Meisterwerk der Spätromantik oder sentimentale "Streichersymphonie"? Die 2. Symphonie Rachmaninovs
Nordolf (19.09.2007, 22:24): Hallo liebe Freunde der Spätromantik und alle sonstigen Forumianer!
Als im Jahre 1897 Rachmaninovs erste Symphonie bei den Kritikern durchgefallen war, durchlitt der Komponist eine tiefe Depression. Es schien ihm unmöglich, eine Note zu Papier zu bringen. Ursprünglich wollte er als Komponist großangelegter Symphonien in die Musikgeschichte eingehen. Letztlich ist er dort aber in erster Linie aufgrund seiner Klavierkonzerte und seines Schaffens für Klavier solo berühmt geworden. Es gibt jedoch eine Ausnahme: - die Zweite Symphonie, die sich bis heute im internationalen Konzertleben einen Platz erobern konnte.
Diese Symphonie ist zweifellos etwas besonderes und besitzt einen ganz eigenen Charakter. Sie lässt sich kaum mit irgendeinem anderen Werk vergleichen. Natürlich trägt sie die deutliche Handschrift Rachmaninovs und ohne den großen Vorgänger Tschaikovsky wäre sie auch nicht denkbar (und nicht ohne Arensky). Mit der russischen Musiktradition verbindet sie ihre große Emotionalität und der Hang zu einem weich strömenden melancholischen Pathos. Aber weder die Erste noch die Dritte Symphonie Rachmaninovs erinnern an diese eigenartige Zweite.
Nachdem Rachmaninov in seiner Ersten Symphonie sich an den symphonischen Dichtungen Franz Liszts orientierte und das ganze Werk aus einem Thema hervorgehen ließ, arbeitete er bei seiner nächsten Symphonie mit ganz anderen musikalischen Mitteln. Die einzelnen Sätze der Symphonie weisen eine größere Geschlossenheit auf. Insofern war sie von Anfang an wesentlich traditioneller und weniger avantgardistisch angelegt als die Erste.
Zu dieser konservativen Orientierung der Zweiten gibt es in Rachmaninovs Leben eine interessante Parallele. Er schrieb die Symphonie in seiner Dresdner Zeit zwischen den Jahren 1906 und 1907. An Deutschland schätzte er die geordneten Verhältnisse - Dresden war zudem ein politisch ruhiges Pflaster, welches gleichzeitig ein reges Kulturleben vorweisen konnte. Neben der Zweiten entstanden hier auch die Erste Klaviersonate und "Die Toteninsel". Die revolutionären Zustände in Russland waren nichts für das nach Stabilität suchende Gemüt Rachmaninovs. Eine gewisse Sehnsucht nach seiner Heimaterde verspürte er aber lebenslang im Ausland. Gerade im späteren amerikanischen Exil litt er sehr unter der Oberflächlichkeit und Hast des modernen Lebens in der "Neuen Welt" - die Seele von "Mütterchen Russland" fehlte ihm in schmerzhafter Weise.
Die Zweite folgt der traditionellen Vier-Satz-Struktur einer Symphonie. Adagio und Scherzo sind obligatorisch vorhanden. Der erste Satz macht allerdings schon klar, in welche Richtung sich die ganze Symphonie entwickeln soll. Bereits nach den ersten Takten zeichnet sich das bestimmende Motiv ab, welches von den Streichern intoniert wird. Der Kritiker Julij Engel sprach sogar von einer Streichersymphonie. Der schwelgerische fliessende Streichteppich des Werkes gibt ihm sicherlich recht - man sollte allerdings nicht vergessen, das ein weiteres wichtiges Motiv durch die Klarinette eingeführt wird und schlagkräftige Pauken- und Bläsermomente keine Seltenheit sind. Das Adagio glänzt durch eine extrem verträumte, ja verliebte Stimmung. Hier fängt der Komponist den Impuls von Wagners "Tristan und Isolde" auf und führt uns in die nacht- und mondumschleierte Sphäre der leidenschaftlichen Hingabe hinein. Die ganze Musik stellt ein unverhülltes romantisches Bekenntnis dar.
Lyrische weit ausschwingende Melodien bestimmen das Werk. Immer wieder wendet sich Rachmaninov jedoch kräftigen und bewegten Passagen zu - wie gerade der zweite und vierte Satz zeigen. Zur Verdeutlichung sei eine Metapher gebraucht: - die "Liebenden" bei Rachmaninov schmelzen nicht nur dahin, sondern verstehen es auch, sich gegenüber der Welt durchzusetzen.
Im Jahre 1908 dirigierte Rachmaninov seine Zweite Symphonie in St. Petersburg und Moskau. Die Kritiker traten diesmal nicht mehr als eine einheitlich ablehnende Front auf. Aber es gab immer noch genug Vorwürfe: - einigen erschien die Musik zu weitschweifig, zu schwärmerisch, zu sentimental und zu monoton. Rachmaninov ließ sich davon nicht mehr beeindrucken. Aber die Rolle des großen Symphonikers wollte er Zeit seines Lebens nicht übernehmen. Der Schock der ersten Stunde saß so tief, das er verkappte Symphonien wie "Die Glocken" oder die "Symphonischen Tänze" in weniger verfängliche Kategorien seines Schaffens einordnete. Letztlich merkt man aber auch seinen Klavierkonzerten diese große symphonische Dimension an, deren Verwirklichung er eigentlich als seine musikalische Aufgabe betrachtete.
