesehen kalt lässt. (Fairy) Aber beim reichhaltigen und vielfältigen Opernkosmos ist es nicht weiter schlimm, wenn man eine Sparte ignoriert - man muss einfach Mut zur Lücke haben ! (Bei mir ist das z.B. Strauss, ohne dessen Werke ich wunderbar leben kann!) (Severina) Ich behaupte jedenfalls, dass sich auch die gegenüber Strauss so skeptische Severina von einer guten Inszenierung von DIE SCHWEIGSAME FRAU nicht weniger begeistern ließe als von einem guten DON PASQUALE, denn beide bieten (auch) herrlichen Belcanto. (Rideamus)
Live gehört habe ich einige Strauss-Opern (9x „Salome“, 1x „Elektra“, 6x „Rosenkavalier“, 5x „Ariadne“, 4x „Frau ohne Schatten“, 3x „Arabella“, 2x „Daphne“), aber genau die „Schweigsame Frau“ nicht, obwohl ich dazu Gelegenheit gehabt hätte. Immerhin besitze ich folgenden Mitschnitt: Richard Strauss: Die schweigsame Frau
Wiener Staatsoper
18. Juni 2009
Besetzung:
Peter Schneider - Dirigent
Kurt Rydl - Sir Morosus Janina Baechle - Seine Haushälterin Adrian Eröd - Der Barbier Michael Schade - Henry Morosus Jane Archibald - Aminta Caroline Wenborne - Isotta Michaela Selinger - Carlotta Clemens Unterreiner - Morbio Janusz Monarcha - Vanuzzi Walter Fink - Farfallo
Orchester der Wiener Staatsoper. Leider ist meine Freizeit derzeit sehr knapp bemessen, aber spätestens im Sommer habe ich sicher Zeit, ihn zu hören.
Ich bin mir sicher, von Severina einmal gelesen zu haben (über die Suchfunktion finde ich die Stelle im Moment nicht), dass sie Strauss’ Opern nur deshalb ignoriere, weil sie sich den regelmäßigen Ärger über „die nun wirklich nicht zu übersehenden frauenfeindlichen Tendenzen in einigen Libretti“ ersparen möchte. Dieser Satz hat mich etwas verwirrt zurückgelassen, zumal ich noch keine solche Tendenzen ausfindig machen konnte (Über Baraks „Das Weib ist irre, zündet ein Feuer an, damit ich ihr Gesicht sehe!“ lässt sich zwar streiten und die „Arabella“ ist auch zum Teil recht grenzwertig.).
Schließlich ein Tipp meinerseits: Wer Strauss doch noch eine Chance geben möchte, soll es bitte keinesfalls mit dem „Rosenkavalier“ versuchen, sondern möge sich die „Daphne“ zu Gemüte führen. Diese Oper klingt nämlich gar nicht nach dem, was oft mit Strauss assoziiert wird, sondern viel sanfter (eher im Stil der „Vier letzten Lieder“). Darüber hinaus ist sie auch sehr kurz. :) Dieser Mitschnitt steht auch auf meiner imaginären Anhör-Liste: Richard Strauss: Daphne
Premiere Wiener Staatsoper
13. Juni 2004
Besetzung:
Semyon Bychkov - Dirigent
Marco Ozbic - Choreinstudierung
Walter Fink - Peneios Marjana Lipovšek - Gaea Ricarda Merbeth - Daphne Michael Schade - Leukippos Johan Botha - Apollo Markus Nieminen - 1. Schäfer Benedikt Kobel - 2. Schäfer Jens Musger - 3. Schäfer Johannes Wiedecke - 4. Schäfer Genia Kühmeier - 1. Magd Aarona Bogdan - 2. Magd
Chor und Orchester der Wiener Staatsoper. Meine Lieblingsoper ist übrigens die „Frau ohne Schatten“, die aber für Einsteiger kaum geeignet ist.
Auf eine interessante Diskussion!
