Jürgen (09.02.2012, 10:57): Ich habe auf meinem PC ein Playlist, die ich sinnigerweise Meisterwerke der Renaissance genannt habe.
Sie beinhaltet momentan:
Monteverdi, Claudio - Toccata Monteverdi, Claudio - Ohime, Ch'io Cado Monteverdi, Claudio - L'Incoronazione Di Poppea: Pur Ti Miro Monteverdi, Claudio - Amor (Lamento Della Ninfa) Monteverdi, Claudio - Si Dolce è 'l tormento Morales, Christóbal de - Ad Matutinum: Circumdederunt Me Gemitus Mortis Morales, Christóbal de - Invitatorium: Regem Cui Omnia Vivunt / Psalmus 94: Venite, Exultemus Domino Morales, Christóbal de - In Primo Nocturno: Versiculum: A Porta Infieri / Lectio I: Parce Mihi Domine Morales, Christóbal de - In Primo Nocturno: Lectio II: Taedet Animam Meam Vitae Morales, Christóbal de - In Primo Nocturno: Lectio III: Manus Tuas Morales, Christóbal de - In Secundo Nocturno: Versiculum: Collocet Eos Cum Principibus / Responsorium… Striggio, Alessandro - Ecce beatam lucem Allegri, Gregorio - Miserere Desprez, Josquin - Sanctus & Benedictus Tallis, Thomas - Spem in alium Palestrina, Giovanni Pierluigi da - Kyrie Palestrina, Giovanni Pierluigi da - Benedictus Palestrina, Giovanni Pierluigi da - Agnus Dei I-II Gabrieli, Andrea - Maria stabat ad momentum a 6 Gabrieli, Giovanni - Sonata octavi toni a 12 Gabrieli, Giovanni - Sonata con voce - Dulcis Jesu a 20 Richafort, Jean - Requiem: Introitus - Requiem aeternam Richafort, Jean - Requiem: Kyrie Richafort, Jean - Requiem: Graduale - Si ambulem Richafort, Jean - Requiem: Offertorium - Domine Jesu Rore, Cipriano de - Missa Praeter rerum seriem: Kyrie Rore, Cipriano de - Missa Praeter rerum seriem: Credo Rore, Cipriano de - Missa Praeter rerum seriem: Santus - Benedictus Rore, Cipriano de - Missa Praeter rerum seriem: Agnus Dei
Welches sind Eure Lieblingswerke der Renaissance?
Grüße Jürgen
Jürgen (06.03.2012, 14:25): Na so was. Knappe vier Wochen und keine Reaktionen? :A
Der Thread ist sicherlich übersehen worden. Renaissance zählt sicherlich nicht zu jedermanns Lieblingsepoche (bei mir auch nicht), aber gewisse Stücke der Renaissancemusik hört Ihr doch bestimmt auch gerne.
:W
Armin70 (06.03.2012, 20:03): Die Musik aus der Zeit der Renaissance höre ich eher wenig und wenn, dann eher Instrumental- als Vokalwerke.
Sehr vital-spritzige Tänze hatte Michael Praetorius in der Sammlung "Terpsichore" gesammelt und herausgebracht. Genauso fulminante virtuose Tanzsätze finden sich in Tielman Susatos "Danserye".
Ansonsten höre ich aus dieser Musikepoche gerne Musik von Giovanni Gabrieli, dessen venzezianische Mehrchörigkeit in seinen Sonaten und Canzonen immer wieder faszinierende Klänge hervorbringt.
Des weiteren zählt für mich Claudio Monteverdis "Marienvesper" zu den bedeutensten sakralen Musikwerken, die ich sehr gerne höre.
Armin
Wooster (08.03.2012, 10:41): Monteverdis Orfeo nimmt man gemeinhin allerdings eher als Mitbegründung des Barock, während die Marienvesper vielleicht noch mit einem Bein in der Renaissance steht, aber auch schon die Neuerungen der beginnenden Epoche einschließt. (Man vgl. etwa die Vesper mit einer Palestrina-Messe.)
Jürgen (08.03.2012, 14:35): Original von Wooster Monteverdis Orfeo nimmt man gemeinhin allerdings eher als Mitbegründung des Barock, während die Marienvesper vielleicht noch mit einem Bein in der Renaissance steht, aber auch schon die Neuerungen der beginnenden Epoche einschließt. (Man vgl. etwa die Vesper mit einer Palestrina-Messe.)
Hallo Wooster,
da hast Du mich kalt erwischt. Speziell die von mir gelisteteten Monteverdistücke werde ich wohl entfernen.
Aber ich lerne gerne hinzu. Also vielen Dank für Deinen Einwurf.