Als Rachmaninov 1932 gebeten wurde, seine Aufassung von Musik zu formulieren, gab er eine Antwort, die neben dem 2. und 3. Klavierkonzert ganz besonders seine Zweite Symphonie charakterisiert:
"Was ist Musik?! Eine ruhige Mondnacht; Das Rauschen der Blätter; Entferntes Abendläuten; Das, was von Herz zu Herz geht, Die Liebe; Die Schwester der Musik ist die Poesie - ihre Mutter: die Schwermut!"
Herzliche Grüsse! Jörg
nikolaus (19.09.2007, 23:04): Danke für diese Einführung!
"Was ist Musik?! Eine ruhige Mondnacht; Das Rauschen der Blätter; Entferntes Abendläuten; Das, was von Herz zu Herz geht, Die Liebe; Die Schwester der Musik ist die Poesie - ihre Mutter: die Schwermut!"
Schön - seufz! :engel
Nikolaus.
Rachmaninov (20.09.2007, 07:12): @Jörg,
ein wunderbarer Beitrag, der nicht nur auf die musiklaischen Aspekte der 2. Sinfonie eingeht sondern auch hinsichtlich der Psyche Rachmaninov's deutliche Hinweise gibt.
Das er in seinem Vorhaben scheiterte ein großer Sinfoniker zu werden mag an der Kritik an der ersten Sinfonie gelegen haben, tendentiell kann man aber seine typische Note des Selbstzweifels hier nicht außer Acht lassen. Sein Gemüt, seine Seele waren einfach nicht "rubust" genug um gegen die Kritiken ein "jetzt erst recht zu setzen"!
Ein anderer Mensch, mit anderen Charaktereigenschaften hätte als Gold-Medaille Gewinner als Pianist und Komponist wohl sicherlich eine andere Reaktion gezeigt.
Wie von Dir geschrieben hat er immerhin in seinen Klavierkonzerten sein "sinfonisches Wesen" zeigen können.
Bin gespannt auf die von Dir empfohlenen Aufnahmen. Denke meine Diskographie bietete hier derzeit nur Manzel, Jansons(EMI) und ???
Zelenka (20.09.2007, 17:16): Lieber Jörg:
Ganz herzlichen Dank für Deine schöne Fadeneröffnung! Ich bin leider kein großer Freund der Spätromantik (Abteilung Rußland), auch sonst eher Früh- und Hochromantiker, aber nach Deinem Beitrag tut mir das sogar recht leid. Ich bitte um Vergebung! Aber letztlich muß ich mich dann doch den von Dir zitierten frühen Kritikern anschließen. Ich attestiere Rachmaninov hier auch ein gerüttelt Maß an Weitschweifigkeit, und der letzte Satz scheint mir, pardon!, sogar ein wenig klischeehaft und banal. Zu reinen Informationszwecken, nicht zum Vergnügen, halte ich in meiner CD-Sammlung zwei Aufnahmen der Symphonie bereit: Ormandy mit seinem Philadelphia O und Pletnev mit seinem Russischen Nationalorchester. Die gewisse Nüchternheit im Falle Pletnevs ist mir nicht unsympathisch.
Gruß, Zelenka
Nordolf (23.09.2007, 01:13): Ersteinmal einen herzlichen Dank an Nikolaus, Rachmaninov und Zelenka für die freundliche Reaktion auf meinen Text! :hello Ich habe mich sehr darüber gefreut. :)
In den nächsten Tagen werde ich hier noch ein Posting zu Einspielungen der 2. schreiben. Momentan finde ich keine richtige Muße dazu - ich hatte in den letzten Tagen sehr viel zu tun und zu organisieren (allerdings in positiver Weise!).
Herzliche Grüße! Jörg
Wotan (23.09.2007, 10:38): Die 2te von Rachmaninov war das erste Werk, was ich von diesem Komponisten hörte (und kein Klavierwerk, für die er ja hauptsächlich steht). Ich habe mir damals die Aufnahme mit Gergiev und seinem Kirov Orchestra zugelegt, die mir auch heute noch sehr gut gefällt. Meine momentane Lieblingsaufnahme ist aber die von Ashkenazy und dem Concergebouw Orchestra.- Sowohl Klang als auch Interpretation sind meiner Meinung nach sehr gelungen.
MfG Wotan
Cosima (23.09.2007, 13:05): Lieber Jörg,
ich freue mich auch über Deine Fadeneröffnung!
Rachmaninows Musik ist für mich immer noch etwas ganz Besonderes. Das hängt damit zusammen, dass ich über diesen Komponisten seinerzeit überhaupt erst zur klassischen Musik gekommen bin. Ich mag die Klangfarben in seiner Musik und auch die innigen Melodien. Das Pompöse in seiner Musik hat nie etwas Vulgäres. Seine Kompositionen haben für mich immer einen noblen Grundcharakter.