Billy :hello
Rideamus (30.05.2012, 15:06): Mein eigenes Strauss-Ranking hatte ich schon einmal in dem anderen Forum hier gelistet: http://www.capriccio-kulturforum.de/oper/2762-von-wegen-schweinshaxe-das-strauss-opern-ranking/#post108134
Das wird natürlich die Anhänger der Schweinshaxen-Assoziation nicht überzeugen. Mich wundert immer nur, warum man Wagner gegenüber so viel gnädiger ist, obwohl der nicht weniger geschwätzig ist als zuweilen Hofmannsthal, viel üblere Frauenbilder entwirft als dieser in seiner in der Tat grenzwertigen ARABELLA, und zudem noch viel weniger Schöngesang liefert als Strauss. Was der nämlich ungeachtet seiner Vorliebe für das volle Auskosten klanglicher Möglichkeiten des Orchesters, mit der er seine Sänger, insonderheit seine Tenöre, immer wieder zum Brüllen zwingt, an Schönklang und Belcanto im Wortsinn zu bieten hat, wird nur zu gern verkannt. Liegt es daran, dass sein Orchester so viel reicher und anspruchsvoller ist als die der italienischen Belcanto-Spezialisten?
Wie auch immer, ich ergänze gerne meine Empfehlung für einen geglückten Einstieg in Strauss' Opernwelt. Der könnte, wie bei Wagners Wesendonck-Liedern, durchaus bei seinen Orchesterliedern anfangen. Aber auch den ROSENKAVALIER finde ich, anders als Billy, als Einstiegsdroge durchaus geeignet, wobei ich allerdings angesichts von Hofmannsthals Wortseligkeit (immerhin im doppelten Wortsinn) dazu raten würde, mit einem Querschnitt zu beginnen, der mindestens die italienische Tenorarie und den Schluss des Ersten Aktes, die Überreichung der Rose und das Finale der Oper mit Terzett und Duett enthält.
Ansonsten würde ich dem Strauss-Anfänger zur ARIADNE AUF NAXOS raten. Leider gibt es die beste Inszenierung, nämlich die von Laurent Pelly mit der herrlichen Zerbinetta von Nathalie Dessay in Paris, nicht als käufliche DVD, aber zu dieser Oper gibt es reichhaltige Alternativen, von denen die von Colin Davis aus Dresden mit Sophie Koch als Komponist eine vielleicht ungewöhnliche, aber nicht schlechte Alternative zu den Klassikern unter der Leitung Karl Böhms oder (auf cd) Rudolf Kempes sind. Was diese Oper an Melodien und herrlichem Klang anzubieten hat, straft jeden, der behauptet, Strauss sei ein schlechter Melodiker gewesen, Lügen. Hinzu kommt ein so vielschichtiges wie geniales Libretto, das schon beim bloßen Lesen Vergnügen bereitet. Dies ist auch die einzige Strauss-Oper (außer der SALOME), bei der ich keinerlei Leerlauf (emp-)finde.
Den gibt es leider vor allem im ersten Akt der ansonsten von mir heiß empfohlenen DIE SCHWEIGSAME FRAU, deren Libretto von Stefan Zweig zu den besten der Gattung überhaupt gehört, obwohl auch DON PASQUALE, die andere Oper nach Ben Johnsons Vorlage, keineswegs zu verachten ist. Es gab einmal einen sehr wortstarken Strauss-Verächter, der seine Meinung immer mehr zu relativieren scheint, hier aber in das Lob dieser Oper mit, für mich überraschender, Vehemenz einstieg. Man findet eine ausführliche Darstellung und Diskussion der Oper hier: http://www.capriccio-kulturforum.de/oper/3729-strauss-die-schweigsame-frau-big-ben-in-bayern/ Hier würde ich zuallererst einmal probehalber in die drei ausgedehnten Aktschlüsse sowie das himmlische Heiratsensemble des Zweiten Aktes hin hören. Wer bei diesen Werken nicht dahin schmilzt, ist wohl wirklich für Strauss verloren. Das wäre ich übrigens für Strauss auch gewesen, wenn ich mit der DAPHNE angefangen hätte, denn die hat zwar ein geradezu überirdisch schönes Finale, langweilt mich aber bis dahin immer wieder, wenn ich es versuche, mich mehr mit ihr anzufreunden. Dass man DIE FRAU OHNE SCHATTEN als Strauss’ beste Oper empfindet, kann ich angesichts der vielen herrlichen Musik nachvollziehen, auch wenn ich die Meinung zu dem Werk als Ganzes nicht rückhaltlos teile.
:hello Rideamus
Severina (30.05.2012, 15:47): Nun, die "Schweigsame Frau" war meine letzte Live-Begegnung mit Strauss und diese Aufführung (Es war exakt die Besetzung, die Billy auf seiner Liste hat!) fand ich tatsächlich nicht schlecht, was aber in erster Linie an den guten Singschauspielern und nicht an der Musik lag.