Grüße Jürgen
Cetay (inaktiv) (09.03.2012, 05:45): Ich würde Monteverdi drauf lassen. Zur Begründung recycle ich einen alten Beitrag von mir:
Bevor ich mich mit den musikgeschichtlichen Hintergründen beschäftigt habe, empfand ich Monteverdi nie als Barockkomponist. Oder hemdsärmlig gesagt: für mich hat er eine größere klangliche und stilistische Nähe zur (Spät-)Renaissance als zum Spätbarock. Bei Monteverdi fließen alle Neuerungen zusammen, die während der Spätrenaissance aufgekommen sind und somit kann man ihn auch als eine Art Nahtstelle sehen. Beim Übergang zwischen stilistischen Epochen ist es oft unklar, wo der Kulmnationspunkt der alten und wo der Ausgangspunkt der neuen ist. Von daher kann ich nachvollziehen, wie Monteverdi auf diese Liste geraten ist, auch wenn es musikhistorisch nicht ganz korrekt ist.
Beispielhaft seien die Madrigalbücher genannt. Der Basso Continuo, ein stilprägendes Merkmal des Barock wurde ab dem 5. Buch verwendet. Wiki: Voll chromatischer Experimentierfreudigkeit (...) und mit kontrapunktischer Verflechtung der verschiedenen Stimmen lassen insbesondere das Madrigalwerk Carlo Gesualdos und die ersten Madrigalbücher Claudio Monteverdis mit ihrer extremen Ausdruckssteigerung die Ausgeglichenheit der Renaissancemusik bereits hinter sich und kündigen das Barock an.
Also weder noch und das macht die Musik so aufregend. Erneut ein Selbstzitat:
Für mich zählt die Nahtstelle zwischen Renaissance und Barock zum aufregendsten, was die Musikgeschichte zu bieten hat. Das Florenz zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde un laboratoire musical genannt und das trifft es ganz ausgezeichet. Das damalige Experimentieren mit neuen Ausdrucksmitteln und Formen klingt auch heute noch modern, frisch und unverbraucht. Die unverstimmte Harmonik (nicht temperierte Stimmung) und der Klang des Instrumentariums der Zeit tragen zur Faszination bei.
Wenn ich die Grenzfälle mit dazu zähle, fallen mir ein:
Monteverdi; Marienvesper Caccini; Le Nuove Musici Cavalieri; Lamentations Hieremiae Prophetae Guererro; Missa Super flumina Babylonis G. Gabrieli; Sonate et Canzoni (unbedingt mit dem Concerto Palatino und den restaurierten Orgeln aus dem 15. Jhd) A. Gabrieli; Missa Bervis und vor allem die Kollektivkomposition (Marenzio, Malvezzi, Caccini, Peri, Cavalieri) La Pellegrina - Intermedii 1589
Wooster (09.03.2012, 18:41): Natürlich steht Monteverdi gewissermaßen an der Grenze. Aber ich gebe nur die übliche "Lexikoneinordnung" wieder. Die frühen Madrigale kann man sicher noch zur (späten) Renaissance zählen, ebenso schrieb er einige Kirchenmusik im "Palestrina-Stil". Aber die Auseinandersetzung mit Artusi über die expressiven ("verbotenen") Dissonanzen im 5.? Madrigalbuch und eben der "Orfeo" mit Recitativ-Stil und basso continuo gelten gewisssermaßen als Gründungsdokumente des neuen Stils, den man dann später Barock nannte.
Die arienartigen Sachen von Caccini gehören auch hierher, klar. Eine Auseinandersetzung um Worte bringt sicher nicht weiter. Aber diese Neuerungen sind halt genau die, die man zumindest im Nachhinein als charakteristisch für den Beginn des Barockstils nimmt. Nur sind wir Normalhörer fast ausschließlich mit Spätbarock der 1710er-40er Jahre sozialisiert worden, daher kommt uns die Musik um 1600 erstmal oft ziemlich anders vor, auch wenn sie sich stark von der Renaissancepolyphonie unterscheidet.
palestrina (09.04.2014, 15:41): Heute Morgen hörte ich mir Lamentazioni an , und suchte dann im Forum und kam auf diesen Thread.
Bei mir ist das so zu erklären, die Renaissance endet in meinen Ohren um 1600. Ob das korrekt ist, ist eine andere Sache, w.o. schön erwähnt hat das mit den Hörgewohnheiten zu tun. Aber so genau kann man das auch in der gesammten Kunst dieser Zeit nicht sagen ,z.B.auch in derMalerei.
Mein bevorzugter Komponist der endenden Renaissance Musik , ist TOMÁS LUIS DE VICTORIA . Ganz wunderbar seine " Tenebrae Responsories "
Und meine Lieblings CD ist jene mit Carlos Mena "Et Jesum"!!
http://ecx.images-amazon.com/images/I/51U-5511VPL._SL500_.jpg Diese Motetten für Solo Stimme, sind was ganz wunderbares !
Sehr ergreifend ist auch das "Rappresentazione di Anima, et di Corpo" von EMILIO DE' CAVALIERI. Das gab es in Frankfurt szenisch zu sehen ! Sehr emotional , ich war tief beeindruckt ! Obwohl komponiert 1600, ist gerade dieses Werk für mich noch Renaissance Musik! Was meint Ihr?