Ich liebe auch das Sehnsuchtsvolle und Wehmütige in seinen Werken und die große (spätromantische) Geste, mit der es zuweilen ausdrückt. Und ich liebe seine 2. Symphonie!
Diese Aufnahmen kenne ich:
Gergiev / Kirov Orchestra (Philips) Maazel / Berliner Philharmoniker (DG) Previn / London Symphony Orchestra (EMI) Swetlanow / State Symphony Orchestra of Russian Fed. (WarnerClassics)
Ich finde diese Aufnahmen alle empfehlenswert, aber die Gergiev-Aufnahme ist mir besonders ans Herz gewachsen. Eine warme und innige Interpretation, die den süffigen Wohlklang dieser Komposition wundervoll zur Geltung bringt.
Gestern habe ich bei jpc in die (derzeit preisgünstige) Aufnahme mit Iván Fischer und seinen Budapestern reingehört. Sie ist sehr gut; dann dachte ich aber, dass ich eigentlich genug Einspielungen besitze. Aber ich glaube, dass ich in der kommenden Woche dem Geschäft noch einmal einen Besuch abstatten werde. Dann wird sie mein sein. :)
Gruß, Cosima
Cosima (25.09.2007, 20:53): Vergesst meine o.g. Empfehlungen (außer Gergiev vielleicht). Seit heute ist diese Einspielung der Budapester unter Iván Fischer meine favorisierte Aufnahme:
Über die Präzision und Virtuosität des Orchesters und die herrlichen Klangfarben habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben. Auch diese Aufnahme ist wundervoll transparent, packend und kraftvoll gespielt. Und dazu eine fantastische Klangqualität. Grandios die Aufnahme, in jeder Hinsicht! :down
Gruß, Cosima
Rachmaninov (25.09.2007, 20:59): @Cosima,
gerade höre ich, seit langer Zeit, die Maazel Aufnahme. Wie ich sehe besitzt Du diese Aufnahme ebenfalls.
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/7601996.jpg
Insgesamt finde ich die Aufnahme recht gut, wobei mir doch ein wenig Spätromantische Wärme fehlt. Maazel hält aber das Orchster gut in Griff und erlaubt keine zu heftigen "Ausbrüche"
Welchen Unterschied zur Fischer bzw. Gergiev Aufnahme würdest Du aufführen?
Cosima (25.09.2007, 21:41): Lieber Rachmaninov,
zu der Maazel- und der Previn-Aufnahme habe ich am seltensten gegriffen. Ich finde sie beide gut und empfehlenswert, aber sie sind für mich nicht besonders auffällig, was einen bestimmten positiven Aspekt anginge. Wenn Du eine „warme“ Aufnahme suchst, dann wäre Gergiev wohl eine gute Wahl; er ist ja bekannt für seinen emotionalen und leidenschaftlichen Zugang. Aber an die Orchesterleistung der Budapester kommen die o.g. IMO alle nicht heran. So fein ausbalanciert und klar spielt keines der Orchester. Ganz herrlich ist das! Man hört die Melodien ganz neu.
Gruß, Cosima
Nordolf (25.09.2007, 22:08): Hallo,
ich besitze vier Einspielungen der 2. Symphonie:
Mariss Jansons / St. Petersburg Philharmonic Orchestra 1993 (EMI) Gennadi Rozhdestvensky / London Symphony Orchestra 1988 (Regis) Evgeny Svetlanov / State Symphony Orchestra Of Russian Federation 1995 (Warner France)Vernon Handley / The Royal Philharmonic Orchestra 1994 (RPO)
Jansons Zugriff ist sehr romantisch und poetisch. Die Streicher klingen herrlich warm und voll. Dabei lässt es Jansons sehr zügig angehen. Für den ersten Satz benötigt er knapp 18 Minuten - das andere Extrem ist Rozhdestvensky mit 24 einhalb Minuten. Es wäre interessant die Aufnahme Jansons' bei Chandos mit dem Philharmonia Orchestra gegenzuhören. Hier ist der erste Satz aber auch nur ca. dreißig Sekunden länger.
Rachmaninov hat ja selber Kürzungen für die Symphonie vorgeschlagen. Die Chandos-CD betont jedoch: "Complete Version". Es scheinen also beide Versionen komplett zu sein.
Mit der EMI-Aufnahme habe ich die Symphonie jedenfalls kennengelernt und sie bleibt einfach mein Liebling.
Hervorragend sind aber genauso Rozhdestvensky und Svetlanov. Mit dem großem Atem und einem sehr gründlichen differenzierten Angang lässt sich Rozhdestvensky vielleicht als Referenz bezeichnen - zumal bei ihm auch das russische Pathos niemals zu kurz kommt! Das LSO spielt mit der nötigen Wärme und Weichheit.
Svetlanov legt eine sehr eigene Interpretation vor. Die dunklen Farben herrschen eindeutig vor. Obwohl genug typische Svetlanov-Expression in dieser Aufnahme liegt, habe ich gerade im 3. Satz die Empfindung, das Svetlanov geradezu resignativ wird, ja todessehnsüchtig. Jansons lässt diese Musik wesentlich "verliebter" klingen. Das ist selbstverständlich ein sehr subjektiver Eindruck. Jedenfalls bleibt Svetlanovs Interpretation hoch spannend...