Ich kann's nicht begründen, aber ich langweile mich bei Straussopern einfach, vielleicht auch deshalb, weil ich zum Großteil nicht kapiere, wie seine Figuren ticken. Die sind mir in ihrem Handeln und Wandeln großteils so fremd wie Marsmännchen. Das sind mir zwar auch Wagners Götterspezis, aber da überwältigt mich dann die Musik so sehr, dass die Handlung nebensächlich wird. Aber z.B. "Arabella": Da kann ich nur Kopf schüttelnd dabei sitzen und mich fragen, wie sich Menschen (speziell Frauen) so bescheuert verhalten können, und wenn dann die berühmte Zeile kommt "Du sollst mein Gebieter sein!", liegen meine Nerven in der Regel blank. Ja, ja, ja - dasselbe kann man sich völlig berechtigt auch in Verdiopern fragen, das leugne ich gar nicht. Nur: Dort stört's mich nicht, bei Strauss schon. Warum das so ist? Kann ich rational nicht erklären, das läuft rein auf der Bauchebene ab.
lg Severina :hello
Rideamus (30.05.2012, 17:55): Wirklich seltsam: Du magst DON PASQUALE, aber DIE SCHWEIGSAME FRAU nicht, obwohl der Sir NMorosus doch viel menschlicher und nachvollziehbarer ist, weshalb er auch viel mehr zum Mitfühlen einlädt - vor allem zum Schluss.
Ich kann nicht glauben, dass das am Buch liegt, und nur bedingt an der Musik. Ich fürchte, hier dominiert und regiert letztlich eine Erwartungshaltung, die leider nach der sehr schönen Ouvertüre erst einmal von der Musik bestätigt wird.
Aber suum quique. Ich habe ja nach wie vor meine Probleme mit Händel & Co., obwohl mich Dein Plädoyer für den fantastisch (für heutige Verhältnisse wohl durchweg optimal) besetzten GIULIO CESARE wirklich neugierig macht, Zu dumm, dass ich wohl noch länger werde warten müssen, bis ich ihn herunterladen oder kaufen kann. Ich werde es aber wieder damit versuchen. Versprochen - auch wenn Du Strauss schon aufgegeben hast und selbst der ARIADNE keine Chance mehr geben willst.
:hello Rideamus
Severina (30.05.2012, 18:37): Lieber Rideamus,
hin und wieder kriegt er schon noch seine Chance, keine Bange :D1 Wenn z.B. Agnes Baltsa im Herbst Klytämnestra singt, lass ich mir das nicht entgehen. Und da meine Wagnerliebe auch erst ein zartes Pflänzchen ist - vor 5 Jahren gehörte er noch zu meinen Igitt-Komponisten - geschieht vielleicht auch noch bei Strauss ein Wunder.
Du schreibst, Sir Morosus agiere menschlicher, nachvollziehbarer, man müsse mit ihm mehr Mitgefühl haben als mit DP. Nein, ich kann's genauso wenig nachvollziehen, denn beide lassen sich ziemlich plump übers Ohr hauen, bloß dass es bei Donizetti mit hin- und mitreißenden Melodien geschieht. Die Ausgangssituation finde ich bei Strauss sogar noch absurder, denn dass jemand derart geräuschempfindlich ist wie dieser Sir Morosus und daher seinen Sänger-Neffen enterbt - also wirklich :rofl!
Ich frage mich ja auch, warum ich bei Strauss mehr Logik einfordere als bei Donizetti,Verdi etc. Vielleicht liegt es an der zeitlichen Nähe (Relativ gesehen natürlich!), dass ich einem Komponisten des 19. Jhdts. jeden Unsinn verzeihe, einem des 20. aber nicht mehr. (Nicht, dass ich diesen Erklärungsversuch jetzt für wahnsinnig logisch hielte.... :W)
lg Sevi :hello
Billy Budd (30.05.2012, 21:34): Original von Severina Lieber Rideamus, hin und wieder kriegt er schon noch seine Chance, keine Bange :D1 Wenn z.B. Agnes Baltsa im Herbst Klytämnestra singt, lass ich mir das nicht entgehen. Und da meine Wagnerliebe auch erst ein zartes Pflänzchen ist - vor 5 Jahren gehörte er noch zu meinen Igitt-Komponisten - geschieht vielleicht auch noch bei Strauss ein Wunder.
Liebe Severina, wenn ich Dir einen Rat geben darf: Geh lieber im Juni! Da singt nämlich auch Baltsa und Linda Watson ist garantiert eine um Klassen bessere Elektra wie Deborah Polaski (welche die Klytämnestra singen sollte!). Die restliche Besetzung: Im Juni Anne Schwanewilms (vielleicht liegt ihr die Chrysothemis zu hoch), Albert Dohmen und Herbert Lippert und im September Angela Denoke, Ain Anger und Norbert Ernst (der den Aegisth garantiert nicht derbläst!). Die Herren sind prinzipiell gleich schlecht. Allerdings singt im Herbst endlich nicht Kobel, sondern Jelosits den jungen Diener und das spräche prinzipiell für die spätere Serie. :D Ich bin höchstwahrscheinlich in allen Aufführungen drinnen. Billy :hello
P.S.: Wenn Du die Oper nicht kennst, kannst Du hier ein wenig hinein hören. Roider singt da als Aegisth besser wie sonst. Leider war er, als ich ihn in dieser Rolle erlebt habe, schon über seinen Zenit drüber.
Heike (30.05.2012, 21:36): Wenn z.B. Agnes Baltsa im Herbst Klytämnestra singt, lass ich mir das nicht entgehen. Elektra mag ich von den Strauss-Opern am liebsten, allerdings v.a. live. Auf CD erschlägt mich die Unmenge an Musik immer irgendwie. Heike
Billy Budd (30.05.2012, 21:40): Original von Severina Nun, die "Schweigsame Frau" war meine letzte Live-Begegnung mit Strauss und diese Aufführung (Es war exakt die Besetzung, die Billy auf seiner Liste hat!) fand ich tatsächlich nicht schlecht, was aber in erster Linie an den guten Singschauspielern und nicht an der Musik lag.
Liebe Severina, bist Du Dir da sicher? Ich glaub, Du warst im Juni 2010 einmal in "Capriccio". Bezüglich der "Schweigsamen Frau" hat mir erst gestern ein Freund geschrieben, dass die erste Vorstellung der Serie "entsetzlich" war. Die folgenden wären dann "deutlich besser", aber "auch nicht gut" gewesen. Das stellt wieder mal die Frage, wieso sie fast immer die erste übertragen. Billy :hello
Fairy Queen (31.05.2012, 07:20): Lieber Billy, für mich ist Strauss ebenfalls ein ziemlich rotes Tuch und meine Lust mir seine Opern anzutun, bei Null. Ich kenne Salomé, Elektra, die schweigsame Frau(von CD), Arabella, Ariadne und natürlich den Rosenkavalier. Trotz guter Libretti- mcih langweilt die Musik meistens zu Tode udn bis auf wenige schöne Stellen kann ich gut und gerne darauf verzichten. Intressante inszenierungeun und gute Sänger kônnen natürlcih manches wiedergutmachen- Ljuba Welitsch als Salomé ist für mich ein Ereignis oder auch Lisa della Casa als Arabella. Aber selbst dann sind kliene Ausschnitte absolut hinreichend und je mahr es wird, desto weniger erträglich wird es für mich. Zum einen mag ich per se keinen deklamtorischen Gesang und schön gar kein Gebrülle und Gekreische, dann gefällt mir die Kompostitionsweise an sich nicht (auch die Orchesterwerke höre ich mir freiwillig kaum an) und drittens finde ich fast alles viel zu ausufernd. Evtl wäre die hier beschriebene Daphne noch eine letzte Chance? Straussens Lieder finde ich teilweise sehr schön, in der kurzen kammermusikalsichen Form kommen seine (in meinen subjektiven Augen!) Schwächen nicht so zum Tragen und es gibt einige wunderschône musikalsiche Einfälle. Das gilt dann auch für macnhe Opernszenen wie etwa das Rosenkavalier Duett "Ist ein Traum" oder Ausschnitte aus der Ariadne oder Salomés "Ich habe deinen Mund geküsst". Fûr mich ist Strauss so ein typischer Schnipselkomponist, , will sagen, einer von dem ich kleine Auschnitte geniessen kann, das ganze aber kaum ertrage. Wie Wagner, wobei da noch andere Dinge erschwerend hinzukommen, vor allem seine unsâglichen Texte. Ich bitte alle Strauss und Wagner Fans um Nachsicht- über Geschmack lâsst sich eben nicht streiten. Ihr bekommt wahrscheinlich den Koller bei Händel oder Rameau oder Bellini und da heb ich dagegen ab! :engel F.Q.