Vernon Handley - den ich bei englischen Komponisten sehr schätze - bringt meiner Ansicht nach kein wirkliches Verständnis für diese Symphonie auf. Viel zu kräftig und mit zu viel Schwung geht er an diese für mein Empfinden doch mehr "entrückte" Symphonie heran. Die dramatischen Passagen meistert er dann auch hervorragend, aber das Fliessen der Steichermelodien ist mir einfach zu wenig ausgeprägt.
Herzliche Grüsse! Jörg
Nordolf (19.09.2007, 22:24): Hallo liebe Freunde der Spätromantik und alle sonstigen Forumianer!
Als im Jahre 1897 Rachmaninovs erste Symphonie bei den Kritikern durchgefallen war, durchlitt der Komponist eine tiefe Depression. Es schien ihm unmöglich, eine Note zu Papier zu bringen. Ursprünglich wollte er als Komponist großangelegter Symphonien in die Musikgeschichte eingehen. Letztlich ist er dort aber in erster Linie aufgrund seiner Klavierkonzerte und seines Schaffens für Klavier solo berühmt geworden. Es gibt jedoch eine Ausnahme: - die Zweite Symphonie, die sich bis heute im internationalen Konzertleben einen Platz erobern konnte.
Diese Symphonie ist zweifellos etwas besonderes und besitzt einen ganz eigenen Charakter. Sie lässt sich kaum mit irgendeinem anderen Werk vergleichen. Natürlich trägt sie die deutliche Handschrift Rachmaninovs und ohne den großen Vorgänger Tschaikovsky wäre sie auch nicht denkbar (und nicht ohne Arensky). Mit der russischen Musiktradition verbindet sie ihre große Emotionalität und der Hang zu einem weich strömenden melancholischen Pathos. Aber weder die Erste noch die Dritte Symphonie Rachmaninovs erinnern an diese eigenartige Zweite.
Nachdem Rachmaninov in seiner Ersten Symphonie sich an den symphonischen Dichtungen Franz Liszts orientierte und das ganze Werk aus einem Thema hervorgehen ließ, arbeitete er bei seiner nächsten Symphonie mit ganz anderen musikalischen Mitteln. Die einzelnen Sätze der Symphonie weisen eine größere Geschlossenheit auf. Insofern war sie von Anfang an wesentlich traditioneller und weniger avantgardistisch angelegt als die Erste.
Zu dieser konservativen Orientierung der Zweiten gibt es in Rachmaninovs Leben eine interessante Parallele. Er schrieb die Symphonie in seiner Dresdner Zeit zwischen den Jahren 1906 und 1907. An Deutschland schätzte er die geordneten Verhältnisse - Dresden war zudem ein politisch ruhiges Pflaster, welches gleichzeitig ein reges Kulturleben vorweisen konnte. Neben der Zweiten entstanden hier auch die Erste Klaviersonate und "Die Toteninsel". Die revolutionären Zustände in Russland waren nichts für das nach Stabilität suchende Gemüt Rachmaninovs. Eine gewisse Sehnsucht nach seiner Heimaterde verspürte er aber lebenslang im Ausland. Gerade im späteren amerikanischen Exil litt er sehr unter der Oberflächlichkeit und Hast des modernen Lebens in der "Neuen Welt" - die Seele von "Mütterchen Russland" fehlte ihm in schmerzhafter Weise.
Die Zweite folgt der traditionellen Vier-Satz-Struktur einer Symphonie. Adagio und Scherzo sind obligatorisch vorhanden. Der erste Satz macht allerdings schon klar, in welche Richtung sich die ganze Symphonie entwickeln soll. Bereits nach den ersten Takten zeichnet sich das bestimmende Motiv ab, welches von den Streichern intoniert wird. Der Kritiker Julij Engel sprach sogar von einer Streichersymphonie. Der schwelgerische fliessende Streichteppich des Werkes gibt ihm sicherlich recht - man sollte allerdings nicht vergessen, das ein weiteres wichtiges Motiv durch die Klarinette eingeführt wird und schlagkräftige Pauken- und Bläsermomente keine Seltenheit sind. Das Adagio glänzt durch eine extrem verträumte, ja verliebte Stimmung. Hier fängt der Komponist den Impuls von Wagners "Tristan und Isolde" auf und führt uns in die nacht- und mondumschleierte Sphäre der leidenschaftlichen Hingabe hinein. Die ganze Musik stellt ein unverhülltes romantisches Bekenntnis dar.
Lyrische weit ausschwingende Melodien bestimmen das Werk. Immer wieder wendet sich Rachmaninov jedoch kräftigen und bewegten Passagen zu - wie gerade der zweite und vierte Satz zeigen. Zur Verdeutlichung sei eine Metapher gebraucht: - die "Liebenden" bei Rachmaninov schmelzen nicht nur dahin, sondern verstehen es auch, sich gegenüber der Welt durchzusetzen.