Billy Budd (31.05.2012, 16:22): Lieber Rideamus, danke, dass Du gleich als erster so ausführlich auf meinen Beitrag geantwortet hast! Deinen Beitrag im Capriccio-Forum habe ich mir durchgelesen und meine Wertung würde so ausschauen: 1) FroSch 2) Ariadne 3) Salome 4) Elektra 5) Daphne 6) Rosenkavalier 7) Arabella
Im Gegensatz zu Dir bezeichne ich Berry allerdings nicht als "Traumbesetzung", denn er hat zwar eine "schöne" Stimme, singt aber ziemlich falsch (zumindest auf meiner Aufnahme (Böhm; King, Rysanek, Hesse, Nilsson, Wimberger; 1977) und das geht gar nicht! "Mein" Barak ist Grundheber.
Mir persönlich ist die Musik wichtiger als das Textbuch. Wäre es umgekehrt, wäre die "Ariadne" mein Favorit. Dass ihr Libretto genial ist, stimme ich zu.
Ich mutmaße, dass vielleicht auch das schwächere Textbuch der "Daphne" der Grund für die geringe Popularität dieser Oper ist. Joseph Gregor ist kein Hugo von Hofmannsthal oder Stefan Zweig. Bei der Musik habe ich mich nicht gelangweilt.
Billy :hello
Billy Budd (31.05.2012, 16:26): Original von Fairy Queen Fûr mich ist Strauss so ein typischer Schnipsel komponist, , will sagen, einer von dem ich kleine auschnitte geniessen kann, das ganze aber jkaum ertrage.
Liebe Fairy, interessant; genau so geht es mir bei Belcanto! Billy :hello
Fairy Queen (31.05.2012, 23:21): Damit bist du nciht alleine, von der Sorte gibt es Viele..... aber darüber lâsst sich nun wirklich nicht streiten. Es soll ja gottseidank auch Leute geben, die Strauss und Bellini gut finden- wie die das machen weiss ich allerdings nicht :D Bonne nuit F.Q.
Jürgen (01.06.2012, 09:39): Ich habe noch keine einzige Strauss-Oper live gesehen.
Wenn ich nur die Konserven beurteile, gefällt mir der Rosenkavallier halbwegs, Salome schon besser und Elektra am besten. Bei letzterer mag ich diese Kraft, Hass und Wahnsinn kommen musikalisch glaubhaft rüber.
Ich muss Fairy mit der Schnipseltheorie zustimmen, obgleich meine Schnipsel recht lang werden können. Ich bin aber grundsätzlich den Schnipseln nicht abgeneigt.
Und Strauss abseits der Oper? 4 letzte Lieder Zarathustra Till Eulenspiegel Alpensinfonie
Der Rest fällt m.E. schon ab.
Grüße Jürgen
Billy Budd (01.06.2012, 14:10): Original von Fairy Queen Damit bist du nciht alleine, von der Sorte gibt es Viele..... aber darüber lâsst sich nun wirklich nicht streiten. Es soll ja gottseidank auch Leute geben, die Strauss und Bellini gut finden- wie die das machen weiss ich allerdings nicht :D Bonne nuit F.Q.
Meine beiden Lieblingsopern sind übrigens die "Frau ohne Schatten" und die "Cavalleria". Also auch ganz gegensätzlich ... Billy :hello
Hyacinth (10.07.2012, 18:48): Ich misch mich jetzt auch mal ein, da Richard Strauss, was Opern betrifft mein absoluter Lieblingskomponist ist und ich nichts lieber tue, als Menschen von seiner Genialität zu überzeugen :leb Mein Ranking würde so ausschauen:
1.Arabella 2.Frau ohne Schatten 3.Rosenkavalier 4.Ariadne auf Naxos 5.Daphne
Zur "Arabella" muss ich sagen, dass ich mitnichten finde, dass die Handlung unproblematisch ist, aber mir geht sie jedes Mal ins Herz. Das liegt zum einen an der Musik, die manche ja als kitschigen Klangbrei bezeichnen wollen, zum anderen am Text, der genau passt und auch ohne Musik ein Meisterwerk ist.
Die Arabella ist für mich kein kokettes Mädchen, dass mit den Männern spielt, weil ihr langweilig ist. Sie ist vielmehr eine junge Frau, die eben weiß, was sie will. Und das war damals nicht besonders toleriert. Man nimmt eben den, der das Geld hat um die Familie zu retten. In ihrem Fall ist das ja zum Glück "der Richtige". Auch wenn ich ihn für einen bauernhaften Macho halte, weil er zu seiner zukünftigen Frau überhaupt kein Vertrauen hat, geht die Oper ja gut aus und Mandryka ist ziemlich klein mit Hut, weil ihm Arabella trotzdem verzeiht. "Und du wirst mein Gebieter sein" ist für Arabella die größte Liebeserklärung, die sie einem Mann machen kann. Sie war für die drei Grafen immer die Königin, hat das auch genossen, aber die drei waren ihr mitnichten ebenbürtig. Mandryka liebt sie wirklich und er ist der erste Mann, für den sie sich unterordnet. Eben das macht sie stark und erwachsen, meiner Meinung nach.Man sollte solche Sachen immer aus der Zeit heraus sehen, in der damals ja die Frau zu machen hatte, was der Mann sagt.
Das Zdenka-Matteo-Verhältnis ist natürlich auch von verschiedenen Gesichtspunkten zu betrachten. Aber er verliebt sich ja in eine Person, die es so nicht gibt. Er verliebt sich in die Liebesbriefe von Zdenka, nicht in die kalten Blicke von Arabella. Die Oper hat ein wunderschönes Happy-End und es ist doch ebenso fraglich, wie glücklich Pamina mit ihrem Waschlappen von Tamino wird. Daher dürfte man sich dann auch bei keinem "Barbier von Sevilla" mehr freuen, wenn man den Inhalt von "Le nozze di Figaro" kennt.
Die Musik von Strauss ist wohl wirklich Geschmackssache und ich verstehe auch, wenn jemand dazu keinen Zugang findet.
auch für mich steht Arabella ganz ganz ganz oben, obwohl ich meine Strausszugang über "Frau ohne Schatten" gefunden habe.
Eigentlich hast du schon alles gesagt, ich habs fast schon mit Euphorie gelesen, weil ich dir einfach in allem allem allem zustimmen kann, was du über die Figuren und generell über Strauss geschrieben hast!
Dass Mandryka in diesem Fall der Richtige ist, ist wirklich ein Glück. Aber je mehr ich über die Geschichte nachgedacht habe, desto schlimmer fand ich es, was für große Opfer die beiden Mädchen bringen müssen, obwohl sie ja absolut nicht schuld sind an der elenden Lage der Eltern: Zdenka erklärt sich mit den Bubenkleidern ja von selbst und Arabella soll einefach einen reichen Mann heiraten, völlig egal, ob sie ihn liebt oder nicht, nur, damit auch die Eltern wieder ein besseres Leben führen können, anstatt dass sie sich selbst darum kümmern, wieder auf die Beine zukommen. Waldner könnte ja auch aufhören, dauernd zu spielen, wo er doch sowieso nicht gewinnt und Adelaide sollte nicht das Wenige, das sie noch haben, für sinnlose Dinge wie Wahrsagerinnen (sorry, frau wahrsagerin^^) zum fenster rauswerfen.
auch wenn ich ebenfalls finde, dass arabella eigentlich eine sehr sympatische figur ist: für mich ist zdenka (und das liegt jetzt nicht an der besetzung, die ich gesehen habe :wink) die liebste und rührenste figur. sie opfert eigentlich am meisten und ist unglaublich selbst los: sie versucht, ihre schwester dazu zu bringen, den mann zu lieben, den sie selbst liebt und schreibt sogar noch heimliche liebesbriefe, um den mann glücklich zu machen, ohne an sich selbst zu denken. das finde ich unglaublich stark und schön :) (ich hoffe, ich hab das noch nie in irgendeinen thread geschrieben, ansonsten entschuldigung für die wiederholung!)
ich finde, man muss sich teilweise erst in strauss "reinhören". als ich ihn das erste mal gehört hab, war ich sehr geschockt, mir kam er einfach absolut melodienlos und wild durcheinandergeworfen/schrien vor, erst nach und nach letzten sommer hab ich mich reingehört und jetzt gehört er zu meinen abslouten lieblingskomponisten :D