Im Jahre 1908 dirigierte Rachmaninov seine Zweite Symphonie in St. Petersburg und Moskau. Die Kritiker traten diesmal nicht mehr als eine einheitlich ablehnende Front auf. Aber es gab immer noch genug Vorwürfe: - einigen erschien die Musik zu weitschweifig, zu schwärmerisch, zu sentimental und zu monoton. Rachmaninov ließ sich davon nicht mehr beeindrucken. Aber die Rolle des großen Symphonikers wollte er Zeit seines Lebens nicht übernehmen. Der Schock der ersten Stunde saß so tief, das er verkappte Symphonien wie "Die Glocken" oder die "Symphonischen Tänze" in weniger verfängliche Kategorien seines Schaffens einordnete. Letztlich merkt man aber auch seinen Klavierkonzerten diese große symphonische Dimension an, deren Verwirklichung er eigentlich als seine musikalische Aufgabe betrachtete.
Als Rachmaninov 1932 gebeten wurde, seine Aufassung von Musik zu formulieren, gab er eine Antwort, die neben dem 2. und 3. Klavierkonzert ganz besonders seine Zweite Symphonie charakterisiert:
"Was ist Musik?! Eine ruhige Mondnacht; Das Rauschen der Blätter; Entferntes Abendläuten; Das, was von Herz zu Herz geht, Die Liebe; Die Schwester der Musik ist die Poesie - ihre Mutter: die Schwermut!"
Herzliche Grüsse! Jörg
nikolaus (19.09.2007, 23:04): Danke für diese Einführung!
"Was ist Musik?! Eine ruhige Mondnacht; Das Rauschen der Blätter; Entferntes Abendläuten; Das, was von Herz zu Herz geht, Die Liebe; Die Schwester der Musik ist die Poesie - ihre Mutter: die Schwermut!"
Schön - seufz! :engel
Nikolaus.
Rachmaninov (20.09.2007, 07:12): @Jörg,
ein wunderbarer Beitrag, der nicht nur auf die musiklaischen Aspekte der 2. Sinfonie eingeht sondern auch hinsichtlich der Psyche Rachmaninov's deutliche Hinweise gibt.
Das er in seinem Vorhaben scheiterte ein großer Sinfoniker zu werden mag an der Kritik an der ersten Sinfonie gelegen haben, tendentiell kann man aber seine typische Note des Selbstzweifels hier nicht außer Acht lassen. Sein Gemüt, seine Seele waren einfach nicht "rubust" genug um gegen die Kritiken ein "jetzt erst recht zu setzen"!
Ein anderer Mensch, mit anderen Charaktereigenschaften hätte als Gold-Medaille Gewinner als Pianist und Komponist wohl sicherlich eine andere Reaktion gezeigt.
Wie von Dir geschrieben hat er immerhin in seinen Klavierkonzerten sein "sinfonisches Wesen" zeigen können.
Bin gespannt auf die von Dir empfohlenen Aufnahmen. Denke meine Diskographie bietete hier derzeit nur Manzel, Jansons(EMI) und ???
Zelenka (20.09.2007, 17:16): Lieber Jörg:
Ganz herzlichen Dank für Deine schöne Fadeneröffnung! Ich bin leider kein großer Freund der Spätromantik (Abteilung Rußland), auch sonst eher Früh- und Hochromantiker, aber nach Deinem Beitrag tut mir das sogar recht leid. Ich bitte um Vergebung! Aber letztlich muß ich mich dann doch den von Dir zitierten frühen Kritikern anschließen. Ich attestiere Rachmaninov hier auch ein gerüttelt Maß an Weitschweifigkeit, und der letzte Satz scheint mir, pardon!, sogar ein wenig klischeehaft und banal. Zu reinen Informationszwecken, nicht zum Vergnügen, halte ich in meiner CD-Sammlung zwei Aufnahmen der Symphonie bereit: Ormandy mit seinem Philadelphia O und Pletnev mit seinem Russischen Nationalorchester. Die gewisse Nüchternheit im Falle Pletnevs ist mir nicht unsympathisch.
Gruß, Zelenka
Nordolf (23.09.2007, 01:13): Ersteinmal einen herzlichen Dank an Nikolaus, Rachmaninov und Zelenka für die freundliche Reaktion auf meinen Text! :hello Ich habe mich sehr darüber gefreut. :)
In den nächsten Tagen werde ich hier noch ein Posting zu Einspielungen der 2. schreiben. Momentan finde ich keine richtige Muße dazu - ich hatte in den letzten Tagen sehr viel zu tun und zu organisieren (allerdings in positiver Weise!).
Herzliche Grüße! Jörg
Wotan (23.09.2007, 10:38): Die 2te von Rachmaninov war das erste Werk, was ich von diesem Komponisten hörte (und kein Klavierwerk, für die er ja hauptsächlich steht). Ich habe mir damals die Aufnahme mit Gergiev und seinem Kirov Orchestra zugelegt, die mir auch heute noch sehr gut gefällt. Meine momentane Lieblingsaufnahme ist aber die von Ashkenazy und dem Concergebouw Orchestra.- Sowohl Klang als auch Interpretation sind meiner Meinung nach sehr gelungen.
MfG Wotan
Cosima (23.09.2007, 13:05): Lieber Jörg,
ich freue mich auch über Deine Fadeneröffnung!
Rachmaninows Musik ist für mich immer noch etwas ganz Besonderes. Das hängt damit zusammen, dass ich über diesen Komponisten seinerzeit überhaupt erst zur klassischen Musik gekommen bin. Ich mag die Klangfarben in seiner Musik und auch die innigen Melodien. Das Pompöse in seiner Musik hat nie etwas Vulgäres. Seine Kompositionen haben für mich immer einen noblen Grundcharakter.
Ich liebe auch das Sehnsuchtsvolle und Wehmütige in seinen Werken und die große (spätromantische) Geste, mit der es zuweilen ausdrückt. Und ich liebe seine 2. Symphonie!
Diese Aufnahmen kenne ich:
Gergiev / Kirov Orchestra (Philips) Maazel / Berliner Philharmoniker (DG) Previn / London Symphony Orchestra (EMI) Swetlanow / State Symphony Orchestra of Russian Fed. (WarnerClassics)
Ich finde diese Aufnahmen alle empfehlenswert, aber die Gergiev-Aufnahme ist mir besonders ans Herz gewachsen. Eine warme und innige Interpretation, die den süffigen Wohlklang dieser Komposition wundervoll zur Geltung bringt.
Gestern habe ich bei jpc in die (derzeit preisgünstige) Aufnahme mit Iván Fischer und seinen Budapestern reingehört. Sie ist sehr gut; dann dachte ich aber, dass ich eigentlich genug Einspielungen besitze. Aber ich glaube, dass ich in der kommenden Woche dem Geschäft noch einmal einen Besuch abstatten werde. Dann wird sie mein sein. :)
Gruß, Cosima
Cosima (25.09.2007, 20:53): Vergesst meine o.g. Empfehlungen (außer Gergiev vielleicht). Seit heute ist diese Einspielung der Budapester unter Iván Fischer meine favorisierte Aufnahme:
Über die Präzision und Virtuosität des Orchesters und die herrlichen Klangfarben habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben. Auch diese Aufnahme ist wundervoll transparent, packend und kraftvoll gespielt. Und dazu eine fantastische Klangqualität. Grandios die Aufnahme, in jeder Hinsicht! :down
Gruß, Cosima
Rachmaninov (25.09.2007, 20:59): @Cosima,
gerade höre ich, seit langer Zeit, die Maazel Aufnahme. Wie ich sehe besitzt Du diese Aufnahme ebenfalls.
http://www.jpc.de/image/w300/front/0/7601996.jpg
Insgesamt finde ich die Aufnahme recht gut, wobei mir doch ein wenig Spätromantische Wärme fehlt. Maazel hält aber das Orchster gut in Griff und erlaubt keine zu heftigen "Ausbrüche"
Welchen Unterschied zur Fischer bzw. Gergiev Aufnahme würdest Du aufführen?
Cosima (25.09.2007, 21:41): Lieber Rachmaninov,
zu der Maazel- und der Previn-Aufnahme habe ich am seltensten gegriffen. Ich finde sie beide gut und empfehlenswert, aber sie sind für mich nicht besonders auffällig, was einen bestimmten positiven Aspekt anginge. Wenn Du eine „warme“ Aufnahme suchst, dann wäre Gergiev wohl eine gute Wahl; er ist ja bekannt für seinen emotionalen und leidenschaftlichen Zugang. Aber an die Orchesterleistung der Budapester kommen die o.g. IMO alle nicht heran. So fein ausbalanciert und klar spielt keines der Orchester. Ganz herrlich ist das! Man hört die Melodien ganz neu.
Gruß, Cosima
Nordolf (25.09.2007, 22:08): Hallo,
ich besitze vier Einspielungen der 2. Symphonie:
Mariss Jansons / St. Petersburg Philharmonic Orchestra 1993 (EMI) Gennadi Rozhdestvensky / London Symphony Orchestra 1988 (Regis) Evgeny Svetlanov / State Symphony Orchestra Of Russian Federation 1995 (Warner France)Vernon Handley / The Royal Philharmonic Orchestra 1994 (RPO)
Jansons Zugriff ist sehr romantisch und poetisch. Die Streicher klingen herrlich warm und voll. Dabei lässt es Jansons sehr zügig angehen. Für den ersten Satz benötigt er knapp 18 Minuten - das andere Extrem ist Rozhdestvensky mit 24 einhalb Minuten. Es wäre interessant die Aufnahme Jansons' bei Chandos mit dem Philharmonia Orchestra gegenzuhören. Hier ist der erste Satz aber auch nur ca. dreißig Sekunden länger.
Rachmaninov hat ja selber Kürzungen für die Symphonie vorgeschlagen. Die Chandos-CD betont jedoch: "Complete Version". Es scheinen also beide Versionen komplett zu sein.
Mit der EMI-Aufnahme habe ich die Symphonie jedenfalls kennengelernt und sie bleibt einfach mein Liebling.
Hervorragend sind aber genauso Rozhdestvensky und Svetlanov. Mit dem großem Atem und einem sehr gründlichen differenzierten Angang lässt sich Rozhdestvensky vielleicht als Referenz bezeichnen - zumal bei ihm auch das russische Pathos niemals zu kurz kommt! Das LSO spielt mit der nötigen Wärme und Weichheit.
Svetlanov legt eine sehr eigene Interpretation vor. Die dunklen Farben herrschen eindeutig vor. Obwohl genug typische Svetlanov-Expression in dieser Aufnahme liegt, habe ich gerade im 3. Satz die Empfindung, das Svetlanov geradezu resignativ wird, ja todessehnsüchtig. Jansons lässt diese Musik wesentlich "verliebter" klingen. Das ist selbstverständlich ein sehr subjektiver Eindruck. Jedenfalls bleibt Svetlanovs Interpretation hoch spannend...
Vernon Handley - den ich bei englischen Komponisten sehr schätze - bringt meiner Ansicht nach kein wirkliches Verständnis für diese Symphonie auf. Viel zu kräftig und mit zu viel Schwung geht er an diese für mein Empfinden doch mehr "entrückte" Symphonie heran. Die dramatischen Passagen meistert er dann auch hervorragend, aber das Fliessen der Steichermelodien ist mir einfach zu wenig ausgeprägt.
Gestern habe ich mir diese zwei Svetlanov-Aufnahmen im Vergleich hintereinander zu Gemüte geführt: - beide Male mit dem Russischen Staatsorchester - 1968 und 1995. Es wäre natürlich hochinteressant, die noch frühere Version mit dem Orchester des Bolshoi-Theaters aus der neuen Svetlanov-Brilliant-Box im Ohr zu haben.
Grundsätzlich sind beide Interpretationen ganz hervorragend: - sowohl im Jahre 68 als auch im Jahre 95 erweist sich Svetlanov als engagierter Russe, der ein russisches Werk interpretiert, das ihm besonders am Herzen liegt! Er trifft die Stimmung der Symphonie genau. Jeder Ton fliesst und vibriert - der Streicherteppich wird so engmaschig wie möglich gewoben und in wellenartige Bewegungen versetzt. Alles glüht und bebt vor Leidenschaft.
Die Klangqualität der späteren Aufnahme ist natürlich um einiges besser, wobei mir der neue Melodiya-Transfer der 68iger Version auch sehr gut gefällt. Der Transfer erscheint sehr natürlich: - das Rauschen wurde kaum unterdrückt, dafür sind die Klänge gut aufgefächert, dynamisch, vollmundig und räumlich.
Die Ansätze sind aber doch in manchen Punkten verschieden. Die Altersversion birgt etwas breitere Tempi, die allerdings keine Verschleppungen, kein Auseinanderzerren oder leere Spannungsbögen bewirken. Mir drängt sich der Vergleich mit dem späten Bernstein auf: - langsamere Tempi, aber maximale emotionale Spannung. Ich habe in der 95iger Aufnahme nie das Gefühl, das hier etwas auseinander fällt. Ganz im Gegenteil - es ist eine Freude, wie sehr Svetlanov den dadurch entstehenden atemberaubenden Breitwandsound auskostet. Diesen Effekt kann die 68-Version naturgemäss nicht liefern. Sie hat andere Qualitäten: - sie wirkt straff, auf den Punkt musiziert, aber immer glühend, Taktschlägerei vermeidet der Russe auch hier konsequent..
Im Jahre 95 ging es Svetlanov offenbar um andere Dinge. Sieben Jahre vor seinem Tod, gezeichnet durch persönliche Enttäuschungen, war er nicht mehr der junge Mann wie 27 Jahre zuvor. 1968 spürt man den "Tristan und Isolde"-Pathos der Symphonie deutlicher: - leidenschaftlich, liebestrunken, aktiv, direkt zupackend... In den 90igern lässt Svetlanov mehr Resignation und Melancholie zu - düstere Wolken liegen über der späteren Einspielung. Schon der Beginn scheint in tieferen Tonlagen und dunkler als in den 60igern zu erklingen. Gerade der dritte Satz zeigt im Vergleich einen stark vergrübelten, weniger überschwänglichen Charakter wie in der früheren Version.
Freude bereiten mir beide Versionen: - ich würde sie jederzeit empfehlen.
Herzliche Grüsse! Jörg
Rachmaninov (26.08.2008, 14:07): @Jörg,
danke für diesen Vergleich. Ich besitze die ältere Aufnahme (denke ohne Transfer) und finde diese sehr gelungen.
Wie mir scheint wäre, sofern ich das Bedürfnis hätte, auch die neue Aufnahme hörenswert :hello
teleton (26.08.2008, 17:38): Hallo Nordolf,
auch von mir vielen dank für Deine Gegenüberstellung beider Swetlanow-Aufnahmen. Ich hatte ja im Beitrag zur KK-Fasung der Sinfonie Nr. 2 geschrieben: Da hätte ich mir den zupackenderen Zugriff von Swetlanow in seiner 1968er-Aufnahme der Sinfonie Nr.2 gewünscht (ausdrücklich nicht die Swetlanow-Aufnahme von 1995 bei Warner, den hier gleitet er auch in romatisches und langatmiges Auszelebrieren ab, ohne den Biss der alten Inbterpretation zu erreichen).
Ich bin mit der 1968er-Fasaung auf Eurodisc-LP groß geworden. Als Swtlanow-Fan hatte ich mir natürlich die Digital-Fassung von (Warner) 1995 zugelegt. Und Du hast Recht mit dem was Du schreibst - Swetlanow wollte hier nach 27jahren etwas anders ausdrücken - nur kommt dies bei mir nicht mehr an. Ich empfinde die Neuaufnahme von 1995 als langatmig ohne BISS, wenngleich diese auch von der Interpretetion sicher nicht daneben ist und besser als die meisten anderen. Bei mir können diese langen Tempi nicht mehr punkten. Ich habe diese Waner - GA der Sinfonien Nr.2 und 3 verkauft (die Nr.3 fand ich noch grausiger, da sie total überzeichnet und gaaanz langgezogen auf micht wirkt - höre mal dagegen die staffe Interpretation von Maazel (DG) und verglkeiche die Speilzeiten).
Nebenbei zu Sinfonie Nr.1: Swetlanow´s Aufnahme der Sinfonie Nr.1 von 1968 ist ebenfalls nicht zu toppen, aber hier habe ich die Warner-Aufnahme von 1995 behalten, da ich diese schon wegen der Klangqualität auch haben muß - ich schätze die Sinfonie Nr.1 auch ganz außerordentlich. Als ich das Werk mit Swetlanow zuersten mal auf LP hörte war ich "hin und weg" - besonders der Schluß mit dem GONG ist eine atemberaubende Gänsehautstelle - einfach Megaklasse - der Wahnsinn. Empfindet ihr nicht auch so ?
Meine CD-Fassung aus USA der 1968er-Aufnahme der Sinfonie Nr.2 ist die gleiche wie Deine (die jpc für über 10,-Euro zum Beispiel im Programm hat). Ich habe mich, wie schon geschrieben für diese sehr preiswerte und gut remasterte CD-Fassung entschiefen, die ich als TOP-Empfehlung mit BISS und KLASSE hier nochmal abbilden möchte: :times10 Rachmaninoff referenzwürdig ! http://ecx.images-amazon.com/images/I/518J27SPM8L._AA240_.jpg Moscow Studio Archives, 1968-1973, ADD, Remastert 2004
Nordolf (26.08.2008, 23:58): Hallo teleton!
Bei mir können diese langen Tempi nicht mehr punkten. Ich habe diese Waner - GA der Sinfonien Nr.2 und 3 verkauft (die Nr.3 fand ich noch grausiger, da sie total überzeichnet und gaaanz langgezogen auf micht wirkt - höre mal dagegen die staffe Interpretation von Maazel (DG) und verglkeiche die Speilzeiten).
Du scheinst ja grundsätzlich kein Freund langsamer Tempi zu sein. Ich hingegen kann das sehr mögen, wenn die emotionale Spannung aufrecht erhalten wird - wie fast immer beim späten Bernstein - und kein Zerdehnen der Melodien und Harmonien erfolgt (Negativbespiele dieser Art sind für mich Cellis Pathetique und Rattles Mahler6). Bei Svetlanov95 wird nichts zerdehnt.
Ich muss ehrlich sagen, das die Symphonien 1 und 3 bei mir ein wenig im Schatten der 2. stehen. Während ich von ihnen nur jeweils eine Version im Besitz habe (die 1. mit Mariss Jansons sowie die 3. mit dem späten Svetlanov), ist die 2. in fünf Versionen vertreten - und es dürfen gerne noch 4 - 5 mehr werden (z.B. Gergiev, I. Fischer, Svetlanov/Bolshoi, Temirkanov usw.). Ich mag die beiden anderen Symphonien auch gerne hören, aber die 2. spricht in ganz direkter Weise zu meinem Herzen - es ist für mich etwas besonderes gerade um dieses Werk... Vielleicht sollte ich tatsächlich mal in den früheren Varianten der 1. und 3. mit Svetlanov bei Melodiya reinhören - wie von dir empfohlen...
Herzliche Grüsse! Nordolf
jünter (15.10.2008, 08:40): Vergesst meine o.g. Empfehlungen (außer Gergiev vielleicht). Seit heute ist diese Einspielung der Budapester unter Iván Fischer meine favorisierte Aufnahme:
Liebe Cosima,
ich habe erst vor kurzem bewusste Bekanntschaft mit den Werken Rachmaninoffs gemacht und mir als Erstausstattung der 2. Symphonie - maßgeblich auf Deine Empfehlung hin - die Fischer/Budapester-Aufnahme gekauft. Ich kann nur bestätigen: erstklassige Klangqualität, Interpretation nach meinen bisherigen Eindrücken ein gelungener Mittelweg zwischen der dunkel-emphatischen Previn/LSO-Einspielung einerseits und der „schlanken“, zurückhaltenden Jansons/St. Petersburg-Aufnahme andererseits (wobei ich die Zuverlässigkeit dieses Vergleichs außer meinem Laientum auch insoweit einschränken muss, als er auf den verfügbaren MP3-Schnipseln beruht). Der Gergiev-Aufnahme bin ich wg. ihres (derzeit noch) hohen Preises bisher nicht näher getreten.
Schöne Grüße, jünter
P.S.: Zu Deiner Erbauung: Meine allererste Rach-CD war - natürlich! - das 2.Klavierkonzert mit Richter!